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Kategorie: Travel. Outdoor.

Eine (fast) vegane Reise durch Nord-Kalifornien, Teil 3

Während der weiteren Fahrt entlang des Highway 1 sind wir, wie auch am Vortag, schon öfters stehen geblieben, um die Küste zu bewundern und zu Stränden zu spazieren – bei…

Während der weiteren Fahrt entlang des Highway 1 sind wir, wie auch am Vortag, schon öfters stehen geblieben, um die Küste zu bewundern und zu Stränden zu spazieren – bei dem Wind habe ich aber nicht daran gedacht, mehr als meine Zehenspitzen ins Meer zu strecken.

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Weiter im Norden sind wir zur Avenue of the Giants gekommen, der Allee der Giganten, die 49 Meilen parallel zum Highway 101 von Garberville nach Scotia durch einen faszinierenden Teil des Redwood-Waldes führt. Die Straße schlängelt sich zwischen den säulenartigen Stämmen der riesigen Redwoods entlang und wir sind auf kleineren Wegen durch den Wald spaziert. Dabei haben wir uns wie in einer Traumlandschaft gefühlt, die Redwood Bäume strahlen eine ganz starke Ruhe aus und es fühlt sich richtig gut an, die Bäume, ihre majestätische Höhe und ihren immensen Baumstammumfang länger zu betrachten. Mich hätte es nicht gewundert, wenn statt des Rehes ein Dinosaurier um die Ecke gebogen wäre. Die Wälder wirken wie aus Urzeiten, da abgesehen von den Giganten Farne am Boden wachsen, jedoch keine Sträucher und oder sonstige Pflanzen.

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Abends haben wir in Eureka übernachtet, diese Stadt hat relativ wenig zu bieten. Im Nachbarort Arcata fand sich jedoch bei Japhy’s ein studentisches Lokal mit vielen, großteils veganen, asiatischen Suppen, Nudelgerichten und Salaten. Wir hatten ein leckeres Thai Curry mit Reis, obwohl uns die Auswahl zwischen japanischen Soba und Udon-Suppen nicht leicht gefallen ist. Nach dem Abendessen sind wir noch durch Arcata spaziert und haben schnell gemerkt, dass hier der Anbau von Marijuana (für medizinische Zwecke) legalisiert worden ist.

Am nächsten Morgen sind wir in Arcata hinter der Universität in einem Waldstück, wo es auch viele Redwood-Bäume gibt, laufen gegangen. Das war eine sehr schöne Strecke, etwas trailmäßig bergauf und bergab, und die Morgensonne schien wunderbar zwischen den Bäumen hindurch. An diesem Tag sind wir sonst viel im Auto gesessen um nach Redding zu kommen. Am Weg sind wir in Weaverville, einer ehemaligen Goldgräber-Stadt stehen geblieben. Doch abgesehen von ein paar restaurierten Häusern und etwas geschichtlichem Hintergrund, gab es da nicht so viel zu sehen. Dafür hatte Redding abends wieder etwas zu bieten, und zwar ein Non-Profit Lokal names Savory Spoon. Dieses Restaurant serviert dienstags bis donntags à la carte, es gibt amerikanisches Essen mit Sandwiches, Burgern, Burritos und Salaten und es finden sich auch ein paar vegane Optionen auf der Speisekarte. Die Einnahmen daraus ermöglichen den „Community Monday“ wo es wechselnde Gerichte gibt, für die jeder nur so viel bezahlt, wie er oder sie sich leisten kann. So soll auch ärmeren Leuten ein gesundes Essen ermöglicht werden. Ich musste nicht lange überlegen, sondern habe gleich eine Speise mit dem klingenden Namen „Live forever Seitan Sandwich“ mit Salat bestellt.

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Als nächstes sind wir zum vulkanischen Lassen Nationalpark gefahren, hier wollten wir uns die über den ganzen Park verteilten Geysire und heißen blubbernden Quellen anschauen und den Vulkan Mount Lassen erklimmen. Leider hat uns der Schnee einen Strich durch die Rechnung gemacht – die Straße zum Park war zwar offen, drinnen allerdings gesperrt. Also sind wir zu Fuß zum ersten leicht erreichbaren Geysir spaziert und anschließend konnten wir zwar nicht zum Mount Lessen gelangen, stattdessen hatten wir aber auf den Brokeoff Mountain umdisponiert. Dieser war auch noch in eine Schneeschicht gehüllt , so konnten wir den Weg zwar nicht finden, sind aber anderen Winterwanderer-Spuren bis unterhalb des Gipfelaufbaus gefolgt, und wurden mit einer tollen Aussicht belohnt.

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Während der Weiterfahrt nach Sacramento stieg die Temperatur ständig an, und so bot sich ein spätnachmittäglicher Besuch der Sierra Nevada Brauerei in Chico an. Wir hatten Hunger und Durst vom Wandern und das Pale Ale dieser Brauerei finde ich sehr lecker – der Geschmack erinnert leicht an Maracuja und andere Früchte, bevor eine herbe Würze durchkommt. Die Auswahl an Bieren bei Sierra Nevada ist gigantisch, an die zwanzig Sorten gibt es frisch gezapft. Zum Glück kann man auch mehrere Biere in kleinen Gläsern zum Verkosten auswählen, bevor man eine halbe oder ganze Pint bestellt. Dazu eine Portion garlic fries – Pommes mit frischen Kräutern und noch mehr frischem, kleingeschnittenem Knoblauch – und wir waren zufrieden. Sierra Nevada ist eine der nachhaltigsten Brauereien, da sie einen Teil des benötigten Stromes aus Solarzellen am Dach deckt und auch in die Bahn-Transport-Infrastruktur investiert. Leider konnten wir kurzfristig nicht mehr an einer Führung durch die Brauerei teilnehmen, sondern mussten es beim Konsum des kühlen Getränks belassen. Zur Info – das Reinheitsgebot beim Bier (die Zutaten Hopfen, Malz, Hefe und Wasser) existiert in Kalifornien nicht, so habe ich im Urlaub auch zum Beispiel Biere getrunken, die mit Orangenschalen und Rosmarin gebraut waren, und für ungewöhnlich, aber durchaus lecker, befunden.

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Abends in Sacramento hatten wir noch keinen großen Hunger, doch die Happy Cow verriet mir, dass es gerade in dieser Stadt besonders viele vegane Restaurants gibt. Da das „Noble Vegetarian Restaurant“ sogar ganz in der Nähe unserer Unterkunft lag und sich verlockend gut anhörte, sind wir dorthin gegangen. Dieses Lokal ist ein veganer Vietnamese, der auf der Speisekarte viele Gerichte mit „mock meat“ hat. Irgendwie komme ich sonst nicht dazu, viele Imitate zu essen, sondern esse öfters Gemüsegerichte und Proteine aus Hülsenfrüchten. Aber interessiert hat es mich, und so haben CJ und ich mit den Glücksrollen mit veganen Garnelen gestartet und hatten als Hauptspeise eine Royal Noodle Soup mit frischen vietnamesischen Kräutern und etwas Veg-icken und einen Vege-fish mit braunem Reis. Lecker!

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Wie es uns am nächsten Tag bei der Besichtigung Sacramentos und weiter am Lake Tahoe ergeht, erfährt ihr im nächsten Teil.

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Eine (fast) vegane Reise durch Nord-Kalifornien, Teil 2

Nachdem ihr im ersten Teil von den ersten Tagen meiner Reise in Kalifornien lesen konntet, geht es jetzt weiter gegen Norden. Als nächstes fahren wir nach Point Reyes, einer Halbinsel an…

Nachdem ihr im ersten Teil von den ersten Tagen meiner Reise in Kalifornien lesen konntet, geht es jetzt weiter gegen Norden.

Als nächstes fahren wir nach Point Reyes, einer Halbinsel an der kalifornischen Pazifikküste in Marin County nordwestlich von San Francisco. Dass das Point Reyes Lighthouse, der Leuchtturm im National Seashore, der windigste Ort der nordamerikanischen Pazifikküste ist, glaube ich gerne – fast wäre ich mit dem Wind aufs Meer davongeflogen. Immerhin hatten wir Glück, die Wahrscheinlichkeit für Nebel, bei dem die Sicht auf weniger als drei (!) Meter sinkt ist hier extrem hoch, wir hatten jedoch klare Sichtverhältnisse. Wir haben die Aussicht auf die Küste und das Meer genossen, nur die Wale die hier eigentlich oft vorbeischwimmen, haben sich gerade versteckt gehalten.

Unsere Unterkunft, ein nettes Bed & Breakfast hatte einen schönen Garten mit zwei Zwergponys, zutrauliche aber verfressene „minature horses“ wie uns der Besitzer erklärte – und meinen Apfelbutzen haben die beiden dann bekommen, bei diesen Blicken wird jeder schwach. In einem anderen Teil des Gartens fand sich ein Whirlpool, energiemäßig ist es zwar absolut verschwenderisch diesen ständig auf gefühlte 50 Grad zu heizen, aber es war angenehm darin zu liegen, nachdem der Wind uns durchgeblasen hatte.

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Ein weiterer Höhepunkt war dann die Fahrt entlang des Highway 1 nach Mendocino und weiter die kalifornische Pazifikküste hinauf. Wir haben immer wieder Pausen eingelegt, um entlang der Küste zu spazieren und von den Felsen aufs Meer zu schauen. Zum Glück war zu dieser Zeit touristisch sehr wenig los, und so konnten wir nachmittags auch relativ alleine durch Mendocino schlendern, die schönen Holzhäuser bewundern und entlang der Küste spazieren. Abends haben wir bei Frankie’s gegessen – hier wusste ich von der Happy Cow App, dass die Pizzen nicht nur mit frischen, biologischen Zutaten gemacht werden und richtig lecker schmecken, sondern dass es nach Wunsch auch veganen Käse gibt. Da wir Riesenhunger hatten, haben CJ und ich uns gemeinsam die größte Pizza bestellt, er wollte die Jalapeno-Ziegenkäse Hälfte, ich eine mit Basilikumpesto (statt der Tomatensauce – eine gute Idee, die ich mir merken werde), Spinat, veganem Käse und anderen Zutaten.

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Die Küste bei Mendocino hat uns so gut gefallen, dass wir in der Früh laufen gegangen sind – da war es nicht so windig, und wir konnten auf kleinen Wegen entlang der Küste und am Sandstrand joggen. Von diesem führt auch ein Fluss weiter ins Landesinnere, wo es einen sehr schönen, etwas breiteren Weg gab.

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Vielleicht das kulinarische Highlight des Urlaubs war ein Stopp beim leider mittlerweile geschlossenen Living Light Café in Fort Bragg, ein paar Kilometer von Mendocino entfernt. Dieses vegane Rohkostcafé war Teil des Living Light Culinary Institute, das vegane Rohkost-Kochkurse und dergleichen veranstaltet. Ich hätte total gerne einen Kurs besucht, aber da wir relativ spontan gereist sind, hat sich das leider nicht ergeben. Bei den Speisen ist uns die Wahl schwer gefallen, und so haben wir für die Fahrt gleich mehrere Leckereien mitgenommen: Einen Dream Bar Brownie, einen Lemon Bar Brownie (dieser wurde als erstes verzehrt bevor ich ans Foto knipsen dachte und hat vorzüglich gemundet – mit einer nussigen Teigschicht und einer hellgelben Zitronencreme), einen Carrot Chia Muffin und eine Cinnamon Roll. Von der Optik her hätte ich nicht gedacht, dass diese leckeren Süßigkeiten roh sind. Bei den Muffins fand ich auf dem Flyer des Living Light Cafes die folgenden Zutaten: Äpfel, Karotten, Datteln, Kokosnuss, Walnüsse, Chia, Gewürze – klein geraffelt und zusammengedrückt, das werde ich mal nachkochen. Die Cinnamon Roll bestand aus Mandeln, Rosinen, Datteln, Pekannüsse, Agavensaft, Leinsamen, Feigen und Gewürzen und ist mit einer Kokosnuss-Vanille-Creme dekoriert. Diese hohe Rohkost-Kochkunst, vor allem mit der Verzierung, könnte meine Fähigkeiten und Geduld doch übersteigen.

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Wie es entlang der Fahrt des Highway 1 weitergeht, erfährt ihr in der Fortsetzung.

Habt ihr Erfahrungen mit Rohkost Desserts? Was hat euch am besten geschmeckt?

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Eine (fast) vegane Reise durch Nord-Kalifornien, Teil 1

Im Mai war ich mit meinem Freund CJ etwas über zwei Wochen auf Urlaub im sonnigen Kalifornien. Während ich diesen Artikel schreibe und in den Erinnerungen von der tollen Reise…

Im Mai war ich mit meinem Freund CJ etwas über zwei Wochen auf Urlaub im sonnigen Kalifornien. Während ich diesen Artikel schreibe und in den Erinnerungen von der tollen Reise schwelge, lächle ich. Da CJ vor Jahren in San Jose in der Nähe von San Francisco gelebt und gearbeitet hat, wollten wir zuerst ein paar Tage mit seinen Freunden in San Francisco und der Bay Area verbringen, und anschließend in den Norden fahren. Als ich ihn damals besucht habe, haben wir den Süden Kaliforniens bereist und ich hätte nicht gedacht, dass der Norden des Bundesstaates noch so viele Überraschungen bereithält beziehungsweise so anders ist. Vor allem die Vielfalt der Landschaft und Natur hat mich fasziniert – von schroffen Felsküsten mit schier endlosen Stränden, bis zu riesengroßen Redwood-Bäumen, und Seen auf über 2.000 Meter Höhe. Auch aus kulinarischer Sicht war der Urlaub im wahrsten Sinne des Wortes eine Reise wert, so gut habe ich selten zuvor vegan gespeist.

Mich hat beeindruckt, wie einfach es in Kalifornien ist, sich vegan zu ernähren, wie viele spezielle, rein pflanzliche Restaurants es gibt, aber auch wie in „ganz normalen“ Lokalen Rücksicht auf Sonderwünsche genommen wird. Normalerweise ernähre ich mich im Urlaub und auch im Alltag außerhalb meiner eigenen vier Wände der Einfachheit halber nicht streng vegan, sondern bin mit vegetarischem Essen, falls es sonst nichts gibt, zufrieden. In Kalifornien sind mir jedoch problemlos zwei fast vegane Urlaubswochen gelungen. Wieso fast? Ich habe nicht bei allen Lebensmitteln nachgefragt, ob sie wirklich rein pflanzlich sind (zum Beispiel Brot, Weine, und ähnliches), sondern darauf geachtet, möglichst keine offensichtlichen Milchprodukte oder Eier zu essen.

Bevor ich euch auf die Reise durch Nordkalifornien mitnehme, möchte ich noch ein paar allgemeine Eindrücke von Kalifornien in Bezug auf Nachhaltigkeit mit euch teilen. Ich beschreibe die Aspekte, die mir am meisten aufgefallen sind. Vielleicht wart ihr auch schon dort und habt etwas anderes erlebt, oder auch die gleichen Dinge anders wahrgenommen – schreibt mir doch, am Ende des Artikels gibt es die Möglichkeit zu kommentieren.

In Kalifornien ist es einfach, sich gesund zu ernähren:
– Es gibt zumindest in größeren Städten viele vegane und vegetarische Lokale und oft sind auch in anderen Restaurants Speisen gekennzeichnet, welche vegan oder glutenfrei sind. Davon abgesehen reagieren Kellner auf Nachfragen generell sehr freundlich und kompetent und fragen gerne in der Küche nach, wenn sie selbst nicht auskunftsfähig sind.
– Mir sind viele Bio-Supermärkte, Farmer’s markets und sonstige Stände aufgefallen, an denen frische, lokale Lebensmittel verkauft werden.
– Die Auswahl an speziellen Lebensmitteln in Supermärkten, wie zum Beispiel Chia-Gels, Getränke mit Chia, verschiedenste Pflanzenmilch-Varianten, vegane Käsesorten, Rohkost-Müsliriegel und dergleichen übertrifft jeden deutschen und österreichischen Bio-Markt bei weitem.
– In den Lokalen, in denen es keine Soda-Fountains (siehe unten) gibt, bekommt man immer Leitungswasser mit den fast schon obligatorischen Eiswürfeln serviert – hier wird auch fleißig nachgeschenkt. Das Getränkeangebot in den veganen Restaurants bietet generell weniger Limonaden und dergleichen, sondern oftmals selbstgemachte Eistees, frische Obst- und Gemüsesäfte und Smoothies.

Mindestens genau so einfach ist es jedoch, sich ungesund zu ernähren:
– Vor jeder noch so kleinen Ortschaft findet man eine Vielzahl von Fast-Food-Ketten (davon sind McDonalds, Burger King und Pizza Hut nur die bei uns bekanntesten).
– Die Packungsgrößen der Produkte können extreme Dimensionen annehmen, besonders gestaunt habe ich über eine kiloschwere Philadelphia-Packung, die ein Freund CJs zu Hause hatte (Anmerkung: Er lebt zu zweit und nicht in einer Großfamilie).
– Die Auswahl an süßen, günstigen Backwaren im Supermarkt ist für mich weniger verlockend als erschreckend, so zum Beispiel eine 1,3 Kilo Packung (mehr oder weniger) frisch gebackener Chocolate-Chip-Cookies, die mit einem Preis von fünf US-Dollar beworben wird.
– Sogar Medikamente gibt es in Riesenpackungen – und zwar in Supermärkten – einfach zu kaufen. Aber wer braucht wirklich eine 100 Stück Packung Paracetamol?
– In einigen Lokalen gibt es sogenannte Soda-Fountains, an denen man sich seinen Softdrink so oft man will nachfüllen kann, wobei der größte Becher schon mehr als einen Liter fasst. Ich gehe davon aus, dass die wenigsten zwischen Cola und den anderen üblichen Verdächtigen Wasser auswählen.

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Abgesehen von größeren Städten wie San Francisco und Sacramento benötigt man leider immer ein Auto. Leicht übertrieben gesagt hatte ich den Eindruck, dass sich der öffentliche Verkehr fast schon auf Schulbusse beschränkt. So wird oft davon ausgegangen, dass jeder zumindest ein Auto besitzt und dieses ständig verwendet. Für Fußgänger sind die meisten Ortschaften jedenfalls nicht optimiert, manchmal gibt es keine Gehsteige. Die meisten Straßen, die bei uns Nebenstraßen wären, oder maximal einspurig, sind in Amerika oft mehrspurig in jede Richtung. Infolgedessen wird sehr viel Platz für Straßen verwendet und als Fußgänger muss man bei Kreuzungen einiges an Distanz zurücklegen, schon alleine um über die Straße zu kommen. Aber es gibt in Städten auch oft Wege zum Spazierengehen und Laufen, zum Beispiel schön am Meer oder an Flüssen gelegen, allerdings benötigt man unter Umständen ein Auto, um diese zu erreichen. Ich habe während des Urlaubs öfters mit CJ die Laufschuhe angezogen, um so die grüneren Stadtteile und größeren Parks zu erkunden.

Beim Thema Müllvermeidung und Plastik finde ich positiv, dass man in manchen Supermärkten und auch sonstigen Geschäften nicht automatisch eine Plastiktüte erhält, sondern gefragt wird, ob man eine benötigt und es auch öfters Papiertüten gibt. Leider sieht das beim Frühstück in normalen Motels oder Hotels anders aus, hier ist oft alles – sprich Teller, Besteck, Becher – aus Plastik oder Styropor. Die Marmeladen, Erdnussbutter und was es sonst noch so alles gibt, sind in kleinen Plastikbehältnissen, von denen man mehrere benötigt – hier wären grössere zur Selbstbedienung sinnvoll. Wie riesig der Müllsack schon nach einem Frühstück bei einem Hotel ist, kann man sich vorstellen. Mir hat das Herz geblutet und es ist mir wie ein Tropfen auf dem heißen Stein erschienen, wenn ich einen Bagel auf einer Serviette, statt eines Plastiktellers transportiert habe.

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Jetzt geht es aber zu meiner Reise durch Nordkalifornien. Ich werde die schönsten Eindrücke und Fotos mit euch teilen sowie auch den kulinarischen Aspekt mit einbeziehen, das heißt, die veganen Speisen, die den Urlaub zur Genuss-Reise werden ließen. Abseits dieser besonders leckeren Mahlzeiten (einige davon lassen sich ohne weiteres nachkochen, lasst einfach der Phantasie freien Lauf, auch ohne Rezept!), haben wir selbstverständlich mehr gegessen. Der vegane Anteil an Speisen beim Frühstück bestand in den meisten Unterkünften aus Toastbrot oder Bagels mit Marmelade, Erdnussbutter, Oatmeal mit heißem Wasser zubereitet (so eine Art Haferbrei, den es in verschiedensten Varianten, zum Beispiel auch mit Zimt und Gewürzen, gab) und etwas Obst. Mahlzeiten, die in Kalifornien leicht zu finden sind, und auch in veganen Varianten erhältlich, sind diverse Salate, sowie asiatische Speisen (Maki mit Gemüsefüllung, Nudelsuppen mit Gemüse, Veggie Curries), Pasta beim Italiener, vegane Burger, mexikanische Burritos (Weizenfladen mit Bohnenmus, Reis und Gemüse, Avocadomus und vielen scharfen Jalapenos) und für zwischendurch viel Obst, verschiedenste Nüsse und Müsliriegel (wie die echt leckeren, veganen Clif Bars).

An den ersten Tagen haben wir in San Francisco einige von CJs Freunden getroffen und sind einfach durch die Stadt spaziert, haben die Sonne genossen und so nebenbei die klassischen touristischen Sehenswürdigkeiten angesehen. Besonders beeindruckend fand ich einen morgendlichen Lauf zuerst die Marina entlang (die Seelöwen beim Fishermen’s wharf zeigten sich in der Früh abseits der Touristenmassen noch sehr aktiv und verspielt und lieferten uns eine richtige Show) und dann weiter über Crissy Field bis ans andere Ende der Golden Gate Bridge und zurück. Richtig schöne Ausblicke haben sich da aufgetan und mit dem leichten Wind wurde es auch beim Laufen nicht zu heiß.

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Kulinarisch hat San Francisco jede Menge zu bieten, da viele Menschen unterschiedlichster Nationalitäten in der Stadt leben, und so gibt es viele asiatische, vegetarische und vegane Lokale. Wir haben in einem veganen bolivianischen Lokal namens Pena Pachamama gegessen. Die Besonderheit hier ist, dass es – abgesehen vom Essen (vegane Bio-Gerichte, teilweise als Rohkost) – abends verschiedene Tanz-Vorführungen gibt. Leider kann ich euch nicht berichten wie diese sind, an dem Tag hatten wir schon frühzeitig Hunger und haben nur unser Essen genossen. Als Vorspeise bestellten wir Yuca Frita (frittierte Yucca) mit einer Cashew-Sauce, als Hauptspeisen hatten wir Bolivian Stew (einen bolivianischen Eintopf mit Quinoa und Bohnen), sowie Picante de Yuca (ein Gericht mit Yuca, Bohnen, Quinoa und frittierten Kohlchips mit veganem Käse). Alles war sehr lecker und wir haben es nicht zu den Nachspeisen geschafft, da wir schon satt waren.

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Fast noch mehr vegane Optionen, zumindest auf kleinerem Raum, gibt es in Berkeley, einer Studentenstadt in der Bay Area ganz in der Nähe von San Francisco. Hier ist uns die Auswahl des Lokals zum Mittagessen so richtig schwer gefallen, da es an einer einzigen Straße gelegen schon fünf verschiedene vegane Restaurants gab. Unsere Wahl fiel dann auf ein veganes Lokal namens Herbivore – „the earthly grill“, das auch zwei Filialen in San Francisco hat und verschiedenste Salate, Sandwiches, sowie Speisen vor allem vom Grill anbietet. Bei dem schönen Wetter hatte ich darauf am meisten Appetit. Ich bestellte das „Orange pepper chicken“ auf Quinoa mit Veggie Huhnstückchen und Gemüse vom Grill mit einer leckeren Orangensauce. CJ hatte die Tagessuppe und ein Sandwich mit gegrilltem Gemüse. Beide Speisen waren so lecker, dass wir darüber hergefallen sind.

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Unseren ersten Zwischenstopp haben wir in Napa und Sonoma Valley zur Weinverkostung gemacht. In den Tälern gibt es über 100 große und kleine Winzer, bei einigen kann man ohne Anmeldung einfach vorbeischauen und los geht es mit dem „Tasting“. Leider ist das bei den größeren Weingütern eine sehr kommerzielle, automatisierte Angelegenheit. Bei den kleineren ist das schon besser, dort kann man direkt mit den Winzern sprechen. Ich finde es total nett, zwischen den Weingütern herumzufahren – CJ hat sich als Fahrer geopfert – und die malerische Landschaft mit den Weingärten zu genießen, und immer wieder ein bisschen Wein zu trinken. Es gibt zwar organisierte Weintouren, doch ist hierfür eine Anmeldung nötig und wir hätten den Besuch vorausplanen müssen. Ein kleiner Tipp: Es ist möglich die Weinprobe zu teilen. Das haben CJ und ich auch gemacht, ich hätte es viel zu schade gefunden guten Wein wegzuschütten. Insgesamt hat mir unser zweiter Tag Weinverkosten im Sonoma Valley besser gefallen, da es hier viel mehr kleinere Weingüter gibt als in Napa, weniger Besucher, und man dadurch mit den Weinexperten besser ins Gespräch kommt. Und eines sind die Kalifornier definitiv, egal ob mit oder ohne Wein: Kommunikativ.

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Als nächstes geht es weiter nach Point Reyes zum Leuchtturm, davon aber näheres in der Fortsetzung meines Reiseberichtes!

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Zugreise von Zürich nach Verona und zurück: Die drei schönsten Destinationen mit den besten Insider-Tipps

Als großer Modefan wollte ich schon immer einmal die norditalienische Modemetropole Milan (Mailand) erkunden, von Zürich aus sind es ja bis dahin nur vier Stunden Fahrt mit dem Zug. Da…

Als großer Modefan wollte ich schon immer einmal die norditalienische Modemetropole Milan (Mailand) erkunden, von Zürich aus sind es ja bis dahin nur vier Stunden Fahrt mit dem Zug. Da dachte ich mir, warum nicht gleich eine viertägige Zugreise nach Italien bis Verona und retour nach Zürich planen und durchführen? Wenn du auch einmal von Zürich aus Lust auf einen preisgünstigen Kurztrip nach Italien hast, dann buchst du am besten über das Internet das Zugticket Zürich-Italien und zurück als preisgünstiges Interrail-Ticket. Wenn du noch keine 25 bist, zahlst du in der Schweiz für vier Tage nur den Jugendtarif von 152 Euro. Um Zeit und Kosten zu sparen, übernachtest du am besten in preiswerten Hotels in Bahnhofsnähe.

1. Tag: Zürich bis Mailand Bahnhof Garibaldi (ca. vier Stunden Zugfahrt)

Wenn du Fashionista oder Modefreak bist so wie ich, dann ist schon der erste Tag deiner Italienreise mit Station in Mailand ein absolutes Highlight. Günstig für 36 Euro pro Nacht kannst du im Drei-Sterne-Hotel Delle Nazioni in Bahnhofsnähe. Neben den schicken Modeboutiquen ist die Top-Sehenswürdigkeit natürlich der weltberühmte Mailänder Dom.

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Bild: Dom von Milan (Stefan Karpiniec / flickr.com)

Im weitläufigen Museumskomplex der Pinacoteca del Castello Sforzesco kannst du in Meisterwerken der italienischen Malerei von Tiepolo bis Tintoretto schwelgen. Als Geheimtipp für Edelküche gilt das Ristorante Berton an der Viale de la Liberazione, wo du sogar glutenfrei speisen kannst. Alleine die üppigen Desserts in der Pasticceria Castelnuovo an der Via dei Tulipani sind eine Sünde wert, und in der Gelateria della Musica an der Via Giovanni Enrico Pestalozzi sind sämtliche Eissorten Musik für deinen Gaumen. Abends geht es auf einen Campari Soda in die 100 Jahre alte legendäre Bar Camparino in Galleria direkt am Domplatz. Hier kannst du deinen Tag in Milan mit Blick auf den Dom stilecht ausklingen lassen.

2. Tag: Milan bis Florenz Firenze Santa Maria Novella Bahnhof (ca. zwei Stunden Zugfahrt)

Vom mondänden Milan aus dauert die Fahrt durch die romantische Landschaft Richtung Toscana und Florenz nur rund zwei Stunden. Im gemütlichen Hotel Palazzuola in einem malerischen Gebäude im historischen Stadtzentrum unweit des Bahnhofs übernachtest du schon für 29 Euro pro Person und Nacht.

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Foto: Hotel Palazzuola

Ein Bummel über die noch aus der Zeit der Medici stammende historische Brücke Ponte Vecchio mit ihren unzähligen Schmuckläden ist anschließend ein Muss.

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Foto: Ponte Vecchio (Razvan Orendovici / flickr.com)

In den mit Kunst vollgepackten Uffizien, eines der berühmtesten Kunstmuseen der Welt, ziehen dich Meisterwerke wie die Geburt der Venus von Botticelli in ihren Bann. Ein kleiner Tempel italienischer Köstlichkeiten ist das verschwiegene Restaurant Il Buffalo Trippone an der Via dell’Anguillara. Wenn du einmal die neue Florenzer Küche kennenlernen willst, bist du im Touch Florence an der Fiesolana genau richtig. Hier kannst du bei coolem Ambiente sogar im Internet surfen. Magst du ausgefallene Eis-Creationen wie Gelato mit Olivenöl? Dann probier mal die eiskalten Spezialitäten in der familiär geführten Gelateria Carabé an der Via Ricasoli. Wenn du unbedingt einmal eine klassische italienische Old Style Bar kennen lernen willst, dann sollte dich dein Weg ins Dolce Vita an der Piazza del Carmine führen. Hier schlürfen auch Einheimische ab 17 Uhr in gepflegtem Ambiente gerne ihre Cocktails.

3. Tag: Florenz bis Veronas Porta Nuova Bahnhof (ca. 1,5 Stunden Zugfahrt)

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Foto: Ponte Pietra (Ru_boff / flickr.com)

Von Florenz nach Verona ist es mit dem Zug nur ein Katzensprung, und schon nach 1,5 Stunden Fahrt bist du am Ziel deiner Träume. Um keine Zeit zu verlieren für dein Sightseeing-Programm checkst du am besten gleich in Bahnhofsnähe im stylisch möblierten Bed and Breakfast La Magnolia ein. Hier bekommst du für 40 Euro pro Nacht ein komfortables Zimmer. Von da aus sind es nur 100 Meter bis zur größten Sehenswürdigkeit von Verona, der Arena für das weltberühmte Opernfestival. Wenn du Opernfan bist, ist ein Besuch dort ein Muss.

Als Archäologie-Fan tauchst du im Museo Lapidario Maffeiano an der Piazza Bra ein in die Welt der Etrusker und Römer. Mit dem rustikalen Al Pompiere am Vicolo Regina d’Ungheria betrittst du eine typisch Veroneser Trattoria mit karierten Tischdecken und vielen Fotos von Künstlern an den Wänden. Locker und entspannte Atmosphäre mit unverfälschter Veroneser Küche bietet dir das Ristorante Greppia am Vicolo Samaritana im Herzen von Verona. Als eines der besten Eiscafés der Stadt mit maßvollen Preisen gilt die Gelateria Verona an der Piazza Libero Vinco Komma ebenfalls im Stadtzentrum. Du suchst das Schräge in Verona? Dann avanti zur Via Amanti in die kultige Bar Bukowski Cafe.

4. Tag: Verona bis Zürich (ca. 5,5 Stunden Zugfahrt)

Nach einem italienischen Frühstück, einem letzten Bummel durch die Stadt und einem köstlichen Gelato im Eiscafé ging es nach vier Tagen Italien pur für mich zurück nach Zürich. Die vielen landschaftlichen, kulinarischen und kulturellen Eindrücke in nur vier Tagen Reisezeit mit dem Interrail Ticket per Zug haben mich überwältigt. Jetzt ist mein nächster Italien Trip nach Rom schon in Planung. Wenn du Italien im Schnelldurchlauf mit einer schönen, entspannten Zugfahrt bei sparsamem Reisebudget erleben möchtest, dann kann ich dir eine solche Kurzreise nur empfehlen.

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travel2change: Reisen mit Sinn

Ich möchte etwas bewegen! Den Gedanken kennt wohl jeder Reisende, der schon einmal in Asien, Latein- oder Südamerika beziehungsweise Afrika unterwegs war. Manchmal ist man schier sprach- und bewegungslos angesichts unzähliger Menschen,…

Ich möchte etwas bewegen! Den Gedanken kennt wohl jeder Reisende, der schon einmal in Asien, Latein- oder Südamerika beziehungsweise Afrika unterwegs war. Manchmal ist man schier sprach- und bewegungslos angesichts unzähliger Menschen, die in Indien nackt auf der Straße schlafen. Man fühlt sich machtlos, wenn man Leute im Müll wühlen sieht – und weiß, dass sie noch Glück haben, Essbares zu finden. Man hat Mitleid mit Kindern, die sich in Bergdörfern mit fünfzig anderen in eine Schulklasse zwängen und nicht einmal ein Heft zum Schreiben besitzen. „Man“ – ich spreche hier von mir, mit den Gefühlen und Gedanken bin ich aber offenbar nicht alleine: Nicht umsonst gibt es zahlreiche Websites und Anbieter, die sich auf die Vermittlung von Hilfseinsätzen, Freiwilligenarbeit und sonstigen Sozialprogrammen spezialisiert haben. Meist gegen Geld.

travel2change ist anders. Das zeigt schon die Gründungsgeschichte: Der Vorarlberger Thomas Kohler hat die Organisation ins Leben gerufen, nachdem er selbst im Surfurlaub auf Mauritius damit konfrontiert war, dass die lokale Jugend auf Grund mangelnder Ausrüstung und Ressourcen keine Erfahrungen wie er als Reisender machen konnte. Obwohl sie im Paradies leben, konnten sie dies nicht auf die gleiche Weise erleben und genießen wie ökonomisch besser gestellte Reisende. Diese Ungleichheit hat ihn letztlich motiviert, vor Ort einen direkten Austausch zu initiieren; nachdem das Problem aber nicht nur auf Mauritius besteht, hat er die Plattform ins Leben gerufen, um die Situation weltweit zu verbessern.

Ich habe Gründer Thomas Kohler und Sina Hillger, Community Manager von Travel2Change interviewt: 

Doris: Ich kann mich noch an die erste Begegnung mit euch erinnern. Da hattet ihr einen Wettbewerb gestartet, bei dem Leute sinnstiftende Reiseideen vorschlagen sollten. Der Sieger erhielt Unterstützung, das Projekt umzusetzen. Was hat sich seither getan? 

Im Wesentlichen hat sich an der Idee nichts geändert. Allerdings haben wir die Positionierung laufend aufgrund der gemachten Erfahrungen angepasst. Wir wollen Reisende und die lokale Bevölkerung rund um sinnvolle Reiseerlebnisse zusammenbringen. Die lokale Bevölkerung (Non-Profit-Organisationen oder Einzelpersonen) bieten Reisenden die Möglichkeit, bei sinnstiftenden Erlebnissen teilzunehmen. Diese travel2change Erlebnisse sollen für die lokale Bevölkerung Nutzen stiften. Zusätzlich zu den Wettbewerben soll unsere Plattform die laufende Vernetzung von Reisenden und der lokalen Bevölkerung rund um travel2change Erlebnisse fördern.

Wie bei unserem Start, gibt es nach wie vor die Wettbewerbe auf der Plattform www.travel2change.org. Mit den Wettbewerben sammeln wir Ideen und inspirierende Projekte wie Reisende in Zusammenarbeit mit der Lokalbevölkerung gemeinsam etwas Sinnstiftendes erleben und erschaffen können. Momentan ist der Fokus auf der Sports, Hawaii und der Atlantic Rainforest Challenge.

Für Reisende ist euer Projekt kostenlos: Wie wird die Arbeit finanziert? Woher kommt das Geld?

Wir stellen die Plattform kostenlos für jeden bereit. Wir sind kein Reiseveranstalter und in die Organisation, die Koordination einer Reise sowie der sinnstiftenden Zusammenarbeit der Reisenden und Lokalbevölkerung nicht involviert. Dies geschieht eigeninitiativ. Unser Team arbeitet auf freiwilliger Basis. Wenn wir einen Wettbewerb ausschreiben, werden anfallende Kosten vom Sponsor gedeckt und Gewinne bereitgestellt.

Soviel ich weiß, arbeitet ihr mit Sponsoring-Partnern zusammen, nach welchen Kriterien sucht ihr die aus?

Grundsätzlich haben wir keine festen Kriterien, nach denen Sponsoring-Partner ausgewählt werden. Uns ist wichtig, dass der Partner ähnliche Werte vertritt und die Ziele übereinstimmen. Zum Beispiel wird der Wettbewerb für den Atlantischen Regenwald von „Sudden Rush Guarana“ unterstützt, weil das Produkt die Region in Brasilien fördert.

Foto: Hanno Mackowitch

Wie bestimmt ihr, welche Programme und Projekte ihr unterstützt?

Wir unterstützen jede Idee, die keine ethischen oder moralischen Kontroversen mit sich zieht. Auf Grund der großen Unterschiede ist es auch schwer möglich zu sagen, welches Reiseerlebnis besser ist als andere. Solange gewährleistet ist, dass ein gewinnbringender (und damit ist nicht zwangsläufig ökonomischer Gewinn gemeint!) Austausch von Reisenden und der Lokalbevölkerung stattfindet, bekommen die Initiatoren unsere Unterstützung im Sinne von Marketing und Nutzung unseres Netzwerks.

Wenn jemand mit travel2change eine Reise antritt, was ist eure Dienstleistung? Wie unterstützt ihr die Reisenden bei ihren travel2changes?

Wir stellen die Plattform auf der sich Reisende informieren, inspirieren lassen und austauschen können. Weiterhin können sie dort mit lokalen Organisationen in der Zieldestination in Kontakt treten, um an bestehenden Projekten mitzuwirken.

Sina, du bist Community Manager: Wie sieht deine Arbeit aus?

Als Community Manager bin ich zum einen Ansprechpartnerin für jeden, der sich auf travel2change anmeldet. Dabei gibt es technische, inhaltliche und auch persönliche Fragen. 95 Prozent des Kontakts geschieht per Mail; es kommt aber auch vor, dass ich Gespräche via Skype führe, zum Beispiel um travel2change näher zu erläutern oder Feedback zu Ideen zu geben.

Das Team. Foto: Travel2Change

Wenn du dir ein sinnvolles Reiseprojekt aussuchen könntest: Was würdest du am liebsten tun, wohin würde es dich verschlagen und warum?

Da ich bereits ein Jahr lang in Indien in der Stadt-Slumentwicklung im Bereich Sanitärversorgung tätig war, reizt mich der asiatische Raum sehr. Als Reisende würde ich aber keine Großstadt als Ziel wählen, weil ich Erholung in der Natur finde. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, in einer Auffangstation für Orang Utans in Borneo oder Sumatra mitzuwirken.

Hatte schon einmal jemand, der eine Challenge gewonnen hatte, ein Problem? Wie wurde es gelöst?

Während unserer ersten Challenge – der Water Challenge in Zusammenarbeit mit Kuoni Reisen – hätte ein Projekt besser funktionieren können. Der Projektleiter der kenianischen Organisation war weniger am Projekt als am Projektbudget interessiert, so dass wir Kürzungen vorgenommen haben, weil die ausgemachten Aktivitäten und Ziele nicht erreicht wurden.

Aufgrund fehlenden Budgets sind wir bei der Koordination der Projekte lediglich unterstützend tätig. Unsere Leistung an Challenge Gewinner besteht eigentlich nur in der Übermittlung des Gewinns; jegliche Organisation und Koordination mit den lokalen Kontaktpersonen geschieht selbstinitiativ und darum sind wir in Probleme und deren Lösung nicht zwangsläufig involviert. Natürlich stehen wir aber in Kontakt mit unseren Gewinnern und freuen uns über Updates und Feedback aus ihrer Arbeit.

Die Frage: Heute in fünf Jahren – wo seid ihr mit travel2change?

Eine Vision ist, dass wir in allen Ländern der Welt durch lokale Organisationen vertreten sind, die travel2change experiences anbieten und so Reisenden ermöglichen, das Land und seine Umstände authentischer zu erleben und im Gegenzug durch deren Motivation, Wissen und Einsatzbereitschaft zu profitieren.

Wer sich für travel2change weiter interessiert oder an einer der Challenges teilnehmen möchte, wirft am besten einen Blick auf die Website: www.travel2change.org

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Vegan unterwegs

„Du reist so oft um die halbe Welt, wie schaffst du es, ausser Haus auch wirklich vegan zu essen?“ Gut, ob mein Essen inklusive Aromen immer komplett tierfrei ist, kann…

„Du reist so oft um die halbe Welt, wie schaffst du es, ausser Haus auch wirklich vegan zu essen?“ Gut, ob mein Essen inklusive Aromen immer komplett tierfrei ist, kann ich schlecht garantieren. Aber wer kann das schon? Schwer ist es wirklich nicht, denn Reis, Obst, Gemüse, Gewürze und Nüsse gibt es doch praktisch überall! Wir verbringen unsere Ferien meist in Südostasien, vor allem in Thailand. Es kann durchaus vorkommen, dass wir pro Jahr dreimal dort sind. Zugegeben, die Vielfliegerei ist weder nachhaltig noch sinnvoll, diesen Luxus gönne ich mir aber ganz bewusst – unvegane Ausnahmen hingegen nicht. Ich zeige euch hier meine drei Favoriten, die bei veganen Reisen ohne viel Aufwand eine grosse Hilfe sind.

Im Flugzeug

Online oder im Reisebüro gebucht, kann bei diversen Fluggesellschaften eine spezielle Mahlzeit ohne Mehrkosten gewählt werden. Das ist üblicherweise immer dann möglich, wenn mehr als nur ein kleiner Snack angeboten wird. Bei vielen Fluggesellschaften geht das in einem Zug mit der Online-Sitzplatzreservierung. Und noch ein Vorteil der Vorbestellung: Man bekommt sein Essen vor allen anderen schön heiss serviert. Oft werden vorsichtshalber einige vegane Menüs mehr in den Flieger gepackt. Wer also vergessen hat, sich etwas zu bestellen, kann das oft beim Einchecken oder direkt im Flugzeug noch nachholen. Das vegane Flugzeugessen trägt bei allen Airlines die Abkürzung VGML, die Bezeichnung lautet teilweise vegan, teilweise streng vegetarisch.

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Vorbereitungen und Anfragen

Weltweit haben Hotels E-Mail-Adressen, an die man Fragen stellen kann. Am besten frühzeitig vor der Buchung beim Hotel anfragen und kurz erklären, was man essen möchte und vor allem was nicht. Es ist nicht nur für den Gast, sondern auch für das Hotel sehr unangenehm, nicht informiert zu sein und in letzter Minute improvisieren zu müssen. Diverse Facebookgruppen und Onlineforen, zum Beispiel Vegan Reisen, bieten ausserdem eine gute Austauschplattform mit Hotel- und Restauranttipps und vielen Erfahrungsberichten. Eine weitere Alternative sind Apps oder Internetseiten wie zum Beispiel Happycow. Diese leben aber nur davon, dass viele mitmachen und neue Entdeckungen oder Änderungen melden. Sich anmelden und aktiv beteiligen lohnt sich also für alle! Ich habe nämlich schon mehrfach Restaurants gesucht, die es nicht mehr gibt.

Und noch mein Favorit, der Vegan Passport

Der Vegan Passport gehört nebst dem Reisepass definitiv mit ins vegane Gepäck. Das Büchlein der Vegan Society erklärt in 73 Sprachen, was vegan bedeutet und was man essen möchte oder eben nicht. Die Sprachen decken übrigens über 95% der Weltbevölkerung ab, so bekommt man weltweit sehr einfach sein gewünschtes Essen. Bestellen kann man den Vegan Passport in diversen Onlineshops, das Büchlein im A6-Format kostet um die sieben Euro. Je nach bereister Region und Art des Lokals, sollte man aber etwas aufpassen. Viele Inhaber von Strassenständen und kleineren Lokalen können nicht oder nur schlecht lesen und schreiben. In gewissen Kulturen können und wollen die Leute keine Schwäche zeigen, falls sie nicht helfen können oder die Frage nicht verstehen. Wer zum Beispiel in Thailand oder Japan nach dem Weg fragt, bekommt immer eine Antwort. Die Frage ist nur, wohin die Beschreibung führt. Das gleiche gilt leider auch beim Essen. Wenn etwas nicht verstanden wird, wird einfach was gebrutzelt, denn alles ist besser als nachfragen. Aber gerade in Thailand habe ich auch folgende zwei Beispiele von Speisekarten per Zufall entdeckt:

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In Asien bedeutet „vegetarisch“ übrigens vielerorts „vegan“. Da aus dem Ei ein Tier heranwachsen soll, gelten Eier als getötetes Tier. Milchprodukte sind fast nur in den Touristengebieten und grossen Städten wirklich verbreitet, viele Asiaten haben eine Laktoseintoleranz. Eine grosse Ausnahme stellt Indien dar, dort wird je nach Region sehr viel mit Butter und Joghurt gekocht. Vegane Alternativen sind aber oft möglich, da viele Hindus und Buddhisten aus religiösen Gründen vegan leben.

Wo geht eure nächste vegane Reise hin?

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Meal Sharing: Essen beim Nachbarn – rund um den Globus

Ein schnelles Käse-Sandwich, labbriges Weißbrot oder eine Packung Chips – gesunde, ausgewogene Ernährung sieht anders aus. Doch gerade unterwegs kann es eine ziemliche Herausforderung sein, seinen Magen so zu füllen,…

Ein schnelles Käse-Sandwich, labbriges Weißbrot oder eine Packung Chips – gesunde, ausgewogene Ernährung sieht anders aus. Doch gerade unterwegs kann es eine ziemliche Herausforderung sein, seinen Magen so zu füllen, dass auch die Mama damit einverstanden wäre. Vor allem dann, wenn das Reisebudget nicht für das tägliche frische Essen im Restaurant reicht. Abgesehen davon, dass dieses selbst dem größten Gourmet irgendwann zum Hals heraushängt – buchstäblich. Aber eine gut ausgestattete Küche hat man im Urlaub selten zu Verfügung, und das Kochen in Hostels muss man mögen: Geschirrbergen von vorgestern und vollgestopften Kühlschränken mit ranzigen Essensresten sei Dank.

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Was gäbe man unterwegs für die Erbsensuppe von Oma?! Und auf das gemeinsame Abendessen mit den Geschwistern (inklusive der Streitereien um den letzten Schluck Wein) hätte man jetzt erst recht Appetit. So ähnlich muss es auch dem US-Amerikaner Jay Savsani ergangen sein, als er mit einem Freund in Kambodscha unterwegs war. Nachdem Not ja bekanntlich erfinderisch macht, wussten sich auch die beiden Jungs zu helfen: Sie haben einfach in ihrem Hotel nach einer Familie gefragt, die sie zum Essen zu sich nach Hause einladen würde. Heraus kam ein unvergesslicher Abend, bei dem nicht nur Gerichte aus dem Land serviert, sondern auch Geschichten aus den beiden Kulturen geteilt wurden. „Der beste Teil des Abends war, als unser Gastgeber sein Casio Keyboard hervorkramte und einige klassische kambodschanische Lieder zum Besten gab“, erklärt Jay.

Das muss wiederholt werden, waren sich sein Freund und er einig: Der Abend war der Beginn von Meal Sharing, einer Internet-Plattform, auf der Gastgeber Reisende an ihren Tisch bitten!

So funktioniert’s: 
Der Gastgeber oder Reisende erstellt ein Online-Profil, in dem er oder sie natürlich auch seine Essens-, respektive Kochvorlieben beschreibt und mit Bildern belegt. Dann beginnt das Warten – auf mögliche Interessierte. Und nach dem Treffen bewertet man den Abend und die Personen, schließlich ist Vertrauen(swürdigkeit) das höchste Gut in der Sharing Economy.

Die Plattform startete an Thanksgiving 2012. Was mit zwei Gastgebern in zwei Städten (Chicago und Berlin) begonnen hat, ist jetzt ein Netzwerk von über 6.000 Essensteilern in über 425 Städten auf der Welt. Über 1.000 Abendessen wurden – kostenlos – miteinander geteilt, die meisten davon in den USA und Deutschland. Und das ist erst der Anfang! 

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Ich habe mit den Initiatoren der Plattform über die Idee gesprochen:

Erzählt einmal: was ist der Sinn hinter Meal Sharing? 

Jay Savsani, Gründer: Für mich ist ein hausgemachtes Abendessen mit jemandem gemeinsam genossen das intimste, was du mit einer Person machen kannst. Es ist nicht nur Zeit, neue Geschmäcker zu probieren, sondern auch neue Kulturen und Menschen kennen zu lernen. Auf Reisen – egal ob in Übersee oder in Chicago – gibt es keinen sichereren Weg mit neuen Menschen in Kontakt zu kommen als über den eines selbstgemachten Essens. Meal Sharing wurde als Brücke für diese Lücke gebaut und schafft ein sicheres Umfeld für Freunde und Familien, mit Fremden ein Mahl zu teilen.

Was war das bisher beste Essen, das du auf Reisen genossen hattest und warum? 

Ainara Del Valle, zuständig für Europa: Eine der besten Mealshare-Erfahrungen hatte ich mit Huan in Chicago. Sie ist eine Biologin aus China mit dem Herzen eines Chefkochs. Sie hatte fantastisches Essen gekocht, aber darum geht’s gar nicht. Jemanden mit so einem spannenden Arbeitsfeld kennen zu lernen und einem Background, der so anders ist als meiner, war unbeschreiblich bereichernd.

Jay Savsani: Ich erinnere mich an ein Mealshare mit zwei Ladies in einem Bootshaus, nahe einer Insel in London. Ich wusste noch nicht einmal, dass es Inseln in London gibt! Es war echt cool, die zwei Frauen kennen zu lernen und ihre Geschichten über London und deren Leben. Spannend.  

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Warum ist das Teilen von Essen so bereichernd? 

Meal Sharing ist ein Weg, intensiver zu reisen. Es geht einfach nichts über die Erfahrung, in ein anderes Land zu reisen und einen Fremden kennen zu lernen. Es gibt dir eine ganz andere Sicht auf den Platz und die Kultur. Sogar in deiner eigenen Stadt ist das Treffen neuer Leute eine Art zu reisen. Wir möchten gern glauben, dass wir „Orte, an denen wir waren, zu den Menschen machen, die wir dort getroffen haben“. Meal Sharing macht die Welt einfach ein bisschen gemütlicher, und das zieht die Leute an.

Wird es eurer Erfahrung und Meinung nach in unserer Kultur immer wichtiger zu teilen? 

Natürlich! Zuerst einmal ist es ein Prozess, der bereits stattfindet. Die Sharing Economy entwickelt sich jeden Tag in neue Richtungen und wir sind dabei, wie wir der Gesellschaft am besten dienen und die Welt mit dem Service besser machen können. Die Notwendigkeit von geteilten Erfahrungen ist nicht exklusiv für unsere Zeit. Es ist etwas, was die Menschheit immer wollte und anstrebt. Wir erinnern uns nur wieder an dieses alte Paradigma und nutzen jetzt digitale Werkzeuge, um schneller und leichter zu teilen.

Wie geht es weiter, was ist euer Ziel mit und für mealsharing.com?

Das sehr ehrgeizige Ziel von Meal Sharing für die nächsten paar Jahre ist es, mehr Gastgeber weltweit zu haben als die drei Top-Fast-Food-Restaurants Filialen besitzen. Das würde wirklich bedeuten, dass wir erfolgreich sind. Dass die Welt aufgestanden wäre und sagen würde: „Ich vertraue eher meinem Nachbar in Sachen Essen als einer riesigen Nahrungsmittelfirma.“ Wenn es genug Meal-Sharing-Teilnehmer gibt, dann essen die Leute gesünder, verschwenden weniger Lebensmittel – und das alles, während sie kulturelle Barrieren überwinden.

Wir hören ständig auf unsere Gemeinschaft und stellen sicher, dass wir das tun, was sie von uns einfordern. Als Teil davon testen wir neue Möglichkeiten für Gäste, sich zum Beispiel an den Kosten für die Zutaten zu beteiligen. Auf diese Weise würden wir sicher stellen, dass uns nicht nur diejenigen bewirten könnten, die es sich leisten können, sondern alle, die es wollen.

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Danke für das Gespräch! 

Ansätze wie Meal Sharing haben übrigens noch einen Vorteil: Sie haben den köstlichen Geschmack von Genuss mit gutem Gewissen – und diese Würze sollten wir öfter in unsere Küchen und auf unsere Tische lassen. Vor allem, aber nicht nur, 2014, dem europäischen Jahr gegen Lebensmittelverschwendung. Mahlzeit!

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Als Vegetarierin durch Brasilien: Teil 2 einer Versuchsreihe

Treffen sich zwei Vegetarierinnen in Salvador, Brasilien… Was der Beginn eines Witzes sein könnte, ist tatsächlich passiert. Die eine Mauritierin, die andere aus Österreich. Wie ihr euch denken könnt: Ich…

Treffen sich zwei Vegetarierinnen in Salvador, Brasilien… Was der Beginn eines Witzes sein könnte, ist tatsächlich passiert. Die eine Mauritierin, die andere aus Österreich. Wie ihr euch denken könnt: Ich war die Andere. Natürlich haben wir uns – kaum die gemeinsame Leidenschaft herausgefunden – über die Schwierigkeiten unterhalten, die wir als Nicht-Fleisch- oder Fischesserinnen in diesem südamerikanischen Land über uns ergehen lassen müssen. Während ich dankbar dafür bin, mir nicht die Aufgabe gestellt zu haben, vegan durch Brasilien zu reisen und mich rettend immer wieder mit einem Pão com Queijo, einem Käsebrot, begnüge, hat die Mauritierin einen anderen Tipp: „Wenn ich nichts finde, werde ich für ein paar Tage zur Frutarierin.“

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Viele verschiedene Früchte gilt es auszuprobieren, meist als Suco = Saft

Gut, das ist natürlich auch eine Möglichkeit – dank den vielen Fruchtsäften und der Menge an neuen Obstsorten, die es hier zu entdecken gibt. Aber auf Dauer ist das ja keine Lösung. Damit ihr nicht vor dem Problem steht, solltet ihr einmal nach Brasilien fliegen, gibt es deshalb ein paar nützliche Vokabeln. Und glaubt mir, ihr werdet mir danken – denn mit Englisch oder Spanisch kommt man hier leider gar nicht weit.

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Flüssignahrung ist auch eine Möglichkeit

Ich bin Vegetarier/In. – Eu so o vegetariano / a vegetariana.
Ich esse kein Fleisch. – Não como carne ou frango.
Etwas ohne Fleisch oder Fisch? – Algo sem carne o peixe?
Fleisch – carne
Hähnchen/Hühnerfleisch – frango
Meeresfrüchte – os mariscos
Fisch – peixe
Wurst – embutido
Gemüse – legume
Butter – manteiga

Auf Pao, Sandwich oder Empanada mit Käse oder Gemüse kann man meist schon zurückgreifen. Gutes „Streetfood“ ist auch Acarajé, das die afro-brasilianisch gekleideten Verkäuferinnen vor allem in Salvador auf der Straße feilbieten. Aber Achtung, immer „sem camarão“ dazusagen, sonst landet eine böse Überraschung in Form eines Shrimps auf eurem Teller.

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Gefülltes Pastel mit Jaca Frucht

Eine gute Alternative sind auch Maiskolben oder aber Tapioca, das die Straßenverkäufer in ganz Brasilien bereit halten. Es ist eine Art Brot, das aus dem Mehl der Maniokwurzel hergestellt und mit diversen Zutaten auf süße oder salzige Art gefüllt wird. Die mit Käse und Kokosflocken kann ich genauso empfehlen wie die klassische Variante mit Käse und Tomaten.

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Tapioca

Ihr merkt schon: Trotz einiger Schwierigkeiten kann man es sich hier in Brasilien auch als Vegetarierin gut schmecken lassen. Eine gute Hilfe für VegetarierInnen, die sich für Brasilien interessieren, ist übrigens auch diese Plattform: http://www.vegetarianos.com.br – vorausgesetzt, man versteht etwas portugiesisch.

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Das kleine 3 Mal 3 für Tramper zur See

Gastbeitrag von Timo Peters von Bruder Leichtfuß An die letzte Adventszeit denke ich in diesen Tagen ziemlich häufig, denn letztes Jahr steckte ich gerade in dem größten Abenteuer meines Lebens: Ich…

Gastbeitrag von Timo Peters von Bruder Leichtfuß

An die letzte Adventszeit denke ich in diesen Tagen ziemlich häufig, denn letztes Jahr steckte ich gerade in dem größten Abenteuer meines Lebens: Ich war unterwegs irgendwo auf dem Atlantischen Ozean – als Tramper zur See. Am Ende war ich mit verschiedenen Segelyachten einmal per Anhalter über den Atlantik gereist, von Spanien nach Brasilien.

Das hört sich vielleicht erst einmal an, als ob man dafür irgendetwas Besonderes können muss, das stimmt aber nicht. Man muss nicht einmal segeln können. Ich hatte vorher ein bisschen gesegelt, aber an Bord und in den Atlantikhäfen einige Tramper kennen gelernt, die vorher noch nie auf einen Fuß auf ein Segelboot gesetzt hatten.

Damit vielleicht auch ihr einmal so ein Abenteuer erleben könnt, habe ich hier mein kleines drei Mal Drei für Tramper zur See:

Drei Gründe für das Mitsegeln:
– Du bist abenteuerlustig! Wenn ich eines über meinen Trip im letzten Jahr sagen kann, ist es: Das war ein echtes Abenteuer, mit dem ich noch meine Enkel nerven werde, falls mal welche kommen.
– Du liebst die Natur und das Meer! Die hohe See ist einer der letzten Orte, an denen wir noch echte Wildnis erleben können – oft sind Delfine oder sogar Wale inklusive. Oft allerdings auch Plastikmüll, meist in Tütenform.
– Du bist philosophisch angehaucht! Tausende Seemeilen vom nächsten Festland lässt es sich gut philosophieren und nachdenken. Ich glaube, dass ich nichts kenne, was inspirierender ist als das endlose Blau der See.

Drei Orte zum Mitsegeln:
– Im Herbst verlassen die meisten Segler das Mittelmeer und verlegen ihre Boote in wärmere Gefilde. Einen Ort passieren sie auf dem Weg auf jeden Fall: Gibraltar ist zwischen September und November voll mit Segelyachten auf dem Weg gen Süden.
– Von dem Atlantik in den Pazifischen Ozean kommt man auf genau zwei Wegen. Entweder man umsegelt das stürmische und berüchtigte Kap Hoorn, oder man fährt durch den Panamakanal. Deshalb ist hier die Wahrscheinlichkeit recht hoch, eine Mitsegelgelegenheit zu finden.
– Die Ostsee ist eines der schönsten Segelreviere der Welt und deshalb sind hier jede Menge Boote unterwegs. Bei handgegenkoje.de kann man wunderbar einfach in Kontakt zu Skippern kommen, die MitseglerInnen oft auch nur für einen Wochenendtörn suchen (hier gibt’s mehr Crewbörsen).

Drei Gründe, warum Skipper dich mitnehmen:
– Unterhaltung: Alleine auf hoher See kann es recht schnell einsam werden. Du spielst ein Musikinstrument, bist ein lustiger Vogel oder mit dir kann man einfach super quatschen? Spitze!
– Sicherheit: Damit das Segelboot auf hoher See keinen herumtreibenden Container, andere Boote oder das Land rammt, ist es praktisch, wenn einer immer guckt. Auch, wenn der Skipper gerade mal schläft. Logisch, oder?
– Komfort: Du kannst gut kochen? Kannst Dinge reparieren oder hast medizinisch was drauf? Du kannst die Kinder des Skippers an Bord unterrichten oder dem Käpt’n unterwegs eine neue Sprache beibringen? Herzlich willkommen an Bord!

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Tribewanted: Insel gesucht!

“Welche drei Dinge würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?” Meine Standard-Antwort auf diese – wirklich nicht mehr besonders originelle – Frage lautet meist: Auf eine einsame Insel würden mich keine…

“Welche drei Dinge würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?” Meine Standard-Antwort auf diese – wirklich nicht mehr besonders originelle – Frage lautet meist: Auf eine einsame Insel würden mich keine zehn Pferde kriegen! Ich bin nicht die Strandhockerin, die Nichtstuerin, diejenige, die sich mit ein bisschen Kokosnuss-Knacken zufrieden gibt – auch wenn das vielleicht für ein, zwei Stunden zugegebenermaßen durchaus seinen Reiz hat. Aber danach? Danach bekomme ich mein typisches Kribbeln und muss etwas tun, etwas sehen, etwas unternehmen…

Und doch träume ich seit einigen Jahren von einer Insel. Oder besser gesagt von einem Inselprojekt: Ein einsames Eiland, Leute aus aller Welt, ein Vorhaben, das gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung umgesetzt wird. Die Zutaten hören sich für mich so großartig an, dass ich sie am liebsten selbst zusammen gemischt hätte. Muss ich aber nicht, denn es hat schon einer vor mir getan: Ben Keene, Gründer eines außergewöhnlichen Reiseveranstalters namens Tribewanted!

“Es geht darum, Netzwerke von nachhaltigen, interkulturellen Gemeinschaften an unglaublichen Orten zu schaffen”, so hat mir der Brite vor ein paar Jahren das Unternehmen beschrieben, “damit Menschen, die diese Orte besuchen, nicht nur etwas lernen, sondern sich auch erholen, inspiriert werden können und so die lokale nachhaltigen Entwicklungen unterstützen.”

Im April 2006 ist das Projekt entstanden. Damals hat Ben einfach alle möglichen Menschen eingeladen, Mitglied seines Stamms – seines Tribes – zu werden und zu helfen, auf den Vorovoro Inseln auf Fidschi eine neue Gemeinschaft zu gründen. Eine Aufforderung mit Folgen: 1.000 Reisende haben sich innerhalb der ersten sechs Monate dem “Stamm auf Zeit” angeschlossen, die Insel besucht, mitgearbeitet, mit den Einheimischen gelebt. Manch einer drei Monate lang, die meisten für ein paar Wochen – wiederkehrend. Fünf Jahre lang, dann wurden die Mietpreise für das Grundstück auf den Fidschis zu hoch und Tribewanted musste die Inseln verlassen, nicht ohne die Hoffnung, das Projekt so schnell wie möglich wieder auferstehen zu lassen.

Und dann gibt es ja noch Sierra Leone: Hier arbeitet Tribewanted seit einigen Jahren erfolgreich mit der John Obey Fischer-Gemeinschaft zusammen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Genauso wenig wie für die Idee selbst. Pläne und mögliche Kooperationen gibt es wie den berüchtigten Sand am Meer. Der aktuelle Clou: Ein Bauernhof-Projekt im italienischen Umbrien. “Wir wollten die Tribewanted-Erfahrung näher an die Mehrheit unserer Mitglieder und unseres Publikums heranbringen – nach Europa,”, erklärt mir Ben auf E-Mail-Nachfrage die Wahl, “wir möchten zeigen, dass das Konzept auch in einer “besser entwickelten” Region funktioniert, und außerdem wollte mein Tribewanted-Partner Filippo Bozotti nach zehn Jahren in seine Heimat Italien zurückkehren.”

Wie? La Dolce Far Niente bei Pasta e Musica in Bella Italia – so ein Stammesleben könnte mir auch gefallen. Vielleicht überlege ich mir das noch einmal mit der Insel…

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