Eco. Life. Style.

Autor: Alexandra

Wieder auf dem Jakobsweg: Tag 34, Heimreise

Heimreise, Flug ab Nizza Während des Frühstücks noch einmal strömender Regen. Auf dem Flachdach steht schon seit Tagen ein „See“. Zwei Stunden später blauer Himmel – als ob nichts gewesen…

Heimreise, Flug ab Nizza

Während des Frühstücks noch einmal strömender Regen. Auf dem Flachdach steht schon seit Tagen ein „See“. Zwei Stunden später blauer Himmel – als ob nichts gewesen wäre. Konrad schreibt seine ersten und letzten Postkarten. Wir machen einen letzten Bummel durch die Gassen von Nizza. Die letzten Kerzen entzünden wir in der L’Eglise Notre Dame und erleben noch das Ende einer Messe begleitet vom Lärm eines Sandstrahlreinigers. Eine letzte Crepe und einen Espresso im Straßencafe. Vom Flughafen ein letzter Blick auf das WIRKLICH azurblaue Meer.

Anstrengend war’s schon! Und doch möchte ich keinen Tag missen.

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Allgemeines:

Die eher individuelle Art der Übernachtungen im Doppelzimmer, wenn auch überwiegend sehr einfach, ist teurer. Für Doppelzimmer haben wir im Allgemeinen um 50 Euro, oft mit Halbpension, ausgegeben. In Schlafräumen kann man natürlich wesentlich billiger wohnen. Dort besteht oft Kochgelegenheit. Wir haben zu zweit durchschnittlich pro Tag 80 bis 100 Euro für Übernachtung, Essen und Weiteres ausgegeben.

Mein Rucksackinhalt:
Rucksackgröße 35 Liter
Kleine Toilettetasche mit Inhalt
Kleine Erste Hilfe Tasche
Wasserflasche
1 warme Strumpfhose
1 dünne Strumpfhose
1 Leggings
1 T-Shirt ohne Ärmel
2 T-Shirts mit kurzen Ärmeln
2 BHs
3 Unterhosen
1 Paar dünne Socken (für abends)
2 Paar Wandersocken
1 dünne Fleecejacke
1 langärmelige Bluse
1 Badeanzug
1 warme Fleeceweste ohne Ärmel (habe ich oft gebraucht)
1 Sonnenhut
1 Halstuch
1 Stirnband
1 Paar Handschuhe
1 Anorak
1 Reservehose (als „Abendhose“)
1 Regenhose
1 Regenschutz für den Rucksack
1 Regencape
1 leichter Schirm
1 Paar Sandalen
1 Wanderführer
1 Schreibblock
Adressbuch

Alles zusammen wiegt 9,5 Kilogramm.

Ausrüstung:
Wanderschuhe (Lowa Renegard), zwei Nummern größer
Abtrennbare Wanderhose
Wanderstöcke

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Wieder auf dem Jakobsweg: Tag 33, Nizza

Nizza, Ibishotel Konrad ist ein homme formidable – ein cooler Typ geworden: • Schon in den letzten Wandertagen konnte er häufig HINTER mir gehen • Er hat sich überwunden, eine…

Nizza, Ibishotel

Konrad ist ein homme formidable – ein cooler Typ geworden:
• Schon in den letzten Wandertagen konnte er häufig HINTER mir gehen
• Er hat sich überwunden, eine passende, modische Sommerhose zu kaufen (weder zu weit noch „Hochwasser“)
• Er kann langsam BUMMELN und großteils neben mir gehen (nicht 10 Meter vor mir)
• Wir sind SPONTAN in einem Bus eingestiegen und ZIELLOS durch Nizza gefahren
• Unpässlichkeiten wie der gestrige strömende Regen, unprofessionelle Kellner und lange Wartezeiten können wir gelassen hinnehmen.
• Konrad schreibt FÜNF Postkarten
• Ganz besonders heldenhaft und cool war die Entscheidung ZWEI Nächte bei Esther zu bleiben.

Wer und was auch immer zu dieser Wandlung beigetragen hat, dem azurblauen Himmel über Nizza sei Dank!

Heute ist es warm und windstill aber bis Mittag noch bedrohlich bewölkt. Mit dem Bus und zu Fuß erkunden wir die Stadt. Immer mehr wagt sich die Sonne hervor und beleuchtet das Meer in intensivem Blau und Türkis. Am Nachmittag ist auch der Himmel strahlend blau. Es ist windig und am Strand freuen sich die Schwimmer über die hohen Wellen. Die kleinen Gassen der Altstadt sind belebt. Auf den sehr schön gestalteten Plätzen wird die 150-jährige Zugehörigkeit Nizzas zu Frankreich gefeiert. Stelzengeher in weißen Vogelkostümen tanzen zu mystischer Musik. Trommler und Fahnenschwenker sind unterwegs.

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Die vielen Lokale, wirklich eines neben dem anderen, sind stark frequentiert. Beim Abendessen sitzt am Nebentisch ein junger Mann mit seiner Begleiterin. Im Angebot gibt es unter anderem Carpaccio soviel man essen kann. Nach dem dritten verputzten Teller lacht der Bursche in unsere erstaunten Gesichter und sagt, dass er heute nicht viel Appetit hat. Wenn er Hunger hat, isst er acht Portionen. In all diesem Trubel finden wir zufällig die Kirche der Dominikaner und erleben eine Vesper mit den wenigen Mönchen. Ein harmonischer Tagesabschluss. Bis zum Abend regnet es nicht. Mit einer roten Rose (echt) von Konrad auf dem Nachtkastl schlafe ich ein.

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Wieder auf dem Jakobsweg: Tag 32, Nizza

Nizza, Ibis Hotel Mit uns frühstückt eine amerikanische Jugendgruppe. Es geht turbulent zu. Eine mürrische Kellnerin wird noch mürrischer nachdem sie ein Tablett fallen gelassen hat. Nur eine paar Schritte…

Nizza, Ibis Hotel

Mit uns frühstückt eine amerikanische Jugendgruppe. Es geht turbulent zu. Eine mürrische Kellnerin wird noch mürrischer nachdem sie ein Tablett fallen gelassen hat. Nur eine paar Schritte sind es zum Bahnhof und wir sitzen im TGV nach Nizza.

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In Avignon steigen wir um. Es regnet und regnet! Auch hier weit und breit Weingärten. Die Rhone, die uns am dritten Tag unserer Wanderung begrüßt hat, zeigt sich uns in Avignon noch einmal. Die Züge sind auch heute voll besetzt. Zum zweiten Mal haben wir nur noch in der ersten Klasse Restplätze bekommen. Die Landschaft rast vorbei. Beim Anblick schöner Wanderwege habe ich Sehnsucht nach dem Jakobsweg. Die Cote d’Azur ist heute nicht azurblau sondern nur grau in grau. Hohe Wellen auf dem bewegten Meer, Wind und Wolken auch bei der Fahrt durch Cannes. Es regnet intensiv während dieser dreistündigen Zugfahrt. Vor uns sitzt eine englische Familie mit zwei kleinen Mädchen und sie hören die mir so vertraute Lieblingssendung meines Enkels „Dora Explorer“. Kein Regen mehr in Nizza, aber dafür bläst der Wind ordentlich. Gleich beim Bahnhof beziehen wir das kleine, aber feine Zimmer mit einem breiten Bett im Ibis Hotel im fünften Stock. Viel Verkehr, viele Menschen, viel Betrieb, Palmen, lila blühende Bäume und Oleander. Unser erster Weg führt und ins Kaufhaus Lafayette. Wir kaufen uns jeder eine Sommerhose und ein Oberteil dazu. Wanderkluft ade! 32 Tage tägliche Belastung habe ihre Spuren auf unserer Kleidung hinterlassen. Als wir das Kaufhaus verlassen, schüttet es wieder und wir fahren mit der Straßenbahn zum Hotel. Das letzte Stück rennen wir mit Schirm durch den Regen und verlassen das Haus heute nicht mehr.

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Wieder auf dem Jakobsweg: Tag 31, Nimes

Nimes, Hotel Caesar Der Himmel über Carcassonne ist bedeckt. Es ist windig und kühler geworden. Die unangenehme Asphalttippelei ersparen wir uns mit einer Busfahrt zur Festung. Viele Touristen und auch…

Nimes, Hotel Caesar

Der Himmel über Carcassonne ist bedeckt. Es ist windig und kühler geworden. Die unangenehme Asphalttippelei ersparen wir uns mit einer Busfahrt zur Festung. Viele Touristen und auch Schulklassen sind ebenfalls unterwegs. Heute ist die relativ große Basilika von SS. Nazarius und Celsus geöffnet. Das romanische Kirchenschiff ist die Basis für den gotischen Ausbau der Basilika. Ein Blickfang sind die leuchtend bunten Fenster. Bei der Figur der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria zünde ich heute eine Kerze für unsere Töchter, meine Schwiegertochter und unsere Enkelkinder an – auch für die zukünftigen.

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Unter anderem schmücken auch zeitgenössische Kunstwerke die Kirche. Und zwar eine Tapisserie mit einer stillenden Madonna, ein großes Gemälde mit einer sehr erotischen Madonnendarstellung. Maria trägt ein tief ausgeschnittenes Kleid. Das etwas mollige Kind steht vor ihr in den Falten ihres üppigen Seidenrockes. Eine aus sechs russischen Männern bestehende Sängergruppe interpretiert gefühlvoll und stimmgewaltig Lieder aus Russland. Welche Fülle des Lebens uns auch hier wieder demonstriert wird. So viele Geschenke, die alle unseren Rucksack nicht belasten – die uns im Gegenteil immer leichter werden lassen. Bei einem guten Glas Wein und einem wirklich exzellenten vegetarischen Essen (unter anderem Linsensalat) schließen wir den Besuch in Carcassonne ab und setzen uns in den TGV nach Nimes.

Weinanbau, so weit das Auge aus dem Fenster des Zuges reicht. Der Canal du Midi begleitet uns bis Sete. Dort mündet er ins Meer. Wasser, Schilf, Dünen und Meer – ein wohltuender Anblick. Zwei Stunden dauert die Fahrt. Im Hotel Caesar bekommen wir das letzte winzige Zimmer im Parterre mit Blick auf einen düsteren Lichthof. Im Hof eine Betonwendeltreppe zur Balustrade mit Bassena. Überall dicke Rohre durch die teilweise die WC-Spülung rauscht. Diverse rostige Klimaanlagen brummen vor sich hin. Eine Entschärfung des Anblicks soll ein Holzparavent mit verstaubtem künstlichem Efeu und Blüten bringen. Wir fühlen uns wie in einem Studentenzimmer. Von hier ist es nicht weit zum Amphitheater der ehemals römischen Stadt Nimes und dieses gilt als das besterhaltene der römischen Welt. Vor dem abendlichen Zusperren könne wir gerade noch hinein und die hohen Steinstufen bis ganz nach oben steigen – 21 Meter hoch. Zwei Ebenen mit Arkaden sind erhalten.

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Alles circa 100 nach Christus erbaut. Seit 1853 finden hier wieder Sportveranstaltungen, Events und leider auch Stierkämpfe statt, da das in dieser Stadt aus Tradition noch erlaubt ist. 15.000 Zuschauer haben Platz. Bei Erkundung des Stadtkerns trifft man auf weitere zahlreiche Spuren der Römer. Mit vielen jungen Leuten genießen wir in einem gemütlichen Lokal Tapas und Wein. Das passt gut zu unserer Studentenbude. Es hat sich gelohnt in Nimes Station zu machen.

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Wieder auf dem Jakobsweg: Tag 30, Carcassonne

Carcassonne, Hotel Bristol Hier in Toulouse hängt in unserem Hotelzimmer ein Druck von Klimt. Wir werden langsam an die Rückkehr in die Heimat gewöhnt. Im unpersönlichen Frühstücksraum die typische Atmosphäre…

Carcassonne, Hotel Bristol

Hier in Toulouse hängt in unserem Hotelzimmer ein Druck von Klimt. Wir werden langsam an die Rückkehr in die Heimat gewöhnt. Im unpersönlichen Frühstücksraum die typische Atmosphäre eines Stadthotels. Jeder sitzt schweigend an seinem ungemütlichen Tisch. Welch ein Gegensatz zum gemeinsamen Frühstück mit Louis Revel, mit Esther und an anderen schönen, gastfreundlichen Plätzen auf dem Jakobsweg. Es ist Sonntagvormittag und noch sehr ruhig in der Stadt Toulouse. Die Gehsteige sind verschmutzt. Unser erstes Ziel ist die Basilika Saint Sernin.

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Ein Fresko zeigt den Heiligen, wie er an einen Stier gebunden durch die heutige Rue du Taur gezogen wird. Für die Wallfahrer wurde im 11. Jahrhundert die Basilika erbaut und jeden Nachmittag werden die Jakobspilger des südlichen Weges durch Frankreich hier begrüßt. Wir sehen einen einzigen Pilger mit seinem Rücksack in der Basilika. Vor einer Marienikone (das gleiche Motiv, von mir abgeschrieben, hängt in Höflein) zünde ich meine Kerze an. In der Bank vor mir sitzt eine Afrikanerin mit grauem, kurzem Haar, das perfekt zu ihrer grauen Bouclèjacke passt. Die aufgestickten Perlen auf ihrer Jacke harmonieren mit den grauen Rosenkranzperlen in ihrer Hand. Ein sehr berührendes Bild in diesem großen Gotteshaus. Eine Familie versammelt sich um den Altar für eine Taufe.

Langsam wacht die Stadt auf. Die Straßen werden belebt. Am breiten Fluss Garonne bei der Pont Neuf übt eine Sängerin Opernarien. Die wenigen Fußgänger bleiben stehen und applaudieren ihr. Etwas ganz besonderes ist die Cathèdrale Saint Etienne. Das Ergebnis einer Verbindung von zwei voneinander abgetrennten und unvollendeten Gebäuden. Gebaut zwischen dem 13. und 14 Jahrhundert. Paul Riquet, der Erbauer des 400 Kilometer langen Canal du Midi ist hier begraben. Mittags speisen wir in einem feinen Fischrestaurant. Wir sind natürlich in Wanderkluft, was anderes haben wir ja nicht – ganz im Gegensatz zu den französischen Familien, die hier ihr traditionelles Sonntagmittagsmenü einnehmen. Entsprechend unserer Kleidung werden wir weniger zuvorkommend behandelt. Kleider machen Leute! Die vorbeigehenden Menschen aus verschiedenen Nationen und Kulturen  spiegeln die Geschichte Frankreichs wider.

Nachmittags setzen wir uns in den Zug nach Carcassonne. Die Züge sind voll besetzt. Immer wieder begegnet uns der Canal du Midi und in dieser endlosen Ebene viele Weingärten. Auch heute liegt unser Hotel direkt am Canal du Midi. Viele Hausboote liegen hier vor Anker.

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Die Stadt selber ist schäbig. Berechtigterweise als Weltkulturerbe anerkannt ist die bestens erhaltene Festungsanlage um die alte Stadt. Wir starten unseren Fußmarsch zur Festung. Auf der Straße tanzt ein Paar im perfekten Stil zur Musik aus dem Autoradio. Schön anzuschauen. Auf der Festung trifft man – auch jetzt am Abend – noch viele Besucher in den kleinen Gassen mit den vielen Geschäften und Lokalen. Wir verschaffen uns einen Überblick über die imposante Anlage und essen in einer belebten Tapasbar Ziegenkäse mit Honig gekrönt mit einem Gläschen Wein. Mmh! Auf sehr holprigem Steinpflaster führt der steile Weg hinunter zur alten Brücke Pont Vieux über den Fluss Ande, der viel vom Regen aufgewühltes braunes Wasser führt. Zwei Möwen attackieren einen Fischreiher, der auf einem Stein im Wasser sitzt. Er bleibt stoisch sitzen und weicht geschickt den Angriffen aus. Als es ihm zu bunt wird setzt er sich ein paar Meter weiter auf einen anderen Stein und eine der Möwe besetzt den eroberten Stein. Die andere lässt sich in der Nähe nieder. Alle drei sind zufrieden. Die Wolken verdichten sich und wir beeilen uns ins Hotel zurück zu kommen.

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Wieder auf dem Jakobsweg: Tag 29, Toulouse

Toulouse, Hotel Terminus Als wir aufstehen liegt dichter Nebel über dem Lot und der Brücke. Ich habe schlecht geschlafen. Hatte wieder einmal das altbekannte Ziehen in den Beinen und der…

Toulouse, Hotel Terminus

Als wir aufstehen liegt dichter Nebel über dem Lot und der Brücke.

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Ich habe schlecht geschlafen. Hatte wieder einmal das altbekannte Ziehen in den Beinen und der rechten Hüfte. Wahrscheinlich von der steilen Asphaltstraße. Wir beschließen, die Jakobswegwanderung hier in Cahors zu beenden und in den nächsten Tagen mit der Bahn nach und nach Richtung Nizza zum Abflug in die Heimat zu fahren. Kein Rucksack drückt mehr die Füße in den Boden als wir bei Sonnenschein in Cahors über die alte, völlig intakte Wehrbrücke (Pont Valentre) aus dem 14. Jahrhundert zur Quelle Fontaines des Chartreuses (schon bei den Kelten ein Kultplatz) gehen.

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Aus einem großen natürlichen Becken sprudelt das Wasser in den Lot. Ich genieße diesen kraftvollen schönen Platz. Für nachmittags kaufen wir uns Zugtickets nach Toulouse. Auf dem Place de Ganetta essen wir noch einmal unser traditionelles Mittagessen: Käse, Baguette, Apfel. Den Espresso und die Tarte aux Pommes gibt es danach im gemütlichen Straßencafe. In der Kathedrale hören wir die glockenhellen Stimmen einer Sängerin bei der Probe. Unsere Kerzen zünden wir zum Dank für die geglückte und bereichernde Pilgerwanderung an. Sehr, sehr viel wurde uns geschenkt und das ohne Blasen (Konrad hatte nur zwei problemlose Blasen) oder andere gröbere körperliche Probleme. Eine Stunde, die Konrad im Musèe de Resistence verbringt, schlendere ich ganz langsam durch die kleinen Gassen und nehme viele Details auf. Beim geöffneten Gefängnistor wird ein Mädchen mit einer großen Tasche abgewiesen und geht weinend davon. In einem Häuserwinkel ein schwarzer Garten mit fast schwarzen Pflanzen, die angeblich von Magiern und Zauberern verwendet werden. Es ist ein Garten der Aktion Le Jardin-Secrets, der geheimnisvollen Gärten. Ich fühle die Leichtigkeit nach der ich mich immer wieder sehne. Am Bahnhof dann das Gefühl, dass die Welt uns gehört. Die Wolken verdichten sich wieder – die Stimmung ist sonnig.

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Mit dem Zug fahren wir durch eine ebene Landschaft mit nur wenigen kleinen Hügeln. Am Canal du Midi entlang kommen wir nach Toulouse – eine Millionenstadt mit all ihren Nebenwirkungen. Drogen- und Alkoholkranke mit ihren Hunden sitzen und schlafen beim Bahnhof und in den Straßen. Buntes und fröhliches Treiben auf den Plätzen und den vielen Straßencafes und Restaurants. In der Eglise Notre Dame du Taure kommen wir gerade zu einer Messe zurecht. Am Altar eine schwarze Madonna mit Kind, beide im Festgewand. Ein junger Mann hält behutsam sein neugeborenes Kind im Arm. Ich wünsche meinem Schwiegersohn Ernst dass er diese Freude im August auch ungetrübt erleben darf. (Am 10. August ist meine Enkelin Marie gesund zur Welt gekommen!) Zum Abschied erinnert mich das kraftvolle Orgelspiel an Roland. Ganz schön müde macht das Laufen durch die Stadt. Lärm und Schmutz sind Energieräuber. Es ist sehr schwül.

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Wieder auf dem Jakobsweg: Tag 28, Cahors

Gehzeit: 6 Stunden, Cahors, Hotel Chartreuse*** Der Himmel heute ist hellblau. Die Vögel erzählen sich noch aufgeregt zwitschernd vom gestrigen „Weltuntergang“. Angeblich gibt es heute den ganzen Tag keine Einkehrmöglichkeit…

Gehzeit: 6 Stunden, Cahors, Hotel Chartreuse***

Der Himmel heute ist hellblau. Die Vögel erzählen sich noch aufgeregt zwitschernd vom gestrigen „Weltuntergang“. Angeblich gibt es heute den ganzen Tag keine Einkehrmöglichkeit und kein Geschäft. Umso schöner ist es als wir nach eineinhalb Stunden das Häuschen des 52-jährigen Maurice sehen, in dem er Kaffee, Getränke und Kuchen anbietet. Nach einem Schlaganfall ist er etwas eingeschränkt. Er zeigt uns eine Schuhschachtel mit Ansichtskarten aus aller Welt und bittet uns ihm eine Karte aus Wien zu schicken. Was ich dann auch von zu Hause aus tue. Vorwiegend auf einem alten Römerweg von Steinmauern umsäumt verläuft der schöne, aber oft sehr steinige, Weg (Fußmassage).

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Auffallend die vielen Ligusterbüsche. Der karge Boden erlaubt auch hier kein hohes Wachstum der Sträucher und Bäume. Mittags sind wieder dunkle Wolken am Himmel. Es ist sehr schwül. Auf den Wegen die nassen Spuren des gestrigen Gewitters. Nach 5,5 Stunden Gehzeit geht es auf ein Plateau, das wir überqueren und von dem wir bald einen beeindruckenden Blick auf die Stadt Cahors haben. Eine Schleife des Lot umrahmt die Stadt. Sehr schön! Der Abstieg auf den Serpentinen einer Asphaltstraße geht ordentlich in die Füße und Beine. Und ich bin froh in dem zwar unpersönlichen, aber bequemen und sauberen ***-Hotel anzukommen. Die Badewanne hat ausnahmsweise einen Stoppel! Wir haben einen kleinen Balkon zum Fluss. Die Sträucher der Hotelwiese stehen unter Wasser und auf der Autobrücke über den Lot staut sich der Verkehr. Immer wieder hört man das Folgetonhorn der Feuerwehr. Konrad ist auf dem Weg zum Pilgerbüro, als es wieder zu schütten beginnt. In der Stadt trifft er noch einmal Barbara. Trotz Schirm kommt er durchnässt zurück und freut sich ebenfalls über die Badewanne mit Stoppel. Cahors war schon von den Römern besiedelt. Reste der römischen Anlagen gibt es noch. Im 13. Jahrhundert war Cahors ein bedeutender Handelsplatz. Jetzt wird der Weinbau forciert. Der andauernde, starke Regen zwingt uns im Hotel zu bleiben. Wir essen im Restaurant wieder den köstlichen Rocamandurkäse mit Honig auf Salat. Der große Speisesaal ist voller Bustouristen. An einem Tisch zwanzig Münchner. Es gibt eine Weinbar, an der man sich zum Pauschalpreis selbst bedienen kann. Ein Franzose wandert etliche Male vom Tisch zur Bar. So kommen auch Kilometer zusammen…

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Wieder auf dem Jakobsweg: Tag 27, Vaylats

Gehzeit: 6 Stunden, Kloster Monastère des Filles de Jèsus, Vaylats Noch einmal dürfen wir gemütlich mit Esther frühstücken. Als Zugeständnis an Konrads Pläne fährt uns Esther eine Tagesetappe mit dem…

Gehzeit: 6 Stunden, Kloster Monastère des Filles de Jèsus, Vaylats

Noch einmal dürfen wir gemütlich mit Esther frühstücken. Als Zugeständnis an Konrads Pläne fährt uns Esther eine Tagesetappe mit dem Auto. Der Lot führt Hochwasser. Wir starten mit der Wanderung als uns ein Schweizer mit seinem Pferd (schaut aus wie Santana) entgegen kommt. Josef ist von der Schweiz zu den Pyrenäen geritten und reitet jetzt über Lourdes wieder nach Hause zurück. Die Stute ist sehr verschmust. Einfach schön dieser Pferdegeruch. Lange winken wir dem Pferd, Josef und Esther zurück. Alles zusammen sehr berührend. Die Sonne scheint. Nach der eintägigen Pause schweben die Füße über die schönen Pfade zwischen Weiden und Eichenwäldchen. Der karge Kalkboden lässt die Bäume nicht hoch werden. Wie sehr hat sich für mich die Welt in den letzten zwei Tagen verändert! Heute lachen die Marienbecher mich an und sagen: “Na, siehst!“ Ich bin zu Tränen gerührt.

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Meine Seele ist so leicht wie meine Füße und Beine. Ein Hund, er schaut aus wie Traudes Astor, folgt uns fast zwei Stunden und in Limognes bekomme ich meinen Espresso. Der junge Mann vom Nebentisch bietet mir von seinen Chips an. Wir plaudern miteinander. Gegenüber machen Pferde und Reiter Rast. Wir begegnen immer weniger Pilgern. Auch Konrad hat die Atmosphäre bei Esther mental verlangsamt. Er kann hinter mir gehen und ich schreite flott dahin ohne mich gehetzt zu fühlen. Wir sprechen viel über die zwei Tage bei Esther. Sie hat bei mir und Konrad einen tiefen Eindruck hinterlassen. Esther, eine ganz besondere Persönlichkeit. Die Motive ihrer Bilder bedrückend aber farbenfroh. Musikanten spielen fröhlich auf. Die zufrieden aussehenden Personen stehen für Krankheit und Tod. Ein leuchtend türkiser Stuhl, der einen Schatten wirft, zieht den Blick auf sich. Auf einem anderen Bild kämpft eine nackte Frau gegen die Verzweiflung. Ein Kind stützt sie – schwarze Vögel fliegen weg – sehr viel Kraft und Temperament geht von diesem Bild aus. Viel Kraft und Energie gehen auch von Esther aus. Herz und Gefühl leiten sie sichtbar. Ökonomisches Denken ist ihr fremd. Sie schenkt uns viel Zeit. Spielt auf der Handorgel für uns statt Wäsche zu waschen. Ihre Türe ist für jeden offen oder der Schlüssel liegt unter einem Stein vor der Tür. Esther hat Leben und Tod angenommen. So wie Maria von der wertvollen Pieta der Dorfkirche. Bei einer Rast setzen sich Schmetterlinge auf meine Zehen.

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Denke an die Worte von Barbara aus München: “Wenn ich Schmetterlinge sehe, dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“ Vater und Sohn aus Quebec begegnen wir wieder. Sie haben es eilig. Ihr Rückflug ist in zwei Tagen geplant und weil sie sich gestern im Regen verlaufen haben sind sie unfreiwillig 40 Kilometer gegangen. Da waren sie natürlich froh über unseren Kaffee der sie aus Depression und Erschöpfung geholt hat. In dieser Gegend findet man Dolmen aus der Keltenzeit. Auf den Weiden immer wieder Muttertiere mit ihren Jungen. Wind und Sturm vertreiben die letzten Wolken. Um nicht zu spät an das heutige Ziel zu kommen kürzen wir ab Varaire den Weg durch einen anstrengenden Straßenhatscher bis Bach ab. Ziemlich müde bin ich als wir um 18 Uhr im Kloster Monastère des Filles de Jèsus in Vaylats ankommen. Die Anlage ist relativ groß. Die Zimmer sind sehr einfach ebenso das Essen im Speisesaal mit den anderen Pilgern. Eine sehr freundliche Pilgerbetreuerin begrüßt uns. Wir sehen rund zwanzig ältere Nonnen. Es gibt zwei Tische für die Pilger von denen wir einige schon kennen. Zwei Österreicher aus Wien und Schärding lernen wir kennen. Auch die freundliche Pilgerbetreuerin kann das lieblose Essen nicht wettmachen. Die Nonnen nehmen keinen Kontakt mit uns Pilgern auf. Es gibt keine Gelegenheit an einem gemeinsamen Gebet teilzunehmen. Nach dem Essen beginnt es zu donnern und zu wettern. Dann schüttet es wieder in Strömen. Das alte einfache Fenster im Zimmer ist nicht dicht. Mit unseren Badetüchern kämpfen wir gegen das eindringende Wasser bis es uns gelingt, die Läden zu schließen. Draußen liegt der Hagel wie Schnee. Noch lange grollt der Donner uns in den Schlaf. Welch ein Glück so geschützt zu sein neben der Nachtischlampe mit der kitschigen schwimmenden Kunstrose!

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Wieder auf dem Jakobsweg: Tag 26, Greàlou

In der Nacht schüttet es in Strömen. Ein wohliges Gefühl, geschützt in diesem bunten, sauberen Haus im Bett zu sein. Ich sehe, wie das Wasser wie ein Sturzbach die Straße…

In der Nacht schüttet es in Strömen. Ein wohliges Gefühl, geschützt in diesem bunten, sauberen Haus im Bett zu sein. Ich sehe, wie das Wasser wie ein Sturzbach die Straße hinunter fließt. Auch nach dem gemeinsamen Frühstück mit Esther – sie spielt für uns auf der kleinen Handorgel – regnet es wieder stark und wir nehmen Esthers Einladung, noch eine Nacht zu bleiben, an. Für Konrad eine heroische Leistung. Für mich und meine Seele ein großes Geschenk.

Esther ist 57 Jahre alt. Mit Begeisterung zeigt sie uns ihre Kunstwerke und ihr Atelier. Sie verarbeitet schöne Stoffe zu Wanddekorationen, sie malt, töpfert und gestaltet Skulpturen. Sie hat mit viel Liebe im Atelier einige Zimmer und den Dachboden für Pilger und Wanderer mit zehn Betten adaptiert und beschlossen, ihre ganze Aufmerksamkeit dieser Aufgabe zu widmen. Es macht Konrad und mir Freude, dieses Haus noch einen Tag zu „besitzen“. Ein großer Dank dem intensiven Regen, der uns dieses Innehalten ermöglicht hat. Im Dorf gibt es weder ein Geschäft noch eine Bar noch ein Restaurant. So koche ich selber in der heimeligen Küche und fühle mich wie zu Hause. Noch gestern in traurigen Reflexionen versunken scheint heute für meine Seele die Sonne. Konrad und ich haben Zeit für aufmerksame Gespräche, zum Lesen und Schreiben. Draußen klingt ganz zart ein Klangspiel im Wind. Zwei Mal bewirten wir vorbeikommende Pilger mit Kaffee. Vater und Sohn aus Quebec bezeichnen uns als „the sun of the day“. Sie hatten sich im strömenden Regen vergangen und waren erschöpft und total nass. Als sie gehen hat es aufgehört zu regnen. In dieser Nacht schlafe ich wunderbar. Ab und zu regnet es noch.

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Wieder auf dem Jakobsweg: Tag 25, Greàlou

Gehzeit: 4 Stunden 30 Minuten, Greàlou, Chambre d’hotes L’Átelier des volets bleus Esther Marcous In Livinhac-le-Haut geht es wieder bergauf – natürlich -, aber nicht sehr lang. Der Himmel ist…

Gehzeit: 4 Stunden 30 Minuten, Greàlou, Chambre d’hotes L’Átelier des volets bleus Esther Marcous

In Livinhac-le-Haut geht es wieder bergauf – natürlich -, aber nicht sehr lang. Der Himmel ist bedeckt, die Temperatur ist angenehm. Habe schlecht geschlafen und daher „Gummibeine“ und bin müde. Die richtige Stimmung für Selbstzweifel. Die vielen Menschen auf dem Weg und die Gespräche die sich immer nur um „Wie weit, wie schnell ist man heute gegangen“ drehen. Hetze, Tempo, Beruf, Leistung, Produktivität, Stress. All das ist mir vertraut und daher lasse ich mich leicht von diesem Muster anstecken. Meine Sehnsucht nach Veränderung dieses Musters und nach Ruhe ist groß. Ich versuche, den langbeinigen Schritten von Konrad zu folgen. Ich möchte kein „Bremser“ sein und doch gerne „meinen Weg“ finden. Stille, Ruhe, schauen, spüren, aufnehmen… Wie schwer das doch ist. Konrad schwärmt immer wieder vom Weg durch Frankreich, den er ganz alleine gegangen ist. Ich ziehe diese Möglichkeit ebenfalls ernsthaft in Erwägung. Diese Erfahrung sollte man sich sicher gönnen. Die pinkfarbenen Wicken am Weg erinnern mich an die „Marienbecher“ meiner Kindheit. Tränen bringen mir Erleichterung. Steine fallen vom Herzen, Einfach so. Nach zwei Stunden erreichen wir das sehr gepflegte Dorf Faycelle. Hier bekomme ich nach zweitägiger Abstinenz meinen geliebten Espresso und wir können für die Jause einkaufen. Diese nehmen wir bei einer typischen runden steinernen Schäferhütte, einer Cazelle, ein. Die Regenabdeckungen der Rucksäcke dienen als Hussen für die schäbigen Plastikstühle. Der Sportteil (nicht der Wirtschaftsteil!) der Zeitung dient als Tischtuch. (Ich lese, dass Naomi Campbell den Weltcuppokal in einem Louis Vuittons Koffer präsentiert.) Märchenhaft die Weide mit alten Bäumen. Der junge Deutsche aus Fulda überholt uns in Begleitung einer jungen Dame. Im verschlafenen Dorf Greàlou finden wir, nach langem Suchen, das Quartier, das uns auf diesen Weg, am meisten anspricht. Das Atelier einer Schweizer Künstlerin.

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Herzlich werden wir von Esther Marcous empfangen. Gemütlich und lange plaudern wir mit ihr bei einem oder auch zwei Glas Wein. Wir sind heute die einzigen Gäste. Mit viel, viel Liebe, Kreativität und Herz hat sie das alte Haus in eine Gite (Herberge) verwandelt.

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Das ist wie ein Wunder für mich an diesem herzenstrüben Tag. Esther sperrt für mich die gegenüberliegende Kirche auf und zeigt mir die wertvolle kleine Pieta. Maria blickt nicht verzweifelt sondern hat einen entspannten, friedvollen Gesichtsausdruck. Esther hat vor 22 Jahren ihr einjähriges Mädchen am 24. Dezember durch plötzlichen Kindstod verloren. Esthers Mutter ist vor zwei Jahren am Todestag ihrer Enkelin verstorben. Wie tröstlich das für sie ist. Esther hat einen zwanzigjährigen Sohn. Wir verabschieden uns abends freundschaftlich nachdem sie uns noch köstlich frischen Ziegenkäse für das Frühstück gebracht hat.

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