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Kategorie: Politics. Economy.

Schweine und Schweinebauern in der kalkulierten Strukturtragödie

Geringes Einkommen und schlechte Haltungsbedingungen gehören dazu – den wahren Preis für billiges (Schweine-)Fleisch bezahlen Menschen und Tiere hinter den Fleischproduktionskulissen. Für Schweinehalter „ist eine sehr schwierige Zeit“, sagt Schweinebauer…

Geringes Einkommen und schlechte Haltungsbedingungen gehören dazu – den wahren Preis für billiges (Schweine-)Fleisch bezahlen Menschen und Tiere hinter den Fleischproduktionskulissen.

Für Schweinehalter „ist eine sehr schwierige Zeit“, sagt Schweinebauer Bernhard Seidl, er hält 540 Mastschweine in seinem konventionell geführten Betrieb in Oberösterreich. Existenzangst, Identitätskrisen und die gesellschaftliche Geringschätzung trüben die Freude an seiner Arbeit als Landwirt. „Das Produkt wird nicht mehr wertgeschätzt, die menschliche Arbeit nicht fair entlohnt“, so der Schweinebauer. Trotz hohem Bedarf an Schweinefleisch ist die Anzahl der Schweinehalter in Österreich in den vergangenen 20 Jahren von 112.080 auf 26.075 (2015) geschrumpft.

Eine Frage der Haltung

Im knallharten System der Fleischproduktionskette zählt allein Masse und Preis, Big-Player dominieren den Markt, Interessensvertretungen halten still oder starten Image-Aktionen. Doch „keiner traut sich neue Wege anzudenken und zu gehen. Man müsste querdenken“, erklärt Schweinebauer Seidl „günstig hat immer einen Haken“.

Konventionelle Schweinezucht- und Schweinemastanlage in Österreich | Bild: IST/Initiative SteirerInnen gegen Tierfabriken

Konventionelle Schweinezucht- und Schweinemastanlage in Österreich | Bild: IST/Initiative SteirerInnen gegen Tierfabriken

Ob bäuerlicher Familienbetrieb oder Agrarindustrie – billiges Fleisch bedeutet intensive Tierhaltung: Hohe Subventionen, niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen, viele Tiere auf wenig Raum, geschlossene Stallsysteme, Vollspaltenböden, betäubungslose Kastrationen, Akkordschlachtungen…

Intensivtierhaltung, auch Massentierhaltung genannt „beginnt dort, wo sich Tiere aufgrund der Haltungsbedingungen nicht mehr nach ihrer Art verhalten können“, sagt Anton Sutterlüty von der Initiative SteirerInnen gegen Tierfabriken. Fleischqualität und Regionalität allein sagen nichts über die Haltungsform aus.

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Bild: Hans Brexmeier / pixabay.com

Globale Schlachtplatte

Freihandelsabkommen wie CETA und TTIP sind radikale Schritte im vorherrschenden Stil. Mit massiv gesenkten Transportkosten werden die Standortvorteile Österreichs getilgt . „Im Supermarkt liegt dann billiges Schweinefleisch aus den USA. Die Frage ist, wie lange es dauert bis österreichische Bauern nicht mehr konkurrenzfähig sind“, verdeutlicht Steffen Nichtenberger von Greenpeace Österreich. „Österreichische Standards werden durch den Preisdruck sinken, nicht morgen, aber übermorgen.“

Schweinebauer Seidl ist über die Entwicklungen ebenfalls besorgt: „Wer diese Freihandelsabkommen nicht als Bedrohung sieht, verschließt die Augen vor der Realität.“  Sutterlüty verweist auf die strukturelle Selbstzerstörung: „Große Konzerne werden immer größer und reicher, während die Kleinen verschwinden. Die Ausweitung des Marktes, führt zu weiterem Bauernsterben“.

Mit TTIP werden zudem „mühsam erkämpfte Tierschutzstandards erst aufgeweicht und letztlich auflöst“, gibt Harald Hofner, Präsident von pro-tier, dem Verband der österreichischen Tierschutzorganisationen, zu bedenken. „Das Hochhalten des Tierschutzes ist schon innerhalb der Europäischen Union schwer genug. TTIP wird mittelfristig jede politische Tierschutzarbeit verunmöglichen.“

Ferkel in einer Aufzuchtanlage in Deutschland | Bild: PETA Deutschland e.V.

Ferkel in einer Aufzuchtanlage in Deutschland | Bild: PETA Deutschland e.V.

Der Ag-Gag-Import

Erfolgreich importiert wurden von der Agrarpolitik bereits „Ag-Gags“ (agriculture gags), also Rechtstexte, die das aktive Interesse an den Produktionsbedingungen kriminalisieren. Der Blick in den Stall wird zur Verwaltungsstraftat erklärt, so beispielsweise im Entwurf zur österreichischen Schweinegesundheitsverordnung und im geltenden Betretungsverbot in Oberösterreich. Laut BefürworterInnen dieser Rechtstexte zum „Schutz von landwirtschaftlichem Eigentum“, wolle man dadurch unerwünschte Recherchen in Tierproduktionbetrieben verhindern.

Als Rechtfertigung wird von InteressensvertreterInnen häufig der Schweinestall mit dem privaten, bäuerlichen Wohnzimmer gleichgesetzt. Doch ist das öffentliche Interesse an landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen tatsächlich mit Voyeurismus vergleichbar?

Lippenbekenntnisse bei Konsumverhalten

Geht es um das eigene Konsumverhalten behaupten viele Menschen auf hohe Standards bei Herstellung und Haltungsbedingungen Wert zu legen. Mit den tatsächlichen Verkaufszahlen stimmen diese persönlichen Konsumtheorien jedoch nicht überein. „Der Markt fordert was anderes als die Lippenbekenntnisse“, so Seidl.

Beim (Schweine-)Fleisch zählt auch für die Konsumierenden vor allem eines: Billig, billiger, am billigsten. Völlig entfremdet scheinen die Vorstellungen der Konsumenten und Konsumentinnen von den realen Herstellungsbedingungen zu sein. „Es ist ein Fehler, dass Möbelhäuser Schnitzel für 2,90 Euro anbieten, denn zu diesem Preis ist keine Produktion möglich“, erklärt Seidl. „Mit der Kaufentscheidung hat der Konsument in der Hand wohin der Weg geht. Wären die Menschen bereit faire Preise zu bezahlen, könnte auch die Haltungsbedingungen verbessert werden.“

Bild: Hans Brexmeier / pixabay.com

Bild: Hans Brexmeier / pixabay.com

In Österreich wurden vergangenes Jahr 5.414.000 Schweine geschlachtet, von ihrem Fleisch isst durchschnittlich jede(r) 39 Kilo im Jahr, 98 Prozent stammen aus konventioneller Produktion, nur knapp zwei Prozent aus alternativen Betriebsformen, wie biologischer Landwirtschaft.

Mutige Alternativen

„Am schönsten im Zusammenleben mit den Schweinen ist es, Zeit in der Herde zu verbringen“, erklärt Bio-Freiland-Bäuerin Elfriede Sonnleitner, auf ihrem Bio-Freilandhof Simandl in Oberösterreich leben 124 Mangalitza-Wollschweine. „Die Schweine in ihrer Lebendigkeit zu sehen, sie in ihrem Sein und Tun zu beobachten“, genießt die Bäuerin besonders “wenn sie herkommen, grunzen und sich streicheln lassen.“

In der konventionellen Produktion werden Mastschweine bereits vor dem ersten Zahnwechsel getötet, „diese Tiere sind zum Schlachtzeitpunkt noch Kinder mit dem Gewicht von Erwachsenen“, so Sonnleitner. Die Bio-Freiland-Haltung ist „eine Alternative zur Massentierhaltung. Wir wollen den Tieren mit Würde begegnen, ihnen Bewegungsraum und Zeit zum wachsen lassen. Interessierte sind am Hof willkommen, Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung sind uns wichtig“.

Was in der trügerischen Fleischreklame bloß Wohlfühl-Werbetaktik ist, gehört am Simandlhof zum Konzept: Gras, Frischluft, Sonnenlicht, Platz und soziale Kontakte. „Wenn wir schon Tiere essen, dann sind wir ihnen ein artgerechtes Leben schuldig“, so Sonnleitner.

Mangalitza-Schweine am Simandl-Hof | Bild: Sonnleitner

Töten und töten lassen

Kein leichtes Thema für die Schweinebäuerin ist die Tötung der Tiere „es ist ein Unterschied ob ein Tier stirbt oder aktiv getötet wird.“ Also ganz direkt gefragt: Wie fühlt es sich an zu sehen, wie die Tiere, mit denen man selbst Zeit verbracht hat und die man aufwachsen gesehen hat, vertrauensvoll in den Transporter [1] steigen, der sie auf ihre letzte Reise, hin zum Schlachter bringt? „Es spürt sich sehr schräg an, tut uns weh und wirft viele Fragen auf“, erklärt Sonnleitner. Der Bäuerin hilft bei diesem innerlichen Konflikt der Artenschutzgedanke: „Würden wir sie nicht essen, würde es sie gar nicht geben. Wir tragen zu neuem Leben bei und gönnen ihnen das Aufwachsen; das Essen und Schlachten ist in diesem Kreislauf mit eingebunden.“

Bild: EstudioWebDace / pixabay.com

Bild: EstudioWebDace / pixabay.com

Hartnäckiges Tellerdilemma

Reportagen und Berichte über die Zustände in der Massentierhaltung und Fleischproduktionskette [3] schockieren und das Interesse der Menschen am Wohl der Tiere scheint zu steigen. Doch trotz Empörung und Mitgefühl genießen wir die „ach so armen Tiere“ in Form von Schweinebraten und Steak, warum? „Keiner will, dass Tiere gequält werden, doch es gibt hier eine kognitive Dissonanz. Es besteht eine Kluft zwischen Einsicht und Umsetzung“, erklärt der katholische Theologe und Ethik-Professor Kurt Remele. „Es findet eine Verdrängung der Problematik statt.“

Aber wenn die Tiere ein schönes, artgerechtes Leben haben, ist es doch ethisch unproblematisch diese Tiere für den eigenen kulinarischen Genuss zu töten bzw. töten zu lassen. „Ein häufiges Argument, aber Tiere sind nicht für den Menschen da. Sie werden für die Fleischproduktion instrumentalisiert, ihr Eigenwert und Wille zum Leben wird nicht wahrgenommen“, so der Ethik-Professor.

Die christliche Tierethik „findet schöne, hehre Worte; würdevoll wird über Tiere geschrieben, aber es fehlt an konkreten Konsequenzen“, kritisiert Remele. Eine neue christliche Tierethik [2] müsse auf schwammige Formulierungen verzichten und sich aussprechen trauen, was nicht alle hören wollen, Remele selbst geht dabei mutig voran: „Wenn eine Ernährung ohne das Töten von Tieren möglich ist, bezweifle ich, dass wir das Recht haben Tiere zu züchten, um diese zu töten.“

 

Eine Kurzversion des Artikels ist erschienen in: Information-Diskussion Nr. 286, „ESSEN – Leichte Kost oder schwer verdaulich?“, Katholische ArbeitnehmerInnenbewegung Oberösterreich, Juli 2016

[1] Laut Angaben der Simandl Website werden die Tiere mit Futter auf den Tiertransporter gelockt, der sie zur Hofschlachtung bei einem anderen Landwirt bringt.
[2] Remele, Kurt, Die Würde des Tieres ist unantastbar. Eine neue christliche Tierethik, 2016
[3] www.schlachthofskandal.at

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Mein Leben mit einem Syrer: Kulturelle Unterschiede (Teil 2)

Im ersten Teil ging es um Themen wie „Begrüßungen und Berührungen“ oder „Frauen, Verhüllung und Arbeit“. Nun folgt Teil 2 mit weiteren Themen. Über die Familie und das Heiraten „Sind die…

Im ersten Teil ging es um Themen wie „Begrüßungen und Berührungen“ oder „Frauen, Verhüllung und Arbeit“. Nun folgt Teil 2 mit weiteren Themen.

Über die Familie und das Heiraten

„Sind die beiden verheiratet?“, lautete erst kürzlich eine Frage von Österreichern, als ein syrisches Paar mit Kindern bei ihnen eine Wohnmöglichkeit fand. Beide hatten unterschiedliche Nachnamen und auch der Altersunterschied von vierzehn Jahren war erst etwas ungewohnt. Die Erklärung: Um die Familie der Frau zu respektieren, tauscht man den Namen nach der Heirat üblicherweise nicht aus. Zusätzlich geht diese Regelung auch auf die Osmanen zurück, wo es noch keine Nachnamen gab und man nach dem Vater benannt wurde, sprich „Tochter/Sohn von“ um nachvollziehen zu können, aus welcher Familie man stammt. Der Stamm richtete sich nach dem Stammesoberhaupt, in dem Fall nach dem Vater. Somit war es unüblich, dass die Frau den Namen/Nachnamen des Mannes annahm, weil sie ja nicht aus seinem Stamm stammte. Der Altersunterschied kommt daher, dass die Familie und in weiterer Folge die Kinder als äußerst wichtig gelten, der Mann diese sein ganzes Leben lang zeugen kann und er erst ein schönes Zuhause „erarbeitet“, bevor es ans heiraten geht.

Unsere „europäischen“ Beziehungen gibt es bei syrischen Muslimen kaum – gefällt einem Mann eine Frau, gilt es, sie nach der Telefonnummer ihrer Eltern zu fragen – oder – eine andere Variante: Eine dritte Person zu schicken, um ihre Ehre nicht zu verletzen. Es liegt dann an ihr, ihm die Nummer zu geben oder abzulehnen. Anschließend findet ein Telefonat zwischen seinen und ihren Eltern statt und wenn alles gut läuft, ein Treffen zwischen den beiden samt Eltern. Es wird unter anderem über seinen Job geredet (und auch „überprüft“ ob er wirklich dort arbeitet, wo er angibt und allgemeine Informationen eingeholt). Sind nach wie vor alle (!) einverstanden, können sich die beiden verloben und somit sozusagen eine „Kennenlernphase“ (wahlweise geheim oder öffentlich) starten, bei der – wenn gewünscht – Händeschütteln erlaubt ist, aber keine Küsse und kein Geschlechtsverkehr. Und wenn man sich sicher ist, dass man zueinander passt, heiratet man nach maximal zwei Jahren.

Schweinefleisch, Pferde und Hunde

Laut Quran verbietet Gott den Menschen den Verzehr von Schweinefleisch, es gilt somit als „haram“ (verboten), ebenso wie das Trinken von Alkohol oder das Konsumieren von Drogen. Muslime halten sich strikt an diese Verbote, da sie von deren Sinnhaftigkeit überzeugt sind. Alles was Gott erlaubt ist gut für die Menschen, alles was er verbietet, schadet ihnen (unabhängig davon, ob er das sofort „erkennt“ oder nicht). Und während man vor über tausend Jahren noch nicht genau über Schweine als Überträger von Bakterien Bescheid wusste beziehungsweise forschen konnte, gibt es heute immer mehr Forschungen in diese Richtung gehend, zum Beispiel der Nipah-Virus oder der Aujeszky-Virus (übrigens auch der Grund, warum Katzen und Hunde kein rohes Schweinefleisch essen sollten) – und hier auch noch ein Link zu einem „nicht muslimischen“ Gesundheitsratgeber, in welchem ebenfalls vom Verzehr von Schweinefleisch abgeraten wird. Auch im Christentum wurde übrigens (im Alten Testament, geht auf Mose zurück) das Schwein als unreines Tier bezeichnet, das nicht verzehrt werden sollte.

Es wird im Islam auch allgemein kein Tier gegessen, das selbst Fleischfresser ist beziehungsweise Blut frisst oder trinkt. Als Grund der Abneigung kann man heute zum Beispiel anführen, dass man beim Verzehr von „brutalen“ Tieren deren Veranlagung und Gene zum Töten sowie auch dessen Verlangen nach Blut in sich aufnimmt. Ich persönlich finde hier den Satz „du bist was du isst“ sehr passend.

Praktizierende Muslime essen „halal-Fleisch“ (halal bedeutet übersetzt „erlaubt/zulässig“), bei dem man Tiere händisch nach einem kurzen Gebet (in Österreich natürlich auch unter Einhaltung der Tierschutzgesetze und mit zusätzlicher Betäubung, Quelle: das biber) schlachtet und ausbluten lässt. Im Gegenzug dazu steht „haram-Fleisch“ (haram bedeutet übersetzt „verboten“). Pferdefleisch wird von Syrern ebenfalls nicht gegessen – dies aber aus Respekt und weil Pferde für Araber ein Teil ihrer Geschichte und Nation sind.

Das Halten von Hunden ist im Islam ebenfalls verboten („haram“), als Ausnahmen gelten der Schutz einer Herde beziehungsweise Farm und die Jagd. Für Muslime gilt der Speichel von Hunden als rituell unrein, deshalb gilt es, nach dem Kontakt mit Hunden oder deren Atem, sich gründlich zu waschen oder zu duschen beziehungsweise die Kleidung zu wechseln. Ähnlich wie oben beschrieben kann man auch hierfür sagen: Alles was Gott erlaubt ist gut für die Menschen, alles was er verbietet, schadet ihnen. Ich kenne allerdings ein paar SyrerInnen, die bei österreichischen Familien mit Hund unterkommen, aber nie ein Wort über den „störenden/unreinen“ Hund verlieren würden. Vielmehr geht es um ein wenig Rücksichtnahme, dass der Hund nicht zwingend alles beschnüffelt und dass der direkte Kontakt für viele sehr unangenehm ist, weil danach eine Dusche notwendig ist.

Über Integration und Neues

Neu sind für SyrerInnen hier in Österreich: Mülltrennung, Zebrastreifen, allgemein das Verkehrssystem inklusive Geschwindigkeitsbeschränkungen, geschlossene Geschäfte am Sonntag und auch unter der Woche Öffnungszeiten „nur“ bis 18, 19 beziehungsweise 20 Uhr, kaum gegenseitiges Helfen (in Syrien werden ohne zu fragen Einkaufstaschen abgenommen, Person per Auto-Stopp mitgenommen…), Alkohol in Torten und Kuchen beziehungsweise allgemein als Konservierungsmittel, süße Hauptspeisen, dunkles Brot und Mineralwasser beziehungsweise kohlensäurehaltige Frucht-Getränke, Hunde im Haus (und in Kinderwägen), Anrufen vor Treffen (und nicht einfach vor der Türe stehen), Stellenwert der Familie und so einiges andere. Beim Punkt Familie kann auch ich etwas neues dazu lernen: Nicht nur einmal habe ich in letzter Zeit gehört: „Wie geht es deinem Papa? Du solltest ihn mal wieder anrufen.“ und wirklich, man schätzt seine Familie und kümmert sich hier leider oft viel zu wenig. „Du kannst eine neue Liebe finden, aber die Liebe zwischen dir und deiner Mama, deinem Papa, deiner Schwester oder deinem Bruder ist absolut unersetzlich.“

Und natürlich ist auch die Sprache neu (inklusive Buchstaben, diese werden in Syrien nur im Englisch-Unterricht verwendet), wobei mir auch hier noch niemand begegnet ist, der diese nicht lernen will. Eher Gegenteiliges ist der Fall und auch der „Deutschkurs Traiskirchen“ ist seit Anfang an immer gut besucht.

Fast alle Syrer wollen nach Kriegsende wieder zurück. „Wir fühlen uns momentan wie Fische ohne Wasser“, um zu zitieren, „das Leben dort ist einfacher für uns – wir lieben Syrien, es ist ein wunderbares Land. Wir sind nicht nach Europa gekommen des Geldes wegen, wir möchten auch niemandem hier den Job wegnehmen, wir sind hergekommen weil wir keine andere Wahl hatten und wir wollen wieder zurück, sobald es möglich ist“.

Das Bild der Medien und Vorurteile

„Wenn all das wirklich stimmt, woher kommt dann das Bild im Kopf vieler europäischer Menschen (einschließlich mir), dass es Steinigungen gibt, die Hände abgehakt werden, Frauen nicht Auto fahren dürfen und so weiter?“, will ich wissen. „Im Islam wird eine Hand abgehakt, wenn man etwas stiehlt (nach Einhaltung einiger Regeln wie zum Beispiel: Der Dieb muss gestehen oder es gibt zwei bis vier Zeugen und einen genauen Plan für den Einbruch inklusive Türe aufbrechen etc. – und: Der Richter muss zustimmen, dass die Person schuldig ist) – ausgenommen sind Dinge, die für das Überleben notwendig sind, wie zum Beispiel Brot oder Geld für Brot. Dieses „Hände abhaken“ gilt aber seit sehr langer Zeit nicht mehr für Syrien sondern wird nur noch in Saudi-Arabien praktiziert! Die Sache mit dem Autofahren betrifft ebenso Saudi-Arabien, in Syrien dürfen Frauen fahren.“

Als wir gemeinsam mit einer österreichischen Freundin Kebap essen sind, die andere Seite: „Bevor wir nach Europa kamen, sahen und hörten wir immer wieder in den Zeitungen und im Fernsehen, in Europa drehe sich alles um Sex und Drogen – es machte den Anschein, als könnte man einfach so auf jeder x-beliebigen Straßenecke oder auf jedem Restaurant-Tisch Geschlechtsverkehr haben – aber das ist genauso wenig wahr wie das Bild welches hier oft in den Medien über uns vermittelt wird“.

Das waren jetzt im gröbsten die kulturellen Unterschiede zwischen Syrien und Österreich – wir könnten noch viel mehr schreiben, möchten an dieser Stelle aber nun auch Teil zwei beenden. Wir, das sind Mahmoud und ich, ohne den dieses Projekt nicht möglich gewesen wäre – unzählige Gespräche, Wiederholungen, Links, Geduld, Übersetzungen – vielen lieben Dank dafür! Dankeschön auch an Betül und Amine fürs Korrekturlesen der Infos!

Hier findet ihr den Link zum ersten Teil, wenn ihr Fragen zu diesen oder auch weiteren Themen gibt, bitte gerne einen Kommentar hinterlassen.

12 Kommentare zu Mein Leben mit einem Syrer: Kulturelle Unterschiede (Teil 2)

Mein Leben mit einem Syrer: Kulturelle Unterschiede zwischen Syrien und Österreich

Ursprünglich bin ich im Sommer nach Traiskirchen gefahren um zu helfen und mir dabei mein eigenes Bild zu machen, unabhängig von den Medien. Die beiden daraus entstanden Artikel könnt ihr…

Ursprünglich bin ich im Sommer nach Traiskirchen gefahren um zu helfen und mir dabei mein eigenes Bild zu machen, unabhängig von den Medien. Die beiden daraus entstanden Artikel könnt ihr hier nachlesen: Traiskirchen – Der Weg der Spenden und Meine Erfahrungen in Traiskirchen. Aus dieser Idee ist jetzt, sechs Monate später, etwas ganz anderes gewachsen als ursprünglich gedacht: Eine neue Beziehung und viele neue Freundschaften. Wir kommen immer wieder zusammen, egal ob zum Helfen, privat bei Feiern, beim Heurigen, bei Ausflügen – die in den Medien gerne erwähnte „Integration“ ist bei uns kein großes Thema, jeder respektiert den anderen. Weil das aber am besten geht, wenn man einander versteht und ein paar Hintergründe kennt, haben Mahmoud und ich nun in diesem ersten von zwei Artikeln festgehalten, wo genau denn die kulturellen Unterschiede liegen.

Begrüßungen und Berührungen

Für Muslime in Syrien gibt es keine Berührungen zwischen Männern und Frauen außerhalb der Familie (Cousins und Cousinen ausgenommen), dementsprechend auch kein Händeschütteln oder Bussi-Bussi zur Begrüßung. Stattdessen wird der Friedensgruß „Salaam aleikum“ (Friede sei mit dir) ausgesprochen. Männer unter sich können sich die Hände schütteln oder sich umarmen, ebenso Frauen untereinander – nur die Berührungen zwischen den Geschlechtern sind üblicherweise nicht gern gesehen, da diese als erotisch empfunden werden können und man keinerlei Versuchung aufkommen lassen möchte.

Bei all meinen Besuchen in Traiskirchen und bei syrischen Freunden hat noch nie jemand meine ausgestreckte Hand abgelehnt – und aus Höflichkeit hätte mich vermutlich auch nie jemand darauf angesprochen –, nur einmal habe ich von Problemen in einer syrisch-österreichischen Freundschaft gehört, bei der eine verheiratete Muslimin einem österreichischen Mann nicht die Hand schütteln wollte, wodurch ich erstmals auf dieses Thema aufmerksam wurde. Viele akzeptieren das Händeschütteln, auch wenn es nicht die favorisierte Begrüßungsart ist, weil es hier üblich ist. Alles, was darüber hinausgeht – Umarmungen, Bussi-Bussi und so weiter – überschreitet dann aber die persönliche Distanzzone.

Religionen, Respekt und Weihnachten

In Syrien gab es vor dem Krieg mehrere Religionsgemeinschaften, die friedlich und respektvoll miteinander umgegangen sind. Die größte Gruppe waren Muslime, gefolgt von Christen, Juden, Alawiten, Ismailiten, Drusen und Jesiden. Muslimen war es erlaubt, ihre Gebete in christlichen Kirchen zu beten und umgekehrt. Im Islam selbst gibt es kein Weihnachtsfest (Jesus wird als Mensch und Prophet Gottes angesehen und nicht als sein Sohn) und entsprechend auch keine Christbäume. Trotzdem gab es in Syrien an großen öffentlichen Plätzen diese geschmückten Bäume. Waren Muslime mit Christen befreundet, wurde diesen auch häufig aus Respekt ein Baum geschenkt (als Muslim hatte man natürlich keinen eigenen daheim). Umgekehrt wiederum haben die meisten Christen im Ramadan auf Essen außerhalb von (christlichen) Restaurants verzichtet. Muslimische Restaurant-Besitzer haben im Ramadan geschlossen, nur christliche Eigentümer haben geöffnet – wenn auch aus Respekt mit verklebten Scheiben, damit niemand beim Essen zusehen kann. Zur Info: Während dem Fastenmonat Ramadan dürfen Muslime erst nach Sonnenuntergang essen. Es gibt zwei große Feste im Islam: Das Opferfest (das wichtigste) und das Fest des Fastenbrechens (nach dem Fastenmonat Ramadan).

Muslime sind Menschen wie du und ich, jeder macht Fehler, niemand ist perfekt. „Wenn jemanden ein Fehler unterläuft, heißt das nicht, dass die Religion schlecht ist; wenn ich einen Fehler mache, ist das mein persönlicher Fehler, nicht der meiner Religion.“ Und: „Mache Scherze über mich, rede schlecht über mich – aber niemals über meinen Gott, meine Religion oder Propheten – die Religion ist immer raus. Scherze unter Freunden: Ja – aber niemand kennt Gott persönlich – wie kann man da über ihn scherzen? Man scherzt ja auch nicht über Verstorbene“.

Frauen, Verhüllung und Arbeit

Ich erinnere mich noch gut an den Sommer und eines meiner ersten Gespräche mit der plumpen Frage: „Dass Frauen nicht Auto fahren können und sich verhüllen müssen, liegt daran, dass ihr als Männer das für sie bestimmt?“ Unzählige Gespräche später weiß ich: Die meisten Frauen entscheiden sich freiwillig für den Hi­dschab (das Kopftuch) – nicht alle, aber die meisten können sich aussuchen, ob sie dies tragen möchten oder nicht, dementsprechend gab es auch keine Bestrafungen und man sah vereinzelt auch Frauen ohne Kopftuch auf der Straße – die Rede ist hier wieder von der Zeit vor dem Krieg. Der Grund für das Tragens des Kopftuches aus religiöser Sicht beruft sich auf das entsprechende Gebot (sowohl im Quran als auch in den Überlieferungen).

Und auch bei der Wahl Kopftuch, ja oder nein, geht es in erster Linie darum, die Reize zu verhüllen (nicht sexuell aufreizend zu wirken) und nicht jeden Bereich des Körpers jedermann zu zeigen. Die Frau gilt als etwas ganz Besonderes, vergleichbar mit einem Diamanten. „Wenn du etwas ganz ganz besonders wertvolles hättest, würdest du es auch nicht groß auf der Straße zur Schau stellen und es von jedem angreifen lassen, oder?“ Als weitere Gründe kann man Tradition aufführen, Mode, Abgrenzung und Zugehörigkeit.

Für mich ist dieses Thema mehr eine Frage, was man für sich persönlich als in Ordnung empfindet und was nicht. Manche fühlen sich wohl, im Mini-Rock tanzen zu gehen und Aufmerksamkeit zu erregen, andere tragen diesen nur in Anwesenheit ihres Freundes, wieder andere würden nie einen zu kurzen Rock tragen (hier auch wieder die Frage: „Welche Länge ist zu kurz?“) und bevorzugen Hosen und wieder andere eben den Hidschab.

Frauen in Syrien gingen (aus kulturellen, nicht aus religiösen Gründen*) kaum arbeiten, es war Sache des Mannes für den Lebensunterhalt zu sorgen, wenn auch dafür 15-Stunden-Tage notwendig waren. Die Frau erledigte den Haushalt, kümmerte sich um die Kinder und die Einkäufe – wobei Frauen nie schwere Dinge tragen sollten, deshalb meist telefonische Bestellung inklusive Lieferservice. Das erklärt auch, warum mir im Sommer beim Sortieren und Schlichten der Spenden immer unverzüglich die vollen Boxen abgenommen wurden. Hierzu auch gleich meine nächste Frage, „Frauen dürfen also nicht rausgehen?“ und die Antwort darauf: „Natürlich dürfen sie rausgehen, sie können überall hingehen, wo sie hinwollen und auch den Führerschein machen!“.

„Warum aber dann nicht arbeiten?“ „Bei der Arbeit wird es (notgedrungener Weise) auch Kontakt mit Männern geben, am Anfang nur oberflächlich, aber nach einer Zeit fängt man an über Privates und Probleme zu reden, man bückt sich nach dem Stift… Und man kann alles kontrollieren, nur keine Gefühle. Wenn Frauen zum Shoppen oder ähnlichem gehen, werden sie nur die notwendigsten Gespräche mit den Verkäufern führen, niemals aber mit ihnen scherzen oder gar flirten. Und möchten sie arbeiten, dann bevorzugt mit Frauen oder Kindern, aber auch hier wird darauf geachtet, dass man zum Beispiel nicht in den Ausschnitt sehen kann, wenn die Lehrerin sich vorbeugt.“

Beim gemeinsamen Einkaufen, bei dem zwei Einkaufstaschen gefüllt werden, gilt für mich üblicherweise: Eine für den Mann, eine (die leichtere) für die Frau. Die muslimisch-syrische Variante: Beide (oder bei Bedarf auch noch mehr) trägt der Mann, die Frau gar nichts. „Findest du das fair? Wir haben zwei Taschen und sind zwei Leute?“ „Männer sind viel stärker, ihr Körper ist dafür gemacht, (schwere) Arbeit zu verrichten – der der Frauen nicht. Wer wird gewinnen, wenn wir armdrücken? Was ist nun also fair?“

In Syrien gab es keine Wochenenden, es wurde ununterbrochen und über Jahre hinweg gearbeitet sofern man eine Arbeit hatte. 12-Stunden-Tage waren meist Minimum in der Privatwirtschaft und das bis zu einem Alter von etwa 45 Jahren, bis dahin hatte man sich Haus, Auto etc. geleistet und einen Puffer für unsere hier sogenannte „Pension“ angespart.

 

Hier möchten wir den ersten Teil beenden, im zweiten Artikel werden wir dann über Familie, Heirat, Essen und Vorurteile berichten. Wenn es Fragen zu den hier bereits erwähnten Themen gibt, bitte gerne einen Kommentar hinterlassen.

 

* Im Islam ist es den Frauen nicht untersagt, auch mit Männern zu arbeiten, mit der Bedingung einen gewissen Abstand und Umgang an den Tag zu legen.

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Verbraucherkredite: Kenne und nutze deine Rechte!

Weihnachten steht vor der Tür und die Wunschlisten vieler Menschen sind lang. Smartphones, Fernseher, Tablets und vieles andere liegt bald unter dem Christbaum – für den Einzelhandel ist die Vorweihnachtszeit…

Weihnachten steht vor der Tür und die Wunschlisten vieler Menschen sind lang. Smartphones, Fernseher, Tablets und vieles andere liegt bald unter dem Christbaum – für den Einzelhandel ist die Vorweihnachtszeit die umsatzstärkste Zeit im Jahr. Sehr beliebt sind im Weihnachtsgeschäft traditionell Spielzeug, Uhren und Schmuck sowie Unterhaltungselektronik. Und mittlerweile werden den potenziellen Käufern nicht nur das Produkt, sondern auch gleich der dazu passende Verbraucherkredit angeboten.

Über ein Viertel der befragten ÖsterreicherInnen haben laut einer EU-Studie in den letzten zwei Jahren mindestens einen Verbraucherkredit aufgenommen. Männliche Befragte zwischen 29 und 35, solche mit weniger Jahren an Ausbildung und solche, die mehr Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu begleichen, haben sich in der Vergangenheit am ehesten für einen Kredit entschieden. Neun Prozent der Befragten haben oft Schwierigkeiten, ihre Raten rechtzeitig zu zahlen.

Drei von zehn Befragten haben zudem angegeben, dass ihnen ein Kredit die Möglichkeit eröffnet, sich Dinge zu kaufen, die sie sich andernfalls nicht hätten leisten können. Und für fast ein Viertel war die Motivation sich einen Kredit aufzunehmen, dass sie über das Produkt oder die Dienstleistung sofort verfügen wollten. Für Autos, Möbel, Computer, elektronische Geräte und Haushaltsgeräte wurden am ehesten Kredite aufgenommen. Und all jene, die Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu begleichen und die bereits einen Kredit aufgenommen haben, sehen es eher als wahrscheinlich an, in Zukunft einen Kredit aufzunehmen.

65 Prozent der Österreicher fühlen sich laut besagter Studie nicht gut bezüglich ihrer Verbraucherkreditrechte informiert. Daher hat die Europäische Kommission eine Informationskampagne ins Leben gerufen, um darüber aufzuklären, welche Rechte Konsumenten bei Aufnahme eines Verbraucherkredits in der Europäischen Union haben und welche Konsumentenrechte durch die Verbraucherkreditrichtlinie garantiert werden.

Ein Test bei verschiedenen Banken in Österreich hat darüber hinaus ergeben, dass in keiner einzigen Bank ohne dezidierte Nachfrage die verpflichtenden Informationen bereitgestellt wurden. Wer also nicht weiß, welche Rechte er beim Abschluss eines Kredites hat, fällt hier um wertvolle Möglichkeiten um. Eure Rechte als Kreditnehmer:

Das Recht auf Informationen zu eurem Kreditvertrag in einem kundenfreundlichen Format

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Vor der Unterzeichnung eines Kreditvertrages ist der Kreditanbieter verpflichtet, rechtzeitig die wichtigsten Informationen zum Vertrag bereitzustellen. Diese Informationen müssen in standardisierter Form auf Papier oder einem anderen dauerhaften Datenträger verfügbar gemacht werden – als sogenannte „Europäische Standardinformationen für Verbraucherkredite“ -, um Verträge für Konsumenten besser vergleichbar zu machen. So kann der Kredit ausgewählt werden, der am besten zur jeweiligen Situation passt.

Egal wie groß die Summe des Kredits ist: Fordert diese Informationen ein und vergleicht verschiedene Angebote, bevor ihr einen Kreditvertrag unterschreibt. Mit oben erwähntem Formular könnt ihr die wichtigsten Aspekte eines Kreditvertrags wie Art und Kosten des Kredits, Sollzinssatz und effektiven Jahreszins, Anzahl und Häufigkeit der Raten und wichtige rechtliche Fragen einfach vergleichen. Außerdem habt ihr das Recht, kostenlos eine Kopie des Kreditvertragsentwurfs zu erhalten.

Das Recht auf Rücktritt vom Kreditvertrag innerhalb von 14 Tagen

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KreditnehmerInnen haben das Recht, innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsunterzeichnung schriftlich von einem Kreditvertrag zurückzutreten – ein Grund für den Rücktritt muss nicht angegeben werden. Dem Kreditanbieter muss das geliehene Geld plus die beim Rücktritt angelaufenen Zinsen spätestens 30 Tage nach dem schriftlichen Rücktritt zurückgezahlt werden. Außerdem kann der Kreditanbieter sich für nicht rückzahlbare Gebühren entschädigen lassen, die in dem Zeitraum zwischen Auszahlung und Rückzahlung des Kredits angefallen sind. Achtung, das Rücktrittsrecht gilt nicht für Hypothekenkredite!

Das Recht auf vorzeitige Rückzahlung des Kredits

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Ihr habt das Recht, den Kredit jederzeit während der Vertragslaufzeit, vorzeitig ganz oder teilweise zurückzuzahlen. In letzterem Fall habt ihr Anspruch auf eine Senkung der Gesamtkreditkosten einschließlich Gebühren und Zinsen. Der Kreditanbieter muss für entgangene Einnahmen entschädigt werden, aber die Entschädigung darf nicht höher sein als die Zinsen, die dem Kreditgeber entgangen sind. Gemäß dem österreichischen Verbraucherkreditgesetz können variabel verzinste Kredite jederzeit ohne Spesen zurückbezahlt werden. Nur bei fix verzinsten Krediten kann der Kreditgeber eine Entschädigung verlangen, die maximal ein Prozent betragen darf. Bei Hypothekarkrediten kann zusätzlich eine Kündigungsfrist von maximal sechs Monaten oder die Dauer eines fixen Sollzinssatzes vereinbart werden.

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Ich habe es immer vermieden, mir einen Kredit aufzunehmen oder auch nur mein Konto zu überziehen. Wann immer ich mit dem Gedanken spiele, mir etwas zu kaufen – nicht nur zu Weihnachten -, stelle ich mir die folgenden Fragen:

Brauche ich es wirklich?

Wenn ich mir diese Frage stelle, bevor ich eine Kaufentscheidung treffe, ist die Antwort meistens „Nein“. Und das nicht nur bei Dingen wie einem neuen Smartphone, sondern auch im Supermarkt vor dem Regal mit den Kartoffelchips. Natürlich kaufe ich auch ab und zu Dinge, die ich nicht wirklich brauche, einfach weil sie mir eine Freude bereiten, aber diese Frage hat mich schon vor so manchem unüberlegten Kauf bewahrt.

Gibt es auch eine günstigere Variante?

Muss es der SUV sein, wenn es ein Kombi auch tut? Oder der Smart-TV mit der grössten Bildschirmdiagonale, wenn auch die kleineren Varianten noch ziemlich groß sind? Wenn man die Entscheidung getroffen hat, ein Produkt wirklich zu wollen oder zu brauchen, stellt sich nun die Frage, ob es nicht auch eine günstigere Variante gibt. Ein kleineres Modell, eine ältere Ausgabe – es muss nicht immer das Grösste und Neueste sein.

Kann ich es auch gebraucht kaufen?

Abgesehen von der offensichtlichen Ausnahme von Dienstleistungen gibt es mittlerweile fast alles auch gebraucht zu kaufen. Vom Auto über Elektrogeräte bis zu Kleidung kann man auch durch die Wahl eines Second Hand Produktes Geld sparen. Das ist neben dem Verzicht auch die nachhaltigste Variante – und die schonendste für die Geldbörse. Mein Auto und mein früherer Geschirrspüler waren zum Beispiel Gebrauchtkäufe.

Kann man es ausleihen?

Nicht immer habe ich mir diese Frage gestellt. Deshalb besitze ich auch zwei Paar Ski, obwohl ich seit Jahren nicht mehr Ski fahre, und zwei Räder, obwohl ich nicht gerne mit dem Rad fahre. Inzwischen ist mir klar geworden, dass man nicht alles, das man nutzen will auch besitzen muss. Deshalb leihe ich mir bestimmte Dinge aus, entweder von Familie, Freunden oder bei einem Verleihservice, denn neben Geld kosten solche Anschaffungen auch Platz. Das hat mich auch gelehrt, dass ich die meisten Dinge nur sehr selten verwenden würde. In meinem Fall waren das Schlittschuhe, Schneeschuhe, Langlaufski, Schlagbohrer und noch so einiges mehr, das ich mir erspart habe.

Kann ich es mir leisten?

Meine Devise ist: Was ich mir nicht leisten kann, kaufe ich nicht. Das kann manchmal hart sein, aber noch härter ist es, wenn man Kreditraten nicht mehr zahlen kann, oder die Höhe der Raten zu finanzieller Knappheit führt. Noch dazu bedeutet die Aufnahme eines Kredits meistens, dass man nicht in der Lage ist, etwas anzusparen – im schlimmsten Fall muss dann zu einem weiteren Kredit gegriffen werden, wenn wichtige Investitionen ins Haus stehen. Nicht selten führt dieser Weg in den Privatkonkurs.

Solltet ihr euch also nach sorgfältiger Überlegung für einen Kredit entschieden haben, findet ihr hier alle notwendigen Informationen über das Verbraucherkreditrecht in Österreich, außerdem Links zu weiterführenden Informationen und zu euren nationalen Konsumentenstellen. Die Angaben auf der Website gelten für fast alle Arten von Verbraucher- und Hypothekenkrediten mit einem Mindestkreditbetrag von 200 Euro, eine Obergrenze gibt es nicht.

 

In Kooperation mit der Europäischen Kommission

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Meine Erfahrungen in Traiskirchen

Bei meinem Besuch in Traiskirchen zur Ausgabe der Spenden an die Flüchtlinge parkte ich fast direkt vor dem Eingang des Flüchtlingszentrums und ertappte mich dabei zu überlegen, ob ich meinen…

Bei meinem Besuch in Traiskirchen zur Ausgabe der Spenden an die Flüchtlinge parkte ich fast direkt vor dem Eingang des Flüchtlingszentrums und ertappte mich dabei zu überlegen, ob ich meinen USB-Stick beziehungsweise gleich das ganze Autoradio einpacken sollte. (Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich leider persönlich – nicht in Verbindung mit Flüchtlingen – schon Erfahrung mit mehren Einbrüchen sammeln durfte.) Aber gut, ich wollte mich dem Thema neutral und ohne Vorurteile nähern – also ließ ich beides dort. Gleich am Anfang muss ich aber noch etwas gestehen: Sofort nach dem Aussteigen hätte ich mein 37-Grad-Sommer-Outfit, bestehend aus Hotpants und Trägertop, gerne noch einmal überdacht. Der Weg bis zum vereinbarten Treffpunkt, vorbei an verschiedenen Menschengruppen, die offensichtlich einer anderen Kultur angehören, war erst einmal total ungewohnt.

Aber trotz aller anfänglicher Bedenken wurde es ein wunderschöner Nachmittag voll geteilter Freude, Emotionen und Geschichten, wovon noch einige folgen sollten. Ich möchte an dieser Stelle auch erwähnen, wie begeistert ich von der Zusammenarbeit der einzelnen Religionsgemeinschaften bin – katholische Pfarre, türkisch-islamischer Kulturverein, Helfer von der evangelischen Kirche… Es ist wunderschön mit anzusehen, wie alle an einem Strang ziehen und zusammen helfen, wenn es hart auf hart kommt, und dass es keinen Unterschied macht, woran du glaubst oder auch nicht. Auch die Gruppe der Freiwilligen besteht aus Österreichern, Flüchtlingen aus verschiedenen Ländern und Menschen, die als Dolmetscher für alle nicht Deutsch- beziehungsweise Englischsprechenden agieren. Einen Bericht was mit den Spenden für die Flüchtlinge in Traiskirchen passiert und den allgemeinen Ablauf findet ihr hier: Traiskirchen – der Weg der Spenden

Bleibende Erinnerungen

Als ich durch die eng gedrängte und auf die Ausgabe wartende Menge gehe, machen mir sofort alle Platz und ein freiwillig helfender Flüchtling hält mir die Türe auf – ich komme mir ein wenig vor wie ein VIP. Mohammed erzählt mir auf Englisch, dass er seit zwei Monaten hier sei und bereits österreichische Freunde gefunden habe. Stolz zeigt er mir Fotos auf seinem Handy von einem Pärchen und ihm beim Essen, beim Autofahren…

Während des Team-Meetings übersetzt einer der „refugees“ die wichtigsten Eckpunkte für seine Landsleute und ein anderer ist so gerührt von der Hilfsbereitschaft hier, dass er mit zitternder Stimme und in gebrochenem Englisch erklärt, dass er gelernter Koch sei und wie gerne er nicht für uns alle Kochen würde als Dankeschön.

Mahmot erzählt, dass er mit seiner Frau und ihrem Baby innerhalb von 18 Tagen (!) von Griechenland hierher gegangen (!) ist. Ich mache große Augen und obwohl wir beide gut englisch sprechen, wiederhole ich meine Frage mit Zeichensprache, wobei ich mit zwei Fingern das Gehen symbolisiere. Er beginnt zu lachen: „You can believe me – we just walked.“ Sie sind also tatsächlich nur zu Fuß gegangen. Zwischen 18 und 20 Stunden am Tag waren sie unterwegs. Das übersteigt meine Vorstellungskraft und obwohl ich nicht glaube, dass er mir etwas Falsches erzählt, überprüfe ich diese Aussage später mit Google Maps. Und stelle fest: Es geht sich aus! Google Maps sagt, 311 Stunden Fußmarsch wären es in etwa bis Griechenland – und 342 Stunden sind es, wenn man 18 Tage lang jeweils 19 Stunden marschiert. Ich bin noch immer absolut fassungslos! Wer tut so etwas, wenn er nicht „um sein Leben läuft“? (Die junge Familie wollte übrigens gar nicht nach Österreich, sondern nach Holland, sie sind hier aber von der Polizei gefasst worden.)

Eine syrische Frau fragt mich nach getaner Sortierarbeit im Pfarrheim mit Hilfe einer Dolmetscherin nach den Bildern an den Wänden, auf denen Fotos von der Jungschar zu sehen sind, was das für eine Gruppe sei und ob ihre Tochter auch dort mitmachen könne, die Kinder sähen so glücklich aus auf den Bildern. Ein „refugee“ tritt beim Sortieren im Pfarrhof an mich heran und fragt, ob er sich Wasser von der Leitung (!) nehmen dürfte, er sei so durstig…

Dass hier nur Positives erwähnt wird, liegt nicht daran, dass ich die Gespräche ausgefiltert habe, sondern ich habe in den etwa rund zwanzig Stunden dort tatsächlich keine negativen Zwischenfälle erlebt.

Die Beweggründe kann man natürlich überhaupt nicht miteinander vergleichen, aber die Nachmittage bei der Ausgabe sind für mich wie eine Mischung aus hektischem Flohmarkt und Sprachreise. Bei so einer Reise ist man ja auch fremd in einem anderen Land, verständigt sich zum Teil mit Händen und Füßen ohne etwas oder jemanden zu kennen und ist wirklich froh über jeden Tipp und jedes nett entgegengebrachte Wort. „Am meisten freuen sie sich über ein nettes Lächeln, nette Worte und jemanden, der ihnen einfach nur zuhört.“, bestätigt auch Doris, eine der Projektleiterinnen der Caritas.

Zelt_Ausgabe

Die Spendenausgabe

Wie bereits im verlinkten Artikel erwähnt, hatte jede Flüchtlings-Gruppe nur etwa zehn Minuten (!) Zeit um sich bei der Spendenausgabe die nötigen Dinge zusammenzusuchen, danach galt es, alle aus dem Zelt zu bekommen. Und wenn man sich das Titelbild beziehungsweise das folgende Foto ansieht, kann man erahnen, wie viel Passendes man in zehn Minuten zusammensuchen kann. Ausdrücklich erwünscht: Bilder nochmals genau ansehen und sich vorstellen, man müsste für sich selbst – eventuell auch zusätzlich für seine Kinder – in zehn Minuten, gemeinsam mit etwa 30 anderen Personen alles notwendige zusammensuchen.

Spendenausgabe_Traiskirchen_Damen_u_Kinderabteilung

Auch bei der anschließenden Aufforderung zum Gehen hatte ich – vor allem als Frau – anfangs Bedenken, ob das gut gehen würde. Aber alles klappte problemlos – das einzige, worum wir freiwilligen Helfer immer wieder gebeten wurden, war „Please, one more minute!“. Und auch wenn sich die einzelnen Gruppen nicht im Eiltempo nach draußen bewegten, gab es an den zwei Tagen, an denen ich bis jetzt bei der Ausgabe dabei war, noch nie etwas negatives zu berichten.

Mit einem Polizisten vor Ort konnte ich auch kurz sprechen, er erzählte (es war drei Uhr nachmittags), dass er seit gestern früh, sechs Uhr im Dienst sei, vier Stunden geschlafen habe und noch bis morgen Vormittag seiner Pflicht nachgehe. In der Nacht gab es einen Streit zwischen den Flüchtlingen aus verschiedenen Ländern wie auch in vielen Zeitungen zu lesen war.

Zu gefährlich?

Im Baumarkt, als ich auf der Suche nach einem kleinen Schloss und einer Kette war, erzählte ich dem Mitarbeiter kurz, dass ich die Sachen benötige, um eine Schere an einem Tisch zu fixieren und in weiterer Folge, dass ich die Schere benötige, um Hosen für Flüchtlinge zu kürzen. „Sie fahren nach Traiskirchen? Sie als Frau?“, fragte er, gefolgt von der Frage ob ich das beruflich mache (Nein, ich habe einen „normalen“ Vollzeit-Job.), der Frage, ob ich Moslem bin (Nein.) und dem Hinweis, dass er seine Freundin dort nicht helfen lassen würde, das sei seiner Meinung nach zu gefährlich…

Ich denke, dass die ablehnende Haltung vieler Österreicher beziehungsweise Gemeinden auf Angst basiert. Sie kennen diese Situation und die Kulturen nicht und natürlich macht eine große Gruppe von Menschen mehr Angst als Einzelpersonen. Auch kommt noch das Sprachproblem dazu – klar ist es anfangs etwas unangenehm, wenn man an einer Gruppe vorbeigeht und keinen Schimmer hat, worüber die Personen gerade reden oder ob man gar selbst gerade Thema des Gesprächs ist. Wie ihr im ersten Absatz lesen konntet, war auch ich anfangs sehr unsicher.

Trotzdem möchte ich die Skeptiker bitten, Mut zu fassen und offen für dieses Thema zu sein, letztendlich sind es Menschen wie du und ich, mit Ausbildung, einem ehemals schönen Zuhause… Ich möchte meine Hand nicht ins Feuer legen, dass alle von den etwa 3.000 bis 4.000 Flüchtlingen in Traiskirchen zu hundert Prozent zu den „Guten“ zählen – das könnte ich bei 4.000 willkürlich ausgewählten Österreichern aber auch nicht garantieren.

Wenn ihr offene Fragen habt, die in keinem der zwei Artikel oder den unten angefügten Links beantwortet werden, könnt ihr gerne einen Kommentar schreiben – Matthias, Projektleiter von der Caritas, hat sich zu einem Interview bereit erklärt.

P.S.: Vier Mal war ich bis jetzt schon in Traiskirchen – mein USB-Stick und das Radio waren an den Tagesenden bis jetzt immer noch in meinem Auto und auch an den folgenden, heißen Tagen bin ich mit kurzer Hose hingefahren.

 

Links zu weiterführender Information:

Hier eine kurz zusammengefasste Info der wichtigsten Punkte: gruene.at/themen/menschen-grundrechte/fluechtlinge-fragen-antworten

Auch eine schöne (und den oberen Link gut ergänzende) Zusammenfassung: news.at/a/asyl-zehn-fakten

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Traiskirchen – Der Weg der Spenden

Obwohl ich zu dem Thema „Flüchtlinge/Asylwerber“ schon einiges gehört (Radio), gelesen (Zeitungen, Facebook) oder (von Gemeinde-Seite) mitbekommen hatte, wollte ich mir vor Ort selbst ein Bild machen. Nur weil andere etwas…

Obwohl ich zu dem Thema „Flüchtlinge/Asylwerber“ schon einiges gehört (Radio), gelesen (Zeitungen, Facebook) oder (von Gemeinde-Seite) mitbekommen hatte, wollte ich mir vor Ort selbst ein Bild machen. Nur weil andere etwas sagen, machen oder unterlassen, heißt das noch lange nicht, dass das automatisch gut oder richtig ist – jeder Mensch, egal ob Politiker, Journalist oder der Nachbar, ist anders, hat andere Vorstellungen, Erwartungen und Erfahrungen. Ich wollte meine Eigenen sammeln bevor ich mitrede, ohne selbst direkt mit dem Thema zu tun gehabt zu haben.

Also bin ich relativ spontan einem Aufruf der Facebook-Seite Wir helfen. von Caritas Omni.Bus gefolgt, bei dem es hieß, es werde Hilfe zum Sortieren gebraucht. Nachdem ich auf dieser Seite auch lesen konnte, dass einige Menschen mit ihren Spenden wieder fort geschickt wurden, klang das erst einmal so wie „denen geht’s eh gut, die brauchen keine Spenden“. Vor Ort war allerdings schnell klar, dass dem nicht so ist, vielmehr mangelt(e) es an allen Ecken und Enden an Platz! Wintersachen und ähnliches wird zur entsprechenden Jahreszeit ganz sicher auch benötigt, kann aber bis dahin nicht in großer Menge verstaut werden. Dass das Flüchtlingszentrum überfüllt ist, dürfte hier niemandem entgangen sein, aber auch der Lagerplatz für die Spenden ist knapp.

Als ich dort war, waren die Sachen im katholischen Pfarrhof Traiskirchen gelagert – dieser musste aber aufgrund einer Hochzeit zumindest zu Teil geräumt werden. Und obwohl es ein gutes Gefühl ist zu helfen wird schnell klar, wie viel Energie die Organisation hinter all dem kostet. Ich habe gemeinsam mit anderen Freiwilligen versucht, den Bereich um die Türe freizuräumen und einen ganzen Nachmittag lang Kleidung sortiert. Während der Bereich kurzzeitig etwas aufgeräumter wirkte, kamen immer wieder Spenden dazu – zum Teil waren die Menschen auch extra aus Graz oder Zwettl angereist, um etwas vorbei zu bringen – ich fühlte mich wie eine Ameise in einer nicht enden wollenden Sortierarbeit. Die Spenden werden wirklich benötigt, der Platz im Pfarrhof zum Teil aber auch – die Situation ist keine leichte. Ich möchte jedem raten, selbst mitanzupacken, statt darüber zu reden was man machen könnte – denn an der Umsetzung scheitert es leider oft, auch wenn es in der Theorie recht einfach klingt.

Decken-Schuhe-Taschen-sortieren-Traiskirchen

Warum werden die Sachen überhaupt sortiert und warum soll man nicht direkt mit dem vollgepackten Auto zum Flüchtlingszentrum fahren?

Diese Menschen sind wie du und ich – und wie bei jeder Menschenansammlung gibt es die Fröhlichen, die Grantigen, die Zurückgezogenen, die Streitsüchtigen, die Optimistischen… Fährt man mit dem Auto hin, erhalten meist nur die Starken beziehungsweise die Schnellen etwas, alle anderen haben gar keine Chance. Bevor man zehn Bälle an hundert Kinder verteilt, wird lieber noch etwas gewartet und gesammelt, um Streit und Neid zu vermeiden. Auch die Kleidung wurde nach Geschlecht sortiert und gesammelt, ebenso wie nach „langer Hose“, „kurzer Hose“, „T-Shirt“ und so weiter, damit die Flüchtlinge innerhalb kurzer Zeit etwas Passendes finden können. Ich muss gestehen, bei meinem ersten Besuch habe ich ein wenig an der Sinnhaftigkeit dieser Sortierarbeit gezweifelt. Als ich ein zweites Mal – diesmal bei der Ausgabestelle im türkisch-islamischen Kulturverein Traiskirchen – vor Ort war, wurde schnell klar, dass es anders gar nicht funktionieren kann: Die sortierten Sachen wurden auf vier langen Reihen von Heurigentischen aufgelegt, die Flüchtlinge kamen immer in Gruppen herein ins Zelt. Beim Eingang mussten sie einen tags davor erhaltenen Zettel abgeben, wodurch gewährleistet werden soll, dass sich ein und die selbe Person nach dem Verlassen der Spendenausgabe nicht gleich wieder beim Eingang anstellt. Jeder bekommt beim Hereingehen ein Sackerl (Tüte), eine Tasche oder ähnliches und hat anschließend zehn Minuten Zeit, alles einzupacken, was benötigt wird. Nach diesen zehn Minuten müssen alle das Zelt verlassen und die nächste Gruppe wird hereingelassen.

Was spenden?

Auf oben genannter Facebook-Seite wird immer wieder kundgetan, was momentan benötigt wird – bitte informiert euch hier vorab, wenn ihr etwas spenden wollt. Die Sachen sollten auch gewaschen sein, leider musste ich am ersten Nachmittag feststellen, das das sehr oft nicht der Fall war. Allgemein kam mir auch einiges Fleckiges, extrem Fusseliges, Kaputtes etc. unter – nicht falsch verstehen, ich bin ein Mensch der selbst gerne auf Flohmärkte geht und kein Problem mit gebrauchten Dingen hat, aber die in den Medien, vor allem auch im Social Media-Bereich, oft erwartete „extreme“ Dankbarkeit…

Man muss bedenken, dass diese Menschen auch ein schönes Zuhause hatten, mit hübschen Schuhen, moderner Kleidung, und nicht zwingend arm waren. Andererseits gibt es auch wirklich sehr liebevoll gestaltete Willkommenspakete und allgemein auch viele schöne Sachen, zum Teil auch Markenkleidung, die abgegeben werden – da bekommt man schon nur vom Ansehen gute Laune. Entgegen dem negativen Bild, das oftmals vermittelt wird, gibt es also auch eine große Hilfsbereitschaft innerhalb Österreichs. Möchte man selbst mithelfen, kann man zwischen Sach-, Zeit- und Geldspenden wählen.

Spenden-Brief-Traiskirchen

Was würdest du auf eine Flucht mitnehmen?

Diese Frage stellte Doris, die dortige Projektleiterin der Caritas, den freiwillig mithelfenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das Handy war unter den Top drei, das erklärt auch, warum man so viele Flüchtlinge mit einem Handy sieht. Die Frage hat mich allgemein inspiriert und ich habe für mich überlegt, was ich denn mitnehmen würde. Nach kurzer Bedenkzeit musste ich feststellen: Nicht viel, damit das Gepäck nicht zu schwer wird.

Was würdet ihr auf eine Flucht mitnehmen?

P.S.: Weitere Eindrücke folgen!

 

Wer mit Sach-, Zeit- und Geldspenden helfen möchte, kann sich hier informieren und Fragen stellen.

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Petitionen wirken! Saatgutverordnung endlich ad acta gelegt

Lange hat es gedauert, aber nun zeigt sich: Kämpfen und nicht aufgeben lohnt sich! EU-weit unterschrieben rund 900.000 Menschen Petitionen gegen die europäische Saatgutverordnung, allein in Österreich unterstützten rund 500.000…

Lange hat es gedauert, aber nun zeigt sich: Kämpfen und nicht aufgeben lohnt sich! EU-weit unterschrieben rund 900.000 Menschen Petitionen gegen die europäische Saatgutverordnung, allein in Österreich unterstützten rund 500.000 Personen die Petition „Freiheit für die Vielfalt“ von ARCHE NOAH und GLOBAL 2000. Am 11. März 2014 war es dann so weit: Das EU-Parlament lehnte die Verordnung ab.

Mit einer ersten Ablehnung war die neue Saatgutverordnung aber noch lange nicht vom Tisch. Die EU-Kommission hatte erwogen die gescheiterte EU-Saatgutverordnung abgeändert nochmals vorzulegen statt sie zurückzuziehen und durch einen gänzlich neuen Entwurf zu ersetzen. Der wesentliche Unterschied: Während bei einem neuen Entwurf eine Folgenabschätzung und das Anhören aller Stakeholder, wie zum Beispiel auch der NGOs, zwingend sind, fallen sie bei einer Überarbeitung weg.

Saatgutverordnung zurückgezogen

Doch der Apell der BürgerInnen hat gewirkt. Am 25. Februar 2015 hat das EU-Parlament in Straßburg mit einer Mehrheit von 511 Stimmen gegen 130 Stimmen die EU-Saatgutverordnung zurückgezogen. Dieses Beispiel zeigt: Wir alle können EU-Gesetzgebungen mitgestalten, wenn wir uns rechtzeitig einbringen!

Die in Brüssel von der Generaldirektion für Gesundheit und Verbraucherpolitik vorbereitete EU-Saatgutverordnung hätte viele negative Entwicklungen bewirkt. Seltene und alte Sorten von Obst, Gemüse und Getreide wären vom Markt verschwunden – ein Bauer hätte Saatgut ohne Auflagen nicht einmal herschenken können. Einzig Industriepflanzen sollten gefördert und damit die Macht der Agrarindustrie weiter gestärkt werden. Diese sollte durch großen bürokratischen Aufwand bei der Zulassung von Pflanzensorten erreicht werden, die sich große Konzerne ohne weiteres leisten könnten, nicht jedoch kleine Bauern oder Organisationen, die die Vielfalt fördern.

Chance für die Vielfalt

Die EU-Kommission hat jetzt die historische Chance, die Reform von neuem zu starten und die Saatgutgesetze zukunftstauglich zu machen. ARCHE NOAH setzt sich dafür ein, dass in einer neuen Fassung alte Sorten und Raritäten einen gleichberechtigten Zugang zum Markt bekommen. Das bedeutet: Saatgut von Sortenraritäten darf nicht auf Nischen, kleine Mengen oder kleine Anbieter beschränkt werden.

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Der ökologische Fußabdruck – Definition, Berechnung, Ziel

Der ökologische Fußabdruck wird oftmals verschieden definiert, wobei diesen Definitionen überwiegend dieselbe Bedeutung innewohnt. „Der Indikator „Ökologischer Fußabdruck“ ist weltweit einer der erfolgreichsten Indikatoren zur Vermittlung des Konzeptes der ökologischen…

Der ökologische Fußabdruck wird oftmals verschieden definiert, wobei diesen Definitionen überwiegend dieselbe Bedeutung innewohnt. „Der Indikator „Ökologischer Fußabdruck“ ist weltweit einer der erfolgreichsten Indikatoren zur Vermittlung des Konzeptes der ökologischen Nachhaltigkeit und der physischen Begrenztheit des Planeten Erde.“ (Giljum und andere 2007:2). Wie auch in diesem Zitat angeführt, liest man diesen Fußabdruck als Messwert.

Warum beschäftige ich mich nun mit diesem Fußabdruck? Um genauer darauf einzugehen, werde ich davor eine neue Frage aufwerfen. Oft wird uns aufgezeigt, dass es immer noch das Denken des „Sollen doch die anderen machen, denn wenn ich als Einzelner es nicht mache, dann stirbt schon niemand davon.“. Natürlich kann man hier auch abermals die Debatte lostreten bezüglich des „Wenn das jeder sagt, macht es niemand.“, aber worauf ich hinweisen will ist, dass es nicht darum geht, sofort Ergebnisse erwarten zu können, sondern vorausblickend zu denken.

Somit kommen wir auch zu meiner Fragestellung. Wie ist die Definition des ökologischen Fußabdrucks, was soll er bewirken, was sind seine Ziele und wie wird er gemessen.

Die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks

Wie kommt man auf die Ergebnisse dieses speziellen Abdruckes? Hierbei werde ich nur auf die klassische Berechnungsmethode zurückgreifen. Es ist natürlich ebenfalls möglich, einige Faktoren zu ändern. Dies ist zum Beispiel dann erforderlich, wenn man diese Berechnung für ein bestimmtes Land durchführen will. Die klassische Methode beinhaltet die Ausarbeitung der „ […] globalen Durchschnittserträge, [dafür] wurden nur diese berücksichtigt“ (Erb-Krausmann-Schulz 2002).

Der ökologische Fußabdruck wird nun dadurch berechnet, dass man das Inlandsaufkommen mit dem Import addiert und die Exporte abzieht. Dieses Ergebnis teilt man durch den Ertrag im Weltdurchschnitt. Die Werte nehmen Bezug auf die Elemente im Jahr. Jenen Wert stellt man nun den Ertragsfaktoren gegenüber. Diese bekommt man, indem man den lokalen Ertrag der jeweiligen Kategorie mit dem Weltertrag der jeweiligen Kategorie dividiert. Diese Werte gelten nur für Ackerland, Grünland, Wald und versiegelte Flächen (Erb-Krausman-Schulz 2002).

Soviel zu der Berechnung des ökologischen Fußabdrucks. Dies soll helfen zu verstehen, wie sich diese Werte zusammensetzen. Dennoch finden Kritiker auch hier schnell neuen Nährboden für ihre Beanstandungen sowie fehlerhafte Berechnungen. So wurden auch gesondert unabhängige Untersuchungen durchgeführt. „Die Regierung hatte ein Panel aus fünf skandinavischen Akademikern beauftragt, eine externe, unabhängige Evaluation einiger umstrittener Berichte des Instituts vorzunehmen, darunter auch der zum ökologischen Fußabdruck, und sie kamen zu dem Schluss, dass alle Berichte oder Methoden mehr oder weniger fehlerbehaftet sind.“ (URL 1 Nachhaltigkeit.info).

Ob manche Berichte Fehler enthalten oder eventuell auch Zahlen gefälscht werden, will ich hier gar nicht weiter thematisieren, sondern nun weiterführen zu dem eigentlichen Ziel des ökologischen Fußabdrucks. Dazu noch ein Untersuchungsergebnis, das von Greenpeace veröffentlicht wurde: „In Deutschland verursacht jeder Mensch zurzeit durchschnittlich 12,5 Tonnen. Dabei wäre sparen so einfach.“ (URL2: greenpeace.de).

Das Ziel – Wo wollen wir hin?

Die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks zeigt uns, welche Komponenten dafür gebraucht werden. Obwohl Kritiker darauf hinweisen, dass es zu fehlerhafter Berechnung beziehungsweise zu Missbrauchn kommen kann, gibt es dennoch ein Ziel, welches verfolgt wird, Nachhaltigkeit. „Nachhaltigkeit ist vielmehr ein ganzheitlicher Entwurf. Er zielt auf das große Ganze. Er verbindet die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales organisch. Und zwar so eng, dass neue Muster des Produzierens und Konsumierens sichtbar werden.“ (URL 3: Grober 2012).

Das Ziel ist, für mehr Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit zu sorgen. Der Fußabdruck soll versinnbildlicht ein Spiegel unseres Selbst sein. Er soll uns zeigen, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder ob wir uns mehr bemühen müssen. „Der Ökologische Fußabdruck ist kein allumfassender Indikator für Nachhaltigkeit, sondern wird von seinen Proponenten als ein wichtiges Kriterium für ökologische Nachhaltigkeit gesehen.“ (Giljum und andere 2007).

Ob wir nun den Zahlen Glauben schenken oder nicht, soll nicht der springende Punkt für jene sein, die sich um Nachhaltigkeiten bemühen, sondern aufzeigen, ob wir genug an uns arbeiten oder ob wir bewusster dafür sorgen müssen, dass auch langfristig gesehen der Wohlstand, irrelevant dessen, wie jeder einzelne diesen für sich definiert, gegeben ist.

Dabei will ich auch nochmals darauf hinweisen, dass Nachhaltigkeit keine „gute Tat“ ist, deren Folgen man sofort nach Beendigung dieser sieht, sondern es ist eine Entscheidung, die uns begleitet und der ökologische Fußabdruck ist dabei ein Richtwert, der uns helfen soll.

 

Urlographie

URL 1, LEXIKON DER NACHHAILTIGKEIT, Nachhaltigkeit.info, http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/kologischer_fussabdruck_733.htm (14.12.2014, 23:52)
URL 2, GREENPEACE, http://www.greenpeace.de/presse/publikationen/unser-co2-fussabdruck-2014 (14.12.2014, 23:56)
URL 3, ULRICH GROBER DIE ENTDECKUNG DER NACHHALTIGKEIT – KULTURGESCHICHTE EINES BEGRIFFS, http://freiraum-godelmann.de/uploads/media/Ulrich_Grober_Entdeckung_der_Nachhaltigkeit.pdf (15.12.2014, 0:05)

Literaturverzeichnis

GILJUM Stefan, HAMMER Mark, STOCKER Andrea, LACKNER Maria, BEST Aaron, BLOBEL Daniel, INGWERSEN Wesley, NAUMANN Sandra, NEUBAUER Alexander, SIMMONS Craig, LEWIS Kevin, SHMELEV Stanislav. Dessau-Roßlau. Wissenschaftliche Untersuchung und Bewertung des Indikator „Ökologischer Fußabdruck“. Umweltbundesamt.de. 2007
ERB Karlheinz, KRAUSMANN Fridolin, SCHULZ B. Niels. Wien. Der Ökologische Fußabdruck des österreichischen Außenhandels. Synthesebericht. WWF Österreich. 2002

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Illegaler Welpenhandel, Teil 3: Erfolge im Kampf gegen den illegalen Tierhandel

In den vergangenen Artikeln zum illegalen Welpenhandel, Teil 1: Was kann ich tun? und Teil 2: Was muss ich beim Kauf beachten?, habe ich bereits die grundlegenden Informationen zum Thema mit euch geteilt….

In den vergangenen Artikeln zum illegalen Welpenhandel, Teil 1: Was kann ich tun? und Teil 2: Was muss ich beim Kauf beachten?, habe ich bereits die grundlegenden Informationen zum Thema mit euch geteilt. Sowohl Fakten zum Welpenhandel, als auch was man selbst beim Kauf eines Welpen beachten muss, um diese Machenschaften nicht zu unterstützen. Es gibt aber auch positive Nachrichten zu vermelden: 2014 sind in Österreich mehrere Meilensteine gegen den illegalen Welpenhandel gesetzt worden.

Keine privaten Tierverkäufe auf bazar.at und tieranzeigen.at mehr

Seit September werden auf bazar.at keine Privatanzeigen in der Kategorie „Tiere“ mehr geschalten. Damit setzt die Seite als erstes Kleinanzeigenportal einen wichtigen Schritt im Kampf gegen den illegalen Online-Handel von Welpen. Anfang 2015 durfte sich bazar.at über einen Verbündeten in diesem Kampf freuen. Das Onlineportal tieranzeigen.at zog jetzt nach und geht ebenfalls neue Wege in der Online-Tiervermittlung, um den illegalen Tierhändlern die Möglichkeit zu nehmen, ihre lukrativen Privatanzeigen online zu stellen.

Ganz konkret bedeutet das, dass nur noch behördlich gemeldete Züchter, landwirtschaftliche Betriebe und Tierschutzvereine mit einer gültigen Vereinsregisternummer Tiere auf diesem Weg verkaufen dürfen. Verlangt wird eine behördliche Bestätigung der Zuchtmeldung, nur dann erfolgt eine Freigabe für die entsprechenden Anzeigenkategorien.

Privatpersonen dürfen weiterhin verschenken

Privatpersonen dürfen natürlich weiterhin Tiere verschenken. Somit hat nach wie vor jeder die Möglichkeit, ein gutes Plätzchen für sein Tier zu finden. Illegalen Tierhändlern nimmt es aber die Möglichkeit, auf diesem Weg Geschäfte zu machen.

Verurteilung im Welpenhändler-Prozess

Im März 2014 wurden im Wiener Landesgericht für Strafsachen zwei Welpenhändler aus Wien nicht rechtskräftig verurteilt. Nach einer Berufung wurde zwar der Tatbestand des schweren Betrugs auf einfachen Betrug geändert, gemeinsam mit der bereits rechtskräftigen Strafe wegen Tierquälerei und einfachen Betrugs ergäbe sich dennoch für jeden der Angeklagten eine Freiheitsstrafe von insgesamt vier Jahren. Der Richter begründete seine Strenge damit, dass das Paar keine Reue gezeigt hatte und noch dazu bereits wegen desselben Delikts verurteilt worden war. Zudem erklärte er, dass die Tierquälerei sich auf jedes individuelle Tier bezieht und dies im gegenständlichen Fall ebenso erschwerend zu beurteilen sei, da ja mehrere Welpen betroffen waren.

Das Besondere an diesem Urteil ist, dass neben dem Tatbestand des gewerblichen Betrugs am Konsumenten erstmals auch die Tierquälerei berücksichtigt wurde. Die Verurteilten haben sich auf Kosten der Tiere bereichert und dafür großes Leid in Kauf genommen. In Massenzuchtanlagen geboren, werden Hunde in finsteren und schmutzigen Unterkünften gehalten und bekommen nur unzureichend Wasser und Futter. Welpenhandel ist also kein Kavaliersdelikt!

Das Urteil ist vor allem auch ein wichtiges Signal in Richtung Welpenhändler. Es soll signalisieren, dass dieser Geschäftszweig zu riskant und nicht mehr lukrativ ist, da man nicht mehr mit kleinen Geldbußen davon kommt, sondern die Gerichte auch saftige Freiheitsstrafen verhängen.

Das Angebot bestimmt die Nachfrage

Aber auch in Zukunft gilt: Das Angebot bestimmt die Nachfrage. Wenn keine Welpen mehr aus unseriösen Quellen gekauft werden, rentiert sich dieses Geschäft auch nicht und das Leid nimmt ein Ende. Deshalb ist es so wichtig, sich unbedingt vor dem Kauf gut zu informieren und auch Freunde, Verwandte und Bekannte über dieses Thema aufzuklären. Was ihr beim Verdacht auf illegalen Welpenhandel tun könnt und was ihr beim Kauf eines Welpen beachten müsst, könnt ihr in den ersten beiden Teilen nachlesen:
Teil 1: Was kann ich tun?
Teil 2: Was muss ich beim Kauf beachten?

 

Weitere Informationen:
www.illegalerwelpenhandel.at
www.stopptwelpendealer.org
www.peta.de/welpenhandel
www.tierschutzbund.de/kampagne-welpenhandel.html

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Kritischer Konsum: Auf den Spuren des Fairtrade-Ingwers

Wie schwer ist es, als österreichisches Jungunternehmen Fairtrade-Richtlinien einzuhalten, ein nachhaltiges Bio-Produkt zu produzieren und dennoch erfolgreich zu sein? Ein Vorzeige-Unternehmen, das diese Herausforderungen erfolgreich gemeistert hat, ist der österreichische Getränkehersteller all…

Wie schwer ist es, als österreichisches Jungunternehmen Fairtrade-Richtlinien einzuhalten, ein nachhaltiges Bio-Produkt zu produzieren und dennoch erfolgreich zu sein? Ein Vorzeige-Unternehmen, das diese Herausforderungen erfolgreich gemeistert hat, ist der österreichische Getränkehersteller all i need. Im November 2014 gingen die beiden Gründer und Geschäftsführer, Tom und Alex, sogar noch einen Schritt weiter und flogen persönlich nach Sri Lanka, um sich von den Bio-, Fairtrade- sowie menschenrechtlich einwandfreien Bedingungen vor Ort mit eigenen Augen zu überzeugen. „Wir möchten mit unserem Produkt globale Verantwortung übernehmen und allen, die es interessiert, zeigen, welche Zutaten in all i need enthalten sind und woher sie kommen“, erklärt Tom die Motivation, auf diese Art und Weise einen Blick hinter die Kulissen von all i need anzubieten.

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In einem immer noch von den Nachwirkungen des Tsunamis gezeichneten Land möchten Tom und Alex zur Verbesserung der Lebenssituation ihrer Produzenten und deren Kinder beitragen. Für die beiden Jungunternehmer ist klar: Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Deshalb werden mit jeder verkauften Palette ihres Getränks verschiedene Schulprojekte unterstützt. Mit eigenen Augen konnten sie sich davon überzeugen, dass zur Verarbeitung des für all i need benötigten Ingwers in der Spice Factory von Biofood in Jamesvally alle Verarbeitungsschritte unter Einhaltung strengster Hygienevorschriften durchgeführt werden.

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Der Ingwer gedeiht inmitten eines biodivers nachhaltig angelegten Grund und Bodens, frei von schädlichen Düngemitteln und Pestiziden. Dank der Fairtrade-Bedingungen und der so genannten Fairtrade-Prämie können Kleinbauern demokratisch für die Verbesserung ihrer Infrastruktur, Wassergewinnung, Bepflanzung oder auch für eigene Sozialaktivitäten wie zum Beispiel Schulbildung abstimmen und diese fördern. Die verschiedenen Maßnahmen ermöglichen es den Kleinbauern, den vor allem anfangs schwierigeren Weg des biologischen Anbaus zu gehen. Somit werden die Lebens- und Arbeitsbedingungen der lokalen Bauern verbessert und gleichzeitig Bio-Landwirtschaft gefördert.

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Auf dem Blog von all i need findet ihr einen detaillierten Bericht inklusive Fotos der viertägigen Reise. Von einer Schuleröffnung zum Besuch eines Kindergartens und einer Nachmittagsschule bis zur Besichtigung der Spice Factory des all i need Partners Biofood und den Anbaufeldern des Ingwer könnt ihr euch ein Bild von den Ergebnissen des fairem Handels im Zuge der all i need Produktion machen.

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