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Kategorie: Travel. Outdoor.

Shades Tours – Spaziergang mit Tiefsinn

Wenn ein Tourist oder Reisender nach Wien kommt, dann wird von der musikalischen Tradition und den schönen Bauten geschwärmt. Das Schloss Schönbrunn und seine Gärten werden besucht, aber auch nach…

Wenn ein Tourist oder Reisender nach Wien kommt, dann wird von der musikalischen Tradition und den schönen Bauten geschwärmt. Das Schloss Schönbrunn und seine Gärten werden besucht, aber auch nach einigen moderneren Sehenswürdigkeiten, wie den Kunstausstellungen im Leopold Museum, wird gegoogelt.

Shades Tours und die Obdachlosigkeit

In meinem langjährigen beruflichen Kontakt mit Besuchern der österreichischen Hauptstadt wurde ich noch nie nach einer Tour betreffend Obdachlosigkeit oder anderer „Randgruppen“ in Wien gefragt. Noch nie wollte jemand mehr über die Problematik der Flüchtlinge in Erfahrung bringen, außer es hätte etwas mit eigener Sicherheit zu tun. Wien, die lebenswerteste Stadt der Welt, scheint immer nur ein Ort des schönen Vergangenen zu sein. Natürlich ist das etwas Wunderschönes, aber auch die Schattenseiten gehören zu unserer Stadt und sollten auf Neugierde stoßen.

Shades Tours veranstaltet Touren für interessierte Einzelpersonen oder Gruppen. Das Thema Obdachlosigkeit wird dabei von Menschen, die sich gerade in dieser Situation befinden oder es hautnah erlebt haben, während eines Spaziergang in der Stadt erklärt. Die 34-jährige Österreicherin Perrine Schober, die Tourismusmanagement in Deutschland studiert und sich während ihres Erasmus-Semesters in England auf die Thematik „Tourismus als volkswirtschaftliches Instrument der Armutsbekämpfung“ spezialisiert hat, gründete SHADES TOURS im April 2015.

Wien einmal anders erkunden

“Wusstet ihr, dass es in Notschlafstellen Zimmer mit bis zu 60 Betten gibt?”, fragt uns Barbara, unsere Guide an jenem Nachmittag. Ich bin ehrlich, nein, ich hatte noch nie wirklich darüber nachgedacht, wo obdachlose Menschen übernachten und vieles andere ist mir auch neu. Wir finden uns am Heldenplatz ein, wo die SHADES TOUR ihren Anfang nimmt und uns zu unterschiedlichen Orten im ersten Bezirk führen wird. Vom Treffpunkt aus gehen wir in Richtung Burggarten um dann vor der Franziskaner Kirche zu enden, wo es unter anderem von 9 bis 11 Uhr eine Armenausspeisung gibt.

Am Weg dorthin erzählt uns Barbara von ihrem persönlichen Schicksal. Sie war Galeristin bevor ihr Leben eine unglückliche Wendung nahm und ihr Brustkrebs diagnostiziert wurde. In Folge dessen wurde sie obdachlos und erkrankte an Depressionen. Doch jetzt geht es wieder bergauf, versichert sie kurz und so zufrieden, wie ein Mensch mit ihren Erfahrungen und Schicksalsschlägen in solch einem Moment eben sein kann.

Im Sommer gibt es in der Stadt Wien um die 800 Notschlafstellen, im Winter 1.500, erfahren wir. Sieben Tageszentren bietet die Stadt. Die Tageszentren sind offen für alle Betroffenen unabhängig ob Anspruch oder nicht. Einzige Ausnahme hier bildet die Gruft, diese ist nur für Anspruchsberechtigte Personen zugänglich deswegen wurde auch die zweite Gruft gegründet die ebenfalls offen für alle ist, mit dem Fokus auf Nichtanspruchsberechtigte. Anders verhält es sich bei den Notschlafquartieren die sind nur im Winter auch für nichtanspruchsberechtigte Personen offen. Meistens gibt es zwei abgetrennte Bereiche – einen für Frauen und einen für Männer. Somit sind Duschen, Schlafsäle, Räume mit Waschmaschinen und Begegnungsräumlichkeiten nach Geschlecht getrennt und Barbara bestätigt, dass es aus ihrer Sicht eine gute Idee sei. Denn dies vermeide Übergriffe, vor allem auch verbaler Natur.

Obdachlos in Wien

“Hungern muss niemand, man muss sich nur durch die Stadt bewegen”, denn Essen wird an vielen Orten verteilt unter anderem im Canisibus, auch Suppenbus genannt, und bei den Barmherzigen Schwestern. Auch auf medizinische Versorgung wird Wert gelegt. So gibt es nicht nur den Louise-Bus, der sich jede Woche durch die Stadt bewegt und an bestimmten Stationen Halt macht, im Akutfall müssen Spitäler unversicherte Menschen aufnehmen und behandeln. Eine Zahnklinik gibt es im zweiten Wiener Bezirk bei den Barmherzigen Brüdern, im neunerhaus findet sich ein praktischer Arzt sowie eine Tierklinik, die Tiernahrung abgibt. Eine andere Initiative, die erwähnt wurde ist der Kulturpass, mit dem Obdachlose Kulturhäuser besuchen und sich dadurch am Kulturgeschehen beteiligen können.

Interessant fand ich auch die Erläuterungen zu den Ursachen von Obdachlosigkeit: Jobverlust ist mit 50 Prozent der Vorreiter, darauf folgen Verschuldung, Süchte wie Alkohol- und Spielsucht, Krankheiten physischer und psychischer Natur, soziale Probleme und abschliessend die freiwillige Obdachlosigkeit. Viele weitere Informationen wurden vermittelt und auf viele Fragen eine Antwort gegeben.

Die SHADES TOURS sind absolut wert, gebucht und besucht zu werden! Sie sind nicht nur für Touristen, sondern vielleicht besonders auch für Einheimische, wertvoll. Es geht nicht unbedingt darum die Stadt zu erkunden, sondern dieser Stadt und ihren Bauten ein besseres Verständnis für Obdachlosigkeit einzuhauchen. Es war eine spannende und augenöffnende Erfahrung, die ich jederzeit wiederholen würde.

TEDx in der TUWien über Social Entrepreneurship

In diesem englischsprachigen Video hält Perrine Schober eine inspirierende Rede über soziale Initiativen und ihre persönlichen Erfahrungen. Die Gründerin der SHADES TOURS erzählt, wie ihre Träume in Form eines Businesses Gestalt annahmen und wie sie zu dem Thema der Obdachlosigkeit steht: “Think about it, we don’t focus on their strengths we focus on their weaknesses and that’s a pattern in our society.”

SHADES TOURS bietet Touren in deutscher und auch englischer Sprache, unter diesem Link kann direkt gebucht werden. Eine Tour dauert rund zwei Stunden und kostet 15 Euro pro Person. Private Gruppentouren können für Unternehmen und Schulen organisiert werden. Das neueste Angebot von SHADES TOURS ist das Afterwork Kochen im VinziPort.

Vielen Dank an SHADES TOURS für die Möglichkeit an der Stadtführung kostenlos teilnehmen zu können!

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Das Schenna Resort – Ruhe und Entspannung in Südtirol

Das Schenna Resort, bestehend aus dem Hotel Rosengarten, dem Hotel Schwefelbad und dem Hotel Mitterplatt, war so freundlich mich einzuladen, das Hotel Rosengarten zu besuchen um mir einen umfassenden Eindruck zu dessen…

Das Schenna Resort, bestehend aus dem Hotel Rosengarten, dem Hotel Schwefelbad und dem Hotel Mitterplatt, war so freundlich mich einzuladen, das Hotel Rosengarten zu besuchen um mir einen umfassenden Eindruck zu dessen Service und Angeboten machen zu können. Da ich schon seit langem nach Südtirol reisen wollte, beschloss ich die Einladung anzunehmen und mir die Südtiroler Schmankerl nicht entgehen zu lassen.

Die Lage

Das Schenna Resort liegt im malerischen Südtirol in der Nähe von Bozen. Auf einer Seite sehen wir Berge, die sich scheinbar an Höhe übertrumpfen wollen, auf der anderen Seite gibt es Hügel voll mit schmackhaft riechenden Apfelplantagen und kleinen, niedlichen Wanderwegen, die zum Erkunden einladen. Schenna geht auf das italienische Wort “scaene” zurück, was so viel bedeutet wie bühnenhafter Aufbau. Ich vermute, die Bezeichnung bezieht sich auf die Landschaftsplateaus der Gegend. Der Ort hat um die 3.000 Einwohner und liegt zwischen Meran, das drei Kilometer entfernt ist, und Bozen in 25 Kilometern Entfernung.

Die Fahrt von Wien aus dauert rund sechseinhalb Stunden. Mit dem Auto ist das Ressort relativ einfach zu erreichen, aber Achtung: Mautgebühren von ungefähr 15 Euro fallen wegen des Befahrens der Brennerautobahn an. Spannend wurde es dann kurz vor der Ankunft, als mich mein GPS netterweise auf einen sehr engen Weg lotste, der mich abschnittsweise die Luft anhalten ließ und meinte, mir die wunderschönen Apfelplantagen bereits vorab aus der Nähe zeigen zu müssen. Nichtsdestotrotz war das wohl der kürzeste Weg. Keine Sorge, es gibt wenn ihr weiter der Hauptstraße folgt auch eine Abfahrt direkt zum Hotel. So könnt ihr das kleine Abenteuer vermeiden!

Apfelplantagen - Schenna Resort (c) Corinna Stabrawa

Das Hotel als Familienbetrieb

Vater Luis und Mutter Rosa gründeten 1968 eine Frühstückspension und setzten so den Grundstein für das Schenna Resort. Die Geschwister Heidi Pföstl-Wörndle, Stefan Pföstl, sowie Priska Pföstl sind allesamt im Hotelbetrieb tätig. Stefan Pföstl ist für den Service, die Küche und die Weinproduktion verantwortlich, Priska Pföstl betreut den SPA sowie das Body and Mind Programm. Heidi Pföstl-Wörndle ist im Büro und im Marketing tätig. Sie ergänzen sich in ihren Positionen, haben diese jedoch auch sehr gut abgesteckt. Mit den wöchentlichen Sitzungen bringt jeder das ein, was in seinem Kernbereich ansteht und erfährt von den anderen wo es Schwachpunkte und wo es Grund zur Freude gab.

Das Zimmer

Nach der Ankunft und dem Check-in wurde ich direkt von einer freundlichen Praktikantin aufs Zimmer gebracht. Das Zimmer war sehr groß, aber trotzdem sehr gemütlich. Bedeckte Farben wie grün und violett verschmolzen mit der sonst in Holz gehaltenen Einrichtung. Auch das Steinwaschbecken im offenen Bad mit Dusche bot einen angenehmen Kontrast zu den ansonsten weicheren Tönen. Das Highlight der Einrichtung war der Kleiderkasten. Er war nicht, wie in so vielen Hotels, in Richtung Schlafzimmer ausgerichtet, sondern nahm einerseits die Rolle der Zimmertrennung ein und andererseits konnte ich direkt nach dem Duschen auf meine Kleidung zugreifen. Das Bett war in meinen Augen auch so ein Südtiroler Schmankerl. Die Polster waren zur Abwechslung einmal nicht zu hoch gehalten und die Matratze sehr bequem und wie gemacht für ein paar Tage völlige Entspannung.

Der einzige Schwachpunkt war die Lage meines Hotelzimmers, das sich in Richtung Eingang des Hotels befand. Schöner wäre es gewesen, in einem Zimmer mit Sonnenuntergangsaussicht zu schlafen, denn der Ausblick der Einfahrt begeistert wenig im Vergleich zur wunderbaren Natur. Dies beim Buchen immer unbedingt erwähnen, denn die richtige Aussicht lässt Instagram-Herzen höher schlagen und steigert das Urlaubsfeeling.

Hotelzimmer im Schenna Resort (c) Corinna Stabrawa

Die Nachhaltigkeit

Im Schenna Resort wird viel Wert auf lokale Produkte gelegt, besonders bei Lebensmitteln. Kurze Transportwege spielen ebenfalls eine große Rolle. Auch die Beauty-Produkte im SPA kommen aus Südtirol und Deutschland – Team Dr. Joseph und Pharmos Natur – und sind biologisch zertifiziert. Aus Nachhaltigkeitsgründen wird auch Großteils auf Shampoos und andere Goodies in den Zimmern verzichtet. Bereitgestellt werden eine kleine Seife, ein nachfüllbares Body- und Haarshampoo sowie Wattepads und Wattestäbchen.

Der neueste Zuwachs besteht aus einer E-Tankstelle, welche in der Garage montiert wurde und E-Bikes, die gegen Gebühr verliehen werden. Sonnenkollektoren sind am Dach zu finden und durch ein lokales Blockheizkraftwerk wird der Energieverbrauch vor Ort geregelt und dadurch gering gehalten.

Das Angebot

Das Hotel legt einen starken Fokus auf die körperliche wie auch geistige Entspannung. Es bietet deshalb fünf Mal die Woche Yoga an, die Einheiten finden entweder in einem der Seminarräume oder auf der Panoramaterrasse statt. Desweiteren kann Aqua Fitness betrieben werden, Pilates und Stretching werden ebenfalls angeboten. Angeboten werden außerdem Wanderungen jeglicher Art sowie privates Persönlichkeits- sowie Transformationscoaching. Der Wellnessbereich – siehe Titelbild – besteht aus einem ganzjährig beheizten Sole-Außenpool sowie einem Indoorpool, finnischer Sauna, Biosauna, Rosen- und Weinbergsauna, türkischem Dampfbad, Infrarotkabine und täglichen Sauna-Aufgüssen.

Der Wellnessbereich hat meine Erwartungen definitiv übertroffen. Viel Ruhe, entspannende Musik und genug Raum, um unter sich zu sein, kreieren die perfekte Atmosphäre zum Aufatmen und Genießen. Warmer Tee sowie kalte Getränke, Nüsse und getrocknete Apfelringe stehen zur freien Entnahme bereit und runden das Angebot ab. Beim Aqua Fitness habe ich zwar den Altersdurchschnitt erheblich gedrückt, aber es war ein lustiges Unterfangen und auch für mich ein Vergnügen.

Das vegane Angebot

Beim Abendessen wird man auf einem Tisch mit eigenem Namensschild platziert, der dann für den ganzen Aufenthalt zu einem gehört. Das tägliche 5-Gänge Menü wird einzeln serviert, es gibt mehrere Optionen, aus denen man wählen kann. Wer ein veganes Menü möchte, meldet sich am besten vor der Anreise oder kommuniziert das gleich nach Ankunft. Der Koch stellt hier gerne individuell etwas zusammen.

vegane Ernährung (c) Corinna Stabrawa

Ich hatte das Vergnügen eines veganen Galadinners, welches folgendes Menü zum Besten gab:

Mediterranes Olivenöl aus der Toskana mit Ciabatta
Gruß aus der Küche
Zweierlei Bruschetta mit Rucola
Tomatencremesuppe
Risina-Bohnen mit Radicchio
Gersten-Kräuter Risotto
Sorbet Variation mit frischen Früchten

Im großen und ganzen war das Menü sehr lecker, bis auf die Risina-Bohnen mit Radicchio, welche ein wenig trocken erschienen. Alle anderen Speisen waren sehr schmackhaft – obwohl ich nicht vegan lebe, kann ich die vegane Küche des Hotels absolut weiterempfehlen.

Beim Frühstücksbuffet gab es reichlich Auswahl, darunter auch frische Smoothies und unterschiedliche Sorten von veganer Milch und veganem Joghurt. Ein veganes Frühstück lässt hier keine Wünsche offen.

Der SPA

Während meines Aufenthaltes durfte ich auch ein SPA-Treatment genießen und zwar das Südtiroler Badl mit anschließender Fußmassage. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir wärmeres Badewasser und eine stärker ausgeprägte Fußmassage gewünscht hätte. Dazu möchte ich jedoch hinzufügen, dass ich normal sehr heiß bade und relativ schmerzvolle Fußreflexzonenmassagen gewohnt bin. Um zu Entspannen und Abzuschalten ist diese Behandlung sicherlich zu empfehlen. Geboten werden eine große Auswahl an traditionellen Südtiroler Wellnesserlebnissen – unter anderem Silberquarzit-Massagen, hier ist sicherlich für jeden etwas Interessantes dabei.

Südtiroler Badln (c) Corinna Stabrawa

Priska Pföstl im Interview

Am Tag meiner Abreise hatte ich noch die Gelegenheit, mit Priska Pföstl, der Verantwortlichen für die Lebensglückseminare, Persönlichkeits- sowie Transformationscoachings und den SPA-Bereich, zu sprechen.

Corinna: Was ist so besonders am Schenna Resort und vielleicht nicht sofort ersichtlich?

Priska Pföstl: Wir sind an der Hotelrezeption von einem Kristall ausgegangen. Und diese kristalline Form findet man hier auch immer wieder, wir haben auch Kristalle in den Unterboden eingegossen. Überall in den Ecken des Hauses befinden sich richtig große Bergkristalle, welche die Energien immer wieder regenerieren, klären und wieder stärken. Wir haben auch in jedem Zimmer, in jedem Raum des Hotels geweihte Marienmedallions in den Unterboden eingegossen. Die kann man nicht sehen, vielen Menschen, die feinfühlig sind – und es werden immer mehr Menschen – sagen, man kann es im Haus fühlen.

Wo siehst du eure Aufgaben im Hotel?

Ein großes Anliegen ist für uns, den Menschen nicht nur körperlich abzuholen, ihn nicht nur als Kunde Nummer X oder Y zu sehen, sondern ihn wirklich auch in seiner Seele zu erreichen. Ihm eine Wertschätzung zu geben. Entspannung und Erholung findet in uns statt. Wir Menschen fahren in Urlaub, damit wir uns innerlich erholen können. Viele Menschen fahren in den Urlaub und sind trotzdem gestresst und können nicht abschalten.

Ich finde gezielte Meditationen und Yoga Sessions sind wirklich eine gute Möglichkeit, in ganz kurzer Zeit bei sich selbst anzukommen. Ich glaube, wenn der Rahmen gegeben ist, kann man die eigene innere Ruhe sehr schnell erreichen. So organisiere ich zum Beispiel Bewusstseins- und Transformationstage, das sind drei Tage, wo ich die Menschen begleite bei sich anzukommen, sich bewusst zu werden, was für ein Leben sie führen und wohin sie wollen, sich wirklich neu auszurichten und auch in dieses Fühlen kommen zu können. Ich mache auch Seminare für Frauen, mein Bruder bietet im Gegenzug etwas für Herren an, das ist ein Wochenendprogramm. Ich gehe ein wenig mehr in die Tiefe mit den Frauen und mein Bruder nimmt die Männer in seine Weinkellerei mit.

Wie bist du dazu gekommen?

Ich komme aus dem Gastgewerbe und für uns war immer klar, der Gast ist König. Ich war verheiratet mit einem Gastwirt, habe zwei kleine Kinder gehabt und dann ist die Beziehung auseinander gegangen und ich bin auf die Suche nach mir selbst gegangen. Schon seit 15 Jahren beschäftige ich mich ausschließlich mit diesem Thema, ich habe viele Ausbildungen gemacht – Reiki, Transformationstherapie, Mediale Ausbildung, Channeling-Ausbildung, Schwitzhüttenausbildung und begleite seit sieben Jahren Menschen auf ihrem eigenen Bewusstseinsweg. Wir sind ja meistens betriebsblind und sehen nur einen kleinen Radius von unserem Leben. Durch meine Arbeit kann ich Menschen helfen, den ganzen Radius zu sehen und zu erkennen, warum gewisse Themen präsent sind im Leben.

Wenn Menschen auf einem Tiefpunkt angelangt sind, dann suchen sie nach Licht, dann kommen genau die richtigen Menschen, die richtigen Bücher ins Leben. Du wirst bekommen was du brauchst. Damals war es für mich ziemlich dunkel, ich habe Zwillinge, die waren damals zwei Jahre alt. Ich habe alles verlassen, was mir ans Herz gewachsen ist, der Hotelbetrieb, meine Schwiegereltern, den gesamten geschützten Rahmen, den ich da hatte. Ich war damals zwölf Jahre verheiratet und habe mich ins kalte Wasser geschmissen, mit zwei kleinen Kindern, wo man oft mit einem schon genug hat. Und dann habe ich wirklich nach Licht suchen dürfen. So bin ich auch auf meinen Bewusstseinsweg gekommen. Der Weg durchs Dunkel führt einfach ins Licht.

Heute freue ich mich, Menschen dabei begleiten zu dürfen, denn ich glaube, die Arbeit kann man nur insofern gut machen, wenn man es selber auch durchlaufen hat. Ansonsten kannst du zwar über etwas sprechen, aber du kannst Menschen nicht abholen, wenn du nicht selber diese Gefühle durchlebt hast.

Worin siehst du die Zukunft eines Hotels?

Ich glaube, die Hotels der Zukunft werden auch die Krankenhäuser der Zukunft sein. Vielleicht greife ich da zu weit vor, weil heilen kann man energetisch auch, Heilung muss nicht nur in Krankenhäusern geschehen, Heilung kann auch in der Seele geschehen, es kann im Urlaub geschehen. Ich schätze die Schulmedizin sehr und benutze sie auch, wenn ich sie brauche. Aber trotzdem ist es gleich wichtig, parallel zu schauen, was kann ich für meine Gesundheit tun? Denn ansonsten bleibt man immer in einer Opferhaltung. Ich muss zum Arzt gehen. Hoffentlich bekommt dieser mich gesund. Anstatt zu sagen, ich nutze die Schuldmedizin, aber trotzdem schaue ich, was kann ich tun, wo kann ich noch weiter wachsen – in mein eigenes Heil hineinwachsen.

Das Fazit

Obwohl das Hotel einige Details noch perfektionieren könnte, ist es bereits auf bestem Wege, eine meiner Lieblingsunterkünfte zu werden. Die Atmosphäre ist sehr familiär, Probleme werden mit einem Lächeln gelöst und die Ernährung ist ausgewogen und mit traditioneller Südtiroler Kost besprenkelt.

Geeignet ist das Hotel Rosengarten für Personen, die Ruhe und Erholung suchen. Im Wellnessbereich sind Kinder erst ab 16 Jahren zugelassen, deshalb spricht es eher DINKs (double income, no kids) im Alter von 25 bis 45 Jahren an, welche sich vielleicht auch auf Selbstfindung befinden oder nach etwas Glück Ausschau halten. Bei Letzterem kann Priska Pföstl behilflich sein, und obwohl ich leider keines ihrer Seminare besuchen konnte, würde ich dies gerne nachholen.

Adresse

Schenna Resort
Alte Straße 14
39017 Schenna bei Meran
Italien

Instagram: instagram.com/schennaresort
Facebook: facebook.com/SchennaResort

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Camping in De Lakens an der Nordsee

Anfang Oktober 2015 hatte ich eine Reise nach Amsterdam geplant – ein verlängertes Wochenende um bei der Blogger Konferenz Meet The Blogger dabei zu sein. Wie es der Zufall so wollte, wurde…

Anfang Oktober 2015 hatte ich eine Reise nach Amsterdam geplant – ein verlängertes Wochenende um bei der Blogger Konferenz Meet The Blogger dabei zu sein. Wie es der Zufall so wollte, wurde ich zeitgleich vom Campingplatz De Lakens in den Niederlanden eingeladen, zwei Nächte in ihren “Backpackshacks” zu verbringen. Da Amsterdam nur rund 40 Minuten Zug- und Busfahrt von De Lakens entfernt liegt, beschloss ich, das Angebot anzunehmen. Leider ist mir meine Begleitperson kurzfristig abgesprungen, deshalb ging es alleine auf den Campingplatz.

Der Nationalpark Zuid-Kennemerland, vorwiegend bestehend aus Dünenlandschaften, umfasst eine Fläche von 38 Quadratkilometer und liegt westlich von der Stadt Haarlem. Der Campingplatz De Lakens liegt nur 200 Meter vom Bloemendaaler Strand entfernt.

Backpackshacks. Foto ©wingsaregolden.com

Backpackshacks

Der Zeitpunkt der Reise war nicht allzu optimal gewählt, denn entgegen meiner Erwartungen war auf dem Campingplatz, besonders jedoch in den “Backpackshacks”, nicht mehr viel los. Ich musste also den Bloemendaaler Strand alleine erkunden. Gleich am ersten Abend stellte ich fest, dass die Sonne relativ früh unter ging und ich pünktlich vor Ort sein musste um diese wunderschöne Erfahrung nicht zu verpassen. Ich genoss die Stille und die Natur. Ich kann euch getrost mitteilen, dass es in Wien nichts Vergleichbares gibt!

Zu den “Backpackshacks” muss ich sagen, dass ich die umgebauten Container mit den Hängematten als Alternative für Zelte fantastisch finde. Es gibt einen Grill vor der quasi Backpackshack -Haustüre und die öffentlichen Duschen und WCs sind auch gleich um die Ecke. Da ich hauptsächlich für die Konferenz in Amsterdam gepackt hatte war ich auf die Kälte nicht vorbereitet. Trotz kleinem Heizkörper im Backpackshack war mir in der Nacht recht kühl – aber die frische Luft am Morgen, sowie die Sonnenaufgänge machten das wieder wett.

Campingplatz De Lakens. Foto ©wingsaregolden.com

Campingplatz De Lakens

Es gibt einige unterschiedliche Unterkunftsarten am Campingplatz De Lakens und ich empfehle die Website genau zu durchforsten um die passende zu wählen – so wäre ein “Campingbungalow” oder ein “Beachhouse Laidbackshack” meine erste Wahl – ich bin wohl tief in meinem Herzen doch ein Glamper!

Ein tolles Angebot, welches ich leider nicht nutzen konnte, da die Saison bereits zu Ende war und die Schule geschlossen hatte, waren Surfkurse von Surfana Bloemendaal! Muss eine tolle Erfahrung sein, die ich beim nächsten Mal nicht missen möchte! Auf jeden Fall zu empfehlen ist, den Fahrradverleih zu nutzen um direkt nach Haarlem zu “treten”. Das ist schon allein als Kostenpunkt ein Must. Die Busse aus Haarlem sind ziemlich teuer, da nur eine private Buslinie den Campingplatz anfährt – die Radwege sind super ausgebaut und führen neben der Hauptstraße direkt in die Stadt hinein! Ein großer Pluspunkt des Campingplatzes: Gratis WLAN bei der Rezeption. Wir sind halt doch im 21 Jahrhundert!

Die Dünenlandschaft des Nationalparks habe ich an einem Tag ein Stück zu Fuß erkundet – da ich mich schnell und einfach verlaufe war mir die alleinige Fahrt mit dem Rad etwas zu abenteuerlich. Das habe ich jedoch auf nächstes Mal verschoben. Zum Ausgleich beschloss ich an einem Tag Haarlem zu erkunden – für mich das “kleine” Amsterdam. Diese Stadt ist einfach niedlich. Alle Häuser haben dieses typisch niederländische Aussehen und die kleinen Seitengassen verbergen interessante kleine Designateliers und Cafés. Die Hauptstraße bietet eine tolle Atmosphäre und besteht aus einer breiten Fußgängerzone. Die kleinen Brücken und viele Menschen auf Fahrrädern gaben mir sofort ein Gefühl des Wohlfühlens.

Haarlem von oben. Foto ©wingsaregolden.com

Haarlem von oben

Zu Mittag ging ich ins V&D Haarlem Centrum um im Dachgeschoss etwas Leckeres zu Essen und dabei einen wunderschönen Panoramablick zu erhaschen. Eine andere Empfehlung, die ich euch nicht vorenthalten möchte, bezieht sich auf die St. Bavokirche Haarlem. Als ich hörte, dass dort in 1766 der zehnjährige Mozart auf der Christian-Müller-Orgel spielte, welche 5.068 Pfeifen und fast 30 Meter Höhe hat, musste ich sie sehen. Wissenswertes: Der Fußboden der Kirche besteht aus etwas 1.500 Grabplatten – die älteste stammt aus dem 15. Jahrhundert!

Ich hatte leider nur zwei Nächte am Campingplatz De Lakens und habe einige Angebote nicht in Anspruch nehmen können, deshalb will ich auf jeden Fall zurück kommen, jedoch dieses Mal im vollen Glampingmode und mit Mitglampern/-campern, damit mehr Lagerfeuerfeeling entsteht.

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Das Schweigen des Merinoschafes – Mulesing im Outdoorbereich

Viele Outdoor-Freaks sind längst überzeugte Träger von Produkten aus Merinowolle. Von der Unterwäsche bis zum Pullover ist alles aus der feinen Schafwolle hergestellt. Der Wärme-Kälte-Haushalt zirkuliert und die Geruchsbildung wird…

Viele Outdoor-Freaks sind längst überzeugte Träger von Produkten aus Merinowolle. Von der Unterwäsche bis zum Pullover ist alles aus der feinen Schafwolle hergestellt. Der Wärme-Kälte-Haushalt zirkuliert und die Geruchsbildung wird eingedämmt. Doch was hat es mit der ganzen Zauberkraft des Schafkleides auf sich?

Merinoschafe sind eine Feinwoll-Schafrasse, die sich ausgehend von Spanien über die ganze Welt bis nach Australien ausbreitete. Neuseeland und Australien stellen heute die größten Merinowolle-Lieferanten der Welt dar. Merinoschafe produzieren Wolle, die auffallend gekräuselt, weich und elastisch ist. Darüber hinaus ist sie leicht und kratzt nicht auf der Haut – Eigenschaften, die sich die heutige Outdoor-Industrie zunutze gemacht hat. Naturfasern werden bei Textilien für den Outdoor-Bereich eher nachrangig verwendet, da sie sich als nicht sehr leicht oder robust herausgestellt haben.

Doch die Wolle des Merinoschafes kann mit den handelsüblichen Polyester- oder Polyamid-Kleidungsstücken mithalten. Zu den viel umjubelten Funktionen der Merinowolle zählt man unter anderem den optimalen Feuchtigkeitstransport. Die Fasern können mitunter 30% ihres Eigengewichts an Flüssigkeit aufnehmen und hinterlassen somit keine feuchten Stellen auf der Kleidung. Auch beim Thema Geruch kann die Merinowolle punkten: Wir schwitzen normalerweise Fette, Bakterien und Salze aus unserer Haut aus. In üblichen Funktionsshirts aus Kunstfasern, die eine glatte Oberfläche besitzen, bleibt dieser Schweiß hängen und fängt nach einer Zeit zu riechen an. Merinowolle hingegen weist eine schuppige Oberfläche auf, auf der sich Bakterien schwer halten können – so kommt es zu einer weitaus geringeren Geruchsbildung als bei Kunstfasern. Ein weiterer Vorteil gegenüber Kunstfasern, speziell für Camping-Liebhaber, ist die geringere Brennbarkeit der Textilien.

wandern

Doch wie so oft hat die Produktion von Merinowolle leider auch eine Schattenseite. Mulesing ist eine weit verbreitete Methode – vorrangig in Australien und Neuseeland, höchstwahrscheinlich aber auch in anderen Ländern zu finden -, die die Wirtschaftlichkeit der Wolle hoch und den Preis derer niedrig halten möchten. Mulesing soll Schafe vor Fliegenbefall bewahren – in den Hautpartien am Hinterteil des Schafes, wo ein teils schmutziges, warmes und feuchtes Milieu herrscht, ist das Risiko des Fliegenbefalls enorm. Die Fliegen legen ihre Maden in die Hautfalten des Schafes, diese fressen sich bis tief in das Fleisch, woraufhin das Schaf qualvoll verendet.

Mulesing ist eine präventive Methode und wird schon bei Lämmern im Alter zwischen acht und zwölf Wochen durchgeführt. Hautstücke rund um den After und die Vulva werden ohne Betäubung entfernt und die Stellen anschließend desinfiziert. Eine kostenintensive Alternative wäre den risikobehafteten Bereich regelmäßig auszuscheren, was zwar wiederum jedes Mal mit Stress bei den Tieren verbunden, aber dafür schmerzfrei ist. Eine andere Möglichkeit sieht man in einer medikamentösen Behandlung, die den Fellwuchs einschränken soll. Diese Methode wird aber erst zu Forschungszwecken eingesetzt und findet noch keine Anwendung in der breiten Masse. Eine geeignete Lösung scheint auf jeden Fall noch nicht gefunden worden zu sein.

Merinowolle findet man aber trotz aller Kritik in vielerlei Bergsportartikeln. Manche Outdoor-Marken sind hier Vorreiter und weisen auf ihre Mulesing-armen oder Mulesing-freien Produkte hin. Bei Icebreaker kann man online seine Merinotextilien bis zum Produzenten zurückverfolgen. Auch Smartwool und Ortovox verwenden keine Mulesing-Wolle. Mammut und andere Produzenten versuchen Mulesing-freie Produkte herzustellen, weisen aber darauf hin, dass sie diese Richtlinien nicht ausreichend kontrollieren können.

Diese Fakten sollte man beim Kauf von Outdoorbekleidung und anderen Produkten aus Merinowolle im Hinterkopf behalten und entweder auf Mulesing-freie Produkte umsteigen oder auf entsprechende tierleidfreie  Natur- oder Kunstfaseralternativen zurückgreifen.

 

Quellen:
planet-wissen.de/alltag_gesundheit/werkstoffe/wolle/merinowolle.jsp
hugsforhikers.com/blog/2012/01/06/merinowolle/
outdoorblog.ch/ausruestung/funktionsunterwaesche-merinowolle-kunstfaser/
bergzeit.at/icebreaker-merino/
hamburger-illustrierte.de/content/htm/tic/2004/12/12/200412122327.html

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Workaway – Arbeiten und Reisen inklusive

Fast überall auf der Welt: Fidschi, San Salvatore oder Esslingen am Necker? Drei bis fünf Stunden am Tag arbeiten, dafür Kost und Logis frei und demnach Geld und Zeit genug,…

Fast überall auf der Welt: Fidschi, San Salvatore oder Esslingen am Necker? Drei bis fünf Stunden am Tag arbeiten, dafür Kost und Logis frei und demnach Geld und Zeit genug, um Land und Leute kennen zu lernen? Da bin ich natürlich sofort dabei. Wäre doch auch die Frage geklärt, wie ich im Sabbatjahr durchs Leben komme, ohne danach Privatinsolvenz anmelden zu müssen. Das Konzept klingt fair und einfach und so war unsere (unsere, weil mein Mann auch mit an Bord war) erste Workaway-Stelle auch schnell gefunden: Eine Woche arbeiten, sprich Streichen und Gartenarbeit (laut E-Mail der Hosts) auf einem romantischen Chateau in der Nordbretagne, irgendwo im Nirgendwo.

Voller Vorfreude und Erwartung traten wir Sonntag Morgen die 900 Kilometer weite Anreise per Auto an. Drei Hörspiele und viel zu viele Mautstationen später kamen wir abends am Ziel für unsere Woche an. Die Gastgeber waren außer Haus, so dass eine andere nette 17-jährige „Workawayerin“, ebenfalls Deutsche, uns in Empfang nahm und uns ziemlich zackig mit allem vertraut machte: Arbeiten von zehn bis halb eins, danach Essen und Mittagspause bis drei, weitere zwei bis drei Stunden arbeiten sollten folgen.

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Ok, das hatten wir uns anders vorgestellt, aber wir haben ja ein Mundwerk, um das zu thematisieren. Danach durften wir unser Zimmer beziehen. Eine muffige Staubhöhle in rosa beziehungsweise eines der zu mietenden Gästezimmer. Am ersten Tag verwandelte ich mich in ein Zimmermädchen, zusammen mit Lena putze ich zehn Zimmer. (Irgendwann habe ich aufgehört, mich zu fragen: „Was mache ich ich eigentlich hier?“) Der zweite Tag verlief ähnlich, dieses Mal stand das Putzen des Kühlhauses und des Backofens auf dem Programm – dass ich dort putzen sollte, wusste ich im Vorfeld nicht. Allerdings hatten wir durchgesetzt, um neun Uhr anzufangen, so dass wir den Nachmittag frei hatten, und Mittwoch auch, also Zeit, die schöne Gegend ausführlich zu erkunden. Donnerstag und Freitag verliefen ähnlich, dieses Mal wieder eine Stunde früher, und endlich war mal das angekündigte Streichen an der Reihe, so dass wir nach dem gemeinsamen Mittagessen – welches in Frankreich ja gerne mal was etwas länger dauert – wieder Zeit für uns hatten. Den Freitagabend durften wir Küchenchefs spielen und wir haben alle bekocht, eine Aktion, die von allen Workawayern dort gewünscht ist und uns ne eine Menge Spaß gemacht hat. Samstag Morgen haben wir dann etwas früher als ursprünglich geplant Abschied genommen, um die letzten Tage der Herbstferien entspannt in einem Ferienhaus an der Küste Carnacs zu verbringen.

Wir haben unglaublich viel gelernt in der kurzen Zeit – nicht nur, wie man eine Schleifmaschine beziehungsweise einen Rasentrimmer bedient – und wissen nun, worauf wir achten müssen, wenn wir uns in Zukunft wieder als Workawayer zur Verfügung stellen. Nach wie vor halte ich die Idee für super, allerdings ist ganz wichtig, dass man im Vorfeld durch möglichst viel Kommunikation so viel Transparenz wie möglich schafft, um mit einem guten Gefühl dabei sein zu können.

Mehr Infos findet ihr hier: workaway.info

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Mit dem Rad unterwegs durch Europa

Vor drei Jahren habe ich durch Zufall auf meiner Geburtstagsfeier Reinier kennengelernt, der damals das erste Mal mit dem Rad quer durch Europa unterwegs war. Nachdem er drei Jahre später…

Vor drei Jahren habe ich durch Zufall auf meiner Geburtstagsfeier Reinier kennengelernt, der damals das erste Mal mit dem Rad quer durch Europa unterwegs war. Nachdem er drei Jahre später der Radtrips noch immer nicht müde ist, habe ich ihn zu einem Interview über seine Reisen mit dem Rad und seine Erlebnisse auf diesen Trips gebeten. Auch wenn mehr das Budget als die Nachhaltigkeit ausschlaggebend für das Transportmittel war, gehört Radfahren doch zu den umweltfreundlichsten Transportmitteln, also eindeutig ein Fall für The bird’s new nest! Reinier – jeweils links im Bild – stammt aus den Niederlanden, daher haben wir uns in Englisch unterhalten – im Anschluss findet ihr eine Übersetzung auf Deutsch.

Edda: When did your bike travels start, was there any specific reason for going by bike?

Reinier: The first time I took a bicycle out for traveling purposes was after I finished teaching my first semester as media lecturer in the summer of 2011. I had studied for a while, made some money, but didn’t have the cash to pay for motorized travel. Still, I wanted to leave for a long time, so I sat down to strategize. The first option was hitch-hiking, the second was to ride a bike. I realised later that these forms of travel are complete opposites, but as it goes with opposites they sort of meet again at the other side where the circle closes. Hitch-hiking works on complete dependence on circumstances: your travel will take you. Traveling by bike allows complete independence: it is you and your bike who decide where to go. The two ways of travel meet each other in their closeness with serendipity: both outcomes cannot be foreseen. I chose the bike because it allows for travel outside of the network of hubs: planes, buses and highways lead to hub in the network. Bicycles can visit these hubs, but most time is spent in between them. This mode of travel really focuses your attention on those non-places that are on no general tourist itinerary.

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How many trips by bike have you done alltogether? How many days did you travel in average?

After returning last Wednesday from Tuzla in Bosnia and Herzegovina, I have made four long distance trips, one each summer. After I cycled to Turkey the first time, doing 5.500 kilometers in five and a half months, I thought i would never ride a bike anywhere again. But when summer 2012 came around, I started to become jumpy. Before May I had set out the next plan: a trip around the Baltic Sea. I rode 6.000 kilometers in three months. Last summer I wanted to slow down a little and rode from Bordeaux to Porto, an easy 1.500 kilometers in less then a month. This year I wanted to return to the Balkans and Poland, cherished destinations that I have each visited a handful of times now. I took the train to Gdansk to follow the Wistla river to it’s source near the Slovakian border and then headed to Zagreb, central Bosnia and Montenegro. The total of this trip was 3.000 kilometers in almost two months.

How much time do you spend planning each trip?

The time I spent planning my trips has gone down massively. Before I set out on my first trip, I spent months gathering the right material, weighing one sleeping bag against another, wondering what panniers to buy. My planning has always been more about material than route: itineraries can be changed at any moment. So now my trips come together more organically. I might set a starting point or and end date, and figure out a way to get there. If I can’t make it somewhere in time, there are always buses and trains, although both present their own challenges when it comes to fitting a travel bike. Now that I have the material, I could basically leave tomorrow again. And that is a nice feeling.

To which countries have you travelled by bike? Which countries can you recommend for bike trips, which not?

I have traveled by bike in The Netherlands, Germany, Austria, the Czech Republic, Slovakia, Hungary, Croatia, Bosnia and Herzegovina, Serbia, Bulgaria, Greece, Turkey, Cyprus, Poland, Lithuania, Latvia, Estonia, Finland, Sweden, Denmark, France, Spain, Portugal and Montenegro. I can recommend almost all of these destinations, be it for different reasons. To give an example: Bosnia and Herzegovina is wonderful because there is simply very little heavy traffic and there are no highways, so all roads are pretty accessible. Added to the beautiful nature and fantastic people, I can very much recommend it. But when it comes to bicycle infrastructure, there are very few bicycle shops in Bosnia, whereas Poland, for instance, has one in every medium sized town. Poland is very affordable, people are helpful and most of the terrain is easy for bicycles, but sometimes the roads get a bit busy. Sweden is paradise for wild camping, as it is legally allowed, but food is extremely expensive and you might find that when you’re riding by yourself in Sweden, it can be a bit lonely. The one place I cannot recommend to anyone without a death wish is Cyprus. From the moment I rolled off the boat, it seemed like I was in a computer game with angry motor traffic trying to cut me off at every possibility they had. It got so bad that I simply stopped and hitched a ride from a truck, with the bike in the back. For hitch-biking, Cyprus turned out to be a great destination.

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Are you still using the bike you started your trips with? How often have you had to fix your bike while traveling?

When I started I bought a second hand Koga Myata, a bike that despite it’s Japanese sounding name is as Dutch as it gets. It is the kind of bike made for long distance travel, a so-called trekking or tour bicycle, and has served me ever since. I have had the idea to buy a more sturdy one, as this one is lightweight, but since I’ve realised I prefer asphalt over off-road, this one serves me pretty well.

When it comes to maintenance, there are no shortcuts. If bike travel taught me anything, it is to solve your problems as soon as they pop up. Riding for a while without a well functioning brake might seem ok because it allows you to avoid spending money and time on the repair, but in the end it makes you drive slower and therefore lose the joy of cycling, as you are taking into account all the little defects. When something stops sounding right, it is time to intervene and investigate: a tyre that is not correctly placed might go bust over time when not addressed, and loose cables annoy you. In a more general sense, a bike is like the human body: parts need to be renewed constantly for the whole to function. A chain does 2.000 kilometers, a casette 6.000, brake pads depend on the kind of terrain, but inadvertently wear. This year I broke my seat: the aluminium simply snapped. So while I still ride the same bike I bought in 2011, most of it has been replaced and is no longer original.

Where do you spend your nights?

While I’m cycling, I have a variety of ways to spend the night. I usually bring a tent, which makes me completely self-sustained. When I travel with a companion, the tent is often the preferred destination for the night and then I like to do wild camping. But alone, nights in dodgy locations can be quite long, and campsites offer not only a shower, but also some people to chat to after a long day on the bike. By myself, I prefer to stay with people through the online communities Warmshower.org and Couchsurfing.org. Whereas Couchsurfing is known more and has a bigger user-base, Warmshowers is specifically for bike tourers and has a much more useful interface, as it lists people’s actual location on the map. When I started out, Couchsurfing had that option too, but their recent commercialisation has led me further away from them. Still, I owe much of the friends I’ve made over the years to Couchsurfing and I’m still hosting through both networks when I’m at home.

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Do you prefer to travel alone or with company?

When it comes to traveling alone or with company, I find myself in a split. I really love to ride together, and being in tandem allows you to take bolder steps more easily, like camping on an abandoned dockyard, or taking a badly indicated but promising turn-off. However, the freedom you have when you are by yourself is incredible and priceless. There is no need to talk anything over, discussions are internal and take place in a split second. An advantage of travel in a group is having people to talk to, the advantage of being alone is being able to make contact so much more easily. You simply have to: if you don’t talk to anyone, you will be by yourself. It is a great motivation.

Have you ever been in any kind of dangerous situation on your trips?

I guess the most dangerous situations on my bike trips sprang from underestimating traffic conditions, or simply having no options. If you’re halfway through a canyon and you have to cross a 700 meter long tunnel with faltering light, that will not be the best experience and might not be that safe either. But I tend to ride defensively. Contra intuition, that does not mean that you make yourself small and position yourself on the furthest possible edge of the road. I ride in such a way that I always have about a meter to sway to on my right side. By being out on the road more, cars will automatically slow down, and if they come too close, you have space to move into. If you sit all the way to the right, they might think they can pass and the smallest move to the left can cost you. It is all about managing expectations: you will be safest when cars expect you to do the weirdest things.

What have been the best experiences you made during those trips?

It is very hard to pinpoint the best experiences, as the whole bike traveling adds up. It receives value through all of its compnents: you have to work to get to your destination ,which gives satisfaction. You have short and long term goals (where do I turn left? How do i get to the next city? On which continent do I want to end up?) which give structure and order. Because of the bike, many people like to have a chat and are curious, which helps to build contacts and friendship. All of it together creates the priceless experience.

Have you inspired people to travel like you do?

When I meet people and explain them my way of travel, they are often impressed. I like to talk it down: I’m not exceptional in my strength or endurance, anyone can do it. I believe that the mental treshold is higher than the physical one: once you realise you can travel by bicycle, the body follows without any problems. We’re sturdy animals, a few centuries ago we all worked the field everyday. Taking a five hour spin each day sounds like a holiday compared to other things the human body gets used to. And I have given some people the little push they needed in the direction of cycle tripping.

Has travelling this way changed you somehow?

It is hard to tell in what way bike travel has changed me. For me it feels more like it enabled me to be more of what I already liked in myself. The activity, the social contacts, the way of travel that allows you to get close to your destination. These are all things I already enjoyed before, but it feels like bike travel showed me the way to most succesfully and enjoyably combine them.

Any advice for people who are now inspired to travel by bike?

There is no blue print,and there are no rules. If you want to ride 30 kilometers a day and survive by picking flowers on the side of the road and sell them in villages while sleeping at the local chruch, you can. But if you want to ride 120 kilometers a day, sleep in hotels and eat restauant food, that’s equally fine. One day, four days, a week, a month, a year, all trips can be fun. And for me it has always been pretty clear: if you don’t feel like cycling anymore,stop cycling. Don’t hold onto something you don’t enjoy. I’ve stopped several times with the idea not to cycle the day after,only to find my legs itching to get back to it by 10 AM the next day. So be warned, you might get addicted.

 

Und hier die Übersetzung:

Edda: Wann bist du das erste Mal mit dem Rad auf Reisen gegangen? Gab es einen bestimmten Anlass dafür?

Reinier: Die erste Radreise habe ich unternommen, nachdem ich mein erstes Semester als Medien-Dozent auf der Universität abgeschlossen hatte. Das war im Sommer 2011. Ich hatte einige Zeit studiert, ein bisschen Geld verdient, aber nicht genug für motorisiertes Reisen. Trotzdem wolle ich eine Zeitlang auf Reisen gehen, also hab ich mich hingesetzt, um eine Strategie zu entwickeln. Eine Möglichkeit war Trampen, die andere Möglichkeit, das Rad zu nehmen. Erst später erkannte ich, dass das zwei völlig gegensätzliche Formen des Reisens sind. Aber wie das mit Gegenteilen so ist, sie treffen sich am Ende doch irgendwann dort wieder, wo der Kreis sich schließt. Trampen basiert auf einer völligen Abhängigkeit von den Umständen: Die Reise nimmt dich mit sich. Radfahren erlaubt komplette Unabhängigkeit: Du und dein Rad – ihr entscheidet wohin es gehen soll. Diese beiden Formen des Reisens treffen sich dort wieder, wo der Zufall ins Spiel kommt: In beiden Fällen kann das Ergebnis nicht vorhergesehen werden. Ich habe mich für das Rad entschieden, weil man damit auch außerhalb der Zentren reisen kann: Flugzeuge, Busse und Autobahnen führen alle zu den Zentren des Netzwerkes. Mit dem Rad kann man die Zentren zwar auch erreichen, aber die meiste Zeit verbringt man dazwischen. Bei dieser Art des Reisens kannst du dich wirklich auf diese Nicht-Plätze jenseits der typischen Touristen-Routen fokussieren.

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Wie viele Radtouren hast du insgesamt schon unternommen? Und wie viele Tage bist du im Durchschnitt gereist?

Am Mittwoch bin ich aus Tuzla zurückgekommen, einer Stadt in Bosnien und Herzegowina. Inklusive dieser Reise habe ich nun schon vier Langstrecken-Touren hinter mir, jeden Sommer eine. Das erste Mal bin ich in die Türkei gefahren und habe 5.500 Kilometer in fünfeinhalb Monaten hinter mich gebracht. Ich dachte, ich könnte mich niemals wieder auf ein Rad setzen. Aber als der Sommer 2012 kam, bin ich unruhig geworden. Noch im März hatte ich mir einen neuen Plan überlegt: Eine Tour an der Ostsee. Ich fuhr 6.000 Kilometer in drei Monaten. Letzten Sommer wollte ich es dann ein wenig langsamer angehen und fuhr von Bordeaux nach Porto, das waren leichte 1.500 Kilometer in weniger als einem Monat. Dieses Jahr sollte es wieder auf die Balkanhalbinsel gehen und nach Polen, also in Gegenden, die ich nun schon einige Male besucht habe und sehr schätze. Ich nahm also den Zug nach Danzig, um der Weichsel zu ihrem Ursprung nahe der slowakischen Grenze zu folgen und steuerte dann Zagreb an. Insgesamt habe ich 3.000 Kilometer in knapp zwei Monaten zurückgelegt.

Wie viel Zeit benötigst du, um deine Touren zu planen?

Die Zeit, die ich mit der Planung meiner Touren verbringe, hat sich stark reduziert. Vor meiner ersten Tour habe ich Monate damit verbracht, die richtige Ausrüstung zusammenzustellen, habe Schlafsäcke verglichen und nach der richtigen Fahrradtasche gesucht. Meine Planung drehte sich immer mehr um die Ausrüstung als um die Route: Eine Reiseroute kann man ja jederzeit ändern. Inzwischen entstehen meine Routen eher zufällig. Ich lege den Ort fest, von dem aus ich starten möchte oder das Datum, an dem ich an einem Ort ankommen will und überlege dann, wie ich dorthin komme. Wenn ich nicht rechtzeitig da bin, dann gibt es immer Busse oder Züge, obwohl beide ihre Herausforderungen bereitstellen, wenn es darum geht, ein Rad zu transportieren. Jetzt, da ich die Ausrüstung zusammenhabe, könnte ich eigentlich gleich morgen schon wieder abreisen. Und das ist ein schönes Gefühl.

Welche Länder hast du bei deinen Reisen besucht? Welche kannst du für Radtouren empfehlen, welche nicht?

Ich habe Radtouren durch die Niederlande, Deutschland, Österreich, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Bosnien Herzegowina, Serbien, Bulgarien, Griechenland, die Türkei, Zypern, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Schweden, Dänemark, Frankreich, Spanien, Portugal, und Montenegro gemacht und kann fast alle Gegenden empfehlen, allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Um ein Beispiel zu nennen: Bosnien Herzegowina ist wunderbar, weil es dort kaum Verkehr oder Autobahnen gibt, die Straßen sind also gut befahrbar. Dazu noch die schöne Natur und die tollen Menschen –ich kann es sehr empfehlen. Allerdings gibt es nur wenige Fahrradgeschäfte dort. In Polen hingegen gibt es in jeder mittelgroßen Stadt eines. Polen ist günstig, die Menschen sind hilfsbereit und das Gelände ist mit dem Fahrrad leicht zugänglich, aber manchmal ist auf den Straßen viel los. Schweden ist ein Paradies, wenn man wild Campen möchte, das ist dort auch erlaubt. Aber das Essen ist sehr teuer und es kann etwas einsam werden, dort alleine mit dem Rad unterwegs zu sein. Der einzige Ort, den ich wirklich niemandem empfehlen kann, ist Zypern. Vom Moment an als ich das Boot verlassen habe, hatte ich den Eindruck in einem Computerspiel zu sein, weil ich bei jeder Möglichkeit, die sich bot, von Autos geschnitten wurde. Das war so schlimm, dass ich dann einfach angehalten habe und mich von einem LKW habe mitnehmen lassen. Zum Trampen war Zypern am Ende super.

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Bist du noch mit dem Rad unterwegs, mit dem du deine ersten Touren gemacht hast? Wie oft musstest du dein Rad während deiner Reisen reparieren?

Für meine erste Tour habe ich mir ein gebrauchtes Koga Miyata gekauft, ein Rad das trotz des japanisch klingenden Namens in den Niederlanden hergestellt wird. Es ist für Langstrecken-Touren gebaut, also ein sogenanntes Trekking- oder Tourenrad, und steht mir seitdem zu Diensten. Ich habe zwischendurch überlegt, mir ein robusteres Rad zu kaufen, da dieses sehr leicht ist, aber dann habe ich gemerkt, dass ich lieber auf Asphalt fahre als im Gelände, so passt mir dieses hier sehr gut. Was die Instandhaltung angeht, so gibt es keine Patentlösung. Wenn das Reisen mit dem Rad mich eines gelehrt hat, dann, dass man seine Probleme in dem Moment lösen muss, in dem sie auftauchen. Man kann schon eine Weile mit einer schadhaften Bremse fahren, weil man so kein Geld ausgeben muss und keine Zeit für die Reparatur drauf geht. Aber am Ende bedeutet das nur, dass du langsamer fährst und den Spaß am Fahren verlierst, wenn du an all die kleinen Defekte denkst. Wenn irgendwo komische Geräusche herkommen, dann sollte man eingreifen und herausfinden, was los ist. Ist der Reifen nicht richtig montiert, wird er irgendwann platzen und lose Kabel machen auch Ärger. Generell gesprochen, ist ein Fahrrad wie der menschliche Körper: Die Teile müssen regelmäßig erneuert werden, damit das Ganze funktioniert. Eine Kette hält 2.000 Kilometer, eine Kassette 6.000 Kilometer, bei den Bremsbelägen hängt es von der Art des Geländes ab, aber sie nutzen auch so ab. Dieses Jahr ging mein Sattel kaputt, das Aluminium brach einfach. Also, ich benutze zwar immer noch das gleiche Rad, das ich damals 2011 gekauft habe, aber ein Großteil wurde ersetzt und entspricht nicht mehr dem Original.

Wo verbringst du deine Nächte?

Beim Reisen mit dem Rad stehen mir einige Möglichkeiten offen, wie ich die Nacht verbringe. Normalerweise habe ich ein Zelt dabei, das mich komplett unabhängig macht. Wenn ich zu zweit reise, nutzen wir auch am liebsten das Zelt und dann campen wir auch gerne wild. Aber wenn ich alleine unterwegs bin, dann kann die Nacht in einer abgelegenen Gegend ziemlich lang sein. Zeltplätze bieten nicht nur Duschen, sondern man kann dort auch mit den anderen Leuten quatschen nach einem langen Tag auf dem Rad. Wenn ich alleine fahre, dann übernachte ich auch bei Leuten, die ich über Online-Communities wie Warmshower.org und Couchsurfing.org finde. Couchsurfing ist bekannter und hat mehr UserInnen, Warmshowers richtet sich vor allem an Biker und ist nützlicher aufgebaut, da es den tatsächlichen Wohnort der Leute auf der Karte anzeigt. Als ich anfing, hatte Couchsurfing diese Option auch noch, aber die kürzliche Kommerzialisierung hat mich eher abgestoßen. Dennoch schulde ich den Freunden, die ich über die Jahre bei Couchsurfing kennengelernt habe eine Menge und bin in beiden Netzwerken aktiv, wenn ich zu Hause bin.

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Reist du lieber alleine oder in Gesellschaft?

Bei der Frage, ob ich lieber alleine oder in Begleitung reise, bin ich gespalten. Ich mag es wirklich gerne gemeinsam zu reisen, denn dann ist man mutiger und campt auf einer verlassenen Werft oder nimmt eine schlecht ausgeschriebene, aber vielversprechende Abfahrt. Auf der anderen Seite ist die Freiheit, die du hast, wenn du alleine mit dir bist, einfach unglaublich und unbezahlbar. Man muss keine Rücksprache halten, Diskussionen führst du innerlich und sie dauern nicht einmal eine Sekunde. Der Vorteil des Gruppenreisens ist, dass man immer Leute zum Reden hat, der des Allein-Reisens, dass man viel einfacher neue Kontakte schließt. Du musst ja, denn wenn du mit niemandem sprichst, bleibst du allein. Das ist eine gute Motivation.

Hast du auf deinen Reisen auch einmal gefährliche Situationen erlebt?

Ich glaube, die gefährlichsten Situationen auf dem Rad entstanden, weil ich die Verkehrsbedingungen unterschätze habe beziehungsweise keine anderen Optionen hatte. Wenn du auf halbem Wege durch eine Schlucht bist und einen 700 Meter langen Tunnel durchqueren musst, in dem das Licht flackert, dann ist das nicht die tollste Erfahrung und wohl auch nicht besonders sicher. Aber ich fahre eher defensiv. Entgegen der Intuition heißt das nicht, dass man sich klein macht und sich am äußersten Ende der Straße hält. Ich fahre so, dass ich immer einen Meter Platz habe auf meiner rechten Seite. Wenn man sich mehr auf der Straße hält, fahren die Autos automatisch langsamer und wenn sie zu nahe kommen, hat man Platz, um auszuweichen. Wenn du zu weit rechts fährst, denken sie vielleicht, sie können vorbei fahren und eine kleine Bewegung nach links kann gefährlich werden. Es geht hauptsächlich darum, die Erwartungen zu lenken: Du fährst am sichersten, wenn die Autofahrer davon ausgehen, dass du irgendetwas Bescheuertes tust.

Was waren die schönsten Erfahrungen während deiner Touren?

Es ist schwer, das festzumachen, da sich die ganze Reise aufaddiert. All ihre Komponenten tragen zur Bewertung bei: Du musst dich anstrengen, um dein Ziel zu erreichen, das befriedigt. Du hast kleine und große Ziele, die Struktur und Ordnung bringen (Wo biege ich links ab? Wie erreiche ich die nächste Stadt? Auf welchem Kontinent möchte ich ankommen?). Wegen des Fahrrads kommt man mit vielen Leuten ins Gespräch, dadurch schließt man Kontakte und Freundschaften. All das zusammengenommen ist eine unbezahlbare Erfahrung.

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Hast du Leute dazu inspiriert, so wie du zu reisen?

Wenn ich den Leuten erzähle wie ich reise, reagieren sie oft beeindruckt. Ich rede es dann gerne klein: Ich bin nicht ausgewöhnlich stark oder ausdauernd, jeder kann das machen. Ich glaube, dass die mentale Hürde größer ist als die physische: Wenn du realisierst, dass du mit dem Rad reisen kannst, folgt dein Körper automatisch. Wir sind robuste Lebewesen, vor einigen Jahrhunderten haben wir noch den ganzen Tag auf Feldern gearbeitet. Ein fünfstündiger Ausflug am Tag klingt da wie Urlaub, verglichen mit den Bedingungen, an die sich der menschliche Körper sonst so gewöhnen muss. Ich habe ein paar Leuten auch schon mal einen kleinen Stupser in Richtung Radreisen gegeben, wenn nötig.

Hat dich das Reisen verändert?

Ich kann schlecht sagen, wie mich das Reisen verändert hat. Nach meinem Empfinden hat es mir ermöglicht, mehr ich selbst zu sein. Die Aktivität, die sozialen Kontakte, die Art so zu reisen, dass man seinem Ziel nahe kommt – das sind alles Dinge, dich ich zwar schon vorher genossen habe, aber das Radreisen hat mir gezeigt, wie ich sie besonders erfolgreich und angenehm kombinieren kann.

Hast du einen Rat für Leute, die nun inspiriert sind, selbst eine Radtour zu unternehmen?

Es gibt da keine Blaupause oder Regeln. Wenn du 30 Kilometer am Tag fahren möchtest, und dein Überleben sichern, indem du Blumen am Straßenrand pflückst und in Dörfern verkaufst und deine Nächte in der örtlichen Kirche verbringen, dann kannst du das machen. Aber wenn du 120 Kilometer am Tag fahren möchtest, in Hotels schlafen und in Restaurants essen, dann ist das genauso in Ordnung. Ein Tag, vier Tage, eine Woche, ein Monat, ein Jahr – das kann alles Spaß machen. Und für mich war eigentlich immer ziemlich klar: Wenn man keine Lust mehr hat zu fahren, dann hört man auf. Zwing dich nicht zu etwas, das dir keinen Spaß macht. Ich habe mehrfach angehalten und überlegt am nächsten Tag zu pausieren, aber am nächsten Morgen hat es mich in den Beinen gejuckt und ich wollte wieder aufs Rad. Also sei gewarnt, du könntest süchtig werden.

 

Habt ihr schon einmal eine längere Radtour unternommen? Oder träumt ihr davon, irgendwann einmal mit dem Rad durch Europa – oder sogar durch die ganze Welt – zu reisen?

Vielen lieben Dank an Verena für die Übersetzung!

1 Kommentar zu Mit dem Rad unterwegs durch Europa

Eine (fast) vegane Reise durch Nord-Kalifornien, Teil 5

Weiter geht es zum Yosemite Nationalpark. Wir hatten Glück, der Tioga-Pass war schon von Schnee geräumt und offen und so konnten wir quer durch den Park fahren, mit tollen Ausblicken….

Weiter geht es zum Yosemite Nationalpark. Wir hatten Glück, der Tioga-Pass war schon von Schnee geräumt und offen und so konnten wir quer durch den Park fahren, mit tollen Ausblicken. Wir wollten aber nicht nur im Auto sitzen, sondern auch in der Natur wandern. Ich hatte mir aus dem Nationalpark-Reiseführer eine Wanderung zu den Cathedral Lakes herausgesucht. In den Seen sollte sich der Cathedral Peak spiegeln und die Wanderung hörte sich insgesamt sehr nett an. Etwas erschwert wurde das ganze dadurch, dass der Startpunkt schon auf über 2.000 Meter Höhe lag und wir uns daher auf Weg- beziehungsweise Spurensuche durch den Schnee machen mussten. Zwischendurch boten sich immer wieder schöne Blicke auf den Cathedral Peak, mit dem Spiegelbild wurde es jedoch nichts, die Seen waren zugefroren.

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Am nächsten Tag ging es zum klassischen Yosemite Sightseeing ins Yosemite Valley mit Blick auf den Half Dome und etliche Wasserfälle. Da im Frühling aufgrund der Schneeschmelze mehr Wasser vorhanden ist, wollten wir die schönsten Wasserfälle auch von der Nähe betrachten und sind zum Vernal Fall und von dort weiter zum Nevad Fall gewandert. Die Strecke an und für sich ist nicht so schlimm, stellenweise geht es steil bergauf auf Treppen, fast wie bei so manchen Bergläufen. Beim Vernal Fall führen die Stufen am Weg etwas durch den Wasserschleier, der durch den Wasserfall entsteht, und ein schöner Regenbogen war zu sehen. Rast machten wir an einem Wasserbecken oberhalb des Wasserfalls. Das hätte schon sehr zum Schwimmen eingeladen, allerdings nahmen wir die Schilder mit der Warnung ernst, dass hier schon Leute von der Strömung mitgerissen worden sind, den Wasserfall hinunter. Der weitere Weg zum Nevada fall waren nochmals 400 Meter hinauf, zahlte sich aber aus, da es oben vom Plateau eine tolle Aussicht die steilen Wände hinunter auf die Täler gab.

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Kurz nachdem sich CJ beklagt hatte, dass wir abgesehen von Eichhörnchen (ein paar Fotos von der kleineren Tierwelt des Nationalparks seht ihr später) und sonstigen Nagetieren keine größeren Tiere und vor allem noch keine Bären gesehen hatten, wurden wir auf dem Weg zu den Mirror Lakes belohnt. Einige Touristen standen bereits mit gezückten Kameras am Rande des Weges und ihren Blicken folgend konnten wir eine Bärin mit ihren beiden Jungen beobachten. Die drei machten sich auf den Weg über eine Weide und waren gut zu sehen, leider sind die Fotos etwas verschwommen geworden. Abends wanderten wir zum Sonnenuntergang auf den Sentinel Dome, auf dem Hinweg konnten wir vom Auto aus wieder eine Bärin mit zwei Jungtieren sehen – das dürfte die klassische Bärenfamilie sein. Die Wanderung auf den Sentinel Dome war recht kurz, und das Panorama über die Berge und Täler der Sierra Nevada, ins Abendlicht getaucht unbeschreiblich schön.

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Am nächsten Tag fuhren wir in den King’s Canyon Nationalpark. Dieser Tag war besonders heiß, anscheinend ist das aber normal für die Gegend und Jahreszeit – in Fresno hatte es schon früh morgens gegen sieben Uhr 38 Grad Celsius. Wir sind an endlosen Obstplantagen vorbeigefahren, und wie ihr euch vorstellen könnt, war alles künstlich bewässert. An einer nicht mehr genützten Plantage konnten wir sehen, dass selbst die Marillenbäume (Aprikosenbäume für die deutschen LeserInnen) bei dieser Hitze ohne zusätzliches Wasser komplett verdorren und es wüstenähnlich aussieht, wenn nicht gerade alles voller Wasserschläuche ist. Im King’s Canyon selbst, der etwas höher gelegen ist, waren es immerhin nur etwa 30 Grad Celsius. Von den Wanderungen am Vortag hatten wir noch etwas schwere Beine und die ungewohnte Hitze machte uns auch zu schaffen, und so beschränkten wir unsere Aktivitäten. Bei den größten Redwood Bäume sind wir herumspaziert, da waren ein paar echte Riesen darunter, die selbst die Bäume entlang der Avenue of the Giants in einen gewaltigen Schatten stellten. Bei einem Spaziergang um Zumwalt Meadows, einer Weide, die malerisch an einem Fluss gelegen ist, konnten wir noch Eidechsen mit einem blauen Bauch bei Liegestützen beobachten – laut Internet handelt es sich hierbei um männliche Echsenexemplare, die auf diese Weise ihr Paarungsbereitschaft zeigen wollen. Danach gönnten wir uns ein kühles Bier an einem Wasserfall und vertrieben uns den Nachtmittag, indem wir die Natur beobachteten und entspannten, so gut das bei den Außentemperaturen ging.

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Hier nun ein paar Fotos vom Wildlife in den Nationalparks – die Bärenfotos sind leider nicht so gut geworden – sowie ein grauer Fuchs, der an unserem Auto in der Dämmerung vorbeihuschte und etwas zu schnell war für unsere Kamera. Doch besonders die kleineren Tiere zu beobachten, fand ich faszinierend.

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Zum Abschluss waren wir wieder in San Francisco, diesmal in der Wohnung bei Freunden direkt im Zentrum, sodass wir nochmals ohne Auto durch die Stadt streifen konnten. Ich mag es, etwas mehr Zeit zu haben und ohne Ziel herumzuspazieren. In der Nähe unserer Freunde war ein Lokal der veganen Loving Hut-Kette, die es weltweit und sogar dreimal in San Francisco gibt. Die veganen Wantans und der Mapo-Tofu waren besonders lecker!

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Es war eine wunderbare Reise, und ich freue mich, dass ich meine Eindrücke mit euch teilen konnte! Jetzt bin ich auf eure Kommentare gespannt: Wart ihr schon einmal in Kalifornien auf Urlaub? Was hat euch am besten gefallen? Was wollt ihr unbedingt einmal sehen?

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Doris verrät 15 Insider-Tipps für Wien

Interviewanfragen bekomme natürlich nicht nur ich, sondern auch unsere Teammitglieder, vor allem wenn sie so bekannt sind wie Little Miss Itchy Feet Doris. In ihrem Interview mit dem Reiseblog viel…

Interviewanfragen bekomme natürlich nicht nur ich, sondern auch unsere Teammitglieder, vor allem wenn sie so bekannt sind wie Little Miss Itchy Feet Doris. In ihrem Interview mit dem Reiseblog viel unterwegs hat sie Bloggerin Katrin 15 Insider-Tipps für Wien verraten – unter anderem was es nur in Wien gibt oder was man in Wien unbedingt gesehen haben muss.

Das ganze Interview könnt ihr hier auf viel unterwegs lesen.

Habt ihr noch weitere Insider-Tipps für Wien? Postet sie doch in den Kommentaren!

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Zu Fuß durch die Welt – jetzt auch als Multimedia-Show

Vor zwei Jahren waren sie eine meiner ersten Interview-Partner für meinen Blog littlemissitchyfeet. Dort habe ich Menschen vorgestellt, die die Welt nicht nur bereisen, sondern Schritt für Schritt zum Positiven verändern: Rowin und…

Vor zwei Jahren waren sie eine meiner ersten Interview-Partner für meinen Blog littlemissitchyfeet. Dort habe ich Menschen vorgestellt, die die Welt nicht nur bereisen, sondern Schritt für Schritt zum Positiven verändern: Rowin und Marvin von vonwegen.at waren da die perfekten Kandidaten. Als hätte ich das Format extra für die beiden jungen Steirer gewählt!

Acht Monate waren sie damals schon unterwegs, die zwei 21- beziehungsweise 22-jährigen Cousins aus der Steiermark. Von Wien ging es nach Italien, entlang der Mittelmeerküste nach Gibraltar, dann Marokko, Südamerika und und und. Das Besondere daran: Den Landweg haben sie zu Fuß zurückgelegt und darüber auf der GLOBAL 2000-Website einmal wöchentlich sowie auf derstandard.at monatlich gebloggt. 

Ich habe die beiden mutigen Jungs auch nach meinem Interview verfolgt – online natürlich. Ab und an habe ich eine Nachricht aus der Ferne bekommen und mich jedes Mal an ihrem Engagement, ihrer Entdeckungslust und ihre Suche nach der „wahren Freiheit“ erfreut. Über vier Kontinente, durch 18 Länder und „zehn Millionen Schritte später sind wir angekommen, haben gefunden wonach wir suchten – dem puren Leben im Jetzt, im ständigen Glück“. Rowin und Marvin sind nun wieder zurück und berichten über  ihre Welt-Tour in Form eines Multimedia-Vortrags. Alle Termine, an denen ihr die beiden über ihre Reise erzählen hören könnt, findet ihr hier.

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Eine (fast) vegane Reise durch Nord-Kalifornien, Teil 4

Im dritten Teil meines Reiseberichts konntet ihr lesen, dass wir abends in Sacramento noch sehr lecker gegessen hatten und uns das Besichtigungsprogramm für den nächsten Tag aufgehoben haben. Am Vormittag des nächsten…

Im dritten Teil meines Reiseberichts konntet ihr lesen, dass wir abends in Sacramento noch sehr lecker gegessen hatten und uns das Besichtigungsprogramm für den nächsten Tag aufgehoben haben.

Am Vormittag des nächsten Tages besichtigten wir zuerst die alte Innenstadt Sacramentos – diese ist mit den alten Häusern schön anzusehen, wirkte aber etwas „künstlich“ und wie für Touristen geschaffen. Dann sind wir bis zum California State Capitol spaziert, eine Führung der Räume ist sich zeitlich nicht ausgegangen.

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Für ein Mittagessen in der Sonne bot sich das „Plum Cafe“ an. Dieses vegane Café hat sowohl einen netten Innenhof, als auch ein paar Tische im Vorgarten, wo wir die Sonne genossen haben. Die Auswahl an Speisen fiel uns nicht leicht – wir hatten dann ein leckeres Chili und einen Burger mit garlic fries. Die leckeren veganen Muffins und Kuchen konnten wir nicht mehr probieren, so satt waren wir danach.

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Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg zum Lake Tahoe, der an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Kalifornien und Nevada liegt. Die Fahrt hielt wieder eine Überraschung bereit: Von Sacramento, wo wir mit T-Shirt und Shorts in der Sonne gesessen hatten und ich schon Angst hatte, mir einen Sonnenbrand zu holen, ging es über Pass-Straßen in einen Blizzard hinein. Die Temperatur sank dementsprechend auf knapp unter null Grad. Die großen Schneeflocken blieben zwar nur kurz liegen, trotzdem waren wir froh, als wir in der warmen Unterkunft waren. Zuerst dachten wir, dass wir gar nicht mehr hinausgehen würden, doch oh Wunder! Nach einer weiteren Stunde Schneegestöber kam die Sonne wieder hervor und der Himmel war wieder wolkenlos blau als ob nichts gewesen wäre. Der See zeigte sich von seiner besten Seite und bot uns einige wunderschöne Augenblicke, vor allem bei Sonnenuntergang. Insgesamt war mir Lake Tahoe zu touristisch, die Straße um den See ist sehr breit und das Seeufer selbst ist großenteils mit Wohnungen und Hotels verbaut. Da lobe ich mir die einsameren Seen in den Bergen von Österreich oder Bayern.

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Der folgende Tag war voller unterschiedlichster Erlebnisse. Nach dem Temperatursturz am Vortag ging es zuerst wieder über Pass-Straßen nach Bridgeport. Wir hatten im Lonely Planet gelesen, dass es dort heiße Quellen frei in der Natur gibt. Das Wasser der Thermalquellen fließt in mehrere künstlich angelegte Becken und je nach gewünschter Temperatur kann man oben an der Quelle mit Steinen den Zufluss an siedend heißem Wasser regulieren, das ins Becken gelangt. Ich liebe warmes, ja heißes Wasser, und es war richtig schön, in den Becken in freier Natur mit Blick auf die schneebedeckten Berge zu liegen, die Vögel zwitschern zu hören, sich garen zu lassen, solange man es aushält und dabei ein kühles Sierra Nevada Pale Ale (wir hatten uns in der Brauerei eingedeckt) zu trinken. Zur Abkühlung war die Lufttemperatur draußen noch angenehm frisch. Das Thermalwasser fühlte sich durch die in ihm gelösten Mineralien und sonstigen Stoffe richtig weich an und in einem der Becken gab es am Boden etwas Schlamm, von dem einer der Männer mit denen wir plauderten meinte, dass er eine Wellness-Behandlung ersetzt. Also habe ich meine Körper damit beschmiert und der Haut eine natürliche Pflege gegönnt. Zur Info – an diesen Quellen sind Badezusätze verboten und Badebekleidung ist optional.

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Nach dem Wellness ging es weiter zum Besichtigen nach Bodie, der besterhaltenen Geisterstadt der USA. Hier wurde im 19. Jahrhundert nach Gold gegraben und viele der Gebäude sind gut erhalten, die Türen und Fenster geschlossen. Aber man kann durch die Fenster in die Zimmer hineinschauen und sieht Möbel, Geschirr und andere Dinge, fast so als ob die Einwohner nur kurz weg wären. Ich fand es etwas gespenstisch, so in der Zeit zurückversetzt auf die verstaubten Lebensräume von Menschen zu blicken und wären die Türen nicht zugenagelt gewesen, hätte es mich nicht gewundert, dort drinnen doch noch jemanden aus der damaligen Zeit zu sehen.

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Weiter ging es zum Mono Lake, einem alkalischen Salzsee. Da aus den Zuflüssen des Sees die Stadt Los Angeles (ja, über 500 Kilometer weit entfernt) mit Trinkwasser versorgt wird, ist der Wasserstand des Sees im Laufe der Jahre erheblich abgesunken. Dadurch stieg der Salzgehalt und Kalktuff-Gebilde in schönen Formen sind sichtbar geworden. Auf markierten Pfaden kann man zum See spazieren, die Tuffas betrachten und auf Tafeln über das Ökosystem und die darin lebenden Tiere, die sich an das Salzwasser und den alkalischen Gehalt angepasst haben, lesen. Wir haben sehr viele Vögel gesehen, die sich von kleinen Fliegen ernähren und auf ihre Reise über den Kontinent hier Rast machen. Von einem erloschenen Vulkan am Rande des Sees hatten wir noch einen guten Ausblick, bevor wir weiter nach Mammoth Lakes gefahren sind. Abends fanden wir ein nettes mexikanisches Restaurant, in dem sich die Kellnerin für mich in der Küche erkundigte, ob die Bohnen ohne tierische Produkte zubereitet werden.

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Am nächsten Morgen sind wir zu den Seen bei Mammoth Lakes gelaufen, die den klingenden Namen Twin Lakes haben, und da ich selbst eine Zwillingsschwester habe, wollte ich mir diese ansehen. Der Anblick der schneebedecktem Berggipfeln, die sich in den Seen spiegelten, war unglaublich schön – ihr seht ihn am Titelfoto zum Artikel. Nachdem uns die Thermalquellen am Vortag so gut gefallen hatten, wollten wir uns die Gelegenheit zu einem weiteren heißen Bad in freier Natur nicht entgehen lassen. Die Suche nach diesen gestaltete sich etwas schwierig, da im Lonely Planet keine näheren Angaben zu recherchieren waren, wo genau sich diese befinden, aber nach einigem fragen, herumfahren und suchen, fanden wir ein schönes einsames Becken zum Entspannen – wo sonst weit und breit niemand war und man einen tollen Blick auf die verschneiten Bergketten hatte.

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Was wir in den darauffolgenden Tagen im Yosemite und King’s Canyon Nationalpark erlebt haben, könnt ihr im nächsten und letzten Teil meines Reiseberichts lesen.

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