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    An den Rand der Verzweiflung: Unsere Erfahrungen im Zuge des Antrags auf Pflegegeld

    Rechtlicher Disclaimer: Dieser Text schildert persönliche Erfahrungen. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit. ACHTUNG: Dieser Artikel ist sehr lang und behandelt Themen wie schwere Erkrankungen, Krebs, Suizidgedanken und…

    Rechtlicher Disclaimer: Dieser Text schildert persönliche Erfahrungen. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit.

    ACHTUNG: Dieser Artikel ist sehr lang und behandelt Themen wie schwere Erkrankungen, Krebs, Suizidgedanken und Depression. Ich bin jedem dankbar, der sich die Zeit nimmt, meinen Beitrag zu lesen, verstehe aber auch, wenn die Seite an dieser Stelle wieder geschlossen wird.

     

    Es ist Mittwoch Nachmittag, Daniel und ich haben eben ein Interview mit einer Journalistin, Doreen Brumme, abgeschlossen, das im Zuge der Kampagne „Seltene Erkrankungen“ anlässlich des Rare Disease Day unter anderem als Themenzeitung im Standard erscheinen wird. Gesprochen wurde über Daniels Erkrankung und Leben mit einem Hirntumor, von den ersten Symptomen über die Diagnose bis hin zu seiner jetzigen Lebensqualität.

    Ein Thema waren hier auch unsere Erfahrungen mit dem System an sich, das Menschen mit Erkrankungen jeglicher Art heilen – oder wenn das nicht (mehr) möglich ist – entsprechend unterstützen sollte. Weder im Zuge dieses Interviews noch in diesem Beitrag wird es möglich sein, alle unsere Erlebnisse gesammelt zu beschreiben, so dass man dem Horror der Erkenntnis gerecht wird, plötzlich einem System ausgeliefert zu sein, das in vielen Situationen nicht so agiert, als würde es das Beste für Betroffene im Blick haben. Von mehrmaligen lebensbedrohlichen Fehldiagnosen über Unmengen an falschen oder unterlassenen Informationen von Seiten des Krankenhauses und Behörden bis hin zu Erlebnissen, die im Nachhinein skurril klingen mögen, für mich aber einfach nur schrecklich waren.

    Nach dem Interview greife ich aus Gewohnheit zum Handy und sehe in meinem Feed einen Artikel des Standard über ME/CFS-Betroffene, die eine Anzeige gegen die PVA und deren Gutachterinnen und Gutachter eingebracht haben. Wegen des Vorwurfs der falschen Beweisaussage und des Amtsmissbrauchs. Meine Gedanken wandern sofort zu unseren Erfahrungen mir der PVA, und ich denke mir: Ich wollte schon lange über unsere Erlebnisse berichten. Irgendwo muss man ja anfangen, warum also nicht mit dem gerade aktuellen Thema.

    Wer ist die PVA und warum haben wir mit ihr zu tun?

    Für alle, die noch nie von der PVA gehört haben: Die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) ist Österreichs größter Sozialversicherungsträger für Arbeiter und Angestellte, der rund 3,4 Millionen Versicherte betreut. Ihre Hauptaufgabe ist die finanzielle Absicherung im Alter, bei geminderter Arbeitsfähigkeit sowie für Hinterbliebene. Zudem bietet die PVA Rehabilitationsmaßnahmen, Kuren und Gesundheitsvorsorge an. In ihr Aufgabengebiet fällt auch medizinische Begutachtung, sprich Feststellung von Invalidität, Berufsunfähigkeit oder Pflegebedürftigkeit.

    Wir haben die PVA kontaktiert um Pflegegeld nach Daniels dritter Operation inklusive geplanter Chemotherapie zu beantragen, weil wir nach den ersten beiden Operationen und der nachfolgenden Chemo mit Bestrahlung wussten, wie viel Betreuung notwendig ist. Die zweite Chemotherapie war ambulant geplant, bei ersterer war er fast durchgehend im Krankenhaus und erst gegen Ende der Chemo zu Hause. Auch hier haben wir Pflegegeld bekommen, dieses wurde aber durch das Krankenhaus beantragt und sofort genehmigt.

    Daniel war damals noch mit dem Rollator unterwegs, konnte nur kurze Strecken gehen, wurde von mir gewaschen und auch sonst entsprechend betreut. Diese Zeit war für uns beide psychisch und physisch sehr belastend, für Daniel natürlich noch mehr als für mich. Wir wissen daher beide nicht mehr, welche Stufe Pflegegeld er erhalten hat, nachdem ich aber 24 Stunden am Tag für ihn da war kann ich mit Sicherheit garantieren, dass mein Verdienstausfall als Selbstständige nicht abgedeckt war. Ich habe daran aber ehrlich gesagt keinen Gedanken verschwendet, ich war voll auf Daniel und seine Betreuung konzentriert und hatte einfach keine geistige Kapazität für irgendetwas anderes.

    Wochen und Wochen bis zum Termin

    Der Antrag auf Pflegegeld wurde von uns im März 2025 eingereicht, zusammen mit Unterlagen zu Diagnosen und der verordneten Chemotherapie. Einige Wochen später erhielten wir einen Brief mit einem Terminvorschlag, der sich aber mit einem Operationstermin überschnitten hat und wir deshalb um eine Verschiebung gebeten haben. (Wir haben am Tag davor erfahren, dass die OP nicht durchgeführt werden kann.) Wiederum einige Wochen darauf erhielten wir dann einen weiteren Terminvorschlag, der sich wieder mit einem Krankenhaustermin überschnitten hat, in diesem Fall einem PET-MRT-Termin.

    Nun fingen die Probleme an. Wir wollten nicht nochmals um eine Terminverschiebung bitten um dann erneut einige Wochen auf einen Terminvorschlag zu warten, der sich dann vielleicht wieder mit einem Termin im Krankenhaus überschneidet. In einem Fall wie Daniels ist man oft im Krankenhaus oder bei anderen Ärzten. Deshalb haben wir versucht, den Arzt telefonisch zu kontaktieren, denn eine Art Plattform zur Terminabstimmung oder ähnlichem gibt es leider nicht.

    Terminfindung aus der Hölle

    Die Telefonate mit dem betreffenden Arzt waren für uns alarmierend und deshalb habe ich bei der PVA angerufen und um die Zuteilung eines neuen Arztes gebeten. Die Person am Telefon bat mich, meine Bitte per E-Mail zu senden. Anstatt die stattgefundenen Telefonate nun zu schildern, könnt ihr hier den Originaltext meiner E-Mail lesen. Den Namen des Arztes habe ich entfernt, ich möchte keine Klage von Seiten der PVA oder des Arztes riskieren. „[…]“ bedeutet, dass ich hier etwas weggelassen habe, zum Beispiel den Namen des Arztes aber auch den Namen von Krankenhäusern. Genauso wie die Sozialversicherungsnummer von Daniel. „(sic!)“ bedeutet, dass ich dieses Wort tatsächlich so geschrieben habe. Auch wenn es falsch geschrieben wurde, zum Beispiel ein Tippfehler, führe ich es der Korrektheit halber genau so an, wie es auch von mir geschrieben wurde, aber eben markiert mit einem „(sic!)“:

     

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Wie heute telefonisch besprochen, schreibe ich Ihnen mit der Bitte und Begründung, meinem Lebensgefährten Daniel Essletzbichler (SVNr. […]) einen anderen Arzt als Dr. […] für die Untersuchung betreffend Zuweisung des Pflegegeldes zuzuteilen. Uns wurde zuvor Dr. […] zugeteilt und wir hatten auch jetzt telefonischen Kontakt mit ihm, generell wäre uns aber jeder andere Arzt recht.

    Es ist uns seit mehreren Wochen nicht möglich, einen Termin mit Dr. […] auszumachen und sein Verhalten belastet meinen Lebensgefährten, der sich zur Zeit wieder einer Chemotherapie unterziehen muss, sehr stark. Dr. […] hört sehr schlecht, man muss alles mehrmals wiederholen, auch er selber ist am Telefon kaum zu verstehen und hinterlässt unverständliche Sprachnachrichten. Er ruft zu teils sehr unangenehmen Zeiten an wie Sonntag Abend nach 21 Uhr, wo mein Lebensgefährte schon schläft und das Telefon auf lautlos gestellt ist, und beschwert sich dann, dass nicht abgehoben wird. Er ruft mit unterdrückter Nummer an, was uns unmöglich macht, den Anruf als wichtig zu identfizieren (sic!).

    Wir sind laufend im Krankenhaus oder bei Ärzten, Dr. […] wird auch – sofern es uns möglich ist – über diese Termine informiert, er ruft dann exakt zu diesen Zeiten an, letztens diesen Dienstag, zuerst als wir im […] zu einem Termin bestellt waren, danach als wir auf dem Weg zu einem Termin im Krankenhaus […] waren und fragt ob er jetzt vorbeikommen kann, obwohl wir ihn mehrfach auf diese Termine hingewiesen haben. Terminvorschläge unsererseits ignoriert er immer mit den Worten, er wüsste nicht, wo er zu dieser Zeit sei, und legt danach mit den Worten „Ich melde mich“ auf, ohne dass es uns möglich ist, einen Termin auszumachen. Das geht nun schon seit über einem Monat so. Obwohl er informiert wurde, wenn/dass wir nicht zu Hause sind, reagiert er vorwurfsvoll und zum Teil aggressiv, wenn wir nicht sofort abheben. An frühere Telefongespräche bzw. besprochene Informationen kann er sich üblicherweise nicht erinnern, notiert sich aber auch Besprochenes (offensichtlich) nicht.

    Das alles ist für meinen Lebensgefährten und mich sehr belastend, die laufenden Anrufe, teils drei/vier Mal an manchen Tagen, auch an Sonntagen und Feiertagen / in der Nacht / zu Terminen, bei denen er vorab informiert wurde (zum Teil gibt es auch in Krankenhausern (sic!) in bestimmten Bereichen keinen Empfang und wir sehen erst nach Verlassen des Gebäudes, dass wir wieder angerufen wurden), gemeinsam mit dem Unwillen, sich einen Termin mit uns auszumachen, sondern immer nur zu hören, dass er sich wieder meldet, ist in unserer Situation kaum erträglich.

    Wir haben die nächsten sieben Tage keine Arzttermine und sind daher durchgehend zu Hause und können uns hier gerne mit einem anderen Arzt einen Termin ausmachen, aber ich bitte Sie inständig, uns einen anderen Arzt zuzuweisen, mit dem es möglich ist, einen konkreten Termin auszumachen und der sich auch dessen bewusst ist, dass es meinem Lebensgefährten sehr schlecht geht und ein Anruf oder Besuch nach 21 Uhr nicht möglich ist.

    Bei Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung, vielen Dank für Ihre Unterstützung!

    Mit besten Grüßen,
    Edda Pascher

     

    Wie zu lesen ist, war ich zu dieser Zeit wirklich verzweifelt. Beim Telefongespräch mit der PVA habe ich fast durchgehend nur geweint, weil ich das Gefühl hatte, dass wir all dem – für mich schon als empfundenem Telefonterror – ausgeliefert sind und ich mich komplett hoffnungslos gefühlt habe. Ich bin schon seit langem mit Depressionen und einer generalisierten Angststörung diagnostiziert. Die schon existente Belastung durch die schwere Erkrankung meines Partners in Kombination mit solchen Ereignissen kann schon vorbelastete Menschen in den Suizid treiben. In diesem Fall war mein Partner für mich Grund genug, diesen Gedanken nicht nachzugeben, aber wenn Menschen, die diesen Situationen alleine ausgeliefert sind, aufgrund der Belastung den Freitod wählen, wundert mich das absolut nicht.

    Der PVA Hausbesuch

    Die PVA hat uns aufgrund meiner E-Mail zwar einen neuen Arzt zugeteilt, das wurde aber von dem von uns abgezogenem Arzt ignoriert, obwohl dieser laut PVA darüber schon informiert worden war. Einen Tag nach meiner E-Mail an die PVA rief dieser wieder an, ob wir denn zu Hause seien. Dieses Mal waren wir tatsächlich zu Hause und zu dem Zeitpunkt wollten wir den Termin einfach nur noch hinter uns bringen und haben inständig gehofft, dass dieser besser verlaufen würde als die Telefonate.

    Kurz gesagt: Der Termin war einfach nur entsetzlich. Und eigentlich wird dieses Wort dem Erlebten auch nicht gerecht. Für mich war absolut klar, dass dieser Termin in keiner Weise in die gesundheitliche Beurteilung meines Partners einfließen darf. Hätte mir jemand früher von so einem Erlebnis erzählt, ich hätte gedacht, dass hier stark übertrieben worden wäre und dass unser System nicht derartig versagen kann. Ja, ich war sehr naiv.

    Auch hier kopiere ich der Einfachheit und Transparenz halber wiederum meine E-Mail an die PVA hinein:

     

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Am 8. Mai habe ich Ihnen eine E-Mai (sic!) mit der Bitte um einen Arztwechsel gesendet, weil es uns nicht möglich war, mit Dr. […] einen Termin zu finden und die Kommunikation mit ihm auch sehr unangenehm war. Am 9. Mai wurden wir von Dr. […] trotzdem noch einmal kontaktiert mit der Information, dass er am Nachmittag Zeit hätte. Nachdem wir den Prozess nicht noch weiter verzögern wollten – was ja schon durch den Unwillen von Dr. […], sich einen Termin auszumachen und stattdessen immer nur anzurufen und zu fragen, ob es „jetzt“ geht passiert ist – haben wir dem Besuch zugestimmt.

    Die folgende Beschwerde ist unabhängig von dem daraus resultierenden Bescheid zu sehen und bezieht sich nicht nur auf Dr. […] selber, sondern auf alle Verantwortlichen, die eine Person, die objektiv gesehen nicht mehr arbeitsfähig scheint, für so wichtige Gutachtungsleistungen zu beauftragen.

    Dr. […] kam direkt nach einem Termin im Krankenhaus […] zu uns. Er betrat unsere Wohnung ohne Maske, ohne Handschuhe und ohne Schutz für die Strassenschuhe (sic!)! Und das nach einem Termin in einem Krankenhaus. Mein Partner ist schwer krebskrank und war gerade mitten in einem Chemozyklus (sic!), ich leide an einer Autoiummunerkrankung (sic!) und nehme Immunsuppressiva. Zusätzlich war mein Partner schon eimal (sic!) an MRSA schwer erkrankt. Kein einziges Mal in den letzten Jahren hat irgendjemand – nicht einmal Handwerker – unsere Wohnung ohne Maske und Handschuhe betreten und das immer von selber und unaufgefordert! Zusätzlich wurde die Untersuchung an meinem Partner ohne Handschuhe durchgeführt, obwohl mein Partner von Dr. […] mehrmals mit direktem Hautkontakt berührt wurde! Direkt nach dem Betreten unserer Wohnung hat er sich darüber hinaus noch einmal beschwert, dass wir so selten zu Hause wären. Was daran lag, dass wir oft mehrmals täglich Arzttermine wahrzunehmen hatten und deshalb bei ÄrztInnen oder in Krankenhäusern waren und nicht zu Hause!

    Des weiteren stellte Dr. […] an mich Fragen, sobald ich begann, diese zu beantworten, drehte er sich zu meinem Partner um mit ihm weiterzureden und hörte mir nicht mehr zu. Unterlagen, die ihm von uns vorgelegt wurden, hat er nur zum Teil durchgesehen, obwohl wir ihn mehrfach darauf hingewiesen haben, dass es sich hier um wichtige Informationen und Diagnosen handelt. Stattdessen hat er andere medizinische Unterlagen auf unserem Tisch in die Hand genommen, die absolut nicht relevant für diesen Besuch waren und hat begonnen, diese durchzulesen! Ist ein Arzt bei einem Hausbesuch befugt, Handlungen dieser Art zu setzen? Er hat die erste Diagnose eines Astrozytoms Grad II notiert, hat aber dann nicht mehr reagiert, als wir ihn darauf hingewiesen haben, dass sich im Januar diesen Jahres die Diagnose auf Grad IV geändert hat. Unseres Wissens nach ist die aufgenommene Diagnose in seinem Bericht somit veraltet und damit falsch. Genauso gehen wir davon aus, dass er nicht alle Medikamente notiert hat, die mein Partner einnehmen muss, da er uns immer wieder während der Beantwortung seiner Fragen begonnen hat zu ignorieren. Nachdem er die notierten Informationen zum Ende des Gesprächs nicht noch einmal mit uns durchgegangen ist, sondern auf einmal aufgestanden, sich verabschiedet hat und dann sehr schnell die Wohnung verlassen hat, hatten wir auch keine Möglichkeit, etwaige falsch aufgenommene Informationen zu korrigieren.

    Dafür wurde von Dr. […] eine absolut inakzeptable Ausdrucksweise verwendet, um mit meinem schwerkranken Partner zu sprechen. „Was für einen Hirntumor hat er denn ghabt?“ und „Ein Astrozytom hat er ghabt, gell?“ sind nur zwei Beispiele, wie er mit meinen Partner gesprochen hat. Mein Partner hat das Astrozytom nicht „gehabt“, sondern er hat es immer noch und in einem höheren Grad.

    Sollte das noch nicht ausreichend sein, um die Untauglichkeit von Dr. […] zu untermauern, ist das folgende genug Beleg, dass er nicht mehr in der Lage ist, seinen Beruf entsprechend auszuüben. Mein Partner hat einen angeborenen Ventrikelseptumdefekt, was man auch als absoluter Laie hört, wenn man nur das Ohr an seine Brust legt, da es deutlich anders klingt, als ein normal schlagendes Herz. Jede Ärztin und jeder Arzt, der meinen Partner jemals abgehört hat, hat meinen Partner sofort darauf angesprochen. Dr. […] hat meinen Partner ebenfalls abgehört, auf der Brust und am Rücken und hat genickt, so als ob alles in Ordnung wäre. Entweder konnte er den Herzschlag nicht hören oder ihm ist der absolut auffällige Herzton nicht aufgefallen. Ein Arzt, der nicht einmal Dinge bemerkt, die einem Laien auffallen ist absolut inakzeptabel als Person, die über so wichtige Dinge wie Pflegegeld entscheidet.

    Der gesamte Besuch ist deshalb von unserer Seite aus nichtig, da Dr. […] nicht in der Lage ist, seinen Beruf überhaupt auszuüben, vermutlich eine falsche Diagnose aufgenommen hat, nicht alle Medikamente notiert hat und auch sonst unseren Antworten kaum Aufmerksamkeit geschenkt hat. Darüber hinaus hat er mehrmals insistierend nachgefragt, ob mein Partner noch Auto fährt, wann er das letzte Mal gefahren ist und ob er sich noch in der Lage sieht, Auto zu fahren. Die Frage zum Autofahren wurde uns in mehreren Varianten fast zehn Mal gestellt, obwohl wir ihn jedes Mal darauf hingewiesen haben, dass im Arztbrief zur Entlassung nach der letzten Operation im Januar steht, dass mein Partner mindestens ein Jahr lang nicht Auto fahren soll, worauf wir Dr. […] nach jeder Frage hingewiesen haben. Das Thema des Autofahrens hat einen grossen (sic!) Teil des Besuchs in Anspruch genommen, er wollte meinen Partner quasi dazu überreden zuzugeben, dass er sich dazu fähig fühlt, Auto zu fahren oder jetzt noch Auto fährt. Ist ein Beeinflussungsversuch bei einem Besuch dieser Art normal?

    Ich möchte darauf hinweisen, dass wir uns weitere Schritte vorbehalten, da es aus meiner Sicht ein grober Verstoss (sic!) gegen die Sorgfaltspflicht ist, einerseits als Arzt, der deutlich verwirrt und selber schon berufsunfähig wirkt, den Beruf weiterhin auszuüben, andererseits diesen äusserst (sic!) offensichlichen (sic!) Zustand als Auftraggeber zu ignorieren und ihn weiterhin zu beauftragen. Im schlimmsten Fall nehmen Sie so den Tod der besuchten Patienten durch grobe hygienische Verstösse (sic!) in Kauf.

    Edda Pascher

     

    Wie man der E-Mail ansieht war ich sehr aufgebracht, und auch wenn manches wie eine Übertreibung klingen mag, ist es tatsächlich so vorgefallen. Darüber hinaus habe ich nicht einmal alles erwähnt, das passiert ist, weil die E-Mail so und so schon sehr lang war. Neben dem schon Erwähnten konnte der Arzt sich Daniels Namen nicht merken und hat ihn immer wieder in unterschiedlichen Namensvariationen angesprochen, auch hat er mit mir über Daniel in dritter Person gesprochen, so als ob Daniel nicht anwesend wäre. Der von mir erwähnte direkte Hautkontakt ist übrigens nicht als Händeschütteln oder ähnliches zu verstehen, sondern Daniel wurde von dem Arzt ausgezogen untersucht, das heißt er hat Daniel ohne Handschuhe vom Gesicht über die Brust bis zum Rücken berührt.

    Warum habt ihr nicht gleich etwas gesagt?

    Wenn ich das Geschriebene jetzt lese, ist mein erster Gedanke auch, dass man hier sofort einschreiten müsste. Aber zu dieser Zeit und in diesen Momenten waren wir beide schon im Ausnahmezustand und hatten nicht die Stärke hier etwas entgegenzusetzen. Gleichzeitig hatte ich auch Angst vor einer Ablehnung des Pflegegeldes, wenn wir den gutachtenden Arzt hier irgendwie verärgern. Erst nach dem Besuch ist mir klar geworden, dass das, was hier passiert ist absolut inakzeptabel war.

    Wer meint, ich wäre der Hygiene betreffend übervorsichtig: Nicht nur hat Daniel selber die Umstände als genauso gesundheitsbedrohlich empfunden, sondern er war wie in der E-Mail erwähnt schon einmal an MRSA erkrankt, was in seiner Situation oft zum Tod führt. Auch meine Mutter war vor einigen Jahren an MRSA erkrankt und uns wurde damals gesagt, dass sie die Nacht nicht überleben wird, weil der Keim für ältere Personen oft tödlich ist. (Sie hat überlebt, aber laut Ärzten sehr unerwartet.) Und last, but not least sind meine Eltern in der selben Woche an Corona verstorben, weil vermutlich jemand die Hygienevorschriften nicht so genau genommen hatte. (Meine Mutter konnte die Wohnung nicht verlassen und mein Vater war nur ganz selten außer Haus, es gab eine 24-Stunden-Pflege für meine Mutter. Die Impfung existierte zum Zeitpunkt ihrer Covid-Erkrankung noch nicht, ich selber hatte aber schon Antikörper, weil ich 2020 einer der ersten Corona-Erkrankten in Österreich war – unwissentlich.) Ausreichend Erfahrung mit den tödlichen Konsequenzen von Viren und Bakterien also, um hier sehr vorsichtig zu sein.

    Antwortschreiben der PVA und neuer Termin

    Die Antwort der PVA kam Wochen später per Post und las sich wie eine Standardantwort. Ich möchte aus rechtlichen Gründen hier nicht die gesamte Antwort abbilden, sondern nur zitieren: „Wir […] ersuchen […] um Verständnis, dass eine vollständige Aufklärung – mangels eigener Wahrnehmung – nicht immer möglich ist […].“ Für mich liest sich das als „ihr habt keine Beweise, also könnt ihr uns nichts“. Mangels juristischem Wissen kann ich das zwar nicht empfehlen, aber im Nachhinein habe ich mir sehr gewünscht, ich hätte diese (und andere) Gespräche aufgezeichnet.

    Eines tat sich aber trotzdem, uns wurde eine neue Ärztin zugeteilt. Auch dieser Besuch war suboptimal, aber nach dem Erlebten waren wir froh, dass der Termin zumindest im Vergleich zum vorigen besser lief. Aber auch diese Ärztin betrat unsere Wohnung ohne irgendeinen Schuh-Schutz und ihre erste Bemerkung mir gegenüber, als ich die Türe öffnete war: „Darf ich Ihnen die Hand geben oder lieber nicht?“ Das aber in einem sehr sarkastischen Ton, sodass gleich klar war, dass sie die von mir verfasste Beschwerde gelesen hatte. Handschuhe hatte sie übrigens auch keine an, weder beim Handgeben, noch während Daniels Untersuchung.

    Und nein, auch hier haben wir nichts gesagt, einerseits weil wir froh waren, dass es zumindest eine neu zugeteilte Ärztin gab, andererseits weil ich auch hier die Ärztin nicht verärgern wollte. Ihr Ton änderte sich interessanterweise im Zuge des Lesens der Diagnosen. Irgendwann sah sie dann sogar betroffen aus und beim Gehen, als ich sie an der Türe verabschiedete, sagte sie zu mir: „Ich wünsche Ihnen viel Kraft, Sie können es brauchen!“

    Das Sahnehäubchen der Geschichte soll an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben. Ich hatte Kontakt mit einer Person, die den betreffenden Arzt kennt und auch in der PVA arbeitet. Diese Person hat mir im Vertrauen erzählt – rechtlicher Disclaimer: ich behaupte hier nicht, dass das mir Erzählte stimmt, sondern ich gebe nur wieder, was mir erzählt wurde -, dass der Arzt intern als dement bezeichnet wird, er aber trotzdem weiterhin als Sachverständiger zu Terminen geschickt wird. Liebe Person, bitte entschuldige, dass ich diese Information an die Öffentlichkeit bringe – diese Zustände müssen aber bekannt werden. Ich hoffe, du verstehst!

    Was machen solche Erlebnisse mit einem?

    Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass diese und ähnliche Erlebnisse für mich traumatisierend waren. Ich hatte sehr lange regelrechte Panik davor, irgendwelche Institutionen zu kontaktieren. Zusätzlich gab es noch viele weitere Vorfälle dieser Art, allerdings nicht mehr mit der PVA. Warum ich bis jetzt nichts unternommen habe ist einfach: Ich hatte keine Kraft und Energie dazu, im Gegenteil habe ich mich nur von Tag zu Tag gehangelt.

    Mir geht es besser, allerdings nicht, weil sich die Umstände gebessert haben, sondern weil mein neuer Psychiater den Ernst der Lage erkannt hat und mir zu meinen bestehenden Psychopharmaka noch ein weiteres verschrieben hat, das mir tatsächlich sehr hilft, den Alltag zu bewältigen. Ich habe zwar immer noch reichlich Symptome, zum Beispiel Brainfog, Wortfindungsstörungen und weiteres, aber ich kann das erste Mal seit langem wieder ohne ständige Panik auch mit etwas Zuversicht an die nähere Zukunft denken.

    Natürlich wäre Daniels Sicht auf die Dinge an dieser Stelle interessant. Ich weiß aus unseren Gesprächen aber, dass er alles ähnlich empfunden hat, und möchte ihn nicht um eine Stellungnahme bitten, weil das Interview heute schon anstrengend genug für ihn war und ich ihn auch beim Schreiben dieses Artikels einiges fragen musste. Nachdem er mittlerweile wieder in Chemotherapie ist, reicht das für heute.

    Was kann ich hier tun?

    Was kann man als Betroffene:r tun, wenn direkte Beschwerden im Sand verlaufen? Zum Anwalt? Mit welchem Geld, welcher Energie, welchem Ergebnis? An die Medien gehen? Aber an wen und wie wird dies dann dargestellt? Das Comeback von The bird’s new nest ist nicht nur meiner Leidenschaft fürs Schreiben geschuldet, sondern erlaubt mir, unsere Erlebnisse im Zuge von Daniels Erkrankung und weitere Themen an die Öffentlichkeit zu bringen.

    Auch wenn unsere Reichweite nicht mehr die jährlichen 250.000 Leser:Innen sind, die es vor der Pause waren, erreicht dieser Artikel hoffentlich Menschen in ähnlichen Situationen, die sich  durch meine Schilderungen vielleicht etwas weniger allein(gelassen) fühlen. Ich wünschte mir, ich könnte euch in den schon so schwierigen Situationen in denen ihr euch befindet, zumindest diese Erlebnisse ersparen. Ich weiß, wie schlecht es vielen von euch geht und es tut mir von Herzen leid.

     

    Unserem Antrag auf Gewährung des Pflegegeldes wurde übrigens stattgegeben. Pflegestufe 1. Das sind ab diesem Jahr 206,20 Euro monatlich für einen Pflegebedarf von mehr als 65 Stunden pro Monat. Theoretisch ein maximaler Stundensatz für die Pflege meines Partners von 3,17 Euro. Praktisch verbrauchen Benzin, Nahrungsergänzungsmittel, Kostenanteile für Physiotherapie und ähnliche Ausgaben schon deutlich mehr als 200 Euro im Monat. Dabei haben wir noch Glück gehabt, unser Antrag hätte auch abgelehnt werden können. Eine exakte, öffentliche Statistik darüber, wie vielen Menschen in Österreich das Pflegegeld nach einem Antrag verwehrt wird gibt es nicht.

    6 Kommentare zu An den Rand der Verzweiflung: Unsere Erfahrungen im Zuge des Antrags auf Pflegegeld

    Gewinnt 25 „Grundeinkommen“ im Wert von jeweils über 43.000 Euro!

    Steigende Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Unsicherheit, Automatisierung und der rasante Fortschritt von künstlicher Intelligenz verändern unsere Arbeitswelt spürbar. Immer mehr Menschen fragen sich, wie finanzielle Sicherheit in Zukunft aussehen kann – und…

    Steigende Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Unsicherheit, Automatisierung und der rasante Fortschritt von künstlicher Intelligenz verändern unsere Arbeitswelt spürbar. Immer mehr Menschen fragen sich, wie finanzielle Sicherheit in Zukunft aussehen kann – und genau deshalb rückt das Bedingungslose Grundeinkommen mehr und mehr in den Fokus öffentlicher Debatten.

    Doch was bedeutet ein Bedingungsloses Grundeinkommen eigentlich?

    Ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist ein gesellschaftliches und politisches Konzept, bei dem alle Menschen regelmäßig eine finanzielle Zahlung vom Staat erhalten – ohne Bedürftigkeitsprüfung, ohne Gegenleistung und unabhängig von ihrer Erwerbstätigkeit. Ziel ist es, allen ein würdevolles Leben zu ermöglichen und Existenzängste zu reduzieren.

    Besonders für Menschen, deren Lebensrealität nicht in klassische Vollzeiterwerbsmodelle passt – etwa Alleinerziehende, pflegende Angehörige, chronisch Erkrankte oder Selbstständige -, kann ein Grundeinkommen eine enorme Entlastung darstellen. Es schafft Freiräume, wo bisher oft permanenter Druck herrscht. Viele dieser Menschen leben knapp am oder sogar unter dem Existenzminimum. Dieses liegt in Deutschland bei 1.032 Euro pro Monat.

    Grundeinkommen gewinnen – über 43.000 Euro pro Person!

    Die Initiative Mein Grundeinkommen setzt dieses Konzept praktisch um. Über Crowdfunding werden reale Grundeinkommen finanziert und per Los vergeben. Am 18. Februar 2026 ist es wieder soweit: 25 Grundeinkommen werden verlost – und zwar im Doppelpack! Das heißt, man nimmt nicht nur alleine an der Verlosung teil, sondern kann sich auch im Team in den Lostopf begeben. Wenn ein Team gewinnt, erhalten beide ein Grundeinkommen. Im Fall des realistischen Grundeinkommens gibt es jeweils bis zu über 43.000 Euro pro Person, genauer gesagt drei Jahre lang bis zu 1.200 Euro im Monat.

    Was würde ein Grundeinkommen verändern?

    Ein Grundeinkommen bedeutet nicht „nichts mehr tun“, sondern vor allem: weniger Existenzangst. Mehr Freiheit bei Entscheidungen. Mehr Raum für Care-Arbeit, kreative Projekte, Weiterbildung oder schlicht Erholung. Für mich persönlich würde es als Selbstständige vor allem eines bedeuten: weniger finanziellen Druck. Und damit mehr Energie für die Dinge, die wirklich zählen – Arbeit mit Sinn, Verantwortung füreinander und Zeit für Menschen in meinem Leben, die Unterstützung brauchen.

    Und du?

    Was würdest du mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen machen? Weniger arbeiten, um gesünder zu leben? Etwas Neues lernen? Ein Risiko eingehen, das sonst unmöglich wäre? Oder einfach ruhiger schlafen?

    Mit diesem Link kannst du gemeinsam mit mir an der nächsten Verlosung teilnehmen und so unsere Chancen auf einen Gewinn erhöhen. Ich drücke uns die Daumen!

     

    Teilnahmebedingungen findest du direkt bei Mein Grundeinkommen.

    256 Kommentare zu Gewinnt 25 „Grundeinkommen“ im Wert von jeweils über 43.000 Euro!

    Give-Aways bei The bird’s new nest: Wie es mit unseren Gewinnspielen weitergeht

    Unsere wöchentlichen Give-Aways waren quasi von Anfang an ein fixer Bestandteil von The bird’s new nest. Für die verlosten Gewinne galten dabei dieselben strengen Richtlinien wie für alle Inhalte im…

    Unsere wöchentlichen Give-Aways waren quasi von Anfang an ein fixer Bestandteil von The bird’s new nest. Für die verlosten Gewinne galten dabei dieselben strengen Richtlinien wie für alle Inhalte im Vogelnest: nachhaltig auf allen Ebenen – aus kontrolliert biologischem Anbau, vegan, ohne Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs, keine Großkonzerne, (zertifizierte) Naturkosmetik und Fair Trade, soweit es möglich ist.

    Einerseits, weil das meinen eigenen Prinzipien entspricht, wenn es um Kauf- oder andere Entscheidungen geht. Andererseits, um zu zeigen, dass nachhaltiger Konsum nicht bedeutet, dass dann „nichts mehr übrig bleibt“, sondern dass es eine riesige Auswahl an verantwortungsvollen Alternativen gibt. Oder anders gesagt: Ein nachhaltiges Leben bedeutet nicht Verzicht, sondern eine ganz neue Welt an Möglichkeiten.

    Mit der Pause von The bird’s new nest haben auch unsere Give-Aways eine Auszeit eingelegt. Nachdem das Comeback des Vogelnests eine relativ spontane Entscheidung war, hatte ich dementsprechend noch keine konkreten Pläne, wie es mit unseren Gewinnspielen weitergehen soll. Auch wenn es nicht so aussehen mag, erfordern Give-Aways einiges an organisatorischem und technischem Aufwand – abgesehen davon, dass sie vom Vogelnest selbst finanziert werden, was natürlich entsprechende Kosten verursacht.

    Die Zukunft der Give-Aways

    Für The bird’s new nest schreiben zu können, hat mir in den letzten Jahren sehr gefehlt. Nach dem Comeback habe ich mich aber auch daran erinnert, wie viel Freude mir Give-Aways immer bereitet haben – von der Auswahl der Produkte über die Umsetzung des Gewinnspiels bis zur Verlosung selbst, nicht zu vergessen das Benachrichtigen der Gewinner:innen. Ich habe tatsächlich große Lust, wieder Give-Aways zu veranstalten, und mir in den letzten Tagen viele Gedanken darüber gemacht, wie sich das gut umsetzen lässt, ohne mich dabei zu übernehmen. Die Motivation ist da, ich stehe gefühlt schon in den Startlöchern – also habe ich eine Entscheidung getroffen, die sich für mich realistisch und machbar anfühlt.

    Zukünftig wird es Give-Aways zwei Mal im Monat geben, jeweils am ersten und am 15. Tag. Das ist auch der perfekte Anlass, den Newsletter wieder zu aktivieren, den ich ab sofort ebenfalls zwei Mal monatlich verschicken möchte. Wenn ihr keines der kommenden Give-Aways verpassen wollt, ist die Anmeldung zum The bird’s new nest Newsletter die sicherste und einfachste Variante. Los geht es also wieder am 15. Januar 2026, was es zu gewinnen geben wird, wird natürlich noch nicht verraten.

    Ich freue mich und bin schon gespannt,…

    …ich hoffe, ihr auch! Die Give-Aways unterstützen könnt ihr übrigens am besten, wenn ihr allen, die an Nachhaltigkeit und nachhaltigen Gewinnen interessiert sein könnten, Bescheid gebt, dass The bird’s new nest wieder mit Gewinnspielen startet – zum Beispiel durch das Weiterleiten des Links zu diesem Beitrag. Der The bird’s new nest Adventskalender fällt übrigens nicht in den Bereich Give-Aways, sondern ist ein eigenständiges Projekt. Je nachdem, wie sich das Interesse an den jetzigen Give-Aways entwickelt, werde ich mich dann auch mit der Zukunft unseres Adventskalenders befassen, das ist aber ein Thema für ein anderes Mal.

    Für ein Sponsoring von Gewinnen für unsere Give-Aways meldet euch gerne per Mail unter nest@thebirdsnewnest.com bei mir!

    42 Kommentare zu Give-Aways bei The bird’s new nest: Wie es mit unseren Gewinnspielen weitergeht

    Jetzt aber wirklich: The bird’s new nest kommt zurück!

    Nach zehn Jahren The bird’s new nest habe ich Anfang 2023 für das Online-Magazin eine Pause angekündigt, ohne zu wissen, wie lang diese dauern würde. Aber die Pause war unvermeidlich,…

    Nach zehn Jahren The bird’s new nest habe ich Anfang 2023 für das Online-Magazin eine Pause angekündigt, ohne zu wissen, wie lang diese dauern würde. Aber die Pause war unvermeidlich, ich war durch alles, was in den Jahren davor passiert ist einfach nur ausgebrannt, ohne Energie und überfordert mit allem, was mir das Leben abverlangt hat. Trotzdem habe ich The bird’s new nest laufend vermisst und habe deshalb ein gutes Jahr später ein Comeback geplant.

    Hello, Goodbye!

    Offensichtlich ist dieses vor fast zwei Jahren angekündigte Comeback nie passiert. Und ich muss gestehen, dass ich gar nicht genau sagen kann, was damals passiert – oder eher nicht passiert ist -, sodass letzten Endes das Comeback nie stattgefunden hat. Mir ist erst jetzt klar geworden, dass der Neustart von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Denn mein Plan war, „einfach so weiterzumachen wie bisher“, ohne zu realisieren, dass ich nicht mehr die Kapazitäten hatte, um nahtlos an die Pause anzuknüpfen. Zeitlich nicht, denn mein Einsatz in unserem veganen Bio-Laden war zu einem Vollzeit-Job geworden, ich war durch meine Autoimmunerkrankung bei weitem nicht mehr so fit wie früher und trotz aller Motivation war ich einfach noch immer zu erschöpft und überlastet. Aber weniger Einsatz zu zeigen und da oder dort etwas zurückzuschrauben war für mich auch nicht vorstellbar. Und nach dem Motto „Ganz oder gar nicht“ wurde es dann leider auch „gar nicht“.

    Zusätzlich kamen aber noch weitere gedankliche Hürden hinzu. Das Thema KI kam ins Rollen und plötzlich hieß der Autor jedes zweiten Artikels LLM. Warum sich noch die Mühe machen, viele Stunden an einem Artikel zu schreiben oder sogar wochenlang zu recherchieren, wenn andere Medien innerhalb von Sekunden einen Text erstellen lassen und diesen noch nicht einmal Korrektur lesen? Warum zurück auf Social Media, wenn die Nutzerzahlen nicht nur teils rückläufig sind, sondern der Umgangston der noch dort Aktiven oft einfach nur inakzeptabel ist? Wie ist es überhaupt noch möglich, die Leserschaft zu erweitern, wenn Googles KI die Antworten auf Fragen schon direkt liefert und dadurch kaum jemand mehr auf Links zu Websites klickt? Und zu guter Letzt: Liest überhaupt noch jemand irgendetwas im Internet, das länger ist als nur ein paar Worte? Wie kann man unter diesen Umständen überhaupt auf die Idee kommen, hier erneut Zeit, Energie und nicht zuletzt Geld zu investieren?

    Was hat sich geändert?

    Geändert hat sich so einiges, leider nicht alles zum Guten. Die relevanteste Änderung im Hinblick auf das Comeback ist aber, dass wir uns dazu entschlossen haben, unser Ladengeschäft mit Mitte diesen Jahres nicht weiterzuführen. Ich bereue den Einstieg ins Friendly absolut nicht, aber ich habe nach den sechseinhalb Jahren als Geschäftsführerin im Lebensmittel-Einzelhandel ein komplett anderes Bild von diesem Business als zuvor. Wie sehr so eine Art der Selbstständigkeit (mit einem Ladengeschäft) belasten kann, merke ich erst jetzt, fast ein halbes Jahr nach dem letzten Verkaufstag. Mit dem entsprechenden Abstand wächst nun auch wieder der Wunsch, meine Kreativität und die Liebe fürs Schreiben in einem neuen (oder nicht ganz so neuen) Projekt ein- und umsetzen zu können.

    Und da haben wir auch schon den Zirkelschluss zu all meinen vorigen Bedenken. Denn auch wenn das Internet mittlerweile voller AI Slop ist, Falschinformationen auf Social Media nicht nur gerne geteilt, sondern dann auch mit Dunning-Krugerscher Vehemenz verteidigt werden; wenn es immer schwerer wird, KI-generierte Texte und Bilder von durch Menschen verfasste zu unterscheiden und der von lebendiger Intelligenz produzierte Content leider auch kein Garant für irgendeine Form von Qualität ist (oder noch viel schlimmer, es den Konsumierenden egal ist, ob das, was sie konsumieren echt oder gefaked ist), sind wir dann nicht gerade jetzt dazu verpflichtet, dieser Entwicklung entgegenzuwirken?

    Denn zumindest habe ich etwas, das sonst niemand hat: Meine eigenen Erfahrungen, Emotionen, Meinungen und die nicht enden wollende Motivation mich in einer Gesellschaft, die immer mehr in Schieflage gerät für all jene einzusetzen, die keine Stimme haben. Gegen Missstände anzugehen und diese aufzuzeigen, auch wenn sie nur einen kleinen Teil der Lesenden interessiert. Und in den letzten Jahren habe ich sowohl privat als auch beruflich Dinge erlebt, die an die Öffentlichkeit gehören. Immer und immer wieder, bis sich irgendwann genug Menschen für eine Änderung einsetzen. Und das müssen gar nicht viele sein – vereinfacht gesagt reichen 3,5 Prozent der Bevölkerung.

    Comeback, Schritt für Schritt

    Ich habe mir eben im vorigen Absatz bewiesen, dass die Leidenschaft definitiv noch vorhanden ist, aber auch, dass ich mich selber im Zaum halten muss, um nicht wieder in alte Muster zu rutschen. Der perfekte Zeitpunkt also, um in diesem Artikel darauf hinzuweisen, dass das Comeback von mir anders geplant werden muss, um tatsächlich nachhaltig zu sein. Deshalb kommt das Vogelnest Schritt für Schritt zurück, nicht nur um mich nicht zu überlasten, sondern auch um mich an das neue Umfeld anpassen zu können. Die Reichweite unserer Social Media-Kanäle ist quasi auf Null, unsere Redaktion ist inaktiv, die Website mittlerweile vermutlich das Grauen jedes SEO-Experten. Ein Comeback dieser Art ist zwar kein Neuanfang, aber ähnlich zeitintensiv.

    Der erste Schritt des Comeback ist die Wiederbelebung unserer Social Media-Kanäle. Ziel wäre, täglich mehrere Social Media-Beiträge online zu stellen, wobei ich auch hier nicht sofort voll durchstarten möchte, sondern mir Zeit für den Inhalt und eine umfassende Planung nehmen möchte. Parallel dazu will ich die Website auf den neuesten Stand bringen und Administratives erledigen, das natürlich auch bearbeitet werden will. Artikel rund um alle Themen mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit direkt auf der Website wird es genauso wie Give-Aways und den Newsletter wieder geben, allerdings fürs Erste nicht oft und nicht regelmäßig. Wenig überraschend wird es dieses Jahr auch keinen Adventskalender geben, für 2026 möchte ich ihn allerdings nicht absagen, sondern mir ansehen, wie sich das erste Halbjahr entwickelt und entsprechend die nächsten Schritte setzen.

    Mein neues Leben, meine neuen Themen

    Die Schließung unseres Bio-Ladens war ein wesentlicher Einschnitt, der den Weg für vieles andere freigeräumt hat. Meine absolute Priorität hat nach wie vor mein Lebenspartner Daniel, der nach einem schweren Rückfall bei seiner Krebserkrankung mit einem Behindertengrad von 70 Prozent lebt und offiziell als berufsunfähig gilt. Aus diesem und einigen anderen Gründen haben wir uns entschlossen in ein anderes Bundesland umzuziehen, um unseren Traum von einem autarken Leben zumindest zum Teil soweit umzusetzen, wie es für uns unter diesen Umständen möglich ist.  Neben meiner Autoimmunerkrankung hatte ich schon mit 40 Jahren die Freude einer verfrühten Menopause und neben der Diagnose Depression und generalisierte Angststörung stehen nun auch die Optionen CPTDS und ADHS im Raum.

    Über lange Zeit war ich ziemlich verzweifelt aufgrund der Umstände – neben Daniels schwieriger Diagnose hat mich parallel dazu der verfrühte Wechsel in Kombination mit den anderen psychischen Herausforderungen halb um den Verstand gebracht. Diverse Erlebnisse mit der Gemeindepolitik, unserem Gesundheitssystem, der Sozialversicherung und dem Pensionssystem haben mich vor allem letztes Jahr ohne Übertreibung praktisch an den Rand des Wahnsinns gebracht. Nachdem ich nun die Möglichkeit hatte, etwas Zeit vergehen zu lassen und darüber zu reflektieren, habe ich mich dazu entschlossen, diese Erlebnisse und Erfahrungen als Themen mit auf The bird’s new nest aufzunehmen. Einerseits ist das Schreiben für mich eine Art Therapie, andererseits kann ich vielleicht so eine positive Veränderung unterstützen, wenn nicht für mich, dann vielleicht für andere.

    Das Thema Nachhaltigkeit ist weiterhin mein Kernthema und ich lebe auch nach wie vor vegan, mittlerweile seit über zwölf Jahren. Die vielen neue Themen werden zusätzlich zu jenen, die wir bislang schon behandelt haben unsere Themenvielfalt erweitern. So sollten sich noch mehr Menschen hier in Themen wiederfinden, denn auch wenn wir es oft nicht wahrhaben wollen, die meisten Themen betreffen uns in der einen oder anderen Art. Kein Mensch ist eine Insel. Und somit kann auch jeder Mensch etwas bewegen, sowohl als einzelner, als auch als Teil der 3,5 Prozent.

    Es geht los! Was wollt ihr?

    Folgt uns auf unserer Facebook-Seite und unserem Instagram-Kanal, wo ihr ab sofort neue Beiträge und natürlich Links zu neuen Artikeln und Give-Aways findet. Mir ist bewusst, dass beide Plattformen problematisch sind, aber im Moment sehe ich keine bessere Option – ihr könnt hier aber gerne ein Kommentar hinterlassen, ob ihr auf Social Media noch aktiv seid und wenn ja, wo.

    Auch wenn ich jede Menge neuer Themen und Ideen mitbringe, interessiert mich, was euch zur Zeit beschäftigt und zu welchen Themen ihr hier oder auf Social Media etwas lesen wollt. Wenn ihr irgendwelche anderen Wünsche an uns habt, könnt ihr das auch unter dem Artikel als Feedback hinterlassen – ich freue mich über alle Kommentare und lese natürlich jedes einzelne!

    Dieser Artikel ist wieder deutlich länger geworden als gedacht und das, obwohl ich versucht habe, mich kurz zu fassen. Zu Schreiben ist – das habe ich jetzt wieder erlebt – nicht nur eine essentielle Ausdrucksweise, sondern die Möglichkeit mit anderen Menschen in Verbindung zu treten. Weit über das bloße Teilen von Informationen hinaus möchte ich so einen Beitrag zu einer Gemeinschaft leisten, die trotz allen Widrigkeiten positiv in die Zukunft blicken kann und sich auch soweit als möglich aktiv für eine bessere Zukunft einsetzen will.

    Jetzt aber wirklich: Auf in die Zukunft!

     

    34 Kommentare zu Jetzt aber wirklich: The bird’s new nest kommt zurück!

    Frauengesundheit – mehr Wohlbefinden im Zyklus

    Irgendwann kam in mir der Wunsch auf, einen Artikel für The bird’s new nest zum Thema Frauengesundheit zu schreiben. Da ich selbst „nur“ auf Erfahrungswissen zurückgreifen kann, habe ich natürlich…

    Irgendwann kam in mir der Wunsch auf, einen Artikel für The bird’s new nest zum Thema Frauengesundheit zu schreiben. Da ich selbst „nur“ auf Erfahrungswissen zurückgreifen kann, habe ich natürlich zuerst passende Bücher zum Thema recherchiert. Da aber dies zum einen kein Thema ist, an dem ich völlig unbeteiligt bin und zum anderen viele Überlegungen ins Land gegangen sind, wie ich diesem Thema in einem einzigen Artikel gerecht werden soll, war es für mich schwierig, den Artikel fertigzustellen. Ich habe mich nun dazu entschieden, euch alle von mir gelesenen Bücher in einem Artikel vorzustellen, zusammen mit ein paar allgemeinen Gedanken, welche Quellen und Ressourcen zum Thema Frauengesundheit und insbesondere Wohlbefinden im Zyklus, hilfreich sein könnten.

    Disclaimer: Die folgenden Inhalte sind wie immer keine ärztlichen Empfehlungen und jeder Körper ist unterschiedlich. Daher nehmt gerne für euch mit, was passend ist, haltet aber immer mit Fachpersonen Rücksprache. Zudem möchte ich hier keine Definition voranstellen, was/wer alles als Frau verstanden wird, darum soll es heute bei dem Thema nicht gehen. Jeden den es betrifft, möge diesen Artikel für sich nutzen.

    Jetzt aber auf ins Thema!

    Stichworte, um die es hier im Zusammenhang mit Frauengesundheit gehen soll: Wohlbefinden und Zyklus, PCOS, Hormone, PMS, Endometriose (oder auch Adenomyose), zyklusbasierte Ernährung, Selfhelp und weiteres. Wenn man Beschwerden im Zusammenhang mit dem Zyklus hat oder auch allgemein mehr in Verbindung mit dem Zyklus leben möchte, dann hilft die übliche Beratung in gynäkologischen Praxen meist nicht weiter. Das zeigt auch die Fülle an Coaches, Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen, die zum Beispiel auf Social Media Rat und Informationen anbieten. Generell kann dieses Wissen hilfreich, aber auch verwirrend oder irreführend sein. Gerade bei selbsternannten Expert*innen sollte man immer genau hinsehen, woher ihr Wissen stammt. Das gilt natürlich auch für Bücher, bei denen es inzwischen auch eine gute Auswahl zu den Themen Zyklus, Periode oder auch Endometriose gibt.

    Zyklusbasierte Ernährung

    Wer Probleme mit seinem Zyklus hat, also beispielsweise körperliche Beschwerden wie PMS, Akne oder Stimmungsschwankungen, kann sich mit dem Thema zyklusbasierte Ernährung auseinandersetzen. In dem Buch Zyklus im Glück von Jessica Roch (Zykluscoach) geht es genau darum. Das kompakte Buch geht auf weibliche Hormone und ihren Zusammenhang im Zyklus ein, dreht sich aber vor allem darum, wie man mit Ernährung den Körper unterstützen kann, wenn Hormonungleichgewichte herrschen. Sie geht in einem Teil des Buches aber auch auf einen Lebensstil (Bewegung, Produktivität, Pausen…) ein, der die Hormonbalance fördert und damit PMS, Regelschmerzen oder andere hormonell bedingte (!) Beschwerden lindern kann. Der letzte Teil des Buchs umfasst Rezepte für eine (hormon-)zyklusbasierte Ernährung.

    Die Autorin nutzt das Vier-Jahreszeiten-Modell des Zyklus und beschreibt, dass in jenen unterschiedliche Hormone am Werk sind und der Körper dadurch jeweils unterschiedliche Bedürfnisse hat. Sie empfiehlt, den Zyklus zu tracken (zum Beispiel durch Temperaturmessung), um immer zu wissen, in welcher Phase man gerade ist. So kann man die Rezepte aus dem Buch – gekennzeichnet nach Zyklusphase – dann passend zur Follikel- oder Eisprungphase ausprobieren. Ich kannte vor dem Buch bereits ihre Zyklustracker-App „Bodysynchron“, die mich wegen der tollen Rezepte, die je nach Zyklusphase angezeigt werden, begeistert hat. Zum „Zyklus im Glück“-Buch gibt es zudem noch ein extra Rezeptbuch.

    Insgesamt ist das Buch ein toller Einstieg in das Thema Hormone und zyklusbasierte Ernährung. Welches Hormonungleichgewicht, also zum Beispiel Östrogenmangel, bei einem selbst vorliegt, ist aber schwierig zu entscheiden. Daher sollte man bei den im Buch genannten Heilkräutern und Adaptogenen auch die Wirkweise recherchieren. Zudem sind im Buch leider keine wissenschaftlichen Quellen genannt. Toll ist aber, dass alle Rezepte soweit ich sehen konnte, vegan sind.

     

    Zyklusbasierte Ernährung, die zweite

    Kurz möchte ich euch noch ein weiteres, sehr ästhetisches Buch zum selben Thema vorstellen: Eat like a Woman. In diesem sinnlich gestalteten Werk geht es ebenfalls um zyklus-unterstützende Ernährung, hier Feminine Food genannt. Der Zyklus wird hier in zwei Phasen geteilt, eine Zeit des Aufblühens und eine Zeit des Loslassens. Der große Rezeptteil des Buches ist ebenfalls in diese zwei Zeiten eingeteilt, begleitet von Yoga- und Atemübungen und Tipps zu Achtsamkeit oder Heilkräutern. Das Buch ist einfach eine Augenweide und die Rezepte sehen unglaublich lecker aus. Empfehlen kann ich hier unter anderem das Rezept für Hirseporridge mit Grapefruit und Nüssen. Eat like a Woman wurde in Begleitung einer Frauenärztin erstellt und nimmt den Zyklus auch aus einer ganzheitlichen Perspektive wahr.

     

    Endometriose

    Medizinischer wird es im Standardwerk zum Thema Endometriose – die unterschätzte Krankheit von Prof. Dr. Sylvia Mechsner, die zu Zeit besonders zum Thema Endometriose forscht.

    Frau Prof. Mechsner ist vielen, die vom Thema Endometriose hören, ein Begriff. Sie beschreibt in diesem Buch verständlich und recht umfassend, warum Endometriose oft erst so spät entdeckt wird, dass es eine hormonabhängige Krankheit ist und warum eine OP nicht immer die ultimative Lösung ist.

    Das Buch bleibt aber nicht nur bei den medizinischen Fakten, sondern beschreibt auch einige typische Befunde und auch Therapiemethoden zur Unterstützung bei den Beschwerden. Es bietet unter anderem einen Überblick über Klassifikationen zur Diagnose, Hormontherapie aber auch Informationen zur Schmerzwahrnehmung.

    Das Buch hilft sicherlich bei einigen Entscheidungen und ergänzt das eigene Erfahrungswissen durch medizinische Fakten. Dabei beschönigt die Autorin nichts, bleibt aber immer auf der Seite der Patientinnen. Eine große Buchempfehlung, da es viele wichtige Themen umfasst und das „Chamäleon“ Endometriose in seiner Vielfältigkeit gut darstellt. Ich würde es als Nachschlagewerk und verlässlichen Begleiter bei der Erkrankung empfehlen.

    Besonders toll sind die Ressourcen am Ende des Buches, wo weiterführende Adressen, Literatur, Tools und auch Quellenangaben aufgeführt sind.

    Alternative Ansätze

    Etwas weniger medizinisch, dafür aber ganzheitlich-alternativ wird es mit zwei Büchern, die ich hier noch am Rande erwähnen möchte. Das eine, The Wild Genie: The Healing Power of Menstruation von Alexandra Pope (Psychotherapeutin), ist ein zur Zeit noch nicht auf Deutsch verfügbarer Selfcare-Guide, der verschiedene Berichte von Betroffenen vorstellt, die auf irgendeine Weise mit ihrem Zyklus oder ihrer Menstruation Probleme hatten. Das Buch geht aus einer spirituellen Perspektive an das Thema heran und zeigt verschiedene Qualitäten auf, die wir in unserem Zyklus erleben könnten, zum Beispiel einen stärkeren Hang für Verträumtheit oder auch fürs Loslassen. Die Autorin sagt, dass beispielsweise die körperlichen Symptome eine Sprache sind, auf die wir hören können, um uns mehr Wohlbefinden zu verschaffen. Sie geht von einer kraftvollen Seite der Menstruation aus, die uns in unserem Alltag leiten kann und davon, dass der Zyklus uns helfen kann, uns selbst zu verstehen und kennenzulernen. Auch sie spricht von Stressmanagement und passender Ernährung.

    In Die Kraft deines Zyklus von Nora Konrad (Heilpraktikerin für Psychotherapie) begegnet uns das Vier-Jahreszeiten-Modell wieder. Es geht auf die Themen hormonelle Verhütung, Zyklusgesundheit (stressbedingte Beschwerden, unregelmäßiger Zyklus, PMS…) aber auch auf Frauen- (und Männer-) Bild und damit die Sicht auf sich selbst im Spiegel der Erwartungen von außen ein. Auch hier wird von einer dynamischen Art des Zyklus ausgegangen, welche es wert ist, genauer zu beobachten, um angepasst an die Jahreszeiten-Phasen mehr Wohlbefinden zu erreichen. Auch hier sind Ernährung, alternative Unterstützungsmethoden bei Beschwerden wie Naturheilkunde, Yoga oder auch Selbstfürsorge Thema.

    Insgesamt hilft es sicher immer, sich auch selbst zu empowern und sich über Bücher, Workshops, Fortbildung, Vorträge oder auch Austausch mit anderen, mehr über das Thema Frauengesundheit zu informieren. Dazu ist es empfehlenswert, den Zyklus und die Beschwerden aus mehreren Perspektiven anzusehen – ob beim Thema Ernährung, eigene Sicht auf sich selbst oder auch Achtsamkeit für den Körper. Die Teilnahme an einem Kurs oder einer Selbsthilfegruppe, ein radikaler Selbstfürsorge-Plan für sich selbst oder anderes: Was gut tut und was nicht, was passt oder nicht funktioniert, das könnt nur ihr selber entscheiden.

    Vielen Dank an den GU Verlag und den ZS Verlag für die Rezensionsexemplare!

     

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    Habibi von Craig Thompson – eine mythologische Liebesgeschichte

    Content Note: Dieses Buch handelt von körperlicher und sexueller Gewalt, Tod, Rassismus, Sexismus etc. Puh. Das ist der Kommentar, den vielleicht einige am Ende dieses dicken Wälzers von sich geben….

    Content Note: Dieses Buch handelt von körperlicher und sexueller Gewalt, Tod, Rassismus, Sexismus etc.

    Puh. Das ist der Kommentar, den vielleicht einige am Ende dieses dicken Wälzers von sich geben. „Habibi“ von Craig Thompson ist keine einfache Lektüre und ich bin mir sicher, dass ich nach dem Lesen noch längst nicht alles verstanden oder alle Metaphern übertragen habe. Die Graphic Novel spielt in einer arabisch-orientalischen Welt, zunächst vor vielen, vielen Jahren, doch je näher man an das Ende des Buches gelangt, offensichtlich auch in der heutigen Zeit. Handlungsschauplätze sind vorrangig die Wüste, ein Palast und verrrohte, heruntergekommene Orte.

    Dieses Werk handelt von Dodola, die als junges Mädchen an ihren zukünftigen Ehemann verkauft wird. Dieser bringt ihr zwar Lesen und Schreiben bei, missbraucht sie aber auch. Eines Tages wird der Mann überfallen, Dodola wird mitgeschleppt und landet schließlich bei Sklavenhändlern. Dort trifft sie auf Ham (später Zam), ein kleines Kind, das sie für ihren Bruder ausgibt. Zusammen gelingt ihnen die Flucht in die Wüste, in der sie fortan in einem gestrandeten Schiff leben – für viele Jahre, bis Dodola erwachsen ist.

    Dodola kümmert sich um Zam, der es liebt, wenn sie ihm mythologische Geschichten erzählt. Diese Geschichten sind nicht nur Halt für die beiden, sondern sie kommen auch durchgängig im Buch als Metaphern und Parabeln vor und spielen auf die tatsächliche Handlung an.

    Inhaltsverzeichnis: Spiel mit Formen und Buchstaben

    Die Trennung

    Das gemeinsame Aufwachsen wird in großen Teilen als Rückblende erzählt, als Dodola längst in einem Palast lebt und gerade schwanger ist. Sie sehnt sich nach Zam, den sie in der Vergangenheit verloren hat. Wir erfahren, dass Dodola damals in der Wüste ihren Körper an vorbeireitende Karawanenführer verkauft hatte, um sich und Zam mit Nahrung versorgen zu können.

    Was mit Zam passiert ist, erfahren wir ebenfalls parallel zum Fortschreiten der Haupthandlung: Eines Tages hatte er sich auf eigene Faust auf die Suche nach Wasser gemacht und tatsächlich einen Stausee gefunden. Das Glück währt nicht lange, er wird von Meuchlern erwischt, als er dort wiederholt Wasser entnehmen möchte. Ihm geling die Flucht zurück ins Wüstenschiff. Er beschließt, in die Stadt zu gehen, wo er auch schon Wasser eingetauscht hatte. Schließlich schließt er sich einer Gruppe Eunuchen an.

    Leben im Harem und in Willkür

    Nach der Trennung von Zam wurde Dodola als eine der Haremsfrauen des Sultans eingesetzt, da dieser von der „Wüstenkurtisane“ erfuhr. Sie wird schwanger von ihm, doch das Kind, das sie nie als ihres ansah, wird später umgebracht. Der Sultan stellt ihr zudem ein Ultimatum: Sie soll einen magischen Trick vollführen und Wasser zu Gold verwandeln, andernfalls wird sie hingerichtet.

    Zam landet durch einen Zufall ebenfalls als Angestellter im Palast und bemerkt schnell, dass Dodola noch lebt. Diese wiederum schafft es zusammen mit den Palastangestellten einen Trick für den Sultan auszuführen, wird aber wenig später verraten und soll dann dafür büßen. Zam rettet sie und es beginnt ein neuer Lebensabschnitt für die beiden, der zunächst zwar wenig Hoffnung birgt, doch die beiden wieder näher zusammenbringt.

    Mehr sei an dieser Stelle nicht über die Handlung verraten und dies ist auch nur ein grober Handlungsüberblick. Im Grunde geht es in diesem Buch um sehr viel mehr als eine sehr ungewöhnliche Liebesgeschichte.

    Innenwelt

    Zam hat mit persönlichen Konflikten zu kämpfen, die sich um Schuld, aufkeimende Sexualität und Scham drehen. Er fühlt sich zu seiner Ersatzmutter hingezogen, verurteilt sich aber stark dafür. Dodolas Körper wird viele Male missbraucht und sie erfährt einige traumatische Erlebnisse, von Kerker bis zu niederträchtigem Verhalten und Verrat. Die ganze Handlung über möchte sie nichts mehr, als wieder mit Zam vereint zu sein. Diese Hoffnung gibt ihr unbändige Kraft und Überlebenswillen, dennoch kämpft auch sie mit ihrer eigenen Sicht auf sich und ihren Körper.

    Die Parabeln, Erzählungen und Auszüge aus Bibel und Koran und Geschichten über Heilige unterstreichen die Meta-Ebene der Gesamtgeschichte. Es geht nicht nur um zwei Personen, die sich verlieren und wiederfinden, sondern die Handlung wird wie in einem Fiebertraum mit diesen religiös-mythologisch-fantastischen Verweisen vorangetrieben und vermischt. Auch die arabische Schrift und Kalligraphie ist ein eindrucksvolles Gestaltungselement in dieser Graphic Novel. Thompson hat viele Jahre an diesem Buch gearbeitet und webt magische, historische und religiöse Themen in die Geschichte mit ein, die mit dem persönlichen Erleben der Protagonisten zu tun haben. Dabei geht es aber Schlag auf Schlag, hier ein mystischer Vergleich, da ein magisches Quadrat, hier Metaphern mit Worten, da symbolische Tierwesen.

    Fiebertraum

    Zum Teil ist das, was die Handlung untermalen soll aber ein Overkill und insgesamt wurde zuviel hineingepackt in diese Geschichte. Der Autor wollte hier vielleicht auch mehr, als wirklich beim Lesenden ankommt. Ich konnte nicht immer allen Gleichnissen oder Anspielungen folgen, dafür waren durchgängig zu viele Interpretationsräume auf einmal offen.

    Dass Thompson großartig illustriert, zeichnet, gestaltet und beeindruckend viele verschiedene Texte aufgetan hat, die er zur Unterstreichung der Dramatik verwendet, ist klar. Dennoch zeichnet er von der arabischen Welt ein ziemlich düsteres Bild, es gibt kaum „gute“ Menschen in der Geschichte von Dodola und Zam.

    Da das Buch schon einige Jahre alt ist, habe ich mir zudem auch einige Kritiken von damals und heute durchgelesen. Insgesamt wird die Graphic Novel als beeindruckendes und großes Werk angesehen, es sind aber auch kritische Stimmen zu hören, die Thompson vorwerfen, er habe nicht genug über den Islam und die arabische Kultur recherchiert und stelle diese einseitig als barbarisch dar. Ich kann das hier zwar bestätigen – die Handlung ist gnadenlos -, empfinde aber auch eine Kritik an der dargestellten Welt in seinem Werk. Vor allem, da Dodola einmal selbst als „rassistisch und frauenfeindlich“ betitelt wird und einige Charaktere überzeichnet und satirisch dargestellt sind.

    Gesellschaftskritik

    „Habibi“ hatte ich an einem Tag durchgelesen, auch wenn ich anfangs Schwierigkeiten hatte, mich aufgrund der Grausamkeit auf die Geschichte einzulassen. In manchen kleinen Lichtblicken zwischen der oft grausamen Handlung, kommt in der Geschichte sogar Humor auf. Das elegante Spiel mit den arabischen Buchstaben, aber auch das Aufzeigen von Gemeinsamkeiten von christlichen und muslimischen Erzählungen sind besonders interessant. Einige Elemente sind sehr poetisch und berührend, zudem werden die Themen Ressourcenverschwendung, Müllverschmutzung, extreme Armut und Macht(missbrauch) ebenfalls eindrücklich dargestellt. Last but not least schließt „Habibi“ mit einem recht versönlichen und schönen Ende, in dem die beiden Hauptdarsteller zu sich finden. Alles in allem war „Habibi“ eine spannende und fesselnde Lektüre.

    Die Graphic Novel hat 672 Seiten, ist in schwarz-weiß gedruckt, Hardcover mit Prägung und Goldveredelung.

    Vielen Dank an den Reprodukt-Verlag für das Rezensionsexemplar!

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    Fantastische Welten im Comic – für Kinder und Erwachsene

    Das Fantasy-Genre erfreut sich momentan einer neuen Beliebtheit. Auch im Comic zeigen sich neue Ideen und Welten durch fantastische Elemente. In diesem Beitrag habe ich mir für euch zwei Fantasy-Comicbände,…

    Das Fantasy-Genre erfreut sich momentan einer neuen Beliebtheit. Auch im Comic zeigen sich neue Ideen und Welten durch fantastische Elemente.

    In diesem Beitrag habe ich mir für euch zwei Fantasy-Comicbände, die sich vorrangig an junge Lesende richten, aber auch eine surreale Grusel-Graphic-Novel, die klassische Horrorklassiker mit traum-haften Bildideen verbindet, genauer angeschaut.

    Der Alchimist – Das geheimnisvolle Tor

    Im aberwitzigen ersten Band von „Der Alchimist“ lernen wir den alten Buchmaler Flamel kennen, der seinen neuen, zukünftigen Lehrling ausruft. Auch Basil, der junge Herumtreiber mit seinem Hamster Margotin, ist auf dem Weg zur Ernennung. Spontan erhält er die Zusage für die Lehre und wird sogleich als Buchmaler ans Werk gesetzt um zu Üben. Hier stellt er sich wenig geschickt an und trifft auch rasch auf die super schlaue Esperanza, ein anderer Lehrling des alten Buchmalers.

    Zeitgleich sucht ein kränklicher Mann mit eiserner Maske nach dem machtvollen Schlüssel, der in der Welt von Basil und Flamel zu finden ist. Genauer gesagt trägt Basil den Schlüssel bei sich… Und es kommt wie es kommen muss: Beim Herumschleichen in Flamels Räumlichkeiten findet Basil ein mysteriös aussehendes Buch, das perfekt zu seinem Schlüssel passt. Aus unverhohlener Neugier muss Basil das Buch natürlich sofort aufschließen, was der Meister rasch verhindern kann.

    Dem Alten ist die Wichtigkeit des Schlüssels bewusst und er macht seinem neuen Lehrling klar, dass die beiden nun mit einer Hilfe auf die Suche nach einem mächtigen Artefakt gehen werden – die Jagd nach dem Stein der Weisen beginnt! Und zwar in der Notre Dame in Paris.

    Unterwegs gabeln sie noch einen klischeetriefenden Söldner auf, der die drei begleiten und beschützen soll. Im Inneren des heiligen Gebäudes kommt es an einem versteckten Ort zum Showdown, die Helden müssen sich fiesen kleinen Rätseln und dem Auftritt des Eisenmanns persönlich stellen!

    Dieser Comicband spielt in Paris, lange vor unserer Zeit, und bringt Elemente aus Magie, aber auch Steampunk zusammen, zudem spielt er mit Klischees und Anleihen aus anderen Fantasy-Geschichten mit einem Augenzwinkern. Der Zeichenstil ist leicht an den Manga-Stil angelehnt und zeigt eine ganz andere Feder des bekannten Zeichners Barbucci.

    Die Story und Charaktere sind total lustig, die Story wird sicher weiterhin spannend bleiben und wer weiß, welche Fähigkeiten der Stein der Weisen in sich birgt? Und wer steckt hinter dem Mann mit der Eisenmaske? Der zweite Band ist soeben erschienen.

    Elfies Zauberbuch Band 1 – Die verhexte Insel

    Kommen wir zur Welt der Hexen und ihren Zauberbüchern! In „Elfies Zauberbuch Band 1 – Die verhexte Insel springen wir zurück in unsere heutige Welt.

    Elfie ist eine quirlige und einfallsreiche Elfjährige, die seit kurzer Zeit bei ihrer strengen und theatralischen Tante leben muss, da ihre Mutter vor einem Jahr verstorben ist. Sie hat außerdem noch zwei Schwestern, eine davon ist bereits volljährig (Luna) und kommt eines Tages mit einem riesigen roten Bus zu Besuch. Sie nimmt die beiden jüngeren Schwestern mit, da sie frisch das Sorgerecht für die beiden erhalten hat!

    Natürlich ist Tante Albertine nicht begeistert und erst recht nicht, als sie sieht, dass der Bus eine fahrende Buchhandlung namens „Das Stinkebuch“ ist. Nichtsdestotrotz fahren die drei auf Tour und es beginnt für die Schwestern die aufregendste und schönste Zeit ihres Lebens. In dem roten, auffälligen Bus, den die größte Schwester selbst repariert hat, wohnen die drei nun auch zusammen. Ihr erster Stopp ist am Strand und hier bekommt Elfie auch ein Erbstück ihrer Mutter überreicht: ein mit Edelsteinen verziertes, dickes Notizbuch.

    Schnell merkt sie, dass dieses Buch verzaubert ist – ihr wird klar, dass die Geschichten ihrer Mutter über Magie nicht nur kreative schriftstellerische Einfälle waren, sondern sie sogar die hexerischen Fähigkeiten ihrer Mutter geerbt hat! Spätestens als sie sprechende Frösche erwecken kann, versteht sie, dass sie die Seiten des Notizbuches auf eine bestimmte Weise beschreiben muss, damit die Dinge darin durch Zauberei lebendig werden.

    Doch dafür ist später noch Zeit, denn die Schwestern merken, dass in der bretonischen Ortschaft, in der sie den Bus geparkt haben, fiese Streitereien von statten gehen. Das ganze Dorf ist in zwei Lager gespalten, die einen sind auf der Seite des Briefträgers, die anderen auf der Seite eines bekannten Ladenbesitzers. Der Ursprung des Streits liegt tief in der Vergangenheit und hat mit seltenen Briefmarken und einem gemeinen Streich zu tun. Elfie und ihr neu gefundener Freund Ronan, der ein Enkel der betroffenen Streithähne ist, beschließen, Licht in die Sache zu bringen.

    „Elfies Zauberbuch“ ist ein fantastisch-schönes Debüt, das einen schnell in seinen Bann zieht. Sei es durch eine leichtherzige, aber wunderbar ausgearbeitete Story oder die fantastischen Elemente rund um die Junghexe und ihr mächtiges magisches Zauberbuch. Die Zeichnungen und Farben des Comics sind warm und einladend aber auch schön detailliert. Großartig und eine absolute Empfehlung für Groß und Klein!

    Das Traumbestiarium

    Das nächste Werk ist nicht für Kinder geeignet, es ist abstrakt, surreal und ein wenig gruselig. Wie eine Art Fiebertraum mit absurden Elementen. „Das Traumbestiarium“ erinnert zum Teil an den Meister der Horrorklassiker, Lovecraft. Es ist so skurril wie alltagsnah, was nicht ganz so leicht zu erklären ist.

    Da ist einmal Mr. Providence, Parkwächter in einem Naturpark/Freizeitpark. Immer in schwarz gekleidet und mit einem gestreiften Schal ausgestattet, schaut er im Park nach dem rechten – und kämpft regelmäßig gegen monsterartige Kreaturen, die überall auftauchen. Im steten Zwiegespräch mit seiner Katze Maldoror plagen ihn Zweifel an seiner Tätigkeit und Wahnvorstellungen, bei denen nie ganz klar wird, ob er sich diese einbildet oder diese fantastischen Traumgebilde wie übergroße Karpfen oder Tentakel real sind.

    Beim Gang durch den Park lernen wir auch weitere BewohnerInnen kennen: die drei alten Damen, die gerne überall an den unmöglichsten Orten im Park auftauchen und stricken oder das Geschehen beobachten und kommentieren. Eines Tages betritt eine neue Parkdirektorin das Geschehen und bringt merkwürdige neue Ziele für den Park mit. Ihre Ansagen und ihre Sprechweise erinnern sehr häufig an unsere reale Arbeitswelt, wie sie viele kennen mögen.

    Mr. Providence versucht sein Bestes, seiner Bewahrer-Aufgabe nachzugehen, doch eines Tages findet er im Fluss das Buch der Karpfen, das ihn seither nicht mehr loslässt. Ab da wird er von übergroßen, bunten Meeresbewohnern verfolgt und ihm erscheint stets ein merkwürdiges Haus, das auf Klippen gebaut ist.

    Zu allem Überfluss taucht der psychosoziale Dienst im Park auf, der augenscheinlich prüfen will, ob alles in Ordnung ist. Dabei will auch er an das Buch, das Providence hütet. Doch dann holen sich Kinder, die den Park besuchen, das Buch und er muss sie um jeden Preis vor der Horrorwelt schützen, die er als Einziger richtig wahrzunehmen scheint.

    Die Kinder verwandeln sich aber schnell selbst in fischartige Kreaturen und auch der psychosoziale Dienst ist ihm schon wieder auf den Fersen. Auf der Flucht gelangt Providence endlich in die Nähe des Hauses auf den Klippen und endlich erfahren wir Titel und Inhalt des Buches, das ihm so wichtig ist: es ist eine Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft. Wie die Geschichte ausgeht, sei hier nicht weiter verraten.

    Bemerkenswert ist in jedem Fall die durchgängig schwarz-weiß gehaltene Gestaltung, die durch die traumartig auftauchenden bunten Gestalten und Tiere eindrucksvoll wirkt. Der Zeichenstil ist schraffur- und skizzenartig, mit starken und dunklen Linien und Kontrasten. Die Traumgebilde sind in knalligen Farben mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet, sie fliegen, schweben und schwimmen um die handelnden Personen herum, was das traumartige an der Graphic Novel verstärkt. Besonders schön sind tatsächlich die Bestien und das Wasser-Thema im Buch dargestellt.

    Providence möchte die ganze Zeit anderen helfen und sie bewahren und wird dabei selbst fast wahnsinnig. Der wahnsinnige und abstruse Part liegt aber eher an der fanatischen Direktorin, die stets mit ihrem Arbeitstier, einem Pferd, im Park Befehle und künstliche Ziele vorgibt, die weder zum Park noch zu den BewohnerInnen dort passen und selbst wie aus einer anderen Welt wirken. Die Besuchenden werden ganz langsam in die verrückten Abläufe und Vorkommnisse im Park hineingezogen, sodass die übernatürlichen Geschehnisse mehr und mehr zur Realität werden.

    Das zum Teil kafkaeske Buch thematisiert ein Stück weit, dass man seinen Verrücktheiten Raum lassen sollte, aber auch Träume sind immer wieder Thema. Hier trifft, wie es auf dem Buchdeckel auch steht, das 21. Jahrhundert auf alte Horrorklassiker, magischer Realismus auf Schauerliteratur. „Das Traumbestiarium“ ist spannend, skurril aber auch ein Stück weit vertraut und enthält die Kurzgeschichte, die in Providences Buch vorkommt.

    Zusammengefasst ist das Genre Fantasy sehr breit gefächert, wenn man von klassischen Erzählungen wie von Tolkien oder Hennen den Blick auch auf andere fantastische Welten richtet, kann man ganz wunderbare oder auch manchmal gruselige, aber dennoch faszinierende Charaktere entdecken, gerade so wie man es mag.

    Vielen Dank an den Splitter-Verlag für das Bereitstellen der Rezensionsexemplare!

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    Realität versus Fantasie – Wie wir die Welt wahrnehmen: 3 Comicrezensionen

    Realität versus Fantasie: Wenn sich unsere alltägliche Wahrnehmung der Welt, die ja sowieso schon einzigartig ist, mit unserer Fantasie vermischt, dann kann das zu richtig kreativen Einfällen und spannenden Stories…

    Realität versus Fantasie: Wenn sich unsere alltägliche Wahrnehmung der Welt, die ja sowieso schon einzigartig ist, mit unserer Fantasie vermischt, dann kann das zu richtig kreativen Einfällen und spannenden Stories führen. Manchmal ist dann gar nicht mehr so klar, was real ist und was nicht. Aber solche Geschichten zeigen uns, wie stark unsere Wahrnehmung unsere alltägliche Welt und damit auch das, was wir für wahr halten, prägen kann.

    Heute habe ich drei Bücher für euch, die alltägliche Charaktere in ihrem normalen, auf den ersten Blick banalen, Leben zeigen. Doch wo die eine dem verrückten Alltag eher scheinbar passiv und gleichgültig begegnet, macht die andere Hauptperson ein kleines Wunderland aus ihrem grauen Alltag. Und im dritten Buch erleben die beiden Protagonistinnen einen abgefahrenen Roadtrip, der sie an ihre Grenzen bringt, aber auch über sich hinauswachsen lässt.

     

    Katze hasst Welt

    Zugegeben, der Titel „Katze hasst Welt“ klingt erst einmal etwas extrem. In vielen der in kurzen Comicstrips mit groben Linien gezeichneten Situationen kann man Katze, die Protagonistin des schmalen Comicheftes von Kathrin Klingner, aber gut verstehen.

    Katze ist frisch getrennt und arbeitet schon seit ein paar Jahren in einem Café auf dem Kiez in Hamburg. Sie macht Kaffee, hört sich absurde und sinnlose Gespräche an und steht so den Tag durch, schweigend.

    Im ersten Teil erfahren wir, wie es zur Trennung von Katze und Panda kam und wie sie beide mit dieser umgehen. Katze lässt sich erst mal hängen und ist sprachlos – wie so oft – und nebenbei wird das Ganze auch noch von ihren tierischen Freunden kommentiert. Auf der Arbeit trifft sie täglich auf verschiedene Gäste: Prostituierte, Betrunkene, fordernde Touris… und auch auf viele Meinungen und Respektlosigkeiten. Diese muss sie sich täglich anhören – erwidert aber nie etwas darauf. Von Katze selbst erfahren wir wenig, lediglich die Zeichnungen verraten, wie es ihr wirklich geht. Manchmal geht sie in dem trubeligen Stadtteil voller Casinos, Sexshops und Co. in den Scream-o-mat. Und manchmal sieht sie ganz schön müde aus.

    Zum Glück erfahren wir im letzten Teil noch ein wenig über ihre Vergangenheit. Katze war nämlich früher an der Kunsthochschule und auch hier traf sie auf ziemlich abgefahrene und gruselige Menschen. Sinnlose Partys, zu sehr von sich überzeugte und kaputte Menschen lassen sie an allem zweifeln und werden bis ins absurdeste beschrieben.

    Das Ganze prägt die eigentlich sehr sensible Katze sehr: Sie bricht die Hochschule ab und zieht weg, außerdem besucht sie einen Therapeuten. Ihre Sprachlosigkeit und Schweigen scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, sie erträgt lieber still, bleibt in ihrem Job, sucht kein Gespräch mit dem Partner. Doch sie hat auch ein sehr kritisches, gut beobachtendes Auge und ist sehr feinfühlig. Letzten Endes nimmt sie ihr eigenes Leben dann aber doch selbst in die Hand.

    Katze hat eine recht negative Sicht auf die Dinge, sie hält sich immer zurück, zeigt wenig Eigeninitiative und man fragt sich, warum sie diese tragisch-komische Parallelwelt einfach so aushält, obwohl sie davon reizüberflutet ist und irgendwie kein Teil davon ist. Es ist hier meiner Meinung nach schwer, ein Fazit zu ziehen, was wir aus ihrer Story lernen können. Vielleicht einfach nur, dass es hilft, sich ein wenig Ironie beizubehalten und nicht überall eingreifen muss und dass es fraglich ist, wie heilsam es ist, alles mit sich selbst auszumachen.

     

    Rosalie Blum

    Kommen wir zu einem wahren Feuerwerk an verrückten Situationen, die sich allein aus dem Aufeinandertreffen verschiedener Menschen ergeben. Dieses umfangreiche Comicwerk lässt sich schwierig zusammenfassen, aber im Grunde geht es um einen Beobachter, der selbst irgendwann beobachtet wird und der endlich aus seinem Alltagstrott entflieht. Hier wird schön gezeigt, dass der Schein und die Fantasie oft nicht der Realität entsprechen, das heißt aber nicht, dass die Realität nicht auch schön sein kann. Super spannend ist hier auch beschrieben, wie wir Unwissen mit eigenen Theorien und Wunschdenken zu einem Gesamtbild zusammenfügen.

    Rosalie Blum“ von Camille Jourdy lebt von sehr skurrilen Figuren. In der Mitte steht Vincent, ein zurückhaltender dreißigjähriger Mann, der einen Friseurladen besitzt. Durch seine Neugier und durch den Nervenkitzel des Neuen beginnt er, viele Menschen um sich herum Stück für Stück unbewusst zu beeinflussen. Aber der Reihe nach. Eines Tages trifft er beim Einkaufen eine Dame, die er meint irgendwoher zu kennen. Diese lässt ihn nicht mehr los und wird von da an ein fester Bestandteil seines Lebens, vor allem da sie genau so einsam wie er zu sein scheint:
    Sein trister Alltag besteht aus niedermachenden Kommentaren seiner Mutter, um die er sich sehr oft kümmert und den Kontakt mit seinem Cousin, der in seiner eigenen, skurrilen Fantasiewelt lebt.

    Immer wieder folgt er nun der Fremden, nur um zu beobachten, was sie so tut. Er fühlt dabei starke Gewissensbisse und Scham und merkt, dass die Frau namens Rosalie mehr mit seinem Leben zu tun hat, als er greifen kann. Nebenbei verändert sich das Verhältnis zu seiner geltungssüchtigen Mutter zum Schlechten, da er immer weniger ihre vereinnahmende und fordernde Art tolerieren möchte.

    Im zweiten Teil taucht noch eine weitere Person auf, Aude, die für die folgende Geschichte wichtig wird und als Bindeglied fungiert. Diese hat ihre ganz eigenen Probleme und wohnt mit einem Möchtegern-Zirkusartist zusammen, der immer wieder verrückte Menschen in die WG bringt, in der sie wohnt. Und sie kennt Rosalie. Um die Geschichte nicht zu verraten, sei hier nicht mehr dazu ausgeführt.

    „Rosalie Blum“ zieht einen in den Bann, vor allem da es zwischen den Zeilen ganz eindeutig bedeutsame Themen wie den Ödipus-Komplex, Kindheit und Trauma aber auch Sinnsuche, Selbsterkenntnis durch andere oder auch das Spiel mit dem „Verbotenen“ enthält. Vincent ergreift die Möglichkeit, aus seinem langweiligen Alltag auszubrechen und auch alte Muster und Gewohnheiten zu verändern. Und dadurch wird alles in seinem Leben plötzlich aufregend und besonders.

    Die Graphic Novel ist farbig und detailreich illustriert, der zeichnerische Stil sehr ansprechend und gerade Gestik und Mimik kommen sehr gut rüber. Der ergänzende Text und die Sprechblasen sind in Schreibschrift gehalten. Neben dem ganz alltäglichen Anschein lernen wir hier total abgefahrene Charaktere in ihren vier Wänden so kennen, wie sie wirklich sind. Insgesamt ein sehr gelungenes Entdeck- und Versteckspiel, das sehr spannend zu lesen ist und berührt. Es gibt auch eine Verfilmung des Buches, diese ist hier in Deutschland aber momentan nicht ganz so gut verfügbar.

     

    West, West Texas

    In diesem Artikel habe ich euch bereits ein Buch von Tillie Walden vorgestellt. Heute habe ich endlich die Gelegenheit, ein weiteres ihrer Werke vorzustellen. In „West, West Texas“ webt sich eine surreale, fantastische aber doch auch leicht bedrohliche Geschichte rund um Freundschaft, Kampf mit den inneren Dämonen und einen Roadtrip zu einem intensiven Abenteuer.

    Etwa zur selben Zeit machen sich Lou und Bea unabhängig voneinander auf den Weg: Die eine, um jemanden zu besuchen, die andere um einfach wegzukommen. Was eher als eine Fahrt zum Zweck beginnt, wird zu einem sich langsam entfaltenden Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Protagonistinnen.

    Stück für Stück, Wegstrecke für Wegstrecke offenbaren sie sich einander mehr oder weniger freiwillig. Und dann finden sie eine Katze und plötzlich sind seltsame, finstere Gestalten hinter ihnen her. Wo erst mal nur das Wetter verrückt spielt und sich das kleine Auto samt Miniwohnwagen mühsam hindurchschleppt, verwandelt sich bald die ganze Außenwelt in ein fast schon surreales Labyrinth. Die Bedrohung kommt näher – und mit ihr auch die Chance für sich einzustehen und gegen die inneren Dämonen zu kämpfen.

    „West, West Texas“ thematisiert unter anderem die schwierige Kindheit der beiden Frauen und wie sie diese immer noch beeinflusst. Einerseits wühlt es auf, da es um traurige Themen geht, aber gleichzeitig zeigt die Graphic Novel auch starke, resiliente Frauen, deren inneres Erleben durch die äußeren Geschehnisse verdeutlicht wird. Beim Lesen fühlt es sich so an, als wären Bea und Lou alleine auf der Welt, doch hier und da gibt es auch Lichtblicke.

    Die surreale Landschaft verdeutlicht die Wahrnehmung der beiden Frauen, hier vermischen sich Realität und Fantasie zu einem spannenden und herausfordernden Abenteuer. Was als Roadtrip begann, wird zu einem für beide wichtigen Schlüsselmoment, der ihre Welt zunächst erschüttert. Die Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen und umgehauen. Wie auch in ihren anderen Büchern arbeitet Walden mit einer für sie typischen Farbpalette, dieses Mal mit satten Lila-, Blau- und Weinrot-Tönen und einer insgesamt eher schwarz-dunklen Szenerie.

     

    Was alle drei Bücher zusätzlich vereint ist die Tatsache, dass alle Hauptpersonen der völlig unterschiedlichen Geschichten an einem Wendepunkt in ihrem Leben angekommen sind und wir das Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und eigener Gedanken, zwischen Innenwelt und Außenwelt der Charaktere hautnah mitbekommen. „West, West Texas“ und „Rosalie Blum“ stehen nun auf meiner Liste der Comicfavoriten, „Katze hasst Welt“ ist aber ebenfalls lesenswert.

    Bleibt nur noch gute Lektüre zu wünschen – und viel Freude beim Entdecken von verschiedenen Realitäten!

    Vielen Dank an den REPRODUKT Verlag für die Rezensionsexemplare!

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    Yes, we are back: The bird’s new nest ist zurück!

    Vor etwas über einem Jahr, am 15. Januar 2023, habe ich The bird’s new nest für unbestimmte Zeit pausiert – aus vielen unterschiedlichen Gründen, aber immer mit der Option, die…

    Vor etwas über einem Jahr, am 15. Januar 2023, habe ich The bird’s new nest für unbestimmte Zeit pausiert – aus vielen unterschiedlichen Gründen, aber immer mit der Option, die Seite weiterzuführen. Den Großteil des letzten Jahres war das kein Thema, an zu viel anderes war zu denken, zu viel anderes war zu tun. Aber gegen Jahresende habe ich mich – wieder aus vielen unterschiedlichen Gründen – dazu entschlossen, The bird’s new nest aufleben zu lassen, wenn auch mit einigen Abstrichen.

    Was sich das letzte Jahr alles getan hat, warum ich The bird’s new nest weiterführen möchte und wie genau die angesprochenen Abstriche aussehen, könnt ihr in diesem Beitrag lesen.

    Das letzte Jahr: Arbeit, Arbeit, Arbeit

    Der Hauptgrund für meine Pause war, dass ich aufgrund der Ereignisse der letzten Jahre einfach ausgebrannt war. Zurückschalten war dringend notwendig, wobei der Traum einer langen Auszeit irgendwo am Strand auch nur das blieb: ein Traum. Die viele offenen Baustellen wollten ja trotz allem bearbeitet werden und die Pause im Nest hat geholfen, sich auf die Projekte zu konzentrieren, die wirklich unaufschiebbar waren.

    Das war einerseits meine Gesundheit – für meine Autoimmunerkrankung sind wir weiterhin am Experimentieren mit diversen Medikamenten, andererseits natürlich Daniels Gesundheit, die im letzten Jahr so gut es ging im Vordergrund gestanden ist. Schritt für Schritt wieder fitter werden, mehr auf den eigenen Körper hören und die eigenen Grenzen nicht überschreiten, rechtzeitig für Erholung sorgen… Wir sind darin auf jeden Fall besser geworden, haben aber auch noch einen langen Weg vor uns.

    Vor allem die etwas wärmere Jahreszeit war gefüllt mit dem Projekt, das Haus meiner Eltern zu räumen. Die Vorstellung, das Ende August abschließen zu können, war leider illusorisch, aber wir sind gut weitergekommen und sind jetzt definitiv auf der Zielgerade. Mir die Zeit zu geben, das Haus selber zu räumen, hat mir auch geholfen, den plötzlichen Tod meiner Eltern zu verarbeiten und war wie eine Zeitreise durch ihre und unsere gemeinsame Vergangenheit.

    Auch unserer Laden Friendly hat eine große Änderung hinter sich: Einige – wie man so schön sagt – unüberbrückbare Differenzen haben dazu geführt, dass wir mit Ende Januar 2023 unsere Partnerschaft mit der Österreichischen Post aufgekündigt haben. Das restliche Jahr war geprägt von vielen Umstellungen und Umbauten, Änderungen und Anpassungen um das Geschäft entsprechend zukunftsfit zu machen. Auch hier sind wir natürlich noch nicht fertig, wobei ich auf zwei Dinge sehr stolz bin. Das ist einerseits unser Newsletter, der obwohl erst seit kurzem gestartet, ständig wächst und sehr gutes Feedback bekommt, andererseits unser neues Logo, das irgendwann in einem komplett neuen Design münden soll:

    Warum ein Comeback?

    Im Großteil des letzten Jahres war ein Wieder-Aufleben-Lassen vom Vogelnest für mich nicht denkbar. Zu viel anderes war zu tun und das vielleicht wichtigste, Inspiration und Motivation, waren einfach nicht vorhanden.

    Das hat sich im Herbst gewandelt, nachdem es Daniel nun doch wieder besser ging und mir so eine große Last fürs erste einmal von den Schultern genommen wurde. Gleichzeitig haben wir mit Friendly das Tief nach dem Wegfall der Post Partnerschaft übertaucht, und langsam wieder einen Aufwärtstrend gesehen. (Ein sehr großes Problem war hier, dass durch die teils etwas missverständliche Kommunikation in den Medien viele Menschen der Meinung waren, unser Laden hätte komplett geschlossen.)

    Nachdem ich den letzten Beitrag vor der Pause geschrieben hatte, war nicht einmal mehr genug Energie in mir, einen Newsletter auszusenden. Ich habe jede Menge Nachrichten und Mails bekommen, konnte aber nicht antworten, auch weil mir irgendwie im wahrsten Sinne die Worte gefehlt haben. Aber die Mails sind nicht abgerissen, immer wieder kam die Frage ob und wann wir weitermachen, von LeserInnen, KooperationspartnerInnen oder FreundInnen.

    Natürlich kamen auch Anfragen zum The bird’s new nest Adventskalender und ganz kurz war ich verleitet, vielleicht eine abgespeckte Version davon umzusetzen. Das habe ich aber zum Glück wieder verworfen, denn der Adventskalender ist nicht nur im Vogelnest die anstrengendste Zeit im Jahr, sondern auch bei uns im Laden ist natürlich in der Advents- und Weihnachtszeit Hochsaison. Und beides parallel zu managen hätte ich letztes Jahr definitiv noch nicht wieder geschafft.

    Zu guter Letzt kam auch wieder der Drang, zu bestimmten Themen Artikel zu verfassen. Fragen zu beantworten, die ich auf Social Media immer wieder sehe, Fehlinformationen zu berichtigen und ihnen die entsprechenden Fakten gegenüber zu stellen oder einfach nur meine Erfahrungen in bestimmten Bereichen zu teilen. Hier und da war ich versucht, mich auf Facebook zu diversen Thematiken einzubringen, aber dort gehen Argumente, Quellen und ähnliches oft in der Flut der Beiträge unter und irgendwann verschwindet alles im Sumpf der Timeline.

    Vermisst habe ich tatsächlich auch das Schreiben des Newsletters, auch wenn er oft aus Zeitmangel eher kurz gehalten war. Nachdem ich aber nun wöchentlich für Friendly einige Zeilen verfasse, fehlt mir das Schreiben des Nest-Newsletters. Wie so oft ist es also eine Mischung aus vielen verschiedenen Ursachen, aufgrund derer ich mich dazu entschlossen habe, mit dem Vogelnest wieder durchzustarten. Und natürlich darf die Sache als Ganzes nicht fehlen, nämlich dass The bird’s new nest mir nach wie vor sehr am Herzen liegt.

    Wie geht es weiter?

    Ich fühle mich alles in allem wieder fit genug, um The bird’s new nest weiterzuführen, aber ich muss mehrere Gänge zurückschalten, um weder mich noch meine anderen Projekte nicht zu vernachlässigen. Was bedeutet das genau? Die Give-Aways und den Newsletter wird es zukünftig nicht mehr wöchentlich geben, sondern in größeren Abständen, fürs erste vermutlich monatlich. Natürlich wird auch das Comeback von The bird’s new nest von einem Give-Away begleitet. Von mir geschriebene Artikel kann ich dafür hoffentlich öfter online stellen, wobei ich mich hier auf nichts festlegen kann und will. Den Adventskalender möchte ich dieses Jahr wieder veranstalten, dafür werde ich mir aber Unterstützung aus unserem Team holen, damit ich nicht das gesamte Projekt alleine umsetzen muss.

    Ein weiterer Grund, The bird’s new nest wieder aufleben zu lassen, den ich noch nicht angesprochen habe ist, dass ich zukünftig auch projektübergreifende Ideen umsetzen möchte. Genauer gesagt sollen das Kooperationen zwischen The bird’s new nest und Friendly werden, aber auch andere Kooperations-Ideen stehen auf der Liste.

    Was wollt ihr?

    Ich hoffe, ihr habt im letzten Jahr The bird’s new nest noch nicht ganz vergessen oder könnt euch jetzt zumindest wieder daran erinnern. Wie immer bin ich auf eure Wünsche und Ideen gespannt und würde mich freuen, wenn ihr mir diese in einem Kommentar zu diesem Artikel hinterlasst. Über welche Themen würdet ihr hier zukünftig gerne lesen? Auch ganz konkrete Artikelwünsche sind willkommen! Habt ihr Vorschläge für Kooperationen mit bestimmten Unternehmen, Personen oder Aktionen? Was wünscht ihr euch sonst zukünftig von The bird’s new nest?

    Vielen Dank für das Lesen dieses langen Beitrags – ich freue mich, zurück zu sein und ich hoffe, ihr freut euch auch!

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    Rezension: Vier Bücher rund um Identität – Wer sind wir wirklich?

    Wer sind wir wirklich? Diese Frage aus dem Titel beschäftigt die Menschheit wohl schon ewig und wird vermutlich nie an Aktualität verlieren. Ich habe euch heute eine Sammlung an vier verschiedenen…

    Wer sind wir wirklich? Diese Frage aus dem Titel beschäftigt die Menschheit wohl schon ewig und wird vermutlich nie an Aktualität verlieren. Ich habe euch heute eine Sammlung an vier verschiedenen Büchern zusammengestellt, die sich alle in sehr unterschiedlicher Weise unserer Identität und dem Thema Persönlichkeit widmen.

    Im kürzesten Werk meiner Auswahl, dem ersten Band von „Elle(s)“ von Aveline Stokart und Kid Toussaint ist dieses Thema beispielsweise darin verpackt, dass die Protagonistin ihre vier anderen Ichs in sich entdeckt. Aber welche der vier Persönlichkeiten ist denn nun wirklich Elle? Und was wenn eine der Elles für sie übernimmt? In eher amüsant-kurzweiliger Art widmet sich Liv Strömquist in ihrem neuesten Band „Astrologie“ dem Thema der verschiedenen Persönlichkeiten durch das Auge der Tierkreiszeichen. Schwerer und deutlich emotionaler wird es in „Jäger und Sammler“ von Cyril Pedrosa, in welchem wir ganz verschiedene Menschen kennenlernen – und eine Fotografin, die hinter die Fassade und Geschichte der Protagonist*innen blickt. Zu guter Letzt wird es nochmal humorvoller und deutlich märchenhafter: In „Mit Mantel und Worten“ von Flore Vesco und Kerascoët schafft es eine talentierte junge Frau durch vortäuschen einer anderen Persönlichkeit einen ganzen Hofstaat an der Nase herumzuführen und erst am Ende wird klar, wer sie wirklich ist.

    Ihr seht, die Frage wer jemand wirklich ist, kann in ganz unterschiedliche Facetten betrachtet werden und birgt genug Stoff für viermal abwechslungsreiche Lektüre – mindestens! Lasst uns einen genaueren Blick in diese vier Werke werfen:

     

    Elle(s) – Band 1

    Im dünnen Comic-Band „Elle(s)“ lernen wir ein junges Mädchen mit coolen pinken Haaren kennen, die neu an die Schule kommt. Schnell findet sie eine tolle Clique und lebt sich gut ein. Doch nach und nach kommen ihre anderen Ichs, die eher schüchterne, die träumerische, die aggressive und die mutige Elle heraus, je nach Situation, die sie erlebt. Elle profitiert von diesen verschiedenen jeweils sehr vielseitigen Persönlichkeiten, die sie zu einer Art Tausendsassa-Chamäleon machen.

    Doch dass dies von ihrem Umfeld nicht unbemerkt bleibt, ist klar und sie wird nach und nach mit viel Unverständnis, aber auch Sorge konfrontiert. Elles Persönlichkeiten werden für sie immer schwieriger zu handhaben und zeigen immer stärker ihr Eigenleben. Elle weiß irgendwann nicht mehr weiter und zweifelt daran, wer und wie sie nun wirklich ist und wie sie die anderen Ichs besser unter Kontrolle halten kann.

    Um sich selbst klar zu werden, wer sie wirklich ist, muss sie herausfinden, wie sie die geworden ist, die sie heute zu sein scheint – und offen darüber sprechen. Die Story spiegelt die Identitätskrise, die einen in der Jugendzeit einholen kann, sehr schön wider. „Elle(s)“ ist der erste Teil einer spannenden, leicht zu lesenden und knallig illustrierten Comic-Reihe (der Stil erinnert an Pixar Animationsfilme). Aktuell ist bereits der zweite Band erschienen und auch der dritte ist schon in Aussicht.

     

    Jäger und Sammler

    In der Graphic Novel „Jäger und Sammler“ geht es um scheinbar total alltägliche Menschen in ihrem Von-Tag-zu-Tag-Leben. Das Buch ist in verschiedene Jahreszeiten gegliedert und Seite um Seite stellen sich uns die verschiedenen Menschen vor, deren Geschichten sich mehr und mehr miteinander verweben. Da ist zum Beispiel ein Kieferorthopäde, der zaghaft versucht, eine Bindung zu seiner Teenager-Tochter aufzubauen. Oder ein älterer Herr, der müde ist und sich nicht mehr dem politischen Aktivismus in seinem Umfeld anschließen will und damit auf Unverständnis stößt.

    Zwischen den Alltagsszenen finden sich immer wieder tagebuchartige Texte, die jeweils aus der Sicht einer der Charaktere geschrieben wurden und damit die persönliche Geschichte dieser fort erzählt. So sollen die Emotionen und Erlebnisse der Protagonist*innen detaillierter erklärt werden, ich muss hier aber sagen, dass ich diese stellenweise viel zu langatmig und öfter auch verwirrend fand.

    Es ist so nicht ganz leicht, der Geschichte zu folgen, weil sie immer wieder zwischen den vorkommenden Charakteren hin und her wechselt – auch die Texte haben mir nicht wirklich weitergeholfen, die Story ganz zu begreifen. Dennoch ist Jäger und Sammler eine ergreifende und umfangreiche Graphic Novel, die Sorgen, Verletzungen und Ängste, aber auch prägende kleine Erlebnisse von Menschen widerspiegelt und durch mehrere Ebenen zeigt, dass wir alle miteinander verbunden sind. Die Persönlichkeiten scheinen alle sehr unterschiedlich zu sein, doch die Suche nach Verbundenheit; Sehnsüchte oder auch Ängste zu haben, ist uns allen gemein.

    Hier sei auch noch angemerkt, dass der Autor großartige künstlerische Illustrationen gestaltet hat, welche die Story lebendig und bewegend machen. Jeder erzählerische Abschnitt ist dabei unterschiedlich in Farbe und Stil der Zeichnungen gestaltet, was die emotionale Tiefe der Geschichten gut unterstreicht.

     

    Astrologie

    Kommen wir zu einem zweischneidigen Thema: Astrologie. Viele Menschen glauben an Tierkreiszeichen und die Auswirkungen von Sternenkonstellationen auf unser Leben. Eines vorneweg: Liv Strömquist lässt uns offen, ob wir dran glauben sollten oder nicht. In ihrem neuesten Werk „Astrologie“ weicht sie etwas von ihrem sonst eher faktenbasierten und wissenschaftlichen Schreibstil ab und taucht mit uns in die Charakteristika von Sternzeichen ein. Jedes der zwölf Sternzeichen wird dabei in typische Eigenschaften eingeteilt und vorgestellt.

    Aber Strömquist wäre nicht Strömquist, wenn sie nicht ihren Witz und das Zeitgeschehen einbauen würde. In ihrem skizzenartigen, farbenfrohen Stil stellt sie bekannte Persönlichkeiten als Beispiele für das Erfüllen der jeweiligen Fähigkeiten und Eigenschaften der Sternzeichen vor. Unter anderem Taylor Swift, Prinz Harry, Kim Kardashian oder auch Melania Trump. Es kommen aber auch andere historische Persönlichkeiten vor, von Königinnen bis zu Philosophen.

    Die Erzählungen rund um diese Menschen scheinen wahr zu sein, die Verknüpfung mit den Eigenschaften von astrologischen Tierkreiszeichen passt oftmals richtig gut. Die Stories sind gewohnt furchtbar: Furchtbar, weil sich vieles davon eben wirklich zugetragen hat und das manchmal unglaublich ist – dieses Gefühl kommt oftmals beim Lesen von Strömquists Werken auf.

    Man könnte also den Eindruck gewinnen, dass wir alle sehr einfach zu kategorisieren sind, doch am Ende kommt dann doch noch das kritische Kapitel, auf das wir gewartet haben. Hier tritt die Autorin in einen Dialog mit ihrer Yoga ausübenden Mutter, die ihr ins Gewissen redet, dass sie doch kein Buch über Sternzeichen machen kann. Daher folgt dann noch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, also warum Astrologie für viele faszinierend ist, worin der Reiz der Persönlichkeits-Kategorisierung liegt und die Empfehlung, dass jede*r selbst entscheiden soll, was man mit dem Thema anfängt.

    Fazit: die Beschreibungen der verschiedenen Sternzeichen ist zum Teil sehr witzig und man erwischt sich dabei, bei manchen Beschreibungen an eine bestimmte Person zu denken. Alles in allem ist aber auch das kritische Kapitel lesenswert und das Buch eine humorvolle Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit des Menschen. Für mich jedoch nicht das beste Werk Strömquists.

     

    Mit Mantel und Worten

    Zuguterletzt erleben wir in „Mit Mantel und Worten“ eine scharfsinnige, lustig Geschichte, die lange vor unserer Zeit spielt. Serine ist eine junge, lebhafte Frau, die mit ihren jüngeren Geschwistern in einem alten Herrenhaus aufwächst. Hier wird viel Wert auf die vornehme Etikette gelegt, doch Serine hat ihren eigenen Kopf. Sie liest lieber, unterhält ihren kranken Vater und hat allerlei Flausen im Kopf. Als der Vater verstirbt, wird beschlossen, dass sie sich als Gesellschaftsdame am Hofe des Königs und der Königin versucht.

    Zunächst ist sie dort Mädchen für alles und muss sich den aufgesetzten und spießigen Regeln des Hofes unterwerfen. Die anderen Hofdamen triezen sie, die Königin erteilt Tadel und Serine wird bloßgestellt. Sie bemüht sich dennoch nach Leibeskräften, ihre Aufgabe gut zu erfüllen und findet dabei auch Freunde, die Angestellten des Hofes und den jungen Léon, der Lehrling des Henkers. Sie macht sich aber auch Feinde – sie lässt den Sekretär der Königin abblitzen, der es von nun an auf sie abgesehen hat.

    Durch einen lustigen Zufall ergibt es sich zudem, dass Serine aus Unsicherheit ein neues Wort am Hofe erschafft, das die Königin, die Wort-Spiele liebt, sehr begeistert. Als Serine den Sekretär bei dem Versuch ertappt, den König vergiften zu wollen, kehrt Serine verdeckt als Narr zurück und kann durch ihre gewitzte und schlaue Art den König überzeugen. So wird sie als Narr, der stets die Wahrheit spricht, sehr gefürchtet aber auch geschätzt, doch diese machtvolle Position kann sie nicht lange halten, denn ihre Verkleidung fällt irgendwann auf und plötzlich geschieht ein Unglück…

    Es erwartet uns ein überraschendes Ende, mehr sei hier nicht verraten. Auch in diesem Buch wird mit der Persönlichkeit gespielt und klar, dass die eigenen einzigartigen Fähigkeiten uns immer weiterbringen, wenn wir zu uns stehen und diese für uns und andere einsetzen. Das Spiel mit der Identität macht hier den großen Reiz der spannend erzählten Geschichte aus, denn nicht nur Serine hat eine andere Identität, als zunächst angenommen.

    Alle diese ganz unterschiedlichen Bücher beschäftigen sich ganz unterschiedlich mit dem Thema Identität und Persönlichkeit. Allen gemeinsam ist, dass viele verschiedene Faktoren ausmachen, wer wir sind. Ich kann euch diese vier Werke nur ans Herz legen und wünsche viel Spaß beim Entdecken!

    Vielen Dank an den Splitter Verlag, Reprodukt und den avant-verlag für die Rezensionsexemplare!

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