Nimes, Hotel Caesar

Der Himmel über Carcassonne ist bedeckt. Es ist windig und kühler geworden. Die unangenehme Asphalttippelei ersparen wir uns mit einer Busfahrt zur Festung. Viele Touristen und auch Schulklassen sind ebenfalls unterwegs. Heute ist die relativ große Basilika von SS. Nazarius und Celsus geöffnet. Das romanische Kirchenschiff ist die Basis für den gotischen Ausbau der Basilika. Ein Blickfang sind die leuchtend bunten Fenster. Bei der Figur der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria zünde ich heute eine Kerze für unsere Töchter, meine Schwiegertochter und unsere Enkelkinder an – auch für die zukünftigen.

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Unter anderem schmücken auch zeitgenössische Kunstwerke die Kirche. Und zwar eine Tapisserie mit einer stillenden Madonna, ein großes Gemälde mit einer sehr erotischen Madonnendarstellung. Maria trägt ein tief ausgeschnittenes Kleid. Das etwas mollige Kind steht vor ihr in den Falten ihres üppigen Seidenrockes. Eine aus sechs russischen Männern bestehende Sängergruppe interpretiert gefühlvoll und stimmgewaltig Lieder aus Russland. Welche Fülle des Lebens uns auch hier wieder demonstriert wird. So viele Geschenke, die alle unseren Rucksack nicht belasten – die uns im Gegenteil immer leichter werden lassen. Bei einem guten Glas Wein und einem wirklich exzellenten vegetarischen Essen (unter anderem Linsensalat) schließen wir den Besuch in Carcassonne ab und setzen uns in den TGV nach Nimes.

Weinanbau, so weit das Auge aus dem Fenster des Zuges reicht. Der Canal du Midi begleitet uns bis Sete. Dort mündet er ins Meer. Wasser, Schilf, Dünen und Meer – ein wohltuender Anblick. Zwei Stunden dauert die Fahrt. Im Hotel Caesar bekommen wir das letzte winzige Zimmer im Parterre mit Blick auf einen düsteren Lichthof. Im Hof eine Betonwendeltreppe zur Balustrade mit Bassena. Überall dicke Rohre durch die teilweise die WC-Spülung rauscht. Diverse rostige Klimaanlagen brummen vor sich hin. Eine Entschärfung des Anblicks soll ein Holzparavent mit verstaubtem künstlichem Efeu und Blüten bringen. Wir fühlen uns wie in einem Studentenzimmer. Von hier ist es nicht weit zum Amphitheater der ehemals römischen Stadt Nimes und dieses gilt als das besterhaltene der römischen Welt. Vor dem abendlichen Zusperren könne wir gerade noch hinein und die hohen Steinstufen bis ganz nach oben steigen – 21 Meter hoch. Zwei Ebenen mit Arkaden sind erhalten.

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Alles circa 100 nach Christus erbaut. Seit 1853 finden hier wieder Sportveranstaltungen, Events und leider auch Stierkämpfe statt, da das in dieser Stadt aus Tradition noch erlaubt ist. 15.000 Zuschauer haben Platz. Bei Erkundung des Stadtkerns trifft man auf weitere zahlreiche Spuren der Römer. Mit vielen jungen Leuten genießen wir in einem gemütlichen Lokal Tapas und Wein. Das passt gut zu unserer Studentenbude. Es hat sich gelohnt in Nimes Station zu machen.

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