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Kategorie: Initiatives.

Vegan Kochen für Obdachlose: Doris von Vienna Veggie Homeless Cooking im Interview

Vienna Veggie Homeless Cooking ist eine Initiative, die gemeinsames Kochen für obdachlose Menschen in Wien organisiert. Gekocht wird ausschließlich vegan und vollwertig. An vorangekündigten Tagen treffen sich Freiwillige, um gemeinsam für obdachlose…

Vienna Veggie Homeless Cooking ist eine Initiative, die gemeinsames Kochen für obdachlose Menschen in Wien organisiert. Gekocht wird ausschließlich vegan und vollwertig. An vorangekündigten Tagen treffen sich Freiwillige, um gemeinsam für obdachlose Menschen ein ausgewogenes und nahrhaftes veganes Mittagessen zu kochen. Drei bis fünf Personen werden gebraucht, um 100 bis 120 Portionen zuzubereiten. Die Freiwilligen investieren pro Einsatz rund sechs Stunden (8:30 bis 14 Uhr) – vom Kochen bis zur Reinigung des Geschirrs und der Küche. Für Menschen, die unter extremer Armut leiden, kann eine warme Mahlzeit am Tag einen großen Unterschied machen, gerade wenn man auf der Straße lebt.

Wir haben MMag.a Dr.in Doris Schneeberger, die die Initiative gegründet hat, zum Interview gebeten.

Edda: Stelle dich doch bitte kurz vor und verrate uns, wie du auf die Idee für Vienna Veggie Homeless Cooking gekommen bist!

Doris: Ich bin in Oberösterreich aufgewachsen, habe in Salzburg studiert und in Philosophie im Bereich Tierethik promoviert. Danach habe ich für eine gewisse Zeit aus beruflichen Gründen in Berlin gelebt und mich dort nach gemeinnützigen Projekten umgesehen, bei denen ich mich in meiner Freizeit sinnvoll einbringen kann. Ich bin dann auf das Homeless Veggie Dinner gestoßen, wo Freiwillige für obdachlose Menschen aus gespendeten und geretteten Lebensmitteln ein mehrgängiges vegan-vegetarisches Abendessen kochen. Ich hab‘ dort mitgemacht und jetzt, wo ich nach Wien gezogen bin, hab‘ ich mich umgesehen, ob es so ein Projekt auch in Wien gibt. Da das nicht der Fall war, hat es sich nun toll ergeben, dass wir öfter für das Tageszentrum der Caritas am Hauptbahnhof kochen dürfen und die Wiener Tafel uns Gemüse und Obst zur Verfügung stellt.

Was sind die Ziele von Vienna Veggie Homeless Cooking und was macht dieses Projekt besonders?

Ein vordergründiges Ziel ist natürlich, dass wir für bedürftige Menschen ein leckeres, ausgewogenes und gesundes Mittagessen kochen. Weitere, darüber hinausgehende Ziele betreffen vor allem die Intersektionalität des Projekts, und da sind wir dann auch schon bei den Besonderheiten angekommen. Wir kochen für obdachlose Menschen, vegan, und das mit geretteten sowie gespendeten Lebensmitteln. Das Projekt fördert somit den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft, stellt einen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung dar, und dadurch, dass ausschließlich vegan gekocht wird, kommen nochmal einige weitere Themenfelder und Vorteile hinzu.

Welche sind das? Warum kocht ihr ausschließlich vegan?

Es gibt viele gute Gründe dafür, vegan zu leben. Für mich persönlich ist der tierethische Aspekt der wichtigste Beweggrund. Die industrielle Herstellung von Tierprodukten ist mit massivem Tierleid und der Tötung von Tieren verbunden. Da wir westlichen Menschen uns einfach günstig, ausgewogen, gesund, und lecker vegan ernähren können, ist für mich klar: Wenn ich niemanden einsperren, quälen, und töten muss, dann mache ich das auch nicht beziehungsweise zahle auch niemanden dafür, dass er oder sie das für mich macht.

Für viele ist auch Umwelt- und Klimaschutz ein entscheidender Grund, warum sie sich für eine vegane Ernährung entscheiden. Die Tiernutzungsindustrie produziert mehr umweltschädliche Abgase als die gesamte Transportindustrie – also alle Flugzeuge, Autos, LKWs et cetera – zusammen. Dadurch befeuert sie den Klimawandel. Sie ist der größte Regenwaldzerstörer, Frischwasserverbraucher, und entscheidend für die Verpestung unser Umwelt und Gewässer durch enorme Mengen von Gülle und Mist verantwortlich. Zum Thema Umweltschutz und Veganismus ist die Dokumentation Cowspiracy sehr zu empfehlen.

Die Produktion von tierischen Lebensmitteln ist ressourcenintensiv und verschwenderisch und steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Welthunger. 821 Millionen Menschen weltweit leiden an Hunger. Für die Produktion eines Hamburgers mit ca. 250 Gramm braucht es 25 (!) Kilogramm Tierfutter, 25 Quadratmeter Land und etwa 220 Liter Wasser. Wenn man das Getreide, das als Tierfutter verwendet wird, direkt verzehren würde, statt damit Tiere zu mästen, würden disproportional viel mehr Menschen satt werden.

Ein weiterer Aspekt, der viele Menschen zu einer pflanzlichen Ernährung motiviert, ist der Gesundheitsaspekt. Die größte Ernährungsorganisation der Welt hat aufgrund von wissenschaftlichen Metastudien festgestellt, dass eine ausgewogene vegane Ernährung in allen Lebensphasen gesund ist und sogar gewissen Krankheiten vorbeugen beziehungsweise diese bekämpfen kann, wenn sie bereits aufgetreten sind. Darüber hinaus hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) diverse Fleischerzeugnisse als krebserregend eingestuft, teilweise sogar auf der selben Ebene wie Zigaretten. Kuhmilch und Kuhmilcherzeugnisse wie Käse werden mit der Entstehung von diversen Arten von Krebs in Verbindung gebracht, vor allem mit Brustkrebs und Prostatakrebs. Somit gibt es sehr viele gute Gründe, die für eine vegane Ernährung sprechen.

Das Hintergrundbild auf eurer Facebook-Seite enthält den Spruch „Never look down on anybody unless you’re helping them up”. Was bedeutet er für euch?

Er repräsentiert sehr gut, dass es in dieser Zeit des politischen Sozialabbaus so wichtig ist, dass wir als Zivilgesellschaft für Menschlichkeit aufstehen, gerade wenn wir uns von den Entscheidungen der gewählten Vertreter*innen nicht vertreten fühlen. Extreme Armut geht uns alle etwas an. Und es kann uns alle auch schnell treffen. Jobverlust, Krankheit, Schicksalsschläge, niemand ist davor gefeit. Gerade jetzt, wo die Regierung schon fast plutokratisch als Interessensvertretung der Wirtschaft und basierend auf Xenophobie, Angst, Hass, und Neid Entscheidungen trifft, die die Gesellschaft noch mehr spalten, die Armut verstärken, und den sozialen Frieden gefährden, wollen wir zeigen, dass wir uns ein menschliches, solidarisches Österreich wünschen und uns dafür auch einsetzen.

Wie kann man Vienna Veggie Homeless Cooking unterstützen?

Wir suchen Freiwillige ab 18 Jahren, die sich bei Kocheinsätzen engagieren oder uns helfen, Lebensmittel von der Spendenstelle zum Einsatzort zu transportieren. Wir nehmen gerne Lebensmittel oder finanzielle Spenden entgegen. Besonders unterstützen uns auch Berichte in diversen Medien und auf Online-Plattformen, damit wir noch mehr Menschen erreichen können. Wir freuen uns auch über ein Like für unsere Facebook-Page und einen Besuch auf unserer Website. Vienna Veggie Homeless Cooking lebt von der Gemeinschaft an Menschen, die die Einsätze mit vereinten Kräften ermöglichen.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

 

Die nächsten Koch-Termine werden auf der Facebook-Seite und der Homepage von Vienna Veggie Homeless Cooking bekannt gegeben. Bei (An-)Fragen könnt ihr euch direkt an Doris wenden.

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Holen wir uns ein Grundeinkommen von 1.000 Euro im Monat!

In Zeiten immer höherer Arbeitslosenquoten und der Auslagerung von Tätigkeiten an Roboter und künstliche Intelligenz wird das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens verstärkt diskutiert. Aber worum handelt es sich bei einem…

In Zeiten immer höherer Arbeitslosenquoten und der Auslagerung von Tätigkeiten an Roboter und künstliche Intelligenz wird das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens verstärkt diskutiert. Aber worum handelt es sich bei einem Bedingungslosen Grundeinkommen überhaupt?

Das Bedingungslose Grundeinkommen ist ein politisches Konzept, im Zuge dessen jeder monatlich eine finanzielle Zuwendung vom Staat erhält, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen oder Anforderungen erfüllen zu müssen. So soll Menschen unabhängig von ihrer Leistung am Arbeitsmarkt ein würdevolles Leben ermöglicht werden. Alleinerziehende, Menschen, die Angehörige pflegen oder Personen, die aufgrund gesundheitlicher Probleme keinen regulären Beruf ausüben können kann die Möglichkeit gegeben werden, über dem Existenzminimum zu leben. Dieses liegt in Deutschland übrigens bei 750 Euro pro Monat.

Die Initiative Mein Grundeinkommen sammelt per Crowdfunding Geld für Bedingungslose Grundeinkommen. Immer wenn 12.000 Euro zusammen sind, werden sie an eine Person verlost. Mittlerweile haben so 300 Personen ein Grundeinkommen von ein Jahr lang 1.000 Euro im Monat gewonnen. Am 28. März 2019 werden wieder mindestens acht Grundeinkommen verlost – und zwar im Doppelpack! Das heißt, man nimmt nicht nur alleine an der Verlosung teil, sondern kann sich auch im Team in den Lostopf begeben. Wenn ein Team gewinnt, erhalten beide jeweils die betreffenden 12.000 Euro im Jahr.

Was ich mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen dieser Art machen würde? Als Selbstständige wäre der finanzielle Druck nicht mehr ganz so groß, und ich könnte mir mehr Zeit nehmen, um mich verstärkt um meine Familie zu kümmern.

Mit diesem Link könnt ihr gemeinsam mit mir an der nächsten Verlosung am 28. März 2019 teilnehmen und so eure Chancen auf einen Gewinn erhöhen. Ich drücke uns die Daumen!

Was würdet ihr mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen machen?

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Essen retten, Müll reduzieren: Was ist foodsharing und wie funktioniert es?

foodsharing wurde im Jahr 2012 in Berlin aus der Idee geboren, noch essbare aber nicht mehr verkäufliche Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren. Denn auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten…

foodsharing wurde im Jahr 2012 in Berlin aus der Idee geboren, noch essbare aber nicht mehr verkäufliche Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren. Denn auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten oder die Verpackung beschädigt ist, sind Lebensmittel üblicherweise noch genießbar. Auch Überproduktionen müssen so nicht im Müll landen. Über foodsharing werden diese Lebensmittel ohne Gegenleistung weiterverschenkt.

Der Gründer Raphael Fellmer, der ursprünglich Lebensmittel aus Mülltonnen von Bio-Supermärkten gedumpstert hatte, kam mit seiner Idee auf Supermärkte zu und fruchtbare Kooperationen nahmen ihren Lauf. Eines der Prinzipien von foodsharing ist, dass sämtliche Arbeit ehrenamtlich abläuft und gleichzeitig niemand für die Mitgliedschaft oder die abgeholten Lebensmittel zahlen muss.

Auf den jeweiligen Online-Plattformen foodsharing.de, foodsharing.at und foodsharingschweiz.ch können sich foodsharing-Mitglieder organisieren und durch private Nachrichten mit jedem anderen Mitglied in Kontakt treten. Über 200.000 Menschen sind auf den foodsharing-Plattformen registriert.

Ein mobiler Fair-Teiler voll mit gerettetem Essen.

Wie kann ich mich beteiligen?

Der erste Schritt ist, sich auf der foodsharing-Seite seines Landes mit Namen und E-Mail-Adresse zu registrieren. Durch diese Registrierung ist man offizieller Foodsharer und kann sich mit anderen Mitgliedern vernetzen, Lebensmittel auf der Plattform einstellen und so verschenken oder auch angebotene Lebensmittel abholen. Hier gilt immer die Regel: „Gib‘ nur weiter, was du auch noch essen würdest.“

Vom Foodsharer zum Foodsaver

Möchte ein Foodsharer sich noch mehr einbringen, kann er Foodsaver werden. Foodsaver holen Essen direkt von Unternehmen wie Supermärkten, Restaurants oder Bäckereien ab, mit denen foodsharing eine Kooperation hat. Um Foodsaver zu werden, ist es nötig, sich Wissen zu den Richtlinien und Regeln des Foodsavings anzueignen. Das Foodsharing-Wiki informiert über alles, was Foodsaver wissen müssen – hier muss auch ein Online-Test mit Zeitlimit absolviert werden, der zehn Fragen umfasst. Wenn man lieber unbegrenzt Zeit haben möchte, versucht man sich am Quiz mit 20 Fragen.

Ist das Quiz geschafft, müssen drei Einarbeitungsabholungen in unterschiedlichen Betrieben mit erfahrenen Foodsavern absolviert werden. So kann man direkt von erfahrenen Mitgliedern lernen und alle aufkommenden Fragen sofort besprechen. Wenn alle drei Abholungen gut verlaufen, bekommt man einen Foodsaver-Ausweis, den man bei jeder Abholung vorzeigen muss. Nun kann man sich auf der foodsharing-Plattform für die Aufnahme in ein Team bewerben, wenn dieses noch Unterstützung für den Betrieb sucht, den es betreut. Die kooperierenden Betriebe sind auf der jeweiligen foodsharing-Plattform auf einer Landkarte eingetragen. Auf dieser Landkarte ist auch ersichtlich, für welche Betriebe noch Foodsaver gesucht werden. Wird der Foodsaver vom Betriebsverantwortlichen ins Team aufgenommen, kann er sich offiziell für Abholtermine im jeweiligen Unternehmen anmelden.

Wer denkt, es geht hier nur um kleine Mengen, irrt.

Was passiert mit dem abgeholten Essen?

Die vom Unternehmen bereitgestellten Lebensmittel müssen vollständig abgeholt werden, auch wenn das eine oder andere Stück vielleicht nicht mehr zum Verzehr geeignet ist. Nun ist der jeweilige Foodsaver dafür verantwortlich, nicht mehr Genießbares auszusortieren. Natürlich kann man sich von dem geretteten Essen auch selber etwas behalten, wobei darauf zu achten ist, dass man das Essen auch entsprechend ohne Überschuss verbrauchen kann.

In Folge gibt es viele kreative Möglichkeiten, das gerettete Essen zu verteilen. Das kann direkt über die foodsharing-Seite passieren oder es kann in einen Fair-Teiler gebracht werden. Manche Foodsaver verschenken Essen an ihre Nachbarn, fair-teilen es über Facebook-Gruppen oder organisieren gemeinsame Koch-Events. Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Was sind Fair-Teiler?

Fair-Teiler sind Orte, zu denen Lebensmittel gebracht und auch abgeholt werden können. Sie sind meistens mit Kühlschrank und Regal oder zumindest einem von beiden ausgestattet. Fair-Teiler können auf privatem Grund und Boden, in Vereinsräumen, einer Uni, einem Café oder einem Geschäft stehen – es gibt unzählige Möglichkeiten. Für einen Fair-Teiler ist ein konkreter betriebsverantwortlicher Foodsaver zuständig. Er überprüft, ob der Hygieneplan eingehalten wird und beteiligt sich selber daran.

Das Besondere an Fair-Teilern: Jeder, auch Menschen, die nicht auf foodsharing registriert sind, kann Essen aus einem Fair-Teiler abholen oder hinbringen. Jeder Fair-Teiler hat eine eigene Seite auf der jeweiligen foodsharing-Plattform mit Informationen zur Organisation und neu eingelangten Lebensmitteln. Via Mailingliste kann man sich auch per Mail über Neuigkeiten im jeweiligen Fair-Teiler informieren lassen.

Beispielhaft: Ein Fair-Teiler im zehnten Wiener Gemeindebezirk.

Was macht ein betriebsverantwortlicher Foodsaver?

Ein betriebsverantwortlicher Foodsaver muss dafür sorgen, dass die Kooperation mit einem Betrieb reibungslos funktioniert und den Kontakt zu Betrieb und den Foodsavern die vom Betrieb abholen pflegen. Er muss überprüfen ob für jeden Abholungstermin ein Foodsaver eingetragen ist. Wenn das nicht der Fall ist oder ein Foodsaver eine Abholung kurzfristig absagt, muss der Betriebsverantwortliche einspringen. Um betriebsverantwortlicher Foodsaver zu werden, muss man bereits Foodsaver sein. Zusätzlich muss ein Quiz bestehend aus zehn Fragen über die Aufgaben eines betriebsverantwortlichen Foodsavers absolviert werden. Auch um sich eines Fair-Teilers anzunehmen ist ein Status als betriebsverantwortlicher Foodsaver nötig.

Neben Foodsavern, Foodsharern und betriebsverantwortlicher Foodsavern gibt es noch Botschafter. Diese koordinieren die Betriebsverantwortlichen und stellen die Ausweise für neue Foodsaver aus. Des weiteren unterstützen sie bei der Akquisition neuer Betriebe, organisieren Treffen und repräsentieren foodsharing in ihrer Region.

Wie kooperieren Unternehmen mit foodsharing?

Ein kooperierender Betrieb kann ein Restaurant, ein Hotel, eine Kantine, eine Bäckerei, ein Bauernhof, eine Supermarktfiliale und noch vieles mehr sein. Nicht jedoch konventionelle Supermarktketten, da hier mit anderen Organisationen wie zum Beispiel Sozialmärkten Kooperationen existieren. Unternehmen können alle Lebensmittel spenden, so lange diese genießbar sind. Interessierte Betriebe finden hier weitere Informationen, unter anderem welche Vorteile ihnen eine Kooperation mit foodsharing bringt.

Warum sollte ich mich bei foodsharing engagieren?

Weltweit landet ein Drittel aller Lebensmittel im Müll. Ein großer Teil davon sind Überproduktionen oder Lebensmittel, die der Besitzer nicht mehr verwenden will oder kann. Neben anderen Maßnahmen wie bewussteres Einkaufen kann mit der Verteilung noch genießbarer Lebensmittel ein wertvoller Beitrag gegen diese Verschwendung geleistet werden. Auch Menschen, die finanziell schlechter gestellt sind, können sich so mit Essen versorgen. Sich ehrenamtlich zu engagieren bringt natürlich auch die üblichen Vorteile: Man lernt neue Fähigkeiten und neue Menschen kennen und findet im besten Fall eine Leidenschaft für das ganze Leben.

Weitere Informationen findet ihr auf den foodsharing-Seiten für das jeweilige Land:

Deutschland: foodsharing.de

Österreich: foodsharing.at

Schweiz: foodsharingschweiz.ch

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SALE – im LENTOS Linz: Nur mehr für kurze Zeit!

Kennt ihr das Gefühl, wenn man* mit der besten Freundin stundenlang durch Boutiquen zieht und in aufregenden Probiersessions Zeit und einfach alles vergisst? In der Ausstellung INES DOUJAK – SALE…

Kennt ihr das Gefühl, wenn man* mit der besten Freundin stundenlang durch Boutiquen zieht und in aufregenden Probiersessions Zeit und einfach alles vergisst?

In der Ausstellung INES DOUJAK – SALE im Lentos Kunstmuseum erlebte ich ein Revival dieses Gefühls. Mitten im großen Saal des LENTOS laden Kleiderstangen mit Röcken, Kleidern, Overalls und Mänteln aus tollen Stoffen und in stylischen Schnitten zum Anprobieren ein und die Museumshalle verwandelt sich noch bis 21. Mai 2018 in einen Pop-up Store.

Neben Probiersession-Feeling erzeugt Ines Doujak mehrfach angenehme Gefühle, die aber bei genauerer Betrachtung der Werke ins Stocken geraten. Die österreichische Künstlerin vernäht das Offensichtliche mit komplexen Sinnebenen und chiffriert das Politische auf modische Weise.

Ines Doujak, Karneval

Schmutzige Geheimnisse, blutende Pferde, freche Plünderer, brennende Nähmaschinen, gequälte Affen und dreckige Ideologien. In ihren Werken verwebt Doujak künstlerische Praxis mit kritischen Labels und formuliert mit Nadelstichen ihre vielschichtige Kritik unter anderem an der Modeindustrie. Textiler Zwirn verstrickt mit metaphorischen Fäden, die es zu entwickeln gilt.

Das Saalheftchen benennt das politische Feld der Globalisierung und daraus resultierende Konsequenzen: #Freihandelsabkommen, #Transportkosten, #Ausbeutung, #Rassismus, #Tierqual.

Ines Doujak, Kriminalaffe

Jedes Werk könnte Ausgangspunkt sein, um Fragen zu konkreten Entwicklungen in Gesellschaft und Politik zu eröffnen. Doch ich schließe an dieser Stelle und empfehle den Besuch der Ausstellung: SALE – nur mehr für kurze Zeit im Lentos Linz.

Ausstellungsansicht, großer Saal im LENTOS Kunstmuseum Linz

Danke an mein zauberhaftes Fotomodell Jasmin Maria David!

INES DOUJAK – SALE
LENTOS Kunstmuseum Linz
Ernst-Koref-Promenade 1, 4020 Linz

Über Pfingsten geöffnet!

Kuratorin: Hemma Schmutz

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ANIMAL UTOPIA – Hoffnungsvoll nach vorne malen

Das Buch ANIMAL UTOPIA beleuchtet das künstlerische Schaffen von Maler Hartmut Kiewert und schenkt Hoffnung ohne die Realität zu verklären. Kunst mit gegenwärtigen Praktiken verknüpfen Im Vorwort eröffnet Publizistin und…

Das Buch ANIMAL UTOPIA beleuchtet das künstlerische Schaffen von Maler Hartmut Kiewert und schenkt Hoffnung ohne die Realität zu verklären.

Kunst mit gegenwärtigen Praktiken verknüpfen

Im Vorwort eröffnet Publizistin und Journalistin Hilal Sezgin die Auseinandersetzung mit Kiewerts Gemälden anhand ihrer assoziativen Betrachtung. Sie stellt klare Bezüge her zwischen den utopischen Malereien Kiewerts, den realen Praktiken der Tierproduktionsindustrie und den Verhaltensweisen von Schweinen. Das Gemälde Herbst (2012) erinnert Sezgin an ein reales Ereignis, das sich 1959 in Australien ereignete. Beim Unfall eines Tiertransporters mit Schweinen konnten „etliche von ihnen entkommen und bildeten im Namadgi National Park eine beständige Population“. (ANIMAL UTOPIA, 12)

Bild: Harmut Kiewert, Herbst, Öl auf Leinwand, 60 x 100 cm, 2012

Was-wäre-Wenn in Bild und Text

Mit Worten bringt Sezgin auf Papier, was Kiewert mit Pinseln auf der Leinwand festhält, wenn sie beschreibt, was alles möglich wäre, wenn ein Schwein den gegenwärtigen Haltungssystem entkommen könnte. „Schweinemütter würden sich bequem hinlegen, um ihre Jungen zu säugen. Sie würden ihnen Nester in kleinen, mit Laub gepolsterten Gruben anlegen und müssten die Nase nicht in traurigen Ersatzhandlungen über den leeren Spaltenboden schieben.“ (ANIMAL UTOPIA, 13)

Kiewerts Gemälde spielen laut Sezgin „mit einem Was-wäre-wenn, aber es ist kein naives Was-wäre-wenn, sondern eines, in dem Absperrungen und Schranken und Wunden noch sichtbar sind.“

Bild: Hartmut Kiewert, Nest, Öl auf Leinwand, 150 x 190 cm, 2013

Kunstgeschichte schreiben

Die Texte zu Kiewerts Werken hat Kunsthistorikerin und Herausgeberin der Fachzeitschrift Tierstudien, Jessica Ullrich, verfasst. Ullrich beschreibt Werke und die künstlerische Entwicklung Kiewerts, stellt kunsthistorische Bezüge her, vollzieht eine Einordnung der bildlichen Darstellungen in Kiewerts Werkkomplex und zeichnet ein ausführliches Porträt seines Schaffens. Auf vermittelnde Art eröffnet Ullrich den Rezipient*innen den Zugang zu Kiewerts Kunst.

Bild: Hartmut Kiewert, Randstreifen, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm, 2015

Kunst als Medium der Hoffnung

Am Ende des Textteils, bevor der 100-seitige Farbbildteil beginnt, verweist Jessica Ullrich auf die Bedeutung des Begriffs Utopie und präsentiert zwei Begriffsdefinitionen. Die des Philosophen Max Horkheimer, für ihn ist Utopie „die Kritik dessen, was ist und die Darstellung dessen, was sein soll“ und die Definition des Philosophen Ernst Bloch, für ihn steht Utopie für das „Denken nach vorn“. (ANIMAL UTOPIA, 85) Die Essenz von Kiewerts künstlerischer Postition fasst Ullrich an mehreren Textstellen und konstatiert zu guter Letzt: „Die auf seinen Tableaus realisierten Ziele einer imaginierten, aber sich tatsächlich gesellschaftlich vorbereitenden Revolution der Tier-Mensch-Beziehung sind Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit für alle Spezies. Und so bleibt auch für Hartmut Kiewert der Geist der Utopie dem Prinzip Hoffnung verbunden.“ (ANIMAL UTOPIA, 85)

ANIMAL UTOPIA ist eine Künstlermonografie mit gesellschaftlicher Relevanz. Ausführlich und erkenntnisreich gelingt die Auseinandersetzung mit herrschafts- und gesellschaftskritisch Kunst. Kunst, die den Mut hat sich den tief verwurzelten karnisitischen und speziesistischen Denktraditionen in der Gesellschaft kritisch gegenüber zu stellen.

ANIMAL UTOPIA
Verlag compassion media, 2017
Hardcover, 28 Euro
ISBN 978-3-9816425-6-8

Website des Künstlers Hartmut Kiewert
Statement des Künstlers zu Theorie und Praxis seiner Maltechnik

Vielen Dank für das Rezeptionsexemplar an compassion media!

ANIMAL UTOPIA ist hier erhältlich.

 

Wer jetzt gleich noch mehr über einzelne Kunstwerke und Hartmut Kiewerts Kunst lesen möchte, sei auf folgende KUNST HALLT NACH Kolumnen verwiesen:
Kunst verändert den Blick – ANIMAL UTOPIA

Da sitzt ein Schwein am Sofa – Nachhalltige Kunst von Hartmut Kiewert

Herrschaft und Gewalt im Fadenkreuz – Hartmut Kiewerts Gewährsmänner

 

Was magst du an Kunstbüchern/Katalogen besonders?

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Affe oder Mensch? Chris Mosers Skulptur „artgerecht“

Ein Kopf – zwei Gesichter. Chris Moser übersetzt einen lang anhaltenden und komplexen Diskurs in eine Skulptur, die unkompliziert und ausdrucksstark Position bezieht. Das Werk „artgerecht“ ist bald in Imst…

Ein Kopf – zwei Gesichter. Chris Moser übersetzt einen lang anhaltenden und komplexen Diskurs in eine Skulptur, die unkompliziert und ausdrucksstark Position bezieht. Das Werk „artgerecht“ ist bald in Imst zu sehen, hier ein kleiner Vorgeschmack.

Die Gipsbüste zeigt eine Figur mit zwei Gesichtern. Das Gesicht eines Menschen und das Gesicht eines Schimpansen, die an den Hinterköpfen ineinander verschmolzen sind und so eine Einheit bilden. Unter dem Hals formt sich die Skulptur zu einem runden Sockel, der am unteren Ende die Aufschrift trägt: „…artgerecht ist nur die freiheit ist artgerecht ist nur die freiheit ist argerecht ist nur die freiheit ist artgerecht….“[1]

Chris Moser, artgerecht, 2017

Chris Moser, artgerecht, 2017

Radikale Verbundenheit

Die Frage, wer denn nun wen anblickt, beziehungsweise, ob das Tier zurückblickt, den Menschen anblicken kann, wird hier ad absurdum geführt. In der Verschmelzung von Mensch und Tier hin zu einem hybriden Wesen provoziert Moser eine tiefgreifende In-Frage-Stellung der ohnehin unscharfen und verschwommenen Speziesgrenze in künstlerischer Form und verweist auf die Verbundenheit von Mensch und Tier.

Mit Verbundenheit, im wissenschaftlichen Kontext, beschäftigt sich Susanna Magdalena Karr in ihrer Publikation „Verbundenheit. Zum wechselseitigen Bezogensein von Menschen und Tieren“ (Neofelis Verlag), in dem sie schreibt: „Das Anerkennen der Verbundenheit als Gegebenheit fordert weitreichende Revisionen im Umgang mit anderen Lebensformen. So wird die Kategorisierung aller nicht-menschlichen Lebewesen als „Material“ oder „Produkt“ fallen müssen.“

Frei von Überlegenheitsgefühlen

Problematisiert wird die vom Menschen selbst auferlegte Superiorität in der Tierwelt, seine Überlegenheits- und Allmachtsgefühle, die ähnlich wie bei Rassismus und Sexismus auf Ab- und Ausgrenzung beruhen, um Diskriminierung zu legitimieren und zu forcieren. Die Dekonstruktion dieser veralteten kategorialen Grenzen befreit in erster Linie den Menschen selbst und macht Hierarchisierung und stures Beharren auf menschlicher, männlicher, oder weißer Dominanz überflüssig. Chris Moser Werk „artgerecht“ ist bei der KUNSTSTRASSE IMST erstmals öffentlich zu sehen.

Chris Moser, hier beim Modellieren der Skulptur artgerecht, 2017

Vielen Dank an Chris Moser für die zur Verfügung gestellten Fotografien und die Möglichkeit der Erstveröffentlichung!

Chris Moser lebt und arbeitet als Künstler, Buchautor und politischer Aktivist in Tirol.
Künstlerische Medien: Bildhauerei, Grafik, Collage/Assemblage
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Neueste Publikation: Chris Moser, Viva la Rebellion. Ein Aufruf zum Widerstand, 978-3-902873-58-3, Kyrene Verlag, 2016 – gelesen von Victoria Windtner.

[1] Mich erinnert der Spruch an das Buch „Artgerecht ist nur die Freiheit. Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen“, von Publizistin und Philosophin Hilal Sezgin. Sezgin tritt für einen liberalen Islam ein und engagiert sich für die Rechte von Tieren. Der Spruch ist nach Auskunft von Chris Moser jedoch schon viel älter als das Buch.
[2] Chris Moser in meiner Kolumne: KUNST HALLT NACH: Bist du ein Homo ABER? – Radikalkunst von Chris Moser; Lähmende Endlosschleifen durchbrechen – Radikalkunst von Chris Moser

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#xmaschallenge: Nachhaltiges Schenken zu Weihnachten

Das Weihnachtsgeschäft ist nicht nur für den Handel in vielen Branchen die wichtigste Zeit des Jahres. Im Schnitt geben Deutsche für Weihnachtsgeschenke rund 300, ÖsterreicherInnen sogar rund 400 Euro aus….

Das Weihnachtsgeschäft ist nicht nur für den Handel in vielen Branchen die wichtigste Zeit des Jahres. Im Schnitt geben Deutsche für Weihnachtsgeschenke rund 300, ÖsterreicherInnen sogar rund 400 Euro aus. Insgesamt werden zur Weihnachtszeit in beiden Ländern über 90 Milliarden Euro (!) für Geschenke ausgegeben.

Nachhaltiges Schenken steht bei den meisten Kaufentscheidungen noch nicht im Vordergrund. Aus Mangel an Zeit oder Ideen verschenken die meisten Menschen Gutscheine oder – noch unpersönlicher – Geld. Auch die klassischen Verlegenheitsgeschenke wie Parfum oder Socken sind für viele immer noch ein Weg heraus aus dem Geschenkedilemma. Dabei kann persönliches und natürlich auch nachhaltiges Schenken zu Weihnachten so einfach sein!

#xmaschallenge Blogparade

Die #xmaschallenge soll zu nachhaltigem Schenken motivieren und zugleich entsprechende Ideen und Inspiration liefern. Bis 23. Dezember 2017 könnt ihr mit eurem Blog bei der #xmaschallenge mitmachen und eure Artikel rund um nachhaltige Weihnachtsgeschenke veröffentlichen. Der Fantasie sind hier praktisch keine Grenzen gesetzt: Ob Ideen und Rezepte für DIYs, Inspiration für persönliche Geschenke, Geschäfte oder Online-Shops mit nachhaltigem Sortiment, nachhaltige Produkte wie Bio-Lebensmittel, Naturkosmetik oder Kleidung aus nachhaltigen Materialien… Natürlich könnt ihr auch eure nachhaltige Wunschliste mit anderen teilen. Bitte achtet im Sinne eines schönen Weihnachten für alle nur darauf, dass alle eure Ideen ohne Tierisches auskommen, sprich neben nachhaltig auch vegan sind.

Mit dem zum Teil sehr großen Einfluss unserer Blogs können wir so Verantwortung gegenüber unserer Umwelt, aber auch gegenüber unseren LeserInnen übernehmen, die unserem Urteil und unseren Empfehlungen vertrauen. Als BloggerInnen können wir so auch unsere Reichweite nachhaltig und sinnvoll nutzen und so gemeinsam positive Veränderung bewirken.

Postet eure Blogbeiträge zur #xmaschallenge in den Kommentaren unter diesem Artikel und wir teilen ihn auf unserer Facebook-Seite!

Jeder kann mitmachen!

Nicht nur lesen, sondern auch mitmachen ist das Motto! Jedes Mal, wenn ihr im Zuge der Challenge handelt, könnt ihr dies – im optimalen Fall mit Bild – auf euren Social Media Profilen posten und so noch mehr Menschen dazu motivieren, zu Weihnachten nachhaltig zu schenken.

Auf ein nachhaltiges Weihnachten!

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Lähmende Endlosschleifen durchbrechen – Radikalkunst von Chris Moser

Ein Gipsschädel als Perpentuum Mobile der „Denk“-Bewegung. Flexischläuche verbinden die Gesichtsöffnungen mit der Wirbelsäule und vice versa. Chris Moser veranschaulicht in seiner neuesten Skulptur einen Kreislauf der vermeintlichen Ohnmächtigkeit und…

Ein Gipsschädel als Perpentuum Mobile der „Denk“-Bewegung. Flexischläuche verbinden die Gesichtsöffnungen mit der Wirbelsäule und vice versa. Chris Moser veranschaulicht in seiner neuesten Skulptur einen Kreislauf der vermeintlichen Ohnmächtigkeit und fordert Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.

Von den Augen in den Hinterkopf, aus dem Ohr zum Mund, aus der Nase ins Rückenmark, aus dem Hinterkopf ins Auge, aus dem Mund zum Ohr, aus dem Rückenmark in die Nase. Sinneseindrücke und Wahrnehmungswelten sind auf einen in sich rotierenden Mechanismus beschränkt.

Solo-Bubble-Performance

Der Bildhauer Chris Moser nimmt Bezug auf das sich im Kreis drehende Denken von Menschen, auch im Sinne einer Unabrückbarkeit von Überzeugungen und ideologischen Glaubensystemen. Im Gegensatz zum Werk „homo ABER„[1] argumentiert diese Figur nicht gegen Reflexionen der Außenwelt, sondern entzieht sich völlig der Auseinandersetzung mit dieser. Die Wahrnehmungswelt dieses Wesens wird auf die eigene Vorstellungswelt reduziert und (Selbst-)Reflexion ist damit unmöglich.

Bestehende Ansichten, Meinungen, Glaubenssätze und Denkformen zirkulieren unentwegt. Es scheint, als könnte nichts neues, anderes in diesen Kreislaufs hinzu kommen. Eine skulpturale Gestaltung der soziokulturellen Filterblase #Bubble? Eine Art Endlosschleife einer Solo-Bubble-Performance?

Chris Moser bei der Arbeit am Werk: EIGENverantwortlich! VERschwörung? SELBSTbestimmt, Sockelbüste, Gips und Accessoires, 2017

Selbstbestimmt den Kreislauf durchbrechen

Selbstreflexion und das ausdrückliche Hinterfragen von „eingespielten Abläufen“ fordert Chris Moser. Um die konfrontative Wirkung zu verstärken steht die Büste auf einem Sockel und wird damit auf Augenhöhe der Betrachter*innen gesetzt. Moser wendet sich direkt an die Betrachter*innen seiner Werke und konfrontiert sie mit provokanten Fragen:

„Sind immer die ANDEREN das problem?
oder eigene gewohnheiten?
teil des problems oder teil der lösung?
… sind die einfachsten erklärungen tatsächlich die besten?
– beeinflussen, manipulieren & versklaven euch wirklich ‚die medien‘ – die ihr doch freiwillig konsumiert?
– haben ‚die grosskonzerne‘ wirklich zuviel macht
– dennoch kauft ihr freiwillig ihre produkte?
– fristet ihr wirklich euer dasein im ‚erzwungenen materialismus‘ während ihr materialistische bedürfnisse stillt?
– ist am ende vielleicht gar keine ‚verschwörung‘ verantwortlich für dieses kranke leben, sondern ihr selbst?
– scheissen euch womöglich gar nicht die ‚mainstreammedien‘ den kopf voll, sondern ihr selbst?“

Chris Moser, Skizze der Arbeit: EIGENverantwortlich! VERschwörung? SELBSTbestimmt!, Sockelbüste, Gips und Accessoires, 2017

Schläuche rausreißen!

Chris Moser wendet sich direkt an die Akteur*innen im gesellschaftlichen System. Diese Akteur*innen sind wir. Jeder und Jede einzelne*n von uns, die dieser Gesellschaft angehören und durch das eigene, oft unreflektierte Verhalten, zum Bestehen problematischer Zustände beitragen. Mit enormer Dichte konfrontiert uns der politische Künstler mit Themen wie Konsumverhalten, Materialismus, Kapitalismus, medialer Manipulation und Verschwörungstheorien. Indirekt nimmt er Bezug auf vorherrschende Ideologien, deren prägende Wirkung und Dominanz, die meist unerkannt und unsichtbar bleiben und ermutigt zum Durchbrechen der eigenen Denk- und Handlungsgrenzen.

Danke an Chris Moser für die Erlaubnis, die ersten Fotografien des Werkes „EIGENverantwortlich! VERschwörung? SELBSTbestimmt!“ in diesem Kolumnenbeitrag zu veröffentlichen.

Chris Moser lebt und arbeitet als Künstler, Buchautor und politischer Aktivist in Tirol.
Künstlerische Medien: Bildhauerei, Grafik, Collage/Assemblage
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Neueste Publikation: Chris Moser, Viva la Rebellion. Ein Aufruf zum Widerstand, 978-3-902873-58-3, Kyrene, 2016 – gelesen von Victoria Windtner.

[1] Bist du ein Homo ABER? – Radikalkunst von Chris Moser

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Kunst verändert den Blick – >ANIMAL UTOPIA<

„Die letzte Tierfabrik wurde geschlossen. Ehemalige Tierproduktionsstätten verfallen zu Ruinen.“ So, oder so ähnlich könnte eine News-Meldung aussehen, wenn Hartmut Kiewerts >ANIMAL UTOPIA< wahr wird und Menschen den Blick auf…

„Die letzte Tierfabrik wurde geschlossen. Ehemalige Tierproduktionsstätten verfallen zu Ruinen.“ So, oder so ähnlich könnte eine News-Meldung aussehen, wenn Hartmut Kiewerts >ANIMAL UTOPIA< wahr wird und Menschen den Blick auf das Tier nachhaltig veränderten.

Utopische Kunst als Gesellschaftskritik

Der Künstler Hartmut Kiewert schafft seit mehreren Jahren politische Kunst und legt in seiner künstlerischen Auseinandersetzung den Fokus auf gesellschaftsrelevante Themen. Im speziellen beschäftigt ihn das herrschaftliche Ausbeutungssystem von sogenannten „Nutztieren“. Seine Kunst bezieht Stellung zur Problematik der vorherrschenden Mensch-Tier-Beziehung und verdeutlicht mit emanzipatorischer Kraft: „Schau mal, so könnten wir auch mit Tieren umgehen“.

Kiewert zeigt, wie es sein könnte, wenn sich die von Objektivierung und Herrschaft geprägte Beziehung zwischen Mensch und Tier verändert und ein friedliches Zusammenleben möglich wird. So manche Unbequemlichkeit in Zusammenhang mit dieser Veränderung spricht Kiewert klar an, wenn er beispielsweise in Interviews sagt: “Menschen sollten aufhören Schweine zu züchten, gefangen zu halten und zu töten.”[1]

Bild: Hartmut Kiewert, Teppich III, Öl auf Leinwand, 160 x 190 cm, 2017

Inhaltlich nimmt Kiewert bei manchem Werk Bezug auf historische Anhaltspunkte, die den aktuellen Blick auf das Tier geprägt haben. Beispielsweise im Werk „Gewährsmänner“, wo er den Philosophen René Descartes und den Gegenwartskünstler Damian Hirst in ein Jagdgemälde von Gustave Courbet des 19. Jahrhunderts setzt. Mit diesen Aneignungen und Reinszenierungen kunsthistorischer Werke, wie auch in den Gemälden Im Freien“ oder „Evolution of Revolution , rüttelt er an gegenwärtigen Konventionen und stellt historische Bezüge her, die entschlüsselt werden wollen.

ANIMAL UTOPIA, Verlag compassion media, erscheint im Herbst 2017

Kommenden Herbst erscheint im Verlag compassion media ein Katalog, der über 100 Werke des Malers Hartmut Kiewert zeigen wird. Das gemeinschaftliche Projekt des zeitgenössischen Künstlers mit dem Verlag, >ANIMAL UTOPIA<, soll dazu beitragen „langfristig eine neue Sicht auf Tiere zu etablieren“, den „rein anthropozentrischen Blick zu relativieren“ und den Betrachtenden ermöglichen, „diesen fühlenden sozialen Lebewesen auf eine neue, empathische Art zu begegnen.“

Das Vorwort im Katalog stammt von Philosophin und Journalistin Hilal Sezgin, die Begleittexte von Kunsthistorikerin und Tierstudienherausgeberin Jessica Ullrich.

Bild: Harmut Kiewert, Herbst, Öl auf Leinwand, 60 x 100 cm, 2012

>ANIMAL UTOPIA< unterstützen

Zur Finanzierung des Projekts wurde die Crowdfunding Kampagne >ANIMAL UTOPIA< gestartet, die sehr erfolgreich angelaufen ist. Bis 20. August 2017 kann jede*r das Projekt unterstützen und damit dazu beizutragen, dass „aus der Utopie eines friedlichen Zusammenlebens im Idealfall ein Ist-Zustand“ wird.

Denkst du politische Kunst kann unseren Blick verändern?

 

Zur Crowdfunding Kampagne >ANIMAL UTOPIA<
Website des Künstlers Hartmut Kiewert
Statement des Künstlers zu Theorie und Praxis seiner Maltechnik

Weitere Artikel zur Kunst von Hartmut Kiewert auf The bird’s new nest:
Da sitzt ein Schwein am Sofa! Nachhal(l)tige Kunst von Hartmut Kiewert
Herrschaft und Gewalt im Fadenkreuz – Hartmut Kiewerts „Gewährsmänner“

[1] Da sitzt ein Schwein am Sofa! Nachhal(l)tige Kunst von Hartmut Kiewert

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Rob Greenfield – Ein Aktivist, der aus dem Rahmen fällt.

Erneut durfte ich einer fantastischen Veranstaltung der #kinodenktweiter-Reihe beiwohnen, bei der Helene Pattermann von Zero Waste Austria ein weiteres Mal ihre Finger im Spiel hatte. Der Dude von “nebenan” Rob Greenfield,…

Erneut durfte ich einer fantastischen Veranstaltung der #kinodenktweiter-Reihe beiwohnen, bei der Helene Pattermann von Zero Waste Austria ein weiteres Mal ihre Finger im Spiel hatte.

Der Dude von “nebenan”

Rob Greenfield, der “Dude Making A Difference”, ist ein Mann, der früher Millionär werden wollte und an den amerikanischen Traum glaubte. Er genoss es, Frauen aufzureißen, Bier in den klischeehaften “red cups” im Überfluss zu konsumieren und auch sonst ein ausgelassenes Studentendasein zu leben. Nach seinem Umzug nach San Diego begann er Dokumentarfilme, wie “The Story of Stuff” zu sehen, Bücher zum Thema zu lesen und das Gelernte in sein Leben zu integrieren. Rob erstellte eine To-Do-Liste und versuchte wöchentlich einen der Punkte umzusetzen. Je mehr Veränderung in sein Leben trat, desto glücklicher wurde er.

Mittlerweile steht Geld an letzter Stelle und Themen wie Müll, Energie, Wasser, Transport und Essen nehmen seine Aufmerksamkeit in Anspruch. Rob ist ein Mann, der handelt anstatt große Sprüche zu reißen und seinen Besitz auf 111 Dinge reduziert hat. Er will aufzeigen anstatt belehren, erklären anstatt aufzwingen.

“If you change your perspective you can totally change the world around you.” (Rob, 2017)

Mehr zu den oben genannten Kategorien, sowie Tipps wie man seinen Konsum optimieren kann gibt es auf Robs Website zu lesen.

Rob Greenfield

Rob im Trashsuit

Projekte der extremen Art

Der Weg, den Rob eingeschlagen hat, zieht viele Mainstream-Medien in seinen Bann. Er versucht, Projekte auf die Beine zu stellen, die versprechen, viel Aufmerksamkeit zu erregen um von der informationsüberfluteten Gesellschaft bemerkt zu werden.

Sein vielleicht bekanntestes Projekt heißt “Trash Me”, im Zuge dessen er einen Monat lang ein Leben eines Durchschnittsamerikaners führte und den von ihm verursachten Müll am Körper in einem “Trash Suit” mit sich trug. Das Projekt “People are Good” sollte uns aufzeigen, dass Menschen im Normalfall gut handeln. Rob wollte von San Diego nach Panama reisen, ohne Geld und nur mit einem kleinen Rucksack voller Dinge. Dadurch war er auf die Hilfe anderer angewiesen. “The Food Waste Fiasco” führt uns in die Welt der Mülltonnen, wo täglich massenhaft noch brauchbare Lebensmittel entsorgt werden. Rob beschloss auch hier einzugreifen und wühlt sich regelmäßig durch Weggeworfenes, seine Funde verschenkt er. Mehr Details zu den oben genannten Projekten sowie viele weitere können in seinem Buch “Dude Making a Difference” nachgelesen werden.

Sein nächstes Projekt startet am 29. Mai 2017 und jeder kann daran teilnehmen. Rob wird mit allen Teilnehmern von New York nach Seattle radeln. Auf dem Weg werden sie Gärten verschönern, frisches Gemüse und Obst sowie wilde Blumen pflanzen. In 2018 wird Rob Greenfield in Folge versuchen, ein Jahr lang nur von seinem selbst kultivierten Essen zu leben. Auch hier wird es viele Workshops in Orlando in Florida geben, wo jeder teilnehmen kann.

Rob Greenfield

Rob und ich

Rob Hautnah

Nach Bea Johnson hatte ich nun die Ehre, Rob zu interviewen. Der Dude, wie es in seinem Buchtitel heißt, war locker, entspannt und genoss ein frisches Zero-Waste-Lauchsüppchen, während wir in der Lunzer’s Mass-Greißlerei ein kurzes Gespräch führten. Hier lest ihr das Interview leicht gekürzt und frei übersetzt.

Corinna: Vier Punkte zur Selbstoptimierung, die du einem Beginner empfehlen würdest?

Rob: Der erste Punkt wäre definitiv: Nimm öfter dein Rad und lass das Auto Zuhause. Ein sehr wichtiger Punkt in meinen Augen. Zwei wäre, mehr Obst und Gemüse zu essen und weniger Tierprodukte. Eine eher pflanzliche Ernährung mit vielen Getreidearten, Bohnen, Nüssen, Samen und weniger Eier und Milchprodukte. Drei wäre der Versuch, weniger Verpacktes und Verarbeitetes zu kaufen und mehr Vollwertiges. Nahrungsmittel ohne einer langen Liste von unverständlichen Wörtern als Inhaltsstoffe wäre das Ziel. Der letzte Punkt wäre Wegwerfartikel durch ein wiederverwertbares Produkt zu ersetzen. Zum Beispiel eine wieder auffüllbare Wasserflasche, die man immer dabei hat.

Das sind vier einfache Dinge, aber wenn wir einmal anfangen, sie zu verändern. dann werden sie Teil unseres Lebens.

Ich fing damals mit dieser Liste an und einige Dinge waren recht einfach umzusetzen, wie zum Beispiel eine Stofftasche anstatt einer Plastiktüte zu verwenden. Manches jedoch passiert nicht über Nacht, es braucht ein wenig Zeit. Manches kannst du somit sofort von der Liste streichen, anderes jedoch dauert seine Zeit und kann nicht so schnell umgesetzt werden – aber wenigstens hast du den ersten Schritt getan!

Das heißt du lebst vegan?

Hauptsächlich ernähre ich mich von pflanzlicher Kost. Ich würde jedoch nicht sagen, dass ich vegan or vegetarisch lebe. Ich schaue mir jedes Szenario an und versuche so umweltbewusst wie möglich zu essen. Ich versuche lokal einzukaufen, Verpackungen zu vermeiden und mich pflanzlich zu ernähren. Darauf liegt mein Fokus, denn wenn du dir Dinge genauer ansiehst und nicht nur auf die Bezeichnungen Wert legst, dann fängst du an, Fragen zu stellen: Ist Plastik vegan? Denn wenn du weißt, dass Millionen von Tieren jährlich durch Plastik sterben und die Idee eines veganen Lebensstils darauf beruht, dass keine Tiere zu Schaden kommen, du jedoch erkennst, dass Plastik Lebewesen gefährdet, und Billionen von Tieren durch fossile Brennstoffe oder durch Ölverschmutzung und den Klimawandel zu Grunde gehen – so musst du dich automatisch fragen: Ist Plastik vegan?

Und somit geht es für mich um die ökologischen Auswirkungen, die meine Taten erzeugen. Denn weniger Umweltbelastung führt in meinen Augen zu weniger toten Tieren.

Rob Greenfield

Von links nach rechts: Andrea Lunzer, Rob Greenfield, Helene Pattermann

Von links nach rechts: Andrea Lunzer, Rob Greenfield, Helene Pattermann

Diese Frage hast du teilweise bereits beantwortet, aber noch einmal präziser: Würdest du die Welt vegan machen, wenn du könntest?

Nein, würde ich nicht. Ich denke, dass vegan zu leben ein großer Schritt ist um einen positiven Einfluss auf die Umwelt zu nehmen, jedoch ist es nicht die Lösung für jeden und überall auf der Welt. Und ich glaube nicht, dass Monokulturen jeglicher Art die Lösung sein können. Es kann sich nicht jeder auf der Welt gleich ernähren – nehmen wir die Küstenregionen Afrikas her: Wenn diese keinen Fisch hätten, würden sie einfach nicht existieren. Deshalb kann ich mir eine vegane Welt einfach nicht vorstellen, das ist nicht das Bild, das ich vor Augen habe.

Du hast während des Events im Gartenbaukino erwähnt, dass du dir vorstellen könntest, ein “verrückter Bürgermeister“ zu sein. Wie würde deine utopische Stadt aussehen?

Ich habe keine utopische Stadt vor Augen. Die Frage ist ziemlich abstrakt, denn um eine utopische Stadt aufzubauen, müssten die Städte, die wir jetzt haben, zu Grunde gehen und das ist keine sehr realistische Annahme. Wenn ich jedoch eine Stadt gründen würde, so würden wir unser Essen selbst produzieren, damit wir Lokales essen können. Wir würden auf eine Art leben, die keine Ressourcen verschwendet und alles verantwortungsvoll verwenden. Wir würden Dinge mehrmals verwenden. Es ginge mehr um lückenlose Kreisläufe. Wir hätten eine lokale Währung, damit alles auch in der Gemeinschaft bliebe, würden aber mehr Tauschhandel betreiben als nur zu kaufen. Wir würden in Gebäuden wohnen, die uns mit der Welt verbinden und nicht davon abgrenzen. Wir würden uns respektieren und wären nett zueinander. Wir würden Dinge teilen und nicht so viel Eigenes besitzen.

Abschließend ein Zitat, welches uns einen Anstoß geben soll. Es geht im Leben darum, kleine Veränderungen zum Positiven zu schaffen anstatt tatenlos zuzusehen:

“The message is actually, not to go to the extremes but rather what can we as individuals do to make the world more environmentally friendly and socially conscious.” (Rob, 2017)

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