Eco. Life. Style.

Autor: Verena

Realität versus Fantasie – Wie wir die Welt wahrnehmen: 3 Comicrezensionen

Realität versus Fantasie: Wenn sich unsere alltägliche Wahrnehmung der Welt, die ja sowieso schon einzigartig ist, mit unserer Fantasie vermischt, dann kann das zu richtig kreativen Einfällen und spannenden Stories…

Realität versus Fantasie: Wenn sich unsere alltägliche Wahrnehmung der Welt, die ja sowieso schon einzigartig ist, mit unserer Fantasie vermischt, dann kann das zu richtig kreativen Einfällen und spannenden Stories führen. Manchmal ist dann gar nicht mehr so klar, was real ist und was nicht. Aber solche Geschichten zeigen uns, wie stark unsere Wahrnehmung unsere alltägliche Welt und damit auch das, was wir für wahr halten, prägen kann.

Heute habe ich drei Bücher für euch, die alltägliche Charaktere in ihrem normalen, auf den ersten Blick banalen, Leben zeigen. Doch wo die eine dem verrückten Alltag eher scheinbar passiv und gleichgültig begegnet, macht die andere Hauptperson ein kleines Wunderland aus ihrem grauen Alltag. Und im dritten Buch erleben die beiden Protagonistinnen einen abgefahrenen Roadtrip, der sie an ihre Grenzen bringt, aber auch über sich hinauswachsen lässt.

 

Katze hasst Welt

Zugegeben, der Titel „Katze hasst Welt“ klingt erst einmal etwas extrem. In vielen der in kurzen Comicstrips mit groben Linien gezeichneten Situationen kann man Katze, die Protagonistin des schmalen Comicheftes von Kathrin Klingner, aber gut verstehen.

Katze ist frisch getrennt und arbeitet schon seit ein paar Jahren in einem Café auf dem Kiez in Hamburg. Sie macht Kaffee, hört sich absurde und sinnlose Gespräche an und steht so den Tag durch, schweigend.

Im ersten Teil erfahren wir, wie es zur Trennung von Katze und Panda kam und wie sie beide mit dieser umgehen. Katze lässt sich erst mal hängen und ist sprachlos – wie so oft – und nebenbei wird das Ganze auch noch von ihren tierischen Freunden kommentiert. Auf der Arbeit trifft sie täglich auf verschiedene Gäste: Prostituierte, Betrunkene, fordernde Touris… und auch auf viele Meinungen und Respektlosigkeiten. Diese muss sie sich täglich anhören – erwidert aber nie etwas darauf. Von Katze selbst erfahren wir wenig, lediglich die Zeichnungen verraten, wie es ihr wirklich geht. Manchmal geht sie in dem trubeligen Stadtteil voller Casinos, Sexshops und Co. in den Scream-o-mat. Und manchmal sieht sie ganz schön müde aus.

Zum Glück erfahren wir im letzten Teil noch ein wenig über ihre Vergangenheit. Katze war nämlich früher an der Kunsthochschule und auch hier traf sie auf ziemlich abgefahrene und gruselige Menschen. Sinnlose Partys, zu sehr von sich überzeugte und kaputte Menschen lassen sie an allem zweifeln und werden bis ins absurdeste beschrieben.

Das Ganze prägt die eigentlich sehr sensible Katze sehr: Sie bricht die Hochschule ab und zieht weg, außerdem besucht sie einen Therapeuten. Ihre Sprachlosigkeit und Schweigen scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, sie erträgt lieber still, bleibt in ihrem Job, sucht kein Gespräch mit dem Partner. Doch sie hat auch ein sehr kritisches, gut beobachtendes Auge und ist sehr feinfühlig. Letzten Endes nimmt sie ihr eigenes Leben dann aber doch selbst in die Hand.

Katze hat eine recht negative Sicht auf die Dinge, sie hält sich immer zurück, zeigt wenig Eigeninitiative und man fragt sich, warum sie diese tragisch-komische Parallelwelt einfach so aushält, obwohl sie davon reizüberflutet ist und irgendwie kein Teil davon ist. Es ist hier meiner Meinung nach schwer, ein Fazit zu ziehen, was wir aus ihrer Story lernen können. Vielleicht einfach nur, dass es hilft, sich ein wenig Ironie beizubehalten und nicht überall eingreifen muss und dass es fraglich ist, wie heilsam es ist, alles mit sich selbst auszumachen.

 

Rosalie Blum

Kommen wir zu einem wahren Feuerwerk an verrückten Situationen, die sich allein aus dem Aufeinandertreffen verschiedener Menschen ergeben. Dieses umfangreiche Comicwerk lässt sich schwierig zusammenfassen, aber im Grunde geht es um einen Beobachter, der selbst irgendwann beobachtet wird und der endlich aus seinem Alltagstrott entflieht. Hier wird schön gezeigt, dass der Schein und die Fantasie oft nicht der Realität entsprechen, das heißt aber nicht, dass die Realität nicht auch schön sein kann. Super spannend ist hier auch beschrieben, wie wir Unwissen mit eigenen Theorien und Wunschdenken zu einem Gesamtbild zusammenfügen.

Rosalie Blum“ von Camille Jourdy lebt von sehr skurrilen Figuren. In der Mitte steht Vincent, ein zurückhaltender dreißigjähriger Mann, der einen Friseurladen besitzt. Durch seine Neugier und durch den Nervenkitzel des Neuen beginnt er, viele Menschen um sich herum Stück für Stück unbewusst zu beeinflussen. Aber der Reihe nach. Eines Tages trifft er beim Einkaufen eine Dame, die er meint irgendwoher zu kennen. Diese lässt ihn nicht mehr los und wird von da an ein fester Bestandteil seines Lebens, vor allem da sie genau so einsam wie er zu sein scheint:
Sein trister Alltag besteht aus niedermachenden Kommentaren seiner Mutter, um die er sich sehr oft kümmert und den Kontakt mit seinem Cousin, der in seiner eigenen, skurrilen Fantasiewelt lebt.

Immer wieder folgt er nun der Fremden, nur um zu beobachten, was sie so tut. Er fühlt dabei starke Gewissensbisse und Scham und merkt, dass die Frau namens Rosalie mehr mit seinem Leben zu tun hat, als er greifen kann. Nebenbei verändert sich das Verhältnis zu seiner geltungssüchtigen Mutter zum Schlechten, da er immer weniger ihre vereinnahmende und fordernde Art tolerieren möchte.

Im zweiten Teil taucht noch eine weitere Person auf, Aude, die für die folgende Geschichte wichtig wird und als Bindeglied fungiert. Diese hat ihre ganz eigenen Probleme und wohnt mit einem Möchtegern-Zirkusartist zusammen, der immer wieder verrückte Menschen in die WG bringt, in der sie wohnt. Und sie kennt Rosalie. Um die Geschichte nicht zu verraten, sei hier nicht mehr dazu ausgeführt.

„Rosalie Blum“ zieht einen in den Bann, vor allem da es zwischen den Zeilen ganz eindeutig bedeutsame Themen wie den Ödipus-Komplex, Kindheit und Trauma aber auch Sinnsuche, Selbsterkenntnis durch andere oder auch das Spiel mit dem „Verbotenen“ enthält. Vincent ergreift die Möglichkeit, aus seinem langweiligen Alltag auszubrechen und auch alte Muster und Gewohnheiten zu verändern. Und dadurch wird alles in seinem Leben plötzlich aufregend und besonders.

Die Graphic Novel ist farbig und detailreich illustriert, der zeichnerische Stil sehr ansprechend und gerade Gestik und Mimik kommen sehr gut rüber. Der ergänzende Text und die Sprechblasen sind in Schreibschrift gehalten. Neben dem ganz alltäglichen Anschein lernen wir hier total abgefahrene Charaktere in ihren vier Wänden so kennen, wie sie wirklich sind. Insgesamt ein sehr gelungenes Entdeck- und Versteckspiel, das sehr spannend zu lesen ist und berührt. Es gibt auch eine Verfilmung des Buches, diese ist hier in Deutschland aber momentan nicht ganz so gut verfügbar.

 

West, West Texas

In diesem Artikel habe ich euch bereits ein Buch von Tillie Walden vorgestellt. Heute habe ich endlich die Gelegenheit, ein weiteres ihrer Werke vorzustellen. In „West, West Texas“ webt sich eine surreale, fantastische aber doch auch leicht bedrohliche Geschichte rund um Freundschaft, Kampf mit den inneren Dämonen und einen Roadtrip zu einem intensiven Abenteuer.

Etwa zur selben Zeit machen sich Lou und Bea unabhängig voneinander auf den Weg: Die eine, um jemanden zu besuchen, die andere um einfach wegzukommen. Was eher als eine Fahrt zum Zweck beginnt, wird zu einem sich langsam entfaltenden Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Protagonistinnen.

Stück für Stück, Wegstrecke für Wegstrecke offenbaren sie sich einander mehr oder weniger freiwillig. Und dann finden sie eine Katze und plötzlich sind seltsame, finstere Gestalten hinter ihnen her. Wo erst mal nur das Wetter verrückt spielt und sich das kleine Auto samt Miniwohnwagen mühsam hindurchschleppt, verwandelt sich bald die ganze Außenwelt in ein fast schon surreales Labyrinth. Die Bedrohung kommt näher – und mit ihr auch die Chance für sich einzustehen und gegen die inneren Dämonen zu kämpfen.

„West, West Texas“ thematisiert unter anderem die schwierige Kindheit der beiden Frauen und wie sie diese immer noch beeinflusst. Einerseits wühlt es auf, da es um traurige Themen geht, aber gleichzeitig zeigt die Graphic Novel auch starke, resiliente Frauen, deren inneres Erleben durch die äußeren Geschehnisse verdeutlicht wird. Beim Lesen fühlt es sich so an, als wären Bea und Lou alleine auf der Welt, doch hier und da gibt es auch Lichtblicke.

Die surreale Landschaft verdeutlicht die Wahrnehmung der beiden Frauen, hier vermischen sich Realität und Fantasie zu einem spannenden und herausfordernden Abenteuer. Was als Roadtrip begann, wird zu einem für beide wichtigen Schlüsselmoment, der ihre Welt zunächst erschüttert. Die Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen und umgehauen. Wie auch in ihren anderen Büchern arbeitet Walden mit einer für sie typischen Farbpalette, dieses Mal mit satten Lila-, Blau- und Weinrot-Tönen und einer insgesamt eher schwarz-dunklen Szenerie.

 

Was alle drei Bücher zusätzlich vereint ist die Tatsache, dass alle Hauptpersonen der völlig unterschiedlichen Geschichten an einem Wendepunkt in ihrem Leben angekommen sind und wir das Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und eigener Gedanken, zwischen Innenwelt und Außenwelt der Charaktere hautnah mitbekommen. „West, West Texas“ und „Rosalie Blum“ stehen nun auf meiner Liste der Comicfavoriten, „Katze hasst Welt“ ist aber ebenfalls lesenswert.

Bleibt nur noch gute Lektüre zu wünschen – und viel Freude beim Entdecken von verschiedenen Realitäten!

Vielen Dank an den REPRODUKT Verlag für die Rezensionsexemplare!

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Rezension: Vier Bücher rund um Identität – Wer sind wir wirklich?

Wer sind wir wirklich? Diese Frage aus dem Titel beschäftigt die Menschheit wohl schon ewig und wird vermutlich nie an Aktualität verlieren. Ich habe euch heute eine Sammlung an vier verschiedenen…

Wer sind wir wirklich? Diese Frage aus dem Titel beschäftigt die Menschheit wohl schon ewig und wird vermutlich nie an Aktualität verlieren. Ich habe euch heute eine Sammlung an vier verschiedenen Büchern zusammengestellt, die sich alle in sehr unterschiedlicher Weise unserer Identität und dem Thema Persönlichkeit widmen.

Im kürzesten Werk meiner Auswahl, dem ersten Band von „Elle(s)“ von Aveline Stokart und Kid Toussaint ist dieses Thema beispielsweise darin verpackt, dass die Protagonistin ihre vier anderen Ichs in sich entdeckt. Aber welche der vier Persönlichkeiten ist denn nun wirklich Elle? Und was wenn eine der Elles für sie übernimmt? In eher amüsant-kurzweiliger Art widmet sich Liv Strömquist in ihrem neuesten Band „Astrologie“ dem Thema der verschiedenen Persönlichkeiten durch das Auge der Tierkreiszeichen. Schwerer und deutlich emotionaler wird es in „Jäger und Sammler“ von Cyril Pedrosa, in welchem wir ganz verschiedene Menschen kennenlernen – und eine Fotografin, die hinter die Fassade und Geschichte der Protagonist*innen blickt. Zu guter Letzt wird es nochmal humorvoller und deutlich märchenhafter: In „Mit Mantel und Worten“ von Flore Vesco und Kerascoët schafft es eine talentierte junge Frau durch vortäuschen einer anderen Persönlichkeit einen ganzen Hofstaat an der Nase herumzuführen und erst am Ende wird klar, wer sie wirklich ist.

Ihr seht, die Frage wer jemand wirklich ist, kann in ganz unterschiedliche Facetten betrachtet werden und birgt genug Stoff für viermal abwechslungsreiche Lektüre – mindestens! Lasst uns einen genaueren Blick in diese vier Werke werfen:

 

Elle(s) – Band 1

Im dünnen Comic-Band „Elle(s)“ lernen wir ein junges Mädchen mit coolen pinken Haaren kennen, die neu an die Schule kommt. Schnell findet sie eine tolle Clique und lebt sich gut ein. Doch nach und nach kommen ihre anderen Ichs, die eher schüchterne, die träumerische, die aggressive und die mutige Elle heraus, je nach Situation, die sie erlebt. Elle profitiert von diesen verschiedenen jeweils sehr vielseitigen Persönlichkeiten, die sie zu einer Art Tausendsassa-Chamäleon machen.

Doch dass dies von ihrem Umfeld nicht unbemerkt bleibt, ist klar und sie wird nach und nach mit viel Unverständnis, aber auch Sorge konfrontiert. Elles Persönlichkeiten werden für sie immer schwieriger zu handhaben und zeigen immer stärker ihr Eigenleben. Elle weiß irgendwann nicht mehr weiter und zweifelt daran, wer und wie sie nun wirklich ist und wie sie die anderen Ichs besser unter Kontrolle halten kann.

Um sich selbst klar zu werden, wer sie wirklich ist, muss sie herausfinden, wie sie die geworden ist, die sie heute zu sein scheint – und offen darüber sprechen. Die Story spiegelt die Identitätskrise, die einen in der Jugendzeit einholen kann, sehr schön wider. „Elle(s)“ ist der erste Teil einer spannenden, leicht zu lesenden und knallig illustrierten Comic-Reihe (der Stil erinnert an Pixar Animationsfilme). Aktuell ist bereits der zweite Band erschienen und auch der dritte ist schon in Aussicht.

 

Jäger und Sammler

In der Graphic Novel „Jäger und Sammler“ geht es um scheinbar total alltägliche Menschen in ihrem Von-Tag-zu-Tag-Leben. Das Buch ist in verschiedene Jahreszeiten gegliedert und Seite um Seite stellen sich uns die verschiedenen Menschen vor, deren Geschichten sich mehr und mehr miteinander verweben. Da ist zum Beispiel ein Kieferorthopäde, der zaghaft versucht, eine Bindung zu seiner Teenager-Tochter aufzubauen. Oder ein älterer Herr, der müde ist und sich nicht mehr dem politischen Aktivismus in seinem Umfeld anschließen will und damit auf Unverständnis stößt.

Zwischen den Alltagsszenen finden sich immer wieder tagebuchartige Texte, die jeweils aus der Sicht einer der Charaktere geschrieben wurden und damit die persönliche Geschichte dieser fort erzählt. So sollen die Emotionen und Erlebnisse der Protagonist*innen detaillierter erklärt werden, ich muss hier aber sagen, dass ich diese stellenweise viel zu langatmig und öfter auch verwirrend fand.

Es ist so nicht ganz leicht, der Geschichte zu folgen, weil sie immer wieder zwischen den vorkommenden Charakteren hin und her wechselt – auch die Texte haben mir nicht wirklich weitergeholfen, die Story ganz zu begreifen. Dennoch ist Jäger und Sammler eine ergreifende und umfangreiche Graphic Novel, die Sorgen, Verletzungen und Ängste, aber auch prägende kleine Erlebnisse von Menschen widerspiegelt und durch mehrere Ebenen zeigt, dass wir alle miteinander verbunden sind. Die Persönlichkeiten scheinen alle sehr unterschiedlich zu sein, doch die Suche nach Verbundenheit; Sehnsüchte oder auch Ängste zu haben, ist uns allen gemein.

Hier sei auch noch angemerkt, dass der Autor großartige künstlerische Illustrationen gestaltet hat, welche die Story lebendig und bewegend machen. Jeder erzählerische Abschnitt ist dabei unterschiedlich in Farbe und Stil der Zeichnungen gestaltet, was die emotionale Tiefe der Geschichten gut unterstreicht.

 

Astrologie

Kommen wir zu einem zweischneidigen Thema: Astrologie. Viele Menschen glauben an Tierkreiszeichen und die Auswirkungen von Sternenkonstellationen auf unser Leben. Eines vorneweg: Liv Strömquist lässt uns offen, ob wir dran glauben sollten oder nicht. In ihrem neuesten Werk „Astrologie“ weicht sie etwas von ihrem sonst eher faktenbasierten und wissenschaftlichen Schreibstil ab und taucht mit uns in die Charakteristika von Sternzeichen ein. Jedes der zwölf Sternzeichen wird dabei in typische Eigenschaften eingeteilt und vorgestellt.

Aber Strömquist wäre nicht Strömquist, wenn sie nicht ihren Witz und das Zeitgeschehen einbauen würde. In ihrem skizzenartigen, farbenfrohen Stil stellt sie bekannte Persönlichkeiten als Beispiele für das Erfüllen der jeweiligen Fähigkeiten und Eigenschaften der Sternzeichen vor. Unter anderem Taylor Swift, Prinz Harry, Kim Kardashian oder auch Melania Trump. Es kommen aber auch andere historische Persönlichkeiten vor, von Königinnen bis zu Philosophen.

Die Erzählungen rund um diese Menschen scheinen wahr zu sein, die Verknüpfung mit den Eigenschaften von astrologischen Tierkreiszeichen passt oftmals richtig gut. Die Stories sind gewohnt furchtbar: Furchtbar, weil sich vieles davon eben wirklich zugetragen hat und das manchmal unglaublich ist – dieses Gefühl kommt oftmals beim Lesen von Strömquists Werken auf.

Man könnte also den Eindruck gewinnen, dass wir alle sehr einfach zu kategorisieren sind, doch am Ende kommt dann doch noch das kritische Kapitel, auf das wir gewartet haben. Hier tritt die Autorin in einen Dialog mit ihrer Yoga ausübenden Mutter, die ihr ins Gewissen redet, dass sie doch kein Buch über Sternzeichen machen kann. Daher folgt dann noch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, also warum Astrologie für viele faszinierend ist, worin der Reiz der Persönlichkeits-Kategorisierung liegt und die Empfehlung, dass jede*r selbst entscheiden soll, was man mit dem Thema anfängt.

Fazit: die Beschreibungen der verschiedenen Sternzeichen ist zum Teil sehr witzig und man erwischt sich dabei, bei manchen Beschreibungen an eine bestimmte Person zu denken. Alles in allem ist aber auch das kritische Kapitel lesenswert und das Buch eine humorvolle Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit des Menschen. Für mich jedoch nicht das beste Werk Strömquists.

 

Mit Mantel und Worten

Zuguterletzt erleben wir in „Mit Mantel und Worten“ eine scharfsinnige, lustig Geschichte, die lange vor unserer Zeit spielt. Serine ist eine junge, lebhafte Frau, die mit ihren jüngeren Geschwistern in einem alten Herrenhaus aufwächst. Hier wird viel Wert auf die vornehme Etikette gelegt, doch Serine hat ihren eigenen Kopf. Sie liest lieber, unterhält ihren kranken Vater und hat allerlei Flausen im Kopf. Als der Vater verstirbt, wird beschlossen, dass sie sich als Gesellschaftsdame am Hofe des Königs und der Königin versucht.

Zunächst ist sie dort Mädchen für alles und muss sich den aufgesetzten und spießigen Regeln des Hofes unterwerfen. Die anderen Hofdamen triezen sie, die Königin erteilt Tadel und Serine wird bloßgestellt. Sie bemüht sich dennoch nach Leibeskräften, ihre Aufgabe gut zu erfüllen und findet dabei auch Freunde, die Angestellten des Hofes und den jungen Léon, der Lehrling des Henkers. Sie macht sich aber auch Feinde – sie lässt den Sekretär der Königin abblitzen, der es von nun an auf sie abgesehen hat.

Durch einen lustigen Zufall ergibt es sich zudem, dass Serine aus Unsicherheit ein neues Wort am Hofe erschafft, das die Königin, die Wort-Spiele liebt, sehr begeistert. Als Serine den Sekretär bei dem Versuch ertappt, den König vergiften zu wollen, kehrt Serine verdeckt als Narr zurück und kann durch ihre gewitzte und schlaue Art den König überzeugen. So wird sie als Narr, der stets die Wahrheit spricht, sehr gefürchtet aber auch geschätzt, doch diese machtvolle Position kann sie nicht lange halten, denn ihre Verkleidung fällt irgendwann auf und plötzlich geschieht ein Unglück…

Es erwartet uns ein überraschendes Ende, mehr sei hier nicht verraten. Auch in diesem Buch wird mit der Persönlichkeit gespielt und klar, dass die eigenen einzigartigen Fähigkeiten uns immer weiterbringen, wenn wir zu uns stehen und diese für uns und andere einsetzen. Das Spiel mit der Identität macht hier den großen Reiz der spannend erzählten Geschichte aus, denn nicht nur Serine hat eine andere Identität, als zunächst angenommen.

Alle diese ganz unterschiedlichen Bücher beschäftigen sich ganz unterschiedlich mit dem Thema Identität und Persönlichkeit. Allen gemeinsam ist, dass viele verschiedene Faktoren ausmachen, wer wir sind. Ich kann euch diese vier Werke nur ans Herz legen und wünsche viel Spaß beim Entdecken!

Vielen Dank an den Splitter Verlag, Reprodukt und den avant-verlag für die Rezensionsexemplare!

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Selbstfindung im Comic: „Laura Dean und wie sie immer wieder mit mir Schluss macht“ und „Portugal“

An sich lese ich ja keine Biographien, aber die Geschichte eines Charakters über den Lauf der Zeit mit zu verfolgen, das finde ich meistens total spannend. Mich fasziniert daran die persönliche…

An sich lese ich ja keine Biographien, aber die Geschichte eines Charakters über den Lauf der Zeit mit zu verfolgen, das finde ich meistens total spannend. Mich fasziniert daran die persönliche Entwicklung der Personen, was diese für sich lernen, erkennen oder auch neu versuchen. Vielleicht kommt das aus einem Interesse für Psychologie heraus oder auch einfach von einer Faszination für das Menschliche, für das, worin wir uns alle wiedererkennen können.

In meinen aktuell fertig gelesenen Comics geht es um zwei völlig unterschiedliche Geschichten und auch Charaktere. Doch sie beide verbindet ein entscheidender Wendepunkt in ihrem Leben, der sich langsam beim Lesen entfaltet. Diese beiden Werke möchte ich euch heute gerne vorstellen: „Laura Dean und wie sie immer wieder mit mir Schluss macht“ von Mariko Tamaki und „Portugal“ von Cyril Pedrosa. Beide Comics sind nicht nur unterschiedlich in ihrem Rahmen, in denen sie stattfinden, sondern auch von der Gestaltung und den Zeichnungen her.

„Laura Dean und wie sie immer wieder mit mir Schluss macht“ wirkt von außen pastellig-knallig und hat einen deutlich modernen Touch durch die digital gestalteten Zeichnungen mit klaren, kräftigen Outlines. Innen ist es farbig schlichter gehalten in Schwarztönen, rosa und weiß. Das Cover von „Portugal“ ziert merklich unschärfere, sketchy Linien und wirkt daher eher klassisch künstlerisch und handgezeichnet. Beide Bücher bestehen aus weit über 200 Seiten und extra Zeichnungen am Ende.

In „Laura Dean“ geht es um die junge Freddy, die in das beliebteste Mädchen der Schule verliebt ist. Doch diese verhält sich anders, sie es sich wünscht: Sie macht immer wieder Schluss mit ihr, nur um kurze Zeit später wieder zu ihr zurückzukommen als sei nichts passiert. Dieses emotionale Auf und Ab der Liebe und Emotionen hält Freddy lange Zeit aus – zu einem hohen Preis. Sie verleugnet ihre Gefühle, ihren Schmerz und verliert ihre engen Freunde. Doch sie lernt auch neue Leute kennen und nach und nach auch sich selbst. In jungen Jahren herauszufinden, was man möchte und was nicht, oder auch Selbstrespekt zu erlernen, ist eine große Herausforderung.

„Portugal“ dreht sich um den jungen Zeichner Simon, der mehr und mehr seine Motivation und seinen Antrieb verliert. Er wird lethargisch und hat nur noch wenig Ahnung, was ihm in seinem Leben wichtig ist. Wir erfahren von seiner schwierigen Beziehung zu seinem Vater, zu dem er eigentlich nie richtig ehrlich ist. Aber wir erleben auch, wie wacklig seine Beziehung zu seiner Partnerin aktuell ist. Die beiden stehen kurz vor dem nächsten großen gemeinsamen Schritt: Sie überlegen sich, ein Haus zu kaufen. Er ist sich jedoch bei gar nichts mehr sicher.

Doch dann flattert eines Tages eine Einladung zur Hochzeit seiner Cousine ins Haus, diese heiratet in Portugal. Dort war er zuletzt in seiner Kindheit bei einigen seiner Verwandten. Simon hat eigentlich eine große Familie, die er aber in den letzten Jahren mehr oder weniger ignoriert hat.

Während der Geschichte gibt es immer wieder Rückblenden in Schlüsselmomente seiner Kindheit, die erklären, wie er zu manchen Überzeugungen oder auch Einstellungen gelangt ist. Zudem werden hier manche Beziehungen und wie sich diese entwickelt haben, vorgestellt.

Simon nimmt schließlich an einem Zeichenfestival in Portugal teil und erlebt eine Überraschung – auch wenn er schon an vielen Orten Zeichenkurse gegeben hat, in diesem Land fasziniert ihn plötzlich alles und er ist tief beeindruckt von Landschaft, Leute und Leben. Er entscheidet sich zur Hochzeit zu fahren und trifft dort auf typisch verrückt-merkwürdige Familienmitglieder, die alle nicht so einfach im Umgang sind. Er lernt aber mehr und mehr die Bedeutung von Familie kennen und schätzen und überwindet sich dazu, sich mit sich selbst und seinen Verwandten nah und unverfälscht auseinanderzusetzen und füreinander einzustehen. Diese Begegnungen verändern ihn nachhaltig und zwingen ihn dazu, sich mit seiner Herkunft, seiner Vergangenheit und der Gegenwart zu beschäftigen und sich zu entscheiden, was er mit seinem Leben anstellen möchte.

Beide Comics haben mir sehr gut gefallen und mich tief in ihren Bann gezogen, sowohl Zeichenstil, Geschichte als auch die unterliegenden Themen haben mich fasziniert. Ich denke, wir alle finden uns in diesen Erzählungen wieder, da wir uns ja alle irgendwie selbst finden wollen, egal ob bei einem bestimmten Lebensthema wie Liebe oder Sinn im Leben, oder auch in Hinblick auf entscheidende Situationen in unserem Leben.

Ein großes Dankeschön an den REPRODUKT Verlag und den CARLSEN Verlag für die Rezensionsexemplare!

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Wahrheit und Werte – Warum es sich lohnt, dafür zu streiten

In unserer ultra verknüpften Welt ist es quasi unmöglich, Wahrheiten herauszukristallisieren und alle Menschen davon zu überzeugen oder damit zu erreichen. Genauso sieht es auch mit Werten aus: Wenn man…

In unserer ultra verknüpften Welt ist es quasi unmöglich, Wahrheiten herauszukristallisieren und alle Menschen davon zu überzeugen oder damit zu erreichen. Genauso sieht es auch mit Werten aus: Wenn man beispielsweise versucht, ökologisch rücksichtsvoll zu leben, stößt man ebenfalls oft auf Widerstände.

Heute habe ich zwei spannende Bücher für euch, einmal ein dünner Comicband aus dem Leben eines bekennenden Ökos mit seiner Familie, der es doch nur richtig machen möchte und dabei hier und da an seine Grenzen stößt. Das zweite Buch wiederum dreht sich rund um Fake News, Verschwörungsmythen und wie sich diese überhaupt verbreiten und Anhänger*innen finden.

In Auto-Bio (ein Wortspiel aus „bio“ und „Autobiographie“) versucht der Autor und Zeichner Cyril Pedrosa selbst ein möglichst pädagogisch und ökologisch wertvolles Leben zu führen. Die aberwitzigen Geschehnisse und skurrilen Situationen, die er dabei erlebt, hat er mit viel Witz und in Kürze illustriert. Es ist kein fortlaufender Comicband, sondern beinhaltet eher Kurzgeschichten, ähnlich wie Cartoons.

Dabei spielt das politische und gesellschaftliche System Frankreichs natürlich eine große Rolle, da der Autor dort lebt. Dies tut dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch, wir kennen alle ähnliche Situationen und Anekdoten.

In erster Linie zeigt das Comicheft, dass wir uns nicht zu ernst nehmen sollten und es okay ist, wenn man sich dabei ertappt, etwas wenig ökologisches getan zu haben oder dann doch letztendlich der Preis bei der Auswahl zwischen Himbeeren aus Chile oder Bio-Himbeeren aus der Bretagne entscheidet und dass man sich eben manchmal auch auf einen Kompromiss einlassen muss.

In Glauben Sie an die Wahrheit? von Doan Bui und Leslie Plée werden uns sehr viele aktuelle Mythen, Fake News und Verschwörungstheorien serviert, von denen wir vermutlich alle schon gehört haben. Dieses Buch berichtet aus der Perspektive der Journalistin Doan Bui, die sich mit Vertreter*innen der jeweiligen Überzeugungen und Strömungen getroffen und mit ihnen gesprochen hat. Es bleibt dabei aber ein Comic, der in verschiedene Kapitel eingeteilt ist, die jeweils eine Strömung rund um eine alternative Wahrheit abbilden. Ein ziemlich ansprechendes und kurzweiliges Format.

Es geht um Truther, Flat-Earthler, um eine Fake-News-Zentrale in Mazedonien, um Trump und QAnon, um Klimagegner, Impfgegner und sogar die Illuminati. Zwischendurch sind Kapitel eingeflochten, die uns allgemeine Hintergrundinfos zu Algorithmen und die Geschichte und Wirkungsweise von Fake News erläutern. Warum verbreiten sich Fake News eigentlich so rasant? Warum hängen wir oft stundenlang an unseren digitalen Geräten und finden dabei immer wieder Neues, das uns tiefer in den News-Strudel versinken lässt?

Dadurch, dass die Journalistin mit einzelnen Menschen spricht, wird alles greifbarer und noch erschreckender, damit realer. Oftmals sind diese Theorien so stark in der ganzen Welt und mit mächtigen Menschen verknüpft, dass es manchmal schwierig ist, die Wahrheit oder die Werte herauszuschälen, die hinter einer Fake-Theorie liegen.

Sie macht aber auch Hoffnung, wie man dem ganzen Strudel entkommen und sich vor Fake News schützen kann. Wenn man sich via Glossar und Tipps im Buch und Begreifen der Theorien und Mythen informiert, dann ist das schon ein guter Schritt in Richtung Aufklärung hin zur Wahrheit.

 

Ein großes Dankeschön an den REPRODUKT Verlag und den CARLSEN Verlag für die Rezensionsexemplare!

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Schöne weibliche Welt – Busengewunder im Spiegelsaal

Heute geht es in meinen Rezensionen um Bücher, die sich unter anderem um die verrückte Welt des weiblichen Aussehens drehen. Besser gesagt: was weiblich gelesene Personen alles aushalten – Tag…

Heute geht es in meinen Rezensionen um Bücher, die sich unter anderem um die verrückte Welt des weiblichen Aussehens drehen. Besser gesagt: was weiblich gelesene Personen alles aushalten – Tag für Tag. Und wie abstrus diese Welt der Weiblichkeit eigentlich ist.

Ganz konkret sichtbar wird das in Lisa Frühbeis‚ herrlich lustigen Cartoons rund um die Geschlechterverhältnisse im Sammelband „Busengewunder“. Hier finden wir bereits veröffentlichte Kurzcomics in einem Buch.

In diesem sind alltägliche Situationen so authentisch und gut beobachtet, dass man einfach nur schmunzeln kann. So geht es um das Tragen von BHs oder um den Drang anderer Personen, immer den Körper oder das Aussehen von Frauen bewerten zu müssen. Ob bei der Körperbehaarung oder dem Outfit, das getragen wird. Wer hat da eigentlich das Recht, mitzureden? Und warum gibt es zum Beispiel in Mainstream-Videogames keine coole weibliche Heldin, die nicht vorrangig durch ihr Aussehen auffallen soll?

Die aberwitzige Protagonistin nimmt sich jedoch auch selbst nicht zu ernst und hat sich an manchen Stellen schon abgefunden mit den merkwürdigen Situationen, denen sie ausgesetzt ist. Egal ob beim Einkaufen, in Beziehungen oder gesellschaftliche Normen: Frühbeis zeigt mit ihrer Grimassen ziehenden Protagonistin auf, wo diese auf skurrile Ansichten trifft, wo Weiblichkeit und vermeintliche „Frauenthemen“ in Absurdität abdriften. Und es geht auch um gesellschaftliche Zustände, vom Gender Pay Gap bis zu Privilegien. Großartige Cartoons, deren Szenarien einem größtenteils sehr bekannt vorkommen.

Liv Strömquist steigt in ihrem aktuellsten Werk in ein ähnliches Thema ein. Wir kennen sie bereits als scharfe Beobachterin der Gesellschaft und von ihrer Mischung aus wissenschaftlichen Theorien und Fakten mit eigenen Analysen und humorvollen Darstellungen.

In „Im Spiegelsaal“ ist ebenfalls der besessene Umgang mit Frauen, ihrem Aussehen und den Auswirkungen zu erkennen. Sie beleuchtet aber noch mehr den zusätzlichen Einfluss von Bildern, Social Media und den Schönheitswahn.

So nennt sie als Beispiel dessen den Medien-Star Kylie Jenner und sie fragt sich, warum so viele Personen sich auf sie fixieren und so sein wollen wie sie. Wenn es nur um den Anblick von Schönheit ginge, was sie ja wohl für manche verkörpert, dann ginge es ja nur um die Ästhetik, die wir wie bei einem Gemälde bewundern – warum aber fühlen sich dann viele beim Anblick von „perfekten“ Gesichtern selbst minderwertig?

Mithilfe von historischen Geschehnissen, philosophischen, soziologischen und psychologischen Theorien versucht sie Erklärungen für verschiedenste gesellschaftliche Phänomene zu finden. Es geht um verdrehte Vorbilder, um die Suche nach Orientierung und wie stark das Aussehen mit „liebenswert“ gleichgesetzt wird. Natürlich spricht sie auch sich wandelnde Schönheitskulte an, die je nach Zeitgeist völlig unterschiedlich und teils willkürlich ausfallen können.

Sie geht der Ursache auf den Grund, wozu wir Selfies machen, was wir überhaupt schön finden und wie unsere sehr bildliche Welt auch unser Denken verändert. Letztendlich macht sie uns klar, dass uns das materielle Bild von uns auch irgendwann beherrschen kann und uns von uns selbst entfremdet. In dieser heiter-erschreckenden Reise durch das Buch treffen wir wie immer auch auf bekannte Persönlichkeiten, so unter anderem auf Sissi, Susan Sontag, Hartmut Rosa oder auch Marilyn Monroe.

Wie immer ist Strömquists Werk keine super leichte Lektüre, auch nicht immer sofort total nachvollziehbar – manches kann man kritisch hinterfragen oder muss man mehrmals lesen. Aber die aufgestellten Zusammenhänge und die scharfe Beobachtungsgabe zeigen uns vieles auf, das uns bekannt vorkommt und Erkenntnisse bringt. Vor allem, dass wir gut sind wie wir sind und uns unabhängig machen können, von gesellschaftlichen Ansichten auf Weiblichkeit, Schönheit und Selbstwert.

Vielen Dank an Carlsen und den avant-verlag für die Rezensionsexemplare!

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Comics, Graphic Novels und weibliche Charaktere, die ihren eigenen Weg gehen

Heute habe ich wieder einige besondere Lese-Leckerbissen für euch und möchte euch ungewöhnliche weibliche Charaktere in Comics vorstellen, die ihren ganz eigenen Weg gehen. Mal kurios, mal selbstbestimmt. Hier ist…

Heute habe ich wieder einige besondere Lese-Leckerbissen für euch und möchte euch ungewöhnliche weibliche Charaktere in Comics vorstellen, die ihren ganz eigenen Weg gehen. Mal kurios, mal selbstbestimmt. Hier ist für alle etwas dabei – sowohl für Kinder als auch Erwachsene.

Ich habe ein Faible für authentische Protagonist*innen, aber auch für weibliche Hauptdarstellerinnen in Comics und Graphic Novels. Wenn diese dann auch noch unabhängig sind, dann können sie als gutes Vorbild und Role Model dienen.

Besonders cool und ein bisschen gruselig kommen die Bände rund um Margo Maloo von Drew Weing daher. Ich habe schon öfter die an Zeichentrickserien erinnernden Cover gesehen und auch schon beim Gratis Comic Tag in die Reihe hineingelesen.

Jetzt habe ich den allerersten Band „Die geheimnisvollen Akten von Margo Maloo“ verschlungen und bin schon ein Fan von Margo. Vermutlich auch, weil der Zeichenstil mich an Kinderserien wie Mona der Vampir oder auch Hey Arnold erinnern, die ich früher angesehen habe. Jedenfalls geht es um Charles, einen Jungen, der in eine fremde Stadt zieht, da sein Vater dort ein ehemaliges Hotel renoviert. Kurze Zeit später merkt Charles, dass es in den alten Zimmern nicht mit rechten Dingen zugeht. Es spukt! Natürlich möchte er der Sache auf den Grund gehen, benötigt aber die Hilfe von Margo Maloo, der geheimnisvollen Geisterjägerin. Eigentlich ist sie Monster-Mediatorin – sie vermittelt in Anliegen von merkwürdigen Monstern und Geistern.

In besagtem Band, dem ersten von mittlerweile drei, findet ihr drei unterhaltsame Geschichten und erfahrt, wie sich Margo und Charles kennenlernen. Und wir sehen: Auch Monster haben Bedürfnisse und ein Recht auf eine Behausung! Charles sind die merkwürdigen Kobolde und Co. anfangs jedoch überhaupt nicht geheuer…

Margo Maloo ist der Inbegriff von mysteriöser Coolness und sie ist absolut professionell und unabhängig, sie bekommt auch die schlimmsten Biester in den Griff. Außerdem trägt sie einen coolen Mantel und hat ein eigenes motorisiertes Gefährt, mit dem sie die Stadt unsicher macht und sich nichts bieten lässt. Für Kinder und Erwachsene geeignet!

Dann gehen wir weiter zu einem richtig kultigen Comic, wie ich finde: „Yasmina“ von Wauter Mannaert. Diese Comics sind genial – witzig, rasant, ein wenig gesellschaftskritisch…

Aber der Reihe nach. In „Yasmina und die Kartoffelkrise„, dem ersten Band, lernen wir Yasmina kennen. Sie ist eine junge Schülerin mit Kochtalent und macht ganz ihr Ding. Mit ihrem Vater, der bei einer Fastfood-Kette arbeitet, lebt sie in einer Wohnung eines Mehrparteienhauses.

Im ersten Comic-Band erleben wir sie als leidenschaftliche Köchin. Sie liebt frische Zutaten, kocht täglich neue Gerichte, steckt ihre ganze Liebe und ihr Talent in ihr zubereitetes Essen. Neben der Schule sieht sie zudem oft bei ihren beiden Freunden vorbei, die sich einen Schrebergarten teilen. Hier bekommt sie oft Gemüse und Obst mit, um damit weitere köstliche Gerichte zu zaubern. Dafür ist sie sehr dankbar, denn ihr Vater verdient nicht die Welt und die beiden leben finanziell eher am Minimum.

Eines Tages rückt auch noch ein großer Lebensmittelproduzent aufs Feld und macht sich den Schrebergarten zu eigen. Er baut dort genmanipulierte Kartoffeln an und bringt dann neue abgefahrene Lebensmittel auf den Markt, nach denen die Menschen der Stadt schließlich regelrecht süchtig werden. Doch irgendetwas stimmt mit den Produkten nicht, denn die Leute verhalten sich plötzlich sehr animalisch…

Yasmina versteht das Chaos nicht mehr, doch als sich auch ihr Papa verändert, muss sie die Sache aufklären. Aber dazu braucht sie erst einmal eine Verbündete und Beweise… So viel sei verraten: Es wird actionreich und spannend! Von Yasmina ist auch schon ein Nachfolgeband mit dem Titel „Yasmina 1. Meisterklasse“ erschienen.

In diesem dünneren Comic-Band ist es Yasminas erklärtes Ziel, wieder mehr Kochunterricht und Gärtnern an ihrer Schule einzuführen. Doch hier stößt sie erst einmal auf großen Widerstand. Und so bringt sie für ihre Leidenschaft alle Kraft und Energie auf, denkt sich zig kreative Ideen aus und greift gleichzeitig ihrem Vater beim Etablieren eines Imbisswagens unter die Arme. Doch alle Versuche und Unternehmungen scheitern zunächst…

Kommt Yasmina noch die rettende Idee? Lest selbst in diesem kurzen, witzigen und teils sehr realen Abenteuer! Auch hier gibt es insgesamt bisher drei Bände.

Als nächstes lesen wir in „Trotz allem… Liebe“ von Jordi Lafebre von einem alten Pärchen, das sich nach vielen Jahren endlich wieder vereint sieht. Das Besondere: Der Comic erzählt die Liebesgeschichte auf Distanz von hinten nach vorne.

So lernen wir die politisch erfolgreiche Bürgermeisterin Ana und den freigeistigen Buchhändler Zeno zunächst in höherem Alter kennen. Sie plaudern, als würden sie sich schon ewig kennen und sind sich sehr vertraut. Dass sie über viele Jahre eine freundschaftliche Liebesbeziehung auf Distanz geführt haben, erfahren wir während der folgenden Kapitel.

Die Vorgeschichte beider Charaktere wird vielschichtig erzählt, sodass wir beide recht gut kennen lernen. So halten sie sich stets gegenseitig meistens per Brief oder Anrufen auf dem Laufenden, führen aber ihre jeweils sehr unterschiedlichen Leben unabhängig voneinander weiter. In poetischen Analogien, reichen Bildern und der Beschreibung einzelner prägender Lebensabschnitte, tauchen wir tiefer in die Vergangenheit bis zum anfänglichen Kennenlernen der beiden ein.

Die Geschichte ist eine romantische Erzählung, wie die beiden sich trotz Umwege, eigenständigen Lebensentscheidungen und Hindernissen den Zauber der Liebe erhalten und stets in der Umlaufbahn des anderen bleiben – trotz der räumlichen Distanz und der Weiterentwicklung des eigenen Lebens mit Dingen, die ihnen jeweils wichtig sind.

Um Dinge, für die es sich zu kämpfen lohnt, geht es in „Auf einem Sonnenstrahl“ von Tillie Walden, die mir schon durch einige ihrer früheren Werke bekannt ist.

Der über 530 Seiten starke Wälzer handelt von Mia, die vom Internat zu einer Weltraummannschaft wechselt. Das klingt erst mal abgespact, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Truppe fliegt nämlich im Weltall in einem Raumschiff umher, um architektonische Reparaturarbeiten auf anderen Planeten durchzuführen.

Wie das alles kam, erfahren wir nach und nach in den Rückblenden, die vor allem Mias Zeit im Internat einige Jahre zuvor zeigt. Sie lernt dort die neue Mitschülerin Grace kennen, mit der sie eine Beziehung beginnt. Ihr Traum ist es zudem, bei der Lux-Mannschaft – dem populären Internatssport – mitmachen zu dürfen.

Doch nach der Schule bekommt Mia keinen Studienplatz und Grace muss in ihre Heimat auf einem anderen Planeten zurück. Dass sie sich dabei nicht einmal verabschieden konnten, hängt ihr bis heute nach. Ihr entschiedenes Ziel ist es, Grace wieder zu finden.

Gleichzeitig erleben wir die Dynamiken der weiblichen Besatzung des Raumschiffes, die unterschiedlichen Charaktere, Probleme und familiären Verhältnisse an Bord. Mia hat mit ihren Jugenderfahrungen viele Dinge, die sie verarbeiten muss. Doch so hat jede Person der sehr diversen Mannschaft sein Päckchen zu tragen und seine eigenen unterschiedliche Beweggründe und Ziele.

„Auf einem Sonnenstrahl“ wurde ursprünglich als Webcomic veröffentlicht. Es verlangt schon einiges an Aufmerksamkeit und Konzentration, die Geschichte zu verstehen und die Charaktere auseinander zu halten, das ist mir nicht immer gelungen. Ich war auch stellenweise verwirrt, was da eigentlich gerade passiert oder wer wer ist. Genauso bemerkenswert ist die rein weiblich beziehungsweise nicht binär dargestellte Welt.

Die sehr reduzierte Farbpalette hilft, die unterschiedlichen Settings im Internat und am Weltraumschiff auseinanderzuhalten. Außerdem unterstützt sie die emotionalen Geschehnisse der Protagonistinnen und rückt die Menschen mit ihren Beziehungen in den Vordergrund, gleichzeitig rückt der Fokus von klassischen Sci-Fi Elementen (technische Errungenschaften, andere physikalische Gesetze) weg.

Ich kann mich den extrem positiven Kritiken noch nicht ganz anschließen, finde es aber sehr bewundernswert, wie die jungen und selbst bestimmten Charaktere der Story für das kämpfen, was ihnen wichtig erscheint. Außerdem ist „Auf einem Sonnenstrahl“ ein Pageturner, die Geschichte umfangreich, aber auch fesselnd, gerade weil das Setting exotisch und ungewöhnlich ist.

Vielen Dank an den Reprodukt Verlag und den Splitter Verlag für die großzügige Bereitstellung der Rezensionsexemplare!

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Kanada: Vancouver und Victoria – vegan und alternativ

Dass ich irgendwann einmal nach Kanada reisen würde, hätte ich vor einigen Jahren niemals gedacht. Aber das Leben hält immer wieder Überraschungen bereit und was sich früher noch als unerreichbar weit…

Dass ich irgendwann einmal nach Kanada reisen würde, hätte ich vor einigen Jahren niemals gedacht. Aber das Leben hält immer wieder Überraschungen bereit und was sich früher noch als unerreichbar weit weg angefühlt hat, wurde in den letzten Wochen der Vorbereitungen immer konkreter und aufregender. Wir haben vermutlich alle ein Bild von Kanada vor unserem inneren Auge – von Fotos, aus Erzählungen von Bekannten oder aus den Medien, Vancouver ist zum Beispiel bekannt für seine Wintersport-Historie. Und ja, die Vorbereitungen sind relativ aufwendig. Es lohnt sich aber!

In diesem Reisebericht werde ich ein paar Tipps zur Planung, Packliste und vor allem viele Eindrücke und Empfehlungen aus den beiden Städten Vancouver und Victoria mit euch teilen. Ich hoffe, das bringt euch ein Stück näher an eure Urlaubsziele! Disclaimer: Ich kann euch nur von der Reisezeit zum Stand von Spätsommer 2022 erzählen, bitte beachtet, dass sich zum Beispiel Einreisebestimmungen schnell ändern können!

Vor der Reise

Ich habe mir Reiseführer aus der Bibliothek ausgeliehen, hier waren zum Teil auch kleine Ortskarten dabei. Diese helfen oft mit guten Tipps weiter, die man gerne vorher wissen möchte. In meinem Fall zum Beispiel öffentlicher Transport, Trinkgeldregelungen oder auch Infos zu Fähren. Außerdem habe ich mich natürlich beim Auswärtigen Amt, bei offiziellen Websites von Kanada beziehungsweise British Columbia, die Region an der Westküste in der Victoria und Vancouver liegen, und den Fluggesellschaften informiert. Hier sollte man vor allem auf die Gepäck-, Einfuhr- und aktuelle Corona-Bestimmungen achten.

In Kanada benötigt man statt eines Visums ein elektronisches Reisedokument und Stand Spätsommer 2022 auch eine Bescheinigung der Arrive-Can-App bezüglich Corona. Ich musste mir das erste Mal einen Reisepass bestellen und sicherheitshalber haben wir auch den internationalen Führerschein beantragt. Alle meine Dokumente, Nachweise und Papiere habe ich zusätzlich kopiert und mir auch noch eine ärztliche Bescheinigung für notwendige Medikamente geholt, hier solltet ihr euch bezüglich Einfuhr genau informieren. Zusätzlich wichtig ist, dass man Lebensmittel deklariert beziehungsweise dass die Einfuhr bestimmter Lebensmittel verboten ist, dies fällt ebenfalls unter die Einfuhrbestimmungen.

Eine Auslandskrankenversicherung ist ein Muss, genauso wie eine Kreditkarte für alle Zahlungen in Kanada, wobei Barzahlung auch meistens möglich ist, hier müsstet ihr vorher bei der Bank Geld umtauschen. Zu guter Letzt haben wir uns eine SIM-Karte für Kanada, einen Steckdosenadapter und eine umfangreiche Reiseapotheke besorgt.

Die (An-)Reise

Zur Westküste Kanadas kommt man von beispielsweise Frankfurt aus in rund zehn bis elf Stunden Flugzeit. Ich habe mir von einem Blogbeitrag einer Flugbegleiterin wertvolle Tipps für Langstreckenflüge geholt. Für mich als Neuling, was solch lange Flüge angeht, war es wirklich wichtig zu wissen, wie man sich darauf vorbereitet und welche kleinen Helferlein es gibt, damit die Flüge angenehmer werden. Nach der Landung in Vancouver sind wir mit der Canada Line in die Innenstadt gefahren und haben im Guest House in unserer ersten Unterkunft als erstes den fehlenden Schlaf nachgeholt – der Zeitunterschied liegt bei neun Stunden.

Wir unternahmen den ersten Streifzug durch die Stadt, hier schauten wir uns die Steam Clock sowie die hübschen Ladenfassaden und Backsteingebäude in Gastown an. In Chinatown waren wir essen und mein erstes Highlight war die kleine Buchhandlung Massy Books. Hier gibt es Indie-Titel genauso wie Bücher zum Thema Feminismus, Poesie, Queer oder auch Psychologie.

Am Canada Place konnten wir das erste schöne Panorama betrachten. Dieses setzt sich aus eindrucksvollen Bergen, tiefblauem Meer und landenden Wasserflugzeugen zusammen. Die Skyline besteht hauptsächlich aus gläsernen Wolkenkratzern. Für Schwindelfreie ist sicher der LookOut, ein Aussichtsaufzug an einem hohen Gebäude, einen Besuch wert.

Außerdem gibt es von der Main Street aus eine ganz nette Aussicht auf das Science Museum. Laut Reiseführer ist diese Hauptstraße eine der hipsten urbanen Spots. Als wir dort entlang gingen war ich aber nicht so begeistert, da diese eher verlassen aussah.

Unsere ersten kleinen Besorgungen machten wir im bekannten Bio-Laden Whole Foods, für mich ein Erlebnis aber gleichzeitig auch eine Enttäuschung. Es gibt kaum Getränke in Glasflaschen, das Pfandsystem ist ziemlich unausgereift, hier muss man extra zu einem Sammelspot fahren beziehungsweise Glück haben, dass ein Laden die Flaschen und Dosen zurücknimmt. Ebenso haben kompostierbare To-Go-Verpackungen Seltenheitswert. Es ist immer noch viel in Plastik verpackt, Obst und Gemüse waren jedoch fast komplett unverpackt.

Unsere Reise führte nach zwei Nächten im Guest House dann via Bus-Fähre-Bus nach Victoria. Diese britisch angehauchte Kleinstadt liegt beschaulich am wunderschönen Inner Harbour. Nicht weit davon befindet sich das Parlamentsgebäude, das The Empress Hotel und das Royal British Museum. Das Museum ist schön anzusehen und eher klein, leider konnten wir die Ausstellung zu indigener Geschichte nicht besuchen, da diese gerade umgebaut wird, es gibt aber auch noch eine zweite Ausstellung zu Klima, Lebenswelt und Natur von British Columbia.

Der nächste schöne Spot war direkt in der Nähe des hübschen Beacon Hill Parks, nicht weit davon kann man in die Weite des Pazifiks schauen und an der Seawall entspannt dem tiefblauen Wasser zusehen, wie es an die steinige Küste schlägt.

Wir wohnten hier drei Tage in einem schönen Tea House, unsere zweite Unterkunft war nicht weit vom Kern der Innenstadt entfernt. Die Betreiber setzen sich für Aufforstung ein, zudem gibt es im Bad kaum Wegwerfprodukte dafür eher Spender für Dinge wie Pflegeprodukte. Zimmerservice gab es nur, wenn wir dies kenntlich machten. Besonders war, dass hier auch eine vegane Teatime auf der Karte stand, was ich in so einer traditionellen Unterkunft toll finde.

Ansonsten findet man in der Stadt fast überall veganes Essen, nur bei klassisch amerikanischer Küche wie in einem Diner gab es wenig Auswahl. Aufpassen muss man beim Frühstück, viele Restaurants und Hotels bieten eher herzhafte Gerichte, manchmal vegetarisch, oder auch French Toast, der üblicherweise mit Ei oder Milch angebraten wird. Hier sollte man unbedingt vorher Bescheid geben, wenn man ein veganes Frühstück möchte, die Auswahl ist sonst sehr bescheiden.

Natürlich darf auch ein Ausflug zum Whale Watching nicht fehlen. Hier haben wir einen Anbieter ausgewählt, der sich auch für die Erhaltung der Tierbestände, Aufklärung und Bildung einsetzt. So kann man die Tour aufs Meer wirklich genießen. Aber Achtung: warm anziehen, die See ist rau und windig.

Sowohl in Victoria als auch in Vancouver sind mir die vielen Handcrafting Märkte und Stände oder auch kleine Ladenkollektive aufgefallen. Hier kann man handgemachte Dinge abseits der Massenproduktion kaufen und kleine Unternehmen unterstützen. So kann ich den James Bay Market mit Bio-Gemüse oder handgemachter Naturkosmetik, Kerzen, Schmuck und ähnlichem und das Cascadia Collective mit einem Bauwagen am Inner Harbour empfehlen.

Victorias Innenstadt ist eine Fundgrube an urbanen Shops. Hier mischen sich Second Hand Shops, Wanderausrüstungsmarken und fancy Läden bunt durcheinander. Hier waren wir im Market Square in einem komplett veganen Restaurant namens Green Cuisine essen, welches sich auch der Nachhaltigkeit verschrieben hat.

Mein liebster Laden war The Regional Assembly of Text, welcher handgemachte Papeterie mit Retro- und Vintage-Optik verkauft. Das Schöne: Man kann sich dort an die altmodischen Pulte setzen und sich Zeit zum Briefe schreiben nehmen. Dazu sind die Postkarten, Umschläge, Journals und Kinkerlitzchen aus Papier einfach wunderschön. Perfekt für Journaling, schöne Post oder Scrapbooking.

Zurück in Vancouver wohnten wir in einem Hotel in der Innenstadt (5 Nächte) und besuchten vorfreudig das Vegan Cave Café, hier gibt es ultra leckere Pizza, am Bild zu sehen „Buddha on the Beach“.

Für viel Wald, Strand, eindrucksvolle Aussichtspunkte und Fotomaterial wie die folgenden Totempfähle muss man per Rad den Stanley Park umrunden, das ist umweltfreundlich und die beste Art, zum schönsten (Sand-)Strand zu kommen, dem Second Beach. Hier wurde tatsächlich noch Anfang September gebadet, an allen anderen Stränden haben wir das sonst nicht gesehen.

Sehr häufig findet man in Souvenirshops auch indigene Kunst und Handarbeit, viel von Kanada – auch Gewässerbereiche – sind indigenes Land/Territorium. So wie ich es erlebt habe, erfährt diese Tatsache Wertschätzung von der Bevölkerung und man wird zudem in Museen und auch in Touristenbroschüren, am Flughafen und ähnlichem als TouristInnen darüber aufgeklärt.

Weiter ging es zur bekanntesten Einkaufsstraße in Vancouver, der Robson Street. Hier gibt es eher Ladenketten, aber meiner Meinung nach weniger interessante Einkaufsläden als coole Restaurants. Dieses Mal gab es vegane Poutine, das sind Pommes Frites mit (veganem) Käse und dunkler Soße, und (vegane) Hotdogs bei Good Dogs Plant Food.

Unbedingt wollten wir auch das bekannte Vancouver Aquarium besuchen. Eigentlich bin ich kein Fan von Sea Life und Co. Doch dieses Aquarium betreibt auch eine Rettungsstation unter anderem für Seehunde, Seelöwen und Seeotter, die verletzt wurden und nicht mehr alleine überlebensfähig wären. Im Aquarium gab es beeindruckende Tiere wie Piranhas, Faultiere, ein Opossum mit Behinderung oder auch einen Kaiman. Unnötig zu erwähnen, dass die putzigen großen Seeotter jedoch das absolute Highlight waren, denen man auch stundenlang zuschauen könnte.

Als nächstes besuchten wir Granville Island via Bus. Das bunte Inselchen ist voller alternativer kleiner Shops, überwiegend fern von üblichen Touristen-Läden. Ein Fairtrade-Laden, Pop-Up Stores, Werkstätten von KünstlerInnen und Ateliers. Der richtige Ort für schöne Mitbringsel, meine Favoriten: Paper-Ya, make, Nooroongji. Besonders schön ist die Markthalle, die ebenfalls regionales Kunsthandwerk und Gerichte aller Nationen bietet.

Per Nussschalen-Fähre sind wir zum ehemaligen Hippie-Strand Kitsilano Beach gefahren. Alle Strände, die wir gesehen haben, waren sauber, recht naturbelassen und kaum besucht. Insgesamt waren beide Städte überhaupt nicht überlaufen.

Mein Wunsch war es noch, ein Andenken im Patagonia Store zu besorgen. Dieses nachhaltige Label befindet sich ziemlich außerhalb im Viertel Kitsilano an der spannenden Einkaufsstraße Arbutus Street umgeben von Wohngebiet. Wer lokale handgemachte Sachen kaufen möchte, muss unbedingt auch beim Kollektiv The Nooks vorbeischauen. Achtet nur bei Seifen darauf, dass keine tierischen Fette enthalten sind. Zu guter Letzt besuchten wir in Downtown die Public Library und die Art Gallery, beides eindrucksvolle Gebäude. Tipp: die Aussicht von der Bücherei oben ist besonders klasse!

Reise-Fazit

Ihr seht: Man muss kein Wandertyp sein, um Kanada genießen zu können. Es sei aber gesagt, dass der Weg in die Berge nicht allzu weit ist. Dann gibt es da noch die unberührteren Bereiche der Insel Vancouver Island, Salt Spring Island oder auch die Berge Whistler für Wintersport oder Grouse Mountain, um nur einige Beispiele zu nennen. In unserem Fall waren wir zehn Tage in der Region British Columbia. Vancouver wird ja zum Teil auch als Raincouver bezeichnet, wir hatten aber zu  unserer Reisezeit wirklich Glück mit dem Wetter, es waren immer Temperaturen um die 20 bis 25 Grad Celsius. Wenn ihr neben Vancouver und Victoria noch weitere Orte in (West-)Kanada oder British Columbia sehen möchtet, würde ich euch auf jeden Fall mehr als zehn Tage Aufenthalt empfehlen.

Bezüglich Plastikverpackungen, vielen ausgetrockneten kleinen Parks und auch Recyclingsystem muss British Columbia wohl noch einiges aufholen. Aber zumindest vegane Ernährung ist weniger das Problem. Das Panorama mit Bergen, Großstadt, Meer und Wald bleibt jedenfalls lange im Gedächtnis.

Für alle, die sich irgendwann nach Kanada aufmachen: Ich wünsche euch viel Spaß und schöne Eindrücke!

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Anaïs Nin – Im Meer der Lügen: Graphic Novel zwischen Leidenschaft und Realität

Anaïs Nin ist für viele eine Ikone. Vor allem für ihre Tagebücher bekannt, hat sie sich als weibliche Schriftstellerin mit ihrer inneren Welt auseinandergesetzt und über (vermeintliche) Tabuthemen geschrieben –…

Anaïs Nin ist für viele eine Ikone. Vor allem für ihre Tagebücher bekannt, hat sie sich als weibliche Schriftstellerin mit ihrer inneren Welt auseinandergesetzt und über (vermeintliche) Tabuthemen geschrieben – unter anderem über die weibliche Leidenschaft, die sie auch ausgelebt hat. Wer tiefer in ihre Geschichte eintaucht, erfährt aber auch von traumatisierenden Erlebnissen, die sie stark geprägt haben.

In der neuen Biographie in Form einer Graphic Novel, „Anaïs Nin – Im Meer der Lügen“ von Léonie Bischoff,  können wir ihr turbulentes und wildes Leben mitverfolgen. Die Graphic Novel beginnt, als Anaïs Nin bereits in Paris lebt, zuvor war sie in Barcelona und New York. In der französischen Hauptstadt ist sie in den wohlhabenderen Kreisen unterwegs und lebt mit dem Bankier Hugo zusammen. Immer wieder zeigt sich in ihr der Zwiespalt zwischen „perfekter Ehefrau“ nach dem Frauenideal der 30er Jahre und dem Wunsch nach einem künstlerisch-freien Leben.

Die junge Anaïs beschäftigt sich mit Beziehungen, was Intimität für sie bedeutet und zieht auch die Aufmerksamkeit vieler Männer auf sich. Zur damaligen Zeit war zudem die Psychoanalyse auf dem Vormarsch, für diese beginnt sie sich ebenfalls zu interessieren. Anfangs pflegt sie vor allem durch Kontakte ihrer Brüder den Austausch mit Männern, so lernt sie auch Henry Miller, ihre spätere Affäre, kennen. Anaïs wird immer wieder mit Unglauben konfrontiert, wenn Männer ihre Texten lesen. Insgeheim wird sie zwar oft bewundert, doch gleichzeitig als Schriftstellerin nicht ernst genommen. Anaïs liest viel, erlebt ihre Umgebung mit allen Sinnen und sucht aktiv den Austausch über ihre Texte.

Im Laufe der Geschichte lernen wir sehr viel über die Gedankenwelt, Weltansicht, inneren Muster und Glaubenssätze von Anaïs. Immer wieder trifft sie sich mit Männern, die sie aus unterschiedlichsten Gründen interessieren. Diese vergehen sich dann aber an ihr; sie lässt den Missbrauch über sich ergehen, da sie befürchtet, dass sie die Leidenschaft in den Männern ausgelöst habe und sie ihnen deshalb Befriedigung schuldig ist.

Anaïs beginnt, ihre Tagebucheinträge vor ihrem Mann zu verheimlichen und gleichzeitig ihre „Tugendhaftigkeit“ aufrecht zu erhalten. Bis sie sich eines Tages in June, der Frau Henry Millers verliebt, und der emotionalen und extravaganten Frau gnadenlos verfällt. Der Konflikt zwischen dem Wunsch nach Leidenschaft mit June und dem der völligen Hingabe gegenüber ihres Mannes Hugo droht sie mehr und mehr zu zerreißen.

Mit Henry lebt sie schließlich ihre Leidenschaft ohne Zurückhaltung aus und fühlt sich endlich glücklich und erfüllt. Diese Verbindung scheint ihr Selbst zu stärken und dadurch auch ihre Ehe zu beleben. Mehr und mehr wird ihr Schreiben ihr Anker, ihre zweite Realität und ihr Weg, Dinge zu verarbeiten. Doch bröckelt die zusammengesetzte Welt von Anaïs. Sie sieht hinter die Fassade der ihr vergötterten Menschen und verstrickt sich immer mehr in ihrem Meer aus Lügen und Verheimlichungen.

Eines Tages tritt ihr Vater wieder in ihr Leben, der sie und ihre Familie bereits in Kindertagen verlassen hatte. Und damit gerät ihre Welt völlig aus den Fugen. Als Lesende erfahren wir durch Anaïs‘ Besuche beim Psychoanalytiker von der grotesken Beziehung zu ihrem Vater, die ihr Verhalten stark beeinflusst.
Immer mehr spielt Anaïs Rollen für die Männer in ihrem Leben und spürt die Macht, die sie über diese hat. Viele dieser Männer fühlen sich zudem von ihrem Tagebuch eingeschüchtert, welches neben ihnen existiert. Sie wiederum nutzt fast schon schizophren jeden Mann für neue Erfahrungen aus. Doch kann dieses verstrickte Leben noch länger gut gehen?

In „Anaïs Nin – Im Meer der Lügen“ tauchen wir tief in die Welt von Anaïs ab: Ihre Komplexität, ihre Sehnsüchte, aber auch ihre heftige Zerrissenheit zwischen Ansprüchen von außen und ihren eigenen Gedanken und Emotionen. Wir lesen von verstörenden Ereignissen genauso wie von beflügelnder kreativer Energie.

All das wird von Léonie Bischoffs kräftigen bunten Zeichnungen sehr schön verdeutlicht. Die Illustrationen und Texte sind großartig kombiniert und reißen einen förmlich mit in die Tiefe. Die Emotionalität, inneren Gedankenstrudel oder auch die starken Einschnitte in der Geschichte bleiben damit noch lange im Gedächtnis – diese Biographie hallt im eigenen Inneren für längere Zeit nach.

Vielen Dank an den Splitter Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Fünf Comics für Kinder: Junge Helden und schwierige Themen

Kindercomics gibt es reichlich, in diesem Beitrag stelle ich euch solche vor, die nicht immer ganz so leichte Themen behandeln und dabei die jungen Heldinnen und Helden in den Mittelpunkt…

Kindercomics gibt es reichlich, in diesem Beitrag stelle ich euch solche vor, die nicht immer ganz so leichte Themen behandeln und dabei die jungen Heldinnen und Helden in den Mittelpunkt des Abenteuers stellen. Taucht ein in fantastische Welten!

Dragon Prince – Der Prinz der Drachen 1: Durch den Mond

Vielleicht kennen manche von euch die spannende Netflix-Serie „The Dragon Prince„: Fantasy gemixt mit charakterlicher Diversität und einer richtig großartigen Story, nicht nur für Kinder. Ich bin ein großer Fan der Serie, die durchaus auch düster sein konnte.

Bild: Cross Cult

Im allerersten Band der Adaption zur Serie, „Dragon Prince – Der Prinz der Drachen 1: Durch den Mond„, erleben Rayla, die Elfen-Assassin und Callum, der aufstrebende Magier, eine Folgegeschichte zum Zeitpunkt nach den Geschehnissen aus der Serie. In einer weiteren großen Mission müssen beide wieder über sich hinauswachsen und sich ihren Ängsten stellen, auch wenn das Gefahr bedeutet. Aber um endlich Frieden zu haben, geht das junge Paar das Wagnis ein, denn sie wollen weiterhin, dass sowohl Menschen als auch Elfen nebeneinander existieren können. Und Rayla wird das Gefühl nicht los, dass Viren, der böse Manipulator, vielleicht doch nicht tot ist…

Bild: Cross Cult

Rotwölfchen

Seit kurzem gibt es den bildgewaltigen Comicband „Rotwölfchen“ von Amélie Fléchais auch auf Deutsch. Vor einer Weile hatte ich ihn das erste Mal bei einer Freundin in der Hand und war sehr angetan von den Bildern und den Parts, die ich auch auf französisch zum Teil verstand. „Rotwölfchen“ ist ein tragisches Märchen. Aber das sind Märchen ja oft. Die Geschichte dreht sich um einen jungen Wolf, der bei seiner Familie im Wald aufwächst und ein rotes Mäntelchen trägt – Rotkäppchen anders herum also. Dieses Wölfchen soll ebenfalls zu seiner Großmutter gehen und ihr Leckereien mitbringen.

Bild: Splitter Verlag

Nicht ohne Warnung vor dem bösen Jäger und seiner Tochter geht das Wölfchen also auf den Weg. Voller Begeisterung hüpft es durch den Wald, bis es auf ein Menschenmädchen trifft. Dieses erzählt ihm von einem Lied, in dem es um eine von ihr ausgedachte Geschichte geht: Eine schöne Frau, die viel Zeit alleine im Wald verbrachte und ein junger Jäger verlieben sich. Der Jäger legt seine Waffen ab, um sie zu erobern und sie leben als kleine Familie zusammen. Dann bricht das Mädchen die Geschichte ab, lockt das Wölfchen ihn in ihr Zuhause und sperrt ihn ein, bis ihr riesiger Vater, der Jäger, heimkommt.

Währenddessen erzählt sie ihr Lied zu Ende: Die Frau wird von Wölfen getötet und seither bewegt den Jäger einen Hass gegen diese. Das Mädchen schließt mit der Aussage, dass alle bösartigen Bestien getötet werden müssen und sie daher den Wolf eingesperrt habe. Was passiert, wenn der Jäger auf das arme Wölfchen trifft, sei nicht verraten. Doch das war nicht das Ende der Geschichte, denn das Wolfsrudel hat ihre ganz eigene Variante der Geschichte, die von einer wunderbaren Verbundenheit zwischen Mensch und Wolf berichtet – und von einer törichten Tat des Jägers…

Bild: Splitter Verlag

Die ganze Fabel zeigt uns, wie unterschiedliche Realitäten entstehen. Wie Menschen sich ihre Wahrnehmung zurechtlegen, um sich nicht dem Unangenehmen stellen zu müssen. Und sie erzählt von Sündenböcken, Naturverbundenheit und Schwarz-Weiß-Denken. Dieser Band hält uns vor Augen, wie wir uns schnell auf eine Seite schlagen und bietet uns sehr ambivalente Charaktere. Keiner ist wirklich der oder die “Böse”. Alle handeln letzten Endes aus einer Annahme oder aus bestimmten Intentionen und Gefühlen heraus

Die Illustrationen ziehen sich oftmals komplett über die Seiten, die kräftigen, traumartigen Motive sind mit unterschiedlichen Malarten und Techniken entstanden. Text und Folklore-Verzierungen fügen sich schön in die Seiten ein.

Die magische Spieluhr 1: Willkommen in Pandorient

Ein Comic, der ebenfalls aus französischer Feder stammt, trägt den Titel „Die magische Spieluhr 1: Willkommen im Pandorient„, im Original geschrieben von Gijé​ und Carbone.

Bild: Splitter Verlag

In diesem kindgerechten Band spielt Nola, ein junges Mädchen, die Hauptrolle. Sie hat ihre Mutter verloren und muss nun den ersten Geburtstag ohne sie verbringen. Durch das Geburtstagsgeschenk ihres Vaters, eine wunderschöne Schneekugel mit Spieluhr, lässt ihr ein kleines Wesen plötzlich einen Hilferuf aus der Kugel zukommen. Das Wesen bittet Nola, ihr und ihrer erkrankten Mutter zu helfen, und ehe sich Nola versieht, schrumpft sie auf die Größe einer Fee und ist auch schon in die magische Welt der Spieluhr geschlüpft.

Dort führt sie das Wesen namens Andrea in die Welt von Pandorient, ein buntes Dörfchen mitten in der Natur, das auf den ersten Blick friedlich wirkt. Doch Andrea zieht sie weiter zu ihrer kranken Mutter, die Nola zuerst mit ihrer Mutter Annah verwechselt. Von Andreas Mutter erfahren wir, dass Annah sich  oft in Pandorient aufgehalten hat.

Bild: Splitter Verlag

Da taucht auch noch Igor, Andreas Bruder auf. Gemeinsam mit ihm macht sich Nola auf die Suche nach einer Medizin, die der kranken Frau helfen könnte. Doch es tun sich Hindernisse auf, mit denen die drei nicht gerechnet haben und mit Hilfe der Nachbarn decken sie ein schlimmes Geheimnis auf. Mehr soll hier nicht verraten werden, nur so viel: Nola erfährt mehr und mehr über Pandorient und ihre Mutter und gewinnt Freunde fürs Leben.

Die Story macht neugierig auf die Welt in und um Pandorient, im ersten Band wird noch wenig verraten. Die Zeichnungen sind voller Bewegung und starker Mimik, welche die Lesenden in den Bann des Abenteuers ziehen. Band II bis V sind ebenfalls schon erhältlich.

Der Club der drei Schwestern 1: Sarahs Traum

Ebenfalls um eine Familiengeschichte geht es in „Der Club der drei Schwestern 1: Sarahs Traum„, aus dem Französischen von Barbucci und Di Gregorio. Barbucci ist ein bekannter Zeichner, der unter anderem Zeichnungen für Disney oder das Magazin W.I.T.C.H. gestaltet hat. Im ersten Band der Reihe lernen wir drei sehr unterschiedliche junge Schwestern kennen, die mit ihrer Mutter zusammen leben. Sarah, die immer wieder einen merkwürdigen Traum von einer schwebenden Qualle im Wald hat, Kassiopeia, die verträumte der drei, und die stille Lucille, die vor allem mit Katzen kommuniziert. Die drei wollen gerne mehr über das frühere Leben ihrer Mutter wissen und stellen immer wieder interessierte Fragen.

Bild: Splitter Verlag

An einem Sonntag, an dem deren Mutter sich wieder einmal sehr ausweichend zu den Fragen ihre Jugend betreffend verhält, gründen die drei ihren „Club der drei Schwestern“ mit der Mission, die Vergangenheit ihrer Mutter zu ergründen. Sie finden alte Sachen auf dem Dachboden, doch noch viel spannender sind die alten Fotos, die ihnen in die Hände fallen.  Diese bergen ein Geheimnis in sich, das sich ihnen erst später offenbart.

Bild: Splitter Verlag

Zum Muttertag wollen sie ihre Mutter mit einem selbst gestalteten Fotoalbum überraschen. Dazu befragen sie Freunde ihrer Mutter zu den Fotos, damit diese ihnen Hinweise geben können, wo die Bilder aufgenommen wurden. So sammeln sie Anekdoten und Erinnerungen. Doch für Sarah steckt mehr hinter dieser Suche nach Hinweisen zur Vergangenheit der Mutter, sie will die Bedeutung ihres Traumes herausfinden und was die Qualle im Wald mit ihr zu tun hat. Zu allem Überfluss kommt es zu Streitereien unter den Schwestern, die sich nicht immer gegenseitig verstehen.

Bild: Splitter Verlag

Am Muttertag passiert es dann schließlich, Lucille läuft wegen eines weiteren Streits davon. Die anderen beiden Mädchen machen sich gemeinsam mit ihrer Mutter auf die Suche nach ihr und endlich kommt das Geheimnis der Mutter und des seltsamen Traumes ans Tageslicht.

Dieser umfangreiche Comicband stellt seine Charaktere in den Vordergrund, jedes der drei Mädchen wird lebhaft und liebevoll dargestellt, lediglich die Mutter bleibt wohl auch aufgrund der Story sehr blass. Die Farben, Szenerien und weitere Nebencharaktere gefallen mir sehr, die Idee und das Ende der Story ebenfalls. Ein nicht ganz so einfaches Thema wird hier emotional, aber auch kindgerecht und nachvollziehbar erzählt. Band II ist ebenfalls neu erschienen.

Die entsetzliche Angst der Epiphanie Schreck 2: Die verlorene Zeit

Neu erschienen ist außerdem „Die entsetzliche Angst der Epiphanie Schreck 2: Die verlorene Zeit„, der Comic wurde erneut von Clément Lefèvre und von Séverine Gauthier verfasst. Der erste Band, „Die entsetzliche Angst der Epiphanie Schreck„, mit dem eigenwilligen Zeichenstil und dem Tabuthema Angst hatte mir schon sehr gut gefallen – siehe meine Rezension dazu.

Bild: Splitter Verlag

Im zweiten Band treffen wir alte Charaktere wieder, Epiphanie ist zudem älter geworden. An ihrem neunten Geburtstag überfällt sie die Angst erneut, sie fällt wieder in die merkwürdige Fantasiewelt und trifft dort auf alte Bekannte. Wie beim letzten Mal hat sie wieder eine unbeantwortete Frage, die sie umtreibt. Dieses Mal erhofft sie sich Rat von den skurrilen Anwesenden, wie man sich denn Freunde machen kann. Wieder begibt sie sich in der Fantasiewelt auf eine Reise zu sich selbst. Im Gespräch mit den anderen wird klar, dass sie nie Kind sein konnte, da die Angst sie immer ernsthaft und verkrampft gemacht hatte und es ihr daher heute so schwer fällt, diese Frage zu beantworten.

Die Wesen raten ihr, ihre Ernsthaftigkeit zu verlieren und ihre verlorene Zeit aufzuholen. Um genauer zu sein, neun Jahre ihrer Kindheit. Doch leichter gesagt als getan, die Angst hindert sie immer wieder daran, zu schweben und loszulassen. Selbst im Vergnügungspark findet sie stets Einwände, warum sie dies oder jenes nicht tun kann. Später soll ihrer Kindheit im Kino auf den Grund gegangen werden, doch Epiphanie flüchtet aus dem Film… Doch endlich, endlich findet sie einen Weg, wie sie wieder Kind sein kann und sieht, was ihr immer gefehlt hat.

Bild: Splitter Verlag

Der zweite Band hat mich noch mehr berührt und an fantastisch skurrile Plätze geführt. Dieses Mal habe ich auch die Handlung als authentischer und fokussierter empfunden. Epiphanie handelt mehr, anstatt zu reagieren. Wir lernen sie besser kennen, die anderen Wesen sind mehr im Hintergrund. Mir haben in diesem Band auch die Farbpalette und die Dialoge mehr zugesagt. Und es begeistert mich immer wieder, wie das Thema rund um Angst und Angststörung so verzaubernd und doch authentisch behandelt wird. Genau das vermögen diese Comics alle – schwierige Themen in Form von Kunst, Überlebensstärke und Zuversicht an Kinder weiterzugeben.

Vielen Dank an den Splitter Verlag und Cross Cult für die Rezensionsexemplare!

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Gesellschaftskritische Comics und Graphic Novels von weiblichen Künstlern

In diesem Artikel möchte ich den Fokus auf gesellschaftskritische Comics und Graphic Novels legen, die von weiblichen Künstlern kreiert wurden. Drei dieser Werke möchte ich euch heute vorstellen: „Wie gut,…

In diesem Artikel möchte ich den Fokus auf gesellschaftskritische Comics und Graphic Novels legen, die von weiblichen Künstlern kreiert wurden. Drei dieser Werke möchte ich euch heute vorstellen:

„Wie gut, dass wir darüber geredet haben“ von Julia Bernhard

Der 2019 erschienene Comic „Wie gut, dass wir darüber geredet haben“ ist das Debüt von Julia Bernhard und strotzt schon im Titel nur so vor Ironie und Zynismus. Die reduzierte Farbpalette der gezeichneten Panels aus lachsrot und sumpfgrün fällt als erstes auf, als nächstes, dass viele Szenen aus dem (körperlichen) Blickwinkel der Protagonistin zu sehen sind. „Wir“ sprechen also mit unserer Oma beim Kuchenessen, mit unseren Dates oder unserer französischen Bulldogge. Dieses Stilmittel sorgt dafür, dass sich die Lesenden sehr involviert und persönlich angesprochen fühlen.

So erleben wir unangenehme Gespräche mit der Familie, der intoleranten Oma oder auch Männern, die sich bloß nicht binden wollen. Die Protagonistin wird mit Weltbildern, Anforderungen und Erwartungen konfrontiert, versucht sich teilweise daraus zu befreien oder das Gegenüber nicht vor den Kopf zu stoßen. Leider wehrt sie sich aber auch nicht so deutlich und nimmt – meist sehr passiv – alles auf, ohne Grenzen zu setzen oder ihre Meinung klar und deutlich auszusprechen.

Es geht also um die Generation Mitte Zwanzig, um Sorgen und merkwürdige Situationen, um Freundinnen, die sich über ihren Partner beschweren und unzufrieden sind, aber dann doch beim kleinsten Zuneigungskrümel dahinschmelzen; um die groteske Welt in einer Kreativagentur, Gespräche mit Pflanzen und Hunden aber auch der Clash zwischen modernen Ideen von Beziehung und Partnerschaft – „Alles ist möglich!“ – und traditionellen Werten, (Un-)Verbindlichkeit und Freiheit.

Viele Situationen sind in der Kommunikation ungenügend, Missverständnisse und unterschiedliche Realitäten prallen so lange aufeinander, bis diese der Protagonistin, von Depression und Selbstzweifel geplagt, über den Kopf wächst und sie sich im wahrsten Sinne des Wortes zurückzieht.

Die Message, die ich mitnehme: Letztendlich könnte es allen besser gehen, wenn man versucht das Gegenüber aufrichtig zu verstehen und nicht alles toleriert. Und: moderne und offene Weltanschauungen sind bei weitem noch nicht Standard.

„Der Ursprung der Liebe“ von Liv Strömquist

An ein ähnliches Thema wie im Comic zuvor macht sich Liv Strömquist in „Der Ursprung der Liebe“, sie untersucht nämlich was genau Liebe eigentlich ist und was eigentlich unser Bild von Beziehungen und Partnerschaften ausmacht.

Es geht darum, wie Mann und Frau über Gefühle sprechen, welche Unterschiede Sozialisation zwischen Mann und Frau entstehen lässt und wie das unsere Beziehungsgestaltung beeinflusst. Wir treffen hier wie in allen Comics von ihr auf viele bekannte Persönlichkeiten, von Tim Allen bis Ronald Reagan, von Prinzessin Diana zu Britney Spears.

Die Autorin beleuchtet, wie das Konzept Beziehung entstand und aus welchen Beweggründen man früher bis heute eine Beziehung einging. Und warum bleiben eigentlich viele in ihrer ungesunden Beziehung hängen? Was haben Religion und Rituale mit Liebe zu tun? Wie weit darf Liebe gehen? Wer legt Grenzen und Bedingungen für Liebesbeziehungen und Partnerschaften fest?

Liv Strömquist schafft es, diese für uns eigentlich selbstverständlichen Dinge so zu hinterfragen, dass man nach der ersten Verwunderung auch Freiheit verspürt, die Dinge selbst so zu entscheiden wie man es für richtig hält. Sprich, sie klärt auf und schafft damit Handlungsspielraum und die Möglichkeit, seine Entscheidungen und sein Verhalten in Tradition und Strukturen zu überdenken. Es geht aber auch um Macht, Manipulation, unerfüllte Bedürfnisse und die verbreitete Vorstellung, eine Beziehung kann uns von allen Ängsten befreien und sei das ultimative Ziel im Leben.

Inhaltlich regt sie dazu an zu hinterfragen, mit wie viel Integrität man seine Liebesbeziehungen lebt und erläutert, wie diese Sichtweisen auf Beziehungen und Werte in einer Partnerschaft über die Jahre entstanden sind. Welche Phänomene in Liebe und Romantik sind allgemeingültig? Wo gibt es historische und kulturelle Unterschiede? Strömquist analysiert gerne mal bis ins Groteske und schafft es, danach wieder alles in einen Rahmen zu rücken und überlässt uns schließlich unserem eigenen Urteil.

Ihre überspitzten, lebendigen Charakterzeichnungen und die kleinen Nebenkommentare hinterlassen die Lesenden mit neuen Blickwinkeln, ohne erhobenen Zeigefinger oder Dogma. Sie nimmt sich an den richtigen Stellen auch selbst nicht zu ernst und stellt offene Fragen: Was bedeutet denn jetzt eigentlich Liebe?

„Ich fühl’s nicht“ von Liv Strömquist

Im neuesten Werk „Ich fühl’s nicht“ der bekannten schwedischen Comickünstlerin geht es wieder um die Liebe. Aber dieses Mal etwas anders. Es geht noch mehr um das eigene Selbstbild, um Leidenschaft und was Liebe in unserer konsumorientierten Gesellschaft bedeutet. Wie zeigen wir uns in unseren Verhaltensweisen in der aktuellen Zeit? Sind andere nur dazu da, um sich selbst zu spiegeln und zu erweitern?

Sie stellt Theorien anhand vorhandener Forschung und Fakten auf; untersucht, warum sich manche beispielsweise nicht binden wollen oder können, warum zu viel Auswahl und Möglichkeit uns hindert, tiefer zu fühlen und die Überoptimierung uns nicht glücklicher machen wird, auch was die Partnersuche angeht. Was macht die moderne Partnersuche und dutzendfache Auswahl mit uns? Laut Strömquist nimmt beispielsweise die Rationalität bei der Partnerwahl inzwischen eine wichtigere Stellung ein, als die emotionale Komponente.

Sie beschreibt, wie Definitionen von Männlichkeit und Weiblichkeit unser Konzept von Bindung und Beziehung tief beeinflusst. Die Autorin zeigt, warum man so ist wie man ist, wenn man sich verliebt und wie sich Liebe in einer Beziehung oder Partnerschaft auch verändern kann.  Sie thematisiert zum Beispiel das Dilemma der bedingungslosen Liebe vieler Frauen, die sich selbst aufgeben und die Gefahr „durch Gedankendressur und Selbst-Empowerment“ genauso liebesunfähig zu werden. Kann man zu tief lieben? Wie dauerhaft ist Liebe?

Besonders interessant: Unser Streben nach Einzigartigkeit verschließt uns den Weg zu tieferer Liebesfähigkeit. Denn, so erklärt sie frei nach Erich Fromm, häufig üben wir uns nicht in der Kunst des Liebens, sondern fokussieren uns oft nur darauf, wie wir geliebt werden können.

Wie immer stellt sie aktuelle, aber auch historisch ältere philosophische, soziologische oder auch psychologische Thesen nebeneinander und schließt daraus Fragen, (unerwartete) Schlüsse und weitere (teilweise verblüffende) Theorien. Dabei kommen die wissenschaftlichen Persönlichkeiten oftmals selbst zu Wort, so zum Beispiel die Soziologie-Professorin Eva Illouz. Uns begegnen hier jedoch auch Figuren wie Der Kleine Prinz, Lord Byron oder Beyoncé.

Immer gibt sie auch die jeweilige Quelle an und lässt sowohl Philosophen als auch ausgedachte Charaktere aus allen Zeiten selbst zu Wort kommen. Gekonnt bündelt sie Witz und viel Stoff zum Nachdenken zu einem lehrreichen aber auch sehr unterhaltsamen und etwas anarchischen Sachcomic.

Eine große Empfehlung meinerseits für alle Strömquist-Bände. Ihre Werke hinterlassen immer eine Mischung aus augenöffnenden Momenten, Verwunderung (manchmal auch Schrecken) und lassen einen sich selbst und die Welt, wie sie ist, hinterfragen.

Im Herbst dieses Jahres erscheint übrigens ihr nächstes Werk.

Vielen Dank an den avant-verlag für die Rezensionsexemplare!

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