Eco. Life. Style.

Autor: Verena

Betty Boob – No Body is Perfect

Comics sind für viele LeserInnen eine willkommene Abwechslung zu textlastigen Büchern. Viele Comics oder Graphic Novels sind schon über die Bildsprache aussagekräftig. Aber so ganz ohne Text, geht das denn,…

Comics sind für viele LeserInnen eine willkommene Abwechslung zu textlastigen Büchern. Viele Comics oder Graphic Novels sind schon über die Bildsprache aussagekräftig. Aber so ganz ohne Text, geht das denn, vor allem bei schwierigeren Themen? Dass Bilder ausreichend sein können und wie so oft weniger mehr ist, beweist das mitreißende Werk von Véro Cazot und Julie Rocheleau, „Betty Boob“, dem der französische Buchhandelspreis für Comics „Prix de la BD Fnac“ verliehen wurde.

Der über 170 Seiten starke Band erschien 2018 im Splitter Verlag und behandelt ein äußerst schwieriges Thema: der Verlust von Brüsten durch Brustkrebs. Elisabeth verliert durch Chemotherapie nicht nur ihre Haare sondern auch eine Brust. Ihr Partner kann nicht damit umgehen und verlässt sie. Viel schlimmer kann es in diesem Moment kaum kommen. Sie fühlt sich nicht attraktiv und kämpft um ein neues Selbstbewusstsein und eine neue Identität.

In grotesken, aber visuell starken Bildern erzählt der Comic die Hindernisse, mit denen die Protagonistin zu kämpfen hat. Sie selbst geht zunächst immer selbstsicherer mit sich und ihrem Körper um, dennoch verliert sie ihren Job und erfährt viel Ablehnung und auch angewiderte Reaktionen.

Der Comic führt – mal mehr, mal weniger abstrus – und in Animationsfilm-Art vor Augen, wie sehr unsere Aufmerksamkeit auf Äußerlichkeiten liegt. Das Ganze erscheint stellenweise sehr absurd und irreal, aber dennoch emotional mitreißend. Die Farbgebung spricht stark für sich, manche Panels sind beispielsweise grün (wie Ekel) oder auch zartviolett, wenn es um Sinnlichkeit geht.

Elisabeth trifft schließlich durch Zufall auf schwimmendes Burlesque-Theater und lernt eine besondere Gemeinschaft kennen, in der niemand perfekt ist und jede/r mit seinen (körperlichen) Schwächen kokettiert und diese elegant und sexy zur Schau stellt. Das Publikum ist jedes mal aufs Neue fasziniert von der rauschenden Darstellung der SchaustellerInnen, die Burlesque und Cabarét vereinen. Körperlichkeit wird hier nicht nur akzeptiert, sondern gelebt.

Sie verliebt sich sofort in die Vorstellungen und wagt sich schließlich auch auf die Bühne – Betty Boob ist geboren! Elisabeth erhält einen Vertrag und wird in die bunte und verrückte Truppe aufgenommen. So gewinnt sie langsam neue Stärke und beginnt ein völlig neues Leben.

Betty Boob“ ist ein starkes Plädoyer für Selbstliebe und ein Werk das beinahe ohne Worte zeigt, wie wichtig es ist, eine akzeptierende und wohlwollende Community um sich zu haben.

Vielen Dank an den Splitter-Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Herz aus Stein – eine Fabel über das Fühlen

Ein Mädchen mit einem Artischockenherz und ein Junge, der nichts fühlt? Diese seltsame Konstellation ergibt eine traurige, aber atmosphärische Fabel mit einem kleinen Funken Hoffnung. Wir lernen in „Herz aus…

Ein Mädchen mit einem Artischockenherz und ein Junge, der nichts fühlt? Diese seltsame Konstellation ergibt eine traurige, aber atmosphärische Fabel mit einem kleinen Funken Hoffnung.

Wir lernen in „Herz aus Stein“ einen kleinen Jungen kennen, der in einer düsteren Umgebung aufwächst. Er hat zudem ein Handicap: Er hat kaum einen Herzschlag! Die Eltern sind sehr betrübt und er wächst einsam und traurig auf. Zur selben Zeit lebt nicht unweit von ihm ein liebreizendes, warmherziges Mädchen, das stets Glück ausstrahlt und in dessen Nähe jeder in ihrem Umfeld gerne verweilt.

Es kommt wie es kommen muss, eines Tages stoßen die beiden aufeinander. Das Mädchen ist sofort Feuer und Flamme für den Unbekannten und will ihm ihre Liebe schenken. Sie übergibt ihm einen Teil ihres Herzens, ein Artischockenblatt. Doch er versteht nicht, was dies bedeutet und verschmäht das Geschenk.

Ein anderer Junge sieht währenddessen die innere und äußere Schönheit und Anmut des Mädchens. Er hat ein Herz aus Gold und möchte gerne auf sie acht geben. Sie hat aber nur Augen für den grummeligen, deprimierten Jungen, der nicht versteht, warum sie seine Nähe sucht und der nicht schätzt, dass sie ihm wieder und wieder Blätter ihres Artischocken-Herzens schenkt.

Irgendwann begreift das Mädchen, dass ihre Mühe vergebens ist und ihre Zuneigung nicht erwidert wird. Sie wird traurig als sie sieht, dass sie nur noch zwei kleine Blättchen ihres Herzens in sich trägt. Die Geschichte nimmt eine Wendung, die noch nicht verraten sei, nur so viel: Sie erhält ihr Herz zusammengefügt wieder zurück und erlebt eine Überraschung.

Was an dieser kurzen Fabel besonders hervor sticht, sind die unterschiedlich intensiven Farben, die den Jungen und das Mädchen bildlich trennen. Das Mädchen in ihrem Umfeld ist bunt, weich und sanft gemalt, die restliche Umgebung und der Junge in grau und schwarz, trostlos und verloren. Beide Welten haben jedoch ihren Reiz und ihre eigene Ästhetik. Eine weitere Besonderheit ist die poetische Sprache, die Panels sprechen großflächig und intensiv für sich. Es gibt keine umrahmenden Elemente der gesagten Worte, sie begleiten den Betrachtungsprozess wie nebenbei, der Text fällt aber durch Reimschema und gehobenere Sprache auf.

Die Illustrationen sind – im wahrsten Sinne des Wortes – das Herzstück des Hardcover-Comics. Der Stil ist verspielt, fantastisch und organisch. Viele Elemente sind nur angedeutet, sodass die Atmosphäre an eine Traumwelt erinnert, was den symbolischen Charakter der Fabel noch unterstreicht. Lasst euch von diesem bildgewaltigen Comic mitreißen und berühren!

Vielen Dank an den Splitter-Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Willkommen im Wunderland! Die entsetzliche Angst der Epiphanie Schreck

Angst ist ein Thema, das nicht nur in Zeiten von Pandemien aktuell ist. Zusammen mit Schlagwörtern wie mentale Gesundheit und Achtsamkeit hält es immer mehr Einzug in die Medien und…

Angst ist ein Thema, das nicht nur in Zeiten von Pandemien aktuell ist. Zusammen mit Schlagwörtern wie mentale Gesundheit und Achtsamkeit hält es immer mehr Einzug in die Medien und wird nicht mehr nur als privates Thema mit Nahe stehenden besprochen. Mich interessiert vor allem der künstlerische Umgang mit Angst – in Comics, Büchern und Illustration. Séverine Gauthier (Geschichte) und Clément Lefèvre (Zeichnungen und Farben) haben gemeinsam ein elementares Werk über die Angst erschaffen. Ich war beim Lesen durchgängig begeistert, aber fangen wir von vorne an.

Der Comicband „Die entsetzliche Angst der Epiphanie Schreck“ handelt von einem jungen Mädchen, das schon seit es denken kann ihre Angst im Gepäck mit sich herumschleppt. Ihre Angst ist ein überdimensionaler Schatten, der sie immer wieder verschlingt, bedrückt und verfolgt. Eines Tages drängt sie die Angst in den Wald, in diesem begegnet sie einem seltsamen Männchen, das gerne Fragen beantwortet. Doch auch dieser kann ihr nicht richtig weiterhelfen und ist ebenfalls auf der Suche, aber nach etwas anderem, etwas das er verloren hat.

Sie trifft auf ihrem Weg durch den Wald auf so allerlei merkwürdige Gestalten, von denen sie sich immer ein wenig Erkenntnis mitnehmen kann. Alle versuchen, ihr auf ihre eigene Weise zu helfen, doch letztlich muss sie selbst lernen, mit dem Schatten umzugehen. Und so beginnt sie sich, holprig und mit viel Mühe, mit ihrer Angst auseinanderzusetzen.

Es ist immer eine große Herausforderung, solche komplexen und schwierigen Themen für Kinder, aber auch Erwachsene, umzusetzen. Epiphanie wird als eine für ihr Alter schon sehr reife Person dargestellt, die aber auch sehr unter ihrer Angst leidet. Den beiden AutorInnen ist es gelungen, eine authentische Fabel über eine allgegenwärtige Emotion zu erschaffen.

Wer selbst mit dem Thema Angststörung oder Panikattacken zu kämpfen hat, kann hier einiges für sich mitnehmen, fühlt sich verstanden und kann vieles sehr gut nachempfinden. Für Menschen, die mit der pathologischen Form der Angst noch wenig Anknüpfungspunkte hatten, ist der Band ein guter Einstieg in dieses Thema.

Die Atmosphäre im Comic erinnert etwas an Alice im Wunderland, wir tauchen in eine nicht näher beleuchtete, fantastische Welt ein, die Szenen wechseln ohne große Erklärung, die Charaktere sind teilweise grotesk und merkwürdig. Wir erfahren wenig Hintergründe zu Epiphanie selbst, aber lernen viel über ihre Gedanken und ihr Innenleben.

So manche Kreatur und die träumerischen Elemente in den Panels, wie zum Beispiel ein Zirkus der Kuriositäten, erinnern etwas an Filme von Studio Ghibli. Ein besonderes Highlight waren für mich die Extraseiten am Ende, ein Handbuch für Phobiker mit witzigen abstrusen Phobien und einem kleinen Brettspiel. Neben der Geschichte machen die Farbgestaltung, der Illustrationsstil und die Ausgewogenheit zwischen Text und Bild den Comic zu einem besonderen und außergewöhnlichen Erlebnis. Folgt Epiphanie in ihre Welt und erlebt, wie sie auf ihrer Suche nach Antworten an Stärke und Lebensmut gewinnt!

Vielen Dank an den Splitter Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Abenteuerlustig in Amsterdam – Reiseführer für einen Kurztrip

Wenn man anderen Leuten erzählt, dass man nach Amsterdam fährt, haben viele schon ein klares Bild davon, was man dort machen will. Rotlichtviertel und Coffeeshops besuchen zum Beispiel. Aber Amsterdam…

Wenn man anderen Leuten erzählt, dass man nach Amsterdam fährt, haben viele schon ein klares Bild davon, was man dort machen will. Rotlichtviertel und Coffeeshops besuchen zum Beispiel. Aber Amsterdam bietet so viel mehr! Mittlerweile ist wohl bekannt, dass man die Stadt am besten per Fahrrad erkundet. Es gibt einige Hotels, die auch Fahrräder verleihen – das ist besonders praktisch, weil man sie dort dann auch mehrere Tage direkt vom Hotel ab nutzen kann.

Amsterdam ist weltoffen, multikulti und hip. Bei meiner ersten Amsterdam-Reise habe ich vor allem Second Hand-Läden und Vintage-Märkte besucht. Auf der letzten Reise habe ich mich vorher mehr informiert und jeweils eine Liste für veganes Essen und eine für Sehenswertes erstellt. Beim Buchen einer Unterkunft bin ich auf ein nachhaltiges Hotel gestoßen, das Wert auf eine nachhaltige Zimmerausstattung und Bio-Verköstigung legt, die Preise waren trotzdem nicht höher als für ein reguläres Hotel. Im Bad auf dem Zimmer gab es statt Einwegfläschchen große eingebaute Spender mit Duschgel und Bodylotion und ein einfaches System, das kennzeichnet, welche Handtücher genau ausgewechselt werden sollen und welche nicht. Angegliedert war auch gleich noch eine Konditorei und ein Bio-Restaurant, in dem auch das Frühstücksbuffet gedeckt war.

Nachhaltigkeit in Amsterdam leben ist gar nicht so schwer, insbesondere vegane Restaurants gibt es viele. Ich war zum Beispiel in einer der „Vegan Junk Food Bars“, hier gibt’s unter anderem bunt eingefärbte Burgerbrötchen und eine teure, aber spannende Auswahl an Fast Food – in vegan und lecker.

Amsterdam hat wenige „klassische“ Sehenswürdigkeiten im Sinne von alten Bauwerken oder ähnlichem. Dafür aber viele renommierte Museen, bei denen die Auswahl schwer fällt. Da ich im Januar dort war, konnte man auch viel Zeit drinnen verbringen, daher standen mehrere Museen auf der Liste. Sehr praktisch: Es war nirgends sehr viel los und man musste nie anstehen.

Das Schifffahrtsmuseum

Zum einen ging es in das Moderne Kunstmuseum „Stedelijk“ und in das große Schifffahrtsmuseum. Plant für beide um die drei Stunden Besuchszeit ein, wenn ihr euch alles anschauen möchtet. Vor dem letzteren gibt es sogar ein Schiff, das man in Originalgröße betreten kann.

Im modernen Kunstmuseum Stedelijk

Wenn dann doch kurz die Sonne rausschaut, lohnt sich ein Besuch des Botanischen Gartens „De Hortus“ sehr. Der kleine, aber idyllische Garten mit seinem Backsteinhaus und Glaskuppel schafft eine gemütliche und relaxte Atmosphäre.

Wer es abgefahren mag, der kann den Aussichtsturm A’DAM Lookout besuchen. Nicht nur der Lift zur atemberaubenden Aussicht ist ein Erlebnis, wenn ihr mutig genug seid, könnt ihr auch über den Abgrund schaukeln… Verrückt ist es auch im WONDR, einer Fabrikhalle mit zig unterschiedlich gestalteten bunten Räumen. Man weiß vorher nie was als nächstes kommt und zieht hier neugierig und mit reichlich Freiraum für die eigene Fantasie durch die aufgebauten Welten – vom Pastelldschungel mit Schaukel bis zu extravaganten Räumen voller Pinselstriche. Perfekt für alle, die gerne Fotos vor ungewöhnlichen Kulissen machen.

Im WONDR

Im Winter kann man bis Januar den Tag auf der Schlittschuhbahn vor dem Rijksmuseum ausklingen lassen. Um den Tag zu versüßen sollte man sich aber unbedingt noch eine handgemachte Karamellwaffel holen, diese wird frisch im Waffeleisen zubereitet und schmeckt göttlich. Zum Ausgleich gibt’s auch leckere vegane Rohkost-Kuchen und Goldene Milch bei Happy Coco.

Stadtbummel lohnen sich ebenfalls, schon alleine die viel bekannten Grachten, beschaulichen Häuser am Wasser und Fähren prägen das Stadtbild charakteristisch. Ich hatte hier vor allem Comicläden (Lambiek, Henk) und Second Hand Stores (Episode) auf dem Schirm. Je nach Reiseführer werden unterschiedliche Viertel/Straßenbezirke als besonders empfehlenswert genannt, je nachdem was ihr sucht ist für jeden etwas dabei.

Los geht’s auf Tour durch Amsterdam – auf dem Fahrrad natürlich!

 

Habt ihr auch Tipps für einen Besuch in der niederländischen Hauptstadt? Hinterlasst sie doch in den Kommentaren!

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Von unten – Comic über Arbeit und Punk in Schweden

„Von unten“ ist ein autobiographischer Comic (200 Seiten, erschienen 2019 im avant-verlag) aus der Hochburg der feministischen Comicszene in Schweden. Daria Bogdanska berichtet darin von Krisen in den Zwanzigern junger…

Von unten“ ist ein autobiographischer Comic (200 Seiten, erschienen 2019 im avant-verlag) aus der Hochburg der feministischen Comicszene in Schweden. Daria Bogdanska berichtet darin von Krisen in den Zwanzigern junger Leute, aber vor allem von prekären Arbeitsverhältnissen in Schweden, insbesondere für MigrantInnen. Vieles davon hat sie selbst erlebt, kann also sehr authentisch von ihrem sehr holprigen und frustrierenden Anfang in Malmö berichten.

Zu Beginn reist sie von Warschau nach Schweden, um die Kunsthochschule besuchen zu können. Doch so einfach ist das alles nicht… Um sich finanziell über Wasser zu halten, geht die junge Frau auf Jobsuche. Leichter gesagt als getan.

Sie erlebt die Bandbreite an Schwierigkeiten der Arbeitssuchen und der Ausbeutung von Arbeitskräften: Einmal stehen große bürokratische Hürden im Weg, um überhaupt eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, ein andermal wird ihr der Lohn nicht ausgezahlt. Schließlich gerät sie durch Bekannte an einen vertrauenserweckenden Ladenbesitzer eines indischen Restaurants, wo sie zu jobben beginnt.

Es sind nicht nur sprachliche Barrieren, die Daria dort bewältigen muss. Sehr schnell erfährt sie auch, dass keinerlei Transparenz oder Klarheit bezüglich der Löhne, aber auch den Arbeitsbedingungen herrscht. Ihr wird klar, dass sie in ein Raster aus strukturellem Rassismus hineingeraten ist. Sie erlebt ein unausgesprochenes Klassensystem, in dem sich der Lohn nach der Herkunft der Mitarbeitenden richtet und in dem es keine Arbeitsverträge gibt.

Doch da sind auch gute Momente, sie lernt schnell Menschen auf ihrer Wellenlänge kennen und wird immer wieder von Freunden unterstützt. Sie bekommt Zugang zur Musik- und Punkszene. Sie realisiert, dass die Schere zwischen arm und reich besonders gravierend ist: „Manche müssen arbeiten, damit andere feiern können“. Auch wenn sie in einer Art „Multikulti-Subkultur-Linke-Hipster-Blase“ lebt, empfindet sie sich feststeckend in einem System einer modernen Sklaverei.

Wie viele in ihrem Alter leidet sie unter der ständigen Unsicherheit der Zustände, ihr Wunsch nach mehr Sicherheit und weniger provisorischer Lebensumstände wächst. Sie tritt einer Gewerkschaft bei, um sich über ihre Arbeitsrechte zu informieren. Schwarzarbeit ist in Malmö keine Seltenheit. Sie wird aktiv und sammelt Informationen, ohne dass es ihr Chef erfährt, trifft sich mit einer Reporterin und versucht etwas an der prekären Lage zu ändern.

Es macht alles nicht besser, dass sie auch noch emotionale Zerrissenheit spürt, da ihr Freund noch zuhause ist, sie sich aber in einen Musiker in Malmö verliebt. Aber Daria ist fest entschlossen, etwas am real existierenden Hamsterrad der Ausbeutung zu ändern. Wie ihr das gelingt könnt ihr in diesem spannenden und sehr realitätsnahen Comic nachlesen!

Die grafische Gestaltung ist in ihrer Einfachheit sehr ansprechend, einen Einblick in den Grafik-Stil und den Comic bekommt ihr in dieser Leseprobe von „Von unten“.

Vielen Dank an den avant-verlag für das Rezensionsexemplar!

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Debüt zum Nachdenken: „Die unverhoffte Genesung der Schildkröte“

Wahrheit oder Intrige? Diese beiden Stichworte lassen auf eine spannende Geschichte hoffen. Schon das Thema Wahrheit an sich ist in Zeiten von Fake News und Skandalen wie dem Fall Claas…

Wahrheit oder Intrige? Diese beiden Stichworte lassen auf eine spannende Geschichte hoffen. Schon das Thema Wahrheit an sich ist in Zeiten von Fake News und Skandalen wie dem Fall Claas Relotius ein vielschichtiges Konstrukt. Der aus Stuttgart stammende Autor Marc Bensch hat sich in seinem Debüt-Roman „Die unverhoffte Genesung der Schildkröte“ somit ein komplexes Thema vorgenommen. Lasst uns in die Geschichte eintauchen und merkt euch gut, wer wer ist, in diesem oftmals verwirrenden Spiel rund um Identität, Wahrheit und Selbstbestimmung.

Die durchgehend männlichen Protagonisten haben neben ihren Namen auch verkürzte Bezeichnungen: der Schnüffler, der Lächler, der Schmierfink, der Intrigant. Wir machen Bekanntschaft mit einem gesichtsgelähmten Herr von Kornweg, der von den Ärzten aufgegeben wurde, er muss sich nun mit einem Dauerlächeln abfinden. Dann der Intrigant mit falschem Namen, der sich in eine Firma einschleicht, um sich zu rächen; der sein ganz eigenes Spiel mit den MitarbeiterInnen spielt. Außerdem ist da noch der sehr von sich selbst überzeugte Journalist Paul Gram, der sich die prekärsten Stories eigentlich nur ausdenkt und mit der Wahrheit spielt, und nicht ahnt wie nah er an diese herankommt. Zuletzt haben wir noch einen vom Leben enttäuschten Privatdetektiv, der stets eine mehr oder weniger stark schwelende Rebellion gegen seinen Vater, einem reichen Firmenboss, führt.

Und dann ist da noch der Erzähler der Geschichte, der sich schon von Beginn an unvermittelt an uns als Lesende wendet. Der Erzähler gibt vorerst nur hier und da einen Kommentar ab, doch je tiefer wir in die Geschichte eintauchen, desto persönlicher wird dieser und zieht uns immer mehr in die Geschehnisse hinein. Wir denken mehr über die Charaktere nach, welchen Eindruck sie auf uns machen und erfahren immer mehr, wie alle miteinander verknüpft sind.

Der Autor zeichnet die Entwicklungen der Protagonisten durch das punktuelle Einflechten ihrer Vorgeschichte ziemlich genau nach. Wir können somit Beweggründe besser verstehen, können uns auch ein wenig mit ihnen identifizieren, obwohl sie sonst eher negativ dargestellt sind – zumindest in meinen Augen. Jeder der Charaktere verfolgt sein eigenes, meist egoistisches Interesse, jeder bringt eher unsympathische Wesenszüge mit, aber doch erscheinen die Personen menschlich, nachvollziehbarer in ihren Handlungen, indem wir ihre persönliche Wahrheit kennen.

Dann wird es schwieriger, der Handlung zu folgen, es mischen sich gefälschte Namen, Intrigen, gegenseitiges Aushorchen und wechselseitige Interessen wild durcheinander. Das Verwechselspiel nimmt seinen Lauf. Bis sich plötzlich der Erzähler wieder meldet, nachdem ein geheimes Treffen – durch mehrere der vier Personen arrangiert – völlig aus dem Ruder läuft. Er bittet uns um Hilfe, eben weil sich einige der Charaktere nun völlig ungeplant verhalten und er die Kontrolle über sie verloren hat. Lest selbst, wie es für die Protagonisten weitergeht, nachdem sie völlig den Boden unter den Füßen verloren haben und welche Auswirkungen es hat, wenn man sich fragen muss, ob man der aktive Gestalter seines Lebens ist oder nur begrenzt Möglichkeiten hat, dieses zu verändern…

Meiner Meinung nach wurde das Buch erst so richtig spannend, als die vier Protagonisten zunächst verloren schienen. Als die ganzen Intrigen ans Licht kommen und sich die Geschichte zu einer Art Krimi entwickelt. Mir fiel es längere Zeit schwer, die Personen auseinander zu halten, weil sie für mich alle sehr ähnlich wirkten. Stellenweise waren mir die Geschehnisse auch dadurch zu verwirrend – was auch einen Teil der Dynamik des Buches ausmacht. Das Ende ist nicht ganz so einfach zu verstehen, es bleiben definitiv Fragen offen.

Bild: Verena

Letztendlich zeigt dieses Erstlingswerk aber, dass wir unsere Wahrheit in großen Teilen selbst erschaffen. Das kann zum einen erschreckend sein, zum anderen sieht jeder von uns die Welt anders. Dies kann man, anders als die Protagonisten, auch kreativ und zum gemeinsamen Nutzen einsetzen. Es zeigt aber auch, wie unmöglich es ist, eine ultimative Wahrheit zu finden. „Die unverhoffte Genesung der Schildkröte“ ist ein ungewöhnlicher und besonderer Debütroman, der zum Nachdenken anregt und definitiv in Erinnerung bleibt.

Vielen Dank an Marc und den Carpathia Verlag für das Rezensionsexemplar!

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No more Bullshit! Das Handbuch gegen sexistische Stammtischweisheiten.

Es passiert so nebenbei im Alltag, da fallen Sätze wie „Ihr seid nur Frauen im Büro? Na da ist dann wohl Zickenkrieg angesagt.“. Oder Bekannte machen sexistische Witze, auf die…

Es passiert so nebenbei im Alltag, da fallen Sätze wie „Ihr seid nur Frauen im Büro? Na da ist dann wohl Zickenkrieg angesagt.“. Oder Bekannte machen sexistische Witze, auf die man abwehrend reagiert und darauf nur ein „Verstehst du keinen Spaß?“ entgegen geschleudert bekommt. Das kommt euch möglicherweise bekannt vor. Genauso wie Behauptungen, die als Fakten oder Wahrheiten präsentiert werden, wie dass Frauen zu emotional für Führungspositionen wären und deshalb für solche nicht geeignet sind.

In all diesen Situationen ist cleveres Argumentieren und eine schlagfertige Reaktion nötig. Hierfür greift euch „No more Bullshit!“ unter die Arme. Das Handbuch gegen sexistische Stammtischweisheiten wie solche, die ihr weiter oben gelesen habt, hat ein engagiertes Frauenkollektiv namens Sorority verfasst, und enthält viele unterschiedliche weibliche Stimmen aus den Bereichen Wissenschaft, Musik, Kunst, Wirtschaft und einigen mehr.

Im Buch könnt ihr für viele typische Sprüche ein entsprechendes Kapitel finden, euch Fakten und Meinungen dazu durchlesen und gute Argumentationentipps aneignen. Ihr habt euch schon immer gefragt, ob eine Frauenquote eine sinnvolle Lösung ist? Oder warum Feminismus nicht Humanismus heißen kann? Diese und viele weitere Fragen thematisiert „No more Bullshit!“ sehr kurzweilig in knappen Kapiteln, teils humorvoll, teils mit prägnanten Tipps zum jeweiligen Thema.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt, zunächst gibt es euch eine Übersicht zu Gesprächsdynamiken und Kommunikation bei aufeinander prallenden Meinungen. Kontern will geübt sein, daher gibt euch das Werk einige Basics an die Hand, wie beispielsweise Gesprächstaktiken funktionieren oder auch welche Macht Sprache haben kann. Im zweiten Teil geht es direkt zur Sache mit Sprüchen zum Pay Gap, vermuteten Eigenschaften bei Frauen (Stereotypen) oder auch zur Diskriminierung von Männern. Die Mischung aus Studien, Statistiken und Merkkästen gemeinsam mit einem übersichtlichen, einheitlichen Layout macht das Lesen flüssig und on point, Geistesblitze und erhellende Momente bleiben hier nicht aus.

Mir fehlen lediglich die Quellenangaben der jeweiligen Studien als Anhang im Buch, AutorInnen dieser werden genannt, jedoch gibt es beispielsweise keine Fußzeilen. Zudem sind mir manche Aussagen zu allgemein oder zu vage formuliert, sprich in meinen Augen nicht ausreichend im Buch belegt. Hier gilt aber auch wieder: Wissen wird manchmal auch einfach nur dadurch produziert, Meinungen von vielen Personen einzuholen (oder Statistiken zu erheben), was nicht per se unwissenschaftlich ist, sondern tatsächlich eine Wahrheit darstellt… dazu aber mehr im Buch!

Insgesamt fasst „No more Bullshit!“ sehr bekannte Aussagen und wichtige Themen kurzweilig und interessant zusammen, daher eine große Empfehlung von mir! Auch wenn man manche Fakten oder Tatsachen schon einmal gehört hat, ist das Buch ist für AnfängerInnen und Fortgeschrittene im Feminismus aber auch im (Argumentations-)Kampf gegen Sexismus gleichermaßen geeignet. Los geht’s!

Vielen Dank an den Verlag Kremayr & Scheriau für das Rezensionsexemplar!

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Vegan und alternativ – Reiseführer für ein Wochenende in Paris

Vive la vie! Paris an einem Wochenende bietet so viele Möglichkeiten, dass man sich schon vor der Reise überlegen sollte, was man gerne ansehen und besuchen möchte. Ich habe bei diesem…

Vive la vie! Paris an einem Wochenende bietet so viele Möglichkeiten, dass man sich schon vor der Reise überlegen sollte, was man gerne ansehen und besuchen möchte. Ich habe bei diesem Wochenendtrip den Schwerpunkt auf vegan und alternativ gelegt: Eine Mischung aus Sehenswürdigkeiten, veganen Imbissen und Cafés sowie eher Kuriosem.

Zu Beginn aber zuerst ein paar Tipps für eure Reise. Wenn ihr mit dem Zug anreist, könnt ihr am einfachsten direkt über die TGV-Seite buchen. Bei einem knappen Zeitbudget lohnt es sich, die Reise vom Ankunftsort weg zu planen. (Achtung: In Paris gibt es mehrere Bahnhöfe!) Bei Hotels checkt nicht nur die Rezensionen auf der Buchungsseite, sondern auch die Bewertungen auf Google. Manchmal ist die Buchung direkt auf der Homepage des Hotels günstiger. Solltet ihr das Leitungswasser im Hotel trinken wollen, fragt am besten vorher direkt nach, ob das Leitungswasser trinkbar ist, dies ist je nach Unterkunft verschieden. In Kombination damit kann auch angefragt werden, welche Umgebungen man aufgrund von Demonstrationen oder ähnlichem zu eurem Besuchszeitpunkt meiden sollte. So seid ihr vor Überraschungen dieser Art sicher.

Solltet ihr in Paris auch etwas einkaufen wollen, zahlt es sich aus zu recherchieren, welche Produkte es dort günstiger gibt. Das kann unter anderem bei Waren, die aus Frankreich importiert werden, der Fall sein. Beispielsweise französische Naturkosmetik-Marken, Bücher, Comics – die Franzosen haben eine berühmte vielfältige Comicszene – oder Lebensmittel. Hilfreich ist auch, vorher die französischen Kleidergrößen nachzusehen – üblicherweise immer eine Größe mehr als bei uns angegeben, also statt 38 muss dann 40 gewählt werden – und sich ein paar Vokabeln anzueignen, denn die französische Bevölkerung hat es sehr gerne, wenn man zumindest versucht ein Gespräch in der Landessprache zu beginnen. Habt ihr euch auf ein paar Sehenswürdigkeiten, Museen, Theater, Oper oder Veranstaltungen (Konzerte, Führungen, Feste, Flohmärkte…) festgelegt, dann überlegt euch am besten eine grobe Route und seht euch die Öffnungszeiten und Preise an.

Meine Planung für mein Pariswochenende im April 2019 war eine Tour vom Louvre, der berühmten Glaspyramide mit Kunstmuseum, zum Arc de Triomphe, einige Brücken und das Forum Les Halles, ein schöner Platz mit riesigem Einkaufszentrum. Es lohnt sich aber auch, einfach nur durch die Straßen, Gassen und an der Seine entlang zu schlendern. Die bekanntesten Attraktionen, insbesondere die Bauwerke, erreicht man gut zu Fuß. Für weitere Wege gibt es neben den öffentlichen Verkehrsmitteln auch die Möglichkeit, Elektroroller zu mieten.

Neben diesen Plänen habe ich mich für einen Besuch einer Ausstellung zum Thema „La Lune“ (der Mond) im Grand Palais, einem sehenswerten Ausstellungsgebäude, entschieden. Achtung: Bis zum 25. Lebensjahr zahlt man in vielen Museen oft weniger oder keinen Eintritt. Unterwegs auf der „Avenue des Champs-Élysées“ war mein Ziel „Rivoli 59“, ein buntes, verrücktes Künstlerhaus in der Rue Rivoli mit mehreren Stockwerken. Hier kann man die aktuellen Werke und das Schaffen der KünstlerInnen direkt in ihren Ateliers beobachten.

Im Rivoli 59

Aber auch Street Art-Fans kommen auf ihre Kosten. Diese Kunstform aus zumeist Mosaik oder Papier an Wänden thematisiert oftmals kritisch gesellschaftliche Zustände und wird auch in Galerien ausgestellt.

Street Art in Paris

Paris ist aber mittlerweile auch Vorläufer in Sachen Biomarkt, veganen und rohköstlichen Imbissen und Cafés. Biomärkte gibt es an fast jeder Ecke, mir haben zwei besonders gut gefallen. Einmal My Bio Delicious in der Rue Rivoli 91 sowie Biocoop Dada Paradis in der Rue Paradis 36. In beiden gab es eine große Auswahl an Marken, die bei uns noch unbekannt oder nicht verfügbar sind. Und natürlich viele leckere Köstlichkeiten, davon einiges vegan. Bei My Bio Delicious gibt es auch die Möglichkeit, im Sitzen einen Imbiss zu sich zu nehmen. So ziemlich jeder Bioladen von Naturalia bis Biocoop hat Unverpackt-Spender mit Nüssen, Müsli oder Trockenfrüchten im Angebot.

Paris ist eine Veggie-freundliche Stadt

Wer vegan essen möchte, kann an jedem beliebigen Standort „vegan“ bei Google Maps eingeben und bekommt Vorschläge für vegane Restaurants, Imbisse oder Cafés. Ich kann folgende davon wärmstens empfehlen: Cloud Cakes (Rue Mandar 6), ein Himmel aus veganen Köstlichkeiten in Bio-Qualität – seht euch die Auswahl am unteren Bild an! Das Lokal ist relativ klein, man kann sich die Leckereien aber auch in einer Pappbox mitgeben lassen.

Bei Cloud Cakes

Le Potager de Charlotte (Rue de la Tour d’Avergne 12) ist höherpreisig, hat aber wirklich tolle, kreative und leckere Küche und das komplett pflanzlich. Ich habe dort Kichererbsenpfannkuchen mit Cashewcreme gegessen und einen Smoothie aus Waldbeeren getrunken. Ein komplett veganes Sortiment gibt es auch im Supermarkt Un Monde Vegan (Rue Notre Dame de Nazareth 64). Rohköstlich ist das Angebot von Wild & Moon, von dieser Kette gibt es gleich sechs Lokalitäten in der französischen Hauptstadt (zum Beispiel in der Rue des Gravilliers 25). Hier findet ihr außergewöhnliche Kaffeekreationen mit Superfoods und pflanzliche Küche. Lecker und hip!

Wer gerne Second Hand shoppt, der kommt bei den vielen Filialen – sechs Mal in Paris – von Mad Vintage ganz auf seine Kosten, mit tollen Vintage-Schätze und Hipsterkram.

Zum Abschluss bleibt zu sagen: Vergesst nicht, eure Kamera zu laden, nehmt euch gutes Schuhwerk mit und startet bei Bedarf bei einem der Tourismus-Infopoints. À bientôt à Paris!

 

Was hat euch in Paris besonders gut gefallen? Habt ihr weitere Tipps für einen veganen und alternativen Kurzbesuch in der französischen Hauptstadt?

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„Die Liebe zu den nicht perfekten Dingen“ von Haemin Sunim

Manche Bücher sprechen mich schon im Geschäft optisch sehr an. Oft ist es dann leider so, dass der Inhalt nicht ganz den Erwartungen entspricht. Bei „Die Liebe zu den nicht…

Manche Bücher sprechen mich schon im Geschäft optisch sehr an. Oft ist es dann leider so, dass der Inhalt nicht ganz den Erwartungen entspricht. Bei „Die Liebe zu den nicht perfekten Dingen“ von Haemin Sunim ist es aber anders. Es ist so ein schmuckes Buch, das man immer mal wieder irgendwo aufschlägt und sich an den schönen Illustrationen erfreut. Und nebenbei kann man dann noch etwas Lebensweisheit aufsaugen oder einen Ratschlag zu einem Thema bekommen.

Haemin Sunim ist ein koreanischer Mönch, der Zen-Buddhismus lehrt und buddhistische Bücher schreibt. Er tourt mit Lehrveranstaltungen durch die Welt und hat die „Schule der gebrochenen Herzen“ ins Leben gerufen, die Beratung und Meditation für Menschen mit diversen Problemen anbietet. Ziel dieses Buches ist, mehr Mitgefühl sich selbst und der Welt gegenüber zu entwickeln. Es soll Hoffnung machen in einer unvollkommenen Welt. Haemin Sunim hat Anregungen und Fragen von allen möglichen Menschen, denen er bei seinen Reisen begegnet ist, aufgenommen – seine Ratschläge finden sich ebenfalls in diesem Buch wieder.

Die acht Kapitel des Buches handeln zum Beispiel von Familie, Selbstliebe, Zusammenleben und Mut. Man findet sich beim Lesen der kleinen, gedichtartigen Textblöcke sehr häufig wieder. Jedes Überthema leitet Haemin Sunim mit einer kleinen persönlichen Erfahrungsgeschichte ein. Seine eigene spirituelle Reise stellt er im letzten Kapitel dar, dabei wirkt er aber nicht abgehoben, überheblich oder esoterisch. In seinen Texten beschreibt er häufig uns nur allzu bekannte Situationen und Gefühlslagen und gibt uns Handlungsanregungen. Zum einen bietet er Rat zur Umgangsweise mit Menschen in unserer Umgebung, von Partner bis Familie. Aber auch Inspiration und Hinweise zum Umgang mit uns selbst, unseren Gefühlen, Schwächen und Sorgen. Dabei wird er aber nie dogmatisch oder aufdringlich, sondern setzt kleine Impulse, die Gedanken anstoßen.

So erwischt Haemin Sunim die unbewussten Regungen und entlarvt auf sanfte Weise die menschlichen Gedankenprozesse und ihr Verhalten. Besonders angesprochen hat mich der Part zu Beginn des Buches, in dem er dazu aufruft, nicht zu nett zu sein. Hier geht es ihm vor allem darum, dass dieses allzu brave Verhalten darin ausartet, dass man jeden Ärger und jede Frustration nur herunterschluckt, was sich irgendwann in Depression oder Ängsten äußern kann.

In wenigen Fällen kann ich seinem Rat nicht zustimmen, doch zum Großteil finde ich seine Weisheiten modern und auf unser alltägliches Leben übertragbar. Insgesamt ist „Die Liebe zu den nicht perfekten Dingen“ ein sehr lohnenswertes und schönes Buch, das jeden von uns ein Stück weiterbringt und lehrt, der Welt und sich selbst mehr Mitgefühl entgegen zu bringen.

Vielen Dank an den Scorpio Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Girlsplaining – Was es bedeutet, eine Frau zu sein

Feminismus ist – nicht zuletzt wegen der #metoo-Bewegung – wieder in aller Munde, aber eine Feministin zu sein wird bei weitem nicht immer als etwas Positives gesehen. Auch die Comic-Szene…

Feminismus ist – nicht zuletzt wegen der #metoo-Bewegung – wieder in aller Munde, aber eine Feministin zu sein wird bei weitem nicht immer als etwas Positives gesehen. Auch die Comic-Szene hat sich des Themas „Feminismus“ angenommen: Mit „Girlsplaining“ führt uns die in Berlin lebende Katja Klengel in ihre sehr persönliche, aber auch erschreckend nachempfindbare Lebenswelt und prägenden Erlebnisse ein und zeigt damit, wie wichtig es ist, sich auch im Alltag mit Feminismus auseinanderzusetzen. Der Titel bezieht sich auf das sogenannte „Mansplaining„, bei dem Männer davon ausgehen, dass sie über etwas besser Bescheid wissen als ihre Gesprächspartnerin(nen).

Die Graphic Novel mit reduzierter Farbpalette in Rot-Rosa-Tönen ist ein Rückblick der Autorin auf einige Schlüsselmomente in ihrem Leben. Zunächst berichtet sie, wie diese tatsächlich abgelaufen sind, dann wie sie die Situation aus feministischer Brille gerne gelöst hätte. Da erlebt sie zum Beispiel die Verurteilung von Klassenkameraden für ihren etwas haarigeren Körper, aber berichtet auch über ihr erstes Mal oder die Meinungen der Gesellschaft über männliche und weibliche Geschlechtsteile. Es wird explizit und selbstironisch, ohne Frage. Uns begegnen nur allzu bekannte und nachvollziehbare Situationen, die jedoch teilweise ins Absurde abdriften. Klengel bringt zentrale Themen wie Bodyshaming, Geschlechterklischees und Diskriminierung unterhaltsam und konkret zur Sprache.

Der Einstieg war für mich anfangs etwas holprig zu lesen, bis ich erfuhr, dass die ersten Kapitel des Buches in einem Online-Magazin veröffentlicht worden waren. Mit diesem Wissen macht der Anfang auch mehr Sinn. Die Message der Comic-Novel ist klar: Sexuelle Selbstbestimmung, mehr feministisches Selbstbewusstsein im Umgang mit doofen Sprüchen und unangenehmen Situationen. Einfach die kleinen und großen Stolpersteine des Frau-Seins. Aber was bedeutet das eigentlich, das Frau-Sein? Auch hier unternimmt die Autorin Versuche, das zu umschreiben: Es heißt wohl auch, für seine eigenen Bedürfnisse Sorge zu tragen. Scharf kritisiert Klengel die (oft) unbewussten Vorgaben, nach denen Mädchen und Frauen in der Gesellschaft leben und handeln sollen. Dabei kommt aber der Spaß auch nicht zu kurz, immer wieder gibt es Verweise zur Pop- (oder Geek-)Kultur und – insbesondere im handgeschriebenen Anhang – viele Tipps und weitere Empfehlungen, unter anderem zum Thema starke Frauenfiguren.

Für LeserInnen, die schon etwas mehr im Thema sind, ist „Girlsplaining“ eine unterhaltsame, bestärkende Lektüre. Für alle anderen ein Augenöffner, zum Beispiel wie viel Druck es macht, wenn man als Pärchen immer wieder Anspielungen zu hören bekommt, ob nicht bald Nachwuchs ins Haus steht. Ich frage mich jedoch, ob die Ernsthaftigkeit und der kritische Charakter des Themas durch das Abdriften ins Absurde ausreichend Gewicht bekommt. Manchmal steht die Autorin für mich etwas zu sehr im Mittelpunkt – einerseits mutig, die eigenen recht intimen Erlebnisse darzustellen und eben auch ein gutes Beispiel, seine Frau zu stehen, andererseits sind die Geschichten der Autorin für mich etwas zu intim, hier ist die Frage inwiefern solche einzelnen Erfahrungen immer auf generelle Probleme zurückzuführen sind. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass man auch Verantwortung für sich selbst übernehmen muss und sich nicht in der Opferrolle verliert. So sehen wir aber zumindest, wie man selbstbewusst und schlagfertig reagieren könnte.

Wir sollten alle mehr Heldinnen und Vorbilder füreinander sein!

Vielen Dank an den REPRODUKT für das Rezensionsexemplar! Eine Leseprobe von „Girlsplaining“ findet ihr hier.

2 Kommentare zu Girlsplaining – Was es bedeutet, eine Frau zu sein

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