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Schlagwort: Wanderung

Hotlist: Wo Teneriffa draufsteht ist Lava drin

„Wenn der erste Schneefall kommt, dann drehen wir Tinerfeños (Anmerkung: so heißen die Einwohner Teneriffas) durch.“ Die in Deutschland geborene Spanierin Rosalia plaudert gleich fünf Minuten nach unserem Kennenlernen aus dem…

„Wenn der erste Schneefall kommt, dann drehen wir Tinerfeños (Anmerkung: so heißen die Einwohner Teneriffas) durch.“ Die in Deutschland geborene Spanierin Rosalia plaudert gleich fünf Minuten nach unserem Kennenlernen aus dem Nähkästchen, „Dann schnappen wir unsere Kinder, stecken sie in Decken gehüllt ins Auto und fahren hinauf zum Teide. Und nachdem das alle tun, gibt es enormen Stau, und die Fahrt dauert statt einer gleich mal drei Stunden. Oben angekommen machen wir dann ein Foto im Schnee und nehmen die Gummimatten aus den Autos, um auf ihnen den Berg hinunter zu rutschen.“ Ein Festbrauch, auf den man die letzten zwei Jahre verzichten mussten – es gab auf Teneriffa keinen Schnee.

„Alles auf Teneriffa dreht sich um den Teide und besteht aus Lava,“, erklärt mir die studierte Biologin, die uns heute als Guide des Unternehmens El Cardon durch ihre Heimat führt , „auch wir Menschen und Tiere, schließlich ernähren wir uns ja von diesem Boden.“ Wie sehr das ganze Inselleben von den 200 bis 300 Vulkanen – und vor allem vom Teide, dem mit 3.718 Meter höchsten Berg Spaniens, beeinflusst ist, das wird schon in den wenigen Tagen auf der größten der kanarischen Eiländer klar. Die Menschen baden in Lavapools an den Wegesrändern, die schwarzen Sandstrände erinnern mich an Hawaii und mit jedem Foto erwischt man einen Krater. Und nein, Teneriffa ist nicht aus dem Teide hervorgegangen – auch das erfahren wir gleich am ersten Tag (nicht nur einmal).

Die Straßen führen - ja, genau, zu den Vulkanen. Foto: Doris

Alle Straßen führen auf Teneriffa nicht nach Rom, sondern – ja, genau – zu den Vulkanen. Foto: Doris

Nicht alles, was im Lava-Programm, das 2009 als Plan „Teneriffa, Vulkane des Lebens“ für den Tourismus entwickelt worden ist, geboten wird, ist tatsächlich so heiß wie gedacht. Andere Aktivitäten hingegen sind richtige Knaller! Nicht, dass ich alles testen konnte, dafür reichten die fünf Tage bei weitem nicht aus – leider. Doch ich habe einiges erlebt: Was man bei einem Teneriffa-Besuch ruhig auslassen und was man keinesfalls versäumen darf? Bitteschön, hier ist meine ganz persönliche Hotlist!

Lau

Hotel Parador Canadas del Teide im Nationalpark Teide: Das Hotel im Besitz der staatlichen Kette ist der „Platzhirsch“ im 19 Hektar großen Nationalpark. So schön das alte Gebäude aus dem 19. Jahrhundert ist, so wenig bemüht sich das Personal vor Ort um die Gäste. Lieblos serviertes Essen und lange Wartezeiten gehören zum Programm, schade! Am beeindruckendsten ist da noch das Eis in Vulkanform, wobei das Äußere eher besticht als das zu stark gefrorene Innere.

Alternative: Wer trotzdem hier im Nationalpark übernachten möchte, für den ist vielleicht die Hütte Altavista auf dem Teide empfehlenswert. Ich habe sie mir für das nächste Mal vorgemerkt!

Das Lavaeis war noch das Heißeste im Hotel Parador. Foto: Doris

Das Lavaeis war noch das Heißeste im Hotel Parador. Foto: Doris

Warm

Wandern im Nationalpark Teide: Rund die Hälfte der Insel Teneriffa ist Naturschutzgebiet, natürlich auch der Nationalpark Teide. Derzeit befinden sich darin 35 Wanderwege, zwei weitere werden gerade geschaffen – wer also rund um den bekanntesten Vulkan der Insel nicht wandern oder zumindest spazieren geht, ist selber schuld. Nachdem die Wege gut beschriftet sind, ist das Verirren kein Thema – nur wer wirklich tief in die Materie der Vulkane eintauchen möchte, der kann sich einen Führer nehmen – wir hatten Lola von Gaiatours. Weniger gut ist die Information darüber, was im Naturschutzgebiet, das in vier Zonen abgestuft ist, erlaubt bzw. verboten ist. Wer auf Nummer sicher gehen und alles richtig machen möchte, der hält sich an die Regel: Nichts angreifen, nichts verändern – denn die Natur ist empfindlich.

Achtung: Die Höhe von 2.000 bis 3.718 Meter macht gehörig zu schaffen. Das heißt, das Gehen und die Atmung werden schwerer, einige von uns hatten Kopfweh, dazu noch die drückende Hitze, wenn man untertags draußen ist. Unterschätzt also nicht das Gebirge (samt Lava): Bringt im Sommer guten Kopfschutz mit. Im Winter braucht ihr dafür warme Klamotten, auch Handschuhe und thermische Unterwäsche, gerade wenn ihr hinauf auf den Gipfel wollt.

Sterneschauen im Nationalpark wird von Discoverexperience angeboten (siehe Titelbild) – und nachdem es im Nationalpark gleich zu Beginn des bekannten Wanderwegs Nr. 3 stattfindet, kann man die Aktivität wohl zum Lava-Programm zählen. Klingt recht romantisch – und wer schon immer einmal sein Sternbild oder den großen Bären erkennen wollte, der sollte sich die Tour nicht entgehen lassen.

Achtung: Das Beste kommt zum Schluss! Und es ist ratsam, Spanisch zu sprechen oder zumindest zu verstehen, denn leider war unser Guide zwar sehr bemüht, sein Englisch ließ aber zu wünschen übrig.

Noch mehr Astronomie (und den gleichen Guide) gibt es übrigens im Observatorium des Teide mit dem größten Sonnenteleskop Europas. Gratis-Führungen werden dort in den Monaten April bis Dezember täglich um 10.00 und 12.00 Uhr angeboten.

Lavapools, zum Beispiel bei Garachica: Überall auf der Insel finden sich Lavapools, die natürlich geformten Naturfreibäder im Teneriffa-Stil, die nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische anlocken. Vor allem im Sommer, wenn es wie bei meinem Besuch „Warnung Orange“ gibt und Hitzen bis zu 40 Grad ausgerufen werden! Bei konstanten Wassertemperaturen zwischen 18 und 23 Grad sind sie sogar für Kalt-Vermeider wie mich wunderbar!

Lavapools gibt es viele auf Teneriffa. Nicht alle sind so groß und schön wie die bei Garachica. Foto: Doris

Lavapools gibt es viele auf Teneriffa. Nicht alle haben ein WC oder Umkleideanlage nebenan. Foto: Doris

Heiss

Cueva de Viento18,5 Kilometer sind bisher von Cueva de Viento, der bekanntesten Lavahöhle Teneriffas vermessen. Damit ist sie die fünftlängste der Welt – die vier davor sind alle auf Hawaii zu finden (ja ja, der kleine Konkurrenzkampf ist hier überall zu spüren, vor allem weil nur 120 Meter fehlen, um die Hawaiianer zu überholen). 200 Meter davon sind wiederum für den Tourismus freigegeben – für Besucher, die die 107 Spezien und fünf, nein, bald sieben einzigartigen Wesensarten respektieren. „Hier gibt es keine Beleuchtung, keine Musik.“, macht der Führer der deutschen Gruppe, Dragan mit unverkennbarem Augsburger Dialekt, gleich zu Beginn klar. Die Tour ist keine reine Höhlentour, sondern möchte den Sinn und Blickwinkel auf Teneriffa ändern – darum gibt es neben dem geologischen Teil auch viele Infos zu Kultur, Botanik und natürlich zur Lava. Und viele Showeinlagen: Vom Begleithund Chiqui, der mit Leckerlis gefüttert wird, bis hin zu eigenen Caving-Touren; bei den Führungen werden Kinder als Höhlenforscher und „Kontrolleure“ der Erwachsenen besser eingebunden. Das Gefühl, dass die Verantwortlichen hier mitgedacht und für alles gesorgt haben, lässt mich in den ganzen 2,5 Stunden der Tour nicht los. Die Professionalität ist genauso wenig zu übersehen wie die Leidenschaft des Führers Dragan, nein, des ganzen Teams. Oder wo würde sonst die Ehefrau des Guides einspringen, um – nach einer Ausbildung, versteht sich – ab und an ebenfalls Führungen zu machen?

Offen ist die Höhle Dienstag bis Samstag von 9.00 bis 16.00 Uhr. Im Sommer finden bis zu sechs Führungen statt. Achtung: Anmeldung vorab ist dringend notwendig. Es gibt Touren auf Spanisch, Englisch, Deutsch, Französisch und Russisch. Extra-Touren für Blinde und Rollstuhlfahrer sind ebenfalls möglich.

Restaurant Bodegón PatameroWie Touristen hier ins Bergdorf Las Lagunetas und somit zum versteckten Bodegón Patamero finden sollen, ist und bleibt mir ein Rätsel. Wenn sie es aber tun, dann können sie von Glück sprechen: Das kleine Restaurant serviert köstliches Essen und reagiert sogar auf Unvorhergesehenes wie vegetarische Gäste souverän. Es gab Salat – aber nicht irgendeinen, sondern einen liebevoll Zubereiteten mit ausgezeichnetem Dressing, von dem wir nicht genug bekommen konnten. Achja, und die regionalen Produkte wie Wein, aber auch Gemüse und Obst (besonders empfehlenswert: Bananen oder Maracujas!) werden natürlich ebenfalls vom Lava-Boden beeinflusst, das muss ich wohl nicht extra erwähnen, oder?

Improvisierter Salat-Vulkan für uns Vegetarierinnen. Foto: Doris

Improvisierter Salat-Vulkan für uns Vegetarierinnen. Foto: Doris

Die beiden Hotties auf meiner Hotlist werden übrigens auch von Rosalia und El Cardon wärmstens empfohlen. Und die kann ich wiederum nur ans Herz legen: Das Unternehmen wurde vor 13 Jahren gegründet, um arbeitslose Jugendliche in Sachen Umwelt zu erziehen. Was mit Wanderungen für Einheimische begonnen hat, hat sich vor rund sieben Jahren auf Kultur- und Lavawanderungen für Touristen spezialisiert – die Tinerfeños sind mittlerweile mit dem Wandervirus erfolgreich angesteckt. Das Gute bei El Cardon: Es geht nicht nur ums Wandern, sondern um ganz viel Kultur – da werden Treffen mit Einheimischen in der Lavaschlucht von Masca arrangiert oder uns gezeigt, wie man den Salto de Pastor (den Hirtensprung) macht. Eine Methode, die die Hirten früher gebraucht haben, um den Herden über die Lavaberge nachlaufen zu können und etwas, das jetzt als Sport betrachtet wird, um die alte Tradition zu bewahren.

Die Lancha wird jetzt "nur" sportlich verwendet. Foto: Doris

Die Lancha wird jetzt für den Hirtensprung „nur“ sportlich verwendet. Foto: Doris

Und es werden natürlich ganz viele Geschichten erzählt, wie die von der alljährlichen Schnee-Pilgerfahrt auf den Vulkan Teide…

Ja, wo Teneriffa draufsteht ist eben Lava drin. Oder warte mal, war es nicht etwa doch umgekehrt?

 

Offenlegung: Danke an Condor, GCE und Turismo de Tenerife für die Einladung. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben meine eigenen.

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Von Hochverrat bis Abtreibung: Protestwandern im Wiener Stil

„Suchen Sie etwas?“ Ich traue mich gar nicht, mich umzudrehen: Die Frage hört sich alles andere als einladend an. Ich stehe hier in einem Hinterhof eines Wohngebäudes im 4. Wiener…

„Suchen Sie etwas?“ Ich traue mich gar nicht, mich umzudrehen: Die Frage hört sich alles andere als einladend an. Ich stehe hier in einem Hinterhof eines Wohngebäudes im 4. Wiener Gemeindebezirk und fühle mich instinktiv wie ein Eindringling. Nach dem Tonfall zu urteilen offensichtlich zu Recht. „Ist das der Eingang zum Planquadrat?“, ich versuche so selbstbewusst zu klingen wie möglich und deute auf eine versperrte Gittertür im Hof. „Wie kommen Sie hier überhaupt herein?“, geht die Fragestunde weiter, wobei sich die Stimme jetzt eher neugierig als gestört anhört, „das ist nur der Eingang für die BewohnerInnen des Hauses. Das offizielle Tor finden Sie zwei Häuser weiter.“ Tatsächlich: Grün und fett leuchtet das Schild „Planquadrat“ über der großen Tür bei Margaretenstraße Nummer 28. Wie ich das übersehen konnte ist und bleibt mir ein Rätsel. Genauso wie ich daran die letzten Jahre vorbei laufen konnte. Schließlich bin ich hier in meiner Wiener Nachbarschaft.

Zwei Männer sind in ihr Tischtennisspiel vertieft, ein anderer läuft seinem Kleinen hinterher, der offenbar gerade die Freude am Tretroller entdeckt hat; Mütter backen mit ihren Kindern Sandkuchen und ein älterer Herr liest genüsslich auf der Bank seine Zeitung – die Grünfläche im 4. Bezirk scheint ein hundsordinärer Wiener Park zu sein. Der Eindruck täuscht! Gegründet 1977 ist das Planquadrat der einzig öffentlich zugängliche Park in Wien, der – Achtung, jetzt kommt´s – von einem privaten Verein geführt wird. Schuld daran sind die beiden Filmemacher Helmut Voitl und Elisabeth Guggenberger, die für eine TV-Show über die Probleme der Stadtenwicklung mit Menschen darüber gesprochen haben, wie sie ihre Umgebung gestalten könnten. Offensichtlich mit nachhaltiger Wirkung: Daraus entstand nämlich der Park, der seither von den Mitgliedern des Vereins verwaltet wird. Und die kümmern sich nicht nur um die alltäglichen Reparaturen oder Gartenarbeiten, sondern organisieren auch ein Sommerfest und vieles mehr – wie es sich für einen Park eben gehört.

Seit 1977 wird das Planquadrat im 4. Bezirk privat geführt, ist aber ein öffentlicher Park. Foto: Doris

Seit 1977 wird das Planquadrat im 4. Bezirk privat geführt, ist aber ein öffentlicher Park. Foto: Doris

Warum ich das alles weiß? Das Planquadrat ist eine von zwölf aktuellen Stationen des Ersten Wiener Protestwanderwegs – und auf dem bin ich heute unterwegs. Wobei es ja kein richtiger Wanderweg mit Anfang und Ziel ist, dafür liegen die Orte zu weit auseinander. Vom Touri-Magneten Stephansdom bis zum unabhängigen Kulturzentrum Arena, vom Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch (!) bis hin zur Stopfenreuther Au, wo man in den 80er Jahren erfolgreich gegen ein Wasserkraftwerk protestiert hat – in einem Tag kann man die alle unmöglich abmarschieren. Darum geht es auch nicht.

Screenshot der aktuell 12 Stationen des Protestwanderwegs.

Screenshot der aktuell 12 Stationen des Protestwanderwegs.

Gegründet vom Zentrum Polis und dem Autor Martin Auer will der Protestwanderweg, nicht zum Wandern bringen, sondern dazu, Wien neu und anders kennen zu lernen. Vor allem SchülerInnen der Oberstufen will das Projekt ansprechen, steht aber allen Interessierten offen. „Wir möchten Menschen zum Nachdenken anregen“, erzählt mir die Initiatorin Patricia Hladschik, „wir gehen manchmal jahrelang an Orten der Stadt vorbei, ohne zu wissen, welche Geschichte dahinter steckt.“ Ertappt! Ich bin bisher nicht nur am Planquadrat vorbei gelaufen, sondern hatte auch keine Ahnung, dass das Wiener Parlament durch eine Revolution entstanden ist…

Der QR Code sollte auf der Wand des Parlaments angebracht werden. Foto: Doris

Der QR Code sollte auf der Wand des Parlaments angebracht werden. Foto: Doris

„Die Stationen zeigen den Kampf um mehr Gerechtigkeit sowie um Demokratie und Menschenrechte für alle auf“, beschreibt Hladschik die Vielfalt der Orte, „ohne Menschen, die sich engagieren, wäre ja zivilisatorischer Fortschritt nicht möglich.“ Von der Verteilung von Flugblättern bis zur Revolution, von Streiks bis zur Verschwörung – die Formen von Protest sind so vielfältig wie die Stationen selbst. Was an jeder Einzelnen von diesen geschehen ist, erfährt man als ProtestwandererIn (ein schönes Wort, oder?!) direkt vor Ort: Auf Informationstafeln, die mit einem QR Code versehen sind. Einmal das Handy über den mobilen Tag halten – und schon kommt man auf weitere Infos in Text, Audio und Video.

Oh, ein QR Code - leider aber der Falsche. Foto: Doris

Oh, ein QR Code – leider aber der Falsche. Foto: Doris

So der Plan! Leider habe ich nämlich auf meinen Stationen des Protestwanderwegs wenig Glück: Beim Verhütungsmuseum, das für den Kampf um die Beseitigung des Abtreibungsverbots in Österreich steht, entdecke ich zwar gleich einen Aufkleber mit Code. Allein es ist der Falsche. Im Parlament erklärt man mir, dass „irgendwo an der Außenwand“ das Aufhängen der Informationstafel geplant ist – aber meine Suche bleibt vergeblich.

QR Codes und die Tafeln sind derzeit noch nicht an allen Stationen angebracht - eigentlich hab ich sie nur an einem Ort gefunden. Foto: Doris

QR Codes und die Tafeln sind derzeit noch nicht an allen Stationen angebracht – eigentlich hab ich sie nur an einem Ort gefunden. Foto: Doris

Fündig werde ich dann ENDLICH beim Café Hebenstreit und erfahre dort, dass das Kaffeehaus an einen gewissen Franz Hebenstreit erinnert, der mit anderen 1794 in Wien zum Tod verurteilt wurde. Weil er sich für eine demokratische Staatsform eingesetzt hatte! Bei allen anderen Orten bleibe ich aber ebenso wenig unwissend, schließlich sind „alle Stationen schon online zugänglich“, so Patricia Hladschik, „aber es hängen noch nicht alle Tafeln – und die Station am Stephansplatz ist gar nicht mit einer Tafel markiert, weil das dort nicht möglich ist.“ Wie gut, dass der Protestwanderweg dafür die Orte auf einer Google Maps markiert hat – damit finde ich das Symbol der Widerstandsbewegung O5 von 1945 ganz einfach.

Daran geht bald einmal jemand vorbei, am O5 Symbol am Stephansdom. Foto: Doris

Daran geht bald einmal jemand vorbei, am O5 Symbol am Stephansdom. Foto: Doris

Nicht, dass die verglaste Aufschrift gleich neben dem Haupteingang des Stephansdom so unauffällig wäre. Aber wie oft ich (und andere) normalerweise daran – wie am Planquadrat auch – einfach vorbei laufen, das ist eine andere Geschichte…

Auf mein Feedback, dass die Informationstafeln – so sie hängen – nicht einfach zu finden sind, wurde auch gleich reagiert: Mittlerweile ist der genaue Ort im Begleitheft vermerkt – sowas nenne ich schnell! Mehr zum Projekt: www.protestwanderweg.at

2 Kommentare zu Von Hochverrat bis Abtreibung: Protestwandern im Wiener Stil

Zu Fuß über die Alpen

Gastbeitrag von Christof Herrmann, der auf einfachbewusst.de über Minimalismus und Nachhaltigkeit im Alltag und auf Reisen bloggt. Ich bin im letzten Sommer von meiner Haustür im oberfränkischen Forchheim nach München und weiter…

Gastbeitrag von Christof Herrmann, der auf einfachbewusst.de über Minimalismus und Nachhaltigkeit im Alltag und auf Reisen bloggt.

Ich bin im letzten Sommer von meiner Haustür im oberfränkischen Forchheim nach München und weiter über die Alpen bis nach Venedig gelaufen. Für die 963 Kilometer und 29.915 Höhenmeter brauchte ich 52 Tage. Es war eine der aufregendsten Reisen meines Lebens. Die langsame und minimalistische Art der Fortbewegung, die Schönheit und Vielfalt der Alpen und die vielen Begegnungen mit anderen München-Venedig-Wanderern werden mir unvergesslich bleiben. Dass jede Reise auch weniger schöne Momente hat, verschweigt man gern. Heute möchte ich von zehn dieser Momente erzählen.

Foto: Christian Hermann

Das obere Foto zeigt mich auf einer der ersten Etappen beschwingt durchs fränkische Flachland gehen. Doch der Start wenige Tage zuvor verlief alles andere als beschwingt. Ich hatte mir in der Vorbereitungszeit zu viel abverlangt. Am Morgen des geplanten Abmarschs bekam ich so starke Rückenschmerzen, dass ich mir nicht mal mehr die Schuhe binden konnte. Ein Chiropraktiker vollbrachte das Wunder, meine normale Beweglichkeit wiederherzustellen. Ich startete mit einem Tag Verspätung in mein Abenteuer.

Zimmer belegt.Foto: Christof Hermann

In Kelheim war die Hölle los. Das Städtchen hat mit seinem schmucken Zentrum, dem Altmühlradweg, dem Donauradweg und dem Kloster Weltenburg einiges zu bieten. Drei Stunden lang lief ich von Unterkunft zu Unterkunft und bekam nur Absagen. Im allerletzten Hotel hatte ich dann doch noch Glück. Die Nacht im Schlafsack an der Donau, die ich mir bereits ausgemalt hatte, durfte ich verschieben.

Foto: Christof Hermann

Ich konnte von Glück sagen, dass ich die Nacht nicht im Freien an der Donau verbringen musste. Die unzähligen Mücken und Bremsen machten mir schon am Tag das Leben zur Hölle. Bei der abendlichen Leibesvisitation zählte ich über 50 Stiche.

Foto: Christof Hermann

Im Karwendel begleitete mich meine Freundin für ein paar Tage. Auf dem Foto ist sie beim Abstieg vom Schlauchkarsattel zu sehen. Kurz zuvor waren wir nur knapp einem fatalen Unfall entgangen. Holländer hatte beim Aufstieg zum Sattel über uns einen handballgroßen Stein losgetreten und uns nicht gewarnt. Der Brocken flog keinen halben Meter über uns hinweg in die Tiefe.

Foto: Christof Hermann

Die Kulisse am Junsee ist traumhaft. Doch wenige Minuten nachdem ich das Foto gemacht hatte, war der Pfad auf einigen Metern maximal 20 Zentimeter breit und fiel auf der linken Seite steil in die Tiefe ab. Ich bin nicht ganz schwindelfrei. So schob ich mich Zentimeter für Zentimeter auf meinen Trekkingstöcken gestützt über diese für mich gefährliche Passage. Später erfuhr ich von anderen Wanderern, dass sie mich von weiter oben beobachtet hatten und zunächst befürchteten, ich hätte einen Hexenschuss erlitten.

Foto: Christof Hermann

Dieser Wasserfall sorgte lange für Gesprächsstoff unter den München-Venedig-Wanderern. Er lag etwas abseits vom Weg, so dass ich einer der wenigen war, die sich das Wasser nicht direkt aus dem Bach schöpften. Was jedoch kaum einer wusste und erst in den folgenden Tagen die Runde machte: Im Bachbett, im Foto etwa in der linken unteren Ecke, lag ein totes, halb skelettiertes Schaf.

Foto: Christof Hermann

Das Spannagelhaus zählte zu meinen liebsten Berghütten. Es ist auf 2.531 Meter in den Zillertaler Alpen gelegen und wird von Hüttenwirt Christoph geführt. Lange saß ich mit anderen Wanderern im urigen Gastraum am Kachelofen, ehe ich mich müde ins Matratzenlager begab. Wie gut hätte ich geschlafen, wäre ich nicht neben einem Profi-Schnarcher gelegen, der im Schlaf ganze Wälder absägte und gegen den nicht mal Ohropax half.

Foto: Christof Hermann

Dass ich nicht nur bei strahlendem Sonnenschein unterwegs war, zeigt der folgende Auszug aus meinem Tagesbericht, den ich auf dem von Wolken umhüllten Rifugio Coldai schrieb:

“Je höher ich stieg, desto kälter wurde es. Als einziger Schwachpunkt meiner Kleidung erwiesen sich meine Handschuhe. Sie waren viel zu dünn und saugten sich mit dem kalten Regenwasser voll. Als auch noch eisiger Wind über den Kamm pfeifte, konnte ich vor Schmerzen kaum mehr die Wanderstöcke halten. Es fühlte sich an, als würden meine Finger mit einer Schere abgeschnitten. Ich musste meine Hände dringend wieder warm bekommen, denn bis zur Rifugio Coldai war es noch eine Stunde. Dann tauchte zwischen den Wolken ein Gebäude auf. Es bestand zum einen aus einem ehemaligen Stall, an dem auf italienisch „Für alle“ stand, und zum anderen aus einem kleinen, erleuchteten Raum mit der Aufschrift „privado“. Im Stall war es zumindest windstill. Ich aß etwas und versuchte vergeblich, meine Hände warm zu bekommen. So wagte ich mich zum Privatgemach, klopfe an und trat ein. Zwei Männer standen hinter einem kleinen Tresen und versorgten eine Wandergruppe mit heißen Getränken. Ein offener Kamin spendete Wärme. Keiner der Anwesenden sprach deutsch oder englisch. Ich traute mich nicht etwas zu bestellen, denn ich befand mich nicht in einer herkömmlichen Bar. Nachdem ich den Kindern Schokolade geschenkt hatte, schien ich die Herzen der Italiener erobert zu haben. Man reichte mir ein großes Glas Kaffee mit Grappa. Als ich dieses geleert habe, drückte man mir bereits das zweite in die sich erholenden Hände. Glas Nummer drei lehnte ich mit den Worten „un altro cafe e grappa e io cantare“ dankend ab, was die Italiener hörbar amüsierte. Als die Wandergruppe zahlte und ging, zückte auch ich meinen Geldbeutel. Doch ich war eingeladen. Erstaunlich wie schnell man sich mit zwei heißen Getränken am Kamin aufwärmt. Die restliche Strecke zur Coldai-Hütte verging schmerzfrei wie im Fluge.”

Foto: Christof Hermann

Begegnungen mit anderen Wanderern sind das Salz in der Suppe einer jeden Alpenüberquerung. Wer wie ich alleine startet, aber kommunikativ ist und sich ans Lauftempo anderer anpasst, kann die meiste Zeit in Gesellschaft wandern. Oft war ich tagelang in Gruppen von bis zu acht Personen unterwegs. Durch die gemeinsame Leidenschaft kommt man schnell ins Gespräch. Herkunft, gesellschaftliche Position und Generation spielen keine Rolle. Die Atmosphäre in den Alpen und auf den Berghütten ist sowieso sehr gemeinschaftlich. Trotzdem wurde mir der Trubel manchmal zu viel. Ich sehnte mich nach Ruhe, nach Zeit mit mir selbst, nach der Stille der Bergwelt. Dann trennte ich mich von der Gruppe und ging meine eigenen Wege. Wenn ich dann Stunden oder Tage später plötzlich wieder vor bekannten Gesichtern stand, freute ich mich umso mehr.

Foto: Christof Hermann

Auch wenn auf solch einer Fernwanderung der Weg das Ziel ist, erreichte ich nach 52 Tagen Venedig. Trotz Problemen mit verfallenden Palästen und Touristenmassen ist La Serenissima (”die Durchlauchtigste”) immer noch eine der schönsten Städte der Welt. Eines sollte man hier aber nicht tun: Auch nur einen Zeh in den Kanal halten. Ein Mitwanderer rutschte vor meinen Augen aus und landete bis zur Hüfte im Kanalwasser. Die Kleidung trocknete an dem heißen Tag rasch. Aber riechen tat der arme Teufel, ich kann es nicht anders ausdrücken, (nach) Scheiße.

Fotos und Berichte zur Alpenüberquerung gibt es auch als eBook zum kostenlosen Download.

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Auf geht’s: Die Donau-Karawane zieht los

Freitag, 15. März um 19 Uhr im deutschen Furtwangen an der Donau. Ein ganz gewöhnlicher Freitag? Nicht ganz. Denn es fällt der Startschuss zu einer ganz ungewöhnlichen Reise. 3.000 Kilometer…

Freitag, 15. März um 19 Uhr im deutschen Furtwangen an der Donau. Ein ganz gewöhnlicher Freitag? Nicht ganz. Denn es fällt der Startschuss zu einer ganz ungewöhnlichen Reise. 3.000 Kilometer durch 14 Länder wollen Helene, Sarah, Johannes, Peter, Mark – und hoffentlich noch viele mehr – hinter sich bringen, entlang der Donau vom Schwarzwald bis ins Schwarze Meer, zu Fuß, per Kajak, mit dem Fahrrad… Nicht allein, sondern mit jedem, der die kleine „Karawane“ begleiten möchten. Dabei geht es nicht nur ums Unterwegssein. Es geht vielmehr darum, nachhaltige Projekte miteinander zu verbinden und miteinander, voneinander zu lernen. Auf dem Weg und bei Workshops in einzelnen Städten.

Klingt nicht neu? Das liegt vermutlich daran, dass ich schon von einem ersten Treffen mit dunaVision berichtet habe. Ich habe die Gruppe in den letzten Monaten einige Male getroffen und versucht, mich so gut wie möglich auf dem Laufenden zu halten. Richtig gelungen ist es mir nicht: Jedes Mal haben sich neue Fragen aufgetan, neue Antworten wurden gegeben, neue Ideen tauchten auch… spannend bleibt das Projekt allemal.

Wandern, Spaß, Nachhaltigkeit, Vernetzung, Lernen, ... dunaVision ist vieles.

Wandern, Spaß, Nachhaltigkeit, Vernetzung, Lernen… dunaVision ist vieles.

Spannend besonders auch für diejenigen, die unterwegs sind – wie die Vorarlbergerin Helene, mit der ich einige Tage vor ihrem Abmarsch noch gemailt habe:

Doris: Helene, wie geht’s dir so kurz vor dem Start?

Helene: Eigentlich habe ich noch gar nicht realisiert, dass es tatsächlich in wenigen Tagen los geht. Ich glaube, die Gedanken kommen erst, wenn ich im Zug nach Deutschland sitze! Gestern hatte ich aber zum Beispiel einen Albtraum, dass mir jemand erzählt, es wüsste doch jeder über die streundenden Hunde in Osteuropa Bescheid, die ständig Wanderer in Rudeln anfallen! Da bin ich aufgewacht und hab mir tatsächlich Sorgen gemacht.

Welche Unsicherheiten gibt es noch?

Ziemlich viele! Wir wissen nicht, wie viele Teilnehmer wir haben werden. (Anm.:  Neben der genannten „Kerntruppe“, die aus Helene, Sarah, Johannes, Peter und dem Schotten Mark besteht, werden in den ersten paar Tagen noch fünf bis sechs weitere Personen losgehen. Darunter die Leiterin des Workshops in Augsburg, Vertreter des Ministeriums in Baden-Württenberg für Bildung und Kultur oder ein Journalist vom Schwarzwälder Boten. Mark ist übrigens mit seinem 20-jährigen Bus mit von der Partie, der mit Solar Panels ausgestattet ist, um Mobiltelefone, Laptops etc. aufzuladen oder Kleider und Zelte zu flicken. Zusätzlich wird ein Trailer angehängt, um das Gepäck verstauen zu können.) Wir haben auch nicht alle Routen schon fix und fertig geplant. Aber die Unsicherheiten gehören definitiv zur Reise dazu, anders geht es gar nicht.

Worauf freust du dich am meisten?

Schwer zu sagen. Wahrscheinlich auf den Sommer, ich hab es nicht gern kalt! Allgemein stelle ich es mir wunderbar vor, täglich beobachten zu können, wie die Jahreszeiten die Vegetation verändern. Wenn man jeden Tag so viele Stunden draußen ist und so vom Wetter beeinflusst wird, muss das ein wunderschönes Erlebnis sein. Dann freue ich mich auch wahnsinnig auf das Forum in Wien, weil ich dort schon viel im Vorfeld mitbekommen habe und sich dort viel abspielt, was mich brennend interessiert: Wie baut man Häuser aus Stroh und Lehm? Wie kann ein Ökodorf funktionieren? Welche Formen des Miteinander gibt es? Und schlussendlich natürlich auf das Donaudelta, von dem ich schon so viel Spannendes gehört hab. Dörfer, die nur per Boot erreichbar sind, kenne ich bisher nur aus Indien.

Aktuelle News und Infos gibt es auf der Website dunavision.eu.

Aktuelle News und Infos gibt es auf der Website dunavision.eu

Was ist die größte Herausforderung für dich?

Meinen Freund dazu zu bringen, dass er auch mitkommt! Ansonsten wird es sicher auch eine große Herausforderung, eine gute Balance zwischen ständigem Organisieren, Bloggen, Verantwortlich sein und meiner persönlichen Freiheit zu finden – ich glaube, das ist sehr wichtig, um das ein halbes Jahr durchziehen zu können.

Dass das ganze Projekt den Bach hinuntergeht ist ziemlich unwahrscheinlich, weil ja nicht ein Team das Ganze organisiert, sondern jeweils RegioTeams für die Foren vor Ort zuständig sind. Wenn also der Workshop in Wien eine Katastrophe wird, wird der in Budapest hoffentlich besser! Was jedoch passieren müsste, damit ich persönlich aufhöre, ist schwer zu planen. Dass ich irgendwann mal eine Pause einlegen möchte und dann später wieder dazustoße, kann ich mir allerdings schon vorstellen – das Ganze soll ja flexibel und dynamisch bleiben.

Wo kann man sich über euch auf dem Laufenden halten und über Treffen oder eure Teilstrecken informieren?

Auf jeden Fall über unsere Website, dort werden immer rechtzeitig die richtigen Treffpunkte etc. online stehen. Wir überlegen aber auch, eine Notfallnummer mitzunehmen, über die man jederzeit jemand aus dem Team erreichen kann.

Danke, Helene, und viel Spaß beim Wandern und Wandeln!

 

Und vielleicht sehen wir uns ja im Donaudelta, denn ich habe die Idee, auch ein Stück weit mitzugehen noch immer im Kopf…

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Wo ich in Bhutan ein Stück Glück gefunden habe

So, ja, genauso habe ich mir das vorgestellt! Erschöpft und zufrieden zugleich starre ich ins Nichts, auf die Silhouette der Berge rings um mich und hinunter auf den steilen Sandweg,…

So, ja, genauso habe ich mir das vorgestellt! Erschöpft und zufrieden zugleich starre ich ins Nichts, auf die Silhouette der Berge rings um mich und hinunter auf den steilen Sandweg, von dem wir gekommen sind. Schweißperlen tropfen mir von der Nase, die Ärmeln meines Funktionsshirts habe ich hoch gestrickt und die drei weiteren Schichten endlich einmal ausziehen können. Zum ersten Mal, seitdem ich vor einigen Tagen im winterlich-kalten Königreich Bhutan angekommen bin! Und es ist auch das erste Mal seit meiner Ankunft, dass ich mich in diesem “Land des Donnerdrachen” so richtig glücklich fühle.

Gleich nach dem Frühstück sind wir aufgebrochen, um eine Halbtageswanderung zu einem Meditationszentrum in den Bergen nahe der Hauptstadt Thimphu zu unternehmen. Statt mit dem Auto von einer bhutanischen Festung und jetzigem Verwaltungssitzen, den sogenannten Dzongs, zum nächsten Kloster gebracht zu werden, steht heute endlich einmal ein bisschen Bewegung auf dem Plan. Bisher hat uns unser Guide samt Chauffeur bei jeder kleinsten Distanz ins Auto geladen und bei der Sehenswürdigkeit wieder abgesetzt. Ob das daran liegt, dass die Bhutaner der Ansicht sind, Gehen sei schädlich – zumindest für uns TouristInnen? Oder ob es viel eher damit zu tun hat, dass die Gäste in Bhutan üblicherweise in die Altersklasse 50+ fallen? Egal, heute wird marschiert!

Statt TouristInnen kommen uns hier nur Mönche entgegen. Foto: Doris

Nicht nur aufs Gehen freue ich mich, sondern endlich einmal auf Natur. Bisher waren wir ausschließlich in Städten unterwegs. Gut, Thimphu mag zwar mit seinen 80.000 EinwohnerInnen keine Metropole sein, einer richtigen Stadt gleicht sie durchaus. Internationale Küche neben bhutanischen Ständen; Shops, die unseren billig-Asia-Läden gleichen; westlich gekleidete Jugendliche mit Sonnenbrille zwischen Mantren betenden Alten. Und gestern habe ich dann auch noch ein von Tripadvisor bewertetes Kaffeehaus mit englischer Beschilderung und schnellem Wifi entdeckt, wo neben den blonden Expads bhutanische Mönche mit Ipads und Iphones sitzen. Hier in der Stadt, die übrigens zu den am schnellsten wachsenden Orten Asiens zählt, ist der Kontrast zwischen Tradition und Moderne nicht zu übersehen.

Das ist der Blick nach unten nach einem steilen Aufstieg. Foto: Doris

Eine rund halbstündige Fahrt von Thimphu entfernt sieht das Ganze gleich anders aus. Auf der einen Seite lockt das Eingangsschild in den Jigme Dorji Nationalpark, auf der anderen geht es über eine Brücke hinauf Richtung Kloster, dem “Chacri Meditation Center”. Auf der einen Seite warten “rote Pandas, blaue Schafe, Schneeleoparden und schwarze Bären”, so sagt es ein Informationsblatt – auf der anderen das erste Kloster, das Shabdrung, Gründervater Bhutans, 1620 erbauen ließ. Wie viele andere Religionsstätten wurde es in einem unwegsamen, unerreichbaren Gelände in 2.800 Meter Höhe in den Bergen errichtet. Wie, das übersteigt meine Phantasie!

Über die Brücke drüber führt der Weg zum Chacri Meditationszentrum. Foto: Doris

Der Nationalpark zahle sich nur für zwei- bis dreitägige Trekkings aus, macht unser Guide meine Hoffnung (oder Angst) auf eine Begegnung mit den Tieren zunichte. Also folgen wir der Gruppe Mönche, die mit Sack und Pack belastet den steilen Sandweg nach oben zum Kloster einschlägt. Bis heute gibt es keine andere Möglichkeit, die 400 Höhenmeter zu bezwingen als den Fußmarsch. Die orange und rot gekleideten, mehr oder weniger alten Herren sind die Einzigen, die wir in der nächsten Stunde des Aufstiegs zu Gesicht bekommen werden. Keine AusländerInnen – die kommen nämlich selten hier herauf, auch wenn wir uns sonst mit unserer Route leider auf den üblichen Touristenpfaden bewegen. Nur die Mönche und ein paar Bhutaner, Frauen, Kinder, die den beschwerlichen Weg zum buddhistischen Kloster in Angriff nehmen – nicht aus Trainingszwecken wie wir, sondern um dort zu beten, Opfer darzubringen oder einfach nur ihrem Glauben Ausdruck verleihen. Ob für die Namensgebung der Kinder, bei Krankheit, Unfruchtbarkeit, selbst bei mangelndem Erfolg im Job, nach dem Tod – überall wird in Bhutan geopfert, gepilgert, Astrologie angesehen, Mönche um den Segen und Beistand gebeten, Gebetsräder gedreht, Stupas umrundet…

Hoch oben thront das erste von Shabdung erbaute Kloster in Bhutan. Foto: Doris

Heute wird das Kloster, das Shabdrung damals mit 30 Mönchen bewohnt hat, als Meditationszentrum genutzt: Alle Mönche müssen nach Abschluss ihrer Ausbildung drei Monate meditieren, um das erworbene Wissen zu verdauen. Ein Ansatz und eine Zeit, die ich mir auch schon oft gewünscht hätte – genauso wie die Abgeschiedenheit und die Ruhe, die da oben in den Bergen herrscht. Schade, dass nur Mönche diese Gelegenheit haben: Anders als in Thailand können in Bhutan “normale Menschen” nämlich nicht auf Zeit ins Kloster gehen.

Sie hat die Ruhe weg - im Chacri Meditationszentrum kein Wunder. Foto: Doris

Doch sie können so wie wir das Zentrum besuchen oder andere, ähnliche Tageswanderungen machen, denn Trekking-Wege gibt es überall in Bhutan – ob zu heiligen Stätten wie dem berühmten Tiger Nest, das wir natürlich am letzten Tag auch noch sehen, oder einfach so. Und irgendwie genügt das schon! Mir zumindest. Für heute. Ich bin wunschlos glücklich. Naja, fast: Frühjahr oder Sommer könnte noch sein, denn wie schön muss das Ganze erst mit üppigem Grün und farbig blühender Vegetation aussehen.

Mein breites Grinsen hat damit zu tun, dass ich in Bhutan ein Stück Glück gefunden habe. Foto: Estelle

 

 

Offenlegung: Ich bin von Bhutan Tourismus und Active Bhutan Tours zu einem FamTrip eingeladen. Die Kosten für den Aufenthalt vor Ort werden genauso wie 50 Prozent der Flugkosten von Bangkok nach Paro von den Veranstaltern getragen. Danke dafür! Den Flug von Wien nach Bangkok habe ich selbst bezahlt (danke, Emirates , für die Unterstützung), ebenso die Visum-Kosten von 40 USD. Meinungen und Ansichten bleiben wie immer meine eigenen. 

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Auf zum Popradske See: Das Wandern ist des Sherpas Lust…

„Am Wochenende ist der Wanderweg zum Popradske See richtig überfüllt.“, erzählt mir Kathrin Noll, die deutsche Hotel-Managerin des Grand Hotel Kempinski beim Abendessen. Gut, dass Montag war. Noch besser, dass es ein Montag in…

„Am Wochenende ist der Wanderweg zum Popradske See richtig überfüllt.“, erzählt mir Kathrin Noll, die deutsche Hotel-Managerin des Grand Hotel Kempinski beim Abendessen. Gut, dass Montag war. Noch besser, dass es ein Montag in der Nebensaison war. Und an so einem Montag zwischen Sommer und Winter, wenn die HitzetouristInnen nicht mehr und die SkifahrerInnen noch nicht in der Hohen Tatra weilen, lässt sich ein sonst von Gästen überrannter Wanderweg in herrlicher Ruhe auskosten. Am besten bei strahlendem Herbstwetter!

Genau das habe ich gemacht: Eine Stunde dauert der Marsch vom Tschirmer See bis zum Popradske See, genauso lang wieder retour. Und wer nicht – wie die Meisten, denen wir begegnen – die Bahn dorthin nehmen möchte, um dann auf der asphaltierten Straße zu gehen, der kann in unsere Fußstapfen treten und den Waldpfad nehmen. Aber macht euch keine Hoffnungen: In der Sommerzeit ist auch dieser Weg kein Geheimtipp, ist er doch wirklich einfach und für jederman zu schaffen. Heute aber, ja, heute sind wir dort (fast) allein.

Wir? Ja, wir, denn auch wenn selbst ich es nicht geschafft hätte, mich auf dem genial beschilderten Wanderweg zu verirren, habe ich dennoch eine Begleitung. Die Beste überhaupt. Wer könnte nämlich geeigneter sein, die Liebe zur Region zu vermitteln als einer, der einen “großen Spaß” dabei empfindet, drei Jahre als Sherpa tagein, tagaus 80 Kilogramm schwere Vorräte zu den abgeschiedenen Hütten in die Berge zu tragen? Genau so einer ist Peter, der in der Hohen Tatra aufgewachsen und zutiefst verwurzelt ist. Er ist Concierge im Kempinski – und manchmal nimmt er Gäste in die Berge mit, während der Dienstzeit, versteht sich.

Und das sieht dann so aus:

Wir haben Glück: Noch hat der symbolische Friedhof, der an alle in den Bergen Gefallenen erinnert, offen. Bis Ende November ist das so, bis er wegen des Schnees gesperrt ist. Die bunten Holzkreuze und die Lage zwischen den Felsen machen ihn in jedem Fall zu etwas Besonderem:

Da liegt er dann vor uns, der Popradske See samt seiner zwei Hütten. Schon jetzt ist er an manchen Stellen mit einer hauchdünnen Eisschicht bedeckt. Im Winter wird er komplett zufrieren, zur Freude der Einheimischen, die den See zum Eislaufplatz umfunktionieren. Natürlich nicht offiziell, schließlich ist die unsichere Eisschicht schon unter einigen eingebrochen, wie mir Peter erzählt.

Die Hütte sieht nur von außen und unter blauem Himmel so einladend aus. Drinnen ist die Buffet-Kantine eher abschreckend und erinnert an Unterkünfte bei Schulsportwochen – ein Grund, warum wir das Mittagessen am See sein lassen.

Ich verzichte übrigens auch darauf zu testen, wie es ist, wie ein Sherpa kiloweise Material zur noch einmal zwei Stunden entfernten und somit nächsten Hütte zu tragen. Das Angebot besteht: Am Wegesrand stehen Tragen herum, die Gäste mit fünf bis zehn Kilogramm beladen dürfen und nach der Ablieferung des Materials bei der Hütte zur Belohnung eine Tasse Tee bekommen.

Nein, danke, auf diesen „Spaß“ kann ich verzichten – ich genieße lieber die Wanderung retour…

 

Offenlegung: Ich war aus beruflichen Gründen Gast im Grand Hotel Kempinski in der Hohen Tatra. Herzlichen Dank für die Einladung! Die Meinungen und Ansichten in den Geschichten bleiben die meinen. 

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