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Crowdfunding für BioBalkan – Der Geschäftsführer Hans-Jörg Hummer im Interview

Mit BioBalkan betreibt Hans-Jörg Hummer einen Online-Shop, mit dem er und sein Team die Lücke zwischen kleinen Bio-Bauern am Balkan zu anspruchsvollen Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich schließen möchten. Bestellt…

Mit BioBalkan betreibt Hans-Jörg Hummer einen Online-Shop, mit dem er und sein Team die Lücke zwischen kleinen Bio-Bauern am Balkan zu anspruchsvollen Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich schließen möchten. Bestellt werden können feinste, handgemachte Bio-Aufstriche aus Gemüse, Nüssen und Beeren aus den Ländern des Balkans – viele davon vegan -, die alle nach den EU-Bio-Verordnungen 834/2007 (für Erzeuger) und 889/2008 (für Verarbeiter) zertifiziert sind.

Mit BioBalkan will Hans-Jörg aber nicht nur leckere Lebensmittel nach Österreich bringen, sondern auch die Menschen dieser Region in unserer Nachbarschaft beim Aufbau von Wissen, Infrastruktur und Finanzmitteln unterstützen. Im aktuellen Crowdfunding-Projekt „BioBalkan – Gutes von den Nachbarinnen“ geht es vor allem um jene Frauen in Serbien, die Paprika für den „legendären Ajvar verbraten“, wie es auf der Projektseite heißt. Mit Hilfe der Crowd sollen sie ein Jahr Arbeit finden.

Wie es zu BioBalkan und zu diesem speziellen Projekt kam, erzählt Hans-Jörg im Crowdfunding-Interview mit The bird’s new nest.

Wolfgang: Hans-Jörg, du bist einer der Gründer von BioBalkan. Was macht ihr genau?

Hans-Jörg: Wir bringen die besten Spezialitäten des Balkans an anspruchsvolle Genießer in Österreich und Deutschland. Gleichzeitig aber unterstützen wir unsere Partner in der Region – ausgesuchte Manufakturen und Kleinbauern – beim Aufbau von Wissen, Infrastruktur und Finanzmitteln. Ja, mitunter stehen wir auch mit ihnen auf dem Feld und helfen bei der Arbeit. Darüber hinaus versuchen wir, den Balkan von seiner besten Seite zu zeigen. Wir haben bisher drei Kooperationen mit Social Businesses oder Familienunternehmen gestartet. Zukünftig wollen wir mit weiteren Partnern solche langfristigen Kooperationen aufbauen.

Wolfgang: Welchen Bezug hast du zum Balkan beziehungsweise wie kamst du auf die Idee?

Hans-Jörg: Ich war lange Jahre in der Entwicklungszusammenarbeit in den Nachfolgestaaten Ex-Jugoslawiens tätig und habe dort unzählige Projekte betreut. Gemeinsam mit Christopher Opancar, der ebenfalls in der Region tätig war, und Marijana Miljkovic, die als Journalistin von dort berichtet hat, haben wir schließlich BioBalkan ins Leben gerufen.

Wolfgang: Wie stellt ihr sicher, dass eure Produkte aus biologischer Herstellung kommen?

Hans-Jörg: Wir werden sowohl in Serbien und Nordmazedonien als auch in Österreich streng kontrolliert. Mit unseren Partnern in Serbien haben wir die aufwändige Umstellung von konventioneller Produktion auf bio gemeinsam gestemmt. Fünf Kleinbauernfamilien bauen für uns Paprika und anderes Gemüse und Obst an, das haben wir ebenfalls gemeinsam geschafft.

Wolfgang: Stichwort „Arbeitsbedingungen vor Ort“ – dazu gibt es jetzt eine Crowdfunding-Kampagne. Erzähl‘ bitte kurz davon!

Hans-Jörg: Die Produktion findet nur in den Sommer- und Herbstmonaten statt. Zu dieser Zeit arbeiten etwa 30 bis 50 Frauen und kochen Ajvar und andere Spezialitäten ein. Im Winter und Frühjahr müssen sie jedoch ungewollt eine Pause machen. Denn Slobodanka Pavlovic, der Gründerin der Radanska Ruza (Rose vom Radan), fehlt es an Kapital, um Gemüse und Obst anzuschaffen und zu bevorraten, um das ganze Jahr über produzieren zu können. Beim Crowdfunding geht es uns darum, ganzjährige Arbeitsplätze zu schaffen. Grob gesagt kann man mit 2.000 Euro das für einen ganzjährigen Arbeitsplatz nötige Umlaufkapital finanzieren. Wir haben uns bei der Kampagne zum Ziel gesetzt, 20.000 Euro aufzustellen. Wenn es mehr werden, sind wir alle zusammen umso glücklicher.

Wolfgang: Was kann man sich als UnterstützerIn erwarten?

Hans-Jörg: Ganz klar, die Spezialitäten von den Frauen der Ruza, sprich feinen Ajvar, Pindur, Malidano, Mackalo in unserem „Balkan-Sixpack“. Ajvar zum Beispiel ist eine Paste aus Paprika. Mackalo, den man „Matskalo“ ausspricht, ist eine Tomatensauce, in die kleine, scharfe Pfefferoni eingelegt werden – eine ziemlich ungewöhnliche Kombination. Als weiteres Dankeschön bieten wir aber auch einen Kochkurs in Wien an, in dem eine unserer Köchinnen zeigt, wie man echten Ajvar selber macht. Für großzügige Unterstützer bieten wir eine Reise in unsere Manufaktur in Südserbien an. Wir zeigen da nicht nur den Betrieb und die Höfe, sondern auch die römische Stadt Justiniana Prima, eine sehr beeindruckende Ausgrabungsstätte – und die wunderbare Landschaft!

Wolfgang: Die Kampagne läuft gut und wird sicherlich erfolgreich sein. Wie soll es danach weitergehen?

Hans-Jörg: Ein erfolgreiches Crowdfunding wird es uns allen erleichtern, die kommende und nächste Saison zu planen. Wir werden das Geld, abzüglich aller Abgaben, zu genau dem Zweck der Ruza überweisen, zu dem die Kampagne gestartet wurde: Gemüse ankaufen, unsere Bio-Bauern dabei unterstützen, dass sie eine möglichst erfolgreiche Ernte einfahren und die Produktion für den Herbst und Winter vorzubereiten.

Wolfgang: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für eure wichtige Initiative!

Noch bis 31. März 2020 könnt ihr die Crowdfunding-Kampagne von BioBalkan unterstützen und euch Produkte von BioBalkan, den Kochkurs, die Reise und andere Goodies als Dankeschön sichern. Weitere Informationen zur Geschichte, zum Shop sowie Updates zum Crowdfunding findet ihr auch auf der Kampagnen-Seite.

Arbeitet ihr an einem nachhaltigen Crowdfunding-Projekt oder kennt ein solches, über das auf The bird’s new nest berichtet werden sollte? Dann sendet mir eure Inputs und Vorschläge zum Thema an office@crowdfunding-service.com!

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Coronavirus: Hysterie oder berechtigte Angst?

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit dem Infektionsbiologen Dr. Doğan Doruk Demircioğlu erstellt. Keine Desinfektionsmittel mehr. Leergeräumte Supermarktregale. Ein bisschen erinnert der aktuelle Zustand an eine Apokalypse. Wir reden nicht…

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit dem Infektionsbiologen Dr. Doğan Doruk Demircioğlu erstellt.

Keine Desinfektionsmittel mehr. Leergeräumte Supermarktregale. Ein bisschen erinnert der aktuelle Zustand an eine Apokalypse. Wir reden nicht vom T-Virus des Spieleklassikers Resident Evil. Wir reden von SARS-CoV-2, auch bekannt als Coronavirus.

Was uns Angst macht sind die Schutzanzüge, die Quarantänebestimmungen, die ausgerufenen Notstände. Eine kurze Erklärung: Es gibt gegen SARS-CoV-2 bislang keine Impfung, gegen die jährlich epidemisch und pandemisch vorkommende Influenza, die echte Grippe, hingegen schon. Medizinisches Personal ist gegen Influenza geimpft, kann sich also weit entspannter mit Influenzapatienten befassen als mit Coronavirus-Infizierten. Würde medizinisches Personal keine Schutzanzüge und keine Atemmasken tragen, so wären in kürzester Zeit alle Betreuungspersonen selbst erkrankt und temporär außer Gefecht. Es ist also eine logische Konsequenz, medizinisches Personal in Schutzanzüge wie im oben schon erwähnten Resident Evil zu packen. Das hat grundsätzlich erst einmal nichts mit der Gefährlichkeit des Virus zu tun, sondern damit, dass man in den Wintermonaten, in denen zusätzlich die Influenza kursiert, nicht auf medizinisches Personal verzichten kann.

Bild: leo2014 / pixabay.com

Des Weiteren soll eine Ausbreitung möglichst verlangsamt werden. Man möchte schließlich Risikogruppen wie ältere oder vorerkrankte Personen schützen. Je langsamer sich das Virus verbreitet, desto mehr Zeit gewinnt man zur Entwicklung eines Medikaments oder Impfstoffes. Dies ist auch der Grund für die Quarantänemaßnahmen, die getroffen werden. Natürlich hört sich das für uns erst einmal beängstigend an, wenn ganze Städte abgeriegelt werden. Diese Maßnahmen dienen dazu, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, weshalb sie grundsätzlich erst einmal sinnvoll erscheinen.

Aber fangen wir von vorne an

Im Prinzip ist die gegenwärtige Coronavirus-Epidemie nichts Neues, sind wir doch jedes Jahr im Winter mit Millionen Infektionen diverser Viren konfrontiert, die meist nur harmlose Atemwegsinfektionen auslösen, eine sogenannte Erkältung. Nennen wir sie beim Namen: Rhino-, Entero- und Mastadenoviren oder Viren der Familien der Corona- und Paramyxoviridae. Wir sind also permanent potenziellen viralen Infektionen ausgesetzt, ohne sie zu bemerken. Zugegeben: An einer Erkältung stirbt heutzutage in der Regel keiner mehr.

Was manche Viren so gefährlich machen kann, ist ihre Wandlungsfähigkeit. Das liegt in der Natur des Virus. Insbesondere RNA-Viren, zu denen auch das Coronavirus gehört, tun nichts anderes, als sich in unterschiedlicher Häufigkeit zu verändern. Genauer gesagt: Die Gesamtheit ihrer Gene, das sogenannte Genom, wird in seiner Abfolge zufällig verändert, das Virus mutiert also und es entstehen neue Varianten dieses einen Virus. Durchaus kann so auch eine gefährlichere Variante als der Vorgänger entstehen. Das Influenza-Virus macht das jede Saison, weshalb wir jedes Jahr eine neue Impfung benötigen.

Nun steigt also die Nervosität jeden Tag weiter an, weil ein in China neu aufgetretenes Virus mit dem kryptischen Namen SARS-CoV-2 (kurz für Severe Acute Respitory Syndrome-Coronavirus-2) seit Dezember 2019 sein Unwesen treibt. Die durch diese Infektion ausgelöste Krankheit der oberen Atemwege wurde COVID-19 getauft, was für Corona Virus Disease 2019 steht.

Die Rolle der (sozialen) Medien

Leider schaffen es Medien – klassisch wie sozial – immer wieder, an Massenpanik grenzende Zustände hervorzurufen. Es wäre wünschenswert, das eine oder andere Klatschblatt würde seine reißerischen Artikel und den Liveticker zu jedem Neu-Infizierten etwas homöopathischer dosieren. Die Flut an richtigen und falschen Informationen führt regelrecht zu einer Infodemie, einem von der WHO eingeführten Begriff. Analog zu einer Epidemie werden Informationen und Fehlinformationen auf der ganzen Welt in beispielloser Geschwindigkeit verbreitet und lösen nichts anderes aus als Panik, schüren Rassismus oder führen sogar zu sozialen Unruhen und Aufständen.

Warum schreiben wir also trotzdem den wahrscheinlich fünf-millionsten Artikel über dieses Virus? Weil wir finden, dass dieser Infodemie Einhalt geboten werden muss. Auch erreichen uns immer mehr Anrufe von besorgten Freunden und die ersten Hamsterkäufe in unserer Region fanden auch schon statt. Langsam aber sicher kann so noch mehr Panik entstehen, mit potenziell sehr ungutem Ausgang für uns alle. Es scheint fast so, als sei am Ende nicht mehr das Virus das Problem, sondern der Mensch selbst: Homo homini lupus – Der Mensch ist des Menschen Wolf.

Daher ist es unser Ziel mit diesem Artikel die Quintessenz der tausenden Mainstream- und Fach-Artikel kurz und prägnant zusammenfassen, um vor allem eines zu erreichen: mitzuhelfen, eine absolut unnötige Panik zu verhindern.

Selbstverständlich haben wir die Wahrheit nicht gepachtet und müssen uns auf das verlassen, was wir an Informationen bekommen: aus den Medien, aus Fachzeitschriften, aber auch von Epidemiologen oder Kollegen. Ergänzend zu den Informationen können wir jedoch unser Fachwissen als Infektions- und Mikrobiologen einbringen. Aus diesem Grund beantworten wir euch auch sehr gerne Fragen. Entweder hier in den Kommentaren oder direkt auf Facebook beim Posting zu diesem Beitrag.

SARS-CoV-2? Was ist das überhaupt?

Fakt ist: Beim Coronavirus handelt es sich um eine sogenannte Zoonose, also eine vom Tier auf den Menschen übergegangene Infektionskrankheit, welche ihren Ursprung laut Berichten der chinesischen Regierung auf einem Markt in der chinesischen Großstadt Wuhan hat.

Natürlich läuft die Suche nach der Herkunft auf Hochtouren und es wurde und wird geforscht und spekuliert. Im Prinzip war so ziemlich alles schon der mögliche Ursprung: Fledermäuse, Gürteltiere, Hühner, Schweine, Schlangen und sogar ein Labor in Wuhan. Momentan scheint wieder die Fledermaus zu führen. Kurzum: Man weiß es nicht.

Fakten und Zahlen

Laut WHO gibt es mit dem Stand 3. März 2020 80.304 Infizierte und 2.946 Tote in China und 10.566 Infizierte mit 166 Toten im Rest der Welt. Somit haben wir eine Letalitätsrate (Sterberate) von 3,67 Prozent für China, wohingegen nur 1,57 Prozent der Infizierten in anderen Ländern sterben. Dies liegt vermutlich zum einen daran, dass man anfangs nicht wusste, wie man mit dem Virus umgehen soll. Die Länder, die jetzt viele COVID-19-Fälle zu beklagen haben, profitieren bereits von dem Wissen, das die chinesischen Mediziner im Lauf der letzten Wochen erworben haben. Zum anderen war es die große Anzahl an Infizierten, die das chinesische Gesundheitssystem an seine Grenzen brachte. Es war letztlich nicht mehr zu bewältigen, da tausende Infizierte in Wuhan medizinische Versorgung benötigten.

Im Vergleich die saisonale Grippe (Influenza): 182.000 Infizierte und 954 Tote in Deutschland im Jahr 2018, sprich eine Letalitätsrate von 0,5 Prozent. In der Grippesaison 2017/2018 starben allein in Deutschland laut RKI 25.100 Menschen in Folge einer Grippe-Infektion.
Verglichen mit seinen berühmten Cousins SARS (löste die Pandemie in den Jahren 2002/2003 aus) und MERS ist die Sterberate von SARS-CoV-2 sogar deutlich geringer. An einer Infektion mit SARS starben seit 2003 9,6 Prozent der Infizierten, an MERS seit 2012 sage und schreibe 34,4 Prozent.

Die Dunkelziffer an mit dem Coronavirus Infizierten liegt wahrscheinlich sehr viel höher, was wiederum die Letalitätsrate nach unten drücken würde. Die wenigsten lassen sich wegen ein bisschen Husten vom Arzt auf das Coronavirus testen beziehungsweise gibt es auch Träger des Virus, die keine Symptome aufweisen.

Inwiefern ist die Letalitätsrate vom Alter abhängig?

Bild: statista.com

Typisch für jede Infektionskrankheit: Es trifft oftmals Menschen mit beeinträchtigtem Immunsystem und das ist bei SARS-CoV-2 nicht anders. Hierzu gehören zum Großteil ältere Menschen, wie man an der obigen Grafik sehen kann. Aber auch Vorerkrankungen, hier insbesondere Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, spielen eine Rolle. Kinder unter neun Jahren sind bislang keine an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Auch erkranken Kinder weniger häufig An COVID-19. Man erforscht aktuell noch, woran das liegt. Es gibt zwar einige Hypothesen, den wirklichen Grund hierfür hat man jedoch noch nicht gefunden.

Wie ansteckend ist das Virus?

Im Vergleich mit den Masern beispielsweise ist das Coronavirus wenig ansteckend. Epidemiologen fanden heraus, dass ein Masernpatient im Schnitt 12 bis 18 Personen ansteckt, wohingegen das Coronavirus es auf gerade einmal drei Ansteckungen im Durchschnitt schafft.

Wie lange überlebt das Virus auf Oberflächen?

Das wurde natürlich auch schon untersucht, allerdings an verwandten Viren, namentlich den Auslösern von SARS und MERS. Man geht davon aus, dass sie bis zu neun Tage bei Raumtemperatur auf Oberflächen überleben können.

Gibt es schon Medikamente gegen das Virus?

Noch nicht, aber es gibt einige vielversprechende klinische Studien, unter anderem mit einer Kombinationstherapie zweier bekannter Medikamente. Auch arbeiten sehr viele Firmen aus dem Bereich der Diagnostik an Schnelltests sowie einige Pharmafirmen an einer Impfung, die in etwa einem Jahr auf dem Markt sein könnte. Kurzum: Die ganze Welt forscht an einem Medikament.

Bild: Herney / pixabay.com

In Acht nehmen sollte man sich nicht nur generell vor Falschinformationen, leider nutzen viele Unternehmen die jetzige Situation aus, um auf Kosten uninformierter Personen Geschäfte zu machen. Das geht vom Verkauf von weit überteuerten OP-Masken, die nachweislich nicht gegen das Coronavirus schützen bis zu angeblichen Heilmitteln – auf Amazon wurden kürzlich rund eine Million angebliche Heilmittel und überteuerte Produkte entfernt. Als wäre das nicht schon gravierend genug, versuchen auch Apotheken von der Epidemie zu profitieren, so wurde bei stichprobenartigen Anrufen in österreichischen Apotheken mehrmals Globuli (!) als Heilmittel empfohlen.

Und schlussendlich noch das Wichtigste: Wie verhindert man eine Ansteckung? Helfen Masken?

Folgende Grundregeln sollten in diesem Fall beachtet werden:

  1. Hände waschen (30 Sekunden mit Seife!)
  2. Wenig Körperkontakt (vor allem mit Kranken)
  3. Richtig niesen und husten. Entweder in die Armbeuge oder in ein Taschentuch und dieses sofort entsorgen.
  4. Menschenansammlungen meiden
  5. Masken helfen, aber nur, wenn sie mindestens die Bezeichnung FFP2 tragen. Das Problem: Die Tröpfcheninfektion erfolgt häufig über die Augen. Insofern helfen Masken vor allem dann, wenn ein Erkrankter sie trägt und damit verhindert, andere anzustecken.

Wir fassen zusammen

Basierend auf den Fakten ist Panik nicht nötig und sowieso nie ein guter Ratgeber. Genau genommen sollten wir uns überlegen, warum viele von uns nicht gegen Influenza oder Masern geimpft sind. Wir brechen in Panik aus, weil ein neuartiges Virus hier ankommt, gegen das es keine Impfung gibt. Und andere Viren, die für uns gefühlt ein alter Hut sind, ignorieren wir und halten es nicht einmal für nötig uns überhaupt impfen zu lassen.

Nichtsdestotrotz sollte man, und das gilt natürlich besonders für ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen, vorsichtig sein. Hierbei gilt es, die Hygieneregeln einzuhalten und entsprechend achtsam durchs Leben zu gehen. Regeln, die man ohnehin einhalten sollte. Das geht jedoch ganz klar auch ohne zwanzig Liter Sterillium im Vorratsschrank.

Fazit: Wir werden alle sterben. Vermutlich aber der Großteil von uns nicht am Coronavirus. Darauf zu achten, dass wir Fakten statt Fiktion verbreiten und aufeinander Rücksicht nehmen ist aber generell nie ein Schaden. Auf eine gute Gesundheit!

 

Diesen Artikel schrieben wir mit bestem Wissen und Gewissen und mit den Informationen, die uns vorliegen. Verschwörungstheorien konnten wir bislang nicht bestätigen.

4 Kommentare zu Coronavirus: Hysterie oder berechtigte Angst?

Warum leben nur wenige Menschen vegan? Eine Betrachtung aus psychoanalytischer und tierethischer Sicht.

Vor kurzem ist Doris als neuestes Teammitglied zu The bird’s new nest gestoßen und wird sich zukünftig als Expertin den Themen Tierethik, Philosophie, mentaler Gesundheit und gesellschaftlicher Wandel widmen. Doris hat…

Vor kurzem ist Doris als neuestes Teammitglied zu The bird’s new nest gestoßen und wird sich zukünftig als Expertin den Themen Tierethik, Philosophie, mentaler Gesundheit und gesellschaftlicher Wandel widmen. Doris hat Philosophie sowie Amerikanistik und Anglistik an der Universität Salzburg studiert und dort auch ihre philosophische Dissertation über mögliche zukünftige UN-Tierrechtskonventionen verfasst. Des weiteren ist Doris psychoanalytisch orientierte Psychotherapeutin in Ausbildung und organisiert nach Berliner Vorbild das Vienna Veggie Homeless Cooking.

Da ich mich selber sehr für Psychologie und Tierethik interessiere, habe ich Doris zu einem Interview gebeten. Die Kernfrage, der ich auf den Grund gehen möchte: Warum leben nur so wenige Menschen vegan?

Edda: Es gibt viele Gründe, sein Leben vegan auszurichten, sei es der gesundheitliche Aspekt, Umwelt- oder Tierschutz. Warum entscheiden sich trotzdem aktuell nur eine Minderheit der westlichen Menschen für diese Lebensweise?

Doris: Als ich begonnen habe, mich mit psychoanalytischer Literatur auseinanderzusetzen, war ich begeistert, da diese Antworten auf Fragen bot, die ich mir in meiner moralphilosophischen Beschäftigung oft stellte, insbesondere auf diese, die du mir hier stellst. Als Therapeutin in Ausbildung lerne ich immer mehr über die psychoanalytische Sichtweise der menschlichen Psyche, welche ich faszinierend finde. Um eine psychoanalytische Antwort auf deine Frage geben zu können, muss ich etwas ausholen.

Sigmund Freud postulierte das Strukturmodell der Psyche, das berühmte 3-Instanzen-Modell (Ich, Über-Ich, Es). Vereinfacht kann man sagen, das Über-Ich ist das Gewissen, das Es repräsentiert die Triebe, die auf ihre Kosten kommen wollen, und das Ich ist die regulierende Instanz, die sowohl das Es als auch das Über-Ich im Zaum hält. Das Ich bedient sich dazu automatischer und unbewusster Abwehrmechanismen.

Die Abwehrmechanismen, die ein Mensch vermehrt einsetzt, werden in der psychoanalytischen Diagnostik beleuchtet. Es gibt reife und unreife Abwehrmechanismen. Werden vorrangig erstere eingesetzt, spricht man von einem höheren Strukturniveau, kommen vorwiegend unreifere zum Einsatz, befinden wir uns womöglich im Bereich eines Borderline- beziehungsweise eventuell im Bereich eines psychotischen Strukturniveaus. Je unreifer die Abwehrmechanismen, desto störender sind sie. Sie können unsere Fähigkeit, die Realität wahrzunehmen, beeinträchtigen, unsere sozialen Beziehungen schädigen, unsere individuelle Weiterentwicklung hemmen, und somit unserem Lebensglück und unserer Gesundheit im Wege stehen. Paradoxerweise sind funktionierende Abwehrmechanismen jedoch auch essentiell dafür, dass wir unser Leben meistern.

Wovon hängt es ab, welches Strukturniveau ein Mensch hat?

Es wird angenommen, dass die Qualität der Beziehungen zu den primären Objekten in der frühen Kindheit entscheidend darüber ist, ob sich ein hohes Strukturniveau herausbilden kann. Stabile Bindungen, Liebe, Fürsorge, und Empathie der primären Bezugspersonen sind entscheidende Voraussetzungen, damit ein Kind psychisch gesund heranwachsen kann.

Was genau hat dies mit der Entscheidung zu einem veganen Leben zu tun?

Wird ein Mensch, der Tierprodukte konsumiert, mit der moralischen Katastrophe konfrontiert, die mit dem Konsum von tierischen Lebensmitteln in unserer industrialisierten westlichen Gesellschaft einhergeht, bedeutet dies eine gewisse Bedrohung seines psychischen Gleichgewichts, da das Über-Ich aktiv wird, und anregt, das eigene Verhalten gegebenenfalls kritisch zu betrachten. Die Aufgabe des Ichs ist es, das psychische Gleichgewicht, für das es auch essentiell ist, dass man ein positives Selbstbild hat – dass man sich quasi als einen “guten“ Menschen sieht – zu gewährleisten. Je stärker das Über-Ich – das “schlechte Gewissen“ – sich selbstkritisch zu Wort melden möchte, desto alarmierter ist das Ich, es in Schach zu halten. Das eigene positive Selbstbild ist prioritär, da es die primäre Aufgabe der Psyche ist, das eigene Überleben zu sichern.

Warum ist es so wichtig, dass man ein positives Selbstbild von sich hat?

Ein überwiegend negatives Selbstbild kann gefährlich sein. Ein solches kann zum Beispiel im Falle einer Depression vorhanden sein. Eine Depression ist eine ernsthafte Krankheit, die auch aufgrund der etwaigen Suizidalität für das Individuum durchaus (lebens)bedrohlich sein kann. Bei Menschen, die unter einer Depression leiden, sind die Abwehrmechanismen oft deutlich geschwächt. Das Über-Ich hat die Oberhand gewonnen, ist vielleicht übermäßig abwertend, das Es ist in den Hintergrund gedrängt; nichts ist mehr schön, nichts kann man mehr genießen, man hat keine Wünsche mehr, was eine gefährliche Situation für das Individuum darstellt. In psychischen Krisen sind die Abwehrmechanismen geschwächt, was einerseits eine gewisse Gefahr darstellt, andererseits aber auch ein besondere Chance auf Veränderung und Wachstum ermöglicht.

Ein gesundes Ich, das sich nicht in einer Krise befindet, wehrt Über-Ich-Forderungen schnell, automatisch, unbewusst, und höchst effizient ab, wenn diese für das Individuum überfordernd sind. Wir alle sind gesundheitlich auf gut funktionierende Abwehrmechanismen angewiesen, und wir alle weisen sie auf. Aber nun zurück zur Tierethik: Wenn ein(e) Aktivist*in Videos oder Bilder, die habituelle und gesellschaftlich sanktionierte Tierqual, die durch die (von den Konsument*innen finanzierte) Tierausbeutungsindustrie verursacht wird, präsentiert, wehrt ein(e) Passant*in dies zum Beispiel dadurch ab, dass er/sie nicht hinsieht und schnell weitergeht. Aus den Augen, aus dem Sinn. Diesen Abwehrmechanismus nennt man Verdrängung. Oft wird die Schuld auch projiziert. Wenn das Über-Ich die Einsicht in die eigene Schuld steigern will, wendet das Ich Projektion an, um die unangenehme, nicht zu ertragene Schuld im Außen zu deponieren, und somit wieder „unschuldig“ zu sein. Ein(e) Passant*in könnte in diesem Fall meinen, das Leid der Tiere wäre die Schuld des Schlachters, der Industrie, der Politik oder anderer, um so selbst keine Verantwortung, keine Schuld schultern zu müssen. Man sieht am Beispiel der Projektion, dass sie als unreifer Abwehrmechanismus die Wahrnehmung der Realität verzerrt. Auch Aggression und Abwertung können projiziert werden, wenn das Über-Ich die (ursprünglich positive) Bewertung des eigenen Verhaltens kritisch anpassen möchte. So werden Aktivist*innen, die sich für das Wohl von Tieren einsetzen, teils aggressiv und entwertend beschimpft. Den Personen, die ihre Über-Ich-Forderungen abwehren, ist normalerweise nicht bewusst, dass ein Abwehrmechanismus am Werk ist. Ihre Wahrnehmung der Realität ist insofern verzerrt, als das Problem ja nicht bei den Aktivist*innen liegt. Es ist eigentlich ein innerlicher Konflikt zwischen Ich und Über-Ich des Passanten/der Passantin im Gange, den das Ich schnell und automatisch mit Hilfe eines Abwehrmechanismus regelt.

Oft ist in diesem Kontext auch der Abwehrmechanismus der Verleugnung zu beobachten. So kommt als Reaktion auf die Konfrontation mit der tierethischen Problematik dann zum Beispiel die Aussage, dass man nur „ganz wenig“ Fleisch essen würde, oder „nur bio“, oder „nur vom Metzger des Vertrauens“. Falls dies nicht der Wahrheit entspricht, handelt es sich um Verleugnung. Man belügt sich und andere (ohne sich dessen bewusst zu sein), um das eigene Über-Ich zu besänftigen, und die drohende Destabilisierung des psychischen Gleichgewichts schnell und effizient abzuwenden.

Verdrängung, Projektion, und Verleugnung sind nur drei Abwehrmechanismen unter anderen, die in diesem Kontext auftreten. Wenn ein Mensch in einer derartigen Situation einen unreifen Mechanismus anwendet, heißt das nicht, dass diese Person ein niedrigeres Strukturniveau hat. Es kann einfach bedeuten, dass die Über-Ich-Aktivierung derartig überfordernd ist, dass auch zugunsten der Realitätswahrnehmung abgewehrt wird.

Du sagst also, es sei dem gesunden, starken Ich der Menschen geschuldet, dass wenige Menschen ihr Verhalten hin zu einem pflanzlichen Lebensstil ändern können?

Das ist eine mögliche Theorie, ja.

Warum wehrt das Ich der meisten Menschen tierethische Argumente so effizient ab?

Weil der Sprung Fleischesser*in – Veganer*in zu groß sein kann. Es handelt sich um eine (Über-Ich-)Überforderung, die hier und jetzt nicht zu bewältigen ist, deshalb muss sie abgewehrt werden. Veränderung und moralische Entwicklung passieren schrittweise, sie müssen organisch wachsen. Nur in Krisen ist der Mensch durchlässiger und kann dadurch mit Entwicklungsschüben aus ihnen hervorgehen.

Es gibt aber schon immer wieder Menschen, die sich aufgrund von aktivistischer Konfrontation oder durch eine Dokumentation oder einen Vortrag sofort entscheiden, kein Fleisch mehr zu essen oder vegan zu leben. Wie funktioniert das?

Einerseits kann es sein, dass die betreffende Person zu dem Zeitpunkt einfach bereit war, sich zu verändern. Man kann sich die moralische Entwicklung auch wie ein Fass vorstellen, es kommt immer wieder ein Tropfen dazu, ein veganer Freund hier, eine aktivistische Aktion da, eine Dokumentation dort, und irgendwann kann sich das Über-Ich durchsetzen, weil das Ich es vermehrt zulässt, und das Fass läuft über. Andererseits sind die Menschen auch oft sehr schockiert, besonders, wenn sie sich für die Inhalte öffnen. Ich habe selbst auch schon Vorträge gemacht, nach denen im Anschluss mehrere Leute im Publikum weinend meinten, sie werden sich ab jetzt vegetarisch/vegan ernähren, einfach weil die Videoaufnahmen von Schweinen, die in CO2-Gondeln erstickend um ihr Leben schreien, kaum zu ertragen sind. In der vorübergehenden psychischen Destabilisation aufgrund des Schocks beziehungsweise der Betroffenheit ist der Mensch aufgewühlt, die Psyche in Bewegung, das Über-Ich wird angehört und kann sich durchsetzen.*

Kann man als erwachsener Mensch irgendwie beeinflussen, welche Abwehrmechanismen das eigene Ich anwendet?

Ja, durchaus. Therapeut*innen, die psychoanalytisch arbeiten, sehen es auch als ihr Behandlungsziel an, eine Entwicklung hin zur Dominanz reiferer Abwehrmechanismen zu fördern (falls diese nicht bereits gegeben ist), weil dies damit einhergeht, dass die Beziehungsfähigkeit und die Wahrnehmungsfähigkeit im Innen und Außen der Patient*innen verbessert wird. Eine therapeutische Beziehung kann Defizite in der Struktur, die in der Kindheit begründet sind, nachnähren und ausgleichen. Auch deswegen ist Psychotherapie wirksam, was die Behandlung von psychischen Erkrankungen und die Förderung der persönlichen Weiterentwicklung anbelangt.

Wenn die Funktionalität der gesunden menschlichen Psyche der moralischen Weiterentwicklung derartig massiv im Wege steht, wie kann Letztere dann gesellschaftlich stattfinden?

Wenn man die historische Entwicklung der Menschheit betrachtet, wird klar, dass es oft auch auf gesellschaftlicher, internationaler Ebene große Krisen und Erschütterungen sind, die Veränderung und Fortschritt ermöglichen. So ist die UN-Menschenrechtskonvention nach dem Horror des 2. Weltkriegs verabschiedet worden. Sie wurde teuer erkauft. Es ist fraglich, ob wir diese ohne die Krise zuvor jetzt hätten.

Die Abschaffung der Sklaverei wurde entscheidend dadurch möglich, dass die Dampfmaschine erfunden wurde, die das gleiche Ergebnis brachte, ohne, dass man Menschen versklaven musste. Auch damals gab es eine Minderheit von Menschen, die nur Produkte kauften, die nicht von Sklaven produziert wurden, aber die Mehrheit der Menschen, die davon profitierten, stellten sich nicht dagegen. Nur eine Minderheit war in der Lage, „gegen den Strom“ zu schwimmen, und sich für die ethisch bessere Handlung zu entscheiden.

Was die Beendigung der Ausbeutung von Tieren angeht, werden kultivierte Tierprodukte eine große Chance darstellen. Es handelt sich dabei um Tierprodukte, die durch Zellvermehrung in einem technischen Verfahren hergestellt werden. Dazu muss kein Tier mehr geschlachtet werden. Diese werden voraussichtlich jene Tierprodukte, so wie wir sie jetzt kennen, vom Markt verdrängen, weil sie günstiger sein werden. Wenn Menschen nicht mehr selbst in die gesellschaftlich sanktionierte Tierausbeutung verwickelt sind, wird es für sie deutlich leichter, diese kritisch zu betrachten, und die moralische Katastrophe sowie das enorme Leid, das mit ihr einhergeht, zu begreifen, und die eigene Beteiligung daran zu beenden.

Vielen Dank für das Interview und deine Ausführungen! Wir sind gespannt, was die Zukunft bringt!

 

Habt ihr Wünsche und Ideen zu Themen aus den Bereichen Tierethik, Philosophie, mentaler Gesundheit und gesellschaftlicher Wandel für Doris? Oder Fragen, die ihr gerne von einer Expertin beantwortet hättet? Postet eure Inputs, Vorschläge und Fragen gerne zum Thema als Kommentar zu diesem Artikel!

 

*Vergleiche zum Beispiel die Reaktionen des Publikums auf den Dokumentarfilm Dominion („Vegan ist ungesund“, veröffentlicht am 02.08.2018): https://youtu.be/ws2vm43EXBk?t=337

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Willkommen im Team, Doris!

Ich freue mich sehr, ein neues Teammitglied bei uns begrüssen zu dürfen! Doris wird sich zukünftig als Expertin bei The bird’s new nest den Themen Tierethik, Philosophie, mentaler Gesundheit und…

Ich freue mich sehr, ein neues Teammitglied bei uns begrüssen zu dürfen! Doris wird sich zukünftig als Expertin bei The bird’s new nest den Themen Tierethik, Philosophie, mentaler Gesundheit und gesellschaftlicher Wandel widmen.

Doris Schneeberger hat Philosophie sowie Amerikanistik und Anglistik an der Universität Salzburg studiert und dort auch ihre philosophische Dissertation über mögliche zukünftige UN-Tierrechtskonventionen verfasst. Forschungsaufenthalte haben sie zur Georgetown University in Washington D.C. und an die Princeton University geführt. Aktuell forscht sie im Doktoratsstudium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zum Thema Protein Shift/Alternative Proteins/In-Vitro-Tierprodukte. Des weiteren ist Doris psychoanalytisch orientierte Psychotherapeutin in Ausbildung und organisiert nach Berliner Vorbild das Vienna Veggie Homeless Cooking.

Als Tierethikerin beschäftigt sich Doris mit den moralischen Fragen, die sich aus dem menschlichen Umgang mit Tieren ergeben. Hierbei stehen insbesondere Fragen nach der Legitimität der Nutzung von Tieren für menschliche Interessen im Mittelpunkt. Da Tiere einander wie Menschen durchaus Schmerzen zufügen bzw. einander verzehren und verdrängen, berühren Fragen der Tier- bzw. Bioethik auch Fragen nach der Menschen und anderen lebenden Wesen zugestandenen Rolle innerhalb der Welt.

Habt ihr Wünsche und Ideen zu konkreten Themen aus den Bereichen Tierethik, Philosophie, mentaler Gesundheit und gesellschaftlicher Wandel für Doris? Oder Fragen, die ihr gerne von einer Expertin beantwortet hättet? Postet eure Inputs, Vorschläge und Fragen zum Thema als Kommentar zu diesem Artikel!

Willkommen im Team, Doris!

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Von unten – Comic über Arbeit und Punk in Schweden

„Von unten“ ist ein autobiographischer Comic (200 Seiten, erschienen 2019 im avant-verlag) aus der Hochburg der feministischen Comicszene in Schweden. Daria Bogdanska berichtet darin von Krisen in den Zwanzigern junger…

Von unten“ ist ein autobiographischer Comic (200 Seiten, erschienen 2019 im avant-verlag) aus der Hochburg der feministischen Comicszene in Schweden. Daria Bogdanska berichtet darin von Krisen in den Zwanzigern junger Leute, aber vor allem von prekären Arbeitsverhältnissen in Schweden, insbesondere für MigrantInnen. Vieles davon hat sie selbst erlebt, kann also sehr authentisch von ihrem sehr holprigen und frustrierenden Anfang in Malmö berichten.

Zu Beginn reist sie von Warschau nach Schweden, um die Kunsthochschule besuchen zu können. Doch so einfach ist das alles nicht… Um sich finanziell über Wasser zu halten, geht die junge Frau auf Jobsuche. Leichter gesagt als getan.

Sie erlebt die Bandbreite an Schwierigkeiten der Arbeitssuchen und der Ausbeutung von Arbeitskräften: Einmal stehen große bürokratische Hürden im Weg, um überhaupt eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, ein andermal wird ihr der Lohn nicht ausgezahlt. Schließlich gerät sie durch Bekannte an einen vertrauenserweckenden Ladenbesitzer eines indischen Restaurants, wo sie zu jobben beginnt.

Es sind nicht nur sprachliche Barrieren, die Daria dort bewältigen muss. Sehr schnell erfährt sie auch, dass keinerlei Transparenz oder Klarheit bezüglich der Löhne, aber auch den Arbeitsbedingungen herrscht. Ihr wird klar, dass sie in ein Raster aus strukturellem Rassismus hineingeraten ist. Sie erlebt ein unausgesprochenes Klassensystem, in dem sich der Lohn nach der Herkunft der Mitarbeitenden richtet und in dem es keine Arbeitsverträge gibt.

Doch da sind auch gute Momente, sie lernt schnell Menschen auf ihrer Wellenlänge kennen und wird immer wieder von Freunden unterstützt. Sie bekommt Zugang zur Musik- und Punkszene. Sie realisiert, dass die Schere zwischen arm und reich besonders gravierend ist: „Manche müssen arbeiten, damit andere feiern können“. Auch wenn sie in einer Art „Multikulti-Subkultur-Linke-Hipster-Blase“ lebt, empfindet sie sich feststeckend in einem System einer modernen Sklaverei.

Wie viele in ihrem Alter leidet sie unter der ständigen Unsicherheit der Zustände, ihr Wunsch nach mehr Sicherheit und weniger provisorischer Lebensumstände wächst. Sie tritt einer Gewerkschaft bei, um sich über ihre Arbeitsrechte zu informieren. Schwarzarbeit ist in Malmö keine Seltenheit. Sie wird aktiv und sammelt Informationen, ohne dass es ihr Chef erfährt, trifft sich mit einer Reporterin und versucht etwas an der prekären Lage zu ändern.

Es macht alles nicht besser, dass sie auch noch emotionale Zerrissenheit spürt, da ihr Freund noch zuhause ist, sie sich aber in einen Musiker in Malmö verliebt. Aber Daria ist fest entschlossen, etwas am real existierenden Hamsterrad der Ausbeutung zu ändern. Wie ihr das gelingt könnt ihr in diesem spannenden und sehr realitätsnahen Comic nachlesen!

Die grafische Gestaltung ist in ihrer Einfachheit sehr ansprechend, einen Einblick in den Grafik-Stil und den Comic bekommt ihr in dieser Leseprobe von „Von unten“.

Vielen Dank an den avant-verlag für das Rezensionsexemplar!

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Mein Wort für 2020 ist…

2020 ist gestartet und ich bin voller Vorfreude, Vorsätze und Ideen für das aktuelle Jahr. Das klingt zwar toll – und fühlt sich auch so an – aber wenn das…

2020 ist gestartet und ich bin voller Vorfreude, Vorsätze und Ideen für das aktuelle Jahr. Das klingt zwar toll – und fühlt sich auch so an – aber wenn das Jahr so richtig ins Laufen kommt, wird das Einhalten der Vorsätze und die Prioritätensetzung zwischen privaten und beruflichen Zielen definitiv eine Herausforderung. Deshalb möchte ich wie in den letzten drei Jahren mein „Wort des Jahres“ definieren um so den Fokus auf das für mich Wesentliche nicht zu verlieren.

Weil ich damit so gute Erfahrungen gemacht habe, möchte ich auch euch ans Herz legen, euer Wort für 2020 zu bestimmen. Lasst uns also gemeinsam unseren Grundstein für das neue Jahr legen!

Unser Wort für 2020

Wählen wir also ein Wort, unser Wort für das Jahr 2020! Ein Wort, das wir für das gesamte restliche Jahr als unseren Fokus nehmen können. Ein Wort, das verkörpert, was uns in diesem Jahr besonders wichtig ist. Achtsamkeit, Zufriedenheit, Selbstliebe, Leidenschaft, Zielstrebigkeit – wählt ein Wort, das sich für euch richtig und stimmig anfühlt. Wann immer ihr euch nun im Laufe des Jahres ziellos oder verloren fühlt, wenn es euch schwer fällt, Prioritäten zu setzen oder Entscheidungen zu treffen, ruft euch euer Wort für dieses Jahr in Erinnerung. Was wären die nächsten Schritte in diese Richtung? Welche Aufgaben führen euch dorthin? Welche Entscheidungen lassen sich mit eurem Wort mehr vereinbaren als andere? Euer Wort wird euch helfen, den Fokus nicht zu verlieren und euch Orientierung bieten, wenn es schwer fällt, den Überblick zu behalten.

Wenn ihr Lust habt, notiert euch euer Wort auf einem Post-It und klebt es an euren Monitor. Oder zaubert in einem Grafikprogramm ein Bild um es an die Wand zu hängen. Packt eure Malutensilien aus – der Fantasie sind wie immer keine Grenzen gesetzt!

Eure Fragen für 2020

Alle, die sich mit ihrem Wort für 2020 noch näher befassen wollen, können sich diese vier Fragen stellen. Nehmt euch Zeit, eure Antworten in Ruhe zu überlegen und schreibt sie am besten nieder.

1. Was bedeutet dein Wort für dich? Welche Gefühle, Bilder und Assoziationen ruft es hervor? Lass deinen Gedanken und Gefühlen freien Lauf, egal was auftaucht, alles ist erlaubt.
2. Warum ist dein Wort wichtig für dich? Wenn dein Wort der Hauptfokus in deinem Leben wäre, was würde sich ändern?
3. Wie kannst du dein Wort in dein Leben einbauen, egal ob täglich, wöchentlich oder monatlich. Wie würde das aussehen?
4. Wie kannst du sicherstellen, dass all das tatsächlich passiert? Welche Unterstützung brauchst du, um all dies Schritt für Schritt umzusetzen?

Was ist euer Wort für 2020?

Rückblickend finde ich es spannend, mir die Worte der letzten Jahre ins Gedächtnis zu rufen. 2017 war es „Ganzheit“, 2018 „Innerer Frieden“ und im letzten Jahr „Freiheit“. Die „Ganzheit“ in 2017 bezog sich auf mein starkes Bedürfnis, mich ganz zu fühlen. Vor allem in den Momenten, wo man sich hektisch und zerrissen fühlt, wo man vor lauter Aufgaben gar nicht weiß, wo zuerst beginnen, einen vielleicht auch das Gefühl überkommt, „das alles nicht zu schaffen“. So konnte ich mich daran erinnern, dass ich nicht zuerst etwas tun oder erreichen muss, um mich ganz zu fühlen. Dass der Augenblick und das Empfinden ganz und vollständig im Jetzt zu sein das wichtigste ist und nicht der ständige Fokus auf Dinge, die im Außen stattfinden. Jedes Mal, wenn ich mir das Wort in Erinnerung gerufen habe, war ich sofort ruhiger und entspannter und ich konnte mich so schnell wieder darauf besinnen, was mir wirklich wichtig ist.

„Innerer Frieden“ in 2018 war für mich eine Weiterentwicklung der „Ganzheit“, denn auch der Wunsch nach Ganzheit war letztlich der Wunsch nach innerem Frieden und Gelassenheit. Das Wissen um diesen Fokus ließ mich auch meine anderen Ziele und Vorsätze einfacher umsetzen, denn Pläne wie täglich Yoga zu machen, meinen Besitz genauso wie meine mir selbst auferlegten To-Dos zu reduzieren hatten im Sinne des inneren Friedens einen gemeinsamen Fokus, der mir unglaublich wichtig ist.

Die „Freiheit“ des letzten Jahres bedeutete für mich aus Gewohntem auszubrechen, neue Wege zu gehen, eingefahrene Routinen zu hinterfragen. Sich frei zu fühlen von Erwartungen, die mir nicht dienen. Frei auch in Gedanken, den eigenen Vorstellungen mehr Raum zu geben, kreativ zu sein, out of the box zu denken. Sich die Freiheit zu nehmen, man selber zu sein. Mein Leben nach meinen Bedürfnissen auszurichten und nicht danach, was potenziell von mir erwartet werden würde. Das Wissen darum, wie wichtig mir meine Freiheit ist, hat mich einige grundlegende, lebensverändernde Entscheidungen treffen lassen, die mich sehr glücklich machen. Mir diese Freiheit zu nehmen, war unglaublich wertvoll für mich.

Im Wissen um meine vielen Projekte und Ideen für 2020 war mein Wort des Jahres sehr schnell gefunden, denn es erschien wie ein Bedürfnis danach in meinem Kopf. „Fokus“ ist für mich in 2020 wesentlich, damit ich meine vielen Pläne nicht nur eilig abarbeite, sondern mich bewusst auf das was mir wichtig ist zu fokussieren. Achtsamkeit und Konzentration spielen hier natürlich eine Rolle, aber auch Prioritätensetzung und gute Planung, damit Vorsätze wie tägliches Yoga und Meditation – was ich übrigens jedem mehr als empfehlen kann, es tut unglaublich gut – auch ihren Platz in meinem gut gefüllten Zeitplan bekommen. Und zu guter Letzt soll mir mein „Fokus“ auch helfen, mich an das Ziel dahinter zu erinnern, wenn der Weg dorthin manchmal etwas steinig sein mag um mir zu helfen durchzuhalten und mich nicht in Vermeidungsstrategien zu verlieren. Procrastination anyone?

Das Finden meines Wortes hat sich jedes Jahr sehr stärkend angefühlt, deshalb möchte ich euch allen nochmals ans Herz legen, euch euer Wort für 2020 zu suchen – es könnte euer Leben sehr zum Positiven verändern.

Was ist euer Wort für 2020? Wie haben euch eure Worte der letzten Jahre geholfen? Teilt eure Worte, Erfahrungen und Tipps gerne in den Kommentaren!

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7 Jahre The bird’s new nest!

Die Sieben ist für viele Menschen eine magische Zahl – für mich fühlt es sich auf jeden Fall magisch an, wenn ich darüber schreibe, dass The bird’s new nest nun…

Die Sieben ist für viele Menschen eine magische Zahl – für mich fühlt es sich auf jeden Fall magisch an, wenn ich darüber schreibe, dass The bird’s new nest nun schon seit sieben Jahren existiert. Los ging es am 1. Januar 2013 mit einer Facebook-Seite, am 1. Januar 2014 ging The bird’s new nest als Online-Magazin an den Start.

Seitdem hat sich viel getan, hinter den Kulissen des Vogelnests hat sich eine Werbeagentur – Die BR-Agentur – entwickelt, ich und in Folge das Vogelnest wurden komplett vegan, es gab einen umfassenden Relaunch mit neuem Design und unser Adventskalender hält uns jedes Jahr von neuem auf Trab. Abgesehen von diesen Highlights habe ich Unmengen spannender Menschen kennen gelernt, konnte vieles ausprobieren und lernen und mich und The bird’s new nest sieben Jahre lang weiter entwickeln.

Ein kurzer Blick zurück in Zahlen soll an dieser Stelle auch nicht fehlen! Seit dem Start von The bird’s new nest als Online-Magazin haben uns rund 900.000 Menschen besucht und uns so fast zwei Millionen Klicks beschert. Über zwei Drittel unserer LeserInnen kommen aus Deutschland, ein Fünftel aus Österreich und der Rest aus der Schweiz und anderen Ländern. Lesen könnt ihr bei uns rund 900 Artikel von an die 100 AutorInnen zu allen Bereichen rund um das Thema Nachhaltigkeit.

Das verflixte siebte Jahr

Ob es nun das aus Beziehungskrisen bekannte verflixte siebte Jahr war oder auch einfach nur ein Tief, das unweigerlich irgendwann eintritt – zu Beginn diesen Jahres ließ meine Motivation und Inspiration zu wünschen übrig. Dann begann die Arbeit am The bird’s new nest Adventskalender 2019 und das enorme Interesse, die Unmengen an BesucherInnen und TeilnehmerInnen sowie das extrem positive Feedback haben mir so unglaublich viel Energie gegeben, dass ich voller Vorfreude auf 2020 in das neue Vogelnest-Jahr starte.

Ideen, Pläne und Co.

Das bedeutet auch, dass ich viele der Ideen und Pläne für The bird’s new nest wieder verstärkt verfolgen möchte. So werden in Kürze neue Experten zu diversen Nachhaltigkeits-Themen zu uns stoßen und ich möchte mich wieder der vielen Themen annehmen, die auf meiner To-Write-About-Liste schon viel zu lange auf einen Artikel warten. All zu viel möchte ich mir für das neue Jahr aber nicht vornehmen, einerseits um flexibel zu bleiben, andererseits weil ein sehr großes Projekt ansteht, in dem auch The bird’s new nest eine Rolle spielen wird.

Was bringt 2020?

Neben dem eben schon Erwähnten wartet ein riesiges Projekt auf mich, das im Februar diesen Jahres starten soll. Aufgrund der Größe wird es aber frühestens im Oktober soweit sein, es der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Nachdem hier auch The bird’s new nest mit von der Partie sein wird, werdet ihr einerseits mit Sicherheit davon hören, andererseits wird es die eine oder andere Änderung mit sich bringen – Konkretes wird sich aber erst im Laufe des Projekts zeigen. Ich freue mich auf jeden Fall sehr darauf, es passt nicht nur perfekt zu mir, sondern auch zum Vogelnest und ist ein weiterer Grund für meine Motivation im neuen Jahr.

Nichts verpassen!

Wenn ihr regelmäßig Artikelvorschläge präsentiert bekommen, keines unserer Give-Aways verpassen und über alle Neuigkeiten im Nest informiert sein wollt, ist unser Newsletter das Richtige für euch. Schließt euch den über 11.000 Empfängern unserer Newsletter-Familie an und bekommt einmal die Woche Post von mir – oft auch mit sehr persönlichen Worten.

Unsere neuen Beiträge sowie weitere News und Informationen zum Thema Nachhaltigkeit findet ihr auf unserer Facebook-Seite. Auf Instagram hingegen gibt es nicht nur Infos zu den neuesten Artikeln, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen und mehr Privates von mir. Auf Pinterest und unserem Twitter-Account findet ihr ab sofort wieder – ganz straight forward – unsere neuesten Beiträge.

Vielen lieben Dank an alle LeserInnen, AutorInnen und alle anderen, die The bird’s new nest in der einen oder anderen Form unterstützt haben! Es waren wunderbare sieben Jahre und gerade jetzt, wo das Thema Nachhaltigkeit (zurecht!) immer wichtiger wird, sollen noch viele weitere Jahre folgen.

Aber nun erstmal ab in ein weiteres Jahr!

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Unser erfolgreichstes Jahr: Rückblick auf 2019!

Das letzte Jahr ist wie im Flug vergangen, was fast dazu verleiten kann, im gleichen Tempo ins neue Jahr zu stürmen. Doch empfiehlt sich ein Innehalten und Reflektieren und auf…

Das letzte Jahr ist wie im Flug vergangen, was fast dazu verleiten kann, im gleichen Tempo ins neue Jahr zu stürmen. Doch empfiehlt sich ein Innehalten und Reflektieren und auf einmal kommt die Erkenntnis, dass 2019 unser bis jetzt erfolgreichstes Jahr war. Erfolg, das ist natürlich ein relativer Begriff, deshalb erlaube ich mir, im folgenden ein wenig auszuholen.

Traffic, Besucher, Klicks

2019 war für The bird’s new nest eines der stärksten Jahre seit unserem Start vor sieben Jahren. In Zahlen sind das fast 360.000 Klicks von rund 200.000 BesucherInnen in den letzten zwölf Monaten. Zum Vergleich: Im ersten Jahr unseres Bestehens als Online-Magazin haben über 80.000 Personen auf The bird’s new nest gelesen und uns um die 250.000 Mal angeklickt. 2019 waren es also zweieinhalb Mal mehr LeserInnen und über 100.000 Klicks mehr.

Das freut mich insofern sehr, da im ersten Jahr noch Vollzeit an The bird’s new nest gearbeitet wurde, nun aber mit unserer Agentur Die BR-Agentur und unserem Engagement bei Friendly weniger Zeit über bleibt, um sich dem Vogelnest zu widmen.

Highlight 2019: Der The bird’s new nest Adventskalender

Unser Adventskalender ist nach vier Jahren mittlerweile ein fixer Bestandteil von The bird’s new nest. Der The bird’s new nest Adventskalender 2019 war insofern ein Highlight, da es der meistbesuchte Kalender bis dato war – kein Wunder bei der fantastischen Auswahl an veganen und nachhaltigen Gewinnen, die hinter allen Türchen versteckt waren. Für mich ein eindeutiges Zeichen, dass sich die monatelange Arbeit am Kalender lohnt. So viel Energie und Zeit auch in den Kalender fließen mag, macht es unglaublich viel Spaß, an ihm zu arbeiten. Ich freue mich tatsächlich schon sehr auf die fünfte Auflage im nächsten Jahr.

Meistgelesen in 2019

Unser beliebtester Artikel, der in diesem Jahr veröffentlicht wurde, war Essen retten, Müll reduzieren: Was ist foodsharing und wie funktioniert es?, gefolgt von Der wahre Fashion Victim: Wie unsere Kleidung die Umwelt zerstört. Auf dem dritten Platz findet sich der vieldiskutierte Beitrag Ich lebe vegan, bin ich extrem?. Zu Lesen gibt es bei uns natürlich um einiges mehr: An die 900 Artikel zu allen Themen rund um Nachhaltigkeit sind zur Zeit online – und es werden laufend mehr!

Social Media im Vogelnest

Auf unserer Facebook-Seite haben wir im letzten Jahr 13.000 Likes erreicht, auf Instagram 3.500 Follower. Vertreten sind wir auch auf Twitter und Pinterest, die im letzten Jahr etwas stiefmütterlich behandelt wurden – das wird sich im neuen Jahr wieder ändern!

Zum Abschluss möchte ich ein riesiges Dankeschön an die rund 200.000 LeserInnen schicken, die uns in diesem Jahr besucht, geliked, kommentiert oder The bird’s new nest auf anderen Wegen unterstützt haben. Ein genauso großer Dank geht an alle AutorInnen und GastautorInnen, die mit Leidenschaft für ein nachhaltiges Leben Artikel verfasst haben, sowie an alle, die hinter den Kulissen mitgeholfen haben, sei es fotografisch, technisch oder auf andere Weise. Vielen, vielen lieben Dank!

Auf ein weiteres gemeinsames Jahr im Vogelnest!

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Debüt zum Nachdenken: „Die unverhoffte Genesung der Schildkröte“

Wahrheit oder Intrige? Diese beiden Stichworte lassen auf eine spannende Geschichte hoffen. Schon das Thema Wahrheit an sich ist in Zeiten von Fake News und Skandalen wie dem Fall Claas…

Wahrheit oder Intrige? Diese beiden Stichworte lassen auf eine spannende Geschichte hoffen. Schon das Thema Wahrheit an sich ist in Zeiten von Fake News und Skandalen wie dem Fall Claas Relotius ein vielschichtiges Konstrukt. Der aus Stuttgart stammende Autor Marc Bensch hat sich in seinem Debüt-Roman „Die unverhoffte Genesung der Schildkröte“ somit ein komplexes Thema vorgenommen. Lasst uns in die Geschichte eintauchen und merkt euch gut, wer wer ist, in diesem oftmals verwirrenden Spiel rund um Identität, Wahrheit und Selbstbestimmung.

Die durchgehend männlichen Protagonisten haben neben ihren Namen auch verkürzte Bezeichnungen: der Schnüffler, der Lächler, der Schmierfink, der Intrigant. Wir machen Bekanntschaft mit einem gesichtsgelähmten Herr von Kornweg, der von den Ärzten aufgegeben wurde, er muss sich nun mit einem Dauerlächeln abfinden. Dann der Intrigant mit falschem Namen, der sich in eine Firma einschleicht, um sich zu rächen; der sein ganz eigenes Spiel mit den MitarbeiterInnen spielt. Außerdem ist da noch der sehr von sich selbst überzeugte Journalist Paul Gram, der sich die prekärsten Stories eigentlich nur ausdenkt und mit der Wahrheit spielt, und nicht ahnt wie nah er an diese herankommt. Zuletzt haben wir noch einen vom Leben enttäuschten Privatdetektiv, der stets eine mehr oder weniger stark schwelende Rebellion gegen seinen Vater, einem reichen Firmenboss, führt.

Und dann ist da noch der Erzähler der Geschichte, der sich schon von Beginn an unvermittelt an uns als Lesende wendet. Der Erzähler gibt vorerst nur hier und da einen Kommentar ab, doch je tiefer wir in die Geschichte eintauchen, desto persönlicher wird dieser und zieht uns immer mehr in die Geschehnisse hinein. Wir denken mehr über die Charaktere nach, welchen Eindruck sie auf uns machen und erfahren immer mehr, wie alle miteinander verknüpft sind.

Der Autor zeichnet die Entwicklungen der Protagonisten durch das punktuelle Einflechten ihrer Vorgeschichte ziemlich genau nach. Wir können somit Beweggründe besser verstehen, können uns auch ein wenig mit ihnen identifizieren, obwohl sie sonst eher negativ dargestellt sind – zumindest in meinen Augen. Jeder der Charaktere verfolgt sein eigenes, meist egoistisches Interesse, jeder bringt eher unsympathische Wesenszüge mit, aber doch erscheinen die Personen menschlich, nachvollziehbarer in ihren Handlungen, indem wir ihre persönliche Wahrheit kennen.

Dann wird es schwieriger, der Handlung zu folgen, es mischen sich gefälschte Namen, Intrigen, gegenseitiges Aushorchen und wechselseitige Interessen wild durcheinander. Das Verwechselspiel nimmt seinen Lauf. Bis sich plötzlich der Erzähler wieder meldet, nachdem ein geheimes Treffen – durch mehrere der vier Personen arrangiert – völlig aus dem Ruder läuft. Er bittet uns um Hilfe, eben weil sich einige der Charaktere nun völlig ungeplant verhalten und er die Kontrolle über sie verloren hat. Lest selbst, wie es für die Protagonisten weitergeht, nachdem sie völlig den Boden unter den Füßen verloren haben und welche Auswirkungen es hat, wenn man sich fragen muss, ob man der aktive Gestalter seines Lebens ist oder nur begrenzt Möglichkeiten hat, dieses zu verändern…

Meiner Meinung nach wurde das Buch erst so richtig spannend, als die vier Protagonisten zunächst verloren schienen. Als die ganzen Intrigen ans Licht kommen und sich die Geschichte zu einer Art Krimi entwickelt. Mir fiel es längere Zeit schwer, die Personen auseinander zu halten, weil sie für mich alle sehr ähnlich wirkten. Stellenweise waren mir die Geschehnisse auch dadurch zu verwirrend – was auch einen Teil der Dynamik des Buches ausmacht. Das Ende ist nicht ganz so einfach zu verstehen, es bleiben definitiv Fragen offen.

Bild: Verena

Letztendlich zeigt dieses Erstlingswerk aber, dass wir unsere Wahrheit in großen Teilen selbst erschaffen. Das kann zum einen erschreckend sein, zum anderen sieht jeder von uns die Welt anders. Dies kann man, anders als die Protagonisten, auch kreativ und zum gemeinsamen Nutzen einsetzen. Es zeigt aber auch, wie unmöglich es ist, eine ultimative Wahrheit zu finden. „Die unverhoffte Genesung der Schildkröte“ ist ein ungewöhnlicher und besonderer Debütroman, der zum Nachdenken anregt und definitiv in Erinnerung bleibt.

Vielen Dank an Marc und den Carpathia Verlag für das Rezensionsexemplar!

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KUNST HALLT NACH: Schau dir diese Vulva an!

Faltig und kraftvoll befreit sich das weibliche Genital von patriarchalen Bewertungsstrategien. Ein Festival für die Vulva. Berühmteste Vulva der Kunstgeschichte Die wohl berühmteste Vulva der Kunstgeschichte hinterließ Maler Gustave Courbet…

Faltig und kraftvoll befreit sich das weibliche Genital von patriarchalen Bewertungsstrategien. Ein Festival für die Vulva.

Berühmteste Vulva der Kunstgeschichte

Die wohl berühmteste Vulva der Kunstgeschichte hinterließ Maler Gustave Courbet im Werk „Der Ursprung der Welt“. Er, der männliche Künstler, eröffnet den geschockten Betrachter*innen von damals (s)einen Blick auf die intime Zone eines weiblichen Körpers. Zu sehen ist der Unterleib einer am Rücken liegenden, nackten Frau. Der seitlich abgelegte Schenkel eröffnet den Blick auf die dunkel behaarte Vulva. Die äußeren Vulvalippen (1) sind leicht gerötet, der kleine Spalt lässt das Innenliegende und eine zarte Erregung erahnen. Skandalös im Jahr 1866.

Gut 150 Jahre später – weniger skandalös, aber durchaus provokativ – widmet die Galerie „Die Schöne“ der Vulva ein eigenes Festival: Das Vulva Festival „Look at this Vulva! Ein unverschämter Blick“.

Im Fokus der Gruppenausstellung steht nicht der männliche, häufig sexualisierende Blick, sondern die Auseinandersetzung mit dieser omnipräsenten und dennoch tabuisierten Körperzone der Frau*. Grafisch abgebildet, bildhauerisch geformt, wortreich besprochen, interessiert betrachtet oder ganz konkret in künstlerische Aktionen mit einbezogen.

Olja Grubic, Flower Bouquet, Foto: Jacqueline Korber

Vulvische Eröffnung

Sie steckte sich eine kleine Kunststoffvase in die Vagina und arrangierte darin einen Blumenstrauß. Mit der Performance Flower Bouquet eröffnete die Künstlerin Olja Grubic das Vulva Festival.

Mit nacktem, nach oben gestreckten Unterleib und geöffneten Beinen lag die Künstlerin am Rücken, ihre Füße stützte sie an einem Fensterbrett ab. Nachdem sie in ihre Vagina ein kleines Gefäß einführte, steckte sie nach und nach Grashalme und eine rote Orchidee hinein. Sie arrangierte einen Blumenstrauß und band einen kleine Masche um die Stängel, womit der Vorgang abgeschlossen war. Danach hob sie den Blumenstrauß aus der kleinen Kunststoffvase und entfernte auch diese selbst aus der Körperöffnung zwischen ihren Schenkeln. Grubic verbeugte sich und übergab den Blumenstrauß an die Veranstalterin Nina Fountedakis.

Olja Grubic, Flower Bouquet, Foto: Jacqueline Korber

Grubics Performance erinnert daran, dass der weibliche Unterleib ein Ort ist, an dem Neues entsteht, die Vagina eine Verbindung zwischen Außen und Innen schafft. In ihren Zeichnungen still life zeigt die Künstlerin grafisch minimalistisch dargestellte Vulven in schwarz weiß, die fleischlich und lebendig wirken. Nicht nur klassisch phallische Obst und Gemüsesorten, wie Bananen oder Gurken stecken in den Vaginas, auch Wassermelonenstücke oder mehrere Karotten gleichzeitig.

Olja Grubic, Still Life, Foto: Jacqueline Korber

Zwischen Klitoris und Penis

Stefanie Grübls Kleinplastiken zeigen „realistisch geformte Genitalmodelle aus Gips-Modelliermasse“. In den bunten Objekten, lässt die Künstlerin Grauzonen kategorischer Geschlechterdefinition plastisch in Erscheinung treten. Ihre plastischen Darstellungen von „vielfältige Vulven, erigierte und nicht-erigierte Penisse sowie intergeschlechtlichen Genitalien“ dienen auch als Anschaungsmaterialien in der sexualpädagogischen Arbeit.

Vielfältige Vulven und Penisse

Stefanie Grübl, Vielma, Foto: Jacqueline Korber

„Vielfalt sicht- und begreifbar machen“ lautet das Motto von vielma. In der Galerie der Schöne zeigte Grübl auch einen Vulva, die sich aufgrund der Geburt eines Kindes verändert hat. Auf dem Zettelchen beschreibt sie in klassischer wissenschaftlicher Manier, was das Modell zeigt: Vulvamodell mit Dammnaht (Darstellung einer Geburtsverletzung) / VULVA with PERINEAL SUTURE.

Vulvamodell

Stefanie Grübl, Vielma, Vulva mit Dammnaht, Foto: Jacqueline Korber

Vulva Vulva an der Wand

Wie vielfältig Frau-Sein aussehen kann, zeigt Jacqueline Korber im Werk Ich bin nicht so schön wie du, ich bin so schön wie ich. Die Installation aus schwarz/weiß Fotografien zeigt nackte Frauenkörper unterschiedlichen Alters und in verschiedenen Formen. „Das Vergleichen und Bewerten führt hier nicht zur Abwertung des eigenen oder anderen, sondern zur liebevollen Wertschätzung von beidem.“(2) An unsichtbaren Fäden hingen je zwei aneinander geklebte Fotografien von der Decke der Galerie und drehten sich in den Luftzügen, die von Bewegungen der Betrachter*innen erzeugt wurden.

Jacqueline Korber, ich bin nicht so schön wie du, ich bin so schön wie ich, Foto: Jacqueline Korber

Zwischen den weißen Pobackenabdrücken funkelt ein goldener Vulvaabdruck. „Mit ihren Fingern strich sie die goldene Farbe auf ihre Vulvalippen und setzte sich aufs Leinen“, erzählt Jacqueline Korber über die Entstehung des Werks Footprints of Joy „die Farbe Gold steht für Wertvolles und besonders Ehrwürdiges“.

Jacqueline Korber, Footprints of Joy, Foto: Jacqueline Korber

Soviel Vulva und kein Porno

Den Besucher*innen bot das Vulva Festival ein vielseitiges Programm zur wertschätzenden Auseinandersetzung mit dem weiblichen Genital. Kunst von zeitgenössischen Künstler*innen eröffneten neue Denk-, Sichtweisen und Wahrnehmungsweisen. Empowerment auf vielen Ebenen. Viva la Vulva!

Alle Infos zum Vulva-Festival 2019

Konzept und Organisation: Nina Fountedakis
25. – 29.6.2019 in der Galerie Die Schöne, Wien

(1) Es wird bewusst das Wort Vulvalippen anstatt „Schamlippen“ gebraucht. Zum Thema Viva la Vulva – Endlich Schluss mit Scham! sprach FRO-Redakteurin Astrid Dober  in der Radiosendung FROzine auf Radio FRO.

(2) Victoria Windtner, Texte zu den Werken im Portfolio Jacqueline Korber, 2019

(3) Weitere Kolumne zum Thema: Vulva Vulva! Das geniale Genital als Kunstobjekt gegen das Schubladen-Denken

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