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    Gewinnt 25 „Grundeinkommen“ im Wert von jeweils 12.000 Euro!

    In Zeiten immer höherer Arbeitslosenquoten, der Auslagerung von Tätigkeiten an Roboter und künstliche Intelligenz und nicht zuletzt Wirtschaftskrisen wie die jetzige durch Corona wird das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens verstärkt…

    In Zeiten immer höherer Arbeitslosenquoten, der Auslagerung von Tätigkeiten an Roboter und künstliche Intelligenz und nicht zuletzt Wirtschaftskrisen wie die jetzige durch Corona wird das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens verstärkt diskutiert. Aber worum handelt es sich bei einem Bedingungslosen Grundeinkommen überhaupt?

    Das Bedingungslose Grundeinkommen ist ein politisches Konzept, im Zuge dessen jeder monatlich eine finanzielle Zuwendung vom Staat erhält, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen oder Anforderungen erfüllen zu müssen. So soll Menschen unabhängig von ihrer Leistung am Arbeitsmarkt ein würdevolles Leben ermöglicht werden. Alleinerziehende, Menschen, die Angehörige pflegen oder Personen, die aufgrund gesundheitlicher Probleme keinen regulären Beruf ausüben können kann die Möglichkeit gegeben werden, über dem Existenzminimum zu leben. Dieses liegt in Deutschland übrigens bei 812 Euro pro Monat.

    Die Initiative Mein Grundeinkommen sammelt per Crowdfunding Geld für Bedingungslose Grundeinkommen. Immer wenn 12.000 Euro zusammen sind, werden sie an eine Person verlost. Mittlerweile haben so über 900 Personen ein Grundeinkommen von ein Jahr lang 1.000 Euro im Monat gewonnen. Am 29. September 2021 werden wieder 25 Grundeinkommen verlost – und zwar im Doppelpack! Das heißt, man nimmt nicht nur alleine an der Verlosung teil, sondern kann sich auch im Team in den Lostopf begeben. Wenn ein Team gewinnt, erhalten beide jeweils die betreffenden 12.000 Euro im Jahr.

    Was ich mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen dieser Art machen würde? Als Selbstständige wäre der finanzielle Druck nicht mehr ganz so groß, und ich könnte mich zusätzlich verstärkt um meine Familie kümmern.

    Mit diesem Link könnt ihr gemeinsam mit mir an der nächsten Verlosung am 29. September 2021 teilnehmen und so eure Chancen auf einen Gewinn erhöhen. Ich drücke uns die Daumen!

    Was würdet ihr mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen machen?

    148 Kommentare zu Gewinnt 25 „Grundeinkommen“ im Wert von jeweils 12.000 Euro!

    Vegane Kürbis-Brownies

    Zuerst eine kurze Vorstellung: Wir sind Kathi und Rudi von Kathie’s Cloud. Wir freuen uns sehr, heute das erste Rezept auf The bird’s new nest veröffentlichen zu dürfen. Passend zur…

    Zuerst eine kurze Vorstellung: Wir sind Kathi und Rudi von Kathie’s Cloud. Wir freuen uns sehr, heute das erste Rezept auf The bird’s new nest veröffentlichen zu dürfen. Passend zur Jahreszeit und unserer Vorliebe für Kürbis gibt es unsere veganen Kürbis-Brownies.

    Weil der Butternusskürbis schon sehr süß und saftig ist, kann bei Öl und Zucker etwas gespart werden. Die Zartbitterschokolade, welche die Brownies so richtig schmackhaft macht, ist normalerweise vegan. Wenn ihr euch nicht sicher seid, überprüft das einfach anhand der Inhaltsstoffe.

    Kürbis Brownies vegan

    Zutaten für rund 16 bis 20 Stück:

    150 g glattes Bio-Mehl
    200 ml Bio-Pflanzenmilch (z.B. Soja-, Hafer- oder Mandelmilch)
    200 g dunkle Bio-Schokolade (mindestens 70 % Kakaoanteil)
    80 g Bio-Rohrzucker
    20 g Bio-Kokosblüten- oder Bio-Rohrzucker
    1/2 kleinen Bio-Butternusskürbis (ca. 150 g Fruchtfleisch)
    200 g Bio-Walnüsse
    40 ml Bio-Sonnenblumenöl
    3 EL Bio-Kakaopulver
    1 TL Bio-Backpulver
    1 Bio-Vanilleschote
    1 TL Salz

    Zubereitung

    Zuerst geht es an den Kürbis. Dieser wird halbiert und mit einem Löffel von den Kernen befreit. Die beiden Kürbishälften kommen anschließend für 30 bis 45 Minuten bei 200°C in den Backofen, bis sie weich sind. Sollte der Kürbis zu schnell braun werden, einfach mit einem Stück Alufolie bedecken. Während der Kürbis gebacken wird, 150 g der Schokolade im Wasserbad schmelzen und leicht auskühlen lassen.

    Die Vanilleschote wird anschließend halbiert und das Mark mit dem Messer ausgekratzt. Die Vanille mit Zucker, Kakao, Salz und Backpulver in einer großen Schüssel zusammen geben und das Mehl darüber sieben. Alles miteinander vermischen.

    Wenn der Kürbis weich und leicht abgekühlt ist, kann das Fruchtfleisch mit einem großen Löffel aus der Schale gekratzt und in die Schüssel zu dem Mehl gegeben werden. Anschließend noch die Schokolade, das Öl und die Pflanzenmilch in die Schüssel gegeben und alles zu einem Teig vermengen. Der Teig sollte halbwegs glatt werden.

    150 g der Walnüsse und die Schokolade grob mit dem Messer hacken und vorsichtig unter den Teig heben. Den Teig gleichmäßig in eine geölte, ofenfeste Backform gießen und die restlichen Walnüsse darüberstreuen. Die Brownie-Masse bei 180°C rund 30 bis 40 Minuten backen.

    Da Brownies nicht komplett fertig gebacken werden, sondern in der Mitte noch weich sein sollen, wendet man hier auch keine Nadelprobe an um zu sehen, ob der Teig durch ist. Die Brownies müssen noch für zehn bis 15 Minuten abkühlen bevor sie in kleine, quadratische Stücke geschnitten werden können – sonst bröselt alles. Am Besten schmecken die Brownies wenn sie noch ein bisschen warm sind.

    Kürbis Brownies vegan PO

    Wir haben diese Brownies einmal zu einer Feier mitgenommen – sie sind sehr gut angekommen und waren auch zwei Tage später noch sehr lecker.

    Viel Spaß beim Ausprobieren!

    7 Kommentare zu Vegane Kürbis-Brownies

    Empathie – Die Basis des Zusammenlebens von Mensch und Tier

    Die meisten Kinder sind von Geburt an neugierig. Sie erkunden ihre Umgebung und sind an allen anderen Dingen und Lebewesen interessiert. Das ist Teil eines angeborenen Bedürfnisses: Die Welt kennen…

    Die meisten Kinder sind von Geburt an neugierig. Sie erkunden ihre Umgebung und sind an allen anderen Dingen und Lebewesen interessiert. Das ist Teil eines angeborenen Bedürfnisses: Die Welt kennen zu lernen und die Wesen, mit denen sie diese Welt teilen. Es sind entscheidende Momente in der Entwicklung des Kindes, denn – abhängig von ihrer jeweiligen Erziehung und den Erfahrungen, die sie machen – entwickeln sich Empathie und emotionale Intelligenz. In unserer Gesellschaft unterliegen sowohl das soziale Umfeld als auch das Erziehungssystem dem Speziesismus, der den Mensch als ranghöchstes Lebewesen betrachtet. Alle anderen Lebewesen werden ihm als minderwertig untergeordnet, sie haben folglich nicht die gleichen Rechte. Während ihrer Kindheit wird den meisten Kindern auf indirekte und subtile Weise vermittelt, dass die einzige Rolle der Tiere auf unserer Welt darin besteht, vom Mensch in jedweder Form benutzt zu werden. Anzeichen von Zärtlichkeit oder Mitleid mit einem Tier – vor allem mit den so genannten Nutztieren – werden im Entwicklungsprozess vieler Kinder als Zeichen von Schwäche und Unreife abgetan.

    So erzählt ein Bauer in dem Dokumentarfilm „Das friedliche Reich“: „Ich wuchs in einer Bauernfamilie auf und mir wurde als Kind beigebracht, dass die Tiere für unseren Gebrauch da sind und dass dies Teil eines natürlichen Kreislaufes von Geburt und Tod ist. Ich habe das geglaubt, aber ich dachte mir auch, dass das irgendwie keinen Sinn ergibt. Denn wir hatten auch Hunde und Katzen und ich hatte eine enge Beziehung zu meinen Hunden. Wir waren wie beste Freunde, wir haben alles zusammen gemacht, doch mit den Nutztieren war das nicht so. Ich wusste nicht warum und fragte meine Mutter. Sie sagte mir, dass es normal sei sich schlecht zu fühlen wenn man Tiere tötet, um sie zu essen. Aber man dürfe sich das nicht anmerken lassen, sondern für sich behalten. Und das letzte was ich wolle, sei doch wohl als schwach zu gelten.“

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    Dieser Prozess von schon fast brutaler Dissoziation und Desensibilisierung, der den Kindern beigebracht wird, scheint auf den Bauernhöfen und im Viehgeschäft notwendig. Im kleinerem Maßstab geschieht es ebenso in der Erziehung der Großstadtkinder, die darüber hinaus weniger persönliche Erlebnisse mit Nutztieren haben. Alles läuft auf sehr subtile Weise ab. Beispielsweise lesen wir den Kindern Geschichten vor, die lächelnde und glückliche Nutztiere zeigen. Diese Nutztiere geben geradezu mit Dankbarkeit ihren Körper für das Produkt her, das aus ihnen gemacht wird. All die Grausamkeit, die Nutztiere tagtäglich erleiden, wird ausgelassen, das Wort „Tod“ niemals erwähnt. Es werden vage Begriffe benutzt, um sich auf bestimmte Körperteile zu beziehen, beispielsweise verwendet man „Lende“ statt „Kalbfleisch“, „Schinken“ anstelle von „Schweinekeule“. Darüber hinaus wird das tierische Endprodukt unkenntlich gemacht und das bis zu dem Punkt, der es unmöglich macht, eine Verbindung zwischen den Lebensmitteln aus dem Supermarkt und den Tieren, von denen sie stammen, herzustellen.

    Am Ende gehen viele Kinder dann davon aus, dass die Milch von einem unendlichen Brunnen stammt und Schnittkäse oder Nuggets von einer Fabrik kommen, die wie Kekse oder Brot produziert werden, oder dass es Fischstäbchenfische gibt. Die Kinder werden älter und bleiben unwissend oder auch ignorant gegenüber der schmerzlichen Wahrheit, die die Nutztiere sowohl auf Bauernhöfen als auch in grösserer Massentierhaltung erleiden und vor der Bauern, Produzenten und deren Kinder die Augen verschließen (müssen). Denn für die meisten Menschen ist die Vorstellung untragbar, für den grausamen Tod eines anderen Lebewesens verantwortlich zu sein, wenn auch oft nur indirekt durch den Fleischkonsum. Hackbraten, Steak, Filet – sie sind alle hübsch dekoriert angerichtet und verschleiern so die Tatsache, dass vor uns ein totes Tier auf unserem Teller liegt, das wegen uns Schmerzen und Qualen erleiden musste.

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    Tierrettungshöfe, Tierschutzhöfe und Gnadenhöfe stellen eine Alternative zu all dem dar. Sie zeigen uns eine bessere Welt. Tier und Mensch leben in Koexistenz, ohne einander in irgendeiner Weise zu schaden oder die Freiheit und Lebensqualität des anderen Lebewesens einzuschränken. Kinder lernen dort die Bedürfnisse und Eigenarten der sogenannten Nutztiere kennen. Sie lernen, mit ihnen zu fühlen, genauso wie sie es mit ihren Hunden und Katzen Zuhause tun. Und sie sehen, dass es einen anderen, unkonventionellen Weg gibt, der auf Respekt und gegenseitiger Wertschätzung basiert.

    PädagogInnen und KinderpsychologInnen bestätigen die hohe Bedeutung des Erlernens von Empathie. Ein gesundes Einfühlungsvermögen ist die Basis für ausgewogene soziale Beziehungen und ein stabiles Selbstwertgefühl. Etwa im ersten Lebensjahr werden Kinder sich ihrer selbst bewusst und fangen an, andere Menschen von sich selbst zu unterscheiden. Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr sind sie fähig zu verstehen, dass andere Lebewesen ihre eigenen Gefühle haben. Rund um das sechste Lebensjahr begreifen sie, dass andere Menschen ihre eigene Lebensgeschichte haben und dass diese ihre emotionalen Reaktionen beeinflusst. Mit etwa zehn Jahren können sie sich in die Lage anderer hinein versetzen und die Gefühle anderer Lebewesen verstehen. Diese gesamte Entwicklung wird durch einen grundlegenden Lernprozess bei Kindern stimuliert: Nachahmung. Bei der Kindererziehung sind daher nicht nur Erklärungen über richtig und falsch erforderlich, sondern vor allem müssen diese Erklärungen mit den Handlungen und Taten der Erwachsenen übereinstimmen.

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    Die vegane Lebensweise ist für Tiere und Menschen der höchste Ausdruck für Gerechtigkeit, Respekt und Empathie und bringt Vorteile für Mensch, Tier und Umwelt. Unter den Studien, die Dr. Ernst W. Heinrich zusammengestellt hat, zeigt sich beispielsweise, dass die durchschnittliche Intelligenz veganer Kinder höher ist, als die von nicht vegan lebenden Kindern. Gründe dafür sind eine gesündere, weniger toxische Ernährung, was wesentlich für eine hohe intellektuelle Leistungsfähigkeit ist, sowie die Bildung einer intensiven Empathiefähigkeit. Die Basis dazu ist eine antispeziesistische Erziehung, die Tier und Mensch den gleichen Wert zuspricht, und den Kindern zeigt, wie man respektvoll mit anderen Lebewesen umgeht und zusammenlebt. Gerade die Entwicklung von Empathie im frühen Kindesalter ist eine Grundlage dafür, dass sie später einmal jedem Lebewesen mit Respekt und Aufrichtigkeit gegenüber treten.

    Letztendlich ist das der Wegweiser in eine bessere Zukunft für uns alle.

    1 Kommentar zu Empathie – Die Basis des Zusammenlebens von Mensch und Tier

    Österreichische Klassiker in vegan: Gebackene Mäuse

    Der Wochenend-Besuch bei den Schwiegereltern in spe ist immer ein Grund zur Freude. Warum? Weil es neben netten Gesprächen und lustigen Anekdoten immer vegane Leckereien gibt. Obwohl ich die einzig…

    Der Wochenend-Besuch bei den Schwiegereltern in spe ist immer ein Grund zur Freude. Warum? Weil es neben netten Gesprächen und lustigen Anekdoten immer vegane Leckereien gibt. Obwohl ich die einzig vegan Essende am Tisch bin, macht sich die liebe Schwimu in spe – Nein, ich weiß leider nicht, wo ich diesen Ausdruck her habe, vermutlich auf Instagram aufgeschnappt… – immer die Mühe, etwas neues Tierproduktfreies zu kochen oder zu backen. Und nachdem ich sehr gerne esse, bin ich davon natürlich absolut begeistert!

    Letztes Wochenende gab es beim Kaffee dann eine besonders große Überraschung! Zum Kaffee kredenzt wurde nämliche eine meiner liebsten Süßspeisen, der leider schon ziemlich in Vergessenheit geratene österreichische Klassiker „Gebackene Mäuse“. Verglichen werden diese oft mit Krapfen (zu deutsch auch Berliner oder Pfannkuchen), was ich aber nicht bestätigen kann – gebackene Mäuse sind einfach tausendmal leckerer! Und weil sie mir so gut geschmeckt haben, habe ich um das Rezept gebeten, natürlich gemeinsam mit der Erlaubnis, dieses hier auf The bird’s new nest mit euch teilen zu dürfen.

    Zutaten

    250 g glattes Bio-Mehl
    1 Packung Bio-Trockengerm/-Trockenhefe
    1 Prise Salz
    20 g Bio-Margarine (Zimmertemperatur)
    250 ml Bio-Sojamilch oder eine andere Bio-Pflanzenmilch (lauwarm)
    4 EL Bio-Kristallzucker
    1 Packung Bio-Vanillezucker
    Etwas Rum

    2 Packungen Bio-Kokosfett (à 250 g) zum Herausbacken

    Alle Zutaten außer dem Kokosfett in eine Schüssel geben zu einem Teig verarbeiten. Wer hier ganz professionell vorgehen möchte kann den Trockengerm in der Sojamilch auflösen und diese Mischung dann zur schon geschmolzenen Margarine hinzufügen. In einer separaten Schüssel Mehl, Salz und Zucker vermischen, den Rum und dann die restlichen flüssigen Zutaten beifügen und zu einem homogenen Teig verkneten.

    Den Teig zudecken, zum Beispiel mit einem warmfeuchten Geschirrtuch, und eine Stunde an einem warmen Ort gehen lassen. Wem es an warmen Orten mangelt kann die zugedeckte Teigschüssel bei 30 bis 40 Grad ins Backrohr stellen bis der Teig fast das doppelte Volumen erreicht hat.

    Das Kokosfett auf rund 170 Grad erhitzen, hier hilft der Holzstäbchen-Test: Ein Holzstäbchen ins Fett halten, wenn das Fett kleine Bläschen um das Stäbchen bildet hat es die richtige Temperatur erreicht. Mit einem Esslöffel kleine Portionen des Teigs aufnehmen und im heißen Fett goldbraun backen. Schwiemu-Pro-Tipp: Die Teigstücke immer wieder mit dem heißen Fett übergießen, damit sie innen nicht teigig bleiben. Die gebackenen Mäuse auf Küchenrolle gut abtropfen lassen, am besten auch über die gebackenen Mäuse legen, damit noch weniger Fett auf ihnen hängen bleibt.

    Die gebackenen Mäuse können noch warm gegessen werden, nach Geschmack mit Puderzucker oder feinerem Kristallzucker bestreuen.

    Guten Appetit!

    5 Kommentare zu Österreichische Klassiker in vegan: Gebackene Mäuse

    Gesellschaftskritische Comics und Graphic Novels von weiblichen Künstlern

    In diesem Artikel möchte ich den Fokus auf gesellschaftskritische Comics und Graphic Novels legen, die von weiblichen Künstlern kreiert wurden. Drei dieser Werke möchte ich euch heute vorstellen: „Wie gut,…

    In diesem Artikel möchte ich den Fokus auf gesellschaftskritische Comics und Graphic Novels legen, die von weiblichen Künstlern kreiert wurden. Drei dieser Werke möchte ich euch heute vorstellen:

    „Wie gut, dass wir darüber geredet haben“ von Julia Bernhard

    Der 2019 erschienene Comic „Wie gut, dass wir darüber geredet haben“ ist das Debüt von Julia Bernhard und strotzt schon im Titel nur so vor Ironie und Zynismus. Die reduzierte Farbpalette der gezeichneten Panels aus lachsrot und sumpfgrün fällt als erstes auf, als nächstes, dass viele Szenen aus dem (körperlichen) Blickwinkel der Protagonistin zu sehen sind. „Wir“ sprechen also mit unserer Oma beim Kuchenessen, mit unseren Dates oder unserer französischen Bulldogge. Dieses Stilmittel sorgt dafür, dass sich die Lesenden sehr involviert und persönlich angesprochen fühlen.

    So erleben wir unangenehme Gespräche mit der Familie, der intoleranten Oma oder auch Männern, die sich bloß nicht binden wollen. Die Protagonistin wird mit Weltbildern, Anforderungen und Erwartungen konfrontiert, versucht sich teilweise daraus zu befreien oder das Gegenüber nicht vor den Kopf zu stoßen. Leider wehrt sie sich aber auch nicht so deutlich und nimmt – meist sehr passiv – alles auf, ohne Grenzen zu setzen oder ihre Meinung klar und deutlich auszusprechen.

    Es geht also um die Generation Mitte Zwanzig, um Sorgen und merkwürdige Situationen, um Freundinnen, die sich über ihren Partner beschweren und unzufrieden sind, aber dann doch beim kleinsten Zuneigungskrümel dahinschmelzen; um die groteske Welt in einer Kreativagentur, Gespräche mit Pflanzen und Hunden aber auch der Clash zwischen modernen Ideen von Beziehung und Partnerschaft – „Alles ist möglich!“ – und traditionellen Werten, (Un-)Verbindlichkeit und Freiheit.

    Viele Situationen sind in der Kommunikation ungenügend, Missverständnisse und unterschiedliche Realitäten prallen so lange aufeinander, bis diese der Protagonistin, von Depression und Selbstzweifel geplagt, über den Kopf wächst und sie sich im wahrsten Sinne des Wortes zurückzieht.

    Die Message, die ich mitnehme: Letztendlich könnte es allen besser gehen, wenn man versucht das Gegenüber aufrichtig zu verstehen und nicht alles toleriert. Und: moderne und offene Weltanschauungen sind bei weitem noch nicht Standard.

    „Der Ursprung der Liebe“ von Liv Strömquist

    An ein ähnliches Thema wie im Comic zuvor macht sich Liv Strömquist in „Der Ursprung der Liebe“, sie untersucht nämlich was genau Liebe eigentlich ist und was eigentlich unser Bild von Beziehungen und Partnerschaften ausmacht.

    Es geht darum, wie Mann und Frau über Gefühle sprechen, welche Unterschiede Sozialisation zwischen Mann und Frau entstehen lässt und wie das unsere Beziehungsgestaltung beeinflusst. Wir treffen hier wie in allen Comics von ihr auf viele bekannte Persönlichkeiten, von Tim Allen bis Ronald Reagan, von Prinzessin Diana zu Britney Spears.

    Die Autorin beleuchtet, wie das Konzept Beziehung entstand und aus welchen Beweggründen man früher bis heute eine Beziehung einging. Und warum bleiben eigentlich viele in ihrer ungesunden Beziehung hängen? Was haben Religion und Rituale mit Liebe zu tun? Wie weit darf Liebe gehen? Wer legt Grenzen und Bedingungen für Liebesbeziehungen und Partnerschaften fest?

    Liv Strömquist schafft es, diese für uns eigentlich selbstverständlichen Dinge so zu hinterfragen, dass man nach der ersten Verwunderung auch Freiheit verspürt, die Dinge selbst so zu entscheiden wie man es für richtig hält. Sprich, sie klärt auf und schafft damit Handlungsspielraum und die Möglichkeit, seine Entscheidungen und sein Verhalten in Tradition und Strukturen zu überdenken. Es geht aber auch um Macht, Manipulation, unerfüllte Bedürfnisse und die verbreitete Vorstellung, eine Beziehung kann uns von allen Ängsten befreien und sei das ultimative Ziel im Leben.

    Inhaltlich regt sie dazu an zu hinterfragen, mit wie viel Integrität man seine Liebesbeziehungen lebt und erläutert, wie diese Sichtweisen auf Beziehungen und Werte in einer Partnerschaft über die Jahre entstanden sind. Welche Phänomene in Liebe und Romantik sind allgemeingültig? Wo gibt es historische und kulturelle Unterschiede? Strömquist analysiert gerne mal bis ins Groteske und schafft es, danach wieder alles in einen Rahmen zu rücken und überlässt uns schließlich unserem eigenen Urteil.

    Ihre überspitzten, lebendigen Charakterzeichnungen und die kleinen Nebenkommentare hinterlassen die Lesenden mit neuen Blickwinkeln, ohne erhobenen Zeigefinger oder Dogma. Sie nimmt sich an den richtigen Stellen auch selbst nicht zu ernst und stellt offene Fragen: Was bedeutet denn jetzt eigentlich Liebe?

    „Ich fühl’s nicht“ von Liv Strömquist

    Im neuesten Werk „Ich fühl’s nicht“ der bekannten schwedischen Comickünstlerin geht es wieder um die Liebe. Aber dieses Mal etwas anders. Es geht noch mehr um das eigene Selbstbild, um Leidenschaft und was Liebe in unserer konsumorientierten Gesellschaft bedeutet. Wie zeigen wir uns in unseren Verhaltensweisen in der aktuellen Zeit? Sind andere nur dazu da, um sich selbst zu spiegeln und zu erweitern?

    Sie stellt Theorien anhand vorhandener Forschung und Fakten auf; untersucht, warum sich manche beispielsweise nicht binden wollen oder können, warum zu viel Auswahl und Möglichkeit uns hindert, tiefer zu fühlen und die Überoptimierung uns nicht glücklicher machen wird, auch was die Partnersuche angeht. Was macht die moderne Partnersuche und dutzendfache Auswahl mit uns? Laut Strömquist nimmt beispielsweise die Rationalität bei der Partnerwahl inzwischen eine wichtigere Stellung ein, als die emotionale Komponente.

    Sie beschreibt, wie Definitionen von Männlichkeit und Weiblichkeit unser Konzept von Bindung und Beziehung tief beeinflusst. Die Autorin zeigt, warum man so ist wie man ist, wenn man sich verliebt und wie sich Liebe in einer Beziehung oder Partnerschaft auch verändern kann.  Sie thematisiert zum Beispiel das Dilemma der bedingungslosen Liebe vieler Frauen, die sich selbst aufgeben und die Gefahr „durch Gedankendressur und Selbst-Empowerment“ genauso liebesunfähig zu werden. Kann man zu tief lieben? Wie dauerhaft ist Liebe?

    Besonders interessant: Unser Streben nach Einzigartigkeit verschließt uns den Weg zu tieferer Liebesfähigkeit. Denn, so erklärt sie frei nach Erich Fromm, häufig üben wir uns nicht in der Kunst des Liebens, sondern fokussieren uns oft nur darauf, wie wir geliebt werden können.

    Wie immer stellt sie aktuelle, aber auch historisch ältere philosophische, soziologische oder auch psychologische Thesen nebeneinander und schließt daraus Fragen, (unerwartete) Schlüsse und weitere (teilweise verblüffende) Theorien. Dabei kommen die wissenschaftlichen Persönlichkeiten oftmals selbst zu Wort, so zum Beispiel die Soziologie-Professorin Eva Illouz. Uns begegnen hier jedoch auch Figuren wie Der Kleine Prinz, Lord Byron oder Beyoncé.

    Immer gibt sie auch die jeweilige Quelle an und lässt sowohl Philosophen als auch ausgedachte Charaktere aus allen Zeiten selbst zu Wort kommen. Gekonnt bündelt sie Witz und viel Stoff zum Nachdenken zu einem lehrreichen aber auch sehr unterhaltsamen und etwas anarchischen Sachcomic.

    Eine große Empfehlung meinerseits für alle Strömquist-Bände. Ihre Werke hinterlassen immer eine Mischung aus augenöffnenden Momenten, Verwunderung (manchmal auch Schrecken) und lassen einen sich selbst und die Welt, wie sie ist, hinterfragen.

    Im Herbst dieses Jahres erscheint übrigens ihr nächstes Werk.

    Vielen Dank an den avant-verlag für die Rezensionsexemplare!

    2 Kommentare zu Gesellschaftskritische Comics und Graphic Novels von weiblichen Künstlern

    Crowdfunding für „Maha Maya Center of Consciousness“ – Die Gründerin des Sozialprojekts in Indien im Interview

    Vor einigen Wochen erhielt ich einen Anruf von den Kolleg*innen der Crowdfunding-Plattform für Gemeinwohlprojekte, mit der Bitte um Inputs und Kontakte für ein sehr schönes und wichtiges Projekt: das Maha…

    Vor einigen Wochen erhielt ich einen Anruf von den Kolleg*innen der Crowdfunding-Plattform für Gemeinwohlprojekte, mit der Bitte um Inputs und Kontakte für ein sehr schönes und wichtiges Projekt: das Maha Maya Center of Consciousness. In Kerala/Indien soll in den kommenden Monaten ein Zentrum für Frauen und Kinder, die Gewalt erlitten haben, entstehen. Denn eine misshandelte Frau gilt in Indien als wertlos – sie verliert das eigene Elternhaus, jegliche Form der Erwerbsmöglichkeit und somit den Schutz für ihre Kinder.

    Dahinter steht die gebürtige Österreicherin mit indischen Wurzeln Parvati Reicher. Gemeinsam mit ihrer Team-Kollegin Andrea Mastny und vielen anderen Helfer*innen kümmert sich um den Aufbau und die Finanzierung des Zentrums. In einem gemeinsamen Workshop haben wir über Möglichkeiten der Verbreitung des Projekts gesprochen und ich habe angeboten, die Community von The bird’s new nest darüber zu informieren.

    Wie die Idee entstand, worum es genau im Maha Maya Center of Consciousness gehen wird, warum sich Parvati auch an Unterstützer*innen in Österreich und Europa richtet und welche Rolle Permakultur und Nachhaltigkeit dabei spielen wird, erzählt die Gründerin im Crowdfunding-Interview mit The bird’s new nest.

    Wolfgang: Liebe Parvati, du bist die Gründerin des Maha Maya Center of Consciousness in Indien. Wie kam es dazu?

    Parvati: Zunächst mal ist es vermutlich meinen indischen Wurzeln zuzuschreiben, dass ich mich so stark nach Indien hingezogen fühle. Ich bin gebürtige Österreicherin, meine Mutter zur Hälfte Inderin. Auch meine Tochter ist ein indisches Mädchen. Die Einfachheit, die Spiritualität, die im Alltag einen ganz normalen Stellenwert hat, das sind Aspekte, die für mich immer sehr anziehend waren.

    Seit sehr langer Zeit verbringe ich jährlich ein paar Monate in Indien. Ich habe viele Techniken der Meditation und des energetischen Arbeitens gelernt, Zeit im Ashram im Himalaya verbracht und bei vielen Schulprojekten mitgearbeitet. Dabei ging es immer um ganz Elementares, wie Schulutensilien, warmes Gewand für die Kinder, Trinkwasser organisieren usw.

    Was dabei so immens erfüllend war, ist, dass man auf diese Weise mit so wenig so viel verändern kann. Vorbei an Bürokratie, unmittelbare Hilfe wo es wirklich notwendig ist.

    Gründerin Parvati Reicher und ihr Team

    Wolfgang: Unter anderem möchtest du dort Frauen und Kindern, die Gewalt erlitten haben, helfen. Wie genau?

    Parvati: Zuerst bekommen die Frauen und Kinder, die wegen Misshandlungen ihr Zuhause verloren haben, ein ruhiges Heim, einen Raum und ein Bad für sich. Sie bekommen bei Bedarf medizinische Hilfe und kraftvolles vegetarisches Essen aus unserer Permakultur. Sie haben eine eigene Küche, in der sie sich ihr Essen selbst zubereiten können.

    Ich selbst verlege meinen Wohnsitz nach Kerala in das Maha Maya Center, um für diese Frauen jederzeit da zu sein und um mit ihnen genau so zu arbeiten, wie ich es in den letzten 20 Jahren hier in Europa mit vielen Menschen gemacht habe. Ein ruhiger geregelter Tagesablauf, mit Kinderversorgung, für sich selbst Kochen, Körpertherapie und Meditation (HIAO Healing), Therapien und Ausbildung werden ihren Alltag ausmachen.

    Schon jetzt gibt es hier in Österreich verschieden Therapeut*innen die sich gemeldet haben, um ihre Erfahrung anzubieten und eine Zeit lang im Maha Maya Center mitzuhelfen. Es sind Traumatherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und so weiter.

    Es ist meine Absicht eine Schule zu bauen, damit die Kinder und möglicherweise ihre Mütter im gesicherten Rahmen Bildungsmöglichkeiten bekommen.

    Wolfgang: Permakultur und bewusstes Leben spielen ebenfalls eine große Rolle. Welche?

    Parvati: Wirklich ausheilen können wir alle nur, wenn wir achtsam mit uns werden. Dazu gehört das passende Umfeld, das was wir denken und selbstverständlich auch das was wir essen. Wenn wir das Leben an sich nicht lieben, werden wir nie dazu kommen uns selbst zu lieben. Ohne dieser Liebe gibt es keinen Selbstwert, keinen Sinn im Leben. Diese Erfahrung werden wir alle in unserer Permakultur machen. Alle die dort arbeiten, alle westlichen Menschen, die ins Retreat Center kommen und unbedingt die Frauen, die dort im Healing Home leben.

    Abgesehen davon wird es für die Frauen oder ihre heranwachsenden Kinder die Möglichkeit geben, eine Ausbildung zur Bio-Gärtner*in zu machen und sich damit eine Selbstständigkeit – zum Beispiel in einer Community mit anderen Frauen des Zentrums – aufzubauen. Dies ist eine Möglichkeit, wie sie sich ein Leben außerhalb des Maha Maya aufbauen können.

    Wolfgang: Was planst du noch in deinem Center? Es soll ja auch ein Seminarzentrum entstehen.

    Parvati: Genau genommen plane ich nicht, sondern es entsteht gerade. Ich konnte das Grundstück erwerben und die Fundamente werden gebaut. Jetzt braucht es die Finanzierung, um wirklich bauen zu können. Das Seminarzentrum ist für Menschen gedacht, die mit ihrer Yogagruppe, Qi Gong, Tanzgruppe und ähnlichem – also alles rund um die Klärung des eigenen Seins – ins Zentrum kommen.

    Ich vermiete also einen Teil des gesamten Grundes, den Retreat-Teil an Lehrer*innen, die mit ihrer Gruppe kommen, um in Indien zu unterrichten und die Wurzeln der Spiritualität zu erfahren. Es werden Lehrer*innen sein, die ihren Schüler*innen anbieten, sich für zwei oder drei Wochen von allem zu lösen, um sich ganz auf ihre Praxis einzulassen.

    Im Zentrum finden die Gruppen einen wunderschönen Seminarraum, liebevoll eingerichtete Zimmer und vegetarische Verpflegung. Mit diesen Einnahmen werde ich zum einen das Zentrum refinanzieren und zum anderen das Healing Home erhalten und weiter aufbauen.

    Die unterschiedlichen Bereiche im Maha Maya Center

    Wolfgang: Über die Crowdfunding Plattform der Genossenschaft für Gemeinwohl kann man dein Projekt unterstützen. Erzähl‘ doch noch mehr darüber!

    Parvati: Wie schon gesagt war es mir möglich, das 10.000 Quadratmeter große Grundstück zu erwerben. Dann suchte ich nach einer Möglichkeit der Finanzierung und habe von der Gemeinwohl-Genossenschaft erfahren. Mir wurde bewusst, dass es zum Projekt passt, wenn viele mithelfen, es entstehen zu lassen.

    Zum einen soll im Zentrum vielen Menschen geholfen werden und somit darf es auch durch viele Menschen entstehen. Zum anderen unterstreicht es die Tatsache, dass es wieder mehr darum gehen kann, dass wir alle zusammen helfen, um die Menschlichkeit als höchste Religion zu erfahren und somit zu einem höheren Miteinander gelangen.

    Gemeinwohl bietet neben der Plattform die rechtlichen Grundlagen, sodass die Geldgeber, die leihen oder spenden, ganz wie sie wollen, sich bestens informieren können und einen Vertrag bekommen. Die Tatsache, dass man sich wirklich beweisen muss, um das Gemeinwohlsiegel zu erhalten, erzeugt auf beiden Seiten Vertrauen, ohne das so etwas natürlich nicht umsetzbar wäre.

    Wolfgang: Vielen Dank für das Gespräch!

     

    Noch bis Ende Juni 2021 könnt ihr die Crowdfunding-Kampagne für das Maha Maya Center of Consciousness unterstützen und mithelfen, das Healing Home für indische Frauen und Kinder, das Retreat Center und den Permakulturgarten aufzubauen. Parvati und Andrea freuen sich über jeden Support – also gerne das Projekt teilen oder die Pressemeldung an relevante Kontakte weiterleiten.

    Arbeitet ihr an einem nachhaltigen Crowdfunding-Projekt oder kennt ein solches, über das auf The bird’s new nest berichtet werden sollte? Dann sendet mir eure Inputs und Vorschläge zum Thema an office@crowdfunding-service.com!

    2 Kommentare zu Crowdfunding für „Maha Maya Center of Consciousness“ – Die Gründerin des Sozialprojekts in Indien im Interview

    CAREHAIR – Veganer Friseursalon und Haarpflege

    Stellt euch vor, ihr bekommt in einem veganen Friseursalon nicht nur Beratung, Schnitt und Pflege von einer Friseurmeisterin mit nachhaltigem Konzept, sondern auch professionelle, vegane Haarpflege der eigenen Hausmarke. Dass…

    Stellt euch vor, ihr bekommt in einem veganen Friseursalon nicht nur Beratung, Schnitt und Pflege von einer Friseurmeisterin mit nachhaltigem Konzept, sondern auch professionelle, vegane Haarpflege der eigenen Hausmarke. Dass beides Hand in Hand gehen kann, zeigt Inhaberin Nicole Lesyk-Seiler in ihrem wundervoll grünen und modernen Friseursalon CAREHAIR in Tübingen. Dort ist nicht nur die Einrichtung nachhaltig – vom Nachfüllspender bis zur Einrichtung aus Holz -, sondern auch die verwendeten Produkte halten den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich.

    Ich habe mit Nicole ein Interview über ihre spannende Geschichte als Hair & Make-Up Artist in aller Welt, ihre Ziele und ihr Interesse für einen grünen Lifestyle geführt. Von ihren neuen Produkten, die sie selbst als Eigenmarke entwickelt hat und in ihrem Online-Shop zu haben sind, berichte ich euch ebenfalls.

    Verena: Was liebst du an der Arbeit als Friseurmeisterin und Visagistin?

    Nicole: Aus Haaren und Gesichtern die ganze Schönheit herauszuholen, das liebe ich an meinem Beruf. Bei Shootings oder Filmproduktionen ist es immer wieder ein Highlight in einem Team zu arbeiten und Teil eines kreativen Ganzen zu sein. Es ist ein tolles Gefühl, die eigene Arbeit auf Fotos, in Magazinen oder im TV zu sehen. Außerdem hat mein Job mich an viele schöne Orte der Welt gebracht, und mir die Möglichkeit gegeben, interessanten Menschen zu begegnen.

    Was hat dich dazu bewegt, hier im beschaulichen Tübingen einen eigenen Salon zu eröffnen?

    Tübingen ist die Stadt, in der ich geboren wurde. Die Familienplanung hat mich wieder in meine Heimat zurückgebracht. Nach der Elternzeit habe ich mir meinen Traum vom eigenen Salon beziehungsweise von eigenen Produkten verwirklichen können.

    Hast du ein Motto in deinem Leben?

    Ich habe den Minimalismus für mich entdeckt: Weniger ist mehr. Ansonsten lebe ich auch nach den Weisheiten: Gehe dorthin, wo dich dein Herz hinführt. Und: Carpe Diem – Nutze den Tag.

    Wie kam dein Interesse für umwelt- und tierfreundliche Produkte auf?

    Meine Schwangerschaften waren der Auslöser, mich intensiv mit Inhaltsstoffen in Kosmetikprodukten zu beschäftigen. Durch Hautkontakt gelangen Inhaltsstoffe von Produkten in den Blutkreislauf und somit auch direkt zum ungeborenen Kind. Ich habe erstmals realisiert, wie viele Profi-Marken es auf dem Kosmetikmarkt gibt, die minderwertige Inhaltsstoffe in Produkten zu teurem Preis verkaufen, und was viele konventionelle Inhaltsstoffe mit Haut, Körper und Umwelt anrichten können. Bei Plattformen über Umwelt- und Tierschutzorganisationen, wie dem BUND, WWF und PETA, welche ich heute aus Dienstleistungs- und Produktumsätzen unterstütze, habe ich mich intensiv über das Thema informiert.

    Wie überprüfbar ist die Qualität und Nachhaltigkeit der Rohstoffe für deine eigenen Produkte?

    Die Rohstoffe wie zum Beispiel das Brokkolisamenöl und das Jojobaöl sind bio-zertifiziert. Aus kontrolliert biologischem Anbau stammt auch das Kokosöl für unser Zuckertensid. Alle Rohstoffe erfüllen die EU-Richtlinien, unter anderem Tierversuchsfreiheit. Im Gegensatz zu den meisten Profimarken verzichtet CAREHAIR auf Silikone, Parabene, Sulfate, Mineralöle und Mikroplastik. CAREHAIR steht dafür, Haare natürlich zu pflegen, die Umwelt zu schützen und auch für die Tiere, die wir mit jedem verkauftem Produkt unterstützen. Im Jahr 2021 gehen Spendengelder an den Aufbau von Waschbärgehegen in Haßberge über den Bayrischen Tierschutzbund.

    Die neuen Haarpflege-Produkte von CAREHAIR – vegan, tierleidsfrei, mikroplastikfrei.

    Probierst du privat auch gerne neue Looks an dir aus?

    Ja sicher, bei jeder neuen Lebensphase habe ich das Bedürfnis nach einem neuen Look. Neulich habe ich mir einen Long Bob schneiden lassen. Beim Styling mag ich verschiedene Varianten, wie Half-Bun, Sleek Look oder Beach Waves.

    An welches Erlebnis aus deiner Karriere erinnerst du dich gerne?

    Da habe ich einige schöne Erlebnisse. Mein langjähriger Aufenthalt auf Mallorca – als freiberufliche Make-Up Artistin bin ich zu tollen Produktionen gebucht worden wie Popstars auf Ibiza oder der Eagles Cup in Portugal oder der Beach Polo World Cup auf Sylt…

    Bei der Tätigkeit auf Kreuzfahrtschiffen war ich dem Meer so nahe und habe die schönsten Fleckchen der Erde sehen dürfen – von den Seychellen bis hoch nach Spitzbergen. Im Nachhinein hinterfrage ich zwar den Umweltaspekt, dennoch habe ich einen ganz besonderen Bezug zur Natur, den Weltmeeren und der Erde bekommen.

    Und natürlich die Gründung von CAREHAIR, es bereitet mir viel Freude, die eigenen Konzepte und Ideen verwirklichen zu können.

    Was sind deine Ziele für die nächsten Jahre?

    Momentan bin ich dabei, die CAREHAIR Haarpflegeserie mit einem Produkt zu erweitern. In spätestens zwei Jahren möchte ich mit der Produktion fertig sein. Mir schwebt vor, anschließend eine Hautkosmetik zu entwickeln. Die Wort-Marke CARESKIN habe ich bereits schützen lassen.

    Hast du einen Rat für junge Menschen, die Make-Up & Hair Artists werden möchten?

    Man benötigt professionelle Fotos auf der Website, um gebucht zu werden. Verschiedene Close-Ups und Ganzkörperportraits, welche Haare und Make-Up von verschiedenen Perspektiven zeigen, sind unerlässlich für die Fotomappe. Anfangs sollte man bei Styled Shoots oder anderen verschiedenen Shootings TFP mitwirken, um gute Fotos und Referenzen zu sammeln. Und auf jeden Fall Fremdsprachen lernen, das öffnet einem weitere Türen, auch international.

    Vielen Dank Nicole für das Interview!

     

    Im Vorfeld wurden mir von Nicole alle Produkte ihrer HAIRCARE Haarpflegeserie zugesendet. Diese sind Salonqualität, vegan, tierleidsfrei und werden aus Inhaltsstoffen wie Jojobaöl, Grüner Tee-Extrakt, Weizenprotein oder Brokkolisamenöl produziert. Leere Flaschen können im Salon wieder befüllt werden, zudem geht dieses Jahr für jedes verkaufte Produkt – wie auch schon im Interview erwähnt – ein Spendenanteil an ein Waschbärprojekt. Der nächste Schritt ist die Zertifizierung aller Produkte mit dem PETA- und Vegan-Label.

    Ich habe alle Haarpflegeprodukte – den Shampoo Bar mit Sisalsäckchen, die Hydrating Mask und das Foaming Mousse –  getestet und mag vor allem Duft und Wirkung der Pflegemaske, sehr gut gefällt mir auch das müllfreie Konzept des Shampoostücks mit Sisalsäckchen und die festigende Wirkung des Mousses, das meine Locken schön in Form hält.

    Allen, die in und um Tübingen leben kann ich einen Besuch bei CAREHAIR sehr ans Herz legen. Genießt das Ambiente im Salon und lasst euch verwöhnen!

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    Periodenarmut lindern: Macht mit!

    In diesem Beitrag möchte ich mich einem Thema widmen, das hierzulande noch immer zu wenig Aufmerksamkeit bekommt: Periodenarmut, auf Englisch Period Poverty. Period Poverty bedeutet, dass sich Menstruierende ihre Monatshygieneprodukte…

    In diesem Beitrag möchte ich mich einem Thema widmen, das hierzulande noch immer zu wenig Aufmerksamkeit bekommt: Periodenarmut, auf Englisch Period Poverty.

    Period Poverty bedeutet, dass sich Menstruierende ihre Monatshygieneprodukte nur sehr schwer oder gar nicht leisten können. Meistens verbinden wir das Thema Periodenarmut mit Ländern des Südens wie Indien, Kenia oder Nigeria, wo sich das Problem in der Tat für viele Mädchen und Frauen während der Corona-Pandemie verschlimmert hat. In Indien etwa haben Schätzungen zufolge nur etwa 30 Prozent der Frauen Zugang zu Menstruationsprodukten.

    Kein Geld für Tampons und Binden…

    Was viele aber dabei vergessen: Auch in Österreich und Deutschland gibt es Frauen, die sich ihre Periodenprodukte kaum bis gar nicht leisten können. 2019 gab es laut der Europa 2020-Strategie alleine in Österreich mehr als 1,4 Millionen armuts- beziehungsweise ausgrenzungsgefährdete Personen – das sind rund 17 Prozent der Bevölkerung. Frauen sind dabei wesentlich häufiger von Armut betroffen als Männer.

    Für Menschen, die an oder unter der Armutsgrenze leben, ist es schon eine Herausforderung, absolut notwendige Dinge wie Lebensmittel bezahlen zu können –Monatshygiene ist für viele oftmals nicht leistbar. Genau auf diesen Umstand wird oft vergessen.

    Kostenlose Periodenprodukte an öffentlichen Orten

    Einige Länder wie Neuseeland und Schottland gehen übrigens bereits mit gutem Beispiel voran: In beiden Ländern hat die Regierung beschlossen, Tampons und Binden an öffentlichen Orten kostenlos zur Verfügung zu stellen um Periodenarmut zu lindern. Dies betrifft vor allem Schulen und Unis, Jugendeinrichtungen oder Obdachlosenheime. Erste Pilotprojekte für kostenfreie Menstruationsprodukte gibt es auch in Deutschland und der Schweiz. Diese fortschrittliche Haltung wünschen wir uns auch von der Regierung in Österreich. Schließlich wird Toilettenpapier auch gratis zur Verfügung gestellt und für Menstruierende sind Periodenprodukte einmal im Monat genauso notwendig wie Klopapier.

    Alte Socke anstelle von Binden

    Dass diese Notwendigkeit oftmals Frauen regelrecht verzweifeln lässt, zeigt auch das Beispiel einer jungen Frau in einem Wiener Obdachlosenheim: Eine Vertreterin einer österreichischen Hilfsorganisation berichtete uns, dass die Frau sich während ihrer Periode einen alten Socken in die Unterhose stopfte, weil ihr keine Periodenprodukte zur Verfügung standen. Da das Thema Menstruation nach wie vor tabu- und schambehaftet ist, traute sich die Frau auch nicht, nach entsprechenden Produkten zu fragen.

    Solche entwürdigenden Situationen darf es aus unserer Sicht im 21. Jahrhundert nicht mehr geben. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt und trotzdem gibt es hier Menschen, die sich die essentiellsten Produkte wie Tampons oder Binden nicht leisten können. Auch die Corona-Pandemie verstärkt die Probleme von einkommensschwachen Frauen.

    Jetzt gegen Periodenarmut eintreten

    Zum Glück gibt es Möglichkeiten, sich gegen Periodenarmut zu engagieren. Eine besonders schöne Kampagne, finde ich, ist jene des Bio-Monatshygieneherstellers Organyc. Mit seiner „Expect Respect“-Kampagne möchte der italienische Produzent von Bio-Binden und Bio-Tampons allen Frauen Respekt zollen und gleichzeitig gegen Periodenarmut mobilisieren. So gibt es aktuell eine Kooperation mit dem Berliner Verein Social Period, um bedürftigen Frauen kostenlose Bio-Monatshygiene zur Verfügung zu stellen.

    Ihr könnt dieses Projekt unterstützen, indem ihr das Kampagnen-Video auf YouTube teilt. Für jedes „Share“ spendet Organyc eine Packung Bio-Binden an eine Frau in Not. Mach mit, denn alle Menstruierenden haben das Recht auf hochwertige, nachhaltige Periodenprodukte!

    Mehr Infos zum Thema Periodenarmut findet ihr auf erdbeerwoche.com/meine-umwelt/tamponsteuer/periodenarmut/

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    Meine Eltern sind tot, gestorben an Corona

    Am 8. Januar 2021, also vor rund eineinhalb Monaten habe ich einen Beitrag über meine Eltern geschrieben, die sich beide mit Corona angesteckt hatten. Da ich Kontakt mit beiden hatte,…

    Am 8. Januar 2021, also vor rund eineinhalb Monaten habe ich einen Beitrag über meine Eltern geschrieben, die sich beide mit Corona angesteckt hatten. Da ich Kontakt mit beiden hatte, sollte auch ich in Quarantäne, zehn Tage lang. Besagter Artikel entstand am Anfang meiner Quarantäne. Beide meiner Eltern waren im Krankenhaus, positiv auf Covid-19 getestet und insofern stabil, dass sie nicht künstlich beatmet werden mussten. Trotzdem war der Gesamtzustand alles andere als positiv, mindestens einmal täglich war ich mit dem betreffenden Krankenhaus in Kontakt. Ich war vor Ort, als mein Vater mit der Rettung abgeholt wurde und habe mir entsprechend große Sorgen um ihn gemacht: „Vor Ort war mein Vater in einem Zustand, in dem ich ihn noch nie gesehen habe. Schwer atmend mit offenem Mund, aber zugleich schnell und flach, als würde er nicht genug Luft bekommen. Seine Augen waren aufgerissen, gleichzeitig war er aber nicht ansprechbar und der ganze Körper verkrampft. […] Neben den eben schon beschriebenen gleich ersichtlichen Problemen, wurde festgestellt, dass mein Vater nicht genug Sauerstoff bekommt, über 39 Grad Fieber hat und die rechte Herzklappe nicht mehr richtig arbeitete – er war laut Notärztin, die kurz nach dem Eintreffen der Rettung auch dazu gerufen wurde, kurz vor einem Herzinfarkt.“

    Trotzdem habe ich gehofft, dass er sich wieder erholen würde. Genauso wie meine Mutter, die in ihrem Leben schon so einige schwere Krankheiten überlebt hatte. Penicillin-Schock. Lungenembolie. Brustkrebs. Gehirnblutung. Wobei sie letztere leider zur Risikopatientin gemacht hat. Dazu kam, dass ihre Magensonde stark entzündet war, was keiner der beiden PflegerInnen der 24-Stunden-Pflege aufgefallen ist. Auch im Pflegekrankenhaus davor hatte man sich jahrelang geweigert, die Magensonde zu entfernen, obwohl sie nicht mehr nötig gewesen wäre. Meine Erlebnisse mit der „Pflegehölle Österreich“ sind aber einen eigenen Artikel wert.

    Immer wieder liest man von über 100-Jährigen, die eine Corona-Infektion überlebt haben, also warum nicht auch meine Eltern? Doch egal wie viel Hoffnung man haben mag, die Angst ist ständig im Hintergrund: „Sich zu fragen ob das nächste Handyklingeln der Anruf ist, der mir leider eine schlechte Nachricht überbringen muss.“

    Es tut uns sehr leid…

    Und dann war es doch genau so, wie ich befürchtet hatte. Am Vormittag des 11. Januar 2021 klingelt mein Telefon: „Es tut uns sehr leid, Ihr Vater ist gerade gestorben.“ Diese Nachricht trifft mich wie ein schwerer Schlag und das ist nicht sprichwörtlich gemeint, mein ganzer Körper schmerzt, es tut furchtbar weh, überall. Gleichzeitig blockiert der Schmerz mein Gehirn, ich kann nicht klar denken, alles ist wie in Watte gehüllt. Was ist passiert? Gestern klang der Bericht aus dem Krankenhaus doch noch leicht optimistisch. Doch Corona war wohl einfach eine zu große Belastung für den 82-jährigen Körper meines Vaters. Ich kann es nicht fassen. Gerade noch habe ich mit ihm gesprochen, was wir dieses Jahr vorhaben. Was erledigt werden soll. Wobei ich helfen kann. Und jetzt ist er auf einmal weg.

    Ich liege im Bett und weine. Kann nicht aufstehen. Kann nichts essen, keinen klaren Gedanken fassen. Gefühlt tagelang. Doch so lang kann es nicht gewesen sein, denn ich muss mich darum kümmern, wann mein Vater für die Bestattung freigegeben wird. Ein Bestattungsunternehmen suchen, das alles abwickelt. Wo und wie will mein Vater begraben werden? Ich weiß es nicht, das war eines der Dinge, die wir besprechen wollten. Dazu ist es aber nun nie gekommen.

    Und was passiert nun mit meiner Mutter? Mein Vater war seit der Gehirnblutung meiner Mutter ihr Erwachsenenvertreter. Das würde wohl ich nun übernehmen. Wie nimmt es meine Mutter auf, dass ihr Mann, den sie seit ihrem 17. Lebensjahr kennt, verstorben ist? Kann ich mich ausreichend um meine Mutter kümmern? Wie wird sich die Covid-Erkrankung auf ihre so und so schon schwere Behinderung auswirken?

    Die sozialen Medien…

    An Schlaf ist nicht zu denken, gleichzeitig ist es schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Mein Vater ist tot und das tut so unglaublich weh. Parallel dazu kommen weiterhin Reaktionen auf meinen Artikel über Social Media, Kommentare hier auf The bird’s new nest und E-Mails. Unmengen an liebevoller Anteilnahme, Besserungswünschen und anderen netten Worten, für die ich euch allen sehr, sehr dankbar bin. Doch dann gibt es auch einige wenige Kommentare, die sehr schmerzen, auch wenn sie deutlich in der Minderzahl sind. „Fake News“ ist eines davon, direkt beim Artikel. Ich finde keine Worte dazu, sondern lösche den Kommentar. Das kommt praktisch nie vor, aber in diesem Fall habe ich keine Kraft für etwas anderes.

    Auf Facebook schreibt man mir, dass man mit einer Art von Kur die Corona-Erkrankung vermeiden kann, jemand anderer meint: „Wo soll jetzt das Problem liegen, deine Eltern werden bald wieder nach Hause kommen.“ Mir wird unterstellt, ich würde dafür bezahlt werden, diesen Beitrag zu schreiben – das war für mich wohl die widerlichste Reaktion auf den Artikel. Aber auch sonst nimmt man sich kein Blatt vor den Mund. Worte wie „Plandemie“ fallen, „Corona-Diktatur“ oder „Regierungsgläubige“. Und ich sitze zu Hause und zu meinem Schmerz kommt die Fassungslosigkeit über die empathielose Selbstverständlichkeit, mit der man den Tod anderer Menschen als unbedeutend vom Tisch wischt.

    Vier Tage später…

    Am frühen Nachmittag des 15. Januar bekomme ich erneut einen Anruf. „Ihre Mutter ist nun leider auch verstorben.“ Meine Eltern sind tot. Gestorben an Corona, beide in der gleichen Woche. Ich bin ein Einzelkind, meine gesamte nähere Familie existiert somit nicht mehr. Das kleine bisschen Energie, das ich noch habe, benötige ich, um die Beerdigung meiner Eltern zu organisieren. Ich versuche alles so umzusetzen, wie ich glaube, dass es meine Eltern gewollt hätten. Viel Spielraum bleibt durch Corona so und so nicht. Und nun liegen meine Eltern gemeinsam in einem Grab am Wiener Zentralfriedhof, das Titelbild wurde am Tag der Beerdigung aufgenommen.

    An die Tage nachdem auch meine Mutter verstorben ist kann ich mich kaum mehr erinnern. Möglicherweise ist das ein Schutzmechanismus des Körpers oder aber einfach nur ein Nebeneffekt des psychischen Stresses. Auch das Gedächtnis funktioniert nicht so richtig, ich merke mir viele Sachen nicht und konkrete Worte fallen mir nicht mehr ein. Und auch wenn ich damit rechnen musste, dass meine Eltern durch Corona sterben würden, hat mich ihr Tod gefühlt vollkommen unvorbereitet getroffen. Nun, über ein Monat danach, habe ich das erste Mal wieder die Kraft, darüber zu schreiben. Und darüber schreiben wollte ich auf jeden Fall. Einerseits, weil ich den ersten Artikel nicht einfach so stehen lassen wollte. Und andererseits weil ich durch die Reaktionen auf besagten Artikel davon überzeugt bin, dass ich definitiv nicht unter den Teppich kehren möchte, dass meine Eltern an Covid-19 gestorben sind.

    Gestorben an Covid-19

    Denn meine Eltern sind definitiv an Covid-19 gestorben, mein Vater war für sein Alter in einem normalen Gesundheitszustand und auch meine Mutter war, abgesehen von der Infektion, gesund in Anbetracht der anderen Umstände. Eine Infektion zusammen mit Corona ist definitiv keine gute Kombination, die Infektion selber hätte aber für sich alleine langfristig kein Problem dargestellt. Und noch etwas möchte ich klarstellen: The bird’s new nest ist meine Seite und ich bekomme generell für keinen der hier veröffentlichten Artikel etwas gezahlt. Wenn das der Fall ist, was nur äußerst selten vorkommt, sind sie als Werbung gekennzeichnet. Und definitiv keiner der beiden Artikel über meine Eltern sind von irgendjemandem gezahlt, genauso wenig wie es sich hierbei um „Fake News“ handelt.

    Außerdem ist es mir egal, ob man daran glaubt, dass es sich um eine „Plandemie“, eine neue Form von Diktatur oder ähnliches handelt. Oder ob der Virus von einem Tier auf den Mensch übertragen wurde oder in einem Labor kreiert. Denn meine Eltern sind tot. Die Umstände machen ihren Tod für mich nicht weniger schmerzhaft und auch Menschen über 80 haben nicht nur ein Recht auf Leben, sondern sie hinterlassen auch Menschen, die um sie trauern, wenn sie sterben.

    Wie geht es mir?

    Die direkte Zeit nach dem Tod meiner Eltern war eine der schlimmsten Zeiten in meinem Leben, aber jeder weitere Tag hilft, etwas Abstand zu gewinnen. Trotzdem ist etwas mehr als ein Monat nicht genug, um nicht bei einem Gedanken an meinen Vater oder meine Mutter die Tränen kommen zu spüren, auch sonst fühlt man sich emotional nicht unbedingt stabil. Den Umständen entsprechend würde ich aber sagen, dass es mir „ok“ geht. Vielleicht bin ich aber auch nur gut im Verdrängen, denn seit einigen Tagen habe ich massive Verspannungen in der Schulter, die zu einem eingeklemmten Nerv geführt haben. Extrem starke Schmerzen und äußerst eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten sind die Folge. Ohne Schmerzmittel könnte ich das hier nicht schreiben, aber der Rat des Arztes war, den Arm weiterhin so gut es geht zu benutzen, was ich hiermit tue.

    Abgesehen von den emotionalen Auswirkungen hat der Tod der eigenen Eltern noch andere Folgen. So muss deren Wohnung geräumt werden, und das erste Mal in eine leere Wohnung zu kommen, wo einem sonst immer der Vater zur Begrüßung entgegenkam ist genauso schmerzhaft wie die vielen Dinge in Händen zu halten, an denen Erinnerungen haften. Da war es fast schon Glück im Unglück, dass mir mein Bausparvertrag aufgrund von zu hoher Zinsen gekündigt wurde, denn sonst hätte ich die über 7.000 Euro, die das Begräbnis meiner Eltern gekostet hat nicht so einfach zahlen können. Der Grabstein ist hier noch nicht einmal inkludiert, das sind dann wohl noch einmal mindestens 3.000 Euro. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es sein muss, seine Eltern zu verlieren um dann zu realisieren, dass man sich das Begräbnis nicht leisten kann. Uns das war in unserem Fall nur ein stilles Begräbnis, also kein Pfarrer, keine Aufbahrung, kein Leichenschmaus – aufgrund von Corona alles keine Option.

    Zurück zu Corona…

    Ich habe mich bei meinen Eltern nicht angesteckt, und die Quarantäne ordnungsgemäß zehn Tage lang befolgt. Einen Bescheid für die Quarantäne, genauso wie eine Aufhebung dieser habe ich nie bekommen. Genauso wenig wie irgendeine Anfrage zu Contact Tracing. Schließlich waren mit meinem Vater insgesamt mindestens acht Personen in Kontakt, als er schon erkrankt war. Interessiert hat das die österreichischen Behörden offenbar nicht. Aus meiner Sicht ist es also nicht nur der Fall, dass Contact Tracing nicht funktioniert, es existiert schlichtweg nicht, zumindest nicht in Wien.

    Ich habe zudem gleich von zwei Ärztinnen, die mit meinem Vater zu tun hatten die Aufforderung zur Quarantäne erhalten, aber wie schon geschrieben nie eine offizielle Aufforderung einer Behörde, also funktioniert auch in diesem Bereich etwas absolut nicht. Dass so auch nicht nachvollziehbar war, wo sich meine Eltern angesteckt haben ist unter diesen Umständen auch nicht mehr verwunderlich. Ich habe selber während und auch nach der Quarantäne Tests durchgeführt und kann so zumindest relativ sicher ausschließen, dass ich der Überträger gewesen bin. Das ist aber in Anbetracht der Umstände nur ein geringer Trost.

    Nachdem ich nun meine Eltern an Corona verloren habe, schmerzt es mich noch mehr auf Facebook zu lesen, wie sich Menschen darüber lustig machen, wenn jemand Angst vor Corona hat. Ja, ich hatte auch Angst vor Corona. Um konkret zu sein hatte ich Angst, dass sich Menschen in meinem Umfeld, die mir wichtig sind, sich damit anstecken und daran sterben. Was auch passiert ist. Trotzdem finden es wohl einige Menschen, die selber vermutlich nicht zur Risikogruppe gehören, sehr unterhaltsam, wenn sich jemand deshalb Sorgen macht. Genauso wenig haben Menschen, die Corona nicht ernst nehmen, selber vermutlich niemanden aus ihrem nähesten Umfeld an dieser Krankheit verloren.

    Vielen Dank für das Lesen dieses langen Artikels! Auch möchte ich mich bei den tatsächlich hunderten Menschen bedanken, die mir auf vielen Wegen Nachrichten gesendet haben. Ich habe nicht mit so einer riesigen Menge gerechnet und war sehr berührt über das viele Mitgefühl, das mir und meinen Eltern entgegengebracht wurde. Genauso möchte ich hier mein Mitgefühl für all jene ausdrücken, die jemanden durch Covid-19 verloren haben. Danke auch an all jene, die meinen ersten Artikel geteilt haben, auch wenn der Ausgang letzten Endes leider kein guter war.

     

    Bernhard Nikolaus Pascher *15.04.1938 †11.01.2021

    Edda Helga Ingeborg Pascher *10.09.39 †15.01.2021

    161 Kommentare zu Meine Eltern sind tot, gestorben an Corona

    Meine Eltern haben Corona und ich bin in Quarantäne

    Eine noch deskriptivere Überschrift war wohl kaum möglich, aber ich wollte, dass sie das Thema genau auf den Punkt trifft, ohne jeglichen Clickbait oder in diesem Fall für mich unpassende…

    Eine noch deskriptivere Überschrift war wohl kaum möglich, aber ich wollte, dass sie das Thema genau auf den Punkt trifft, ohne jeglichen Clickbait oder in diesem Fall für mich unpassende Umschreibungen. Außerdem ist es für mich einfacher nicht ewig nach dem perfekt passenden Titel zu suchen, denn es ist unangenehm genug überhaupt darüber zu schreiben. Warum ich es dann trotzdem tue? Weil ich – nicht zuletzt durch The bird’s new nest – viel auf Social Media unterwegs bin und jeden Tag eine gehörige Dosis von „Corona existiert nicht“, „…ist weniger gefährlich als eine Grippe“, „…wird durch die Medien nur hochgespielt“ und so vieles andere lese.

    Und weil ich zu den naiven Menschen gehört habe, die dachten, Corona trifft nur andere. Die, die sich weigern, Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die, die Corona nicht ernst nehmen. Die, die ständig unter Menschen sind. Zusätzlich beruhigt so eine Sichtweise ein wenig, denn wenn es nur „die Unvorsichtigen“ trifft, dann kann man selber und in Folge die eigene Familie nicht betroffen sein, richtig? „Falsch!“ ist das einzige, das ich dazu sagen kann.

    Covid-19 existiert und es kann jederzeit Menschen treffen, die vor wenigen Tagen noch absolut fit waren. Was genau dieser Virus mit Menschen anrichten kann, habe ich mit eigenen Augen gesehen. Auch wenn man die Erzählungen von Angehörigen Erkrankter oder aus dem Gesundheitswesen kennt, ist es erst wirklich real, wenn man selber seine engsten Familienmitglieder betroffen sieht.

    Meine Eltern…

    Meine Eltern sind beide Anfang 80, also nicht mehr die Jüngsten. In Anbetracht dessen, dass meine Großmutter väterlicherseits aber erst eine Woche vor ihrem 100. Geburtstag gestorben ist und die Schwester meiner Mutter zur Zeit mit über 90 noch sehr fit ist, ist unsere Familie generell mit hohem Alter gesegnet. Anfang 80 ist für mich also kein Todesurteil, sondern verspricht unter normalen Umständen in unserer Familie noch gut zehn bis 20 Jahre.

    Beide meiner Eltern haben Corona ernst genommen, MNS getragen, mein Vater war nur sehr selten außer Haus, meine Mutter sitzt im Rollstuhl und ist praktisch immer zu Hause. Aber möglicherweise hätten sie noch strenger sein müssen, mein Vater FFP2-Masken und Handschuhe tragen sollen, wann immer er die Wohnung verlässt. Und natürlich waren sie mit anderen Personen in Kontakt, den Pflegerinnen meiner Mutter, den Ansprechpersonen der Pflegeorganisationen, dem Hausarzt und mit mir, nachdem ich meine Eltern in vielen Dingen unterstütze. Wie sie sich angesteckt haben, bei wem, wann und wo das passiert ist, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.

    Mein Vater war bis vor ein paar Tagen für einen über 80-Jährigen noch sehr fit, sowohl geistig als auch körperlich. Bis die Pflegerin meiner Mutter mich an einem der letzten Tage in der Früh angerufen hat, dass es meinem Vater schlecht gehe. Er antwortet auf Fragen nur wirr, hat sich eingenässt und kann nicht selbstständig aufstehen. Mein erster Gedanke war: Schlaganfall. Und das natürlich ein Grund, sofort die Rettung zu rufen. Diese war auch in kurzer Zeit vor Ort, konnte aber außer stark erhöhtem Blutdruck nichts Auffälliges finden. Aufgrund des generellen Eindrucks wurde er aber trotzdem ins Krankenhaus gebracht.

    Dort wurde er elf Stunden lang durchgecheckt, aber nicht auf Covid-19 getestet, da keine Krankheitssymptome wie Husten, Fieber oder anderes ersichtlich waren. Ich wurde mehrmals angerufen und es wurde nachgefragt, ob er immer so desorientiert und langsam wäre. Ich habe immer wieder versichert, dass er – abgesehen von den normalen Einschränkungen, die man mit Anfang 80 erwarten würde – vor wenigen Tagen noch absolut fit war. Am Abend wurde ich letzten Endes informiert, ich könne meinen Vater abholen.

    In der Notaufnahme fand ich meinen Vater noch immer extrem verwirrt vor, er hatte sich wieder eingenässt und machte insgesamt einen schlechten Eindruck. Rückwirkend betrachtet hätte ich wohl darauf bestehen sollen, ihn nochmals durchzuchecken, aber ich war so schockiert von dem Anblick, dass ich meinen Vater nur noch nach Hause bringen und ihn in sein Bett packen wollte. Insgeheim in der Hoffnung, dass es ihm nach einer erholsamen Nacht besser gehen könnte.

    …haben Corona…

    Am nächsten Tag wollte ich seinen Hausarzt um einen Hausbesuch bitten, um ihn nochmals von jemandem ansehen zu lassen, der ihn in einem gesunden Zustand kennt. Leider war der Arzt auf Urlaub und bis ich eine Vertretung erreichen konnte, war der Tag quasi schon wieder vorüber, aber zumindest ein Termin für nächsten Nachmittag vereinbart. Es war zwar nicht geplant, dass ich hier anwesend hätte sein sollen, aber irgendetwas hat mich am nächsten Tag spontan ins Auto steigen lassen.

    Vor Ort war mein Vater in einem Zustand, in dem ich ihn noch nie gesehen habe. Schwer atmend mit offenem Mund, aber zugleich schnell und flach, als würde er nicht genug Luft bekommen. Seine Augen waren aufgerissen, gleichzeitig war er aber nicht ansprechbar und der ganze Körper verkrampft. Für die Ärztin natürlich ein Grund, gleich die Rettung zu rufen. Verwundert wurde dann noch festgestellt, dass beim Krankenhausaufenthalt kurz davor kein Covid-Test gemacht wurde, auch wenn die restlichen Befunde alle keine Auffälligkeiten gezeigt haben.

    Das war jetzt auf jeden Fall anders. Neben den eben schon beschriebenen gleich ersichtlichen Problemen, wurde festgestellt, dass mein Vater nicht genug Sauerstoff bekommt, über 39 Grad Fieber hat und die rechte Herzklappe nicht mehr richtig arbeitete – er war laut Notärztin, die kurz nach dem Eintreffen der Rettung auch dazu gerufen wurde, kurz vor einem Herzinfarkt. Und dann kam das Wort: Covid-Verdachtsfall. Und ich dachte mir nur: Das kann doch nicht sein! Noch vor zwei Tagen als quasi gesund entlassen, oder zumindest gesund genug um nicht stationär aufgenommen zu werden und nun als Covid-Verdachtsfall ins Krankenhaus? Aber vielleicht ist der Test ja negativ, wobei ich beim Zustand meines Vaters schon einige Parallelen zu Erzählungen von schweren Corona-Verläufen erahnt habe.

    Nach fast zwei Stunden warten erfuhr ich dann das Ergebnis, dass mich aber schon nicht mehr überrascht hat – positiv auf Covid-19 getestet. Und auch bei ein paar anderen Dingen war ich klüger. Die Desorientiertheit und geistige Verwirrung meines Vaters war möglicherweise eines der vielfältigen eher seltenen Symptome einer Covid-19 Erkrankung. So wie es komplett symptomlose Menschen gibt, greift bei anderen der Virus Bereiche im Körper an, die normalerweise davon nicht betroffen sind. Hätte man das im Krankenhaus wissen müssen? Eigentlich ja. Aber wem möchte man in diesen Zeiten einen Vorwurf machen, in dem Krankenhäuser überfüllt und das Personal so und so schon lange vor Corona in vielen Fällen komplett überlastet ist?

    Nun war es an mir, meiner Mutter beizubringen, dass mein Vater mit Corona im Krankenhaus liegt. Aber auch sie war lethargischer als sonst und das Essen vor sich am Tisch wurde nicht angerührt. Genauso wie mein Vater in den Tagen davor hatte sie keinen Appetit. Die Anweisung der Ärztin: Wenn sie Fieber oder Husten bekommt, rufen Sie die Rettung. Hustenreiz war aber keiner festzustellen und auch kein Fieber, also gab es zumindest etwas Hoffnung, dass meine Mutter sich nicht angesteckt hatte.

    …und ich…

    Aber was nun mir mir? Ich hatte in den Tagen davor meinen Vater umgezogen, beim Gehen gestützt, zu Trinken gegeben und einiges mehr. Würde bei mir jetzt auch ein Corona-Test gemacht? Getestet wird, so wurde ich gleich aufgeklärt nur, wenn ich Symptome zeige. Und gleich von zwei Ärzten wurde ich angewiesen, mich in Quarantäne zu begeben, zehn Tage lang. Und ja, es gäbe Menschen, die zwar keine Symptome haben, aber diese vortäuschen, damit sie getestet werden und das könne ich natürlich auch tun, aber nachdem es kein Freitesten aus der Quarantäne gibt, wäre es zumindest hier nicht zielführend. Kein Freitesten bedeutet, dass die Quarantäne immer zehn Tage dauert, egal ob in der Zwischenzeit ein Corona-Test ein negatives Ergebnis zeigt. Das liegt an der langen Inkubationszeit – zumindest war das mein Verständnis. Sollte ich aber Symptome zeigen, dann solle ich mich für eine Testung melden.

    Vor einiger Zeit noch hätte man sich über zehn Tage zu Hause gefreut. Schließlich ist zu Hause immer etwas zu tun. Wenn man aber über den Tag beschäftigt ist mit Telefonaten betreffend der Eltern, Sorgen um sie und dann noch auf mögliche eigene Symptome achten soll, ist das weit entfernt von irgendeiner Basis für Produktivität. Die Nacht darauf war auch alles andere als erholsam, an Schlaf war kaum zu denken.

    Am nächsten Morgen kam schon die nächste Hiobsbotschaft: Meine Mutter hat Fieber. Also wurde zum dritten Mal in wenigen Tagen die Rettung gerufen und meine Mutter ebenso als Covid-Verdachtfall ins Krankenhaus eingeliefert. Wenig überraschend kam auch hier nach einigen Stunden die Information über einen positiven Covid-Test. Nun liegen meine Eltern im gleichen Krankenhaus in der gleichen Abteilung, dem Corona-Bereich. Die Prognose ist wie immer bei Corona unklar, genauso wie ob ich in den nächsten Tagen Symptome zeigen werde. Wie in vielen anderen Fällen kann man hier nur abwarten und – mein Mittel für solche Situationen – sich ablenken.

    …bin in Quarantäne

    Und das mache ich mit Arbeit am Computer, Hausarbeit beschäftigt mein Gehirn leider nicht ausreichend. Und wie schon eingangs angesprochen bin ich hier auch viel in Social Media unterwegs. Schon zu Beginn der Corona-Krise fand ich Aussagen wie „Corona-Maßnahmen schränken meine Grundrechte ein“ oder „Es betrifft ja eh nur alte Menschen“ absolut rücksichtslos. Denn niemand hat ein recht darauf, andern zu schaden, die Freiheit jedes Menschen geht immer nur so weit bis die Freiheit eines anderen beschnitten wird. Und Corona betrifft nicht nur alte Menschen, die Risikogruppen entsprechen insgesamt rund 40 Prozent der Bevölkerung.

    Wo ich mich vor einiger Zeit aber nur geärgert habe, wird mir nun regelrecht schlecht, wenn ich lese, wie Menschen Corona als kaum gefährlich, die Maßnahmen als übertrieben und Menschen, die sich an diese halten als hysterisch oder regierungskonform bezeichnen. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was ich jeden Tag zu lesen bekomme. Aber ich möchte mich aus Social Media auch nicht zurückziehen, denn das ändert an der Situation auch nichts. Im Gegenteil möchte ich all jenen, die immer wieder posten: „Kennt denn jemand von euch jemanden, der an Corona erkrankt ist? Ich nicht!“ entgegenschreien: „Ja, jetzt kennt ihr jemanden, meine Eltern! Und ich habe keine Ahnung ob sie das überleben werden. Und wie sie das überleben werden. Ob neben meiner schon schwerbehinderten Mutter nun auch mein Vater aufgrund der Hirnschäden durch Corona geistig so stark eingeschränkt sein wird, dass er kein selbst bestimmtes Leben mehr führen können wird.“

    Aber ich schreie niemanden an, sondern schreibe diesen Artikel. Meine Eltern haben Corona und ich bin in Quarantäne. Ich weiß jetzt, wie Corona aussehen kann. Wie es aussieht, wenn der eigene Vater mit dem Tod ringt. Und dass ich diese Qualen niemandem wünsche. Genauso wenig wie nicht zu wissen ob man die eigenen Eltern je lebendig wieder sehen wird. Sich zu fragen ob das nächste Handyklingeln der Anruf ist, der mir leider eine schlechte Nachricht überbringen muss. Und nicht nicht zuletzt sich zu fragen, ob man selber krank wird. Solange ich aber fit bin, werde ich diesen Artikel teilen. Jedes Mal, wenn ich wieder lesen muss, dass es Corona nicht gibt, dass es harmlos ist, dass die Maßnahmen enden sollen.

    Danke für das Lesen. Für eure Zeit. Und danke all jenen, die Rücksicht auf andere nehmen, auch wenn sie sich selber dadurch einschränken müssen.

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