Eco. Life. Style.

Schlagwort: nachhaltigkeit

Der ökologische Fußabdruck – Definition, Berechnung, Ziel

Der ökologische Fußabdruck wird oftmals verschieden definiert, wobei diesen Definitionen überwiegend dieselbe Bedeutung innewohnt. „Der Indikator „Ökologischer Fußabdruck“ ist weltweit einer der erfolgreichsten Indikatoren zur Vermittlung des Konzeptes der ökologischen…

Der ökologische Fußabdruck wird oftmals verschieden definiert, wobei diesen Definitionen überwiegend dieselbe Bedeutung innewohnt. „Der Indikator „Ökologischer Fußabdruck“ ist weltweit einer der erfolgreichsten Indikatoren zur Vermittlung des Konzeptes der ökologischen Nachhaltigkeit und der physischen Begrenztheit des Planeten Erde.“ (Giljum und andere 2007:2). Wie auch in diesem Zitat angeführt, liest man diesen Fußabdruck als Messwert.

Warum beschäftige ich mich nun mit diesem Fußabdruck? Um genauer darauf einzugehen, werde ich davor eine neue Frage aufwerfen. Oft wird uns aufgezeigt, dass es immer noch das Denken des „Sollen doch die anderen machen, denn wenn ich als Einzelner es nicht mache, dann stirbt schon niemand davon.“. Natürlich kann man hier auch abermals die Debatte lostreten bezüglich des „Wenn das jeder sagt, macht es niemand.“, aber worauf ich hinweisen will ist, dass es nicht darum geht, sofort Ergebnisse erwarten zu können, sondern vorausblickend zu denken.

Somit kommen wir auch zu meiner Fragestellung. Wie ist die Definition des ökologischen Fußabdrucks, was soll er bewirken, was sind seine Ziele und wie wird er gemessen.

Die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks

Wie kommt man auf die Ergebnisse dieses speziellen Abdruckes? Hierbei werde ich nur auf die klassische Berechnungsmethode zurückgreifen. Es ist natürlich ebenfalls möglich, einige Faktoren zu ändern. Dies ist zum Beispiel dann erforderlich, wenn man diese Berechnung für ein bestimmtes Land durchführen will. Die klassische Methode beinhaltet die Ausarbeitung der „ […] globalen Durchschnittserträge, [dafür] wurden nur diese berücksichtigt“ (Erb-Krausmann-Schulz 2002).

Der ökologische Fußabdruck wird nun dadurch berechnet, dass man das Inlandsaufkommen mit dem Import addiert und die Exporte abzieht. Dieses Ergebnis teilt man durch den Ertrag im Weltdurchschnitt. Die Werte nehmen Bezug auf die Elemente im Jahr. Jenen Wert stellt man nun den Ertragsfaktoren gegenüber. Diese bekommt man, indem man den lokalen Ertrag der jeweiligen Kategorie mit dem Weltertrag der jeweiligen Kategorie dividiert. Diese Werte gelten nur für Ackerland, Grünland, Wald und versiegelte Flächen (Erb-Krausman-Schulz 2002).

Soviel zu der Berechnung des ökologischen Fußabdrucks. Dies soll helfen zu verstehen, wie sich diese Werte zusammensetzen. Dennoch finden Kritiker auch hier schnell neuen Nährboden für ihre Beanstandungen sowie fehlerhafte Berechnungen. So wurden auch gesondert unabhängige Untersuchungen durchgeführt. „Die Regierung hatte ein Panel aus fünf skandinavischen Akademikern beauftragt, eine externe, unabhängige Evaluation einiger umstrittener Berichte des Instituts vorzunehmen, darunter auch der zum ökologischen Fußabdruck, und sie kamen zu dem Schluss, dass alle Berichte oder Methoden mehr oder weniger fehlerbehaftet sind.“ (URL 1 Nachhaltigkeit.info).

Ob manche Berichte Fehler enthalten oder eventuell auch Zahlen gefälscht werden, will ich hier gar nicht weiter thematisieren, sondern nun weiterführen zu dem eigentlichen Ziel des ökologischen Fußabdrucks. Dazu noch ein Untersuchungsergebnis, das von Greenpeace veröffentlicht wurde: „In Deutschland verursacht jeder Mensch zurzeit durchschnittlich 12,5 Tonnen. Dabei wäre sparen so einfach.“ (URL2: greenpeace.de).

Das Ziel – Wo wollen wir hin?

Die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks zeigt uns, welche Komponenten dafür gebraucht werden. Obwohl Kritiker darauf hinweisen, dass es zu fehlerhafter Berechnung beziehungsweise zu Missbrauchn kommen kann, gibt es dennoch ein Ziel, welches verfolgt wird, Nachhaltigkeit. „Nachhaltigkeit ist vielmehr ein ganzheitlicher Entwurf. Er zielt auf das große Ganze. Er verbindet die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales organisch. Und zwar so eng, dass neue Muster des Produzierens und Konsumierens sichtbar werden.“ (URL 3: Grober 2012).

Das Ziel ist, für mehr Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit zu sorgen. Der Fußabdruck soll versinnbildlicht ein Spiegel unseres Selbst sein. Er soll uns zeigen, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder ob wir uns mehr bemühen müssen. „Der Ökologische Fußabdruck ist kein allumfassender Indikator für Nachhaltigkeit, sondern wird von seinen Proponenten als ein wichtiges Kriterium für ökologische Nachhaltigkeit gesehen.“ (Giljum und andere 2007).

Ob wir nun den Zahlen Glauben schenken oder nicht, soll nicht der springende Punkt für jene sein, die sich um Nachhaltigkeiten bemühen, sondern aufzeigen, ob wir genug an uns arbeiten oder ob wir bewusster dafür sorgen müssen, dass auch langfristig gesehen der Wohlstand, irrelevant dessen, wie jeder einzelne diesen für sich definiert, gegeben ist.

Dabei will ich auch nochmals darauf hinweisen, dass Nachhaltigkeit keine „gute Tat“ ist, deren Folgen man sofort nach Beendigung dieser sieht, sondern es ist eine Entscheidung, die uns begleitet und der ökologische Fußabdruck ist dabei ein Richtwert, der uns helfen soll.

 

Urlographie

URL 1, LEXIKON DER NACHHAILTIGKEIT, Nachhaltigkeit.info, http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/kologischer_fussabdruck_733.htm (14.12.2014, 23:52)
URL 2, GREENPEACE, http://www.greenpeace.de/presse/publikationen/unser-co2-fussabdruck-2014 (14.12.2014, 23:56)
URL 3, ULRICH GROBER DIE ENTDECKUNG DER NACHHALTIGKEIT – KULTURGESCHICHTE EINES BEGRIFFS, http://freiraum-godelmann.de/uploads/media/Ulrich_Grober_Entdeckung_der_Nachhaltigkeit.pdf (15.12.2014, 0:05)

Literaturverzeichnis

GILJUM Stefan, HAMMER Mark, STOCKER Andrea, LACKNER Maria, BEST Aaron, BLOBEL Daniel, INGWERSEN Wesley, NAUMANN Sandra, NEUBAUER Alexander, SIMMONS Craig, LEWIS Kevin, SHMELEV Stanislav. Dessau-Roßlau. Wissenschaftliche Untersuchung und Bewertung des Indikator „Ökologischer Fußabdruck“. Umweltbundesamt.de. 2007
ERB Karlheinz, KRAUSMANN Fridolin, SCHULZ B. Niels. Wien. Der Ökologische Fußabdruck des österreichischen Außenhandels. Synthesebericht. WWF Österreich. 2002

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Frogs – Killer aus dem Sumpf (1972): Erstes Kapitel zum Mensch-Natur-Verhältnis im Spielfilm

I. Story Wir sehen einen Mann, der in einem Kanu über einen See in Florida fährt und von der Natur angetan ist. Er fotografiert die Tiere, vor allem Frösche und…

I. Story

Wir sehen einen Mann, der in einem Kanu über einen See in Florida fährt und von der Natur angetan ist. Er fotografiert die Tiere, vor allem Frösche und Schlangen. Schon die blauen Titel des Vorspanns über den grünen Tieren wirken ungemütlich und unheilschwanger. Bei jedem Fotoklick friert das Bild eine Sekunde mit dem Tier ein, während der Name eines Beteiligten darauf erscheint. Ab der zweiten Minute liegt der Fokus des Fotografen nicht mehr auf den Tieren, sondern auf dem Müll im Wasser und am Ufer – Dosen, Plastik, eine nackte Puppe und ein Rohr, das eine braune Flüssigkeit in den See spült. Während er Enten fotografiert, wird er von einem heranrasenden Motorboot erfasst und sein Kanu kentert. Der Fahrer, offensichtlich angetrunken, und seine Begleiterin entschuldigen sich wortreich und laden ihn auf ihre Insel ein. Sie stellen sich als Clint und Karen Crockett vor und auf der Insel wartet schon ihr Großvater, der millionenschwere Patriarch Jason Crockett, der sie von seinem Rollstuhl aus durchs Fernglas missmutig beobachtet.

In der siebten Minute sehen wir die ersten bildfüllenden Ochsenfrösche und auf dem Anwesen angekommen, werden sie auch ausgiebig thematisiert. Die gesamte Familie ist zum morgigen Geburtstag vom alten Crockett versammelt und jeder hat eine Meinung zu der diesjährigen Froschplage. Jenny ist überzeugt, von dem ständigen Gequake verrückt zu werden und Stuart schlägt ernsthaft vor, Öl ins Wasser zu gießen, damit sie ersticken. Crockett ist zuerst misstrauisch, weil Picket Smith, so heißt der Mann, unerlaubt Fotos geschossen hat. Als Picket aber erklärt, er sei Fotograf und arbeite an einer Reportage über Umweltverschmutzung, realisiert Crockett, dass ihm der Eindringling vielleicht doch nützlich sein könnte und bittet ihn, sich da „draußen“ mal nach den Fröschen und Grover, einem seit dem vorigen Tag verschwundenen Mitarbeiter, der mit Pestiziden unterwegs war, umzuschauen.

Picket tut ihm den Gefallen, findet tote Frösche, Schlangen, Vögel und eine Sprühdose mit Pestiziden und in der 21. Minute die erste menschliche Leiche: Grover, der einem Schlangenbiss erlag. Alle sind beunruhigt und besonders Picket fordert eindringlich, die Insel zu verlassen. Doch der alte Crockett will von all dem nichts wissen, denn: „Die Feier findet genau wie geplant statt. Genauso, wie ich sie mein ganzes Leben gefeiert habe. Nichts wird uns davon abhalten.“ Doch daraus wird natürlich nichts. Schon während der Partyvorbereitungen am Vormittag beginnt die schrittweise Dezimierung der Familie Crockett. Am Abend lässt sich Bella mit den zwei Hausangestellten von Clint mit dem Motorboot übersetzen, was ihnen mutmaßlich aber auch nicht geholfen hat, denn später werden ihre verwaisten Gepäckstücke am Ufer gefunden.

Ein programmatischer Dialog zwischen dem skeptischen Freigeist Picket und dem konservativen, sowohl autoritätsgläubigen, als auch autoritären Crockett, steckt die Positionen ab:

Picket: „Frösche attackieren Fenster, Schlangen hängen vom Kronleuchter. Das ist doch nicht normal.“
Crockett: „Ich glaube nicht, dass es Anlass zur Sorge gibt. Der Staat kann bestimmt Pestizide einsetzen.“
Picket: „Ja, Sir. Da bin ich sicher. Aber dann würden auch eine Menge anderer Sachen getötet.“
Crockett: „Mr. Smith, hier gehen unsere Meinungen auseinander. Ich glaube immer noch, dass der Mensch die Welt beherrscht.“ (Original: Master of the World!)
Picket: „Heißt das, dass man nicht in Harmonie mit ihr leben kann?“
Crockett: „Nennen Sie diesen schrecklichen Lärm etwa harmonisch?“
Picket: „Mr. Crocket, ich weiß, es klingt sehr seltsam. Aber vielleicht versucht die Natur, sich zu rächen.“
Crockett: „Blödsinn.“
Picket: „Wir erklären Sie sich das dann?“
Crockett: „Warten wir ab.“

Am Ende sind nur noch die Stimme der Vernunft, Picket Smith, sein Love Interest Karen, ihr Großvater Crockett und dessen Urenkel Tina und Jay übrig. Sie versuchen, Crockett zum Aufbruch zu motivieren, doch er weigert sich beharrlich, scheint die Realität völlig auszublenden und verlangt bis zuletzt nach dem geplanten Menü, outet sich als konservativer Knochen sondergleichen, wenn er sagt: „Weil nichts den heutigen Zeitplan durcheinander bringen darf. Gar nichts. Ein Jahr geht zu Ende, ein Jahr beginnt. So war es immer und so bleibt es immer.“ Mit dem Essen wird es nichts mehr, aber Karen bringt ihm den gewünschten Drink, einen Whiskycocktail, der den sprechenden Namen Old Fashioned trägt und im Deutschen schnöde mit doppelten Whisky übersetzt wird.

Sie lassen ihn schließlich zurück und rasen mit dem Motorboot in Richtung vermeintliche Freiheit. Auf der Flucht muss Picket noch das Boot aus dem Morast schieben und eine aggressive Seeschlange mit dem Ruder tot schlagen, wofür er sich sein Hemd ausziehen muss. Auf der anderen Seite angekommen halten sie ein Auto an und die Fahrerin berichtet erstaunt, dass sie seit einer Stunde kein Auto gesehen hätten, und das an einem Feiertag. Ihr Sohn Bobby, der gerade aus dem Ferienlager kommt, dreht sich zu den Kindern um und fragt: „Hey, wollt ihr sehen, was ich gefangen habe? Es wimmelt nur so davon im Lager. Habt ihr je so ein großes Monster gesehen?“ und hält ihnen einer der großen Frösche vors Gesicht. Die Frösche haben also schon gesiegt. Zoom auf den Frosch und Überblende auf das Crockett Anwesen. Es ist Nacht und das Haus hell erleuchtet. Crockett ist umgeben von Fröschen, die durchs Fenster herein springen und stirbt in Panik an einem Herzinfarkt.

II. Karma

Frogs gilt als Wegbereiter des Ecohorrors, einer Spielart des Tierhorrors, in der sich die Natur an den Menschen rächt. Anders als in Genreklassikern wie Hitchcocks The Birds (1963) oder Spielbergs Jaws (1975), in welchen die Tiere scheinbar aus heiterem Himmel die Menschen attackieren, liegen dem Gemetzel in Frogs ganz deutlich karmische Gesetze zugrunde, was schon im Trailer klar wird. Während auf der Bildebene besonders drastische Highlights aus dem Film vereint werden, spricht eine tiefe bedrohliche Männerstimme: „Suppose Nature gave a war and everybody came: The snakes, the birds, the lizards and frogs. And suppose that the polluter, the species on earth called man, is the enemy in this war.“ Crockett, in Vertretung seiner Spezies: „I still believe man is master of the world.“ Wieder die Stimme: „And then suppose the human race lost.“1

Hier wird schon die fatalistische Grundhaltung des Films sichtbar. Tatsächlich haben 99 Prozent der Charaktere, die in diesem Film sterben, vorher Tiere getötet, ihren Lebensraum erheblich gestört oder dies unterstützt oder gefordert. Grover stirbt an einem Schlangenbiss, nachdem er mit Pestiziden Frösche, Schlangen und Vögel getötet hat. Michael, der zuvor wie ein Erbschleicher um seinen Großvater herumgeschleimt ist, wird von diesem gebeten, nach dem Telefonmasten zu sehen, weil die Leitung seit dem vorigen Tag tot ist. Er stoppt den Jeep, um einen Vogel vom Himmel zu schießen und läuft zu der Stelle, an der er gelandet sein muss. Er stolpert über eine Wurzel und schießt sich selbst ins Bein, kann nicht mehr aufstehen. Er schreit jämmerlich während ein weißes Geflecht vom Baum herab fällt und ihn bedeckt. Taranteln und Skorpione besorgen den Rest.

Kenneth wird von seiner Mutter Iris ins Gewächshaus geschickt, um ein paar Orchideen zu holen. Offensichtlich vorsätzlich handelnde Geckos stoßen Flaschen mit giftigen Pestiziden vom Regal und Kenneth erstickt qualvoll an den Dämpfen. Die Tiere scheinen eigenständig und intelligent zu handeln und ihnen machen die Dämpfe seltsamerweise auch nicht zu schaffen. Bemerkenswert ist, dass Kenneth nur Augen für seine Freundin Bella hatte und sich an keinem Tier vergriffen hatte. Ist er ein Kollateralschaden? Oder in Sippenhaft? Oder eine Verwechslung? Oder reicht die Tatsache, dass er im Gewächshaus gefangen gehaltene Orchideen beschneidet, für die Geckos als Grundlage für ein Todesurteil?

Iris hingegen ist passionierte Schmetterlingssammlerin und gerade auf der Jagd, als sie in Panik vor einer Klapperschlange flieht. Sie fällt in einen Tümpel, taucht mit Blutegeln bedeckt wieder auf, rennt weiter, stolpert wieder und diesmal wird sie von der Klapperschlange geschnappt. Ihr Mann Stuart sucht sie und wird von einem Krokodil gefressen. Das Wasser, das er nun rot färbt, ist so schwarz und dickflüssig, dass es unglaubwürdig erscheint, dass sein Vorschlag, Öl in den See zu schütten, um die Frösche zu töten, reine Hypothese geblieben ist.

Clint bringt Bella, Maybelle und Charles ans Ufer. Das Motorboot ist seltsamerweise ohne ihn in die Mitte des Sees getrieben, und er versucht es nun schwimmend zu erreichen, um zurück zu seiner Familie zu kommen, wobei ihn aber die Seeschlange erwischt. Seine Frau Jenny sieht das leere Boot und sucht ihn am Ufer, wobei sie von einer Riesenschildkröte (!) gefressen wird. Crockett ist der letzte und sein Tod ist der grausamste. Er wird zwar nicht gefressen, aber er stirbt an Angst und Schrecken. Er ist allein in seinem Zimmer, das voller Frösche ist. Sie springen unbeeindruckt durch die Fensterscheiben. Sein einziger Verbündeter ist sein Hund Colonel, der keine Hilfe ist und nur ängstlich winselt. Er gehört als domestiziertes Tier offensichtlich zu seinem Menschen und hat genauso wie er Angst vor der Naturgewalt der Froschinvasion. Vor der letzten Szene auf dem Festland, in der Picket, Jenny und den Kindern der Frosch aus dem Ferienlager präsentiert wird, hat sich Crockett noch selbst mit einem sarkastischen „Many happy returns of the day. To me.“2 gratuliert, seinen Drink ausgetrunken und schwungvoll das Glas weggeworfen, das klirrend zersprang. Nun spielt er auf dem Plattenspieler einen Militärmarsch, der das Froschquaken aber nicht übertönen kann und langsam und verzerrt ganz verstummt, als ein Frosch auf den Plattenteller hopst.

Crockett gießt sich einen zweiten Drink ein und leert ihn in einem Zug. In seinem Rollstuhl dreht er sich im Raum und von den Wänden starren ihn die toten Augen von präparierten Bären, Löwen und Gämsen an. Das Telefon klingelt, aber als er abnimmt ist die Leitung tot. Zunehmend verzweifelt ruft er in den Hörer „Hallo? Hallo?“ und lässt ihn schließlich zu Boden fallen, auf dem die Frösche in ihn hinein quaken. Das Telefonklingeln war offensichtlich eine akustische Halluzination, eine Manifestation der tief verwurzelten Sehnsucht nach Zivilisation und der Angst vor der unberechenbaren Natur. Crockett dreht sich wieder im Raum und jetzt hört er nicht nur das ohrenbetäubende und reale Quaken der Frösche, sondern auch das Fauchen, Brüllen, Meckern und Kreischen der toten Tierköpfe an der Wand. Schnelle Gegenschnitte der Tierköpfe, der lebenden Frösche und dem hilflosen Crockett in seinem Rollstuhl versinnbildlichen seine existenzielle Panik. Es wirkt, als würden sowohl die lebenden als auch die toten Tiere über ihn Gericht halten und nach kurzer Zeit wird er von einem Herzinfarkt erlöst, fällt aus seinem Rollstuhl und ist sofort von Fröschen übersät. Man sieht das Crockett Haus in der Totalen. Alle Lichter gehen aus. Ende. Während des kurzen Nachspanns hört man keine Musik, nur Froschquaken. Am Ende erscheint ein Cartoonfrosch, der eine menschliche Hand verschluckt, was das eben gesehene Werk etwas ins Lächerliche zieht, aber auch keinen Zweifel an dem Sieger dieses „Kriegsfilms“ zulässt.

Crockett verkörpert den Prototyp des patriarchalen Unternehmers, der es mit seinen Geschäften zu Reichtum und Macht gebracht hat. Es ist nicht ganz klar, um was für Geschäfte es sich handelt. Es fällt nur einmal das Stichwort „Papiermühle“ als seine Tochter Iris sich bei ihm beschwert, dass dort seit neuestem Schmutzfilter Pflicht seien und diese die Familie Millionen kosten würden. Er hatte in seinem Leben mit großer Sicherheit gegen alle nachhaltigen und tiefenökologischen Prinzipien verstoßen, die besagen, dass das Sich-entfalten-können des menschlichen und nichtmenschlichen Lebens und somit der Reichtum und die Vielfalt aller Lebensformen Werte an sich sind, und dass Menschen kein Recht haben, diesen Reichtum der Natur über ein Maß, das zum Überleben notwendig ist, zu verringern.

Dafür, dass Crockett symbolisch für den US-amerikanischen Unternehmer oder sogar für die US-Gesellschaft an sich steht, gibt es viele spitze sarkastische Hinweise. Sein Geburtstag fällt nicht zufällig auf den 4. Juli, den Independence Day und größten US-Feiertag, der an die Ratifizierung der Unabhängigkeit der dreizehn ersten Kolonien von den Europäern am 4. Juli 1776 erinnert. Von Europa kann man sich unabhängig machen, aber nicht von der Natur.

Während der Partyvorbereitungen am Vormittag springt ein Frosch, unbeeindruckt von den strengen Gesetzen, die die Schändung der US-Flagge ahnden, auf eine Sahnetorte mit Stars-and-Stripes-Muster und in Crocketts finaler Szene beendet ein Frosch mit dem Sprung auf den Plattenteller die patriotische Militärmusik. Bemerkenswert ist, dass Crockett mehr Selbstreflexion zu haben scheint als der Rest seiner Familie, die nur gierig auf sein Ableben wartet, um seine Millionen zu erben. So erklärt er seiner ignoranten Tochter, dass Schmutzfilter dem Umweltschutz dienen. In einer anderen Szene, in der die Familie im prachtvollen Salon zusammensitzt und auf weitere Hiobsbotschaften wartet, meint Crockett auf Iris‘ Befürchtung, Grover könnte hilflos in einem Straßengraben liegen, das geschehe ihm ganz recht. Darauf entgegnet Karen, das sei furchtbar, so etwas zu sagen, es würde ja klingen, als seien sie die gemeinen Reichen („The ugly rich“). Darauf sagt Crockett nur trocken und vollkommen ironiefrei, mit der Decke auf den Knien und dem Drink in der Hand: „We are the ugly rich.“

In nahezu prophetischer Weitsicht nimmt der beleidigte Crockett mit dem Ausspruch; „Ich sehe, wer loyal ist und wer nicht. Das sehe ich.“ das berühmt-berüchtigte „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“ Zitat des doppelten US-Präsidenten George W. Bush am Beginn seiner völkerrechtswidrigen Invasion des Iraks 2003 vorweg, die hunderttausenden unschuldigen Zivilisten, tausenden Soldaten und ungezählten Tieren das Leben kostete. Dieser Krieg wurde aus Geld- und Ölgier geführt und outete Präsident Bush als einen alles andere als nachhaltig denkenden Menschen.

Es fällt leicht, noch weiter zu denken und Crockett nicht nur als Personifizierung der kapitalistischen US-Gesellschaft, sondern der Zivilisation und des modernen Menschen an sich zu sehen, dessen luxuriöse Lebensgrundlage ohne die Ausbeutung und Zerstörung der Natur, seiner Mitwelt, undenkbar ist. Die Tatsache, dass Crockett, der unangefochtene millionenschwere Patriarch, im Rollstuhl sitzt, spricht Bände, macht es doch die hilflose und ausweglose Situation klar, in welche sich die Menschen mit ihrer oberflächlichen kurzsichtigen Gier manövriert haben. Der Rollstuhl als Symbol für das Anthropozän, das Menschenzeitalter.

III. Versuchsaufbau

Dass die Handlung auf einer Insel, einem hermetisch abgeriegeltes Territorium, spielt und somit einem Versuchsaufbau gleicht, ist ein geschickter Schachzug, lassen sich doch so leicht Vertreter der US-Gesellschaft wie Schachfiguren installieren. Die Familie Crockett besteht aus einem alten weißen Patriarchen, seiner Tochter und ihrem Mann, fünf Vertretern der Enkelgeneration um die dreißig, davon drei männlich und zwei weiblich sowie zwei etwa zehnjährigen Kindern, auch männlich und weiblich. Hinzu kommen drei Afroamerikaner, zwei Frauen und ein Mann. Maybelle und Charles arbeiten seit Jahren als treue Hausangestellte für Crockett und Bella hat es aus einfachen Verhältnissen als Model und Modedesignerin und die Verbindung zum Crockettenkel Kenneth in die weiße High Society gebracht.

Trotz der nun faktischen Klassenunterschiede bietet die Herkunft und die Hautfarbe immer noch mehr Zusammenhalt als die neue Familie der Crocketts. In einer der ersten Szenen bietet Bella Maybelle Alkohol an und gesteht ihr, dass sie aus den Südstaaten kommt und eigentlich auch Maybelle heißt. Maybelle bietet ihr daraufhin an, jederzeit in die Küche, ihr Refugium, zu kommen, wenn Bella nach einem guten Gespräch sei, was diese dankend annimmt. Als Bella vom Tod ihres Freundes Kenneth erfährt, ist sie völlig aufgelöst und läuft instinktiv in die Arme Maybelles, um sich trösten zu lassen. Auch die Flucht ist nach Rassen getrennt. Die stolze und unabhängige Bella ist neben Picket die einzige, die dem starrköpfigen autoritären Crockett von Anfang an zu widersprechen wagt und energisch zur Flucht von der Insel aufruft, offensichtlich, weil sie die einzigen sind, die in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm stehen. Auch Maybelle und Charles raten höflich, aber bestimmt, zum Aufbruch. Schließlich bringt Clint die drei als erstes ans Ufer.

Picket Smith fungiert in diesem Spiel als die Stimme der Vernunft und Empathie, ein Vertreter des Nachhaltigkeitsgedankens, der keine Angst vor Klapperschlangen hat, sondern sie liebevoll betrachtet und sie fotografiert statt zu erschießen oder hysterisch wegzulaufen. Er ist auch als freischaffender Fotograf, der, wie er Karen nachts am Pool erklärt, an seinem Job am meisten die Tatsache, dass er viel herumkommt, viele Menschen kennenlernt und keinen Boss hat, der ihm über die Schulter schaut, also die Freiheit, liebt, ein Vertreter der Gegenkultur. Drei Jahre nach Easy Rider war es Zeit für ein ökologisches Update.

IV. Gaia

Wenn man von der Prämisse des Trailers ausgeht, dass die Natur der Menschheit den Krieg erklärt hat, um sich für ihre Schändung zu rächen, kommt man schnell auf Gaia. Sie war in der griechischen Mythologie die personifizierte Erde, eine der ersten Götter. Sie ist liebevolle Mutter, aber auch Rachegöttin und ihr Name bedeutet wahrscheinlich so viel wie „die Gebärerin“3. Nach der Gaia-Hypothese der Naturwissenschaftler James Lovelock und Lynn Margulis ist die Erde und ihre Biosphäre als Lebewesen zu betrachten, als dynamisches System von komplexen Organismen, die aufeinander reagieren, und keine wörtlich genommene Mutter Erde4.

Menschen, Tiere, Pflanzen, Bakterien und Mineralien sind demnach so etwas wie die Körperzellen der Gaia und die Umweltzerstörung durch den Menschen (oder die Zivilisation an sich, wenn man Derrick Jensens Argumentation in seiner epochalen Anklageschrift Endgame folgt5) kann als Autoimmunkrankheit bezeichnet werden. In diesem Sinne kann man Naturkatastrophen, Klimawandel oder in diesem Falle die aggressive Invasion von Reptilien, Amphibien, Insekten und Vögeln als Versuch des Immunsystems lesen, die lebenserhaltende Ordnung im Organismus oder Ökosystem wieder herzustellen.

V. Das Tier des Teufels

Dass gerade Frösche in diesem Film für Schrecken sorgen, liegt höchstwahrscheinlich an der kaltblütigen Pokerfacehaftigkeit ihrer Gesichter, die sich im Gegensatz zu denen von Säugetieren durch sehr sparsame Mimik auszeichnen. Sie sind eine weiße Leinwand, auf die man alle Ängste projizieren kann. In heidnischen Zeiten war der Frosch einmal ein angesehenes Tier und wurde als Fruchtbarkeitssymbol verehrt. Doch die Christianisierung, die zwanghaft alles, was vor ihr da war, umdeutete, setzte ihn mit dem Teufel gleich, was zu einem theologischen Dilemma führte, denn wie kann ein Tier des Teufels sein wenn doch alle Tiere Gottes Schöpfung sind?6

Als Crockett sich weigert, die Insel zu verlassen und alleine dort bleiben will, warnt ihn Picket passenderweise mit den Worten: „Sie haben sich auf eine teuflische Schlacht eingelassen. Machen Sie sich besser bereit.“ In Frogs wird der Frosch seiner Jahrhunderte alten Dämonenrolle, die vor allem durch Jim Hensons Kermit ab 1976 aufgeweicht wurde, noch einmal gerecht.

VI. Bedeutung des Films und der Künstler

Böse Zungen werfen dem Film Trash, Overacting und Holzhammermethoden vor, anderen gilt er als der beste der schlechten Filme. Doch er ist unbestritten ein Klassiker des Ökohorrors und versteht es, seine Botschaft spannend und eindringlich zu übermitteln. Auffällig ist, dass die meisten der Beteiligten der Fernsehbranche entstammen. Regisseur George McGovan drehte dreißig Jahre lang Folgen für Serien wie Fantasy Island (1977-84) und Charlie‘s Angels (1976-81), aber nicht einmal eine handvoll Handvoll Kinofilme.

„Crocket“ Ray Milland (Dial M for Murder, 1954) und „Picket“ Sam Elliot (The Big Lebowski, 1998) sind die unangefochtenen Stars dieses Films. „Clint“ Adam Roarke erlangte in den 60er und 70er Jahren eine gewisse Berühmtheit neben Stars wie Jack Nicholson und Peter Fonda in Biker- und Highwayfilmen und „Bella“ Judy Pace ist seit fünfzig Jahren eines der bekanntesten afroamerikanischen Gesichter des US-Fernsehens.

Die Legende besagt, dass während der Dreharbeiten an Originalschauplätzen dem Filmteam ein Großteil der 500 Florida Frösche und 100 Südamerikanischen Riesenkröten entwischt sind. Inwiefern die Flucht der Tiere zu eine biologischen Invasion und Veränderung des Ökosystems, also ein Reenactment der Filmhandlung, führte, ist nicht überliefert.7

 

Frogs – Killer aus dem Sumpf (auch Die Frösche), Frogs, USA 1972. Regie: George McCowan, Drehbuch: Robert Hutchison, Robert Blees, Darsteller: Ray Milland, Sam Elliot, Joan van Ark, Adam Roarke, Judy Pace, Lynn Borden, Mae Mercer, David Gilliam, Nicoolas Cortland, George Skaff, Lance Taylor Sr., Hollis Irving, Dale Willingham, Hal Hodges, Carolyn Fitzsimmons, Robert Sanders

Zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=9OTaIzBPxtk

 

Quellen: 

1 Stimme: „Stell dir vor, die Natur eröffnet den Krieg und alle kommen: Die Schlangen, die Vögel, die Eidechsen und die Frösche. Und stell dir nun vor, dass der Verschmutzer und Zerstörer, die Spezies namens „Mensch“, der Feind in diesem Krieg ist.“ Crockett: „Ich glaube immer noch, dass der Mensch die Erde beherrscht.“ Stimme: „Und nun stell dir vor, dass die menschliche Rasse den Krieg verliert.“

2 Wörtlich übersetzt: „Viele glückliche Wiederholungen dieses Tages. Auf mich.“ In der deutschen Tonfassung sehr frei mit „Allein dumme Menschen fliehen vor ihrem Schicksal. Zum Wohl.“ übersetzt.

4 Unter anderen: Lovelock, J.: GAIA – Die Erde ist ein Lebewesen. Scherz. Bern, München, Wien 1992.

5 Jensen, D.: Endgame. Zivilisation als Problen. Pendo Verlag. Zürich 2008. Siehe auch: http://www.derrickjensen.org/

6 Hüppauf, B.: Vom Frosch. Eine Kulturgeschichte zwischen Tierphilosophie und Ökologie. Transcript. Bielefeld 2011.

1 Kommentar zu Frogs – Killer aus dem Sumpf (1972): Erstes Kapitel zum Mensch-Natur-Verhältnis im Spielfilm

Seele 2.0 – Welcher Genusstyp bist du? (mit Test)

Genussfähigkeit ist eine wichtige Ressource für Stressbewältigung und somit wesentlich für unsere psychische und physische Gesundheit. In diesem Artikel lernst du, wie du zu mehr Genuss in deinem Leben kommen…

Genussfähigkeit ist eine wichtige Ressource für Stressbewältigung und somit wesentlich für unsere psychische und physische Gesundheit. In diesem Artikel lernst du, wie du zu mehr Genuss in deinem Leben kommen kannst und kannst mit Hilfe eines Tests prüfen, welcher Genusstyp du bist.

Was ist Genussfähigkeit?

Der Ausdruck Genuss bezeichnet die Freude an Empfindungen und das gute Gefühl, das sich dabei einstellt. Bei Tisch sehr Wohlschmeckendes zu essen oder zu trinken, bei musischen und intellektuellen Erlebnissen wie

  • dem Lesen eines guten Buches
  • dem Musik hören oder selbst Musizieren
  • künstlerischer oder kreativer Betätigung
  • dem erfolgreichen Lernen und Lehren
  • persönlichem, beruflichem oder sportlichem Erfolg

 

in der Begegnung mit Anderen, etwa durch

  • soziales Wirken
  • das Pflegen von Freundschaften
  • Liebeserlebnisse

 

Grundvoraussetzung für den Genuss ist die Fähigkeit und Bereitschaft zu bewusstem Erleben mit allen Sinnen. Genießen ist: Wenn die Mundwinkel die Ohren suchen! Wer bewusst durchs Leben geht und genießt, ist Profi in Sachen Gesundheit. Denn durch das Genießen erreichen wir vor allem eins: Wir konzentrieren uns auf unsere Sinne und lassen das laute Hirn in die zweite Reihe rücken. Dadurch bekommen wir Nähe zu uns selbst und zu unserer Umwelt. Als Folge erleben wir mehr innere Balance, mehr Erholung und Entspannung. Und wer so entspannt ist, ist auch für die Menschen um einen herum eine attraktivere Persönlichkeit und ist selten allein. Das alles zusammen führt zur Stärkung des Selbstbewusstseins und zu einer nachhaltig starken Psyche.

Gute Gefühle, die durch das Genießen entstehen…
…stärken Willenskraft und Motivation
…sichern den Erfolg bei jeder Verhaltensänderung
…helfen beim Lernen von neuen Fähigkeiten
…verbessern das Gedächtnis und halten geistig fit
…erhöhen die Leistungsfähigkeit
…beugen Stress und Burnout vor
…fördern das Wohlbefinden
…schützen die psychische Gesundheit

Genussfähigkeit kann man trainieren

Genießen geht nicht auf Kommando, man muss sich schon ein wenig vorbeireiten. Schritt Nummer Eins: Reizreduktion. Wer gleichzeitig ein Fünf-Gänge-Menü isst und Facebook verfolgt, kann sich weder um die eine noch um die andere Aktivität genüsslich kümmern. Schritt Nummer Zwei: Lernen, die Kleinigkeiten im Leben zu sehen (hier hilft Achtsamkeit) und mit Freude anzuerkennen (hier hilft Dankbarkeit). Genussfähigkeit ist demnach eine richtige Kompetenz, die man nach und nach erlernt. Welcher Typ du heute bereits bist, kannst du weiter unten in einem kurzen Test feststellen.

Nur wer genießt, ist genießbar!

In vielen Sprichwörtern steckt eine gewaltige Portion Wahrheit, so auch in dem Spruch „Nur wer genießt, ist genießbar“. Manchmal hängt dieser Spruch in den Firmenkantinen an der Wand und erinnert uns, dass wir hier nicht nur zum Kalorien aufnehmen sind. Und wenn man sich bei einem Klassik-Konzert die verschiedenen Gesichter der Zuhörer anschaut, entwickelt man auch spontan Sympatien mit denjenigen, die fröhlich lächeln oder aufmerksam dem Spannungsbogen des Musikstücks folgen. Genießer erkennt man oft daran, dass sie eine Sicherheit und Gelassenheit ausstrahlen und viel über die Welt zu erzählen haben, und mit solchen Menschen umgibt man sich lieber, als mit unzufriedenen Nörglern.

Genießen braucht Zeit

Mal eben schnell einen Genuss in die Agenda hineinschieben geht nicht. Gepaart mit der oben erwähnten Vorbereitung braucht der Genussmoment die Sicherheit, dass kein Zeitdruck herrscht. Am besten stellt man mögliche Störungsquellen aus und widmet sich ganz und gar dem Moment.

Mache den Test!

Welcher Genusstyp bist du? Andrea Wicho hat einen kurzen Test zusammengestellt, der dir hilft, das herauszufinden.

1. „Wer zuletzt lacht, lacht am besten!“ – Was meinst du dazu?
Ein wahres Wort. (C)
Ich warte doch nicht bis zuletzt. Ich lache immer als Erster. (A)
Also mir ist es lieber, wenn alle gemeinsam lachen. (B)
Egal, ob man zuletzt lacht, man muss auf jeden Fall am lautesten von allen lachen. (D)

2. Angenommen, du wärst alleine im Urlaub. Was könnte dich am stärksten reizen?
Ein erotisches Abenteuer. (D)
Sport oder Kultur. (C)
Das Nachtleben: Jubel, Trubel, Geselligkeit. (A)
Der pure Erholungswert, Abschalten vom Alltag. (B)

3. „Kein Genuss ohne Reue.“ – Was meinst du dazu?
Na ja, das gehört halt dazu. (B)
Ich bin für jedweden Genuss, aber ohne jegliche Reue. (D)
Besser, man denkt schon vorher nach, bevor man nachher etwas bereuen könnte. (C)
Wenn’s ein besonders toller Genuss ist, kann man ja sein Gewissen vorübergehend auf Urlaub schicken (A)

4. Am besten arbeite ich, wenn…
…der Leistungsdruck enorm ist. (D)
…ich mich intellektuell von einer Fragestellung herausgefordert fühle. (A)
…ich von der Sinnhaftigkeit der Aufgabe überzeugt bin. (C)
…ich genügend Zeit zur Verfügung habe. (B)

5. Wofür nützt du eine kurze Arbeitspause am liebsten?
Zum Kaffeetrinken und Tratschen. (A)
Den Kopf zu klären und sich bereit für Neues zu machen. (C)
Zum Rauchen, Trinken, Essen, Spielen. (D)
Ich rufe zuhause an. (B)

6. Wann gehst du am ehesten mit dem Kopf durch die Wand? Wenn…
…mich überschäumende Energie vorwärts treibt. (D)
…die Wand aus Papier besteht. (C)
…ich unbedingt wissen will, was dahinter liegt. (A)
…es räumlich keinen anderen Weg zu geben scheint. (B)

7. An einem Menschen magst du am wenigsten, wenn er…
…rücksichtslos eigene Interessen durchsetzt. (B)
…faul und inaktiv ist und immer einen Ansporn braucht. (D)
…sich für nichts interessiert und deshalb langweilig ist. (A)
…kein Ziel hat und nur die Zeit totschlägt. (C)

8. Welches der nachstehenden Dinge wäre für dich der schönste Genuss?
Eine aufregende Reise. (A)
Ein nahezu orgiastischer Exzess. (D)
Meditative Erleuchtung. (C)
Erwiderte Liebe. (B)

9. Welchem Spruch über Zeit stimmst du am ehesten zu?
Seneca: „Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“ (C)
Da Vinci: „Die Zeit verweilt lange genug für denjenigen, der sie nutzen will.“ (B)
Joubert: „Die Zeit ist Bewegung im Raum.“ (D)
Heine: „Jede Zeit ist eine Sphinx, die sich in den Abgrund stürzt, sobald man ihr Rätsel gelöst hat.“ (A)

Auswertung

Typ A, B, C oder D? Welchen Buchstaben hast du am häufigsten ausgewählt? Hast du bei mehreren Buchstaben etwa gleich hohe Werte, dann bist du ein Mischtyp. Lese dann bitte bei allen in Frage kommenden Buchstaben nach.

Typ A: Auf ständiger Jagd nach Anerkennung

Durch deinen Kopf geistern unzählige Ideen, die sofort umgesetzt werden wollen. Als rastlose Natur bist du ständig unterwegs und bei jedem angesagten Event dabei. Du genießt es, wenn du im Mittelpunkt stehst und mit möglichst verschiedenen Charakteren über Gott und die Welt plaudern kannst. Wenn sich ein andächtiges Publikum an deinen geistreichen Bemerkungen ergötzt und dir durch bewundernde Blicke und anerkennende Worte signalisiert, wie toll und einzigartig du bist. Es fällt dir aber nicht leicht, solch befriedigende Augenblicke festzuhalten und voll auszukosten: Du bist ja schon wieder auf dem Sprung!

Typ B: Harmonie schenkt Kraft

Du nimmst das Leben, wie es gerade kommt. Du willst mit anderen Menschen in Harmonie leben und ordnest dich deshalb bereitwillig den Wünschen anderer unter. Du genießt es, wenn es deinen Lieben gut geht und das Leben rundherum möglichst reibungslos und ohne Konflikte verläuft. Dein Genuss liegt im beschaulichen Auskosten des Augenblicks, in dem die Welt still zu stehen und ewige Harmonie zu herrschen scheint. Aus dieser Ruhe schöpfst du enorme Kraft und die Bereitschaft, weiterhin für andere da zu sein. Dies nützt aber mancher weidlich aus. Wie wäre es hin und wieder mit etwas mehr Egoismus?

Typ C: Genuss mit Maß und Ziel

Die Zeit ist für dich viel zu kostbar, um sie zu sinnlos verschwenden. Wertvoll ist für dich, was einen Nutzen hat. Was dich weiterbringt, wodurch du Erfahrungen sammelst. Zuerst muss alles erledigt werden, was wichtig ist: Zeit für Genuss bleibt auch noch später. Hast du dein Tagewerk aber vollbracht, gestattest du dir durchaus kurze Momente des Innehaltens, schauen in dich selbst hinein und genießt das beruhigende Gefühl, mit sich eins zu werden und dein persönliches Ziel erreicht zu haben. In manch einem dieser raren Genussmomente könnte aber die leise Sehnsucht erwachen, diese schönen Augenblicke mit anderen teilen zu wollen.

Typ D: Der Genuss liegt im Exzess

Deine größte Angst ist, etwas zu versäumen. Deshalb muss alles möglichst schnell gehen, der Tag hat schließlich nur 24 Stunden. Du willst dich spüren und stürzt dich energiegeladen auf jede neue Herausforderung, testest dabei oft deine persönlichen Grenzen. Genuss bedeutet für dich die spannende Begegnung mit dem Außergewöhnlichen, ein orgiastisches Erlebnis der Extraklasse, das konventionelle Grenzen überschreitet und dich in sinnliche Dimensionen außerhalb von Raum und Zeit befördert. Prinzipiell gibst du dich nicht mit halben Genüssen zufrieden, du willst alles. Vorsicht, darin liegt ein gewisses Suchtpotenzial!

Was immer du jetzt herausgefunden hast, nimm dir etwas Zeit zu überlegen, was du damit machen willst: Soll es so bleiben? Möchtest du es ändern?

Drei Hauptbotschaften aus diesem Artikel

1. Jeder von uns genießt auf eine andere Art und Weise
2. Genießen braucht Vorbereitung und Zeit
3. Genussfähigkeit ist eine Ressource, die kleine Wunder für deine psychische und physische Gesundheit bewirken kann

In diesem Sinne wünsche ich dir eine genussvolle Zeit!

2 Kommentare zu Seele 2.0 – Welcher Genusstyp bist du? (mit Test)

Kritikpunkte am Begriff „Nachhaltigkeit“

In meinem sprachwissenschaftlichen Beitrag über Nachhaltigkeit bin ich den Ursprüngen des Begriffes ein wenig auf den Grund gegangen. Heute möchte ich einige Stimmen zu Wort kommen lassen, die auf der…

In meinem sprachwissenschaftlichen Beitrag über Nachhaltigkeit bin ich den Ursprüngen des Begriffes ein wenig auf den Grund gegangen. Heute möchte ich einige Stimmen zu Wort kommen lassen, die auf der sprachlichen Ebene einer „nachhaltigen Entwicklung“ nicht so viel abgewinnen können. Was mein Interesse geweckt hat, war ein Abschnitt im Brockhaus-Lexikon (Bd. 19, 2006, S. 235), der mit der Überschrift „Kritik“ gekennzeichnet ist. Vier Punkte werden dort im Weiteren aufgeführt, die darauf eingehen, dass der Begriff Nachhaltigkeit beliebig, ideologisch täuschend, utopisch oder schier illusionär sei. Doch was für eine Argumentation verbirgt sich dahinter?

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Nachhaltige Entwicklung als Beliebigkeit

Grundsätzlich sei niemand dagegen, nachhaltig zu wirtschaften, das Wort aber sage inhaltlich nichts Konkretes aus, ist dort zu lesen. „Das Nachhaltigkeitspostulat sei inhaltlich leer. […] Unter der Flagge der n. E. [= nachhaltige Entwicklung] könne man trotzdem für komplett gegensätzliche Dinge eintreten.“

Das heißt, wenn ich es in meine eigenen Worte übersetze: Etwas als nachhaltig zu bezeichnen, sei schwammig. Das Argument richtet sich gegen den inflationären Gebrauch, der vor allem in wirtschaftlichen Betrieben Einzug gehalten hat. Nachhaltigkeit ist schick, en vogue, das ultimative Verkaufsargument. Festgelegte Kriterien, wann etwas als nachhaltig gilt und wann nicht, gibt es bisher nicht. Es ist im höchsten Maße relativ, denn gemessen an einem bisherigen Standard kann da schon etwas als nachhaltig gelten, was anderen ökologisch denkenden und handelnden Menschen, die Haare zu Berge stehen lässt. Mich persönlich erinnert dieses Argument auch ein bisschen an die fortwährende Diskussion, wann etwas wirklich „Bio“ ist und wann nicht, denn auch hier gibt es in vielen Bereichen noch Unklarheiten und – sagen wir mal – „Interpretationsspielräume“.

Nachhaltige Entwicklung als ideologische Täuschung

Damit verwandt ist auch das zweite Argument, das im Brockhaus Erwähnung findet: „Der Nachhaltigkeitsbegriff verdecke die Interessen der realen Akteure und die faktischen Machtkonstellationen. Jeder benutze n. E. wie es ihm passt, um damit – moralisch aufgeladen und politisch korrekt – seine Interessen durchzusetzen.“ Auf dieses Argument verweist beispielsweise der Professor für Betriebswirtschaftslehre Michael Weisensee in seiner 2012 erschienenen Schrift „Nachhaltigkeit ausländischer Direktinvestitionen in der Volksrepublik China“.

Wo es keine einheitlichen Kriterien gibt und wo pekuniäre Interessen im Vordergrund stehen, dort überrascht es nicht, wenn ein Begriff auch von den Akteuren missbraucht wird beziehungsweise in die Waagschale geworfen wird, um den eigenen Argumenten mehr Gewicht zu verleihen. Michael Weisensee kritisiert in diesem Zusammenhang die Unbestimmtheit konkreter Konsequenzen und eindeutiger Handlungsnotwendigkeiten. Auch hier wird deutlich, dass der Begriff einer nachhaltigen Entwicklung kontextabhängig genutzt wird und in unterschiedlichen Zusammenhängen eben auch verschiedenen Bewertungsskalen unterliegt.

Nachhaltige Entwicklung als utopische Hoffnung

Ein Blick in die vielfältigen Beiträge auf der Seite von „The bird’s new nest“ genügt, um festzustellen: Wenn es darum geht, sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen, sind der Fantasie und der Fülle an Themen kaum Grenzen gesetzt. Hier stehen Texte über nachhaltiges Reisen, über Kosmetik, Kleidung und Ernährung, aber auch über Psychohygiene und Sinnfindung. Doch was die einen als Bereicherung empfinden, kann den anderen schon mal ein Dorn im Auge sein, zumindest wenn man sich das dritte kritische Argument anschaut, das der Brockhaus benennt: „Der Begriff der n. E. sei überladen. Wenn Nachhaltigkeit als Sammelbegriff für alles verwendet werden soll, was ‚edel, hilfreich und gut‘ sei, würde dies uneinlösbare Erwartungen wecken.“

In meinen Augen werden hier mehrere Ebenen gehörig durcheinander geworfen. Nehmen wir doch mal die folgende Definition von Nachhaltigkeit zur Hand: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ Beim Weltgipfel 1992 in Rio de Janeiro haben die Regierungschefs diese Formulierung akzeptiert. Um was für Bedürfnisse es sich handelt, ist hier nicht festgelegt, ebenso wenig nehmen die Politiker hier eine Bewertung („edel, hilfreich und gut“) vor. Sicher, im Einzelnen kommen wir nicht darum herum, unsere Bedürfnisse und Ziele zu konkretisieren. Aber ganz nebenbei: Ein Begriff allein weckt keine Erwartungen.

Nachhaltige Entwicklung als schiere Illusion

„Angesichts der Ratlosigkeit, welche Akteure in einer demokratischen Gesellschaft eine ‚wirkliche‘ Politik der Nachhaltigkeit durchsetzen könnten, gelte der ‚Generalverdacht des Illusorischen‘“, schreibt der Brockhaus an vierter Stelle. Auch dies riecht stark nach dem Erwartungsargument (siehe oben). Armin Grunwald und Jürgen Kopfmüller gehen in ihrem Buch „Nachhaltigkeit“, das 2012 im Campus Verlag erschien, noch genauer darauf ein: „Nachhaltige Entwicklung diene der Beruhigung der Gesellschaft angesichts dramatischer Zukunftsprobleme. Sie suggeriere, dass, wenn man nur lange genug darüber rede, die Probleme schon irgendwie gelöst werden könnten. Nachhaltige Entwicklung habe daher den Charakter eines kollektiven Selbstbetrugs.“

Allerdings verweisen die Autoren angesichts solcher „Fundamentalkritik“ eher auf deren Funktion als Ansporn. Auch sie plädieren dafür, die Kritik zu nutzen, um das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung konkreter auszugestalten, anzupassen und zu optimieren.

Soviel zum Brockhaus. Und was denkst du darüber? Für wie sinnvoll hältst du den Begriff „Nachhaltigkeit“? Und wie kommen wir deiner Meinung nach von einer abstrakten Idee zu konkreten Handlungsstrategien, Bewertungen und Diagnosen?

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Seele 2.0 – Worauf verzichtest du?

Wir Menschen haben viele Ängste. Unsere Ur-Ängste sind zwei: Dass wir sterben und dass wir verhungern. Damit lässt sich ein großer Teil unseres Verhaltens erklären. Angst vor einer Prüfung oder…

Wir Menschen haben viele Ängste. Unsere Ur-Ängste sind zwei: Dass wir sterben und dass wir verhungern. Damit lässt sich ein großer Teil unseres Verhaltens erklären. Angst vor einer Prüfung oder Angst, vor großen Gruppen zu sprechen, das ist modernes Zeug. Genauso wie die Angst, etwas zu verpassen und Verlierer zu sein.

Manuel Dingemann hat diese Angst nicht. Er lebt aus Überzeugung nachhaltig und er lebt es auch vor. Weil mich das in hohem Maße neugierig gemacht hat, und weil das so einen Kontrast zu den Managern und Politikern bildet, die über Nachhaltigkeit reden, habe ich mich mit Manuel getroffen und ihm ein paar Fragen gestellt.

Was ist in deinem Leben geschehen, als du dich entschieden hast, nachhaltig zu leben?

Manuel: Ich war 2010 auf einem Workshop, in dem ich von erfahrenen Leuten viel über den Zusammenhang unseres Handelns mit dem Klimawandel erfahren habe. 60% der Menschen wissen leider immer noch nicht, was Nachhaltigkeit bedeutet oder woraus sie sich zusammen setzt. In dem Workshop haben wir verschiedene Szenarien gebildet und so ein höheres Bewusstsein darüber erlangt, wie viel Verantwortung für die Zukunftsgeneration in unserer Hand liegt. Außerdem haben wir über Effizienz und bewussten Genuss von dem, was da ist, gesprochen, und natürlich auch vom bewussten Konsumieren. Bewusstes Konsumieren funktioniert einfach: Schaue, was da ist. Welche Menschen umgeben mich? Welche Kompetenzen dieser Menschen kann ich nutzen? Vielleicht brauche ich gar nicht einen schnelleren PC, sondern einen guten Rat.

Hast du ein Bild von der Zukunft, in der du leben möchtest?

Manuel: Ja. Wir arbeiten alle weniger, konsumieren weniger und verbringen mehr Zeit miteinander. Klingt simpel, dennoch glauben viele, es ist nicht sofort umsetzbar. Aber jeder kann damit anfangen. Denn eine Sache kann man sich nicht mit Geld kaufen: Zeit. In der Zeit, die ich gewinne, weil ich weniger arbeite, kann ich langlebigere und nachhaltigere Produkte entdecken. Wer bewusst konsumiert und sich damit auseinander setzt, was ein gutes Produkt ausmacht, der ist viel eher bereit, Geld dafür auszugeben. Langfristig ist das übrigens günstiger. Eine LED-Lampe sieht im Laden teurer aus. Nach drei Jahren hab ich das Geld aber wieder raus und dann hält sie noch 20 Jahre. Außerdem kann man sich in der gewonnenen Zeit Fähigkeiten aneignen, lernen – zum Beispiel, wie du autarker werden kannst, indem du Sachen reparierst oder selbst herstellst. Hier kannst du viel Geld sparen und bekommst eine Bestätigung deiner Kompetenz.

Zukunftsbild: Wir arbeiten weniger, konsumieren weniger und verbringen viel Zeit miteinander

Was brauchen wir, damit mehr Menschen einen nachhaltigen Lebensstil für sich wählen?

Manuel: Gutes Design und Erlebnisse, die den Lebensstil anfassbar machen. Gute Nachrichten und best practice Beispiele, die als Vorbild gelten können. Außerdem brauchen wir Helden und mutige Gründer, die Nachhaltigkeit vorleben.

Welche Frage kann sich jeder von uns stellen, um sich für Nachhaltigkeit zu entscheiden?

Manuel: Worauf verzichte ich? Worauf verzichte ich, wenn ich Auto statt Fahrrad fahre? Worauf verzichte ich, wenn ich mich für Karriere entscheide? Worauf verzichte ich, wenn ich einen Transatlantik-Flug antrete statt an den See in der Nähe meiner Stadt zu fahren? Was erlebe ich dann nicht?

 

Manuel Dingemann lebt und arbeitet in Hamburg. Seine Marketing-Agentur berät nachhaltige Unternehmen bei deren Auftritt im Internet und ist bekannt für hochqualitative Video-Produktion.

Kurz vor unserem Gespräch hat Manuel einen Wäscheständer repariert, statt einen zu kaufen, und das Gespräch selbst fand in der wohl nachhaltigsten Kaffeerösterei Hamburgs statt, in der sogar die Verpackung für die Kaffeebohnen biologisch abbaubar ist.

Der Bogen zum Titel dieser Kolumne ist übrigens ganz einfach: Wenn du eine tiefe Überzeugung hast und jeden Tag danach lebst, verbrauchst du viel weniger seelische Ressourcen für das Treffen von Entscheidungen. Dein Leben gibt dir genug Bestätigung, dass du das Richtige tust, und somit sind deine Kräfte gut beisammen, die Energie auf einem hohen Level und das Lächeln konstant auf deinem Gesicht.

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Warum verhalten wir uns (nicht) nachhaltig?

Frustshopping, Schnäppchenjagden, Shoppingreisen – Konsum kann uns glücklich machen. Mit einem Einkauf können wir uns Wünsche erfüllen und das erzeugt Glücksgefühle. Eine Kaufsucht ist allerdings auch kein erstrebenswerter Zustand. Zudem…

Frustshopping, Schnäppchenjagden, Shoppingreisen – Konsum kann uns glücklich machen. Mit einem Einkauf können wir uns Wünsche erfüllen und das erzeugt Glücksgefühle. Eine Kaufsucht ist allerdings auch kein erstrebenswerter Zustand. Zudem wissen wir, dass wir nicht alle gleich viel vom Kuchen abbekommen, also konsumieren, können. Vor allem aber widerspricht der Alltag unserer Überflussgesellschaft dem aktuellen Leitbild, nachhaltiger zu leben und verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen. Doch können wir Lebenszufriedenheit auch aus immateriellen Quellen gewinnen? Der Umweltpsychologe Prof. Dr. Marcel Hunecke meint: Ja. Im Auftrag von Denkwerk Zukunft suchte er nach psychischen Ressourcen für eine Lebenszufriedenheit, die ganz unabhängig von den materiellen Seiten des Lebens wirksam ist.*

Die sechs psychischen Ressourcen für subjektives Wohlbefinden

In Anlehnung an Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie entwickelte Hunecke seine Genuss-Ziel-Sinn-Theorie. Laut dieser Theorie stehen uns drei Strategien zur Verfügung, um ein zufriedenes Leben zu führen: Genusserleben, das Erreichen von Zielen und Sinn. Hunecke identifiziert sechs psychische Ressourcen, die diese Strategien ermöglichen. Sie lauten Genussfähigkeit, Selbstakzeptanz, Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit, Sinngebung, und Solidarität.

Die ersten drei Ressourcen sind nach Hunecke fundierend, das heißt, wesentlich für eine starke Persönlichkeit. Eine solche Persönlichkeit kann demnach genießen, hat Selbstvertrauen und ist überzeugt davon, das, was sie sich vornimmt, auch erfolgreich realisieren zu können. Die letzten drei Ressourcen sind zielgebend und ermöglichen eine Orientierung der Person an immateriellen Zufriedenheitsquellen. So sollte eine Person, die nachhaltig leben möchte, eine achtsame Grundhaltung entwickeln. Das heißt, sie sollte sich der eigenen Bedürfnisse und Empfindungen bewusst sein, wie auch die der anderen Menschen und Lebewesen. Zudem sollte sie motiviert sein, den Sinngehalt unterschiedlichster Lebenssituationen zu ergründen. Und sie muss soziale Verantwortung übernehmen wollen. Laut Hunecke stützen sich diese sechs Ressourcen gegenseitig, so dass eine weniger ausgeprägte Ressource durch andere Ressourcen kompensierbar ist.

Die drei fundierenden Ressourcen stärken

Die Genussfähigkeit

Wie erwähnt, ist die Genussfähigkeit eine wesentliche Ressource für subjektives Wohlbefinden. Dabei stehen uns einerseits sinnlich-körperliche Genüsse zur Verfügung, andererseits ästhetisch-intellektuelle. Nur allzu oft nehmen wir diese Genussquellen in unserem Alltag aber nicht wahr. Wir verschlingen die Mittagsjause, werfen das neue Shirt nach drei Mal Tragen in den Schrank, weil wir schon ein neues im Auge haben, laufen morgens auf dem Weg zur Arbeit blindlings an Frühlingswiesen oder buntem Herbstlaub vorbei. Würden wir weniger konsumieren, wenn wir aus den Genussquellen, die uns tagtäglich umgeben, mehr Wohlbefinden ziehen könnten – wenn wir all diese Ereignisse überhaupt als Genussquellen wahrnehmen würden? Hunecke behauptet: ja, und fordert: Intensität statt Quantität. Die positiven Emotionen, die uns ein genussvolles Leben beschert, belohnen uns zudem rückwirkend für unser nachhaltiges Handeln. Auf The bird’s new nest findet ihr übrigens die unterschiedlichsten Möglichkeiten euer Genusszentrum anzuregen und dabei nachhaltig zu handeln – von schnell und einfach selbstgemachten saisonalen Rezepten bis hin zu ökologischer Mode, wenn es doch mal Shopping sein soll.

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Bild: PublicDomainPictures / pixabay.com

Die Selbstakzeptanz

Die Selbstakzeptanz beschreibt das „fundamentale Annehmen der eigenen Person mit all ihren positiven und negativen Eigenschaften“. Wer seine persönlichkeitsspezifischen Stärken wahrnimmt, kann auch seine persönlichkeitsspezifischen Schwächen leichter akzeptieren. Dies ist wesentlicher Bestandteil eines stabilen Selbstwerts, der uns wiederum unabhängiger von sozialen Vergleichsprozessen macht: Haben wir einen stabilen Selbstwert, müssen wir nicht konsumieren, um unserem Umfeld Wohlstand und Zugehörigkeit zu signalisieren. Wir können uns dem Konsumdruck leichter entziehen. Wie lässt sich nun die Selbstakzeptanz stärken? Indem wir uns beispielsweise überholte Glaubenssätze bewusst machen, die wir uns im Laufe unseres Lebens angeignet haben, und uns davon verabschieden. Meist haben diese Überzeugungen die Form „man muss“ oder „man darf nicht“ – ein typisches Beispiel dafür ist: „Man darf keine Fehler machen“.

Die Selbstwirksamkeit

Umgangssprachlich meist mit „Selbstvertrauen“ benannt, beschreibt die Selbstwirksamkeit die Überzeugung, schwierige Situation im Leben erfolgreich meistern zu können: „Ich werde es schaffen“. Erfolgserfahrungen stärken das Selbstvertrauen. Wir können uns diese Erfolgserfahrungen verschaffen, indem wir uns das übergeordnete Ziel in kleinere Etappen mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit aufteilen. Einzelerfolge motivieren uns, das übergeordnete Ziel zu erreichen. Unser Selbstvertrauen wächst. Allerdings hat das per se noch wenig mit nachhaltigem Lebensstil zu tun – wir können voller Selbstvertrauen hauptsächlich materiellen Wohlstand erzielen wollen. Wie lässt sich Selbstvertrauen also nachhaltigkeitsbezogen stärken und nutzen? Laut Hunecke, indem man den Menschen handlungsbezogenes Wissen zu diesem Thema vermittelt und ihnen Handlungsmöglichkeiten verschafft – eine Ansatz, den auch The bird’s new nest vertritt, indem es vielfältiges Wissen zusammenführt, aber auch Möglichkeiten bietet, sich sozial und ökologisch zu engagieren.

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Bild: geralt / pixabay.com

 

Die drei zielgebenden Ressourcen stärken

Die Achtsamkeit

Achtsamkeit bedeutet, „absichtsvoll und nicht wertend die Aufmerksamkeit ganz auf den aktuellen Augenblick zu richten“. Trainieren lässt sie sich durch Meditation und Übungen zur Körperwahrnehmung. Ziel ist, unser Alltagsbewusstsein einzuschränken. Es ist gekennzeichnet durch automatisierte Gedankengänge wie unsere alltäglichen Erwartungen, Pläne, Aufgaben, Interpretationen. Damit ist es also auf Vorgänge gerichtet, die im Außen passieren (werden) oder passiert sind. In einem achtsamen Zustand richten wir unsere Aufmerksamkeit auf das Jetzt: Einerseits nach Innen, wenn wir uns den eigenen (Körper-)Empfindungen zuwenden. Andererseits auf den gegenwärtigen Moment, wenn wir wahrnehmen, was um uns herum passiert, ohne das Wahrgenommene zu bewerten oder weiter darüber nachzudenken. Achtsamkeit reduziert Stress und steigert das subjektive Wohlbefinden – vor allem, wenn unsere automatisierten Gedankengänge negativ sind. Darüber hinaus führt sie zu einem erweiterten Bewusstsein für Sinnfragen und steigert das Mitgefühl. Sie zeigt dem Menschen auf, welche Bedürfnisse und Werte wirklich wichtig für ihn sind. Das Streben nach materiellen Werten stellt sich dabei meist zu Gunsten von weniger selbstbezogenen Werten ein.

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Bild: PublicDomainPictures / pixabay.com

Die Sinngebung

In den alltäglichen Erfahrungen, die wir im Leben machen, einen Sinn zu finden, heißt, in diesen Erfahrungen eine Bedeutung zu erkennen und sie zu bewerten. Diese Bedeutung oder Bewertung ist meist mit einem positiven Gefühl verbunden. Dazu ist es notwendig, sich überhaupt erst einmal auf Sinnsuche zu begeben, über sich und die Erfahrungen, die man macht zu reflektieren und sich die eigenen Werte und Lebensziele bewusst zu machen. Das gibt uns ein Gefühl von Kontrolle über die eigene Biografie und steigert unser Wohlbefinden. Meist finden wir bei solchen Reflexionsprozessen den Sinn unserer Lebenserfahrungen nicht im Materiellen oder unseren Einzelinteressen, sondern in sozialen Beziehungen und gesellschaftlich wichtigen Werten, wie beispielweise der Gerechtigkeit, Toleranz oder eben dem sorgsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen.

Die Solidarität

Wenn wir eine solidarische Haltung einnehmen, bedeutet das, dass wir für das Wohlergehen anderer Menschen Verantwortung übernehmen wollen. Dazu gehört auch eine Portion Selbstwirksamkeit – wir müssen überzeugt sein, dass unser Handeln in Interaktion mit Gleichgesinnten zum allgemeinen Wohlbefinden beiträgt. Die Solidarität ist jene psychische Ressource, die dafür sorgt, dass wir unser Handeln auch tatsächlich auf andere Personen ausrichten als uns selbst. Solidarisches Handeln belohnt uns mit dem positiven Gefühl, dazu zu gehören, und aktiviert Vertrauen und Sicherheitsgefühle. Wichtiger ist aber, dass kollektives Handeln zur einer Erreichung gemeinsamer, aber auch unterschiedlicher, in jedem Fall prosozialer, Interessen und Ziele führt. Damit ist die Solidarität die einzige der hier vorgestellten psychischen Ressourcen, die nicht nur von uns selbst und unserer Reflexion abhängt, sondern in Interaktion mit anderen Menschen eingeübt werden muss. Zum Beispiel beim Verfassen eines Artikels für The bird’s new nest – so wie ich das hier gerade mache.

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Bild: geralt / pixabay.com

Sozialer Einfluss

Je mehr Menschen sich aktiv an einem Umdenken beteiligen, desto eher kann sich ein Wertewandel in Richtung nachhaltiger und ressourcenschonender Lebensweise entwickeln, den die Menschen selbst steuern. Jedoch gibt Hunecke zu bedenken, dass individuell richtiges Verhalten in den falschen Strukturen für den Einzelnen meist zu aufwändig ist, um dauerhaft aufrecht erhalten zu werden. Auch auf politischer und ökonomischer Ebene muss also ein solcher Wertewandel gestaltet und ermöglicht werden. Der Sozialwissenschaftler Robert Cialdini bestätigt in seinen Studien zu nachhaltigem Verhalten immer wieder die Wichtigkeit von sozialen Normen, also dem Wissen darum, wie sich die meisten anderen Menschen in einer Situation verhalten. So lässt uns beispielsweise die Information, dass andere Leute es auch tun, am ehesten dazu verleiten, selbst zu Hause Energiesparmaßnahmen zu ergreifen, oder der Umwelt zuliebe im Hotel sparsamer mit den Handtüchern umzugehen.

Es zeigt sich also, dass die persönliche Entwicklung eines jeden Einzelnen zum Wohlergehen unserer Gesellschaft beitragen kann. Welche Erfahrungen habt ihr mit den beschriebenen psychischen Ressourcen gemacht? Könnt ihr die Überlegungen bestätigen?

 

* Anmerkung: Gefühle der Unzufriedenheit und Frustration gehören zu jedem Leben dazu. Auch schlechte Laune hat ihren Sinn, denn sie zeigt uns auf, wo wir unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte zu wenig beachten und unsere Belastungsgrenzen ausreizen. Eine Möglichkeit, dem mit mehr Widerstandskraft zu begegnen, soll hier aufgezeigt werden.

 

Quellen:
Dieser Artikel basiert auf:
http://www.denkwerkzukunft.de/downloads/reportpsychologicalresources.PDF
Einen umfassenden Einblick in das Thema bietet auch das Buch:
http://www.oekom.de/nc/buecher/neuerscheinungen/buch/psychologie-der-nachhaltigkeit.html
Folgende weitere Studien wurden zitiert:
Nolan, J.M., Schultz, P. W., Cialdini, R.B., Goldstein, N.J. & Griskevicius, V. (2008). Normative social influence is underdetected. Personality and Social Psychology Bulletin, 34, 913-923.
ReGoldstein, N. J., Cialdini, R. B., & Griskevicius, V. (2008). A room with a viewpoint: Using social norms to motivate environmental conservation in hotels. Journal of Consumer Research, 35, 472-482.

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Seele 2.0 – Fühl‘ dich besser!

Wie du dich sofort besser fühlen kannst in drei Schritten In meinem Kolumnenbeitrag über positive Ansteckung hast du gelernt, wie du die Welt um dich herum positiv anstecken kannst. Toll, sagen…

Wie du dich sofort besser fühlen kannst in drei Schritten

In meinem Kolumnenbeitrag über positive Ansteckung hast du gelernt, wie du die Welt um dich herum positiv anstecken kannst. Toll, sagen manche, würde ich ja gern tun, aber ich bin selbst überhaupt nicht gut drauf – wie soll ich dann an die anderen denken?

Daher gibt es heute einen Crashkurs in „Gute Laune“. Die Ideen sind unsortiert und in beliebiger Reihenfolge anwendbar bis die gewünschte Wirkung eintrifft. Du kannst auch mehrere davon kombinieren (zum Beispiel beim Lesen lächeln), und ich verspreche dir, dass die bessere Laune in maximal fünf Minuten eintrifft, wenn du dich diesem Mini-Workout widmest. Lachmuskeln ahoi!

(Drucke dir diesen Artikel aus für den Fall, dass du ihn irgendwann brauchst oder schicke ihn an jemanden, der mal wieder gute Laune brauchen könnte.)

Notprogramm, wenn du gerade im Büro oder an anderen Orten bist, wo du nicht weg kannst:

1. Schicke dir selber eine E-Mail mit vielen Smileys. Wenn du die E-Mail bekommst, öffne sie, schaue dir die Smilies an, zähle sie und bedanke dich anschließend mit einer Antwort-Mail, ebenfalls mit Smilies. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass um 90 Grad gedrehtes und nur zeichenhaft dargestelltes Lächeln die gleiche Wirkung auf uns hat wie ein echtes Lächeln.

2. Schaue dir Tierfotos an. Ich weiß, du tust so etwas sonst nie. Aber mache es heute – dir zuliebe. Google „lustige Tierfotos“ und gucke ein paar Minuten in die Tieraugen. Wie schnell wirkt es bei dir?

3. Räume auf. Fange direkt da an wo du gerade bist – vor dem PC? Wie sieht dein Schreibtisch aus? Was steckt in deinen Taschen? Was ist in der Küche los? Etwas aufzuräumen lenkt zum einen gut ab, zum anderen siehst du sofort die Ergebnisse deines Tuns – und fühlst dich besser.

Wenn du weg kannst:

1. Gehe raus. Wetter ist keine Ausrede. Stelle dich dem Wind, den Temperaturen, den Geräuschen. Spüre deine Beine und Arme. Sei einfach ein paar Momente ganz bei dir im Hier und Jetzt.

2. „Russische Kurztherapie„: Suche dir einen ruhigen Platz. Strecke einen Arm ganz weit hoch, so hoch du kannst, und dann schmettere ihn mit voller Wucht nach unten und sage dabei den Schimpf-Spruch deiner Wahl auf. Bei Bedarf wiederholen.

3. Gehe zum Kindespielplatz und betrachte spielende Minimenschen. Schaue, wie unbeschwert und angstfrei diese mit der Welt umgehen. Frage dich, was du von ihnen lernen kannst (oder warum du es im Laufe des Lebens verlernt hast).

Wenn du allein bist:

1. Singe aus vollem Hals zu einem frechen Lied, tue das, bis du richtig warm wirst durch das Einatmen und Singen.

2. Tanze Ballett. Sei anmutig. Strecke deine Beine und Arme. Es geht nicht darum, ob du es kannst, stelle es dir einfach vor und sei ein Meistertänzer oder eine Prima Ballerina.

3. Rufe jemanden an, den du magst und sage ihm, dass du ihn magst. Besprecht etwas aus der alten Zeit (das kann auch etwas von letzter Woche sein). Verabredet euch wieder.

Fühl dich ausgezeichnet!

Jetzt bist du wieder du, aufgetankt und voller Lebensenergie und dein Lächeln kann den Nordpol zum Schmelzen bringen. Vergiss nicht, die Welt um dich herum wissen zu lassen, wie gut es dir geht!

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Seele 2.0 – Positive Ansteckung

Wenn wir uns nicht anstecken wollen, versuchen wir, bei einem hustenden Menschen auf Distanz zu bleiben. Und auf öffentlichen Toiletten kann man oft beobachten, wie wir und andere versuchen, möglichst…

Wenn wir uns nicht anstecken wollen, versuchen wir, bei einem hustenden Menschen auf Distanz zu bleiben. Und auf öffentlichen Toiletten kann man oft beobachten, wie wir und andere versuchen, möglichst nicht in Berührung mit Keimen zu kommen. Doch was, wenn wir andersherum denken? Wenn wir statt der Vermeidung der Ansteckung eine Ansteckung beabsichtigen?

Und das geht so:

Schritt eins: Setze dir ein bezauberndes Lächeln auf und halte es für mindestens zehn bis 15 Sekunden. Solltest du vorher schon gute Laune haben, wird sich diese verstärken und stabilisieren. Solltest du vorher unentschieden oder sogar schlecht drauf sein, wird sich dein Gemüt heben. Dafür sorgt die propriozeptive Rückmeldung. Diese ist folgendermaßen zu erklären: Unser Verhalten folgt unseren emotionalen Empfindungen. Wenn wir traurig sind, weinen wir. Wenn wir glücklich sind, lächeln wir. Das tolle an uns Menschen ist: Es geht auch andersherum! Daher, Schritt eins: Setze dir ein bezauberndes Lächeln auf und merke, was mit deinen Empfindungen passiert.

Schritt zwei: Gehe auf die Straße, irgendwohin, wo es viele Menschen gibt. Lächle die dir entgegenkommenden Passanten an, halte dabei eine Zeit lang den Augenkontakt. Mit der Zahl der Augenkontakte wirst du in deiner Wirkung sicherer, und bereits nach wenigen Minuten beginnt das Wunder der positiven Ansteckung: Die anderen Passanten beginnen, dich ebenfalls anzulächeln. (Übrigens, falls du einen Assistenten für diese Übung gewinnen kannst: Manche Menschen brauchen länger, bis sie sich angesteckt fühlen und lächeln erst, wenn ihr bereits aneinander vorbei gegangen seid. Lass deinen Assistenten fünfzig Meter hinter dir laufen und notieren, wie viele Menschen anfangen zu lächeln, wenn du selbst diese gar nicht mehr siehst.)

Schritt drei: Mache einen Tag in der Woche zum Gute-Laune-Tag. Sei eine Sonne für alle um dich herum. Besonders am Anfang wird es manchen seltsam vorkommen, und es mag sein, dass die Reaktion eher verhalten ist. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Gewöhnen sich deine Kollegen daran, dass man deine Laune ab und zu mit nichts kaputt machen kann, werden sie neugierig. Und wenn sie erst einmal neugierig sind, hast du sie bereits vollbracht: Die positive Ansteckung!

Chamäleon-Effekt

So erklären die Wissenschaftler dieses Phänomen: Dein Gegenüber ahmt deine Gestik und Mimik nach – das tun wir alle unbewusst – und tut es dir gleich. Schaffst du es, dass dein Gegenüber ungefähr zehn bis 15 Sekunden lächelt, realisiert das Gehirn deines Gegenübers dieses Verhalten und macht Rückschlüsse auf das Befinden. Du kannst sicher sein, dass er oder sie sich besser fühlt.

Was hast du davon?

Schaffst du es, deine Umgebung an einem Tag in der Woche positiv anzustecken, brauchst du einfach nur bei deinen Gute-Laune-Tagen bleiben, und schon in Kürze werden es andere sein, die dich mit guter Laune anstecken. Du und deine Umgebung habt dann eine Woche voller Lächeln, guter Gespräche, produktiver Zeit und entspannter Gesichtszüge.

Entspannte Gesichtszüge wiederum – wir erinnern uns an die propriozeptive Rückmeldung – führen zu einer entspannten Seele. Und ist die Seele erst einmal entspannt, bleiben deine Ressourcen weiterhin verfügbar und einsatzbereit für die Überraschungen, die in unserem Leben immer vorkommen.

Bist du bereit, deine Welt positiv anzustecken? Dann los!

 

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Birgit Dierker entstanden.

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Mitkommen erwünscht: Eine gute Reise nach Indien

„Gute Reise!“ – wie oft wünschen wir das einander, wenn wir in den Urlaub fahren! Doch wie wird eine schöne Reise tatsächlich gut, sprich möglichst nachhaltig und verantwortungsbewusst? Das möchte Autorin…

„Gute Reise!“ – wie oft wünschen wir das einander, wenn wir in den Urlaub fahren! Doch wie wird eine schöne Reise tatsächlich gut, sprich möglichst nachhaltig und verantwortungsbewusst? Das möchte Autorin Dorit Behrens von Januar bis April 2013 herausfinden. Dann führt sie nämlich ihr interaktives Reisebuchprojekt nach Indien. Aber nicht nur sie, denn die Berlinerin lädt uns alle ein, aktiv dabei zu sein und mit zu kommen. Wenn schon nicht im wirklichen Leben, dann zumindest virtuell.

Welche Route soll ich nehmen? Wisst ihr, welche fair produzierte Ausrüstung die beste ist? Welches nachhaltige Projekt darf ich nicht versäumen? Dorit freut sich, wenn wir bei all dem ein Wörtchen mit reden. Entstehen soll daraus nicht nur eine unvergessliche (gemeinsame) Reise, sondern auch das Buch „gutereise“, in dem die 34-Jährige ab Mai 2013 ihre Erkenntnisse zu nachhaltigen Angeboten und bewusstem Unterwegssein zusammenfassen möchte.

Mehr erklärt Euch am besten Dorit selbst in ihrem Video. Und im Gespräch mit mir:

Doris: Dorit, wie kam es zu dieser Idee und wann? War zuerst die Reise da oder das Buchprojekt? 

Dorit: Ich liebe das Reisen solange ich denken kann. Ab und zu muss ich einfach meine Nase in den Wind halten und Neues entdecken. Durch meine intensive Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit während der letzten zwei Jahre wuchs dann mein Bewusstsein für die Schattenseiten des Reisens. Wie viele andere steckte ich in dem Dilemma, etwas Schönes zu wollen, aber dadurch möglicherweise etwas Schlechtes zu bewirken. Anfang 2012 stieß ich dann auf einen Zeitungsbericht, der konstatierte: „Das Marktpotenzial von umwelt- und sozialverträglichen Reiseangeboten ist hoch, es fehlen Angebote.“ Das konnte ich nicht glauben, immerhin gibt es Einrichtungen wie Couchsurfing und WWOOFing schon jahrelang. Also begann ich mit meinen Recherchen – die mich hierher führten.

Wie wirst du in Indien unterwegs sein – allein, zu Fuß? 

Ich werde allein reisen, sofern man das als Alleinreisende überhaupt tut. Unterwegs trifft man ja oft Gleichgesinnte, mit denen man ein Stück des Weges gemeinsam zurücklegt. Außerdem ist es Teil meines Projektes, dass jede/r, der oder die zur selben Zeit im Land ist und Lust auf ein Treffen hat, dazu herzlich eingeladen ist. Dabei werde ich so weit es geht auf nachhaltige Fortbewegungsmittel achten – also keine Inlandsflüge nutzen, sondern lieber Zug oder Bus. Gerade das Bahnnetz ist in Indien sehr gut ausgebaut. In Städten oder wenn ich länger an einem Ort bleibe, nehme ich dann sicher auch mal das Fahrrad, eine Riksha oder ein Taxi. Dabei geht es immer darum, möglichst die lokale Infrastruktur zu nutzen und wenig CO2 auszustoßen, also zum Beispiel mit anderen Leuten ein Transportmittel zu teilen. Und zu Fuß gehen geht natürlich immer!

Wie vorbereitet wirst du generell die Reise antreten – und wie viel Raum bleibt für Spontanes? 

Generell habe ich mich im Vorfeld viel mit dem nachhaltigen Tourismus und dem Land Indien beschäftigt. Meine Reise an sich ist aber geplant ungeplant. Das Projekt lebt ja davon, dass möglichst viele Interessierte ihre eigenen Anregungen einbringen. Das gilt auch für meine Reiseroute. Wer einen tollen Ort, ein nachahmungswürdiges Projekt, ein nachhaltiges Hotel oder ähnliches kennt, kann es mir vorschlagen, und ich versuche, es mir anzuschauen. Ein bisschen vorausplanen muss ich insofern, als ich nur begrenzt Zeit vor Ort habe: Ich lande am 2. Januar in Goa und trete Anfang April meine Rückreise über den Landweg an. Zu dieser Zeit ist in Indien Hochsaison – bestimmte Angebote muss ich also vorher buchen. Aber das wird sich finden.

Warst du schon einmal in Indien? Welche Erwartungshaltung hast du? 

Indien habe ich leider noch nie bereist. Ich habe aber mit vielen Indienreisenden, Einwohnern und Experten aus Tourismus und Entwicklungszusammenarbeit über das Land gesprochen und mir einiges angelesen. Es ist dennoch schwer zu sagen, was ich erwarte. Vielleicht so viel: Indien gilt als Land der krassen Gegensätze mit unfassbarer Armut auf dem Land und hoch entwickelten Städten inklusive westlich geprägtem Konsumstreben. Es gibt unzählige Sprachen, diverse Religionen, noch immer das Kastensystem und große Probleme mit der Überbevölkerung und der Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen. Dank seiner Andersartigkeit, Lautheit und Verschmutzung wird es mir sicher einiges abverlangen, aber mich auf der anderen Seite bestimmt auch mit neuen Inspirationen und tollen Eindrücken belohnen. Ich bin sehr gespannt!

Reist du zum ersten Mal mit so einer „Mission“? 

Bisher bin ich nur mit der “Mission” gereist, Neues zu entdecken, mich zu entspannen et cetera – was man sich eben so von einer Reise erhofft. Es wird sehr interessant werden, diesmal anders unterwegs zu sein. Ich bin ja die Blaupause für mein Buch: Anhand meiner Recherchereise will ich herausfinden und dokumentieren, inwiefern man das Land umwelt- und sozialverträglich bereisen kann.

Wie bist du für deine Reise ausgerüstet? 

Ausgerüstet bin ich weitestgehend wie ein normaler Individualreisender: Rucksack, ein bis zwei Garnituren Kleidung, den Rest will ich vor Ort kaufen, um mich dem lokalen “Dress-Code” anzupassen und die indische Wirtschaft zu unterstützen. Neu wird vor allem sein, dass ich mit technischem Equipment unterwegs bin, um gute Fotos machen und über meinen Blog mit meiner Community in Verbindung bleiben zu können. Für Kamera und Netbook suche ich übrigens noch Sponsoren.

Weißt du schon, wie viel Raum die Tipps der Community im Buch haben werden?

Ja, klar! Alle Unterstützer, die sich auf startnext.de/gutereise registrieren, werden aktive Mitglieder meiner Online-Community und damit auch im Buch genannt. Ihre nachhaltigen Insidertipps für Indien fließen darin ein. Wer sich etwas ausführlicher präsentieren und eigene Tipps unterbringen möchte, kann übrigens das Dankeschön “gute seite” auf startnext wählen – da ist dann eine ganze Buchseite Platz für eigene Ideen.

Worauf freust du dich am meisten?  Und was siehst du als deine größte Herausforderung?

Herausforderungen werden, wie schon beschrieben, sicher der Lärm, die Fülle an Menschen und die Verschmutzung in den Städten sein. Aber das ist ja alles gewollt. Vor allem freue ich mich auf die Anregungen der Community. Ich habe schon viele Gespräche geführt und bin jedes Mal mit mindestens einer Handvoll neuer Tipps und Kontakte nach Hause gekommen. Es ist toll, wenn sich Menschen mit Herz und Verstand für eine gute Sache einsetzen! Auf diese Weise kann aus einer kleinen Idee etwas Großes wachsen. In Bezug auf Indien bin ich gespannt auf die genannte Andersartigkeit und die Vielfalt des Landes. Ich besuche das Land, um viel zu lernen über den nachhaltigen Tourismus und seine positiven Auswirkungen. Während meiner Recherchen habe ich schon mit Freude festgestellt, wie viele gute Ideen es vor Ort gibt – auf die freue ich mich besonders.

Was sind die drei Fragen an die Community, die dir gerade unter der Haut brennen?

Erstens zum Einstieg: Wenn ihr an eure letzte Reise denkt: Was hättet ihr gern nachhaltiger gemacht? Zweitens für Fortgeschrittene: Wo kann ich in Goa umwelt- und sozialverträglich unterkommen? Drittens und ganz wichtig: Wann werdet ihr Mitglied bei gutereise?

Eine gute Reise, wie definiert diese sich für dich?

Eine gute Reise schafft unvergessliche Erlebnisse für uns selbst und trägt dazu bei, Umwelt und Bevölkerung am Reiseziel aktiv zu unterstützen.

Danke für das Gespräch und viel Spaß auf dieser schönen und guten Reise! 

 

Finanzieren möchte Dorit das Projekt über die Crowdfunding-Plattform startnext.de. Jede/r, der/die bei gutereise dabei sein und unterstützen möchte, kann das bereits ab fünf Euro machen. Bis 23. Dezember 2012 sollen dabei 5.000 Euro für die Herstellung des Buchs zusammenkommen. Natürlich nicht umsonst: Neben einer guten Reise nach Indien erhält auch jede/r ein kleines Dankeschön. Übrigens, jede/r, der/die Dorit unterwegs ein größeres oder kleineres Stück begleiten möchte, ist herzlich willkommen. 

Alle aktuellen Informationen sowie die Reiseberichte und Beiträge zu ihrem Projekt stellt Dorit online unter gute-reise.in und auf Facebook zur Verfügung.

4 Kommentare zu Mitkommen erwünscht: Eine gute Reise nach Indien

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