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Schlagwort: Glück

#targetthehappy: May the happiness be with you!

Ich sitze gerade bei einem selbstgemachten Matcha Latte (mehr Latte als Matcha), und denke über das Thema Glück nach. Letztes Jahr hat mich dieses irgendwie ganz schön sitzen gelassen. Ein…

Ich sitze gerade bei einem selbstgemachten Matcha Latte (mehr Latte als Matcha), und denke über das Thema Glück nach. Letztes Jahr hat mich dieses irgendwie ganz schön sitzen gelassen. Ein Jahr von Stress, Misserfolgen oder zumindest keinen spürbaren Schritten nach vorne und Trennungen verfolgt. Ein Jahr, welches mir gezeigt hat wie die Zukunft nicht aussehen soll.

Ich hatte das Gefühl, alles stagniert und hält mich zurück. Was mich in dieses Loch beförderte, das Loch der Ungewissheit und vielen “Lebensfragezeichen”. Wohin? Wer bin ich? Was will ich? Wie kann ich zufriedener sein?

Kennst du dieses Gefühl?

Jedenfalls habe ich für 2017 beschlossen, etwas anders zu machen. Was es sein wird und wie ich das alles angehe, will ich in dieser monatlich erscheinenden Kolumne namens #targetthehappy – frei übersetzt „Glück als Ziel“ – festhalten. Es soll uns gemeinsam weiter bringen und zu mehr Zufriedenheit und Glück verhelfen. Ich bin ein Newbie auf diesem Themengebiet, deswegen möchte ich meine Erfahrungen mit dir teilen, damit wir gemeinsam daran wachsen und die dunklen Löcher mit Glanz und Konfetti stopfen können! Du hast eine tolle Idee wie ich meinen Weg starten könnte? Bitte teile sie mit uns, damit wir daraus lernen können!

Viele Beiträge meiner Kolumne werden auf Büchern basieren, welche mir geholfen haben voran zu kommen, wie zum Beispiel Glück. The World Book of Happiness – ein Coffee Table Buch mit wunderschönen Illustrationen, aber auch Artikeln veröffentlicht von internationalen Experten auf diesem Gebiet.

Fangen wir also mit der Definition von Glück an. “Glück ist definiert als der Grad, in dem ein Individuum die allgemeine Qualität seines oder ihres Lebens als Ganzes günstig bewertet. Mit anderen Worten: wie gut einem das Leben gefällt, das man führt.” (Ruut Veenhoven, p.338) Die Frage drängt sich förmlich auf – wie gut gefällt mir mein eigenes Leben? Eine schwierige Frage, findest du nicht auch? Es gibt Höhepunkte und Momente des unglücklich Seins, es gibt Zufriedenheit, aber im Jahr 2016 gab es diese zumindest bei mir viel zu selten. Heutzutage versuchen wir oft, ein traumhaftes Leben für die Augen eines imaginären Publikums zu führen (Elena Pruvli, p.68) – oder wie in unserem Zeitalter eines digitalen Publikums.

Freust du dich, wenn du einen wunderschönen Instagram-Feed hast, der dir in Wirklichkeit nur Stress bereitet? Der dich dazu verleitet, jeden Moment fotografisch festzuhalten, jedoch ohne Inne zu halten und diese flüchtigen Sekunden zu genießen? Das soll nicht bedeuten, dass wir keine stylischen Social Network Feeds haben dürfe, sondern dass wir das Erlebte aktiv wahrnehmen oder auch in einem Danktagebuch (oder Glückstagebuch) festhalten sollten (Prof. David G. Myers, p.61). Dubravka Miljkovic und Majda Rijavec (p.50) meinen dazu, wir sollten mindestens drei schöne Erlebnisse am Tag niederschreiben, denn es soll zu erhöhtem Wohlbefinden führen, und das schon innerhalb von drei Monaten (LiveMentor, 2017).

Wichtige Faktoren für das Thema Glück scheinen auch Genuss, Zufriedenheit und Leistung zu sein, wie Doh Chull Shin (p.124) erklärt: “Glück besteht darin Dinge zu haben, die einem passives Vergnügen bereiten. Glück ist im wesentlichen Zufriedenheit – ein Gleichgewicht zwischen Bedürfnissen einerseits und deren Befriedigung andererseits. Glück leitet sich aus der Verwirklichung der eigenen Fähigkeiten ab – davon, zu tun, was man gerne tut.” Bewegung wird ebenfalls häufiger erwähnt – aktiv bleiben sollten wir laut Gary T. Reker (p.138).

dance through life - photo by Miriam Mehlman/Miriamblitzt

Das letzte und vielleicht eines der wichtigsten Kriterien um zu mehr Glück zu kommen ist, sich besser zu organisieren (Gary T. Reker, p.138). “Zeit ist unsere wertvollste Ressource und wir sollten uns besondere Mühe geben, so mit ihr umzugehen, dass wir unsere Zufriedenheit in den Sphären erhöhen, die für unsere Lebenszufriedenheit die größte Rolle spielen.” (Mariano Rojas, p.131). Eine weitere Möglichkeit ist, jeden Tag etwas fertig zu stellen, denn wir sind mit unserem Tag zufrieden, wenn wir etwas erreichen (Dr. Ilona Boniwell, p.272). Das bedeutet für mich auch, nicht alles zeitgleich zu tun, sondern das Wichtigste heraus zu filtern und dann zu vertiefen.

Als letzten Input möchte ich Dora Guorun Guomundsdottirs zehn Gebote der seelischen Gesundheit oder auch Kühlschrankweisheiten (p.325) erwähnen, wie sie die Gebote selbst nennt:

“Denke positiv.
Schätze die Menschen, die du liebst.
Lerne weiter, solange du lebst.
Lerne aus deinen Fehlern.
Bewege dich jeden Tag.
Mache dein Leben nicht unnötig kompliziert.
Versuche die Menschen in deiner Umgebung zu verstehen und zu ermutigen.
Gib nicht auf – Erfolg im Leben ist ein Marathon, kein Sprint.
Entdecke und entwickle deine Talente.
Setze dir Ziele und strebe nach deinen Träumen.”

Eine schöne Zusammenfassung, wie ich finde. Nach jedem meiner Kolumnenbeiträge werde ich versuchen, eine kurze Glücksliste zu schaffen – für dich und natürlich auch für mich, damit wir mit Babyschritten einem positiveren Leben entgegen krabbeln:

1. Starte ein Glückstagebuch. Ich habe bereits begonnen, jeden Tag drei Dinge nieder zu schreiben, die mir Freude bereitet haben. Somit denke ich viel aktiver an die positiven Details meines Daseins als an die Probleme!

2. “Obwohl wir oft überschätzen, wie viel wir an einem bestimmten Tag leisten können, unterschätzen wir im Allgemeinen, wie viel wir in einem Jahr leisten können, wenn wir jeden Tag nur einen kleinen Fortschritt erzielen.” (Prof. David G. Myers, p.60). 

Setze dir täglich ein kleines Ziel, das auf jeden Fall erledigt werden soll und sei es, eine Rechnung zu bezahlen. Es wird dir einen Moment des Glücks verschaffen, etwas vorgenommenes umgesetzt zu haben – auch ich habe das für mich so erfahren.

3. Versuche täglich eine Minute zu planken. Bewegung ist ein wichtiger Aspekt und bereits eine Minute gibt ein gutes Gefühl etwas getan zu haben. Nina vom Blog „berries and passion“ zeigt in ihrem Artikel zu Planking, wie man es richtig angeht.

Lasst uns gemeinsam loslegen, let’s target the happy!

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Maskerade des Glücklichseins – Wie der Alltag uns zu geschminkten Clowns macht

„Naaa, wie waren deine Ferien?“, fragt meine Kollegin Susanne lächelnd. Ich senke meine Kaffeetasse. „Ach du“, sage ich und schaue dabei zum Fenster hinaus, wo dicke Regentropfen – vielleicht sind es auch…

„Naaa, wie waren deine Ferien?“, fragt meine Kollegin Susanne lächelnd. Ich senke meine Kaffeetasse. „Ach du“, sage ich und schaue dabei zum Fenster hinaus, wo dicke Regentropfen – vielleicht sind es auch Schneeflocken – gegen das Fenster klatschen, „abgesehen davon, dass mein Freund Schluss gemacht hat, ich einmal in der Notambulanz saß, ein anderes Mal der Notarzt mit Blaulicht kam und meiner Tante das Haus abgebrannt ist, ganz gut. Und deine?“ Sie starrt mich an und beginnt an ihrem Kugelschreiber herumzulutschen, als könne sie aus ihm eine angemessene Reaktion saugen. Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass ihre Frage rhetorisch gemeint war, aber mir ist heute einfach mal nach Wahrheit. Zu anstrengend erscheint mir das Aufsetzen meiner Maske. Aber warum sind wir eigentlich so, wenn wir auf der Arbeit sind? Warum gibt es von uns eine private Version und eine, die dauerglücklich im Büro sitzen muss?

Da steht der Manager bei der Präsentation vor seinen Kollegen, ein Schatten seiner selbst, zeigt höchste Professionalität und in Wahrheit weint er innerlich um seine verstorbene Mutter. Die Kassiererin sitzt an der Kasse und jedes Mal, wenn jemand die Ritter Sport Alpenmilch kauft, schießt ein schmerzvolles Projektil voller Adrenalin mitten durch ihr Herz, weil sie an die strahlenden Augen ihres Ex-Mannes denkt, wenn sie ihm die Schokolade mitgebracht hat. „War beim Einkauf alles in Ordnung?“, fragt sie lächelnd, aber mit leeren Augen. Wir sitzen mit Liebeskummer am Arbeitsplatz und wenn uns der Kollege fragt, wie es uns geht, antworten wir: „Gut, danke.“ Heute habe ich mit meiner Antwort die natürliche Ordnung aus dem Gleichgewicht gebracht und genau das will mir Susanne auch zu verstehen geben, indem sie meint: „Oh verdammt, das tut mir leid. Na ja, wir reden später darüber, ich muss noch ein paar Sachen kopieren.“

Als ich nach der Trennung von meinem Freund die sechste Taschentuch-Box geleert hatte und die Ferien langsam dem Ende nahten, googelte ich, ob man sich wegen Liebeskummer krankschreiben lassen kann. Immerhin kann daraus das lebensbedrohliche Broken-Heart-Syndrom entstehen. Wegen Liebeskummer haben sich schon viele Menschen das Leben genommen. Warum also nicht zuhause bleiben und dem Kummer seinen Lauf lassen? Ich las Antworten wie „die eigene Gefühlslage hat im Job nichts verloren“ oder „Arbeit und Privatleben muss man trennen können“. Selbst die Süddeutsche Zeitung schreibt: „So weh eine Trennung auch tut – im Berufsalltag sollten private Probleme keine Rolle spielen.“* Nun saß ich vor meinem Laptop und eine einzige Frage schwirrte durch meinen Kopf: Warum eigentlich? Warum betreten wir jeden Morgen aufs Neue diese Bühne mit einem Lächeln, als hätten wir es uns mit Theaterschminke ins Gesicht gemalt und mit Haarspray fixiert? Warum ist es nicht in Ordnung, vor den Kollegen zu weinen? Und warum darf ich mich, wenn ich einen Beruf mit viel Kundenkontakt habe, nicht krankschreiben lassen, wenn ich Kummer habe?

Brokenheart

Keine zehn Minuten, nachdem meine Kollegin Susanne mich stehengelassen hat, betrete ich meine Bühne: Das Klassenzimmer 202. Mein Publikum: Die 5b. Während ich den Schlüssel in das Schloss stecke und die Meute hinter mir durch den Flur tobt, schminke ich mir innerlich mein Lächeln auf. „Guten Morgen, liebe 5b!“, sage ich, als wäre ich die gut gelaunte Mami mit der gut gelaunten Familie aus der gut gelaunten Lätta-Werbung. Den Schüler Michael, der in der letzten Reihe sitzt, kann ich an diesem Tag nicht aufrufen. Er heißt genauso wie mein Ex-Freund und ich will nicht riskieren, dass die Tränen mein Lächeln abwaschen. Die Kleinen kann ich täuschen, sie sind ohnehin zu beschäftigt mit dem Katzenskelett, das ich vorne auf den Tisch gestellt habe, sodass sie nichts von meinem gebrochenen Herzen sehen.

In der zweiten Stunde stehe ich vor der 10c. „Wie waren Ihre Ferien?“, fragt eine Schülerin. „Nicht so gut“, antworte ich jetzt ehrlich, weil ich schlecht lügen kann. „Warum nicht?“, fragt sie mit großen Augen und ich erkläre kurz die Lage, ähnlich wie ich es bei Susanne getan habe. Die Klasse hört zu, bekundet danach ihr Mitgefühl und ist an diesem Tag ganz besonders ruhig und zeigt sich ausgesprochen freundlich. So brav waren sie das letzte Mal gewesen, als ich eine Lehrprobe hatte. „Es tut mir leid, dass ich eure Klassenarbeiten noch nicht korrigiert habe“, entschuldige ich mich am Ende der Stunde. „Das ist nicht schlimm, wir brauchen die nicht so dringend zurück“, antwortet Florian, der sonst ganz still ist und sich nie meldet. „Vielleicht sollten Sie am Wochenende auch lieber mal wegfahren als unsere Arbeiten zu korrigieren“, ergänzt Paul, ein Schüler, mit dem ich seit Wochen Auseinandersetzungen habe. „Und übrigens“, wirft jetzt noch Luis ein, „der Typ muss ein ganz schöner Idiot sein, wenn er Sie verlässt.“ Durch die Klasse geht eine Welle von „Ja, genau!“ und „Aber wirklich!“. Beim Verlassen des Klassenzimmers muss ich lächeln. Es ist ein echtes Lächeln, das meine Schüler mir aufs Gesicht zaubern. Und auch, wenn sie in dieser Stunde vielleicht nicht ganz so viel über die Struktur der DNA gelernt haben, so haben sie gelernt, dass es in Ordnung ist, traurig zu sein und Schwäche zu zeigen. Das ist vermutlich mehr als man ihnen in ihrer ganzen Schullaufbahn je beigebracht hat. Was aber habe ich in dieser Stunde gelernt? Nicht das, was mir mein erster Chef während meiner Ausbildungszeit beigebracht hat, nämlich Professionalität. Ich habe etwas ganz anderes und viel Wertvolleres gelernt: Nur wenn man selbst Menschlichkeit zeigt, kann man Menschlichkeit erfahren.

Foto 1

Einer Kassiererin, die mir ihre Traurigkeit zeigt, würde ich sicher ein paar tröstende Worte spenden. Vielleicht würde aber auch ihr Chef sagen: „Bleiben Sie besser zuhause und erholen sich ein paar Tage.“ – wenn sie ihn nur fragte. Natürlich kann man einwenden, dass Arbeit auch ablenkt, aber manchmal muss man dem Herz Zeit geben, zu heilen und diese Zeit muss man sich zugestehen. Glück ist kein Zufall, es ist eine Wahl, die jeder Einzelne von uns hat. Aber ich strebe nach Authentizität, das gilt auch für das Glücklichsein.

Während meiner Meditation am Nachmittag überkommt mich bei den Gedanken an meine zehnte Klasse ein ganz leichtes, aber sehr warmes Gefühl von echtem Glück. Ein Glücklichsein, das erst durch eine Fremd- und daraus folgend durch eine Selbstbejahung ausgelöst wurde. Meine Schüler haben mich dazu gebracht, zu mir selbst und meinen Gefühlen zu stehen, kurz: Es macht mich glücklich, unglücklich sein zu dürfen. Ich werde bald wieder fröhlich vor meiner 10c stehen, aber dann werden die Schüler wissen, dass mein Lächeln echt ist, weil ich bei der Maskerade des Glücklichseins nicht mehr mitspiele.

Am Abend erreicht mich eine WhatsApp-Nachricht von Susanne. „Wie geht’s dir?“, fragt sie mit einem lächelnden Emoticon dahinter – dieses Mal weiß ich, dass die Frage nicht rhetorisch gemeint und das Emoticon ein echtes Lächeln ist.

 

* sueddeutsche.de/karriere/beruf-und-private-probleme-wie-man-sich-bei-liebeskummer-im-job-verhaelt, 13.1.2016

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Seele 2.0 – Zehn Gewohnheiten von emotional resilienten Menschen

Stau, Stress, schlechtes Wetter. Den einen ärgert es total, der andere geht mit Leichtigkeit darüber hinweg. Woran liegt es, dass wir so unterschiedlich auf Stressfaktoren reagieren? Natürlich spielt unser angeborener Charakter…

Stau, Stress, schlechtes Wetter. Den einen ärgert es total, der andere geht mit Leichtigkeit darüber hinweg. Woran liegt es, dass wir so unterschiedlich auf Stressfaktoren reagieren? Natürlich spielt unser angeborener Charakter eine Rolle. Du kannst dir aber ein paar Gewohnheiten zulegen, die es dir leichter machen, mit Stressfaktoren aller Art leichter umzugehen.

Gewohnheiten sind kleine vollautomatische Aktionen, die wir ausführen, ohne viel darüber nachzudenken. Sie erleichtern uns in vielen Bereichen das Leben. Gleichzeitig führen manche Gewohnheiten dazu, dass wir auf bestimmte Reize immer gleich reagieren. So kann es sein, dass du vom Typ her gar nicht so stressanfällig bist, dir aber irgendwann ein Muster angeeignet hast, schnell und empfindlich zu reagieren.

Fange heute noch an, dir ein paar neue Gewohnheiten zuzulegen – wähle deine Favoriten aus der Liste!

1. Warte auf die richtige Reaktion

Etwas passiert, ein Reiz erreicht deinen Hirn und sagt: „Reagiere auf mich!“ Deine Gewohnheiten und deine Muster sind sofort bereit und fragen „Same procedure as last year?“. Und ja, es ist energieeffizienter, in Mustern zu antworten. Bloß nicht immer gut für unsere Gefühlslage und unsere Gesundheit. Wenn dich also jemand oder etwas ärgert, reizt und stresst, kontrolliere den ersten Impuls und lasse nicht zu, dass deine Gewohnheiten die Macht übernehmen. Atme einmal tief durch und frage dich: Was ist jetzt die beste Handlung im Sinne meiner Absichten und Interessen? Worauf möchte ich meine Energie verwenden?

2. Halte Unangenehmes aus

Wenn wir hungrig sind, sehr hungrig, dürfen wir auf keinen Fall eine Restaurantkarte in die Hände bekommen. Oder einkaufen gehen. Wir bestellen oder kaufen viel zu viel, oft auch unnütze Sachen. Mache es zu einer Gewohnheit, etwas Unangenehmes wie Hunger, Ärger oder Frust zu tolerieren. Führe ein Tagebuch, schreibe dort jedes Mal auf, welche Gedanken dir in solchen Momenten kommen.

3. Erweitere deine Perspektiven

Manche Dinge passieren FÜR dich, und nicht dir. Was jetzt gerade unerträglich erscheint, mag in Zukunft ein Riesenvorteil werden. Aus welcher Perspektive kannst du auf deine Situation schauen, um deine Lage in einem anderen Licht zu sehen?

4. Praktiziere Akzeptanz

Eine sehr nützliche Gewohnheit: Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind. Akzeptieren heißt, dass du nicht aufgibst und die Kontrolle nicht an den Stress abgibst. Vertraue dir, dass du in jeder Situation die Kraft findest, noch einmal aufzustehen.

5. Denke an die Macht der Zeit

Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man. Was jetzt gerade furchtbar bremst und nervt oder weh tut, macht dich stärker und wird dir aus der Zukunft nicht so schlimm erscheinen. Gewöhne dich daran, dir Zeit zu geben.

6. Verlange nicht von dir, die Antworten immer parat zu haben

Wir sind es gewohnt, dass wir Rede und Antwort stehen müssen. Kommt es zu wichtigen Lebensfragen, verlangen wir von uns selbst, dass wir die richtigen Antworten sofort finden. Wir vergessen, dass die richtigen Antworten immer dann zu uns kommen, wenn wir dafür bereit sind. Und dass es ok ist, wenn man nicht alles sofort weiß.

7. Sorge für dich

Finde täglich Zeit, für dich selbst zu sorgen. Fange gar nicht erst an, mit dir selbst zu verhandeln – die Zeit ist immer da, du musst sie dir nur nehmen. Trinke eine Tasse Tee (achtsam, in Ruhe), mache einen Spaziergang, creme dich ein und gehe eine Stunde früher ins Bett.

8. Lache dich gesund

Mache es zu einer Gewohnheit, über etwas zu lachen. Zum Beispiel immer, bevor du einen Kunden anrufen musst oder nach einem unangenehmen Vorfall. Lass dich von Videos mit tollpatschigen Tieren in die Leichtigkeit entführen oder lese ein paar Witze.

9. Sei glücklich, statt Recht zu haben

In jedem Gespräch kannst du wählen, was dir wichtiger ist: Dein Stolz oder die Beziehung. Mache es dir zu einer Gewohnheit, kurz abzuwägen, ob es dir wirklich Wert ist, Recht zu haben.

10. Stärke die Stärken

Denke nicht an die Fehler, die du hast, nicht an die Macken und nicht an Probleme. Frage dich, was du heute richtig machen kannst, was dir Spaß macht und wovon du mehr haben willst. Da, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest, davon wirst du mehr im Leben haben.

Kennst du andere gute Gewohnheiten? Teile diese gerne hier mit uns, denn von entspannten Menschen profitieren wir alle zusammen!

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Seele 2.0 – Wie du Probleme am einfachsten löst

Gregory Berns von der Universitätsklinik Emory in den USA forscht seit 20 Jahren über unser menschliches Gehirn. Er hat herausgefunden, dass wir unsere Glückshormone und Glücksgefühle alleine durch die Erwartung…

Gregory Berns von der Universitätsklinik Emory in den USA forscht seit 20 Jahren über unser menschliches Gehirn. Er hat herausgefunden, dass wir unsere Glückshormone und Glücksgefühle alleine durch die Erwartung auf etwas Schönes, Neues und Positives aktivieren können. Die Erwartung sei wichtiger als die eigentliche Aktivität. Konkret ausgedrückt: die Erwartung, sich etwas Schönes zu kaufen, die Erwartung, etwas Neues und Spannendes auszuprobieren, löst mehr Freude und Glücksgefühle in uns aus als die Aktivität selbst. Damit hat Herr Berns die alte Weisheit „Vorfreude ist die schönste Freude“ wissenschaftlich belegt.

Eine Empfehlung, die ich einmal in einem Reisebüro bekommen habe: Die Reise möglichst früh buchen, damit die Vorfreude richtig lang ist. Vielleicht ist dieser wissenschaftlicher Fakt auch einer der Gründe, warum es (gefühlt) kurz nach Ostern schon Weihnachtsmänner im Laden gibt – damit wir uns lange freuen und glücklich einkaufen.

Freuen wir uns über etwas, sorgen bestimmte Hormonprozesse dafür, dass unser Körper sich entspannt. Stress wird abgebaut, der Blutdruck sinkt, Schmerzen werden weniger stark wahrgenommen. Die Phantasie spielt dabei eine große Rolle: Freuen wir uns auf etwas, malen wir uns das Ereignis in den buntesten Farben aus und beschäftigen uns lange damit. Vorfreude kann also sogar glücklicher machen als die eigentliche Freude. Was hat das nun mit dem Lösen von Problemen zu tun?

Drehe den Spieß um – umgekehrt gilt das Gleiche. Hast du ein Problem, das du lösen musst, sorgt dein Hormonhaushalt dafür, dass du angespannt bist. Je länger du das Problem vor dir her schiebst, desto bunter malt deine Phantasie die Unlösbarkeit und die Größe des Problems aus, desto weniger Kraft verspürst du, dich mit dem Problem zu beschäftigen. Somit kommt es in vielen Fällen dazu, dass die Beschäftigung mit dem Aufschieben der Problemlösung mehr Energie und Kräfte raubt, als die Lösung selbst. Das dürfte jedem bekannt sein, der das Geschirr tagelang in der Küche stehen lässt und jedes Mal schlechte Laune hat, wenn es in das Blickfeld gerät.

Die Lösung? Ganz einfach. Hast du dein Problem erkannt und willst es wirklich lösen, dann schiebe diesen Schritt so wenig wie möglich vor dir her. Dadurch ersparst du deinem Körper unnötige Stresshormone und sorgst für einen nachhaltigen Ressourcenhaushalt in deiner Seele. Noch eins: Zufrieden und glücklich sein heißt nicht, keine Probleme zu haben. Es bedeutet vielmehr, dass du lernst, mit den Problemen umzugehen und ihnen nicht erlaubst, dass sie dich von den Dingen ablenken, über die du glücklich und zufrieden sein kannst. Denn Gegenteil von Glück ist bekanntlich nicht Unglück, sondern Langeweile – und eine Welt ohne Probleme wäre absolut langweilig!

Ich hoffe, du bist nun hochmotiviert, die Probleme in deinem Leben mit einem frischen Blick zu betrachten und da anzupacken, wo es nötig ist. Vergiss nicht, einen Kommentar zu hinterlassen, wenn dir etwas durch den Kopf geht.

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Nadine sucht das Glück: Glück ist schrillernd

„Ich bekenne, ich brauche Geschichten, um die Welt zu verstehen.“ So das Geständnis von Siegfried Lenz, einem deutschen Schriftsteller in seinem Werk „Die Erzählungen“. Mir geht es ganz ähnlich, auch…

„Ich bekenne, ich brauche Geschichten, um die Welt zu verstehen.“ So das Geständnis von Siegfried Lenz, einem deutschen Schriftsteller in seinem Werk „Die Erzählungen“. Mir geht es ganz ähnlich, auch ich möchte die Welt verstehen und benötige dafür Geschichten. Noch mehr als die Welt als Ganzes möchte ich aber die Menschen verstehen, die ihre Geschichten erzählen. Was bringt sie zum Lachen, was zum Weinen? Welche Abenteuer haben sie schon erlebt und für welche wappnen sie sich gerade? Wovon träumen sie, worauf hoffen sie? Und vor allem, was macht sie glücklich? Was ist es, das ihre Energiereserven auffüllt und sie auch in schweren Zeiten die Zuversicht nicht verlieren lässt? Was ist es, das sie aus ihrem Inneren heraus strahlen lässt? Immer wieder stelle ich mir diese Fragen. Erst vor kurzem ist mir die Problematik daran aufgefallen. Ich stelle mir diese Fragen. Mir selbst, als würde ich die Antworten kennen. Dabei sind doch die anderen Menschen die einzigen, die mit ihren Geschichten meine Fragen beantworten können.

Die erste Person, die ich gebeten habe, mir ihre Geschichte zu erzählen nennt sich Yogi. Wir kennen uns mittlerweile schon seit einigen Jahren und haben gemeinsam gelacht, getanzt und über Gott und die Welt geredet. Über ihre persönliche Glücksgeschichte haben wir allerdings noch nie gesprochen. Bei einem gemeinsamen Kaffeehausbesuch und anschließendem Spaziergang am Donaukanal haben wir das aber nachgeholt. Vorhang auf für Yogi, hier kommt ihre Geschichte!

„2012 war das beste Jahr meines Lebens. Ich war das ganze Jahr lang auf Weltreise, war frei und ungezwungen und konnte einfach nur das tun, worauf ich Lust hatte. Was ich mache, mit wem ich rede, wen ich kennenlernen möchte, wohin ich gehe – all das war ganz allein meine Entscheidung. Ich war ein ganzes Jahr lang auf Urlaub, wer würde das nicht großartig finden?“ Zwölf Monate lang durch die Welt zu reisen und ganz frei entscheiden zu können, welchen Weg man als nächstes einschlägt, macht ganz gewiss glücklich. Daran zweifle ich nicht. Ob es diese Freiheit ist, die sie als größtes Glück empfand, habe ich sie gefragt. „Nein, das war großartig, aber dass ich Orte kennen lernen durfte, an denen ich mich heimisch fühle, das war die beste Erfahrung. Und auch die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen und Kulturen waren ein großes Glück.
In Venice Beach, Los Angeles hatte ich das erste Mal auf meiner Reise dieses Gefühl. Das ist ein Ort, an dem ich bleiben könnte, weil die Menschen entspannt sind und das Lebensgefühl frei ist. Ein fantastisches Buchgeschäft gibt es dort. Es gibt Açaí-Eis aus Brasilien, Bongo-Spieler, das Meer rauscht, man radelt die Strandpromenade entlang und fühlt sich wie in Baywatch.

Ein noch stärkeres „Hier bin ich zu Hause“-Gefühl hatte ich in Kambodscha. Eigentlich habe ich nichts über dieses Land gewusst. Ich musste aus Thailand ausreisen, weil mein Visum ausgelaufen war. Der Grenzübertritt zu Kambodscha war der am nächsten gelegene. In Thailand zog ich von einem Ort zum anderen, wollte nie weiter und verliebte mich doch sofort wieder in mein nächstes Ziel. Ich wollte Thailand nicht verlassen, landete aber doch ganz unvermutet in meinem Lieblingsland.“

In Gedanken reise ich nach Kambodscha. Was weiß ich eigentlich über dieses Land und die Leute dort? Nichts. Ich habe mich noch nie damit auseinandergesetzt. Yogi nimmt einen Schluck von ihrem brasilianischen Kaffee und erzählt weiter: „Die Leute in Kambodscha sind so liebenswert. Obwohl ihre jüngste Vergangenheit nicht immer leicht war und die Spuren des Genozids in den Siebzigern nach wie vor präsent sind, sind sie aufgeschlossen und offen. Ich war fasziniert und fragte mich, wie das überhaupt möglich sein konnte. Zwischen all diesen Menschen, die trotz ihrer schlechten Erfahrungen so lebensfroh geblieben sind, fühlte ich mich zu Hause.“

Während Yogi von Kambodscha und den Leuten dort erzählt, leuchten ihre Augen. Die Erinnerung an ihre Zeit dort bereitet ihr offensichtlich viel Freude. Mir drängt sich die Frage auf, wie es sich jetzt anfühlt, fernab Asiens und eineinhalb Jahre später. „Kambodscha ist mein Land, dort soll ich sein. An diesem Gedanken hat sich bis heute nichts geändert.“ Yogi scheint in der Ferne ihr Herz an eine zweite Heimat verloren zu haben. So sehr sie die Monate dort genossen hat, so wenig vergessen sind auch die weniger schönen Erinnerungen. „Nach acht Monaten Reisezeit hatte ich ein so genanntes Travel Burnout. Obwohl ich mich so heimisch fühlte, ging es mir nicht gut. Es gab ständig nur Reis und Nudeln, überall war es schmutzig, ständig wurde ich als Touristin von Händlern bedrängt, die mir etwas verkaufen wollten. Ich nahm mir eine Auszeit und verbrachte einige Tage in der Hauptstadt von Kambodscha. Dort gönnte ich mir seltene Luxustage. Ich ging zum Frisör, kaufte mir ein hübsches Kleid und mietete ein Zimmer in einem Hostel, das neben einem hervorragenden Kaffeehaus lag. Diese Auszeit vom Reisen hat mir das Land noch näher gebracht, weil ich gesehen habe, dass es mich auch aufbauen kann, wenn es mir schlecht geht.“ Ich habe noch nie von einem Travel Burnout gehört und bin überrascht, wie offen Yogi darüber spricht. So schlecht es ihr ging, so fabelhaft ist es, dass sie eine so positive Erkenntnis gewinnen konnte.

„Während meiner Tage in Phnom Penh habe ich auch einen Fotokurs besucht, weil Fotografie auf dieser Reise zu meiner Leidenschaft und meiner Möglichkeit geworden ist, besondere Momente einzufangen und anderen zugänglich zu machen. Ich habe viele Einheimische fotografiert. An meinem letzten Tag habe ich beim Ausflug mit dem Fotokurs eine runzlige, alte Kambodschanerin ohne Zähne fotografiert. Ihr liebenswertes, aufgeschlossenes Lächeln hat mich berührt und mir noch mehr verdeutlicht, wie sehr ich dieses Land liebe.“

cambodian by Yogi

Yogis Aufenthalt in Kambodscha endete wiederum, weil ihr Visum auslief. „An der Grenze habe ich geweint. Ich wollte nicht weg.“ So eng fühlte sie sich dem Land verbunden, dass der Abschied schmerzte. Die nächsten Tage in Vietnam konnten den Kummer nicht lindern. „Die Menschen in Vietnam waren ganz anders als in Kambodscha. Sie waren viel verschlossener, trugen meistens Mundschutz und tief ins Gesicht gezogene Hüte. Ich hatte das Gefühl von Gesichtslosen umgeben zu sein. Außerdem war es, als hätte ich, egal wo ich hin kam, das ganze Touristenprogramm schon gesehen. Immer die gleichen Tempel, die gleichen Bauten und die gleichen Wasserfälle. Ich hatte nicht das Gefühl noch etwas Neues zu erleben. Deshalb habe ich meine Reise in den Norden auf halbem Weg abgebrochen und bin wieder zurück nach Kambodscha gefahren.“

Als mir Yogi von ihrer Rückkehr erzählt, freue ich mich richtig. Wie schön, wenn jemand seinem Herzen folgt und auch mal von einem Plan abweicht. „Eigentlich wollte ich in Sihanoukville in einer Strandbar arbeiten. Ich habe mir ein kleines Paradies vorgestellt, wurde aber schwer enttäuscht. Sihanoukville ist ein versifftes Loch voller Drogen und Prostitution, überall begegnet man verlorenen Seelen, die dort hängen geblieben sind.“ Die Enttäuschung steht ihr ins Gesicht geschrieben, allerdings auch das Mitgefühl mit den Menschen dort. „Statt in der Strandbar zu arbeiten habe ich einen Tauchtrip gebucht. Am Morgen als es losgehen sollte, sah ich eine Frau, die mir gefiel. Ich stornierte spontan meinen geplanten Ausflug und buchte stattdessen einen Tauchgang bei ihrer Schule, um sie zu begleiten. Mit dieser Tauchgruppe war eine Übernachtung auf einer anderen Insel geplant, auf der Insel Koh Rong. Ich bin für eine Nacht gekommen und einen Monat geblieben. Das war das Paradies, das ich gesucht hatte.“
Yogi erzählt, dass sie auf Koh Rong Arbeit in einem Guesthouse gefunden hat. Das Hausmädchen dort, die 14-jährige Srey Ni aus dem Einheimischendorf wurde schnell zu ihrer Schwester und Freundin. „Ihre Mutter brachte mir häufig Kokosnüsse aus dem Garten vorbei. Srey Ni und ihre Familie leben auf dieser Insel ohne Autos, ohne Arzt, ohne Hektik. Das Festland ist zweieinhalb Stunden Bootsfahrt entfernt. Srey Ni war erst zwei Mal dort.“ Yogi würde die kleine Kambodschanerin gerne nach Österreich einladen, wenn sie alt genug ist um alleine in Phnom Penh einen Pass beantragen zu können. In Kontakt bleiben können die beiden nur schwer, weil es auf der Insel weder Post noch Computer gibt. Nur wenn einer von Yogis Freunden auf einer Kambodschareise dort Halt macht, können sie sich über dessen Smartphone oder Tablet über Skype sehen und unterhalten. Ich versuche mir vorzustellen, wie Srey Ni auf ihrer kleinen Insel lebt. Ganz ohne die Luxusgüter, die wir gewohnt sind und oftmals nicht sehr wertschätzen. Wer wohl glücklicher ist? Wir mit all unseren Errungenschaften, die den Alltag erleichtern oder Srey Ni und ihre Familie, die ohne Hektik irgendwo im Nirgendwo leben. Ich komme zu keiner Antwort. Vielleicht sollte ich Yogi auf ihrer nächsten Reise begleiten und Srey Ni selbst fragen.

Natürlich will ich wissen, wie es ist, wenn man nach so einer langen Reise wieder nach Hause kommt. „Ich war ein Jahr lang unterwegs. Wieder in Wien zu sein war schwierig, ich hatte es mir anders vorgestellt. Irgendwie hatte ich erwartet, dass ich nach meiner Rückkehr sesshaft werden würde. Dass ich eine neue Wohnung, einen guten Job und eine Partnerin finden würde. Doch es kam anders. Ich lebe immer noch in der gleichen Wohnung und fand weder Job noch Partnerin. Meine Reise war ein Selbstfindungstrip. Ich habe mich auch gefunden, in vielen Facetten erfunden und neu entdeckt. Aber kaum war ich zurück, habe ich mich gleich wieder verloren. Ich wusste nicht, wo ich hin wollte. Sollte ich in Wien bleiben? Zurück nach Asien gehen? In ein ganz anderes Land ziehen? Ich war überfordert von der Fülle an Möglichkeiten, die sich mir bot. Dass ich nicht gleich eine gute Arbeit gefunden habe, hat an meinem Selbstwertgefühl gekratzt. Ich habe mich gefragt, warum ich überhaupt wieder zurück gekommen bin, wo ich doch anscheinend komplett überflüssig war. Das war keine leichte Zeit. Die große Frage, die im Raum schwebte, war: Wenn das mein bestes Jahr war, was soll jetzt noch kommen? Wird alles nur noch halb so gut sein? Wovon soll ich jetzt noch träumen?“ Ich bin beeindruckt, dass Yogi so aufrichtig über diese schwierige Zeit redet. Ein Jahr lang dauerte diese Unsicherheit und Unwissenheit, zwölf Monate voller Selbstzweifel und unbeantworteter Fragen. „2013 endete damit, dass mir ein Bekannter zu Silvester sagte, dass dieses Jahr mein Übergangsjahr gewesen sei. Heute sehe ich das auch so. Die Leere nach meiner Rückkehr war komisch, ich habe lange gebraucht um damit zurechtzukommen. Mittlerweile bin ich aber wieder angekommen und fühle mich wohl in Wien. 2012 war definitiv eines der besten Jahre meines Lebens. Ich freue mich aber auf die, die noch kommen werden. Denn es werden noch viele fantastische Jahre kommen, da bin ich mir sicher.“

Nachdem mir Yogi ihre Geschichte erzählt hat, die nicht nur eine Geschichte ihrer Reise, sondern auch eine ihres Wachsens und Erwachsenwerdens ist, sitzen wir noch einige Zeit am Wasser und bewundern die Muster, die der Wind an der Wasseroberfläche zeichnet. Ich bin dankbar, dass sie mir von ihrem großen Abenteuer erzählt hat und erfreue mich an den vielen kleinen Glücksstrahlen, die aus den Erzählungen hervor blitzen. Yogi hat nicht nur eine zweite Familie und viele neue Heimaten gefunden, sondern auch ein Stück ihrer selbst. Die Erinnerungen, die Freundschaften, die Einblicke in fremde Kulturen und die Erkenntnisse über sich selbst sind für Yogi wie ein innerlicher Schatz, den sie hütet, aber auch für andere frei gibt.

Zum Abschluss unseres gemeinsamen Nachmittags stelle ich ihr drei Fragen. Immerhin gibt es nicht nur die reisende Yogi, sondern auch noch viele andere. Wer warst du, wer bist du, wer wirst du sein? Zeig mir deine Persönlichkeit, ich möchte wissen wer du bist. Sie beginnt mit der Gegenwart, das ist am einfachsten. „Ich bin eine selbstbewusste, ehrliche, mutige Weltenbummlerin, die ihr Leben nicht nach gesellschaftlichen Normen ausrichtet. Eine Freundin hat ein Wort für mich erfunden, schrillernd. Sie sagt, ich sei schrill und schillernd. Es kümmert mich nicht, wenn mich jemand komisch ansieht.“ Ich muss laut lachen, als ich die von der Freundin kreierte Beschreibung höre. Schrillernd. Schrill, schräg und schillernd. Ja, das passt wunderbar. Während ich mich über die Wortschöpfung amüsiere, sucht sie nach Antworten auf meine beiden anderen Fragen. „Ich war das kritische, alles hinterfragende Leitschaf und auch ein Klassenclown. Schulsüchtig war ich auch, aber nur, weil ich ständig in meine Lehrerinnen verknallt war.“ Die Frage nach der zukünftigen Yogi ist wohl am schwierigsten zu beantworten. „Ich werde erfolgreich sein, erfahren und wissend und die Welt gesehen haben. Letzteres habe ich ja auch jetzt schon erreicht. Am wichtigsten ist mir, dass ich mich auch in Zukunft immer selbst zu schätzen weiß und mein Leben lang so schrillernd bleibe wie ich jetzt bin.“ Beim letzten Satz lächelt sie ob der Gewissheit, dass es tatsächlich so sein wird. Ein Glück, wenn man sich selbst gefunden hat. Ein größeres Glück, wenn man sich selbst gefunden hat und noch dazu gut leiden kann.

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Nadine sucht das Glück: Das Glück liegt im Inneren

Sri Swami Sivananda, ein alter Yoga-Meister sagte vor vielen Jahren: „Ein Leben der Liebe, der Güte, der Nachsicht, ist die einzige Versicherung für Frieden und Glück sowohl für den Einzelnen,…

Sri Swami Sivananda, ein alter Yoga-Meister sagte vor vielen Jahren: „Ein Leben der Liebe, der Güte, der Nachsicht, ist die einzige Versicherung für Frieden und Glück sowohl für den Einzelnen, als auch für die Welt als Ganzes.“

Vor einigen Tagen bat mich eine Freundin, sie zu einem Meditationsworkshop in ein buddhistisches Zentrum zu begleiten. Ich verstehe wenig vom Buddhismus, hege aber ein gewisses Interesse dafür. Von meinen wenigen Meditationserfahrungen weiß ich, dass mir diese spirituellen Praktiken immer sehr gut getan haben. Sie musste mich also nicht lange bitten. Aufgeregt ob der Frage, was uns denn an diesem Sonntagnachmittag erwarten würde, machten wir uns gemeinsam auf den Weg in die Räumlichkeiten eines buddhistischen Vereins. Ich rechnete mit einigen wenigen Teilnehmern und einem Workshopleiter, der in meiner Vorstellung einem Trainer oder Coach entsprach. Eine Person, die sich gut auskennt und gewiss in der Lage ist, eine Meditation hervorragend anzuleiten. Die Überraschung war groß, als wir uns in einer sehr großen Runde von interessierten Menschen einem Mönch gegenübersitzen sahen.

Dieser Mönch, gekleidet in die traditionelle Tracht seines Ordens, strahlte so viel Ruhe und Zufriedenheit aus. Er wirkte, als wäre er ganz im Reinen mit sich und der Welt, als wäre die Gratwanderung zwischen Glück und Unglück, zwischen Freud und Leid ein einfacher Balanceakt, den man mit einem Lächeln im Gesicht und verbundenen Augen meistern könnte. Dieser Mönch erschien mir wie das wandelnde Abbild von Gelassenheit und Freude. Freude über sein Dasein, über seine Aufgabe, über seine Herausforderungen. Und auch über die vielen Menschen, die sich versammelt hatten, um mit ihm zu meditieren und von ihm zu lernen.

Er zeigte uns drei verschiedene Meditationstechniken. Die Meditation über die Atmung war mir vorher schon bekannt, die Meditation über die Liebe und das Mitgefühl waren mir neu. „Stellt euch vor wie es wäre, wenn kein Mensch, kein Lebewesen auf der Welt leiden müsste. Wäre das nicht wundervoll?“ Der Gedanke an eine Welt frei von Leid brachte ihn zum Lächeln, machte ihn glücklich. „Wenn man Mitgefühl mit einem Menschen hat, kann man diesem kein negatives Gefühl entgegen bringen. Mitgefühl schützt uns vor Hass, vor Eifersucht, vor Neid. Das Mitgefühl beschützt uns vor allen schlechten Gefühlen.“ Diese wenigen Worte waren die Einleitung zu einer Meditationsübung, bei der wir aufgerufen waren Mitgefühl zu empfinden. Wenn man an all das Schlechte denkt, dass auf unserer Welt passiert, ist man so weit vom Glück entfernt, wie nur irgendwie möglich. Mit diesem neuen Gedanken, mit dem Mitfühlen, Annehmen und Anerkennen, kommt man dem Glück aber wieder einen Schritt näher.

Auf das Mitgefühl folgte die Liebe. „Könnt ihr euch vorstellen, wie es wäre, wenn alle Lebewesen auf der Welt rundum glücklich wären? Wenn jeder alles hätte, was er braucht? Könnt ihr euch vorstellen, dass es keinen Kummer, kein Unglück mehr gibt? Wäre das nicht wunderschön?“ Ja! Es wäre großartig, wenn dem so wäre! Sich dieses Bild im Geiste auszumalen ist eine Wohltat für die Seele. Der Gedanke, dass jeder Mensch und jedes Lebewesen gänzlich frei von Leid und bis ins Innerste von Glück durchdrungen leben könnte, vermittelte mir ein Gefühl von Wohlbehagen.
„Das Glück trägt man in seinem tiefsten Inneren. Jeder kann daraus schöpfen, die eigenen Quellen versiegen nie.“ Mitgefühl und Liebe sind die Quellen, die wir in uns tragen. Während der zweistündigen Meditationsübungen und Erzählungen saß ich einem Mönch gegenüber, der es ganz offensichtlich geschafft hat, seine Quellen zu finden und zu nutzen. Die ganze Zeit über spielte ein Lächeln auf seinen Lippen. Die ganze Zeit über vermittelte er ein Gefühl der Sicherheit. Alles darf sein, alles wird gut.

Liebe, Güte und Nachsicht. Liebe und Mitgefühl. Ja, das sind Eigenschaften, die ich gerne an mir sehen möchte. Oft gelingt das gut, manchmal aber fällt es mir schwer mit Liebe im Herzen hinzusehen, gütig und nachsichtig zu sein. Wenn es wieder einmal nicht gelingen mag, werde ich an den Mönch denken und mir seine Worte zu Herzen nehmen. Mein Glück liegt in meinem Inneren, es wartet nur darauf gefunden zu werden.

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Nadine sucht das Glück: Glück ist unsterblich

„Menschliches Glück stammt nicht so sehr aus großen Glücksfällen, die sich selten ereignen, als vielmehr aus kleinen glücklichen Umständen, die jeden Tag vorkommen.“ So die Worte Benjamin Franklins. Manchmal nehme…

„Menschliches Glück stammt nicht so sehr aus großen Glücksfällen, die sich selten ereignen, als vielmehr aus kleinen glücklichen Umständen, die jeden Tag vorkommen.“ So die Worte Benjamin Franklins. Manchmal nehme ich mir die Zeit, die Menschen in meiner Umgebung still zu beobachten und mich an ihrem Glück zu erfreuen. Auch als unbeteiligter Außenstehender ist es schön mit anzusehen, wenn die Augen vor Freude leuchten und sich Zufriedenheit in den Gesichtern breit macht.

Vergangene Woche habe ich eine Konferenz besucht. Ich habe ein buntes Sammelsurium an Menschen vorgefunden, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Menschen aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Branchen, Alte und Junge, Männer und Frauen, Studenten, Experten, Interessierte und Vortragende. Ein bunt gemischter Haufen, der sich aufgrund einer gemeinsamen Leidenschaft zusammengefunden hat. So viele Glücksmomente habe ich dort erlebt, dass gar nicht alle in Erinnerung geblieben sind. Von manchen ist nur noch die Ahnung vorhanden, dass es sie gab. Manche sind ganz präsent und bringen mich noch immer zum Lächeln.

Viele Teilnehmer sind in Gruppen angereist, manche allein oder zu zweit. Beinahe alle haben im Laufe der Konferenz alte Freunde getroffen und neue Freundschaften geschlossen. „Schön, dass du da bist.“, „Ich freue mich, dich zu sehen.“, „Wie gut, dass wir uns kennen gelernt haben.“, diese Sätze hab ich oft gehört, begleitet von Umarmungen, Schulterklopfen und freudestrahlenden Gesichtern. So simpel diese Worte auch sind, so gut tut es, sie zu hören. An allen Ecken und Enden wurden die Köpfe zusammengesteckt und über Gott und die Welt geredet. Man schwelgte in gemeinsamen Erinnerungen an vergangene Tage, schmiedete Pläne, besprach neue Projekte. Es wurde gescherzt und gelacht, über Fauxpas der letzten Konferenz geschmunzelt und ganz nebenbei noch gut gegessen und getrunken. Die Wiedersehensfreude, die neuen Bekanntschaften und die gemeinsame Leidenschaft sorgten für eine wundervolle Atmosphäre.

Die Vortragenden stammten aus den unterschiedlichsten Fachgebieten. Allen gemein war die Begeisterung. Ich habe Referenten gesehen, die gefühlte 120 Jahre alt waren. Vor Menschen zu sprechen, die ihr größtes Interesse teilen und über Jahre angesammeltes Wissen weitergeben zu können, zauberte vielen von ihnen ein Leuchten in die Augen. So viel Engagement, so viel Liebe zum Detail, so viele angeregte Diskussionen habe ich miterleben dürfen. „Wenn jemand meine Arbeit fortführen würde, das wäre ein großes Glück.“ Dieser Satz ist mir im Gedächtnis geblieben. Wenn man viele Jahre Energie und Zeit in ein Projekt investiert, sich immerwährend Gedanken macht, wie man es noch besser machen könnte und ständig Lösungen für die kleinsten Probleme sucht, dann steckt viel Herzblut darin. Wenn nun Andere, Jüngere sich dieses Projekts annehmen und es weiter entwickeln, mit eigenen Ideen schmücken und ihre eigene Begeisterung darin einbringen, dann ist das tatsächlich ein großes Glück. Dann ist man ein Glied in einer Kette, die nicht endet. Man ist unvergessen und unsterblich. Ein bisschen zumindest.

Einer dieser Referenten wurde ob seiner Verdienste besonders geehrt. Junge und alte Kollegen haben gemeinsam eine Festschrift für ihn verfasst. Ein Glück für den Geehrten, der voller Stolz auf seine Arbeit blicken darf. Der die Anerkennung von Fremden und Freunden genießen kann und die Gewissheit hat, etwas Wichtiges geleistet zu haben. Ein Glück auch für den Freund, der die Ehrung verkünden und das Buch überreichen durfte. „Du hast Großes vollbracht. Ich bin stolz auf dich.“ Das einem Freund sagen zu können, ihm im eigenen Namen und (wie in diesem Fall) im Namen vieler anderer seine Wertschätzung aussprechen zu dürfen, fühlt sich wundervoll an. Auch diese Anerkennung macht unvergessen.

Andere Referenten waren genauso unerfahren und jung wie ich. Einige waren genauso nervös wie ich, andere konnten ganz gelassen auftreten. Jeder einzelne hat seinen Vortrag mit Bravour gemeistert und durfte sich über den Applaus der Zuhörer freuen. Vor so vielen Menschen zu stehen, die sich für das gleiche Thema begeistern und vielleicht zum ersten Mal eine eigene Theorie vorzustellen oder ein selbst entwickeltes Projekt zu präsentieren ist aufregend. Wenn aus diesem Vortrag eine Diskussion entsteht, ist das umso aufregender. Wenn einem danach wohlwollend auf die Schulter geklopft wird und man ein „Das hast du gut gemacht.“ hört, dann ist man glücklich. Glücklich über den eigenen Mut, über das gute Gelingen, über das Lob der Gleichgesinnten.

Benjamin Franklin hatte Recht. Es sind die kleinen Glücksmomente, die zählen. Jeder einzelne für sich und alle in ihrer Summe sind der Grund für strahlende Augen, lachende Gesichter, zufriedenes Zurücklehnen. Diese kleinen Momente sind es, die die Menschen und das Glück unsterblich machen. Für mich waren es die Gespräche mit Menschen, die mir wieder oder zum ersten Mal begegnet sind. Mit ihnen allen teile ich eine Erinnerung, die uns gemeinsam unsterblich macht.

Seid ihr auch der Meinung, dass es die kleinen Momente sind, die zählen? Habt auch ihr das Gefühl, dass solche Momente unsterblich machen? Oder seht ihr das ganz anders? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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Nadine sucht das Glück: Weißt du, was Glück ist?

„Wenn der Regen fällt und du trotzdem was entdeckst, das dich am Leben hält.“ So die Worte einer bekannten, deutschen Hip-Hop-Crew (Die Firma – Glücksprinzip). Ein Lied, bestehend aus 837 Wörtern…

„Wenn der Regen fällt und du trotzdem was entdeckst, das dich am Leben hält.“ So die Worte einer bekannten, deutschen Hip-Hop-Crew (Die Firma – Glücksprinzip). Ein Lied, bestehend aus 837 Wörtern haben sie dem Glück gewidmet. Drei Minuten und 47 Sekunden beschäftigen sie sich mit der Frage, die alle Menschen gleichermaßen betrifft. Was ist Glück? Jeder Mensch, ja sogar jedes Lebewesen, hat seine ganz persönliche Antwort auf diese Frage. Ich habe mich auf die Suche nach diesen Antworten gemacht und auf der Reise viele aufregende Menschen kennen gelernt. Ich durfte mitfühlen, mitlachen, mitleiden. Man hat Erinnerungen mit mir geteilt und mich eingeladen, in der eigenen Gedankenwelt zu verweilen. Ich habe so viele Nuancen von Glück und von Glücklich-Sein miterleben dürfen, dass mir der Gedanke daran ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Eigentlich wollte ich diese Kolumne mit einem Interview beginnen. Ich wollte eine liebe Freundin nach ihren glücklichsten Erinnerungen befragen und ihr ermöglichen, diese zu teilen. Diese wunderbare Dame ist aber leider vor drei Wochen verstorben. Nichtsdestotrotz soll diese Kolumne mit ihrer Geschichte beginnen.

Die Geschichte

Vor zwei Jahren habe ich sie kennen gelernt. Ein zauberhaftes Wesen, ganz klein und zerbrechlich, aber mit so viel Energie und Lachen in den Augen, dass ich sofort von ihr eingenommen war. In den letzten beiden Jahren habe ich sie einmal in der Woche besucht und mit ihr über Gott und die Welt gesprochen. Ich sehe sie vor mir, wie sie von ihrem geliebten Mann erzählt. Ein wahrer Gentleman, ein Charmeur wie er im Buche steht. „Fünf Sprachen hat er gesprochen und jeden Samstag hat er mir einen frischen Blumenstrauß mitgebracht.“ Ihre Augen leuchten bei der Erinnerung an die vielen schönen Stunden mit dem geliebten Menschen. Das gemeinsame Abendessen habe er genau so geschätzt wie sie, erzählt die alte Dame. „Auch im Urlaub. Jedes Jahr sind wir mit dem Auto nach Italien gefahren und im selben Hotel abgestiegen. Die haben schon gewusst, was unsere Leibspeise ist. Es gab immer Piccata Milanese. Mit Pizza kann ich nichts anfangen. Ich bin nämlich ein Fleischtiger.“ Von geplanten, aber nicht durchgeführten Hundekäufen erzählt sie. Vom Krieg und der Zeit danach, von der schönen Wohnung mit Salon und großen Feiern mit gemeinsamen Freunden. „Mein Mann und ich haben große Gesellschaften veranstaltet. Ich habe gerne gekocht und für die Gäste gesorgt. Getanzt haben wir auch viel. Und wir waren oft in der Oper.“ Ein bisschen Sehnsucht schwingt in ihren Worten mit. Der geliebte Mann ist vor 26 Jahren gestorben. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke.“ Manchmal schweift ihr Blick in die Ferne, gerade so, als ob sie zurückreisen würde in die Zeit, in der sie noch beisammen waren.

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Bild: Jonel Hanopol / flickr.com

Aus den vielen Gesprächen mit ihr bleibt die Quintessenz über: Für sie ist die Liebe das größte Glück. Lieben, sich geliebt fühlen, von lieben Menschen umgeben sein. Das allein hat für die alte Dame Bedeutung. Die letzten zweieinhalb Jahre hat sie in einem Pflegeheim verbracht. Dort haben wir uns auch kennen gelernt. Und auch dort hat sie ihr Glück gefunden. Ein anderes, kleineres, aber genau so wertvolles Glück. Ein Späßchen mit den Pflegern, ein Spaziergang im Garten, die vielen Orchideen in ihrem Zimmer und unzählige Stunden Tagträumereien. Es gab Tage, an denen sie keinen Besuch wünschte. Tage, an denen es ihr gesundheitlich nicht besonders gut ging. Es gab keinen einzigen Tag, an dem ich sie nicht mit einem Lächeln in den Augen angetroffen habe.

Im November haben wir ihren 100. Geburtstag gefeiert. Stilecht mit Prosecco und Schokotorte. Sie war ein strahlendes Geburtstagskind. Umgeben von Blumensträussen und Glückwunschkarten saßen wir beisammen und plauderten über alles und nichts. Ich fragte sie, wie sie denn ihren 101. Geburtstag feiern wolle. „Ach, es wär halt ein Glück, wenn der liebe Gott mich vorher heim holen würd‘. Ich bin ja schon so müde.“ Im ersten Moment war ich erschüttert, war der Tod für mich doch noch so weit entfernt. Doch schon einen Augenblick später verstand ich. Dieses zauberhafte Frauchen vor mir hatte zwei Weltkriege überlebt, eine erfüllte Ehe geführt, genug von der Welt gesehen und alles genossen, was das Leben für sie bereit gehalten hatte. Was für ein Glück, dachte ich mir, dass sie ein so ausgefülltes Leben haben durfte und trotz vieler Regentage nie das Leuchten in den Augen verloren hat. Vor drei Wochen wurde nun ihr Herzenswunsch erfüllt. Sie wurde „heim geholt“. Heim zu ihrem Herzbuben, mit dem sie nun (hoffentlich) wieder in Liebe vereint ist.

Die Conclusio

So einfach und so vielfältig kann Glück sein. Ein liebes Wort, ein Stück Schokolade, ein geteiltes Geheimnis. All das und noch so viel mehr kann uns selbst Jahre später noch zum Lächeln bringen. Wenn man Jahre und Jahrzehnte später noch lächelt, wenn man an früher denkt, dann hat man etwas richtig gemacht. Mir zaubert die Erinnerung an meine liebe Thea ein Lächeln auf die Lippen. So bin ich glücklich und dankbar für unsere Bekanntschaft und behalte das Gefühl der Ruhe, das sie mir vermittelt hat, in Erinnerung. Damit es mir in schwierigen, unruhigen Momenten, die vielleicht noch auf mich zukommen mögen, zur Verfügung steht. Ist es nicht schön zu wissen, wie nachhaltig Glück sein kann?

Was sind eure Glücksmomente? Kennt ihr die Situationen, in denen man an etwas Vergangenes denkt und unweigerlich lächeln muss? Es würde mich glücklich machen, wenn ihr eure Erfahrungen mit mir teilen würdet!

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Sonntagslektüre: Nimm dir Zeit für Gutes

So weit, so gut Nach dem vorangegangenen Erstlingsbeitrag meiner Kolumne und nachdem sich die meisten von euch hoffentlich schon einige Gedanken über ihr Leben gemacht haben, möchte ich dieses Mal…

So weit, so gut

Nach dem vorangegangenen Erstlingsbeitrag meiner Kolumne und nachdem sich die meisten von euch hoffentlich schon einige Gedanken über ihr Leben gemacht haben, möchte ich dieses Mal Aufklärung schaffen und zugleich Verwirrung stiften. Die Motivation für diese Kolumne kommt daher, dass es meiner Ansicht nach viel zu viele Negativschlagzeilen gibt und im Gegensatz dazu viel zu wenige Menschen, die über Gutes schreiben.

Bis in die jüngste Vergangenheit hinein las ich sehr gerne Zeitung, natürlich immer unter dem Aspekt der Selektion und Filtration. Von vornherein wurden Berichte über Unfälle, Attentate und dergleichen Schlimmes ausgeblendet. Ebenso ignorierte ich Wirtschaftliches, Politisches oder Sportliches, das nur Negatives behandelte. Die ernüchternde Bilanz: Was übrig bleibt, ist wahrlich nicht viel. Aufgrund dessen möchte ich mich hier, in meiner Kolumne, vor allem den schönen Dingen widmen. Natürlich wird das nicht immer möglich sein, ganz ohne Kritik oder dem Aufzeigen eines Konfliktes geht es auch nicht immer. Aber für diejenigen, die gedenken, meinen Beiträgen regelmäßig zu folgen: Ihr könnt aufatmen! Ich konzentriere mich auf Erwähnenswertes in positiver Form!

Was gibt es Gutes in meinem Leben?

Mein erster Gedanke galt klassischen atemberaubenden Momenten: Das Konzert meiner Lieblingsband, das Bestehen einer großen Prüfung oder der Beginn einer neuen Beziehung. Definitiv ist es nicht der Lottogewinn – ich meine, natürlich wäre er es, aber in der Regel fallen kleine Alltagserlebnisse aufgrund ihrer Häufigkeit eher ins Gewicht. Hierzu fällt mir der Anruf eines Freundes, der sich nach meinem Wohlbefinden erkundigt, ein (nicht die üblichen „Du, kannst du nicht…“-Phrasen). Wenn mein Lieblingslied im Radio erklingt oder auch, wenn mir eine fremde Person die Straßenbahn aufhält (weil ich es natürlich wieder zu eilig habe).

Wenn man sich solche Überlegungen im Hinterkopf behält, dann müsste es doch einfach sein, jeden Tag schön zu gestalten – trotz der Berücksichtigung gewisser Verpflichtungen. Leider sind wir in solchen Punkten gerne vergesslich. Denn wenn ich Leute in der Öffentlichkeit beobachte, so entdecke ich viele leere Silhouetten; Personen, die in Gedanken bereits beim nächsten Termin sind, oder im Kopf die Liste der Erledigungen durchgehen. Wie viele Menschen sind im Hier und Jetzt? Wie viele lächeln? Ich glaube, wir sind uns alle einig darüber, dass wir für unser Glück auch etwas tun müssen. Griesgrämig durch das Leben schlendern und nörgeln kann doch jeder.

Gutes für die Nachhaltigkeit

Ist das Versprühen von guter Laune und Weltoffenheit nicht auch eine Form der Nachhaltigkeit, um somit durchschlagend vorgefasste Meinungen, Scheuklappendenken und Negatives zu verbannen? Somit lässt sich auch schnell und simpel erklären, warum ich The bird’s new nest für eine geniale Idee halte. Wir Autoren versuchen Interessierten unsere Erfahrungen mit Nachhaltigkeit näher zu bringen. Man berichtet beispielsweise von Dingen, die ressourcenschonend und ohne Menschen- und Tierleid produziert wurden, und denen man ganz leicht den Vortritt lassen kann. Essentiell ist das Fernbleiben von besserwisserischem Fingerzeig, denn niemand von uns ist perfekt. Wir geben alle unser Bestes und schreiben über Inhalte, die uns am Herzen liegen und die wir gerne mit euch teilen.

Nun liegt es an uns! Wollen wir uns doch alle ein Beispiel an der Biene nehmen, die ich vor einigen Tagen zwischen unseren gelagerten Äpfeln auf der Terrasse fand. Sie strotzte der für sie tödlichen Kälte und hielt entgegen ihrem biologischen Lebensplan durch. Und mit etwas Glück startet sie im Frühling neu.

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The Happy Ones: 13 Mal zum Glück

Das Glück lässt und lässt mich nicht los: Zuerst meine Reise ins Königreich Bhutan, und jetzt stolpere ich noch zufällig – okay, fast zufällig – über das hier: Eine Reise zu den 13…

Das Glück lässt und lässt mich nicht los: Zuerst meine Reise ins Königreich Bhutan, und jetzt stolpere ich noch zufällig – okay, fast zufällig – über das hier: Eine Reise zu den 13 glücklichsten Ländern der Welt, um herauszufinden, was die Menschen dort so zufrieden macht. Das ist nicht meine Idee, sondern die der Holland-Deutschen Maike van den Boom. Sie plant, mit Fotograf und Kameramann loszuziehen – abhängig davon, wie viele Sponsoren sie finden kann. Ansonsten geht sie allein mit Kamera bewaffnet auf die Suche nach dem Glück.

Doris: Maike, wie kam es zur Idee deiner Reise?

Maike: Als professionelle Rednerin zum Thema „Glück“ beschäftige ich mich seit einigen Jahren intensiv mit dem Thema – auch im internationalen Vergleich. Natürlich fällt dann auf, dass Deutschland trotz relativen Wohlstands, Demokratie und Fortschritts in allen Studien zu Glück und Lebenszufriedenheit auf Plätzen wie 26 (World Database of Happiness), 22 (OECD Better Life Index) oder gar 47 (Gallup Studie 2012) landet (Anm.: Österreichs Positionierung ist ähnlich). Lateinamerika hingegen – eine Region mit starkem sozialen Gefälle, hoher Kriminalität und Korruption, wie Mexiko, Panama oder Kolumbien – befindet sich weit vor uns. Was ist der Grund? Diese Frage beschäftigt mich seit meiner Rückkehr aus den Niederlanden und Mexiko. Und: Können wir von Ihnen lernen? Deshalb beschloss ich Mitte 2012, den kühlen Zahlen Leben einzuhauchen. Ich werde mich auf die Reise machen in die (nach dem World Database of Happiness) 13 glücklichsten Länder dieser Welt – Costa Rica, Dänemark, Island, Schweiz, Finnland, Mexiko, Norwegen, Kanada, Panama, Schweden, Australien, Kolumbien und Luxemburg – um dort vor Ort mit Bürgern, Wissenschaftlern und Korrespondenten zu sprechen. Denn – so mein Motto – „Du musst mit Menschen reden, wenn du etwas erfahren möchtest.“. Die Idee hatte ich übrigens morgens, einfach so, als ich meiner Tochter beim Anziehen half. „Und wenn ich einfach mal hinfahre und nachfrage?“

Ich war vor kurzem in Bhutan, was hältst du von dem Glücksnationalprodukt, das dort als Index für den „Erfolg“ des Landes hergenommen wird? Sollte das in Deutschland, Österreich oder sogar überall auch eingeführt werden?

Du musst immer die Kultur im Auge behalten. Klar ist das eine gute Idee und es gibt bereits eine Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“, die sich damit beschäftigt. Wir sind jedoch in Deutschland noch so sehr darauf getrimmt, zu denken, dass die Arbeit vor dem Vergnügen kommt und Fortschritt über alles geht, dass man alle behutsam daran gewöhnen muss, zu denken, Glück kommt vor dem Erfolg und begünstigt ihn sogar. Plus, dass Fortschritt dann auf einmal gar nicht mehr so wichtig ist.

Maike fragt Menschen von der Straße nach ihren glücklichsten Momenten. Foto: Maike van den Boom

Du fragst ja die Menschen nach ihrem glücklichsten Moment: Was ist deiner?

Ich habe witzigerweise keinen absolut glücklichsten Moment. Ich kenne viele Glücksmomente am Tag, die sich wie Perlen an einander reihen.

Du hast vor, Experten in den jeweiligen Ländern zum Glück zu befragen: Hast du schon alle ausfindig gemacht bzw. wie hast du diese ausgewählt?

Ich habe Prof. Ruut Veenhoven, den Gründer des World Database of Happiness, in den Niederlanden interviewt. Und der kennt alle anderen Glücksforscher auf der Welt. Mit seiner Empfehlung habe ich sie dann alle angeschrieben und mit manchen telefoniert, zum Beispiel mit Kolumbien über Skype. Und sie waren alle ausnahmslos spontan dazu bereit. Zwei Länder haben leider keine Experten. So be it. Aber sie sind alle an Bord! Und es ist sehr interessant, wer sich mit Glück beschäftigt: Psychologen, Politologen, Soziologen, Philosophen, Wirtschaftswissenschaftler…

Ruut Veenhoven und Maike im Gespräch. Foto: Maike van der Boom

Wie verarbeitest du die Ergebnisse dann – was möchtest du damit tun? 

Ziel meiner Reise ist herauszufinden, was andere Menschen glücklich macht. Und was wir hier in Deutschland von ihnen lernen könnten. Entweder werde ich einen Dokumentarfilm drehen oder auch ein Buch darüber schreiben.

Ich habe gelesen, du hast auch ein Kind zuhause: Wie vereinbarst du deine Familie mit dieser Reise?

Ich bin alleinerziehend, habe aber wunderbare aktive Eltern, leider in einer anderen Stadt. Während ich auf Reisen bin, wohnen sie in meiner Wohnung. Die Reisen sind aber auch so geplant, dass ich maximal drei Wochen am Stück von zu Hause weg sein werde. Das heißt, in jedem Land bin ich ca. zwei bis drei Tage. Ein absoluter Marathon. Aber gemütlich im Fünf-Sterne-Hotel um die Welt tuckern kann ja jeder. Träume zu leben innerhalb der Rahmenbedingungen, die dir das Leben stellt, das ist eines der Geheimnisse des Glücklichseins.

Geheimnisse des Glücks. Foto: Maike van den Boom

Du bist selbst als Holländerin und Deutsche aufgewachsen: Was können die Holländer in Sachen Glück von den Deutschen lernen und umgekehrt?

Na ja, die Holländer schneiden in allen Studien signifikant besser ab als wir Deutschen, obwohl sie über sich selber auch immer sagen, sie würden so viel jammern. Ruut Veenhoven hat deutlich gesagt, dass der Aspekt der persönlichen Freiheit eine große Rolle spielt. Individualisierte Länder mit viel persönlicher Freiheit, scheinen sehr viel glücklicher zu sein. Die Holländer führen die Liste der freien Völker an. Sie dürfen Drogen konsumieren, ihr Lebensende bestimmen, und so weiter.

Ich persönlich finde, wir sollten uns selber nicht so wichtig nehmen und das Leben feiern. Wir haben ja nur eins. Wir sollten das Positive sehen, nicht die Gefahren, die überall lauern und nach dem suchen, was uns verbindet, nicht nach dem, was uns trennt.

Was die Holländer von uns lernen können? Ich denke die Disziplin, die wir in allem aufbringen. Denn glücklich sein, das kommt nicht immer von alleine. Manchmal muss man sich ganz schön anstrengen, das Positive zu sehen, oder sich daran zu erinnern, dankbar zu sein. Und das erfordert Disziplin. Wenn wir uns in Deutschland etwas vorgenommen haben, dann schaffen wir das auch. Nur – noch nicht jeder hat sich vorgenommen glücklich zu sein.

Danke für das Gespräch!

 

Mehr über das Projekt erfahrt Ihr auf der Website und der Facebook-Page.

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