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Was brauchst du wirklich? „My Stuff“ und „Ich kauf nix!“ bei #kinodenktweiter

Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit präsentierte das Gartenbaukino seinen zweiten Streich. Um die #kinodenktweiter Initiative fortzuführen wurde das Thema “Was brauchst du wirklich?” gewählt. Inspiriert von der Diagonale beschloss das Wiener Kino umweltschonender…

Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit präsentierte das Gartenbaukino seinen zweiten Streich. Um die #kinodenktweiter Initiative fortzuführen wurde das Thema “Was brauchst du wirklich?” gewählt. Inspiriert von der Diagonale beschloss das Wiener Kino umweltschonender zu agieren und unter anderem Upcycling-Projekte durchzuführen, auf Wasserkraft umzusteigen und mehr Nachhaltigkeit beim Veranstaltungsmanagement an den Tag zu legen – Mehrwegbecher inklusive. Wir können gespannt in die Zukunft blicken, was das Gartenbaukino im Zuge dieser Initiative noch alles zu bieten haben wird.

In gemeinsamer Sache mit dem OekoBusiness Wien wurde für “Was brauchst du wirklich?” ein Filmscreening von My Stuff, einem Film von Petri Luukkainen veranstaltet. Auch die Autorin von “Ich kauf nix!”, Nunu Kaller, war anwesend und stellte dem Auditorium ihr Buch vor. Beide Protagonisten hatten zu viele Dinge, die sie eigentlich nicht brauchten und suchten nach einer befreienden Lösung, ihren Besitz zu reduzieren.

Der Film „My Stuff“

Petri, ein 26 Jahre junger Mann aus Helsinki fing eine Rebellion gegen seinen Besitz an, weil sein Wohnraum unaufgeräumt und überfüllt war. Er beschloss ein einjähriges Projekt zu starten, indem er alle seine Besitztümer wegsperrte und jeden Tag nur ein einziges Teil hervorholen durfte. Am ersten Tag finden wir ihn unbekleidet und ohne Besitz in der leeren Wohnung vor. Die Regel für sein Projekt:

  1. Alles in einem Lager zu verstauen.
  2. Ein Teil am Tag darf zurück geholt werden. Wenn er es nicht am selben Tag holt, darf er am nächsten Tag zwei Sachen mitnehmen.
  3. Der Zeitraum des Experiments beträgt ein Jahr.
  4. Er darf keine neuen Sachen kaufen.

Sein Ergebnis: Dinge sind nur Requisiten in unserem Leben, sie machen das Leben jedoch nicht aus und sind auch keine Masseinheit für Glück. Petri hat erkannt, dass er mit 100 Dingen auskommt, er jedoch rund 200 Teile braucht um ein komfortables Leben führen zu können.

Hier könnt ihr euch den Film mit englischen Untertiteln ansehen.

Das Buch „Ich kauf nix!“

Auch Nunu Kaller fehlte etwas – die Zufriedenheit. Sie hatte einige Schicksalsschläge erlitten und sich in die Kaufsucht geflüchtet. Nun erkannte sie, dass sie keinen Platz mehr für neue Kleidung hatte, aber dennoch nichts Anzuziehen. Deshalb beschloss sie, eine Shopping-Diät zu machen. Ihre Regeln bestanden aus:

  1. Ein Jahr lang keine Kleidung und Schuhe zu kaufen.
  2. Selbermachen ist erlaubt.
  3. Sich besser zu informieren und über die Kleidungsindustrie zu recherchieren.

Fleißaufgaben:

  1. Eine Inventurliste aller Kleidung zu erstellen.
  2. Sich ein Monat lang jeden Tag von einem Kleidungsstück zu trennen.
  3. Einen Nähkurs zu besuchen.
  4. Einen Pullover zu stricken und
  5. eine Tauschparty zu organisieren.

Nach Abschluss ihres Projekts veröffentlichte sie “Ich kauf nix!”, geschrieben in Tagebuchform. Auch Nunu fühlte sich mit weniger Kleidung und mehr Lieblingsteilen leichter. Ihr war bewusst geworden, wie viel Zeit für anderes sie gewonnen hatte. In ihrem Buch erzählt die Autorin auch von ihren Recherchen. Ihre Sichtweise zur Modeindustrie änderte sich durch ihre Erkenntnisse drastisch. Des weiteren berichtet sie von Problemen und kleinen Fehlschlägen (oder wie sie es nennt das Biegen von Regeln) und wie sich ihre Laune von Tag zu Tag aufhellt, aber mit den Erkenntnissen auch verdunkelt. Am Ende des Buches bekommt der Leser noch Quellen zu weiterführenden Informationen.

Beide Experimente zeigen auf, wie unwichtig Besitz sein kann, jedoch auch wie wichtig es ist, selektiv zu sein bei dem was man kauft und anhäuft. Es ist keine Schande, Gekauftes oder Geschenktes wegzugeben oder auszumisten, denn das befreit, wie beide Protagonisten überzeugend darstellen.

Der Film wie auch das Buch machen sich fantastisch als Inspiration für gute Vorsätze. Kopieren würde ich persönlich beide Experimente nicht, jedoch möchte ich das eine oder andere in meinen Alltag einfließen lassen. Von Nunu habe ich mich zur Organisation einer Tauschparty inspirieren lassen, Auszumisten steht auch schon ganz oben auf meiner To-Do-Liste, ebenso das Lesen von bisher ungelesenen Büchern.

Habt ihr ein eigenes Experiment, das ihr mit uns teilen wollt? Wir freuen uns immer über neue Sichtweisen und Ideen! Vielleicht kann der eine oder andere auch etwas aus eurem Projekt mitnehmen!

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Sonntagslektüre: Nimm dir Zeit für Gutes

Empfehlungen für kritische Leseratten: Saubere Diamanten? Diesen Monat behandle ich mit meinem Buchtipp „Saubere Diamanten – Der Kampf gegen schmutzige Geschäfte mit Blutdiamanten am Beispiel Sierra Leones“ ein sehr brisantes…

Empfehlungen für kritische Leseratten: Saubere Diamanten?

Diesen Monat behandle ich mit meinem Buchtipp „Saubere Diamanten – Der Kampf gegen schmutzige Geschäfte mit Blutdiamanten am Beispiel Sierra Leones“ ein sehr brisantes Thema. Das besagte Buch, herausgegeben von „Brot für Welt“, erzählt von den Verstrickungen von Kriegsakteuren im internationalen Diamantenhandel. In den Ländern Afrikas – hier eben explizit in Sierra Leone – werden um die wertvollen Bodenschätze dieses Kontinents Kriege geführt.

Um Unklarheiten zu vermeiden, beginne ich mit einer kurzen Begriffserklärung: Konflikt- oder Blutdiamanten stammen aus Gebieten, die von Truppen kontrolliert werden, die die Regierung des betreffenden Landes bekämpfen. Der Handel mit besagten Gütern läuft außerhalb der regulären staatlichen Kontrollen und ist in der Regel mit Gewalt (Stichwort: Kindersoldaten, Kinderarbeit) verbunden. Der Begriff Blutdiamanten soll den Zusammenhang zwischen dem Handel mit Diamanten und den Kriegen veranschaulichen, die mit dem Erlös aus dem Handel aufrecht gehalten werden. Illegale Diamanten sind alle Diamanten, die aus dem nicht staatlich registrierten Handel stammen, also Schmuggelware. Sie werden aus den Abbaugebieten gestohlen, außer Landes geschmuggelt und dann in den offiziellen Handel eingeschleust. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 20 Prozent der Rohdiamantenproduktion eines Jahres als illegale Diamanten in den Handel einfließen. Im Jahr 2000 betrug der Wert dieser geschmuggelten Diamanten rund 1,5 Milliarden Euro. Allerdings sind nicht alle illegalen Diamanten Blutdiamanten, man schätzt den Anteil zwischen vier (Europäische Union) und bis zu 20 Prozent (Menschenrechtsorganisationen).

Nur schwer vorstellbar ist die Tatsache, dass neben Sierra Leone oder Angola auch die Demokratische Republik Kongo arme Länder sind, obwohl doch ihr Boden reich an begehrten Rohstoffen ist. Diamanten, Gold und Öl wurden ihnen zum Verhängnis, denn jeder will es haben und Kriege werden auf dem Rücken und zum Leidwesen der Zivilbevölkerung ausgetragen. Es erhärtet sich der Verdacht, dass für bestimmte Gruppen Krieg ein sehr profitables Geschäft ist. Durch die Inbesitznahme von Diamanten finanzieren so unter anderem Rebellengruppen ihre Waffen. Mittlerweile gibt es dafür bereits den Begriff der „politischen Ökonomie des Krieges“ (Philippe Le Billon). Hierbei ist der Prozess gemeint, durch den bewaffnete Konflikte aufrechterhalten und Gewalt organisiert wird, um Macht, Reichtum und Armut zu schaffen (!) und zu verteilen. Aufgrund einer Studie der Weltbank wurde herausgefunden, dass die wahren Ursachen von Bürgerkriegen viel häufiger wertvolle Rohstoffe sind als die oft zitieren „politischen, ethnischen oder religiösen“ Spannungen.

Bis in die jüngste Vergangenheit wurde der Frage nach der Herkunft der begehrten Steine nur wenig Beachtung geschenkt. Dass diese auch nicht leicht zu beantworten ist, zeigt sich anhand der verschleierten und in die Irre führenden Begriffe Herkunfts- und Ursprungsland. Während ersteres das Land ist, in dem die Ware zuletzt importiert wurde, gibt erst der zweite Begriff Aufschluss über das Land, in dem der Stein abgebaut wurde. Somit geben auch Importstatistiken keine befriedigende Auskunft. So absurd das auch klingen mag, dass man das Ursprungsland nicht herausfinden kann, so klar wird es anhand von folgendem Beispiel: „Die Schweiz ist ein gutes Beispiel für die bisher üblichen Handelspraktiken. Hier gibt es so genannte zollfreie Freilager, die als Zwischenlager fungieren und nicht in offizielle Import-Statistiken der Schweiz aufgenommen werden. Die Diamanten werden hier in der Regel neu sortiert beziehungsweise zusammengestellt, das heißt, Diamanten unterschiedlicher Herkunft werden vermischt und anschließend exportiert.“

Neben all diesen Gräueltaten, die durch diese reinen Steine entstehen, erfährt der Leser auch, was hinter der Idee des Kimberley-Prozesses steckt und warum dieses Abkommen auch gerne als zahnloser Tiger bezeichnet wird. Des Weiteren findet man im Anhang neben einem ausführlichen Literaturverzeichnis einige Seiten mit wissenswerten Informationen über Diamanten, Auszüge aus Dokumenten der UN-Resolution und des Kimberley-Prozesses und eine Begriffserklärung.
Meines Erachtens bietet sich dieses Buch für alle jene Personen an, die gerne über den Tellerrand schauen. Es ist sehr aufschlussreich, über die Machenschaften zu erfahren, die in unserer Welt hinter vorgehaltener Hand passieren. Das Thema der Konfliktdiamanten ist hier nur stellvertretend für viele andere.

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