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Schlagwort: Blumen

Der Brombeer-Balkon: Gut geschichtet.

Mitteleuropa hat das Zwiebelwetter gepachtet. Morgens ist es kalt, zwischendurch warm, später wieder kalt oder warm. Ab und zu regnet es ein wenig, dann scheint wieder die Sonne. Okay, dem…

Mitteleuropa hat das Zwiebelwetter gepachtet. Morgens ist es kalt, zwischendurch warm, später wieder kalt oder warm. Ab und zu regnet es ein wenig, dann scheint wieder die Sonne. Okay, dem Wetterbericht habe ich noch nie wirklich vertraut. Ich habe mir sogar schon einmal halbernst überlegt ins Meteorologie-Studium hineinzuschnuppern. Ist es tatsächlich so schwierig, richtige Prognosen zu erstellen? Worauf muss dabei alles geachtet werden? Eigentlich weiß niemand Bescheid, aber es hagelt Beschwerden. Ich nehme mich dabei selbst nicht aus.

Aber zurück zum Zwiebelwetter. Fühlt ihr euch nicht auch wie eine Topfpflanze, wenn ihr vor die Tür geht? Genaugenommen, wie eine Topf-Balkon-Pflanze? Gut geschichtet?
* Zuerst kommt hoffentlich Unterwäsche.
* Anschließend eine zweite Schicht Kleidung für „unten drunter“, zum Beispiel Strumpfhosen, Unterhemden, Socken…
* Schließlich die erste Außenschicht: Eine Hose oder ein Rock, ein Shirt.
* Dann noch ein Pullover oder eine Weste.
* Und am Schluss die Jacke.
In der Früh fühlt sich diese Zwiebel wohlig warm an, nachmittags fürchtet man, gebraten zu werden. Aber dafür ist man schließlich gut geschichtet. In umgekehrter Reihenfolge kann die Kleidung wieder abgelegt werden. Nicht völlig.

Eine Balkonpflanze kennt das auch. Ein Topf bietet einfach nicht die gleichen Möglichkeiten und Voraussetzungen wie der direkte Erdboden. Selbst in Luxustöpfen muss der Inhalt gut geschichtet angelegt werden.
* Die erste und unterste Schicht besteht aus Steinen, Tonscherben, Kiesel, Leca-Kugeln usw. Wir haben ausschließlich eine acht bis zehn cm hohe Schicht aus Leca-Kugeln verwendet.
* Über diese erste Schicht wird dann Vlies gebreitet.
* Nun ist erst die Erde an der Reihe. Wenn eine Pflanze neu eingesetzt wird, oder auch zwischendurch um Nährstoffe zuzuführen, wird unter die Erde Dünger gemischt.
* Wichtig ist natürlich, dass unten im Topf ein bis zwei Löcher sind. Von diesen Löchern führt ein Schlauch durch die gesamte erste Schicht senkrecht nach oben bis zur Vliesdecke.

Die Pflanzen können diese Schichten nicht abwerfen, sollte es ihnen zu warm werden. Allerdings würde etwas falsch laufen, wenn es ihnen damit zu heiß wäre. Ihre Schichten wollen nämlich nicht wärmen, sondern vielmehr das Wasser im Topf regulieren. Regnet es einige Zeit, sorgen sie dafür, dass das Wasser nicht bis oben hin im Topf steht und die Erde ersäuft. Das Wasser sammelt sich unten bei den Steinchen an und tränkt das Vlies. Die Menge, die darüber hinaus geht, kann durch die Röhren abrinnen. So hat die Erde oberhalb die Möglichkeit immer wieder zu trocknen. Pflanzen, die besonders viel Feuchtigkeit brauchen, können – falls notwendig – das Vlies mit ihrem Wurzelwerk durchstoßen.

Das klingt doch viel sinnvoller, als unsere Zwiebelschicht, oder?

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Vom Samen bis zur Ernte: Boden

Die richtige Erde hält eure Pflanzen fit Eure Erde ist ein Gemisch aus folgenden Materialien: Sand, Ton, Lehm und Humus. Je nachdem welche Bestandteile überwiegen, spricht man von leichten und…

Die richtige Erde hält eure Pflanzen fit

Eure Erde ist ein Gemisch aus folgenden Materialien: Sand, Ton, Lehm und Humus. Je nachdem welche Bestandteile überwiegen, spricht man von leichten und schweren Böden. Leichte Erde besteht zu einem großen Teil aus Sand. Der Name kommt daher, weil diese Böden tatsächlich leichter sind und sich auch leichter bearbeiten lassen. Durch die hohen Sandanteile ist der Boden locker, Wasser kann einfach abfließen und wird auch weniger lange gespeichert, als bei schweren Böden. Sie erhitzen sich leichter, lassen sich leichter umgraben und auch Pflanzen können leichter in ihnen wurzeln. Dadurch, dass sie weniger Wasser fassen, frieren sie auch nicht so leicht im Winter ein und lassen sich bereits einige Wochen vor ihren schweren Kollegen bepflanzen. Schwere Böden bestehen zu einem größeren Teil aus Lehm und Ton. Sie speichern Wasser besser und länger, wodurch ihr Gewicht höher ist, als das von leichten Böden. Dadurch frieren sie auch im Winter und können erst nach einer längeren Wärmephase bepflanzt werden.

Euer Ziel sollte es sein, die richtige Mischung zu finden. Die richtige Mischung der vier Bestandteile sorgt für zufriedene Pflanzen und ein optimales Wachstum. Zwar stellt jede Pflanze ihre eigenen Bedürfnisse an den Boden, aber in der Regel ist eine gute Mischung das beste Konzept um seine Pflanzen zufrieden zu stellen. Wenn ihr keine Erde habt und sie euch zum ersten Mal selbst beschaffen müsst, solltet ihr Folgendes beachten: Es gibt in den verschiedenen Geschäften unterschiedliche Erdmischungen: Anzuchterde, Gartenerde, Blumenerde und Tomatenerde. Diese können sich wirklich stark voneinander unterscheiden, aber die Unterschiede sind in der Regel nicht so entscheidend. Teure Spezialerde ist nicht notwendig, um erfolgreich anzubauen, ihr könnt also ohne Gewissensbisse zur preiswerteren Variante greifen. Manche Städte bieten auch günstig oder kostenlos Erde an. In Wien kann man zum Beispiel kostenlose Erde von verschiedenen Plätzen des Magistrats der Stadt Wien für Straßenreinigung (MA 48) erhalten. Sie wird aus den Bioabfällen der Stadt Wien gewonnen. Ich habe diese Erde selbst schon benutzt und sie ist hervorragend.

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Bild: hansiline / pixabay.com

Gute Erde ist schwarz, sie fühlt sich krümelig an und ist frei von Steinen und Plastik. Wenn sich Insekten, Würmer und andere Lebewesen darauf und darin befinden, ist das meist ein gutes Zeichen. Nur Schnecken und Schneckeneier wären schädlich. Frische Komposthaufen sind innen warm bis heiß, das zeigt euch, dass Mikroorganismen darin leben und die Erde frisch ist. Die verschiedenen Lebewesen, die in und auf der Erde leben zeigen, dass die Erde unbelastet ist. Die Lebewesen in der Erde ernähren sich oft von abgestorbenem Pflanzenmaterial und machen so die Nährstoffe für eure Pflanzen wieder verfügbar. Sie sind die ersten von vielen Nützlingen, die ihr in eurem Garten haben wollt und deren Wohlergehen euch am Herzen liegen sollte. Aber egal wie aktiv diese Nützlinge sind, früher oder später werden die Nährstoffe in eurer Erde weniger oder sogar aufgebraucht sein. Deshalb lohnt es sich zu düngen. Dabei ist es besser für die Pflanze, sie regelmäßig in kleinen Mengen zu düngen, statt nur selten in großen Mengen. Denkt daran, zu viel kann eurer Pflanze nicht nur schaden, sondern ihr vorzeitiges Ende bedeuten.

Ihr könnt der Erde einfach etwas frische Erde vom Kompost oder Humus untermischen, sie in einen Topf mit frischer Erde umsetzen oder gelegentlich eine halbe Handvoll Kalk auf dem Boden um eine Pflanze herum verteilen. Manche Menschen nutzen auch Stallmist oder sogar ihren eigenen Urin als Dünger. Das sollte man aber nur tun, wenn man keine Medikamente zu sich nimmt, und es einem nicht zu sehr ekelt. Ich habe es weiter oben bereits geschrieben, aber es ist wirklich wichtig, beim Düngen behutsam vorzugehen. Besser ein Verhältnis von 100ml Dünger auf zwei Liter Wasser alle vier Wochen und langsam verabreicht, als auf einmal die komplette Flasche. Viel hilft hier nicht viel, sondern ist einer der besten Wege eure Pflanze zu beseitigen. Folgt am besten den beiliegenden Anweisungen und nutzt nur kleine Mengen, aber dafür regelmäßig. Die Wurzeln eurer Pflanzen reagieren sehr empfindlich auf hohe Konzentrationen von Dünger. Kalk hilft beim Abbau von Humus, sorgt also für eine schnelle reiche Ernte, verbraucht aber den Humusanteil in eurem Boden, was den nächsten Ernten schadet. Deshalb sagt man unter Bauern: „Kalk macht reiche Väter und arme Söhne.“

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Bild: violetta / pixabay.com

Um möglichst wenig Düngen zu müssen, sollte man auf die sogenannte Fruchtfolge achten. Dabei pflanzt man einfach von Jahr zu Jahr andere Pflanzen an die gleiche Stelle. Dadurch laugt man den Boden nicht so stark aus und gibt ihm Zeit sich zu erholen. Man kann eine Fläche auch ruhig einmal ein Jahr brach liegen oder Haustiere darauf grasen lassen. Sie versorgen den Boden auf natürliche Weise mit frischem Dünger. Im Topf solltet ihr übrigens mehr und öfter düngen als im Hoch- oder Bodenbeet. Da die Pflanze insgesamt weniger Erde zur Verfügung hat, entzieht sie dieser mehr Nährstoffe.

Auch manche Mulchsorten versorgen den Boden mit frischen Nährstoffen. Rindenmulch, Holzpellets und Nussschalen schützen nicht nur vor dem Austrocknen, sondern liefern dem Boden frische Mineralien und Spurenelemente. Der Schokoladenhersteller Zotter, seit Langem Chocolatier, seit Kurzem Betreiber vom „essbaren Tiergarten„, verwendet in seinem Tiergarten Kakaoschalen als Mulch und nutzt damit sehr klug ein Abfallprodukt aus einem Betrieb zum ökonomischen und ökologischen Nutzen eines anderen Betriebes. Mulch wird das Thema eines späteren Artikels.

In nächsten Artikel geht es um Mischkulturen und welche Vorteile es bringen kann, wenn man sein Gemüse in gemischten Gruppen anbaut. In den Kommentaren könnt ihr gerne Fragen, Anmerkungen und Kritik hinterlassen. Gutes Gelingen und lass dich nicht pflanzen!

Links zum Thema Düngen:
Bodenkunde, Bodenzusammensetzung, Bodenarten, pH-Wert
kleine Bodenkunde
Düngung mit Kalk
Bodenverbesserung

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Der Brombeer-Balkon: Der Heimwerker.

Heute klären wir eine spannende Frage: Was passiert, wenn frau einem Mann ein großes, dickes Gartenbuch in die Hand drückt? Entweder er freut sich über Brennmaterial für kalte Tage, oder…

Heute klären wir eine spannende Frage: Was passiert, wenn frau einem Mann ein großes, dickes Gartenbuch in die Hand drückt? Entweder er freut sich über Brennmaterial für kalte Tage, oder er reagiert wie meiner.

Erste Stufe: der Interessierte
Eigentlich ist er ein Lesemuffel. Es gibt kaum Bücher, die ihn fesseln und mitreißen können. Er ist generell sehr wählerisch und anspruchsvoll. Daher fällt es sofort auf, wenn diese Phase beginnt. Das Buch, in diesem Fall übrigens „Der Biogarten“ von Marie-Luise Kreuter, wird praktisch nicht mehr aus der Hand gelegt! Es kommt in jedes Zimmer mit, auf jede längere Fahrt, zu jedem Familienbesuch. Es wird verschlungen!

Zweite Stufe: der Planer
Nachdem er den Inhalt aufgesogen hat, wird ein Stift gezückt, und wichtige Details werden notiert. Sehr schnell muss der Stift jedoch weichen, weil eine ordentliche Tabelle am Computer erstellt werden muss. Es ist äußerst wichtig, jede Pflanze anzulegen, die auch nur ein klein wenig interessant sein könnte. Anschließend wird ein Register geführt: Welches Gemüse wirkt unterstützend, welches darf keinesfalls daneben gesetzt werden? Welche Beere zieht Nützlinge an und wie muss die Erde beschaffen sein?

Dritte Stufe: der Architekt
Nun geht es hinaus ins Freie. Auch das ist bei meinem Exemplar zu Hause ein kleines Phänomen. Am Balkon wird nun alles ausgemessen. Leider ist diese Phase kurz ernüchternd, denn es muss unweigerlich bemerkt werden, dass der Balkon viel zu klein ist, um all die tollen Pflanzen zu beherbergen. Es muss also dazugebaut werden! Erneut wird der Bleistift gezückt, um Skizzen zu erstellen. Neue Blumenkisten werden entworfen, eine komplizierte Anbringung am Geländer wird erarbeitet.

Hier – zwischen der dritten und vierten Stufe – wird es mir ein bisschen mulmig in der Magengegend. Muss das wirklich sein? Brauchen wir wirklich von jeder Gemüsesorte ein Stück? Hält diese tolle Konstruktion auch Wind und Wetter stand? Hat meine Stachelbeere dann nicht zu viel Schatten? Oder meine Zucchini zu wenig Platz?

Vierte Stufe: der Heimwerker
Ein wenig musste der Arme bereits zurückstecken. Fast hätten wir schon Massen an Holz beschafft, doch die Vermieter erlauben diese hochtrabenden Phantasien nicht völlig. Etwas geknickt ist er gerade. Aber gebaut wird! Man darf gespannt sein.

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