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Kategorie: Travel. Outdoor.

Coffee makes my day

Gastbeitrag von Roxy Rahel Eine Frage beschäftigt mich immer mal wieder, seit ich täglich mit einem frischen Kaffee in den Tag starte: Wo kommt die dunkelbraune Verlockung, die ich mir…

Gastbeitrag von Roxy Rahel

Eine Frage beschäftigt mich immer mal wieder, seit ich täglich mit einem frischen Kaffee in den Tag starte: Wo kommt die dunkelbraune Verlockung, die ich mir gerade aufbrühe, eigentlich her? Bei meiner Reise nach Panama hatte ich nun endlich die Gelegenheit, den Dingen auf den Grund zu gehen. Neugierig? Dann nehme ich euch jetzt mit zu Richard auf seine kleine Kaffeeplantage.

Wir befinden uns in Boquete, der Stadt im grünen Herzen Panamas, am Fuße des Baru Vulkans. Richard holt uns ab und nimmt uns mit auf die Finca dos Jefes – den Ursprungsort der köstlichen CAFES DE LA LUNA.

Rich zeigt auf seiner Plantage, wie Kaffee hergestellt wird. Foto: Roxy

Richard, der sich spontan in diese Farm verliebte als er eigentlich einen entspannten Rückzugsort für seinen Ruhestand suchte, betreibt hier eine kleine Kaffeeplantage mit viel Leidenschaft. Gemeinsam mit vier weiteren Gästen sitzen wir auf der Terrasse inmitten der Kaffeepflanzen und bekommen eine Einführung zum Thema.

Kaffee aus Panama. Foto: Roxy

Richard erklärt uns die Grundzüge der Herstellung, die verschiedenen Sorten und den Ernte- und Trocknungsprozess. Er lässt aktuelle Zahlen und Fakten nicht unerwähnt und lenkt unser Augenmerk auf die lokalen Kaffeebauern.

Rich zeigt auf seiner Plantage, wie Kaffee hergestellt wird. Foto: Roxy

Das Leben der Farmer ist schwer, weil der Kaffeepreis durch internationalen Handel, Spekulationen und das Risiko von Missernten kaum kalkulierbar ist. Großabnehmer und Konzerne drücken den Preis dort, wo es am leichtesten ist – beim Einkauf. Für die Bauern bleibt dadurch kaum genug zum Leben, die Familien hausen meist in einfachsten Hütten direkt auf der Farm und viele sind sogar gezwungen, ihre Plantagen aufzugeben. Schädlinge wie zum Beispiel Pilze sind ein weiteres unkalkulierbares Risiko, erzählt uns Richard. Um den Fortbestand seiner Plantage zu sichern, sah er sich kurzfristig gezwungen, mit Mineralien zu düngen und zwischenzeitlich formal seinen Bio-Standard zu riskieren. Denn sowohl faires, als auch biologisches und nachhaltiges Wirtschaften sind seine Hauptanliegen.

Rich zeigt auf seiner Plantage, wie Kaffee hergestellt wird. Foto: Roxy

Nach all den Fakten sind wir jetzt alle neugierig auf den Plantagenrundgang und die anschließende Kaffeeröstung. Rich führt uns durch die Haine von verschiedenen Kaffeepflanzen, lässt uns die reifen Früchte kosten und wir erfahren, wie es nach der Ernte weitergeht. Die Früchte werden einzeln von Hand geerntet und trocknen dann auf großen Trockentischen in der Sonne. Danach wird das Fruchtfleisch entfernt und es kommt zum Vorschein, was später unser Kaffee wird: Die Kaffeebohne. Auf unserem Spaziergang sehen wir auch den dunklen, fensterlosen Raum hinter dem Lager, in dem der Plantagenarbeiter und seine Familie früher leben mussten. Richard lässt ihn im Originalzustand, damit wir ein Gefühl dafür bekommen, was das Farmleben für die Menschen tatsächlich bedeutete.

Kaffee aus Panama. Foto: Roxy

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Jetzt kommen wir zum Highlight der Tour: Wir rösten unseren eigenen Kaffee! Darauf habe ich mich schon den ganzen Tag gefreut. Richard nimmt uns mit in sein “Labor”. Hier steht sie, die Röstmaschine. Wir befüllen die Maschine, bekommen die Technik erklärt und ein Briefing für den Röstprozess. Jetzt kann es losgehen – schon beim Aufwärmen duftet es herrlich nach frischem Kaffee.

Rich zeigt auf seiner Plantage, wie Kaffee hergestellt wird. Foto: Roxy

Rich zeigt auf seiner Plantage, wie Kaffee hergestellt wird. Foto: Roxy

Was jetzt noch bleibt, ist die Verkostung unserer frisch gerösteten Mischung. Auf der Terrasse, mit Blick über die grüne Landschaft genießen wir verschiedene Röstgrade und entwickeln uns zu “Kaffee-Experten”.

Rich zeigt auf seiner Plantage, wie Kaffee hergestellt wird. Foto: Roxy

Dank Richard habe ich einen umfassenden Einblick in die Welt des Kaffees bekommen und genieße mehr davon denn je. Mit dem kleinen Unterschied, dass mir ab sofort ausschließlich fair gehandelter Kaffee in die Tasse kommt.

Rich zeigt auf seiner Plantage, wie Kaffee hergestellt wird. Foto: Roxy

 

Dies war mein erster Blogpost in Sachen Reisen – danke Doris für die Möglichkeit. Ich hoffe, euch hat es gefallen! Vielleicht kann ich euch bald wieder von einigen interessanten Dingen berichten, die mir unterwegs begegnen. Was ich mache, wenn ich nicht reise könnt ihr übrigens hier sehen: www.rchitects.net

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Oh, such a perfect (Scottish) day out…

„Sustainability on the plate“, so leuchtet es mir im Eingangsbereich des „Formatine’s. Shop & Eatery“ entgegen. Nach allem, was ich über das Restaurant – Oder wie soll ich es sonst beschreiben?…

„Sustainability on the plate“, so leuchtet es mir im Eingangsbereich des „Formatine’s. Shop & Eatery“ entgegen. Nach allem, was ich über das Restaurant – Oder wie soll ich es sonst beschreiben? – gehört habe, scheint das gut zu passen. Regional Produziertes, Ökologisches und qualitativ Hochwertiges kommt hier auf die Teller; im angrenzenden Shop werden diese und ähnliche Produkte verkauft und im umliegenden Wald mit dem See können sich Kinder und Erwachsene austoben. Kurz: Der ideale Ort für „a perfect Scottish day out“ für die ganze Familie. Einfach, simpel, funktioniert!

Und wie es funktioniert! „Diesen Dienstag feiern wir unser einjähriges Bestehen.“, erzählt mir John Cooper, der Geschäftsgründer und Ideengeber, während wir über die Wege des Walds schlendern. Ein Jahr, in dem sie vor lauter Erfolg kaum dazu kommen, ihre Pläne umzusetzen: An den Wochenenden kommen zwischen 600 und 700 Menschen aufs Gelände, täglich stehen die Leute Schlange am Buffet – reine Mundpropaganda – , das Unternehmen wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und statt der anfänglich Handvoll Mitarbeiter gibt es jetzt 32, die sich um den Restaurant- und Shopbetrieb kümmern. Von den rund 809.000 Quadratmeter Land ganz zu schweigen: Da kümmert sich John selbst noch größtenteils im Alleingang um die Wege, Holzschaukeln und Zäune. Bloß ab und an mietet er Forstpersonal dazu.

„Wenn du etwas riskierst, dann gleich voll und ganz.“, antwortet der gebürtige Engländer aus Devon auf meine Frage, ob er anfangs Angst vor dem Scheitern hatte. Keine 20 Monate ist es her, dass die Bagger hier auf dem Grundstück, das niemand Geringerem als Lord und Lady Aberdeen gehört, zum ersten Mal tätig wurden. Sechs Monate später waren Schutt und Dreck vom Platz, den die Schotten gerne als Mülldeponie genutzt hatten, weggeräumt und das jetzige Formatine’s Gebäude errichtet. Ein Null-Emissions und autarkes Haus ist es, erbaut aus Materialien aus der Region. Die Energie kommt zu 100 Prozent von den Windmühlen der Region; aus dem Abfall, der im Restaurant produziert wird, werden täglich 15 Liter heißes Wasser gewonnen, organischer Mist wird eigens abgebaut. „Wir kommen mit einem kleinen Eimer Abfall pro Woche aus.“, erklärt mir John stolz, der seit 25 Jahren in Schottland wohnt und mit seiner Räucherfabrik ein zweites erfolgreiches Standbein hat. Selbst die Steine an der Außenwand stammen von den alten Mauern, die hier auf dem Grundstück standen und dementsprechend recycelt wurden.

Formatines ein null-Emissionshaus. Foto: Doris

Formatine’s, ein null-Emissionshaus bei schottischem Regenwetter.

Bei Formatine’s hat sich jemand etwas gedacht, keine Frage! Der Meinung war wohl schon Lord Aberdeen, als er zum ersten Mal von Johns Plänen gehört hat. Statt Land dafür an Cooper, der für ihn schon zuvor als Caterer tätig war, abzugeben, wurde der Großgrundbesitzer zum Businesspartner. Sicher nicht zum Schaden von Formatine’s, werden doch dort auch Produkte aus den landwirtschaftlichen Betrieben des Lords verwendet.

Das Kulinarische wird zubereitet von einem Küchenchef, der mehrfach ausgezeichnet wurde und „günstiger als auf dem Flughafen“: Wenn John vom Essen und den Zutaten spricht, ist unüberhörbar, dass er selbst gerne in der Küche steht und ein Catering betrieben hat. Aber er ist nicht der Einzige, der schwärmt: Das frittierte Risotto mit roten Zwiebeln und Lauch samt Walnuss-Mohn-Salat (Kosten: 8,50 Pfund), das ich zu Mittag genieße, war jedenfalls ein Hit. Genauso wie der Kaffee, der in Glasgow eigens für das Restaurant geröstet wird.

Risotto fritter - ein Gesamtkunstwerk. Foto: Doris

Risotto fritter – ein Gesamtkunstwerk.

Meiner Meinung sind offensichtlich auch die Gäste, bisher vor allem Schotten, die nicht nur aus der Umgebung kommen, sondern schon einmal drei bis vier Stunden Autofahrt auf sich nehmen, nur um im Formatine’s zu essen, durch die Wälder zu spazieren und vielleicht den einen oder anderen Otter, ungewöhnlichen Schmetterling oder ein Eichhörnchen zu entdecken. Oder um vom Formatine’s, das nur zwanzig Minuten von Aberdeen entfernt ist, einen Ausflug in die Region zu starten. Letzteres steht jedenfalls bei mir auf dem Programm und John empfiehlt mir gleich mal seine Lieblingsorte, wie Pennan, ein Fischerdörfchen, in dem er selbst als passionierter Surfer gerne seiner Leidenschaft nachkommt. Oder Rattray, wo um einen Loch wilde Pferde angesiedelt sind (mir haben sie sich leider nicht gezeigt). Oder die Orte Newburgh oder Cruden Bay, aus denen einige der bei ihm kaufbaren Produkte stammen.

Das ist übrigens – neben der Errichtung einer Zip-Line, zusätzlichen Wanderwegen oder Schaukochen – ein weiterer von Johns vielen Pläne, für die irgendwann vermutlich auch Zeit ist: Gemeinsam mit einigen anderen Tourismusanbietern möchte er Aberdeenshire und die Produkte in der Region bekannter machen. Deshalb soll in Kürze im Formatine’s mehr zur Küstenregion und der engen Nachbarschaft zu erfahren sein – schließlich kann sich ja der Chef nicht an jeden Tisch setzen und so wie mir seine Tipps zu einer Fortsetzung des „perfect Scottish day out“ geben.

 

Formatine’s Öffnungszeiten: Täglich von 9.30 bis 17.30, Website, Facebook

Die (Küsten-)Runde von Aberdeen via Tarves – Pennan – Fraserburgh – Peterhead – Newburgh dauert ca. drei bis vier Stunden, je nachdem, wie viele Foto- und Entdeckerstops eingelegt werden.

Offenlegung: Danke an VisitScotland, die mir ein Auto zu Verfügung gestellt haben, um Schottland zu erkunden.

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Beduina für einen Tag

„Du bist jetzt eine Beduina“, sagt der Mann in Weiß und drückt mir drei Küsse auf die Wangen. Es ist keine fünf Minuten her, dass ich mich von meinen zu…

„Du bist jetzt eine Beduina“, sagt der Mann in Weiß und drückt mir drei Küsse auf die Wangen. Es ist keine fünf Minuten her, dass ich mich von meinen zu FreundInnen gewordenen KollegInnen verabschiedet habe, am Visitor Center in der jordanischen Steinwüste Wadi Rum. Und jetzt, jetzt sitze ich mit Odeh, seines Zeichens Beduine und Bewohner des gleichnamigen Dorfs, in seinem Jeep. Es geht ins „richtige Wadi Rum“, dorthin, wo – abgegrenzt von den 73% der JordanierInnen palästinensischer Herkunft – ein Teil der ursprünglichen Bevölkerung lebt, mit Kamelen, Schafen, Ziegen und natürlich TouristInnen ihr Geld verdient.

Zumindest war es so, bis die jordanische Regierung 2003 das Visitor Center an den Eingang von Wadi Rum gebaut haben. Seither werden zahlreiche TouristInnen, die vor allem aus Europa und den USA kommen, auch in die luxuriöseren, Nicht-Beduinen-Camps rund um das Dorf Diseh gebracht.

Ein Luxuszimmer im Luxuscamp mit WC und Elektrizität. Foto: Doris

Ein Luxuszimmer im Luxuscamp mit WC und Elektrizität. Foto: Doris

Zuvor hatte ich mit den KollegInnen noch einen Heidenspaß auf den Kamelen. Foto: Doris

Zuvor hatte ich mit den KollegInnen noch einen Heidenspaß auf den Kamelen. Foto: Doris

„Ich zeig´dir das echte Wadi Rum“, lädt mich mein neuer „Bruder“ Odeh ein, dessen Verhalten im Laufe des Tages aber ab und an auf ganz unbruderhafte Absichten schließen lässt. Doch vielleicht deute ich ja da auch etwas falsch. „Wir Beduinen arbeiten seit 40 Jahren mit TouristInnen, machen immer Spaß“, erklärt mir der 40jährige, der verheiratet ist und sechs Kinder hat, „das mögen alle.“ Wie 1.200 andere seines Stamms lebt er im Dorf Wadi Rum, ca. 10 Minuten vom Visitor Center entfernt.

Odeh zeigt mir Wadi Rum, sein Reich. Foto: Doris

Odeh zeigt mir Wadi Rum, sein Reich. Foto: Doris

„Bist du verheiratet?“, das ist die erste Frage, die mir Hana stellt, als ich mit ihr allein bin. Odeh hat mich kurzerhand ins Haus dieses zierlichen Mädchen gebracht, während er zuhause duscht. Wie für Frauen üblich ganz in schwarz gekleidet, schenkt sie mir gastfreundlich Beduinentee ein – aufgekochtes Zuckerwasser, in das dann Schwarzteeblätter gehängt werden – und löst ihren Schleier. Wir Frauen sind ja unter uns. Seit sechs Monaten lebt die knapp 18-Jährige hier in dem Haus, seit sie mit Odehs Bruder verheiratet wurde – als Erste ihrer Klasse. Meist ist sie allein, ihr Ehemann besucht sie jeden 2. Tag, dann nämlich, wenn er nicht gerade bei seiner ersten Frau samt der Kinder ist. „Wir wohnen im Dorf, da ist das Leben günstig“, erklärt mir Hana, die sich lieber nicht fotografieren lassen möchte, „deshalb können sich hier die Männer mehrere Frauen leisten.“ Bis zu vier Gattinnen pro Mann sind üblich, die mit der Nachkommenschaft dementsprechend (finanziell) versorgt werden müssen – bei den hohen Lebenskosten in der Stadt ein Ding der Unmöglichkeit!

Seit 6 Monaten wohnt Hana hier allein. Foto: Doris

Seit 6 Monaten wohnt Hana hier allein. Foto: Doris

In der Zimmerecke rauscht Werbung auf dem Fernsehbildschirm, darauf liegt der Koran. Ja, langweilig ist Hana schon manchmal – so allein. „Aber wenn ich ein kleines Baby habe, bin ich sicher beschäftigt“, meint sie mit schweren dunklen Knopfaugen, und streicht sich das schwarze Haar aus dem Gesicht. Eigentlich wollte sie, die im Dorf aufgewachsen ist, ja weiter in die Schule gehen, aber als verheiratete Frau war das Aufstehen um 6.00 früh nichts für sie – außerdem muss sie sich ja um ihren Ehemann kümmern.

Doris

Der Koran, künstliche Blumen und ein Fernseher, in dem Soaps und jede Menge Werbung laufen, viel mehr gibt es in Hanas Zimmer nicht. Foto: Doris

Warum sie mit ihren früheren SchulfreundInnen keinen Kontakt mehr haben kann, diese sie nicht besuchen können? „Es geht einfach nicht“ – nur bei ihrer Schwiegermutter sitzt Hana ab und an und trinkt Tee. Da wundert es mich nicht, dass die Ablenkung durch ausländische Gäste wie mich – besonders wenn die dann auch noch so viel plaudern, fragen und erzählen – gelegen kommt. Verstehen kann sie unsere Kultur nicht, genauso wenig wie ich mich in ihre einfühlen kann. Auch wenn ich das schon seit vier Tagen, seit meiner Ankunft in Jordanien versuche – und mich dabei immer wieder beim Gedanken ertappe: Dass die jordanische Kultur wirklich so konservativ ist, hätte ich nicht gedacht…

Heute gab es einmal keinen blauen Himmel. Beeindruckend ist Wadi Rum dennoch. Foto: Doris

Heute gab es einmal keinen durchgängig blauen Himmel. Beeindruckend ist Wadi Rum dennoch. Foto: Doris

Mit dem „Mädchentratsch“ ist es jetzt aber vorbei: Odeh kommt und nimmt mich mit. „Du bist mein Freund“, erklärt er und fährt mich für einige Dinare mit dem Jeep die nächsten Stunden durch die Gegend: Wir machen die übliche Tour, ich werde auf Felsen hinauf-, Dünen wieder hinunter gejagt, darf selbst meine Fahrkünste auf Wüstensand erproben und ein paar Minuten lang allein durch die Weite stapfen. Nicht als Einzige: Immer wieder treffen wir auf andere Beduinen, die wohl ihren „Freunden“ die Gegend zeigen. Es ist mir aber egal, denn die Wüste, diese schroffen Berge, in denen sich immer wieder mal bedrohliche Fratzen, mal zahmes Getier erahnen lassen, die heute Wolken verhangenen Hügel und Felsgebilde beeindrucken auch dann, wenn an jeder „Haltestelle“ Basare bereit stehen, damit TouristInnen ein paar Dinare los werden können.

Die steinige Wüste und mittendrin der Mensch. Foto: Doris

Die steinige Wüste und mittendrin der Mensch. Foto: Doris

Wüstenblumen - es gibt sie doch. Foto: Doris

Wüstenblumen – es gibt sie doch. Foto: Doris

Auf den großen Bogen rauf und wieder runter. Foto: Doris

Auf den großen Bogen rauf und wieder runter. Foto: Doris

Einige Stunden später bringt mich Odeh zum Camp seines Cousins – das Eigene, das er mit einem seiner vielen Brüder betreibt, ist ausgebucht. Dort wartet eine simple, zigfach ausgelegene Matratze und dicke, alte Decken in einer mit Stoff ausgekleideten Holzhütte, eine Tasse des klebrig zuckersüßen Beduinentees samt einem Teller voll mit Sesamkeksen… und ich merke wieder, dass ich wohl auch an diesem Tag nicht zur Beduina geworden bin. Als solche hätte ich mich jetzt nämlich nie bedienen lassen können – von einem Mann noch dazu…

Abends und morgens wurden wir mit Tee, Keksen und Lagerfeuer empfangen. Richtiges Abendessen gab es dann später. Foto: Doris

Abends wurden wir mit Tee, Keksen und Lagerfeuer empfangen. Richtiges Abendessen gab es dann später. Und zum Frühstück sahs wieder so aus. Foto: Doris

Offenlegung: Danke an Jordan Tourism Board für die Unterstützung in den ersten Tagen sowie die Finanzierung des Transports nach/ von Jordanien. Meinungen und Ansichten in dieser Geschichte sind und bleiben meine eigenen.

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Raum trifft Reise trifft The Last Bus Café

„Es war ja von jeher ein Weltreiseprojekt!“. Wie bitte!? Die Worte kamen unerwartet. Ich bin doch in einem Café, wohlgemerkt einem, das mir als „Lokal von Hippies“ empfohlen wurde. Und…

„Es war ja von jeher ein Weltreiseprojekt!“. Wie bitte!? Die Worte kamen unerwartet. Ich bin doch in einem Café, wohlgemerkt einem, das mir als „Lokal von Hippies“ empfohlen wurde. Und jetzt geht es plötzlich um eine Weltreise? Bitte gaaanz langsam.

Zugegeben, ich musste ja grinsen: Nachdem ich gerade einen Plaschelregen geduldig im Auto abgewartet habe, werde ich an der Schwelle des „The Last Bus Café“ von fünf lustigen, etwas älteren Damen und einem jungen, blondhaarigen Mädchen begrüßt. Genüsslich vor sich hinrauchend sitzen sie vor der Tür des zeltförmigen Baus: „Wir machen Pause“, erklärt mir eine der Grazien – und wenn ich Fragen zum Café hätte, soll ich mich doch am besten an Mike wenden, der gerade hinter der Bar steht: „Er hat alles gegründet und kann mir das ernsthaft erklären.“ Mh, ernsthaft, will ich das?!

The Last Bus Café Interior. Foto: Doris

The Last Bus Café Interior. Foto: Doris

Was ich aber sicher will ist das, was mich nach dem Öffnen der Tür erwartet: Wow, mir fehlen einmal die Worte! Ein buntes Sammelsurium an Dekostücken, Bildern, Postern, Schallplatten schmückt die Wände. An einer Holzstange zuckelt eine kleine Dampflok vorbei. In einem Eck steht eine elektrische Orgel. Aus dem Schallplattenspieler tönt „All you need is Love“. Und hinter der Bar, die mich an die Küche meiner Oma erinnert, putzt gerade ein grauhaariger Herr die Gläser. Mike.

Postkarten und ein Gästebuch im Last Bus Café. Foto: Doris

Postkarten und ein Gästebuch im Last Bus Café. Foto: Doris

Zuerst noch unsicher taut der Erbauer und Hauptbetreiber des Cafés während unseres Gesprächs auf, zeigt mir seine Lieblingsstücke, erklärt mir, dass er nur 100% vegetarisches, frisch gekochtes Essen anbietet („ich mag das Wort vegan nicht, aber es findet sich nichts Tierisches bei uns“) und es hasst, wenn er – wie gestern – Gäste ablehnen muss. Wegen Überfüllung. Seit zwei Jahren betreibt er das Café und auch wenn die Leute sogar 3 – 4 Stunden Anreise in Kauf nehmen, ist es bei Weitem nicht Kostendeckend: „Ja, wir müssen eine Pause einlegen und uns überlegen, wie es weitergeht“, meint er nachdenklich. Wie froh ich bin, dass diese „Nachdenkpause“ am nächsten Tag beginnt, und ich das Café heute noch erlebe, das könnt Ihr Euch denken…

The Last Bus Café, ein Sammelplatz an Schönem. Foto: Doris

The Last Bus Café, ein Sammelplatz an Schönem. Foto: Doris

„Ich arbeite zu viel im Café und lasse mich vom eigentlichen Projekt der Reise zu stark ablenken“, bedauert Mike. Wie, eigentliches Projekt Reise?

In the unlikely event that one day two Bristol F.L.F. Loddeka Buses should leave the depot in the north of Scotland carrying the sound system quarried here, then the quantum mechanics will have done their job. The lost cause and abandoned dreams corporation shall not have done theirs.“ (Schild im Café)

Und so beginnt eine halbe Stunde nachdem ich The Last Bus Café betreten habe, die „Führung“ über das Grundstück, das Mike vor 25 Jahren von einem Künstler geschenkt bekommen hat – „um einen Raum für Kreativität zu schaffen“. Der Brite, der selbst wie eine der Angestellten auf dem Areal wohnt – „je nachdem, wo Platz ist“ -, zeigt mir ein paar Unterkünfte. Einen ehemaligen Wassercontainer. Oder ein Bahnabteil. Fixe Preise dafür gibt es nicht, aber wenn Leute kommen, können sie ein oder zwei Tage dort wohnen.

Eine kuschelige Wohneinheit, in der Mike manchmal übernachtet oder auch serviert, wenn das Café voll ist. Foto: Doris

Eine kuschelige Wohneinheit, in der Mike manchmal übernachtet oder auch serviert, wenn das Café voll ist. Foto: Doris

„Ich bestimme nicht über das Leben anderer“, an Mike ist ein Philosoph verloren gegangen, „aber die richtigen Leute kommen ohnehin.“ Und wenn mal keine(r) dort wohnt, dann werden auch schon einmal Gäste hinplatziert und mit Essen aus dem Café versorgt. Schließlich soll es nicht so sein wie gestern, dass jemand nach Hause geschickt wird.

Das Gesamtkunstwerk Last Bus Café, Foto: Doris

Ich bin jetzt schon beeindruckt, dabei fehlt das Herzstück noch: Das Depot. „Ich schäme mich, es gerade herzuzeigen“, erklärt mir Mike, bevor er die Werkstatttür öffnet, „normalerweise darf kein solches Chaos herrschen. Alles soll glänzen und strahlen, aber ich habe mich zu sehr ablenken lassen.“ Ich bin auf alles vorbereitet. Denke ich. Falsch gedacht, denn was mich im Depot erwartet, das übersteigt meine Vorstellungskraft: Es ist ein Farbenmeer an Schätzen. Bunte Kinosessel, ein knalloranges Auto, daneben ein türkises – und an beiden Seiten zwei Doppeldeckerbusse, wie sie hier in Schottland für den öffentlichen Verkehr verwendet werden.

Eines der Projekte, das Mike vom Basteln am Bus ablenkt. Foto: Doris

Eines der Projekte, das Mike vom Basteln am Bus ablenkt. Foto: Doris

Beide sollen in spätestens zwei Jahren auf die Straße, erzählt mir Mike von seinem Projekt. Durch Europa, über die Seidenstraße, … die schwierigen Routen möchte er bereisen, allein oder in (Stückweiser) Begleitung, wie es eben kommt. Schon die letzten 25 Jahre hat Mike in dem Bus gewohnt, den er jetzt Schritt für Schritt wieder zu einem Passagierbus umfunktioniert. Sitze müssen hinein. Ersatzteile werden besorgt. Alles ist Kostenintensiv, es sind Einzelstücke, fast schon Antiquitäten: „Schau, dieser Motor wurde schon nicht mehr produziert“, öffnet er die Motorhaube und zeigt mir – ganz Bastler – seinen Stolz, „aber nur für diesen Bus wurde er noch einmal hergestellt.“ Bis aufs Schweißen macht er alles selbst – wenn er sich nicht gerade wieder von anderen Projekten ablenken lässt. Von Musikaufnahmen im eigenen Studio, das im 2. Stock des Depots zu finden ist, zum Beispiel.

Oder vom Café, das Mike gern so hinterlassen würde, dass es sich selbst trägt. Wobei, diese Ablenkung hat ja auch viel Gutes. Das kann ich wie unzählige andere Gäste von The Last Bus Café bestätigen…

Der Last Bus: Mike hat darin über 25 Jahre gewohnt, jetzt möchte er damit um die Welt reisen. Foto: Doris

Der Last Bus: Mike hat darin über 25 Jahre gewohnt, jetzt möchte er damit um die Welt reisen. Foto: Doris

Für welches andere Café wurde schon ein Lied geschrieben?

Offenlegung: Danke an VisitScotland, die mir ein Auto zu Verfügung gestellt haben, um Schottland zu erkunden.

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Meine fünf Reisetipps für das schottische Dumfries & Galloway

„Die Gegend Dumfries & Galloway ist noch ein richtiges Geheimnis, sogar für die SchottInnen. Aber jede(r), der/die schon einmal dort war, schwärmt davon.“ Mit diesen Worten hat mich Ines, PR-Verantwortliche…

„Die Gegend Dumfries & Galloway ist noch ein richtiges Geheimnis, sogar für die SchottInnen. Aber jede(r), der/die schon einmal dort war, schwärmt davon.“ Mit diesen Worten hat mich Ines, PR-Verantwortliche von Visit Scotland, erfolgreich nach Schottland gelockt – etwas, was mir übrigens zwei schottische Mitreisende durchaus bestätigen. „Wir sind hier der vergessene Teil Schottlands.“, heißt es auch einmal zur Begrüßung – und das klingt gar nicht erfreut. Es wird also höchste Zeit, das Geheimnis zu lüften: Denn in Dumfries & Galloway kann man jede Menge sehen und erleben. Achtung: Ich war dort und schwärme jetzt, Ines hat es ja vorhergesagt.

Das sind meine Top Fünf aus dem dichten Programm der letzten Tage:

1. Ready steady freeze

Was:  Nomen est omen, anders kann man das Erlebnis „Mach dir dein eigenes Eis“ gar nicht beschreiben – dachte sich zumindest das Team des Eisproduzenten Cream o’Galloway. Die SchottInnen trotzen also Wind und Wetter, stellen sich in die Küche der Farm, auf der jährlich 20.000 Liter (so viel wie bei Ben & Jerrys übrigens täglich gemacht wird) reinstes Bio-Eis ohne Zusatzstoffe produziert und in Schottland sowie England verkauft wird, und mixen sich ihr eigenes Eis. Dass das gar nicht so einfach ist und man selbst bei maximal drei Zutaten falsch liegen kann, haben wir festgestellt. Zwei Tipps: Whiskey/Ingwer funktioniert großartig. Honeycomb/Schokolade und Schokoladenchips hingegen hat uns nicht vom Hocker gerissen.

Wo: Cream o’Galloway, eine Farm, die mich nicht nur wegen des köstlichen Eises begeistert hat, sondern wegen des rundum nachhaltigen Konzepts: Selbstversorgung wird groß geschrieben – auch in Sachen Energieversorgung, es werden einmal monatlich Themenabende für Erwachsene zum Thema Ernährung, Umweltschutz und Co durchgeführt; die Abenteuer-Spielplätze, die Paradies nicht nur für Kinder sind, wurden vom Farm-Personal aus Holz hergestellt, und und und. Schaut einfach mal rein. Ein Besuch lohnt sich – auch als Tagesausflug von Glasgow oder Edinburgh (jeweils ein bis zwei Stunden Fahrt)!

Was es nicht alles zu sehen gibt, in der Eisfabrik. Foto: Doris

Skeptischer Blick: Wird das was mit dem selbstgemachten Eis? Foto: Doris

 

Welche Zutaten sollen bloß rein? Foto: Doris

Das fertige Eis - selbstgemacht. Foto: Doris

Alles meins: Selbstgemachtes Eis. Foto: Doris

 

2. Abhängen – oder das Wetter Wetter sein lassen

Was: Zip-Lining, groß stand es auf dem Programm, denn in Dumfries & Galloway war bisher auf der Laggan Farm die längste Zip-Line Großbritanniens zu finden. Bis vor drei Wochen. Jetzt ist die Längste in Wales – und die in Schottland „nur noch“ eine der längsten Europas. 820 Meter im Schuss runter – das wäre der Plan gewesen. Allein, der Wind kam uns dazwischen. Bei den sturmartigen Böen war ans Abhängen nicht zu denken.

Die enttäuschten Gesichter konnten wir anfangs nicht verbergen. Bis wir festgestellt haben, dass wir bei einer Segway-Tour oder mit revers Jeep-Driving mindestens genauso viel Action und Fun haben können.

Wo: Laggan Farm, nur zehn Minuten von Cream o’Galloway entfernt. Eine Farm, die seit über 100 Jahren von einer Familie betrieben und wo zusätzlich jede Menge Action geboten wird. Mehr dazu auf der Website!

Auf der Zip-Line wäre es nach unten gegangen. Der Wind hat es verboten. Foto: Doris

Jeeptour auf der Laggan Farm. Foto: Doris

Und natürlich mit den Segways auf Tour. Foto: Doris

Stattdessen: Reverse Jeep Driving - ausprobieren. Foto: Doris

3. Gott spielen

Was: An hellen Sonnentagen muss es noch genialer sein, doch selbst beim trüben Regenwetter blieben uns die Münder vor Staunen offen. Ein Konstrukt aus dem Jahr 1836 hat es geschafft, uns Internet-Junkies, ständig mit Iphone & Co ausgerüstet, App-affin und dauer-online, in Aufregung zu versetzen. Eine Camera Obscura, Ur-Mutter der Kamera, ist auf dem obersten Stockwerk zu finden – und auch wenn wir wegen des stürmischen Wetters nicht den 360 Grad-Rundumblick genießen können, wird uns doch einiges gezeigt. Die Stadt Dumfries nach oben gespiegelt nämlich. Und wir spielen, blödeln, rücken hier mal ein bisschen zur Seite, „zoomen“ dort ins Fenster hinein, legen Hürden auf die Straßen und freuen uns an der optischen Täuschung, dass Autos über diese fahren müssen. Wer hätte gedacht, dass offline Gott-spielen solchen Spaß macht!

Wo: Im Museum der kleinen Stadt Dumfries. Ein Museum im Gebäude einer ehemaligen Windmühle aus dem 18. Jahrhundert, dessen Ausstellungsstücke von der lokalen Bevölkerung stammt und dort sozusagen „verwaltet“ wird.

Die "Meisterin" an der Camera Obscura. Foto: Doris

So ein kleines Ding bringt ganz schön ins Staunen. Foto: Doris

Und jetzt bauen wir noch Hürden für die Autos ein. Foto: doris

Dumfries von oben. Foto: Doris

4. Schlafen wie die Irren

Was: Nein, kein Tippfehler und auch keine Anspielung, sondern Tatsache. Das Aston Hotel in Dumfries ist das Gebäude einer ehemaligen „Irrenanstalt“, einem Krankenhaus für psychisch kranke Menschen. Davon merkt man nichts mehr, aber versucht mal, einen Small-Talk mit den Worten zu beginnen: „Ich habe gestern Nacht in der psychiatrischen Anstalt verbracht.“ Allein schon deshalb eine Erwähnung wert!

Wo: Aston Hotel auf den Crichton Gründen.

Nicht sehr spektakulär, aber praktisch: Aston Hotel. Foto: Doris

So sah die Anstalt früher aus. Foto: Doris

5. Lämmchen zählen

Was: Die Schafe sind los – und die Lämmer erst recht. Mit der Kamera bewaffnet wird man auf der Suche nach Schafen und Lämmern ziemlich sicher fündig. Gerade jetzt im Frühjahr.

Wo: Am Wegesrand. Auf Farmen. Einfach überall.

Warnung: Suchtgefahr! Ich bin nicht anfällig auf Tiere oder Tierbilder, aber die Lämmer haben sogar mich eingewickelt wie ihr sehen könnt:

Ein neugeborenes Lamm am Wegesrand. Foto: Doris

Lämmchen überall. Foto: Doris

Nur nicht schüchtern, Lämmer. Foto: Doris

So macht man eine indische Reisebloggerin glücklich - mit Lamm im Schoß. Foto: Doris

Was guckst du, Lamm? Foto: Doris

So, und jetzt sage noch einer, einen Ausflug nach Dumfries & Galloway könne man vergessen…

 

Offenlegung: Ich war auf Einladung von Visit Scotland unterwegs. Danke dafür! Die Meinungen und Ansichten in dieser Geschichte bleiben meine eigenen. 

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Bahnland oder Willkommen in der Welt des Bloggens

Gastbeitrag von Lisa Tramm, Initiatorin des Projekts Bahnland: Sie möchte ab Mai 2013 per Zug ganz Deutschland bereisen und darüber ein Buch schreiben. Ein Interview mit Lisa über das Projekt findet…

Gastbeitrag von Lisa Tramm, Initiatorin des Projekts Bahnland: Sie möchte ab Mai 2013 per Zug ganz Deutschland bereisen und darüber ein Buch schreiben. Ein Interview mit Lisa über das Projekt findet Ihr auch bei Inka auf blickgewinkelt.

Ich gehöre zu den Menschen, die sich im Internet stets verdeckt gehalten haben. Ich habe keine Foren besucht, keine Beiträge verfasst und nur in aller größter Seltenheit etwas bei Facebook gepostet. Ich war anonym. Wenn man meinen Namen googelte, so fand man nichts (ausgenommen einem Eintrag als ich 13 war). Wie schnell sich so etwas ändern kann. Google ich meinen Namen heute, gerade einmal vier Wochen später, findet man so einiges. Durch ein paar Facebook-Posts und Blog Artikel taucht man plötzlich überall auf!

Im Oktober letzten Jahres habe ich noch nicht gedacht, dass ich heute einen Gastartikel verfasse, der dann veröffentlicht wird. Im Oktober letztes Jahr dachte ich noch: „Was für ein Zufall, der Fotowettbewerb der Deutschen Bahn sucht genau so ein Bild, wie ich es mit meinen Schwestern zu Weihnachten machen wollte.“ Und schon war das Bild eingeschickt. Ich ahnte nicht, dass die Google Ergebnisse zu meinem Namen heute von Lisa Tramms Projekt Bahnland handeln würden.

Bei ihrer England-Reise 2012 hätte Lisa nicht gedacht, ein Jahr später das Projekt Bahnland zu gründen. Foto: Lisa Tramm

Bei meiner England-Reise 2012 hätte ich nicht gedacht, ein Jahr später das Projekt Bahnland zu gründen.

Mit dem Gewinn der BahnCard 100 im November letzten Jahres waren die Tage der Anonymität im Netz gezählt. Mir kam die verrückte Idee, ich könne auf Reisen gehen und darüber bloggen. „Bloggen – das machen doch viele – das krieg ich schon hin.“ So nahmen meine Planungen zum Projekt Bahnland Gestalt an.

Reisen mochte ich schon immer gerne und mich hat es auch lange wieder in den Füßen gekitzelt, ein neues Abenteuer zu erleben. In einigen Ecken meines Freundeskreises hörte ich immer wieder von Work and Travel oder Erasmus. Meine Reisedurst blieb aber unbefriedigt. Als mir dann diese schöne schwarze Karte mit der 100 in die Hände gelegt wurde, war mir klar: Das ist es! Deine Chance auf ein Abenteuer. Und das im eigenen Land! Die Idee, weder Australien noch Singapur oder die Dominikanische Republik zu bereisen, sondern eben Deutschland zu entdecken, faszinierte mich. Das Land, in dem ich geboren wurde. Ich kenne bisher nur ein paar Ecken Deutschlands. Ich war noch nie in München, Berchtesgaden, Kassel, Münster, Weimar, Mainz, Erfurt…….. Die Idee, das eigene Land von oben bis untern abzufahren wurde konkreter und ich entschloss mich, nicht nur zu reisen sondern darüber zu bloggen und sogar ein Buch zu schreiben.

New York steht diesmal nicht auf dem Plan. Foto: Lisa Tramm

New York steht diesmal nicht auf dem Plan.

Ende Februar war das Projekt Bahnland geboren. Ich hatte mich entschlossen, meinen Job an den Nagel zu hängen, mein Zimmer unterzuvermieten, in die Züge Deutschlands zu steigen und die Republik abzufahren. Meine Ziele sind simpel. Ich möchte jedes Bundesland bereisen, alle Himmelsrichtungen abfahren, und ein paar Grenzstädte besuchen. Durch meine Arbeit im Umweltbereich kam mir eine weitere Idee. Auf meiner Reise möchte ich nach nachhaltigen, grünen oder ökologischen Sachen, Projekten oder ähnlichem Ausschau halten. Sei es eine Biobäckerei oder Artenschutzprogramme. Bei der Finanzierung entschied ich mich fürs Crowdfunding. Auf startnext.de gibt es die Möglichkeit seine Projekte vorzustellen und durch die Unterstützung vieler, seine Idee zu realisieren. Meine Idee war es, meine Erlebnisse in einem Buch zusammen zu fassen. Einen Reisebericht über Deutschland zu schreiben, um so Menschen anzuregen, auch einmal das eigene Land zu erleben, anstatt sich in den Flieger zu setzen. Zug fahren ist nämlich auch um einiges nachhaltiger.

Lisas Wahlheimat Berlin darf bei natürlich nicht fehlen. Foto: Lisa Tramm

Meine Wahlheimat Berlin darf dabei natürlich nicht fehlen.

Nun mache ich also meine ersten Schritte in der Welt des Bloggens. Ich versuche mich an Gastartikeln und weiß noch gar nicht so recht, wie man überhaupt bloggt. Mir schwirrt immer meine alte Deutschlehrerin im Kopf herum, die meine Aufsätze früher immerhin ausreichend fand. Ich bin gespannt auf diese Welt, in der man bei Facebook postet und Artikel schreibt, auf Radiosendern sein Projekt vorstellt, um möglichst viele Leute zu erreichen, die Gefallen an dem finden, was man macht und eventuell auch Interesse haben, einen zu unterstützen.

Und plötzlich ist man nicht mehr so anonym. Man findet sich bei Google und liest Artikel über sich. Schreibt mit netten fremden Leuten, die mich zu sich einladen und mir die Gegend zeigen wollen. Ich bin in diese Sache sehr spontan hineingestolpert und bin so wahnsinnig gespannt, was als nächstes passiert. Ich glaube das Bahnland zeigt mir nicht nur Deutschland, sondern hält noch viele Überraschungen für mich parat.

 

Wenn ihr Lisas Projekt weiterverfolgen möchtet, könnt ihr das hier machen:

startnext.de/bahnland
facebook.com/bahnland
bahnland.tumblr.com
vimeo.com/60503339

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Von Musik, der Liebe und Zufällen, die es gar nicht gibt…

„…und stell dir vor, wer mein Blind-Date in Paris war: Meine große Liebe, die ich zehn Jahre nicht gesehen hatte!“ Colettes Augen leuchten, ihre Stimme zittert noch vor lauter Freude…

„…und stell dir vor, wer mein Blind-Date in Paris war: Meine große Liebe, die ich zehn Jahre nicht gesehen hatte!“ Colettes Augen leuchten, ihre Stimme zittert noch vor lauter Freude als sie mir ihre Geschichte erzählt. Wir sitzen im Pub mit unaussprechlichem Namen, „An Teach Beas“ (übersetzt: „Das Kleine Haus“), in Clonakilty im Süden Irlands. Colette habe ich gerade erst kennen gelernt, aber ich weiß schon viel über sie: Dass ihr Mann vor wenigen Jahren gestorben ist zum Beispiel, und dass ein Bekannter sie vor einiger Zeit nach Paris mitgenommen hat. Aber nicht nur sie, sondern auch einen seiner Freunde, und der hat sich als eben jene verloren geglaubte Jugendliebe aus der irischen Heimat entpuppt. Sagt’s und schnappt sich – noch bevor ich völlig in melancholische Romantik abdrifte oder mich an Rosamunde Pilcher erinnert fühle – ihren mittlerweile Angetrauten und singt ein Ständchen.

Die Live Band, wegen der alle das Lokal gestürmt haben. Foto: Doris

Die Live Band, wegen der alle das Lokal gestürmt haben.

Mit einem Zufall hat unser Aufenthalt in der irischen Kleinstadt Clonakilty, in der Nähe von Kinsale und Baltimore, am Nachmittag desselben Tages auch begonnen: „Ich war da schon einmal!“ Kaum bei der Einfahrt des Bed & Breakfast angekommen, platzte meine Freundin Steffi bereits heraus: „Das gibt’s doch nicht. Beim letzten Mal habe ich ebenfalls hier geschlafen!“ Ich weiß nicht, wer ungläubiger und überraschter aus der Wäsche schaut: Sie oder wir – Marietta und ich -, die wir auf den Hinterbänken den ersten Blick aufs weiße Herrenhaus der Macliam Lodge erhaschten.

Nahe Clonakilty gibt es auch wunderschöne Sandstrände. Foto: Doris

Nahe Clonakilty gibt es auch wunderschöne Sandstrände.

Was für ein Zufall, dass wir uns ausgerechnet in der Unterkunft einquartiert haben, in der Steffi vor einigen Jahren ihren Geburtstag gefeiert hat. Absicht war es jedenfalls keine, haben wir doch schlicht und einfach das erste freie Bed & Breakfast genommen, das uns am Vortag in unserer ersten Herberge vorgeschlagen wurde. So macht man das schließlich auf spontanen Roadtrips durch Irland, ich – oder besser gesagt wir – zumindest.

Irische Musik, hier geht´s lang. Foto: Doris

Irische Musik, hier geht’s lang.

Mehr Plan hingegen steckte hinter unserer Abendgestaltung: Ein Pub musste her, am besten mit Livemusik, aber das sollte ja in einem typisch irischen Städtchen an einem Samstagabend leicht zu finden sein. War es auch!

Und wir waren nicht die einzigen mit dieser Idee. Keine halbe Stunde später – wir haben gerade unser erstes Pint getrunken – ist das kleine Lokal rappelvoll. Ich übertreibe nicht: Kein Sessel, kein Barhocker, keine Ecke ist mehr frei. Überall sitzen, lachen, plaudern, trinken Menschen, Paare und Singles, Junge und Alte. Da grüßt jeder jeden, es wird geherzt und umarmt, es werden alte und neue Bekanntschaften geschlossen, Geschichten erzählt – wie die von Colette. Wir drei – eine US-Amerikanerin, eine Deutsche, die in Irland lebt, und eine österreichische Reisende – sind mittendrin, gehören dazu. Okay, wir singen nur leise oder gar nicht mit, wenn die irischen Klänge der Live MusikerInnen erklingen – wir können ja schließlich nicht den Text – und wir stimmen auch nicht selbst ein Liedchen an, wie unsere Mitfeiernden. Aber wie die anderen sind wir berauscht von der Musik, der ausgelassenen Stimmung, den freundlichen Menschen – und sicher auch ein bisschen vom Bier…

Irland ist voller Musik - zumindest in Clonakilty. Foto: Doris

Irland ist voller Musik – zumindest in Clonakilty.

Was für ein Glück wir an diesem Abend haben, erfahren wir erst beim Frühstück am nächsten Tag: Normalerweise gehen die Einheimischen am Samstag nicht ins An Teach Beas, denn die Live Band spielt in einem anderen Pub. Reiner Zufall, dass es gerade an diesem Wochenende anders war…

P.S.: Dass ich als Vegetarierin ausgerechnet Clonakilty – Heimat von Irlands berühmtestem Black Pudding alias Blutwurst – als meine Lieblingskleinstadt auserkoren habe, ist zugegeben schon etwas ironisch. Vor allem weil Colette – die mit der Wiedervereinigungsgeschichte – keine Geringere als Colette Twomey war, ihres Zeichens Besitzerin von „Clonakilty Blackpudding“. Wo die Liebe hinfällt… 

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Mein Abtauchen in die Wiener Unterwelt…

Bling! „Kellertour morgen, 23. März findet statt. 19 Uhr Haupteingang Stephansdom. Dauer: ca. zwei bis zweieinhalb Stunden. Beste Grüße, Peter van der Unterwelt“. Die SMS kam unvorbereitet. Unverhofft. Schließlich hatten wir…

Bling! „Kellertour morgen, 23. März findet statt. 19 Uhr Haupteingang Stephansdom. Dauer: ca. zwei bis zweieinhalb Stunden. Beste Grüße, Peter van der Unterwelt“. Die SMS kam unvorbereitet. Unverhofft. Schließlich hatten wir – gleichnamiger Herr der Unterwelt und ich – seit ungefähr sechs Monaten Kontakt. Genauso lange haben wir versucht, einen gemeinsamen Termin zu finden, an dem ich ihn ins unterirdische Wien begleiten kann. Jedesmal aber, wenn ich in „meiner“ Stadt war, wurde die Tour aufgrund zu geringer Teilnehmeranzahl abgesagt. Und jedesmal, wenn genügend Leute aufgetrieben waren, war ich garantiert nicht in Wien. Aber jetzt…

Dabei bin ich schon einmal hinab gestiegen, in die Kanalisation – damals, im Sommer.

Am Wienfluss befindet sich das längste Kanalisationssystem der Welt. Foto: Doris

Am Wienfluss befindet sich das längste Kanalisationssystem der Welt.

Wir waren eindeutig nicht die Ersten, die sich nach unten getraut haben - spätestens jetzt ist das klar. Foto: Doris

Wir waren eindeutig nicht die Ersten, die sich nach unten getraut haben – spätestens jetzt ist das klar.

Lauf, lauf! Wenn dich die Führer der offiziellen 3.-Mann-Tour entdecken, drohen die mit Polizei:. Foto: Doris

Lauf, lauf! Wenn dich die Führer der offiziellen Dritter-Mann-Tour entdecken, drohen die mit Polizei.

... so geschehen, denn die 3. Mann-Tour ist da drinnen gewesen. Foto: Doris

So geschehen, denn die Dritter-Mann-Tour ist da drinnen gewesen.

Ein Licht am Ende des Tunnels. Foto: Doris

Ein Licht am Ende des Tunnels.

... herausgekommen sind wir wie die früheren Fackeltouren auch am Naschmarkt. Foto: Doris

Herausgekommen sind wir wie die früheren Fackeltouren auch am Naschmarkt.

Schaut gar nicht so schlimm aus, oder?! Es täuscht. Natürlich bin ich auch wieder einmal hingefallen... im Dreck. Foto: Doris

Schaut gar nicht so schlimm aus, oder? Es täuscht. Natürlich bin ich auch wieder einmal hingefallen… in den Dreck.

Auch wenn wir weder von Ratten attackiert noch von Wasserfluten überwältigt wurden, vor Nachahmung sei natürlich gewarnt, schließlich ist das Abtauchen in die Wiener Unterwelt nicht ganz legal. „Jeder Andere darf da unten herumgehen, nur wenn sie mich entdecken, dann passiert etwas.“, erklärt uns zwar Peter van der Unterwelt später frustriert, aber ob ich das glauben soll?

INoch oberirdisch erklärt Peter uns 21 die Unterwelt. Foto: Doris

Noch oberirdisch erklärt Peter uns 21 TeilnehmerInnen die Unterwelt.

Dabei war vor einigen Jahren noch alles ganz anders: Damals als Peter, ein ehemaliger bautechnischer Zeichner, seine Liebe zum unterirdischen Wien entdeckt und Zigtausende durch den Wienflusstunnel, das europaweit größte unterirdische Areal inmitten einer Metropole, geführt hat. Die Fackeltouren haben ab dem Jahr 1998 für Aufsehen gesorgt – US-amerikanische Manager haben sich genauso von „Larry Hime“, wie sich Peter damals gern in Anlehnung an den Film „Der dritte Mann“ genannt hat, herum führen lassen wie unzählige Partygäste die unterirdische Feste mit spektakulären Feuershows und Co zelebriert haben. Bis zu 450 Personen wurden jeden Donnerstag und Samstag durch die Kanalisation geführt und erhielten den Beweis, dass Wien auch unterirdisch durchaus etwas zu bieten hat. Acht Jahre lang. Alles völlig legal, bis…

Alte Schilder und Beschriftungen in den Kellner geben Zeugnis alter Zeit. Foto: Doris

Alte Schilder und Beschriftungen in den Kellern geben Zeugnis alter Zeit.

Ja, bis ein seltsamer Krieg begonnen hat. Der zwischen der Stadt Wien nämlich und Peter Ryborz sowie seinem Unterwelt-Verein. Davon will ich aber gar nicht erzählen, schließlich kann man genug auf der Website darüber lesen – und auch wer die Kellertour macht, wird darüber – gewollt oder ungewollt – so einiges erfahren. Schließlich kämpft Peter weiter. Unbeirrt. Statt auf Fackeltouren durch die Kanalsysteme bringt er jetzt eben Interessierte – meist, wie in unserer Gruppe, sind es WienerInnen – in zwei versteckte Keller, wie sie unter jedem Wiener Innenstadthaus zu finden sind und Zeugnis vergangener Zeit darlegen. Bis 1952 waren die Häuser durch die Keller miteinander verbunden, Bunker und Schutzwege führten von einem Gebäude zum nächsten. Heute bleiben davon bloß alte Gemäuer, verbleichte Beschriftungen, veraltete Feuerlöscher… und natürlich Peters Geschichten.

Bücher, CDs, die Website - Peter informiert gern über "seine" Unterwelt. Foto: Doris

Bücher, CDs, die Website – Peter informiert gern über „seine“ Unterwelt.

Die wird er weiter erzählen – genauso wie die von den Fackeltouren. Jede Kellerführung endet mit einer rund 30-minütigen Rückschau auf die „gute alte Zeit“, in der das unterirdische Wien weltweit zu Ruhm gekommen ist.  Und auch wenn die actionreichen Kanaltouren – samt olfaktorischem Erleben – den geschichtlich informativen Kellertouren weichen mussten, bleibt Peter der Unterwelt in jedem Fall erhalten. Die nächsten Ideen und Projekte sind schon in Planung und so einige Male im Jahr besichtigt der Verein auch die alten Tunnel. Alles im Zuge der Recherche und Prüfung natürlich. Wer Peter und seine Untermänner auf diesen Erkundungstouren „unterstützen“ möchte, schreibe ein Mail: buero@unterwelt.at

 

Eine Kellertour „Keller & Co“, die in unserem Fall von 19 bis 21.30 Uhr gedauert hat, kostet 15 Euro (inkl. Rattenschnaps). Sie findet normalerweise Donnerstags und Samstags statt, Treffpunkt vor dem Stephansdom. Nähere Infos und Termine unter: unterwelt.at Anmeldung erforderlich!

Das Buch von Peter Rybarz und Co, „Unter Wien. Auf den Spuren des Dritten Mannes durch Kanäle, Grüfte und Kasematten“, ist seit Jahren vergriffen. Manchmal ergattert man ein Buch auf ebay, ZVAB.deAbeBooks.deJustbooks.de oder Booklooker.de

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Auf geht’s: Die Donau-Karawane zieht los

Freitag, 15. März um 19 Uhr im deutschen Furtwangen an der Donau. Ein ganz gewöhnlicher Freitag? Nicht ganz. Denn es fällt der Startschuss zu einer ganz ungewöhnlichen Reise. 3.000 Kilometer…

Freitag, 15. März um 19 Uhr im deutschen Furtwangen an der Donau. Ein ganz gewöhnlicher Freitag? Nicht ganz. Denn es fällt der Startschuss zu einer ganz ungewöhnlichen Reise. 3.000 Kilometer durch 14 Länder wollen Helene, Sarah, Johannes, Peter, Mark – und hoffentlich noch viele mehr – hinter sich bringen, entlang der Donau vom Schwarzwald bis ins Schwarze Meer, zu Fuß, per Kajak, mit dem Fahrrad… Nicht allein, sondern mit jedem, der die kleine „Karawane“ begleiten möchten. Dabei geht es nicht nur ums Unterwegssein. Es geht vielmehr darum, nachhaltige Projekte miteinander zu verbinden und miteinander, voneinander zu lernen. Auf dem Weg und bei Workshops in einzelnen Städten.

Klingt nicht neu? Das liegt vermutlich daran, dass ich schon von einem ersten Treffen mit dunaVision berichtet habe. Ich habe die Gruppe in den letzten Monaten einige Male getroffen und versucht, mich so gut wie möglich auf dem Laufenden zu halten. Richtig gelungen ist es mir nicht: Jedes Mal haben sich neue Fragen aufgetan, neue Antworten wurden gegeben, neue Ideen tauchten auch… spannend bleibt das Projekt allemal.

Wandern, Spaß, Nachhaltigkeit, Vernetzung, Lernen, ... dunaVision ist vieles.

Wandern, Spaß, Nachhaltigkeit, Vernetzung, Lernen… dunaVision ist vieles.

Spannend besonders auch für diejenigen, die unterwegs sind – wie die Vorarlbergerin Helene, mit der ich einige Tage vor ihrem Abmarsch noch gemailt habe:

Doris: Helene, wie geht’s dir so kurz vor dem Start?

Helene: Eigentlich habe ich noch gar nicht realisiert, dass es tatsächlich in wenigen Tagen los geht. Ich glaube, die Gedanken kommen erst, wenn ich im Zug nach Deutschland sitze! Gestern hatte ich aber zum Beispiel einen Albtraum, dass mir jemand erzählt, es wüsste doch jeder über die streundenden Hunde in Osteuropa Bescheid, die ständig Wanderer in Rudeln anfallen! Da bin ich aufgewacht und hab mir tatsächlich Sorgen gemacht.

Welche Unsicherheiten gibt es noch?

Ziemlich viele! Wir wissen nicht, wie viele Teilnehmer wir haben werden. (Anm.:  Neben der genannten „Kerntruppe“, die aus Helene, Sarah, Johannes, Peter und dem Schotten Mark besteht, werden in den ersten paar Tagen noch fünf bis sechs weitere Personen losgehen. Darunter die Leiterin des Workshops in Augsburg, Vertreter des Ministeriums in Baden-Württenberg für Bildung und Kultur oder ein Journalist vom Schwarzwälder Boten. Mark ist übrigens mit seinem 20-jährigen Bus mit von der Partie, der mit Solar Panels ausgestattet ist, um Mobiltelefone, Laptops etc. aufzuladen oder Kleider und Zelte zu flicken. Zusätzlich wird ein Trailer angehängt, um das Gepäck verstauen zu können.) Wir haben auch nicht alle Routen schon fix und fertig geplant. Aber die Unsicherheiten gehören definitiv zur Reise dazu, anders geht es gar nicht.

Worauf freust du dich am meisten?

Schwer zu sagen. Wahrscheinlich auf den Sommer, ich hab es nicht gern kalt! Allgemein stelle ich es mir wunderbar vor, täglich beobachten zu können, wie die Jahreszeiten die Vegetation verändern. Wenn man jeden Tag so viele Stunden draußen ist und so vom Wetter beeinflusst wird, muss das ein wunderschönes Erlebnis sein. Dann freue ich mich auch wahnsinnig auf das Forum in Wien, weil ich dort schon viel im Vorfeld mitbekommen habe und sich dort viel abspielt, was mich brennend interessiert: Wie baut man Häuser aus Stroh und Lehm? Wie kann ein Ökodorf funktionieren? Welche Formen des Miteinander gibt es? Und schlussendlich natürlich auf das Donaudelta, von dem ich schon so viel Spannendes gehört hab. Dörfer, die nur per Boot erreichbar sind, kenne ich bisher nur aus Indien.

Aktuelle News und Infos gibt es auf der Website dunavision.eu.

Aktuelle News und Infos gibt es auf der Website dunavision.eu

Was ist die größte Herausforderung für dich?

Meinen Freund dazu zu bringen, dass er auch mitkommt! Ansonsten wird es sicher auch eine große Herausforderung, eine gute Balance zwischen ständigem Organisieren, Bloggen, Verantwortlich sein und meiner persönlichen Freiheit zu finden – ich glaube, das ist sehr wichtig, um das ein halbes Jahr durchziehen zu können.

Dass das ganze Projekt den Bach hinuntergeht ist ziemlich unwahrscheinlich, weil ja nicht ein Team das Ganze organisiert, sondern jeweils RegioTeams für die Foren vor Ort zuständig sind. Wenn also der Workshop in Wien eine Katastrophe wird, wird der in Budapest hoffentlich besser! Was jedoch passieren müsste, damit ich persönlich aufhöre, ist schwer zu planen. Dass ich irgendwann mal eine Pause einlegen möchte und dann später wieder dazustoße, kann ich mir allerdings schon vorstellen – das Ganze soll ja flexibel und dynamisch bleiben.

Wo kann man sich über euch auf dem Laufenden halten und über Treffen oder eure Teilstrecken informieren?

Auf jeden Fall über unsere Website, dort werden immer rechtzeitig die richtigen Treffpunkte etc. online stehen. Wir überlegen aber auch, eine Notfallnummer mitzunehmen, über die man jederzeit jemand aus dem Team erreichen kann.

Danke, Helene, und viel Spaß beim Wandern und Wandeln!

 

Und vielleicht sehen wir uns ja im Donaudelta, denn ich habe die Idee, auch ein Stück weit mitzugehen noch immer im Kopf…

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An Louise führt in Dresden kein Weg vorbei…

Richard (Wagner), Erich (Kästner), August (der Starke)… ich lasse sie alle links liegen. Für Louise. Denn während die meisten TouristInnen in Dresden zumindest untertags vor allem die barocke Altstadt mit…

Richard (Wagner), Erich (Kästner), August (der Starke)… ich lasse sie alle links liegen. Für Louise. Denn während die meisten TouristInnen in Dresden zumindest untertags vor allem die barocke Altstadt mit Semper Oper, Zwinger und Frauenkirche lieben und nur abends der Kneipen wegen in die Neustadt ziehen, habe ich mein Herz längst an eine Straße auf jener Elbeseite verschenkt. Und ich bin ihr 24 Stunden treu: Denn auf der und rund um die Louisenstraße im sogenannten “Szeneviertel” (blöder Name, wirklich!) Neustadt ist alles zu finden, was ich mag. Getestet und für gut befunden sind folgende Plätze:

Schon auf dem Weg vom Albertplatz zur Louisenstraße liegt die Bäckerei Der Graf, in der es angeblich die besten Kuchen gibt – handgemacht, versteht sich. Die paar Fußminuten zu Louise machen sich mit einer typisch Dresdner Eierschecke (um 1,05 Euro) in der Hand übrigens auch gleich noch einmal so gut.

Der Graf: Königliches Vergnügen für Feinschmecker. Foto: Doris

Sapori D’Italia

Gute Pizzen lassen sich im Sapori D’Italia genießen – das befindet sich an der Ecke Louisen-/Rotheburger Straße. Was aussieht wie ein Feinkostladen kocht Pizza und Pasta, dass es den DresdnerInnen ein Vergnügen ist. Dementsprechend gern gehen sie hin – und so ab 19/20 Uhr sind alle drei Tische sowie der Barbereich am Rand besetzt. Da kann es auch vorkommen, dass man sich den Tisch mit Fremden teilen darf. Tipp: Um 18.00/18.30 hingehen, da hat man meist Glück (so wie wir) und ergattert einen Platz.

Sapori D´Italia: Schaut von außen unscheinbar aus, die Pizze sind aber alles andere als unscheinbar. Foto: Doris

Dürüm Haus

An diesem Eck ist auch der beste Türke der Stadt: Mehrfach ausgezeichnet tischen die Jungs und Mädels vom Dürüm Haus mächtige Portionen auf. Bitte einen Blick nach oben in den ersten Stock werfen: Dort hat mich ein, leider abgesperrter, türkischer Salon fasziniert.

Mahlzeit im Dürüm-Haus. Foto: Doris

Teegadrom

Besonders im Winter eine kuschelige Zufluchtsstätte, aus der man sich auch nicht vom griesgrämigen Ausdruck des Besitzers vertreiben lassen sollte. Alle, die durchhalten, können sich mit einem der selbst zusammengestellten großartigen Tees (zum Beispiel Rote Clara, benannt nach der – nicht mehr vorhandenen – Katze, die einst im Laden ihre Heimat hatte) belohnen.

Teetrinken, Schokolade essen und plaudern - im Teegodrom möglich. Foto: Doris

Nordbad

Das “kleinste Bad” Dresdens ist vielleicht fürs Schwimmen weniger geeignet: Das Wasser geht dir die ersten Meter nur bis zur Brust und dann maximal bis zum Hals. Aber die Sauna ist angeblich einer der “In-Treffpunkte” der Dresdner. Besonderes Schmankerl: Man kann dabei aufs Dach gehen und einen Blick auf Louise werfen. Es ist – so heißt es – auch eine gute Station, um seine NachbarInnen (überraschend) zu treffen oder seine Flirtpraxis zu üben, denn das wird im Nordbad nur all zu gerne getan.

Im Hof vom Nordbad. Foto: Doris

Raskolnikoff

Wer schon nicht im Nordbad schwimmen möchte, der sollte zumindest den Durchgang zur Böhmischen Straße benutzen, um einen Abstecher ins Raskolnikoff zu machen. Das „originellste“ Restaurant- und Galerie-Haus Dresdens ist nicht nur wegen der Optik anziehend, das Konzept (Bio-Küche, wenn leistbar, die BesitzerInnen verwenden keine Autos…) ist auch so sehr ansprechend! Im Raskolnikoff kann man übrigens auch schlafen: Es stehen kleine Zimmer – „keine Schlaf, sondern Lebezimmer“, so heißt es auf der Website – bereit, die sehr gut gebucht sind! Dort gibt es übrigens in einem Separee das einzige Raucherfrühstück Dresdens. Warum ich das weiß? Ich bin mit einem Raucher durch die Neustadt geschlendert…

Pop Up Store Lou 61

Leider schon Geschichte ist der Pop Up Store Lou 61, denn der war nur bis neunten März, also einen Monat lang, Gast in der Louisenstraße. Aber dass es hier, nur hier, diesen Shop geben konnte, zeigt schon den Charakter der Straße. Und was danach in der Louisenstraße 61 entstanden ist, das könnt ihr mir ja berichten.

Leider schon vorbei, der Pop Up Store Lou 61. Foto: Doris

Lebensmittel Bui

Gekommen, um zu bleiben ist hingegen der Vietnamese Bui, dessen Lebensmittel-Kleinstladen alles zu bieten hat, was der Neustädter haben möchte und braucht. Er ist zwar kein Spät-Laden (diese Dresdner Spezialität, in der man des Nächtens auch noch Alkohol einkaufen kann), aber dennoch erwähnenswert!

Jedes Treppenhaus sah/ sieht anders aus. Foto: Doris

Treppenhäuser aus der Gründerzeit

Auch wenn es die Dresdner Altstadt anders vermuten ließe, gibt es richtig alte Gebäude aus der Gründerzeit nur in der Neustadt. Dort wurden einige bemalte Treppenhäuser der Zeit zwischen 1850 und 1890 wieder saniert. Ein Grund, einen Blick hinein zu werfen (wenn man kann, anläuten – vielleicht klappt’s!): Zum Beispiel in die Louisenstraße 67. Und natürlich muss man bei einem Rundgang durch die Gegend auch in die Kunsthofpassage gehen, eine der bekanntesten Kultureinrichtungen Dresdens. Zwischen Alaunstraße und Görlitzer Straße wurden die Höfe kreativ ausgemalt und zu einer Passage verbunden, in der man Stunden mit dem Schmökern durch die zahlreichen Läden, Galerien und Lokale verbringen kann.

Kunsthofpassage - jeder Hof hat ein anderes Thema. Foto: Doris

Sukuma

Knapp vor Schluss steht in der Louisenstraße auch das Büro und der Vereinsraum von Sukuma, einem Verein, der sich nachhaltigem Konsum verschrieben hat, aber davon erzähle ich euch ein anderes Mal. Der verdient nämlich mehr als nur ein paar Zeilen.

Nein, die Klingel ist nicht defekt. Sukuma Vereinshaus. Foto: Doris

Café Oosteinde

Irgendwann geht ja alles zu Ende – so auch die Louisenstraße. Doch das Gute geht weiter, denn am Ende der Louisenstraße (und eigentlich auch schon auf der Prießnitzstraße, aber sehen wir das mal nicht so eng) ist das Café Oosteinde, wo der „Homo Neustadtienses“ (O-Ton eines eben solchen) seine Sommerabende und Wochenendmorgen verbringt.

Die Prießnitz, der klarste Bach - gleich in der Neustadt. Foto: Doris

Und wenn man da die Stiegen hinunter geht, dann kommt man auch zum angeblich “klarsten Bach” Dresdens, der Prießnitz, in der man sogar schwimmen kann. Das habe ich jetzt der Temperaturen wegen nicht ausprobiert. Würde es wohl auch nicht in der Stadt tun, sondern es den DresdnerInnen gleich machen und dafür lieber etwas weiter den 25 Kilometer Bach entlang in die Dresdner Heide gehen.

Ach, Louise, schön war’s bei dir! Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder, meine Liebe…

 

Updates aus der Neustadt erfährt man übrigens am besten auf dem Blog Neustadt Geflüster.

Offenlegung: Der Aufenthalt in Dresden wurde durch die Dresden Marketing GmbH ermöglicht. Danke dafür! Meinungen und Ansichten bleiben wie immer meine eigenen.

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