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Kategorie: Travel. Outdoor.

Pech, das: Korsika ist, wenn man trotzdem lacht

“Schau mal, das passt jetzt für dich!” – leicht zynisch klingt sie, die Stimme meines Kollegen Florian, als er auf das Schild über dem Restauranteingang zeigt. “Ristorante Pech” heißt uns…

“Schau mal, das passt jetzt für dich!” – leicht zynisch klingt sie, die Stimme meines Kollegen Florian, als er auf das Schild über dem Restauranteingang zeigt. Ristorante Pech heißt uns da nämlich willkommen. Ich verziehe meine Mundwinkel etwas nach oben und versuche zu lächeln. Gelingt mir wohl in dem Moment nur mäßig. Schließlich habe ich die Stunden seit meiner Ankunft in der Stadt Ajaccio auf Korsika für meinen Geschmack schon etwas zu häufig Bekanntschaft mit Pech gehabt.

„WiFi haben Sie doch?“, war wie üblich eine meiner ersten Frage im idyllisch gelegenen Fünf-Sterne-Hotel. Schließlich bin ich nicht nur zum Vergnügen hier, sondern wegen meiner Arbeit. “Naturelement” war die zufriedenstellende Antwort an der Rezeption. Zu früh gefreut, das Ergebnis war dummerweise nämlich weniger zufriedenstellend. Was per Smartphone einigermaßen gut klappte (in der richtigen Position, im richtigen Zimmereck), passte am Computer gar nicht. Keine Verbindung. Null.

Nach einigen Versuchen, damit Computer und WiFi doch noch miteinander kommunizieren, gab ich w.o. und wandte mich an höhere Stellen. Oder versuchte es zumindest. Denn das Zimmertelefon war leider ebenfalls tot. (Genauso wie übrigens der Fön, wie ich abends feststellte. Doch den brauche ich ja gottseidank im heißen Korsika selten.) Also nahm ich fluchend das Notebook unter den Arm und ging die drei Stockwerke hinunter zur Rezeption. Dort umschwirrten mich sofort vier geschäftige Rezeptionisten, ein Techniker, ein per “Telefonjoker” zugeschalteter IT-Experte und noch ein paar hilfsbereite Menschen – allein drei Stunden (und einige weggeworfene Nerven) später kam ein: “Nous sommes desolés.”, der Computer wäre vermutlich kaputt. Oder eines der seltenen Geräte, die schlicht und einfach nicht mit dem korsischen WiFi verbunden werden wollten – die Fälle gab es nämlich auch schon einmal. Aha…

Das Meer ist auf Korsika überall. Foto: Doris

Kein Internet, dafür so ein Anblick… das war Realität auf Korsika. Wofür würdet ihr euch entscheiden?

Und nach diesem alles andere als entspannten (ganz zu schweigen von einem entspannenden) Nachmittag landen wir jetzt auch noch im Restaurant “Pech”. Ich lache auf und gewöhne mich recht schnell an den schwarzen Humor meines Kollegen. Dass ich den in den nächsten Tagen öfters erleben werde (nicht nur auf meine Kosten), weiß ich ja an diesem ersten Abend auf Korsika noch nicht.

Offline zu sein (und dem Arbeitsberg beim Wachsen zuzuschauen) war nämlich bei weitem nicht das einzige Übel. An einem Tag streckte die – durchaus robusten – Kollegen eine Magenvergiftung nieder. Am Nächsten verlor einer von ihnen seinen Rucksack: Mit Pass, Haustürschlüssel, Buch, Kalender, Kamera und Objektiv – und natürlich mit den Aufzeichnungen und Bildern der letzten Tage. Und am letzten Tag nahm unser Guide Stéphane einen falschen Koffer mit zum Flughafen.

Ich würde Korsika nochmal auf die Reiseliste nehmen. Foto: Doris

Ich würde Korsika nochmals auf die Reiseliste nehmen.

Und mein Internet? Nach eineinhalb Tagen erfolglosem Hin und Her habe ich mir ein tragbares WLAN zum Einwählen gekauft, nur um dann festzustellen, dass mir dafür weder Username noch Passwort verraten wurden. Es war Samstag, 23 Uhr als ich das gemerkt habe – sonntags ist auf Korsika alles geschlossen. Wie gut, dass wir am nächsten Tag in ein anderes Hotel übersiedelt sind: Dessen Internet hat meinen Computer etwas näher “ran gelassen” – zumindest in der Eingangshalle. Wie viele Nachtschwärmer ich wohl damit erschreckt habe, dort mitten in der Nacht entnervt im Bademantel herumzulaufen und das Notebook mal in die eine Ecke zu halten, mal in die nächste?

Fotogen ist sie, die korsische Natur. Foto: Doris

Fotogen ist sie, die korsische Natur.

„Tja, manchmal ist eine Reise wie verhext. […] Wichtig ist trotzdem die Lust am Reisen nicht zu verlieren.“,  postet eine Kollegin aus Kambodscha auf Facebook, und ich merke: Ich bin zurzeit wohl nicht die einzige Pechmarie. Wie auch immer man es dreht, wendet und benennt, man müsste sich schon schwer anstrengen, Korsika nicht zu genießen. Der Ausblick auf das sich rot färbende Meer, die Schiffe, die ruhig im Hafen schaukeln, die kurvenreichen Straßen zwischen dem üppigen Grün schaffen es immer wieder, mich die Wutausbrüche oder tränenreichen Momente dazwischen vergessen zu lassen. Die vielen korsischen Spezialitäten auf dem Teller und im Glas erfrischender Wein aus der Region schaden natürlich auch nicht.

Charaktergesichter und Leute, von denen man die Augen nicht abwenden kann, das ist Korsika. Foto: Doris

Charaktergesichter und Leute, von denen man die Augen nicht abwenden kann, das ist Korsika.

Und dann sind ja da noch die Korsen selbst, diese stolzen Persönlichkeiten und ausdrucksstarken Figuren, die jedem italienisch-französischen Film entstiegen sein könnten und ausladend gestikulierend den Stolz auf ihre Heimat nicht verbergen wollen oder gar können. In diese haben sich schon so manche Fremde verliebt – wie die Österreicherin Waltraud oder die Deutsche Jeannette zum Beispiel, die wir auf der Insel kennen lernen. Was macht es bei deren Herzlichkeit, deren Coolness, deren entspannter Gelassenheit, die so typisch für Insulaner ist, dass im Winter täglich zwei Stunden lang der Strom ausfällt? Oder dass ich mich in den fünf Tagen ziemlich verbiegen muss, um überhaupt einmal online zu gehen?

Ich habe mich verliebt ;-) Eines der bekanntesten Fotomotive Korsikas, das Herz. Foto: Doris

Ich habe mich verliebt – eines der bekanntesten Fotomotive Korsikas, das Herz.

Einer meiner Lieblingspodcaster, der Amateur Traveler, fragt seine Gäste zum Abschluss immer: In welcher Situation würdest du sagen “nur in…”? Nirgendwo fällt mir die Antwort so einfach wie auf Korsika: Nur in=auf Korsika … hatte ich so viel Pech und – trotzdem oder vielleicht gerade deswegen – so viel gelacht. Möchte ich wieder hin? Of co(u)rse!

Gelacht haben wir auf dieser Reise viel - trotz oder wegen der Pannen. Aber sicher nicht nur wegen Asterix. Foto: Christel

Gelacht haben wir auf dieser Reise viel – trotz oder wegen der Pannen. Aber sicher nicht nur wegen Asterix. Foto: Christel

P.S.: Achja, der Kollege mit seinem verschwunden geglaubten Rucksack hat heute übrigens ein Mail geschrieben: Er wurde angerufen, sein Hab und Gut wurde gefunden und wird sofort nach Österreich nachgeschickt. So ist das, auf Korsika!

 

Offenlegung: Danke an Atout France, Tourismusverband Corsika, NIKI Luftfahrt, Air Corsica & Accor-Hotels für die Einladung zur Pressereise. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben wie immer meine eigenen.

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Korsika J -98: Der Countdown läuft

J -6, noch sechs Tage also: Ganz Korsika fiebert der Tour de France entgegen, die am 29. Juni zum ersten Mal in der 100-jährigen Geschichte auf Napoleons Geburtsinsel stattfindet. Ganz…

J -6, noch sechs Tage also: Ganz Korsika fiebert der Tour de France entgegen, die am 29. Juni zum ersten Mal in der 100-jährigen Geschichte auf Napoleons Geburtsinsel stattfindet. Ganz Korsika? Fast. Nur für das kleine Künstlerdorf Pigna in den Bergen der südlichen Region Balagne läuft ein anderer Countdown: J -98 nämlich, denn Ende September verlässt Olympe Ricco ihr Restaurant „U Palazzu Pigna“ Richtung Los Angeles. Wären wir im Comic „Asterix auf Korsika“, das schon vor Jahrzehnten die stolzen Korsen und ihre Insel so treffend gezeichnet hat, könnte diese Geschichte nicht anders starten.

„Sie ist eine Entdeckung!“ „Die ist genial!“ „Was für eine Persönlichkeit!“ Unsere Lobeshymnen werden immer lauter, während Olympe, zweifache Mutter und seit 3 Jahren Mieterin des Lokals „U Palazzu Pigna“ zuerst unseren Tisch liebevoll deckt, um dann mit Händen und Füßen gestikulierend das Menü zu erklären.

Tischlein deck´dich - nein, Olympe deckt dich. Foto: Doris

Tischlein deck´dich – nein, Olympe deckt dich. Foto: Doris

Ungeschminkt, mit Leggings und Baby Doll-Kleidchen gekleidet, würde man nie vermuten, dass die Mittdreißigerin (ja, so alt wie ich, Hilfe!) nicht nur in einem 5-Sterne-Hotel aufgewachsen ist, sondern ihre Kindheit in der Hafenstadt Calvi mit Laetitia Casta und anderen Kindern aus reichem Haus verbracht hat. Jetzt ist sie selbst ein Star, auch wenn sie sich alles Andere als ein eben solcher benimmt.

Olympe gestikuliert mit Händen und Füßen. Typisch korsisch eben. Foto: Doris

Olympe gestikuliert mit Händen und Füßen. Typisch korsisch eben. Foto: Doris

Es ist ein Gesamtkonzept, das die leidenschaftliche Köchin, Genießerin und Kommunikatorin im Künstlerort Pigna geschaffen hat. Ein Paradies für alle, die das Echte und Außergewöhnliche lieben. Vor drei Jahren hat sie mit ihrem Mann, einem Ökonomen, das Restaurant neben dem kleinen, feinen Hotel U Palazzu Pigna gemietet, den etwas düster wirkenden steinernen Innenraum mit einem Sammelsurium von Flohmärkten und Antiquitäten liebevoll dekoriert und ein Menü kreiert, das aus den besten Zutaten lokaler Produktion stammt: Der Bruder fängt den Fisch frisch aus dem Meer, das Gemüse wird im Garten nebenan geerntet, der Bio-Wein kommt vom Gut ihres Cousins und den korsischen Nationalkäse Brocciu aus Schaf- und Ziegenmilch macht die Nachbarin. Qualität, die wir uns dann buchstäblich auf der Zunge zergehen lassen können!

Köstliches zur Einstimmung, Foto: Doris

Köstliches zur Einstimmung, Foto: Doris

Und weil das Auge mit isst, werden die Köstlichkeiten – zubereitet vom spanischen Koch – auch im Gastgarten serviert. Spätestens beim dessen Anblick hat dann Olympe wohl selbst die Härtesten und Coolsten für sich erobert:

Der Garten - einfach dort bleiben wollen! Foto: Doris

Der Garten – einfach dort bleiben wollen! Foto: Doris

Seit einiger Zeit gibt es im „U Palazzu Pigna“ allerdings einen etwas bitteren Nachgeschmack – den des Abschiednehmens nämlich. Ende September, in 98 Tagen, geht Olympe mit ihrer Familie nach Los Angeles und eröffnet nahe Santa Monica das erste korsische Restaurant, das „Napoleon & Josephine“. Es trifft sich gut, dass ihr Mann in den Staaten einen Universitätsplatz bekommen hat, denn im jetzigen Restaurant könnten Olympe und ihr Team nicht bleiben. Der Besitzer hat jemanden gefunden, der mehr für die Lokalität zahlt.

Das Menü ist so bunt, echt und ausgefallen wie Olympe selbst. Foto: Doris

Das Menü ist so bunt, echt und ausgefallen wie Olympe selbst. Foto: Doris

Los Angeles darf sich auf einen echten kulinarischen Schatz freuen: Olympe, die ihrem viel versprechenden Namen alle Ehre macht, behält nämlich das Grundkonzept von „U Palazzo Pigna“ auch in der Stadt der Engel bei. Freunde suchen schon jetzt passende  Flohmarkt-Fundstücke, die Napoleon und seiner ersten Gattin entsprechen, die Lieferanten für die korsischen Qualitätszutaten sind mit an Bord, der spanische Koch soll ebenfalls mit und sich selbst bleibt Olympe ohnehin treu. Denn auch wenn gut meinende Berater gesagt haben, sie müsse ihre Gerichte amerikanisieren und die Portionen vergrößern – „ich riskiere es, so zu machen, wie ich möchte“, erklärt die stolze Korsin und lässt ihre Leidenschaft für den Genuss einmal mehr durchklingen. Besonders groß ist das Risiko wohl nicht: Nicht nur, weil wohl aufgrund ihrer Herkunft der finanzielle Druck gering sein dürfte. Vor allem aber, weil sich Echtheit und Glaube an das, was man tut, immer bezahlt macht.

Einmal posieren bitte: Olympe vor der Dessert-Pause. Foto: Doris

Einmal posieren bitte: Olympe vor der Dessert-Pause. Foto: Doris

Wie im Flug vergeht die Zeit mit Geplauder, gutem Essen und Trinken: Dreieinhalb Stunden später müssen wir notgedrungen Olympe und ihr Restaurant verlassen. Wir haben – leider – noch anderes Programm vor uns. „Beim letzten Mal sind wir erst um 3.00 morgens hinaus gekommen“, meint unser Guide Stéphane mit einem Seufzer – zum ersten Mal in den drei Tagen unseres Zusammenseins hatte er ein Leuchten in den Augen. Wer keine weiteren Pläne hat, kann es ihm gleich tun und dann in Pigna in der Casa Musical übernachten, einem entzückenden – und ziemlich preiswerten – Hotel im Dorf, in dem ab und an auch Konzerte stattfinden. Wie gesagt: Ihr habt noch 98 Tage…

Restaurant – Bistrot – Terrasse panoramique U Palazzu Pigna, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Hotel, das unabhängig davon gleich nebenan existiert. Internet-Adresse gibt es keine, dafür eine Telefonnummer (0495 35 16 47) und Olympes Email: olympericco@gmail.com

Preise: Vorspeisen ab 10 Euro; Kuchen-Pause ab 7 Euro. Klingt jetzt viel, ist aber für Korsika, die Qualität und Quantität durchaus angemessen.

Die beste Reisezeit für Korsika sind Mai bis Juni und September; August sollte man aufgrund der Hauptferienzeit tunlichst vermeiden. Für Olympe würde ich aber jederzeit einen Besuch „riskieren“.Offenlegung: Danke an Atout France, Tourismusverband Corsika, NIKI Luftfahrt, Air Corsica & Accor-Hotels für die Einladung zur Pressereise. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben wie immer meine Eigenen.

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Fortgeblasen: Von Zweien, die seit 20 Jahren unter Segeln leben

Wir verstehen unsere Reisen nicht als Aussteigen auf Zeit, wir haben einen Lebensstil gefunden, der uns fasziniert und inspiriert und werden, solange wir dazu Lust haben, versuchen, unserer Liebe zur…

Wir verstehen unsere Reisen nicht als Aussteigen auf Zeit, wir haben einen Lebensstil gefunden, der uns fasziniert und inspiriert und werden, solange wir dazu Lust haben, versuchen, unserer Liebe zur See treu zu bleiben.

Es ist dieser Satz, der BesucherInnen auf der Website von fortgeblasen gleich zu Anfang in die Augen sticht. Zumindest mir ist es so ergangen. Nein, die beiden Österreicher Claudia und Jürgen sind nicht ausgestiegen, sondern mitten im Leben. Ein Leben, das für viele ungewöhnlich erscheinen mag, sind die beiden doch seit 1995 gemeinsam unterwegs – einen Großteil der Zeit davon über die Weltenmeere segelnd.

Ich habe die beiden dazu via E-Mail befragt. Hier sind Claudias Antworten – direkt aus Grönland. Genauer gesagt von der Westküste Grönland Sisimiut, dort sind die beiden nämlich gerade unterwegs ins arktische Kanada, um die Nordwest Passage zu fahren.

Doris: Ihr seid seit 1995 unterwegs, wie kam es dazu?

Claudia: Ich würde mal sagen: Die „zwei Richtigen“ haben sich gefunden. Wir waren beide reiselustig und so sind wir bald aufgebrochen.

Sie führen ein Leben, das für andere ein "Ausstieg" ist - für sie nicht. Foto: fortgeblasen

Sie führen ein Leben, das für andere ein „Ausstieg“ ist – für sie nicht.

Ihr wart ja beide sehr jung – 20 und 24 Jahre alt -, wie sehr hat sich euer Anspruch ans Leben, ans Reisen seither verändert?

Wie sehr hat sich unser Anspruch ans Leben geändert? Wir sind uns zwar nicht ganz sicher, ob wir die Frage richtig verstehen, aber wenn es darum geht, wie sich unsere Lebensanschauungen verändert haben, dann können wir vielleicht sagen, dass wir über die Jahre möglicherweise etwas unangepasster geworden sind, falls das geht. Unser Bedürfnis nach Selbstbestimmtheit und Freiheit ist, glaube ich, stärker geworden  Ich glaube schon, dass wir von unserem eingeschlagenen Lebensweg sehr geprägt worden sind und so ist es möglich, dass wir leicht exzentrisch geworden sind.

Die La Belle Epoque haben sie selbst restauriert. Foto: Fortgeblasen

Die La Belle Epoque haben die beiden selbst restauriert.

Die Änderung unseres Anspruchs ans Reisen? Ich denke, der ist vollwertiger geworden. Als Jugendliche steckte in mir sicher noch der Drang in die Fremde nach dem Motto „Österreich ist langweilig“ drin, das ist natürlich komplett verschwunden. Dafür ist heute das „Rundum“ wichtiger geworden – Wetterkunde, Wissen über Natur, Kultur, Beobachtungen. Die Zusammenhänge verstehen lernen, das eigene Verständnis von der Welt immer wieder erneuern. Gerade deshalb passt für uns auch das Segeln so gut: Denn damit zwingen wir uns praktisch, mit der Natur zu leben, die Abläufe zu beobachten, zu verstehen und damit umgehen zu lernen. Natürlich hat sich aber mit dem Alter auch der Anspruch des Reisens geändert: Die Strapazen unserer ersten Segelreise würde ich nicht mehr haben wollen – oder anders gesagt, wir sind etwas „g’scheiter“ geworden und wissen etwas mehr, wie es geht.

Wie viele dieser Jahre habt ihr auf einem bzw. mehreren Segelbooten verbracht – und gibt es da nie den Moment, wo ihr wieder festen Boden unter den Füßen haben wollt?

Etwas über acht Jahre. Über die Frage muss ich lachen, denn natürlich gibt’s die Momente – zum Beispiel, als wir im Jahr 2000 in einem Sturm in Seenot geraten waren und per Hubschrauber vom leck geschlagenen Boot abgeborgen wurden.

Das Leben auf hoher See ist zum Alltag geworden. Foto: fortgeblasen

Das Leben auf hoher See ist zum Alltag geworden.

Eure Seite fortgeblasen.at soll auch ein Infopool für Lang-SeglerInnen sein – was sind die drei wichtigsten Tipps, die ihr diesen geben könnt?

Es gibt nicht drei wichtige Tipps, deshalb der Infopool. Und falls es die gibt, müssen die auf keinen Fall für jeden gelten. Ich denke, wenn ich jemandem einen „Einsteiger-Tipp“ geben will, dann ist das der, dass man nicht den gängigen Ansichten über Boot und Material, den gängigen Routen über die Weltmeere oder den gängigen Zeitplänen der Segler folgen muss. Vieles ist möglich und Schafe gibt es schon genug! Das heißt allerdings nicht, dass wir Segelreisen ohne Plan und ohne Informationen über die Segelgebiete machen oder empfehlen.

Der „Vorwurf“ des Aussteigens, kommt der noch oder hat man euer Leben so akzeptiert? 

Viele Menschen sehen in uns – glaube ich – Aussteiger, wahrscheinlich, weil es nur so in ihr eigenes Weltbild passt und vielleicht auch, weil die Idee des Aussteigen etwas romantisiert wird. Ich bin kein Aussteiger, schon alleine deshalb, weil ich noch nie „eingestiegen“ bin. Zwei Wochen nachdem ich die Matura in der Hand hatte, ging unsere erste Reise (noch nicht mit Segelboot) los. Ich bin aber auch kein Aussteiger, weil wir sehr wohl wie gestört geschuftet haben, damit wir uns dieses Leben irgendwie leisten können. Wir haben uns eine Basis aufgebaut, von der wir jetzt leben können, haben ein winziges Einkommen und zahlen Steuern. Wir sind also nicht ganz draußen aus dem System (also weniger romantisch und mehr pragmatisch…).

Wie sah und sieht eure Familie zuhause eure Entscheidung, so unterwegs zu sein?

Mein Vater hat uns immer gepredigt, dass man nicht einfach träumen soll. Man soll seine Träume in Visionen verwandeln und dann daran arbeiten, sie auch umzusetzen. Ich muss zugeben, dass er sicherlich nicht daran gedacht hat, wohin meine Träume reichen könnten, meine ganze Familie ist so gestrickt – und sie zeigen mir immer wieder, dass sie stolz auf meine Art sind, mich zu verwirklichen (auch wenn sich Mum oft genug Sorgen macht). Jürgens Eltern sind da, glaube ich, sehr einfach gestrickt, nach dem Motto: Wir sind erwachsen und werden schon wissen, was wir tun. Sie geben uns das Gefühl, volles Vertrauen in uns zu haben.

Den schönsten Moment - der ist schwer auszumachen. Foto: fortgeblasen

Der schönste Moment – der ist schwer auszumachen.

Jede Entscheidung für etwas, heißt auch, sich gegen etwas zu entscheiden. Was war oder ist beides für euch?

Es gibt tausend Dinge, die wir gerne machen würden. Es gibt viele Arten an Leben, die interessant für uns wären. Manches verschieben wir auf später (eine Wüstenrallye…), manches wird sich leider nicht ausgehen. Was uns am meisten fehlt, haben wir allerdings nur verschoben: Tiere und die Möglichkeit, unsere Lebensmittel selbst zu produzieren, sprich, eigenes Land. Wir werden sicherlich nicht ewig Segeln und so können wir auch an diesem Wunsch irgendwann mal arbeiten.

Die Frage kommt natürlich immer wieder: Wie verdient ihr euren Lebensunterhalt? Und wie viel Geld braucht ihr überhaupt durchschnittlich im Monat?

Und die Antwort ist immer wieder unbefriedigend: Wir haben uns einen kleinen Besitz aufgebaut, von dem wir Einkommen haben, und man braucht so viel Geld wie man eben hat…

Es gibt wohl viel Atemberaubendes – und Bilder davon auf der Website.
Die La Belle Epoque ist euer Schiff, sie gehört euch? Wie lange hat die Restaurierung gedauert und wie wichtig war es für euch, die Restaurierung auch selbst durchzuführen?

Ja, La Belle Epoque ist schuldenfrei und gehört uns, wir haben sie in fünf Jahren komplett restauriert und es war vor allem wichtig für unsere Brieftasche, weil ein Segelboot, wie wir es wollten, nicht einfach am Markt erhältlich ist und ein neuer Werftbau von uns nicht finanzierbar ist. Natürlich hat die Restauration auch den Vorteil, dass wir so unser Schiff in- und auswendig kennen und Wartung und Reparatur selber vornehmen können. Wir wissen so auch ziemlich genau, was das Schifferl alles kann.

Wenn man so lange und so viel unterwegs ist, gibt es dann noch etwas, was auf der „Will-ich-unbedingt-sehen/erleben“-Liste steht?

Vieles… und es wird mit der Erfahrung der Reisen mehr, denn der Horizont wird größer, Vorurteile von außen werden weniger und die Selbstsicherheit, dass man etwas schaffen könnte, wird größer.

So manche Träume werden die Beiden später leben, jetzt ist der Traum auf hoher See dran. Foto: fortgeblasen

So manche Träume werden die beiden später leben, jetzt ist der Traum auf hoher See dran.

Was war der bisher schönste Moment auf der Reise?

Sehr schwer zu sagen, weil wir vor einer Fülle an Eindrücken und schönen Momenten strotzen. Wenn wir aber zur Zeit eine herrliche Phase auswählen sollen, dann gehört da sicher unsere letzte Winterzeit im Eis dazu. Die extreme Stille und Ruhe, die erhabene Natur um uns und das winzige Universum unserer Eisbucht waren sehr sehr herrlich. Aber wenn du nächstes Jahr fragst, ist die Antwort vielleicht wieder ganz anders…

Noch eine Frage zu eurem Leben als Paar: Auf so einem Segelschiff ist man ja meist allein zu zweit unterwegs, oder? Was ist das „Rezept“, dass das so funktioniert?

Wir haben Glück: Wir machen etwas, das wir beide wirklich mögen. Das soll heißen, dass nicht einer nur am Segelboot lebt, weil es der Traum des anderen ist. Im Generellen können wir aber sagen, dass es viel leichter ist, ein gemeinsames Leben zu führen als zwei getrennte Leben unter einen Hut zu bringen, so wie das „normale“ Paare zuhause in Österreich in der Regel machen müssen (zwei verschiedene Arbeitstage, jeder kommt gestresst heim, hat kein Ohr für den anderen, nervt sich plötzlich gegenseitig…). Das ist auch eine unserer Erfahrungen.

In ihre Heimat Österreich kommen sie wohl nicht so schnell zurück. Foto: fortgeblasen

In ihre Heimat Österreich kommen sie wohl nicht so schnell zurück.

Habt ihr eine Botschaft, die ihr anderen mit auf den Weg geben möchtet?

Träum‘ nicht einfach, mach aus deinem Traum eine Vision und dann arbeite daran, deine Vision umzusetzen.

Kommt ihr überhaupt wieder in eure Heimat Österreich zurück?

Wir kommen immer wieder mal nach Österreich, weil wir allerdings zur Zeit Richtung Pazifik aufbrechen, wird es diesmal eine Weile dauern.

Danke, Claudia und Jürgen – ich bin gespannt, wo es euch weiter hin bläst…

 

Wenn ihr ebenfalls wissen wollt, wohin es bei den beiden weiter geht: Auf fortgeblasen.at veröffentlicht das Paar Bilder, Texte und auch den Standort, an dem es sich gerade aufhält.

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Mein erstes Mal: Eine Nacht im veganen Hotel

„Vor einiger Zeit haben wir einen Teppich aus Wolle entdeckt“, erklärt mir der junge Mann an der Rezeption, „den haben wir natürlich gleich entsorgt.“ Nein, in der Loving Hut Pension ist…

„Vor einiger Zeit haben wir einen Teppich aus Wolle entdeckt“, erklärt mir der junge Mann an der Rezeption, „den haben wir natürlich gleich entsorgt.“ Nein, in der Loving Hut Pension ist alles Tierfrei: Keine Wolle, kein Leder, keine Daunen und schon gar keine tierischen Produkte, dafür aber viel Biologisches und FairTrade, auf den Tellern. Die Loving Hut Pension ist schließlich eine rein vegane Unterkunft. Letzteres ist auch der Grund, warum ich hier am Klopeiner See in Kärnten gelandet bin.

So sieht der Schlüssel zum Glück, ähm, zur veganen Loving Hut Pension aus. Foto: Doris

So sieht der Schlüssel zum Glück, ähm, zur veganen Loving Hut Pension aus. Foto: Doris

„Wie wäre es denn mit der Loving Hut Pension in Kärnten?“ – so lautete die Einladung einer Leserin über Facebook, als ich mich nach alternativen Reiseplänen erkundigt habe. Klar, dass ich sofort hellhörig wurde: In den Lokalen der veganen Fastfoodkette Loving Hut bin ich ja öfters, das Essen ist einfach zu gut. Aber seit wann haben die denn auch vegane Unterkünfte? Und dann ausgerechnet in Kärnten, dem Bundesland, das ich zwar wegen einiger dort beheimateter Freunde und seiner Landschaft liebe; wo aber bei meinem letzten Besuch das Finden eines vegetarischen Lokals in der Hauptstadt Klagenfurt nicht ganz einfach war.

Das könnte im Loving Hut nicht passieren. Im Juli 2010 wurde die Pension am Klopeiner See als weltweit erste Übernachtungsmöglichkeit der Kette eröffnet, in der es nicht nur vegan, sondern auch nicht-rauchend und alkoholfrei zugeht. Direkt neben dem veganen Loving Hut-Lokal, das über die Seepromenade zugänglich ist. In dem wird auch das Frühstück, das im – ab 74 € ohne Seeblick in der Nebensaison eher teurem – Zimmerpreisinkludiert ist, serviert. Außerdem können Gäste der Pension wie andere Besucher dort Mittag- und Abendessen konsumieren.

Bunt und knallig sticht die Loving Hut Pension hervor. Foto: Doris

Bunt und knallig sticht die Loving Hut Pension hervor. Foto: Doris

Nähert man sich von der Hinterseite, sticht das in knalligem, freundlichen Blau-Gelb gehaltene Gebäude aus dem Meer an Privatpensionen und Hotels hervor. Früher war das Gebäude, das lange leer gestanden ist, wohl eines von vielen hier: Seit der Übernahme durch drei Asiaten, die in die Liegenschaft am Klopeiner See investiert haben, ist das anders. Spätestens wenn man beim Zauntor hineingeht, wird das vermutlich jedem klar: Ein schön gepflegter Garten mit fein säuberlich geschnittenem Gras, auf dem alle möglichen Tonstatuen von Tieren verstreut sind. Ein bunter Gockel steht neben einem bemalten Pferd, eine Schar Gänse – nicht echt natürlich – bevölkern die Wiese, ein Papagei hängt auch irgendwo herum – ein bisschen kitschig ist es schon.

Tontiere, Sitzmöglichkeiten, bunte Lampions - der Garten des Loving Hut ist ziemlich voll und sehr gepflegt. Foto: Doris

Tontiere, Sitzmöglichkeiten, bunte Lampions – der Garten des Loving Hut ist ziemlich voll und sehr gepflegt. Foto: Doris

Noch deutlicher wird der asiatische Einfluss des Überladenen in der Pension selbst: Stile werden miteinander gemixt, bunte Möbel hier, dicke Teppiche dort, Lampions und Glaslampen, die von der Decke hängen, Plastikblumen in den Zimmern (,weil auch dieses Leben geschützt werden muss?). Daneben Poster von veganen und dementsprechend erfolgreichen Promis, Prospekte, die zeigen, wie sexy, gesund und glücklich man ohne tierische Produkte sein kann. Am positiven Effekt des Veganismus für den Menschen wie auch für die Umwelt zweifle ich als Vegetarierin ohnehin nicht. Hier aber packt mich zugegebenermaßen das schlechte Gewissen, bisher nicht völlig ohne tierische Produkte zu leben. Wie sich da wohl Fleischesser fühlen?

Ein Teil des Eingangsbereichs von der Loving Hut Pension. Foto: Doris

Ein Teil des Eingangsbereichs von der Loving Hut Pension. Foto: Doris

Am Gewöhnungsbedürftigsten für mich aber ist, dass Loving Hut zur religiösen Gruppierung rund um Supreme Master Ching Hai gehört – und das ist in der Pension nicht zu übersehen. Was mir in den Loving Hut Lokalen bisher nie so aufgefallen ist, wird hier deutlich: Die Kritik an der religiösen Führerin, eine Meisterin der Selbstpromotion zu sein, kommt nicht von ungefähr! Für meinen Geschmack lächelt sie mir hier zu oft von den Wänden entgegen, auf dem Flatscreen in der Eingangshalle werden Videos von Vorträgen und Konferenzen der Gruppe gezeigt – Programme, die unter anderem auch als Fernsehchannel im Zimmer laufen, wie ich später merke. Den Bücher und Weisheiten der Vietnamesin, der nicht nur die Loving Hut Gruppe gehört, sondern die auch ein Mode- und Schmuckbusiness betreibt, ist ein ganzes Zimmer gewidmet.

Jedes Zimmer ist mit einem Balkon ausgestattet - meiner sogar mit Seeblick, wobei Letzterer etwas enttäuschend ist. Foto: Doris

Jedes Zimmer ist mit einem Balkon ausgestattet – meiner sogar mit Seeblick, wobei Letzterer etwas enttäuschend ist. Foto: Doris

Hat man sich an diese Gegebenheiten gewöhnt, kann man sich aber in der Pension richtig wohl fühlen: Die Multi-Kulti-Mitarbeiter sind ruhig, freundlich und unaufdringlich, überall liegen Infos auch zu Ausflugsmöglichkeiten in der Region herum, dass jedes Zimmer einen Balkon hat, ist ein schöner Luxus, und dass man das „Fehlen“ von tierischen Produkten nicht einmal merkt, zeigt, dass wir sehr wohl ohne eben solche auskommen können. Sehr gut sogar!

Der Seezugang von der Loving Hut Pension ist ebenfalls ein Pluspunkt. Foto: Doris

Der Seezugang von der Loving Hut Pension ist ebenfalls ein Pluspunkt. Foto: Doris

Und dann ist da natürlich die Lage: Die Loving Hut Pension hätte sich eine schlechtere Location aussuchen können – der Klopeiner See zählt nicht nur zu den wärmsten Seen Kärntens (28 Grad Celsius!), sondern auch zu einem der Schönsten! Wie gut, dass gegenüber von der Pension eine private Wiese für Gäste vom Loving Hut geöffnet wurde – mit Steg und einem der herrlichsten Seezugänge überhaupt.

Der herrlichste Seezugang gehört zum Loving Hut. Foto: Doris

Der herrlichste Seezugang gehört zum Loving Hut. Foto: Doris

Was sagt Ihr: Da lässt sich doch locker ein Tag in der Sonne verbringen… ? Und danach gibt es die kulinarische Belohnung im Loving Hut. Denn dass vegane Ernährung alles andere als Entbehrung oder Verzicht bedeutet, davon hat die Kette schon einige überzeugt. Zum Beispiel die Leute aus der Nachbarschaft oder andere Touristen, die ebenfalls vorbei kommen, um im Loving Hut zu speisen. „Das ist das Beste, was ich seit langem gegessen habe“, schwärmt da eine ältere Dame mit Schweizer Akzent am Nebentisch und leckt die letzten Stücke der Schoko-(Käse)Topfentorte von der Gabel. Ich hätte es nicht besser formulieren können…

Ja, die ist vegan: Schoko-Käsetorte. Foto: Doris

Ja, die ist vegan: Schoko-Käsetorte. Foto: Doris

 
Loving Hut Pension
Am See XII 7/7a, A-9122 Sankt Kanzian
Tel.: +43 (0)4239 40150, Fax: +43 (0)4239 40150836, Email: info@lovinghutpension.at
Betrieb von Mai bis Oktober, Restaurant-Öffnungszeiten täglich: 11:00-14:30, 17:30-21:00 Uhr
Tipp: Die Runde um den Klopeinersee (ca. 5 km) ist eine herrliche Laufstrecke. Dringend empfohlen ist auch der Besuch der Wiese mit Seezugang und Privatsteg, das zur Loving Hut Pension gehört. Dort ist es wirklich schön!
 
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Wenn in Rovinj, mach es wie die Rovinjer

„Nur noch 2.000 Einheimische leben heutzutage in der Altstadt von Rovinj„, erzählt mir mein Bekannter Stefan, dem ich mehr oder weniger zufällig im Hotel Lone über den Weg laufe, „und…

„Nur noch 2.000 Einheimische leben heutzutage in der Altstadt von Rovinj„, erzählt mir mein Bekannter Stefan, dem ich mehr oder weniger zufällig im Hotel Lone über den Weg laufe, „und im Winter ist es ab 17.00 Uhr hier wie ausgestorben.“ Dieses, sein Wissen hat er von einem Tourguide, der ihn am Tag zuvor durch die kroatische Stadt geführt hat. Dass der Großteil der Menschen, die hier an diesen sommerlichen Tagen, über die Pflastersteine durch die engen Gässchen schlendern, Touristen sind, ist keine Überraschung – und doch gibt es sie, die Leute, die Rovinj ihre Heimat nennen und mich in ihren bunten Alltag hineinschnuppern lassen.

„Menschen mit einer guten Seele kommen immer wieder nach Rovinj zurück“, Jadranka, in Zagreb geborene Journalistin und Künstlerin, spricht aus Erfahrung. Vor zwei Jahren ist die Weltenbummlerin, die in Toronto und Florenz gelebt hat, in die istrische Stadt gezogen, hat sich – innerhalb einer Stunde – dafür entschieden, dort eine 21 qm2 große Wohnung zu kaufen und zählt seither zu deren rund 15.000 Einwohnerinnen. Ob Stefans Tourguide sie auch zu den Einheimischen zählen würde?

Enge Gassen, Pflastersteine, der Blick aufs Meer und jede Menge Kunst - Rovinj ist in jedem Fall bunt. Foto: Doris

Enge Gassen, Pflastersteine, der Blick aufs Meer und jede Menge Kunst – Rovinj ist in jedem Fall bunt. Foto: Doris

Vermutlich nicht. Genauso wenig wie einige ihrer Freunde – einen Deutschen, einen Holländer, einen Italiener -, auch wenn die schon seit über 30 Jahren den größten Teil ihrer Zeit in Rovinj verbringen, dort Häuser besitzen, mit Kroatinnen verheiratet sind und selbst das istrische Kroatisch besser sprechen (und verstehen) als so mancher Landsmann. Vom rovinj´schen Dialekt ganz zu schweigen. „Local“ würde man wohl auch Nicola nicht nennen, der vor einem Jahr im 10 km entfernten Wald von Rovinjsko Selo eine Heimat gefunden hat. Dort baut der Spanier, der sich als Straßenkünstler und Clown seinen Lebensunterhalt verdient, mit anderen gemeinsam ein Öko-Dorf „Balkan-Style“ auf.

Der Markt von Rovinj ist einer der teuersten in Kroatien.Foto: Doris

Der Markt von Rovinj ist einer der teuersten in Kroatien.Foto: Doris

Die Frage nach dem „richtigen Einheimischen“ ist wohl so alt wie Rovinj selbst. „Schau mal, hier wohnte die österreichisch-ungarische Bevölkerung„, zeigt Jadranka, die ich über CouchSurfing getroffen habe, bei unserem Spaziergang durch die Altstadt auf eine Häuserzeile, die anders als die engen, schmalen Gassen im Umkreis fast schon majestätisch weit ist – nur die Wäsche hängt hier wie dort fein säuberlich nach Farben und Mustern geordnet über unseren Köpfen. Die Straßennamen sind zweisprachig auf Italienisch und Kroatisch angeschrieben, in den Restaurants locken Pizza, Pasta und natürlich alles aus dem Meer. Die reiche Geschichte der Stadt, die im 3. oder 4. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt wurde, ist nicht zu verleugnen – und vielleicht ein Grund, warum sich in Rovinj so viele Menschen aus aller Welt ansiedeln.

Findest du das, was du suchst? Foto: Doris

Findest du das, was du suchst? Foto: Doris

„Als ich damals im November – also mitten im regnerischen Winter – nach Rovinj gezogen bin, haben mich meine Freundinnen bedauert“, erzählt uns Jadranka, während wir – ganz nach Art der Locals – um 13.00 Uhr mittags in der Bar Grota am Markt von Rovinj den ersten Weißwein vom eigenen Gut nippen („ein ganz prickelnder, erfrischender, leichter“ soll es laut Wirt sein). „Ich hatte damals gerade Besuch von einer Freundin aus Zagreb“, meint sie weiter, „wir haben uns frisches Gemüse am Markt gekauft, um zu kochen, und sind hier in der Bar gelandet. Auf ein Getränk. Was soll ich sagen: Wir sind erst um 23.00 Uhr nach Hause gegangen.“

Am Abend werden die Meeresufer zu Bars, in denen man u.a. auch Honigschnaps trinkt. Foto: Doris

Am Abend werden die Meeresufer zu Bars, in denen man u.a. auch Honigschnaps trinkt. Foto: Doris

Auch wenn es sich jetzt so anhören mag, einfach war es nicht für sie, die sich eher als „Weltenbürgerin“ denn als Kroatin fühlt, hier in Rovinj angenommen zu werden: Über das Kosten, Erkunden und Probieren des lokal produzierten – preisgekrönten – Olivenöls hat sie Stück für Stück Anschluss gefunden. „Mittlerweile habe ich sogar das Privileg, mich hier unter die Männer zu mischen und mit ihnen zu diskutieren“, meint die 50-Jährige, die sich – berechtigterweise – als sehr sozial bezeichnet, mit einem Augenzwinkern und prostet ihren Freunden zu.

Das tun "Locals": Sich Mittags in der Vinothek treffen, plaudern und die Zeit genießen. Foto: Doris

Das tun „Locals“: Sich Mittags in der Vinothek treffen, plaudern und die Zeit genießen. Foto: Doris

Das Bedauern ihrer Bekannten war definitiv unnötig, scheint doch der Alltag in Rovinj – selbst im Winter, wenn die Bürgersteige zugegebenermaßen schon um 17.00 hoch geklappt werden – durchaus lebenswert zu sein. Da werden ab und an im Restaurant Konoba Veli Joze Nächte zu Tagen gemacht, es wird auf Tischen getanzt, gemeinsam gesungen und gelacht. „Wo sonst tut man das schon?“, fragt Jadranka in die Runde, „in Toronto oder Florenz habe ich das jedenfalls vergeblich gesucht“.

Rovinj ist ein Schmuckstück. Foto: Doris

Rovinj ist ein Schmuckstück. Foto: Doris

Doch es wird nicht nur gefeiert, sondern auch viel gearbeitet – und vor allem viel Kunst gemacht: Überall scheint die Kreativität aus den alten Mauern und zwischen den Steinen ihren Weg durch zu finden. An jeder Ecke lädt ein Pfeil mit der Aufschrift „Art“ zum Stöbern, Schmökern, Staunen und – natürlich – Kaufen ein. Was kann man auch von einem Ort anderes erwarten, an dem sogar eine ehemalige Kapelle mit Blick aufs Meer in eine Kunstgalerie umgewandelt wurde?

Die Kirche, die zum Meer rausgeht - jetzt eine Ausstellungsfläche für Kunst. Foto: Doris

Die Kirche, die zum Meer rausgeht – jetzt eine Ausstellungsfläche für Kunst. Foto: Doris

In (mindestens) einem bin ich nach den zwei Tagen in Rovinj jedenfalls schon fast ein „local“: Ich schwärme beinah genauso von Rovinj wie sie… und zurückkehren muss ich sowieso. Nicht nur wegen meiner guten Seele, sondern auch um das – dann vielleicht fertige – Öko-Dorf von Nikola und seinen Freunden zu sehen. Das ist sich dieses Mal nämlich nicht ausgegangen, weil die Waldbewohner wegen der Hitze lieber ans Meer geflüchtet sind – denn auch das ist etwas, was die Einheimischen in Rovinj gern machen…

Der Hafen von Rovinj ist seit jeher ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Foto: Doris

Der Hafen von Rovinj ist seit jeher ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Foto: Doris

Wo du in Rovinj sonst noch Locals triffst:

> Morgens trifft man die Einheimischen beim Schwimmen: Sie springen direkt von den Felsen mitten in der Stadt ins kühle Nass. Das Meer ist nämlich in Rovinj glasklar, türkis und sauber…

> Es sind dieselben Felsen, die gegen Abend als Sitzgelegenheit fürs gemeinsame Cocktail- und Weintrinken dienen und zum Teil der vielen Bars am Meer werden. Zu finden sind sie an der Ulica Sv. Križa, die entlang der See bis zur Kirche Euphemia führen.

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> An dieser Straße ist auch ein süßes, kleines Lokal zu finden, das Male Madlene: Für seine köstlichen Desserts mittlerweile auf TripAdvisor berühmt, ist das winzige Zimmer – das eigentlich Teil einer Wohnung ist – vor allem auch eine Augenweide. Blumengestecke, Dekos, ein Bücherschrank im Eck – wie viel Liebe hinter allem steckt ist spürbar. Und die Geschichte hinter diesem besonderen Lokal ist ebenfalls ein paar Zeilen wert: Eine ältere Dame hat es nach dem Tod ihrer Tochter eröffnet, um wieder Freude am Leben zu erhalten und nicht ganz zu vereinsamen.

Übrigens: Besondere Stammgäste (und solche, die ganz lieb fragen)  dürfen sogar auf ihrer Terrasse direkt am Meer die Süßigkeiten genießen.

Die "Kleine Madeleine" begrüßt ihre Gäste in ihrem Wohnzimmer. Foto: Doris

Die „Kleine Madeleine“ begrüßt ihre Gäste in ihrem Wohnzimmer. Foto: Doris

> Frischen Fisch, Meeresfrüchte und vor allem Muscheln, aber auch einiges für Vegetarier wie mich (große Salate, Trüffelpasta & Co.) gibt es im Restaurant Scuba – und das für die zentrale Lage mitten in der Stadt zu erstaunlich guten Preisen. Mit leerem Magen geht dort keine(r) raus! Besondere Empfehlung sind auch der typische Honiggrappa und die „Scuba“-Torte.

Weiße Trüffel, dafür ist Istrien berühmt. Foto: Doris

Weiße Trüffel, dafür ist Istrien berühmt. Foto: Doris

> Täglich hat der Markt in der Altstadt von Rovinj bis um die Mittagszeit (manche stehen auch etwas länger) geöffnet. Im Sommer sind die Plätze heiß begehrt, im Winter ist sehr viel weniger los. Für die meisten Einheimischen führt der Weg nach dem Einkauf direkt in die Bar Grota… und irgendwann wieder dort hinaus. Der Markt selbst zählt übrigens zu den Teuersten in Kroatien (Preis 1 kg Kirschen: 30 Kuna, ca. 3 Euro)

Punta Corrente ist definitiv ein magischer Ort. Foto: Doris

Punta Corrente ist definitiv ein magischer Ort. Foto: Doris

Nur ca. 10 Minuten am Ufer lang führt der Weg in den Naturpark Punta Corrente, der mir gleich zu Beginn von allen Seite als „magischer Ort“ empfohlen wurde -und als einziger Platz in Rovinj, in dem es keine Autos gibt. Beides kann ich bestätigen. Genauso wie die Tatsache, dass es der Rovinjer (und Touristen) liebster Ort fürs Radfahren, Joggen, Picknicken, Yoga- und TaiChi-Machen und – natürlich – Schwimmen oder Schnorcheln ist, dieser größte botanische Garten Istriens mit seinen Zypressen- und Pinienbäumen.

Ja, ich fühle mich wirklich schon ein bisschen einheimisch hier. Foto: Doris

Ja, ich fühle mich wirklich schon ein bisschen einheimisch hier. Foto: Doris

Offenlegung: Danke an Stromberger PR und Hotel Lone für die Einladung zum Aufenthalt. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte sind und bleiben meine eigenen.

8 Kommentare zu Wenn in Rovinj, mach es wie die Rovinjer

7x anders schlafen: Meine Übernachtungstipps für Wien (Teil 2)

Schon im ersten Teil habe ich von alternativen und ökologischen Übernachtungskonzepten gesprochen. Heute gibt es noch mehr davon – und ich habe natürlich nicht alle Unterkünfte in Wien „abgeklappert“, hat doch…

Schon im ersten Teil habe ich von alternativen und ökologischen Übernachtungskonzepten gesprochen. Heute gibt es noch mehr davon – und ich habe natürlich nicht alle Unterkünfte in Wien „abgeklappert“, hat doch die Stadt die höchste Umweltzeichendichte der Welt. Ich habe mir lieber die Schmankerl ausgesucht – und stelle Euch in diesem Post noch drei weitere Möglichkeiten, als nachhaltig Reisende(r) in meiner Wahl-Heimatstadt zu schlafen. Alles Hotels, in denen ich auch meine besten Freunde unterbringen würde – vorausgesetzt, meine Couch ist besetzt.

5. Boutique Hotel Stadthalle: Einer muss der Erste sein

„Willkommen im weltweit 1. Stadthotel mit Null-Energie-Bilanz„, begrüßt das Boutique Hotel Stadthalle seine Gäste und BesucherInnen wie mich. Dass es sich um eben solches handelt, das ist schon beim Eingang kaum zu übersehen: Die Außenwand – noch grau – wird in Kürze auch mit Pflanzen begrünt werden, bei der Tür prangen die vielen Gütesiegel – von Umweltzeichen bis Fair Trade – an der Wand, die Pflanzenklimaschutzfassade, die in Zusammenarbeit mit der BOKU (Wiener Universität für Bodenkultur) betrieben wird, steht seit wenigen Wochen ebenfalls wieder im Eingangsbereich.

Der grüne Garten samt E-Velos zum Ausleihen. Foto: Doris

Der grüne Garten samt E-Velos zum Ausleihen. Foto: Doris

„Am Anfang stand der Beschluss von der Besitzerin, Frau Reitterer, ein Passivhaus ans alte Hotel zu bauen“, erklärt mir Monika Haas vom Boutiquehotel – dass es so etwas im Hotellerie-Bereich weltweit noch nicht gegeben hat, das hat man erst später festgestellt. Wegen „das ist unmöglich“-Kommentaren aufzugeben, das war keine Option und so wurde nicht nur ein 6-stöckiges Passivhaus errichtet, sondern auch eine Grundwasserwärmepumpe und eine Photovoltaikanlage installiert, eine Solaranlage aufs Dach gebaut, E-Scooter für Hotelgäste angeschafft und – natürlich – regionale, biologische Lebensmittel am Frühstücksbuffet eingeführt. Das sind nur ein paar der Eckdaten, bloß die geplanten Windrädern zur Stromgewinnung gibt es – noch – nicht. Nicht, weil es technisch nicht möglich wäre, sondern weil ein Nachbar Einspruch erhoben hat. Aufgeben – Ihr könnt es Euch denken – ist aber auch hier keine Option.

Über eine Minibar wird derzeit diskutiert: Aber nein, zu viel Energieverschwendung. Foto: Doris

Über eine Minibar wird derzeit diskutiert: Aber nein, zu viel Energieverschwendung. Foto: Doris

„Wir sind Stück für Stück gewachsen“, so Haas, „und die Gäste fordern es auch ein, wie wir anhand der Zufriedenheits-Fragebögen merken.“ Dabei kommen nicht alle, weil es sich um ein Haus mit Null-Energiebilanz – „es geht sich knapp aus“ – handelt. Manche merken es erst, wenn sie die grünen Aufkleber in ihren Zimmern vorfinden: „No Minibar“ heißt es da zum Beispiel auf einem, ein Commitment gegen einen erhöhten CO2-Ausstoß, der den fehlenden Punkt auf die 4-Sterne-Kategorie kostet. Es ist eine bewusste Entscheidung.

Der Blick aufs Lavendeldach, das derzeit noch nicht lila, sondern grün ist. Foto: Doris

Der Blick aufs Lavendeldach, das derzeit noch nicht lila, sondern grün ist. Foto: Doris

Statt Mini-Bar gibt es etwas – meiner Meinung nach – viel Besseres: Den Ausblick auf ein (im Sommer vermutlich schön lilafarbenes) Lavendeldach zum Beispiel und so viele Sträucher sowie Bäume im Garten, Weinreben an den Hauswänden, dass der Leitspruch „Wohnen mitten im Grünen mitten in der Stadt“ nicht treffender sein könnte. Und wer sich noch ein Stück vom Stadthotel mitnehmen möchte, der findet in der Vitrine im Eingangsbereich handgemachte Souvenirs – wie wäre es zum Beispiel mit Lavendelherzen oder einer Lavendel-Schoko-Torte, na!?

Boutique Hotel Stadthalle: Hackengasse 20, 1050 Wien, ab € 128,- pro Nacht, http://www.hotelstadthalle.at/

6. Urbanauts: Das horizontale Hotel im „Grätzel“

Dass man und vor allem was man aus leerstehenden Gassenlokalen so alles machen kann, das beweisen seit 2011 die Urbanauts. Anders als in Städten wie London darf man in Wien nämlich bisher in ehemaligen Geschäftsräumlichkeiten nicht wohnen – leider. Also haben die Architekten Theresia Kohlmayr, Jonathan Luther und Christian Knapp mit einer ehemaligen Schneiderei das Pilotprojekt „horizontales Hotel“ gestartet. Nein, nicht, was Ihr denkt: Im leerstehenden Raum im Erdgeschoß wurden Bad und WC eingebaut, die Wände zur Straße mit Schalldämmung vor Lärm geschützt, die großen Auslagenfenster mit verdunkelten Gläsern abgeschirmt – ein 25 qm großes Hotelzimmer mit Mini-Bar, Internet und Co. entstand. An die Vergangenheit erinnern nicht nur der Name „Die Schneiderin“, sondern auch eine große Foto-Wand gestaltet durch die Künstlerin Sue Sellinger und handgemachte Hosen sowie T-Shirts, die Gäste anprobieren und dann gern bei den Urbanauts kaufen können.

Der "Schneiderin" sieht man ihr Vorleben an - so soll es auch in den anderen Ex-Gassenlokalen passieren. Foto: Doris

Der „Schneiderin“ sieht man ihr Vorleben an – so soll es auch in den anderen Ex-Gassenlokalen passieren. Foto: Doris

„Wir haben versucht, die vertikal angeordnete Hotelstruktur horizontal ins Grätzel (= Viertel) auszulagern“, erklärt Theresia, die selbst Erfahrung in der Hotellerie mitbringt. Heißt: Statt Frühstück oder Wellness-Bereich im Hotel selbst, empfiehlt Urbanauts „fellows“ in der Umgebung – ein Kaffeehaus in der Straße, die Bar ums Eck, das Hammam in der Nachbarschaft. Damit die leicht erreicht werden können, stehen vor dem Haus zwei Fahrräder – Vespas können als „Extra“ angemietet werden.

Der Schlüssel zum Hotelzimmer ist via Code zugänglich, wie stark man in der "Auslage" sitzen möchte, kann via verdunkelten Fenstern reguliert werden. Foto: Doris

Der Schlüssel zum Hotelzimmer ist via Code zugänglich. Wie stark man in der „Auslage“ sitzen möchte, kann via verdunkelten Fenstern reguliert werden. Foto: Doris

Über Empfehlung funktioniert auch die Bewerbung der Urbanauts, an deren Konzept andere Städte ebenfalls Interesse haben. Bisher erfolgt eine Buchung nur über die Website – eine Erweiterung auf andere Plattformen ist angedacht und vermutlich auch notwendig, wenn die nächsten Hotelzimmer nach dem gleichen Konzept aufsperren: Noch im Juli werden die jeweils 35qm großen „Galerist“ und „Künstler“ öffnen, im September ist „Der Schlosser“ an der Reihe.

DVDs, ein Stadtplan sowie passende Kleidungsstücke (zum Probieren und späteren Kaufen) liegen in der Schneiderin auf. Foto: Doris

DVDs, ein Stadtplan sowie passende Kleidungsstücke (zum Probieren und späteren Kaufen) liegen in der Schneiderin auf. Foto: Doris

Urbanauts: Favoritenstraße 17/ G3-5, 1040 Wien (geplante Home-Base in der Belvederegasse 26, 1040 Wien – Eröffnung 2014), ab € 120,- pro Nacht, http://www.urbanauts.at/

7. Hotel Der Wilhelmshof: Ganzheitlich vom Dach bis zur Garage

Wer mit einem der Trés-Hombres befreundet ist und deren fair transportierten Rum verkauft, der kann nur sympathisch sein. Wer noch dazu seit 2008 die größte Solaranlage der Wiener Hotellerie im Einsatz hat oder durch so „Kleinigkeiten“ wie eine Haus gemachte (vom Vater „gebastelte“) Heizungsregelung 20% der Kosten sowie jede Menge Energie spart, punktet gleich noch einmal – bei mir zumindest. Roman Mayrhofer, Geschäftsführer und mit seinem Bruder Eigentümer des Familienbetriebs „Der Wilhemshof“ macht mir bei seiner Hausführung klar, dass der Anspruch der „Ganzheitlichkeit“ im 4-Sterne-Hotel nicht (nur) auf dem Papier zu finden, sondern seine Einstellung ist.

Das Hotel Wilhelmshof hat schon seit 2008 die größte Solaranlage - aber erst 2010 davon erzählt. Foto: Doris

Das Hotel Wilhelmshof hat schon seit 2008 die größte Solaranlage der Wiener Hotellerie – aber seit 2010 erzählt es darüber. Foto: Doris

„Bei jeder Entscheidung muss man auch die ökologischen Kriterien heranziehen“, erklärt er und ist überzeugt: „Im Hintergrund kann man so viel machen“ – vor allem, wenn einem die Immobilie gehört, wie das beim Wilhelmshof seit Generationen der (Ideal)Fall ist. „Energie ist dabei der größte Hebel“, meint Mayrhofer und ist stolz, dass 45% der Energiebedarfs über die Solaranlage gewonnen wird. Es ist auch ein wirtschaftlicher Erfolg, der ohne das unternehmerische Risiko im Vorfeld aber nicht möglich wäre – schließlich investiert man gerade bei für den Gast unsichtbaren Dingen anfangs enorm.

Ein ganz besonderes Designzimmer im Wilhelmshof. Foto: Doris

Ein ganz besonderes Designzimmer im Wilhelmshof – gestaltet von TyWaltinger. Foto: Doris

Ein „plakatives Thema“ wie die Solaranlage ist wichtig für die Kommunikation, aber nicht das Einzige, was den Wilhelmshof besonders – anders – macht. Ganz offensichtlich ist da vor allem die Kunst: Der österreichische Künstler TyWaltinger hat aus dem Hotel – Schritt für Schritt – ein Kunsthotel gestaltet. „Eines, in dem den Gast die Kunst aber nicht überfährt“, wie Mayrhofer wichtig ist zu zeigen – und tatsächlich ist sie in einigen Räumen nur ganz dezent merkbar. In anderen dafür stärker, nie aber aufdringlich. Das Konzept zieht sich übrigens bis zur Garage (!) durch, und TyWaltinger arbeitet selbst stark mit natürlichen Farbpigmenten und den Kräften der Natur zusammen – ganzheitlich eben!

Speziell ist der Wilhelmshof, auch die Garage. Foto: Doris

Speziell ist der Wilhelmshof, auch die Garage. Foto: Doris

Hotel Wilhelmshof: Kleine Stadtgutgasse 4, 1020 Wien, ab € 120,- pro Nacht, http://www.derwilhelmshof.com

Weitere Tipps zu einem alternativen, nachhaltigen Wien-Besuch habe ich für einfachbewusst.de geschrieben >> http://www.einfachbewusst.de/2013/04/nachhaltiges-reisen-wien-und-darmstadt/ 

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7 Mal anders schlafen: Meine Übernachtungstipps für Wien (Teil 1)

Statt „Wien ist anders“ sollte der nächste Werbeslogan für meine Wahl-Heimatstadt eher lauten: „In Wien schläft sich es anders“. Seit einiger Zeit schießen viele spannende, alternative Konzepte für Übernachtungsmöglichkeiten – von…

Statt „Wien ist anders“ sollte der nächste Werbeslogan für meine Wahl-Heimatstadt eher lauten: „In Wien schläft sich es anders“. Seit einiger Zeit schießen viele spannende, alternative Konzepte für Übernachtungsmöglichkeiten – von günstig bis hochpreisig – aus dem Boden. Daneben setzen zahlreiche Hotels auf umweltfreundliche Modelle. Sieben dieser etwas anderen Schlafplätze, die es mir besonders angetan haben, stelle ich in diesem und in meinem nächsten Artikel vor. Wer weiß, wofür es der eine oder die andere brauchen kann…

1. Chez Cliché – Wohnen bei (falschen) Freunden

Wohnen in Privat-Apartments à la airbnb ist ja längst nichts Neues mehr und wird auch in Wien häufig genutzt. Der heißeste Trend aber ist: Wohnen bei (falschen) Freunden. Die beiden Wiener Claudia Diwisch und Gerald Tomez, die mit dem Tourismus bisher nichts zu tun hatten, haben sich von der Idee eines Wahl-Berliner Freundes anstecken lassen und vermieten seit Oktober acht Wiener Apartments, die unter anderem dem Ex-Jockey Raul, der Botanikerin Sophie, Mozart-Fan Marie Therese oder Theaterliebhaber Koloman gehören. Das Spannende daran: Diese Personen sind alle erfunden…

Marie Therese wohnt stilvoll, wie es sich für eine Mozart-Liebhaberin gehört. Foto: Doris

Marie Therese wohnt stilvoll, wie es sich für eine Mozart-Liebhaberin gehört.

…aber so echt, wie möglich: Nicht nur die Wohnungen sind mit einer Liebe zum Detail aus einer Mischung aus alten, neu hergerichteten und modernen Stücken so eingerichtet, dass ich immer erwartet habe, ihre Besitzer – zum Beispiel Stewardess Bella oder Platten-Sammler-Beat – würden gleich um die Ecke kommen. Auch auf Facebook sind Kolomann und Co vertreten. Ob ihre „Freunde“ im Social Network wissen, dass sie gar nicht existieren?

Beat sammelt Platten - und überhaupt erinnert alles in der Wohnung an Musik. Foto: Doris

Beat sammelt Platten – und überhaupt erinnert alles in der Wohnung an Musik.

Wer bei Chez Cliché, so heißt das Unternehmen, bucht, kann das entweder über airbnb oder direkt über die Website tun. Bei der Abholung durch die beiden Gründer gibt es dann nicht nur den Schlüssel, sondern auch die Telefonnummern. Das ist nämlich einer der vielen Pluspunkte beim Wohnen bei diesen „falschen“ Freunden: Das Team von Chez Cliché ist immer für seine Gäste erreichbar und liefert Insider-Tipps und lokale Empfehlungen für den Aufenthalt.

Dass Beat nicht echt ist? Wer hätte das bei der stimmigen Einrichtung gedacht? Foto: Doris

Dass Beat nicht echt ist? Wer hätte das bei der stimmigen Einrichtung gedacht?

Weitere Pläne gibt es auch – unter anderem den für eine Verdoppelung der Apartments in Wien. Schließlich warten neue Persönlichkeiten schon auf eine – ihre – Heimat…

Chez Cliché: Verschiedene Locations im 1., 2., 7. und 9. Bezirk, Privat-Wohnungen ab 189 Euro pro Nacht (mindestens zwei Nächte), chezcliche.com

2. Pop_Inn 111: Pop in, Pop up

Das Pop_Inn 111 als eine Übernachtungsmöglichkeit vorzustellen, ist fast schon eine Beleidigung. Dieses Hostel, in dem man zwischen Wänden voller Kunst und auf Betten aus Bierkästen schläft, ist viel mehr als „nur“ eine Übernachtungsmöglichkeit. Es ist Teil des Projekts Trust 111, und ein „Modellversuch, leerstehende Häuser zu nutzen und eine Community aufzubauen, von der sowohl die Menschen, das Gebäude wie auch die Umgebung profitieren.“, so erklärt es mir die Holländerin Margot, eine der Verantwortlichen. Die Stadtsoziologin arbeitet für den Verein onorthodox – tackling urban issues und ist vor allem für den theoretischen Teil zuständig, schließlich handelt es sich hier um ein Pilotprojekt, das sowohl national wie international auf reges Interesse stößt.

Im Pop_Inn 111 schläft man auf Bierkisten statt in "normalen"Betten. Foto: Doris

Im letzten Jahr ist Architekturstudent Lukas vom Verein ImPlanTAT – Netzwerk für ZwischenNutzungen  auf das leerstehende Haus in der Schönbrunner Straße 111 gestoßen. Dem geht es wie einigen Gebäuden zurzeit: Es soll modernisiert und umgebaut werden, die Pläne sind vorhanden, die Finanzierung steht auf dem Papier – nur der Baustart lässt auf sich warten. Das macht sich das Projekt „Trust111“ zu Nutze. Mit Einverständnis des Eigentümers und mittlerweile unter wohlwollender Beobachtung der Stadt Wien wurden sie zu Zwischenmietern des Gebäudes, haben die Wände gestrichen, die Abflüsse repariert. Künstler nutzen einen Teil des Hauses und zahlen für die Ateliers einen Vereins-Mitgliedsbeitrag, in der Bar „No Borders“ im Erdgeschoss können Getränke nach dem „pay as you wish“-Prinzip konsumiert werden und nebenan ist gerade die Ausstellung What the shop zu sehen.

Sisi-Zimmer: Ein bisschen Verarschung, ein bisschen Nostalgie, viel Wien. Foto: Doris Schlafen in der Ausstellung, dem Sisi-Zimmer: Ein bisschen Verarschung, ein bisschen Nostalgie, viel Wien. Foto: Doris

Schlafen in der Ausstellung, dem Sisi-Zimmer: Ein bisschen Verarschung, ein bisschen Nostalgie, viel Wien.

Und dann ist da natürlich noch das temporäre Guesthouse „Pop_Inn 111“, in dem mit Service – „Wir sind immer da und können Tipps für Wien geben!“ – wett gemacht wird, wenn in den sanierungsbedürftigen Mauern wieder einmal die Elektrizität ausfällt. Buchbar sind Mehrbettzimmer und Themenräume mit Namen wie White Cube Himmel, Wiener Aktionismus, Franz Josef oder Sisi. Räume, bei denen es sich eigentlich um Ausstellungen handelt. „Indoor Camping“ steht auf einer anderen Tür, hinter der sich ein Zimmer mit grünem Rasenteppich, Zelt und Klappstuhl verbirgt. Ein Trostpflaster dafür, dass Outdoor-Campen am Dach nicht möglich ist – den Nachbarn zuliebe.

Indoor statt Outdoor-Camping: Im Pop_Inn 111 findet man für jede Herausforderung eine Lösung. Foto: Doris

Indoor- statt Outdoor-Camping: Im Pop_Inn 111 findet man für jede Herausforderung eine Lösung.

Work in progress ist bei Trust111 so einiges: Vom Ausbau der Zimmer bis hin zu einer Fahrradwerkstatt, von Urban Gardening (dem das konstante Regenwetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat) bis zu Filmvorführungen im „Kino-Zimmer“, von Sprachkurs-Angeboten auch für sozial Schwächere bis zur angrenzenden Café-Küche. Ob, wann und was davon realisiert wird beziehungsweise was sonst noch passiert, wird die Zeit weisen – und vor allem auch davon abhängen, wie lange Trust111 das Haus in der Schönbrunner Straße 111 nutzen kann. Denn dass alles jederzeit vorbei sein kann, dessen sind sich Lukas, Margot und ihre Mitstreiter bewusst.

Pop_Inn 111:  Schönbrunner Str. 111, 1050 Wien, Hostel-Bett 15 Euro pro Nacht, Apartment ab ca. 60 Euro pro Nacht, popinn111.wordpress.com

3. und 4. Hotel Topazz und Lamée: 4+ Sterne für Nachhaltigkeit

Wasserkrug, selbstgemachtes Müsli & Liebe zum Detail gibt es sowohl im Topazz als auch im Lamee. Foto: Doris

Wasserkrug, selbstgemachtes Müsli und Liebe zum Detail gibt es sowohl im Topazz als auch im Lamee.

„Unser Zugang ist nicht, wir bauen ein Haus, sondern: Wir haben da ein Gebäude, was machen wir daraus?“ Schon der Ansatz, nach dem die beiden Luxus-Hotels (im 4-Stern-Superior Segment angesiedelt) mitten in der Wiener Innenstadt gestaltet wurden, spricht für sie. Dass sowohl beim Topazz, als auch bei dessen Schwesternhaus Lamée gegenüber der Umweltgedanke zählt, habe ich nur durch Zufall herausgefunden: Im Rahmen der heurigen ERDGespräche nämlich wurden einige Vortragende dort – kostenlos – beherbergt. Das „Tu-Gutes-und-rede-darüber“-Modell steckt hier erst in den Startlöchern…

Das Lamee spielt mit dem Stil der 30er Jahre. Foto: Doris

Das Lamée spielt mit dem Stil der 30er Jahre.

„Neben dem einzigartigen Design ist Nachhaltigkeit ein weiterer Schwerpunkt von uns.“, erklärt mir Geschäftsleiterin Christiane Weissenborn, die ihren Job in der Immobilienbranche „nebenbei“ weitermacht. Vor allem ökologische, natürliche Baumaterialien wurden verwendet und beim Frühstücksbuffet wird Regionales, Selbstgemachtes wie die Müsliriegel oder Marmeladen aufgetischt, der biodynamische Wein kommt aus der unternehmenseigenen Winzerei. „Ganz selten beschwert sich ein Gast, dass es keine Ananas gibt.“, steht Weissenborn hinter ihrem Konzept, Obst saisonal anzubieten. Alles ist in Gläser und kleine, verzehrbare Portionen abgepackt und die Größe der Seife ist gerade richtig für den Durchschnittsaufenthalt der Gäste von 1,4 Tagen.

Im Topazz schläft man mit ruhigem Gewissen. Foto: Doris

Im Topazz schläft man mit ruhigem Gewissen.

Die beiden Häuser sind aber vor allem in einem einzigartig in Wien: In ihrem Mix aus Design und Niedrigenergie. Denn Heizung und Kühlung der beiden Häuser mit ihren je 32 Zimmer erfolgt über einen Brunnen, der im Topazz steht und dessen Wasser unterirdisch auch ins gegenüber liegende Lamée weitergeleitet wird. „Es ist ein etwas lahmes System,“, kennt Weissenborn nach dem ersten Jahr die Schwierigkeiten, „weil es sich langsam an die Außentemperatur anpasst, haben wir schon Kritik eingefangen. Erst wenn wir es erklären, verstehen die Gäste.“ Schon besser kommt da die Wohnraumlüftung an, die ständig Frischluft zuführt – das „Geheimnis, warum man sich so wohlfühlt“. Letzteres könnte aber auch an so liebevollen Kleinigkeiten liegen wie dem Picknick im Bett, das statt des normalen Frühstücks gern aufs Zimmer serviert wird. Korb, Porzellangeschirr und Decke inklusive.

Auch die Betreiber LENIKUS Designhotels haben große Pläne: Ein bis zwei weitere Häuser sollen noch in der Innenstadt eingerichtet werden.

Hotel Topazz bzw. Hotel Lamée: Lichtensteg 3 bzw. Rotenturmstraße 15, ab 198 Euro pro Nacht, hoteltopazz.com

 

Weitere Tipps zu einem alternativen, nachhaltigen Wien-Besuch habe ich für einfachbewusst.de geschrieben >> www.einfachbewusst.de/2013/04/nachhaltiges-reisen-wien-und-darmstadt/ 

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Wer den Kränzelhof be-suchet, der findet

„Jetzt kennst du meine ganze Lebensgeschichte.“, meint er, während er vor mir mit bloßen Füßen, die Schuhe in der einen Hand, sein Sakko in der anderen, durchs Gras stapft. Keine schlechte…

„Jetzt kennst du meine ganze Lebensgeschichte.“, meint er, während er vor mir mit bloßen Füßen, die Schuhe in der einen Hand, sein Sakko in der anderen, durchs Gras stapft. Keine schlechte Leistung, nachdem wir uns vor weniger als einer Stunde kennen gelernt haben. Ob’s an mir liegt? Oder am Venetiano, den wir gemeinsam genossen haben? Vielleicht. Ich habe aber den Verdacht, dass es vielmehr an dem Ort liegt, an dem wir uns gemeinsam befinden.

Der Be-Sucher schließt sich den Suchenden an. Vielleicht wird ihm auch dabei bewusst, was er in seinem eigenen Leben sucht oder zu finden hofft.“ Begrüßungsschild beim Eingang zum Kränzelhof

Der Kränzelhof im Südtiroler Tscherms ist schwer zu beschreiben. Anders ist dieser 20.000 Quadratmeter große Grünraum auf jeden Fall – im Vergleich zum nah gelegenen, fein säuberlich gepflegten Meran mit seinen schmucken Gärten und großflächigen Parks, die an die glorreiche Geschichte erinnern. Aber auch anders als die nutzbaren Apfel- und Weingärten der Umgebung oder die Wälder rund um die Waalwege, diesen Wanderpfaden neben den alten Flusssystemen im Meraner Land.

Im Kränzlhof kann man sehr gut essen und trinken. Genauer gesagt im Gasthof miil. Foto: Doris

Essen, trinken und sich freuen – im Gasthof miil im Kränzlhof.

Wild und doch kunstvoll kommt der Kränzelhof daher, diese „lebendige Installation“: Kunstwerke, mehr oder weniger temporär, sind überall verstreut; auf zig-Grasstufen ist ein Theater entstanden; mittendrin ein grüner Raum aus bewachsenen Mauern; Schaukel, Steintische und -bänke rufen ein „Bleib‘ hier, rast‘ auf mir!“; die Füße zieht’s zum kühlen Teich. Das Herzstück ist wohl aber der Irrgarten, dessen Wände jetzt im Mai noch kahl wirken, bald aber schon mit Weinreben bewachsen keinen Blick, keine Orientierung, mehr durchlassen.

Füße hoch, schaukeln und in Gedanken schwelgen. Foto: Doris

Füße hoch, schaukeln und in Gedanken schwelgen.

Es ist ein Ort zum Barfußlaufen, zum Fühlen, zum Verweilen, zum (Nachmit)Tag-Verplempern, zum Nachdenken, sich Inspirieren lassen und zum Philosophieren. Über den Sinn und Unsinn dessen, was wir suchen und vielleicht doch nicht finden sollen; übers Leben, das Dasein, die Freude, den Schmerz, das Lernen, das Altern… und übers Reisen.

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Genau das tun wir, der Fremde und ich. Und vielleicht auch du?

Lass dich inspirieren!

Jede Reise ist wie ein eigenständiges Wesen, keine gleicht der anderen. (John Steinbeck)

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Man reist nicht, um andere Orte kennenzulernen, sondern um sich anderen Situationen auszusetzen. (Unbekannt)

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Es ist ein gar charmantes herrliches Ding ums Reisen. Reisen muss man, oder man kommt hinter nichts. (Voltaire)

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Steigst du nicht auf die Berge, so siehst du auch nicht in die Ferne. (Unbekannt)

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When you realize there is nothing lacking, the whole world belongs to you. (Lao Tzu)

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Eine Reise ist ein vortreffliches Heilmittel für verworrene Zustände. (Franz Grillparzer)

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Es ist ein angenehmes Gefühl, auf dem Rücken zu liegen und den leichten, weißen Wolken nachzueifern mit reiselustigen Gedanken. (Paul Zech)

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Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat haben. (Theodor Fontane)

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Reisen sollte nur ein Mensch, der sich ständig überraschen lassen will. (Oskar Maria Graf)

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 Wer immer nur funktioniert, entzieht sich dem Abenteuer des Lebens. (Armin Müller-Stahl)

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Je nachdem, wie mutig ein Mensch ist, expandiert oder schrumpft sein Leben. (Anais Nin)

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Die Chance klopft öfter an, als man denkt. Doch meistens ist man nicht zu Hause. (Unbekannt)

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Man schiebt viel lieber auf als an. (Klaus Klages)

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Reisen ist, in jedem Augenblick geboren werden und sterben. (Victor Hugo)

There is hope if people will begin to awaken that spiritual part of themselves, that heartfelt knowledge that we are caretakers of this planet. (Brooke Medicine Eagle)

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You’ve got a lot of choices. If getting out of bed in the morning is a chore and you’re not smiling on a regular basis, try another choice. (Steven D. Woodhull)

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Offenlegung: Danke an Südtirol Tourismus für das Ermöglichen dieses Besuchs und fürs Inspirieren! 

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Wie du als Backpacker in Kambodscha den Menschen wirklich helfen kannst!

Ein Gastbeitrag von Carina, die seit ihrer ersten Weltreise die Reisesüchtige von „Pink Compass – Der Reiseblog für Frauen“ ist. Dieser ist eine Plattform für allein reisende Frauen jeden Alters, ihr findet…

Ein Gastbeitrag von Carina, die seit ihrer ersten Weltreise die Reisesüchtige von „Pink Compass – Der Reiseblog für Frauen“ ist. Dieser ist eine Plattform für allein reisende Frauen jeden Alters, ihr findet dort neben Reiseberichten vor allem Tipps und Tricks, die speziell Frauen beim allein reisen helfen.

Bevor ich nach Kambodscha gereist bin, habe ich viele Artikel darüber gelesen, wie es dort sein wird. Was mich erwarten wird und welch unterschiedlichen Eindrücken ich ausgesetzt werden würde. Ich habe von Angkor Wat gelesen, den Märkten in Siem Reap und den Floating Villages. Und ich habe über die Armut, die bettelnden Menschen und die Souvenir verkaufenden Kinder gelesen. Und trotzdem kannst du dich durch Lesen nicht immer darauf vorbereiten, was dich tatsächlich in Kambodscha erwartet.

Banteay Kdei

Deshalb möchte ich dir hier ein paar Verhaltens-Tipps mit auf den Weg geben, die dir die Möglichkeit geben sollen, positive Spuren in diesem immer noch vom Krieg gebeutelten, aber interessanten und spannenden Land zu hinterlassen. Die dir aber auch gleichzeitig aufzeigen, welche Fallen in der sogenannten Charity-Wirtschaft Kambodschas mittlerweile bestehen und wie du sie umgehen kannst!

Don’t…

Kaufe nichts von den Kindern in Angkor Wat!

Sobald du das Gebiet rund um Angkor Wat betrittst, wirst du dich auch schon umringt finden von Kindern, die dir Souvenirs, Postkarten oder Getränke anbieten – ganz besonders an den bekanntesten Tempeln der Anlage. Auch wenn dir dein erster Instinkt vielleicht sagt, dass du damit die armen Kinder unterstützt und ihnen Ernährung und Schulbildung ermöglichst, tu es nicht! Denn du erreichst damit genau das Gegenteil! Diese Kinder sollten eigentlich gerade jetzt in der Schule sein und je mehr sie verdienen, desto mehr bestätigst du ihren Eltern, dass es lohnender ist, sie an Tempeln ausharren zu lassen, als sie in die Schule zu schicken.

Besuche keine Kinderheime!

In Kambodscha ist es spätestens seit Angelina Jolie fast üblich geworden, ein Kinderheim zu besuchen, sich die Umstände anzuschauen, unter denen sie leben müssen, eine Spende dort zu lassen und sich guten Gewissens wieder dem Luxus des Lebens als wohlhabender Europäer zuzuwenden. Im Grunde genommen bin ich für alle Arten von Spenden. Allerdings haben schlaue Menschen nun selbst darin einen Markt entdeckt und teilweise inszenierte Kinderheime erbaut, an die Familien, die einfach kein Geld hatten, ihre Kinder verkauft haben, um diese somit scheinartig zu füllen. Das ist kein Ammenmärchen, dass dich daran hindern soll, Gutes zu tun. Selbst die kambodschanische Regierung warnt davor, Kinderheime zu besuchen. Such dir stattdessen lieber gesicherte Organisationen, die sich für Waisen in Kambodscha einsetzen und spende ihnen das Geld per Überweisung. Damit erreichst du weitaus mehr, fühlst dich mindestens genauso gut und hilfst, dem Boom an Kinderheim-Besuchen und damit üblen Machenschaften, Grenzen zu setzen.

Gib bettelnden Menschen auf der Straße kein Geld!

Dieser Punkt ist mir teilweise am Schwersten gefallen. Besonders als Europäer, wenn du selbst als „armer“ Backpacker noch unerträglich reich bist. Aber ich habe auch die Nebenwirkungen des Bettelns gesehen, die diese auf die Kinder dieses Landes hat. Ich habe Mädchen in Gruppen gesehen, die lachend die Straßen entlang gelaufen sind und wie auf Knopfdruck beim Erscheinen eines Touristen die Leidensmiene und den Hundeblick aufgesetzt und die Hände ausgestreckt haben. Du tust ihnen keinen Gefallen damit und hilfst ihnen ganz und gar nicht, wenn du ihr Tun positiv verstärkst. Wenn du wirklich nicht widerstehen kannst und einer der vielen Mütter mit ihren Kindern auf dem Arm etwas geben möchtest (auch wenn diese Kombination schon gern gezielt auf die Straße geschickt wird), dann kaufe eine Tüte Obst oder eine Mahlzeit und gib sie ihnen. Denn nur so kannst du sicher sein, ihnen etwas gegeben zu haben, das sie noch am ehesten selbst verwerten dürfen.

Gib Kindern keine Süßigkeiten!

Oberstes Gebot! Auch wenn es lächerlich erscheint in einem Land von Armut über Zahnerhaltung nachzudenken, aber Zahnärzte stehen dort mit Sicherheit auf der untersten Stufe der Prioritätenliste, also denke jedes Mal daran, wenn du versucht bist, Kindern Süßigkeiten zu geben.

Do…

Nutze die White Bicycles!

Nahezu jeder, der auf TukTuks und Führungen verzichten möchte, mietet sich für die Tage der Angkor Wat Besuche ein Fahrrad. Nicht nur, weil es kaum an Flexibilität zu überbieten ist, sondern auch, weil man sich nicht so protzig fühlt, wie in einem TukTuk sitzend durch die Anlage kutschiert zu werden. Solltest du die Gelegenheit bekommen, dann schau dich nach den White Bicycles um. Diese Fahrräder werden von einer Organisation vermietet, die einen Bärenanteil ihres Gewinns dafür einsetzt, die Wasserversorgung in Kambodscha zu verbessern. Diese Fahrräder gibt es fast überall und auch direkt neben meinem Guesthouse war ein Stand. Sie kosten zwar einen Dollar mehr als die regulären Vermietungen, aber ganz ehrlich, merkst du den überhaupt?

Verteile Obst und Zahnbürsten!

Packe ein paar Äpfel ein, die du verteilen kannst! Wenn du dann an eben genannten Kindern vorbeikommst, die nach Süßigkeiten fragen und du nicht nein sagen möchtest, dann hast du etwas in der Hand, das du guten Gewissens verteilen kannst. Toll fand ich auch den Tipp, den ich mal gelesen habe, Zahnbürsten zu verschenken. Es mag lächerlich klingen, aber auch das ist etwas, was hoffentlich Gutes tut!

Verteile Obst. Foto: Carina

Besuche Dr. Beat Richners Konzert!

Bevor ich nach Kambodscha kam, habe ich von einem Schweizer Arzt gelesen, der seit knapp 20 Jahren in Pnom Penh und auch in Siem Reap Kinderhospitäle aufgebaut hat, die korruptionsfrei und kostenlos für sämtliche Kinder des Landes komplett Spenden basiert unterhalten werden. Jeden Samstag gibt er kostenlose Cellokonzerte, bei denen er zwischen den musikalischen Stücken von seinem Werk erzählt, den Aufbau und die Aufrechterhaltung beschreibt und kurze Videos davon zeigt, wie der Klinikalltag aussieht. Nicht nur ist es sehr interessant anzuschauen, es gibt dir auch eine der wenigen Möglichkeiten, dich vor Ort direkt davon zu überzeugen, dass Gutes getan wird und absolut sicher sein zu können, dass das Geld, das du spendest, auch dort ankommt, wo es hin soll.

Ich weiß, viele dieser Regeln klingen hart und gnadenlos. Ich habe mir selbst oft schwer getan, mich daran zu halten und du wirst dir oft noch arroganter und geiziger vorkommen, als du von manchen der bettelnden Menschen sowieso schon angesehen wirst.

Aber ruf dir einfach immer wieder in Erinnerung, dass es bessere Wege gibt, um zu helfen. Schau dich danach um, recherchiere und nutze sie! Dann hast du nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Gewissheit, während deines Besuches wirklich ein wenig geholfen zu haben – und nicht nur in die Mühlen von Korruption und Ausbeutung Wasser geschüttet zu haben!

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Auf Safari durch Jordanien oder: Die Suche nach dem Anfang

Kennt Ihr das: Ihr sprudelt über vor Geschichten, Eindrücke überschlagen sich, Ihr wollt alles erzählen, loswerden, mitteilen… Aber wo anfangen?! Und wo aufhören?! Und wie kriegt Ihr alles dazwischen unter?! So…

Kennt Ihr das: Ihr sprudelt über vor Geschichten, Eindrücke überschlagen sich, Ihr wollt alles erzählen, loswerden, mitteilen… Aber wo anfangen?! Und wo aufhören?! Und wie kriegt Ihr alles dazwischen unter?! So geht es mir gerade, wenn ich an Jordanien und meine zehn Tage dort denke. Ich habe so viel erlebt, bin so vielen Menschen begegnet – und möchte ein adäquates Bild des Landes malen. Eines, das der Vielfalt gerecht wird. Eines, das die Menschen in ihrer Buntheit darstellt. Und vor allem eines, das die großartigen grünen und ökologischen Ansätze des arabischen Landes zeigt. Es überrascht Euch wohl nicht, dass Letzteres einer der Gründe war, warum ich UNBEDINGT nach Jordanien wollte! Doch jetzt, jetzt weiß ich nicht, wie und wo ich anfangen soll… und dabei ist doch der Anfang einer Geschichte das Entscheidende!

Vielleicht sollte ich bei Osama beginnen, den ich über CouchSurfing kennen gelernt und in Amman gleich zweimal getroffen habe. Eigentlich habe ich ja bei ihm wegen eines Schlafplatzes angefragt, was ich bekommen habe, war aber viel mehr. Keine Couch wohlgemerkt, denn Osama schläft derzeit selbst bei seinen Eltern – nicht unüblich für Jordanier, die unverheiratet sind. Beim gebürtigen Palästinenser, der in Saudi Arabien aufgewachsen ist, hat es aber einen anderen Grund: Der Wanderfreak, der vor fünf Jahren mit seiner Initiative Explore Jordan Trekking- und Hikingtouren geführt hat, ist erst vor drei Wochen von einem einjährigen Studienaufenthalt aus Südafrika und Malawi zurückgekehrt. Dorthin ist er als einer von vier jungen Leuten – drei Männer, eine Frau – von der jordanischen Nonprofit-Organisation RSCN (Royal Society of Conservation of Nature) geschickt worden. Die Organisation, die unter anderem auch von USAID finanziell unterstützt wird, ist im Auftrag der jordanischen Regierung für Umweltschutz, die Errichtung, Instandhaltung und Betreibung der derzeitigen Naturschutzgebiete sowie mit der Marke „Wild Jordan“ für die Entwicklung eines umwelt- und sozial-verträglichen Tourismus zuständig. Osama und die drei anderen sollten sich das nachhaltige südafrikanische Modell der Nature Guides anschauen, davon lernen und jetzt in Jordanien implementieren. In den vier Lodges und Unterkünften, die es derzeit in den Reservaten Jordaniens gibt (Dana, Ajloun, Azraq und Mujib), sollen sie Angebote für TouristInnen entwickeln – und als Nature Guides Hauptansprechpartner für die Gäste sein. So erhofft man sich, dass die TouristInnen mehr Angebote in Anspruch nehmen und somit länger bleiben – wie es auch schon in Südafrika funktioniert. Und Osama und seine KollegInnen sollen auch weitere Nature Guides ausbilden, Leute, die die Natur achten und schützen – und das den TouristInnen beibringen. Etwas, das derzeit noch weniger oft der Fall ist, denn seit Neuestem lieben die JordanierInnen zwar das Wandern, sehen es aber eher als Happening – Naturschutz steht da oft an letzter Stelle.

In Ajloun wird gerade ein ökologisches Gebäude für Trainings errichtet. Foto: Doris

In Ajloun wird gerade ein ökologisches Gebäude für Trainings errichtet. Foto: Doris

Stattfinden soll die Ausbildung der Nature Guides im Trainingszentrum in Ajloun, einem der wenigen grünen Gebiete des Landes, von dessen Fläche nur 1 – 2% bewaldet sind. Seit drei Jahren wird – unter der Aufsicht eines jordanischen Architekten – ein hochmodernes, Energie-autarkes Gebäude errichtet; natürlich auf den Felsen erbaut, aus Steinen der Region und mit einer Brücke zum Haupteingang thront es wie eine neuartige Burg auf dem Berg – daran hat es mich zumindest erinnert, als ich dieser Tage dort war und die Baustelle besucht habe.
Über 300 StudentInnen sollen im Zentrum Platz haben – natürlich nicht nur, um zu NaturführerInnen ausgebildet zu werden. Nein, es schwebt dem RSCN-Manager Chris Johnson, einem Briten, der seit über 20 Jahren in Jordanien lebt und arbeitet, vor, im Zentrum alles lehren zu lassen, was mit Umwelt und Ökologie zu tun hat. Praxis nahe soll die Ausbildung sein – und durch die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern wie Südafrika oder der Alfred Töpfer Akademie für Naturschutz in Deutschland will man den StudentInnen auch die Möglichkeit geben, außerhalb Jordaniens Erfahrung zu sammeln. Außerdem soll in Ajloun das größte Bio-Restaurant des Landes entstehen, in dem Produkte aus der Region verwendet werden – und das Gebiet, das schon jetzt bei den Einheimischen beliebt ist, zu einem noch populäreren Ausflugsziel machen.
Es ist ein langfristiges Unterfangen, das erst im nächsten Jahr schrittweise in Betrieb geht, auch wenn das Gebäude selbst bereits in 2 – 3 Monaten fertig gestellt wird. Aber so lange brauchen Osama, seine KollegInnen sowie der Rest des Teams, um Unterrichtspläne zu erstellen und Details auszuarbeiten. Und ich bin beeindruckt, dass ein so langfristiger Plan trotz des wirtschaftlichen und politischen Drucks möglich ist – normalerweise wird ja gerade in Krisenzeiten gern auf kurzfristiges Notfallsprogramm gesetzt. Nicht in Jordanien, zumindest nicht nur!

Das ist einer von zwei Jeeps für die erste Safari in Jordanien. Foto: Doris

Das ist einer von zwei Jeeps für die erste Safari in Jordanien. Derzeit steht er in Amman beim „Wild Jordan Café“, dem Büro und Sitz der RSCN. Foto: Doris

Oder soll ich mit der ersten Safari Jordaniens beginnen? Am 7. Mai wird dieses Projekt feierlich und offiziell dem Sponsor Arab Bank präsentiert. Zwei Jeeps stehen bereit, um als High-End-Angebot – TouristInnen nach dem südafrikanischen Modell in der Gegend von Ajloun, etwa 70 km außerhalb der Hauptstadt Amman, die seltenen Oryx-Antilopen zu zeigen. Ab Juni sollen zweimal täglich bis zu 12 Personen von einem Guide um „a significant amount of money“ durch die Wildnis dieses Gebiets gefahren werden. An eine Kooperation mit 5-Stern-Hotels ist ebenfalls gedacht.
Wie alle anderen touristischen Angebote soll auch die Safari dazu dienen, der Bevölkerung zu verdeutlichen, dass die Natur wichtig ist, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Und gerade deshalb muss sie geschützt und bewahrt werden!

Paradiesische Natur in Jordanien. Foto: Doris

Paradiesische Natur in Jordanien. Foto: Doris

Die Safari ist das erste Projekt, an dem Osama und die drei anderen RückkehrerInnen aus Südafrika arbeiten. Und es ist der erste Versuch der RSCN, ein Luxus-Angebot für TouristInnen zu offerieren, während die anderen Produkte eher im mittleren Preissegment angesiedelt sind. Doch nicht nur für ausländische Gäste, auch für die BewohnerInnen der armen Region rund um Ajloun ist die Safari gedacht. Jeden Freitag – wie unser Samstag der Beginn des Wochenendes in Jordanien – sollen sie die Möglichkeit haben, kostengünstig an einer Fahrt teilzunehmen und dadurch der Natur ihrer Heimat näher zu kommen. So der Plan.

Dana Biosphere Par, eine Erfolgsgeschichte. Foto: Doris

Dana Biosphere Par, eine Erfolgsgeschichte. Foto: Doris

Oder vielleicht sollte ich bei meinem Besuch im Dana Biosphären Reservat anfangen? Interessiert man sich für das umwelt- und sozial-fördernde touristische Angebot Jordaniens, führt kein Weg an der 20jährigen Erfolgsgeschichte dieses größten Naturschutzgebiets des Landes vorbei. Während der Rest des Landes – egal, ob Hotel, Tourguides oder Museum – wegen der politischen Lage in den Nachbarstaaten mit BesucherInnen-Rückgang kämpft, können sich die Reservate und Unterkünfte in den Naturschutzgebieten nicht beklagen. „Wir haben nur noch ein Zimmer ab dem 1. Mai frei“, habe auch ich gelesen, als ich mich Monate zuvor schon wegen einer Übernachtung in Jordaniens einzigem Öko-Hotel, der Feynan Eco Lodge in Dana, erkundigt habe. An ein Umbuchen in die beiden anderen RSCN-Unterkünfte der Region, Rummana Camp oder Dana Guesthouse, war kurzfristig auch nicht mehr zu denken – alles restlos ausgebucht. Also habe ich die beschwerliche Reise in den Talkessel nach Feynan, das nur per Auto oder zu Fuß erreichbar ist, auf mich genommen. Drei bis dreieinhalb Stunden dauert die Fahrt von Madaba dorthin – und nachdem es keine Busse auf dieser Strecke gibt, bleibt nichts Anderes als eine Fahrt mit dem „Taxi“: Ganz und gar nicht ökologisch, weiß ich schon, aber wenigstens die soziale Komponente passt. Denn wenn man einen Fahrer aus der Gemeinde rund um Feynan nimmt, sich somit auf einen wenig luxuriösen Jeep ohne Klimaanlage (eine Herausforderung bei 35 Grad Hitze) und eine schweigsame Fahrt einlässt (Englisch sprechen die Wenigsten aus der Community), dann kommen die 70 JDs (etwas mehr in Euros) dem Fahrer zugute.

Wanderung durch Dana. Foto: Doris

Wanderung durch Dana. Foto: Doris

Generell ist das Dana Biosphären Reservat nämlich nicht nur ein Umweltprojekt, das das Areal von 308 km2 vor dem immer wieder drohenden Mineralienabbau und der Abholzung schützt, sondern auch ein erfolgreiches Community-Projekt: 25 Menschen, 20 davon aus den umliegenden Beduinendörfern, arbeiten zum Beispiel in der Feynan Eco Lodge, nocheinmal genauso viele im Dana Guesthouse. Dazu kommen noch die Beduinen-Fahrer, die Gäste in der Gegend herumkutschieren (wie mich von Madaba ins Ressort bzw. die Wanderer zu ihren Touren) oder die Nachbarin, die exklusiv das Brot fürs Ecohotel bäckt – sie alle hätten ohne diese touristischen Projekte keine Lebensgrundlage in Dana, müssten ihre Heimat verlassen, um zu überleben.

Hike Guide Mohammed in Feynan beim Sunset Hike. Foto: Doris

Hike Guide Mohammed in Feynan beim Sunset Hike. Foto: Doris

Aber auch ohne dieses Hintergrundwissen ist ein Besuch des Dana Biosphären Parks und der Feynan Eco Lodge zu empfehlen. Wer schon einmal mit einem der Wanderführer zum täglichen gratis Sunset-Hike aufgebrochen ist, dann auf der Anhöhe den süßlichen Beduinentee zu Flötenmusik serviert bekommen hat, wird mir das bestätigen – auch wenn das mit dem Sonnenuntergang in meinem Fall dank des Sandwinds von Ägypten nicht ganz geklappt hat. Genauso bestätigen wie derjenige, der schon einmal im nur mit Kerzen beleuchteten Haus das reichhaltige, ausschließlich vegetarische Abendessen verspeist hat. Oder derjenige, der am nächsten Tag – wie ich – den Fußmarsch nach Dana in Angriff genommen hat und auf dem Weg nicht nur Kamelen in freier Wildbahn begegnet, sondern vor allem alle paar Meter von Ziegen hütenden Beduinen zum Tee geladen worden ist und sich dabei dann mit Händen und Füßen verständigt hat. Da verschmerzt man irgendwie auch die Unkosten von um die 100 JDs, die für eine Übernachtung samt Abendessen drauf gehen – immerhin werden die ja für die Beduinen-Gemeinde und den Naturschutz eingesetzt!

Kein elektrisches Licht abends nur Kerzenschein in Feynan EcoLodge. Foto: Doris

Kein elektrisches Licht abends nur Kerzenschein in Feynan EcoLodge. Foto: Doris

Zu Gast nicht bei Ziegen sondern bei Beduinen auf einen Tee. Foto: Doris

Zu Gast nicht bei Ziegen sondern bei Beduinen auf einen Tee. Foto: Doris

Oder vielleicht sollte ich doch mit meiner Rückfahrt von Dana nach Madaba beginnen: Nicht, weil ich dabei einen der schlimmsten Sandstürme (oder besser gesagt, den ersten richtigen) meines Lebens mitgekriegt habe, sondern weil sie mit zwei hochinteressanten Personen stattfand. Saleh, der Fahrer, der im „richtigen Leben“ englischsprachige TouristInnen durch die Gegend führt, Wanderungen organisiert und sich damals ebenfalls – erfolglos – für den Südafrika-Auslandsaufenthalt beworben hatte, und Bassam. „Mein Name heißt der Lachende“, erklärt mir Letzterer, als er ins Auto einsteigt, ganz in der weißen Tracht der Beduinen gekleidet. Nomen est omen. Bassam war zig Jahre Wanderführer, dann Manager des Rumman Campsites in Dana und arbeitet jetzt – in seiner Rente – ehrenamtlich im Nature Shop des Campingplatzes weiter. Als Kind ist er noch als Beduine mit seiner Familie herumgezogen und dann sesshaft geworden. Er erzählt mir davon und berichtet zum Beispiel, dass es das Müllproblem, das Jordanien jetzt ganz offensichtlich hat – überall flattern Plastikbeutel in der Gegend herum, Abfallberge häufen sich, die ägyptischen Gastarbeiter kommen mit dem Säubern nicht nach -, damals in Bassams Kindheit nicht gegeben hat. Damals nutzten die umherziehenden Beduinen alles, was die Natur zu bieten hatte, weil sie es ja zum (Über)Leben brauchten und nutzten; Abfall wurde wieder verwertet, nein, erst gar nicht produziert. „Ich wünschte, wir würden zu dieser Beziehung zur Natur wieder zurück finden“, meint Bassam mit seinem berühmten ruhigen Lächeln – und ich denke mir zum wiederholten Mal, dass das, was in Jordanien gilt, auch für uns in Europa wünschenswert wäre.

Die Müllberge sind ein großes Problem in Jordanien. Foto: Doris

Die Müllberge sind ein großes Problem in Jordanien. Foto: Doris

Keine Frage, Jordanien ist ein faszinierendes Land – und ich möchte in jedem Fall wieder zurück. Allein schon, um an einer Safari teilzunehmen oder das fertige Trainingszentrum in Ajloun zu sehen. Oder um weitere Reservate zu besichtigen, in anderen Naturschutzgebieten – wie dem in Azraq – zu wandern oder weitere Canyons zu durchwaten. Ich werde einfach Expedia und Co. wegen günstiger Flüge im Auge behalten.

So, und jetzt verratet mir mal bitte, wo ich anfangen soll… Ihr versteht mein Dilemma bei so vielen spannenden Geschichten, oder?!

Offenlegung: Danke an Jordan Tourism Board für die Unterstützung in den ersten Tagen sowie die Finanzierung des Transports nach/ von Jordanien. Meinungen und Ansichten in dieser Geschichte sind und bleiben meine eigenen.
Der Text erscheint mit freundlicher Unterstützung von Expedia. 

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