Eco. Life. Style.

Kategorie: Inspiration.

Gebrauchtes in Österreich weitergeben

In unserer Überflussgesellschaft ist es durchaus möglich, dass sich einige Dinge in Wohnung und Keller ansammeln, die schon seit Monaten wenn nicht sogar Jahren nicht mehr in Verwendung sind. Diese Ansammlung…

In unserer Überflussgesellschaft ist es durchaus möglich, dass sich einige Dinge in Wohnung und Keller ansammeln, die schon seit Monaten wenn nicht sogar Jahren nicht mehr in Verwendung sind. Diese Ansammlung von „zuviel“ bemerkt man, wenn man mal wieder die hintersten Ecken der Wohnung entstaubt, Platz für einen neuen Mitbewohner macht, umzieht, Platz für Neues braucht oder man schlicht und einfach auf sehr engem Raum wohnt. Nachdem das Aussortieren geschafft ist hat sich meist ein großer Berg an – zumindest im Auge des Betrachters – unnützen Sachen mitten im Wohnzimmer gebildet. Die bequemste, aber ökologisch furchtbarste Lösung wäre nun, einfach alles im Hausmüll zu entsorgen. Es kann aber sehr viel Spaß machen und ökologisch sinnvoll sein noch Intaktes weiterzugeben. Vielleicht lässt sich ja mit dem einen oder anderen Ding sogar noch etwas Geld verdienen.

willhaben.at

Eine Möglichkeit, nutzlos gewordenes Hab und Gut gebührenfrei in den Weiten des World Wide Web feilzubieten, gibt es in Österreich auf willhaben.at. Im Bereich Marktplatz könnt ihr alles gratis inserieren. Lediglich das Anbieten von Autos und Immobilien ist kostenpflichtig. Es ist durchaus ratsam auf den Preis, den ihr für eure Ware haben wollt, ein paar Euro aufzuschlagen, so könnt ihr den feilschfreudigen Usern beim Preis entgegenkommen. Die Übergabe kann dann persönlich erfolgen oder per Post. Hier ist zu empfehlen, sich den Kaufpreis vor Übergabe überweisen zu lassen oder mit dem Käufer eine Versendung per Nachnahme zu vereinbaren. In dem Fall muss der Käufer bei Abholung von der Post den vereinbarten Betrag am Postschalter begleichen, der dann von der Post auf das vom Verkäufer genannte Konto überwiesen wird.

Flohmärkte

Hättet ihr lieber alles in einem Schwung an den Mann/die Frau gebracht, könnte ein Flohmarkt die Lösung sein. Flohmarktstände gibt es zu unterschiedlichen Preisen zu mieten. Überlegt vorher genau, ob ihr mit euren Sachen zumindest die Kosten für den Stand wieder einnehmen könntet. Googelt einfach nach einem Flohmarkt in eurer Nähe und meldet euch dafür an. Vielleicht entdeckt ihr ja so euer Talent zum Verkaufen und Handeln.

Tauschpartys

Ihr glaubt ihr seid die Einzigen mit zu vielen Sachen? Weit gefehlt, euren Freunden geht es bestimmt genauso. Warum also nicht alle zu einer Tauschparty einladen? Jede/r nimmt Dinge mit, die er/sie nicht mehr braucht und schon kann munter drauflos getauscht werden. Das Stück das euch am meisten nervt kann für einen eurer Freunde das neue Lieblingsteil werden. Übrig gebliebene Kleidung kann in einer Kleidersammelbox entsorgt, alles andere von Wohltätigkeitsorganisationen abgeholt werden. Vielleicht gibt es eine Pfarre oder ein Tierschutzhaus in eurer Nähe, das regelmäßig Flohmärkte veranstaltet und dafür noch zu Verkaufendes braucht.

Tauschkisten

Eine weitere sehr schöne Idee ist es eure alten Sachen als Geschenke auf die Reise zu schicken. Dazu gebt ihr zum Beispiel zehn Gegenstände in eine Box, diese gebt ihr an einen Freund weiter der sich dann so viele Gegenstände wie er will aus der Box heraus nehmen darf, ebenso viele muss er aber auch wieder in die Tauschkiste geben und sie weiter auf die Reise schicken. Vielleicht landet sie ja irgendwann wieder mit neuen brauchbaren Überraschungen bei euch. Solltet ihr wirklich vieles loswerden wollen, könnt ihr sogar Thementauschkisten ins Leben rufen. Zum Beispiel eine Dekotauschkiste, eine Küchentauschkiste oder eine DVD-Tauschkiste. Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Freecycle

Freecycle ist eine international agierende Verschenkeplattform, die in viele kleine regionale Untergruppen unterteilt ist. Googelt einfach nach „Freecycle“ und eurem Wohnort und findet die passende Gruppe aus eurer Region. Es reicht eine kurze Beschreibung der Dinge die ihr verschenken wollt, die ihr dann an die Gruppe eurer Region sendet. Schon können sich Leute per Mail, oder wenn ihr wollt auch per Handy melden, um einen Abholtermin zu vereinbaren.

Share and Care

Wer die Einfachheit und Bekanntheit von facebook nutzen will um seine Sachen zu verschenken, kann dies auf einer der Share and Care Seiten seiner Region tun. Einfach ein Foto uploaden, wenn notwendig noch eine kurze Beschreibung dazu und schon können sich Interessierte bei euch melden.

Mistplatz

Wenn ihr eure Sachen sofort und auf der Stelle loswerden wollt, fahrt einfach zu einem Mistplatz in eurer Nähe. Dort gibt es eine Station, bei der noch brauchbare Gegenstände gesammelt werden. Fragt einfach bei einem Mitarbeiter wo noch Intaktes deponiert werden kann. Spielsachen und Kinderwaren werden karitativen Zwecken zugeführt, der Rest wird am 48er Basar verkauft und so der Lebenszyklus der Waren verlängert und bis zu 800 Tonnen Abfall pro Jahr vermieden: Weitere Infos

KOSTnixLADEN

Falls ihr sicher gehen wollt, dass eure Sachen verschenkt werden, ihr sie aber trotzdem auf einmal an den Mann/die Frau bringen wollt, gibt es ja vielleicht in eurer Nähe einen Laden, der alle Waren verschenkt. In Wien gibt es zum Beispiel im zwölften Bezirk in der Ratschkygasse 14 so einen Kostnixladen. Ihr könnt während der Öffnungszeiten und ohne Voranmeldung eure Sachen vorbeibringen. Die einzige Voraussetzung ist, dass die Dinge noch intakt sind. Falls euch im Laden etwas gefällt könnt ihr pro Tag bis zu drei Dinge mit nach Hause nehmen und das natürlich gratis: kostnixladen.at

usetwice.at

Vielleicht stolpert ihr beim Aufräumen ja auch über Dinge, die ihr nur ganz selten braucht, wie zum Beispiel einen Schlagbohrer, Ski oder einen Dampfreiniger. Das sind Dinge, die ihr vielleicht nur wenige Stunden im Jahr nutzt, deshalb könntet ihr sie auf usetwice.at vermieten. So erspart sich jemand anderer einen dieser Sachen extra zu kaufen: usetwice.at

foodsharing

Solltet ihr beim Ausmisten eurer Küche auf Nahrungsmittel stoßen, die ihr geschenkt bekommen habt aber nie wolltet oder einfach versehentlich zu viel eingekauft wurden, könnt ihr sie auf foodsharing anbieten. Die Nahrungsmittel dürfen das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht überschritten haben, das Essen darf nicht zubereitet sein, Fleisch, Fisch, Geflügel und rohe Eierspeisen sind ebenfalls vom Verschenken ausgenommen. Natürlich könnt ihr auch in Essenskörben stöbern und bei Interesse an einem FoodsharingHotSpot oder einem individuell vereinbarten Treffpunkt abholen: foodsharing.de

Das sind nur einige der Möglichkeiten Gebrauchtes sinnvoll zu verwerten. Vielleicht habt ihr ja schon einige der beschriebenen Wege ausprobiert, um Sachen einem neuem Verwendungszweck zuzuführen? Habt ihr noch weitere Tipps, wie man nicht mehr Benötigtes weitergeben kann?

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Immer besser werden

Menschen wollen immer besser werden. Jeder, überall und jederzeit. Dass das bei Weitem nicht so einfach ist, wie es klingt, weiß nach dem einen oder anderen Fehlversuch vermutlich auch (beinahe)…

Menschen wollen immer besser werden. Jeder, überall und jederzeit. Dass das bei Weitem nicht so einfach ist, wie es klingt, weiß nach dem einen oder anderen Fehlversuch vermutlich auch (beinahe) jeder. Dennoch sollte man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, weil man erkannt hat, dass man auch etwas dafür tun muss und man nicht einfach von heute auf morgen beschließen kann, „perfekt“ zu sein. Es ist auch gar nicht notwendig, weil man bereits mit ganz kleinen Veränderungen im Alltag große Veränderungen im Inneren bewirken und so eine stetige Wechselwirkung anstoßen kann.

„Kaizen“ lautet das Zauberwort. Aus dem Japanischen kommend bezeichnet dieser Begriff eine Lebensphilosophie, deren Kern das unaufhörliche Streben nach Verbesserung auf jeder erdenklichen Ebene bildet. Auf Basis dieses Konzepts wurde inzwischen sogar ein Managementsystem entwickelt, das in der westlichen Wirtschaft großen Anklang findet. Aber auch im privaten Bereich kann „Kaizen“ zum Inbegriff der persönlichen Weiterentwicklung werden.

Was bietet sich für einen Start in ein „besseres“ nachhaltigeres Leben mehr an, als das neue Jahr? So viele Vorsätze, die um den Jahreswechsel gefasst werden, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt – und warum? Weil wir uns zu viel vornehmen. Weil wir Ziele formulieren, die ohne eiserne Disziplin kaum zu erreichen sind. Weil wir meistens viel zu ungeduldig mit uns selbst sind und beim ersten Rückschlag fast schon erleichtert aufgeben. Ein nachhaltigeres Leben zu führen ist ein guter Vorsatz. Denn er ist einfach umzusetzen. Es braucht keine besondere Disziplin dazu und auch keine spezielle Ausrüstung. Es geht lediglich darum, aktiv und aufmerksam durchs Leben zu gehen und gewisse Gewohnheiten zu ändern.

Das Wichtigste vorweg: Keine Angst vor dem großen Wort Nachhaltigkeit! Sich entsprechend zu verhalten bedeutet schließlich keineswegs, dass man ab sofort nur mehr mit Jutebeutel bewaffnet Mantras singend zwischen Räucherstäbchen umhertanzen, auf Bambus herumkauen und der Enthaarung jeglicher Körperstellen abschwören muss. Das kann man natürlich gerne machen, wenn es der eigenen Persönlichkeit entspricht, man muss aber nicht. Ganz im Gegenteil – man kann das Thema Nachhaltigkeit auch ganz „unauffällig“ in das eigene Leben integrieren, ohne gleich zum Missionar zu werden.

Es gibt eine Vielzahl an Themen, die jeder Mensch jederzeit und überall ohne große Anstrengungen angehen kann. Um nur ein paar unmittelbar umsetzbare Beispiele zu nennen:

Mülltrennung: Selbstverständlich ist es bequem, sämtliche Abfälle in einen einzigen Müllbeutel zu packen. Es ist allerdings auch nicht viel umständlicher, Müll zu trennen. Dabei kann jeder selbst über die Intensität entscheiden. Altpapier, Glas, Dosen, PET-Flaschen, Biomüll, etc. – von Sondermüll ganz zu schweigen. Womit fängt man am Besten an? Der Weg zur richtigen Mülltrennung kann schrittweise erfolgen. Wichtig ist nur, den ersten Schritt zu wagen. Sucht euch einen Bereich aus, den ihr ab sofort trennen wollt. Denn glaubt mir, der nächste Altglas-Sammelbehälter ist nicht so weit entfernt, wie ihr vielleicht denkt.

Verzicht auf unnötiges Verpackungsmaterial, sowie Dosen und Plastik generell: Geht ab sofort aufmerksam durch den Supermarkt oder Drogeriemarkt. Neben den bunten doppelt und dreifach verpackten Flaschen und Tiegeln sind bestimmt auch weniger oder anders verpackte Produkte zu finden. Lasst den Verpackungsmüll als Signal im Geschäftslokal zurück. Wenn ihr Produkte in Gläsern kauft, habt ihr nach deren Verbrauch immer hochwertige, hygienische Vorratsbehälter zuhause und seid nicht auf Kunststoff-Behälter angewiesen.

Saisonalem und regionalem Obst und Gemüse den Vorzug geben: Die Lebensmittel schmecken durch die Ernte in reifem Zustand und die wesentlich kürzere Lagerung nicht nur besser und beinhalten mehr Vitamine und Nährstoffe, sondern schonen auch die Umwelt, weil die Transportwege im Vergleich zu exotischen und nicht-saisonalen Lebensmitteln um ein Vielfaches kürzer sind.

Nur so viel einkaufen, wie man auch wirklich verbrauchen kann: XXL-Sparpackungen sind in den seltensten Fällen wirklich Sparpackungen. Fallt nicht weiter auf plumpe Werbetricks herein. Denkt bei begrenzt haltbaren Lebensmitteln lieber nochmals gründlich darüber nach, ob ihr diese Menge in absehbarer Zeit auch wirklich verbrauchen könnt – und wollt.

Lieber mal die Füße vertreten! Lasst das Auto auch mal stehen. Man muss sich für die zweihundert Meter zum Bäcker nicht zwangsläufig ins Auto setzen. Ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft oder eine kleine Ausfahrt mit dem Fahrrad hat noch niemandem geschadet. So tut ihr nicht nur euch, sondern auch der Umwelt etwas Gutes. Und das Brötchen schmeckt nachher gleich viel besser!

Was sind eure Vorsätze für das neue Jahr? Habt ihr euch auch Bereiche vorgenommen, die mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun haben?

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Interview mit einer buddhistischen Nonne

Manche Begegnungen hinterlassen Spuren, berühren etwas tief in dir drinnen, können nicht ungeschehen gemacht werden. Es ist mittlerweile vier Jahre her, dass ich Bianca kennen gelernt habe. Damals haben wir…

Manche Begegnungen hinterlassen Spuren, berühren etwas tief in dir drinnen, können nicht ungeschehen gemacht werden. Es ist mittlerweile vier Jahre her, dass ich Bianca kennen gelernt habe. Damals haben wir zusammen Service bei einem Vipassana Zehn-Tages-Kurs in Österreich gegeben, gemeinsam gekocht, geputzt und uns um die Meditierenden gekümmert. Nur drei Tage lang. Doch die Begegnung mit Bianca war und ist für mich eine solche. Eine, die ich in meinem Herzen trage.

Knapp Anfang 20 war sie damals, hatte aber etwas an sich, das mich – die zehn Jahre Ältere – staunen ließ: Ernsthaftigkeit, Konsequenz, tiefes Verständnis – und das hinter der hübschen Schale einer zierlichen, langhaarigen Blondine, die wohl jedem Mann ins Auge stach, und deren spitzbübisches Lachen ihre Lebenslust verriet.

Wir sind in Kontakt geblieben: Getroffen haben wir uns selten später, sie war viel unterwegs, ist zu ihrem Liebsten nach Italien gezogen, doch über Facebook klappte es gut. Und irgendwann war genau dort so in etwa zu lesen: „Ich lebe jetzt in Thailand und bin buddhistische Nonne.“

Wow!

Das war vor über einem Jahr. Jetzt auf Heimaturlaub habe ich Mae Chee Bianca, wie die gebürtige Österreicherin nun heißt, einige Fragen gestellt. Sie hat sie mir geduldig und ausführlich beantwortet, und ich darf ihre Einsichten mit euch teilen.  Unter der Bedingung, dass die Antworten „zum Wohle für die Allgemeinheit veröffentlicht“ werden und ich „kein Geld damit verdiene“. Versprochen:

Doris: Mae Chee Bianca, wie sah dein Weg zu diesem Leben aus?

Mae Chee Bianca: Es war ein langsam wachsender Prozess. Meine Eltern haben mich von klein auf sehr alternativ erzogen, doch Religion war bei uns eigentlich kein besonderes Thema, schon gar nicht Buddhismus. Unabhängigkeit war für mich immer sehr wichtig. Ich habe früh, mit 15 Jahren, zu arbeiten begonnen, bin dann kurze Zeit später alleine in eine Wohnung weg von der Familie gezogen und musste/wollte somit relativ schnell selbstständig und erwachsen sein.

Nachdem ich mit 18 meine Buch-und Medienwirtschaftslehre abgeschlossen hatte, ging ich für fast ein Jahr nach Israel zur Freiwilligenarbeit ins Kibbutz. Dies war die erste Begegnung mit einer religiösen Gemeinschaft, aber damals war es mehr das Abenteuer das mich anlockte – Religion hatte damals noch keine Bedeutung für mich. Als ich dann nach Österreich zurückkehrte merkte ich, dass mir irgendetwas fehlte. Ich war einfach nicht glücklich.

Die Jahre vergingen und ich probierte viele verschiedene Jobs, Schulen, Männer und Länder. Doch kein Glück war in Sicht. Die Verzweiflung war groß, damals war ich wirklich an einem Punkt, an dem ich oft nur mehr sterben wollte – weil nichts im Leben mehr Sinn ergab.

Irgendwann in Indien traf ich dann eine deutsche Frau, die mir von Vipassana Meditation erzählte. Es klang spannend. Nach Indien bereiste ich England und im Hertfordshire fand ich ein Meditationszentrum, so probierte ich einen Zehn-Tages-Kurs. Dies war meine erste (bewusste) Begegnung mit der Meditation, ich war gerade 21 geworden und mein ganzes Leben sollte sich durch diesen Kurs ändern, der ausschlaggebend für meine spirituelle Entwicklung war.

In der Meditation machte ich sehr tiefe Erfahrungen, es kam viel Ruhe, Zufriedenheit aber auch Weisheit und Einsicht über die wahre Natur dieser Existenz. Ich wusste: „Eines Tages werde ich in Asien leben und den Menschen helfen“.

Doch damals war mir noch nicht bewusst in welcher Form – über Buddhismus wusste ich äußerst wenig -, und das Alltagsleben holte mich zu schnell wieder ein, somit vergaß ich bald  was ich erlebte. Doch das Unglück riss nicht ab, nichts konnte mich zufrieden stellen, so reiste ich weiter hin und her, arbeitet dies und das.

Vor fast zwei Jahren kam dann die Einsicht: „Entweder ich verändere mein Leben JETZT oder ich kann so nicht mehr weiter machen.“ So buchte ich einen Flug bis nach Yangon in Burma und blieb dort für drei Monate in einem buddhistischen Kloster/Meditationszentrum um mich der intensiven Vipassana Meditation zu widmen. Wir meditierten jeden Tag bis zu 18 Stunden. Anfangs war es sehr schwer, doch nach einiger Zeit begann ich mich zu verändern, es kamen viele der alten Einsichten wieder und noch viele neue dazu und langsam stellte sich ein tiefer Gleichmut und Zufriedenheit ein.

Nach den drei Monaten wusste ich nur noch eines: „Ich will mein Leben der Meditation widmen – um mir selbst und all den Menschen, die leiden und auf der Suche sind, zu helfen – denn es gibt einen Weg heraus, es gibt tiefes Glück und Zufriedenheit bereits IN UNSerem Herzen – wir müssen es nur wieder finden und uns öffnen.

Nachdem ich diesen Entschluss getroffen hatte reiste ich nach Thailand und ordinierte als Mae Chee (8-Regel Nonne) in der Buddhistischen Thai Theravada Tradition. Seitdem lebe ich in Thailand, einem Land in dem viele Menschen die wahren Werte und Gründe unserer Existenz noch nicht vergessen haben.

Gab es einen besonderen Moment der Entscheidung – oder war das ein schleichender Prozess?

Es war mehr oder weniger ein „schleichender“ Prozess. Ich hätte mir früher niemals vorstellen können Nonne zu werden, ich war alles andere als brav. Doch die Meditation hat mich geläutert und belehrt was im Leben wirklich wichtig ist, wie man ein wirklich guter Mensch wird, sein Leben richtig nützt und auch anderen damit hilft.

Die Ordination war das Ergebnis tiefer Einsicht, es gab Momente da war ich einfach eins mit allen/m und der Sinn des Lebens war vollkommen klar, ich wusste ich bin bereits vollkommen, und es muss nichts und niemand mehr dazukommen.

Ich weiß, du hattest ein Meditationsvisum zum Einstieg – was ist das genau?

Für Burma hatte ich ein dreimonatiges Meditations- oder Religious-Visum. Man benötigt momentan eigentlich nur einen Einladungsbrief vom Meditationszentrum, den man per Mail bei den jeweiligen Klöstern beantragen kann. Manchmal dauert es etwas länger. Das Visum habe ich bei der Myanmar Embassy in Bangkok beantragt, es dauerte nur zwei Tage, aber manchmal kann es auch zwei Wochen oder länger dauern und möglicherweise wird es nicht jedem gewährt.

Das Drei-Monats-Visum kann man dann im Land (nach Erlaubnis) auch auf ein Ein-Jahres-Visum verlängern. Man verpflichtet sich jedoch mit diesem Visum in dem Zentrum zu bleiben, zu praktizieren und keine touristischen Reisen zu unternehmen. Man kann jedoch mit den zuständigen Lehrern sprechen. Wenn man vielleicht noch zwei Wochen reisen will, wird das sicher auch möglich sein, aber das Kloster ist in der Zeit der Visumsgültigkeit für dich verantwortlich, deshalb ist es so streng.

Wie hat dein Umfeld reagiert, du warst ja unter anderem auch in einer Beziehung, wie leicht fiel das Abschiednehmen?

Ja, ich war damals in einer Beziehung, doch mein Wunsch nach Befreiung und Einheit mit mir selber war so stark, dass es mir nicht schwer fiel die Beziehung zu beenden. Mein Freund hat das vollkommen verstanden, er fand es sogar gut und wir konnten im Reinen auseinandergehen (er hat ja auch meditiert). Aber natürlich war der Abschied etwas traurig.

Meine Familie, vor allem meine Eltern, haben mich sehr unterstützt – geistig sowie materiell, was sehr hilfreich ist, denn Mönche und Nonnen leben rein von Spenden. Das tun sie immer noch, und auch der Rest meiner Familie. Ich war immer schon ein bisschen „anders“ und sie waren radikale Entscheidungen von mir gewöhnt. Dies war natürlich noch mal ein weiterer Schritt, denn ich hatte nun fast zwei Jahre (aufgrund von intensiven Retreats) zu fast niemandem Kontakt. Doch wir alle wissen, dass wir im Herzen miteinander verbunden sind und dass man letztendlich von allem loslassen muss, denn nichts gehört uns auf dieser Welt…

Mae Chee Bianca ist dort angekommen, wo sie zuhause ist. Foto: Mae Chee Bianca

Mae Chee Bianca ist dort angekommen, wo sie zuhause ist.

Wie kann man sich das Leben im Kloster vorstellen?

Es ist in jedem Kloster unterschiedlich. In Burma haben wir am Tag 18 Stunden meditiert, da gab es sonst nichts, außer Essen und eine halbe Stunde putzen am Tag. Es war wie ein Gefängnis, es wurde auch nichts gesprochen. Doch ich habe das anfangs gebraucht sonst hätte ich nie Disziplin entwickelt.

In Thailand, wo ich jetzt bin, ist es gemäßigter. Wir haben als fixen Tagesplan täglich drei Mal für eine Stunde Chanting, zwei Mal Essen, Säuberung des Klosters und die restliche Zeit haben wir für uns um zu meditieren, zu helfen oder um uns mit anderen auszutauschen. Ein Mal im Monat geben wir einen siebentägigen Retreat, und es kommen sehr viele Westler zu uns in den Tempel, um Meditation zu lernen, da helfe ich gerne mit. Das Tätigkeitsfeld ist vielfältig.

Wie sieht die Gemeinde des Klosters aus?

Der Sangha (die Gemeinschaft, das heißt diejenigen, die dauerhaft hier leben) besteht aus ca. 20 Mönchen, manchmal kommen oder gehen ein paar, drei Nonnen und zwei Laienfrauen. Es kommen aber immer wieder Mönche, Nonnen oder Laien auf Besuch, die für eine Weile bleiben. Auch ich gehe manchmal in den Norden Thailands – wir haben dort ein Waldzentrum, das zu uns gehört, da kann man gut praktizieren wenn man mal etwas mehr Stille braucht, denn der andere Tempel ist nahe zu Bangkok und etwas „geschäftiger“. Es ist also eine kleine Gemeinschaft, was ich als sehr angenehm empfinde.

Wie hast du deinen Lehrer gefunden?

Dies ist eine schwierige Frage, ich würde sagen ich habe ihn nicht gefunden, er war plötzlich einfach da. Manchmal verbringt man lange Zeit nach jemandem zu suchen, aber findet doch nie das oder den RichtigenMan muss sich selber entwickeln und reifen und dann wenn man bereit ist, dann ist der Lehrer plötzlich da. Das ist auch der Punkt an dem man dann seine Anweisungen richtig verstehen und umsetzen kann. Letztendlich müssen wir dann auch lernen, unser eigener Lehrer zu sein, denn Erleuchtung kann nur durch eigene Anstrengung erfolgen. Der Lehrer kann nur den Weg weisen…

Mae Chee Bianca in ihrer Gemeinschaft. Foto: Mae Chee Bianca

Mae Chee Bianca in ihrer Gemeinschaft.

Du bist gerade auf Heimaturlaub: Wie ist das für dich?

Es ist eigentlich ganz normal – für mich zumindest. Die Leute reagieren manchmal überrascht, weil sie „so etwas wie mich“ selten sehen, aber meistens gibt es positive Reaktionen und die Leute zeigen Interesse. Jeder ist doch im Grunde auf der Suche nach irgendetwas, die meisten füllen diese Lücke mit materiellen Dingen, aber im Grunde suchen doch alle nach Einheit…

Wenn man eine Weile praktiziert kommt man irgendwann an den Punkt, wo man sich wirklich und wunderbar in sich selber zu Hause fühlt und dann ist es egal wohin man geht, man fühlt sich überall zu Hause und alle sind deine Familie, dies ist ein Ergebnis der Herzöffnung, die Differenzierungen fallen weg.

Hast du Unterschiede festgestellt, darin, wie dich Leute behandeln, aber auch, wie du (be)handelst?

Ja, es gibt Unterschiede, das liegt aber sicherlich auch an der Kleidung (hier in Österreich – in Thailand kennen sie das ja, aber auch nicht unbedingt von Westlern). Manche sind zuerst etwas skeptisch, doch im Laufe des Gesprächs können sie sich meist öffnen.

Man muss den Leuten mit einem offenen Herzen begegnen, ohne Vorurteile, dann kann nicht viel schiefgehen. Die Lehre des Buddhas ist das Dhamma, oder das Gesetz der Natur, damit konnte ich bis jetzt jeden „überzeugen“, denn es ist ja nicht mein Gesetz oder das Gesetz des Buddhismus, es ist ein „Gesetz“ das für alle da ist, egal von woher wir kommen.

Ich behandle die Menschen nun viel behutsamer als früher, denn ich habe gelernt wie wichtig es ist, seine Worte weise zu wählen und vor allem auf den Ton der Stimme zu achten, in dem man mit Menschen spricht. Wir können so viel spüren und so leicht verletzen. Wenn man respektvoll zu den Leuten spricht, dann sprechen sie (früher oder später) auch respektvoll zu einem, das ist ein Teil von Karma und auch Teil des Edlen Achtfachen Pfades: Rechte Rede.

Bist du jetzt dein Leben lang Nonne – oder kannst du wieder in ein weltliches Leben zurück?

Mein Wunsch ist es Nonne zu bleiben, denn es ist meine Berufung. Ich habe nicht nur einfach den Kopf rasiert und die Kleidung gewechselt – es war eine wirkliche Bewusstseinsveränderung und Entwicklung.

Manchmal ist es nicht einfach, doch das ist ja in jedem Leben so und man muss einfach jeden Tag sein Bestes geben –  immer wieder aufstehen, egal wie oft man hinfällt. Der ganze Weg, ist ein Weg der Reinigung – des Geistes/der Herzöffnung. Wir müssen uns frei machen von jeglichen Erwartungen im Leben und versuchen im Hier und Jetzt zu leben, die Gegenwart ist das einzige was zählt – die einzige Realität, alles andere ist entweder vergangen oder noch nicht da.

Ich habe viele Dinge im Leben getan und dies ist sicher der bis jetzt schwierigste Weg, aber gleichzeitig auch der Schönste. Er gibt mir soviel Sinn.

Wir können wieder in ein weltliches Leben zurück, doch meistens wenn man einen bestimmten Punkt überschritten hat, will man das gar nicht mehr, es ist einfach kein Verlangen nach vielen weltlichen Dingen mehr da…

Danke für das wundervolle Gespräch, Mae Chee Bianca!

 

„Mögen wir alle voller Frieden und Freude sein, möge unser Geist voll Licht und Zuversicht strahlen, mögen wir Toleranz und Mitgefühl für uns selbst und unsere Mitmenschen entwickeln und unseren Geist erheben für eine bessere Welt – für eine Einheit.“ Mae Chee Bianca

 

NAMO TASSA BHAGAVATO ARAHATO SAMMA-SAMBUDDHASSA
Verehrung dem Erhabenen, Heiligen, vollkommen Selbst-Erwachten

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10 Tage Vipassana in Dharamkot: Lasst die Affen los!

Das Taxi hält vor einem großen, in gelb-grün-weiß bemalten Metalltor, das die Sicht auf einen Waldpfad freigibt. „Himachal Vipassana Centre Dhamma Sikhara“ ist über dem Eingang zu lesen. Mein Magen…

Das Taxi hält vor einem großen, in gelb-grün-weiß bemalten Metalltor, das die Sicht auf einen Waldpfad freigibt. „Himachal Vipassana Centre Dhamma Sikhara“ ist über dem Eingang zu lesen. Mein Magen wird flau, meine Knie zittrig, ich kann es noch gar nicht realisieren: Einmal ausgestiegen und durchgeschritten bin ich für die nächsten zehn Tage drin. Dann gibt es kein Zurück. Dann sitze ich fest, buchstäblich: Zehn Stunden Tag für Tag werde ich sitzen und die Meditationstechnik Vipassana praktizieren. Und zwar nur Vipassana.

Schweigend, ohne mit den Mitmeditierenden zu sprechen, ohne ein Buch zu lesen, ohne Musik zu hören, ohne zu telefonieren und auch ohne Notizen zu machen, denn Handys, Laptop, Stifte, Blöcke… kurz, jede Ablenkung wird am Eingang abgegeben.

„Beware of monkeys.“, dieses Schild ist eines der ersten Dinge, die ich nach der Einschreibprozedur auf der Suche nach meinem Schlafplatz für die nächsten elf Tage im Zentrum sehe. Dass es hier oben in der Himalayaregion in einem der angeblich „schönsten Vipassana-Zentren“ Indiens von Affen nur so wimmelt, das hatte ich bis jetzt offenbar erfolgreich verdrängt. Daraus wird jetzt aber nichts mehr: „Schaut den Affen nicht in die Augen,“, nimmt die Warnung vor den angeblich über 50 Klettertieren im Wald bei der Einführung abends fast mehr Platz ein als die Erklärung der Hausordnung für die nächsten zehn Tage, „zeigt keine Zähne, belästigt sie nicht, dann werden sie euch auch in Ruhe lassen.“

Achtung, Affengefahr! Foto: Doris

Achtung, Affengefahr!

Na, wirklich beruhigend klingt das nicht. Als dann noch die Portugiesin Melissa, die schon im letzten Jahr hier ihren ersten Vipassana-Kurs besuchte und somit so wie ich „old student“ ist, davon erzählt, dass damals eine Teilnehmerin von einem Affen am Bein gepackt wurde, ist es mit meiner Ruhe völlig vorbei. Irgendwie habe ich mir einen sicheren, geschützten Rahmen für die anstrengenden, nächsten Tage anders vorgestellt…

Monkey, monkeys, nichts als monkeys... Foto: Doris

Monkey, monkeys, nichts als monkeys…

„Euch steht eine tiefschürfende Operation bevor.“, erklärt uns S.N. Goenka am Abend in einer der ab sofort täglich stattfindenden Videobotschaften, die zum Abschluss des Tages gezeigt werden. Mit einem Buddha-Lächeln sitzt er uns auf der Leinwand gegenüber, der gebürtige Burmese, der Vipassana in Indien und der ganzen Welt bekannt gemacht hat. Mit sonorer Stimme, schier durch den Bildschirm auf uns zukriechender Wärme und unwiderstehlicher Geduld bringt er uns die Technik näher, durch die Buddha und andere Praktizierende nach ihm zur Erleuchtung gefunden hat.

Zehn Stunden sitzen wir zehn Tage lang hier in der Dhamma-Halle. Foto: Doris

Zehn Stunden sitzen wir zehn Tage lang hier in der Dhamma-Halle.

Die Erleuchtung, hach, die ist auch das „final goal“ von uns rund vierzig Frauen und zwanzig Männern aller Nationalitäten sowie sämtlicher Alters- und sozialer Stufen, die sich hier in strikter Geschlechtertrennung versammelt haben. Aber zuerst einmal steht das Ziel im Vordergrund, die nächsten zehn Tage durchzuhalten. Und das Ziel ist schon groß genug…

Männer- und Frauenbereiche sind streng getrennt - hier ein Blick "hinüber" zu den Männern. Foto: Doris

Männer- und Frauenbereiche sind streng getrennt – hier ein Blick „hinüber“ zu den Männern.

4.00 Uhr: Aufstehen.
4.30 – 6.30 Uhr: Meditation in der Dhamma Halle
6.30 – 7.00 Uhr: Frühstück
8.00 – 9.00 Uhr: Gruppenmeditation
9.00 – 11.00 Uhr: Meditation
11.00 – 11.30 Uhr: Mittagessen
13.00 – 14.30 Uhr: Meditation
14.30 – 15.30 Uhr: Gruppenmeditation
15.30 – 17.00 Uhr: Meditation
17.00 – 17.30 Uhr: Abend-Tee
18.00 – 19.00 Uhr: Gruppenmeditation
19.00 – 20.30 Uhr: Videodiskurs durch S.N. Goenka
20.30 – 21.00 Uhr: Meditation
21.30 Uhr: Licht aus, Nachtruhe!

So sieht der Tagesablauf der nächsten Tage aus, der bei jedem Kurs der gleiche ist und nur durch das regelmäßige vegetarische Essen etwas an Würze bekommt – so scheint es. Eine Täuschung, wie so vieles Andere.

Das Essen in der Halle läuft ebenfalls schweigend ab. Foto: Doris

Das Essen in der Halle läuft während des Kurses ebenfalls im Stillen ab. Hier ein Bild vom letzten Tag, an dem das Schweigen aufgebrochen wird.

Tag 1: „Auch wenn ihr wolltet, könntet ihr keine Notizen zu euren Gedanken machen,“, bringt S.N. Goenka am Abend die Zusammenfassung des ersten Tages auf den Punkt, „sie sind so sprunghaft wie Affen, die sich von einem Ast zum Nächsten schwingen. Unfassbar.“ Ich werde mich daran gewöhnen, dass er scheinbar Gedanken lesen kann… „Abgesehen davon, dass ihr gar keine Notizen machen dürft.“, fügt der bescheidene Guru mit verschmitztem Grinsen hinzu. Ich halte mich daran, ertappe mich nur immer wieder dabei, in Gedanken bereits die Sätze dieses Posts zu formulieren. Soviel zum Thema Konzentration aufs Meditieren.

Was tue ich hier überhaupt? Jetzt ist gerade wirklich der schlechteste Zeitpunkt! Wie soll ich das bloß aushalten? Gedanken wie diese sind noch die harmlosesten, die mir an diesem ersten Tag durch den Kopf schießen. Konzentration auf den Atem, der die nächsten Tage zur Einführung gefordert wird, ist unmöglich. Und dazu diese Schmerzen: Ich kann nicht sitzen, mal zwickt es hier, mal brennt es dort, mein Rücken ist eingefroren, meine Schultern pochen schmerzhaft, es tut einfach alles weh. Ich will aus meiner Haut fahren, durch das Tor in die Gegenrichtung hinauslaufen – verdammt, wie soll ich zehn solche Tage schaffen?

Einzige gute Nachricht: Die Affen lassen sich nicht sehen. Noch nicht?

Tag 2: „Heute geht es schon ein bisschen besser.“, fasst S.N. Goenka am Abend wieder einmal treffend zusammen. Ja, es ist besser… die Konzentrationsspanne wächst von 0,111 auf 0,112 Sekunden, die Schmerzen haben sich im Körper verteilt, meine Muskeln sind vom Sitzen erstarrt.

In der Dhamma-Halle wird an jeder Ecke und an jedem Ende gehustet und geschnupft (die Rülps- und Furzgeräusche erwähne ich jetzt mal nicht): Kein Wunder, hier oben in den Bergen und vor allem aufgrund des schattigen Waldes ist es eiskalt. Ich gehe mit drei Decken, meinem Schlafsack sowie all meiner Kleidung ins Bett und werde in der Nacht durch mein eigenes Bibbern geweckt. Und ich bin da wohl keine Ausnahme…

Der laaange Weg ist das Ziel?! Foto: Doris

Der laaange Weg ist das Ziel?

Tag 3: „Mist, ich habe eine Idee: Ich muss hier raus!“ Wenn ein Aufenthalt im Affenwald etwas bewirkt, dann dass die Kreativität nur so durch alle Knochen fährt. Jeden Moment, so scheint es, habe ich einen anderen – besonders großartigen – Einfall, finde ich eine andere Lösung für Probleme da draußen; sämtliche Beziehungen der vergangenen Jahre kaue ich durch, führe Streit- und Versöhnungsgespräche, schlichte Kleiderkästen neu und beschließe wieder einmal, in Zukunft alles ganz anders zu machen.

Während wir in Stille meditieren (bzw. es versuchen), wird in Indien Diwali gefeiert: Musik klingt bis in unsere stillen Hallen, Böller werden durch die Gegend geschossen werden – und die Affen zeigen heute, was sie drauf haben. Ein Stampf-, Schrei- und Grölkonzert dröhnt von Nachmittag bis in den Abend im Wald, die Affen sitzen auf den Wegen, machen sich breit – und versetzen mich in eine Art Starre. Als ich beim Zähneputzen einen Affen in ein paar Meter Entfernung sitzen sehe, flüchte ich in die Duschkammer und traue mich erst wieder heraus, als ich jemand anderen kommen höre. Der Affe ist längst weg…

Tag 4: Nach tagelanger Vorbereitung mit Atemübungen wird heute endlich den neuen StudentInnen die Vipassana-Technik beigebracht. Es ist keine „übliche“ Meditation, sondern es geht darum, Empfindungen am Körper wahrzunehmen und diese zu beobachten. Ohne zu reagieren, ohne aus dem Gleichgewicht zu gelangen. Durch die Erfahrung am eigenen Körper stellt man fest, dass alles vergänglich ist, durchbricht Denkmuster und lernt sein Verhalten zu kontrollieren.

Schmerzen, Zwicken, Zwacken, Brennen, Jucken, Hitze… alle Empfindungen sind gleich: Alle sind weder gut, noch schlecht, sondern entstehen und vergehen. Warum auf etwas heftig mit Ablehnung oder Sehnsucht reagieren, wenn es ohnehin nicht dauerhaft bleibt?

Luxus sieht anders aus, Wohlfühlen eigentlich auch: Meine Kammer für 10 Tage. Foto. Doris

Luxus sieht anders aus, Wohlfühlen eigentlich auch: Meine Kammer für 10 Tage.

Tag 5: Halbzeit – und mir fällt es plötzlich wie Schuppen von den Augen: Vipassana ist meine einzige Chance. Oder überhaupt die einzige Chance. Wer kennt nicht diese schlauen Sprüche: Sei nicht so jähzornig! Liebe dich selbst, dann lieben dich auch andere! Blablabla… Wie bitte?!?!? Vipassana ist eine Lösung, ein Weg, der wahrhaftig glücklich macht – weil das Glück nicht von außen, von vorhandenen Erfolgsmomenten, der Beförderung, dem neuen Kleid, dem perfekten Liebhaber abhängt.

Als ich auf der schmutzbeschmierten Scheibe im Essbereich einen der vielen „Be happy :)!“-Schriftzüge entdecke, muss ich lächeln. I am happy!

Tag 6: Ich bin fertig, ich will nicht mehr, ich habe alles gelernt! So einsichtig und „erleuchtet“ ich gestern auch war, heute will ich einfach nur raus. In mein normales Leben. Endlich meine Ideen umsetzen. Endlich wieder ohne Zittern einschlafen. Endlich wieder reden, wieder lesen, wieder schreiben…

Ausgerechnet an diesem Tag passiert dann eine Sitzung, in der ich „es“ schaffe: Mein Fuß ist – wie üblich – im Lotus eingeschlafen. Ein Gefühl, das ich hasse und bei dem ich sofort Stellung wechseln muss aus unerfindlicher Panik, dass mein Fuß abfällt. Nicht diesmal. Diesmal bleibe ich sitzen, bewege mich nicht, schaffe es ausgeglichen zu bleiben und nicht in Angst zu verfallen. Und tatsächlich: Mein Fuß „erwacht“ wieder, ohne dass ich etwas mache. Ein unglaubliches Gefühl der Leichtigkeit, der Freiheit, der Erkenntnis durchströmt meinen Körper: Alles ist ständiges Entstehen und Vergehen, ich habe es am eigenen Leib erfahren!

„Gratuliere, Ihr habt den sechsten Tag überstanden.“, beglückwünscht S.N. Goenka uns abends und erklärt, dass der zweite und der sechste Tag angeblich die Schwierigsten seien. Mit den meisten „Drop-Outs“. Ich bin stolz: Auf mich, auf uns alle! Erst später stelle ich fest, dass auch wir drei Abbrecherinnen verzeichnen mussten. Eine Australierin, eine Russin und eine Inderin haben die zehn Tage nicht durchgehalten.

Licht am Ende des Tunnels.. Naja, noch vier Tage! Foto: Doris

Licht am Ende des Tunnels. Naja, noch vier Tage!

Tag 7, 8 und 9:  Ich habe das Gefühl, dass die Tage vorüberziehen. In den Sitzungen selbst kann ich mich mal besser, mal schlechter konzentrieren. Aber ich hadere nicht mehr, ich habe mich abgefunden, meinen Frieden erlangt. Und doch zähle ich die Stunden: Noch dreißig Stunden Meditieren, noch zwanzig Stunden….

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät... Foto: Doris

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät…

Tag 10: Ein seltsamer Tag, der letzte Tag, der Tag des Redens! Das Schweigen, das wir die letzten zehn Tage aufrecht erhalten haben, ist heute zu Ende. Dabei ist das Schweigen der Teil bei Vipassana, der mir am leichtesten fällt. Ich erinnere mich, dass ich bei meinem ersten Vipassana-Kurs Ende 2008 noch bewusst länger beim Meditieren geblieben bin, als es hieß: Ihr dürft wieder sprechen. Ich konnte noch nicht, war überfordert vom Lärm, vom Pulsieren, vom Lebendigsein und habe mich erst nach einigen Minuten hinaus unter Menschen getraut.

Heute ist alles anders. Heute plaudere ich von Anfang an. Der Tagesablauf ist aufgelockert – meditiert wird trotzdem. Keine zehn, sondern „nur“ um die acht Stunden. „Ich konnte mich nicht konzentrieren, bin jedes einzelne Gespräch in Gedanken durchgegangen.“, erzählt mir Priti, eine der new students, später von ihrer schwierigen Meditationserfahrung an diesem Tag. Und doch müssen wir genau das lernen: Das Meditieren „trotz“ des Redens, trotz des Alltags, trotz anderer Verpflichtungen.

Die Grenzen werden am letzten Tag aufgebrochen. Foto: Doris

Die Grenzen werden am letzten Tag aufgebrochen: Wir dürfen uns am Gelände wieder frei(er) bewegen.

Heute gehen wir einmal nicht um 21 Uhr schlafen, sondern kauern uns mit Matratzen und Decken bewaffnet draußen ins Gras und auf die Wege so lange, bis uns die Eiseskälte in die Schlafsäcke treibt.

Tag 11: Ich habe es geschafft. Um 7.30 Uhr – nach der Morgenmeditation und dem Frühstück – ist der Zehn-Tage-Vipassana-Kurs offiziell zu Ende. Doch die richtige Herausforderung beginnt erst, das weiß ich schon jetzt: Jeden Tag soll man – morgens und abends – je eine Stunde meditieren, jedes Jahr einen Kurs besuchen und natürlich in jedem freien Moment Vipassana praktizieren. Ich bin sehr motiviert!

„Vipassana ist die Kunst zu leben und zu sterben,“, gibt uns S.N. Goenka auf den Weg, „glücklich, friedvoll und harmonisch!“ Und ich muss an ihn denken, diesen dicklichen, alten Inder mit Reibeisenstimme und unglaublich warmer Ausstrahlung, der in der ersten Oktober-Woche gestorben ist. Vermutlich mit einem Lächeln auf den Lippen, denn er hat diese Kunst zweifellos beherrscht!

Wir haben es geschafft: Die Mädels am letzten Tag! Foto: Anupama

Wir haben es geschafft: Die Mädels am letzten Tag! Foto: Anupama

Und die Affen? Die haben sich dezent im Hintergrund gehalten, sich nur ab und an lautstark auf den Blechdächern bemerkbar gemacht, mittags Teilnehmerinnen beim Zähneputzen beobachtet (was die Komisches machen, die Menschen!) und uns mit ihrem Familienprogramm – von Entlausung bis Auf-Bäume-Jagen – unterhalten. Sie haben wohl gewusst, dass wir mit dem Affenzirkus in unseren Köpfen genügend zu tun haben. Recht haben sie! Be happy!

 

Himachal Vipassana Center Dharamkot, PO: McLeod Ganj – 176219, Dharamsala, Distt. Kangra. Himachal Pradesh, India. Telefon: [91] 92184-14051 , [91] 92184-14050 (Office hours: Montag – Samstag: 4-5pm), E-Mail: info@sikhara.dhamma.org, Infos und Bewerbung für alle Kurse weltweit unter www.dhamma.org

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Als Nomade leben, arbeiten und die Welt verändern? Es geht!

„Warum willst du dich auf einen einzigen Platz beschränken, den du Heimat nennst, wenn doch der ganze Planet so viel anzubieten hat?“ Tudor Tarlev möchte sich in keinem Fall beschränken lassen….

„Warum willst du dich auf einen einzigen Platz beschränken, den du Heimat nennst, wenn doch der ganze Planet so viel anzubieten hat?“ Tudor Tarlev möchte sich in keinem Fall beschränken lassen. Seit er 16 ist, ist er auf einer unternehmerischen Reise – als Nomade. „Ich schätze, ich kann mein Dorf in Moldawien Heimat nennen, aber da bin ich nur ein paar Wochen im Jahr.“ Den Rest der Zeit ist der „chronische Unternehmer und Aktivitätsjunkie mit sechs Start-Ups in Planung und großen Misserfolgen“ als selbst ernannter „Veränderungsagent“ unterwegs in ganz Europa, um positive, nachhaltige Projekte durchzuführen. Ich habe Tudor zu seinem Lebensstil und seinen Projekten befragt – und vielleicht inspirieren sie auch dich:

Doris: Tudor, du bezeichnest dich als „Nomade und Unternehmer“ – was genau machst du? 

Tudor: Ich habe meine unternehmerische Laufbahn gestartet als ich 16 war, während meiner Zeit auf dem College in Moldawien, als ich Wirtschaft studiert habe. Nach einigen Monaten kam mir der Gedanke, dass man die Seite der wirtschaftlichen Entwicklung nur dann verstehen kann, wenn man selbst ein Unternehmen gründet und zum Wachsen bringt. Das Konzept des Nomadentums kam 2011 dazu, als ich von Moldawien nach Rumänien übersiedelt bin und dort aktiv an lokalen und regionalen Treffen in Europa teilgenommen habe. Damals habe ich eine einfache Entdeckung gemacht: Du kannst mit deinem Unternehmen keine globale Auswirkungen haben oder haben wollen, wenn du nicht mit deiner Gemeinschaft in Kontakt bist, deine Märkte kennst, starke Netzwerke pflegst, kulturelle Hintergründe anschaust und das, was die Menschen bewegt, wo auch immer sie sind.

Jetzt bin ich dabei, ein Sozialunternehmen namens Dreamups zu gründen, ausgehend von Österreich. Das Team ist aber sehr international und besteht aus Nomaden.

Screenshot der Website Dreamups.

Dreamups ist im August 2012 gestartet, die Plattform möchte als eine Art „Bibliothek“ fungieren, in der jeder sein Buch/sein Wissen einbringen und mit Gleichgesinnten teilen und jeder alles Wissen übernehmen/ansehen kann. Alle Anweisungen aus der Bibliothek sind nachhaltige und mit Leidenschaft entwickelte Lösungen. Die Idee ist, Lösungen in einem simplen “do it yourself” Format zugänglich zu machen, um von lokalen Gemeinschaften und Individuen weltweit genutzt zu werden.

Foto: Tudor Tadev

Wann und warum hast du dich für ein Leben als Nomade entschieden?

Ich nenne es keine Entscheidung, es war mehr als Lebensstil, der sich über die Zeit entwickelt hat, als ich versucht habe, mich weiter zu bewegen, zu lernen und mein Netzwerk zu schaffen. Zumindest jetzt, wo ich mich um weniger Dinge kümmern muss und mehr Bewegungsfreiheit habe, möchte ich so viel wie möglich entdecken und gleichzeitig etwas Positives für die Welt kreieren.

Was sind die größten Herausforderungen und Chancen deines Lebensstils? 

Die größte Herausforderung sind wohl die Ressourcen – du hast keinen fixen Job und du musst ja von etwas leben, also musst du entweder als Freelancer gut sein, oder dein Start-Up läuft so gut, dass es deine Kosten deckt. Eine andere Herausforderung ist dein Können und das Vertrauen: Wie organisierst du deine Arbeit und einen Erfolg außerhalb eines normalen, geregelten Büroalltags, manchmal mit Menschen, die auf der anderen Seite des Ozeans leben? Sozial: Manchmal ist es hart, sich in eine lokale Gemeinschaft zu integrieren und alle Möglichkeiten zu entdecken, die sie für dich bietet. Das Geheimnis ist, den Fluss zu genießen, Menschen zu vertrauen und dich selbst jeden Tag zu fragen: Welchen Wert habe ich für andere geschaffen?

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Kannst du bitte deine Reise beschreiben? Die Landkarte auf deiner Website sieht spannend aus! 

Naja, die Landkarte ist einfach zu erklären: Ich habe einige Projekte in Moldawien, Rumänien und Österreich gegründet. Die restlichen Länder habe ich mehr für Gemeinschaftsprojekte, Konferenzen, Kongresse und zur unternehmerischen Forschung besucht. Andere wie die Niederlande oder Deutschland sind potenzielle Umfelder für zukünftige Entwicklungsprojekte. In den nächsten Jahren werden die Punkte auf der Landkarte rasant zunehmen, nachdem ich plane, jedes Jahr neue Länder anzuschauen, dort zu leben und innerhalb der Dreamups Gemeinschaft zu arbeiten.

Foto: Tudor Tadev

Du lebst gerade in Österreich – ist das das Ende deines Nomadendaseins oder bloß eine Pause? 

Der genaue Ort ist Dreamicon Valley, Siegendorf, eine halbe Stunde südlich von Wien. Da ist auch das Hauptquartier der Dreamups und der Platz, an den wir alle drei Monate zusammenkommen, um zu evaluieren und die nächsten Schritte für die kommenden drei Monate zu überlegen. Den Rest der Zeit bin ich unterwegs, um Möglichkeiten zu entdecken und positive Auswirkungen auf die Welt zu haben.

Was sind deine größten Projekte bisher, worauf bist du am meisten stolz? 

Eine meiner besten Erfahrungen war TEDxChisinau.com, ein großartiges Team und etwas, was ich geschafft habe, zum Wachsen zu bringen und dadurch Lösungen für die lokale Gemeinschaft zu schaffen. Jetzt führt Elena, eine Freundin aus Moldawien, das Projekt und sie übertreffen alle Erwartungen, die wir im ersten Moment hatten. Ich liebe das, was sie derzeit machen. Die zweite Sache sind meine Lebenserfahrungen, all die großartigen Menschen, die ich getroffen habe, und meine Bankrotterklärungen; sie haben meine Zukunft enorm bereichert. Das letzte und aufregendste ist mein neues Baby, Dreamups – eine globale Plattform für Menschen, um nachhaltige Lösungen zu entdecken und zu erschaffen. Es ist einfach riesig und ich freue mich sehr auf seine Entwicklung.

Foto: Tudor Tadev

Kannst du auch noch etwas Genaueres zu deinem neuen Projekt, einem Buch verraten? 

Die Arbeitslosenrate wird in Zukunft noch mehr werden, weil alles automatisiert und technologisiert wird. Dann können wir zu dem Moment kommen, wo Menschen in vielen Bereichen nicht mehr gebraucht werden. Aber es gibt einen Platz, wo man sie immer brauchen wird – in ihrer Gemeinschaft und der Familie. Ich stelle mir eine Zeit vor, wenn Menschen zu ihren Wurzeln zurück kommen und ein viel mehr von den Werten geprägtes Leben führen, zum Beispiel ihr eigenes Essen produzieren, Selbstgemachtes und Upcycling-Produkte nutzen. Es ist großartig zu begreifen, dass wir unsere Fähigkeiten außerhalb des Arbeitsmarkts einsetzen können und trotzdem unseren Lebensunterhalt verdienen und Mehrwert schaffen. Das wird der Moment sein, an dem jede Person ein Künstler, ein Erschaffer sein darf. Das Buch nennt sich “DO nomads” und wird eine interaktive Reise mit Aufgaben und Herausforderungen sein, die es zu meistern gilt, und deshalb wird die Erfahrung für jeden Leser einzigartig sein. Eine Geschichte in Echtzeit, die die Erfahrung anderer Menschen darstellt und Einblicke gibt, wie man Neues erschafft und diesen Weg meistert. Es ist eine Reise über vier Jahre, und ich hoffe, dass das Stück Kunst 2015 öffentlich zugänglich wird. Um zu verstehen, was ich sage, lest am besten Robots Will Steal Your Job, But That’s OK von Federi Pistono oder We Are All Artists Now von Seth Godin.

Danke, Tudor!

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Meine ZEAM und ich: Wie man mit einem Baum verreist

Solite heißt sie, meine neue Reisebegleitung. Nachhaltig ist sie, natürlich und vor allem ganz schön alt. Über 300 Jahre genauer gesagt. Und sie ist nicht allein. 51.242 ihrer Geschwister sollen…

Solite heißt sie, meine neue Reisebegleitung. Nachhaltig ist sie, natürlich und vor allem ganz schön alt. Über 300 Jahre genauer gesagt. Und sie ist nicht allein. 51.242 ihrer Geschwister sollen in die Welt hinaus geschickt werden. Diese abertausenden kleinen Zirbenholzstücke, ZEAM genannt, haben eines gemeinsam: Sie alle stammen von einer 300jährigen Zirbe am Zirbitzkogel in der Steiermark. Ein Baum, der jetzt die Welt erobert entdeckt – Stück für Stück.

„Dir geht es um nachhaltige und bewusste Reisegeschichten – ich denke, wir passen zusammen.“ Mit diesem Mail begann meine Geschichte mit Solite. Oder besser gesagt mit Martin Neitz, der mich kontaktiert und mir heute meine ZEAM (steirisch für Zirbe) mit auf den Weg gegeben hat. Er ist nicht nur „Reiseführer“ des Baums, auch die Idee für das Projekt stammt von ihm. Ursprünglich hätte es ein Ahornbaum sein sollen, der in Einzelteilen in die Weltgeschichte geschickt werden wollte. Dass es dann doch die Zirbe wurde – eine der heilsamsten Bäume, der entschleunigt und dem sogar die Fähigkeit zugesprochen wird, die Herzfrequenz zu senken – hat wohl so kommen müssen.

Vor einem Jahr war der Moment, als Martin am steirischen Zirbitzkogel „seine“ Zirbe gefunden und selbst geschnitten hat. Alt war sie, hatte kaum mehr grüne Zweige. Jetzt steht an ihrer Stelle eine neue Zirbe. Und aus dem Baum, der „am Ende“ war, entstand etwas Neues: 300 – 400 dieser ZEAM, die Martin jeweils einzeln bearbeitet, schleift und formt, sind schon unterwegs. Verschickt oder übergeben in einem recycelten Pappkarton kann so der Baum im Sinn der Nachhaltigkeit weiterleben.

Über 123.489 Kilometer in 19 Ländern haben die ZEAM bereits zurück gelegt und so „eine Verbindung über den Erdball geschaffen“, heißt es auf der Website. Woher man das weiß? Jedes Zirbenholzstück hat seinen eigenen Code und einen Namen (wie meine Solite): Registriert man sich damit auf zeam.at, kann man die Reise der ZEAM aufzeichnen und verfolgen. Nicht nur seine, sondern auch andere, die unterwegs sind.

Da hängt eine ZEAM am Zaun mit Blick auf die Wüste. In einem Video erlebt eine ZEAM mit selbst gebastelter Sonnenbrille, die der ihrer Besitzerin aufs Haar gleicht, Xtreme Strassenbahnfahring in Wien. Ja, die Zirbenholzstücke kommen ohne Zweifel ganz schön viel herum. „Die meisten wollen ihre ZEAM gar nicht mehr hergeben“, erzählt mir Martin mit einem lachenden und weinenden Auge, ist das doch Teil der Idee: Die kleinen Holzstücke sollen weiter gegeben werden und dann mit einem anderen Menschen ihre Reise fortsetzen.

„Erst neulich habe ich ein Mail von einem gewissen Karl Gamper in meiner Inbox gehabt, der meine Visitenkarte zusammen mit einer ZEAM auf seinem Schreibtisch gefunden hat,“, berichtet Martin, der nicht nur mit Leidenschaft, sondern auch mit finanziellen Mitteln voll und ganz bei der Sache ist, „wie er dazu gekommen ist, das ist mir und ihm ein Rätsel.“ Ja, die Wege der ZEAM sind unergründlich. Als Zeichen der Dankbarkeit, der Wertschätzung der Verbundenheit können die Zirbenholzstücke verschenkt werden. „Einer der Reisenden gibt die ZEAM als Erinnerung an seine verstorbene Frau weiter.“, so Martin, der berührende Geschichten wie diese seit dem Start des Projekts vor einigen Monaten öfters erlebt.

Und Solite und ich? Wir haben unsere Reisefreundschaft erst einmal gebührend gefeiert. Mit einem unfreiwilligen Bad in einer Taufe mit Gelbem Muskateller. Nicht das Ende, sondern erst der Anfang von der Reise eines (Stück) Baumes.

 

Wer auch eine ZEAM sein Eigen nennen oder an einen lieben Menschen verschenken möchte, kann sie derzeit online bestellen (8,23 Euro zuzügl. Versandkosten). In Zukunft sollen die Zirbenholzstücke darüber hinaus in ausgewählten Läden verkauft werden. 

Ab sofort erhält man auch Newsflashes über den aktuellen Status seiner ZEAM in die Inbox. Die Reise von Solite könnt Ihr auf zeam.at/zeam/Solite/ weiter verfolgen. 

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Meditation in der U-Bahn: Augen zu und – Stille!

„Reumannplatz! Achtung, Türen schließen!“, so die Stimme in den Wiener Linien. Wie auf Kommando gehen nicht nur die Türen der U-Bahnlinie U1 zu, sondern es schließen sich auch die Augen…

„Reumannplatz! Achtung, Türen schließen!“, so die Stimme in den Wiener Linien. Wie auf Kommando gehen nicht nur die Türen der U-Bahnlinie U1 zu, sondern es schließen sich auch die Augen meiner SitznachbarInnen. Ein paar Fotos später mache ich es ihnen gleich und versinke ebenfalls in der Stille. Schließlich sitze ich genau deshalb hier: Nicht, um von A nach B zu kommen, sondern um beim fünften UrBan Meditation Flashmob mit 21 anderen das gemeinsame Meditieren in der U-Bahn zu erleben.

Sich mit einer Gruppe zu treffen, um gemeinsam zwischen Anfangsstation und Endhaltestelle in der U-Bahn demonstrativ die Augen zuzumachen und zu meditieren? Als ich vor einigen Monaten von der Idee gehört habe, war ich wenig begeistert. Für mich ist Meditieren etwas Stilles. Etwas Privates. Etwas, das ich nicht zur Schau stellen möchte. Warum sollte ich das dann mit anderen in der U-Bahn tun?

Aber neugierig wie ich bin, wollte ich das Ganze einmal ausprobieren: Und endlich, letzten Donnerstag hat es geklappt.

Ich war überrascht! Davon, wie selbstverständlich und natürlich diese Reise in die Stille war. Kein lautes Zur-Schau-Stellen, kein Beweisen-Wollen. Ich habe einfach in der U-Bahn die Augen geschlossen, versucht, bei mir zu bleiben und mich durch die Handy-Streitgespräche neben mir genauso wenig ablenken zu lassen wie durch Gedränge in der Hauptverkehrszeit. Dass ich das zufällig zeitgleich mit anderen getan habe, das ist wohl bloß den anderen Mitfahrenden aufgefallen – wie mir die skeptischen Blicke meines Gegenübers beim Aussteigen aus der U-Bahn verraten haben.

„Innehalten. Vorleben. Inspirieren.“, so beschreibt Shaohui, der Gründer von iMeditate, der selbst regelmäßig Atem- sowie Achtsamkeitsmeditation (Vipassana-Meditation) praktiziert, seine Initiative. Warum er Meditieren zum „Volkssport“ machen möchte, und wie er das mit dem Lärm in der U-Bahn sieht, das verrät er mir im Interview:

Doris: Shaohui, wie kamst du auf die Idee zu iMeditateVienna?

Shaohui: Zuerst war die Idee der U-Bahn-Flashmobs. Sie entstand im April 2012 während des zweiten Moduls des Lerngangs „Pioneers of Change„. In jenem Modul ging es darum, mit Prototypen nach außen zu treten. Inspiriert von dem kreativen Aktionismus der Pioneers wurde in mir der Impuls ausgelöst, Meditations-Flashmobs in der U-Bahn zu organisieren. Das Ziel dieser Aktionen ist es, mit Meditation und Stille einen bewussten Kontrastraum zu Hektik, Ablenkung und Anspannung zu schaffen.

Aus diesem Impuls wurde dann die Idee geboren, Meditation als „Volkssport“ zu etablieren und sie einer breiteren Masse zugänglich zu machen. In diesem Prozess ist iMeditateVienna als Name für diese Bewegung entstanden. Inspiriert zu dem Namen hat mich die Meditationsbewegung „I Meditate NY“ in New York, auf die ich im Internet gestoßen bin.

Was ist für dich Meditation?

Meditation ist für mich ein bewusstes mit mir selbst in Verbindung gehen und meine Achtsamkeit auf das, was im gegenwärtigen Moment präsent ist, zu richten. Dabei beobachte ich meinen Atem, meine Körperempfindungen, meine Emotionen, meine Sinneswahrnehmungen oder meine Gedanken ohne sie zu bewerten und an ihnen anzuhaften.

Meditation kenne ich vor allem in der Stille und für sich: Ist es nicht ein Widerspruch, diese Form der Reise nach Innen im öffentlichen Raum zu praktizieren und somit zur Schau zu stellen?

Ich sehe für mich keinen Widerspruch. Meditation ist für mich eine innere Haltung, wie ich dem Leben begegne. Mir geht es darum, den Alltag als Übungsfeld für Meditation zu entdecken und anzunehmen. Wenn ich zuhause auf meinem Meditationskissen sitze, übe ich in äußerer Stille. Wenn ich unterwegs in der U-Bahn sitze, übe ich mich in innerer Stille. Hier möchte ich gerne ein Zitat von Eckhart Tolle einbringen: Jeder störende Lärm kann ebenso hilfreich sein wie äußere Stille. Inwiefern? Wenn du den inneren Widerstand gegen den Lärm aufgibst, so dass er sein darf, wie er ist, führt dich dieses Annehmen auch in den Bereich des inneren Friedens, der inneren Stille.“ Der vietnamesische Mönch Thich Nhat Hanh sieht keine Trennung zwischen dem formellen Sitzen in Stille und der Achtsamkeitspraxis im Alltag. Er hat fünf konkrete Achtsamkeitsübungen für den Alltag formuliert, wie zum Beispiel aufmerksames Zuhören oder achtsamer Konsum.

Hast du ein besonderes Erlebnis auf der Reise nach Innen gehabt, das du als Schlüsselmoment für dich bezeichnen würdest? 

Bei meiner ersten Begegnung mit Meditation 2006, während eines Zehn-Tage-Vipassana-Retreats in einem Kloster in Thailand, hatte ich am siebten Tag einen kurzen Moment eines Vertiefungszustands. Eine intensive Freude, wie ich sie noch nie empfunden habe, ist durch meinen Körper geströmt. Dieses Erlebnis hat mich neugierig gemacht, mich selbst und meine innere Natur mit Meditation zu erforschen. Ein anderes Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren bei einer Vipassana-Meditation. Ich habe eine tiefe Präsenz erfahren und meine Sinneswahrnehmungen waren von intensiver und klarer Qualität.

Was sind deine nächsten Pläne? Ich habe davon gehört, dass du Wien als Meditationshauptstadt positionieren möchtest. 

Die nächsten Pläne sind für mich meine Vision einer „achtsamen“ Stadt niederzuschreiben. Darunter verstehe ich eine Kultur der Achtsamkeit im Miteinander und öffentliche Orte des Rückzugs für Stille und Meditation in der Stadt. Mit dieser Vision will ich konkret Initiativen und Leute, die öffentliche Meditationen machen oder Stille in den öffentlichen Raum bringen, einladen um daraus einen gemeinsamen Traum zu entwickeln. Außerdem arbeite ich gerade an meiner Idee, ein internationales Festival für Meditation und kontemplative Künste in Wien auf die Beine zu stellen. Dies würde sich wunderbar dafür eignen, die Stadt Wien als „Hauptstadt der Meditation“ international zu bewerben.

Wie sind die Reaktionen der Leute bei den Flashmobs?

Die Leute reagieren mit Dankbarkeit, Begeisterung und großem Interesse. Ich habe das Gefühl mit Meditation im öffentlichen Raum das Bedürfnis vieler Menschen gerade im urbanen Alltag nach Entschleunigung, nach Innehalten und nach Zurück-zu-sich-Selbst-finden anzusprechen. Eine schöne Reaktion bei den Flashmobs hatten wir einmal bei einer Schülerin gesehen, die zugestiegen war und einen iMeditateVienna Flyer in die Hand gedrückt bekam. Als ein Sitzplatz frei wurde, setzte sie sich nieder und meditierte bis zur Endstation mit. Beim Aussteigen fragte sie noch nach weiteren Flyern.

Riesig gefreut hat mich auch folgender Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin: „Es war sehr berührend für mich, dabei zu sein! Nach dem Einstieg in Hütteldorf versank der Waggon, in dem wir uns befanden, von Augenblick zu Augenblick mehr in Freude. In Schönbrunn war ich so berührt von dieser liebevollen Stille-Welle, in die ich mich eingehüllt fühlte, dass ich Tränen in den Augen hatte. Fahrgäste, die einstiegen, irritierten das Energiefeld – oder waren es wir selber, die sich irritieren ließen? Ich weiß es nicht, ich spürte nur, dass die „Neuen Unbekannten“ bis zur nächsten Station integriert waren. Bis Heiligenstadt ist dann die Zeit stehen geblieben, weil wir maximal zehn Minuten min unterwegs waren. Jetzt, drei Stunden später, strahlt noch immer alles in mir Ruhe, Liebe, Glück und Entschlossenheit aus. Entschlossenheit, solche Kräfte und Initiativen weiterhin zu stärken! Danke!“

Ich sage auch Danke für deine Antworten, Shaohui! Und wir sehen uns wieder, beim Meditieren in der U-Bahn!

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Laufen für die Umwelt: 5.000 Meilen durch Südamerika

Beim Duschen, beim Beobachten der Wellen auf dem Ozean oder beim Autofahren – das sind Situationen, in denen oft die besten Ideen kommen. Katharine und David, ein 34-jähriges britisches Ökologen-Ehepaar…

Beim Duschen, beim Beobachten der Wellen auf dem Ozean oder beim Autofahren – das sind Situationen, in denen oft die besten Ideen kommen. Katharine und David, ein 34-jähriges britisches Ökologen-Ehepaar wurden zu ihrem unglaublichen Reise-Projekt inspiriert, als sie gerade Seevögel in der Karibik untersuchten. Das war 2009, und drei Jahre später verwirklichen sie ihren Traum. “Wir wollten etwas tun,”, sagen sie in den FAQs auf ihrer Website, “um auf die Weltwunder in Südamerika aufmerksam zu machen und dabei eine einzigartige Expedition unternehmen.” Genau das machen sie gerade. Seit 28. Juli 2012 sind sie auf dem Weg, ohne Unterstützung 5.000 Meilen, also rund 8,047 Kilometer, durch Südamerika zu laufen. Ja, zu laufen!

Im Interview erzählen mir die beiden Abenteurer mehr über ihre Einjahresreise und die körperliche Herausforderung, ihre ganze Ausrüstung – Haus, Büro, Küche, Labor – in einem eigens gebauten Trailer aus Recycling-Material hinter sich her zu ziehen.

Doris: Welche Absicht verfolgt ihr mit eurem Projekt?

Die Motivation sind die Natur und die Tiere darin: Wir möchten für unsere Organisationen “Conservacion Patagonia” und “Birdlife International” Geld sammeln, damit sie bedrohte Lebensräume auf dem Kontinent besser schützen können. Wir möchten außerdem dazu anstiften, selbst für die Umwelt aktiv zu werden und Menschen aus aller Welt mit Südamerika verbinden und sicherstellen, dass unsere täglichen Entscheidungen eher der Natur und dem Ökosystem helfen als ihnen zu schaden.

Wie kamt ihr darauf, die 5.000 Meilen zu laufen?

Wir dachten zuerst daran, von West nach Ost durch den Amazonas zu gehen, doch dann haben wir herausgefunden, dass ein britischer Kollege, Ed Stafford, genau das gerade tut und es gut tut. Wir dachten dann daran, die Länge des Kontinents zu durchwandern oder auf jedem Kontinent auf einen alten Baum zu klettern, aber nach einigen Wochen im Amazonas auf einer ungeführten Expedition war uns klar, dass das Jahre und nicht nur ein Jahr dauern würde. Dann war da das Laufen. Können es unsere Körper monatelang auf diesen schlechten Straßen aushalten und daneben noch unsere ganze Ausrüstung mitschleppen? Wir finden das gerade heraus…

Ihr habt eure Reise gerade erst begonnen, was hat euch bisher am Meisten überrascht?

Die Art, wie Chilenen und Argentininier hupen und uns zuwinken – wir hatten keine Idee davon, dass es so aufregend sein würde, uns auf diesen Straßen laufen zu sehen! Uns wurden Empanadas und Milkshakes durch Autofenster gereicht und ständig fragt uns jemand, ob wir mitfahren möchten! Die Polizei – sowohl in Chile als auch in Argentinien. Wir würden in Großbritannien nicht zur Polizei gehen, um Hilfe zu holen, aber hier bleiben die Polizisten sie stehen, um zu prüfen, ob es uns gut geht, bieten uns Autofahrten an, Essen, heißes Wasser, Campingplätze… Unglaubliche und sehr schöne Überraschungen!

Wie sind die Reaktionen der Leute, die ihr trefft, und hat euch schon eine Person besonders beeindruckt?

Wir liefen vor kurzem nach Puerto Natales in Chile und jemand, der von unserer Expedition gehört hatte, fuhr rund 60 Kilometer, nur um uns zu treffen, ohne zu wissen, ob sie uns wirklich finden würde, ohne uns jemals vorher getroffen zu haben, nur um mit uns einen heißen Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen. Wir haben in dieser Nacht unser Zelt im Schnee aufgestellt und dann wunderschöne Stunden mit ihr in ihrem Auto verbracht, dabei gegessen, Kaffee getrunken und ihren lieben, aber etwas faulen Hund gestreichelt.

Wie würdet Ihr euren Trip in drei Worten beschreiben?

Entdecke mehr laufend…

Wenn jemand in eure Fußstapfen treten möchte, was würdet ihr ihm/ihr sagen?

1. Es ist wirklich schwierig, Websites und Verbindungen auf dem Laufenden zu halten – trotz aller modernen Mittel, also halte deine Erwartungen niedrig!
2. Mach dich auf kulturelle Differenzen gefasst – und wirf deine Uhr weg!
3. Du brauchst weniger als du denkst. Bereite deine Reise vor, dann verbringe die ersten paar Wochen damit, festzustellen, was du wirklich brauchst und werde den Rest los – jedes Gramm zählt!
4. Kontakte in jeder Stadt sind wichtig!
5. Du wirst nie fertig und bereit sein, also lauf einfach los!

Was habt ihr bereits gelernt, was ihr den zu Hause Gebliebenen mitteilen möchtet?

Komfort und Bequemlichkeit stehen zwischen dir und der echten Erfahrung, Leben, Ehrgeiz, Wissen, allem! Brich da durch oder verbringe dein Leben schlafwandelnd!

Was ist die größten Herausforderung auf der Reise?

Motiviert und in Verbindung zu bleiben. Die Reise soll erst in einem Jahr fertig sein, aber wir sind so ungeduldig und wollen einen Unterschied machen, sodass wir jetzt schon das Gefühl haben, die Zeit rinnt uns durch die Finger – wir müssen konzentriert und vor allem geduldig bleiben.

Was ist die Belohnung, die Freude, die ihr erwartet?

Zu wissen, dass wir schon durch kleine Schritte schützen und einen kleinen Teil von Südamerika vor der Zerstörung bewahren können.

Abgesehen von den drei Missionen „Raise, connect, inspire“ auf Eurer Website, was möchtet ihr jeder für sich erreichen?

David: Laufend zum anderen Ende zu kommen ist mir schon genug!
Katharine: Dass jeder von uns etwas für die Umwelt und die Natur tun kann. Alle unsere Entscheidungen beeinflussen sie, hier die richtigen für die Umwelt zu treffen ist anfangs sicher hart, aber es ist so zufriedenstellend und verblüffend auf lange Sicht gesehen.

Danke für das Gespräch und viel Glück für den Rest der 5.000 Meilen!

Mehr über das Projekt und wie man die beiden unterstützen kann findet ihr hier: 5000mileproject.org

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