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Kategorie: Inspiration.

Die Glücksbringer Teil 3: „die Sinnstifter“ über das Schulfach Glück

„Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass Glück hauptsächlich von drei Faktoren bestimmt wird: Den Genen (50%), den Lebensumständen (10%) und zu 40% (!) von unserer persönlichen Einstellung“, wissen Margot Maaß und Siegfried…

„Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass Glück hauptsächlich von drei Faktoren bestimmt wird: Den Genen (50%), den Lebensumständen (10%) und zu 40% (!) von unserer persönlichen Einstellung“, wissen Margot Maaß und Siegfried Neubauer, die als „die Sinnstifter“ Unternehmen und Einzelpersonen in Sachen Glück beraten. Damit wir von Kindesbeinen an Glücksgewohnheiten etablieren, haben sie in Kooperation mit dem Fritz-Schubert-Institut die Initiative “Schulfach Glück Österreich” gegründet. „Ich habe in den vergangenen Jahren erlebt, was vielen jungen Menschen fehlt, wenn sie von der Schule in den Arbeitsmarkt eintreten: Lebenskompetenz, Eigenverantwortlichkeit, Freude an der Leistung und manche stellen sich auch die Frage nach dem Sinn im Leben“, so Maaß über ihre Intention, „das sind jene Themen, die wir mit dem ‚Schulfach Glück‘ stärken wollen.“ Seit dem Schuljahr 2009/10 steht das Glück mittlerweile an über 130 Schulen in Österreich und Deutschland auf dem Lehrplan. Mit Erfolg! So wirkt es sich laut einer Heidelberger Studie aus dem Jahr 2012 nicht nur positiv auf das Selbstwertgefühl der SchülerInnen aus, auch LehrerInnen profitieren von den praktischen Übungen: „Damit begeben sie sich selber auf die Suche, was Glück für sie bedeutet und werden so zu Schatzsuchern, nicht nur bei ihren Schülern.

Doris: Fühlen Sie sich glücklich? Und wenn ja, warum? 

Maaß: Die Liste an Momenten, Menschen und Möglichkeiten, die für mich persönlich Glück bedeuten, ist lange. Dafür bin ich sehr dankbar. Dankbarkeit ist übrigens ein wichtiger Schlüssel zum Glücklichsein, weil sie den Blick schärft, das Gute in seinem Leben zu sehen.

Neubauer: Suche den Sinn im Leben und du wirst Glück finden. Glück ist in den meisten Fällen also kein einmalig erreichter Zustand, sondern es erneuert sich immer wieder selbst, indem man in seinem Leben große oder kleine Dinge tut, die für einen selbst Sinn machen. Genau das versuche ich.

Sie arbeiten sowohl mit Unternehmen als auch Einzelpersonen und üben sich darin, Sinn zu stiften. Warum ist dieser so wichtig fürs Glück – haben Sie konkrete Fallbeispiele aus der Praxis? 

Maaß: Viktor Frankl war überzeugt, dass der Mensch unabdingbar nach Sinn und Bedeutung in seinem Leben sucht. Für ihn beispielsweise lag der Sinn zum Überleben darin, dass er später jungen Studenten über die psychischen Auswirkungen des Konzentrationslagers berichten wollte. Die Theorie des Wohlbefindens nach Martin Seligman, dem Begründer der Positiven Psychologie umfasst neben dem Sinn weitere vier Elemente: Positives Gefühl, Engagement, positive Beziehungen und Zielerreichung (PERMA Modell). In unserer Arbeit als „die Sinnstifter“ ist es uns wichtig, all diese fünf Faktoren mit einzubeziehen. Zusammengefasst könnte man das so beschreiben: Gemeinsam sinnvolle Ziele erreichen und dabei Freude erleben. Zweifelsohne ist das ein hehres Ziel und permanenter Balanceakt in einer Gesellschaft und Wirtschaft, die von Shareholder Value und Rationalisierungsdruck geprägt ist. Wenn es mir aber als Unternehmer gelingt, eine Kultur zu entwickeln und ein Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter Sinn in ihrem Tun erleben, dann ist das ein Gewinn für jeden einzelnen, der sich auch monetär rechnet, davon sind wir überzeugt.

Neubauer: Nicht umsonst legen immer mehr Vorstände und Geschäftsführer Wert auf eine „sinnstiftende Business Mission und Strategie“, die in den Köpfen UND Herzen der Führungsmannschaft und Mitarbeiter verankert ist.

Warum ist das Glück derzeit so „en vogue“, warum suchen wir – der Wahrnehmung nach – immer stärker nach dem Glück? 

Neubauer: In einer, zumindest von uns erlebten Wohlstandsgesellschaft, in der alles verfügbar ist, in der kaum ein Mangel an materiellen Gütern herrscht, wächst die Bedeutung von immateriellen Werten wie Freundschaft, soziale Zugehörigkeit, Familie, innere Balance und Ähnlichem, selbst wenn es auf Kosten von materiellen Dingen wie Einkommen oder Status geht. Manche Erscheinungen wie Facebook oder Twitter befriedigen diese Bedürfnisse –  aber nur vordergründig. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Mensch irgendwann in seinem Leben drauf kommt, dass seine innere Ausgeglichenheit und sein „Glück“ nicht von außen bestimmt sind sondern von innen. Spätestens dann macht er sich auf den Weg zu sich selbst.

Warum sind manche Menschen – in manchen Regionen, aber auch generell – glücklich und andere nicht? 

Maaß: Felicia Huppert und Timothy So von der Cambridge University haben Eigenschaften definiert, die Menschen dabei unterstützen, sich zu entfalten und aufzublühen (flourishing) und haben dies in 23 europäischen Ländern gemessen. Dänemark führt dieses Ranking an, das heißt 33 Prozent der Dänen erfüllen die Flourishing-Kriterien (Positives Gefühl, Engagement/Interesse, Sinn/Bedeutung im Leben, Selbstachtung, Optimismus, Resilienz, positive Beziehungen). England liegt mit 18 Prozent im Mittelfeld, Russland belegt mit 6 Prozent den letzten Platz. Die Untersuchung hat gezeigt, dass stärkeres Aufblühen mit dem Maß der Ausbildung und Erziehung, höherem Einkommen und verheiratet sein zusammenhängt. Die allgemeine Gesundheit ist ebenfalls in mäßigem Umfang mit Flourishing verbunden. Ziel der Politik sollte es sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, die das Aufblühen der Menschen unterstützen. Das BIP als Indikator um den Wohlstand zu messen, greift jedenfalls zu kurz.

Neubauer: Geht man auf Ernst Fritz-Schubert zurück, so ist auch „die Freiheit der Selbstbestimmung“ von wesentlicher Bedeutung für das Aufblühen des Individuums. Sowohl politisch als auch wirtschaftlich und gesellschaftlich lassen sich hier Parameter finden wie beispielsweise freier Zugang zur Bildung, gelebte Demokratie und Pressefreiheit, oder Religionsfreiheit.

Was braucht es, um glücklich zu sein beziehungsweise was kann jemand, der unglücklich ist, tun, um glücklich zu werden?

Maaß: Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass Glück hauptsächlich von drei Faktoren bestimmt wird: Den Genen (50%), den Lebensumständen (10%) und zu 40% von unserer persönlichen Einstellung. Die gute Nachricht ist daher, Glück kann man lernen, weil wir an unserer Einstellung tagtäglich arbeiten können. Normalerweise verwenden wir viel mehr Zeit dafür, darüber nachzudenken, was alles schiefgelaufen ist. Das ist Nährboden für Angst und Depression. Wenn ich mir jedoch jeden Abend nur zehn Minuten Zeit nehme und drei Dinge aufschreibe, die an diesem Tag gut gelaufen sind und warum sie gut gelaufen sind, richte ich meinen Fokus ganz bewusst auf die guten Momente und Erlebnisse in meinem Leben und ich kann damit mein Glück und Wohlbefinden steigern.

Neubauer: Man kann Glück besonders dann fassen und erleben, wenn man mit offenem Geist und Herzen durch das Leben geht. Das kann man lernen mit Hilfe von Stärkenorientierung, positivem Denken, Eigenverantwortung, gesteigertem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.

Sie setzen sich außerdem für das Projekt „Glück in der Schule“ ein – warum ist das Ihrer Meinung nach wichtig und wie kamen Sie zu diesem Projekt?

Maaß: Ich habe in den vergangenen Jahren erlebt, was vielen jungen Menschen fehlt, wenn sie von der Schule in den Arbeitsmarkt eintreten: Lebenskompetenz, Eigenverantwortlichkeit, Freude an der Leistung und manche stellen sich auch die Frage nach dem Sinn im Leben – das sind jene Themen, die wir mit dem „Schulfach Glück“ stärken wollen.

Neubauer:Wir müssen wegkommen von alten schulischen Systemelementen, bei denen Schwankungen sowohl nach oben als auch nach unten als störend empfunden werden. Die Aufgabe der Schule hat sich dramatisch geändert. Sie muss in der Lage sein, unsere Kinder und Jugend auf eine Welt vorzubereiten, von der niemand weiß, wie sie in zehn oder 20 Jahren aussehen wird. Als Initiative “Schulfach Glück Österreich” verfolgen wir das Ziel, das “Schulfach Glück“ im Sinne des Begründers Ernst Fritz-Schubert verstärkt in Österreichs Schulen hineinzutragen. Das Weiterbildungsprogramm „Schulfach Glück“ vermittelt Pädagogen inhaltliche und didaktische Grundlagen zur Durchführung von Unterricht, der die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen gezielt fördert: Mit Lebenskompetenz und Lebensfreude zu einem gelingenden Leben.

Lernt man als junger Mensch leichter, glücklich zu sein?

Maaß: Das Problem ist, dass wir im Laufe unseres Lebens wieder verlernen, glücklich zu sein. Die Schule tut ihres dazu. Schule muss zur angstfreien Zone werden! Damit schaffen wir eine Basis, die junge Menschen unterstützt, ihre eigenen Potentiale zu entdecken und diese wirksam einzusetzen.

Neubauer: Zum einen fällt besonders bei Kindern auf, dass sie in der Lage sind im Hier und Jetzt stark zu empfinden, also präsent zu sein. Das ist auch hilfreich für das Gefühl Glück. Zum anderen haben Menschen mit zunehmender Erfahrung deutlich mehr Filter eingebaut, verlieren an sensorischen Fähigkeiten und sind so weniger in der Lage präsent zu sein. Daher kommt in diesem Stadium anderen Elementen wie Reflexionsfähigkeit oder das Erkennen von Vernetzungen eine stärkere Bedeutung zu.

Neben den Schülern sind ja offenbar auch die LehrerInnen eine wichtige Zielgruppe des Fachs „Glück in der Schule“: Warum das? Wie können diese in Ihrem Glück beeinflusst werden? Und gibt es dazu schon Rückmeldungen? 

Maaß:Die Teilnehmer unseres Lehrgangs „Schulfach Glück“ erleben selbst alle praktischen Übungen, körperliche und gemeinschaftliche Herausforderungen die sie dann im Unterricht einbauen können. Damit begeben sie sich selber auf die Suche was Glück für sie bedeutet und werden so zu Schatzsuchern, nicht nur bei ihren Schülern.

Neubauer:Darüber hinaus wollen LehrerInnen in der Ausübung ihres Berufes erfolgreich, also wirksam sein (wie viele andere auch) und so persönlich Erfüllung finden. Die Kenntnisse über das „Schulfach Glück“ und die Anwendung der Methoden und Instrumente im Schulalltag wirken präventiv gegen Abschalten, Berufsausstieg oder Burnout und steigern die Wirksamkeit von LehrerInnen in der Ausübung ihres Berufes enorm.

Hier zwei Statements von LehrerInnen, die an der Weiterbildung zum „Schulfach Glück“ teilgenommen haben:

„Ich habe persönlich ganz viel gelernt: Meine Schüler zu inspirieren, mir von meinen negativ eingestellten Kollegen in der Schule nicht ‚den Schneid abkaufen zu lassen‘, meine eigenen Ziele ernst zu nehmen und mit Schülern positiv zu arbeiten. Außerdem glaube ich mehr als vorher, dass wir kreativ sein müssen, auch mal was Verrücktes wagen und Unterricht ständig weiterentwickeln. Obwohl es manchmal anstrengend war, ich habe viel gelacht in der Weiterbildung. (…)“ Gymnasial-Lehrerin

„Ich bin voller neuer Ideen, die ich in- und außerhalb des Schulfachs Glück anwende. Für mich war das eine unheimlich wichtige Anregung, die meine Schüler direkt zu spüren kriegen. Positiv zu spüren.“ Lehrerin, die zuvor von Anzeichen eines Burn-outs berichtet hatte.

Danke fürs Teilen des Glücks! 

 

Mehr über „die Sinnstifter“ und ihre Projekte findet ihr unter www.diesinnstifter.at

Das Weiterbildungsprogramm „Schulfach Glück“ vermittelt Pädagogen inhaltliche und didaktische Grundlagen zur Durchführung von Unterricht, der die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen gezielt fördert: Mit Lebenskompetenz und Lebensfreude zu einem gelingenden Leben. Details zum Lehrgang, der am 24. Oktober 2014 startet, unter www.schulfachglueck.at

Hier geht es zu “Die Glücksbringer Teil 1: Glückstrainerin Diana Grabowski“.

Und hier zu Teil 2 über Glücksministerin Gina Schöler.

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Die Glücksbringer Teil 2: Glücksministerin Gina Schöler

Manchmal beneide ich meine deutschen Nachbarn. Warum? Sie haben eine Glücksministerin. Ja, richtig gelesen: Seit November 2012 führt Gina Schöler ihr Ministerium für Glück und Wohlbefinden. Was damals als Semesterprojekt an…

Manchmal beneide ich meine deutschen Nachbarn. Warum? Sie haben eine Glücksministerin. Ja, richtig gelesen: Seit November 2012 führt Gina Schöler ihr Ministerium für Glück und Wohlbefinden. Was damals als Semesterprojekt an der Hochschule Mannheim als Kampagnenidee entwickelt wurde, ist für die junge Kommunikationsdesignerin längst zur Beruf(ung) geworden. Seither gibt sie bei Workshops, Seminaren, Aktionstagen und Happynings weiter, was sie als Glücksministerin gelernt hat und ermuntert, sich Fragen zu stellen: Was will ich? Was brauche ich? Was macht mich glücklich? Und sie sorgt dafür, dass bei all dem Glückstraining der Spaß nicht zu kurz kommt. Mit ihrem Glücksspiel zum Beispiel: „Spendiere beim Bäcker heute jemanden einen Kaffee“, steht auf einer der Karten, die mit QR Codes versehen sind. Hat man die Aufgabe erfüllt – mit einem Lächeln, versteht sich -, gibt man die Karte an eine andere Person weiter. So soll diese durch ganz Deutschland wandern und möglichst viele Menschen glücklich machen. Das ist zumindest der Plan von Gina Schöler, die sich als selbsternannte Glücksministerin kein geringeres Ziel gesetzt hat, als Deutschland glücklicher zu machen.

Doris: Wie geht es der Frau Minister? Bist du in deiner Amtszeit glücklicher geworden? Wenn ja, warum? 

Gina Schöler: Ich habe von dieser Thematik unfassbar viel mitgenommen und gelernt. Vorher war ich ein unbeschriebenes Blatt, eine Kommunikationsdesignerin, der es zwar gut geht, die sich aber noch nie die Frage gestellt hat, was sie will, was sie wirklich kann und was sie denn eigentlich glücklich macht. Dann kam das Glück. Und ich lernte und staunte und fragte nach. Und ich lernte auch mich selbst ein Stück weit besser kennen. Man nimmt viel mit, wenn man sich intensiv mit dem „guten Leben“ beschäftigt. Es sind die kleinen Dinge, die man realisiert: Ruhe, Genuss, Aufbruch, Klarheit – das pure Leben in allen Varianten mit allen Sinnen und Emotionen wahrnehmen und genießen. Das kann man lernen und üben und das macht richtig Spaß!

Das Glücksministerium war ja am Anfang ein Studentenprojekt: Wann hast du die Entscheidung getroffen, dass es für dich zu deinem (Berufs)Leben wird? Und warum?

Die Tatsache, dass das Projekt für mich mehr ist als nur ein Studiumsprojekt, war mir sehr schnell klar. Mit soviel Euphorie, Tatendrang, Ideenreichtum und Begeisterung habe ich vorher noch nie ein Projekt bearbeitet. Es hat sehr viel in mir ausgelöst und mir vor allem gezeigt, dass in mir noch viel mehr schlummert und ich mit meiner Fähigkeit der Kommunikation und der Visualisierung mehr erreichen kann: Menschen bewegen und begeistern, einen sinnvollen und glücklichen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Das steckt an und motiviert ungemein und da hat das MfG etwas in mir geweckt, was mich wohl ein Leben lang begleiten wird. Zum einen wollte ich natürlich einfach nicht aufhören, dieses Thema und das Projekt voranzutreiben und auszubauen, zum anderen habe ich einfach nach dem Motto gehandelt, sein Hobby beziehungsweise die Berufung zum Beruf zu machen – was gibt es Schöneres?

MfG_Gluecksspiel

Glück ist gerade im Trend: Warum ist das so? 

Wahrscheinlich würde ich es nicht Trend nennen, man spürt schon den Bedarf eines Wertewandels und genau da setzt das MfG auch an. Fragen stellen, Impulse geben, Reaktionen abwarten, präsent sein, das Ganze leicht greifbar und sympathisch verpacken, so dass alle verstehen, dass jeder sein eigener Glücksexperte werden kann. Es gibt ganz offensichtlich einen großen Bedarf an Veränderung, das spürt man in allen Bereichen, an allen Ecken und Enden. Die Menschen wollen nicht mehr auf der Überholspur leben, sondern auch mal einen Abstecher machen, eine Pause am Wegesrand einlegen, den Rückwärtsgang einlegen. So langsam sickert durch, dass es so nicht weitergehen kann und überall sprießen Ideen und Alternativvorschläge und -konzepte, es ist eine spannende Zeit. Das Leben kann mehr als Profit und Erfolg. Nämlich Glück.

Glück wird größer, wenn man es teilt: Was waren deine besten Glücksmomente – in deinen Kursen, deinen Coachings, deinen Workshops…

Das Beste, das einem passieren kann, sind leuchtende Augen, strahlende Gesichter, kleine Glühbirnen über den Köpfen der Menschen, die gerade realisieren, was sie anders machen und ausprobieren könnten. Nach Events oder Workshops kommen Menschen oft zu mir und schütten nochmal ihr Herz aus, resümieren und erzählen mir von ihren Plänen und Gedanken, wie sie nun in Zukunft mit sich und ihrem Umfeld umgehen möchten. Diese stillen Worte, herzlichen Umarmungen und auch langen E-Mails sind das Größte! Und oft wird gesagt und gedankt, dass sie sich vorher noch nie die Frage nach dem Glück stellten und dies das erste Mal war!

Du führst auch Glücksumfragen durch: Was ist das Ergebnis – wie glücklich sind die Menschen? Und was machen die Glücklichen anders?

Repräsentativ führe ich (noch) keine Umfragen durch, ich stehe mit den Menschen nur sehr oft im Dialog, sowohl online als auch offline. So zum Beispiel in Straßeninterviews, in Form von Malwettbewerben, Online-Diskussionen oder Kampagnen-Aktionen. Persönlich habe ich das Gefühl, dass die Menschen schon ganz glücklich sind, es vielleicht kulturell bedingt nur ganz gut verstehen, das manchmal zu verstecken. Aber gerade durch die kleinen verschiedenen Aktionen der Kampagne merke ich, wie die Leute oft sehr schnell aufblühen, wenn man sie an der richtigen Stelle kitzelt, das macht riesig Spaß! Was die „Glücklichen“ meiner Meinung nach ausmacht: Leben, lieben, lachen. Abenteuerlust, Mut, Entschiedenheit, Neugierde, raus in die Natur, Neues erleben, teilen, helfen, dankbar sein.

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Traurigkeit, Verlust, Unglück – das gehört ja auch zum Leben dazu. Wie sollen wir damit umgehen deiner Meinung und Erfahrung nach? 

Da es zum Glück nicht darum geht als dauergrinsende Honigkuchenpferde das Leben zu bestreiten, gehört es ganz natürlich mit dazu, dass es ein Auf und Ab gibt. Ohne die Tiefen können wir die Höhen gar nicht so zu schätzen wissen und deshalb muss man auch in schweren Zeiten das Unglücklichsein zulassen. Man darf sich nur nicht darin verlieren, dann wird es kritisch. Die Kunst ist es, auch in traurigen Zeiten, die jeder von uns hat, den Ausgleich zu schaffen, das Positive zu sehen oder zumindest zu erahnen und sich selbst wieder aufzurappeln.

Bewusstsein, Reduktion, Zufriedenheit – diese drei Schlagworte stehen auf der Website ganz oben. Warum genau diese drei?

Bewusstsein – aufwachen, die Scheuklappen ablegen und dem alltäglichen Autopiloten entfliehen. Sich seiner selbst, dem Leben und der eigenen Umgebung wieder bewusst werden, sich wesentliche Fragen zu stellen und nicht aufzuhören, nach Antworten zu suchen. Wie will ich leben? Was will ich wirklich? Was kann ich dafür tun? Seine im Laufe des Lebens wandelnde Identität und die damit verbundenen Träumen wahr- und ernstnehmen und an der Umsetzung dieser arbeiten. Wenn ich tanze, tanze ich. Wenn ich schlafe, schlafe ich. Voll und ganz bei der Sache sein, im Hier und Jetzt leben, jeden Moment mit allen Sinnen genießen – all dies fällt uns in der immer schneller werdenden Welt immer schwerer. Ein Plädoyer an die Kunst des Wahrnehmens und des Genießens. Reduktion – ist weniger das neue mehr? Wenn wir abspecken müssen, um auch weiterhin eine nachhaltige, gute und glückliche Zukunft garantieren zu können, müssen wir uns vor Augen führen, was das „mehr“ ist, wenn weniger mehr sein soll. Es sind die wesentliche Dinge, die das Leben lebenswert machen und auf die es sich zu konzentrieren gilt. Es ist unser Glück. Und dafür braucht es nicht viel, vor allem nichts Materielles. Eine Motivation zum Aussortieren und sich wieder frei machen. Äußerlich und innerlich. Beruflich und privat. Materiell und ideell. Lebenskunst ist die Kunst des richtigen Weglassens. Was brauche ich also wirklich? Zufriedenheit – Es gibt genug Zeitdruck und Konkurrenzkampf in unserem Leben. Wenn man bei sich und mit dem, was man ist und hat zufrieden ist, kann man dem Zirkus da draußen gelassener entgegentreten und es berührt einen nicht mehr so sehr. Man darf sich bewusst werden, dass man keinem Ideal hinterherrennen muss, um ein gutes Leben zu führen. Sei du selbst. Alle anderen gibt es schon. Was macht mich glücklich?

Wie geht’s weiter? Was sind die Pläne und nächsten Schritte der Glücksministerin?

Gerade plane ich ganz konkret mehr Workshops und Seminare zu machen. An Schulen und auch an Unternehmen. Ich möchte mit den Menschen noch intensiver und persönlicher zusammenarbeiten und gemeinsam mit ihnen das Bruttosozialglück gestalten und erarbeiten. Ideen und Visionen gibt es viele! Die nächste Zeit werde ich auf einigen Konferenzen in Deutschland und auch in der Schweiz sein, dort das Thema und das Projekt vorstellen und die Leute spielerisch dazu animieren, mitzumachen. Und eventuell hat das MfG auch bald einen offiziellen Sitz, dann ergeben sich nochmal ganz andere Möglichkeiten und Kontakte zu den Bürgern.

Danke und weiterhin viel Glück!

Mehr zum Ministerium für Glück und Wohlbefinden unter ministeriumfuerglueck.de

 

Hier geht es zu „Die Glücksbringer Teil 1: Glückstrainerin Diana Grabowski„.

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Die Glücksbringer Teil 1: Glückstrainerin Diana Grabowski

„Handymasten, überall Handymasten!“ Was bei uns in Mitteleuropa nach Beschwerde über zerstörte Landschaften klingt, das zaubert einer Dorfbewohnerin im Königreich Bhutan ein freudestrahlendes Grinsen auf ihr zerfurchtes Gesicht. Es ist…

„Handymasten, überall Handymasten!“ Was bei uns in Mitteleuropa nach Beschwerde über zerstörte Landschaften klingt, das zaubert einer Dorfbewohnerin im Königreich Bhutan ein freudestrahlendes Grinsen auf ihr zerfurchtes Gesicht. Es ist ihre Antwort darauf, was sie zum Glücklichsein brauche. Mit Papierwälzern voller Fragen wie dieser sind Interviewer alle paar Jahre acht Monate lang in den abgelegensten Dörfern des asiatischen Kleinstaats unterwegs. Seit 1972 nimmt Bhutan das Glück seiner BewohnerInnen als Maßstab für die Entwicklung und den Wohlstand des Landes her. Damit ist die junge Demokratie nicht allein: Auch die südamerikanischen Staaten Ecuador und Bolivien haben das Prinzip eines guten, weil glücklichen Lebens (Indigenen-Sprache: Sumak kawsay) in ihren Verfassungen verankert.

Zu den glücklichsten Staaten der Welt zählen diese Länder trotzdem nicht: Das sind Dänemark, Norwegen und die Schweiz, glaubt man dem neuesten „World Happiness Report“ der Vereinten Nationen, die Menschen in rund 160 Nationen zum „persönlichen Glück“ befragt haben. Österreich rangiert immerhin auf Platz acht, Deutschland nur unter „ferner liefen“.

Doch „Vergleiche anzustellen, ist ein gutes Mittel, sich sein zu Glück zu vermiesen“, das ließ der Bestseller-Autor und Psychiater François Lelord sein Alter-Ego Hector schon vor zwölf Jahren als erste Lektion auf der Suche nach dem Glück erfahren. So wie der Londoner Seelenklempner, der in „Hectors Reise“ nicht nur mich, sondern auch andere Kinogeher verzückt, beschäftigen sich Philosophen, Wissenschafter und Glücksforscher seit jeher mit der Frage, was Menschen glücklich macht. Dabei geht es nicht um das schnelle Ausschütten der Glücksstoffe Endorphin, Oxytocin, Dopamin oder Serotonin. Nicht ein kurzfristiges Happiness-High steht im Zentrum der Forschung, sondern Glücklichsein im Sinne des generellen subjektiven Wohlbefindens.

Was hat es auf sich mit dem Glück? Wie klappt es mit dem Glücklich sein? Und was halten diejenigen vom Glück, die sich tagein, tagaus mit nichts Anderem beschäftigen? Genau diese Fragen habe ich Glücksexperten und -expertinnen in der letzten Zeit gestellt. Den Anfang macht Diana Grabowski, Glückstrainerin und Lebens- und Sozialberaterin i.A. u.S. Hier sind ihre Antworten:

Doris: Fühlen Sie sich glücklich? Und wenn ja, warum? 

Diana Grabowski: Ja, ich fühle mich oft glücklich und vom Leben beschenkt. Ich bin für so vieles dankbar: Dass ich lebe und gesund bin, dass ich so viel Geborgenheit, Liebe und Inspiration mit meinem Lebenspartner, meinem Freudeskreis und meiner Familie erlebe. Ich bin glücklich darüber, dass ich so viel Erfüllung in meiner Arbeit als Glückstrainerin finde und entdecke voller Begeisterung immer wieder neue Facetten dieses faszinierenden Themas. Dazu kommt, dass die Welt für mich voller Glücksmomente ist. Ich habe ein spezielles Gespür dafür entwickelt. Oftmals sind es kleine Dinge, die mir auffallen und mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern: Eine Urlaubspostkarte im Briefkasten, der warme Sommerwind auf meiner Haut, der Geruch von Pinien und Meeresluft, das Summen von Bienen, die nette Geste der Nachbarin, die Umarmung eines lieben Freundes und vieles, vieles mehr. Da fällt mir ein Zitat von Manfred Winterheller ein:

„Glück ist, wenn Bereitschaft auf Gelegenheit trifft und Gelegenheit ist immer.“

Wie kamen Sie eigentlich zum Glück und zum Glückstraining? 

Ich lebte ein sehr hektisches und erfolgsorientiertes Leben als Marketingmanagerin in der freien Wirtschaft. Vor lauter Stress vergaß ich, wer ich bin und was ich eigentlich will in meinem Leben. Durch eine Krebserkrankung wurde ich aus meinem gewohnten Leben herausgerissen. Ich war mit dem möglichen Ende meines Lebens konfrontiert. Da habe ich alles in Frage gestellt, mein Leben auf den Kopf gestellt und mich auf die Suche gemacht nach meinem verlorenen Ich. Ich habe mich auf die Reise zu mir selbst gemacht, wollte herausfinden, wie ich wieder zu meinem Glück und zu Gesundheit finden kann. Ich bin auf spirituellen Pfaden gewandert, habe mich intensiv mit der positiven Psychologie und der Glücks- und Gehirnforschung auseinandergesetzt und bin dann bei der Glückstrainerausbildung gelandet und war begeistert. Ich habe herausgefunden, wie ich selbst aktiv mein Glück gestalten kann und wie ich andere Menschen dabei unterstützen kann, ihr Leben wieder glücklicher und zufriedener zu gestalten. Ich erkannte, was ich nun der Welt zu geben habe. Letztendlich habe ich festgestellt, dass die Krebserkrankung nicht das Ende, sondern der Beginn meines bewussten Lebens war.

Ja und was geschieht nun in so einem Glückstraining?

In einem Glückstraining geht es darum, die Sicht aufs Leben positiv zu verändern, Einfluss auf die eigenen Gefühle und damit enormen positiven Einfluss auf das Leben selbst zu haben. Das Glückstraining basiert auf den neuesten Erkenntnissen der Glücks- und Gehirnforschung und des NLP (neurolinguistisches Programmieren). Es dauert in der Regel zwei bis drei Stunden. Es gibt einen Bereich in unserem Gehirn, das Limbische System, wir nennen es Emotionalgehirn, in dem noch die Verhaltensmuster und Bewertungssystem aus der Urzeit (Instinkte) abgespeichert sind, zum Beispiel die Modi: Kämpfen, weglaufen oder tot stellen. Beispiel: Der Chef ruft uns ins Büro hinein und wir würden am liebsten weglaufen, weil wir fürchten, er wird uns kündigen. Aber solche Gefahren wie in der Urzeit gibt es heute gar nicht mehr. Also funken uns die Instinkte in der heutigen Zeit oft dazwischen, wenn es zum Beispiel um erfolgreiches Handeln, Durchsetzen der eigenen Ziele, Freude und Glück empfinden und Beziehungen führen, geht.

Mit dem Glückstraining kann man diese Instinkte auf den neuesten Stand bringen, das eigene Leben neu beurteilen, gute Gefühle trainieren und somit das Glücks- und Erfolgspotential eines jeden immens steigern. Auch können Glücksblockaden gelöst werden. Wenn man sich zum Beispiel nicht erlaubt, glücklich zu sein, weil man nicht glücklicher sein sollte als seine Eltern, dann kann man noch so viele Seminare besuchen oder Bücher übers Glück lesen, man wird einfach über ein gewisses Glücksniveau nicht hinauskommen. Das ist, als wenn man in seinem Haus das Thermostat auf 16 Grad eingestellt hat. Da kann man jetzt im Keller so viel einheizen wie man will, es wird im Haus nicht wärmer als 16 Grad werden. Da macht es dann Sinn, diese Blockade aufzulösen und das Thermostat gleich mal auf 30 Grad einzustellen.

Foto: Diana Grabowski

Warum ist das Glück derzeit so „en vogue“, warum suchen wir immer stärker nach dem Glück? 

Es ist ein grundlegendes Sehnen in uns Menschen nach einem glücklichen, sinnerfüllten Leben. Wir wollen unsere Spuren hinterlassen, etwas Bedeutsames schaffen und uns mit unseren Talenten, Gaben in die Gemeinschaft einbringen. Wir wollen Freude empfinden, erfüllte Beziehungen führen, uns verwirklichen, glücklich sein. In einer Welt, in der es um wirtschaftlichen Erfolg, Status und Anerkennung geht, werden persönliche Bedürfnisse, Sehnsüchte und Träume oft hintenangestellt. Es geht dann darum, gut dazustehen, sich zu beweisen, zu funktionieren. Doch das ist es nicht, was unsere Seele im tiefsten Inneren will. Das ist es nicht, wofür wir hier sind. In dem sich verändernden Bewusstsein ist es immer schwieriger, nicht dem zu folgen, was man aus tiefsten Herzen will, und so suchen wir immer stärker nach unserem inneren Glück.

Warum sind manche Menschen in manchen Regionen, aber auch generell glücklicher als andere? 

Das eigene Glückspotenzial hängt von vielen Faktoren ab. Wir werden mit einem gewissen Glückspotenzial geboren. Schon als Baby erleben wir Sonnenscheinbabys und die Babys, die eher ernst drein schauen. Dann beim Aufwachsen erleben und ahmen wir die Sichtweisen unserer Eltern und wichtigen Bezugspersonen nach. Wie unser Umfeld zum Beispiel Herausforderungen anpackte und Krisen bewältigte hat Einfluss auf unser heutiges Glücksempfinden. Der Psychiater Hans Förstl untersuchte die Auswirkung der Gene auf das Glücksniveau und fand heraus, dass im statistischen Mittel Mädchen zum Beispiel sehr viel glücksbegabter als Jungen sind.

Das individuelle Glücksempfinden hängt auch von den eigenen Erwartungen und Erfolgsdefinitionen ab. Wann betrachten wir uns als erfolgreich? Wenn wir ein schnelles Auto fahren, ein Eigenheim besitzen, eine Yacht und noch zwei Hunde? Oder wenn wir eine erfüllte Beziehung führen, wenn wir eine große Familie haben und in einer starken sozialen Gemeinschaft leben? Kulturell variieren genau diese Vorstellungen und Erwartungen ans Leben sehr stark und damit auch das empfundene Glück. Der „Happy Planet Index“ der New Economics Foundation erbrachte, dass die glücklichsten Menschen nicht da leben, wo man sie vermutet – etwa in den USA, Australien oder Europa. Sie leben auf der vom Klimawandel bedrohten, ärmlichen Insel Vanuatu im Südpazifik.

Ist Glück erlernbar oder vererbt oder wovon hängt es ab? 

Glückliche Gefühle sind trainierbar, wie ein Muskel. Je öfter wir glückliche Gefühle erleben, desto schneller kommen wir immer wieder in glückliche Zustände. Es werden im Gehirn neue Synapsen geschaltet. Sogar negative Gefühle werden somit gehemmt. Um das zu erreichen, können wir gezielt die Wahrnehmung auf das Positive in unserem Leben ausrichten. Denn unsere Wahrnehmung der Welt bestimmt unsere Gefühle. Unsere Wahrnehmung wird dabei wesentlich beeinflusst von unserer Beurteilung der Lebensumstände. Wenn zum Beispiel ein ungeplantes Kind unterwegs ist, empfinden es die einen als großen Segen und die anderen eventuell als finanzielle Katastrophe. Je nachdem, auf welche Aspekte der Situation die Wahrnehmung gerichtet ist. Wahrnehmung und Beurteilung liegen in unserer Hand, also können wir sie auch verändern. James D. Baird schreibt in seinem Buch „Glücksgene“ über den Einfluss von Genen auf das Glücksniveau des Menschen. Er sagt, dass Menschen, die ihre Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen so umprogrammieren, das sie Glücksgewohnheiten im Alltag entwickeln, neue genetische Strukturen schaffen und diese positiven Genveränderungen können an die Kinder vererbt werden.

Was braucht es, um glücklich zu sein und was kann jemand, der unglücklich ist, tun, um glücklich zu werden? 

Glück ist ganz individuell und bedeutet für jeden etwas anderes. Für den einen ist die Familie sein größtes Glück, ein anderer findet sein Glück im Gefühl des „Eins seins“ mit der Natur und wieder jemand anders ist glücklich, weil er/sie seine Berufung lebt und einer sinnerfüllten Arbeit nachgeht. Herauszufinden, was das eigene Glück ausmacht, ist der erste wichtige Schritt. Das ist der spannende Weg der Selbsterfahrung. Prinzipiell gilt, dass eine positive Beurteilung der Welt und das Akzeptieren dessen, was ist, zu mehr Glück im Leben führen. Mehr im Jetzt leben und sich weniger Sorgen um die Zukunft machen und sich weniger über das ärgern, was in der Vergangenheit nicht so gut lief. Jetzt ist jetzt und in jedem Jetzt kreieren wir unser Leben neu.

Können alle Menschen glücklich sein? 

Prinzipiell kann jeder glücklich sein und dieses Glück auch angehen. Glücklich sein ist unser Geburtsrecht. Eine Voraussetzung dafür, unbeschwert sein Glück zu trainieren, ist nur, dass die Grundbedürfnisse abgesichert sind, die zum Überleben notwendig sind. Das ist in unserem Kulturkreis mehr als ausreichend der Fall. Das langfristige persönliche Glück, also die Lebenszufriedenheit, ist von den äußeren Umständen wie Beziehung, Geld oder Bildung relativ unabhängig. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass der Erfolg auf dem Weg zu einem glücklicheren Leben viel weniger von den persönlichen Voraussetzungen, also den Lebensumständen, als von der Motivation, für sein Glück auch aktiv etwas zu tun, abhängt. Bei Menschen mit psychischen Erkrankungen, Depressionen, Störungen in der Persönlichkeitsstruktur wie Borderline oder Psychosen, Angstzustände oder Phobien, körperliche Krankheiten, bei denen bestimmte Glückshormone, nicht hergestellt werden können ist es schwieriger mit dem empfundenen inneren Glück. Dort sollte selbstverständlich erst eine psychologische Therapie in Anspruch genommen werden bevor das Arbeiten am persönlichen Glück erst möglich werden kann.

Wie gehen wir am besten mit negativen Emotionen, mit Wünschen, die einfach nicht und nicht wahr werden um? Was tun wir, um daran nicht zu verzweifeln, nicht unglücklich zu sein, sondern uns glücklich zu fühlen? 

Wir wollen negative Gefühle gerne „weg haben“. Aber auch sie haben ihre Berechtigung. Wut und Traurigkeit zum Beispiel zeigen uns, dass etwas nicht stimmt in unserem Leben, dass wir etwas verändern sollten. Also, die negativen Gefühle wahrnehmen und hereinspüren, was sie uns sagen wollen, ist ganz wichtig. Nur wenn diese Gefühle überhand nehmen und zu lange andauern, dann hindern sie uns, ein glückliches und erfülltes Leben zu führen. Dann gilt es wieder, die glücklichen Gefühle zu trainieren. Wenn wir Gefühle wie Begeisterung, Tatendrang und Vorfreude erleben, dann ist unser Leben im Fluss, wir regeln unsere „Probleme“ mit Leichtigkeit, haben eine tolle Ausstrahlung und man unterstützt uns gerne bei unseren Vorhaben. Dann geht es voran im Leben. Also, den Fokus auf das Positive in deinem Leben richten, Dankbarkeit für all das, was du bereits hast, die wundervollen Menschen, die dir zur Seite stehen. Herausforderungen, an denen du wachsten kannst, sehen statt schwieriger Probleme. Es gibt so einen schönen Spruch im Umgang mit Krisen: „Aufstehen, Krönchen richten und weiter gehen.“ Das hilft ungemein, wenn Wünsche nicht gleich wahr werden oder das Vorhaben nicht gleich beim ersten Mal klappt. Und auch sich mal „unglücklich fühlen“ gehört zum Leben dazu. Das Glück ist nicht dafür ausgelegt, dass wir es dauerhaft empfinden. Das ist wie mit dem verliebt sein. Unser Körper wäre überfordert mit der ständigen Flut von Glückshormonen, Herzklopfen und Schmetterlingen im Bauch. Im Kontrast zu den schwierigeren Zeiten unseres Lebens können wir das Glück noch mehr wert schätzen und genießen. Das Leben ist wie eine Melodie mit hohen und tiefen Tönen. So wie das Glück auch. Das ist Ganzheitlichkeit.

Danke für das Gespräch!

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Mit dem Rad durch die Stadt: Interview mit einer passionierten Radfahrerin

Meine Schwester Katharina lebt seit fünf Jahren autofrei in Wien und legt fast alle Wege mit dem Fahrrad zurück. In diesem Interview beantwortet sie meine Fragen zu ihrer Fahrradleidenschaft und…

Meine Schwester Katharina lebt seit fünf Jahren autofrei in Wien und legt fast alle Wege mit dem Fahrrad zurück. In diesem Interview beantwortet sie meine Fragen zu ihrer Fahrradleidenschaft und gibt Tipps gegen Probleme, die sich oft beim Thema Radfahren in der Stadt stellen.

Eli: Welche Wege legst du mit dem Rad zurück?

Katharina: Das Fahrrad ist mein präferiertes Verkehrsmittel in Wien. Ich radle eigentlich täglich zur Arbeit – einmal abgesehen von den wenigen Tagen im Jahr, an denen es stark regnet oder an denen im Winter der Schnee nicht von den Wegen geräumt ist. Auch abends zum Freunde treffen oder am Wochenende verwende ich in Wien fast nur mein Fahrrad. Nur Lebensmittel einkaufen gehe ich meistens zu Fuß, weil es bis zum nächsten Supermarkt nur hundert Meter sind.

Eli: Wieso fährst du mit dem Fahrrad und nicht mit dem Auto oder den Öffis?

Katharina: Mit einem Auto fahre ich ganz selten, weil mein Partner und ich kein Auto mehr besitzen. Bis vor fünf Jahren hatten wir ein Auto, das wir damals allerdings auch öfters genutzt hatten – hauptsächlich für Strecken, die man eigentlich vernünftiger anders zurücklegt oder vermeiden kann. Wir sind zum Beispiel für den Großeinkauf am Wochenende zum Verbrauchermarkt gefahren, anstatt beim Supermarkt um die Ecke einzukaufen. Sogar zum Laufen gehen bin ich mit dem Auto in den Prater gefahren, oder zum Wienerwald – Strecken, die man auch mit dem Fahrrad oder mit Öffis zurücklegen kann. Als dann unser Auto kaputt ging, meinten wir, dass wir es einmal ganz ohne Auto ausprobieren würden. Und wir haben erkannt, dass es ganz gut funktioniert. Meiner Meinung nach braucht man in Wien gar kein Auto. Und für Ausflüge und größere Transporte können wir uns ein Auto ausleihen. Die Öffis verwende ich nicht so gerne, weil die U-Bahn für den Weg zur und von der Arbeit fast immer überfüllt ist und es mit dem Rad zwar fünf Minuten länger dauert, aber dafür viel entspannter für mich ist. Mich nervt es, in der Früh in der U-Bahn zu stehen, da ist es deutlich angenehmer in frischer Luft ein bisschen Bewegung zu machen. Das Fahrrad ist auch viel praktischer beim Freunde treffen am Abend, wenn die Öffis nicht mehr so dichte Intervalle haben und man ewig warten muss, vor allem wenn man auch noch wo umsteigt.

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Eli: Was machst du im Winter oder wenn es regnet?

Katharina: Kälte im Winter macht eigentlich nicht viel, durch die Bewegung wird einem sowieso warm. Das Wichtigste sind warme Handschuhe und eine Kopfbedeckung. Gegen leichten Regen helfen Regenjacken mit Kapuze und eine Regen-Überhose, die ich schnell aus meinem Rucksack ausgepackt habe und über meine Arbeitssachen anziehe. Wenn es wirklich stark regnet oder im Winter viel Schnee liegt, dann radle ich nicht und freue mich schon wieder auf besseres Wetter, weil ich erkenne, wie viel angenehmer es an der frischen Luft ist, als in den überfüllten Öffis.

Eli: Wie ist die Reaktion in deinem Freundes- und Bekanntenkreis?

Katharina: Eine meiner Freundinnen hat sich auch schon ein Fahrrad für die Stadt gekauft und fährt damit zur Arbeit – für sie bedeutet es außerdem noch Zeitersparnis versus den Öffis. Meine Arbeitskollegen waren anfänglich sehr verwundert, weil sich viele von ihnen täglich mit dem Auto in die Arbeit stauen. Für sie ist das Fahrrad kein Verkehrsmittel, sondern nur ein Sportgeräts für die Wochenendausfahrt. Einige fragen mich auch, wie ich das mit umziehen und duschen mache. *Katharina lacht* Das ist allerdings eine Frage des Tempos, ich radle mit meinem Rad ganz entspannt durch die Stadt und komme so gar nicht ins Schwitzen. Es ist für mich nicht anstrengender als zu Fuß zu gehen, eher sogar weniger. Und im Sommer, wenn es tagsüber sehr warm wird, ist es in der Früh immer noch relativ angenehm und der Fahrtwind kühlt auch ein wenig. Ich finde, dass Sportkleidung fürs gemütliche Radeln in der Stadt genauso wenig notwendig ist, wie fürs Spazieren gehen. Es gibt auch Leute, die sich für den Spaziergang bzw. Walking mit der teuersten Funktionskleidung ausstatten, ich zähle da nicht dazu.

Eli: Was möchtest du uns noch abschließend sagen?

Katharina: Ich kann jedem nur empfehlen, einmal auszuprobieren, statt mit dem Auto und Öffis in der Stadt das Rad zu verwenden. Und natürlich ab und zu bei der Critical Mass mitzuradeln – ein nettes Erlebnis, die Straße einmal nicht mit Autos teilen zu müssen.

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Vier Tipps, um nachhaltig etwas an sich zu ändern

Vor ein paar Wochen habe ich angefangen, Schritt für Schritt meine Ernährung umzustellen. Schon mehrfach hatte ich es mir in den letzten Jahren vorgenommen, aber irgendwie nie wirklich angepackt. An…

Vor ein paar Wochen habe ich angefangen, Schritt für Schritt meine Ernährung umzustellen. Schon mehrfach hatte ich es mir in den letzten Jahren vorgenommen, aber irgendwie nie wirklich angepackt. An vernünftigen Argumenten fehlte es nicht. Sophie hat sich in einem Kolumnenbeitrag schon sehr ausführlich mit dem Für und Wider auseinandergesetzt. Es ist nicht nur wesentlich gesünder für meinen Organismus, genauer darauf zu achten, was ich esse, sondern auch für das gesamte Ökosystem. Viele andere Menschen, die ich kenne, sind da schon wesentlich konsequenter als ich. Es gibt also auch Vorbilder, an denen ich mich hätte orientieren können. Und dennoch zeigen meine Bemühungen erst jetzt, Jahre nachdem ich mich zum ersten Mal mit dem Thema befasste, wirklich Früchte. Was also hat sich bei mir und in meiner Einstellung in dieser Zeit verändert? Tatsächlich sind es nur ein paar Kleinigkeiten. Ich habe an meinen inneren Glaubenssätzen gearbeitet. Das sind oft unbewusste Überzeugungen, die wir aus früheren Zeiten mit uns herum schleppen, die aber in vielen Fällen heute gar nicht mehr in die Realität passen. Letztlich habe ich in mir nur die eine oder andere Verschaltung verändert. Aber kleine Dinge haben manchmal eine große Wirkung. Hier sind meine Tipps:

Tipp 1: Den perfekten Moment gibt es nicht

„Gerade ist so eine stressige Phase.“ „Sobald ich den Abgabetermin geschafft habe, wird es besser.“ „Aber doch nicht so kurz vor den Feiertagen!“ – Im Ernst? Jetzt mal ehrlich, du wirst immer Gründe finden, warum es gerade nicht günstig ist. Oder du verschiebst den Beginn deines Vorhabens fröhlich in die Zukunft. Auch ich habe das oft getan. Es wird schon der Moment kommen, an dem ich mich in der Lage fühlen werde, Nägel mit Köpfen zu machen, dachte ich. Ich bin eben einfach noch nicht so weit. Was für ein Quatsch. Es ist das Wesen von Veränderungen, dass sie Gewohnheiten durcheinander bringen und auf Widerstände stoßen – innere und äußere. Besser, du findest dich gleich damit ab. Den perfekten Moment gibt es nicht. Das heißt aber auch im Umkehrschluss, dass in den meisten Fällen jeder Augenblick genauso passend ist wie jeder andere. Es liegt also an dir, ob du bereit bist, diese Tatsache einfach zu akzeptieren.

Nicht die äußeren Umstände hindern dich an der Umstellung, sondern deine innere Einstellung. Wer sich abhängig fühlt, handelt danach. Wer mit inneren Programmen wie „Ach, das schaffe ich sowieso nicht“ herumläuft und sie täglich wieder in Gedanken herunter betet, der schafft die besten Voraussetzungen dafür, dass sie sich dort so richtig zu Hause fühlen. Wer sich wirklich entschieden hat, sein Leben selber zu gestalten, der wird mit Widerständen umgehen lernen – step by step eben.

Mein Tipp: Suche danach, wo die Ursache für deinen Widerstand liegt. Hinter den vorgeschobenen Gründen liegt oft etwas ganz anderes verborgen. Alte Kindheitsmuster zum Beispiel oder Sätze, die man dir jahrelang eingetrichtert hat. Prüfe sie auf ihren Realitätsgehalt und versuche, sie in Zukunft positiv zu formulieren. Zum Beispiel: „Natürlich schaffe ich das, weil ich aus meinen bisherigen Erfahrungen lerne und mein Vorgehen meiner Persönlichkeit anpasse.“

Tipp 2: Hüte dich vor großen Erwartungen

Klingt alles ganz prima, denkst du jetzt vielleicht. Das sind doch keine neuen Erkenntnisse und ich kriege es trotzdem nicht hin. Ich sage: Vielleicht sind einfach deine Erwartungen zu hoch. Es klingt toll, hehre Ziele zu haben. Und es wäre umso großartiger, wenn man sie tatsächlich auf Anhieb voll und ganz in die Tat umsetzen könnte. Entsprechend wunderbar fühlst du dich in den ersten Stunden und Tagen, wenn du noch hoch motiviert bist. Aber sobald die ersten wirklichen Widerstände auftauchen, sieht die Sache schon ganz anders aus. Aus der Höhe kannst du tief fallen, und das tut dann wirklich weh. Niemand scheitert gern.

Also dosiere die hohen Erwartungen in lauter kleine Päckchen. Ich für meinen Teil habe mir bei der Umstellung meiner Ernährung nichts vollkommen verboten, weil ich genau weiß, dass es mir dann wesentlich schwerer fallen würde, auf die „Sünden des Alltags“ zu verzichten. Und ich habe meine Ernährung eben nicht auf einen Schlag komplett umgestellt, weil ich mich stückchenweise an das Thema heran tasten möchte. Jeder kleine Erfolg ermutigt mich jedoch, auch an anderer Stelle weiter zu machen. Plötzlich fühle ich mich fitter, auch wenn die Gewichtsabnahme zum Beispiel nur sehr, sehr langsam voran geht. Am besten konzentrierst du dich auf die positiven Effekte und richtest dein Augenmerk nicht so sehr auf die Dinge, die nicht oder noch nicht eingetreten sind. Da muss jeder für sich selber herausfinden, was am besten funktioniert.

Mein Tipp: Überprüfe deine Ziele genau. Orientiere dich bei deinen Vorgaben nicht an Wunschvorstellungen, sondern an deinen bisherigen Erfahrungen. Setze auf deine vorhandenen Stärken und dosiere die Veränderung in viele kleine Schritte. Lieber kleinteilig planen, dafür aber kontinuierlich vorankommen.

Tipp 3: Jede kleine Veränderung ist ein Schritt nach vorn

Dies führt mich gleich zum nächsten Punkt. In meinen Augen ist wirklich jede kleine Veränderung ein Schritt in die richtige Richtung. Ja, selbst die kleinen Misserfolge können sehr lehrreich sein. Wenn du etwas nicht hinbekommst, sei dankbar dafür, dass du deine persönlichen Grenzen besser einzuschätzen lernst. Dann hast du vielleicht noch nicht die wirkliche Ursache deiner Widerstände gefunden und solltest weiter forschen. (Glaube mir, es ist eine spannende Sache, sich selber besser zu verstehen.) Oder deine Veränderungsportionen sind noch immer zu groß. Dann gib nicht gleich auf, sondern prüfe deine Erwartungen an dich erneut.

Mein Tipp: Mache dir bewusst, dass Prozesse nie linear verlaufen. Es ist vollkommen normal, dass es vorwärts und auch scheinbar mal rückwärts geht. Lerne daraus und lobe dich für den Versuch. Konzentriere dich auf den Wert, den jede neue Erfahrung für dich hat.

Tipp 4: Sei gut zu dir

Unterm Strich läuft es doch immer auf das Gleiche hinaus: Sei sanft zu dir, lerne Verständnis für dich zu haben und strafe dich nicht für vermeintliche Misserfolge. Ob ich durchhalte und mein Projekt „Ernährungsumstellung“ weiterhin durchziehe, liegt ganz bei mir. Ich bin aber froh, es bis jetzt sehr gut geschafft zu haben und fühle mich prima. Meine Ausdauer hat sich verbessert, mein Wohlbefinden insgesamt hat sich gesteigert und meine Freude an Bewegung wächst jeden Tag ein bisschen mehr. Dass die Lieblingsklamotten mittlerweile wieder etwas besser sitzen, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Wirkliche Gewichtsprobleme hatte ich eigentlich nicht. Im Nachhinein aber spüre ich, dass ich über die Wintermonate doch ganz schön unbeweglich und träge geworden bin. Gesundheit und Fitness – das ist schon eine feine Sache.

Mein Fazit: Eine Verhaltensänderung dauerhaft zu etablieren, ist keine leichte Aufgabe. Gewohnte Pfade sind bequem, sie zu verlassen, kostet Kraft. Aber es ist ein wirklich schönes Gefühl, wenn es am Ende doch gelingt. Das solltest du dir wert sein.

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Meine Woche im buddhistischen Kloster

Im März habe ich eine Woche als Gast im Kloster „Buddhas Weg“ im malerischen Odenwald (Deutschland, Nähe Weinheim und Heidelberg) verbracht. Wie bin ich darauf gekommen? Dort wo man es…

Im März habe ich eine Woche als Gast im Kloster „Buddhas Weg“ im malerischen Odenwald (Deutschland, Nähe Weinheim und Heidelberg) verbracht.

Wie bin ich darauf gekommen?

Dort wo man es vielleicht am wenigsten erwartet. Letzten Herbst auf dem Oktoberfest in München bin ich zwischen Biergkrügen und Wiesn-Hits mit dem Freund eines Freundes ins Gespräch gekommen. Irgendwie haben wir dann auch über Meditation gesprochen, er hat mir von seinem Aufenthalt in Buddhas Weg erzählt und mir das Kloster weiterempfohlen. In einem Nebensatz meinte er, dass das Essen im Kloster vegetarisch, asiatisch und vor allem sehr lecker ist. Warum also nicht, so dachte ich mir, mal Geist und Körper eine Auszeit gönnen.

Wie ist es mir dabei ergangen?

Sehr gut! Wider Erwarten ist es mir gar nicht schwer gefallen abzuschalten. Dabei geholfen hat mir sicherlich, dass ich mein Handy zwar mit dabei hatte, es jedoch abgeschaltet blieb. Somit habe ich weder Internet, noch E-mails und auch keine Whatsapp-Nachrichten empfangen und auch nicht telefoniert. Zum Lesen habe ich mir ein Buch über buddhistische Psychologie von Jack Kornfield mitgenommen, und eine Freundin hat mir Bücher von Dalai Lama geborgt. Doch ich habe gar nicht so viel gelesen. Die Zeit ist einfach so vergangen, ohne dass mir je langweilig geworden wäre. Im Gegenteil, ich habe es richtig genossen, einmal „Zeit zu haben“.

Wie war der Tagesablauf?

Morgens fand von 5:30 Uhr bis etwa 6:30 Uhr eine ungeführte Morgenmeditation und kurze Rezitation von buddhistischen Versen mit den Nonnen statt. Hier konnte, wer wollte, einfach teilnehmen. Ich war zweimal dabei, sonst habe ich ausgeschlafen, da diese Stunde für mich doch etwas zu früh war. Ich kann zu einer etwas späteren Zeit besser bei der Meditation zur Ruhe kommen, ohne schläfrig zu werden. Um 8:00 Uhr gab es gemeinsames Frühstück und um 12:00 Uhr Mittagessen. Bei diesen beiden Mahlzeiten haben die Nonnen zu Beginn einen Gong geschlagen. Darauf folgte eine kurze Rezitation, in diesem Falle eine Widmung, das heißt Äußerung von Wünschen, die man sich selbst und anderen Menschen und Wesen widmet, um sich der vor sich befindlichen Mahlzeit bewusst zu werden. Danach begann das gemeinsame Essen, die ersten zehn Minuten schweigend und in Achtsamkeit. Nach einem weiteren Gongschlag war die Schweigezeit zu Ende. Teilweise bin ich, wie auch viele der anderen Gäste (zeitgleich mit mir waren in etwa zwanzig bis dreißig Personen im Kloster), alleine an einem Tisch gesessen und habe das sehr leckere Essen schweigend genossen. Es war alles vegetarisch und ein Großteil der Speisen sogar vegan, Mittag- sowie Abendessen waren warm mit verschiedensten Gerichten und alles sehr schmackhaft, asiatisch angehaucht und ich habe mich schon immer darauf gefreut. Manchmal bin ich mit anderen ins Gespräch gekommen, wenn sich jemand neben mich an den Tisch gesetzt hat, und vor allem an meinen letzten Tagen habe ich oft mit einer unterhaltsamen Frau gesprochen. Einige der Gäste nahmen sich auch vor, eine bestimmte Zeit zu schweigen und trugen ein dementsprechendes Schildchen auf der Brust. Abendessen gab es um 18:00 Uhr und um 20:30 Uhr fand eine halbe Stunde ungeführte Abendmeditation statt, für diejenigen die mitmachen wollten.

Am Vormittag und Nachmittag habe ich das gemacht, wonach ich mich gerade gefühlt habe. An den beiden Tagen an denen ich für die Morgenmeditation schon um fünf Uhr früh aufgewacht bin, habe ich mir vor dem Frühstück noch ein Nickerchen gegönnt, sonst teilweise auch am Vormittag oder einfach so nachmittags, wenn ich mich ausruhen wollte. Fast jeden Tag bin ich zwischendurch in die Meditationshalle gegangen, um alleine zu sitzen und zu meditieren – ohne auf die Zeit zu achten, dabei konnte ich oft sehr gut zur Ruhe kommen. Da ich Glück mit dem Wetter hatte und viele sehr sonnige Tage erlebte, war ich jeden Tag im Odenwald, an dem das Kloster direkt liegt, spazieren oder gemütlich laufen und habe mich an der Natur erfreut. Oder ich bin einfach untätig in der Sonne gesessen. Manchmal habe ich in den mitgebrachten Büchern gelesen, wobei es auch im Kloster eine kleine Bibliothek gab.

Montagabend um 19 Uhr wurde Tai Chi angeboten – die beiden Stunden haben mir sehr gut gefallen, die langsamen aber intensiven Bewegungen taten gut und ich konnte im Laufe der Übungen eine starke Energie vor allem im Bauchbereich und in den Händen spüren. Dienstag -, Mittwoch- und Donnerstagabend gab es geführte Meditationen von bis zu zwei Stunden. Diese waren für mich sehr bereichernd, ich habe für mich neue Techniken zur Entspannung gelernt, und meine Meditationspraxis damit aufgefrischt und erweitert. Sehr gut gefallen hat mir zum Beispiel auch die Geh-Meditation, bei der ich meine Gedanken sehr leicht abschalten und mich auf meinen Atem und das langsame bewusste Gehen konzentrieren konnte.

Das Kloster hat auch eine TCM-Praxis (Traditionelle Chinesische Medizin), wo Akupunktur und verschiedenste Massagen angeboten werden. Da ich vorher schon wochenlang von Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich geplagt worden bin, habe ich mir eine Dorn-Breuß-Massage zur Begradigung und Stabilisierung der Wirbelsäule geben lassen, die meinem Rücken wahnsinnig gut getan hat. Am Wochenende hat das asiatische Teehaus des Klosters mit Terrasse und einem Teich mit Goldfischen geöffnet (früher bevor das Kloster das Gebäude übernommen hatte, befand sich in dem Raum ein kleines Schwimmbecken). Es gibt verschiedenste Teesorten und leckeren selbstgebackenen Kuchen und im Hintergrund läuft leise Musik – ein sehr netter Ort zum Entspannen.

Welche Möglichkeiten für einen Aufenthalt in Buddhas Weg gibt es?

So wie ich kann man einfach als Gast kommen und den Tag so verbringen, wie man möchte. Es gibt aber auch viele Seminare und Kurse, die im Kloster abgehalten werden, wie zum Beispiel QiGong, Meditations-Workshops, Yoga-Wochenenden, Wanderungen, verschiedene Vorträge, Klangreisen, Achtsamkeits-Seminare und vieles mehr. Eine Übersicht findet ihr auf der Internetseite von Buddhas Weg: buddhasweg.eu

Ich habe mich bewusst dafür entschieden, kein Seminar zu besuchen, da ich sonst ein sehr aktiver Mensch bin und einmal nicht verplant sein wollte. Dann gibt es noch die Möglichkeit als Helfer ins Kloster zu kommen – egal ob für ein paar Tage oder Wochen. Hier arbeitet man für ungefähr sechs Stunden pro Tag im Kloster mit, zum Beispiel in der Küche, oder beim Saubermachen und Putzen (keine Sorge, für die Gästezimmer gibt es ein eigenes Putzpersonal), oder im Garten. Dafür bekommen die Helfer die Mahlzeiten und Übernachtung frei (diese im unrenovierten Teil des Gebäudes, das soll aber auch in Ordnung sein).

Insgesamt kann ich einen Aufenthalt in Buddhas Weg allen weiterempfehlen, die sich gerne eine Auszeit vom Alltag nehmen wollen, um dann etwas von der Entspannung und den guten Gefühlen wieder mit nach Hause zu nehmen. Und es der Nonne Hue Nghiem gleich tun, die auf die Frage antwortete, was sie macht, wenn ihr die Arbeit zu viel wird: Sofort damit aufhören und auf ihr Zimmer gehen und entspannen. Das wird im Arbeitsalltag schwierig, doch zum Beispiel Zeit für eine Tasse Tee, eine kurze Pause, ein paar langsame achtsame Schritte, ein paar bewußte Atemzüge, um Ruhe zu finden, sollten auch außerhalb eines Klosters möglich sein.

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Kann Stricken süchtig machen?

Das ist die Frage und in meinem Fall heißt die Antwort vielleicht ja. Aber warum erleben Handarbeiten zur Zeit eine Art Renaissance? Es gibt natürlich viele wie mich, die es…

Das ist die Frage und in meinem Fall heißt die Antwort vielleicht ja. Aber warum erleben Handarbeiten zur Zeit eine Art Renaissance? Es gibt natürlich viele wie mich, die es in Kindertagen und Schulzeiten zwar gelernt, jedoch niemals wirklich regelmäßig zur Nadel gegriffen haben. Warum also jetzt, das ist die Frage? Ich denke, dass Mode heutzutage zum Teil schon eine Art Fast Moving Consumer Good ist. Das heißt, es ist günstig in der Anschaffung, viele Teile sehen gut aus und nach ein paar Mal tragen kann es eigentlich schon wieder durch etwas Neues ersetzt werden. Der Modezyklus dreht sich immer schneller und jede Woche kommen neue Waren in die Läden. Der Kick liegt im Shopping und darin, immer etwas Neues zu erstehen. Und Frauen sind die perfekte Zielgruppe, weil sie einfach gerne Einkaufen gehen, wobei diese Aussage sicher auch nicht für jede zutreffend ist. Die Sättigungsgrenze liegt wahrscheinlich beim Limit der Kreditkarte oder auch gerne darüber wie Rebecca Bloomwood alias Shopaholic vielleicht sagen würde.

Dagegen ist Handarbeit ein im Vergleich lange dauernder Prozess, natürlich abhängig davon, was gerade gefertigt wird. Aber wieso sollten wir etwas selber machen, wo es doch so einfach und vielleicht auch billiger ist, etwas zu kaufen?

Etwas selber zu machen entschleunigt und knüpft gleichzeitig auch an den Punkt an, der entsteht, wenn man in einen Laden geht und ein tolles Teil hängen sieht und man es unbedingt haben muss. Dasselbe passiert beim Betrachten von Modellen in Strick- und Häkelzeitungen. Ein Haben-müssen-Gefühl entsteht und es geht los. Schon alleine die Wolle dafür zu kaufen, die Auswahl zu treffen unter einer Unmenge an Garnen, die möglich sind, ist begeisternd. Sobald man dann auf dem Wollberg sitzt, will man sofort loslegen.

Oft fehlen dann die Basics – wie wird das jetzt gestrickt, wie geht das genau? Und wo man früher nur auf Strickbücher für Erklärungen angewiesen war, gibt es heute so tolle Seiten wie Nadelspiel, wo jeder Schritt in einem Video nachvollzogen werden kann. So lernt man mit jedem neuen Projekt dazu und der Maßstab des Könnens ist immer man selbst. Auch wenn andere tolle Sachen machen, so ist von außen nicht abzuschätzen, dass man das nicht auch selber machen könnte, wenn man Hilfe in Form von Büchern, Videos oder Freundinnen hat. Das ist das Schöne daran, man ist immer bei sich und seinem Projekt. Und wenn man dann Stunden daran sitzt und vor sich hin werkelt, hat das eine Art meditative Wirkung. Heißt es nicht, die besten Stunden sind die, in denen man weit weg ist von seinen Sorgen oder Problemen und ganz aufgeht in einer Tätigkeit? Plötzlich sind Stunden vergangen und doch hat man das Gefühl, es waren nur ein paar Minuten. Und gleichzeitig ist das nur ein Aspekt des Ganzen. Wenn sich nämlich eine Gruppe von Handarbeiterinnen zusammenfindet, teilt man die Freude daran, tauscht Wissen aus, bekommt neue Ideen, verbringt eine angenehme Zeit zusammen und doch macht jede ihre Sache. Da kommen vielleicht auch Erinnerungen hoch, wie das damals war, als man mit der Oma zusammengesessen ist und von ihr Stricken gelernt hat. Es verbindet sich viel Altes und gleichzeitig existieren im Jetzt die ganzen Vorteile der neuen Medien. Es gibt Blogs von kreativen Leuten, Videos mit Anleitungen, Plattformen wie Ravelry, auf denen sich Leute zusammenfinden, die eigene Projekte vorstellen, Muster gekauft und verkauft werden und Gleichgesinnte sich austauschen.

sandra-strick2Und wenn das gute Stück fertig ist, ist man stolz und freut sich, es geschafft zu haben. Sich weiterentwickelt zu haben – und gleichzeitig liegt doch auch ein praktischer Nutzen darin, es tragen zu können. Aus einem Knäuel Wolle kann soviel Schönes werden und das hat man selber geschaffen. Das unterscheidet Handgearbeitetes völlig von einem Teil, das in einem Geschäft erstanden wurde. Man sieht es an und viele Gedanken tauchen auf: Das ist doch eine schöne Farbe; das Muster war vielleicht kompliziert zu stricken am Anfang; irgendwo ist ein Fehler, aber gut, dass man es nicht so sieht oder gut, dass man es wieder aufgetrennt und neu gemacht hat; und vieles weitere, das man mit diesem selbstgemachten Stück verbindet.

Niemals wäre es auf derselben Stufe wie etwas Gekauftes, es ist einmalig und die Nutzung beschränkt sich nicht auf ein-, zweimal Tragen. Und wenn es ein Geschenk geworden ist für jemanden, dann verschenkt man nicht nur das Stück an sich, sondern gleichzeitig die Zeit dafür, die man aufgewendet hat, die Mühe, die man sich damit gemacht hat. Das macht den Unterschied zu gekauften Sachen aus und ist vielleicht der Grund für die immer größer werdende Zahl an Strickerinnen.

Jeder sollte etwas für sich finden, das einem Freude macht. Und wenn es zufällig Handarbeit ist, ist das Heute die beste Zeit dafür, damit anzufangen.

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Ein Monat vegan – und jetzt?

Viele Geschichten beginnen mit „Es war einmal“ und enden mit „und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“. Es war einmal – genauer gesagt im Sommer letzten Jahres –…

Viele Geschichten beginnen mit „Es war einmal“ und enden mit „und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“. Es war einmal – genauer gesagt im Sommer letzten Jahres – ein sonniger Tag, den ich wie so oft mit einer lieben Freundin Sonne tankend auf ihrem Balkon verbrachte. Wie häufig zuvor unterhielten wir uns über die schönen Dinge des Lebens: Unsere Katzen, Menschen, die wir schätzen, gemeinsame Erinnerungen und Pläne und natürlich auch Essen. Sie, die Vegetarierin, und ich, die von Steak mit Chicken Wings und Spareribs als Beilagen schwärmte. Ein Gespräch wie so oft zuvor. Die gleichen Ansätze, die gleichen Argumente. „Bio. Artgerecht. Glücklich.“ Und am Ende dann ein Satz, der noch Tage später wirken sollte: „Aber es ist ja trotzdem tot.“ So einfach, so banal und so wirkungsvoll. Es dauerte keine Woche, bis ich beschloss ebenfalls Vegetarierin zu werden.

Die Umstellung fiel mir überraschend leicht. Ich fühlte mich gesund und fit. In meiner Begeisterung habe ich sämtliche Artikel, Studien, Erfahrungsberichte, Forenbeiträge und Blogs gelesen, die auch nur irgendwie in Verbindung mit der vegetarischen Lebensweise standen. Immer wieder streifte ich dabei das Thema Veganismus. Ganz unverständlich war es mir zu Beginn, die von Kindesbeinen an gelernten Denkweisen noch zu fest verankert. Wie soll man auch allen Ernstes ohne Milch und Käse überleben können? Ohne Eier? Oder gar ohne Schokolade? Das ist ja schlichtweg unmöglich! Mit diesen Gedanken versuchte ich die leise Stimme zu überzeugen, die mir immer wieder einflüsterte, dass da irgendetwas nicht stimmen könne. Nice try, könnte man sagen. Die Stimme wurde lauter, das Jahr ging dem Ende zu. Der Genuss beim Verspeisen von Käse und Ei wollte sich auch nicht mehr so recht einstellen. Es war ein guter Zeitpunkt, von alten Gewohnheiten abzugehen und Neues zu probieren. Der Entschluss war gefasst, im Januar würde ich einen veganen Probemonat einlegen!

So viel zu „Es war einmal“. Es war also einmal ich, die ich beschlossen hatte, alte Muster aufzugeben. Meinen Probemonat läutete ich zu Silvester ein. Ein veganes Feiertagsmenü musste her. Nach stundenlangem Kochbuch wälzen konnte ich einen Spicy Chili Burger mit Rosmarinkartoffeln und Kartoffel-Karotten-Rösti und als Dessert weißes Schokomousse servieren. Die Begeisterung war groß, die Erleichterung über das gelungene Festmahl ebenso. Gut zu wissen, dass man ganz hervorragende vegane Feiertagsmenüs zaubern kann. Schade allerdings, dass nicht jeder Tag ein Feiertag ist. Vor Mitternacht mussten dann doch noch einige Schokokekse dran glauben. Nur für den Fall, dass ich den ganzen Januar über ohne Schokolade überstehen müsste.

Der Alltag und seine Tücken

Natürlich habe ich jedem, den es interessiert hat (oder auch nicht), von meinem Probelauf schon im Vorfeld erzählt. Es gab viel Zuspruch, noch mehr Neugierde und wunderbarerweise nur ganz wenig Skepsis und Kopfschütteln. Während der letzten vier Wochen habe ich viele wertvolle Tipps erhalten und das eine oder andere Aha-Erlebnis gehabt. Das Essen zu Hause war wie erwartet kein Problem, tagsüber im Büro sah es da schon anders aus. Auf meine Anfrage bei unserem Caterer, ob es denn vegane Menüs gäbe, bekam ich die äußerst unbefriedigende Antwort: „Haben wir nicht, planen wir auch nicht.“ Aha. Danke. Nun gut, dann muss es anders gehen. Dann wird eben daheim vorgekocht. Gesagt, getan. Dummerweise fiel mir meine tolle Jause, die zu Hause in meinem Kühlschrank auf mich wartete, recht häufig erst wieder ein, als ich schon hungrig im Büro saß. Es klebt nun also seit einigen Tagen ein Zettel an der Wohnungstür, der mich an mein Essen erinnert. Für den Fall, dass auch der kluge Zettel nicht hilft, habe ich allerdings mittlerweile einen großen Vorrat an Vollkornbrot und Aufstrichen in meiner Schreibtischschublade.

Das Essen zu Hause wie auch im Büro stellte sich als relativ einfach durchzuführende Mission heraus. Restaurant- und Kaffeehausbesuche bereiteten mir aber dennoch ein wenig Sorgen. Weitgehend zu Unrecht. In jedem Restaurant, das ich besuchte, wurde mir eine fabelhafte vegane Speise aufgetischt. Entweder, weil es bereits eine Auswahl in der Karte gab, oder weil das Küchenpersonal kreativ und hilfsbereit war. Ich konnte gar nicht glauben, dass Pizza ohne Käse so lecker sein kann! Einzig auf Desserts musste ich häufig verzichten. Was aber viel schlimmer und für mich ganz und gar unverständlich war und ist, ist die Tatsache, dass es in vielen Kaffeehäusern, Bars und anderen Lokalen keine Sojamilch gibt. Ich trinke nur selten Kaffee, treffe mich aber wirklich gerne mit Freunden um eben das zu tun. Das ist ein Event, das muss zelebriert werden! Wie bitte soll ich einen Espresso ohne Milch zelebrieren und mich dann entspannt zurück lehnen? Selbst mit Mini-Schlucken ist die Tasse in allerhöchstens zehn Minuten leer. Sich länger Zeit zu lassen funktioniert auch nicht, weil der Kaffee dann kalt wird. Zelebrieren geht anders! Glücklicherweise gibt es aber doch einige Lokale, die nicht nur Pflanzenmilch, sondern ab und zu auch vegane Süßspeisen im Angebot haben. In den letzten vier Wochen habe ich einige entdeckt, die ich in Zukunft sicher häufiger besuchen (und natürlich auch darüber berichten) werde. Dort kann ich meinen Caffè latte nämlich gebührend feiern und ganz entspannt den Tag genießen.

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Bild: Jennifer / flickr.com

Der Januar ist vorbei. Und jetzt?

Jetzt ist Februar. Ich habe mir vier Wochen lang überlegt, wie ich mich denn fühlen würde, wenn der Probemonat vorbei wäre. Gesünder? Dünner? Besser? Der Erleuchtung einen Schritt näher? Würde ich mich voller Freude auf eine Käseplatte stürzen und als Nachtisch ein Glas Schokocreme auslöffeln, wenn vier Wochen voller Verzicht vergangen wären? Nichts von alledem. Ich bin gleich gesund oder ungesund, gleich dünn oder dick und gleich weit von der Erleuchtung entfernt wie vor einem Monat. Ich bin auch nicht besser. Weder besser als ich es vorher war, noch besser als irgendjemand anderer es ist. Achtsamer bin ich allerdings geworden. Achtsamer mit meinem Essen (Eh klar, wenn man überall das Kleingedruckte lesen muss), aber auch achtsamer mit anderen Menschen. Ich habe so viel Verständnis und Zuspruch erhalten. Mir ist aber auch Unsicherheit begegnet. „Jetzt kann ich beim Essen gar nicht mehr neben dir sitzen. Du findest mich jetzt bestimmt nicht mehr sympathisch. Wahrscheinlich glaubst du jetzt, ich bin ein schlechter Mensch.“ Liebe alle Menschen, die ihr mir im letzten Monat unsicher gegenübergetreten seid: Ich mag euch noch immer, genieße eure Gesellschaft weiterhin und nein, ich halte euch nicht für schlechte(re) Menschen. Ich erwarte auch nicht, dass sich jeder in meiner Gegenwart vegan oder vegetarisch ernährt. Ihr genießt euer Schnitzel oder Brathuhn? Wunderbar! Dann freut euch und seid dankbar, dass euch dieser Genuss gewährt wird. Ob die Herkunft eures Genussobjekts in Ordnung ist oder nicht, habe nicht ich zu entscheiden.

Was mich betrifft, werde ich meine Ernährung wohl weiterhin so gestalten, wie ich es im letzten Monat getan habe. Ich spüre weder Verzicht noch Versuchung. Neugier und Vorfreude sind die Gefühle, die meinen Gemütszustand am besten beschreiben. Neugier und Vorfreude auf unbekannte Nahrungsmittel, spannende Rezepte, überraschend auftauchende Lokale und neue Weggefährten.

Es ist Februar und ich bin nicht vegan. Ich brauche kein Label, um zu sein wer ich bin. Ich bin ich und ich ernähre mich weitgehend pflanzlich. Und wenn ich irgendwann das Verlangen nach einem Stück Milchschokolade oder einem Brot mit Honig haben sollte, dann werde ich das auch essen. Und ich werde genießen, mich bedanken und trotzdem kein schlechter Mensch sein. So endet auch meine Geschichte mit einem „und sie lebte glücklich bis ans Ende ihrer Tage“. Denn genau das gedenke ich zu tun.

Habt ihr eure Ernährung auch schon einmal komplett umgestellt? Ernährt ihr euch vegan? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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Klamotten 2.0

Nachhaltigkeit hat, wie man auch hier auf The bird’s new nest feststellen kann, viele Facetten. Für mich ist eine der Hauptmerkmale, dass man nicht „verschwenderisch“ lebt. Beim Kauf von neuen…

Nachhaltigkeit hat, wie man auch hier auf The bird’s new nest feststellen kann, viele Facetten. Für mich ist eine der Hauptmerkmale, dass man nicht „verschwenderisch“ lebt. Beim Kauf von neuen Anschaffungen auf die Herkunft achten, Handtücher mehrmals nutzen bevor man sie wäscht, tropfende Wasserhähne schließen – es gibt so viele Möglichkeiten.

Passend zum Winter möchte ich euer Augenmerk auf die Weiterverwendung von Kleidung lenken. Ich arbeite seit November 2013 in einer Einrichtung für Obdachlose in Berlin. Ich habe Mitte Dezember eine Frau getroffen. Sie besaß keine Jacke und hatte Sandalen an. Also schickte ich die Frau direkt in die Kleiderkammer. Sie bekam eine Jacke und Wollsocken. Schuhe wollte sie nicht, da sie Probleme mit den Füßen hat und in den Sandalen noch am Besten laufen kann.

Ich bin immer dankbar, dass ich Frauen und Männer zur Kleiderkammer schicken kann. Es wird alles benötigt. Socken, Unterwäsche, Jogginghosen, Jeans, Jacken, Schuhe, Schals und Mützen. Und kennen wir das nicht alle? Der Kleiderschrank ist voll mit Klamotten, die wir schon eine Weile nicht mehr tragen. Die Farbe gefällt uns nicht, die Größe passt nicht mehr, der Stil hat sich verändert. Aber wozu sollen die Sachen ungenutzt im Schrank liegen?

Nachhaltigkeit zeichnet sich für mich unter anderem dadurch aus, dass wir Dinge, die wir nicht mehr brauchen, weitergeben. Ich selbst kaufe gerne im Second-Hand-Laden, damit der Kreislauf von Kinderarbeit, Umweltbelastung und weiteren negativen Auswirkungen des Kleidungsproduktion zumindest etwas durchbrochen wird. Wozu sollen gute Jeans, die noch einwandfrei sind, weggeworfen und als Ersatz neue produziert werden? Klamotten 2.0 passen ausserdem viel besser zu mir, ich bin ja auch im Web 2.0 unterwegs.

Falls ihr Klamotten übrig habt, gebt sie weiter. Sei es an eine Notübernachtung oder an Freunde oder an Second-Hand-Läden. Lasst sie nicht zu Hause im Schrank liegen. Auch über Süßigkeiten, die man selbst nicht essen möchte – vor allem jetzt bei den vielen guten Vorsätzen -, übrig gebliebenes Obst aus dem Garten oder das Buch, das schon zwei Mal gelesen wurde, freuen sich eure Freunde, Obdachlose, Asylwerber, Nachbarn und so weiter. Habt ihr so etwas schon einmal gemacht? Erzählt es weiter!

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Nachhaltigkeit: Trend oder Veränderung?

Nachhaltigkeit scheint eine immer größer werdende Aufmerksamkeit und damit verbundene Beachtung zu bekommen. Der Grund ist vermutlich die auch von Politikern angesprochene negative Veränderung unserer Umwelt. Eine bereits nicht unerhebliche…

Nachhaltigkeit scheint eine immer größer werdende Aufmerksamkeit und damit verbundene Beachtung zu bekommen. Der Grund ist vermutlich die auch von Politikern angesprochene negative Veränderung unserer Umwelt. Eine bereits nicht unerhebliche Anzahl von Menschen hat längst begonnen, bewusster zu leben: Bewusster umweltbewusst.

Ist das Interesse an Nachhaltigkeit nun einfach nur ein Trend oder eine langfristige Veränderung? Ein Trend ist eine neue Meinung beziehungsweise Ansicht, die in der Vergangenheit nicht präsent war oder nur durch Wenige vertreten wurde. Stößt ein Trend auf das Interesse von vielen Menschen, löst dies eine gesellschaftliche Bewegung aus. Eine Veränderung ist in der Regel mit einem Ziel verbunden, das erreicht werden soll. Demnach lässt sich Nachhaltigkeit der Veränderung zuordnen, da es das Ziel ist, der Umwelt nicht mehr zu entnehmen, als verfügbar ist. Zusätzlich beschäftigt sich Nachhaltigkeit durch die Nutzung natürlicher Ressourcen auch damit, die Umwelt nicht oder nicht mehr als überhaupt nötig zu belasten. Doch wie lässt sich dies tatsächlich umsetzen?

Vor allem sollte man berücksichtigen, dass kein Mensch perfekt ist, aber jeder die Möglichkeit hat, bei sich selbst zu beginnen. Ob man ab sofort recyclingfähige Verpackungen kauft oder zu einem Ökostrom-Anbieter wechselt spielt letzten Endes keine Rolle. Das Wichtigste ist, dass man sich mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt und einen Schritt in die Richtung geht, die man für sich gewählt und als richtig befunden hat. Vorwürfe hingegen helfen nicht, sie verleiten nur zu Diskussionen und Streitereien, die nicht nur kraftraubend sind, sondern auch unnötig. Schließlich kann man niemanden dazu zwingen – in diesem Punkt lebt es sich mit dem Motto „Leben und leben lassen“ am Besten.

Um zurück zur eigentlichen Frage zu kommen, wie sich Nachhaltigkeit tatsächlich umsetzen lässt, hier einige Anregungen:

• Energiesparlampen benutzen

• Beim Kauf von Waschmitteln darauf achten, dass keine Weichmacher enthalten sind – die übrigens auch die Kleidung strapazieren

• Statt zur Post mit dem Auto zu fahren, laufen oder das Fahrrad benutzen

• Weniger Fleisch essen: „Eine Senkung der Fleischproduktion würde den Klimawandel bremsen und gleichzeitig Hunderttausende Todesfälle durch Herzerkrankungen verhindern.“ Sueddeutsche.de

• Vorausschauende Fahrweise im Auto: Spart Sprit und schont die Umwelt, zum Beispiel wenn von weitem eine rote Ampel in Sicht ist, Fuß vom Gas nehmen und den Schwung ausnutzen

• Elektronische Geräte komplett abschalten, Stecker ziehen oder Schalter an Mehrfachsteckern umlegen. Auch im Standby-Modus wird Strom verbraucht.

• Regionale Lebensmittel einkaufen, Transporte stoßen viel CO2 aus.

• Stofftaschen statt Plastiktüten kaufen, diese sind stabiler und wesentlich umweltfreundlicher.

• Wäsche mit niedriger Temperatur waschen, für die meisten Waschmittel reichen 30 bzw. 40 Grad aus um die Wäsche zu reinigen. AEG führt übrigens seit neuestem Öko-Waschmaschinen.

• Fenster abdichten lassen, sodass weniger geheizt werden muss.

• Unter Tags lieber ein- bis zweimal mit offenen Fenstern für zwei Minuten lüften, anstatt Fenster ständig gekippt zu lassen.

• Innerorts im vierten oder fünften Gang fahren. Fahren mit hoher Drehzahl erhöht den Treibstoffverbrauch.

Mein letzter Punkt ist gegenseitiger Respekt. Gegenseitiger Respekt ist insofern nachhaltig, da so zwischenmenschlicher Stress reduziert werden kann, was einerseits das Leben angenehmer macht und uns andererseits so mehr Energie über bleibt, um Rücksicht auf unsere Umwelt zu nehmen. Und dies auch gegenüber Menschen, die sich nicht so sehr mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen, schließlich ist das Leben kein Wettbewerb und niemand sollte zu etwas gezwungen werden, das er nicht möchte. Jeder Mensch findet seinen eigenen Weg, ob mit oder ohne Fleisch oder Ökostrom. Jeder kann, aber niemand muss!

2 Kommentare zu Nachhaltigkeit: Trend oder Veränderung?

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