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Kategorie: Inspiration.

#ThisIsMyEurope: Rasmus Bitsch, ein Däne in Südafrika

Vor dem Hintergrund der europäischen Turbulenzen habe ich mich auf die Mission begeben, europäische Werte und Anliegen zu identifizieren. In der Interview-Serie #ThisIsMyEurope spreche ich mit Menschen rund um den Kontinent und versuche herauszufinden,…

Vor dem Hintergrund der europäischen Turbulenzen habe ich mich auf die Mission begeben, europäische Werte und Anliegen zu identifizieren. In der Interview-Serie #ThisIsMyEurope spreche ich mit Menschen rund um den Kontinent und versuche herauszufinden, was für sie „Europa“ bedeutet. Dieses Mal treffe ich mich mit Rasmus, einem Dänen in Südafrika.

Vor zwei Jahren zog der Däne Rasmus Bitsch (29) nach Kapstadt in Südafrika. Derzeit ist er Mitbetreiber einer Produktionsfirma für audiovisuelle Medien und arbeitet freiberuflich als Journalist für skandinavische Medien. Als wir über Skype miteinander diskutieren, was es heißt, ein Europäer im Ausland zu sein, fasst er seine Ängste in Worte: „Ich bin immer noch sehr für Europa, aber für diese EU? Nicht so wirklich.“ Sein Umzug hat sein Gefühl von Identität beeinflusst. „Je weiter man von Dänemark weggeht, umso Europäischer fühlt man sich. Dänemark bedeutet hier nicht viel. Das ist das Schicksal all jener, die aus kleinen europäischen Ländern kommen. Hier in Kapstadt ist Europäisch nur eine Ortsbezeichnung.“

Rasmus hat gemischte Gefühle diese Europäische Identität betreffend: „Für mich wurde der Begriff Europa immer komplizierter je älter ich wurde. Ich bin zu der Zeit aufgewachsen, als Osteuropa sich geöffnet hat. Wir waren als Familie auf Urlaub, sind mit dem Auto durch ehemals sozialistische Länder gefahren. Es war aufregend, auch für meine Eltern, die während des kalten Krieges aufgewachsen sind und diese Orte zum ersten Mal gesehen haben.“ Seine frühen Reisen und Erasmus-Auslandsaufenthalte gaben ihm eine europäische Mentalität. “Im skandinavischen Kontext gesehen komme ich aus der Mittelschicht. Mein Vater war Bauer, meine Mutter ist Krankenschwester. Ich bin die erste Generation mit diesem Zugang zu Europas Mobilität und Möglichkeiten.”

Wunde Punkte

Rasmus macht klar, dass er einer der wenigen ist, der sich an diesen „Früchten“ bedient. „Diese europäischen Vorteile und ihre Mentalität sind nicht überall verbreitet. Sie sind nichts für die Arbeiterklasse oder die ältere Generation. Diese machen sich eher Sorgen um ihre Eigenständigkeit und haben das Gefühl, dass Brüssel zu weit weg ist um sie zu verstehen oder sich um sie zu kümmern.“ Rasmus merkt einen weiteren wunden Punkt der Union an. “Europa hatte sicherlich wesentliche Unterstützung, doch es war immer ein Elite-Projekt. Es wurde von Politikern entwickelt, aber sie haben es nie zu einem Europa „der Menschen“ gemacht.“ Nach Rasmus’ Ansicht erklärt das die derzeitige Krise. „Die Menschen waren schon immer sehr vorsichtig bei einem Europa, in dem für sie entschieden wird. Nationale Politiker haben die Integration arrangiert, sich aber nie der Wählerschaft versichert. Aus diesem Grund hat jedes kleine Problem das Potential, Europa in eine Krise zu stürzen.“ Das erklärt auch den Erfolg der Anti-EU-Agenda der Dänischen rechtsgerichteten Parteien. Sie haben die Stimmung nicht geschaffen, sondern sie genützt. Als Ergebnis darf mittlerweile keine Regierungspartei zu „europäisch“ sein. Die Realpolitik hält Europa als Geisel.“

In Südafrika zu leben hat Rasmus eine andere Persepktive auf Europa aus der Ferne gegeben. „Hier in Kapstadt gibt es eine starke anti-koloniale Stimmung. In diesem Hinblick gleicht das Beantworten der Frage, was es bedeutet Europäisch zu sein, einem Kampf der Identitäten. Europa bedeutet viele Dinge. Es geht hauptsächlich darum, welche Idee gerade am meisten vorangetrieben wird. Das selbe gilt für seine Werte. Hier gibt es eine dunkle Seite, Faschismus und Rassismus sind ebenso Europäische Werte.“ In Südafrika ist es offensichtlich, dass Europa eine destruktive Rolle in der Geschichte des Landes gespielt hat. Das so direkt zu erleben hat einen Eindruck hinterlassen: „Es hat mich mein Erbe hinterfragen lassen. Die wichtigste Lehre daraus ist, dass wir nicht die Guten sind. Für jemanden aus Dänemark ist das die normale Perspektive. Aber es ist viel komplexer als das.”

Xenophobie

Rasmus hat das Gefühl, dass es schwer sein wird Europa zu retten, solange die Leute enttäuscht sind. „Seit der Krise in Griechenland bin ich skeptisch, was die Zukunft der Union betrifft. Aber ich bin absolut für Europa.“ Europäer in Südafrika zu sein hat auch seine Vorteile. „Als Europäer wirst du fast überall nett aufgenommen. In Südafrika nutze ich das zu meinem Vorteil. Du bist neutral, du gehörst in eine andere Kategorie. Und die Menschen mögen Europäischen Fußball.“ Was zu seltsamen Situationen führen kann. „In Südafrika gibt es diese unterschwellige Fremdenfeindlichkeit. Da war dieser Mann auf der Strasse, der gerufen hat, dass „alle Ausländer gehen müssen“. Als ich ihn gefragt habe, meinte er, das würde mich nicht betreffen, denn ich wäre Europäer. Innerhalb von zehn Sekunden wechselte er von glühendem Hass dazu über, mich über das Dänische Fußballteam auszufragen. Ich kann dir sagen, das war eine sehr seltsame Unterhaltung…“

Rasmus ist ein Produzent bei Sound Africa. Hört euch hier seine afrikanischen Non-Fiction Audio-Projekte an!

 

Dieses Interview ist Teil 4 der Serie #ThisIsMyEurope von Reinier Vriend und wurde auf Oneworld.nl erstveröffentlicht. Lest alle weiteren Interviews auf The bird’s new nest. Vielen Dank an Moni für die Übersetzung!

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#ThisIsMyEurope: Vira Orlovska aus der Ukraine

Vor dem Hintergrund der europäischen Turbulenzen habe ich mich auf die Mission begeben, europäische Werte und Anliegen zu identifizieren. In der Interview-Serie #ThisIsMyEurope spreche ich mit Menschen rund um den Kontinent und versuche herauszufinden,…

Vor dem Hintergrund der europäischen Turbulenzen habe ich mich auf die Mission begeben, europäische Werte und Anliegen zu identifizieren. In der Interview-Serie #ThisIsMyEurope spreche ich mit Menschen rund um den Kontinent und versuche herauszufinden, was für sie „Europa“ bedeutet. Dieses Mal habe ich Vira in Lutsk in der vom Krieg zerrissenen Ukraine interviewt.

„Für die meisten Ukrainer bedeutet Europa eine Alternative. Machen wir weiter mit unseren sowjetischen Sozialismus? Oder wählen wir einen anderen Weg?“ Vira Orlovska (26) arbeitet als Lehrerin an einer Privatschule in Lutsk, Ukraine. Vira bedeutet „Glaube“, der Name wurde ihr von ihrem Vater gegeben. Er sagte der Familie, dass er den Namen zufällig ausgewählt hat, gestand allerdings später, dass er ihn schon die ganze Zeit im Sinn hatte. Ich spreche in einer Zeit mit ihr, als die Ukraine jedes kleinste bisschen an Glauben gebrauchen kann: „Es gibt eine allgemeine Stimmung der Enttäuschung.“

Darüber zu sprechen, was Europa bedeutet heißt, über den Krieg zu sprechen. Lutsk mag weit von den Kämpfen im Osten entfernt sein, trotzdem beeinflussen diese die öffentliche Stimmung. Vira bringt wiederholt ihre Frustration über den Euphemismus, der den Konflikt umgibt, zum Ausdruck. „Offiziell weigert man sich, es Krieg zu nennen. Aber hier im Krankenhaus sind 50 Soldaten die sich von ihren Wunden erholen. Jeden Tag verlieren Familien ihre Söhne und Väter. Wenn wir das nicht Krieg nennen können, was ist es dann?“

Bildung und Kultur

Vira versucht ihre persönlichen “two cents” einzubringen indem sie die Bildung in der Ukraine ändert. “Ich habe mir darüber sehr viele Gedanken gemacht. Ich bin kein Ökonom, ich bin nicht das Militär. Ich bin eine Lehrerin. Jeder sollte das beitragen, was er am Besten kann.“ Vira kam vor kurzem aus Potsdam in Deutschland zurück, wo sie an einer Schule im Rahmen eines Europäischen Freiwilligenprojektes gearbeitet hat. Zurück in ihrer Heimatstadt, ist sie außer sich, als sie sieht, dass viele prägende Aspekte des Lebens zur Zeit vernachlässigt werden. „Mit unserer kaputten Wirtschaft kümmern wir uns nicht um die Dinge, die uns Erholung bringen könnten. Bildung und Kultur sind am unteren Rand der Liste gerade zu einer Zeit, wo die Menschen eine Pause brauchen und die Möglichkeit bekommen sollten sich auf andere Dinge zu konzentrieren.“ Vira stellt fest, dass im aktuellen Bildungssystem, zu wenig Aufmerksamkeit auf die einzelnen Individuen gerichtet wird. Deutschland fühlte sich anders an. „In Europa gibt es das Bestreben, Bildung zu geben – eine Ausbildung. Wir brauchen einen Weg, um jungen Menschen zu zeigen, dass sie Ideen entwickeln können, wir müssen ihnen zeigen, was sie wirklich können.“

Was Europa ist und was es für die Ukraine sein kann, sorgt für bissige Bemerkungen. „Für mich funktionieren Europa und die EU so, dass sie einen gemeinsamen Raum schaffen. Die Länder kommen zusammen und unterstützen einander wirtschaftlich. Ist dieser langweilige Teil aus dem Weg geschaffen, können sie den Fokus auf die Dinge legen, die wirklich wichtig sind. Kultur, Bildung, Ausbildung.“ Bei der Frage nach der möglichen Provokation der Russen, als die EU der Ukraine ein Handelsabkommen anbot, antwortet Vira schnippisch: „Wir sind nicht in einer Interessensphäre. Wir sind ein eigenes Land, wir können unseren eigenen Weg wählen. Dieser Krieg ist nicht Europas schuld. Es ist die Schuld der Russischen Föderation mit ihrem massiven Ego. Ich denke, das ist offensichtlich. “

Enttäuscht und betrogen

In Lutsk sind die deprimierenden Folgen des Konflikts zu spüren. „Während und nach dem Maidan Protest waren wir voller Hoffnung. Jetzt fühlt sich jeder super enttäuscht und betrogen.“ Vira bringt ihren Vater, ebenfalls Lehrer, ins Gespräch. “Er hat hier für eine sehr lange Zeit unterrichtet. In den vergangenen Monaten wurden sieben seiner ehemaligen Studenten im Kampf getötet und zurückgebracht um begraben zu werden. 18 Jahre alt, 23 Jahre alt… “ Vira hofft, dass in Zukunft die Jugendlichen der Ukraine ein anderes Schicksal erleben dürfen.“ Ich finde Inspiration in der “World Youth Alliance”. Ihr zentrales Thema ist die Förderung der Menschenwürde. Es ist ein Wert, der wirklich gut zu Europa passt, es könnte sein Kernwert sein. Um das jedoch zu erreichen brauchen wir zuerst und vor allem, Frieden.“ Wer wird diesen Frieden verwirklichen? „Wir müssen irgendwie Putins Leute heraus bekommen. Er wird nicht von alleine gehen. Dafür brauchen wir Unterstützung. Inzwischen ist es mir egal, von wem sie kommt. Aber es muss getan werden.“

Dieser Artikel wurde auf Oneworld.nl erstveröffentlicht, dieses Interview ist Teil 3 der Serie #ThisIsMyEurope von Reinier Vriend. Vielen Dank an Moni für die Übersetzung!

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Kann man Glück lernen?

Fast jeder Mensch hat sich in seinem Leben schon einmal die Frage gestellt: Was ist das, Glück? Wie kann ich glücklicher werden? Meist denken wir dann an einen kurzen Moment, in…

Fast jeder Mensch hat sich in seinem Leben schon einmal die Frage gestellt: Was ist das, Glück? Wie kann ich glücklicher werden? Meist denken wir dann an einen kurzen Moment, in dem alles stimmt – ein leckeres Essen, Zeit mit dem Liebsten oder ein schöner Urlaubstag. Alles Situationen, die schnell wieder vorüber sind. Auch der Erwerb materieller Dinge, wie beispielsweise eine neue Handtasche, neue Schuhe, oder etwas Schönes zum Anziehen, kann uns für eine gewisse Zeit tatsächlich glücklicher machen, ohne Frage. Jedoch leider auch nur für kurze Zeit.

Scheinbar ist das Glück ein sehr flüchtiges Phänomen – man kann es nicht festhalten oder einfangen. Wäre es nicht schön, nicht nur kurzfristige Glücksmomente zu erleben, sondern dauerhaft Glück, Lebenszufriedenheit und Erfüllung zu finden? “Nein, das ist nicht möglich”, denken sehr viele Menschen, “solche Momente sind selten und finden im Alltag kaum statt.”

Zwei Arten von Glück

Bei einer Studie über Lottogewinner wurde festgestellt, dass diese zwar, als sie von ihrem Gewinn erfuhren, verständlicherweise ein sehr großes Glücksgefühl empfanden, ein halbes Jahr später allerdings schon nicht mehr glücklicher waren als der Durchschnitt der Bevölkerung. Im Gegenteil, sie konnten sich über kleine Begebenheiten, wie zum Beispiel Aufmerksamkeiten von Freunden, nicht mehr so sehr freuen wie vor dem Gewinn. Wie lange hast du dich nach dem Kauf der Handtasche oder etwas anderem noch darüber gefreut? Das ist die Art von Glück, bei der wir intensive, aber vorübergehende Glücksgefühle empfinden – ein Glück, das an äußere Bedingungen geknüpft ist.

Glücksgefühle haben eines gemeinsam

Die andere Art von Glück liegt in uns selbst und jeder hat dieses Potenzial in sich. Seit einiger Zeit beschäftigt sich die Hirnforschung mit den guten Gefühlen und hat sich auf die Suche gemacht. Durch Experimente wurde festgestellt, wie in uns das Gefühl von Glück entsteht. Dabei stellte sich heraus, dass Glücksgefühlen eines gemeinsam ist: Während wir Glücksmomente erleben, vergessen wir unsere festen Vorstellungen und Konzepte. Unser gewohnheitsmäßiges Denken tritt in den Hintergrund.

Wir denken in diesen Momenten nicht darüber nach, ob wir besser oder schlechter sind als jemand anderes. Wir müssen nicht irgendetwas beweisen oder darstellen, sondern befinden uns ganz im Augenblick, sind frei davon, irgendwelchen Erwartungen zu entsprechen oder diese auf unsere Mitmenschen zu projizieren. Das Ego hat Pause. Keine Ängste, die aus Erlebnissen aus der Vergangenheit auf gegenwärtige Situationen übertragen werden und keine Befürchtungen über die Zukunft trüben unser momentanes Empfinden. Es gibt ein Muster, das allen erfüllten, glücklichen Momenten zugrunde liegt.

Glück ist lernbar

Eine wirklich verlässliche innere Zufriedenheit zu erlangen, unabhängig von äußeren Faktoren und flüchtigen Glücksmomenten, ist demnach möglich, Glück ist also lernbar. Wir müssen lediglich Eigenschaften kultivieren, die uns Abstand nehmen lassen von unseren steifen Vorstellungen, Projektionen, inneren Filmen und Glaubensmustern. Das geschieht unter anderem dann, wenn wir dankbar sind, jemandem helfen und liebevoll zu uns selbst sind. Mit sich selbst gut Freund sein, sich so zu behandeln, wie man einen guten Freund behandeln würde, bei dem man auch mit einem Augenzwinkern über seine Macken hinweg sieht, damit wäre die Welt schon ein Stück freudvoller.

Ein mit sich zufriedener Mensch empfindet weniger Neid, Zorn und Missgunst, ist eher bereit anderen ihre Erfolge und ihr Glück zu gönnen. Eigenschaften wie Dankbarkeit, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft zu pflegen führt dazu, dass wir uns insgesamt zufriedener und glücklicher fühlen und auch unsere Beziehungen von einer tieferen und ausgeglicheneren Qualität sind. Wir haben alle diesen großen Schatz in uns. Wir können unsere positiven Eigenschaften und Gefühle kultivieren und somit unsere gesamte Lebenszufriedenheit und unsere Beziehungen untereinander verbessern. Dieses Glück haben wir somit weitestgehend selbst in der Hand, es ist nicht unbedingt an äußere Bedingungen geknüpft. Positive Gefühle haben messbare Auswirkung auf unser Immunsystem, auf die Stabilität unserer Beziehungen und unser Durchhaltevermögen, was letztendlich eine Voraussetzung von erfolgreichen Unternehmungen ist.

Was kannst du nun konkret tun, um glücklicher und zufriedener zu sein? Es hat wenig Sinn, sich hinzusetzen und auf das Glück zu warten. Kleine wiederkehrende Handlungen, die Gewohnheiten schaffen, sind das Geheimnis. Handlungen, die zu Gewohnheiten werden, die uns letztendlich helfen, das Glas nicht mehr als halb leer anzusehen. Folgende Übungen, am besten täglich durchgeführt, können helfen, dein Glücksempfinden zu trainieren:

1. Positiver Tagesrückblick
In dieser Übung geht es darum, den Tag gut abzuschließen. Mit welcher Einstellung wir in den Schlaf gehen, hat Einfluss auf unsere Schlafqualität und wie wir am nächsten Morgen aufstehen. Diese Übung richtet unseren Fokus auf die positiven Ereignisse des Tages.

Der positive Tagesrückblick beinhaltet zwei Teile:
Teil 1: Du legst dir ein schönes Notizbuch oder -heft zu, in das es dir Freude macht zu schreiben. In dieses Heft schreibst du eine Woche lang jeden Abend mindestens drei Ereignisse auf, die schön waren an diesem Tag. Das müssen keine großen Sachen sein, es können Erlebnisse sein wie ein Sonnenstrahl, der auf deinen Schreibtisch gefallen ist, ein angenehmes Gefühl nach dem Duschen oder Baden, aber auch tolle Erfolge und Begegnungen.
Teil 2: Im zweiten Schritt stellst du dir die Frage: „Was habe ich dazu beigetragen, dass ich diese Erlebnisse als schön und positiv erlebt habe?“ Die Antworten schreibst du ebenfalls in dein Buch.
Als Beispiel: „Es war heute schön, dass ein Sonnenstrahl auf meinen Schreibtisch gefallen ist. Was habe ich dazu beigetragen, dass es schön war? Ich habe den Sonnenstrahl wahrgenommen. Ich habe mir Zeit genommen, ihn zu betrachten.“ oder „Ich habe mir Zeit genommen ein Bad zu nehmen, ich habe es genossen.“ Du wirst merken, wie sich zunehmend positive Gefühle bei dir einstellen.

2. Die Freundlichkeitsübung
Sei mindestens einmal am Tag freundlich zu jemandem. Lasse jemanden an der Kasse vor, trage der Nachbarin die Einkäufe die Treppe hoch oder mache jemandem ein nettes Kompliment.

3. Auszeit im Alltag
Schreibe eine Liste mit mindestens 20 Dingen, die dir wirklich Spaß machen und dir gut tun. Dinge, die du in 15 bis 30 Minuten machen kannst. Dann verabrede dich jeden Tag für 15 oder 30 Minuten mit dir selbst. Diesen Termin schreibe in deinen Terminkalender. Nun suchst du dir jeden Tag für diesen Termin eine Sache aus, auf die du gerade Lust hast. So nimmst du dir jeden Tag eine kleine Auszeit aus deinem Alltag. Du wirst sehen, danach wirst du mit mehr Schwung durch den restlichen Tag gehen.

4. Meditation
Fünf bis zehn Minuten am Tag sind völlig ausreichend. Du brauchst dich auch nicht in komplizierten Schneidersitzpositionen zu verrenken. Es reicht, wenn du dich so hinsetzt, dass es dir bequem ist und nichts weh tut. Das kann auch auf einem Stuhl sein, falls du zum Beispiel Knieprobleme hast. Du kannst mit offenen oder geschlossenen Augen meditieren. Falls du mit offenen Augen meditierst, konzentriere dich auf ein Objekt vor dir. Es ist völlig egal, was es ist. Das Objekt hat lediglich die Funktion, zu erkennen, wann du abgelenkt bist und deine Gedanken dich beschäftigen. Es geht nicht darum, die Gedanken abzuschalten, sondern sie vorbeiziehen zu lassen und ihnen für einen Moment keine Aufmerksamkeit zu schenken. Richte deine Aufmerksamkeit dann immer wieder auf dein Meditationsobjekt. Möchtest du mit geschlossenen Augen meditieren, dann konzentriere dich auf deinen Atem, wie er kommt und geht.

In der Meditation wird es dir mit der Zeit immer leichter fallen, Ereignissen, die im Moment nicht von Relevanz sind, keine Bedeutung zu geben. Es wird dir immer leichter fallen, dich gedanklich nicht andauernd in der Vergangenheit oder Zukunft zu bewegen. Häufiges Gedankenkreisen und Grübeln verringern sich und du erfährst mehr innere Ruhe. Die Fähigkeiten, die wir in der Meditation kultivieren, sind auch im täglichen Leben sehr nützlich. So merken wir durch die erhöhte Achtsamkeit schon viel früher, wenn uns wenig nützliche Gefühlsregungen überfallen, und können dadurch zum Beispiel einen sinnlosen Wutanfall im Keim ersticken, bevor er seine zerstörerische Wirkung entfaltet.

5. Echte Begegnungen
Ein Glücksfaktor wird in der heutigen digitalen Zeit immer mehr vernachlässigt: Inspirierende echte Begegnungen mit Menschen. Evolutionär sind wir als soziale Wesen konzipiert. Echte positive Begegnungen setzten in uns Glückshormone frei. Plane daher mindestens einmal in der Woche ein Treffen mit einem guten Freund oder einer guten Freundin ein. Gute Gespräche sind immer energetisierend.

Wenn wir also mehr Glück und Zufriedenheit in unser Leben ziehen wollen, ist es sinnvoll, die oben genannten Eigenschaften zu kultivieren. Wir müssen uns jedoch nicht für das eine entscheiden und das andere aufgeben. An äußere Bedingungen geknüpftes Glück hat genauso seine Berechtigung wie nachhaltiges Glück, welches durch Sinn und Bedeutung entsteht. Verfolgen wir allerdings ausschließlich ein nur an äußere Bedingungen gebundenes Glück und dem Glück verheißenden Konsumtrend, sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Das ist ein auf Sand gebautes, wenig nachhaltiges Glück.

Viel Freude wünsche ich dir beim Trainieren deines Glücksgefühls!

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#ThisIsMyEurope: Pedro Castro aus Portugal

Vor dem Hintergrund der europäischen Turbulenzen habe ich mich auf die Mission begeben, europäische Werte und Anliegen zu identifizieren. In der Interview-Serie #ThisIsMyEurope spreche ich mit Menschen rund um den Kontinent und versuche herauszufinden,…

Vor dem Hintergrund der europäischen Turbulenzen habe ich mich auf die Mission begeben, europäische Werte und Anliegen zu identifizieren. In der Interview-Serie #ThisIsMyEurope spreche ich mit Menschen rund um den Kontinent und versuche herauszufinden, was für sie „Europa“ bedeutet. Dieses Mal habe ich Pedro interviewt, als der Portugiese gerade in Warschau angekommen ist.

„Unsere Generation wuchs mit der Idee eines Europas auf, die sich im Laufe der letzten Jahre irgendwie angefangen hat aufzulösen. “ Pedro Castro (32) ist kürzlich in Polens Hauptstadt gezogen. Ich spreche mit ihm über Skype während er seine Familie in der Umgebung von Porto besucht.

Pedro hat eine Änderung in seinem Verständnis von Europa als Kontinent und Union gleichermaßen bemerkt. „Ich weiß, es klingt drastisch, aber das Europa, das wir heute kennen, wird vielleicht in 20 Jahre nicht mehr existieren. Ich denke, diese Realität ist viel näher als wir denken.“ , jedoch ist seine Prognose nicht absolut düster. „Ich bin ein Optimist. Ich denke, wir werden in letzter Minute eine Lösung finden. Es ist Pragmatismus: Wenn wir es nicht tun, verlieren wir alle.“

Freiheit

Pedro schätzt die Freiheit, die Europa geschaffen hat. „Als Kontinent mögen wir Schwierigkeiten haben herauszufinden, wo wir nach diesen Jahrzehnten der Integration stehen, aber auf einer persönlichen Ebene bietet Europa eine große Freiheit. Es ist faszinierend, so viele Kulturen auf unserem eigenen Kontinent anzutreffen.“ Pedro bekam davon als Student einen ersten Eindruck. „Ich ging vor zehn Jahren weg um im Ausland zu leben und jetzt habe ich Freunde in ganz Europa.“ Er fühlt sich als Teil seiner neuen Heimatstadt Warschau. „Unsere Integration ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine soziale. Trotz dieser Krisen, die wir erleben, respektieren wir uns noch gegenseitig als Menschen. Ich liebe die Freiheit, die im Zentrum des Europäisch-Seins liegt.“

Erst im vergangenen Jahr hatte Pedro eine Tennis-Akademie in der kleinen portugiesischen Stadt Santa Maria de Feira geführt. Jetzt arbeitet er für einen Multinationalen Betrieb in Polens Hauptstadt in einem Job, den er innerhalb eines Monats gefunden hatte. Jeder, der sich darüber wundert, einen professionellen Sportler in so einer Berufswahl zu sehen, wäre ebenso überrascht zu hören, dass er vor seiner Tennisausbildung an einer juristischen Fakultät studiert und diese absolviert hatte. „Ich fand früh heraus, dass die typischen materialistischen Karrierewege für mich nicht der richtige Weg sind. Ich arbeite aus Leidenschaft.“ Flexibel zu sein kam ihm zu Gute: „Persönlich profitiere ich sehr stark von der Integration der EU. Ich kann ganz einfach von einer Stadt in die nächste durch ganz Europa reisen, einen Job finden und ein neues Leben beginnen. Es ist so einfach, weißt du! Es gibt auf der Welt keine Organisation wie diese.“

Ironie

Es mag ironisch sein, dass es die wirtschaftliche Integration war, die Pedro erlaubt hat, nach Alternativen für den anspruchsvollen westlichen Lebensstil zu suchen. „Wir alle leben mehr und mehr in ähnlichen westlichen kapitalistischen Gesellschaften und das ist schlecht. Aber hier im Osten, kann ich etwas anderes erleben. An diesem Ort, der zugleich vertraut und doch fremd ist, kann ich nach einem Raum suchen, den ich für mich selbst designe. Weit weg von der perfekten Form, ständig hart zu arbeiten.“

Freiheit hat auch seine Schattenseiten. „Wir können viel und leicht darüber reden, frei zu sein, aber wir müssen genau prüfen, was das bedeutet. Niemand ist vollkommen frei.“ Die westliche Welt hat klar definierte Rollen. „Die Idee der Freiheit die man uns verkauft, hat sehr viel mit Kontrolle zu tun. Ich schätze wirklich das Niveau auf dem ich persönlich entscheiden kann was ich tue und entscheiden kann wo ich arbeite. Aber auf der Ebene der Gesellschaft, bin ich vielleicht nur ein Welpe in den Händen eines anderen Menschen.“ Pedro spürt, dass der Gesellschaftsstruktur widerstanden werden kann. „Wenn du dich glücklich schätzen kannst, deine eigenen Identität zu finden – wer du bist, nicht was von dir erwertet wird -, ermöglicht dir die Europäische Gesellschaft diese Freiheit zu erwerben.“

Trotz des Verlustes der Richtung, sieht Pedro eine gemeinsame Zukunft für Europa. „Wie ich schon sagte, die Grundlinie dieses aktuellen Europas ist zu wichtig für alle inkludierten Länder.“ Was können wir tun? „Wir müssen Unterschiede respektieren, während unsere Solidarität und Verständnis füreinander wachsen können. Das fehlte in Griechenland und es fehlt jetzt auch in den anderen Ländern die nicht bereit sind, Deutschlands Weg in der Flüchtlingsfrage beizustehen. Aber wir werden ernsteren Krisen sehen, als wir bisher gehabt haben, also was wird passieren?“ Er drückt das Ganze mit einem Achselzucken aus: “ Natürlich weiß ich es nicht. Ich bin wirklich nur sehr gespannt zu sehen, wohin wir gehen. “

 

Dieser Artikel wurde auf Oneworld.nl erstveröffentlicht, dieses Interview ist Teil 2 der Serie #ThisIsMyEurope von Reinier Vriend. Vielen Dank an Moni für die Übersetzung!

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#ThisIsMyEurope: Lucile Pouthier aus Frankreich

Vor dem Hintergrund der europäischen Turbulenzen habe ich mich auf die Mission begeben, europäische Werte und Anliegen zu identifizieren. In der Interview-Serie #ThisIsMyEurope spreche ich mit Menschen rund um den Kontinent und versuche herauszufinden,…

Vor dem Hintergrund der europäischen Turbulenzen habe ich mich auf die Mission begeben, europäische Werte und Anliegen zu identifizieren. In der Interview-Serie #ThisIsMyEurope spreche ich mit Menschen rund um den Kontinent und versuche herauszufinden, was für sie „Europa“ bedeutet. Das erste Interview habe ich mit Lucile aus Paris geführt.

Lucile Pouthier, Doktorandin, klingt streng als ich sie über die wichtigsten Werte Europas befrage. „Ich muss dich warnen, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen nach Schönheitswettbewerb, aber ich glaube, der wichtigste Mehrheit ist Frieden.“ Sie lacht. Selbst über die dürftige Skype-Verbindung schafft sie ein sympathisches Auftreten. „Wir werden nicht täglich damit konfrontiert, aber vor mehr als sechzig Jahren waren wir aktiv dabei uns gegenseitig zu töten. Der Frieden, den wir jetzt haben, ist eine verdammte Leistung!“

Familiengeschichte

Luciles Wertschätzung für Europas Rolle im täglichen Frieden stamm ursprünglich aus ihrer Familiengeschichte. „Als ich noch klein war, erzählten meine Großeltern mir Geschichten aus ihrer Jugend. Du weißt, wie Menschen, die dem Tod nah waren den Drang haben, ihre Vergangenheit und Erfahrungen zu teilen? Ich war eine aufmerksame Zuhörerin und stellte Fragen.“ Luciles Großmutter mütterlicherseits war Bulgarin. Sie verließ ihre Heimat als der Eiserne Vorhang errichtet wurde, getrennt von ihrer Familie, die später von der Sicherheitspolizei dazu gezwungen wurde, sie zu verstoßen und für die nächsten zehn Jahre den Kontakt zu ihr vollständig abzubrechen. Ihre Großmutter väterlicherseits wuchs in der Nähe der Stadt Besancon im Osten Frankreichs auf, einem Gebiet, das in beiden Weltkriegen ernsthaft betroffen war. Ihr Großvater wiederum hatte im ersten Weltkrieg gekämpft.

Als am Vorabend der deutschen Invasion die anrückenden Truppen kamen, hob er sie in einen Wagen und floh zu Fuß aus der Stadt. Als der Kommandant der französische Armee, Kommandant Pétain, die Kapitulation angekündigt, brach der alte Mann in Tränen aus. „Das ist immer bei ihr geblieben“. Diese Geschichten haben einen bleibenden Eindruck auf Lucile gemacht. „Erst seit kurzem erkenne ich, wie wertvoll es ist, Menschen aus dieser Zeit mit gelebter Erfahrung gekannt zu haben. Ein vereintes Europa ist etwas, das wir oft für selbstverständlich halten, aber es ist nicht selbstverständlich.“

#TIME-Lucile

Anschläge in Paris

Ich spreche mit Lucile nach ihrer Rückkehr nach Paris. In Südafrika führt sie Studien für ihr Doktorat in Kulturwissenschaften über dessen Strafjustiz und Straffvollzugssystem durch. Als sie vor einem Jahr nach Paris zurückkehrt, erreicht sie es kurz nach dem Anschlag von Charlie Hedbo. Dieses Jahr war ihr Timing nicht viel besser. Sie landete eine Woche nach den jüngsten Angriffen. Sie hat Mühe dabei, ihr Lager in einer Stadt aufzuschlagen, wo die Reaktion der Menschen auf die Anschläge Ausmaße annimmt, die sie nicht verkraften kann. „Es hat mich verfolgt zu sehen, wie schnell Demonstrationen der Trauer und Einheit einer patriotischen Kriegsstimmung wichen. Wir sind ernsthaft verletzt. Aber wir sollten bereit sein, auf uns selbst zu sehen.“

Lucile sieht einen Nachteil in Europas derzeitige Form. „Der Frieden, den wir für uns selbst geschnitzt haben, ist manchmal zum Nachteil der anderen. Wir fordern Gleichheit, Freiheit, Vielfalt und Menschenrechte, durch die wir eine Identität aufgebaut haben. Aber wir halten doppelte Standards.“ Sie erwähnt die Rolle der Türkei im Fernhalten der Flüchtlinge von der EU als ein Beispiel: „Unabhängig von einer Verschlechterung der Menschenrechtslage in ihrem Land ist die Türkei nun aufgefordert, die EU wieder zu verbinden. Europa vergisst bequem ihre eigene Verantwortung für den Status in dem sich der Mittlere Osten jetzt befindet.“

Lucile sieht eine Zukunft für Europa in dessen Neigung zur Kritik. „Nach den jüngsten Angriffen hier in Paris gab es Stimmen, die fast militärisch die Idee förderten, der Terror könnte nur überwunden werden, wenn wir genauso weitermachten wie bisher. Es überrascht mich, wie viele Menschen der Begründung zustimmten.“ Der Klimagipfel COP12 brachte eine Veränderung. „Er zeigte die Absurdität auf, einen konsumorientierten Lebensstils als Merkmal für französische Identität zu rebranden. Das ist keine Lösung. Genauso wenig wie auf unbestimmte Zeit einen Ausnahmezustand zu halten oder Menschen, die in Europa geboren wurden, ihre Nationalitäten auszutreiben.“ Luciles Hoffnung liegt in der Fähigkeit Europas, die Diskrepanzen zwischen den Werten und deren Anwendung zu bemerken. „Wir sollten unseren Standards gerecht werden, egal wie ehrgeizig sie sind. Die Geschichten meiner Großeltern sind eine düstere Erinnerung daran, was auf dem Spiel steht.“

 

Dieser Artikel wurde auf Oneworld.nl erstveröffentlicht, dieses Interview ist Teil 1 der Serie #ThisIsMyEurope von Reinier Vriend. Vielen Dank an Moni für die Übersetzung!

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Maskerade des Glücklichseins – Wie der Alltag uns zu geschminkten Clowns macht

„Naaa, wie waren deine Ferien?“, fragt meine Kollegin Susanne lächelnd. Ich senke meine Kaffeetasse. „Ach du“, sage ich und schaue dabei zum Fenster hinaus, wo dicke Regentropfen – vielleicht sind es auch…

„Naaa, wie waren deine Ferien?“, fragt meine Kollegin Susanne lächelnd. Ich senke meine Kaffeetasse. „Ach du“, sage ich und schaue dabei zum Fenster hinaus, wo dicke Regentropfen – vielleicht sind es auch Schneeflocken – gegen das Fenster klatschen, „abgesehen davon, dass mein Freund Schluss gemacht hat, ich einmal in der Notambulanz saß, ein anderes Mal der Notarzt mit Blaulicht kam und meiner Tante das Haus abgebrannt ist, ganz gut. Und deine?“ Sie starrt mich an und beginnt an ihrem Kugelschreiber herumzulutschen, als könne sie aus ihm eine angemessene Reaktion saugen. Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass ihre Frage rhetorisch gemeint war, aber mir ist heute einfach mal nach Wahrheit. Zu anstrengend erscheint mir das Aufsetzen meiner Maske. Aber warum sind wir eigentlich so, wenn wir auf der Arbeit sind? Warum gibt es von uns eine private Version und eine, die dauerglücklich im Büro sitzen muss?

Da steht der Manager bei der Präsentation vor seinen Kollegen, ein Schatten seiner selbst, zeigt höchste Professionalität und in Wahrheit weint er innerlich um seine verstorbene Mutter. Die Kassiererin sitzt an der Kasse und jedes Mal, wenn jemand die Ritter Sport Alpenmilch kauft, schießt ein schmerzvolles Projektil voller Adrenalin mitten durch ihr Herz, weil sie an die strahlenden Augen ihres Ex-Mannes denkt, wenn sie ihm die Schokolade mitgebracht hat. „War beim Einkauf alles in Ordnung?“, fragt sie lächelnd, aber mit leeren Augen. Wir sitzen mit Liebeskummer am Arbeitsplatz und wenn uns der Kollege fragt, wie es uns geht, antworten wir: „Gut, danke.“ Heute habe ich mit meiner Antwort die natürliche Ordnung aus dem Gleichgewicht gebracht und genau das will mir Susanne auch zu verstehen geben, indem sie meint: „Oh verdammt, das tut mir leid. Na ja, wir reden später darüber, ich muss noch ein paar Sachen kopieren.“

Als ich nach der Trennung von meinem Freund die sechste Taschentuch-Box geleert hatte und die Ferien langsam dem Ende nahten, googelte ich, ob man sich wegen Liebeskummer krankschreiben lassen kann. Immerhin kann daraus das lebensbedrohliche Broken-Heart-Syndrom entstehen. Wegen Liebeskummer haben sich schon viele Menschen das Leben genommen. Warum also nicht zuhause bleiben und dem Kummer seinen Lauf lassen? Ich las Antworten wie „die eigene Gefühlslage hat im Job nichts verloren“ oder „Arbeit und Privatleben muss man trennen können“. Selbst die Süddeutsche Zeitung schreibt: „So weh eine Trennung auch tut – im Berufsalltag sollten private Probleme keine Rolle spielen.“* Nun saß ich vor meinem Laptop und eine einzige Frage schwirrte durch meinen Kopf: Warum eigentlich? Warum betreten wir jeden Morgen aufs Neue diese Bühne mit einem Lächeln, als hätten wir es uns mit Theaterschminke ins Gesicht gemalt und mit Haarspray fixiert? Warum ist es nicht in Ordnung, vor den Kollegen zu weinen? Und warum darf ich mich, wenn ich einen Beruf mit viel Kundenkontakt habe, nicht krankschreiben lassen, wenn ich Kummer habe?

Brokenheart

Keine zehn Minuten, nachdem meine Kollegin Susanne mich stehengelassen hat, betrete ich meine Bühne: Das Klassenzimmer 202. Mein Publikum: Die 5b. Während ich den Schlüssel in das Schloss stecke und die Meute hinter mir durch den Flur tobt, schminke ich mir innerlich mein Lächeln auf. „Guten Morgen, liebe 5b!“, sage ich, als wäre ich die gut gelaunte Mami mit der gut gelaunten Familie aus der gut gelaunten Lätta-Werbung. Den Schüler Michael, der in der letzten Reihe sitzt, kann ich an diesem Tag nicht aufrufen. Er heißt genauso wie mein Ex-Freund und ich will nicht riskieren, dass die Tränen mein Lächeln abwaschen. Die Kleinen kann ich täuschen, sie sind ohnehin zu beschäftigt mit dem Katzenskelett, das ich vorne auf den Tisch gestellt habe, sodass sie nichts von meinem gebrochenen Herzen sehen.

In der zweiten Stunde stehe ich vor der 10c. „Wie waren Ihre Ferien?“, fragt eine Schülerin. „Nicht so gut“, antworte ich jetzt ehrlich, weil ich schlecht lügen kann. „Warum nicht?“, fragt sie mit großen Augen und ich erkläre kurz die Lage, ähnlich wie ich es bei Susanne getan habe. Die Klasse hört zu, bekundet danach ihr Mitgefühl und ist an diesem Tag ganz besonders ruhig und zeigt sich ausgesprochen freundlich. So brav waren sie das letzte Mal gewesen, als ich eine Lehrprobe hatte. „Es tut mir leid, dass ich eure Klassenarbeiten noch nicht korrigiert habe“, entschuldige ich mich am Ende der Stunde. „Das ist nicht schlimm, wir brauchen die nicht so dringend zurück“, antwortet Florian, der sonst ganz still ist und sich nie meldet. „Vielleicht sollten Sie am Wochenende auch lieber mal wegfahren als unsere Arbeiten zu korrigieren“, ergänzt Paul, ein Schüler, mit dem ich seit Wochen Auseinandersetzungen habe. „Und übrigens“, wirft jetzt noch Luis ein, „der Typ muss ein ganz schöner Idiot sein, wenn er Sie verlässt.“ Durch die Klasse geht eine Welle von „Ja, genau!“ und „Aber wirklich!“. Beim Verlassen des Klassenzimmers muss ich lächeln. Es ist ein echtes Lächeln, das meine Schüler mir aufs Gesicht zaubern. Und auch, wenn sie in dieser Stunde vielleicht nicht ganz so viel über die Struktur der DNA gelernt haben, so haben sie gelernt, dass es in Ordnung ist, traurig zu sein und Schwäche zu zeigen. Das ist vermutlich mehr als man ihnen in ihrer ganzen Schullaufbahn je beigebracht hat. Was aber habe ich in dieser Stunde gelernt? Nicht das, was mir mein erster Chef während meiner Ausbildungszeit beigebracht hat, nämlich Professionalität. Ich habe etwas ganz anderes und viel Wertvolleres gelernt: Nur wenn man selbst Menschlichkeit zeigt, kann man Menschlichkeit erfahren.

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Einer Kassiererin, die mir ihre Traurigkeit zeigt, würde ich sicher ein paar tröstende Worte spenden. Vielleicht würde aber auch ihr Chef sagen: „Bleiben Sie besser zuhause und erholen sich ein paar Tage.“ – wenn sie ihn nur fragte. Natürlich kann man einwenden, dass Arbeit auch ablenkt, aber manchmal muss man dem Herz Zeit geben, zu heilen und diese Zeit muss man sich zugestehen. Glück ist kein Zufall, es ist eine Wahl, die jeder Einzelne von uns hat. Aber ich strebe nach Authentizität, das gilt auch für das Glücklichsein.

Während meiner Meditation am Nachmittag überkommt mich bei den Gedanken an meine zehnte Klasse ein ganz leichtes, aber sehr warmes Gefühl von echtem Glück. Ein Glücklichsein, das erst durch eine Fremd- und daraus folgend durch eine Selbstbejahung ausgelöst wurde. Meine Schüler haben mich dazu gebracht, zu mir selbst und meinen Gefühlen zu stehen, kurz: Es macht mich glücklich, unglücklich sein zu dürfen. Ich werde bald wieder fröhlich vor meiner 10c stehen, aber dann werden die Schüler wissen, dass mein Lächeln echt ist, weil ich bei der Maskerade des Glücklichseins nicht mehr mitspiele.

Am Abend erreicht mich eine WhatsApp-Nachricht von Susanne. „Wie geht’s dir?“, fragt sie mit einem lächelnden Emoticon dahinter – dieses Mal weiß ich, dass die Frage nicht rhetorisch gemeint und das Emoticon ein echtes Lächeln ist.

 

* sueddeutsche.de/karriere/beruf-und-private-probleme-wie-man-sich-bei-liebeskummer-im-job-verhaelt, 13.1.2016

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Empathie – Die Basis des Zusammenlebens von Mensch und Tier

Die meisten Kinder sind von Geburt an neugierig. Sie erkunden ihre Umgebung und sind an allen anderen Dingen und Lebewesen interessiert. Das ist Teil eines angeborenen Bedürfnisses: Die Welt kennen…

Die meisten Kinder sind von Geburt an neugierig. Sie erkunden ihre Umgebung und sind an allen anderen Dingen und Lebewesen interessiert. Das ist Teil eines angeborenen Bedürfnisses: Die Welt kennen zu lernen und die Wesen, mit denen sie diese Welt teilen. Es sind entscheidende Momente in der Entwicklung des Kindes, denn – abhängig von ihrer jeweiligen Erziehung und den Erfahrungen, die sie machen – entwickeln sich Empathie und emotionale Intelligenz. In unserer Gesellschaft unterliegen sowohl das soziale Umfeld als auch das Erziehungssystem dem Speziesismus, der den Mensch als ranghöchstes Lebewesen betrachtet. Alle anderen Lebewesen werden ihm als minderwertig untergeordnet, sie haben folglich nicht die gleichen Rechte. Während ihrer Kindheit wird den meisten Kindern auf indirekte und subtile Weise vermittelt, dass die einzige Rolle der Tiere auf unserer Welt darin besteht, vom Mensch in jedweder Form benutzt zu werden. Anzeichen von Zärtlichkeit oder Mitleid mit einem Tier – vor allem mit den so genannten Nutztieren – werden im Entwicklungsprozess vieler Kinder als Zeichen von Schwäche und Unreife abgetan.

So erzählt ein Bauer in dem Dokumentarfilm „Das friedliche Reich“: „Ich wuchs in einer Bauernfamilie auf und mir wurde als Kind beigebracht, dass die Tiere für unseren Gebrauch da sind und dass dies Teil eines natürlichen Kreislaufes von Geburt und Tod ist. Ich habe das geglaubt, aber ich dachte mir auch, dass das irgendwie keinen Sinn ergibt. Denn wir hatten auch Hunde und Katzen und ich hatte eine enge Beziehung zu meinen Hunden. Wir waren wie beste Freunde, wir haben alles zusammen gemacht, doch mit den Nutztieren war das nicht so. Ich wusste nicht warum und fragte meine Mutter. Sie sagte mir, dass es normal sei sich schlecht zu fühlen wenn man Tiere tötet, um sie zu essen. Aber man dürfe sich das nicht anmerken lassen, sondern für sich behalten. Und das letzte was ich wolle, sei doch wohl als schwach zu gelten.“

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Dieser Prozess von schon fast brutaler Dissoziation und Desensibilisierung, der den Kindern beigebracht wird, scheint auf den Bauernhöfen und im Viehgeschäft notwendig. Im kleinerem Maßstab geschieht es ebenso in der Erziehung der Großstadtkinder, die darüber hinaus weniger persönliche Erlebnisse mit Nutztieren haben. Alles läuft auf sehr subtile Weise ab. Beispielsweise lesen wir den Kindern Geschichten vor, die lächelnde und glückliche Nutztiere zeigen. Diese Nutztiere geben geradezu mit Dankbarkeit ihren Körper für das Produkt her, das aus ihnen gemacht wird. All die Grausamkeit, die Nutztiere tagtäglich erleiden, wird ausgelassen, das Wort „Tod“ niemals erwähnt. Es werden vage Begriffe benutzt, um sich auf bestimmte Körperteile zu beziehen, beispielsweise verwendet man „Lende“ statt „Kalbfleisch“, „Schinken“ anstelle von „Schweinekeule“. Darüber hinaus wird das tierische Endprodukt unkenntlich gemacht und das bis zu dem Punkt, der es unmöglich macht, eine Verbindung zwischen den Lebensmitteln aus dem Supermarkt und den Tieren, von denen sie stammen, herzustellen.

Am Ende gehen viele Kinder dann davon aus, dass die Milch von einem unendlichen Brunnen stammt und Schnittkäse oder Nuggets von einer Fabrik kommen, die wie Kekse oder Brot produziert werden, oder dass es Fischstäbchenfische gibt. Die Kinder werden älter und bleiben unwissend oder auch ignorant gegenüber der schmerzlichen Wahrheit, die die Nutztiere sowohl auf Bauernhöfen als auch in grösserer Massentierhaltung erleiden und vor der Bauern, Produzenten und deren Kinder die Augen verschließen (müssen). Denn für die meisten Menschen ist die Vorstellung untragbar, für den grausamen Tod eines anderen Lebewesens verantwortlich zu sein, wenn auch oft nur indirekt durch den Fleischkonsum. Hackbraten, Steak, Filet – sie sind alle hübsch dekoriert angerichtet und verschleiern so die Tatsache, dass vor uns ein totes Tier auf unserem Teller liegt, das wegen uns Schmerzen und Qualen erleiden musste.

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Tierrettungshöfe, Tierschutzhöfe und Gnadenhöfe stellen eine Alternative zu all dem dar. Sie zeigen uns eine bessere Welt. Tier und Mensch leben in Koexistenz, ohne einander in irgendeiner Weise zu schaden oder die Freiheit und Lebensqualität des anderen Lebewesens einzuschränken. Kinder lernen dort die Bedürfnisse und Eigenarten der sogenannten Nutztiere kennen. Sie lernen, mit ihnen zu fühlen, genauso wie sie es mit ihren Hunden und Katzen Zuhause tun. Und sie sehen, dass es einen anderen, unkonventionellen Weg gibt, der auf Respekt und gegenseitiger Wertschätzung basiert.

PädagogInnen und KinderpsychologInnen bestätigen die hohe Bedeutung des Erlernens von Empathie. Ein gesundes Einfühlungsvermögen ist die Basis für ausgewogene soziale Beziehungen und ein stabiles Selbstwertgefühl. Etwa im ersten Lebensjahr werden Kinder sich ihrer selbst bewusst und fangen an, andere Menschen von sich selbst zu unterscheiden. Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr sind sie fähig zu verstehen, dass andere Lebewesen ihre eigenen Gefühle haben. Rund um das sechste Lebensjahr begreifen sie, dass andere Menschen ihre eigene Lebensgeschichte haben und dass diese ihre emotionalen Reaktionen beeinflusst. Mit etwa zehn Jahren können sie sich in die Lage anderer hinein versetzen und die Gefühle anderer Lebewesen verstehen. Diese gesamte Entwicklung wird durch einen grundlegenden Lernprozess bei Kindern stimuliert: Nachahmung. Bei der Kindererziehung sind daher nicht nur Erklärungen über richtig und falsch erforderlich, sondern vor allem müssen diese Erklärungen mit den Handlungen und Taten der Erwachsenen übereinstimmen.

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Die vegane Lebensweise ist für Tiere und Menschen der höchste Ausdruck für Gerechtigkeit, Respekt und Empathie und bringt Vorteile für Mensch, Tier und Umwelt. Unter den Studien, die Dr. Ernst W. Heinrich zusammengestellt hat, zeigt sich beispielsweise, dass die durchschnittliche Intelligenz veganer Kinder höher ist, als die von nicht vegan lebenden Kindern. Gründe dafür sind eine gesündere, weniger toxische Ernährung, was wesentlich für eine hohe intellektuelle Leistungsfähigkeit ist, sowie die Bildung einer intensiven Empathiefähigkeit. Die Basis dazu ist eine antispeziesistische Erziehung, die Tier und Mensch den gleichen Wert zuspricht, und den Kindern zeigt, wie man respektvoll mit anderen Lebewesen umgeht und zusammenlebt. Gerade die Entwicklung von Empathie im frühen Kindesalter ist eine Grundlage dafür, dass sie später einmal jedem Lebewesen mit Respekt und Aufrichtigkeit gegenüber treten.

Letztendlich ist das der Wegweiser in eine bessere Zukunft für uns alle.

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Sonntagslektüre: Nimm dir Zeit für Gutes

Empfehlungen für kritische Leseratten Zu Beginn des neuen Jahres möchte ich den Ernährungsratgeber “Peace Food“ von Rüdiger Dahlke vorstellen. Vergangenen Monat habt ihr bereits sein Kochbuch mit dem gleichen Titel…

Empfehlungen für kritische Leseratten

Zu Beginn des neuen Jahres möchte ich den Ernährungsratgeber “Peace Food“ von Rüdiger Dahlke vorstellen. Vergangenen Monat habt ihr bereits sein Kochbuch mit dem gleichen Titel in meiner Kolumne kennengelernt. Informationen zum Autor und über das Konzept von „Peace Food“ finden sich ebenfalls im letzten Kolumnenbeitrag. „Peace Food“ ist 2013 im Gräfe und Unzer Verlag erschienen, ich bekam es als Geschenk von meinem Vater. Die essentielle Botschaft des Autors ist, dass Fleisch und Milchprodukte uns krank machen. Der heilsame Weg findet sich leicht in einer Ernährungsumstellung auf rein pflanzliche, vollwertige Kost. Dadurch bekommt der Körper alles, um körperlich und seelisch in Balance zu kommen.

Die „China Study“

Das Fundament zu dieser These liefert eine wissenschaftliche Studie von T. Colin Campbell. Die „China Study“ besagt: Je weniger tierisches Protein und Kasein ein Mensch zu sich nimmt, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit für eine der folgenden Krankheiten: Krebs, Diabetes, Herz-Kreislaufkrankheiten, Fettleibigkeit, Autoimmunerkrankungen, Osteoporose oder degenerative Gehirnerkrankungen. Stattdessen sollen Antioxidantien in ausreichendem Maß aufgenommen werden. Von verarbeiteten Lebensmitteln und raffinierten Kohlehydraten (Zucker oder Mehl) wird ebenso abgeraten.

Gleich zu Beginn wird auf die Fehler unseres Gesundheitssystems hingewiesen. Mediziner, Pharmazeuten und ähnliche Berufe profitieren von Krankheit. Am gesunden Menschen ist leider nichts zu verdienen. Nicht zuletzt deshalb sind auch viele Dinge rund um gesunde Ernährung wenigen Menschen bekannt und es kursieren viele Halbwahrheiten. Eine davon ist, dass der Mensch durch Milch seine Kalziumspeicher auffüllt – das Gegenteil ist der Fall.

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Milch

In diesem Kapitel von „Peace Food“ wird erklärt, warum durch hohen Milchkonsum eine Übersäuerung des Körpers stattfindet. „70 Prozent der Knochenbrüche sind dem hohen Konsum von tierischem Eiweiß zuzuschreiben. Dieses erhöht den Säuregrad des Gewebes wie wenig anderes, und der Organismus muss diese Säure wieder neutralisieren, wozu er Kalzium aus den Knochen verwendet, was in der Konsequenz die Kalziumausscheidung im Urin erhöht.“ In Folge von schwachen Knochen kann Osteoporose entstehen.

Wer sich mit dem Thema Milch mehr auseinandersetzten möchte, dem kann ich diesen Kurzfilm empfehlen. Ich bevorzuge die Schulversion des Videos, denn sie bringt das Wichtigste auf den Punkt. Außerdem kommt sie gänzlich ohne Horrorszenen aus. Somit ist sie gut für Kinder und sensible Menschen geeignet.

Gewichtsreduktion

Trendartige Fettleibigkeit ist laut Dahlke auf große Mengen von raffinierten Kohlenhydraten, tierischen Protein und Fett zurückzuführen. Durch die beschriebene Ernährungsweise fällt es leicht, „sein Gewicht“ zu finden und auch zu halten. Dementsprechend verlieren Menschen mit deutlichem Übergewicht schnell Kilos und Schlanke wiederum bleiben nahezu unverändert. Unabdinglich ist natürlich die Aufnahme von vollwertigen, pflanzlichen Lebensmitteln. Zusätzlich fordert diese Kost unseren Organismus mehr als eiweiß- und fettreiche. Sie regt den Stoffwechsel und ebenso unseren Bewegungsdrang an. Man fühlt sich vitaler und lebendiger, was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert, am Ende eines jeden ist das Wichtigste kurz zusammen gefasst. Außerdem sind darin 30 vegane Rezepte von Dorothea Neumayr enthalten. Neben einer Anleitung für „Gefüllte Kohlrabi“ kann man zum Beispiel auch „Pochierte Birnen mit Mandelschaum und Veilchenblüten“ nach kochen.

Ich hab das Buch mit Freude verschlungen. Man merkt, dass der Autor voll und ganz hinter seinen Aussagen steht. Die aufgestellten Behauptungen basieren auf wissenschaftlichem Hintergrund. Das Leid der Tiere wird auf nüchterne Art und Weise beschrieben – emotionslos und ungeschminkt. Allerdings bekommt Dahlke auch viel Kritik zu spüren – auch aus den eigenen Reihen. Er wird mit vielen Vorwürfen konfrontiert, seine Behauptungen werden in Frage gestellt. Nichtsdestotrotz kann ich es nur weiterempfehlen. Denn durch das Lesen dieses Buches wurde ich in meinem eingeschlagenen Weg einer pflanzlichen Ernährung bestärkt und bekam neuen Mut.

Was haltet ihr von Rüdiger Dahlke? Findet ihr die Kritik berechtigt oder befürwortet ihr ihn, da er sich letztendlich für eine gute Sache einsetzt?

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Sonntagslektüre: Nimm dir Zeit für Gutes

Empfehlungen für kritische Leseratten Zum Jahresabschluss der Kolumne stelle ich das vegane Kochbuch von Rüdiger Dahlke „Peace Food“ vor. Ich bekam anlässlich meines Geburtstages im Frühjahr ein Exemplar geschenkt und habe…

Empfehlungen für kritische Leseratten

Zum Jahresabschluss der Kolumne stelle ich das vegane Kochbuch von Rüdiger Dahlke „Peace Food“ vor. Ich bekam anlässlich meines Geburtstages im Frühjahr ein Exemplar geschenkt und habe seither gut ein Drittel der darin beschriebenen Speisen ausprobiert. Offen gestanden bin ich keine sonderliche Freundin von Kochbüchern, meistens landen diverse Hirngespinste auf Basis des Kühlschrank-Inhaltes auf meinem Teller. Da mir aber die Aufmachung des besagten Stücks gut gefällt, hole ich mir gerne Anregungen und koche Rezepte nach.

Aufbau und Inhalt

Das Buch beinhaltet eine ausführliche Einführung, Kochanleitungen für vegane Kleinigkeiten, Peace Food für jeden Tag und die Kapitel „Kochen für Freunde“ und „Vegan & Süß“. Außerdem finden sich im Anhang eine Austauschtabelle veganer Alternativen und eine Vorstellung der RezeptautorInnen. Im ersten Teil wird das „Peace Food“-Konzept erklärt, mit dem Soja-Mythos aufgeräumt und viel Hintergrundwissen zu Gesundheits- und Ernährungsaspekten vermittelt.
Wusstet ihr beispielsweise, dass das Vitamin-B12 von Bakterien produziert wird, die auf den Oberflächen von Feld- und anderen Früchten gedeihen? Somit ist man reichlich versorgt, wenn man in seinem Garten biologischen Eigenanbau betreibt. Man muss die Ernte kaum waschen, wodurch die Vitamine erhalten bleiben.

Was ist Peace Food?

Das Konzept des Peace Food – also Friedensessens – basiert auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, die das Weglassen allen Tierproteins und -fettes aus gesundheitlichen Gründen empfehlen. Im Unterschied zur veganen Lebensweise wird Honig befürwortet. Laut der Homepage von Peace Food macht diese Lebensweise gesund, vital, glücklich, lebendig und friedvoll. Ein Blick auf die Seite lohnt sich. Man kann nachlesen, warum uns Fleisch und Milchprodukte krank machen. Es finden sich dort Studien, ein Restaurantführer und informative Videos. Rüdiger Dahlke ist Arzt, Psychotherapeut und Verfasser zahlreicher Bücher zum Thema Krankheitsdeutung und Heilung, sowie Krisenbewältigung und Ernährung. Dem hervorragenden Bestseller „Peace Food – Wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt“ werde ich mich im nächsten Kolumnenbeitrag widmen.

In der Südsteiermark hat Dahlke das Gesundheitsressort TamanGa geschaffen. „Taman“ bedeutet Garten auf Bali und „Ga“ steht für Gamlitz, den Ort. Auf der Anlage werden Seminare zum Thema Fasten, Gesundheit und Ernährung angeboten. Ein großer Biogarten, Schwimmteiche und vieles mehr laden ein, dort zu verweilen.

Rezepte

Neben den Klassikern der pflanzlichen Kost wie Hummus und Soja-Gemüse-Schnitzel finden sich auch einige außergewöhnliche Rezepte. Hierzu gehören meiner Meinung nach die Rote-Beete-Karotten-Suppe mit Sesam oder die gefüllten Riesenchampignons. Mein derzeitiger Favorit ist der Alt-Wiener-Krautstrudel mit Paprikasoße, den gab es erst letzte Woche bei uns. Wir schwärmen noch immer davon. Ich finde, Weißkraut wird sowieso unterschätzt, gerade in dieser Jahreszeit bietet es sich für schmackhafte Gerichte an.

Gleich auf den ersten Seiten sprang mir folgendes Zitat ins Auge, das ich euch nicht länger vorenthalten möchte: „Die schlechte Nachricht ist: Das Leben vergeht wie im Flug. Die gute ist: Du bist der Pilot.“

Habt Ihr schon einmal von Peace Food oder Rüdiger Dahlke gehört? Wenn nein, dann gibt es in der nächsten Ausgabe mehr davon.

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Sonntagslektüre: Nimm dir Zeit für Gutes

Empfehlungen für kritische Leseratten: Das Wunder der Selbstliebe „Wer sich selbst liebt, der findet liebe Freunde, lebt Partnerschaft auf einer nährenden Ebene, ist erfolgreicher und lebt gesünder. Wer sich selbst…

Empfehlungen für kritische Leseratten: Das Wunder der Selbstliebe

„Wer sich selbst liebt, der findet liebe Freunde, lebt Partnerschaft auf einer nährenden Ebene, ist erfolgreicher und lebt gesünder. Wer sich selbst liebt, den liebt das Leben.“ Das klingt doch schon einmal nach einem vielversprechenden Buch, nicht? Und genau darum handelt es sich bei „Das Wunder der Selbstliebe – Der geheime Schlüssel zum Öffnen aller Türen“ von Bärbel und Manfred Mohr. Ich bekam das Buch von einer mir nahe stehenden Person anlässlich meiner Matura geschenkt und bin seither sehr begeistert davon. Da das sensible Thema Selbstliebe gerne mal in den Hintergrund rückt und in Vergessenheit gerät, ist es eine Lektüre, die man mehrmals lesen kann und soll. Die Autorin machte ihr Hobby zum Beruf und schrieb viele „Wunsch“-Bücher, Kinderbücher und Beziehungsratgeber. Sie starb kurz nach Fertigstellung dieses Buches. Ihr Mann Manfred führt ihr Werk weiter.

Das Wunder der Selbstliebe, erschienen im Gräfe und Unzer Verlag, bietet sich für all jene an, die das Gefühl haben, sich selbst (zu) wenig zu lieben oder Probleme damit haben, ihren Körper anzunehmen, wie er ist. Durch aufklärende Worte und simple Übungen bildet das Buch die ideale Basis. Denn vergebens sind die – oft unbewussten – Anstrengungen, die Zuneigung anderer zu erringen. Umso ertragreicher ist die Arbeit an der Liebe und Akzeptanz der eigenen Person. Der Erfolg stellt sich schnell ein und auch das Umfeld verändert sich. Exemplarisch dafür möchte ich kurz die erste Übung des Buches beschreiben. Sie heißt „Selbstliebe-Spiegel-Übung“, ist eigentlich sehr einfach und trotzdem anspruchsvoll. Man stellt sich nackt vor einen Ganzkörperspiegel und liebt und akzeptiert sich selbst. Schritt für Schritt kann man sich ein Körperteil herauspicken, das einem besonders gut gefällt und sich so langsam vorarbeiten. Zum Beispiel: „Meine großen Augen gefallen mir, die Haare sind auch okay. Die Taille sieht ganz gut aus. Und ja, die blassen Beine, ich liebe euch auch – zumindest ein bisschen.“ Mit jedem Mal kann man so ein Stück seines Körpers mehr anerkennen und wertschätzen. Ihr werdet sehen, nach einiger Zeit kann man sogar den Problemzonen etwas Positives abgewinnen – „Meine große Nase entspricht zwar nicht dem gängigen Schönheitsideal, dafür kann ich bestens mit ihr atmen und riechen“.

Sehr gut gefällt mir ein im Buch abgedruckter Test, durch den man sich selbst einschätzen kann. Die genialsten Fragen sind meiner Meinung nach folgende:
• Kannst du dich alleine in ein Kaffeehaus setzen und etwas trinken?
• Angenommen, ein enger Verwandter, der dir sonst immer zum Geburtstag gratuliert, hat es diesmal vergessen. Was schließt du daraus?
• Ein bekannter Choleriker schreit dich vor versammelter Mannschaft an und macht dir ungerechtfertigt Vorwürfe. Wie geht es dir dabei?

Wer die Gründe bei sich selbst sucht, bloß weil der Geburtstag vergessen wurde oder sich doch ein bisschen schuldig fühlt nach der Standpauke des Cholerikers, der hat Handlungsbedarf. Wobei, zugegebenermaßen, haben wir den nicht alle? Ich glaube kaum, dass es viele Menschen gibt, die sich selbst in angemessenem Maße lieben. Kann man sich überhaupt zu viel lieben?

Nein sagen – aus persönlicher Erfahrung weiß ich, wie viel Überwindung es kostet, jemandem eine Bitte abzuschlagen und gezielt zu verneinen. Allzu oft nehme ich mich einer Aufgabe an, damit andere entlastet werden, zum Leidwesen meiner Zeiteinteilung und Entspannung. Gute Laune bleibt nicht zu selten auf der Strecke. In dem Buch wird genau dieses Phänomen angesprochen und gepredigt, öfter in sich hinein zu horchen und abzuwiegen, ob man instinktiv „Ja“ oder „Nein“ sagt. Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn meine Antwort zu meinem Gunsten ausfällt. Folgende Frage, die auch in der Lektüre aufgeworfen wird und die wir uns oftmals gar nicht stellen: Was will ich eigentlich? Alleine sich darüber bewusst zu werden, das kann schon wahre Wunder bewirken und unseren Fokus wieder auf essentielle Dinge richten.

Über dieses Zitat stolperte ich in dem Buch, da es mir so gut gefällt, möchte ich es euch hier nicht vorenthalten: „Wenn uns etwas aus dem gewohnten Geleise wirft, so denken wir, alles sei verloren. Aber dabei beginnt doch nur etwas Neues und Gutes.“ Leo N. Tolstoi

Abschließend möchte ich euch – neben dem Rat, das Buch zu lesen – noch diese Affirmation mit auf den Weg geben:

„Ich liebe mich selbst, egal ob es sonst noch einer tut. Ich liebe mich genauso wie ich bin. Auch wenn ich nicht alles gut finde, was ich tue, liebe ich mich immer selbst, trotz allem und mit allem was ich bin.“

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