Eco. Life. Style.

Autor: Nadine

RINGANA Refresh Shampoo

Es gibt eine Frage, die sich vermutlich jede Frau mindestens einmal in ihrem Leben stellt. Die allermeisten Damen stellen sie sich immer wieder, suchen mal mehr, mal weniger verzweifelt nach…

Es gibt eine Frage, die sich vermutlich jede Frau mindestens einmal in ihrem Leben stellt. Die allermeisten Damen stellen sie sich immer wieder, suchen mal mehr, mal weniger verzweifelt nach der alles verändernden Antwort, wenden sich an Experten, durchforsten das Internet, diskutieren mit Freundinnen: Welches ist das absolut-ultimativ perfekte Shampoo für meine Haare? Ich bin definitiv eine von ihnen. Ich will Glanz und Volumen, eine seidenweiche, wunderbar fallende, nicht-frizzelige, natürlich aussehende Löwenmähne, die am besten überhaupt keinen Styling-Aufwand erfordert, jedem Wetter trotzt und auch nach vier Tagen noch immer so perfekt aussieht, wie direkt nach der Haarwäsche. Natürlich möchte ich das alles so einfach wie möglich und ganz ohne zusätzliche Produkte erreichen. Ich will ein Shampoo, das mich binnen Minuten zur Königin der Langhaargesellschaft macht. Die eierlegende Wollmilchsau in der Flasche. Es ist vermutlich wenig überraschend, dass meine Suche bis jetzt noch nicht von Erfolg gekrönt war, aber ich gebe nicht auf. Vor kurzem wurde mir von Edda, die das Produkt wiederum bei einem Kosmetik-Tausch ergattert hatte, das Refresh Shampoo von RINGANA zum Testen gegeben. Die Versprechungen waren verlockend, meine Erwartungshaltung entsprechend hoch. Kann es sein, dass das österreichische Label wirklich DAS Shampoo entwickelt hat?

Das Label

RINGANA wurde 1993 gegründet. In einem kleinen Labor in Hartberg in der Steiermark wurden die Rezepte mit einem Küchenmixer ausprobiert. Innerhalb von drei Jahren wurden die ersten Produkte entwickelt. Drei Jahre, die geprägt waren von harter Arbeit, viel Idealismus sowie vielen Erkenntnissen und schlussendlich gekrönt wurden vom Erfolg einer völlig neuen Denkrichtung in der Hautpflege: Der Frischekosmetik. RINGANA verwendet ausschließlich hochwertige und natürliche Zutaten und keinerlei künstliche Konservierungsstoffe. Neben einem umfangreichen Angebot an Haut- und Haarpflegeprodukten bietet das Unternehmen mittlerweile auch eine große Palette an Nahrungsergänzungsmitteln an.

Das sagt der Hersteller

„Speziell für strapazierte Haare und sensible Kopfhaut haben wir unser RINGANA Shampoo entwickelt. Weizenproteine dringen tief in das Haar ein, reparieren und restrukturieren es von innen. Die wertvolle Aloe Vera beruhigt die Kopfhaut und spendet Feuchtigkeit. Das Shampoo ist eine besonders milde Tensidmischung für Haare, die nach einer möglichst sanften Reinigung verlangen. Das Resultat ist ein unvergleichbar natürlicher Glanz und mehr Volumen.“

Das sage ich

Ich habe das Shampoo einige Wochen lang getestet. Die Anwendung ist wie bei jedem Shampoo gleich einfach: Auftragen, einmassieren, kurz einwirken lassen – das ist für ungeduldige Menschen wie ich einer bin wohl die größte Herausforderung – und gut ausspülen. Auch bei längerem Massieren entsteht relativ wenig Schaum, das Haar fühlt sich nach der Wäsche aber gut gereinigt an. Mehr Shampoo bringt in diesem Fall nicht mehr Effekt, das hab ich natürlich auch ausprobiert. Der Geruch ist sanft-kräuterig, nicht zu intensiv und trifft mit großer Wahrscheinlichkeit den Geschmack der meisten Kunden.

Ich föhne meine Haare im Sommer nie, für ein aussagekräftiges Testergebnis bin ich aber über meinen Schatten gesprungen und habe bei gefühlten 38 Grad Celsius den Föhn angeworfen und aus meinem Badezimmer eine Wüstensauna gemacht. Das Ergebnis war – abgesehen von einem Beinahe-Hitzeschlag – richtig gut. Ich hätte meine Haare direkt nach dem Waschen zwar nicht ohne eine Leave-In-Pflege kämmen können, davon abgesehen war ich aber positiv überrascht. Die Haare waren weich, aber griffig, mit leichten Volumen und sehr schönem Glanz. Das gleiche Ergebnis hatte ich auch beim Lufttrocknen, nur das „schön fallen“ klappte nicht ganz so gut. Das ist aber dem Eigenwillen meiner Haare geschuldet und kann keinem Shampoo der Welt angelastet werden.
Leider hat der tolle Effekt nicht so lange angehalten, wie ich es mir gewünscht hätte. Wie bei den meisten anderen Shampoos musste ich meine Haare auch beim Refresh Shampoo von Ringana spätestens nach zwei Tagen wieder waschen.

Fazit

Das Refresh Shampoo von RINGANA ist zwar nicht die eierlegende Wollmilchsau, auf die ich gehofft habe, es ist aber ein solides Produkt, das man zwischendurch immer mal wieder verwenden kann. Das Preis-Leistungsverhältnis finde ich angemessen, das Ergebnis absolut in Ordnung, für mich wird es aber trotzdem kein Nachkaufprodukt. Mein Herz schlägt für ein anderes Shampoo, das mich mit Wirkung und Duft noch ein wenig mehr überzeugt. Welches das ist, werde ich euch demnächst verraten.

 

Ihr könnt das Refresh Shampoo entweder direkt über RINGANA beziehen oder euch an einen Frischepartner eurer Wahl wenden, zum Beispiel an Alexandra, mit der Edda dieses Interview geführt hat.

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Review: Master Lin – Körperpflege

Vor einiger Zeit habe ich euch die Gesichtspflegeprodukte des Naturkosmetiklabels Master Lin vorgestellt. Damit die Wellnessmomente nicht dem Gesicht vorbehalten bleiben, findet sich im Sortiment auch eine kleine, aber feine…

Vor einiger Zeit habe ich euch die Gesichtspflegeprodukte des Naturkosmetiklabels Master Lin vorgestellt. Damit die Wellnessmomente nicht dem Gesicht vorbehalten bleiben, findet sich im Sortiment auch eine kleine, aber feine Auswahl an Körper- und Haarpflegeprodukten. Wunderbarerweise wurden mir zwei dieser Produkte kosten- und bedingungslos zum Test zur Verfügung gestellt. Nachdem der Sommer anscheinend nur ein kurzes Zwischenspiel hatte und der Winter wieder vor der Tür steht, ist der Zeitpunkt für ausgiebige Körperpflegetestreihen geradezu perfekt. Meine Haut kämpft zur Zeit nicht nur mit der Temperatur- und der damit verbundenen Kleidungslagenumstellung, sondern auch mit den Nachwehen eines aus jugendlichem Leichtsinn entstandenen Sonnenbrands. Mit Sonnenhut und einem stetig wehenden lauen Lüftchen kann man halt leicht annehmen, dass man im Schatten steht. Wie dem auch sei, ich habe die Körperpflege von Master Lin auf eine harte Probe gestellt und möchte euch meine Ergebnisse nicht länger vorenthalten.

Das Label Master Lin

In der traditionellen chinesischen Medizin wird der Mensch als Einheit von Körper, Geist und Seele betrachtet. Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern eine Lebensweise, die vom sorgsamen Umgang mit sich und seinem Körper geprägt ist. Master Lin vereint diese Grundsätze mit denen des Feng Shui, fügt eine Portion Wellness hinzu und schafft so eine Naturkosmetiklinie aller feinster Güte. Alle Produkte werden aus sorgfältig ausgewählten und aufeinander abgestimmten Pflanzen und Kräutern hergestellt. Das Besondere daran: Master Lin gibt es wirklich. Master Lin ist ein Feng-Shui-Meister, der viele Jahre in einem buddhistischen Kloster verbracht hat. Der in fernöstlicher Kräuterheilkunde bewanderte TCM-Gelehrte pflückt die Kräuter von Hand – vermutlich nicht allein, aber gemeinsam mit anderen – und kreiert mit diesen Produkte, die von Kopf bis Fuß verwöhnen. Das gesamte Produktsortiment besteht zu hundert Prozent aus natürlichen Inhaltsstoffen, ein Teil davon ist auch vegan. Keines der Produkte wird im Tierversuch getestet.

Master Lin Gold Body & Face Oil

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Das sagt der Hersteller:
„Die harmonische TCM-Rezeptur mit reinstem Feingold (energetisierend und entzündungshemmend), Kiefernnadelöl (durchblutungsfördernd), schwarzem Pfeffer (vitalisierend), Lotus (regenerierend) und 17 wertvollen ätherischen Ölen und Pflanzenextrakten erhält und pflegt die Elastizität der Haut. Das Produkt zieht rasch ein und hinterlässt ein wunderbares, sanftes Hautgefühl. Das wertvolle Öl kann als Gesichts- oder Körper-Öl verwendet werden – entweder pur 
oder auch in Kombination mit anderen Master Lin Produkten (z.B. Anwendung des Öls als Maske).“

INCIs:
Süß Mandel Öl, Hagebutten Frucht Öl, Basilikum Öl, Ingwerwurzel Öl,
Rosmarin Öl, Schwarz Pfefferkorn Öl, Eukalyptus Blatt Öl, Geranium Öl,
Damaszener Rosen Blumen Öl, Pfefferminz Öl, Wachholder Beeren Öl,
Kiefernnadel Öl, Lavendel Öl, Sabong Blatt Extrakt, Kamillen Blumen Öl, Patchouli Öl,
Sandelholz Öl, Lotus Blumen Extrakt, Vitamin E, Feingold.

Das Master Lin Gold Body & Face Oil ist vegan!

Das sage ich:
Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich ein absoluter Fan von Hautölen bin? Nein? Dann ist wohl jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Ich liebe Gesichtsöle und Körperöle nicht minder. Dass ein Produkt für Gesicht und Körper gleichermaßen verwendet werden kann, freut mich daher umso mehr. Obwohl ich mit Kombiprodukten bis jetzt eher schlechte Erfahrungen gemacht habe – Shampoo und Conditioner in einem funktioniert für mich überhaupt nicht; die Duschgel-Bodylotion-Kombination, die ein perfektes Rasurergebnis und Cellulitefreiheit verspricht, kostet mich ein müdes Lächeln –, habe ich bei diesem Produkt überhaupt keine Bedenken.

Das Gold Body & Face Oil befindet sich in einer edel anmutenden Glasflasche und lässt sich mit einem Pumpspender perfekt dosieren. Wie beim Serum versprüht nicht nur die elegante Verpackung einen Hauch von Luxus, sondern auch die gut sichtbaren Feingoldpartikel. Einmal gut durchgeschüttelt schneit es in der Flasche Gold und das Prinzessinnenherz jauchzt vor Begeisterung. Die wahre Besonderheit des Öls eröffnet sich aber erst, wenn man es zum ersten Mal auf die Haut aufträgt. Der Duft ist atemberaubend. Das Öl riecht nach Wald. Nach dunklem, erdigen, mächtigen Wald, in dem hunderte Pflanzenarten nebeneinander bestehen und in dem die alten Märchen spielen.

Master Lin Gold Body Lotion

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Das sagt der Hersteller:
„Basierend auf einer TCM-Rezeptur mit reinstem Feingold (energetisierend und
entzündungshemmend), Damaszener Rose (durchfeuchtend), Kiefernnadelöl
(durchblutungsfördernd) und Aprikosenkernöl (stark pflegend) umhüllt diese leichte Körperemulsion den Körper mit einem feinen Duftkleid und sorgt für seidige Geschmeidigkeit und sinnlichen Glanz. Laut TCM stellt die Gold Body Lotion nach dem Yin-Yang-Prinzip die Balance bei zu trockener, zu fetter oder unreiner Haut wieder her. Das Produkt ist auch ideal als After-Sun Lotion geeignet, hilft bei Juckreiz und kann zur unterstützenden Pflege bei Neurodermitis eingesetzt werden.“

INCIs:
Maifan Stone Wasser, Kiefernnadel Öl, Hyaluronsäure, Hagebutten Frucht Öl,
Grün Tee Blatt Extrakt, Avocado Öl, Aprikosen Kern Öl, Süß Mandel Öl, Basilikum Öl,
Ingwerwurzel Öl, Rosmarin Öl, Schwarz Pfefferkorn Öl, Geranium Öl, Damaszener Rosen
Blumen Öl, Pfefferminz Öl,Wachholder Beeren Öl, Kiefernnadel Öl, Lavendel Öl, Sabong
Blatt Extrakt, Kamillen Blumen Öl, Patchouli Öl, Sandelholz Öl, Vitamin E, Feingold.

Die Master Lin Gold Body Lotion ist vegan!

Das sage ich:
So großartig das Gold Body & Face Oil auch ist, an manchen Tagen empfinde ich es als zu reichhaltig für meine Haut. Die Gold Body Lotion hat sich als hervorragende Alternative heraus gestellt. Schütteln, cremen, anziehen. Die Emulsion fühlt sich auf der Haut extrem leicht an, klebt nicht und zieht wahnsinnig schnell ein. Gerade an heißen Sommertagen oder vor Verabredungen, für die ich schon zu spät dran bin, hat sich die Gold Body Lotion als wahres Schätzchen erwiesen. Nicht nur, weil sie so unkompliziert in der Handhabung ist. Sie pflegt trotz ihrer Leichtigkeit und hinterlässt ein wunderbares Hautgefühl. Verstärkt wird das Wohlgefühl auch bei der Lotion durch den fantastischen Duft. Auch sie entführt in die Tiefen von Wäldern, in denen sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und Fabelwesen im Vollmond tanzen.

Die Gold Body Lotion ist allerdings keine gewöhnliche Body Lotion, die zwar mit Anwendung und Duft punkten kann, sonst aber keine Besonderheiten hat. Die Gold Body Lotion ist ein hervorragendes Après Sun Produkt. Obwohl ich – dank meiner sensiblen Schneewittchenhaut – immer sehr auf richtigen Sonnenschutz bedacht bin, hat mich die Sonne doch das eine oder andere Mal erwischt und meine Nachlässigkeit mit Sonnenbrand bestraft. Da hilft dann alles jammern nichts, da muss gecremt werden, auch wenn es weh tut. Die Gold Body Lotion ist dafür ideal geeignet. Sie kühlt durch die vielen Kräuter und unterstützt den Heilungsprozess der Haut. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich selten eine Après Sun Lotion gefunden habe, die einen Sonnenbrand so schnell verfliegen lässt. Mit dieser Meinung stehe ich übrigens nicht alleine da. Auch der wunderbare Mann ist begeistert von der Gold Body Lotion. Nicht ohne Grund neigt sich gerade die dritte Flasche dem Ende zu.

Fazit

Master Lin begeistert mich nicht nur mit seiner Gesichtspflegelinie, sondern bietet auch für den Körper fabelhafte Alternativen zu bekannten Marken. Vor allem die Gold Body Lotion ist ein wahrer Alleskönner und aus dem heimischen Badezimmer nicht mehr wegzudenken. Nach einigen Monaten der Anwendung wage ich zu behaupten, dass die Produkte von Master Lin zu den effektivsten zählen, die mir bis jetzt untergekommen sind. Dass sie außerdem noch himmlisch riechen, unterstreicht ihre Besonderheit für mich umso mehr. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung!

Bezugsquellen:
Master Lin ist bei ausgewählten Händlern und Apotheken erhältlich. Eine vollständige Liste für Österreich, Deutschland und die Schweiz findet ihr hier.

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bröselei – Das glutenfreie Backatelier

Ernährung, vor allem eine gesunde Ernährungsweise, ist heutzutage in aller Munde. Vegetarisch, vegan und Paleo sind nur einige der Varianten, die zur Auswahl stehen. Von Trennkost bis hin zu Schonkost…

Ernährung, vor allem eine gesunde Ernährungsweise, ist heutzutage in aller Munde. Vegetarisch, vegan und Paleo sind nur einige der Varianten, die zur Auswahl stehen. Von Trennkost bis hin zu Schonkost ist für jeden etwas dabei, die Supermarktregale sind voll gefüllt mit passenden Produkten für jeden Trend. Wenn man seine Ernährung aber nicht nur aus ethischen oder Gründen des allgemeinen Wohlbefindens wählt, sondern besonders auf Unverträglichkeiten und Allergien Rücksicht nehmen muss, wird die Auswahl schon etwas geringer. Besonders schwierig scheint es für Menschen mit einer Gluten-Unverträglichkeit zu sein. Sabine kann davon ein Liedchen singen. Ganz nach dem Motto „Selbst ist die Frau“ hat sie das erste glutenfreie Backatelier in Wien gegründet. Vergangene Woche folgte ich einer Einladung in ihre höchst private Backstube und durfte einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Im Mai hat Sabine die bröselei eröffnet. Während wir gemeinsam mit ihrem Freund Aron* in ihrer Küche sitzen, die gleichzeitig ihre Backstube ist, und Lebkuchen für das Weihnachtssortiment verkosten (die übrigens auch im Juli ganz hervorragend schmecken), erzählt sie mir die Entstehungsgeschichte ihres Backateliers. „Ich habe Diätologie studiert, weil mich Ernährung schon immer interessiert hat. Während meinem Studium hatte ich sehr lange gesundheitliche Probleme. Ich war bei verschiedenen Ärzten, aber keine Behandlung hat angeschlagen. Erst als ich eine streng glutenfreie Ernährung ausprobiert habe, hat sich mein Zustand innerhalb kürzester Zeit verbessert. Deshalb bin ich dabei geblieben.“ Das klingt ja gar nicht mal so schwierig. Ich vertrage das nicht, also esse ich es nicht mehr. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, klärt mich Sabine auf. „Man sollte Gluten nicht komplett aus seiner Nahrung streichen, bevor man nicht eine mögliche Zöliakie-Erkrankung medizinisch abklären hat lassen. Ansonsten können spätere Untersuchungsergebnisse verfälscht werden, da muss man wirklich aufpassen. Wenn man an Zöliakie leidet, können nämlich schon die geringsten Spuren von Gluten dramatische Auswirkungen haben. Bei einer reinen Unverträglichkeit ist das nicht ganz so schlimm. Wenn man aber alles abgeklärt hat, ist eine glutenfreie Ernährung gar nicht so schwer umzusetzen.“ Man merkt, dass sich Sabine mit dem Thema wirklich intensiv auseinander gesetzt hat. Es gefällt mir gut, dass sie auf den medizinischen Hintergrund hinweist und die Problematik nicht verschweigt.

Nun ist die Umstellung der eigenen Ernährung eine Sache, aber dass man seinen beruflichen Schwerpunkt auch dementsprechend wählt, doch eine ganz andere. „Als ich begonnen habe mich glutenfrei zu ernähren, hatte ich das Gefühl, dass es sehr viele Produkte gibt. Über einen längeren Zeitraum betrachtet war es dann aber doch irgendwie immer dasselbe. Während Aron und ich durch Europa gereist sind, haben wir gesehen wie viel größer das Sortiment doch anderswo ist. In Stockholm haben wir geniale Burger gegessen, in Irland gab es sogar an der Tankstelle mindestens zwei Regale voller glutenfreier Lebensmittel. Da ist uns bewusst geworden, wie klein die Auswahl in Österreich eigentlich ist. So ist die Idee entstanden, ein eigenes Unternehmen zu gründen.“ Bei Sabine klingt das alles so einfach. Die junge Frau vermittelt den Eindruck, als wäre sie frisch von der Uni gekommen und hätte mir nichts, dir nichts, mal eben so ein ein eigenes Geschäft auf die Beine gestellt. „Naja, ganz so war es nicht.“ Sie lacht. „Eigentlich bin ich nach Wien gekommen, weil ich als Diätologin arbeiten wollte. Das hat sich aber als schwieriger herausgestellt, als ich angenommen hatte. Dass ich irgendwann einmal selbstständig sein werde, habe ich schon immer gewusst. Auch dass es gastronomischer Betrieb sein wird, ich habe nämlich auch eine entsprechende Schule – HBLA mit Fachprüfung – gemacht. Dass es dann aber so schnell gehen wird, hätte ich nicht gedacht. Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Aron hat mich dabei sehr unterstützt, er hat mich von Anfang an motiviert.“

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Während ich das gefühlt fünfzigste Stück Lebkuchen vom Teller stibitze, schwelgen Sabine und Aron in Erinnerungen an die Unternehmensgründung. Da gibt es viel zu lachen und erzählen. „Mit der Idee allein war es ja nicht getan, ich musste auch ein Gewerbe anmelden. Das war eine der größten Herausforderungen. Bei der Gewerbebehörde hat man mir gesagt, dass das nicht geht. Ein Gewerbe für die Erzeugung glutenfreier Backwaren gab es noch nie und eine klassische Ausbildung zur Konditorin hätte ich ja auch nicht. Dass ich eine abgeschlossene Ausbildung als Köchin, Kellnerin und Diätologin vorweisen konnte, war dem Sachbearbeiter nicht genug. Er hat vorgeschlagen, dass ich zwei Jahre lang für zwei Stunden pro Woche in einer Konditorei arbeiten könnte, damit ich die entsprechende fachliche Qualifikation erwerbe. Allein der Gedanke war absurd. Wie hätte das klappen sollen? Abgesehen vom Zeitaufwand, in einer klassischen Bäckerei wimmelt es nur so von Gluten. Gottseidank war das dann aber nicht notwendig. Nachdem ich bei der Wirtschaftskammer ein Fachgespräch geführt habe und ein Fachgutachten erstellt wurde, wurde mir dann doch die Gewerbeberechtigung ausgestellt. Das war ganz schön mühsam, aber es ist gut, dass es für die Ausübung eines Gewerbes hohe Auflagen gibt. Das bietet den Konsumenten wenigstens Sicherheit.“ Schön, dass sich Sabine von der Bürokratie nicht abhalten ließ. Sonst säße ich jetzt nicht hier und könnte keinen Lebkuchen genießen (ihr merkt, ich freue mich auf Weihnachten).

Wenn Idee und Bürokratie soweit abgehakt sind, fehlt eigentlich nur noch die Umsetzung. Besonders neugierig bin ich auf die Namensgebung. Wie sie wohl auf „bröselei“ gekommen sind? „Die Namensgebung war lustig. Wir haben uns ein paar Namen überlegt und unter Familie und Freunden eine Abstimmung gemacht. ‚bröselei‘ hat zwar im Vorfeld für Verwirrung und Gelächter gesorgt, aber trotzdem gewonnen.“ Das interessiert mich jetzt aber! Wieso lacht man über „bröselei“ und woher stammt die Verwirrung? „Freunde von uns haben bröselei als ‚Brösel-Ei‘ verstanden und sich gefragt, was damit wohl gemeint ist. Deshalb haben sie den Vorschlag für nicht gut befunden. Wir haben uns darüber großartig amüsiert.“ erzählt Aron mit einem Lachen. „’bröselei‘ klingt nach etwas Kleinem und Lieben, nach etwas Handgemachtem. Genau so haben wir uns das auch vorgestellt. Kleine, liebliche von Hand gefertigte Backwaren. Der Name war einfach perfekt. Zu Silvester haben wir die bröselei getauft.“

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Von der Taufe bis zur Eröffnung des eigenen Webshops vergingen knapp vier Monate, seit Mai ist der Shop online. Jetzt, wo ich weiß, wie die bröselei entstanden ist, will ich natürlich wissen, was sie so besonders macht. Dass alle Produkte glutenfrei sind, ist wie ich Sabine und Aron einschätze noch lange nicht alles. „Dass die bröselei das erste glutenfreie Backatelier in Wien ist, ist wohl etwas Besonderes. Ein großer Teil unseres Sortiments ist auch vegan, in Zukunft soll das noch mehr werden. Unsere Produkte enthalten keine Spuren von Gluten und möglichst wenig andere Allergene. Gerade bei Getreide als ‚Risikoprodukt‘ ist das relevant. Und auch unter unseren veganen Kunden kommt das sehr gut an. Da bei uns zu Hause auch ausschließlich glutenfrei gekocht und gebacken wird, kann es zu keiner Kontamination mit glutenhaltigen Getreidesorten kommen. Außerdem ist Echtheit für uns extrem wichtig. Wenn ich einen Schoko-Bananenkuchen anbiete, dann ist auch genau das drin. Schokolade und Bananen. Ich will nichts verkaufen, wo zum Beispiel nur drei Prozent Bananenpulver drin sind. Deshalb verwenden wir nur selbst gemachte Gewürzmischungen und drucken auch sehr detaillierte Zutatenlisten auf die Verpackungen. Unsere Kunden sollen bis ins kleinste Detail wissen, was sie gerade essen.“ Das sind Prinzipien, mit denen die beiden bei mir punkten können. Ehrlichkeit und Echtheit, danach sucht man oft vergeblich. Aber wie sieht es mit Regionalität und Bio-Qualität aus? Wird auch darauf geachtet? „Unsere Zutaten stammen, sofern es möglich ist, aus der Region. Wir achten auch auf Bio-Qualität, aber das geht leider nicht immer. Besonders die Kombination aus Spurenfreiheit und Bio-Garantie ist nicht einfach. Vor allem bei Getreide und gerade da möchten wir kein Risiko eingehen. Ich habe zum Beispiel noch nie Bio-Buchweizen gesehen, der keine Spuren von anderen Getreidesorten enthält. In solchen Fällen müssen wir auf konventionelle Produkte zurückgreifen. Wenn Eier in einem Produkt enthalten sind, stammen sie aus österreichischer Freilandhaltung. Ich bin der Meinung, dass man in seinem Unternehmen keine schlechteren Produkte verwenden kann als in seiner privaten Küche. Das wäre nicht richtig.“ Auch hier ist Sabine gnadenlos ehrlich. Um die absolute Verträglichkeit und Reinheit ihrer Bäckereien garantieren zu können, geht sie einen Kompromiss ein. Für mich klingt das nachvollziehbar und wirklich gut durchdacht.

Alle Bilder: bröselei

Ob es wohl irgendetwas gibt, dass Sabine nicht perfekt geplant und abgestimmt hat? Ich bezweifle es. „Ich bin wirklich eine Perfektionistin. Ein neues Produkt muss ich in etwa sieben Mal backen, bis ich zufrieden bin. Und dann kommt Aron und sagt ‚Aber vielleicht könnte man noch…‘ und alles geht von vorne los.“ Aron lacht verschmitzt. Kein Wunder, immerhin darf er alle Leckereien als Erster probieren. Die beiden geben ein tolles Team ab. Ich frage sie, wie denn das Geschäft auf ihr Privatleben Einfluss nimmt. Immerhin ist es nicht selbstverständlich, dass man zusammen lebt und auch beruflich so viel gemeinsam macht. „Die bröselei ist eigentlich immer präsent. Wenn wir am Abend fernsehen, kommt es schon mal vor, dass einer von uns eine Idee für einen neuen Kuchen oder neue Cracker hat. Die muss dann sofort aufgeschrieben und ausprobiert werden.“ Ja, wenn die Muse einen küsst, wartet man besser nicht zu lange. „Aron ist mein stärkster Kritiker. Wenn alle anderen sagen ‚Das passt schon so‘ ist er immer derjenige, der noch etwas anders haben will. ‚Davon könnte noch eine Prise mehr rein, davon vielleicht noch etwas weniger‘. Dafür bin ich ihm wirklich dankbar, ohne ihn hätte ich das wohl nicht geschafft. Er hat den Webshop gemacht und unterstützt mich auch sonst bei allem, was anfällt.“ Dass Aron eigentlich noch studiert und auch einen Job hat, erwähnt er in einem Nebensatz. Das ist ja auch kaum der Rede wert. Ich bin wirklich beeindruckt von dem Jungunternehmerpärchen und seiner Motivation.

Die Motivation der beiden endet aber nicht bei der Produktentwicklung. Auch auf die richtige Verpackung legen sie Wert. „Wir versuchen alle unsere Produkte so umweltschonend wie möglich zu verpacken. Brot und Kuchen verkaufen wir in Gläsern. Darin halten sich die Backwaren mindestens acht Wochen, sie bleiben frisch und saftig. Die Gläser können dann auch weiter verwendet werden, als Vorratsbehälter zum Beispiel oder um wieder darin zu backen. Alles andere ist in Karton verpackt, mit Plastik arbeiten wir nur wo es gar nicht anders geht.“ Die bröselei scheint von Anfang bis Ende auf Nachhaltigkeit ausgerichtet zu sein.

Während ich schon von einem Kuchenmeer in meiner Küche träume, frage ich Sabine nach ihren Wünschen für die Zukunft. „Ich wünsche mir, dass die bröselei weiterhin so gut läuft, wie sie gestartet ist. Oft kommen Leute, die sagen, dass sie zwar selbst nicht an einer Glutenunverträglichkeit leiden, aber jemanden kennen, auf den das zutrifft. Es wäre schön, wenn die Menschen uns auch in Zukunft weiter empfehlen und auch ‚Nicht-Allergiker“ unsere Produkte gerne kaufen. Die bröselei soll wachsen, aber ich will nichts erzwingen. Ich will nicht, dass wir zu einem großen Industriebetrieb werden.“ Klein und fein will sie also bleiben. „Aber eine richtige Backstube mit einem kleinen Ladengeschäft hätte ich schon gerne. Dann könnte ich frisches Brot anbieten. Danach gibt es auch die meiste Nachfrage. Im Moment geht das leider noch nicht, aber das wäre mein größter Traum!“ Ich kann sie mir so gut vorstellen, wie sie in ihrem kleinen Laden am Ofen steht – die Luft vom Duft frischer, warmer Brötchen erfüllt – und ihren staunenden Kunden erklärt, dass das flaumige, ofenwarme Ding in ihrer Hand tatsächlich glutenfrei ist. Wenn ich Sabine und Aron so vor mir sehe, sprudelnd vor Ideen und voller Leidenschaft und Begeisterung, habe ich nicht die geringsten Zweifel, dass es in absehbarer Zukunft ein kleines Atelier namens bröselei geben wird, in dem die feinsten glutenfreien Leckereien frisch aus dem Ofen zu kaufen sein werden. Für alle, die nicht so lange warten wollen, habe ich einen Tipp. Die bröselei wird am 2. und 3. August mit dem ersten glutenfreien Stand am Sommermarkt am Spittelberg in Wien vertreten sein. Dort gibt es die kleinen Köstlichkeiten nicht nur zu erwerben, sondern auch zu verkosten!

Alle Bilder: bröselei

Zum Abschluss unseres Gesprächs frage ich Sabine und Aron nach ihren absoluten Favoriten. Sie sind sich beinahe einig. Den Mohn-Crackern mit Graumohn aus dem Waldviertel können beide nicht widerstehen. Da sich Aron aber nicht entscheiden kann, kommt auch der Schoko-Bananenkuchen ganz oben auf die Favoritenliste. Ob es sonst noch etwas gibt, dass die bröselei der Welt sagen will, frage ich die beiden auch. Sabine überlegt eine Weile. „Ich wünsche mir, dass sich die Menschen mehr mit ihrer Nahrung und der Umwelt auseinander setzen. Sie sollen sich fragen, woher ihr Essen kommt und was da auf ihrem Teller landet. Die Leute sollen sich Gedanken machen, ob ihr Mittagessen nachhaltig produziert wurde. Darüber, wie das Tier gelebt hat, das sie gerade verspeisen. Welchen Einfluss ihre Ernährung auf die Umwelt hat. Es wäre schön, wenn die Menschen achtsamer wären und nicht mehr so viel im Müll landen würde. Bei uns wird nichts weg geworfen. Wenn ein Backversuch schief geht, essen wir alles selber.“ Ich glaub ja nicht, dass all zu viel schief geht. Und selbst wenn, so schlecht kann der Misserfolg einer Meister-Zuckerbäckerin ja gar nicht sein. Arons Grinsen gibt mir Recht.

Bis oben hin voll mit Lebkuchen und einer prall gefüllten Tüte voller Cracker, Müsli, Kuchen und Brot mache ich mich nach einem sehr netten Gespräch mit zwei hinreißenden Menschen auf den Heimweg. Für den Mann gibt es auch einen Kuchen. Schoko-Banane, den darf er – da nicht vegan – ganz in Ruhe alleine essen. Das tut er mit Begeisterung während ich noch vom Lebkuchen schwärme und mich Mitte Juli schon wie ein Kind auf die Vorweihnachtszeit freue. Dann ist die bröselei nämlich am Weihnachtsmarkt am Spittelberg vertreten. Wenn ihr dort vorbei kommt und euch wundert, wer das Mädchen ist, das den Kopf in die Lebkuchenschüssel steckt: Das bin vermutlich ich!

*Aron ist gute Seele, Profi-Verkoster und Webmaster in einer Person.

 

Die Köstlichkeiten der bröselei könnt ihr direkt im Webshop bestellen. Wenn ihr größere Mengen benötigt oder Sonderwünsche habt, könnt ihr Sabine direkt per Mail kontaktieren. Sofern es irgendwie möglich ist, werden auch besonders kreative Wünsche erfüllt! Außerdem gibt es die Produkte auch bei einigen Vertriebspartnern in Wien, zum Beispiel bei Sonja in der Easy-going Bakery, die ich euch hier vorgestellt habe. Eine detaillierte Auflistung aller Vertriebspartner findet ihr hier. Zu guter Letzt könnt ihr euch am 2. und 3. August am Sommermarkt am Spittelberg und im November am dortigen Weihnachtsmarkt durch das Sortiment kosten! Weitere Markttermine sind auf der Homepage der bröselei ersichtlich.

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Nadine sucht das Glück: Das Glück unter den Füßen

„Blumen sind das Lächeln der Erde“ sagte einst Ralph Waldo Emerson, ein amerikanischer Philosoph und Schriftsteller. 1837 verkündete er in seinem Buch „Nature“, dass in der Natur die wahre Quelle…

„Blumen sind das Lächeln der Erde“ sagte einst Ralph Waldo Emerson, ein amerikanischer Philosoph und Schriftsteller. 1837 verkündete er in seinem Buch „Nature“, dass in der Natur die wahre Quelle der göttlichen Offenbarung liege. Beinahe 200 Jahre sind seitdem vergangen, schon lange nimmt die Natur nicht mehr diesen Stellenwert ein. Sie wird als etwas Selbstverständliches angesehen, von vielen gar nicht beachtet, ja sogar als Übel betrachtet. Wälder nehmen zu viel Platz ein, Unkraut muss aus dem Garten verbannt werden, für wilde Blumenwiesen haben wir keinen Bedarf. Dass wir uns damit selbst um unseren größten Reichtum bringen, spielt keine Rolle. Wir müssen uns ausbreiten, Häuser und Fabriken bauen und ein noch feineres Netz aus Straßen und Wegen um die ganze Welt spannen. Wir leben grau in grau, mit wenigen Farbklecksen dazwischen. Ich frage mich, ob dieses Mehr an „Zivilisation“ und Weniger an Natur uns auf Dauer glücklich machen kann.

Mehr als die Hälfte des Wiener Stadtgebiets besteht aus Grünflächen. Zwischen riesigen Wohnkomplexen finden sich Parks, hinter verschlossenen Türen verstecken sich wunderbare Gärten in ruhigen Innenhöfen. Es gibt Naturschutzgebiete, wilde Wiesen und akribisch genau angelegte Blumenbeete und englische Rasen. Wien ist durchzogen von grünen Adern, mehr angeblich als viele andere Großstädte. Und obwohl ich diese Stadt liebe und mein Leben hier genieße, spüre ich manchmal die Sehnsucht nach mehr Natur.

Hinter meinem Elternhaus beginnt ein Wald. Er zieht sich fast bis zum Gipfel des Berges, an dessen Fuß der Ort liegt, an dem ich zum Teil aufgewachsen bin. Wenn man die ersten Schritte in diesen Wald macht, blitzt noch die Sonne zwischen den Wipfeln durch. Das wenige Licht tanzt in grünen Sprenkeln die Bäume entlang. Je tiefer man in den Wald gelangt, desto dunkler wird er. Die Bäume werden dichter, der Boden ist moosig und von einer Vielzahl von Pflanzen bewachsen. Die Luft ist rein und klar, es gibt keinen Lärm. Die einzigen Geräusche, die einen begleiten, sind das Gezwitscher der vielen Vögel, die hier ihre Runden ziehen und das stete Rascheln im Unterholz. Der Wald pulsiert vor Leben und strahlt dabei so viel Ruhe aus, dass man nicht anders kann als seine eigene Atmung dem Rhythmus des Waldes anzupassen. Mitten in diesem Wald gibt es eine Lichtung, auf der ein Felsen liegt, von dem man das ganze Tal überblicken kann. Ein Ort, so voller Kraft und Inspiration. Besonders an stressigen Tagen sehne ich mich nach dieser Quelle der Entspannung. Mir fehlt der satte Duft des Waldes, das farbenfrohe Leuchten der Blumenwiesen rundherum. Die Leichtigkeit, die spürbar wird, wenn man in einer Wiese liegt und Schmetterlingen beim Spielen zusieht. Die sanfte Freude, die einkehrt, wenn man abends von Grillen in den Schlaf gesungen wird und der nächste Tag mit dem Jubilieren der Frühaufsteher unter den Vögeln beginnt. Mir fehlt der Geruch nach Regen und die Reinheit der Luft, wenn das Gewitter vorbei ist. Das Gefühl, von Leben umgeben zu sein und es wachsen und gedeihen zu sehen. Ich vermisse es, am Boden zu liegen und den winzigen Insekten zuzusehen, wie sie ihre Leben meistern. Diese Faszination, die Zeit irrelevant macht. Am allermeisten aber fehlt mir das Gefühl von Gras unter den Füßen. Denn seien wir uns ehrlich, es gibt nichts besseres als barfuß über eine Wiese zu laufen, ins hohe Gras zu fallen und mit geschlossenen Augen in einem Meer aus Blumen von der Zukunft zu träumen.

All diese Dinge fehlen mir hier in Wien. Wenn ich aber durch die Stadt spaziere und sehe, dass sich auch aus den feinsten Rissen im Asphalt Blumen hervorkämpfen und es an jeder Ecke kleine Flecken gibt, an denen die Natur sich nicht unterkriegen lässt, dann weiß ich, dass die Erde auch hier lächelt. Und wenn man aufmerksam und behutsam durch die Straßen wandert und die Augen offen hält, dann sieht man, dass die Erde hier nicht nur lächelt, sondern aus vollem Hals lacht. An manchen Orten mit vorgehaltener Hand vielleicht, aber nicht weniger herzlich als anderswo. So lebe ich also hier in der Stadt und erfreue mich an Gänseblümchen zwischen Pflastersteinen ebenso wie an der überwältigenden Macht der Natur zu Hause. Ein Glück, dass beides möglich ist!

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Dance for Life – ein Leben auf der Mülldeponie

Man sagt, Reisen erweitern den Horizont und bringen oftmals Veränderungen mit sich. Manchmal ist es ein mitgebrachtes Rezept, das die Küchenroutine bunter macht. Vielleicht ist es ein Ritual, das man…

Man sagt, Reisen erweitern den Horizont und bringen oftmals Veränderungen mit sich. Manchmal ist es ein mitgebrachtes Rezept, das die Küchenroutine bunter macht. Vielleicht ist es ein Ritual, das man am anderen Ende der Welt begonnen und in den heimischen Alltag integriert hat. Oft auch eine Erinnerung, die die eigene Wahrnehmung schärft und den Geist wandern lässt. Manchmal verändert eine Reise auch Leben. Von einer solchen Reise darf ich euch heute berichten. Durch einen glücklichen Zufall habe ich vor kurzem zwei Menschen kennengelernt, deren Geschichte in die Welt getragen werden will.

Bei einem gemeinsamen Essen – es gibt vietnamesische Frühlingsrollen zum Selberbasteln – erzählen Georg und Maui von ihrer Weltreise. Im September 2012 machten die beiden sich auf den Weg nach Thailand. Zwei Monate haben sie dort verbracht. „Wir haben zwei Monate lang das Leben genossen und es uns gut gehen lassen, aber wir haben Thailand beide schon gekannt. Wir wollten in ein Land, das nicht so touristisch ist. Wir wollten mehr Abenteuer.“ Die Entscheidung zwischen Burma, Laos und Kambodscha war schnell gefallen. Burma als Militärstaat war doch zu riskant, in Laos war schon einmal ein Bekannter. „Wir haben von Kambodscha nichts gewusst, keine Erfahrungsberichte gehört. Das war absolutes Neuland für uns. Bevor wir aufgebrochen sind, haben wir uns mit der Geschichte des Landes auseinander gesetzt und schon als wir die ersten Schritte nach der Grenze gemacht hatten, war klar, dass das hier eine andere Welt ist. Wir waren mitten in der Pampa gelandet. Im Vergleich zu Thailand ist Kambodscha ein wirklich armes Land. Es gibt kaum asphaltierte Straßen, nur rund um Angkor Wat ist alles super ausgebaut. Ansonsten reist man eher auf sandigen Wegen voller Schlaglöcher. Es gibt kaum Autos, dafür aber jede Menge Handkarren und Kutschen. Kambodscha wirkt wie Thailand vor vielen Jahren.“ Ihre erste Begegnung mit einer Einheimischen bestätigt diesen Eindruck. „Als wir mit einer Dose Sprite auf der Straße standen, kam ein kleines Mädchen auf uns zu und wollte die Dose haben. Wir haben gedacht, dass sie für das Altmetall vielleicht Geld bekommt. Sie hat den letzten Schluck getrunken und ist lachend davon gelaufen. So eine Kleinigkeit ist purer Luxus für die Leute dort.“ Georg schüttelt den Kopf, als er von diesem Erlebnis erzählt. Er scheint die Armut noch immer nicht fassen zu können.

Die ersten Wege in Kambodscha führten Georg und Maui in einige kleinere Städte und im Anschluss nach Phnom Penh. „Das war kein entspanntes Reisen. Wir hatten von Anfang an das Gefühl, dass es nicht in Ordnung ist, wenn wir uns mit viel Geld diesen Urlaub gönnen, aber ständig von Armut umgeben sind. Das hat nicht zusammen gepasst.“ Während ihres Aufenthalts in Phnom Penh waren die beiden eine Woche lang krank. Eine Woche Bettruhe bringt viel Zeit mit sich. Zeit zum Nachdenken und In-sich-gehen. Genau das haben die beiden getan. „Es war ganz schnell klar, dass wir in irgendeiner Art und Weise helfen wollen.“ Bei einem Skype-Telefonat mit einem Freund in Vorarlberg, dem sie über die Lage vor Ort berichteten, hatte dieser die Idee eine Charity-Party zu organisieren. „Das war ein Monat vor Weihnachten. Wir waren begeistert. Als Termin haben wir den 22. Dezember gewählt. So kurz vor Weihnachten sind alle bei ihren Familien zu Hause und die Spendenfreude ist groß. Während Nico in Österreich alles organisiert hat, haben wir vor Ort recherchiert und nach einer Möglichkeit gesucht, die Leute zu unterstützen.“

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Die Entschlossenheit, mit der sie von ihrem Plan erzählen, ist ansteckend. Ich kann mir die zwei gut vorstellen, wie sie noch nicht ganz gesundet in ihrem Zimmer sitzen und Pläne schmieden. „Zuerst haben wir uns überlegt, wo es überhaupt Sinn hat zu helfen und wie wir das rausfinden können. Wir mussten an die Leute ran und uns überlegen, wie wir das am besten anstellen.“ Der erste Weg führte sie zu einer Hilfsorganisation. Der Wille war vorhanden, allerdings fehlte es an einer ganz wesentlichen Information. Wie viel Geld wird vorhanden sein? Ohne das zu wissen, war es kaum möglich zu planen. „Wir haben uns dann an einen Tuk-Tuk-Fahrer gewandt, der uns vertrauenswürdig erschien und der auch Englisch sprach und ihn gefragt, ob er denn jemanden kennt, der besonders dringend Hilfe benötigt. Wir hatten eine vage Vorstellung von dringend benötigter Hilfe. Eine alleinerziehende Mutter ohne Arbeit entsprach dem ganz gut. Len, der Tuk-Tuk-Fahrer hat auch wirklich jemanden gekannt. Er hat uns gleich gesagt, dass wir nicht mit leeren Händen auftauchen sollen, da das ein seltsames Licht auf uns werfen würde. Immerhin wollten wir den- oder diejenigen, zu denen Len uns führen wollte, ja auch befragen. Wir haben also Reis und Spielzeug gekauft. Auf dem Weg dorthin kamen uns allerdings Zweifel. Wir fuhren an unzähligen Hütten vorbei, die auf uns den Eindruck machten als ginge es nicht ärmer.“ Ob sie denn Sorge gehabt hätten, dass sie übers Ohr gehauen würden, frage ich die beiden. „Naja, wir konnten nicht wissen, wo er uns hin bringt. Das hätte ja auch ein Angehöriger sein können, der gar nicht so arm ist, wie er tut. Aber das hätten wir schon einschätzen können.“ Die beiden haben sich im Vorfeld wirklich gut informiert und sich ein Bild von der Situation im Land gemacht. Das gefällt mir.

„Nach circa einer Stunde Fahrtzeit, in der wir an immer kleineren und schäbigeren Hütten vorbei gekommen waren, bei jeder von denen wir uns fragten, warum nicht hier, tauchte ein qualmender Berg auf. Wir sind direkt darauf zu gefahren. Es hat gestunken, überall waren Fliegen. Schon aus drei Kilometern Entfernung war es kaum auszuhalten. Damit haben wir nicht gerechnet. Es war schrecklich! Wir waren auf einer Mülldeponie.“ Das kommt auch für mich unerwartet. „Im ersten Moment haben wir uns einfach nur geekelt. Der Gestank und die Fliegen waren widerlich. Als wir uns aber umgesehen haben, waren wir geschockt. Auf dieser Müllhalde standen Hütten. Kinder arbeiteten barfuß im Dreck. Hier lebten Menschen. Wir waren entsetzt.“ Ich bin sprachlos. Die Erinnerungen an diese Szenen machen Georg und Maui noch immer betroffen. „Wir haben uns gemeinsam mit einem Dolmetscher umgesehen und uns mit den Leuten dort unterhalten. Das waren fast nur Frauen und Kinder. Die Männer arbeiten anderswo auf der Deponie. Wir wollten auch dorthin, aber wir haben es nicht geschafft. Überall wird Plastik verbrannt. Wir konnten kaum atmen, unsere Lungen haben gebrannt. Der Rauch ist so dicht, dass man die Hand vor Augen nicht sieht. Es war unmöglich zu den Männern zu gelangen.“ Wie kann es sein, dass Menschen so leben müssen? Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie es auf der Deponie sein muss. „Die Bewohner sind krank. Der älteste ist um die vierzig. Alle haben die Haut voller Blasen und leiden an schwerem Asthma. Es ist unvorstellbar.“ Len hatte wohl wirklich die Menschen gefunden, die jede Hilfe bitter nötig hatten. „Es war nicht so einfach herauszufinden, wie wir sie unterstützen können. Wir konnten nicht einfach fragen, die Leute wussten nicht, warum wir hier waren. Wir sagten ihnen, dass wir sie für eine Dokumentation befragen wollen. Der Vorwand war notwendig, weil wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, wie viel Geld wir zur Verfügung haben würden.“

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Während sich Georg und Maui in Kambodscha ihre Gedanken machten, steckte ihr Freund Nico mitten in den Vorbereitungen für die Wohltätigkeitsparty. „Nico war großartig. Er hat es geschafft in wahnsinnig kurzer Zeit etwas Großes auf die Beine zu stellen. Unter dem Titel „Dance for Life“ fand am 22. Dezember eine Party statt, die alle unsere Erwartungen übertroffen hat. Bekannte DJs haben ohne Gage aufgelegt, der Lost Kids Club wurde uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Flyer, Getränke, Sound- und Lichttechnik – für nichts von alledem mussten wir bezahlen. Nico hat einen Aufruf auf Facebook gestartet und um Ideen und Mithilfe gebeten. Wir hatten nicht erwartet, dass die Resonanz so groß wird. Die Eigendynamik, die sich entwickelt hat, war unglaublich. Menschen haben sich gemeldet und gesagt, dass sie gerne helfen würden. Es gab viele, die keine Zeit hatten, aber spenden wollten. Wir hätten nie erwartet, dass das solche Ausmaße annimmt.“ Ich bin beeindruckt und will wissen, woran der Erfolg ihrer Idee liegen könnte. „Wir haben von Anfang an alles offen gelegt. Wir haben den Leuten gesagt, dass sie alles sehen können, was passiert. Transparenz war das Wichtigste für uns. Das hat den Menschen ein gutes Gefühl gegeben. Sie haben uns vertraut und gewusst, dass ihr Geld wirklich dort ankommt, wo es hin soll.“ Das kann ich gut verstehen. Oft ist der Zweifel groß, ob eine Spende auch wirklich denen zu Gute kommt, die sie brauchen. Das ist schwer nachvollziehbar und kaum zu kontrollieren. Kein Wunder, dass Georg, Maui und Nico die Menschen mit ihrer Begeisterung anstecken konnten.

„Die Party selbst war ein voller Erfolg. 300 Gäste waren da und sie alle waren davon überzeugt, dass wir gemeinsam das Richtige tun. Um zehn haben sie uns kurz über Skype dazu geschaltet. Wir haben unsere Freunde und Familien gesehen, Bekannte und Fremde, die alle gemeinsam gefeiert, getanzt und gelacht haben. Das war der Moment, in dem wir am meisten Heimweh hatten.“ Die Party dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Es gab DJs und Live-Bands, die für eine unvergessliche Nacht sorgten. „Der Eintrittspreis war zehn Euro, der komplett auf unser Spendenkonto floss. Man konnte vor Ort auch zusätzlich spenden. Das haben viele gemacht. Am Ende des Abends haben wir sogar noch einen Teil der Getränkeeinnahmen des Lost Kids Club bekommen. Alles in allem konnten wir 4.134,24 Euro sammeln!“ Wow! Das ist unglaublich! Obwohl ich nicht dabei war, freue ich mich riesig über den Erfolg.

„Als man uns die Summe gesagt hat, haben wir uns richtig gut gefühlt. Aber wir waren auch ganz schön nervös. Immerhin hatten wir jetzt auch Verantwortung. Die Leute daheim haben uns vertraut, wir mussten das wirklich gut machen. Am 23. Dezember haben sie uns das Geld mit Western Union geschickt. Das war ein kleines Weihnachtswunder für alle Helfer und Spender.“ Die Geschichte ist so aufregend, dass ich zwischendurch immer wieder aufs Essen vergesse. Während ich mich wieder ans Frühlingsrollen drehen mache, erzählen Maui und Georg, wie sie das Geld investiert haben. „Unsere erste Idee von einer Zuckerrohrsaftpresse haben wir schnell verworfen. Eine Geldspende kam von Anfang an nicht in Frage. Wir wollten nichts schenken, das sich schnell verbraucht. Denn wenn das Geld einmal weg ist und der Wohlstand damit endet, ist das schlimmer als hätten sie ihn nie erlebt. Gemeinsam mit Len und einem seiner Freunde, Soklean, haben wir uns Gedanken gemacht, was die Bewohner der Deponie wirklich brauchen können. Normalerweise arbeitet die ganze Familie für umgerechnet 80 Cent pro Tag. Sie wühlen sich durch den Müll und suchen nach Dosen, die sie an eine Recyclingfirma verkaufen können. Der übrige Plastikmüll wird verbrannt, damit er ihre Hütten nicht komplett verschüttet. Soklean arbeitet bei einer Hilfsorganisation und kennt sich sehr gut mit der Situation im Land aus. Nach einigem Hin und Her haben wir uns entschieden, Tiere zu kaufen. Auf der Deponie gab es einige Hühner, wir wollten den Bewohnern auch Rinder zur Verfügung stellen. In Kambodscha gilt eine Kuh als Absicherung, weil man die Kälber verkaufen kann. Für ein Kalb bekommt man in etwa 500 Dollar, die Müllsammler verdienen pro Tag einen. Es war klar, dass Rinder eine gute Investition sind.“ Maui und Georg erzählen von ihren Besuchen bei verschiedenen Bauern, von Verhandlungen und von den Unterschieden der Kuhrassen. Es gibt weiße und braune Kühe, die weißen sind die „guten“. Australische Markenkühe, die nicht ganz so abgemagert sind.

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Dass es doch nicht ganz so einfach ist, wird den beiden rasch klar. „Ein deutscher Restaurantbesitzer, den wir kennengelernt haben, hat uns gesagt, dass er unsere Idee nicht gut findet. Er hat erzählt, dass die Leute in Kambodscha anders denken als der typische Mitteleuropäer. Dadurch, dass es keinen Winter gibt und man nicht unbedingt Vorräte horten muss, um die Kälte zu überstehen, denken sie nicht sehr weit in die Zukunft. Reis wächst immer und so gut wie überall. Die Menschen sind zufrieden, wenn sie etwas zu essen haben. Man denkt von einer Mahlzeit zur nächsten, von einem Tag zum anderen. „Schenkt ihnen eine Kuh und sie werden zwei Wochen davon essen. Danach ist alles wieder beim alten.“ hat er gesagt. Das hat uns ganz schön runtergezogen.“ Die erste Euphorie schlug in Enttäuschung um. War die Idee vielleicht doch nicht so gut? Gibt es denn überhaupt die Möglichkeit, etwas wirklich Sinnvolles zu tun? Soklean hatte die Antwort auf diese Fragen und verscheuchte damit die trüben Gedanken. Er schlug einen Vertrag vor, in dem festgehalten werden sollte, dass die Kühe weder geschlachtet noch verkauft werden dürfen. „So haben wir es dann auch gemacht. Wir haben fünf weiße Rinder, drei weibliche und zwei männliche, gekauft und mit einem Notar einen Vertrag aufgesetzt. Die Deponie-Bewohner – das sind zwölf Familien – dürfen die Rinder nicht schlachten und nicht verkaufen. Sie müssen sich um sie kümmern, sie füttern, tränken und sauber halten. Ab dem Zeitpunkt, in dem jede Familie eine eigene weibliche Kuh hat, die in Zukunft für Nachwuchs sorgt, dürfen sie auch die Kälber verkaufen oder essen.“ Das klingt sinnvoll. In Gedanken bin ich allerdings schon einen Schritt weiter. Wo leben denn die Kühe dann? Auf der Deponie? Was fressen sie dort? Wächst da Gras? Fragen über Fragen. Daran haben Georg und Maui aber auch gedacht. „Wir hatten genau die gleichen Bedenken. Man kann ja keine Kuhherde auf eine Müllhalde setzen. Die Tiere würden in kürzester Zeit sterben. Allerdings ist es so, dass die Kühe am Fuße der Deponie auf einer Wiese leben können. Das liegt daran, dass es in Kambodscha keinen Grundbesitz gibt. Niemandem gehört Land, es gibt aber ein Bleiberecht. Wenn man sich lange genug an einem Ort aufhält, darf man dort auch bleiben. Die Wiese am Fuß der Deponie haben die Bewohner also sozusagen ersessen. Ein großes Problem sind allerdings die Landminen, die überall verstreut liegen.“ Jedes Jahr sterben hunderte Menschen in Kambodscha an den Folgen von Verletzungen durch Landminen. Maui erzählt, dass überall Schilder vor der Minengefahr warnen. Oft darf man nur auf einem schmalen befestigten Weg gehen, ein Schritt daneben könnte verheerende Folgen haben. Unkontrolliert über Wiesen zu laufen ist unmöglich. Der Gedanke macht mich traurig. Als ob es nicht reichen würde, dass viele Menschen in Kambodscha in Armut leben, müssen sie auch noch um ihre Gesundheit fürchten, wenn sie auf den verseuchten Feldern arbeiten. Sie kennen die Gefahr, ihnen bleibt jedoch keine andere Wahl.

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„Nachdem wir die Kühe ausgesucht und den Vertrag mit dem Notar aufgesetzt haben, sind wir in Richtung Deponie aufgebrochen. Am Weg dorthin haben wir noch Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel, Spielzeug und Medikamente gekauft. Werkzeug, Bretter und Seile für die Kühe und einen Unterstand haben wir auch mitgebracht. In der Apotheke hatten wir ein schönes Erlebnis. Wir haben der Apothekerin von unserem Projekt erzählt. Sie fand das so toll, dass sie uns alle Medikamente zum Einkaufspreis gegeben hat.“ „Wenn ihr unseren Leuten helft, helfen wir euch.“, eine Hand wäscht die andere. So einfach kann das sein. „Die Apothekerin hat sich sogar die Mühe gemacht, alle Schachteln in der Khmer-Sprache zu beschriften. Die meisten Leute können ja nicht lesen, so wussten sie zumindest wofür welche Medizin geeignet ist.“ Für die vielen Einkäufe war ein zweites Tuk-Tuk notwendig. Als sie bei der Deponie angekommen waren, baten sie alle Bewohner ans Fußende des Müllbergs. „Der Notar hat den Leuten alles erklärt. Sie haben sich überhaupt nicht ausgekannt, wussten gar nicht was los ist. Nachdem wir ihnen klar gemacht haben, dass sie die Kühe bekommen, haben wir gemeinsam den Vertrag unterschrieben. Wir haben alle unseren Fingerabdruck darunter gesetzt, jeder einzelne Deponie-Bewohner wurde miteinbezogen. Danach haben wir noch die übrigen Sachen verteilt. Der Dolmetscher musste den Leuten erklären, dass wir nur dieses eine Mal kommen würden und dass die Geschenke von den Spendern in Österreich stammen. Sie sollten nicht glauben, dass wir ab sofort ständig mit Geschenken auftauchen würden. Wir haben ihnen aber gesagt, dass wir ohne Voranmeldung vorbei kommen würden, um zu sehen, ob sie sich gut um die Kühe kümmern. Es war wichtig ihnen zu erklären, dass das eine Chance für sie ist, die sie nicht verstreichen lassen sollen. Wenn sie sich an die Vereinbarung halten, können sie die Deponie früher oder später verlassen. Diese Generation wird das wohl nicht mehr erleben, die nächste könnte ihren Lebensunterhalt aber schon mit Landwirtschaft verdienen, wenn sie es will.“

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Zwei Wochen später fuhren Georg und Maui wieder auf die Deponie. „Alle waren neu eingekleidet, das war so schön zu sehen. Die Leute haben sich richtig herausgeputzt. Wir haben mit dem Dorfältesten gesprochen und nach den Kühen gesehen. Sie stehen jetzt circa fünf Minuten entfernt von der Deponie. Einer hat immer Hirtendienst, die Kühe werden wirklich gut versorgt.“ Seit diesem Besuch waren Georg und Maui nicht mehr dort. Die Bewohner melden sich ab und zu bei Soklean und berichten ihm, wie es ihnen ergeht. Er ist so etwas wie die örtliche Kontrollinstanz. Mit ihm halten Georg und Maui auch sporadisch Kontakt über Facebook. Die letzte Information, die die beiden bekommen haben war, dass eine Kuh bereits ein Kalb geboren hat. Es scheint gut zu laufen, irgendwann werden sich die beiden persönlich davon überzeugen. Ich habe sie gefragt, was wirklich wichtig an dem Ganzen ist. „Diese Leute haben das erste Mal eine realistische Chance, die Deponie verlassen zu können. Sie können zu Landwirten und Viehhändlern werden.“ Eine Chance zu haben, Hoffnung auf ein besseres Leben, einen Lichtblick. Das ist das wirklich Wichtige.

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Ich bin beinahe erschlagen von der Geschichte. Die beiden schildern ihre Erinnerungen und Eindrücke so lebhaft, dass ich fast das Gefühl habe, dabei gewesen zu sein. Ich will wissen, welche Erkenntnis sie aus ihren Erlebnissen mitnehmen. Georg muss nicht lange überlegen. „Man muss sich im Klaren darüber sein, dass das Geld, das man als Tourist ausgibt, nicht bei den wirklich Armen ankommt. Wenn man Zeit hat und etwas zurückgeben will, muss man sich die Frage stellen: „Was brauchen die Leute?“ Für mich hat sich herausgestellt, dass ich nur dann Gast sein kann und darf, wenn ich im Gegenzug auch helfen kann. Es hätte sich falsch angefühlt, wenn wir nichts gemacht hätten“ Maui nickt zustimmend, gewährt mir aber auch Einblick in ihre Erkenntnisse. „Die Erinnerung an diese Reise und diese Erlebnisse ist schöner als die an einen Strandurlaub. So gut ein Strandurlaub auch sein kann, mit der Freude in den Augen der Menschen, denen wir geholfen haben, kann er nicht mithalten. Mir gibt diese Freude mehr als ein teurer Urlaub, in dem ich unnötig viel konsumiere. Auch die Erfahrung, dass die Realität so anders ist als man zu wissen glaubt, ist krass. In keiner Dokumentation könnte man das jemals so rüber bringen, wie es tatsächlich ist.“ Die beiden beeindrucken mich zutiefst. Gibt es eine Botschaft, die ihr den Lesern schicken wollt? Gibt es etwas, das jeder wissen sollte? Ich stelle die letzte Frage des Abends. „Haltet euch nicht in Touristenhochburgen auf. Geht raus auf die Straße, redet mit den Leuten, mit der normalen Bevölkerung. Dort findet die direkte und aufrichtige Kommunikation statt. Dort findet ihr das Leben, wie es wirklich ist.“

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Eine Reise verändert Leben. Diese Reise hat nicht nur Georgs und Mauis Leben verändert, sondern auch das von zwölf Familien. Zwölf Familien können das erste Mal auf eine sonnige Zukunft hoffen, fernab von „ihrer“ Deponie. Zwei junge Leute sind ausgezogen die Welt zu erkunden. Sie haben sie nicht nur erkundet, sie haben sie verändert. Wie oft habe ich mir schon gedacht, dass ich gerne etwas tun würde. Dass ich helfen und unterstützen möchte, die Welt retten und besser machen. Bis jetzt habe ich mich nicht getraut. Ich bin doch gar nicht reich genug. Klug genug. Mächtig genug. Ich hab so etwas noch nie gemacht, ich allein kann doch nichts bewirken. Das kann ja gar nicht funktionieren. Es funktioniert aber. Georg und Maui haben es bewiesen. Wenn ich das nächste Mal zweifle und mir nicht sicher bin, ob ich etwas bewegen kann, werde ich an diese beiden denken und mutig sein. Das Gleiche lege ich euch ans Herz. Seid mutig! Traut euch! Macht euch auf die Welt zu retten! Und wenn ihr euch allein nicht traut, schließt euch zusammen und schafft gemeinsam Großes. Es kann gar nie genug Alltagshelden geben. Wer soll die Welt verändern, wenn nicht wir?

Wenn ihr mehr Informationen zu Dance for Life haben wollt, schaut euch hier um. Das Projekt lebt und wartet auf neue Abenteurer!

Georg und Maui haben für alle Helfer, Sponsoren und Interessierten auch einen kurzen Film gedreht. Schaut rein und lasst euch inspirieren!

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Nadine sucht das Glück: Das Glück und die Liebe

„Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“ So klar hat selten jemand formuliert, worin er das größte Glück sieht. Diese Worte stammen aus der Feder des deutschen…

„Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“ So klar hat selten jemand formuliert, worin er das größte Glück sieht. Diese Worte stammen aus der Feder des deutschen Schriftstellers Hermann Hesse, der mit seinen Gedanken über die Liebe und das Leben ganze Generationen fesselt. In meinem ersten Kolumnenbeitrag habe ich euch die Geschichte meiner lieben Freundin Thea erzählt, die auf ein erfülltes Leben mit ihrem geliebten Mann zurückblicken und in glücklichen Erinnerungen schwelgen durfte. Ich frage mich oft, was das Geheimnis einer so langen, innigen Verbindung ist. Sind es ähnliche Wertvorstellungen oder gemeinsame Ziele? Sind es geteilte Leidenschaften oder gleiche Meinungen? Oder sind es die Unterschiedlichkeiten, die Differenzen, die zwei Menschen so dauerhaft und eng aneinander binden? Ist es vielleicht eine Kombination aus alledem? Ich werde vermutlich nie eine abschließende Antwort auf diese Frage finden. Manchmal aber habe ich das Gefühl, einen kurzen Blick auf des Rätsels Lösung erhaschen zu können.

Wenn ich meine Eltern sehe, die seit mehr als 30 Jahren verheiratet sind, wie sie füreinander da sind und sich gegenseitig in allen Lebenslagen unterstützen, wird mir vieles klar. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein und finden doch immer wieder Gemeinsamkeiten. Einen Spaziergang in der Natur, ein gemeinsamer Ausflug in die Stadt, eine Tasse Kaffee im Garten. Sie lachen miteinander, teilen ihre Leben und lassen dem anderen doch genug Raum für sich selbst. Sie begegnen sich mit größtem Respekt und Liebe im Herzen. Die Liebe nicht nur im Herzen, sondern auch in den Augen sehe ich bei meinem Bruder und seiner Freundin. Sie bauen gerade ihr erstes eigenes Nest, erkunden gemeinsam die Welt und lassen ihre Umwelt im Glanz ihrer jungen Liebe erstrahlen. Bei anderen Paaren in meinem Bekannten- und Freundeskreis sehe ich wilde Diskussionen und stürmische Versöhnungen, Leidenschaft in allen möglichen und unmöglichen Situationen des gemeinsamen Lebens. Ich kenne Ehepaare, die getrennte Wohnungen haben und ihre Verabredungen genießen wie frisch verliebte Teenager. Andere leben zusammen und verbringen jede freie Minute miteinander. Manchen reicht das Sonntagsfrühstück im Kaffeehaus nebenan. Andere bereisen zusammen die ganze Welt, klettern auf Berge, übernachten in Wäldern und schreiben gemeinsam Geschichte. So unterschiedlich alle diese Paare sind, so gleich sind sie doch, wenn es um die Liebe geht. Ihre Augen strahlen, wenn sie einander betrachten. Nach außen vermitteln sie alle die gleiche Botschaft: Wir gehören zusammen, wir sind eins.

Ganz besonders deutlich wird diese Botschaft, wenn sich zwei Liebende gegenüber stehen und sich vor ihren Familien und Freunden versprechen, ihre Zukunft in liebevoller Verbundenheit miteinander zu verbringen. In solchen Momenten ist die Luft von Liebe getränkt, das Glück spürbar. Das Glück der Brautleute, ihre andere Hälfte gefunden zu haben. Das Glück der Familien, ihre Kinder in gute und liebende Hände übergeben zu können und an deren Strahlen teilhaben zu dürfen. Das Glück der Freunde, eine Liebesgeschichte so nahe mitzuerleben. Ich durfte all diese wunderbaren Aspekte von Glück und Liebe vor wenigen Wochen erfahren, als meine älteste Freundin von ihrem Mann zum Altar geführt wurde. Diese zwei Menschen haben unter viel Applaus, Jubel und Lachen der Welt mitgeteilt, dass sie ihre Leben miteinander verknüpfen wollen, dass sie eins sind. Dass sie eins sind und es immer bleiben wollen. 

„Seid verschwenderisch mit der Liebe.“, sagte der Prediger bei der Trauung der beiden. Seid verschwenderisch, denn wo viel Liebe ist, wird viel Glück sein. Seid verschwenderisch, seid laut. Ruft eure Liebe in die Welt hinaus, damit sie sich ausbreitet und auch in den letzten Winkel kriecht. Macht kein Geheimnis aus eurem Glück, posaunt es hinaus und erfreut euch daran. Es ist ansteckend, durch das Teilen wird es immer größer und mächtiger. Und selbst der traurigste Mensch wird irgendwann ein Lächeln im Gesicht spüren, sein Herz öffnen und an die vielen liebevollen Momente denken, die er in seinem Leben schon erfahren durfte und noch erfahren wird. Und dann ist er glücklich. 

Geliebt zu werden macht glücklich, selbst zu lieben nicht weniger. Hermann Hesse hat es auf den Punkt gebracht. Also geht raus und werft mit Liebe um euch. Küsst und umarmt die Menschen, die ihr im Herzen tragt. Sagt ihnen, dass ihr sie liebt. Nicht nur einmal, sondern immer dann, wenn es euch in den Sinn kommt. Auch das sehe ich bei meinen Eltern. Sie versichern sich ihre Liebe jeden Tag aufs Neue. Denn man kann den Menschen gar nicht oft genug sagen, dass sie etwas Besonderes sind.

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Master Lin: Gesichtspflege nach TCM

Woran denkt ihr, wenn ihr die Schlagworte TCM, Feng-Shui, Kräuter, Yin und Yang und Meridiane hört? Richtig, an China, an Heilkunde, an Gleichgewicht und an Energieströme, die zum Fließen gebracht…

Woran denkt ihr, wenn ihr die Schlagworte TCM, Feng-Shui, Kräuter, Yin und Yang und Meridiane hört? Richtig, an China, an Heilkunde, an Gleichgewicht und an Energieströme, die zum Fließen gebracht werden wollen. An Kosmetik, Naturkosmetik gar? Ich wage zu behaupten, dass die wenigsten von euch daran gedacht hätten. Ich nämlich auch nicht. Umso überraschter war ich, als mir eine liebe Freundin von Master Lin erzählt hat. Eine Kosmetiklinie (hört, hört) auf Basis der traditionellen chinesischen Medizin (die Spannung steigt), die vollständig aus natürlichen Inhaltsstoffen besteht (der Puls geht schneller) und nur darauf wartet, von mir getestet zu werden (mein Herz schlägt Purzelbäume, beinahe bin ich verliebt!). Ich habe mein zukünftiges Selbst vor Augen: Strahlend schön, ewig jung, im Gleichgewicht mit sich und der Welt. Wenn das keine verlockende Vorstellung ist!

Master Lin war so freundlich, mir das gesamte Sortiment kosten- und bedingungslos zum Test zur Verfügung zu stellen. Ich habe mir einige Wochen Zeit gelassen und alle Produkte intensiv getestet. Heute stelle ich euch die Gesichtspflege vor. Wie mein Urteil ausgefallen ist? Lasst euch überraschen!

Das Label

In der traditionellen chinesischen Medizin wird der Mensch als Einheit von Körper, Geist und Seele betrachtet. Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern eine Lebensweise, die vom sorgsamen Umgang mit sich und seinem Körper geprägt ist. Master Lin vereint diese Grundsätze mit denen des Feng Shui, fügt eine Portion Wellness hinzu und schafft so eine Naturkosmetiklinie allerfeinster Güte. Alle Produkte werden aus sorgfältig ausgewählten und aufeinander abgestimmten Pflanzen und Kräutern hergestellt. Das Besondere daran: Master Lin gibt es wirklich. Master Lin ist ein Feng-Shui-Meister, der viele Jahre in einem buddhistischen Kloster verbracht hat. Der in fernöstlicher Kräuterheilkunde bewanderte TCM-Gelehrte pflückt die Kräuter von Hand – vermutlich nicht allein, sondern gemeinsam mit anderen – und kreiert mit diesen Produkte, die von Kopf bis Fuß verwöhnen. Das gesamte Produktsortiment besteht zu hundert Prozent aus natürlichen Inhaltsstoffen, ein Teil davon ist auch vegan. Keines der Produkte wird im Tierversuch getestet.

Herbal Cleansing Powder & Beauty Mask

Das sagt der Hersteller

„Dieses tiefenwirksame Gesichtsreinigungspulver enthält schonend vermahlene Perlen 
(antiseptisch), Tigergras (desinfizierend), Kamille (beruhigend) und Wildkräuter aus 

handverlesener Pflückung. Mit dem Pulver wird Ihr Gesicht schonend gereinigt, ohne dabei die natürliche Schutzschicht der Haut anzugreifen. Das Produkt kann in Kombination mit Wasser oder einigen Tropfen der Gold Body Lotion auch als pflegende Maske verwendet werden. Die harmonische TCM-Rezeptur entfernt verbrauchte Hautzellen sanft und nachhaltig und die Haut zeigt wieder ihren natürlichen rosigen Glanz. Nach dem ausgleichenden Yin-Yang-Prinzip für jeden Hauttyp geeignet.“

INCIs:
Pflanzliche Tenside, Reispflanzen Pulver, Süßholzwurzel Extrakt, Kamillen Extrakt, Jasmin Extrakt, Grün Tee Blatt Extrakt, Asiatischer Wassernabel (Tigergras) Extrakt, Rosenblätter Pulver, Lavandel Blumen Pulver, Kamillen Blumen Pulver, Eisenkraut Pulver, Muskatellersalbei Pulver, Katzenminze Pulver, Tragantwurzel Pulver, Perlen Extrakt*, Basilikum Öl, Ingwerwurzel Öl, Rosmarin Öl, Schwarz Pfefferkorn Öl, Eucalyptus Blatt Öl, Geranium Öl, Damaszener Rosen Blumen Öl, Pfefferminz Öl, Wachholder Beeren Öl, Kiefernnadel Öl, Lavendel Öl, Sabong Blatt Extrakt, Kamillen Blumen Öl, Patchouli Öl, Sandelholz Öl
*Auf Grund des Perlenextrakts ist dieses Produkt leider nicht vegan!

Das sage ich

Anfangs war der Gesichtsreiniger in Pulverform sehr ungewohnt in der Handhabung. Obwohl die Menge durch die großzügige Öffnung der Verpackung leicht zu dosieren ist, schaffte ich es die ersten paar Male entweder zu viel oder zu wenig von dem Pulver in meiner Hand landen zu lassen. Wie überall im Leben macht aber auch hier Übung den Meister. Mittlerweile gelingt mir die Dosierung gut, vermischt mit ein bisschen Wasser lässt sich der Reiniger auch leicht auftragen. Die durch die Wasserbeigabe entstehende Reinigungscreme riecht leicht kräuterig und lässt sich sehr gut verteilen. Ein minimaler Peelingeffekt ist spürbar, vermutlich könnte man diesen durch weniger Wasserbeigabe noch verstärken. Nach der Reinigung fühlt sich meine Haut sauber und erfrischt an, sie ist weich und spannt nicht. Auch als Maske lässt sich das Herbal Cleansing Powder gut verwenden. Wenn ich es gemeinsam mit zwei Tropfen der Körperlotion auftrage, versorgt es meine Haut mit Feuchtigkeit und lässt sie gesund strahlen. Ich verwende das Pulver nun schon seit einigen Wochen. Mein erster Eindruck hat sich bestätigt, sowohl als Reiniger, als auch als Maske verwendet, pflegt es meine Haut bis in die kleinste Pore. Das einzige Manko: Die Verpackung ist zwar recht ansprechend gestaltet, allerdings besteht sie aus Plastik. Dafür muss ich leider einen Punkt abziehen.

Das Herbal Cleansing Powder kostet 49 Euro.

Gold & Pearl Face Serum

Das sagt der Hersteller

„Das Master Lin Gold & Pearl Face Serum bietet intensive Feuchtigkeitspflege für das Gesicht. Dieses Intensiv-Serum ist ein wahrer Energy Drink für jede Gesichtshaut. Die Portion Extra-Pflege, die besonders trockene und strapazierte Haut entspannt und nährt. Ausgewogene TCM-Rezeptur mit Feingold (energetisierend und entzündungshemmend), kostbarer Perle (antiseptisch), Damaszener Rose (durchfeuchtend) und Zaubernuss (reizlindernd). Ideal bei erhöhtem Feuchtigkeitsbedarf (Flugreisen, trockene Heizungsluft) oder als After-Sun nach dem Sonnenbad. Das Gold & Pearl Face Serum schenkt rosige, entspannte Frische und verleiht gestresster, angegriffener und müder Haut sichtbare Kraft zur Regeneration.“

INCIs:
Damaszener Rosen Blumen Destillat, Perlen Extrakt*, Zaubernuss Destillat,
Aloe Blatt Extrakt, Kamillen Blatt Extrakt, Grün Tee Blatt Extrakt, Süßholzwurzel Extrakt,
Hyaluronsäure, Lavendel Öl, Kiefernnadel Öl, Damaszener Rosen Blumen Öl, Sandelholz
Öl, Feingold.
*Auf Grund des Perlenextrakts ist dieses Produkt leider nicht vegan!

Das sage ich

Das Serum, die Königin der Gesichtspflege! Dass Feingold ein Bestandteil des Master Lin Gold & Pearl Face Serums ist, passt nur zu gut. Schon beim ersten Öffnen der Schachtel fällt es auf. In der eleganten Glasflasche schwimmen feine Goldpartikel. Meine Neugier war groß. Immerhin stellte sich die Frage, ob der Inhalt mit der edlen Optik mithalten konnte oder nicht. Er konnte! Das Serum hat mich innerhalb kürzester Zeit überzeugt. Die Dosierung ist dank des Pumpspendes kinderleicht. Die Konsistenz ist leicht gelartig, der Geruch passend zum Herbal Cleansing Powder kräuterig-frisch. Das Serum lässt sich sehr gut verteilen und zieht überraschend schnell ein. Es hinterlässt ein angenehmes Gefühl und bereitet die Haut perfekt auf die nachfolgende Pflege vor. Nach einem langen Tag auf dem Golfplatz durfte ich auch die Après-Sun-Qualitäten des Serums testen. Es kühlt die von der Sonne beanspruchte Haut und versorgt sie auch ohne nachfolgende Feuchtigkeitspflege mit allem, was sie zur Regeneration braucht. Ob mit Sonnenbrand oder ohne, ich habe das Gold & Pearl Face Serum bereits in meine tägliche Routine eingebaut.

Das Gold & Pearl Face Serum kostet 57,60 Euro.

Gold & Ginseng Face Cream

Das sagt der Hersteller
„Ausgewogene TCM-Rezeptur mit reinstem Feingold (energetisierend und entzündungshemmend), kostbarer Perle (antiseptisch), Ginseng (belebend), Süßholzwurzel (stärkend) und anderen wertvollen Pflanzenessenzen und ätherischen Ölen. Laut der klassischen Traditionellen Medizin befinden sich viele der zwölf Hauptmeridiane, die den Energiefluss im Körper regeln, im Gesicht. Die Verwendung der Gold & Ginseng Face Cream stimuliert die Energieleitbahnen. Die ausgewogene Rezeptur wirkt ausgleichend, die Haut nimmt sich was sie braucht und kommt zu einem natürlichen und stabilen Gleichgewicht. Zu trockene oder zu fette Haut normalisiert sich nach dem Yin-Yang-Prinzip. Die hochkarätige Gesichtscreme verhilft zu einem strahlenden, frischen Teint und einer harmonisch gepflegten Haut. Die Master Lin Gold & Ginseng Face Cream kann als Tagescreme UND als Nachtcreme verwendet werden!“

INCIs:
Wasser, Perlen Extrakt*, Süßholzwurzel Extrakt, Ginsengwurzel Extrakt,
Tragantwurzel Extrakt, Angelikapflanzen Extrakt, Vitamin C, Hyaluronsäure, Süß Mandel
Öl, Hagebutten Frucht Öl, Kiefernnadel Öl, Basilikum Öl, Ingwerwurzel Öl, Sandelholz Öl,
Damaszener Rosen Blumen Öl, Vitamin E, Beta-Carotin, Feingold.
*Auf Grund des Perlenextrakts ist dieses Produkt leider nicht vegan!

Das sage ich

So großzügig meine Mischhaut mit nicht ganz idealen Reinigern, Tonern und Seren umgeht, so unnachgiebig reagiert sie auf die falsche Tagescreme. Innerhalb kürzester Zeit antwortet sie mit Unterlagerungen, Rötungen und trockenen Stellen. Aus diesem Grund war ich ein wenig skeptisch, als ich vom Yin-Yang-Prinzip gelesen habe. Eine Creme soll tatsächlich für alle Hauttypen funktionieren und der Haut selbst überlassen, was sie sich nehmen möchte? Frei nach dem Motto „den Mutigen gehört die Welt“ habe ich mich trotz Skepsis an den Test gewagt. Mein Mut wurde mit strahlender, gut genährter Haut belohnt. Die Gold & Ginseng Face Cream kommt wie das Serum in einer edlen Glasflasche daher. Die Konsistenz erinnert eher an ein Fluid denn an eine Creme. Passend zu den übrigen Produkten riecht auch die Gesichtscreme kräuterig-frisch, der Geruch verfliegt aufgetragen allerdings sehr schnell. Nach einer mehrwöchigen Testphase kann ich nun mit Fug und Recht behaupten, dass meine Haut und die Gold & Ginseng Face Cream eine dicke Freundschaft eingegangen sind. Da ich als Nachtpflege ausschließlich Gesichtsöle verwende, kommt die Master Lin Creme nur morgens zur Anwendung. So beginnt der Tag schon mit einem Energiekick für meine Haut, die den ganzen Tag gut versorgt vor sich hin strahlt. Ob die Gold & Ginseng Face Cream für den Winter reichhaltig genug ist, konnte ich bis jetzt noch nicht herausfinden. Das werde ich aber nachholen und darüber bei Zeiten berichten.

Die Gold & Ginseng Face Cream kostet 65 Euro.

Fazit

Master Lin bietet mit dem Yin-Yang-Prinzip eine Kosmetiklinie für sämtliche Hauttypen an. Mich konnten sowohl der Reiniger als auch das Serum und die Tagescreme überzeugen. Wahrscheinlich werden die drei nie die einzigen Gesichtspflegeprodukte in meinem Badezimmer sein – dafür bin ich ein zu großer Fan von Naturkosmetik aller Art – sie werden aber bestimmt immer wieder nachgekauft werden. Vor allem das Serum kann ich mir aus meiner täglichen Routine nicht mehr wegdenken. Nicht nur der pflegenden Wirkung wegen, nein. Jeden Tag erfreue ich mich an den goldglitzernden Partikeln in der hübschen Flasche. Wer wird heutzutage schon mit Gold und Geschmeide überhäuft? Ich auf jeden Fall nicht. Mit dem Serum komme ich dem Überhäufen aber doch recht nahe. Selbst ist die Frau und auch die Prinzessin. Und wie Prinzessinnen nun mal so sind, gebe auch ich die Hoffnung auf die ewige Jugend nicht auf. Mit der Gesichtspflegelinie von Master Lin komme ich ihr mindestens drei Schritte näher!

Wenn ich mir von Master Lin etwas wünschen dürfte, wäre es wohl der passende Toner und eine ebenso effektive Augenpflege. Diese Produkte gibt es bis jetzt nämlich noch nicht im Sortiment. Aber wer weiß, was noch kommt. Master Lin sitzt mit seinen Schülern gewiss schon an neuen Rezepturen, die hoffentlich bald auch bei uns erhältlich sein werden.

Bezugsquellen

Master Lin ist bei ausgewählten Händlern erhältlich. Eine vollständige Liste für Österreich, Deutschland und die Schweiz findet ihr hier.

In den nächsten Wochen werde ich meine Erfahrungen mit der Körperpflege und allen Rundherum-Produkten von Master Lin mit euch teilen. Ihr könnt gespannt sein, es gibt einiges zu erzählen!

Habt ihr schon von Master Lin gehört oder gar das eine oder andere Produkt daheim? Ich freue mich auf eure Erfahrungsberichte!

4 Kommentare zu Master Lin: Gesichtspflege nach TCM

deli bluem: Pflanzenküche trifft TCM

In Wien sprießen vegane Lokale aus dem Boden wie Pilze nach dem Regen. Mittlerweile wird von asiatischen Currys angefangen, über diverse Braten und Knödel bis hin zu Cupcakes und anderen…

In Wien sprießen vegane Lokale aus dem Boden wie Pilze nach dem Regen. Mittlerweile wird von asiatischen Currys angefangen, über diverse Braten und Knödel bis hin zu Cupcakes und anderen süßen Kleinigkeiten alles angeboten, was das Pflanzenfresserherz begehrt. Ein besonderes Goldstück ist das deli bluem im achten Wiener Gemeindebezirk. Wenn eine erfolgreiche Managerin ihre Position verlässt, um den Kochlöffel zu schwingen, hat sie bestimmt eine gute Idee. Und ganz gewiss auch eine spannende Geschichte. Andrea Vaz-König, die Inhaberin des deli bluem, hat mir ihre bei einem Stück Erdbeer-Rhabarber-Kuchen erzählt.

„Ich war viele Jahre in einer ganz anderen Branche tätig. Nach meinem Studium habe ich begonnen in einer Bank im Bereich Firmenkundenbetreuung zu arbeiten. Das war die Zeit, in der die „Neuentdeckung“ Osteuropas gerade angefangen hat. Ich bin mit einem bereits bestehenden Unternehmen nach Slowenien und in die Ukraine gegangen, um dort am Filialaufbau mitzuarbeiten. Das war eine tolle Möglichkeit zu lernen, wie man etwas aufbaut.“ Ich stelle mir die Arbeit in einer Bank nicht gerade abenteuerlich vor. Gerade deshalb will ich wissen, was Andrea so fasziniert hat, dass sie viele Jahre in dieser Branche geblieben ist. „Ich hatte immer schon Interesse am Aufbauprozess. Die Branche war mir dabei eigentlich egal. Das Spannende am Bank- und vor allem am Firmenkundengeschäft ist, dass man bei jeder Unternehmensfinanzierung einem Menschen gegenüber steht, der gerade seine Idee verwirklicht und Geschichte schreibt. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich einfach hängen geblieben bin. Gleichzeitig hatte ich immer großen Respekt vor den angehenden Unternehmern am anderen Ende des Tisches. Ich habe sie für ihren Mut bewundert und mir immer wieder gedacht, dass ich auch mal so sein will. Bei jedem Gespräch habe ich etwas Neues gelernt. Es wurde nie langweilig, weil jedes Unternehmen und jeder Mensch anders war. Ich glaube, dass schon sehr früh feststeht, was man gerne macht oder besonders gut kann. Mit 18 oder 23 war das für mich noch ganz ungewiss. Rückblickend betrachtet war der Wunsch etwas zu schaffen, ein Unternehmen zu gründen und kreativ zu sein aber schon immer da. Ich wollte schon immer etwas beitragen, etwas verändern. Das ist auf viele verschiedene Arten möglich, mit 23 habe ich mich aber noch nicht getraut. Ich bin also stattdessen die Karriereleiter hoch geklettert und habe andere bei der Verwirklichung ihrer Ideen unterstützt.“ Aus dieser Perspektive habe ich das Bankgeschäft noch nie betrachtet. Ich kann Andreas Motivation zu bleiben gut nachvollziehen. Warum sie dann trotzdem gegangen ist, interessiert mich nun natürlich umso mehr. „Das Thema Ernährung hat mich schon immer interessiert, als junge Frau, während meiner Schwangerschaft und dann vor allem auch als Mutter. Für mich war das Bild einer Flasche mit aus Pulver angerührtem Brei abschreckend. So wollte ich meine Kinder nicht ernähren. Über das Buch „Ernährung für Mutter und Kind“ bin ich zur TCM gekommen und habe dort die perfekte Folgenahrung gefunden. Congee, ein Reisbrei, den ich selbst heute noch täglich esse. So hat alles angefangen.

Zu meinem 40. Geburtstag habe ich von Freundinnen einen Gutschein für die Ausbildung zur Ernährungsberaterin im Shambala Wien bekommen. Ernährungsberaterin wollte ich zwar nie werden, aber die Ausbildung war trotzdem sehr interessant. 2012 habe ich das Buch „China Study“ gelesen und begonnen, mich vegan zu ernähren. Nach einem Probemonat bin ich dabei geblieben. Ich hatte nie das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen. Ganz im Gegenteil. Die Ernährungsumstellung hatte nur positive Auswirkungen auf meinen Körper, meine Laune und mein gesamtes Wohlbefinden. Kaffeehaus- und Restaurantbesuche gestalteten sich aber schwieriger. Ich gehe gerne essen und sitze auch gerne in Kaffeehäusern, aber das war kaum noch möglich. Das Gefühl der Notwendigkeit, einen Platz zu schaffen, wo alle angebotenen Produkte dem Körper gut tun, wurde immer stärker. Zur gleichen Zeit haben sich die Rahmenbedingungen in der Bank verändert. Ich dachte mir „Wann, wenn nicht jetzt?“. Vorm Scheitern hatte ich keine Angst. Ich habe gewusst, dass ich es mehr bereuen würde, wenn ich es gar nicht erst versucht hätte. Die Bank zu verlassen war also nicht schwer. Am nächsten Tag hatte mein Mann aber einen Motorradunfall und lag daraufhin auf der Intensivstation. Vier Wochen lang habe ich laufend Angebote erhalten. Dieser Verlockung zu widerstehen, war die wirkliche Herausforderung. Ich war auch nicht sicher, ob ich so eine Entscheidung überhaupt allein treffen durfte. Ich habe zwei Kinder, ich musste abwägen, ob ich die Sicherheit der Anstellung für meine Idee aufgeben konnte. Einer Freundin habe ich erzählt, dass ich wegen der Kinder unschlüssig war, ob ich das wirklich machen sollte. „Gerade wegen deiner Kinder“, hat sie gesagt. „Welche Werte willst du ihnen mitgeben? Geht immer auf Nummer sicher oder streckt die Flügel aus?“ Seit diesem Gespräch habe ich keinen Blick zurück geworfen.“

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Während wir in dem schlichten, aber ausgesprochen hübschen Lokal sitzen, Kuchen essen – der übrigens sehr lecker ist – und Lavendelsaft trinken, möchte ich von Andrea wissen, wie es weiter ging. Ein Entschluss ist schnell gefasst, aber wie setzt man ihn dann um? „Ich habe mir überlegt, was ich tun muss, um ein Lokal eröffnen zu können. Mitten in der Nacht habe ich Björn Moschinski ein E-Mail geschrieben und gefragt, ob ich für einen Monat in seiner Küche mitarbeiten dürfte, um Erfahrung zu sammeln. Keine 24 Stunden später hatte ich schon eine Antwort und von Mitte Februar bis Mitte März stand ich im Kopps in Berlin in der Küche. Von Gemüseschnippeln bis Teller waschen habe ich alles gemacht. Das war eine sehr spannende und erfrischende Erfahrung. In der Küche gibt es ja keinen Sessel, man steht den ganzen Tag. Das war ich überhaupt nicht gewohnt, der erste halbe Tag war furchtbar. Nach zwei Wochen ging es dann aber.“ Vom Business-Kostüm in die Kochschürze, das finde ich ja mal richtig gut. „Vorher und nachher habe ich mir unzählige Lokale angesehen und mir Ideen geholt. Ich habe Immobilien und Standorte besichtigt, mir Notizen gemacht und fotografiert. Jeden Tag war ich in einem anderen Lokal. Ich habe eine umfangreiche Marktanalyse gemacht und daraufhin mein eigenes Konzept geschrieben. Allein für das Logo habe ich sicher zwei Monate gebraucht. Zwischendurch war ich auch noch einen Monat lang als Küchenhilfe im Wild Food Cafe von Joel und Aiste in London.“ Einen Vorteil hatte Andrea allerdings. Durch ihre jahrelange Tätigkeit in der Bank kannte sie sich mit Businessplänen aus. Die Erstellung ihres eigenen war also nicht ganz so schwer. Neben all diesen Notwendigkeiten besuchte Andrea auch noch einen WIFI Kurs für die Gastronomie-Konzession, kochte jeden Tag und probierte neue Gerichte aus. „Mein Mann und meine Kinder waren sehr kritische Testesser und sind es auch heute noch. Im März haben wir dann nach eineinhalb Jahren Vorbereitung eröffnet. Nach all den Vorarbeiten, Gesprächen mit dem Magistrat und sonstigen Stellen, die für Förderungen und Budgets zuständig sind, passt dann plötzlich irgendwann alles. Das glaubt man dann fast nicht.“

Da sitzen wir nun also, in dem Anfang März diesen Jahres eröffneten, wirklich gewordenen Traum. Die Einrichtung ist schlicht und ansprechend. Die gut gewählte Deko schafft ein entspanntes Ambiente. Im vorderen Bereich des Lokals gibt es eine große Theke, auf der die Speisen angerichtet sind. Sehr verlockend sieht das alles aus. Die kleinen Tische wirken einladend. Für größere Runden gibt es im hinteren Bereich einen großen Tisch, fast schon eine Tafel. Dort sitzt man ganz nah an der Quelle, man kann hier nämlich den Köchen über die Schulter schauen. So etwas gefällt mir gut. Heute sind zwei junge Köchinnen da, die geschäftig in der kleinen Küche herumwuseln und anscheinend viel Freude an ihren Aufgaben haben. Ich frage Andrea, wie sie ihr Team gefunden hat. „Das hat sich ganz von allein entwickelt, ich habe nicht sehr intensiv suchen müssen. Einige haben sich über Facebook und andere soziale Netzwerke gemeldet. Einen Koch habe ich bei einem Pop-Up-Abendessen kennen gelernt. Den habe nicht ich entdeckt, der hat uns entdeckt. Mittlerweile besteht das Team aus zehn Leuten. Ich glaube, dass auch die Mitarbeiter von einer Idee überzeugt sein müssen, damit alles klappt. Gerade bei einem Lokal wie dem deli bluem.“

Bei einem Lokal wie dem deli bluem – welche Art von Lokal ist das eigentlich? Was ist die Besonderheit des deli bluem? „Wir bieten ausschließlich pflanzliche, frisch gekochte Speisen in Bio-Qualität an, die den Grundsätzen der traditionellen chinesischen Ernährungslehre entsprechen. Wir verwenden auch keinen Zusätze oder Konservierungsstoffe.“ Andrea verwendet den Begriff „vegan“ bewusst nicht. „Ich verwende lieber das Wort „pflanzlich“, weil ich der Meinung bin, dass nicht alles gut ist, nur weil es vegan ist. Schau dir nur mal die Supermarktregale an. Außerdem will ich auch niemanden ausgrenzen. Die Leute essen gerne Dinge, die gut aussehen und gut schmecken, ganz egal ob sie Fleisch mögen oder nicht. Ich will niemandem sagen, wie schlecht sein tierisches Essen ist. Lieber zeige ich ihm, wie gut pflanzliche Nahrung eigentlich sein kann. Allein schon, dass man nach dem Essen nicht müde ist, ist doch toll.“ Mir gefällt dieses Konzept. Das Deli Bluem klebt sich kein Label auf, jeder ist willkommen. Kein Wunder, dass das Geschäft gut geht. „Alles läuft über Plan und besser als ich es mir vorgestellt habe. Besser im Sinne von „es ging leicht, es war nicht mühsam“. Heute kümmere ich mich fast ausschließlich um das Organisatorische. Zum Kochen und Ausprobieren komme ich hier kaum. Das liegt daran, dass die Zeit einfach schlecht planbar ist. Wenn viele Gäste da sind, kann ich nicht anfangen ein neues Rezept auszuprobieren. Da würde ich den anderen nur im Weg stehen. Deshalb wage ich mich zuerst daheim an neue Gerichte.“

Andrea scheint wirklich ein Händchen für die Gastronomie zu haben. Das Lokal läuft gut, das Team scheint motiviert und zufrieden zu sein und für sie selbst hat sich ein Wunsch erfüllt. Bestimmt gibt es aber noch viele andere Wünsche, die auf Erfüllung warten. „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass noch viel mehr Plätze wie das deli bluem entstehen. Die Konkurrenz soll wachsen, damit ein hochqualitatives Angebot entstehen kann. Ich wünsche mir, dass sich noch mehr Menschen und vor allem auch Kinder positiv mit Essen auseinandersetzen. Unser Essen soll wieder als LEBENSmittel wertgeschätzt werden. Man soll es im ganzen Körper spüren und jeder soll in sich hinein hören, um herauszufinden, was einem gut tut. Wenn es nach mir ginge, hätte jede Schule einen eigenen Gemüsegarten und alle Kinder würden kochen lernen. Generell sollte in Spitälern, Kindergärten und anderen öffentlichen Einrichtungen nur so gekocht werden wie hier bei uns. Und Ärzte sollten verpflichtet sein, sich ein Jahr lang mit Ernährung zu beschäftigen.“ Aber hallo, da sprudeln die Ideen! Und was für welche! Da könnten sich unsere lieben Entscheidungsträger ruhig inspirieren lassen. Andrea hat bestimmt nicht nur für die Allgemeinheit große Pläne, sondern auch für sich und ihr Team. Auf meine Frage hin, gibt sie bereitwillig Auskunft. „Wir planen eine engere Zusammenarbeit mit Kindern. So machen wir zum Beispiel mit einer Vorschulklasse beim Food Revolution Day mit.“ Kinder sind im Deli Bluem anscheinend gern gesehen. Während unserem Gespräch fällt mir immer wieder Kinderlachen aus dem Hintergrund auf. Ich frage Andrea spaßhalber, ob sie denn einen Kinderspielplatz im Hinterhof hat. Den hat sie zwar nicht, dafür aber einen eigenen Raum, in dem Kinder ungestört spielen und Mütter in Ruhe Kaffee trinken können. Im Deli Bluem ist wirklich jeder willkommen.

Die geplanten Veranstaltungen sind natürlich nicht nur für Kinder zugeschnitten. Andrea hat noch viel mehr in petto. „Wir starten am 26. Juli 2014 mit einem Gemüsezyklus. Immer an Neumond wird der Abend einer bestimmten Gemüsesorte gewidmet. Wir beginnen mit der Artischocke. Sie wird als Zutat in jeder angebotenen Speise sein. Die Artischocken kommen aus dem Marchfeld vom Hof der Familie Theuringer und werden direkt erntefrisch zur Zubereitung angeliefert. Abgerundet wird der Abend von Poesie und Bildern von Andrea Nehring.“ Artischockengedichte und Artischockengerichte, wenn das nicht reizvoll ist. Ich habe vorher noch nie von einem Gemüsezyklus gehört. Andrea erklärt mir, dass viele Menschen manche Gemüsesorten noch nie selbst zubereitet haben und dass sie das sehr schade findet. Ich finde das auch sehr schade, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass ich zu den Menschen gehöre, die noch nie eine Artischocke zubereitet haben. An einem der nächsten Gemüsezyklenabende werde ich bestimmt teilnehmen und vielleicht eine außergewöhnliche Rübe ehren. Dann kann ich mich auch gleich zu einem der Kochkurse anmelden, die zukünftig geplant sind. Und wenn ich doch ganz faul sein sollte, so kann ich darauf hoffen, dass mir das leckere Essen des deli bluem bald auch nach Hause gebracht wird. Andrea denkt nämlich schon an einen Zustelldienst. Wenn diese ausgesprochen wohltönende Zukunftsmusik real wird, werden wir darüber auf der Website informiert. Oder vielleicht auch von einer Köchin vor Ort.

Deli Bluem Theke

Um die Wartezeit auf die geplanten Kochkurse zu verkürzen, frage ich Andrea jetzt schon nach einem Geheimtipp. „Gemüse darf nur ganz kurz gegart werden. Koste alles zuerst roh. Man kann wirklich fast alles roh essen.“ Angeblich sogar Kraut. Ich bin skeptisch, nehme das aber so hin. „Was die Natur hergibt, sollte man möglichst nicht verändern, sondern so gelten lassen wie es ist.“ Wenn ich an die Konsistenz mancher Gemüsesorten denke, wenn ich sie aus dem Kochtopf fische, bin ich sehr geneigt Andrea zu glauben. Der nächste Brokkoli wird nur ganz kurz im Wasserbad verweilen.

Eine Frage, die ich am liebsten jedem Koch und jeder Köchin stellen würde, ist die Frage nach dem eigenen Lieblingsgericht. Wenn man jeden Tag mit den feinsten und außergewöhnlichsten Speisen arbeitet, kann die Antwort nur spannend sein. „Mein Lieblingsgericht ist Milchreis mit einer Mischung aus Kokos- und Sojamilch. Am liebsten pur, das ist ein richtiges Wohlfühlessen für mich. Meinen Congee esse ich aber auch gerne mit Nüssen und Ahornsirup.“ Milchreis. Damit habe ich nicht gerechnet, aber ich kann es verstehen. Grießbrei und Milchreis sind Wohlfühlessen, die an kalte Wintertage auf Mamas Couch erinnern. Jetzt wo ich weiß, was Andrea am liebsten isst, möchte ich natürlich auch noch wissen, mit wem sie denn ihren Milchreis am liebsten essen würde. Sie lacht. „Natürlich mit meinem Mann und meinen Kindern. Aber wenn ich aus allen Menschen auswählen könnte, dann würde ich wohl am liebsten mit Ottolenghi Safranmilchreis essen. Eigentlich würde ich ihn viel lieber mit ihm gemeinsam kochen und dann erst essen.“ Ich habe keine Ahnung, wer Ottolenghi ist und frage nach. „Ottolenghi hat die Gemüseküche in London revolutioniert. Er schreibt auch eine Kolumne im „The Guardian'“ und Kochbücher. „The Cookbook“ („Das Kochbuch“) und „Plenty“ („Genussvoll vegetarisch“) finde ich großartig.“ Und schon habe ich wieder etwas gelernt. Ottolenghis Deli steht schon auf meiner To-Do-Liste für den nächsten Besuch in London.

Bevor ich mich, beladen mit einer Variation aller Hauptspeisen, die heute angeboten werden, auf den Heimweg mache, bitte ich Andrea noch um ihre Botschaft an die Welt. „Die Leute sollen alles ausprobieren und in den eigenen Körper hinein hören. Sie sollen sehen, wie sich ihr Körper nach dem Essen anfühlt. Auch am nächsten Tag und am übernächsten. Sie sollen beobachten, wie Lebensmittel ihre Laune und ihr Wohlbefinden verändern. Alles was wir sind, entsteht aus der Umgebung, die wir uns schaffen. Das möchte ich den Menschen gerne mitgeben.“ Ich mag Andreas Einstellung zu Lebensmitteln und ihre Begeisterung dafür. Mich hat sie schon erreicht, ich werde bald den Wochenend-Brunch im Deli Bluem besuchen und herausfinden, wie gut und gesund man mit einem Schlemmerfrühstück in den Tag starten kann.

Zuhause angekommen serviere ich die mitgebrachten Speisen. Mein Liebster schaut interessiert, aber skeptisch. Die Auberginen in Safransauce scheinen ihn nicht zu überzeugen. Und tatsächlich, seine Begeisterung hält sich in Grenzen. Was für ein Glück, so bleibt mehr für mich. Jetzt habe ich nicht nur ein fantastisches Abendessen, sondern am nächsten Tag auch noch eine großartige Jause. Wie schön, dass die Geschmäcker verschieden sind! Wenn ihr gut und gesund essen oder bei einem Glas Saft oder einer heißen Tasse Kaffee ein Stück Kuchen genießen wollt, kann ich euch das Deli Bluem wärmstens empfehlen. Wenn Genuss nicht nur der Seele gut tut, sondern auch dem Körper, kann man eigentlich nur freudig in die Hände klatschen und die Karte rauf und runter bestellen.

 

Deli Bluem
Hamerlingplatz 2
1080 Wien

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 8:00 bis 19:00
Samstag, Sonn- und Feiertag: 9:00 bis 18:00

Weitere Informationen und Neuigkeiten zum Lokal findet ihr hier.

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Nadine sucht das Glück: Vom Glück des Scheiterns

„Scheitern ist ein Umweg, keine Sackgasse.“ Als ich vor einigen Jahren während meiner Recherchearbeiten für ein Seminar an der Uni über dieses Zitat des mir gänzlich unbekannten Autors und Motivationstrainers…

„Scheitern ist ein Umweg, keine Sackgasse.“ Als ich vor einigen Jahren während meiner Recherchearbeiten für ein Seminar an der Uni über dieses Zitat des mir gänzlich unbekannten Autors und Motivationstrainers Zig Ziglar gestolpert bin, wusste ich noch nicht all zu viel damit anzufangen. Scheitern war keine wünschenswerte Option. Scheitern war das so genannte „worst case scenario“. Ich erinnere mich gut an meine Studienzeit, an einige der Prüfungen, die ich nicht beim ersten Versuch bestanden habe. An Hausarbeiten, die mit dem Auftrag sie noch einmal komplett zu überarbeiten, an mich zurück gesandt wurden. Sogar solche Kleinigkeiten wie erfolglose Anmeldeversuche zu Pflichtveranstaltungen oder Prüfungen, sind mir im Gedächtnis geblieben. Aber nicht nur an der Uni boten sich massenhaft Möglichkeiten zu scheitern. Ich erinnere mich an misslungene Versuche, mit dem Auto bergauf mit angezogener Handbremse wegzufahren. An Bewerbungsschreiben, die unbeantwortet blieben. An Beziehungen, die nicht für die Ewigkeit gemacht waren. All diesen Erinnerungen wohnt ein bitterer Beigeschmack bei. „Ich habe es nicht geschafft. Ich habe versagt.“

Seit circa einem halben Jahr lasse ich mich zur Mediatorin ausbilden. Gemeinsam mit einigen anderen TeilnehmerInnen beschäftige ich mit Konflikten aller Art und vor allem auch mit meinem eigenen Konfliktverhalten. Im Rahmen dieses Lehrganges gewinnt das Scheitern nun eine ganz neue Bedeutung. Scheitern ist erlaubt, ja sogar erwünscht. Zu Beginn war das für mich unvorstellbar. Warum sollte man scheitern wollen? Erfolg ist doch das Ziel, auf das wir alle hinarbeiten. Erfolg ist unsere Motivation. Das lernen wir von Kindesbeinen an. „Sei fleißig, dann wirst du dein Ziel erreichen. Streng dich an, dann wirst du erfolgreich sein.“ Erfolgreich sein möchte ich auch in der Mediation. Nicht nur um mein selbst gestecktes Ziel zu erreichen, sondern insbesondere auch um meinen KlientInnen hilfreich sein zu können. Mit diesen Gedanken wagte ich mich am vergangenen Ausbildungswochenende zum ersten Mal in die Rolle der Mediatorin. Es kam, wie es kommen musste. Trotz guter Vorbereitung und bester Absichten wurde ich innerhalb von Minuten aus der Position der Unterstützerin in die Rolle der hilflosen Beobachterin gedrängt. Während sich meine Klientinnen eine verbale Schlacht auf Leben und Tod lieferten, konnte ich nichts anderes tun als machtlos dazusitzen und sie anzustarren. Was für ein Schauspiel! 

Meine Mutter hätte dieses Szenario wohl als „mit Bomben und Granaten durchgefallen“ bezeichnet. Womit sie nicht ganz falsch liegen würde. Ich bin tatsächlich auf ganzer Linie gescheitert. Nicht nur, dass meine Klientinnen ihren Konflikt nicht lösen konnten, er verschlimmerte sich sogar noch. Da saß ich nun mit meiner Idealvorstellung vom Erfolg und von den zufriedenen und wieder versöhnten Klientinnen, die überhaupt nicht der Realität entsprach. Ein worst case scenario wie es im Buche steht. Das Spannende aber war, dass es mir nicht als ein solches erschien. Ja, mein Versuch den Konflikt zu lösen, ist nicht geglückt. Ein einziger Versuch. Bin ich deshalb erfolglos? Soll ich deshalb aufgeben und den Kopf in den Sand stecken? Soll deshalb meine Motivation verloren gehen und mit ihr der Glaube an mich selbst? Was bedeutet es, wenn mein Lösungsansatz nicht geklappt hat? Dass ich nicht gut genug bin? Dass ich versagt habe? Nichts von alledem. Wenn mein Lösungsansatz nicht geklappt hat, bedeutet es genau das. Dieser eine Ansatz hat nicht funktioniert, diesen kann ich ausschließen. Übrig bleibt eine Vielzahl anderer und neuer Möglichkeiten, die auf ihre Nützlichkeit getestet werden wollen. Mittlerweile verstehe ich meine Trainer, wenn sie uns einladen unser Glück zu versuchen und zu scheitern. Gerade das Scheitern in einem geschützten Rahmen, wie ihn mein Lehrgang darstellt und auch die Universität, ermöglicht es mir, meine Flügel in alle Richtungen auszustrecken. Ich darf mich ausprobieren, darf kreativ sein und meinem Bauchgefühl folgen. Ich darf Fehler machen, meine Meinung und Perspektive ändern und das allerwichtigste, ich darf aus jedem Scheitern meine eigenen Lehren ziehen. 

Das mag nun alles leicht und nachvollziehbar klingen, wenn ich vom Scheitern im geschützten Rahmen schreibe. Die Vermutung liegt nahe, dass es draußen, „in der richtigen Welt“, im Beruf, in der Beziehung anders ist. Dem ist nicht so. Wenn mir im Beruf etwas nicht gelingen mag, weiß ich zumindest, dass ich es beim nächsten Mal anders machen werden. Aus meinem Misserfolg lerne aber nicht nur ich. Auch mein Vorgesetzter hat die Möglichkeit, aus einem gescheiterten Projekt etwas mitzunehmen. Vielleicht ändert er beim nächsten Mal die Rahmenbedingungen, vielleicht stellt er mehr Ressourcen zur Verfügung. Auf beiden Seiten bieten sich Optionen, die sich ohne das Scheitern womöglich nie aufgetan hätten. 

Noch schwieriger ist es, das Scheitern einer Beziehung als positiv zu sehen. Wie soll man auch etwas Gutes darin sehen können, dass etwas zu Ende geht, von dem man gedacht hat, es wäre für immer? Eine liebe Freundin von mir hat einmal gesagt „Meine Beziehung ist nicht gescheitert. Wir haben viele Jahre zusammen gelebt, haben zwei wundervolle Kinder und eine großartige Zeit miteinander verbracht. Wie könnte ich von Scheitern reden? Unsere Beziehung hat sich erfüllt.“ Manchmal erreicht man gemeinsam eine Kreuzung, an der man sich dankbar in die Arme schließt und in unterschiedliche Richtungen davon geht. Mit dem Wissen im Herzen, dass man einander gegeben hat, was zu geben war.

So viele Arten gibt es zu scheitern und jede einzelne macht uns ein Stück weiser. Jeder kleine Umweg, den wir gehen, führt uns auf Wege, die wir anders vielleicht nie gefunden hätten. Oder die wir aus Angst vielleicht nie zu beschreiten gewagt hätten. Mancher Umweg wird uns vielleicht an einer Bank vorbei führen, auf der ein Mensch sitzt, der uns ein Stück des Weges begleitet. Ein anderer wird vielleicht zu einem weiteren Umweg führen. Jeder einzelne aber bringt uns ein Stück näher ans Ziel. Gut, dass wir genug Zeit haben um auch die Blumen am Wegesrand zu bewundern.

Wie geht ihr mit Misserfolgen um? Seht ihr das Scheitern auch als Möglichkeit, Neues zu probieren? Habt ihr vielleicht sogar Tipps, wie es leichter fällt einen Misserfolg positiv zu betrachten? Ich freue mich auf eure Kommentare! 

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Nadine sucht das Glück: Glück ist Verbundenheit

„Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“ Wilhelm von Humboldt, einem Gelehrten und Mitbegründer der heutigen Humboldt Universität, werden diese Worte nachgesagt….

„Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“ Wilhelm von Humboldt, einem Gelehrten und Mitbegründer der heutigen Humboldt Universität, werden diese Worte nachgesagt. Immer wieder höre ich Menschen darüber sprechen, wie wertvoll ihr Leben sei. Dabei sprechen sie weniger über ihr Leben, als über ihren Besitz, ihre Statussymbole, ihre Leistung. Wertvoll ist, wer ein großes Auto fährt, jährliche Prämien im Job kassiert, drei Mal im Jahr in Urlaub fliegt. Wertvoll ist, wer erst spät in der Nacht aus dem Büro kommt und schon im Morgengrauen wieder am Schreibtisch sitzt. Die Leistungsträger und High Potentials sind es, die anscheinend den Maßstab für die Wertigkeiten unserer Gesellschaft, unserer Leben darstellen. Kann das wirklich sein? Ich bin kein High Potential und obwohl mir meine Arbeit Spaß macht, verbringe ich meine Zeit doch lieber draußen in der Sonne. Heißt das, dass ich weniger wert bin? Dass meine Art zu leben nicht wertvoll oder nicht wertvoll genug ist? Ich glaube nicht. Das vergangene Wochenende hat mich wieder einmal in diesem Glauben bestärkt und mir deutlich vor Augen geführt, dass Herr Humboldt ein ausgesprochen weiser Mann war.

Seit knapp neun Jahren lebe ich mittlerweile in Wien, beinahe schon ein Jahrzehnt. In all diesen Jahren hat eine Vielzahl von Menschen meinen Weg gekreuzt und Spuren hinterlassen. Die einen mehr, die anderen weniger. Einer dieser Menschen, der sehr schnell zu einem lieben Freund wurde, hat am vergangenen Freitag seinen dreißigsten Geburtstag gefeiert. Dreißig Jahre sind eine lange Zeit, in der man gewiss viele Bekanntschaften macht. In dreißig Jahren entstehen Freundschaften und Beziehungen, manche davon währen ein Leben lang. So manchen Begleiter verabschiedet man nach einem Stück gemeinsamen Weges, den einen oder anderen trifft man vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder. Bei besagter Geburtstagsfeier sind viele dieser Weggefährten zusammen gekommen um den Gastgeber hochleben zu lassen. Alte Schulfreunde, Arbeitskollegen, Familie und Freunde aus den verschiedensten Kreisen gaben sich ein Stelldichein. Alte Freundschaften wurden belebt, neue Freundschaften geschlossen. Ich habe Menschen getroffen, die ich seit Jahren nicht gesehen habe. Von Veränderungen wurde berichtet, von neuen Plänen und Zielen. Und natürlich wurde in Erinnerungen geschwelgt. „Weißt du noch, damals…“, „Kannst du dich erinnern, wir haben doch früher immer…“, „Ich sehe dich vor mir, als wäre es erst gestern gewesen…“ In all dem Trubel und Gelächter, in all der Wiedersehensfreude wurden jugendliche Schandtaten ausführlichst besprochen, gemeinsame Abenteuer Revue passieren lassen und vor Jahren begonnene Diskussionen weiter geführt. Begleitet von Kopfschütteln und lautem Lachen wurde über lang vergangene Missgeschicke und Entgleisungen philosophiert. „Jetzt, wo wir älter sind, würden wir das wohl nicht mehr so machen.“ Ein Blick auf den verschmitzt grinsenden Sprecher verspricht das Gegenteil. Ganz genau so würde ich alles wieder machen, denn auf keinen Fall möchte ich diese Erinnerungen missen. Nicht eine einzige Geschichte würde ich meinen Enkeln anders erzählen wollen. Kein einziger Witz auf meine Kosten soll unerzählt bleiben. Alles was war, macht uns zu den Menschen, die wir sind. Jede gemeinsame Erinnerung, jedes gemeinsame Erlebnis ist wie ein seidener Faden, der uns verbindet. Die Verbundenheit ist an diesem Abend deutlich zu spüren. Ein Gefühl, als könne man den Mond vom Himmel holen, wenn man nur gemeinsam fest genug am Seil zöge.

Ja, wir sind älter geworden. Erwachsener auf jeden Fall, meistens auch vernünftiger. Viele unserer in jungen Jahren gesteckten Ziele haben wir erreicht, viele auch nicht. Wir werden noch einige mehr erreichen, einige, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können. Viele werden wir nicht erreichen. Zum Teil weil sie mit der Zeit uninteressant geworden sind, zum Teil weil wir sie zu hoch gesteckt haben. Zum Teil vielleicht auch, weil uns die Möglichkeiten fehlen. Und trotzdem werden wir den Wert unserer Leben kennen und uns in dreißig Jahren entspannt zurücklehnen können, wenn die zukünftigen High Potentials die Maßstäbe neu festlegen. Ja, ich bin alt geworden. Gemeinsam mit wundervollen Menschen, deren Fußabdrücke meinen Weg zieren und deren Freundschaft und Verbundenheit meinem Leben so viel mehr Wert geben, als es ohne sie hätte. In diesem Sinne, liebes Geburtstagskind, erwarte ich voller Vorfreude die nächsten dreißig Jahre mit allen Abenteuern, die da kommen mögen. Nur den Mond würde ich gerne am Himmel stehen lassen, die Nacht wäre leer ohne ihn.

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