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Kategorie: Body. Soul.

Hatha Yoga im Prana Yoga-Studio

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich begonnen, regelmäßig einmal pro Woche in eine Yogastunde zu gehen. Obwohl ich es nicht geschafft habe auch zu Hause immer wieder Übungen zu…

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich begonnen, regelmäßig einmal pro Woche in eine Yogastunde zu gehen. Obwohl ich es nicht geschafft habe auch zu Hause immer wieder Übungen zu machen, habe ich gespürt wie gut mir diese eineinhalb Stunden jeden Freitag getan haben. Yoga ist für mich einfach der ideale Ausgleich zum ständigen Sitzen im Büro.

Umso stärke habe ich diese wöchentliche Einheit in der Sommerpause vermisst, wenngleich die brütende Hitze auch nicht wirklich zur Bewegung eingeladen hat. Dafür kam mir die Einladung zum Schnuppern ins Sommeryoga im Prana Yoga-Studio gerade recht.

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Auf der Mariahilferstraße in Wien befindet sich das Prana Yoga-Studio. Hier halten 15 selbstständige Yoga-Lehrerinnen und Yoga-Lehrer ihre Stunden ab. Anfangs war ich angesichts der heißen Temperaturen skeptisch, ob ich mich wirklich im Sommer auf Sport einlassen sollte, da mein Kreislauf darauf auch sehr empfindlich reagiert, aber die vier verschiedenen Trainingsräume sind alle in einem schön renovierten Altbau, wodurch es zu jeder Jahreszeit angenehm temperiert ist.

Warum Semesterkurse?

Bevor ich mich aber auf den Weg nach Wien gemacht habe, hat mich zuerst interessiert: Wie funktioniert das Prana Yoga-Studio eigentlich? In vielen Studios sind die Stunden mit 10er Blocks organisiert. Dies bietet zwar allen Teilnehmern hohe Flexibilität, führt aber auch dazu, dass die Teilnehmer immer wieder variieren und sich die Gruppe nicht kontinuierlich gleich weiter entwickeln kann.

Daher setzt das Prana Yoga-Studio schon seit Jahren auf Semesterkurse. Dabei kann man an Themen dranbleiben und besser auf Wünsche und Bedürfnisse eingehen. Gruppen wachsen zusammen und in einem sicheren Rahmen kann man sich jede Woche neu erfahren und versuchen. Trotzdem kann man in vielen Kursen auch während des Semesters noch einsteigen.

Was ist Sommeryoga?

Wie komme ich dann auf Sommeryoga? Von Juli bis Oktober findet im Prana kein Semesterkurs statt, sondern offene Stunden. Hier kann man entweder einzelne Stunden buchen oder sich einen 5er oder 10er Block zulegen. Der Vorteil ist, dass man hier ganz ohne Verpflichtung gustieren kann, ohne sich bereits für ein ganzes Semester zu verpflichten. Man kann unterschiedliche Kursstufen probieren und auch verschiedene Lehrer. Man kauft also keineswegs die Katze im Sack.

Ich habe mich an eine einführende Stunde bei Dieter herangewagt. Nach längerer Pause habe ich mich richtig gefreut, endlich wieder meine Übungen zu machen und war gleichzeitig sehr gespannt darauf wie denn der Unterricht hier ausfallen wird.

Meine Eindrücke

Im Studio angekommen war ich jedenfalls sehr positiv überrascht. Der Raum war viel größer, als er auf den Bildern ausgesehen hat. Direkt beim Eingang steht ein Schreibtisch, wo wir von Dieter begrüßt wurden, daneben ist ein Bereich mit Stühlen zum umziehen abgetrennt. Der restliche Raum ist mit Yogamatten ausgelegt. Diese Atmosphäre und die angenehmen warmen Rot-, Braun- und Gelbtöne haben mir schon beim hereinkommen geholfen, mich zu erden und den stressigen Tag hinter mir zu lassen.

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Die Stunde selbst war ebenso angenehm, wie auch ein klitzekleines bisschen herausfordernd. Nach ein paar Wochen Abstinenz melden sich doch so manche Muskeln zurück und einige Bänder, die wieder etwas mehr gedehnt werden wollen. Das Schöne an Yoga ist aber, dass es nicht nur Gewaltlosigkeit dem Rest der Welt gegenüber predigt, sondern auch dem eigenen Körper gegenüber. Jeder geht also nur so weit, wie er bereit ist und versucht daran zu wachsen. So habe ich noch Dieters Worte in Erinnerung bei der Position des Baumes: „Entscheidet selbst, welcher Baum ihr heute sein möchtet. Ein eher großer oder kleiner, ist er weit ausladend oder hat er eine Krone auf. Wählt, was für euch heute das Beste ist.“

So vergingen die eineinhalb Stunden im Flug. Gefühlt war für mich erst die Hälfte um, da hieß es bereits es sei Zeit für die Schlussentspannung. Mit einem Lächeln im Gesicht und gefühlte zehn Kilo leichter bin ich dem Prana Yoga-Studio an diesem Abend entschwebt und ich kann jedem, der mit dem Gedanken spielt, Yoga auszuprobieren oder der gerade auf der Suche nach einem passenden Studio ist das Prana Yoga-Studio empfehlen.

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Bikram Yoga: Mein Weg zurück zur Fitness

Ich war nie eine richtige Sportskanone, aber ich habe doch so einige Sportarten betrieben – nicht alle mit durchschlagendem Erfolg, doch immer mit jeder Menge Spaß an der Bewegung. Von…

Ich war nie eine richtige Sportskanone, aber ich habe doch so einige Sportarten betrieben – nicht alle mit durchschlagendem Erfolg, doch immer mit jeder Menge Spaß an der Bewegung. Von Basketball zu Volleyball über Tischtennis bis zu Kung Fu, diversen Yoga-Arten und Klettern haben sich über die Jahre so einige Sportarten angesammelt.

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Dann kam The bird’s new nest und mit diesem Projekt 14-Stunden-Tage, oft sieben Tage die Woche. Natürlich war mir bewusst, dass ständiges Sitzen am Computer ohne entsprechenden Ausgleich nicht gerade gesund ist, aber diese Gedanken wurden von mir erfolgreich ignoriert. Nach zwei Jahren durchgehenden Arbeitens ohne einen Tag Urlaub waren die Folgen meiner mangelnden Bewegung aber doch zu deutlich. Ich hatte einerseits starke Rückenschmerzen, andererseits hatte ich einige Kilos zugelegt, sodass das Anziehen ehemals gut sitzender Jeans jetzt zu einer sportlichen Herausforderung wurde.

Das, was mich aber am meisten beunruhigt hat war, dass die Mobilität meiner linken Körperhälfte auf einmal eingeschränkt war. Nicht verwunderlich, wenn man die Maus immer auf der rechten Seite der Tastatur positioniert hat und deshalb auch ständig etwas schief im Bürostuhl sitzt. Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich den Kopf nicht mehr weit nach links drehen konnte, genauso wie auf einmal die Beweglichkeit meiner linken Hüfte deutlich eingeschränkt war. Einfache Positionen wie der Schneidersitz waren auf einmal wie Akrobatik und ziemlich schmerzhaft. Zu guter Letzt fühlte ich mich durch die ständige Arbeit ohne längere Erholungszeiten auch ziemlich gestresst und unausgeglichen – auch seelisch bekam ich die mangelnde körperliche Bewegung immer mehr zu spüren. Das alles war für mich nun doch ein deutliches Alarmsignal, dass unbedingt wieder regelmäßiger Sport einen Fixplatz in meinem Leben bekommen musste.

Nach diesem Entschluss stand schon die nächste große Frage an: Welche Sportart sollte es denn nun werden? Sie sollte herausfordernd sein, weil ich mir durch meinen vollen Zeitplan nur ein Mal die Woche Zeit nehmen konnte und wollte. Man sollte dazu keine zweite Person brauchen wie beim Klettern, diese zuletzt von mir betriebene Sportart schied aus dem Grund schon aus. Genauso wie Tischtennis und Teamsportarten wie Basketball oder Volleyball. Man sollte aber trotzdem unter anderen Menschen sein, Laufen und Joggen fiel hier aus, außerdem – sorry, liebe passionierte Läufer – habe ich immer wieder versucht, Freude an dieser Sportart zu finden und mich jedes Mal entsetzlich gelangweilt. Der Entspannungseffekt sollte natürlich auch nicht fehlen, hier schied nun Kung Fu aus – hohe Kicks und Flugrollen sind zwar cool, aber definitiv nicht entspannend. Bleibt… Yoga. Doch die Yoga-Arten, die ich bis jetzt gemacht habe – Hatha und Kundalini – waren mir nicht herausfordernd genug. Bis auf… Bikram Yoga!

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Bikram Yoga, auch Hot Yoga genannt, ist eine Serie von 26 Yoga- und zwei Atemübungen, die in einem rund 40 Grad warmen Raum praktiziert werden. Jede Einheit dauert 90 Minuten. Also im Prinzip die perfekte Mischung. Durch die hohe Raumtemperatur ist Bikram Yoga auf jeden Fall eine Herausforderung. Man benötigt keine zweite Person oder sogar ein ganzes Team, aber man ist trotzdem unter Menschen. Die Hitze ist für mich aber nicht nur eine Herausforderung, sondern wirkt auf mich sehr entspannend. Kaum an einem anderen Ort komme ich so gut zur Ruhe wie in der Sauna, im Sommer im Freien liegend oder eben beim Hot Yoga. Und noch etwas sprach für Bikram Yoga – vor einiger Zeit hat in meiner Nähe Bikram Yoga Wien Süd eröffnet. Also alles klar, oder?

Leider waren die Anlaufschwierigkeiten doch grösser als gedacht. Denn eigentlich wollte ich im Zuge meines Neujahrsvorsatzes, wieder Sport zu machen, schon im Januar erneut mit Bikram Yoga anfangen. Aber natürlich gab es immer einen guten Grund, nicht zu beginnen. Zu viel zu tun die eine Woche, sich nicht motiviert fühlen in der nächsten. Und außerdem: Bikram Yoga war schon ziemlich anstrengend, schaffe ich das überhaupt nach über zwei Jahren kompletter Sportabstinenz? Zu meinem Wiedereinstieg brachte mich dann nicht meine überragende Disziplin, sondern die Tatsache, dass mein Gutschein für fünf Einheiten in besagtem Studio am Verfallen war. Nun, besser so als gar nicht.

Meine Befürchtungen betreffend der ersten Wiedereinstiegs-Einheit waren tatsächlich völlig unbegründet. Die 90 Minuten waren zwar sehr anstrengend, aber trotz meiner langen Pause waren manche Asanas für mich leichter als ich es in Erinnerung hatte. Außerdem hatte ich meine Wasserflasche vergessen und habe mich spontan dazu entschlossen, kein Wasser zu kaufen, sondern es einfach ohne zu probieren. Auch das funktionierte ohne Probleme, seitdem verzichte ich komplett auf Wasser während der Einheiten. Dass ich schon lange keinen Sport mehr gemacht hatte, bekam ich aber direkt nach dem Yoga zu spüren. Ich war so müde und erschöpft, als hätte ich fünf Stunden Bikram Yoga gemacht, aber es fühlte sich unglaublich gut an. Danach war ich aber zu nichts anderem mehr fähig, als mich in die heiße Badewanne zu legen. Und dann ging es nur noch am kürzesten Weg ab ins Bett.

Der Muskelkater am nächsten Tag war ebenfalls viel weniger schlimm als gedacht, auch hier war es eher ein gutes Gefühl, endlich wieder genug Bewegung gemacht zu haben, um überhaupt etwas Muskelkater zu bekommen. Nach dieser ersten Einheit trug ich mir die restlichen vier Mal Bikram Yoga für jede Woche fix in den Kalender ein. Nach den fünf Einheiten Bikram Yoga waren meine Rückenschmerzen tatsächlich verschwunden. Meine Immobilität auf der linken Seite war zwar nicht weg, aber ich merkte eine leichte Verbesserung. Und ich fühlte mich definitiv ausgeglichener und weniger gestresst. Deshalb war für mich absolut klar: Ich mache weiter!

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Nach rund zehn Einheiten hat sich mittlerweile auch meine Figur deutlich gestrafft und meine Jeans sitzen wieder besser. Ich fühle mich fitter und freue mich über die schon so früh eingetretenen positiven Effekte. Außerdem habe ich durch Bikram Yoga immer wieder interessante Erkenntnisse. Wie zum Beispiel dass ich für mich schwierige Asanas nicht schaffe, wenn ich Angst davor habe oder denke, dass ich die Position nicht gut halten kann. Als Experiment habe ich mir kürzlich vor der für mich schwierigsten Position, der Camel Pose – siehe Bild – gesagt: „Ich probiere die Asana einfach, es wird schon irgendwie gehen.“ Und auf einmal war die Position kein so großes Problem mehr. Meine Erkenntnis: Man kann sich Erfolg oder Probleme einfach her- oder auch wegdenken. Die eigene Einstellung zu einer Sache ist das wesentlichste Kriterium.

Habt ihr Fragen zu Bikram Yoga? Stellt sie einfach in den Kommentaren!

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Detox – Der Hype in Lifestyle- und Bloggersphären

Detox scheint in aller Munde. Doch Wissenschaftler kritisieren jetzt: Alles totaler Schwachsinn! Was steckt dahinter? Ist es wirklich so gut, wie jeder schreibt und braucht unser Körper diese Entgiftung? Übersetzt bedeutet…

Detox scheint in aller Munde. Doch Wissenschaftler kritisieren jetzt: Alles totaler Schwachsinn! Was steckt dahinter? Ist es wirklich so gut, wie jeder schreibt und braucht unser Körper diese Entgiftung?

Übersetzt bedeutet Detox so viel wie Entgiftung. Prinzipiell geht dem Detox-Verfahren der Gedanke voraus, dass unser Körper sich mit den Lebensmitteln, welche wir verzehren, in Verbindung mit einem ungesunden Lebensstil, vergiftet. Die sogenannte Schlacke, voll mit Giftstoffen, bleibt in unserem Körper zurück und kann nur durch eine Detox-Kur entfernt werden.

Bei Detox nimmt man für zwei bis sieben Tage keine feste Nahrung zu sich und stillt seinen Hunger untertags mit Smoothies und Suppen. Die Smoothies lassen sich einfach selber herstellen, mittlerweile gibt es aber auch spezielle Detox-Smoothies, die man sich portionsweise direkt nach Hause liefern lassen kann. Die Kur wird durch viel Flüssigkeit, wie Wasser und ungesüßte Tees, unterstützt. Intensiven Sport sollte man meiden, lange Spaziergänge hingegen sind erwünscht. Auch Entspannungssport wie Yoga wird empfohlen. Durch lange Schlafphasen entspannt sich der Körper und tankt Energie, die er durch das Entgiften verliert. In den ersten Tagen bemerkt man einige Nebenwirkungen, wie permanente Kopfschmerzen und starke Müdigkeit, die Zeichen der aktiven Entgiftung sind.

Viele Detox-Anwender sind dem Irrglauben verfallen, dass Detox eine tolle Methode zum Abnehmen ist. In der Tat verliert man innerhalb kurzer Zeit viel Gewicht, da man täglich nur ungefähr 400 Kilokalorien zu sich nimmt. Doch nach der Detox-Diät setzt unwillkürlich der Jojo-Effekt ein und lässt die Kilos wieder wachsen. Auf Dauer gesehen doch keine gute Variante, um den Vanillekipferln von Weihnachten adé zu sagen.

Anfänglich sollte dies ein Bericht über einen Detox-Selbstversuch sein, doch nach den Kritiken seitens der Wissenschaft, wird sich mein Körper, speziell meine Organe, weiterhin selbst um die Entgiftung kümmern müssen. Prinzipiell meint die Wissenschaft, dass sich unser Körper mit Hilfe der Organe selbst reinigt. Der gesunde Körper sollte keine Detox-Kur brauchen, um etwaige Schlacken abzubauen. Sollte der Körper nicht mehr imstande sein, sich selbst zu entgiften, dann hilft ihm auch keine Detox-Kur mehr. Im Prinzip ist Detox nichts anderes als Heilfasten und hilft dem geistigen und psychischen Körperempfinden. Gesundheitliche Probleme oder falsche Ernährungsgewohnheiten werden dadurch aber nicht verbessert. Nach einer Studie von „Sense About Science“ sind Produkte mit der Kennzeichnung „Detox“ reine Geldverschwendung und verbessern alleinig die Wirtschaft. Eine Untersuchung hat ergeben, dass fast alle untersuchten Detox-Produkte wirkungslos sind.

Die einzelnen Aspekte der Detox-Diät sind in der Tat gesund für den Körper. Fasten hilft beispielsweise, unseren Körper besser wahrzunehmen und das geistige Wohlbefinden zu steigern. Flüssigkeiten sollten immer in ausreichender Menge dem Körper zugeführt werden. Sportliche Aktivitäten runden einen gesunden Lebensstil ab. Durch das Trinken von Smoothies werden dem Körper viele Vitamine und Ballaststoffe zugeführt, die den Hunger stillen und zu einer Gewichtsabnahme führen können.

Prinzipiell solltet ihr, wenn ihr euch einer Fastenkur oder Ernährungsumstellung unterzieht, darauf achten, wie es euch damit geht. Beobachtet die Signale eures Körpers und ihr werdet merken, ob ihr euch gesünder und wohler fühlt. Definiert euer eigenes Konzept, mit dem ihr gut auskommt, denn nur ihr alleine wisst, wann es eurem Körper gut geht.

 

Quellen:
http://www.dge.de/presse/pm/blitzdiaeten-bleiben-ohne-dauerhaften-erfolg/
http://www.senseaboutscience.org/pages/debunking-detox.html

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Sonntagslektüre: Nimm dir Zeit für Gutes

Empfehlungen für kritische Leseratten Zu Beginn des neuen Jahres möchte ich den Ernährungsratgeber “Peace Food“ von Rüdiger Dahlke vorstellen. Vergangenen Monat habt ihr bereits sein Kochbuch mit dem gleichen Titel…

Empfehlungen für kritische Leseratten

Zu Beginn des neuen Jahres möchte ich den Ernährungsratgeber “Peace Food“ von Rüdiger Dahlke vorstellen. Vergangenen Monat habt ihr bereits sein Kochbuch mit dem gleichen Titel in meiner Kolumne kennengelernt. Informationen zum Autor und über das Konzept von „Peace Food“ finden sich ebenfalls im letzten Kolumnenbeitrag. „Peace Food“ ist 2013 im Gräfe und Unzer Verlag erschienen, ich bekam es als Geschenk von meinem Vater. Die essentielle Botschaft des Autors ist, dass Fleisch und Milchprodukte uns krank machen. Der heilsame Weg findet sich leicht in einer Ernährungsumstellung auf rein pflanzliche, vollwertige Kost. Dadurch bekommt der Körper alles, um körperlich und seelisch in Balance zu kommen.

Die „China Study“

Das Fundament zu dieser These liefert eine wissenschaftliche Studie von T. Colin Campbell. Die „China Study“ besagt: Je weniger tierisches Protein und Kasein ein Mensch zu sich nimmt, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit für eine der folgenden Krankheiten: Krebs, Diabetes, Herz-Kreislaufkrankheiten, Fettleibigkeit, Autoimmunerkrankungen, Osteoporose oder degenerative Gehirnerkrankungen. Stattdessen sollen Antioxidantien in ausreichendem Maß aufgenommen werden. Von verarbeiteten Lebensmitteln und raffinierten Kohlehydraten (Zucker oder Mehl) wird ebenso abgeraten.

Gleich zu Beginn wird auf die Fehler unseres Gesundheitssystems hingewiesen. Mediziner, Pharmazeuten und ähnliche Berufe profitieren von Krankheit. Am gesunden Menschen ist leider nichts zu verdienen. Nicht zuletzt deshalb sind auch viele Dinge rund um gesunde Ernährung wenigen Menschen bekannt und es kursieren viele Halbwahrheiten. Eine davon ist, dass der Mensch durch Milch seine Kalziumspeicher auffüllt – das Gegenteil ist der Fall.

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Milch

In diesem Kapitel von „Peace Food“ wird erklärt, warum durch hohen Milchkonsum eine Übersäuerung des Körpers stattfindet. „70 Prozent der Knochenbrüche sind dem hohen Konsum von tierischem Eiweiß zuzuschreiben. Dieses erhöht den Säuregrad des Gewebes wie wenig anderes, und der Organismus muss diese Säure wieder neutralisieren, wozu er Kalzium aus den Knochen verwendet, was in der Konsequenz die Kalziumausscheidung im Urin erhöht.“ In Folge von schwachen Knochen kann Osteoporose entstehen.

Wer sich mit dem Thema Milch mehr auseinandersetzten möchte, dem kann ich diesen Kurzfilm empfehlen. Ich bevorzuge die Schulversion des Videos, denn sie bringt das Wichtigste auf den Punkt. Außerdem kommt sie gänzlich ohne Horrorszenen aus. Somit ist sie gut für Kinder und sensible Menschen geeignet.

Gewichtsreduktion

Trendartige Fettleibigkeit ist laut Dahlke auf große Mengen von raffinierten Kohlenhydraten, tierischen Protein und Fett zurückzuführen. Durch die beschriebene Ernährungsweise fällt es leicht, „sein Gewicht“ zu finden und auch zu halten. Dementsprechend verlieren Menschen mit deutlichem Übergewicht schnell Kilos und Schlanke wiederum bleiben nahezu unverändert. Unabdinglich ist natürlich die Aufnahme von vollwertigen, pflanzlichen Lebensmitteln. Zusätzlich fordert diese Kost unseren Organismus mehr als eiweiß- und fettreiche. Sie regt den Stoffwechsel und ebenso unseren Bewegungsdrang an. Man fühlt sich vitaler und lebendiger, was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert, am Ende eines jeden ist das Wichtigste kurz zusammen gefasst. Außerdem sind darin 30 vegane Rezepte von Dorothea Neumayr enthalten. Neben einer Anleitung für „Gefüllte Kohlrabi“ kann man zum Beispiel auch „Pochierte Birnen mit Mandelschaum und Veilchenblüten“ nach kochen.

Ich hab das Buch mit Freude verschlungen. Man merkt, dass der Autor voll und ganz hinter seinen Aussagen steht. Die aufgestellten Behauptungen basieren auf wissenschaftlichem Hintergrund. Das Leid der Tiere wird auf nüchterne Art und Weise beschrieben – emotionslos und ungeschminkt. Allerdings bekommt Dahlke auch viel Kritik zu spüren – auch aus den eigenen Reihen. Er wird mit vielen Vorwürfen konfrontiert, seine Behauptungen werden in Frage gestellt. Nichtsdestotrotz kann ich es nur weiterempfehlen. Denn durch das Lesen dieses Buches wurde ich in meinem eingeschlagenen Weg einer pflanzlichen Ernährung bestärkt und bekam neuen Mut.

Was haltet ihr von Rüdiger Dahlke? Findet ihr die Kritik berechtigt oder befürwortet ihr ihn, da er sich letztendlich für eine gute Sache einsetzt?

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Achtsamkeit – Eine Einführung

Stress und Hektik gehören in unserer Gesellschaft zur ganz normalen Tagesordnung und so ziemlich jeder hat das Gefühl, er oder sie habe zu wenig Zeit. Schon lange rät das lateinische…

Stress und Hektik gehören in unserer Gesellschaft zur ganz normalen Tagesordnung und so ziemlich jeder hat das Gefühl, er oder sie habe zu wenig Zeit. Schon lange rät das lateinische Lebensmotto „Carpe diem“ – Genieße den Tag! – oder in neuerer Zeit „YOLO!“ – You only live once! Doch irgendwie fällt es uns trotzdem immer so schwer, dies auch zu tun.

Ständig hetzen wir den Häkchen unserer To-Do-Liste hinterher oder vertrösten uns auf die Zeit nach dem Studium, nach diesem Arbeitsauftrag, nach dieser stressigen Phase. Und als wenn das nicht genug wäre, ist da dann immer noch diese Stimme in unserem Kopf, die meint, das alles kommentieren zu müssen: „Das ist nicht gut genug.“, „Ich habe heute schon wieder zu wenig getan.“, „Die anderen sind besser als ich.“, „Mein Leben ist doof.“, „Ich werde die Deadline für mein Projekt nicht einhalten können.“. Während wir unseren Fehlern aus der Vergangenheit nachhängen oder uns mit Wünschen und Sorgen über die Zukunft beschäftigen, vergessen wir das Hier und Jetzt. Der einzige Moment, in dem das Leben wirklich stattfindet.

Achtsamkeit (oder auf Englisch Mindfulness) kann uns helfen, wieder zum jetzigen Moment zurück zu finden. Achtsamkeit bedeutet, die Aufmerksamkeit offen und ohne Urteil auf das Hier und Jetzt zu richten und einfach zu sein. Das klingt eigentlich relativ simpel, aber unser Geist ist es gewöhnt, ständig auf Autopilot zu schalten und sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Besonders in unserer heutigen Zeit, in der wir mit Smartphones überall erreichbar und online sind und alles beschleunigt wird, fällt es besonders schwer, einfach zu sein. Zahlreiche Studien zeigen, dass Achtsamkeit sehr effektiv negative Emotionen und Angst reduzieren kann und gleichzeitig unser Wohlbefinden und unseren Umgang mit Stress verbessern kann.

Wie wir achtsamer werden

Achtsamkeit ist wie ein Muskel. Je öfter wir ihn trainieren, desto stärker wird er. Ebenso wie man seine Bauchmuskeln durch verschiedene Übungen stärken kann, kann Achtsamkeit auf verschiedene Weisen kultiviert werden. Achtsamkeit kann aktiv durch Meditation geübt werden, aber auch im ganz normalen Alltag. Probiert beispielsweise einmal, euch ganz bewusst die Zähne zu putzen. Zu spüren, wie die Bürste auf der Oberfläche der Zähne schrubbt, der Geschmack der Zahnpasta, das Geräusch des Zähneputzens.

Meditation

Beim Meditieren geht es nicht darum, einen bestimmten Zustand erlangen zu wollen oder entspannter zu werden. Es geht einfach nur darum, das was ist, anzunehmen und damit zu sein. Die Atmung ist dabei ein sehr hilfreicher Anker um stets ins Hier und Jetzt zurückzufinden. Achtsamkeit ist eine Praxis, die durch verschiedene Mechanismen das Wohlbefinden erhöhen kann. Für mich ist Achtsamkeit mittlerweile der Schlüssel für jede Lebenssituation.

Vier Mechanismen der Achtsamkeit

Ein Aspekt der Achtsamkeit ist das Beobachten. Durch das bloße Observieren des eigenen Körpers, der Gefühle, Gedanken und Umgebung, kann man oft ein klareres Verständnis für sich selbst entwickeln. So kann man beispielsweise besser erkennen, was bestimmte körperliche Regungen bedeuten und was für Emotionen bestimmte Situationen in einem hervorrufen. Dieses Bewusstsein kann einem helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Ein weiterer Teil der Achtsamkeit ist Akzeptanz. Bei diesem Aspekt geht es darum, das was ist, anzunehmen. Vielleicht möchtest du einmal kurz die Augen schließen und in dich hinein horchen. Was fühlst du? Spürst du irgendwo Schmerzen, Kälte, Wärme? Fühlst du dich gut oder vielleicht gestresst, ängstlich, oder spürst du vielleicht gar nicht so viel? Probiere, wie es sich anfühlt, wie es wäre, wenn das, was auch immer du fühlst, einfach okay ist. Es darf da sein. Achtsamkeit ist das Gefühl, dass man selbst okay ist und dass man auch negative Gefühle umarmen kann. Ein häufiges Missverständnis ist der Glaube, dass Akzeptanz bedeutet, man solle nichts in seinem Leben ändern und tatenlos Schmerz ertragen. Darum geht es nicht. Es geht vielmehr darum, die Erfahrung, die man in diesem Moment hat, erst einmal zu akzeptieren und zu erlauben. Das verschafft Ruhe und Gelassenheit. Aus dieser Akzeptanz heraus kann man dann leichter handeln und Dinge ändern. Wenn ich beispielsweise Angst davor habe, einen Raum mit vielen Menschen zu betreten, dann ist es vollkommen okay, dass ich Angst habe. Ich muss mich dafür nicht verurteilen und kann diese Angst umarmen. Aber weil ich mich nicht von meiner Angst bestimmen lassen möchte, werde ich trotzdem den Raum betreten und mit milder Aufmerksamkeit beobachten, wie ich mich fühle und was ich wahrnehme. Durch Akzeptanz kann man seine automatische Reaktionen auf das Leben verhindern und vielmehr proaktiv das eigene Handeln mit Bewusstsein und im Einklang mit seinen Werten gestalten.

Der dritte Mechanismus, das Nicht-Urteilen hängt mit der Akzeptanz zusammen. Kann ich meine Erfahrung und andere Menschen, so wie sie sind, annehmen? Wir haben die Tendenz, alles mit einem Label zu versehen und Dinge zu bewerten. Dieses ist schlecht, jenes ist gut. Urteile beschränken unsere Wahrnehmung. Aber was ist, wenn ich erkennen kann, dass meine Gedanken, andere Menschen, die Dinge und ich selbst einfach sind – ohne zu werten? Wir neigen dazu, schöne Zustände herbei zu wünschen und an ihnen festhalten zu wollen. Gleichzeitig wollen wir unangenehme Zustände so schnell wie möglich loswerden. Doch was ist, wenn ich erkenne, dass das Leben ein ständiger Wandel ist? Wenn ich merke, dass ich mich nicht ständig gut fühlen kann und wenn ich weiß, dass auch diese depressive Verstimmung wieder vorbei gehen wird?

Durch Achtsamkeit merkt man, dass hinter der unmittelbaren Erfahrung noch jemand steht, der das alles merkt und sieht. Eine Art Meta-Bewusstsein, das uns helfen kann, besser los zu lassen, weniger zu urteilen, mehr zu genießen und weniger Stress zu haben. Dies ist der vierte Aspekt, die Nicht-Identifikation. Durch dieses Bewusstsein wird es mir möglich, mich nicht mehr vollständig über meine Gefühlswelt zu identifizieren. Es gibt einen Teil in mir, der Angst hat und einen Teil in mir der diese Angst beobachtet. Ich merke, dass ich mehr bin als meine Angst und meine Gedanken.

Der Einstieg in die Achtsamkeitspraxis

Ihr könnt damit beginnen, euch achtsam die Zähne zu putzen. Der Muskel kann auf verschiedene Weisen trainiert werden. Jeder Schritt in der Gegenwart ist ein Schritt, durch den wir tief mit dem Leben verbunden sind.

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Sonntagslektüre: Nimm dir Zeit für Gutes

Empfehlungen für kritische Leseratten Zum Jahresabschluss der Kolumne stelle ich das vegane Kochbuch von Rüdiger Dahlke „Peace Food“ vor. Ich bekam anlässlich meines Geburtstages im Frühjahr ein Exemplar geschenkt und habe…

Empfehlungen für kritische Leseratten

Zum Jahresabschluss der Kolumne stelle ich das vegane Kochbuch von Rüdiger Dahlke „Peace Food“ vor. Ich bekam anlässlich meines Geburtstages im Frühjahr ein Exemplar geschenkt und habe seither gut ein Drittel der darin beschriebenen Speisen ausprobiert. Offen gestanden bin ich keine sonderliche Freundin von Kochbüchern, meistens landen diverse Hirngespinste auf Basis des Kühlschrank-Inhaltes auf meinem Teller. Da mir aber die Aufmachung des besagten Stücks gut gefällt, hole ich mir gerne Anregungen und koche Rezepte nach.

Aufbau und Inhalt

Das Buch beinhaltet eine ausführliche Einführung, Kochanleitungen für vegane Kleinigkeiten, Peace Food für jeden Tag und die Kapitel „Kochen für Freunde“ und „Vegan & Süß“. Außerdem finden sich im Anhang eine Austauschtabelle veganer Alternativen und eine Vorstellung der RezeptautorInnen. Im ersten Teil wird das „Peace Food“-Konzept erklärt, mit dem Soja-Mythos aufgeräumt und viel Hintergrundwissen zu Gesundheits- und Ernährungsaspekten vermittelt.
Wusstet ihr beispielsweise, dass das Vitamin-B12 von Bakterien produziert wird, die auf den Oberflächen von Feld- und anderen Früchten gedeihen? Somit ist man reichlich versorgt, wenn man in seinem Garten biologischen Eigenanbau betreibt. Man muss die Ernte kaum waschen, wodurch die Vitamine erhalten bleiben.

Was ist Peace Food?

Das Konzept des Peace Food – also Friedensessens – basiert auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, die das Weglassen allen Tierproteins und -fettes aus gesundheitlichen Gründen empfehlen. Im Unterschied zur veganen Lebensweise wird Honig befürwortet. Laut der Homepage von Peace Food macht diese Lebensweise gesund, vital, glücklich, lebendig und friedvoll. Ein Blick auf die Seite lohnt sich. Man kann nachlesen, warum uns Fleisch und Milchprodukte krank machen. Es finden sich dort Studien, ein Restaurantführer und informative Videos. Rüdiger Dahlke ist Arzt, Psychotherapeut und Verfasser zahlreicher Bücher zum Thema Krankheitsdeutung und Heilung, sowie Krisenbewältigung und Ernährung. Dem hervorragenden Bestseller „Peace Food – Wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt“ werde ich mich im nächsten Kolumnenbeitrag widmen.

In der Südsteiermark hat Dahlke das Gesundheitsressort TamanGa geschaffen. „Taman“ bedeutet Garten auf Bali und „Ga“ steht für Gamlitz, den Ort. Auf der Anlage werden Seminare zum Thema Fasten, Gesundheit und Ernährung angeboten. Ein großer Biogarten, Schwimmteiche und vieles mehr laden ein, dort zu verweilen.

Rezepte

Neben den Klassikern der pflanzlichen Kost wie Hummus und Soja-Gemüse-Schnitzel finden sich auch einige außergewöhnliche Rezepte. Hierzu gehören meiner Meinung nach die Rote-Beete-Karotten-Suppe mit Sesam oder die gefüllten Riesenchampignons. Mein derzeitiger Favorit ist der Alt-Wiener-Krautstrudel mit Paprikasoße, den gab es erst letzte Woche bei uns. Wir schwärmen noch immer davon. Ich finde, Weißkraut wird sowieso unterschätzt, gerade in dieser Jahreszeit bietet es sich für schmackhafte Gerichte an.

Gleich auf den ersten Seiten sprang mir folgendes Zitat ins Auge, das ich euch nicht länger vorenthalten möchte: „Die schlechte Nachricht ist: Das Leben vergeht wie im Flug. Die gute ist: Du bist der Pilot.“

Habt Ihr schon einmal von Peace Food oder Rüdiger Dahlke gehört? Wenn nein, dann gibt es in der nächsten Ausgabe mehr davon.

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Depression – Wenn man des Lebens überdrüssig ist

Der Wecker klingelt und sogleich drängen sich die immer wiederkehrenden Gedanken auf: Wozu das alles? Wieso soll ich aufstehen und mich wieder mal durch meinen Alltag quälen? Aber es ist…

Der Wecker klingelt und sogleich drängen sich die immer wiederkehrenden Gedanken auf: Wozu das alles? Wieso soll ich aufstehen und mich wieder mal durch meinen Alltag quälen? Aber es ist nicht nur die Angst vor dem Bevorstehenden, die mir die Kraft nimmt, aufzustehen. Kraft ist tendenziell ohnehin nicht vorhanden. Duschen, Zähne putzen, ankleiden – ein einziger Kampf, gegen den sich Körper und Geist sträuben. Alles ist anstrengend, sinnlos. Zur Schule fahren, lernen, Hausaufgaben – die Liste wird immer länger. Es fühlt sich an als würde dieses Leben mich bekämpfen und in die Knie zwingen wollen. Es ist ein Kampf zwischen Funktionieren-wollen und Nicht-mehr-funktionieren-können. Etwas anderes scheint dieses Leben nicht mehr darzustellen: Auf Roboterbeinen schreite ich durch dieses Leben und bin dieser Welt irgendwie nicht mehr zugehörig. Als wäre alles Glück aus meinem Leben verschwunden, aus meiner Vergangenheit, meiner Gegenwart und meiner Zukunft. Hoffnung, dass es wieder anders sein wird, gibt es nicht. Ich bin gefangen in mir selbst, mein Herz ist Gefangener eines Rippenkäfigs.

Etwa bei vier bis fünf Millionen Menschen in Deutschland sind diese Gefühle ein täglicher Begleiter, denn sie leiden an Depressionen. Damit liegt die Depression auf dem ersten Platz der psychischen Erkrankungen, auf dem vierten Platz aller körperlichen Gebrechen und hat sich nunmehr als deutsche Volkskrankheit herauskristallisiert. Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, unbesiegbarer Trübsinn – ein Krankheitsbild, das nicht selten in den Freitod führt. Etwa 9.000 Menschen in Deutschland versterben jährlich durch Suizid. Die Tendenz geht leider nach oben. Aber wie entsteht eine Depression, wie wird sie entdeckt und behandelt und wie geht man als Angehöriger am besten mit dem Erkrankten um?

Ursachen einer Depression

Zunächst gilt es die Frage zu klären, wieso vor allem Menschen, welche in Industriestaaten leben, unter Depressionen leiden. Ein Grund, der sofort ins Auge sticht, ist der oft überwältigende Leistungsdruck. In der Grundschule beginnt die Nutzbarmachung des Menschen. Man wird aufgrund seiner erbrachten Leistung bewertet und kategorisiert. Lehrer machen sich innerhalb von vier Jahren ein Bild von ihren Schülerinnen und Schülern und erteilen in vielen deutschen Bundesländern Empfehlungen für weiterführende Schulen. Dort nimmt der Druck zu, denn natürlich ist eine gute Zukunft nur durch gute Noten und ein möglichst weites Voranschreiten in der Schullaufbahn sicherzustellen. Es folgt die Ausbildung oder das Studium und egal, welchen Weg man einschlägt, man wird überhäuft von Aufgaben, Anforderungen, Ansprüchen…

Unter Berücksichtigung dessen, dass es viele Menschen gibt, die feinfühlig auf eben jene Dinge reagieren, ist es nicht verwunderlich, dass diese im Laufe ihres Lebens an Depressionen oder Burn-Out erkranken. Dies beschäftigt uns von The bird’s new nest auch aus der Perspektive der Nachhaltigkeit. Denn Nachhaltigkeit ist nicht nur für die Umwelt von Wichtigkeit – auch wir Menschen müssen langfristig vertretbare Wege für uns selbst wählen: Unsere Entscheidungen, unser Beruf, unsere Lebensweise. Wenn man in seinem Leben an einer Depression erkrankt, dann wird man ganz automatisch mit dem Hinterfragen seines bisherigen Lebensweges konfrontiert: Habe ich die richtigen Entscheidungen getroffen? Habe ich nachhaltig gehandelt, das heißt bedacht auf meine eigene Zukunft? Daneben sind die Ursachen jeder einzelnen Erkrankung genauso individuell wie der Mensch selbst, der erkrankt ist.

In der psychologischen Medizin unterscheidet man zwischen endogenen, organischen, neurotischen sowie reaktiven Depressionen:

Endogene Depressionen
Diese Art der Depression ist auf den Hirnstoffwechsel zurückzuführen, beziehungsweise auf dessen Fehlfunktion. Die Funktion des Gehirns und damit des gesamten Körpers wird durch viele Hormone sichergestellt. Kleinste Veränderungen dieses Stoffwechsels können große Konsequenzen nach sich ziehen. Wenn beispielsweise der Stoff Serotonin nicht in ausreichendem Maße im Gehirn vorhanden ist, kann eine Depression die Folge sein.

Organische Depressionen
Wie der Name vermuten lässt, wurzelt diese Art in der Fehlfunktion eines Organs, meistens der Schilddrüse. Bei organischen Veränderungen ist der gesamte Organismus betroffen. Im Falle einer Fehlfunktion der Schilddrüse hat dies vor allem große Auswirkungen auf das Gemüt, da diese wichtige Hormone für den Körper absondert. So sind gängige Nebenwirkungen einer Schilddrüsenüber- oder unterfunktion sowie der Hashimoto-Erkrankung die Erkrankung an einer Depression.

Neurotische Depressionen
Es ist heute ausreichend bekannt, dass vor allem die frühkindliche Beziehung zu den Eltern von prägender Wichtigkeit ist. Wenn sich diese Beziehungen jedoch schädlich auf das Kind auswirken, indem es Verhaltensweisen lernt, die für die Psyche nicht förderlich sind, dann werden sich diese auch noch im Erwachsenenalter langfristig auf den Menschen auswirken. Beispielsweise in Mustern von Beziehungsängsten, Verlustängsten oder schwachem Selbstwertgefühl. Nicht selten erkranken besagte Menschen an einer Depression, in diesem Fall an einer neurotischen Depression.

Reaktive Depressionen
Hierbei äußert sich die Krankheit Depression als Reaktion auf akute Lebenssituationen. Dies kann eine Scheidung, der Verlust des Arbeitsplatzes, Tod im Familienkreis oder auch ein Autounfall sein.

Die Art, beziehungsweise Ursache, einer Depression lässt sich jedoch nicht eindeutig bestimmen. In den meisten Fällen treten Mischformen der oben genannten Formen auf. Außerdem ist es bisher nicht möglich, eine Depression mittels labortechnischen Untersuchungen festzustellen, sodass die Diagnostik allein durch die Kommunikation zwischen Patient und Therapeut erfolgt.

Ich glaube, ich habe eine Depression – Was soll ich jetzt tun?

Auch hier führt, wie bei jeder anderen Krankheit, der erste Weg zum Hausarzt. Dieser kann Informationen über ortsansässige Psychiater, Neurologen und Psychotherapeuten geben eine Überweisung ausschreiben. Als nächster Schritt ist es ratsam, einen Psychiater oder Neurologen zu konsultieren. Ob es vonnöten ist, Medikamente – so genannte Antidepressiva – zu verschreiben, wird man nur hier feststellen können. Je nachdem, wo die Depression herrührt, sollte man außerdem den Weg zum Psychotherapeuten nicht scheuen. Hier gilt es allerdings zu erwähnen, dass Therapieplätze äußerst rar sind, sodass Wartezeiten von sechs bis zwölf Monaten keine Seltenheit sind. Allerdings gibt es die Möglichkeit, sich eine Kostenrückerstattung einzuholen, sofern man seiner Krankenkasse nachweisen kann, dass in seinem Ort keine freien Therapieplätze zur Verfügung stehen. Es lohnt sich, hierzu bei der zuständigen Krankenkasse zu recherchieren.

Da es für eine psychotherapeutische Behandlung sehr wichtig ist, dass man offen sprechen kann und eben auch solche Dinge detailliert analysiert, welche einem selbst eventuell unangenehm sind, werden einem als Patient von seiner Krankenkasse fünf Kennenlernstunden zugesichert. Dies bedeutet, dass man bei jedem Psychotherapeuten eine Zeit von fünf Sitzungen hat, um festzustellen, ob dieser den eigenen Vorstellungen entspricht und man sich vorstellen kann, mit diesem an seinen Problemen zu arbeiten. Hierfür ist nicht nur Vertrauen wichtig, sondern eben auch, dass die Chemie stimmt.

Wie gehe ich mit jemandem um, der Depressionen hat?

Für Angehörige ist es wichtig, zu wissen, dass die Veränderungen ihres geliebten Menschen, welche sie in der vergangenen Zeit bemerkt haben, Symptome der Krankheit sind. Viele Depressive ziehen sich zurück und isolieren sich vollkommen von Bekannten, Freunden und Familienangehörigen. Das ist nicht darauf zurückzuführen, dass sie kein Interesse mehr an der Pflege ihrer Kontakte haben, sondern einzig und allein darauf, dass ihnen durch ihre Depression dazu die Kraft fehlt. Ein depressiver Mensch kämpft tagein, tagaus gegen sich selbst, seinen Alltag, seine Perspektivlosikeit und sein ganzes Leben an, das ist äußerst kräftezehrend. Damit geht einher, dass er für alle Dinge, die ihm immer Spaß bereitet haben, weder Kraft noch Freude aufzubringen vermag.

Als Angehöriger sollte man wissen, dass man alleine nichts gegen diese Krankheit tun kann. Sie gehört in fachliche Hände! Unterstützung bieten kann man dennoch, beispielsweise indem man zeigt, dass der Erkrankte sich seiner Freunde und Familie sicher sein kann, dass er auch in schweren Zeiten nicht alleine sein wird. Bei gut gemeinten Ratschlägen sollte man sich bewusst sein, dass ein Mensch, welcher gerade eine Depression durchmacht, sie weder anerkennen noch umsetzen können wird.

Nicht selten bekommen Angehörige das Gefühl, dass sie selbst Unterstützung brauchen, weil sie nicht wissen, wie sie mit dem Erkrankten umgehen sollen. In diesem Fall wäre es eine Überlegung wert, eine Gruppe für Angehörige von psychisch Erkrankten aufzusuchen. Hier steht der Austausch über den Umgang mit Erkrankten und der Erkrankung im Mittelpunkt und man kann seine Probleme und Bedenken äußern und darauf konstruktive Hilfestellung von Gleichgesinnten erfahren.

3 Kommentare zu Depression – Wenn man des Lebens überdrüssig ist

Hoch die Tassen! Menstruationstassen im Test

Erst kürzlich berichtete euch Yvonne von ihren Erfahrungen mit der Menstruationstasse „Luv ur Body“. Nachdem Isabella von LadyWays zwei Testerinnen gesucht hat, durfte ich für euch den „LadyCup“ testen. Eine Tasse für meine…

Erst kürzlich berichtete euch Yvonne von ihren Erfahrungen mit der Menstruationstasse „Luv ur Body“. Nachdem Isabella von LadyWays zwei Testerinnen gesucht hat, durfte ich für euch den „LadyCup“ testen.

Eine Tasse für meine Regelblutung?

Was am Anfang vielleicht komisch oder befremdlich klingt, ist vom Prinzip her ganz einfach. Die Menstruationstasse ist ein glockenförmiger Becher, der während der Menstruation statt eines Tampons oder einer Damenbinde verwendet werden kann. Sie schließt dicht mit der Scheidenwand ab und sammelt so das Menstruationsblut, welches von Zeit zu Zeit einfach in die Toilette entleert wird. Die Tasse besteht aus medizinischem Silikon und enthält keine Weichmacher, Bleich-, Duft- oder Farbstoffe.

Außerdem bietet die Menstruationstasse gegenüber Tampons oder Binden einige Vorteile. Der erste Vorteil ist, dass die Tasse die Scheide nicht austrocknet, da sie nicht wie ein Tampon Flüssigkeit aufsaugt, sondern sammelt. Außerdem kann die Tasse bis zu zwölf Stunden im Körper belassen werden. Dadurch hat man unterwegs keinen Stress eine Toilette zu finden, sondern kann entspannt seine Erledigungen machen und zu Hause unter hygienischen Bedingungen die Menstruationstasse entleeren und wieder einsetzen.

Im Vergleich zu anderen Monatshygiene-Artikeln ist die wiederverwendbare Menstruationstasse auch viel umweltfreundlicher und Kosten sparender. Wenn man davon ausgeht, dass eine Frau im Schnitt 22 Tampons pro Monat (264 Tampons jährlich) verbraucht, sind das für ihre gesamte fruchtbare Zeit über 10.000 Tampons, die im Müll landen. Im Gegensatz dazu kann eine Menstruationstasse unter guter Pflege bis zu 15 Jahre lang verwendet werden.

Aber wie kann denn das hygienisch sein?

Viele Fragen sich vielleicht, wie denn ein Produkt, das immer wieder verwendet wird und regelmäßig in Kontakt mit Blut kommt, sicher und sauber sein kann. Da die meisten Menstruationstassen aus medizinischem Silikon entwickelt sind, kann daran nichts anhaften oder in das Material eindringen, sofern man mit dem Produkt sorgsam umgeht und es den Herstellerangaben entsprechend reinigt.

In der Anleitung des LadyCup heißt es dazu: „Bewahren Sie LadyCup in dem beigefügten Baumwollbeutel und nicht in luftdichten Verpackungen auf. Am Ende der Periode ist LadyCup auszukochen oder zu sterilisieren. Als grundlegende Pflege während der Menstruation empfehlen wir entsprechend den jeweiligen Möglichkeiten das Abspülen mit Wasser, eventuell unter Verwendung eines unparfümierten Waschmittels. Führen Sie die Pflege möglichst bald nach der Entleerung von LadyCup durch, vermeiden Sie somit das Eintrocknen des Menstruationsblutes und eine anschließend erschwerte Reinigung. Steht Ihnen kein Wasser zur Verfügung, können Sie beispielsweise Toilettenpapier verwenden.“

Zusätzlich zur Möglichkeit des Auskochens werden zum LadyCup auch Milton-Sterilisationstabletten angeboten, welche den Cup in 15 Minuten sterilisieren. Ich selbst habe mir ein geeignetes Desinfektionsspray besorgt, mit dem ich bei Bedarf zwischendurch schnell desinfizieren kann.

Nun zu meinen Erfahrungen

Auch ich bekam wie Yvonne vorab von Isabella einige Fragen gestellt. Um die passende Größe für mich zu finden, möchte sie wissen, ob ich schon eine Geburt hatte beziehungsweise ob ich unter einer starken Blutung oder Menstruationsschmerzen leide. Außerdem möchte sie wissen, ob ich Probleme mit Scheidenpilz oder einer Trockenheit durch Tampons habe. Anhand dieser Kriterien schickte mir Isabella den kleineren LadyCup (S) von zwei möglichen Größen. Beide Größen gibt es bei LadyWays zu einem Preis von je 24,90 Euro inklusive Versandkosten nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz.

Innerhalb kürzester Zeit kam dann auch schon mein LadyCup per Post und ich öffnete neugierig die Packung. Ich hatte ja schon ein bisschen Erfahrung mit dem Thema, da ich mir einige Monate zuvor bereits einen Menstruationsbecher, den Mooncup, gekauft, ihn ich aber nicht regelmäßig verwendet hatte. Nun erhoffte ich mir von Isabella Hilfe bei den letzten Schwierigkeiten im Handling oder Vorteile des LadyCup gegenüber dem Mooncup.

Beim Auspacken fällt sofort auf, dass das Material des LadyCup deutlich dünner und flexibler gestaltet ist, als jenes des Mooncup. Gerade der Boden ist hier beim Mooncup sehr fest, was zwar das Abschneiden des Stiels am unteren Ende erleichtert, ohne ein Loch zu schneiden, aber den Tragekomfort durchaus beeinflussen kann. Außerdem ist der LadyCup glatter und weist weniger Rillen auf. Das erleichtert das Reinigen.

Nun ging es ans Probieren. Im Normalfall haben die Tassen am unteren Ende einen Stiel, welcher das Entfernen erleichtern soll. Dieser kann jedoch nach Belieben gekürzt oder ganz abgeschnitten werden, was ich in meinem Fall bei beiden Tassen gemacht habe. Beim Mooncup geht dies durch den verstärkten Boden sehr einfach. Beim LadyCup hat sich das als sehr fummelig herausgestellt und richtig glatt habe ich das auch nicht bekommen. Diese raue Stelle hat leider zu einer ziemlichen Beleidigung meiner Scheidenwand geführt und ich musste vorerst mein Experiment abbrechen. Dann habe ich bei Yvonne den Tipp gelesen die Tasse „auf links“ zu drehen. Also die Innenseite nach außen zu stülpen. Dadurch ist die raue Stelle nun auf der Innenseite des Bechers und bereitet mir keine Probleme mehr.

Das Einführen sowie das Entfernen sind tatsächlich anfangs etwas mühselig und man braucht einige Zyklen bis man hier routiniert ist, aber es lohnt sich. Ich kann nur empfehlen verschiedene Falttechniken auszuprobieren. Am besten ist, man befeuchtet den Cup vor dem Einführen.

Lediglich zwei Negativpunkte haben sich bei mir hervorgetan. Generell schränkt mich der Cup beim Sporttreiben wie Laufen oder Schwimmen zwar nicht ein, aber da ich leidenschaftliche Reiterin bin, habe ich hier meine Probleme. Alles was über eine halbe Stunde im Sattel hinausgeht, fängt an unangenehm zu werden. Hierfür muss ich also doch auf einen Tampon zurückgreifen. Der zweite Negativpunkt war, dass beide Menstruationstassen nicht hundertprozentig dicht waren. An stärkeren Tagen musste ich also zusätzlich eine (auswaschbare) Slipeinlage verwenden. Vielleicht scheitert es hier aber einfach noch an der richtigen Technik.

Generell habe ich mich bei Isabella sehr gut beraten gefühlt. Als ich Probleme hatte, hat sie dazu extra recherchiert und mir Möglichkeiten aufgezeigt und war mit Tipps und Erfahrungsberichten immer zur Stelle. Für mich hat sich das Tragen eines Menstruationsbechers also bewährt. Ich muss mir wesentlich weniger Gedanken machen, wenn ich unterwegs bin. Ich spüre ihn beim Tragen nicht und ich bin im Alltag, bis auf eine Sache – das Reiten, völlig uneingeschränkt. Außerdem brauche ich mir nie mehr Gedanken machen, ob ich noch genügend Tampons zu Hause oder in der Handtasche habe.

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Sonntagslektüre: Nimm dir Zeit für Gutes

Empfehlungen für kritische Leseratten: Das Wunder der Selbstliebe „Wer sich selbst liebt, der findet liebe Freunde, lebt Partnerschaft auf einer nährenden Ebene, ist erfolgreicher und lebt gesünder. Wer sich selbst…

Empfehlungen für kritische Leseratten: Das Wunder der Selbstliebe

„Wer sich selbst liebt, der findet liebe Freunde, lebt Partnerschaft auf einer nährenden Ebene, ist erfolgreicher und lebt gesünder. Wer sich selbst liebt, den liebt das Leben.“ Das klingt doch schon einmal nach einem vielversprechenden Buch, nicht? Und genau darum handelt es sich bei „Das Wunder der Selbstliebe – Der geheime Schlüssel zum Öffnen aller Türen“ von Bärbel und Manfred Mohr. Ich bekam das Buch von einer mir nahe stehenden Person anlässlich meiner Matura geschenkt und bin seither sehr begeistert davon. Da das sensible Thema Selbstliebe gerne mal in den Hintergrund rückt und in Vergessenheit gerät, ist es eine Lektüre, die man mehrmals lesen kann und soll. Die Autorin machte ihr Hobby zum Beruf und schrieb viele „Wunsch“-Bücher, Kinderbücher und Beziehungsratgeber. Sie starb kurz nach Fertigstellung dieses Buches. Ihr Mann Manfred führt ihr Werk weiter.

Das Wunder der Selbstliebe, erschienen im Gräfe und Unzer Verlag, bietet sich für all jene an, die das Gefühl haben, sich selbst (zu) wenig zu lieben oder Probleme damit haben, ihren Körper anzunehmen, wie er ist. Durch aufklärende Worte und simple Übungen bildet das Buch die ideale Basis. Denn vergebens sind die – oft unbewussten – Anstrengungen, die Zuneigung anderer zu erringen. Umso ertragreicher ist die Arbeit an der Liebe und Akzeptanz der eigenen Person. Der Erfolg stellt sich schnell ein und auch das Umfeld verändert sich. Exemplarisch dafür möchte ich kurz die erste Übung des Buches beschreiben. Sie heißt „Selbstliebe-Spiegel-Übung“, ist eigentlich sehr einfach und trotzdem anspruchsvoll. Man stellt sich nackt vor einen Ganzkörperspiegel und liebt und akzeptiert sich selbst. Schritt für Schritt kann man sich ein Körperteil herauspicken, das einem besonders gut gefällt und sich so langsam vorarbeiten. Zum Beispiel: „Meine großen Augen gefallen mir, die Haare sind auch okay. Die Taille sieht ganz gut aus. Und ja, die blassen Beine, ich liebe euch auch – zumindest ein bisschen.“ Mit jedem Mal kann man so ein Stück seines Körpers mehr anerkennen und wertschätzen. Ihr werdet sehen, nach einiger Zeit kann man sogar den Problemzonen etwas Positives abgewinnen – „Meine große Nase entspricht zwar nicht dem gängigen Schönheitsideal, dafür kann ich bestens mit ihr atmen und riechen“.

Sehr gut gefällt mir ein im Buch abgedruckter Test, durch den man sich selbst einschätzen kann. Die genialsten Fragen sind meiner Meinung nach folgende:
• Kannst du dich alleine in ein Kaffeehaus setzen und etwas trinken?
• Angenommen, ein enger Verwandter, der dir sonst immer zum Geburtstag gratuliert, hat es diesmal vergessen. Was schließt du daraus?
• Ein bekannter Choleriker schreit dich vor versammelter Mannschaft an und macht dir ungerechtfertigt Vorwürfe. Wie geht es dir dabei?

Wer die Gründe bei sich selbst sucht, bloß weil der Geburtstag vergessen wurde oder sich doch ein bisschen schuldig fühlt nach der Standpauke des Cholerikers, der hat Handlungsbedarf. Wobei, zugegebenermaßen, haben wir den nicht alle? Ich glaube kaum, dass es viele Menschen gibt, die sich selbst in angemessenem Maße lieben. Kann man sich überhaupt zu viel lieben?

Nein sagen – aus persönlicher Erfahrung weiß ich, wie viel Überwindung es kostet, jemandem eine Bitte abzuschlagen und gezielt zu verneinen. Allzu oft nehme ich mich einer Aufgabe an, damit andere entlastet werden, zum Leidwesen meiner Zeiteinteilung und Entspannung. Gute Laune bleibt nicht zu selten auf der Strecke. In dem Buch wird genau dieses Phänomen angesprochen und gepredigt, öfter in sich hinein zu horchen und abzuwiegen, ob man instinktiv „Ja“ oder „Nein“ sagt. Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn meine Antwort zu meinem Gunsten ausfällt. Folgende Frage, die auch in der Lektüre aufgeworfen wird und die wir uns oftmals gar nicht stellen: Was will ich eigentlich? Alleine sich darüber bewusst zu werden, das kann schon wahre Wunder bewirken und unseren Fokus wieder auf essentielle Dinge richten.

Über dieses Zitat stolperte ich in dem Buch, da es mir so gut gefällt, möchte ich es euch hier nicht vorenthalten: „Wenn uns etwas aus dem gewohnten Geleise wirft, so denken wir, alles sei verloren. Aber dabei beginnt doch nur etwas Neues und Gutes.“ Leo N. Tolstoi

Abschließend möchte ich euch – neben dem Rat, das Buch zu lesen – noch diese Affirmation mit auf den Weg geben:

„Ich liebe mich selbst, egal ob es sonst noch einer tut. Ich liebe mich genauso wie ich bin. Auch wenn ich nicht alles gut finde, was ich tue, liebe ich mich immer selbst, trotz allem und mit allem was ich bin.“

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Zwischen Nostalgie und ökologischem Bewusstsein

Erst letztens ist es mir wieder passiert: Ein Freund von mir veröffentlichte ein Bild seines neuen Autos. Nichts allzu dramatisches möchte man denken, und bei jedem anderen Auto wäre das…

Erst letztens ist es mir wieder passiert: Ein Freund von mir veröffentlichte ein Bild seines neuen Autos. Nichts allzu dramatisches möchte man denken, und bei jedem anderen Auto wäre das vermutlich auch eine Meldung, der ich nicht lange Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Es war allerdings ein alter VW Käfer. Das Auto, welches es mir aus irgendeinem Grund seit jeher angetan hat. Ich weiß nicht warum, vielleicht liegt es daran, dass ich auch in Autos immer noch Parallelen zu menschlichen Gesichtszügen sehe. Die Scheinwerfer werden dabei zu Augen, die Stoßstange ersetzt den Mund, so in etwa. So gibt es Autos, die nach meiner Ansicht sympathisch aussehen, andere eher kühl, manche sogar grimmig. Mein Freund, der sich weitaus mehr für Autos interessiert als ich, schüttelt jedes Mal lachend den Kopf, wenn mein einziges Argument gegen ein Auto, welches er aufgrund technischer Details nahezu hinreißend findet, lautet: „Mir gefällt die Mimik nicht.“

Zurück nun aber zum VW Käfer: Im Affekt direkt erst einmal auf „Gefällt mir“ geklickt. Normalerweise bin ich im Netz eher stiller Beobachter, überlege mir mehrfach, ob ich einen Beitrag tatsächlich sichtbar für alle kommentieren soll, oder nicht doch besser eine private Nachricht schreibe. Und so kamen auch nach diesem „Gefällt mir“ die ersten Zweifel: Was sage ich damit eigentlich aus? Offensichtlich natürlich, dass mir dieses Auto gefällt. Vielleicht noch, dass mir gefällt, dass er es sich gekauft hat. Aber nicht auch, dass ich ein Auto toll finde, welches ökologisch gesehen eine kleine Katastrophe ist? Der Energieverbrauch wird von anderen, moderneren Fahrzeugen dieser Zeit klar geschlagen. Außerdem, eigentlich fahre ich doch sowieso nicht gerne Auto. Ich versuche es so gut es geht zu vermeiden, nehme bei annehmbarem Wetter das Fahrrad, ansonsten Bus und Bahn. Kann ich es also tatsächlich gut finden, dass nun weitere Abgase in unser ohnehin schon belastetes Ökosystem geblasen werden? Wo ist die Grenze zwischen Nostalgie und Nachhaltigkeit, ökologischer Verantwortung?

Bei meiner Ernährung fiel es mir recht leicht, auf gewisse Dinge wegen meiner persönlichen moralischen Überzeugung zu verzichten. Ich denke, es geht nicht nur mir so, dass bestimmte Gerichte an Erinnerungen und Gefühle geknüpft sind. Bei mir waren das immer Palatschinken. Für die, die es nicht kennen: Es ist eine Süßspeise. Crêpes werden dabei mit einer Mischung aus Quark, Rosinen und etwas Zitronensaft gefüllt, gerollt, und im Ofen gebacken. Dies war als Kind mein absolutes Lieblingsessen, und eine absolute Besonderheit, denn Palatschinken gab es nur höchst selten, da der Rest der Familie meine Begeisterung nur in Maßen geteilt hat. Da ich für Quark leider bisher noch keinen zufriedenstellenden Ersatz finden konnte, ist das ein Gericht, welches ich mir schon manchmal wünsche. Aber da fällt mir das verzichten Verzichten nicht so schwer. Ich arbeite auch an meiner veganen Quarkversion!

In anderen Bereichen bin ich leider noch nicht soweit. Ich liebe beispielsweise CDs. Natürlich, letztendlich landet das Lied als Datei auf einem mobilen Abspielgerät und somit bräuchte ich für Musikgenuss unterwegs nur die mp3-Datei. Dennoch liebe ich es, eine CD in der Hand zu halten, mir das Cover anzusehen, das Booklet durchzublättern, und sie in mein Regal zu stellen. Sie immer mal wieder heraus zu holen, und mich an Momente zu erinnern. Dieses Gefühl können mir Dateien auf meiner Festplatte einfach nicht ersetzen. Gleiches gilt für Bücher: Ich persönlich bekomme Kopfschmerzen, wenn ich zu lange auf einen Bildschirm schaue. Ich weiß, mittlerweile soll es ziemlich gute E-Book-Reader geben. Diese sind aber, achtet man auf ihre Materialien und darauf wie kurzlebig technische Geräte heutzutage (so alt bin ich noch gar nicht, aber trotzdem!) sind, wohl auch keine echte Alternative. Außerdem ist es irgendwie nicht das gleiche. Ein Buch in der Hand zu halten, die Seiten umzuschlagen, ein Lesezeichen hineinzustecken. Es im Laden auszusuchen, ein paar Zeilen zu lesen, das Cover zu betrachten.Vermutlich wäre ein Bibliotheksausweis die beste Wahl. Man ist natürlich gebunden an Rückgabefristen und eventuell muss man auch warten, bis ein bestimmtes Buch wieder oder endlich überhaupt ausleihbar ist, aber man vermeidet auch, dass Bücher, während sie eben nicht gelesen werden, ungenutzt verstauben.
Mittlerweile gibt es vielerorts auch öffentliche Bücherschränke, an denen sich jeder frei bedienen und etwas herausnehmen oder hineingeben kann. So bekommen Bücher quasi ein „zweites Leben“. Die Auswahl ist natürlich begrenzt und man weiß nie, was einen nun erwartet. Aber das kann auch spannend sein, und vielleicht entdeckt man ja auch den einen oder anderen neuen Autoren für sich. Also: Öffentliches Bücherregal suchen oder bei der nächstgelegenen Bibliothek registrieren. Das Gefühl, ein Buch in das eigene Regal zu stellen, ersetzt das natürlich nicht.

Nostalgie, Entscheidungen aufgrund von Emotionen, zu Zeiten in denen wir immer wieder auf die Knappheit von Rohstoffen hingewiesen werden. Wenn ich ehrlich bin: Die Entscheidung für die CD oder das Buch sind nicht ökologisch. Sie sind auch nicht nachhaltig, oder zumindest ist die Nachhaltigkeit nicht der entscheidende Faktor bei meiner Kaufentscheidung. Es geht um den Mehrwert, um das, was der Kauf in mir auslöst. Um meine Nostalgie. Und das leider auf Kosten der Umwelt.

Wie seht ihr das? In welchen Situationen haltet ihr an einer nostalgischen Idee fest, obwohl es nachhaltigere Alternativen gäbe? Kennt ihr das Gefühl überhaupt? Ich bin noch auf dem Weg. Immerhin: Ich habe meinen Taschenkalender abgeschafft. Dieses Jahr ist das erste, in dem ich keinen verwende und ich habe es auch im nächsten Jahr nicht vor. Die Termine sind nun alle auf meinem Smartphone. So richtig glücklich bin ich damit noch nicht, aber ich merke, wie ich mich daran gewöhne.

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