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Kategorie: Body. Soul.

Als Nomade leben, arbeiten und die Welt verändern? Es geht!

„Warum willst du dich auf einen einzigen Platz beschränken, den du Heimat nennst, wenn doch der ganze Planet so viel anzubieten hat?“ Tudor Tarlev möchte sich in keinem Fall beschränken lassen….

„Warum willst du dich auf einen einzigen Platz beschränken, den du Heimat nennst, wenn doch der ganze Planet so viel anzubieten hat?“ Tudor Tarlev möchte sich in keinem Fall beschränken lassen. Seit er 16 ist, ist er auf einer unternehmerischen Reise – als Nomade. „Ich schätze, ich kann mein Dorf in Moldawien Heimat nennen, aber da bin ich nur ein paar Wochen im Jahr.“ Den Rest der Zeit ist der „chronische Unternehmer und Aktivitätsjunkie mit sechs Start-Ups in Planung und großen Misserfolgen“ als selbst ernannter „Veränderungsagent“ unterwegs in ganz Europa, um positive, nachhaltige Projekte durchzuführen. Ich habe Tudor zu seinem Lebensstil und seinen Projekten befragt – und vielleicht inspirieren sie auch dich:

Doris: Tudor, du bezeichnest dich als „Nomade und Unternehmer“ – was genau machst du? 

Tudor: Ich habe meine unternehmerische Laufbahn gestartet als ich 16 war, während meiner Zeit auf dem College in Moldawien, als ich Wirtschaft studiert habe. Nach einigen Monaten kam mir der Gedanke, dass man die Seite der wirtschaftlichen Entwicklung nur dann verstehen kann, wenn man selbst ein Unternehmen gründet und zum Wachsen bringt. Das Konzept des Nomadentums kam 2011 dazu, als ich von Moldawien nach Rumänien übersiedelt bin und dort aktiv an lokalen und regionalen Treffen in Europa teilgenommen habe. Damals habe ich eine einfache Entdeckung gemacht: Du kannst mit deinem Unternehmen keine globale Auswirkungen haben oder haben wollen, wenn du nicht mit deiner Gemeinschaft in Kontakt bist, deine Märkte kennst, starke Netzwerke pflegst, kulturelle Hintergründe anschaust und das, was die Menschen bewegt, wo auch immer sie sind.

Jetzt bin ich dabei, ein Sozialunternehmen namens Dreamups zu gründen, ausgehend von Österreich. Das Team ist aber sehr international und besteht aus Nomaden.

Screenshot der Website Dreamups.

Dreamups ist im August 2012 gestartet, die Plattform möchte als eine Art „Bibliothek“ fungieren, in der jeder sein Buch/sein Wissen einbringen und mit Gleichgesinnten teilen und jeder alles Wissen übernehmen/ansehen kann. Alle Anweisungen aus der Bibliothek sind nachhaltige und mit Leidenschaft entwickelte Lösungen. Die Idee ist, Lösungen in einem simplen “do it yourself” Format zugänglich zu machen, um von lokalen Gemeinschaften und Individuen weltweit genutzt zu werden.

Foto: Tudor Tadev

Wann und warum hast du dich für ein Leben als Nomade entschieden?

Ich nenne es keine Entscheidung, es war mehr als Lebensstil, der sich über die Zeit entwickelt hat, als ich versucht habe, mich weiter zu bewegen, zu lernen und mein Netzwerk zu schaffen. Zumindest jetzt, wo ich mich um weniger Dinge kümmern muss und mehr Bewegungsfreiheit habe, möchte ich so viel wie möglich entdecken und gleichzeitig etwas Positives für die Welt kreieren.

Was sind die größten Herausforderungen und Chancen deines Lebensstils? 

Die größte Herausforderung sind wohl die Ressourcen – du hast keinen fixen Job und du musst ja von etwas leben, also musst du entweder als Freelancer gut sein, oder dein Start-Up läuft so gut, dass es deine Kosten deckt. Eine andere Herausforderung ist dein Können und das Vertrauen: Wie organisierst du deine Arbeit und einen Erfolg außerhalb eines normalen, geregelten Büroalltags, manchmal mit Menschen, die auf der anderen Seite des Ozeans leben? Sozial: Manchmal ist es hart, sich in eine lokale Gemeinschaft zu integrieren und alle Möglichkeiten zu entdecken, die sie für dich bietet. Das Geheimnis ist, den Fluss zu genießen, Menschen zu vertrauen und dich selbst jeden Tag zu fragen: Welchen Wert habe ich für andere geschaffen?

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Kannst du bitte deine Reise beschreiben? Die Landkarte auf deiner Website sieht spannend aus! 

Naja, die Landkarte ist einfach zu erklären: Ich habe einige Projekte in Moldawien, Rumänien und Österreich gegründet. Die restlichen Länder habe ich mehr für Gemeinschaftsprojekte, Konferenzen, Kongresse und zur unternehmerischen Forschung besucht. Andere wie die Niederlande oder Deutschland sind potenzielle Umfelder für zukünftige Entwicklungsprojekte. In den nächsten Jahren werden die Punkte auf der Landkarte rasant zunehmen, nachdem ich plane, jedes Jahr neue Länder anzuschauen, dort zu leben und innerhalb der Dreamups Gemeinschaft zu arbeiten.

Foto: Tudor Tadev

Du lebst gerade in Österreich – ist das das Ende deines Nomadendaseins oder bloß eine Pause? 

Der genaue Ort ist Dreamicon Valley, Siegendorf, eine halbe Stunde südlich von Wien. Da ist auch das Hauptquartier der Dreamups und der Platz, an den wir alle drei Monate zusammenkommen, um zu evaluieren und die nächsten Schritte für die kommenden drei Monate zu überlegen. Den Rest der Zeit bin ich unterwegs, um Möglichkeiten zu entdecken und positive Auswirkungen auf die Welt zu haben.

Was sind deine größten Projekte bisher, worauf bist du am meisten stolz? 

Eine meiner besten Erfahrungen war TEDxChisinau.com, ein großartiges Team und etwas, was ich geschafft habe, zum Wachsen zu bringen und dadurch Lösungen für die lokale Gemeinschaft zu schaffen. Jetzt führt Elena, eine Freundin aus Moldawien, das Projekt und sie übertreffen alle Erwartungen, die wir im ersten Moment hatten. Ich liebe das, was sie derzeit machen. Die zweite Sache sind meine Lebenserfahrungen, all die großartigen Menschen, die ich getroffen habe, und meine Bankrotterklärungen; sie haben meine Zukunft enorm bereichert. Das letzte und aufregendste ist mein neues Baby, Dreamups – eine globale Plattform für Menschen, um nachhaltige Lösungen zu entdecken und zu erschaffen. Es ist einfach riesig und ich freue mich sehr auf seine Entwicklung.

Foto: Tudor Tadev

Kannst du auch noch etwas Genaueres zu deinem neuen Projekt, einem Buch verraten? 

Die Arbeitslosenrate wird in Zukunft noch mehr werden, weil alles automatisiert und technologisiert wird. Dann können wir zu dem Moment kommen, wo Menschen in vielen Bereichen nicht mehr gebraucht werden. Aber es gibt einen Platz, wo man sie immer brauchen wird – in ihrer Gemeinschaft und der Familie. Ich stelle mir eine Zeit vor, wenn Menschen zu ihren Wurzeln zurück kommen und ein viel mehr von den Werten geprägtes Leben führen, zum Beispiel ihr eigenes Essen produzieren, Selbstgemachtes und Upcycling-Produkte nutzen. Es ist großartig zu begreifen, dass wir unsere Fähigkeiten außerhalb des Arbeitsmarkts einsetzen können und trotzdem unseren Lebensunterhalt verdienen und Mehrwert schaffen. Das wird der Moment sein, an dem jede Person ein Künstler, ein Erschaffer sein darf. Das Buch nennt sich “DO nomads” und wird eine interaktive Reise mit Aufgaben und Herausforderungen sein, die es zu meistern gilt, und deshalb wird die Erfahrung für jeden Leser einzigartig sein. Eine Geschichte in Echtzeit, die die Erfahrung anderer Menschen darstellt und Einblicke gibt, wie man Neues erschafft und diesen Weg meistert. Es ist eine Reise über vier Jahre, und ich hoffe, dass das Stück Kunst 2015 öffentlich zugänglich wird. Um zu verstehen, was ich sage, lest am besten Robots Will Steal Your Job, But That’s OK von Federi Pistono oder We Are All Artists Now von Seth Godin.

Danke, Tudor!

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Meditation in der U-Bahn: Augen zu und – Stille!

„Reumannplatz! Achtung, Türen schließen!“, so die Stimme in den Wiener Linien. Wie auf Kommando gehen nicht nur die Türen der U-Bahnlinie U1 zu, sondern es schließen sich auch die Augen…

„Reumannplatz! Achtung, Türen schließen!“, so die Stimme in den Wiener Linien. Wie auf Kommando gehen nicht nur die Türen der U-Bahnlinie U1 zu, sondern es schließen sich auch die Augen meiner SitznachbarInnen. Ein paar Fotos später mache ich es ihnen gleich und versinke ebenfalls in der Stille. Schließlich sitze ich genau deshalb hier: Nicht, um von A nach B zu kommen, sondern um beim fünften UrBan Meditation Flashmob mit 21 anderen das gemeinsame Meditieren in der U-Bahn zu erleben.

Sich mit einer Gruppe zu treffen, um gemeinsam zwischen Anfangsstation und Endhaltestelle in der U-Bahn demonstrativ die Augen zuzumachen und zu meditieren? Als ich vor einigen Monaten von der Idee gehört habe, war ich wenig begeistert. Für mich ist Meditieren etwas Stilles. Etwas Privates. Etwas, das ich nicht zur Schau stellen möchte. Warum sollte ich das dann mit anderen in der U-Bahn tun?

Aber neugierig wie ich bin, wollte ich das Ganze einmal ausprobieren: Und endlich, letzten Donnerstag hat es geklappt.

Ich war überrascht! Davon, wie selbstverständlich und natürlich diese Reise in die Stille war. Kein lautes Zur-Schau-Stellen, kein Beweisen-Wollen. Ich habe einfach in der U-Bahn die Augen geschlossen, versucht, bei mir zu bleiben und mich durch die Handy-Streitgespräche neben mir genauso wenig ablenken zu lassen wie durch Gedränge in der Hauptverkehrszeit. Dass ich das zufällig zeitgleich mit anderen getan habe, das ist wohl bloß den anderen Mitfahrenden aufgefallen – wie mir die skeptischen Blicke meines Gegenübers beim Aussteigen aus der U-Bahn verraten haben.

„Innehalten. Vorleben. Inspirieren.“, so beschreibt Shaohui, der Gründer von iMeditate, der selbst regelmäßig Atem- sowie Achtsamkeitsmeditation (Vipassana-Meditation) praktiziert, seine Initiative. Warum er Meditieren zum „Volkssport“ machen möchte, und wie er das mit dem Lärm in der U-Bahn sieht, das verrät er mir im Interview:

Doris: Shaohui, wie kamst du auf die Idee zu iMeditateVienna?

Shaohui: Zuerst war die Idee der U-Bahn-Flashmobs. Sie entstand im April 2012 während des zweiten Moduls des Lerngangs „Pioneers of Change„. In jenem Modul ging es darum, mit Prototypen nach außen zu treten. Inspiriert von dem kreativen Aktionismus der Pioneers wurde in mir der Impuls ausgelöst, Meditations-Flashmobs in der U-Bahn zu organisieren. Das Ziel dieser Aktionen ist es, mit Meditation und Stille einen bewussten Kontrastraum zu Hektik, Ablenkung und Anspannung zu schaffen.

Aus diesem Impuls wurde dann die Idee geboren, Meditation als „Volkssport“ zu etablieren und sie einer breiteren Masse zugänglich zu machen. In diesem Prozess ist iMeditateVienna als Name für diese Bewegung entstanden. Inspiriert zu dem Namen hat mich die Meditationsbewegung „I Meditate NY“ in New York, auf die ich im Internet gestoßen bin.

Was ist für dich Meditation?

Meditation ist für mich ein bewusstes mit mir selbst in Verbindung gehen und meine Achtsamkeit auf das, was im gegenwärtigen Moment präsent ist, zu richten. Dabei beobachte ich meinen Atem, meine Körperempfindungen, meine Emotionen, meine Sinneswahrnehmungen oder meine Gedanken ohne sie zu bewerten und an ihnen anzuhaften.

Meditation kenne ich vor allem in der Stille und für sich: Ist es nicht ein Widerspruch, diese Form der Reise nach Innen im öffentlichen Raum zu praktizieren und somit zur Schau zu stellen?

Ich sehe für mich keinen Widerspruch. Meditation ist für mich eine innere Haltung, wie ich dem Leben begegne. Mir geht es darum, den Alltag als Übungsfeld für Meditation zu entdecken und anzunehmen. Wenn ich zuhause auf meinem Meditationskissen sitze, übe ich in äußerer Stille. Wenn ich unterwegs in der U-Bahn sitze, übe ich mich in innerer Stille. Hier möchte ich gerne ein Zitat von Eckhart Tolle einbringen: Jeder störende Lärm kann ebenso hilfreich sein wie äußere Stille. Inwiefern? Wenn du den inneren Widerstand gegen den Lärm aufgibst, so dass er sein darf, wie er ist, führt dich dieses Annehmen auch in den Bereich des inneren Friedens, der inneren Stille.“ Der vietnamesische Mönch Thich Nhat Hanh sieht keine Trennung zwischen dem formellen Sitzen in Stille und der Achtsamkeitspraxis im Alltag. Er hat fünf konkrete Achtsamkeitsübungen für den Alltag formuliert, wie zum Beispiel aufmerksames Zuhören oder achtsamer Konsum.

Hast du ein besonderes Erlebnis auf der Reise nach Innen gehabt, das du als Schlüsselmoment für dich bezeichnen würdest? 

Bei meiner ersten Begegnung mit Meditation 2006, während eines Zehn-Tage-Vipassana-Retreats in einem Kloster in Thailand, hatte ich am siebten Tag einen kurzen Moment eines Vertiefungszustands. Eine intensive Freude, wie ich sie noch nie empfunden habe, ist durch meinen Körper geströmt. Dieses Erlebnis hat mich neugierig gemacht, mich selbst und meine innere Natur mit Meditation zu erforschen. Ein anderes Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren bei einer Vipassana-Meditation. Ich habe eine tiefe Präsenz erfahren und meine Sinneswahrnehmungen waren von intensiver und klarer Qualität.

Was sind deine nächsten Pläne? Ich habe davon gehört, dass du Wien als Meditationshauptstadt positionieren möchtest. 

Die nächsten Pläne sind für mich meine Vision einer „achtsamen“ Stadt niederzuschreiben. Darunter verstehe ich eine Kultur der Achtsamkeit im Miteinander und öffentliche Orte des Rückzugs für Stille und Meditation in der Stadt. Mit dieser Vision will ich konkret Initiativen und Leute, die öffentliche Meditationen machen oder Stille in den öffentlichen Raum bringen, einladen um daraus einen gemeinsamen Traum zu entwickeln. Außerdem arbeite ich gerade an meiner Idee, ein internationales Festival für Meditation und kontemplative Künste in Wien auf die Beine zu stellen. Dies würde sich wunderbar dafür eignen, die Stadt Wien als „Hauptstadt der Meditation“ international zu bewerben.

Wie sind die Reaktionen der Leute bei den Flashmobs?

Die Leute reagieren mit Dankbarkeit, Begeisterung und großem Interesse. Ich habe das Gefühl mit Meditation im öffentlichen Raum das Bedürfnis vieler Menschen gerade im urbanen Alltag nach Entschleunigung, nach Innehalten und nach Zurück-zu-sich-Selbst-finden anzusprechen. Eine schöne Reaktion bei den Flashmobs hatten wir einmal bei einer Schülerin gesehen, die zugestiegen war und einen iMeditateVienna Flyer in die Hand gedrückt bekam. Als ein Sitzplatz frei wurde, setzte sie sich nieder und meditierte bis zur Endstation mit. Beim Aussteigen fragte sie noch nach weiteren Flyern.

Riesig gefreut hat mich auch folgender Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin: „Es war sehr berührend für mich, dabei zu sein! Nach dem Einstieg in Hütteldorf versank der Waggon, in dem wir uns befanden, von Augenblick zu Augenblick mehr in Freude. In Schönbrunn war ich so berührt von dieser liebevollen Stille-Welle, in die ich mich eingehüllt fühlte, dass ich Tränen in den Augen hatte. Fahrgäste, die einstiegen, irritierten das Energiefeld – oder waren es wir selber, die sich irritieren ließen? Ich weiß es nicht, ich spürte nur, dass die „Neuen Unbekannten“ bis zur nächsten Station integriert waren. Bis Heiligenstadt ist dann die Zeit stehen geblieben, weil wir maximal zehn Minuten min unterwegs waren. Jetzt, drei Stunden später, strahlt noch immer alles in mir Ruhe, Liebe, Glück und Entschlossenheit aus. Entschlossenheit, solche Kräfte und Initiativen weiterhin zu stärken! Danke!“

Ich sage auch Danke für deine Antworten, Shaohui! Und wir sehen uns wieder, beim Meditieren in der U-Bahn!

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Laufen für die Umwelt: 5.000 Meilen durch Südamerika

Beim Duschen, beim Beobachten der Wellen auf dem Ozean oder beim Autofahren – das sind Situationen, in denen oft die besten Ideen kommen. Katharine und David, ein 34-jähriges britisches Ökologen-Ehepaar…

Beim Duschen, beim Beobachten der Wellen auf dem Ozean oder beim Autofahren – das sind Situationen, in denen oft die besten Ideen kommen. Katharine und David, ein 34-jähriges britisches Ökologen-Ehepaar wurden zu ihrem unglaublichen Reise-Projekt inspiriert, als sie gerade Seevögel in der Karibik untersuchten. Das war 2009, und drei Jahre später verwirklichen sie ihren Traum. “Wir wollten etwas tun,”, sagen sie in den FAQs auf ihrer Website, “um auf die Weltwunder in Südamerika aufmerksam zu machen und dabei eine einzigartige Expedition unternehmen.” Genau das machen sie gerade. Seit 28. Juli 2012 sind sie auf dem Weg, ohne Unterstützung 5.000 Meilen, also rund 8,047 Kilometer, durch Südamerika zu laufen. Ja, zu laufen!

Im Interview erzählen mir die beiden Abenteurer mehr über ihre Einjahresreise und die körperliche Herausforderung, ihre ganze Ausrüstung – Haus, Büro, Küche, Labor – in einem eigens gebauten Trailer aus Recycling-Material hinter sich her zu ziehen.

Doris: Welche Absicht verfolgt ihr mit eurem Projekt?

Die Motivation sind die Natur und die Tiere darin: Wir möchten für unsere Organisationen “Conservacion Patagonia” und “Birdlife International” Geld sammeln, damit sie bedrohte Lebensräume auf dem Kontinent besser schützen können. Wir möchten außerdem dazu anstiften, selbst für die Umwelt aktiv zu werden und Menschen aus aller Welt mit Südamerika verbinden und sicherstellen, dass unsere täglichen Entscheidungen eher der Natur und dem Ökosystem helfen als ihnen zu schaden.

Wie kamt ihr darauf, die 5.000 Meilen zu laufen?

Wir dachten zuerst daran, von West nach Ost durch den Amazonas zu gehen, doch dann haben wir herausgefunden, dass ein britischer Kollege, Ed Stafford, genau das gerade tut und es gut tut. Wir dachten dann daran, die Länge des Kontinents zu durchwandern oder auf jedem Kontinent auf einen alten Baum zu klettern, aber nach einigen Wochen im Amazonas auf einer ungeführten Expedition war uns klar, dass das Jahre und nicht nur ein Jahr dauern würde. Dann war da das Laufen. Können es unsere Körper monatelang auf diesen schlechten Straßen aushalten und daneben noch unsere ganze Ausrüstung mitschleppen? Wir finden das gerade heraus…

Ihr habt eure Reise gerade erst begonnen, was hat euch bisher am Meisten überrascht?

Die Art, wie Chilenen und Argentininier hupen und uns zuwinken – wir hatten keine Idee davon, dass es so aufregend sein würde, uns auf diesen Straßen laufen zu sehen! Uns wurden Empanadas und Milkshakes durch Autofenster gereicht und ständig fragt uns jemand, ob wir mitfahren möchten! Die Polizei – sowohl in Chile als auch in Argentinien. Wir würden in Großbritannien nicht zur Polizei gehen, um Hilfe zu holen, aber hier bleiben die Polizisten sie stehen, um zu prüfen, ob es uns gut geht, bieten uns Autofahrten an, Essen, heißes Wasser, Campingplätze… Unglaubliche und sehr schöne Überraschungen!

Wie sind die Reaktionen der Leute, die ihr trefft, und hat euch schon eine Person besonders beeindruckt?

Wir liefen vor kurzem nach Puerto Natales in Chile und jemand, der von unserer Expedition gehört hatte, fuhr rund 60 Kilometer, nur um uns zu treffen, ohne zu wissen, ob sie uns wirklich finden würde, ohne uns jemals vorher getroffen zu haben, nur um mit uns einen heißen Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen. Wir haben in dieser Nacht unser Zelt im Schnee aufgestellt und dann wunderschöne Stunden mit ihr in ihrem Auto verbracht, dabei gegessen, Kaffee getrunken und ihren lieben, aber etwas faulen Hund gestreichelt.

Wie würdet Ihr euren Trip in drei Worten beschreiben?

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Wenn jemand in eure Fußstapfen treten möchte, was würdet ihr ihm/ihr sagen?

1. Es ist wirklich schwierig, Websites und Verbindungen auf dem Laufenden zu halten – trotz aller modernen Mittel, also halte deine Erwartungen niedrig!
2. Mach dich auf kulturelle Differenzen gefasst – und wirf deine Uhr weg!
3. Du brauchst weniger als du denkst. Bereite deine Reise vor, dann verbringe die ersten paar Wochen damit, festzustellen, was du wirklich brauchst und werde den Rest los – jedes Gramm zählt!
4. Kontakte in jeder Stadt sind wichtig!
5. Du wirst nie fertig und bereit sein, also lauf einfach los!

Was habt ihr bereits gelernt, was ihr den zu Hause Gebliebenen mitteilen möchtet?

Komfort und Bequemlichkeit stehen zwischen dir und der echten Erfahrung, Leben, Ehrgeiz, Wissen, allem! Brich da durch oder verbringe dein Leben schlafwandelnd!

Was ist die größten Herausforderung auf der Reise?

Motiviert und in Verbindung zu bleiben. Die Reise soll erst in einem Jahr fertig sein, aber wir sind so ungeduldig und wollen einen Unterschied machen, sodass wir jetzt schon das Gefühl haben, die Zeit rinnt uns durch die Finger – wir müssen konzentriert und vor allem geduldig bleiben.

Was ist die Belohnung, die Freude, die ihr erwartet?

Zu wissen, dass wir schon durch kleine Schritte schützen und einen kleinen Teil von Südamerika vor der Zerstörung bewahren können.

Abgesehen von den drei Missionen „Raise, connect, inspire“ auf Eurer Website, was möchtet ihr jeder für sich erreichen?

David: Laufend zum anderen Ende zu kommen ist mir schon genug!
Katharine: Dass jeder von uns etwas für die Umwelt und die Natur tun kann. Alle unsere Entscheidungen beeinflussen sie, hier die richtigen für die Umwelt zu treffen ist anfangs sicher hart, aber es ist so zufriedenstellend und verblüffend auf lange Sicht gesehen.

Danke für das Gespräch und viel Glück für den Rest der 5.000 Meilen!

Mehr über das Projekt und wie man die beiden unterstützen kann findet ihr hier: 5000mileproject.org

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