In der Nacht schüttet es in Strömen. Ein wohliges Gefühl, geschützt in diesem bunten, sauberen Haus im Bett zu sein. Ich sehe, wie das Wasser wie ein Sturzbach die Straße hinunter fließt. Auch nach dem gemeinsamen Frühstück mit Esther – sie spielt für uns auf der kleinen Handorgel – regnet es wieder stark und wir nehmen Esthers Einladung, noch eine Nacht zu bleiben, an. Für Konrad eine heroische Leistung. Für mich und meine Seele ein großes Geschenk.

Esther ist 57 Jahre alt. Mit Begeisterung zeigt sie uns ihre Kunstwerke und ihr Atelier. Sie verarbeitet schöne Stoffe zu Wanddekorationen, sie malt, töpfert und gestaltet Skulpturen. Sie hat mit viel Liebe im Atelier einige Zimmer und den Dachboden für Pilger und Wanderer mit zehn Betten adaptiert und beschlossen, ihre ganze Aufmerksamkeit dieser Aufgabe zu widmen. Es macht Konrad und mir Freude, dieses Haus noch einen Tag zu „besitzen“. Ein großer Dank dem intensiven Regen, der uns dieses Innehalten ermöglicht hat. Im Dorf gibt es weder ein Geschäft noch eine Bar noch ein Restaurant. So koche ich selber in der heimeligen Küche und fühle mich wie zu Hause. Noch gestern in traurigen Reflexionen versunken scheint heute für meine Seele die Sonne. Konrad und ich haben Zeit für aufmerksame Gespräche, zum Lesen und Schreiben. Draußen klingt ganz zart ein Klangspiel im Wind. Zwei Mal bewirten wir vorbeikommende Pilger mit Kaffee. Vater und Sohn aus Quebec bezeichnen uns als „the sun of the day“. Sie hatten sich im strömenden Regen vergangen und waren erschöpft und total nass. Als sie gehen hat es aufgehört zu regnen. In dieser Nacht schlafe ich wunderbar. Ab und zu regnet es noch.

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