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Kategorie: Media. Culture.

Vegan Oriental – Vegan orientalisch kochen

Es gibt ja mittlerweile wirklich für jedes erdenkliche Buch-Thema ein veganes Pendant dazu. So eben auch für die orientalische Küche. „Vegan Oriental“ von Parvin Razavi ist aber ein ganz besonderes…

Es gibt ja mittlerweile wirklich für jedes erdenkliche Buch-Thema ein veganes Pendant dazu. So eben auch für die orientalische Küche. „Vegan Oriental“ von Parvin Razavi ist aber ein ganz besonderes Kochbuch! Zuerst fällt das wirklich prächtig gestaltete Cover ins Auge und auch innen ist dieses Prachtstück wundervoll bunt illustriert von Henriette Artz. Sowohl Tradition als auch Moderne sind hier passend eingefangen.

„Vegan Oriental“ ist einmal nach verschiedenen Ländern des Orients aufgeteilt: Uns begegnen der Iran, Armenien, Syrien, der Libanon, Jordanien, Ägypten, Marokko und die Türkei. Zum anderen in unterschiedliche Gerichtarten: In Mezze (traditionell mehrere Gerichte gleichzeitig serviert), Hauptgerichte, Beilagen und Desserts – für jedes Land eine unterschiedliche Anzahl. Razavi kommt aus einer orientalischen Großfamilie, lebt in Österreich und schreibt unter anderem für ihren Blog thx4cooking. Sie legt Wert auf biologische und wenige Zutaten, wie sie im Vorwort betont und man auch direkt an den sehr einfach gehaltenen Zutatenlisten im Rezeptteil merkt. Die Zubereitungszeiten sind bewusst kurz gehalten, sodass die Gerichte garantiert gelingen.

Zu Beginn gibt uns das kleine Glossar Auskunft über die wichtigsten, eher unbekannteren Gewürze und Lebensmittel. Praktisch: Hier sind auch die fremdsprachigen Bezeichnungen angegeben, so findet man sich im nächsten türkischen Feinkostladen auch zurecht, wenn dort nicht alles auf deutsch angegeben ist. Im Rezeptteil finden sich viele Gerichte mit Gemüse und Hülsenfrüchten, auch ein paar Süßspeisen oder Getränke sind dabei. Viele der Gerichte tragen neben dem deutschen Titel auch ihre ursprüngliche Bezeichnung.

vegan oriental iran

Wir starten im Iran: Gerichte wie Juwelenreis oder Safran-Reispudding lassen uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Das rote Auberginenmousse habe ich schon nachgekocht und probiert, es hat gut geschmeckt. In fast jedem Kapitel gibt es als Special noch eine Infoseite über jeweils ein Gemüse oder eine Frucht, wie zum Beispiel Mangold oder Datteln.

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Weiter geht’s mit Armenien: Hier sprechen mich vor allem der Zimt-Tee und die eingelegten Zitronen an. Mir fällt auf, dass sich viele Rezepte dank ihrer Schlichtheit prima als Resteverwertung eignen. Sehr schön, dass die Rezepte nicht vor zig exotischen Zutaten wimmeln, die ich dann doch nur für ein Rezept verwenden würde. In Syrien, Libanon und Jordanien angekommen, entscheide ich mich für Hummus und Baklava – wer noch nie Baklava probiert hat, der hat etwas verpasst! Umso erfreuter war ich, als ich diese Variante mit Rosenwasser entdeckt hatte. Im Ägypten-Teil gibt es viele Bohnengerichte, in Marokko das bekannte Tabouleh. Den gegrillten Blumenkohl mit Zitronen und Oliven habe ich auch nachgekocht. Die Zusammenstellung der Zutaten war ungewöhnlich, aber geschmeckt hat es lecker!

Weiter zum letzten Teil unserer orientalischen Reise: Die Türkei! Hier finden wir zum Beispiel Rezepte für Börek, türkischen Kaffee oder Grießkuchen. Insgesamt überschneiden sich die Gerichte ein wenig, manche ähneln sich etwas, aber immer steht das Experimentieren und Variieren im Vordergrund. Besonders exotisch sind vor allem die Gewürze, wie zum Beispiel Macis oder Cumin aber auch Lebensmittel wie Tahin oder Bulgur. Viele von euch kennen diese Zutaten aber sicher schon.

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Die Rezepte sind ausgewogen und gesund, die Fotos nicht übermäßig aufgehübscht, sondern schön authentisch und bodenständig. Manche Zubereitungstexte hätten meiner Meinung nach etwas ausführlicher sein dürfen, aber da die Rezepte auch eher als Anregung dienen, komme ich so gut damit zurecht. Und eine Augenweide ist „Vegan Oriental“ ja sowieso!

Vielen Dank an den Neunzehn-Verlag für die Zusendung des schönen Buches!

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Einfach. Jetzt. Machen! – Handeln für den Wandel

Zugegeben, vor diesem Buch hatte ich noch nicht wirklich viel von „Transition“ gehört. Dieser Begriff bedeutet einfach nur „Wandel“ oder „Übergang“ und beschreibt ein alternatives Lebenskonzept, das von Rob Hopkins,…

Zugegeben, vor diesem Buch hatte ich noch nicht wirklich viel von „Transition“ gehört. Dieser Begriff bedeutet einfach nur „Wandel“ oder „Übergang“ und beschreibt ein alternatives Lebenskonzept, das von Rob Hopkins, einem britischen Umweltaktivist, 2008 im „Transition Handbook“ genauer vorgestellt wurde. In „Einfach. Jetzt. Machen! – Wie wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen“, 2013 erschienen, stellt Hopkins „Transition“ als Herangehensweise für gesellschaftlichen Wandel vor.

Der Autor ist davon überzeugt, dass wir selbst etwas verändern sollten, statt auf die Politik, Wirtschaft und Wachstum zu warten. Entscheidungen und Handlungen sollten dezentralisiert werden, also wieder mehr lokal vor Ort geschehen. Transition ist in seinen Augen eine kreative Energie, die jeder für sich nutzen kann. Herzstück seiner Idee, die vor allem zu kulturellem Wandel führen soll, sind zum einen lokale Tätigkeiten und zum anderen Beziehungen und Kooperation. Das alles soll aber global wirken, also weitreichend die Welt verändern.

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Das Buch ist in vier Kapitel aufgeteilt. Im ersten Kapitel finden wir einen Bericht über den Status Quo der Welt hinsichtlich Klima, Energie und Wirtschaft und was passiert, wenn wir nicht handeln. Hier wird es sehr theoretisch: Hopkins stellt einige Zahlen und Fakten vor und spricht von zwei Ansätzen, die zurzeit in der Welt als einzige Handlungsmöglichkeiten auf die Probleme der Klimaerwärmung, Energieversorgung und Wirtschaftskrise gesehen werden: Sparmaßnahmen oder der „(Green) New Deal“.

Das bedeutet: Entweder wir schnallen den Gürtel enger oder es wird wieder Geld von zukünftigen Generationen geliehen, um neu zu investieren (egal ob in grüne Projekte oder konventionelle). Also das viel diskutierte Problem, ob wir weiterhin eine Wachstumsgesellschaft bleiben, oder unsere Ansprüche komplett zurückschrauben und genügsam leben wollen. In Europa wird eher der Ansatz des ewigen Wachstums gelebt: Sobald der Wirtschaft freie Bahn gemacht wird, kann sich diese entfalten und alles wird gut.

Hopkins aber ist gegen wirtschaftliches Wachstum und postuliert, dass wir für eine „postfossile“ Welt selbst etwas ändern müssen. Er fasst neue Ziele: Wohlbefinden, Glück, Gemeinschaft und Verbundenheit. Das sind auch die Hauptziele der Transition-Bewegung. Um dieses Ziel zu erreichen, ist lokale Resilienz das Stichwort. Dies bedeutet, dass ein System sich äußeren Störungen widersetzen kann und die Fähigkeit hat, sich allein neu zu organisieren. Dieser Begriff stammt aus der Psychologie und übertragen auf eine Stadt bedeutet er zum Beispiel, dass diese sich in einer Wirtschaftskrise durch ein zuvor aufgebautes lokales Wirtschaftssystem trotzdem selbst versorgen kann. Es geht dabei aber nicht um ein Abkapseln der einzelnen Gemeinden, sondern um weitreichendes Handeln.

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In Kapitel zwei spricht er von den Möglichkeiten, die wir haben, gemeinschaftlich lokales Handeln umzusetzen. Transition soll wie ein großes selbstgesteuertes Open-Source-Projekt funktionieren, das sowohl das Wohlbefinden der Menschen stärkt, als auch eine wirtschaftliche Herangehensweise darstellt. Transition-Inititativen wie zum Beispiel Transition Towns sollen sich global vernetzen, um sich gegenseitig zu inspirieren.

In jedem Kapitel stellt Hopkins einige dieser Transition-Initiativen kurz vor und fasst am Ende nochmal das Wichtigste zusammen. Da ist zum Beispiel der „Markt der Hoffnung“ in Spanien, der fast nur lokale Hersteller umfasst. Oder die Skillshare-Initiative, die jährlich zig kostenlose Kurse anbietet, in denen jeder seine Fähigkeiten weitergeben kann. Die Gruppenprozesse in den verschiedenen Transition-Gruppen entwickeln ihre eigenen Strukturen und Ideen. Was in einem Dorf gelingt, kann woanders schon wieder etwas ganz anderes sein. Er betont, dass Werkzeuge, Modelle und Experimente nötig sind, um das ganze auf eine große Ebene zu bringen. Viele Initiativen beschäftigen sich mit der lokalen Energieeffizienz, manche entwickeln eine eigene Währung um Unabhängigkeit zu schaffen und wieder andere legen sich einen riesigen Garten an. Nicht nur die lokale Gemeinschaft soll wachsen, sondern auch die Stadt oder Gemeinde soll lebenswerter werden und die Menschen in Kontakt kommen.

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In Kapitel 3 geht es um die praktische Umsetzung des bisher Gelesenen. Hopkins bringt konkrete Vorschläge zur Gruppenbildung und wie man eigentlich anfängt mit so einer Initiative. Wichtig ist dabei, dass Menschen motiviert werden und eine Kerngruppe bestehen bleibt, die den Überblick behält. Er benennt praktische Fähigkeiten und Strukturen, die eine solche Initiative befeuern. Gerade die praktische Umsetzung von Ideen wirkt glaubwürdig und zieht mehr Menschen an, die mitmachen wollen, weil sie sehen, dass etwas erreicht wird. Hopkins erläutert einige grundlegende Dinge, über die man nachgedacht haben sollte, wenn man loslegt: In welcher Größenordnung soll das Ganze wirken? Wie können wir ein Problembewusstsein schaffen und welche Vision wollen wir entwickeln? Wie können wir am besten Networking betreiben?

Zuguterletzt bringt er im letzten Kapitel noch einen Ausblick auf das, was möglich sein kann. Für ihn ist es kein Ding der Unmöglichkeit, den Global Players und der Globalisierung durch eine Graswurzelbewegung (= eine Bewegung die aus der Basis der Bevölkerung entsteht, wie auch die Transition-Bewegung) entgegenzuwirken. Anhand von einigen Beispielen schildert er ein mögliches Vorgehen und Resultate.

Am Ende des Buches finden wir noch einen Exkurs zu deutschen, österreichischen und schweizerischen Transition-Bewegungen und Ideen plus Material für weitere Informationen. Die Transition-Idee ist schon sehr weit verbreitet, es gibt wirklich fast überall Transition-Initiativen und -Gruppen, schaut hierfür einfach bei den Links (siehe unten) vorbei.

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Insgesamt ist dieses Buch wirklich toll aufgemacht, die Kapitel sind übersichtlich strukturiert und durch Zitate und Aufzählungen abwechslungsreich gestaltet. Ich konnte einige tolle Impulse aus dem Buch mitnehmen, jedoch ist mir immer noch nicht ganz klar, wie sich einzelne Initiativen auf die ganze Gesellschaft auswirken können. Hier fehlen mir Beispiele und Erfahrungsberichte. Auf mich wirkt Transition immer noch ein wenig wie Nachbarschaftsprojekte, die nur glücken, wenn sich motivierte Menschen getroffen haben.

Schön finde ich, dass Hopkins seinen Ansatz nicht als den einzig Wahren darstellt, sondern als einer von vielen, der unter dem Motto „Nachhaltigkeit“ läuft. Es ist schwierig, das Konzept „Transition“ konkret zu erfassen und eindeutig auf den Punkt zu bringen, wahrscheinlich da es keine „Anleitung“ dafür gibt, sondern aus dem Machen entsteht. Wer mehr wissen möchte, informiert sich über die Links, besucht einen Transition-Kurs („Werkzeuge des Wandels“) oder wirft einen Blick auf „Do Transition„.

Vielen Dank an den oekom Verlag für die Bereitstellung des Buches!

 

Mehr Informationen:
www.transition-initiativen.de
www.transitionnetwork.org

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Vom Wachsen und Schrumpfen. Die Konferenz „Wachstum im Wandel“ an der WU Wien

Von 22. bis 24. Februar 2016 hatte ich Gelegenheit für The bird’s new nest an der Konferenz „Wachstum im Wandel“ teilzunehmen, bei der ExpertInnen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft sowie…

Von 22. bis 24. Februar 2016 hatte ich Gelegenheit für The bird’s new nest an der Konferenz „Wachstum im Wandel“ teilzunehmen, bei der ExpertInnen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft sowie mehr als 600 TeilnehmerInnen in Wien zusammen kamen. Unter dem Motto „An Grenzen wachsen. Leben in der Transformationsgesellschaft“ wurde debattiert, wie man die Wirtschaft – nach gängiger Meinung nach wie vor zum ewigen Wachstum verdammt – und die natürlichen Grenzen unseres Planeten (Peak Oil, Peak Soil, Peak Everything) unter einen Hut bringen könnte bezwihungsweise wie die gängigen Lebens- und Wirtschaftspraktiken verändert werden müssten, damit ein gutes Leben für möglichst viele möglich wird, und zwar ohne dabei unsere eigene Lebensgrundlage (nämlich das Raumschiff Erde) zu zerstören. Keine einfachen Fragen also, die hier zur Diskussion standen und denen TeilnehmerInnen und Vortragende in einer Reihe von Panels, Workshops und Diskussionsrunden gleichermaßen beherzt zu Leibe rückten.

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Im Workshop „Overcoming Intrapersonal Limits in Order to Live Sustainably“, Bild: Wachstum im Wandel Konferenz 2016 / Jana Madzigon

Relative Einigkeit herrschte dann auch darüber, dass eine Transformation in Richtung Klimaschutz und Nachhaltigkeit dringend notwendig ist und die Rolle der Wirtschaft – als treibende Kraft von Ressourcen- und CO2-Verbrauch – dabei keinesfalls vernachlässigt werden darf. Der eigentliche Knackpunkt war die Frage, wie diese Transformation denn nun aussehen solle beziehungsweise was man dafür brauche und darüber gingen die Meinungen erwartungsgemäß weit auseinander. Umweltminister Andrä Rupprechter nannte als Hauptziel eine absolute Reduktion des Umweltverbrauchs bei gleichzeitiger Erhaltung der Arbeitsplätze und Sicherung „unseres“ Wohlstands: „Wir benötigen wirkungsvolle Instrumente sowohl auf globaler, europäischer als auch nationaler Ebene. Es wird darum gehen, den Wohlstand einer Gesellschaft zu bewerten, denn ein lebenswertes Österreich kann nicht nur am Bruttoinlandsprodukt gemessen werden. Wir brauchen darüber hinaus ergänzende Indikatoren“, so der Minister. Auch Alexandra Wandel, Vorständin des World Future Councils betonte alternative Indikatoren zum BIP als wesentlichen Faktor, um den tatsächlichen (also auch sozialen und ökologischen) Wohlstand einer Gesellschaft bewerten und davon notwendige Handlungsalternativen ableiten zu können.

In eine denkbar andere Richtung argumentierte der deutsche Gehirnforscher Gerhard Hüther – einigen vielleicht auch aus Erwin Wagenhofers letzter Doku „alphabet“ bekannt –, der als maßgeblichen Grund für die Misere, in der wir stecken, den Mangel an Co-Kreativität sieht, der uns daran hindert, umzudenken und gemeinsam, in Interaktion mit anderen Menschen, zu besseren Systemlösungen zu gelangen.

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Professor Tim Jackson, Bild: Wachstum im Wandel Konferenz 2016 / Jana Madzigon

Tim Jackson, Professor für Nachhaltige Entwicklung an der University of Surrey und Autor des Bestsellers „Prosperity without Growth“ wiederum, sieht in unserer westlichen Konsumkultur eines der Hauptprobleme. Als wäre es nicht genug, dass sich die Menschen (scheinbar) freiwillig auf Basis von Konsumgütern selbst definieren, wird das Kaufen seiner Ansicht nach darüber hinaus regelrecht zur Bürgerpflicht erhoben, um die (marode) Wirtschaft zu defibrillieren. Diesen Kreislauf zu durchbrechen und stattdessen eine Gesellschaft zu etablieren, die sinnvolle und gerechte Arbeitsmöglichkeiten bietet, in der gezielt in nachhaltige Entwicklung investiert wird (zum Beispiel in erneuerbare Energien) und regenerative Unternehmen einen wesentlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Wohlbefinden leisten nennt er als wesentliche Ausgangspunkte um dem Dilemma zu entkommen. Oder, um es in seinen Worten zu sagen: „Is it possible to have more fun with less stuff? I would argue that it is!“

Neben den oben genannten, kamen natürlich auch noch zahlreiche andere Personen zu Wort, beispielsweise Sigrid Stagl, Professorin für Ecological Economics an der Wirtschaftsuniversität Wien, Hans Bruyninckx, Chef der Europäischen Umweltagentur, Karl Aiginger vom Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut oder Janež Potočnik, EU-Umweltkommissar a. D. Falls ihr mehr über diese Personen oder die Konferenz im Allgemeinen erfahren möchtet, empfehle ich einen Besuch der Konferenz-Website, auf der alle drei Veranstaltungstage mit Fotos, Slides und Texten dokumentiert sind.

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Befreiung vom Überfluss – Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie

Heute stelle ich euch einen richtigen Klassiker vor: Niko Paech gilt als der deutsche Wachstumskritiker schlechthin. In seinem kleinen Büchlein „Befreiung vom Überfluss – Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie“…

Heute stelle ich euch einen richtigen Klassiker vor: Niko Paech gilt als der deutsche Wachstumskritiker schlechthin. In seinem kleinen Büchlein „Befreiung vom Überfluss – Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie“ zeigt er auf, wieso (wirtschaftliches) Wachstum in der Gesellschaft ein Trugbild darstellt und was sich ändern muss, damit wir wirklich nachhaltig und umweltfreundlich leben.

Für seine Argumente sollte man sich Zeit nehmen, denn Paech schreibt nicht gerade locker. Seine Sätze sind oftmals verschachtelt oder mit Fremdwörtern gespickt. Mir fiel es stellenweise schwer durchzuhalten. Das sehr textlastige Layout des Buches macht es hier nicht besser.

Aber nun zu Wichtigerem, dem Inhalt!

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Paech geht von der Grundthese aus, dass Wachstum nie ohne Zerstörung funktioniert. Sein Credo: Weniger intensiver nutzen und reduzieren. In Kapitel Eins zeigt Paech auf, wie wir alle über unsere Verhältnisse leben: Wir gehen selbstverständlich davon aus, grenzenlose Mobilität und alles jetzt haben zu können und später erst bezahlen zu müssen. Unser westlicher Wohlstand basiert lediglich auf Pump, da die Wirtschaft sich an noch nicht erbrachten Leistungen bedient.

Im zweiten Kapitel deckt er die wahre Bedeutung von „Effizienz“ und „Innovation“ auf. Erstere ist lediglich eine Verdichtung von Raum und Zeit, wie zum Beispiel die Arbeitsteilung. Dadurch, dass sich verschiedene Einheiten auf eine Sache spezialisieren, müssen dafür unzählige andere Faktoren einberechnet werden, wie zum Beispiel lange Transportwege – ein wirklich nachhaltiger Effekt entsteht dadurch nicht. Genauso sogenannte Innovationen oder Fortschritt. All das funktioniert nur, weil wieder mehr Energieverbrauch entsteht und weitere Ressourcen geplündert werden. Auch die (physische) Arbeitskraft der Menschen hat abgenommen, daher können wir nicht einmal behaupten, wir hätten uns den Wohlstand erarbeitet. Was heute Effizienz bedeutet, ist eigentlich nur die Delegierung von Aufgaben an „Energiesklaven“ – wie Paech Computer und ähnliches nennt. Er macht es noch konkreter: Wir haben Wohlstand durch schmutzige Geschäfte (siehe zum Beispiel die Modebranche) und einem immens hohen Verbrauch an Ressourcen, Energie und Fläche. Das Resultat: Ökologische Plünderung. Aber nicht nur das, auch wir entfernen uns immer mehr von eigenen Fähigkeiten, gegenwärtigen Möglichkeiten und lokalen Ressourcen.

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Die Folgen werden in Kapitel Drei noch deutlicher. Wir leben in einem Fremdversorgungssystem, in dem wir komplett abhängig sind von der Existenzsicherung durch äußere Umstände (homo consumens). Wir sind vor allem abhängig von knapper werdenden Gütern, allen voran das Erdöl. Da selbst sozialer Fortschritt nur durch ökonomische Expansion erreichbar ist, steigt auch unsere soziale Fallhöhe. So entwickeln wir Zukunftsängste.

Richtig spannend wird es in Kapitel Vier – was ist denn mit „grünem“ Wachstum? Nach Paech entstehen dadurch meist nur Verschlimmbesserungen. Um „grünes Wachstum“ von „konventionellem Wachstum“ zu entkoppeln ist Fortschritt nötig; oft auch neue Technologien. Dies wiederum fordert zum Beispiel neue Herstellungsprozesse, also auch wieder starken Ressourcen- oder Energieverbrauch. Oftmals werden ökologische Probleme also nur verlagert. Oder die Nutzung der Produkte steigt und somit auch wieder die Produktion und der Verbrauch – ein Teufelskreis! Ökologische Entlastungseffekte sind also selbst durch grünes Wachstum nur theoretisch möglich. Um wirklich ökologisch zu handeln, hilft es also nur den Input komplett zu reduzieren. Es gibt keine per se nachhaltigen Technologien oder Objekte, nur Lebensstile! Daher müssen wir uns weniger auf Objekte, sondern Subjekte fokussieren.

Im letzten Kapitel erklärt Paech, was zu einer Postwachstumsökonomie nötig ist. Das hieße also konkret eine Verkürzung der Produktionsketten, mehr lokale und kleinräumige Ökonomien und eine Deglobalisierung. Praktische Beispiele wären eine eigene lokale Währung oder resiliente Lokalversorgung einzuführen. Die Arbeitsproduktivität sollte gesenkt und eine längere Haltbarkeit von Produkten ermöglicht werden. Generell sollten wir wieder mehr unsere eigenen Fähigkeiten einsetzen, also mehr selber machen. Denn „souverän ist nicht, wer viel hat, sondern wenig braucht“. Klar, Reduktion und Selbermachen klingt erst mal schwierig. Aber sind wir nicht auch glücklicher, wenn wir wissen, wie die Dinge hergestellt werden und damit mit unserem Gewissen im Reinen sind?

Auch wenn dieses Buch etwas schwierig zu lesen ist und man viele viele Sätze zweimal lesen muss: Es lohnt sich! Selbst wenn teilweise manche Argumente etwas in der Luft stehen, ich hätte mir hier weitere konkrete, praktische Beispiele gewünscht.

Danke an den Oekom-Verlag für die Bereitstellung des Buches!

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Ein guter Tag hat 100 Punkte – Auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Alltag

Bücher zum Thema Umweltschutz gibt es inzwischen wirklich viele. Dabei gibt es aber einige, die lediglich theoretische Zusammenhänge erklären und nur wenig praktische Beispiele bringen. Nach dem Lesen ist man…

Bücher zum Thema Umweltschutz gibt es inzwischen wirklich viele. Dabei gibt es aber einige, die lediglich theoretische Zusammenhänge erklären und nur wenig praktische Beispiele bringen. Nach dem Lesen ist man dann irgendwie überfordert von der komplexen Thematik und weiß gar nicht, wo man bei so vielen Problemfeldern überhaupt anfangen soll. Auch wenn es wichtig ist, sich immer wieder tiefgehend mit verschiedenen Themen zu befassen, wünsche ich mir manchmal einfach nur praktische Tipps für den Alltag, um die Welt ein Stück zu verändern.

Ein guter Tag hat 100 Punkte“ von Thomas Weber ist so ein Buch. 2014 erschienen hatte ich dieses Buch in diversen Magazinen gesehen und es mir notiert. Konkrete Handlungsideen klingen immer gut finde ich. Vom Konzept her erinnert das Buch ziemlich an „Einfach die Welt verändern: 50 kleine Ideen mit großer Wirkung„. Der Autor, bekannt als Herausgeber der Zeitschrift Biorama“, bezieht sich anfangs auf ein Punktesystem, das unter eingutertag.org als Open-Source-Projekt frei zugänglich ist. Lebensmittel, Gewohnheiten und Alltagsaktivitäten werden Punkten zugeordnet. Pro Tag sollte man nicht über 100 Punkte kommen, damit keine übermäßigen Ressourcen verbraucht werden, die mir (theoretisch) nicht zustehen.

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Herzstück des Buches ist aber nicht dieses Punktesystem (es dient lediglich zur Inspiration), sondern 29 Ideen und Impulse zum Weiterdenken und proaktiven Handeln, welche die eigene (Um-)Welt ein Stück besser machen können. Konkret stellt er hierbei pro Kapitel verschiedene Initiativen und Personen vor, die umdenken. Ob das nun ein Waschmaschinen-Mietservice oder eine Online-Kleidertauschbörse ist. Die einzelnen Kapitel sind kurz und prägnant und bildlich begleitet von kleinen thematisch passenden Piktogrammen, welche jeweils eine Punktezahl anzeigen – zur Orientierung.

Weber lädt ein, Gewohntes zu hinterfragen und auszuprobieren, dabei folgt er keiner Ideologie, sondern zeigt konkrete Zusammenhänge auf. Am Ende jedes Kapitels folgen einige weiterführende Links und Tipps. Nach einer kurzen Einführung folgen die 29 Kapitel, die in minimalistischem Design Lust aufs Lesen machen. In diesen Kapiteln wird jeweils eine Handlungsanweisung gestellt, wie zum Beispiel „Zelebriere den #tierfreitag“. Weber erklärt dann an konkreten Beispielen, was diese Idee mit unserer Umwelt zu tun hat. So stellt er in „Werde Bauer auf Zeit (zumindest im Urlaub)“ das WWOOF-Prinzip vor, bei dem man nach Anmeldung auf Bauernhöfen in aller Welt auf Zeit mitarbeiten kann. Oder bringt Argumente vor, warum wir unbedingt einen Co-Working-Space einrichten sollten.

Weber geht es also nicht nur um Umweltschutz, sondern auch um die soziale Umwelt, wie zum Beispiel im Kapitel „Lass anschreiben, aber für andere“. Besonders gefiel mir das Thema „Such dir einen Bauern“ in dem es um den guten Kontakt zum Bauern geht, weil damit Wertschätzung für den Landwirt und Bewusstsein fürs Essen geschaffen werden soll. Und „Кauf gemeinsam mit Gleichgesinnten ein“ in dem es um Food-Coops geht. Weniger gut fand ich dagegen die eher provokanteren Kapitel wie „Schlachte ein Huhn“ oder „Iss Innereien“, doch diese Kapitel kann man als Vegetarier/in oder Veganer/in wirklich überspringen.

 

Besonders empfehlenswert: Das Kapitel über unsere gefilterte Wahrnehmung („hyperindividueller Erfahrungshorizont“) vor allem wenn es um soziale Netzwerke geht. Sein Rat: Sich ein buntes Meinungsspektrum einholen und dann eine eigene Meinung bilden. Insgesamt ist Weber sehr genußorientiert, denn seine Devise ist: Essen muss besser werden und nur nachhaltiges Essen hat wirklich Qualität und schmeckt. Doch sein Credo ist auch, dass Diversität nur dadurch erreicht werden kann, dass man zum Beispiel wieder alte Tierrassen isst. Da bin ich etwas skeptisch, denn seine Argumente dazu scheinen etwas weit hergeholt. Oder der Vergleich, welches Haustier am wenigsten umweltschädlich ist. Weber rät hier zum Kaninchen statt zur Katze. Der Vergleich hinkt etwas, denn im Tierheim warten einige Katzen, die sicher nicht auf ewig dort bleiben wollen, nur weil wir umweltfreundlich leben wollen. Insgesamt fehlen mir auch Quellenbelege.

Schön finde ich, dass er klar macht, wie wichtig der gegenseitige Austausch und die Schaffung eines Bewusstseins für Lebensmittel und deren Herstellung (und damit auch Tierhaltung) ist. Er geht auf wichtige Themen wie den Suffizienz- oder De-Growth-Ansatz ein. Insgesamt sind manche Tipps leider nicht allzu neu. Vieles hat man inzwischen schonmal gehört oder schon in einigen Magazinen gelesen. Hier seien vor allem die Kapitel „Radle zur Arbeit“ und „Lass dein Auto stehen“ genannt. Auch das Gesamtkonzept des Buches im Bezug auf den Titel geht nicht ganz auf: Geht es jetzt um Klimaschutz, worauf das Punktekonzept (ähnlich dem ökologischen Fußabdruck) ja eigentlich bezogen ist? Oder generell darum „ein guter Mensch zu sein“, wegen den vielen sozialen Initiativen im Buch?

Trotzdem sind die vielen Ideen sehr gut verständlich und kompakt zusammengefasst und die meisten Impulse gute Basics um weiterzudenken. Ich denke das Buch wäre gerade für Neulinge auf diesem Gebiet ein echt tolles und wertvolles Geschenk! Danke an den Residenz-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Weitere Infos:
Im März 2016 erscheint der zweite Teil des Buches. Inzwischen gibt es ein (Online-)Memory passend zum Buch: memo.eingutertag.org
Infos zum 100-Punkte-Konzept: eingutertag.org

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Mit Global2000 bei der Klimakonferenz COP21 in Paris

Wenn man die Möglichkeit hat, im Auftrag von The bird’s new nest und vegan.at mit Global 2000 im Zuge der Klimakonferenz COP 21nach Paris zu fahren, ist das ein Angebot,…

Wenn man die Möglichkeit hat, im Auftrag von The bird’s new nest und vegan.at mit Global 2000 im Zuge der Klimakonferenz COP 21nach Paris zu fahren, ist das ein Angebot, das man nur schwer ablehnen kann. Deshalb ging es am Abend des 10. Dezember 2015 für mich per Bus nach Paris. Im Bus waren diverse Global2000 AktvistInnen und MitarbeiterInnen sowie VertreterInnen und AktvistInnen von anderen NGOs, wie zum Beispiel attac, und AktvistInnen aus Kroatien um allesamt vor Ort diverse Demonstrationen zu besuchen. Zusammen waren wir cirka 50 Leute. Wir kamen um 12 Uhr mittags am Freitag, nach einer 15 Stunden langen Reise, direkt beim Eiffelturm an. Die erste Aktion startete sofort, es wurden Fotos mit Klimaschutzforderungen von Gruppen aus ganz Österreich aufgenommen um diese Forderungen aus Österreich symbolisch nach Paris zu bringen.

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Bild: Global 2000

Danach hatten wir die Möglichkeit, im Hostel ein wenig zu Ruhe zu kommen. Nach dieser kleinen Pause ging es zu einem internationalen Friends of the Earth Treffen. Friends of the Earth ist die Dachorganisation des österreichischen Vereins Global 2000, die ihren Hauptsitz in Amsterdam hat. Bei diesem Treffen waren junge AktivistInnen aus ganz Europa vertreten, um genauso wie wir an Demonstrationen teilzunehmen und internationale Kontakte zu knüpfen. Dort angekommen habe ich mich zu einer von vielen kleinen Arbeitsgruppen gesetzt, die Themen wie „Transport“, „Erneuerbare Energien“ und „Fossile Brennstoffe“ diskutierten. Meine Arbeitsgruppe hatte das Thema „Essen“.

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Es war sehr interessant, Leute aus anderen Ländern über Probleme mit weitreichendsten Folgen wie Klimawandel, Regenwaldabholzung, Überfischung, Artensterben, Verschwendung von Nahrungsmitteln und vieles mehr sprechen zu hören, die alle durch Viehzucht entstehen – und deren Schwierigkeiten, dieses Bewusstsein unter die Bevölkerung zu bringen. Ich konnte wegen meiner Erfahrung bei der Veganen Gesellschaft Österreichs ein paar Tipps für die Vermarktung an Schulen einbringen, da ein Mädchen aus Dänemark ein Projekt an ihrer Schule macht: Generell wirkt das Wort „vegan“ sehr abschreckend, weswegen die Benennung von nachhaltigen veganen Speisen als „Klimaspeise“ sich als viel effektiver erweist. Andere Probleme, wie klimaschutzfeindliche Regierungen wurden besprochen, aber keine Lösungsvorschläge gefunden. Außerdem waren auf dem Treffen diverse Arbeitsbereiche mit Vorträgen zu verschiedenen Themen, Möglichkeiten für die Demonstrationen Schilder zu basteln und sich mit anderen AktivistInnen zu vernetzten.

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Später an diesem Abend war ich bei einem Vortrag einer amerikanischen Journalistin namens Amy Goodman, die die unabhängige und erfolgreiche Nachrichtenplattform Democracy Now! ins Leben gerufen hat. Ihre Ansprache über die COP21 war sehr inspirierend, die Wichtigkeit von Aktvisimus und unabhängigen Nachrichtplattformen wurde deutlich von ihr betont. Die Mainstream Nachrichtenplattformen sind laut Amy viel zu wenig reflektiert und eher darauf ausgerichtet, den Leuten eine politisch gefragte Meinung einzutrichtern. Damit sich in dem heutigen System etwas ändert, sei es von immenser Wichtigkeit, dass es mehr und mehr unabhängige Nachrichtenplattformen wie die ihre gibt.

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Samstag Früh nach dem Frühstück sind wir in Richtung einer sehr coolen Aktion aufgebrochen. Tausende AktvisitInnen haben sich in hunderte kleine Gruppen aufgeteilt und sind zu bestimmten Koordinaten in Paris gegangen. Sobald sie an ihrem Punkt waren, haben sie ein Foto von sich an diesem Ort gemacht und es auf eine Internetseite hochgeladen, womit dann über ganz Paris der Schriftzug „Climate Justice Peace“ virtuell einsehbar war. Der Sinn dieser Aktion war, auf die Forderung „Climate Justice“ aufmerksam zu machen. „Climate Justice“ bedeutet so viel wie Energiesouveränität für Gemeinden und die Rechte dieser, ihre eigenen nachhaltigen Energien auszuwählen und die Entwicklung von nachhaltigem Konsum voranzutreiben.

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Nach dieser Aktion sind wir zur Abschlusskundgebung für die COP21 beim Eiffelturm gegangen. Dort waren circa 10.000 Leute, wenn nicht sogar mehr. Es war sehr schön zu sehen, dass so viele Menschen sich dazu entschieden haben, diesen Nachmittag auf die Straßen zu gehen, um gemeinsam in Form einer Menschenkette ein Zeichen für Klimagerechtigkeit zu setzen.

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Bild: Global 2000

Am Ende der Demonstration hielt Amy Goodman eine Ansprache über den beschlossenen Vertragstext der Klimakonferenz, der von allen Ländern unterzeichnet wurde. Entgegen der Mainstream-Medien und leider sogar vieler Umwelt-NGOs war das Abkommen ihrer Meinung nach alles andere als der so große Erfolg, als der er verkauft wurde. Abgesehen davon, dass ein Deal zustande gekommen, die Welt sich mit dem Thema „Klimawandel“ beschäftigt hat, und die Möglichkeit besteht, dass es zukünftig mehr Unterstützung für erneuerbare Technologien geben wird, gab es nicht viel Positives. Die Wörter „fossil fuels“, „oil“ oder „coal“ sind im kompletten Vertragstext nicht zu finden. Rechte von indigenen Gruppen wurden herabgestuft und es besteht weder ein Plan mit konkreten Maßnahmen, wie das 1,5 Grad Ziel erreicht werden soll, noch ein Finanzierungsplan.

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Der ganze Beschluss beruht außerdem auf Freiwilligkeit, sprich kein Land ist verpflichtet, Emissionen zu streichen und Verstösse werden auch nicht geahndet. Sobald etwas nicht verpflichtend ist, wird es meiner Meinung nach immer andere, „wichtigere“ Themen geben, die behandelt werden müssen. Es ist vergleichbar damit, als würde man einen Kredit aufnehmen, ohne festgelegte Rückzahlungsraten, mit unbestimmter Laufzeit, und ohne Sanktionen, sollte der Kredit von mir doch nicht zurückgezahlt werden. Das beschlossene Ziel von maximal 1,5 Grad Celsius Erderwärmung, klingt zwar gut, ist jedoch nach dieser Konferenz endgültig nur noch ein Wunschtraum, der unmöglich in Erfüllung gehen wird.

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Ganz abgesehen von dem Vertragstext selbst erschüttert es mich immer und immer wieder, dass das Thema Viehzucht und Fleischkonsum, obwohl dies der größte Umweltzerstörer in so ziemlich allen umweltrelevanten Bereichen ist, gar nicht bis kaum angesprochen wird. Ich denke, das liegt hauptsächlich daran, dass die Tierindustrie eine der größten Lobbygruppen weltweit hat und die Bevölkerung zu diesem Thema kaum bis gar nicht aufgeklärt ist. Sogar manche UmweltschützerInnen machen den Eindruck, als ob sie von diesem Problem nichts wüssten. Laut Personen, die auf der Konferenz selbst waren, gab es dort kaum Auswahl für VegetarierInnen, geschweige denn ein veganes Angebot. Wieso darf dort überhaupt Fleisch und Fisch konsumiert werden, fragt man sich, obwohl die Fleisch- und Kuhmilchproduktion der Verursacher Nummer 1 von Regenwaldabholzung, Artensterben, Überfischung, Nahrungsmittelverschwendung, Landnutzung, Wasserverschmutzung, Lebensraumzerstörung, Totwassergebieten und mehr ist? Diese ist außerdem einer der Hauptverursacher des Treibhausgasausstoß – weit mehr als der gesamte Transportsektor mit Autos, Schiffen und Flugzeugen zusammen.

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Nach diesen sehr anstrengenden, ermüdenden und dennoch hoffnungsvollen Tagen sind wir Samstag Abend von unserem Hostel aus nach Wien aufgebrochen und am Sonntag sicher am frühen Nachmittag wieder beim Global 2000 Büro angekommen.

Die Stimmung in Paris war trotz der Anschläge vor einigen Wochen, weder gedrückt noch beeinflusst, zumindest war das mein Eindruck. Ich hab an diesen wenigen Tagen sehr viel zum Thema Umweltschutz, Aktivismus und Nachrichten mitnehmen können. Außerdem durfte ich natürlich viele neue und nette Leute kennenlernen.

Ein großes Dankeschön an Global 2000, die diese Reise organisiert haben und natürlich an Edda, die mir die Reise möglich gemacht hat.

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Das war die Vegan Planet und Yoga Planet 2015!

Am letzten November-Wochenende diesen Jahres fand die Vegan Planet, organisiert von der VGÖ, zum zweiten Mal in Wien statt. Letztes Jahr hat Kathi von der größten veganen Messe Österreichs berichtet, dieses…

Am letzten November-Wochenende diesen Jahres fand die Vegan Planet, organisiert von der VGÖ, zum zweiten Mal in Wien statt. Letztes Jahr hat Kathi von der größten veganen Messe Österreichs berichtet, dieses Mal habe ich die Veranstaltung gemeinsam mit Tanja besucht, weil mir die Veganmania in Wien diesen Sommer so gut gefallen hat, dass ich mir die Vegan Planet auf keinen Fall entgehen lassen wollte.

Von 27. bis 29. November 2015 konnten wie auch schon im Vorjahr die Messen Vegan Planet und Yoga Planet unter einem Dach im Gebäude des Museums für angewandte Kunst in Wien besucht werden. Auf 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche gab es auf der Messe für pflanzliches Genießen unter anderem eine bunte Vielfalt an veganem Essen, veganer Kosmetik und veganer Mode zu entdecken. Bunt darunter gemischt gab es jede Menge zum Thema Yoga, aber auch Ayurveda, Shiatsu und Co.

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Am Samstag, früher Nachmittag, ging es also auf ins MAK – und gefühlt hatte halb Wien den gleichen Plan an diesem Tag um die gleiche Uhrzeit die Messe zu besuchen. Schon beim Eintreten war klar: Die Messe ist mehr als gut besucht! Die Wartezeit an der Garderobe war trotzdem minimal, aber die Temperatur im unteren Bereich war unerwartet warm.

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Deshalb führte uns unser erster Weg direkt zum Eis, denn Abkühlung war wirklich dringend nötig. Und das Angebot von Freiraum sah außerdem unglaublich lecker aus, also gab es ein exzellentes Mango-Eis am Stiel. Nachdem für die nötige Erfrischung gesorgt war, machten wir uns nun auf die Suche nach weiteren kulinarischen Köstlichkeiten.

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Denn eines habe ich mittlerweile gelernt, auf veganen Veranstaltungen gibt es Unmengen an leckerem Essen. Und obwohl ich mit einem sehr gesunden Appetit gesegnet bin, ist es unmöglich, sich bei einem Besuch durch alles durchzukosten. Alleine aus diesem Grund wäre es angeraten, mehr als einen Tag für den Besuch einzuplanen, wenn es die Zeit zulässt (was in meinem Fall leider nicht möglich war).

Bei Dancing Shiva Superfoods, die roh-vegane Vitalküche und Getränke in Bio-Qualität mit jeder Menge Superfood-Power anbieten, gab es Smoothies, Kakaoelixiere, Snacks, Wraps, Torten, Desserts und vieles mehr – hier haben wir uns nur mit einer leckeren Limonade gestärkt, aber nachdem wir eines unserer Redaktionstreffen bei Dancing Shiva abgehalten haben, kann ich auch das Restaurant wärmstens empfehlen.

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I love Veggie Burger sah sehr interessant aus, dem Lokal werde ich auf jeden Fall in näherer Zukunft einen Besuch abstatten, denn für einen guten veganen Burger bin ich immer zu haben. Entschieden habe ich mich aber letzten Endes für die Falafeln mit Hummusvariationen (Bio und Fair Trade!) von Lemberona – Elmiras vegane, glutenfreie Bio-Schmankerln. Superlecker!

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Gerade als wir uns einen Stehplatz zum Essen gesichert hatten ging die Kochshow mit „Vegana Indiana“ Andreas Bilgeri los, der zeigte, wie man ohne viel Aufwand Soja und Seitan kochen kann, als Beilage gab es Creme-Polenta mit Kürbiskernen. Zum Dessert folgte ein Kokos-Grießschmarren mit Datteln. Das alles konnte von den Zusehern auch probiert werden, ich musste leider passen, war ich doch mit meinen Falafeln mit Humus beschäftigt.

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Gestärkt starteten wir dann mit einen Rundgang durch die Messe, wobei sowohl die Gänge zu schmal als auch der Andrang zu groß war, denn das Weiterkommen war etwas mühsam und es war kaum möglich, sich alles in Ruhe anzusehen. Zum Glück war im oberen Stockwerk etwas weniger los, was nicht heißt, dass wenig los war, denn es wurde in zwei Bereichen fleißig Yoga betrieben.

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Eine große Anziehung verübte der Shiatsu-Stand auf uns, deshalb gab es für jeden von uns zehn Minuten Entspannung zwischendurch. Danach waren wir uns einig, die Massage hätte ruhig noch um einiges länger dauern können, aber es gab ja auch noch so viel mehr zu entdecken!

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Zum Beispiel die Vegan Heroes aus Berlin – eine geniale Idee! In Filmen werden die Heldinnen und Helden bewundert, aber die ZuseherInnen vergessen dabei oft, dass sie selbst stark und einflussreich sein können. Die Vegan Heroes wollen auf untypische und unbeschwerte Weise zu einem veganen Lebensstil ermutigen und inspirieren. Unter dem Motto „Go Vegan – Be A Hero“ konnte man sich mit den Vegan Heroes fotografieren lassen, diese selber ablichten oder sie einfach nur bewundern.

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Zum Glück hatten wir trotz des Trubels etwas Zeit, neue Bekantschaften zu schliessen, wie zum Beispiel mit dem Team von animal.fair. animal.fair ist eine unabhängige und gemeinnützige NPO, die sich für ethischen, nachhaltigen und verantwortungsvollen Konsum einsetzt – zum Wohle von Mensch, Tier und Umwelt. Das supernette Gespräch wurde dann mit einem Foto abgeschlossen.

Aber auch „alte“ Bekannte wurden angetroffen, ich habe mich sehr gefreut, mal wieder mit Karin von Beechange.com plaudern zu können, die ja schon ein paar Mal auf The bird’s new nest vertreten war. Bei Beechange.com gibt es alles für ein grünes Leben: Von Edelstahl-Lunchboxen über Bambus-Zahnbürsten bis zu einpflanzbaren Samen-Bleistiften, nach dem Motto „Fair zu Umwelt, Mensch & Tier“. Einen Besuch der Homepage kann ich genau wie bei animal.fair sehr empfehlen!

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Den Preis für den schönsten Stand verleihe ich hiermit übrigens Freiraum, denn dieser war so liebevoll und ansprechend gestaltet, dass sich hier so mancher Messebauer eine Scheibe abschneiden kann. Alle Daumen hoch dafür!

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In den Freiraum Coffeeshop-Delis bekommt ihr ausschließlich selbstgemachte Produkte wie Kaffee, Pitas, Kuchen, Salate, Eis am Stiel und vieles mehr, sehr vieles davon vegan. Alles wird frisch und ohne Zusatzstoffe zubereitet – ich werde mir Freiraum auf jeden Fall noch genauer ansehen.

Einer der Gründe, warum es am Samstag zur Vegan Planet ging war Martin Balluchs Vortrag zum Thema „Warum ich vegan bin“. Obwohl ich Martin Balluch als Person quasi schon ewig kenne, habe ich es bis jetzt nicht geschafft, ihn irgendwo öffentlich sprechen zu hören und das wollte ich auf jeden Fall nachholen.

DDr. Martin Balluch, Obmann des VGT, lebt mittlerweile seit über 26 Jahren vegan – und das aus Überzeugung: Tiere sind Persönlichkeiten mit eigenem Willen, der respektiert werden muss. Sie zu nutzen und gar zu töten, um sie zu essen, widerspricht diesem Respekt. Noch spannender wurde es, als der Vortrag auf die globalen Auswirkungen des Konsums von Tierprodukten einging. Martin Balluch war jahrelang als Wissenschaftler an vorderster Front in der Klimaforschung aktiv – den Zusammenhang zwischen Tierproduktion und dem Klimawandel hier nochmals aufbereitet zu sehen war sehr interessant. Und beängstigend.

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Komplett neu war für mich die Erkenntnis des absurden Verhältnis zwischen dem Anteil an Menschen und Nutztieren im Vergleich zu Wildtieren. Die Welt ist zu mehr als der Hälfte von Nutztieren bevölkert, den Rest macht die Menschheit aus. Nur noch ein verschwindend geringer Teil sind Wildtiere – und es werden immer weniger. Schlüssig wurde von Martin Balluch erklärt, wieso vegane Ernährung Raum schaffen kann, Wildnisgebiete zu erhalten und den Wildtieren wieder einen Freiraum zu bieten, selbstorganisiert und vom Menschen unabhängig zu leben.

Der Vortrag hat mich ein weiteres Mal darin bestärkt, dass der vegane Lebensstil für mich der richtige ist, ich kann jedem empfehlen, Vorträge von Martin Balluch zu besuchen, solltet ihr irgendwann einmal die Gelegenheit dazu haben.

Mein Fazit zur Vegan Planet? Ein Tag ist nicht genug! Die Menge an Ausstellern, Vorträgen und nicht zuletzt das kulinarische Angebot würde locker einen täglichen Besuch rechtfertigen. Noch besser fände ich, wenn die Yoga Planet von der Vegan Planet abgekoppelt oder zumindest räumlich komplett getrennt werden würde. Bei dem enormen Ansturm liegt die Vermutung nahe, dass sich das MAK nächstes Jahr alleine durch die Vegan Planet füllen lassen könnte. Super wären auch mehr Plätze zum Hinsetzen und Relaxen gewesen, hier hat mir von der Aufteilung die Veganmania sehr gut gefallen. Stände im unteren Bereich und Vorträge, Kulinarik und Sitzgelegenheiten im oberen Stockwerk könnte ich mir gut vorstellen.

Und was sagt Tanja als Nicht-Veganerin dazu? „Ich fand die Vielfalt des Angebots toll, das beweist, dass ein Bewusstsein für vegane Ernährung längst im Mainstream angekommen ist. Ich kann die Messe auch für nicht vegan lebende Menschen empfehlen!“

Wir sind auf jeden Fall nächstes Jahr wieder dabei und freuen uns schon auf die Veganmania im Sommer! Gratulation an die VGÖ für diese gelungene Veranstaltung und weiter so – für mehr tolle vegane Events!

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Fürs Klima (ver)handeln. Das SPIELART Festival bringt Rimini Protokolls „Welt-Klimakonferenz“ nach München

Wie wäre es eigentlich, mal selbst an einer UN-Klimakonferenz teilzunehmen? Wie läuft so etwas ab? Wer spricht mit wem? Welche Prozesse führen zu den Entscheidungen, die dann den Ausschlag über…

Wie wäre es eigentlich, mal selbst an einer UN-Klimakonferenz teilzunehmen? Wie läuft so etwas ab? Wer spricht mit wem? Welche Prozesse führen zu den Entscheidungen, die dann den Ausschlag über Fortbestand oder Sinken ganzer Inselstaaten oder die (Nicht-) Erreichung des 2-Grad-Ziels geben? Am Samstag vergangene Woche, knapp drei Wochen vor Start der COP21 in Paris, hatte man beim SPIELART Festival in München Gelegenheit, es auszuprobieren.

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll. Auf dem Foto von links: Ute Hannig, Dr. Florian Rauser, Dr. Sebastian Sonntag © Aysegül Suna / Kunstschule Wandsbek

Die Idee hinter der 2014 am Hamburger SchauSpielHaus entstandenen „Welt-Klimakonferenz“ der Theatergruppe Rimini-Protokoll, die versucht die Mittel des Theaters weiterzuentwickeln um „ungewöhnliche Sichtweisen auf unsere Wirklichkeit zu ermöglichen“, ist hierbei so simpel wie genial: Bringe reale Expertinnen und Experten aus verschiedenen klimarelevanten Bereichen (Geografie, Meteorologie, Wirtschaft etc.) mit interessiertem Publikum zusammen, mache sie alle zu DarstellerInnen und und lasse sie im Laufe eines Abends die wesentlichsten Abläufe einer realen Klimakonferenz in komprimierter Form nachstellen.

Gleich beim Kartenabriss in den Münchner Kammerspielen, wo die Veranstaltung stattfand, bekam man hierfür ein Schlüsselband mit einem kleinen Heftchen überreicht, auf dessen Cover eine Flagge und ein Landesname prangte. Dieses verkörperte sozusagen den Zutrittspass für die „Welt-Konferenz“ und gab einem außerdem Aufschluss darüber, welches Land man im Laufe des Abends vertreten würde. In meinem Fall war es Uganda und mein Heftchen enthielt nicht nur die Agenda für die kommenden Stunden sondern auch relevante Grundsatzinformationen zu dem von mir vertretenem Land (Bevölkerung, Klima, CO2-Verbrauch, Wohlstand etc.).

Aufgebaut war der Abend angelehnt an eine reale Klimakonferenz, was heißt, dass jede Länder-Delegation verschiedene Termine wahrnehmen musste, die einen nicht nur quer durchs Theater sondern sogar aus diesem heraus führten. Auf Basis der gewonnen Informationen konnte man dann am Ende über CO2-Einsparungsziele für die kommenden Jahre und den Beitrag zum Green Climate Fond entscheiden oder sein Land ganz im Gegenteil vor allem als Leidtragenden des Klimawandels positionieren (Stichwort: „Loss & Damage“). Da die Termine für jede Delegation unterschiedlich waren (verschiedene Gruppen, ExpertInnen, Länderinformationen usw.), verlief auch die gesamte Konferenz für jede Gruppe einzigartig. Ganz wie im realen Leben bekam man also immer nur einen Teil der ganzen Wahrheit präsentiert und es blieben (Wissens)Lücken trotz derer aber dennoch Entscheidungen getroffen werden mussten.

Rimini Protokoll_Welt-Klimakonferenz_10_®Benno Tobler

Für unsere Delegation ging es unter anderem auf die Bühne, wo wir uns in Liegestühlen liegend von Kenneth Gbandi mit wichtigen Informationen zu Afrika versorgen lassen konnten. Von einem Theaterkran aus referierte er über die Afrikanische Union und das Klima im Süden des Kontinents, wobei ihm eine kreisförmige Fläche aus Scheinwerfern, Nebelmaschinen und eine Spritzflasche zur Unterstützung dienten. Nach den anschließenden Inputs zu 2-Grad-Ziel und Zertifikatehandel im großen „Plenarsaal“ mussten wir dann zum bereitgestellten Bus eilen, der auch tatsächlich abfuhr. Der auf großen Klimakonferenzen (scheinbar) gängigen Praxis, den Delegierten nicht einmal auf ihren Shuttle-Fahrten zwischen den verschiedenen Konferenz-Locations etwas Ruhe zu gönnen, sondern sie selbst dann noch mit Infos zu beschießen – in diesem Fall zum Thema „Stadtklima“ – wurde somit auch Rechnung getragen. Sogar ein bilaterales Gespräch stand auf dem Programm und zu guter Letzt gab es vor dem großen Abschluss-Plenum noch eine Strategieberatung, die schließlich auch den Ausschlag für unsere Entscheidungen gab.

Rimini Protokoll_Welt-Klimakonferenz_5_®Dennis Kossowski

Das Gesamtergebnis der bayrischen „Welt-Klimakonferenz“ fiel dann generell sehr positiv aus. Mit den vorgeschlagenen Einsparungen hätten wir das 2-Grad-Ziel bis 2050 nicht nur locker erreicht, sondern auch einen großzügigen Green Climate Fund von 102 Milliarden Dollar aufgestellt: Klimasituation also erstmals deeskaliert und viel neues Wissen im Gepäck! Da bleibt nur zu sagen: Applaus an uns, Theatermacher und ExpertInnenteam! Es war wirklich ein sensationeller Theaterabend!

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Brunch vegan! – Das vegane Kochbuch rund ums Brunchen

Immer mehr vegane Foodblogger veröffentlichen ihre eigenen Kochbücher, und das finde ich genial. Einerseits, weil es schön ist zu sehen, in welche Richtungen sich Blogs und Blogger weiterentwickeln können. Andererseits weil die…

Immer mehr vegane Foodblogger veröffentlichen ihre eigenen Kochbücher, und das finde ich genial. Einerseits, weil es schön ist zu sehen, in welche Richtungen sich Blogs und Blogger weiterentwickeln können. Andererseits weil die vegane Küche – so sehr sie zur Zeit auch im Trend liegen mag – noch viel mehr Fürsprecher benötigen kann und zu guter Letzt, weil ich so hin und wieder in den Genuss eines Rezensionsexemplares komme und meine Sammlung an veganen Kochbüchern Schritt für Schritt ausbauen kann.

Eine spannende Nische für ein veganes Kochbuch hat Michaela Marmulla ausgewählt, die in der veganen Szene schon mit ihrem Blog Veganilicious Bekanntheit erlangt hat. Ihr Kochbuch „Brunch vegan!“ dreht sich rund um – richtig erraten – veganes Brunchen. 75 Rezepte laden Brunch-Fans und alle, die es noch werden wollen zum veganen Brunchen ein – lecker, schneller und unkompliziert!

Ob ihr nun gerne drinnen oder im Sommer auch draußen brunchen wollt, die einzelnen Speisen eher klassisch oder auch ausgefallen sein dürfen, ob pikant, herzhaft oder süß, in „Brunch vegan! finden sich abwechslungsreiche Aufstriche und verlockendes Fingerfood ebenso wie verschiedenste Frühstücksbrötchen, vegane Bratenvariationen, Salate, Suppen, Smoothies, Shakes und Drinks, und natürlich auch jede Menge süße Köstlichkeiten.

Die Rezepte bieten nicht nur Inspiration für den Genuss in kleiner oder grösserer Runde zu Hause, sondern eignen sich auch als Mitbringsel für Partys oder Picknicks. Und wenn ihr nicht alles alleine auf den Tisch zaubern wollt, ladet doch einfach zu einem Gemeinschafts-Brunch ein, bei dem jeder sein liebstes Rezept aus dem Kochbuch nachkocht und mitbringt.

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Zur Einführung beginnt das Kochbuch neben der Einleitung mit Tipps und Tricks rund um den gelungenen Brunch und erklärt, dass Brunchen mehr ist als nur ein spätes Frühstück. Die LeserInnen erfahren, wie man einen Brunch am besten organisiert, was die wichtigsten veganen Zutaten sind und welche nützlichen Küchenhelfer bei der Zubereitung nicht fehlen sollten.

Als ich das Buch in Händen hielt, wurde mir erst bewusst, dass ich schon lange nicht mehr mehr gebruncht habe, weder in einem Lokal, noch zu Hause. Zeit also, um mir zumindest in Gedanken meinen idealen Brunch zusammenzustellen!

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Der Rezeptteil von „Brunch vegan!“ startet mit „Aufstriche & Dips“, besonders angesprochen haben mich hier die pikanten Rezepte – veganes Zwiebel-Mett, Paprika-Hummus, Avocado-Dip und Aioli würden bei meinem idealen Brunch auf jeden Fall am Tisch stehen. Weiter geht es mit „Fingerfood“, hier sind meine Favoriten die Tortilla Chips mit Mexican Layer Dip und die pikanten Linsen-Blätterteig-Taschen. Als nächstes stehen „Salate“ auf dem Plan, meine Wahl fällt auf den Toskanischen Brotsalat, den ich auf jeden Fall, so wie einige andere Rezepte aus dem Buch auch ohne Brunch nachkochen werde.

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Von „Suppen & Eintöpfe“ wähle ich Gazpacho, die eiskalte Gurken-Minz-Suppe klingt aber auch sehr lecker. Im Kapitel „Warm & herzhaft“ finde ich die gebackenen Kartoffelspalten mit Tofu-Kräuter-Dip, und unter „Herzhaft gebacken“ wähle ich mir gleich mehrere Dinge aus, denn (frisch) Gebackenes finde ich einfach nur superlecker. Für meinen idealen Brunch wären das Mini-Focaccia mit Rosmarin und Oliven, Rucola-Pesto-Brot sowie Oliven-Tomatenbrötchen. Das klingt alles wunderbar!

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Süße Leckereien gibt es in „Süß & lecker“, der Klassiker Belgische Waffeln darf auf keinen Fall fehlen, die Schoko-Erdnussbutter-Cupcakes und das Schoko-Erdnuss-Mousse klingen ebenfalls sehr verlockend. Last, but not least enden die Rezepte mit „Getränke“, und hier ist mein Favorit die Zitronen-Limonade mit frischer Minze.

Das wäre er also, mein idealer Brunch, den ich mit Hilfe von „Brunch vegan!“ auf jeden Fall auch in die Realität umsetzen werde, denn jetzt habe ich so richtig Lust bekommen, wieder regelmäßig zu brunchen!

Vielen Dank an Michaela für das Buch und Gratulation zu so einem liebevoll gestalteten Werk, bei dem einem schon bei der Betrachtung des Titelbildes das Wasser im Mund zusammenläuft!

 

Weitere Informationen zu „Brunch vegan!“ findet ihr hier bei Unimedica. News und Updates gibt es auf der Facebook-Seite von „Brunch vegan!“.

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Cowspiracy – Die Dokumentation, die die Umweltschutzbewegung revolutionieren wird

Als ich die Dokumentation Cowspiracy: The Sustainability Secret zum ersten Mal – kurz nachdem sie erschienen ist – gesehen habe, habe ich danach einige Minuten gebraucht, um sprichwörtlich wieder zu…

Als ich die Dokumentation Cowspiracy: The Sustainability Secret zum ersten Mal – kurz nachdem sie erschienen ist – gesehen habe, habe ich danach einige Minuten gebraucht, um sprichwörtlich wieder zu mir zu kommen. Ich hatte niemals zuvor eine Dokumentation gesehen, die mich so nachdenklich gestimmt hat. Gleich darauf habe ich den Link zur Cowspiracy-Homepage auf Facebook mehrmals geteilt, denn ich wusste, dass diese Dokumentation ein riesiges Potential hat, Menschen für das Thema Umweltschutz zu sensibilisieren.

Am 15. September 2015 wirde weltweit eine aktualisierte Version auf dem Streaming-Portal Netflix veröffentlicht, auch in einer deutschen Fassung (ebenfalls auf Englisch, Spanisch und Portugiesisch). Leonardo DiCaprio, der nicht nur ein bekannter Schauspieler, sondern auch ein bekennender Umweltschützer ist, hat mitgeholfen, den aktualisierten Film zu produzieren und ihn auf Netflix zu bringen.

Worum geht es in dieser Dokumentation eigentlich?

Cowspiracy berichtet über die Auswirkungen der Viehzucht auf unseren Planeten. Die Produktion von Fleisch, Fisch, Milch und Eiern, sowie das Fischen in unseren Ozeanen hat dramatischere Auswirkungen, als die Bevölkerung es einschätzen würde. Hier ein paar Beispiele: Viele Menschen glauben, dass Auto und Flugzeug die größten Klimakiller sind. Dem ist jedoch nicht so. Die Produktion von Tierprodukten, unter Berücksichtigung der gesamten Produktionskette, ist für 51 Prozent der weltweit ausgestoßenen Treibhausgasen verantwortlich, wobei der weltweite Transportsektor lediglich für 13 Prozent verantwortlich ist.

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Auch die Fischerei in den Ozeanen ist außer Kontrolle geraten. Wenn dieser Fischfang nicht abnimmt, werden laut Cowspiracy im Jahr 2048 alle Fische vollständig aus den Meeren verschwunden sein, was drastische Folgen auf das gesamte Ökosystem Erde haben würde. Auf jeden gefangenen Pfund Fisch werden bis zu fünf Pfund Beifang aus dem Meer gefischt wie Wale, Haie oder Schildkröten. Der Hauptgrund der weltweiten Abholzung der Regenwälder ist ebenfalls die Viehzucht und der damit zusammenhängende Futtermittelanbau. Im Amazonas sind bis zu 91 Prozent des Regenwalds für Fleisch, Milch und Eier abgeholzt worden.

Warum muss mensch erst eine Dokumentation sehen, um dies zu erfahren?

Ganz einfach: Mensch hört davon nichts, weil die größten Umweltschutzorganisationen diese Problematik gar nicht thematisieren. Der Fokus wird auf Palmöl gelegt, welches jedoch fünf Mal weniger Regenwald auf dem Gewissen hat. Damit kommen wir zu einem weiteren sehr verblüffenden Teil der Dokumentation. In dem Film wurden diverse führende NGOs wie Oceana, Rainforest Action Network und Sierra Club zu der Problematik interviewt und befragt, wobei Greenpeace ein Interview ablehnte. Dies macht den Eindruck, als ob führende Organisationen der Umweltschutzbewegung gar nichts von dieser Thematik wissen wollten. Die Interviews sind teils sehr amüsant schockierend, aber auch sehr aufklärend.

Ich habe hier nur einige wenige Beispiele erläutert, denn der Film ist von Anfang bis zum Ende vollgepackt mit spannenden und aktuellen Daten und Fakten. Ich würde den Film wirklich jede und jedem ans Herz legen, die/der sich auch nur im Entferntesten für Umweltschutz interessiert.

Alle zitierten Zahlen und die Studien dazu sind hier nachzulesen: www.cowspiracy.com/facts

 

Für alle, die den Film auf Netflix kostenlos sehen wollen, aber noch nicht auf Netflix sind – es gibt ein kostenloses Probemonat, das ihr nutzen könnt, um euch Cowspiracy: The Sustainability Secret anzusehen: netflix.com

Hier könnt ihr euch den Trailer ansehen, den Film um 4,95 Dollar downloaden oder die DVD bestellen (19,95 Dollar): cowspiracy.com

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