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Kategorie: Little Miss Itchy Feet

Basel Tattoo: Wenn Männer in Uniform mit der Müllabfuhr tanzen

Da riskierte ich doch glatt einen Blick: Strammen Schritts zog er an mir vorüber, der rotblondhaarige Hüne im Schottenrock, an dessen breiter Brust Orden über Orden gerade noch so Platz finden….

Da riskierte ich doch glatt einen Blick: Strammen Schritts zog er an mir vorüber, der rotblondhaarige Hüne im Schottenrockan dessen breiter Brust Orden über Orden gerade noch so Platz finden. Fast wartete ich darauf, dass er seinen Dudelsack zückt. Tat er aber nicht. Und wir waren auch nicht in Schottland, wie die Szene annehmen ließe, sondern mitten in der Fußgängerzone von Basel, der beschaulichen Schweizer Stadt im Dreiländereck.

Wobei beschaulich wohl der falsche Ausdruck war, denn der Mann im Schottenrock war nicht der einzige „Exot“ in der Stadt. Einmal im Jahr machen nämlich über tausend Männer (und Frauen) in Uniform das kleine Basel unsicher. Zehn Tage lang zur Basel Tattoo, der zweitgrößten Militärmusikparade der Welt.

Die Basler Tatoo ist die 2. größte Militärmusikveranstaltung der Welt. Foto: Doris

Die Basler Tattoo ist die zweitgrößte Militärmusikveranstaltung der Welt.

„Wie kommt ausgerechnet die neutrale Schweiz zu einer Militärmusikparade?“, richte ich naiv meine Frage an Andrea Schäfer, Sponsoring Manager der Veranstaltung, die uns vor der großen Generalprobe letzten Samstag durch die Hallen der ehemaligen Kaserne und jetzigem Austragungsort der Show führte. Weit muss sie ausholen: Zurück geht die Geschichte nämlich bis ins Jahr 2001. Damals, als der Basler Erik Julliard und seine Kollegen vom Edinburgher Tattoo, dem größten Musikfestivals Schottland, zurückgekommen und mit Pauken und Trompeten in ihrer Heimatstadt empfangen worden sind. Es war nämlich eine kleine Sensation, dass ausgerechnet diese Basler Trommelgruppe als erste Privatband an der Militärmusikveranstaltung teilgenommen hatte, wo sich normalerweise königliche Garden neben Polizeigesandte einreihen.

    2015 feiert erst die Basler Tattoo ihren 10. Geburtstag. Foto: Doris

2015 feiert die Basler Tattoo ihren 10. Geburtstag, beliebt ist sie jetzt schon.

Die Sensation geht weiter: 2004 veranstalteten Erik und ein paar Motivierte selbst die erste Basel Tattoo. „Wir haben geglaubt, wir machen das einmal und nie wieder.“, erzählt Andrea, die übrigens als einzige vom dreiköpfigen Ursprungsteam noch im Einsatz ist und füge hinzu: „Doch dann waren wir schon im ersten Jahr ausverkauft!“ Und 2015 feierte die Basel Tattoo ihr zehnjähriges Bestehen.

Andrea Schäfer führt uns durch den Backstage-Bereich. Foto: Doris

Andrea Schäfer führt uns durch den Backstage-Bereich.

120.000 Besucher – 90 Prozent davon aus der Schweiz – werden auch nächstes Jahr wieder bei den 15 Shows erwartet, die zwischen 20. und 30. Juli in Basel stattfinden. Die Generalprobe, zu der die Anrainer gratis kommen dürfen und die wir besuchten, nicht mitgezählt. Was das für einen logistischen Aufwand bedeutet, kann ich bloß erahnen, während uns Andrea bei der Backstage-Führung mit Zahlen bombardiert: Neben den 23 Full-time-Mitarbeitern leisten 529 ehrenamtliche Helfer rund 35.000 Arbeitsstunden, eben so viele Mahlzeiten werden für die Arbeitenden und Musiker serviert. In der „Cast Bar“ im Backstage-Bereich – einer für solche Veranstaltungen einzigartigen Annehmlichkeit – fließen 10.000 Liter Bier in die durstigen Münder der Helfer sowie Bands und 430 Kilogramm Limetten werden in der Zeit für Caipis geschnippelt.

Ein Blick Backstage vor der Generalprobe. Foto: Doris

Ein Blick Backstage vor der Generalprobe.

„Where are you from?“ – zwei Kollegen nutzen die Gelegenheit, in dem Gewusel einen großen Schwarzen in grüner Uniform abzuknipsen und gleich die Frage aller Fragen zu stellen, schließlich sind 23 Formationen aus vier Kontinenten bei der Basel Tattoo. Und wir hatten gleich einen besonderen Fall erwischt: Der Schwarze ist nämlich Teil des „Royal Corps of Musicians“ aus dem Königreich Tonga – mit 40 Stunden ist ihnen zumindest der Preis für die längste Anreise garantiert.

Das Königreich Tonga ist ebenfalls mit einer Performance vertreten. Foto: Doris

Das Königreich Tonga ist ebenfalls mit einer Performance vertreten.

Vom Technik-Raum, in dem sich die Mikros stapeln und Men-in-Black geschäftig ein Kabel hierhin, ein anderes dorthin stecken, bis hin zum Dachgeschoß, in dem die Bildschirme und Sprechanlagen für den Moderator vorbereitet werden – kein Raum der Kaserne, in der jetzt ein Schule untergebracht ist, bleibt in diesen vierzehn Tagen ungenutzt. Allein in den Aufbau des Ganzen sind wohl zigtausende Arbeitsstunden geflossen – nicht nur von den Organisatoren, sondern auch von der Schweizer Armee. Die hilft nämlich seit jeher bei der Basel Tattoo mit und bekommt im Gegenzug über die Stiftung Basel Tattoo Charity Gelder für gemeinnützige Organisationen oder Projekte zur „Förderung des Militärmusikwesens“, wie es so schön heißt. Damit schlägt die Basel Tattoo die Brücke zum Ursprungsgedanken solcher Militärmusikveranstaltungen. Diese wurden nämlich vor 60 bis 70 Jahren dazu gegründet, um Gelder für die Hinterbliebenen aus der Armee zu sammeln.

Ausverkauft ist die Basel Tattoo seit Jahr 1. Foto: Doris

Ausverkauft ist die Basel Tattoo seit Jahr eins.

„Oft machen wir solche Backstage-Führungen nicht,“, erklärt Andrea, „schließlich wollen wir den Zauber und das Charisma der Veranstaltung erhalten.“ Sprachs, und schon waren wir mitten im Gedränge, wurden zu unseren Plätzen geschoben, hatten noch einige Diskussionen ob der richtigen Sitze – und dann begann es.  Drei Stunden Militärmusik! Drei Stunden Trompeten, Trommeln, Trara und ganz viel Nationalstolz! Drei Stunden beste Unterhaltung, wer hätte das gedacht!

Auch die Band of Life Guards, die berittene Formation der Queen, kam mit 30 Pferden aus England angereist - samt Pferdemist. Foto: Doris

Auch die Band of Life Guards, die berittene Formation der Queen, kam mit 30 Pferden aus England angereist – samt Pferdemist.

Denn auch wenn ich anfangs mehr als skeptisch war, sie hat mich positiv überrascht, die Basel Tattoo. Dem konnten auch die bösen „Pssts“ der Damen aus der Vorderreihe nichts anhaben, die uns tötende Blicke nach hinten warfen, als wir über einige Auftritte lachen mussten. So sehr manche im bunt durchmischten Publikum die Veranstaltung bitter ernst nahmen, die Bands sahen das oft ganz anders und lieferten – im Sinn von Erik und seinem Team – Entertainment pur. Da durfte die lokale Müllabfuhr beim Wegräumen des Pferdemists aus der berittenen Performance der britischen Queen selbst in Formation tanzen…

Tanzende Müllabfuhr - eine meiner liebsten Showeinlagen bei der Basel Tattoo. Foto: Doris

Tanzende Müllabfuhr – eine meiner liebsten Showeinlagen bei der Basel Tattoo.

…und wurde lautstark mit Jubelrufen angefeuert sowie hoch leben lassen! Da tanzte eine andere Formation – ich glaube, es waren die Franzosen – frech im Gangnam Style, und die Norweger ließen ihre Gewehre durch die Luft wirbeln. Solche kurzweiligen Momente lassen mich die inbrünstig angestimmten Hymnen – vom Baslerlied bis „Waltzing Matilde“ – gleich wieder vergessen. Und auch die Anstrengung, mit Müh und Not ein paar Brocken des Basler Deutsch-sprechenden Moderators zu verstehen.

Das große Finale. Foto: Doris

Das große Finale.

Als um 23 Uhr das große Finale mit – faszinierend leisem – Feuerwerk angekündigt wurde, war ich überrascht, dass es schon so spät war. „Das dauert jetzt noch zirka eine halbe Stunde.“, flüsterte mir meine Baseler Begleitung ins Ohr. Gut, so konnte ich mich noch etwas länger an den Männern in Uniform erfreuen…

 

Wer die Basel Tattoo live erleben möchte, der muss bis zum nächsten Jahr warten: Der Vorverkauf für die Basel Tattoo 2016 startet im Dezember. Last but not least für alle, die mich gefragt haben, was Tattoo mit Militärmusik zu tun hat. Das Wort kommt vom Belgischen „taptoe“, was soviel wie Zapfenstreich und somit den Beginn der Nachtruhe im Heer bedeutete.

Offenlegung: Ich wurde von Schweiz Tourismus und der Stadt Basel bei dieser Recherchereise unterstützt. Die Meinungen und Ansichten dieser Geschichte bleiben meine eigenen.

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Mein Gastauftritt bei FM4: Übers Alleinreisen als Frau und so

So viel habe ich dazu vorbereitet, ganze Passagen in der Früh vor dem Spiegel rezitiert und sogar davon geträumt (und ja, es waren auch Albträume darunter) – und dann war…

So viel habe ich dazu vorbereitet, ganze Passagen in der Früh vor dem Spiegel rezitiert und sogar davon geträumt (und ja, es waren auch Albträume darunter) – und dann war mein Live-Aufritt in der FM4 Sendung Connected (Gestalterin Barbara Köppel) bei Gerlinde Lang schon wieder vorbei. Zugegeben, ich habe ihn mir noch nicht selbst angehört, die SMS, Facebook und What’s App-Nachrichten lassen hoffen, dass es keine komplette Katastrophe war. Und nein, eine Radiokarriere strebe ich nicht an.

Nachdem immer wieder die Anfrage kam, ob die Sendung im Streaming abrufbar ist, und ich bisher immer mit „Nein“ antworten musste, kann ich euch jetzt die Aufzeichnung nicht vorenthalten. Also bitte, meine Ansichten sowie Erfahrungen zum Thema Alleinreisen als Frau und so:

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Wie ich schon sagte: Ich habe mich ja gründlichst aufs Interview vorbereitet – nur um im Vorfeld draufzukommen, dass für mich Reisen Reisen ist. Egal wie, mit wem, wohin und als welches Geschlecht (mh, das klingt jetzt vielleicht missverständlich).

Was immer passiert: Allein losgezogen, tolle Menschen getroffen & Spaß gehabt. Mh, zusammen ist man wohl weniger allein. Foto: Daniela

Was immer passiert: Allein losgezogen, tolle Menschen getroffen und Spaß gehabt. Zusammen ist man wohl weniger allein. Foto: Daniela

Alles hat seine Vor- und Nachteile – und die Abwechslung macht es für mich immer wieder aufs Neue spannend. Mal reise ich alleine, mal mit meiner besten Freundin, mal mit dem Liebsten. Doch ganz ehrlich: Wenn ich mit jemandem unterwegs bin und Unstimmigkeiten, Probleme oder gar das viel gefürchtete (von mir, ja), schweigende Sich-aus-dem-Weg-Gehen auftauchen, fühle ich mich eher allein, als wenn ich tatsächlich solo aufbreche. Außerdem kennt ihr meine Liebe zum Couch Surfen und dazu, mich mit Einheimischen zu treffen. Alleine bin ich mit denen sowieso nicht, dafür entscheide ich, wann ich Gesellschaft will und wann nicht.

Ausnahmsweise zusammen unterwegs: Reiseblogger-Kolleginnen & ich in Bonn, so unterschiedlich können Alleinreisende sein. Foto: Doris

Ausnahmsweise zusammen unterwegs: Reiseblogger-Kolleginnen und ich in Bonn, so unterschiedlich können Alleinreisende sein.

Und das Thema Sicherheit, das so oft als Hindernis genannt wird? Worauf ich mich schon alles – mehr oder weniger – blauäugig eingelassen habe, beschäftigt meinen (hervorragenden, muss auch mal gesagt sein) Schutzengel wohl heute noch. Ich hatte immer „Glück“, habe mich nach groben Regeln (zum Beispiel nie Originaldokumente mitnehmen, sondern Kopien; nicht alleine des Nächtens in kleinen Gassen herumirren, Leuten über meine Reiseziele Bescheid gegeben, Minirock und aufreizendes T-Shirt sind vielleicht Zuhause besser aufgehoben…) gerichtet, meiner Intuition vertraut und bei all dem wohl so eine Rest-Portion Hausverstand behalten, der mich dann doch vor dem Schlimmsten bewahrt hat. All dem vertraue ich mehr als dem – falschen – Sicherheitsdenken, dass ich zu zweit oder in einer Gruppe vor Gefahr gefeit bin.

Abgesehen davon: Die Quantität und Qualität an Positivem, das durch das und auf Reisen passiert ist, überwiegen bei mir bei Weitem. Außer ein paar Verlusten, einmal beklaut werden, Übernachten auf Flughäfen oder teurem Nepp hat mich auch tatsächlich noch jegliches Reisepech ausgelassen. (Danke dafür!) Vielleicht liegt es aber einfach daran, dass die Welt ein freundlicher Ort ist – nirgendwo lernt man das meiner Meinung nach besser als unterwegs.

Deshalb ist und bleibt wohl mein wichtigster (und vielleicht einziger?) Tipp: Wenn ihr das Bedürfnis habt, aufzubrechen – zieht los. Macht eine Entscheidung nicht davon abhängig, ob andere Zeit, Lust oder die nötigen finanziellen Mittel haben. Handelt nach eurem Bauchgefühl und schaut darauf, dass es euch gut geht. Diese Verantwortung trägt nämlich jeder für sich  – ganz alleine!

Wenn schon ich nicht mehr zum Thema alleinreisende Frauen sagen kann, 1.000 andere Expertinnen konnten es. HostelBookers hat sie befragt – und die Grafik aus den Ergebnissen generiert:

Infografik-HostelBookers-Frauenreisen

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Hotlist: Wo Teneriffa draufsteht ist Lava drin

„Wenn der erste Schneefall kommt, dann drehen wir Tinerfeños (Anmerkung: so heißen die Einwohner Teneriffas) durch.“ Die in Deutschland geborene Spanierin Rosalia plaudert gleich fünf Minuten nach unserem Kennenlernen aus dem…

„Wenn der erste Schneefall kommt, dann drehen wir Tinerfeños (Anmerkung: so heißen die Einwohner Teneriffas) durch.“ Die in Deutschland geborene Spanierin Rosalia plaudert gleich fünf Minuten nach unserem Kennenlernen aus dem Nähkästchen, „Dann schnappen wir unsere Kinder, stecken sie in Decken gehüllt ins Auto und fahren hinauf zum Teide. Und nachdem das alle tun, gibt es enormen Stau, und die Fahrt dauert statt einer gleich mal drei Stunden. Oben angekommen machen wir dann ein Foto im Schnee und nehmen die Gummimatten aus den Autos, um auf ihnen den Berg hinunter zu rutschen.“ Ein Festbrauch, auf den man die letzten zwei Jahre verzichten mussten – es gab auf Teneriffa keinen Schnee.

„Alles auf Teneriffa dreht sich um den Teide und besteht aus Lava,“, erklärt mir die studierte Biologin, die uns heute als Guide des Unternehmens El Cardon durch ihre Heimat führt , „auch wir Menschen und Tiere, schließlich ernähren wir uns ja von diesem Boden.“ Wie sehr das ganze Inselleben von den 200 bis 300 Vulkanen – und vor allem vom Teide, dem mit 3.718 Meter höchsten Berg Spaniens, beeinflusst ist, das wird schon in den wenigen Tagen auf der größten der kanarischen Eiländer klar. Die Menschen baden in Lavapools an den Wegesrändern, die schwarzen Sandstrände erinnern mich an Hawaii und mit jedem Foto erwischt man einen Krater. Und nein, Teneriffa ist nicht aus dem Teide hervorgegangen – auch das erfahren wir gleich am ersten Tag (nicht nur einmal).

Die Straßen führen - ja, genau, zu den Vulkanen. Foto: Doris

Alle Straßen führen auf Teneriffa nicht nach Rom, sondern – ja, genau – zu den Vulkanen. Foto: Doris

Nicht alles, was im Lava-Programm, das 2009 als Plan „Teneriffa, Vulkane des Lebens“ für den Tourismus entwickelt worden ist, geboten wird, ist tatsächlich so heiß wie gedacht. Andere Aktivitäten hingegen sind richtige Knaller! Nicht, dass ich alles testen konnte, dafür reichten die fünf Tage bei weitem nicht aus – leider. Doch ich habe einiges erlebt: Was man bei einem Teneriffa-Besuch ruhig auslassen und was man keinesfalls versäumen darf? Bitteschön, hier ist meine ganz persönliche Hotlist!

Lau

Hotel Parador Canadas del Teide im Nationalpark Teide: Das Hotel im Besitz der staatlichen Kette ist der „Platzhirsch“ im 19 Hektar großen Nationalpark. So schön das alte Gebäude aus dem 19. Jahrhundert ist, so wenig bemüht sich das Personal vor Ort um die Gäste. Lieblos serviertes Essen und lange Wartezeiten gehören zum Programm, schade! Am beeindruckendsten ist da noch das Eis in Vulkanform, wobei das Äußere eher besticht als das zu stark gefrorene Innere.

Alternative: Wer trotzdem hier im Nationalpark übernachten möchte, für den ist vielleicht die Hütte Altavista auf dem Teide empfehlenswert. Ich habe sie mir für das nächste Mal vorgemerkt!

Das Lavaeis war noch das Heißeste im Hotel Parador. Foto: Doris

Das Lavaeis war noch das Heißeste im Hotel Parador. Foto: Doris

Warm

Wandern im Nationalpark Teide: Rund die Hälfte der Insel Teneriffa ist Naturschutzgebiet, natürlich auch der Nationalpark Teide. Derzeit befinden sich darin 35 Wanderwege, zwei weitere werden gerade geschaffen – wer also rund um den bekanntesten Vulkan der Insel nicht wandern oder zumindest spazieren geht, ist selber schuld. Nachdem die Wege gut beschriftet sind, ist das Verirren kein Thema – nur wer wirklich tief in die Materie der Vulkane eintauchen möchte, der kann sich einen Führer nehmen – wir hatten Lola von Gaiatours. Weniger gut ist die Information darüber, was im Naturschutzgebiet, das in vier Zonen abgestuft ist, erlaubt bzw. verboten ist. Wer auf Nummer sicher gehen und alles richtig machen möchte, der hält sich an die Regel: Nichts angreifen, nichts verändern – denn die Natur ist empfindlich.

Achtung: Die Höhe von 2.000 bis 3.718 Meter macht gehörig zu schaffen. Das heißt, das Gehen und die Atmung werden schwerer, einige von uns hatten Kopfweh, dazu noch die drückende Hitze, wenn man untertags draußen ist. Unterschätzt also nicht das Gebirge (samt Lava): Bringt im Sommer guten Kopfschutz mit. Im Winter braucht ihr dafür warme Klamotten, auch Handschuhe und thermische Unterwäsche, gerade wenn ihr hinauf auf den Gipfel wollt.

Sterneschauen im Nationalpark wird von Discoverexperience angeboten (siehe Titelbild) – und nachdem es im Nationalpark gleich zu Beginn des bekannten Wanderwegs Nr. 3 stattfindet, kann man die Aktivität wohl zum Lava-Programm zählen. Klingt recht romantisch – und wer schon immer einmal sein Sternbild oder den großen Bären erkennen wollte, der sollte sich die Tour nicht entgehen lassen.

Achtung: Das Beste kommt zum Schluss! Und es ist ratsam, Spanisch zu sprechen oder zumindest zu verstehen, denn leider war unser Guide zwar sehr bemüht, sein Englisch ließ aber zu wünschen übrig.

Noch mehr Astronomie (und den gleichen Guide) gibt es übrigens im Observatorium des Teide mit dem größten Sonnenteleskop Europas. Gratis-Führungen werden dort in den Monaten April bis Dezember täglich um 10.00 und 12.00 Uhr angeboten.

Lavapools, zum Beispiel bei Garachica: Überall auf der Insel finden sich Lavapools, die natürlich geformten Naturfreibäder im Teneriffa-Stil, die nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische anlocken. Vor allem im Sommer, wenn es wie bei meinem Besuch „Warnung Orange“ gibt und Hitzen bis zu 40 Grad ausgerufen werden! Bei konstanten Wassertemperaturen zwischen 18 und 23 Grad sind sie sogar für Kalt-Vermeider wie mich wunderbar!

Lavapools gibt es viele auf Teneriffa. Nicht alle sind so groß und schön wie die bei Garachica. Foto: Doris

Lavapools gibt es viele auf Teneriffa. Nicht alle haben ein WC oder Umkleideanlage nebenan. Foto: Doris

Heiss

Cueva de Viento18,5 Kilometer sind bisher von Cueva de Viento, der bekanntesten Lavahöhle Teneriffas vermessen. Damit ist sie die fünftlängste der Welt – die vier davor sind alle auf Hawaii zu finden (ja ja, der kleine Konkurrenzkampf ist hier überall zu spüren, vor allem weil nur 120 Meter fehlen, um die Hawaiianer zu überholen). 200 Meter davon sind wiederum für den Tourismus freigegeben – für Besucher, die die 107 Spezien und fünf, nein, bald sieben einzigartigen Wesensarten respektieren. „Hier gibt es keine Beleuchtung, keine Musik.“, macht der Führer der deutschen Gruppe, Dragan mit unverkennbarem Augsburger Dialekt, gleich zu Beginn klar. Die Tour ist keine reine Höhlentour, sondern möchte den Sinn und Blickwinkel auf Teneriffa ändern – darum gibt es neben dem geologischen Teil auch viele Infos zu Kultur, Botanik und natürlich zur Lava. Und viele Showeinlagen: Vom Begleithund Chiqui, der mit Leckerlis gefüttert wird, bis hin zu eigenen Caving-Touren; bei den Führungen werden Kinder als Höhlenforscher und „Kontrolleure“ der Erwachsenen besser eingebunden. Das Gefühl, dass die Verantwortlichen hier mitgedacht und für alles gesorgt haben, lässt mich in den ganzen 2,5 Stunden der Tour nicht los. Die Professionalität ist genauso wenig zu übersehen wie die Leidenschaft des Führers Dragan, nein, des ganzen Teams. Oder wo würde sonst die Ehefrau des Guides einspringen, um – nach einer Ausbildung, versteht sich – ab und an ebenfalls Führungen zu machen?

Offen ist die Höhle Dienstag bis Samstag von 9.00 bis 16.00 Uhr. Im Sommer finden bis zu sechs Führungen statt. Achtung: Anmeldung vorab ist dringend notwendig. Es gibt Touren auf Spanisch, Englisch, Deutsch, Französisch und Russisch. Extra-Touren für Blinde und Rollstuhlfahrer sind ebenfalls möglich.

Restaurant Bodegón PatameroWie Touristen hier ins Bergdorf Las Lagunetas und somit zum versteckten Bodegón Patamero finden sollen, ist und bleibt mir ein Rätsel. Wenn sie es aber tun, dann können sie von Glück sprechen: Das kleine Restaurant serviert köstliches Essen und reagiert sogar auf Unvorhergesehenes wie vegetarische Gäste souverän. Es gab Salat – aber nicht irgendeinen, sondern einen liebevoll Zubereiteten mit ausgezeichnetem Dressing, von dem wir nicht genug bekommen konnten. Achja, und die regionalen Produkte wie Wein, aber auch Gemüse und Obst (besonders empfehlenswert: Bananen oder Maracujas!) werden natürlich ebenfalls vom Lava-Boden beeinflusst, das muss ich wohl nicht extra erwähnen, oder?

Improvisierter Salat-Vulkan für uns Vegetarierinnen. Foto: Doris

Improvisierter Salat-Vulkan für uns Vegetarierinnen. Foto: Doris

Die beiden Hotties auf meiner Hotlist werden übrigens auch von Rosalia und El Cardon wärmstens empfohlen. Und die kann ich wiederum nur ans Herz legen: Das Unternehmen wurde vor 13 Jahren gegründet, um arbeitslose Jugendliche in Sachen Umwelt zu erziehen. Was mit Wanderungen für Einheimische begonnen hat, hat sich vor rund sieben Jahren auf Kultur- und Lavawanderungen für Touristen spezialisiert – die Tinerfeños sind mittlerweile mit dem Wandervirus erfolgreich angesteckt. Das Gute bei El Cardon: Es geht nicht nur ums Wandern, sondern um ganz viel Kultur – da werden Treffen mit Einheimischen in der Lavaschlucht von Masca arrangiert oder uns gezeigt, wie man den Salto de Pastor (den Hirtensprung) macht. Eine Methode, die die Hirten früher gebraucht haben, um den Herden über die Lavaberge nachlaufen zu können und etwas, das jetzt als Sport betrachtet wird, um die alte Tradition zu bewahren.

Die Lancha wird jetzt "nur" sportlich verwendet. Foto: Doris

Die Lancha wird jetzt für den Hirtensprung „nur“ sportlich verwendet. Foto: Doris

Und es werden natürlich ganz viele Geschichten erzählt, wie die von der alljährlichen Schnee-Pilgerfahrt auf den Vulkan Teide…

Ja, wo Teneriffa draufsteht ist eben Lava drin. Oder warte mal, war es nicht etwa doch umgekehrt?

 

Offenlegung: Danke an Condor, GCE und Turismo de Tenerife für die Einladung. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben meine eigenen.

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Zu Besuch im deutsch-kanarischen Irrenhaus…

„Du passt perfekt in unser Irrenhaus.“ Es mag sich nicht so anhören, aber Tina Richter hat mir gerade ein Kompliment gemacht. Es ist 23.30 Uhr an meinem letzten Abend auf…

„Du passt perfekt in unser Irrenhaus.“ Es mag sich nicht so anhören, aber Tina Richter hat mir gerade ein Kompliment gemacht. Es ist 23.30 Uhr an meinem letzten Abend auf Teneriffa und die Deutsche bringt mich gerade auf die Bananenplantage Casa Rural El Patio de Tita zurück, von der sie mich Stunden zuvor abgeholt hat. Um mich auf ein Abendessen ins „Irrenhaus“ zu bringen, wie sie ihr Eigenheim liebevoll nennt.

Neun Hunde, acht Pferde, ungezählte Katzen und Hühner, ein Sohn, eine Praktikantin, eine Pflegetochter (die „richtigen“ Töchter studieren in Deutschland) – „Wir leihen uns alles.“, beschreibt die 47-Jährige mit einem Lachen in den Augen die derzeitigen Bewohner ihrer Finca, während ihr Mann Bodo gerade unser Abendessen zubereitet – vegetarisch und mit Zutaten der Region, versteht sich.  Seit 19 Jahren leben die Deutschen, die beide aus der Hotellerie kommen, auf der Insel. Wie so viele andere Deutschsprachige übrigens, denen wir während unseres Aufenthalts begegnet sind und die bei uns die Frage aufkommen ließ: Sind wir hier sicher in Spanien?

Zwei "Guides" führen mich auf die FInca. Foto: Doris

Zwei „Guides“ führen mich auf die Finca.

„Die Insel hat uns Wurzeln schlagen lassen.“, erzählt mir Tina Richter von ihren Anfängen, damals als die Familie wegen der „Arschkriecherei“ in der Branche Deutschland  den Rücken gekehrt hat. Die Abendsonne scheint auf das Gesicht der dreifachen Mutter, und ich weiß nicht, wohin ich eher schauen soll: Auf den rot gefärbten Vulkan Teide, diesen höchsten Berg Spaniens, der die Insel so prägt wie kaum etwas sonst, oder auf den Sonnen-Feuerball, der gerade sanft ins Meer abtaucht.

Ich will hier nicht mehr weg... Foto: Doris

Der Sonnenuntergang auf Tinas Finca: Ich will hier nicht mehr weg!

Während Bodo noch mit dem Essen beschäftigt ist, führt mich Tina durch ihr Reich: 2004 haben sich die Deutschen hier im Nordwesten der kanarischen Insel ihre Finca gebaut, 400 Meter über dem Meeresspiegel im Dorf La Guancha in den Bergen über der Stadt San Juan de La Rambla.Viel Platz haben sie dort…

Tina führt mich durch ihr Reich, die Finca im Dorf La Guancha. Foto: Doris

Tina führt mich durch ihr Reich, die Finca im Dorf La Guancha.

Den brauchen sie auch, denn Tina ist seit Jahren im Tierschutz aktiv, holt Hunde, Katzen und Co von der Straße und „klaut“ Pferde unter Polizeischutz von Schlachthöfen sowie verwahrlosten Rennställen. Ein Engagement, das seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008, durch die mittlerweile rund 40 Prozent der Bevölkerung auf Teneriffa arbeitslos sind, nicht weniger notwendig geworden ist – ganz im Gegenteil.

Acht Pferde - ebenfalls aufgelesen - werden für die Therapie verwendet. Foto: Doris

Acht Pferde – ebenfalls aufgelesen – werden für die Therapie verwendet.

Die Tiere – und besonders die Pferde – sind aber nicht nur Tinas Haus- bzw. Hofgenossen, sondern vor allem „Businesspartner“.  Als einzige ausgebildete Reittherapeutin der Insel bietet Tina auf der Finca nämlich eine Pferdetherapie für behinderte Kinder an – wobei, das Wort Therapie mag sie gar nicht. Was im Sommer vor allem von den spanischen Nachbarn auf der Insel angenommen wird, zieht auch TouristInnen an – besonders die Deutschen, die gern in den wanderbaren Norden Teneriffas reisen: Heilsamer Spaß für die Kinder, erholsame Anlauf- und Auftankstelle für die Eltern.

Die Pferde werden als Partner behandelt: Pferdeflüsterer lässt grüßen. Foto: Doris

Die Pferde werden als Partner behandelt: Pferdeflüsterer lässt grüßen.

„Wir möchten Familien zeigen, dass sie auch mit ihren behinderten Kindern auf Urlaub fahren und reisen können.“, erklärt mir Tina, die anfangs selbst die Therapie mit ihrem hyperaktiven Sohn Lukas getestet und für gut befunden hat. Deshalb haben sie vor einem Jahr auch die drei Apartments direkt am Meer bei Puerto de la Cruz, die Tina und Bodo an Urlauber und Langzeitbewohner vermieten, ebenfalls behindertengerecht renoviert.

Mit ihrem Anliegen sind die beiden Deutschen auf Teneriffa nicht allein: Dass Behinderte lange als Schande angesehen und eher Zuhause behalten wurden, ist jetzt kaum vorstellbar. In den letzten Jahren haben EU-Gelder Investitionen in Behinderteneinrichtungen möglich gemacht, immer mehr Tourismusanbieter erkennen die Wichtigkeit der Zielgruppe. Da werden in der mit rund 18 Kilometer längsten Lava-Höhle der Insel, der Cueva del Viento, Blindenführungen organisiert oder mit dem Verein Montaña para Todos Rollstuhlfahrer durch die Höhle geleitet. Auf dem Markt am Sonntag sehen wir in La Laguna eine Gruppe mit Rollis herumfahren und am Wanderweg „Weg der Sinne“ im Naturpark Anaga sind offensichtlich die ersten hunderte Meter auch für Behinderte platt gemacht worden.

Die Höhle Cueva de Vientos bietet auch Führungen für Blinde an. Foto: Doris

Die Höhle Cueva de Vientos bietet auch Führungen für Blinde an.

Auf der Finca wurde ein großer Grill- und Speiseplatz gebaut, der ab September (bis März) zweimal wöchentlich für Wanderer zu Verfügung steht, aber genauso als Veranstaltungsraum gemietet werden kann. „Die Einnahmen dieser Events gehen an sozial schwache Familien mit behinderten Kindern hier auf Teneriffa.“, so ist die Grillstation Teil eines karitativen Gesamtkonzepts, bei dem man sich nicht auf Spendengelder verlassen möchte.

Auf der Grillstation darf auch Fleisch zubereitet werden. Foto: Doris

Grillstation mit wunderbarem Ausblick.

„Der Rest der Gelder fließt in unser Projekt nach Nairobi.“, fügt Tina hinzu. Denn als wären die Projekte auf Teneriffa noch nicht genug, engagiert sich die Deutsche seit drei Jahren mit ihrem Verein Kinderhilfsprojekte Harambee e.V. (auf Deutsch: „Lasst uns alle zusammen an einem Strick ziehen!“) für AIDS-kranke und behinderte Kinder in Nairobi. Neben der medizinischen Versorgung sollen auch Tagestherapie- und Beschäftigungszentren für behinderte Kinder und Jugendliche gebaut werden, das erste Haus ist mittlerweile im Rohbau fertig. „Ich habe mir geschworen, dass ich bis zu meinem 50er entweder den Jakobsweg wandere oder ein drittes Therapiezentrum errichte.“, ist Tina motiviert – und fügt mit ihrem nimmermüden Humor hinzu: „Letzteres wäre mir lieber.“

Auch bekannte Persönlichkeiten wie Rollstuhl-Athletin Birgit Kober, engagiert sich für Harambee. Ihr "Feuerstuhl" machte den weiten Weg von München nach Nairobi. Foto: Harambee

Auch bekannte Persönlichkeiten wie Rollstuhl-Athletin Birgit Kober engagieren sich für Harambee. Ihr „Feuerstuhl“ machte den weiten Weg von München nach Nairobi. Foto: Harambee

Entstanden ist das Projekt übrigens auf Anregung von Christtraud Weber, einer über 80-Jährigen ehemaligen Missionarin und mittlerweile Stammgast in einem der Apartments von Tina Richter. Wobei, Stammgast ist zu wenig – sie gehört als „Leihoma“ jetzt auch schon zur Familie, oder besser gesagt zum Irrenhaus…

 

Wer Tina Richter und ihren Verein Harambee unterstützen möchte, kann das über eine Patenschaft tun. Schaut auf die Website des Projekts: de.kinderhilfsprojekte-harambee.org
Auch Einsatzkräfte – Logopäden, Therapeuten und viele mehr –  werden für Nairobi gesucht. Oder ihr geht einfach einmal auf Teneriffa wandern und bucht ein Grill-Mittagessen auf der Finca…

Alle Angebote für Familien mit Handicaps auf Teneriffa gibt es hier: tenerife-accesible.org

 

Offenlegung: Danke an Condor, GCE und Turismo de Tenerife für die Einladung. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben meine eigenen.

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Pech, das: Korsika ist, wenn man trotzdem lacht

“Schau mal, das passt jetzt für dich!” – leicht zynisch klingt sie, die Stimme meines Kollegen Florian, als er auf das Schild über dem Restauranteingang zeigt. “Ristorante Pech” heißt uns…

“Schau mal, das passt jetzt für dich!” – leicht zynisch klingt sie, die Stimme meines Kollegen Florian, als er auf das Schild über dem Restauranteingang zeigt. Ristorante Pech heißt uns da nämlich willkommen. Ich verziehe meine Mundwinkel etwas nach oben und versuche zu lächeln. Gelingt mir wohl in dem Moment nur mäßig. Schließlich habe ich die Stunden seit meiner Ankunft in der Stadt Ajaccio auf Korsika für meinen Geschmack schon etwas zu häufig Bekanntschaft mit Pech gehabt.

„WiFi haben Sie doch?“, war wie üblich eine meiner ersten Frage im idyllisch gelegenen Fünf-Sterne-Hotel. Schließlich bin ich nicht nur zum Vergnügen hier, sondern wegen meiner Arbeit. “Naturelement” war die zufriedenstellende Antwort an der Rezeption. Zu früh gefreut, das Ergebnis war dummerweise nämlich weniger zufriedenstellend. Was per Smartphone einigermaßen gut klappte (in der richtigen Position, im richtigen Zimmereck), passte am Computer gar nicht. Keine Verbindung. Null.

Nach einigen Versuchen, damit Computer und WiFi doch noch miteinander kommunizieren, gab ich w.o. und wandte mich an höhere Stellen. Oder versuchte es zumindest. Denn das Zimmertelefon war leider ebenfalls tot. (Genauso wie übrigens der Fön, wie ich abends feststellte. Doch den brauche ich ja gottseidank im heißen Korsika selten.) Also nahm ich fluchend das Notebook unter den Arm und ging die drei Stockwerke hinunter zur Rezeption. Dort umschwirrten mich sofort vier geschäftige Rezeptionisten, ein Techniker, ein per “Telefonjoker” zugeschalteter IT-Experte und noch ein paar hilfsbereite Menschen – allein drei Stunden (und einige weggeworfene Nerven) später kam ein: “Nous sommes desolés.”, der Computer wäre vermutlich kaputt. Oder eines der seltenen Geräte, die schlicht und einfach nicht mit dem korsischen WiFi verbunden werden wollten – die Fälle gab es nämlich auch schon einmal. Aha…

Das Meer ist auf Korsika überall. Foto: Doris

Kein Internet, dafür so ein Anblick… das war Realität auf Korsika. Wofür würdet ihr euch entscheiden?

Und nach diesem alles andere als entspannten (ganz zu schweigen von einem entspannenden) Nachmittag landen wir jetzt auch noch im Restaurant “Pech”. Ich lache auf und gewöhne mich recht schnell an den schwarzen Humor meines Kollegen. Dass ich den in den nächsten Tagen öfters erleben werde (nicht nur auf meine Kosten), weiß ich ja an diesem ersten Abend auf Korsika noch nicht.

Offline zu sein (und dem Arbeitsberg beim Wachsen zuzuschauen) war nämlich bei weitem nicht das einzige Übel. An einem Tag streckte die – durchaus robusten – Kollegen eine Magenvergiftung nieder. Am Nächsten verlor einer von ihnen seinen Rucksack: Mit Pass, Haustürschlüssel, Buch, Kalender, Kamera und Objektiv – und natürlich mit den Aufzeichnungen und Bildern der letzten Tage. Und am letzten Tag nahm unser Guide Stéphane einen falschen Koffer mit zum Flughafen.

Ich würde Korsika nochmal auf die Reiseliste nehmen. Foto: Doris

Ich würde Korsika nochmals auf die Reiseliste nehmen.

Und mein Internet? Nach eineinhalb Tagen erfolglosem Hin und Her habe ich mir ein tragbares WLAN zum Einwählen gekauft, nur um dann festzustellen, dass mir dafür weder Username noch Passwort verraten wurden. Es war Samstag, 23 Uhr als ich das gemerkt habe – sonntags ist auf Korsika alles geschlossen. Wie gut, dass wir am nächsten Tag in ein anderes Hotel übersiedelt sind: Dessen Internet hat meinen Computer etwas näher “ran gelassen” – zumindest in der Eingangshalle. Wie viele Nachtschwärmer ich wohl damit erschreckt habe, dort mitten in der Nacht entnervt im Bademantel herumzulaufen und das Notebook mal in die eine Ecke zu halten, mal in die nächste?

Fotogen ist sie, die korsische Natur. Foto: Doris

Fotogen ist sie, die korsische Natur.

„Tja, manchmal ist eine Reise wie verhext. […] Wichtig ist trotzdem die Lust am Reisen nicht zu verlieren.“,  postet eine Kollegin aus Kambodscha auf Facebook, und ich merke: Ich bin zurzeit wohl nicht die einzige Pechmarie. Wie auch immer man es dreht, wendet und benennt, man müsste sich schon schwer anstrengen, Korsika nicht zu genießen. Der Ausblick auf das sich rot färbende Meer, die Schiffe, die ruhig im Hafen schaukeln, die kurvenreichen Straßen zwischen dem üppigen Grün schaffen es immer wieder, mich die Wutausbrüche oder tränenreichen Momente dazwischen vergessen zu lassen. Die vielen korsischen Spezialitäten auf dem Teller und im Glas erfrischender Wein aus der Region schaden natürlich auch nicht.

Charaktergesichter und Leute, von denen man die Augen nicht abwenden kann, das ist Korsika. Foto: Doris

Charaktergesichter und Leute, von denen man die Augen nicht abwenden kann, das ist Korsika.

Und dann sind ja da noch die Korsen selbst, diese stolzen Persönlichkeiten und ausdrucksstarken Figuren, die jedem italienisch-französischen Film entstiegen sein könnten und ausladend gestikulierend den Stolz auf ihre Heimat nicht verbergen wollen oder gar können. In diese haben sich schon so manche Fremde verliebt – wie die Österreicherin Waltraud oder die Deutsche Jeannette zum Beispiel, die wir auf der Insel kennen lernen. Was macht es bei deren Herzlichkeit, deren Coolness, deren entspannter Gelassenheit, die so typisch für Insulaner ist, dass im Winter täglich zwei Stunden lang der Strom ausfällt? Oder dass ich mich in den fünf Tagen ziemlich verbiegen muss, um überhaupt einmal online zu gehen?

Ich habe mich verliebt ;-) Eines der bekanntesten Fotomotive Korsikas, das Herz. Foto: Doris

Ich habe mich verliebt – eines der bekanntesten Fotomotive Korsikas, das Herz.

Einer meiner Lieblingspodcaster, der Amateur Traveler, fragt seine Gäste zum Abschluss immer: In welcher Situation würdest du sagen “nur in…”? Nirgendwo fällt mir die Antwort so einfach wie auf Korsika: Nur in=auf Korsika … hatte ich so viel Pech und – trotzdem oder vielleicht gerade deswegen – so viel gelacht. Möchte ich wieder hin? Of co(u)rse!

Gelacht haben wir auf dieser Reise viel - trotz oder wegen der Pannen. Aber sicher nicht nur wegen Asterix. Foto: Christel

Gelacht haben wir auf dieser Reise viel – trotz oder wegen der Pannen. Aber sicher nicht nur wegen Asterix. Foto: Christel

P.S.: Achja, der Kollege mit seinem verschwunden geglaubten Rucksack hat heute übrigens ein Mail geschrieben: Er wurde angerufen, sein Hab und Gut wurde gefunden und wird sofort nach Österreich nachgeschickt. So ist das, auf Korsika!

 

Offenlegung: Danke an Atout France, Tourismusverband Corsika, NIKI Luftfahrt, Air Corsica & Accor-Hotels für die Einladung zur Pressereise. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben wie immer meine eigenen.

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Korsika J -98: Der Countdown läuft

J -6, noch sechs Tage also: Ganz Korsika fiebert der Tour de France entgegen, die am 29. Juni zum ersten Mal in der 100-jährigen Geschichte auf Napoleons Geburtsinsel stattfindet. Ganz…

J -6, noch sechs Tage also: Ganz Korsika fiebert der Tour de France entgegen, die am 29. Juni zum ersten Mal in der 100-jährigen Geschichte auf Napoleons Geburtsinsel stattfindet. Ganz Korsika? Fast. Nur für das kleine Künstlerdorf Pigna in den Bergen der südlichen Region Balagne läuft ein anderer Countdown: J -98 nämlich, denn Ende September verlässt Olympe Ricco ihr Restaurant „U Palazzu Pigna“ Richtung Los Angeles. Wären wir im Comic „Asterix auf Korsika“, das schon vor Jahrzehnten die stolzen Korsen und ihre Insel so treffend gezeichnet hat, könnte diese Geschichte nicht anders starten.

„Sie ist eine Entdeckung!“ „Die ist genial!“ „Was für eine Persönlichkeit!“ Unsere Lobeshymnen werden immer lauter, während Olympe, zweifache Mutter und seit 3 Jahren Mieterin des Lokals „U Palazzu Pigna“ zuerst unseren Tisch liebevoll deckt, um dann mit Händen und Füßen gestikulierend das Menü zu erklären.

Tischlein deck´dich - nein, Olympe deckt dich. Foto: Doris

Tischlein deck´dich – nein, Olympe deckt dich. Foto: Doris

Ungeschminkt, mit Leggings und Baby Doll-Kleidchen gekleidet, würde man nie vermuten, dass die Mittdreißigerin (ja, so alt wie ich, Hilfe!) nicht nur in einem 5-Sterne-Hotel aufgewachsen ist, sondern ihre Kindheit in der Hafenstadt Calvi mit Laetitia Casta und anderen Kindern aus reichem Haus verbracht hat. Jetzt ist sie selbst ein Star, auch wenn sie sich alles Andere als ein eben solcher benimmt.

Olympe gestikuliert mit Händen und Füßen. Typisch korsisch eben. Foto: Doris

Olympe gestikuliert mit Händen und Füßen. Typisch korsisch eben. Foto: Doris

Es ist ein Gesamtkonzept, das die leidenschaftliche Köchin, Genießerin und Kommunikatorin im Künstlerort Pigna geschaffen hat. Ein Paradies für alle, die das Echte und Außergewöhnliche lieben. Vor drei Jahren hat sie mit ihrem Mann, einem Ökonomen, das Restaurant neben dem kleinen, feinen Hotel U Palazzu Pigna gemietet, den etwas düster wirkenden steinernen Innenraum mit einem Sammelsurium von Flohmärkten und Antiquitäten liebevoll dekoriert und ein Menü kreiert, das aus den besten Zutaten lokaler Produktion stammt: Der Bruder fängt den Fisch frisch aus dem Meer, das Gemüse wird im Garten nebenan geerntet, der Bio-Wein kommt vom Gut ihres Cousins und den korsischen Nationalkäse Brocciu aus Schaf- und Ziegenmilch macht die Nachbarin. Qualität, die wir uns dann buchstäblich auf der Zunge zergehen lassen können!

Köstliches zur Einstimmung, Foto: Doris

Köstliches zur Einstimmung, Foto: Doris

Und weil das Auge mit isst, werden die Köstlichkeiten – zubereitet vom spanischen Koch – auch im Gastgarten serviert. Spätestens beim dessen Anblick hat dann Olympe wohl selbst die Härtesten und Coolsten für sich erobert:

Der Garten - einfach dort bleiben wollen! Foto: Doris

Der Garten – einfach dort bleiben wollen! Foto: Doris

Seit einiger Zeit gibt es im „U Palazzu Pigna“ allerdings einen etwas bitteren Nachgeschmack – den des Abschiednehmens nämlich. Ende September, in 98 Tagen, geht Olympe mit ihrer Familie nach Los Angeles und eröffnet nahe Santa Monica das erste korsische Restaurant, das „Napoleon & Josephine“. Es trifft sich gut, dass ihr Mann in den Staaten einen Universitätsplatz bekommen hat, denn im jetzigen Restaurant könnten Olympe und ihr Team nicht bleiben. Der Besitzer hat jemanden gefunden, der mehr für die Lokalität zahlt.

Das Menü ist so bunt, echt und ausgefallen wie Olympe selbst. Foto: Doris

Das Menü ist so bunt, echt und ausgefallen wie Olympe selbst. Foto: Doris

Los Angeles darf sich auf einen echten kulinarischen Schatz freuen: Olympe, die ihrem viel versprechenden Namen alle Ehre macht, behält nämlich das Grundkonzept von „U Palazzo Pigna“ auch in der Stadt der Engel bei. Freunde suchen schon jetzt passende  Flohmarkt-Fundstücke, die Napoleon und seiner ersten Gattin entsprechen, die Lieferanten für die korsischen Qualitätszutaten sind mit an Bord, der spanische Koch soll ebenfalls mit und sich selbst bleibt Olympe ohnehin treu. Denn auch wenn gut meinende Berater gesagt haben, sie müsse ihre Gerichte amerikanisieren und die Portionen vergrößern – „ich riskiere es, so zu machen, wie ich möchte“, erklärt die stolze Korsin und lässt ihre Leidenschaft für den Genuss einmal mehr durchklingen. Besonders groß ist das Risiko wohl nicht: Nicht nur, weil wohl aufgrund ihrer Herkunft der finanzielle Druck gering sein dürfte. Vor allem aber, weil sich Echtheit und Glaube an das, was man tut, immer bezahlt macht.

Einmal posieren bitte: Olympe vor der Dessert-Pause. Foto: Doris

Einmal posieren bitte: Olympe vor der Dessert-Pause. Foto: Doris

Wie im Flug vergeht die Zeit mit Geplauder, gutem Essen und Trinken: Dreieinhalb Stunden später müssen wir notgedrungen Olympe und ihr Restaurant verlassen. Wir haben – leider – noch anderes Programm vor uns. „Beim letzten Mal sind wir erst um 3.00 morgens hinaus gekommen“, meint unser Guide Stéphane mit einem Seufzer – zum ersten Mal in den drei Tagen unseres Zusammenseins hatte er ein Leuchten in den Augen. Wer keine weiteren Pläne hat, kann es ihm gleich tun und dann in Pigna in der Casa Musical übernachten, einem entzückenden – und ziemlich preiswerten – Hotel im Dorf, in dem ab und an auch Konzerte stattfinden. Wie gesagt: Ihr habt noch 98 Tage…

Restaurant – Bistrot – Terrasse panoramique U Palazzu Pigna, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Hotel, das unabhängig davon gleich nebenan existiert. Internet-Adresse gibt es keine, dafür eine Telefonnummer (0495 35 16 47) und Olympes Email: olympericco@gmail.com

Preise: Vorspeisen ab 10 Euro; Kuchen-Pause ab 7 Euro. Klingt jetzt viel, ist aber für Korsika, die Qualität und Quantität durchaus angemessen.

Die beste Reisezeit für Korsika sind Mai bis Juni und September; August sollte man aufgrund der Hauptferienzeit tunlichst vermeiden. Für Olympe würde ich aber jederzeit einen Besuch „riskieren“.Offenlegung: Danke an Atout France, Tourismusverband Corsika, NIKI Luftfahrt, Air Corsica & Accor-Hotels für die Einladung zur Pressereise. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben wie immer meine Eigenen.

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Wenn in Rovinj, mach es wie die Rovinjer

„Nur noch 2.000 Einheimische leben heutzutage in der Altstadt von Rovinj„, erzählt mir mein Bekannter Stefan, dem ich mehr oder weniger zufällig im Hotel Lone über den Weg laufe, „und…

„Nur noch 2.000 Einheimische leben heutzutage in der Altstadt von Rovinj„, erzählt mir mein Bekannter Stefan, dem ich mehr oder weniger zufällig im Hotel Lone über den Weg laufe, „und im Winter ist es ab 17.00 Uhr hier wie ausgestorben.“ Dieses, sein Wissen hat er von einem Tourguide, der ihn am Tag zuvor durch die kroatische Stadt geführt hat. Dass der Großteil der Menschen, die hier an diesen sommerlichen Tagen, über die Pflastersteine durch die engen Gässchen schlendern, Touristen sind, ist keine Überraschung – und doch gibt es sie, die Leute, die Rovinj ihre Heimat nennen und mich in ihren bunten Alltag hineinschnuppern lassen.

„Menschen mit einer guten Seele kommen immer wieder nach Rovinj zurück“, Jadranka, in Zagreb geborene Journalistin und Künstlerin, spricht aus Erfahrung. Vor zwei Jahren ist die Weltenbummlerin, die in Toronto und Florenz gelebt hat, in die istrische Stadt gezogen, hat sich – innerhalb einer Stunde – dafür entschieden, dort eine 21 qm2 große Wohnung zu kaufen und zählt seither zu deren rund 15.000 Einwohnerinnen. Ob Stefans Tourguide sie auch zu den Einheimischen zählen würde?

Enge Gassen, Pflastersteine, der Blick aufs Meer und jede Menge Kunst - Rovinj ist in jedem Fall bunt. Foto: Doris

Enge Gassen, Pflastersteine, der Blick aufs Meer und jede Menge Kunst – Rovinj ist in jedem Fall bunt. Foto: Doris

Vermutlich nicht. Genauso wenig wie einige ihrer Freunde – einen Deutschen, einen Holländer, einen Italiener -, auch wenn die schon seit über 30 Jahren den größten Teil ihrer Zeit in Rovinj verbringen, dort Häuser besitzen, mit Kroatinnen verheiratet sind und selbst das istrische Kroatisch besser sprechen (und verstehen) als so mancher Landsmann. Vom rovinj´schen Dialekt ganz zu schweigen. „Local“ würde man wohl auch Nicola nicht nennen, der vor einem Jahr im 10 km entfernten Wald von Rovinjsko Selo eine Heimat gefunden hat. Dort baut der Spanier, der sich als Straßenkünstler und Clown seinen Lebensunterhalt verdient, mit anderen gemeinsam ein Öko-Dorf „Balkan-Style“ auf.

Der Markt von Rovinj ist einer der teuersten in Kroatien.Foto: Doris

Der Markt von Rovinj ist einer der teuersten in Kroatien.Foto: Doris

Die Frage nach dem „richtigen Einheimischen“ ist wohl so alt wie Rovinj selbst. „Schau mal, hier wohnte die österreichisch-ungarische Bevölkerung„, zeigt Jadranka, die ich über CouchSurfing getroffen habe, bei unserem Spaziergang durch die Altstadt auf eine Häuserzeile, die anders als die engen, schmalen Gassen im Umkreis fast schon majestätisch weit ist – nur die Wäsche hängt hier wie dort fein säuberlich nach Farben und Mustern geordnet über unseren Köpfen. Die Straßennamen sind zweisprachig auf Italienisch und Kroatisch angeschrieben, in den Restaurants locken Pizza, Pasta und natürlich alles aus dem Meer. Die reiche Geschichte der Stadt, die im 3. oder 4. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt wurde, ist nicht zu verleugnen – und vielleicht ein Grund, warum sich in Rovinj so viele Menschen aus aller Welt ansiedeln.

Findest du das, was du suchst? Foto: Doris

Findest du das, was du suchst? Foto: Doris

„Als ich damals im November – also mitten im regnerischen Winter – nach Rovinj gezogen bin, haben mich meine Freundinnen bedauert“, erzählt uns Jadranka, während wir – ganz nach Art der Locals – um 13.00 Uhr mittags in der Bar Grota am Markt von Rovinj den ersten Weißwein vom eigenen Gut nippen („ein ganz prickelnder, erfrischender, leichter“ soll es laut Wirt sein). „Ich hatte damals gerade Besuch von einer Freundin aus Zagreb“, meint sie weiter, „wir haben uns frisches Gemüse am Markt gekauft, um zu kochen, und sind hier in der Bar gelandet. Auf ein Getränk. Was soll ich sagen: Wir sind erst um 23.00 Uhr nach Hause gegangen.“

Am Abend werden die Meeresufer zu Bars, in denen man u.a. auch Honigschnaps trinkt. Foto: Doris

Am Abend werden die Meeresufer zu Bars, in denen man u.a. auch Honigschnaps trinkt. Foto: Doris

Auch wenn es sich jetzt so anhören mag, einfach war es nicht für sie, die sich eher als „Weltenbürgerin“ denn als Kroatin fühlt, hier in Rovinj angenommen zu werden: Über das Kosten, Erkunden und Probieren des lokal produzierten – preisgekrönten – Olivenöls hat sie Stück für Stück Anschluss gefunden. „Mittlerweile habe ich sogar das Privileg, mich hier unter die Männer zu mischen und mit ihnen zu diskutieren“, meint die 50-Jährige, die sich – berechtigterweise – als sehr sozial bezeichnet, mit einem Augenzwinkern und prostet ihren Freunden zu.

Das tun "Locals": Sich Mittags in der Vinothek treffen, plaudern und die Zeit genießen. Foto: Doris

Das tun „Locals“: Sich Mittags in der Vinothek treffen, plaudern und die Zeit genießen. Foto: Doris

Das Bedauern ihrer Bekannten war definitiv unnötig, scheint doch der Alltag in Rovinj – selbst im Winter, wenn die Bürgersteige zugegebenermaßen schon um 17.00 hoch geklappt werden – durchaus lebenswert zu sein. Da werden ab und an im Restaurant Konoba Veli Joze Nächte zu Tagen gemacht, es wird auf Tischen getanzt, gemeinsam gesungen und gelacht. „Wo sonst tut man das schon?“, fragt Jadranka in die Runde, „in Toronto oder Florenz habe ich das jedenfalls vergeblich gesucht“.

Rovinj ist ein Schmuckstück. Foto: Doris

Rovinj ist ein Schmuckstück. Foto: Doris

Doch es wird nicht nur gefeiert, sondern auch viel gearbeitet – und vor allem viel Kunst gemacht: Überall scheint die Kreativität aus den alten Mauern und zwischen den Steinen ihren Weg durch zu finden. An jeder Ecke lädt ein Pfeil mit der Aufschrift „Art“ zum Stöbern, Schmökern, Staunen und – natürlich – Kaufen ein. Was kann man auch von einem Ort anderes erwarten, an dem sogar eine ehemalige Kapelle mit Blick aufs Meer in eine Kunstgalerie umgewandelt wurde?

Die Kirche, die zum Meer rausgeht - jetzt eine Ausstellungsfläche für Kunst. Foto: Doris

Die Kirche, die zum Meer rausgeht – jetzt eine Ausstellungsfläche für Kunst. Foto: Doris

In (mindestens) einem bin ich nach den zwei Tagen in Rovinj jedenfalls schon fast ein „local“: Ich schwärme beinah genauso von Rovinj wie sie… und zurückkehren muss ich sowieso. Nicht nur wegen meiner guten Seele, sondern auch um das – dann vielleicht fertige – Öko-Dorf von Nikola und seinen Freunden zu sehen. Das ist sich dieses Mal nämlich nicht ausgegangen, weil die Waldbewohner wegen der Hitze lieber ans Meer geflüchtet sind – denn auch das ist etwas, was die Einheimischen in Rovinj gern machen…

Der Hafen von Rovinj ist seit jeher ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Foto: Doris

Der Hafen von Rovinj ist seit jeher ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Foto: Doris

Wo du in Rovinj sonst noch Locals triffst:

> Morgens trifft man die Einheimischen beim Schwimmen: Sie springen direkt von den Felsen mitten in der Stadt ins kühle Nass. Das Meer ist nämlich in Rovinj glasklar, türkis und sauber…

> Es sind dieselben Felsen, die gegen Abend als Sitzgelegenheit fürs gemeinsame Cocktail- und Weintrinken dienen und zum Teil der vielen Bars am Meer werden. Zu finden sind sie an der Ulica Sv. Križa, die entlang der See bis zur Kirche Euphemia führen.

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> An dieser Straße ist auch ein süßes, kleines Lokal zu finden, das Male Madlene: Für seine köstlichen Desserts mittlerweile auf TripAdvisor berühmt, ist das winzige Zimmer – das eigentlich Teil einer Wohnung ist – vor allem auch eine Augenweide. Blumengestecke, Dekos, ein Bücherschrank im Eck – wie viel Liebe hinter allem steckt ist spürbar. Und die Geschichte hinter diesem besonderen Lokal ist ebenfalls ein paar Zeilen wert: Eine ältere Dame hat es nach dem Tod ihrer Tochter eröffnet, um wieder Freude am Leben zu erhalten und nicht ganz zu vereinsamen.

Übrigens: Besondere Stammgäste (und solche, die ganz lieb fragen)  dürfen sogar auf ihrer Terrasse direkt am Meer die Süßigkeiten genießen.

Die "Kleine Madeleine" begrüßt ihre Gäste in ihrem Wohnzimmer. Foto: Doris

Die „Kleine Madeleine“ begrüßt ihre Gäste in ihrem Wohnzimmer. Foto: Doris

> Frischen Fisch, Meeresfrüchte und vor allem Muscheln, aber auch einiges für Vegetarier wie mich (große Salate, Trüffelpasta & Co.) gibt es im Restaurant Scuba – und das für die zentrale Lage mitten in der Stadt zu erstaunlich guten Preisen. Mit leerem Magen geht dort keine(r) raus! Besondere Empfehlung sind auch der typische Honiggrappa und die „Scuba“-Torte.

Weiße Trüffel, dafür ist Istrien berühmt. Foto: Doris

Weiße Trüffel, dafür ist Istrien berühmt. Foto: Doris

> Täglich hat der Markt in der Altstadt von Rovinj bis um die Mittagszeit (manche stehen auch etwas länger) geöffnet. Im Sommer sind die Plätze heiß begehrt, im Winter ist sehr viel weniger los. Für die meisten Einheimischen führt der Weg nach dem Einkauf direkt in die Bar Grota… und irgendwann wieder dort hinaus. Der Markt selbst zählt übrigens zu den Teuersten in Kroatien (Preis 1 kg Kirschen: 30 Kuna, ca. 3 Euro)

Punta Corrente ist definitiv ein magischer Ort. Foto: Doris

Punta Corrente ist definitiv ein magischer Ort. Foto: Doris

Nur ca. 10 Minuten am Ufer lang führt der Weg in den Naturpark Punta Corrente, der mir gleich zu Beginn von allen Seite als „magischer Ort“ empfohlen wurde -und als einziger Platz in Rovinj, in dem es keine Autos gibt. Beides kann ich bestätigen. Genauso wie die Tatsache, dass es der Rovinjer (und Touristen) liebster Ort fürs Radfahren, Joggen, Picknicken, Yoga- und TaiChi-Machen und – natürlich – Schwimmen oder Schnorcheln ist, dieser größte botanische Garten Istriens mit seinen Zypressen- und Pinienbäumen.

Ja, ich fühle mich wirklich schon ein bisschen einheimisch hier. Foto: Doris

Ja, ich fühle mich wirklich schon ein bisschen einheimisch hier. Foto: Doris

Offenlegung: Danke an Stromberger PR und Hotel Lone für die Einladung zum Aufenthalt. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte sind und bleiben meine eigenen.

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Meine fünf Reisetipps für das schottische Dumfries & Galloway

„Die Gegend Dumfries & Galloway ist noch ein richtiges Geheimnis, sogar für die SchottInnen. Aber jede(r), der/die schon einmal dort war, schwärmt davon.“ Mit diesen Worten hat mich Ines, PR-Verantwortliche…

„Die Gegend Dumfries & Galloway ist noch ein richtiges Geheimnis, sogar für die SchottInnen. Aber jede(r), der/die schon einmal dort war, schwärmt davon.“ Mit diesen Worten hat mich Ines, PR-Verantwortliche von Visit Scotland, erfolgreich nach Schottland gelockt – etwas, was mir übrigens zwei schottische Mitreisende durchaus bestätigen. „Wir sind hier der vergessene Teil Schottlands.“, heißt es auch einmal zur Begrüßung – und das klingt gar nicht erfreut. Es wird also höchste Zeit, das Geheimnis zu lüften: Denn in Dumfries & Galloway kann man jede Menge sehen und erleben. Achtung: Ich war dort und schwärme jetzt, Ines hat es ja vorhergesagt.

Das sind meine Top Fünf aus dem dichten Programm der letzten Tage:

1. Ready steady freeze

Was:  Nomen est omen, anders kann man das Erlebnis „Mach dir dein eigenes Eis“ gar nicht beschreiben – dachte sich zumindest das Team des Eisproduzenten Cream o’Galloway. Die SchottInnen trotzen also Wind und Wetter, stellen sich in die Küche der Farm, auf der jährlich 20.000 Liter (so viel wie bei Ben & Jerrys übrigens täglich gemacht wird) reinstes Bio-Eis ohne Zusatzstoffe produziert und in Schottland sowie England verkauft wird, und mixen sich ihr eigenes Eis. Dass das gar nicht so einfach ist und man selbst bei maximal drei Zutaten falsch liegen kann, haben wir festgestellt. Zwei Tipps: Whiskey/Ingwer funktioniert großartig. Honeycomb/Schokolade und Schokoladenchips hingegen hat uns nicht vom Hocker gerissen.

Wo: Cream o’Galloway, eine Farm, die mich nicht nur wegen des köstlichen Eises begeistert hat, sondern wegen des rundum nachhaltigen Konzepts: Selbstversorgung wird groß geschrieben – auch in Sachen Energieversorgung, es werden einmal monatlich Themenabende für Erwachsene zum Thema Ernährung, Umweltschutz und Co durchgeführt; die Abenteuer-Spielplätze, die Paradies nicht nur für Kinder sind, wurden vom Farm-Personal aus Holz hergestellt, und und und. Schaut einfach mal rein. Ein Besuch lohnt sich – auch als Tagesausflug von Glasgow oder Edinburgh (jeweils ein bis zwei Stunden Fahrt)!

Was es nicht alles zu sehen gibt, in der Eisfabrik. Foto: Doris

Skeptischer Blick: Wird das was mit dem selbstgemachten Eis? Foto: Doris

 

Welche Zutaten sollen bloß rein? Foto: Doris

Das fertige Eis - selbstgemacht. Foto: Doris

Alles meins: Selbstgemachtes Eis. Foto: Doris

 

2. Abhängen – oder das Wetter Wetter sein lassen

Was: Zip-Lining, groß stand es auf dem Programm, denn in Dumfries & Galloway war bisher auf der Laggan Farm die längste Zip-Line Großbritanniens zu finden. Bis vor drei Wochen. Jetzt ist die Längste in Wales – und die in Schottland „nur noch“ eine der längsten Europas. 820 Meter im Schuss runter – das wäre der Plan gewesen. Allein, der Wind kam uns dazwischen. Bei den sturmartigen Böen war ans Abhängen nicht zu denken.

Die enttäuschten Gesichter konnten wir anfangs nicht verbergen. Bis wir festgestellt haben, dass wir bei einer Segway-Tour oder mit revers Jeep-Driving mindestens genauso viel Action und Fun haben können.

Wo: Laggan Farm, nur zehn Minuten von Cream o’Galloway entfernt. Eine Farm, die seit über 100 Jahren von einer Familie betrieben und wo zusätzlich jede Menge Action geboten wird. Mehr dazu auf der Website!

Auf der Zip-Line wäre es nach unten gegangen. Der Wind hat es verboten. Foto: Doris

Jeeptour auf der Laggan Farm. Foto: Doris

Und natürlich mit den Segways auf Tour. Foto: Doris

Stattdessen: Reverse Jeep Driving - ausprobieren. Foto: Doris

3. Gott spielen

Was: An hellen Sonnentagen muss es noch genialer sein, doch selbst beim trüben Regenwetter blieben uns die Münder vor Staunen offen. Ein Konstrukt aus dem Jahr 1836 hat es geschafft, uns Internet-Junkies, ständig mit Iphone & Co ausgerüstet, App-affin und dauer-online, in Aufregung zu versetzen. Eine Camera Obscura, Ur-Mutter der Kamera, ist auf dem obersten Stockwerk zu finden – und auch wenn wir wegen des stürmischen Wetters nicht den 360 Grad-Rundumblick genießen können, wird uns doch einiges gezeigt. Die Stadt Dumfries nach oben gespiegelt nämlich. Und wir spielen, blödeln, rücken hier mal ein bisschen zur Seite, „zoomen“ dort ins Fenster hinein, legen Hürden auf die Straßen und freuen uns an der optischen Täuschung, dass Autos über diese fahren müssen. Wer hätte gedacht, dass offline Gott-spielen solchen Spaß macht!

Wo: Im Museum der kleinen Stadt Dumfries. Ein Museum im Gebäude einer ehemaligen Windmühle aus dem 18. Jahrhundert, dessen Ausstellungsstücke von der lokalen Bevölkerung stammt und dort sozusagen „verwaltet“ wird.

Die "Meisterin" an der Camera Obscura. Foto: Doris

So ein kleines Ding bringt ganz schön ins Staunen. Foto: Doris

Und jetzt bauen wir noch Hürden für die Autos ein. Foto: doris

Dumfries von oben. Foto: Doris

4. Schlafen wie die Irren

Was: Nein, kein Tippfehler und auch keine Anspielung, sondern Tatsache. Das Aston Hotel in Dumfries ist das Gebäude einer ehemaligen „Irrenanstalt“, einem Krankenhaus für psychisch kranke Menschen. Davon merkt man nichts mehr, aber versucht mal, einen Small-Talk mit den Worten zu beginnen: „Ich habe gestern Nacht in der psychiatrischen Anstalt verbracht.“ Allein schon deshalb eine Erwähnung wert!

Wo: Aston Hotel auf den Crichton Gründen.

Nicht sehr spektakulär, aber praktisch: Aston Hotel. Foto: Doris

So sah die Anstalt früher aus. Foto: Doris

5. Lämmchen zählen

Was: Die Schafe sind los – und die Lämmer erst recht. Mit der Kamera bewaffnet wird man auf der Suche nach Schafen und Lämmern ziemlich sicher fündig. Gerade jetzt im Frühjahr.

Wo: Am Wegesrand. Auf Farmen. Einfach überall.

Warnung: Suchtgefahr! Ich bin nicht anfällig auf Tiere oder Tierbilder, aber die Lämmer haben sogar mich eingewickelt wie ihr sehen könnt:

Ein neugeborenes Lamm am Wegesrand. Foto: Doris

Lämmchen überall. Foto: Doris

Nur nicht schüchtern, Lämmer. Foto: Doris

So macht man eine indische Reisebloggerin glücklich - mit Lamm im Schoß. Foto: Doris

Was guckst du, Lamm? Foto: Doris

So, und jetzt sage noch einer, einen Ausflug nach Dumfries & Galloway könne man vergessen…

 

Offenlegung: Ich war auf Einladung von Visit Scotland unterwegs. Danke dafür! Die Meinungen und Ansichten in dieser Geschichte bleiben meine eigenen. 

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Von Musik, der Liebe und Zufällen, die es gar nicht gibt…

„…und stell dir vor, wer mein Blind-Date in Paris war: Meine große Liebe, die ich zehn Jahre nicht gesehen hatte!“ Colettes Augen leuchten, ihre Stimme zittert noch vor lauter Freude…

„…und stell dir vor, wer mein Blind-Date in Paris war: Meine große Liebe, die ich zehn Jahre nicht gesehen hatte!“ Colettes Augen leuchten, ihre Stimme zittert noch vor lauter Freude als sie mir ihre Geschichte erzählt. Wir sitzen im Pub mit unaussprechlichem Namen, „An Teach Beas“ (übersetzt: „Das Kleine Haus“), in Clonakilty im Süden Irlands. Colette habe ich gerade erst kennen gelernt, aber ich weiß schon viel über sie: Dass ihr Mann vor wenigen Jahren gestorben ist zum Beispiel, und dass ein Bekannter sie vor einiger Zeit nach Paris mitgenommen hat. Aber nicht nur sie, sondern auch einen seiner Freunde, und der hat sich als eben jene verloren geglaubte Jugendliebe aus der irischen Heimat entpuppt. Sagt’s und schnappt sich – noch bevor ich völlig in melancholische Romantik abdrifte oder mich an Rosamunde Pilcher erinnert fühle – ihren mittlerweile Angetrauten und singt ein Ständchen.

Die Live Band, wegen der alle das Lokal gestürmt haben. Foto: Doris

Die Live Band, wegen der alle das Lokal gestürmt haben.

Mit einem Zufall hat unser Aufenthalt in der irischen Kleinstadt Clonakilty, in der Nähe von Kinsale und Baltimore, am Nachmittag desselben Tages auch begonnen: „Ich war da schon einmal!“ Kaum bei der Einfahrt des Bed & Breakfast angekommen, platzte meine Freundin Steffi bereits heraus: „Das gibt’s doch nicht. Beim letzten Mal habe ich ebenfalls hier geschlafen!“ Ich weiß nicht, wer ungläubiger und überraschter aus der Wäsche schaut: Sie oder wir – Marietta und ich -, die wir auf den Hinterbänken den ersten Blick aufs weiße Herrenhaus der Macliam Lodge erhaschten.

Nahe Clonakilty gibt es auch wunderschöne Sandstrände. Foto: Doris

Nahe Clonakilty gibt es auch wunderschöne Sandstrände.

Was für ein Zufall, dass wir uns ausgerechnet in der Unterkunft einquartiert haben, in der Steffi vor einigen Jahren ihren Geburtstag gefeiert hat. Absicht war es jedenfalls keine, haben wir doch schlicht und einfach das erste freie Bed & Breakfast genommen, das uns am Vortag in unserer ersten Herberge vorgeschlagen wurde. So macht man das schließlich auf spontanen Roadtrips durch Irland, ich – oder besser gesagt wir – zumindest.

Irische Musik, hier geht´s lang. Foto: Doris

Irische Musik, hier geht’s lang.

Mehr Plan hingegen steckte hinter unserer Abendgestaltung: Ein Pub musste her, am besten mit Livemusik, aber das sollte ja in einem typisch irischen Städtchen an einem Samstagabend leicht zu finden sein. War es auch!

Und wir waren nicht die einzigen mit dieser Idee. Keine halbe Stunde später – wir haben gerade unser erstes Pint getrunken – ist das kleine Lokal rappelvoll. Ich übertreibe nicht: Kein Sessel, kein Barhocker, keine Ecke ist mehr frei. Überall sitzen, lachen, plaudern, trinken Menschen, Paare und Singles, Junge und Alte. Da grüßt jeder jeden, es wird geherzt und umarmt, es werden alte und neue Bekanntschaften geschlossen, Geschichten erzählt – wie die von Colette. Wir drei – eine US-Amerikanerin, eine Deutsche, die in Irland lebt, und eine österreichische Reisende – sind mittendrin, gehören dazu. Okay, wir singen nur leise oder gar nicht mit, wenn die irischen Klänge der Live MusikerInnen erklingen – wir können ja schließlich nicht den Text – und wir stimmen auch nicht selbst ein Liedchen an, wie unsere Mitfeiernden. Aber wie die anderen sind wir berauscht von der Musik, der ausgelassenen Stimmung, den freundlichen Menschen – und sicher auch ein bisschen vom Bier…

Irland ist voller Musik - zumindest in Clonakilty. Foto: Doris

Irland ist voller Musik – zumindest in Clonakilty.

Was für ein Glück wir an diesem Abend haben, erfahren wir erst beim Frühstück am nächsten Tag: Normalerweise gehen die Einheimischen am Samstag nicht ins An Teach Beas, denn die Live Band spielt in einem anderen Pub. Reiner Zufall, dass es gerade an diesem Wochenende anders war…

P.S.: Dass ich als Vegetarierin ausgerechnet Clonakilty – Heimat von Irlands berühmtestem Black Pudding alias Blutwurst – als meine Lieblingskleinstadt auserkoren habe, ist zugegeben schon etwas ironisch. Vor allem weil Colette – die mit der Wiedervereinigungsgeschichte – keine Geringere als Colette Twomey war, ihres Zeichens Besitzerin von „Clonakilty Blackpudding“. Wo die Liebe hinfällt… 

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Auf geht’s: Die Donau-Karawane zieht los

Freitag, 15. März um 19 Uhr im deutschen Furtwangen an der Donau. Ein ganz gewöhnlicher Freitag? Nicht ganz. Denn es fällt der Startschuss zu einer ganz ungewöhnlichen Reise. 3.000 Kilometer…

Freitag, 15. März um 19 Uhr im deutschen Furtwangen an der Donau. Ein ganz gewöhnlicher Freitag? Nicht ganz. Denn es fällt der Startschuss zu einer ganz ungewöhnlichen Reise. 3.000 Kilometer durch 14 Länder wollen Helene, Sarah, Johannes, Peter, Mark – und hoffentlich noch viele mehr – hinter sich bringen, entlang der Donau vom Schwarzwald bis ins Schwarze Meer, zu Fuß, per Kajak, mit dem Fahrrad… Nicht allein, sondern mit jedem, der die kleine „Karawane“ begleiten möchten. Dabei geht es nicht nur ums Unterwegssein. Es geht vielmehr darum, nachhaltige Projekte miteinander zu verbinden und miteinander, voneinander zu lernen. Auf dem Weg und bei Workshops in einzelnen Städten.

Klingt nicht neu? Das liegt vermutlich daran, dass ich schon von einem ersten Treffen mit dunaVision berichtet habe. Ich habe die Gruppe in den letzten Monaten einige Male getroffen und versucht, mich so gut wie möglich auf dem Laufenden zu halten. Richtig gelungen ist es mir nicht: Jedes Mal haben sich neue Fragen aufgetan, neue Antworten wurden gegeben, neue Ideen tauchten auch… spannend bleibt das Projekt allemal.

Wandern, Spaß, Nachhaltigkeit, Vernetzung, Lernen, ... dunaVision ist vieles.

Wandern, Spaß, Nachhaltigkeit, Vernetzung, Lernen… dunaVision ist vieles.

Spannend besonders auch für diejenigen, die unterwegs sind – wie die Vorarlbergerin Helene, mit der ich einige Tage vor ihrem Abmarsch noch gemailt habe:

Doris: Helene, wie geht’s dir so kurz vor dem Start?

Helene: Eigentlich habe ich noch gar nicht realisiert, dass es tatsächlich in wenigen Tagen los geht. Ich glaube, die Gedanken kommen erst, wenn ich im Zug nach Deutschland sitze! Gestern hatte ich aber zum Beispiel einen Albtraum, dass mir jemand erzählt, es wüsste doch jeder über die streundenden Hunde in Osteuropa Bescheid, die ständig Wanderer in Rudeln anfallen! Da bin ich aufgewacht und hab mir tatsächlich Sorgen gemacht.

Welche Unsicherheiten gibt es noch?

Ziemlich viele! Wir wissen nicht, wie viele Teilnehmer wir haben werden. (Anm.:  Neben der genannten „Kerntruppe“, die aus Helene, Sarah, Johannes, Peter und dem Schotten Mark besteht, werden in den ersten paar Tagen noch fünf bis sechs weitere Personen losgehen. Darunter die Leiterin des Workshops in Augsburg, Vertreter des Ministeriums in Baden-Württenberg für Bildung und Kultur oder ein Journalist vom Schwarzwälder Boten. Mark ist übrigens mit seinem 20-jährigen Bus mit von der Partie, der mit Solar Panels ausgestattet ist, um Mobiltelefone, Laptops etc. aufzuladen oder Kleider und Zelte zu flicken. Zusätzlich wird ein Trailer angehängt, um das Gepäck verstauen zu können.) Wir haben auch nicht alle Routen schon fix und fertig geplant. Aber die Unsicherheiten gehören definitiv zur Reise dazu, anders geht es gar nicht.

Worauf freust du dich am meisten?

Schwer zu sagen. Wahrscheinlich auf den Sommer, ich hab es nicht gern kalt! Allgemein stelle ich es mir wunderbar vor, täglich beobachten zu können, wie die Jahreszeiten die Vegetation verändern. Wenn man jeden Tag so viele Stunden draußen ist und so vom Wetter beeinflusst wird, muss das ein wunderschönes Erlebnis sein. Dann freue ich mich auch wahnsinnig auf das Forum in Wien, weil ich dort schon viel im Vorfeld mitbekommen habe und sich dort viel abspielt, was mich brennend interessiert: Wie baut man Häuser aus Stroh und Lehm? Wie kann ein Ökodorf funktionieren? Welche Formen des Miteinander gibt es? Und schlussendlich natürlich auf das Donaudelta, von dem ich schon so viel Spannendes gehört hab. Dörfer, die nur per Boot erreichbar sind, kenne ich bisher nur aus Indien.

Aktuelle News und Infos gibt es auf der Website dunavision.eu.

Aktuelle News und Infos gibt es auf der Website dunavision.eu

Was ist die größte Herausforderung für dich?

Meinen Freund dazu zu bringen, dass er auch mitkommt! Ansonsten wird es sicher auch eine große Herausforderung, eine gute Balance zwischen ständigem Organisieren, Bloggen, Verantwortlich sein und meiner persönlichen Freiheit zu finden – ich glaube, das ist sehr wichtig, um das ein halbes Jahr durchziehen zu können.

Dass das ganze Projekt den Bach hinuntergeht ist ziemlich unwahrscheinlich, weil ja nicht ein Team das Ganze organisiert, sondern jeweils RegioTeams für die Foren vor Ort zuständig sind. Wenn also der Workshop in Wien eine Katastrophe wird, wird der in Budapest hoffentlich besser! Was jedoch passieren müsste, damit ich persönlich aufhöre, ist schwer zu planen. Dass ich irgendwann mal eine Pause einlegen möchte und dann später wieder dazustoße, kann ich mir allerdings schon vorstellen – das Ganze soll ja flexibel und dynamisch bleiben.

Wo kann man sich über euch auf dem Laufenden halten und über Treffen oder eure Teilstrecken informieren?

Auf jeden Fall über unsere Website, dort werden immer rechtzeitig die richtigen Treffpunkte etc. online stehen. Wir überlegen aber auch, eine Notfallnummer mitzunehmen, über die man jederzeit jemand aus dem Team erreichen kann.

Danke, Helene, und viel Spaß beim Wandern und Wandeln!

 

Und vielleicht sehen wir uns ja im Donaudelta, denn ich habe die Idee, auch ein Stück weit mitzugehen noch immer im Kopf…

1 Kommentar zu Auf geht’s: Die Donau-Karawane zieht los

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