Eco. Life. Style.

Kategorie: Little Miss Itchy Feet

Von einer, die auszog, um mit Delphinen zu schwimmen

Es ist fünf Uhr morgens, und ich höre ihn. Den Ruf der Delphine. Auch wenn sich der für andere vermutlich wie das Klingeln des Weckers anhört, für mich ist es eindeutig: Es…

Es ist fünf Uhr morgens, und ich höre ihn. Den Ruf der Delphine. Auch wenn sich der für andere vermutlich wie das Klingeln des Weckers anhört, für mich ist es eindeutig: Es sind die Delphine, die mich aus dem Schlaf locken.

Seitdem ich denken kann, üben sie eine Faszination auf mich aus. Warum, weiß ich nicht. Ich bin nicht sonderlich tierlieb, bekomme beim Anblick von Hund oder Katz keine feuchten Augen – aber Delphine haben es mir angetan. Vielleicht habe ich irgendwann eine Überdosis „Flipper“ abbekommen? Was für andere Kamele oder Bären sind, sind für mich diese schönen Meeres-Wesen. Seit meinen ersten Reisen begleiten sie mich, oder vielmehr der Gedanke, Delphine einmal hautnah zu erleben und mit ihnen im Meer zu schwimmen. Bisher ist es mir nicht vergönnt gewesen: Weder vor zehn Jahren bei der Fahrt nach Kangaroo Island in Australien. Noch auf Teneriffa. Noch nicht mal bei der Fahrt über den Ganges. Alles Spots mit „100%iger Delphin-Garantie“. Tja, ich müsste wohl mal irgendwo reklamieren gehen …

So ein ganz normaler Strand in Brasilien. Foto: Doris
Delphin-Spotting in Brasilien. Foto: Doris

Und jetzt bin ich wieder an einem Ort, wo „man garantiert mit Delphinen schwimmen kann“, das sagt nicht nur der Lonely Planet über Praia de Pipa. „Willkommen Doris“, wenn man schon so von seiner „Gastmutter“ begrüßt wird (anders kann ich die Besitzerin der Pousada Xama, in die ich mich einquartiert habe, nicht bezeichnen), kann man sich nur wohlfühlen. Keine fünf Minuten vergehen, hat sie mir nicht nur gesagt, dass ausgerechnet heute – genauer gesagt in einer halben Stunde – das „Ereignis des Jahres“ – nämlich die Entlassung der frisch geschlüpften Baby-Schildkröten von Projeto Tamar ins Meer – stattfindet, sondern morgen gegen 16.00 Uhr auch ein perfekter Zeitpunkt ist, um mit den Delphinen zu schwimmen. Perfekt deshalb, weil nur zu den zweimal täglichen Ebbe-Zeiten der Strand Mirante dos Golphinos überhaupt zugänglich ist. Und noch perfekter, weil für morgen kühles, wechselhaftes Wetter angesagt ist. Das hat wiederum kaltes Wasser zufolge – und das lieben die Delphine.
Ich bin nervös…

In diesen geschützten Bereichen liegen die Nester der Schildkröten vergraben. Foto: Doris
In diesen geschützten Bereichen liegen die Nester der Schildkröten vergraben. Foto: Doris
Freiheit! Die Kleinen werden zum Meer entlassen … Foto: Doris
Freiheit! Die Kleinen werden zum Meer entlassen … Foto: Doris
Wer wohl aufgeregter war: Die Helfer, die Zuschauer oder doch die kleinen Schildkröten? Foto: Doris
Wer wohl aufgeregter war: Die Helfer, die Zuschauer oder doch die kleinen Schildkröten? Foto: Doris

Einige Stunden später weiß ich: Mit den Baby-Schildkröten hatte sie recht! Es war zwar nicht das „Ereignis des Jahres“, schließlich findet es von Dezember bis März regelmäßig statt, aber beeindruckend war es allemal, die kleinen gepanzerten Wesen ins Wasser zu begleiten.

Rausfahren mit dem (Paddel)Boot, um näher an die Delfine ranzukommen?! Angeblich nicht notwendig… mh.. Foto: Doris
Rausfahren mit dem Kajak oder den Motorboot, um näher an die Delfine ranzukommen?! Angeblich nicht notwendig, vor allem aber störend für die Tiere. Foto: Doris

Mit den Delphinen lag sie leider weniger richtig, soviel steht bei Anbruch der Dämmerung fest. Die haben sich nicht gezeigt (genauso wenig wie die Österreicherin namens Verena, die hier laut TripAdvisor Massagen gibt). Noch nicht – ich bin ja noch einige Tage hier in Praia de Pipa.

Auch wenn man keine Delfine erspäht, schön ist es hier allemal. Foto: Doris
Auch wenn man keine Delfine erspäht, schön ist es hier allemal. Foto: Doris

Neuer Tag, neues Glück?! Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich der Delphine wegen früh aus dem Bett springe. Okay, vielleicht nicht springe…

„Ich wecke Euch gegen 4:00 Uhr auf“, hatte uns unser CouchSurfing-Host Jonathon vor drei Jahren auf Big Island nicht nur angekündigt, sondern diese Drohung auch wahr gemacht. Schließlich war es ja für einen „guten Zweck“: Er wollte uns den besten Spot zeigen, um mit Delphinen zu schwimmen – den Two-Step-Beach nahe der Kealakekua Bucht. Und er musste es wissen, war der Regisseur und Filmschaffende doch noch besessener von Delphinen als ich.  Eine ganze Dokumentation, „Na Nai’a. Legend of the Dolpins“, widmete er den schönen Meeressäugern – und als er mir damals die Leute aufzählte, die den Delphinen ihre Synchronstimmen geliehen hatten, blieb mir fast die Suppe im Hals stecken: Kate Winslet, Ellen Page, Gerard Butler, Megan Fox, Whoopie Goldberg, Julian Lennon, Isabella Rosselini, James Franko, Darryl Hannah ‒ wer war denn da bitte nicht dabei? Leider waren die Stars das Aufregendste an dem Film, den wir damals in einer Art „Preview“ in seinem Wohnzimmer sehen durften und an dessen Einzelheiten ich mich kaum noch erinnern kann. Dass unsere Mission damals aber leider nicht von Erfolg gekrönt war, das weiß ich noch all zu gut. Wir warteten, warteten, warteten – nur die Delphine ließen sich nicht blicken.

Morgenstimmung am Strand. Foto: Doris
Morgenstimmung am Strand. Foto: Doris
Da draußen in der Ferne sieht man angeblich Delphine. Foto: Doris
Da draußen in der Ferne sieht man angeblich Delphine. Foto: Doris

Genauso wie heute. „Zu dieser Jahreszeit ist das Wasser zu seicht, da bleiben sie weit draußen“, klärt mich ein Standbetreiber auf, vorausgesetzt, ich habe sein Portugiesisch richtig verstanden, „da braucht man viel Geduld, um sie zu erspähen.“ Es ist eindeutig: Die Idee vom Schwimmen mit den Delphinen kann ich für dieses Mal an den Nagel hängen. Bin ich enttäuscht? Keine Frage. Aber die Traurigkeit hält nicht allzu lang an: Wer könnte bei einem Morgenspaziergang am Strand schon die Schultern hängen lassen? Und außerdem … am Spruch von der Hoffnung, die zuletzt stirbt, an dem ist schon etwas Wahres dran …

Das ist und bleibt der einzige Delphin, den ich hier sehen werde. Foto: Doris
Das ist und bleibt der einzige Delphin, den ich hier sehen werde. Foto: Doris

Tipps, um nach Praia de Pipa zu kommen: 

Von Natal aus gibt es regelmäßig Busse (Fahrt: Ca. 1 Stunde), von Recife muss man mit dem Bus der Company Progresso bis Goianinha fahren (ca. 4 Stunden, nicht 3 Stunden lt. Internet). Dort warten Taxis, die nach Praia de Pipa bringen. Wir haben uns zu dritt eines für 40 Reais geleistet. Der Bus, der angeblich auch kommt, kostet pro Person um die 10 Reais. Normalerweise lädt einen der Taxifahrer im Ortszentrum ab – wer nett fragt, wird – wie ich – vielleicht bis zur Unterkunft gebracht. 

Ein Shuttle-Van fährt alle paar Minuten durch Praia de Pipa von einem Ende nahe Pousada Xama bis zu Praia do Madeira, wo z.B. die Schildkröten ins Meer gelassen werden. Kosten: 2 Reais. 

Pousada Xama: 
Liegt etwa 8 Gehminuten vom Ortszentrum entfernt, etwa 3 Gehminuten sind es zum Praia do Amor. Die Pousada ist im Lonely Planet gleich als 1. Empfehlung gelistet, hat aber (dennoch) nichts an ihrem Charme und ihrer Ruhe verloren.
Kosten: ab 70 Reais (inkl. großartigem Frühstück) für ein Doppelzimmer. 

Mein kleines Reich hier in Praia da Pipa. Foto: Doris
Mein kleines Reich hier in der Pousada Xama in Praia de Pipa. Foto: Doris

Pousada Xama ist die fünf Tage hier in Praia da Pipa ein echtes Zuhause. Foto: Doris

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Eine Nacht in der Favela – ein Experiment

Wie durch Zahnstocher hochgezurrt stieren meine Augen an die Decke. Nicht ich starre, ich werde gestarrt. Denken kann ich schon lange nicht mehr, ich bin einfach nur müde. Alles an mir sehnt…

Wie durch Zahnstocher hochgezurrt stieren meine Augen an die Decke. Nicht ich starre, ich werde gestarrt. Denken kann ich schon lange nicht mehr, ich bin einfach nur müde. Alles an mir sehnt sich nach Schlaf, nach Erholung. Etwa dreißig Minuten lang habe ich es geschafft, doch jetzt liege ich bereits seit gefühlten Stunden hier – und jeder Versuch, endlich in die Ruhe zu fliehen, scheitert. Meine Augen füllen sich mit Tränen. Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Meine Erschöpfung oder das Gefühl der Enttäuschung, die mit den Tränen hoch schwappt.

Von unten dringt Grölen und Lachen: Lautstark werden in gebrochenem Englisch Reisepläne ausposaunt. Aus britischen Antwortfetzen höre ich Partygeschichten von Rios Karneval. Es ist 2 Uhr morgens, verdammt, ich will einfach nur schlafen! Ich bin zu müde, um es nach unten zu schreien. Wozu auch, hat ja die letzten fünf Stunden nichts gebracht. Schweiß tropft mir von der Stirn. Ich mache mir gar nicht die Mühe, ihn mir abzuwischen: Es gibt keine Klimaanlage, keinen Ventilator im Gemeinschaftsraum des Hostels, auf dessen abgewetzter Plastik(?)-Couch ich hier liege. Nicht freiwillig. Oder doch?

Willkommen in Babilonia! Willkommen im Chill and Surf!

„Es ist alles voll. Ich kann dir nur noch die Couch oder die Hängematte zum Übernachten geben.“ Zuerst halte ich die Worte von Matthias für einen Witz, einen sehr schlechten. Ich war doch extra zwei Tage früher nach Rio de Janeiro zurückgereist, um in seiner Herberge „Chill and Surf“ zu schlafen – und darüber zu berichten. Schließlich ist es nicht irgendeine Unterkunft: „Ich habe einen Österreicher getroffen, der in einer Favela in Rio ein Hostel betreibt“, so hat sich mein Arbeitskollege vor meiner Abreise nach Brasilien bei mir verabschiedet, „willst du den Kontakt?“ Klar konnte ich da nicht widerstehen. Ein Österreicher. Ein Hostel. In einer Favela. In Brasilien. Die Kombination klang einfach zu interessant. Als ich dann noch bei Recherchen entdeckte, dass das Hostel-Gebäude von Star-Architekten Niemeyer erbaut wurde, war es komplett um mich geschehen. Das muss ich mir anschauen! Vor allem aber will ich mit österreichischen Betreiber, Matthias, sprechen.

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Wie hast du das Haus vor rund dreizehn Jahren überhaupt entdeckt? Wie bist du auf die Idee gekommen, in der Favela Babilonia ein Hostel zu starten? Arbeitest du mit den Bewohnern der Favela zusammen? Und wie findest du es, dass jetzt die Siedlungen, die früher der Inbegriff von Gewalt, Chaos, grenzenloser Armut und Drogenkriegen waren, immer häufiger Eingang in Reiseführer finden? Die Fragen türmen sich in meinem Kopf – auf die Antworten muss ich aber bis zum Ende meiner Reise warten. Erst dann ist Matthias wieder in Rio. 

Dann solle ich doch einfach ins Hostel kommen – und ja, auch dort zu übernachten wäre kein Problem. Kostenlos, wenn Platz ist. Das alles wird mir Stück für Stück durch Matthias‘ Bruder Phil, der in Portugal ein Hostel betreibt, per E-Mail ans Herz gelegt. Ich tue es und werfe meine Entscheidung über Bord, den Favela-Tourismus nicht zu unterstützen. Weil ich Sensations- und Katastrophen-Tourismus nicht mag. Weil ich nicht weiß, ob die Armut der Leute dadurch geringer wird. Weil ohnehin jeder, der nach Rio de Janeiro reist, automatisch mit den Favelas konfrontiert wird, den Armenbezirken, die die Hügeln über der Stadt besiedeln und somit für jeden sichtbar über dem Tal hängen.

Die Straße führt nach Babylonia. Foto: Doris
Die Straße führt in die Favela – nach Babilonia.

Die Zugänge zu den Favelas sind oft nahtlos, aber eindeutig spürbar – das stelle ich fest, als mich das Taxi hoch zum „Chill and Surf Hostel“ bringt: Da stehen in der Straße Nossa Senhora de Copacabana in jenem gleichnamigen Wohnbezirk schicke Häuser mit gepflegten Grünflächen hinter Stahlzäunen; während in der Nebenstraße die Häuser einfach, ihre Wände mit Graffiti beschmiert und die steilen Wege teils mit holprigem Beton ausgebessert sind. Arm ja, aber gefährlich? Nein, gefährlich scheint die Favela Babilonia nicht zu sein. Sie gehört schon lange zu den „befriedeten“ Favelas, jenen Siedlungen also, aus denen die Gewalt, die Drogen, das Chaos verbannt und in denen die „Ordnung“ durch Polizei-Stationen kontrolliert wurde.

Herzlich werde ich hier aber dennoch nicht willkommen geheißen. „Couch oder Hängematte“ – so lautet die Entscheidungsfrage. Matthias ist zwar glücklich darüber, dass ich über ihn schreiben will, möchte mich auch gern morgen durch die Favela führen – ein Bett hat er aber dennoch nicht für mich. Nicht einmal im Dorm. Ich darf auf der Couch im Gemeinschaftsraum schlafen, 40 Reais pro Nacht zahlen und – wenn niemand anderer kommt, der die zu Karneval verlangten 140 Reais für ein Dorm-Bett zahlt – vielleicht doch in einem der freien Betten schlafen. Ich bin völlig überrumpelt, mir versagen die Worte. Und ich bin müde: Gestern Nacht bei der Busfahrt habe ich kaum ein Auge zugemacht, ich will einfach nur ins Bett. Wenn es sein muss, auch auf die Couch.

„Das Management hier hat die letzten drei Jahre das Hostel schlecht gewirtschaftet“, erklärt mir später der französische Freund von Matthias, der mit Ringen unter den Augen mehr schlecht als recht Herr der Lage ist. Er wird die Couch mit mir teilen, meinte er, wie schon die letzten zwei Wochen. Zum Schlafen komme er ohnehin nicht viel, schließlich seien er und Matthias nur hierher gekommen, um das Hostel wieder zur Nummer eins in Babilonia zu machen. Koste es, was es wolle – meint er noch und zeigt mir sehnsüchtig Bilder von seinem Zuhause, dem Beach-Hostel in Kolumbien, wo Matthias und er normalerweise leben sowie arbeitet.  Ich merke, wie mir das Denken einen Streich spielt… Bett, Bett, Bett ist alles, was ich noch in meine Gehirnwindungen bringe. Morgen ist auch noch ein Tag.

Ein Morgen gibt es hier für mich nicht! Nach vier Stunden Quälerei auf der Plastik-Couch, in einem Hostel, das keine Ruhephasen kennt und dessen Besitzer sich offenbar nicht für seine Gäste interessiert, ist mir das klar. „Ich brauche ein Bett für die nächsten Nächte“, schicke ich ein Verzweiflungs-Email (immerhin, das WiFi funktioniert!) an Fabio, einen Bekannten aus Rio. Es ist Karneval! Wie aussichtslos die Situation ist, ist mir bewusst. Und doch bekomme ich keine fünf Minuten später ein Mail: „Ich habe etwas für dich.“ Was, das ist mir egal. Es kann nur besser sein als die Situation im „Chill and Surf“. Und schreiben möchte ich über das Favela-Hostel ohnehin nicht mehr, schade über die vertane Chance!

Zwei Stunden später liege ich in einem herrlichen, frisch gemachten, sauberen Bett im Botanic Hostel. Es gehört einem Bekannten von Fabio, hat vor drei Wochen aufgesperrt, ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt und alle sind rundum bemüht, die Gäste zu versorgen – kurz, es ist perfekt! Besser, als ich es mir wünschen konnte.

Und die Moral von der Geschichte? War diese Begegnung eine Lektion in Sachen Grenzen? Oder war es eine Lernerfahrung in Sachen Scheitern? Sollte ich erfahren, dass ich für Geschichten doch nicht über Leichen gehe – schon gar nicht über meine eigene? „Dass ein Österreicher sich so respektlos einer Landfrau gegenüber verhält, versteh ich nicht. Aber du hast unglaubliches Glück“, kommentiert Fabio das Erlebte bei einem Abendessen, „du bist zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

„Es zeigt die Gier der Menschen, die alles zerstört“, kommentiert mein Freund Matthias (nein, nicht der Hostel-Betreiber, ein anderer) eine Woche später in Berlin meine Erfahrung. Ich muss beiden Recht geben. Und beide sagten, ich sollte die Geschichte erzählen – einfach so. Das habe ich jetzt getan. Die Moral, die kenne ich aber bis heute nicht – vielleicht muss ich das ja auch gar nicht. Ich weiß nur, mein Experiment Favela-Nacht werde ich wohl so schnell nicht vergessen!

 

Lesenswerte Artikel von solchen, deren Experiment Favela weniger gescheitert ist:

Touristen in Favelas 
Das ganz normale Leben

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Aktiv durch Rio: 5 Wege, um noch mehr ins Schwitzen zu kommen (1)

„Es gibt bei uns in Rio nur zwei Jahreszeiten: Den Sommer und die Hölle„, erklärt mir Luana von Free Walkers Rio, als wir uns nach drei Stunden Stadtspaziergang unter praller…

„Es gibt bei uns in Rio nur zwei Jahreszeiten: Den Sommer und die Hölle„, erklärt mir Luana von Free Walkers Rio, als wir uns nach drei Stunden Stadtspaziergang unter praller Sonne eine Pause gönnen. Im Sommer – also eigentlich unserem Sommer und deren Winter – hat es angenehme 25 Grad. Zurzeit aber treibt es das Thermometer schon ab und an auf um die 40 Grad hinauf. In höllische Hitzen also!

Weil Schwitzen da ohnehin zum guten Ton gehört, habe ich mich von den Temperaturen nicht davon abhalten lassen, Rio aktiv zu entdecken. Hier sind ein paar meiner liebsten Touren, die ich buchstäblich wärmstens empfehlen kann – auch bei 35 Grad im Schatten:

1. Free Walkers Tour

Wer hätte gedacht, dass in Rio de Janeiro erst seit 8 Monaten eine Stadtführung auf Spendenbasis angeboten wird. Mittlerweile gibt es aber sogar zwei Versionen davon. Ich war mit dem Original unterwegs: Luana hat gemeinsam mit zwei anderen Business-Studentinnen die rot-be-T-Shirten Free Walkers gegründet, nachdem sie die Idee während ihres Irland-Studienaufenthalts kennen & lieben gelernt und flugs nach Brasilien exportiert hat. So erfolgreich, dass sich eine frühere Mitarbeiterin vor zwei Monaten ebenfalls mit einer sehr ähnlichen Tour selbstständig gemacht hat.

Um die drei Stunden dauert die Stadtführung durch die Viertel Centro und Lapa. Zum Abschluss kann man noch gemeinsam eine typische Feijoada essen gehen. Ob es sich dabei wirklich um die „billigste Feijoada in Lapa“ handelt, wage ich bei dem Sonderpreis von 28 statt 32 Reais (inkl. Wasser, O-Saft oder Caipi) zu bezweifeln, aber gut.

Die vegetarische Variante der Feijoada hat mich nicht vom Hocker gerissen, die Tour aber in jedem Fall. Treffpunkt: Täglich außer Sonntags um 10.30 Uhr bei der Metro-Station Carioca.

2. Wanderung zum Zuckerhut

Auf den 395 m hohen Zuckerhut „muss“ man einfach, wenn man in Rio de Janeiro ist: Wer kein Climber ist, für den gibt es nur die Variante, mit der Gondel rauf auf den Berg zu kommen (Ticket: teure 62 Reais). Allerdings kann man auch auf einem schattigen Waldweg zumindest bis zur Mittelstation hinauf wanden. Der Hike dauert ca. 30 Minuten, bietet schöne Ausblicke und eventuell entdeckt man sogar ein paar Affen in den Bäumen über sich.

Bis vor einem Monat gab es auf der Mittelstation noch einen Ticketverkauf, wo man Karten für die Gondel günstiger kaufen konnte. Das wurde jetzt leider sang- und klanglos abgeschafft! Wer nicht, wie ich, wieder per Fußweg zurück zur Talstation geschickt werden möchte, um dann nochmals mit der Gondel zum Gipfel zu gelangen, der besorgt sich am besten gleich unten ein Ticket. Nicht gerade sehr klug, das Ganze, aber so ist es nunmal.

Wer sich bergauf nicht antun möchte, der kann auch einfach nur den Fahrrad-Weg entlang etwas spazieren.
Und noch ein Tipp: Wer am späteren Nachmittag hinauf wandert, der kann nach 19.00 Uhr auch kostenlos mit der Gondel zurückfahren.

3. Radtour um die Lagoa

Lagoa ist nicht nur ein Stadtteil in Rio, sondern auch die Kurzform der Rodrigo de Friedas Lagune. Sieben Kilometer führt ein Rad- und Fußgängerweg rund ums Wasser – immer unter dem wachsamen Auge des Christus, denn das Monument Cristo Redentor auf dem Berg Corcovado ist von hier aus ständig über einem zu sehen. Die Radtour selbst ist wegen des asphaltierten Wegs entspannt und doch vielfältig, sieht man doch immer wieder Neues: Vögel im Wasser, andere Fußgänger oder Radfahrer, Tretboote, einige Stände mit Kokusnuss-Verkäufern und… vielleicht sogar die berühmten Wasserschweine.
Die Radtour lässt sich übrigens von der Lagoa auch entlang der Strände Copacabana und Ipanema fortführen. Und da gibt´s dann ebenfalls einiges zu sehen, wir sind ja in Rio 😀

Wer nicht das Glück hat, von Freunden ein Rad zu bekommen, kann sich eines der orangen Fahrräder ausborgen, die in Rio an vielen Orten vermietet werden. Ich habe es selbst nicht probiert (ich hatte ja ein Fahrrad), aber hier könnt Ihr nachlesen, wie es funktioniert: http://www.oi-rio.com/rioapartments/de/aktivitaeten-und-freizeit-in-rio-de-janeiro/erholung/fahrrad-mieten.html

 

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Wie in Trance: Bei einer afro-brasilianischen Kult-Zeremonie in Salvador

„Ich gehe jetzt einmal Abendessen und hole euch dann wieder ab“, spricht Armando. Wie, er ist jetzt weg? Er ist doch unser Guide! Ich habe doch eine Tour gebucht! Es ist…

„Ich gehe jetzt einmal Abendessen und hole euch dann wieder ab“, spricht Armando. Wie, er ist jetzt weg? Er ist doch unser Guide! Ich habe doch eine Tour gebucht! Es ist doch seine Aufgabe, uns alles über Cantomblé, die wilde, afro-brasilianische Religion, zu erklären! Bevor ich aber zum Protest ansetzen kann, ist er auch schon verschwunden! Wir bleiben auf den weißen Plastikstühlen zurück, ich und das Mädchen aus Mauritius, das in den nächsten drei Stunden zu meiner besten Freundin, Übersetzerin, Verbündeten wird.

Der Altar vor dem Cantomblé-Tempel. Foto: Doris

Der Altar vor dem Cantomblé-Tempel.

Dunkle Augenpaare starren uns neugierig von links wie rechts an – wir grinsen ihnen ein bisschen verkrampft entgegen. Angriff ist schließlich die beste Verteidigung, heißt es doch, oder? Dabei stehen wir gar nicht unter Beschuss – nur etwas unter Beobachtung, sind wir doch die einzigen „Anderen“ im Raum. Die einzigen Nicht-Brasilianer. Und auch wenn sich meine mauritianische Begleiterin mit ihrer dunklen Haut und ihrem gebrochenen Portugiesisch durchaus unbemerkt unter die für Salvador typischen Ur-, Ur-, Ur-, Ur-….-Enkel der Sklaven mischen könnte – ich falle definitiv aus der Reihe. Doch so unterschiedlich wir sind, eines haben wir alle gemeinsam: Wir warten!

Das Fest, das wir heute im Tempel feiern, findet nur einmal im Jahr statt. Foto: Doris

Das Fest, das wir heute im Tempel feiern, findet nur einmal im Jahr statt.

Cantomblé – das Wort hat mich magisch in den Bann gezogen, seitdem ich es im Lonely Planet zum ersten Mal entdeckt hatte. Es klingt so verführerisch, Geheimnis umwittert, verlockend! Es ist der Name der afro-brasilianische Religion, die mit den Sklaven ab dem 16. Jahrhundert nach Brasilien gebracht wurde und hier in Bahia, vor allem in Salvador, unter den Nachkommen der afrikanischen Immigranten noch immer praktiziert wird. Was damals vor den Katholiken verborgen und nur im Stillen ausgeübt werden durfte, ist heute der ganze Stolz der Afro-Brasilianer. Überall auf Plätzen, ja selbst in der Lagune von Salvador – dem Dique do Tororó – , stehen manns- beziehungsweise besser gesagt frau-hohe Abbilder der orixás, der Gottheiten; die farbenfrohen Bilder in den Straßen des touristischen centro historicos sind voll von ihnen, und Glücksbringer mit den meist weiblichen Figuren in ihren ausladenden, steifen Röcken hängen in jeder Auslage.

Jeder Mensch hat eine Gottheit, die ihn bewacht - so glaubt man im Candomblé. Foto: Doris

Jeder Mensch hat eine Gottheit, die ihn bewacht – so glaubt man im Candomblé.

Und dann sind da noch die Zeremonien: Fast wöchentlich findet irgendeine Feier zu Ehren einer Gottheit statt, die alle unterschiedliche Persönlichkeiten und Geschichten mit sich bringen. Das erzählt uns unser Guide während der Autofahrt zum Tempel, dem sogenannten terreiro. Die meisten wiederholen sich Woche für Woche, nicht aber diejenige, der wir in Kürze beiwohnen sollen: Die heutige Zeremonie zu Ehren der orixá Oshun (Oxun) – der Weg- und Metall-Göttin, so sagt Armando (Wikipedia sagt etwas Anderes) – findet nämlich nur einmal im Jahr statt.  „Wir haben so ein Glück“, flüstert mir die Mauritierin zum ersten Mal zu. Es sollte nicht das letzte Mal sein.

Die Zeremonie zu Ehren von Oxun ist in drei Teile geteilt und dauert über drei Stunden. Foto: Doris

Eigentlich ist Fotografieren nicht erlaubt (so sagte man uns vorab): Nachdem aber alle ungeniert mit Smartphone bewaffnet waren, habe ich mich nach zwei Stunden auch verleiten lassen und das iPhone gezückt. Hier die TänzerInnen und SängerInnen der Zeremonie.

Es ist diese Zeremonie, auf die wir im Tempel warten. Eben wurden wir noch vom Sohn der Priesterin höchstpersönlich begrüßt – dann kann es losgehen. „Es ist wie bei mir zuhause“, japst die Mauritierin, deren Name ich nie erfahren habe, „die gleichen Schritte, die gleiche Musik“, sagt sie und klatscht im Rhythmus mit. Ich mache es ihr gleich – wehren ist ohnehin zwecklos, zu mitreißend ist das Trommeln der Alabe (so der Name der männlichen Gruppe). Um die zwanzig Frauen und vier Männer, alle in Weiß gekleidet, die meisten davon in den bauschigen, weiten Röcken, bewegen sich zu den lauten, rhythmischen Trommeln gegen den Uhrzeigersinn im Kreis. Dabei schwingen sie die Hüften, schütteln die Busen, gestikulieren mit ihren Armen und bewegen ihre mehr als üppigen Körper so, wie man es angesichts der Leibesfülle niemals vermuten würde.

Abwechselnd trommeln die Mitglieder der Alambe den Rhythmus vor. Foto: Doris

Abwechselnd trommeln die Mitglieder der Alambe den Rhythmus vor.

Das ist erst der Anfang: Es sollte drei Stunden lang so weitergehen, was sag‘ ich: Mehr werden! Was wie Chaos und nach Leichtigkeit aussieht, verläuft offensichtlich nach einem strengen Protokoll. Dirigiert wird das Ganze vom Sänger und Alabe-Leader, der selbst in seinen Zigarettenpausen noch die Oberhand behält und genau weiß, wann er wieder ein „Kommando“ geben muss. Was genau gesungen wird, das können wir nicht einmal erahnen, wird die Zeremonie doch in der Yoruba-Sprache abgehalten.

Ein lauter Schrei dringt durch die Zuschauer: Alle Blicke richten sich auf eine gefärbte Blondine, die noch Minuten zuvor unbemerkt in der Ecke gelehnt hat. Jetzt schüttelt und beutelt es die Frau, dass es mich nicht wundert, dass die Katholiken im 16. Jahrhundert Cantomblé für eine Teufelssache gehalten haben. Der Schweiß tropft ihr von der Stirn. Das allein wäre aber nichts Außergewöhnliches, ist es doch unglaublich heiß in diesem kleinen Tempel. Und die vielen Menschen, das ständige Kommen und Gehen, machen es nicht besser. Doch im Fall der Blondine ist es anders: Wie sie fallen immer wieder Leute aus dem Publikum, aber auch TänzerInnen in Trance, werden von der Musik (von der Gottheit?) in Beschlag genommen, müssen sich austoben, gestikulieren wild herum und brüllen, kreischen, jauchzen, was das Zeug hält… und immer wieder werden sie von „Ordnungshütern“ aufgefangen und sanft hinaus geführt. Irgendwann tauchen sie dann erneut auf, ganz ruhig, so als wäre nichts geschehen. „Die Leute erinnern sich später an nichts mehr“, wird uns Armando später – nach seinem Abendessen, nach der Zeremonie – im Auto erklären.

Die Sorge habe ich auch. Nicht, dass ich mich nicht mehr an den Abend erinnern kann – zu unvergesslich, spannend, außergewöhnlich und einzigartig ist das Erlebnis. Ich habe Angst, die Details zu vergessen – die Gesten und Handbewegungen, die offenbar alle eine Bedeutung haben. Den Gesichtsausdruck der Priesterin, wenn sie eine Runde dreht, in einer Art Schlaf-Wach-Zustand die Menschen umarmt und alle mit einem Strahlen in den Augen zurücklässt. Die offenen Münder der kleinen Mädchen neben mir, die ihre Hälser strecken mussten, um einen Blick auf die tanzende Menge zu ergattern. Es sind einfach zu viele Sinneseindrücke in zu kurzer Zeit…

„Jetzt hole ich auch gleich mein iPhone heraus“, zischt mir die Mauritianerin zu. Eigentlich hat es geheißen: Fotografieren nicht erlaubt. Daran haben wir uns bis (fast) zum bitteren Ende gehalten, auch wenn ich sie schon anfangs angestupst hatte: „Schau mal, da filmt einer mit dem Tablet!“ Sie hatte es schon gesehen. Tatsächlich sind wohl selten Tanzschritte und Gebets-Gesänge aus dem 16. Jahrhundert mit so vielen Smartphones und iPhones in einem Raum wie an diesem Abend. Nachdem alle rundherum ungeniert filmen, halten wir es nicht mehr aus und greifen zu unseren iPhones. Mit einem unwohlen Gefühl in der Magengrube und schweißnassen Händen. Beides liegt aber eher an meinem schlechten Gewissen, gegen Regeln verstoßen zu haben als einem Trance-Zustand – bei mir zumindest.

Tipps

Laut Lonely Planet sind sämtliche Orixás, also Cantomblé-Zeremonie, auch online zu finden, aber die angegebene Website führt leider zu einer allgemeinen Salvador-Tipps-Seite. Auch die Recherchen meiner mauretanischen Kurzzeit-Freundin auf dem Markt ergab wenig: „Geh in die Straßen von Lapa“, hieß es da. Doch nachdem Orixás meist bei Nachteinbruch (zwischen 19 und 22 Uhr) stattfinden, würde ich keinem raten, allein durch die finsteren Straßen und Gassen Salvadors zu irren. Nehmt euch lieber einen Guide, so wie wir es getan haben.

Wenn ihr ebenfalls Larturismo kontaktieren möchtet, wendet euch per E-Mail an Armando: larturimso.vendas@gmail.com beziehungsweise larturismo.contato@yahoo.com.br. Die Tour startet offiziell um 18 Uhr und endet um 22 Uhr. Kosten: 70 Reais.

Zu bedenken ist: Schwarze Kleidung ist normalerweise nicht erlaubt, am besten trägt frau/man weiß! Fotoapparate sind eher unerwünscht, ein iPhone oder Smartphone darf aber zum Filmen gezückt werden. Vorher aber dennoch bitte fragen, schließlich handelt es sich um religiöse Zeremonien – und da sollte man Respekt zeigen. Es gibt auch bezahlte Orixá-Shows, die allerdings nichts mit den echten Feiern zu tun haben. Leicht erkennbar sind Erstere daran, dass beim Eintreten nochmals Geld verlangt wird. Ich denke nicht, dass sich diese Erfahrung lohnt, um ehrlich zu sein. Kehrt lieber um und wartet auf eine echte Zeremonie.

 

Offenlegung: Larturismo habe ich über das Hostel El Misti gebucht, das mir wiederum aufgrund einer Kooperation mit HostelClub eine Gratis-Unterkunft in Salvador ermöglicht hat. Danke dafür! Die Meinungen und Ansichten bleiben natürlich wie immer meine eigenen.

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Als Vegetarierin durch Brasilien: Teil 1 einer Versuchsreihe

„Wir müssen unbedingt zu Mercado Municipal“, meint meine Freundin Daniela in Sao Paulo und nimmt mich gleich an der Hand, „da gibt es ein riesiges Sandwich, das sehr bekannt ist.“…

„Wir müssen unbedingt zu Mercado Municipal“, meint meine Freundin Daniela in Sao Paulo und nimmt mich gleich an der Hand, „da gibt es ein riesiges Sandwich, das sehr bekannt ist.“ „Klar, warum nicht?“, denke ich und will noch fragen: „Das ist vegetarisch!?“ Ich hätte die Frage besser stellen sollen, denn natürlich blitzte dick und fett „Mortadella Sandwich“ von der Leuchttafel des Standes. Eine Geschichte, wie sie typisch ist für Brasilien. Nein, für ganz Südamerika – ich habe es ja nach neun Monaten in Kolumbien, Ecuador, Bolivien, Argentinien und Uruguay vor zwei Jahren beinah vermutet . Manchmal ist es gar nicht so schön, recht zu haben…

Pizza auf dem Markt: Vorne mit Ruccola, hinten mit Palmita. Bild: Doris N.
Statt Fleisch-Sandwich gibt es Pizza auf dem Markt: Vorne mit Rucola, hinten mit Palmita.

Tatsächlich kann ich nach fast einer Woche in Brasilien sagen: Vegetarier haben es nicht einfach. (Veganer noch viel schwerer, aber das ist eine andere Geschichte.)

„Ich habe aber einige vegetarische Freunde – und die überleben“, versprach mir meine Freundin Cristiane, bei der ich in Rio de Janeiro untergekommen bin. Bei ihrer Familienfeier hoch über der Copacabana mit Blick aufs Meer und Zuckerhut konnte ich auch tatsächlich überleben. Wenn bloß mit Salat und Co, denn das Familienrezept eines Fisch-Kuchens war nicht ganz im Sinn einer Vegetarierin. Auch wenn es verdammt gut ausgesehen hat, wie ich gestehen muss. Doch mit Bohnen, Reis, Grünzeug und Käse kommt man hier schon weiter.

Familienbuffet: Einiges davon ist sogar für VegetarierInnen essbar. Bild: Doris N.
Familienbuffet: Einiges davon ist sogar für VegetarierInnen essbar.

Meine Rettung: Wie gut, dass in Brasilien überall in den Städten Kilo-Restaurants Furore gemacht haben. Da lädt man sich einfach alles, was man vom Buffet mag, auf den Teller und zahlt das, was man isst. Abgewogen. Je nach Kilo. Klar, es gibt auch hier vorwiegend Fleisch… aber auch Palmita, Manjioka (Maniok in jeder Form), Polenta oder Reisbällchen. Und natürlich die schön leichten, ähm, in Fett herausgebratenen oder frittierten Pasteles. Wer Glück hat, erwischt eines mit Käse – oder lässt sich von Freunden beraten. Beschriftet ist alles bloß in Portugiesisch. Wer Spanisch spricht wie ich (naja, okay, ansatzweise) hat einen klitzekleinen Vorteil.

Hoch über der Copacabana beim Familienessen mit Aussicht. Bild: Doris N.
Hoch über der Copacabana beim Familienessen mit Aussicht.

Fazit einer Woche: Vegetarier haben es nicht einfach – aber ich werde überleben. Vor allem, wenn ich mich weiterhin von Açaí mit Granola ernähre. Das Beste (und Teuerste, 13 Reals, fast vier Euro!) gibt es übrigens in Baby Lanches an der Copacabana. Ich heiße Doris und ich bin süchtig!

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Die nächsten sechs Wochen im Land mit B…

Ich kann nichts dafür, Indien ist schuld. Ich schwöre! Daran, dass ich gleich ein paar Wochen nach meiner Ankunft sofort wieder eine Reise geplant habe. Daran, dass ich mir erneut längere Zeit…

Ich kann nichts dafür, Indien ist schuld. Ich schwöre!

Daran, dass ich gleich ein paar Wochen nach meiner Ankunft sofort wieder eine Reise geplant habe. Daran, dass ich mir erneut längere Zeit – sprich sechs Wochen – zu Beginn des Jahres freigeschaufelt habe, um unterwegs sein zu können. Daran, dass mich die Reiselust wieder gepackt hat!

Aber nicht die Lust an „irgendeinem Reisen“, sondern am längeren Unterwegssein, am Eintauchen in eine Kultur, am freien Entscheiden je nach Gemütslage, wohin es weitergeht, am sogenannte „Zufälle“ auskosten und tief in mir drinnen wissen, dass es die gar nicht gibt. Am Finden von Freunden inmitten von Unbekannten, am Über-Bord-Werfen von Glaubenssätzen, am Eingehen von Risiken und auf meinen Hausverstand vertrauen… Kurz: Am Reisen, so wie ich es in Indien wieder für mich entdeckt habe – oder war es doch umgekehrt, und es hat mich wieder gefunden? Das ist wohl gar nicht wichtig.

Wichtiger ist: Ab dem 22. Januar bin ich in… BRASILIEN!

Endlich schaffe ich es, meine Freunde aus CouchSurfing-Zeiten in Sao Paulo, Rio de Janeiro (und vielleicht auch Recife) zu besuchen! Die Flüge waren überraschend günstig – und Karneval wollte ich – nach Rijeka im letzten Jahr – ohnehin wieder einmal in Südamerika verbringen.

Fragt mich bitte noch nicht nach meiner Reiseroute: Die wird sich ergeben genauso wie alles Andere – auch wenn von überall heiße Tipps auf mich einprasseln. Klar, dass die Liste der Must-Sees – wie üblich – mit jedem Gespräch und jeder gelesenen Zeile der Reiseführer länger wird, aber eines davon kann ich mir diesmal immerhin „ersparen“: Die Wasserfälle von Iguazu habe ich bei meinem achtmonatigen Südamerika-Aufenthalt bereits gesehen. Da kommt man nämlich leicht via Busshuttle von der argentinischen Seite auf die Brasilianische und erhält so einen ganz anderen Blick auf die grandiose Wasserpracht!

Ich bin jedenfalls schon ziemlich auf den Geschmack gekommen und voller Vorfreude – auf unglaubliche Naturspektakel in den Nationalparks, die Traum-Stadt Rio, Ausgehen in Sao Paulo, die Strände und Inseln – vor allem aber auf die Leichtigkeit des Seins, in dem die Brasilianer ja Könner sein sollen.

Also: Carpe diem … oder was auch immer das auf Portugiesisch heißen mag.

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Das Geheimnis von Le Somail

Gastbeitrag von Gesa Neitzel von Bedouin Writer Es gibt Orte auf dieser Welt, an denen die Uhren ab und an stehen bleiben. Einfach so, von Zeit zu Zeit, hören die Zeiger…

Gastbeitrag von Gesa Neitzel von Bedouin Writer

Es gibt Orte auf dieser Welt, an denen die Uhren ab und an stehen bleiben. Einfach so, von Zeit zu Zeit, hören die Zeiger auf sich zu drehen. Betrittst du einen solchen Ort, schreiten deine Füße und schweift dein Blick. Eile kennst du nicht mehr. Nur noch den Moment. Ich fand einen solchen Ort im Süden Frankreichs, unweit der spanischen Grenze. Er heißt Le Somail.

Le Somail, das sind eine Handvoll Sandsteinhäuser, die sich entlang des Canal du Midi reihen. Am Ufer lagern Hausboote. Und französische Herren mit Angelruten. Durch enge Gassen brausen Motorroller. Und hinter blauen Fensterläden singt Charles Trenet im Radio. Hier, versteckt in einem unscheinbaren Hinterhof, liegt ein Geheimnis. Ein wahrer Schatz, möchte ich meinen.

Nun gibt es natürlich Geheimnisse, die lieber solche bleiben sollten; die sich nicht umsonst verstecken, weil sie nicht für alle da sind. Von denen darf ich nicht erzählen. Es gibt aber auch Geheimnisse, die geteilt werden sollten, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Das Geheimnis von Le Somail ist eins davon.

Denn was sich in dem unscheinbaren Hinterhof am Canal du Midi versteckt, ist ein magischer Ort namens Le trouve tout du Livre – eine Librairie ancienne, ein Antiquariat. Bis unter die Decke, liebevoll aneinandergereiht, sitzen hier alte Bücher in den Regalen und warten gespannt auf ihre Entdecker. Geschrieben wurden sie von Jules Verne bis Carlos Ruiz Zafon, gekommen sind sie aus der ganzen Welt – und da wollen sie auch wieder hin. Sie wollen mitgenommen werden. Hier sind sie nur auf Zeit.  Ja, Le trouve tout du livre am Canal du Midi ist einer von diesen Orten, an denen die Uhren stehen bleiben. Wenn auch nur für eine Weile.

Le trouve tout du livre
28 Allée de la Glacière
11120 Le Somail, 
Saint-Nazaire-d’Aude, Frankreich

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Wilde Granatäpfel in Montenegro

Gastbeitrag von Justin P. Moore von The Lotus and the Artichoke – Vegane Rezepte eines Weltreisenden Am Faszinierendsten beim Reisen ist es für mich, bei Einheimischen zu bleiben und so…

Gastbeitrag von Justin P. Moore von The Lotus and the Artichoke – Vegane Rezepte eines Weltreisenden

Am Faszinierendsten beim Reisen ist es für mich, bei Einheimischen zu bleiben und so das wahre, echte Leben eines anderen Landes und einer anderen Kultur hautnah zu erfahren. Natürlich macht es Spaß, sich berühmte Sehenswürdigkeiten anzuschauen und in renommierten Restaurant zu essen, aber das wirkliche Vergnügen liegt in den alltäglichen kleinen Details und Ereignissen. Es sind die unerwarteten und spontanen Besuche und Geschehnisse, die am wertvollsten sind und mir am meisten bedeuten.

Vor gar nicht so langer Zeit beschlossen zwei meiner Freunde, einige Monate in Herceg Novi in Montenegro zu verbringen. Vor ihrem Besuch und einigen wenigen Reisegeschichten anderer hatte ich kaum etwas über diese Region gehört. Dies war also die erste Gelegenheit für mich, mir selbst ein Bild vom Balkan zu machen. Meine Freunde organisierten mir für eine Woche eine kleine Wohnung in dem Haus, in dem auch sie untergekommen waren, und ich buchte meine Flüge und besorgte mir einen serbokroatischen Sprachführer.

Gleich bei meiner Ankunft lud uns der Hauseigentümer zum Mittagessen zu sich nach Hause ein. Nichts geht über eine herzliche Begrüßung! Der Blick vom Balkon aus war fantastisch. Es war unbeschreiblich schön, mit meinen Freunden schnackend bei einem Kaffee draußen auf dem Balkon zu sitzen und dabei die Aussicht über Baumwipfel und Dächer bis hin zum tiefblauen Wasser der Bucht von Kotor zu genießen.

Es mag sich nicht sehr spannend anhören, aber meine schönste Erfahrung bei dieser Reise war ein nachmittäglicher Ausflug aufs Land mit meinen Freunden. Wir liehen uns ein Auto und fuhren einfach drauflos. In einem kleinen Café gleich am Wasser machten wir Mittagspause und schlenderten dann durch die mittelalterliche Stadt Kotor. Auf der Rückfahrt, auf den sehr kurvenreichen Landstraßen, gerieten wir in einen heftigen Regen. Es war wie eine Reise in die Vergangenheit. Wir sahen alte, verfallene kleine Häuser und Bauten, urige Kirchen und alte Friedhöfe und eine Landschaft voller Obst- und Olivenbäume an uns vorbeifliegen.

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Und dann tauchten plötzlich Granatapfelbäume auf! Wir hielten am Straßenrand, ich sprang aus dem Auto und pflückte mir ein paar Granatäpfel direkt vom Baum. Dann ging es weiter, und ich saß fröhlich auf der Rückbank, mümmelte an einem der Granatäpfel und ließ tief beeindruckt die fantastische Landschaft an mir vorüber ziehen…

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Liebes Bulgarien!

Gastbeitrag von Gudrun Krinzinger von reisebloggerin.at Liebes Bulgarien, du bist eine Herausforderung. Du verkaufst Kaffee zum Davonlaufen, dünn und geschmacklos. Du versteckst deine Schätze und Heiligtümer in abgedunkelten Kathedralen, die von außen unscheinbar…

Gastbeitrag von Gudrun Krinzinger von reisebloggerin.at

Liebes Bulgarien, du bist eine Herausforderung. Du verkaufst Kaffee zum Davonlaufen, dünn und geschmacklos. Du versteckst deine Schätze und Heiligtümer in abgedunkelten Kathedralen, die von außen unscheinbar und langweilig daherkommen und erst im Inneren ihre volle Pracht entfalten. Dein Straßenpflaster in Sofia fordert mich als Touristen auf, des Nachts mit einer Taschenlampe den Weg zu beleuchten, denn Straßenbeleuchtung ist Mangelware und deine Gehsteige sind rissig und holprig. Deine Kinder küssen Ikonen, die Gläubigen stehen Schlange bei einem Bild und die Priester daneben lächeln ihr geheimnisvolles Lächeln.

Liebes Bulgarien, du bist spröde und abweisend, lässt dir nicht in die Karten schauen. Du wirkst arm und erledigt, aber deine Herzlichkeit ist echt. Du bist gastfreundlich, offerierst mir deinen Wein und schenkst mir ständig nach. Du bist stolz auf deine Geschichte und erzählst mir mit Begeisterung davon.

Die Kellnerin, die sich vor Lachen verschluckt, als ich mich am bulgarischen Wort für danke versuche, der Akkordeonspieler, der huldvoll nickt, als ich ihm eine Münze in seinen Pappbecher werfe, die Schachspieler im Park in Plovdiv, die sich stolz aufrichten, als ich frage, ob ich sie fotografieren darf und der Guide in der Moschee, der mir sein Gebetshaus zeigt. Du steckst voller Begegnungen mit lebenslustigen und wunderbaren Menschen, die ein Funkeln in den Augen haben.

Und während der Akkordeonspieler sein nächstes Lied anstimmt (Time to say Goodbye) und ich mich summend umdrehe, weiß ich schon, du und ich, wir werden Freunde!

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Bolivien – Auf dem Mond mit Flamingo und Lama

Gastbeitrag von Anja Beckmann von Travel on Toast Eine der bizarrsten Landschaften, die ich auf meiner Weltreise gesehen habe? Definitiv das Gebiet um die Salzwüste Salar de Uyuni. Sie ist ein…

Gastbeitrag von Anja Beckmann von Travel on Toast

Eine der bizarrsten Landschaften, die ich auf meiner Weltreise gesehen habe? Definitiv das Gebiet um die Salzwüste Salar de Uyuni. Sie ist ein Prachtstück, ebenso wie die Salvador-Dali-Wüste mit ihren interessanten Gesteinsformationen und den tierischen Bewohnern der Gegend.

13 Stunden im Nachtbus brachten mich vom bolivianischen Regierungssitz La Paz zum Ziel. Es war eine lange Fahrt im vollgestopfen Bus, unser Fahrer fuhr ohne Halt durch. Am und um die höchste Salzpfanne der Welt (auf 3.653 Metern) herum waren wir drei Tage lang mit einem Jeep unterwegs. Wir aßen draußen und übernachteten in einfachen Unterkünften, duschen ging in dieser Zeit nicht. Tagsüber war es schön warm in der Sonne, nachts schnatterte ich vor Kälte in meinem Bett. Ich zog meine Jacke über Pulli und T-Shirt, zog die Decke eng um mich – nichts half so richtig.

Doch ich wurde dafür reichlich entschädigt: Mit meiner Gruppe sah ich sensationelle Bilder. Die Salar war im Januar in der Regenzeit mehr ein See als eine Wüste. Wir fuhren mit dem Jeep durch das flache Wasser, vorbei an kantigen Salzbrocken. Natürlich machten wir – wie viele andere Besucher auch – Bilder von der weiten Wasserfläche, in der sich die Wolken spiegelten. Von dort aus ging es in die sandfarbene Wüste mit schneebedeckten Bergen und Vulkanen. Auch sehr beeindruckend waren eine rote Lagune, Geysire und heiße Quellen.

Leider litt ich irgendwann unter der Höhe (bis zu 5.000 Meter), ich hatte Kopfschmerzen und mir war schwindelig. Doch Halluzinationen waren es nicht, die mich neben der
Mondlandschaft auch Lamas und rosafarbene Flamingos sehen ließen. Alles echt, alles unglaublich farbintensiv.

Diese Tour war kein großer Schritt für die Menschheit, doch ein unvergessliches Erlebnis für mich.

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