Eco. Life. Style.

Kategorie: Media. Culture.

Willkommen im Wunderland! Die entsetzliche Angst der Epiphanie Schreck

Angst ist ein Thema, das nicht nur in Zeiten von Pandemien aktuell ist. Zusammen mit Schlagwörtern wie mentale Gesundheit und Achtsamkeit hält es immer mehr Einzug in die Medien und…

Angst ist ein Thema, das nicht nur in Zeiten von Pandemien aktuell ist. Zusammen mit Schlagwörtern wie mentale Gesundheit und Achtsamkeit hält es immer mehr Einzug in die Medien und wird nicht mehr nur als privates Thema mit Nahe stehenden besprochen. Mich interessiert vor allem der künstlerische Umgang mit Angst – in Comics, Büchern und Illustration. Séverine Gauthier (Geschichte) und Clément Lefèvre (Zeichnungen und Farben) haben gemeinsam ein elementares Werk über die Angst erschaffen. Ich war beim Lesen durchgängig begeistert, aber fangen wir von vorne an.

Der Comicband „Die entsetzliche Angst der Epiphanie Schreck“ handelt von einem jungen Mädchen, das schon seit es denken kann ihre Angst im Gepäck mit sich herumschleppt. Ihre Angst ist ein überdimensionaler Schatten, der sie immer wieder verschlingt, bedrückt und verfolgt. Eines Tages drängt sie die Angst in den Wald, in diesem begegnet sie einem seltsamen Männchen, das gerne Fragen beantwortet. Doch auch dieser kann ihr nicht richtig weiterhelfen und ist ebenfalls auf der Suche, aber nach etwas anderem, etwas das er verloren hat.

Sie trifft auf ihrem Weg durch den Wald auf so allerlei merkwürdige Gestalten, von denen sie sich immer ein wenig Erkenntnis mitnehmen kann. Alle versuchen, ihr auf ihre eigene Weise zu helfen, doch letztlich muss sie selbst lernen, mit dem Schatten umzugehen. Und so beginnt sie sich, holprig und mit viel Mühe, mit ihrer Angst auseinanderzusetzen.

Es ist immer eine große Herausforderung, solche komplexen und schwierigen Themen für Kinder, aber auch Erwachsene, umzusetzen. Epiphanie wird als eine für ihr Alter schon sehr reife Person dargestellt, die aber auch sehr unter ihrer Angst leidet. Den beiden AutorInnen ist es gelungen, eine authentische Fabel über eine allgegenwärtige Emotion zu erschaffen.

Wer selbst mit dem Thema Angststörung oder Panikattacken zu kämpfen hat, kann hier einiges für sich mitnehmen, fühlt sich verstanden und kann vieles sehr gut nachempfinden. Für Menschen, die mit der pathologischen Form der Angst noch wenig Anknüpfungspunkte hatten, ist der Band ein guter Einstieg in dieses Thema.

Die Atmosphäre im Comic erinnert etwas an Alice im Wunderland, wir tauchen in eine nicht näher beleuchtete, fantastische Welt ein, die Szenen wechseln ohne große Erklärung, die Charaktere sind teilweise grotesk und merkwürdig. Wir erfahren wenig Hintergründe zu Epiphanie selbst, aber lernen viel über ihre Gedanken und ihr Innenleben.

So manche Kreatur und die träumerischen Elemente in den Panels, wie zum Beispiel ein Zirkus der Kuriositäten, erinnern etwas an Filme von Studio Ghibli. Ein besonderes Highlight waren für mich die Extraseiten am Ende, ein Handbuch für Phobiker mit witzigen abstrusen Phobien und einem kleinen Brettspiel. Neben der Geschichte machen die Farbgestaltung, der Illustrationsstil und die Ausgewogenheit zwischen Text und Bild den Comic zu einem besonderen und außergewöhnlichen Erlebnis. Folgt Epiphanie in ihre Welt und erlebt, wie sie auf ihrer Suche nach Antworten an Stärke und Lebensmut gewinnt!

Vielen Dank an den Splitter Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Von unten – Comic über Arbeit und Punk in Schweden

„Von unten“ ist ein autobiographischer Comic (200 Seiten, erschienen 2019 im avant-verlag) aus der Hochburg der feministischen Comicszene in Schweden. Daria Bogdanska berichtet darin von Krisen in den Zwanzigern junger…

Von unten“ ist ein autobiographischer Comic (200 Seiten, erschienen 2019 im avant-verlag) aus der Hochburg der feministischen Comicszene in Schweden. Daria Bogdanska berichtet darin von Krisen in den Zwanzigern junger Leute, aber vor allem von prekären Arbeitsverhältnissen in Schweden, insbesondere für MigrantInnen. Vieles davon hat sie selbst erlebt, kann also sehr authentisch von ihrem sehr holprigen und frustrierenden Anfang in Malmö berichten.

Zu Beginn reist sie von Warschau nach Schweden, um die Kunsthochschule besuchen zu können. Doch so einfach ist das alles nicht… Um sich finanziell über Wasser zu halten, geht die junge Frau auf Jobsuche. Leichter gesagt als getan.

Sie erlebt die Bandbreite an Schwierigkeiten der Arbeitssuchen und der Ausbeutung von Arbeitskräften: Einmal stehen große bürokratische Hürden im Weg, um überhaupt eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, ein andermal wird ihr der Lohn nicht ausgezahlt. Schließlich gerät sie durch Bekannte an einen vertrauenserweckenden Ladenbesitzer eines indischen Restaurants, wo sie zu jobben beginnt.

Es sind nicht nur sprachliche Barrieren, die Daria dort bewältigen muss. Sehr schnell erfährt sie auch, dass keinerlei Transparenz oder Klarheit bezüglich der Löhne, aber auch den Arbeitsbedingungen herrscht. Ihr wird klar, dass sie in ein Raster aus strukturellem Rassismus hineingeraten ist. Sie erlebt ein unausgesprochenes Klassensystem, in dem sich der Lohn nach der Herkunft der Mitarbeitenden richtet und in dem es keine Arbeitsverträge gibt.

Doch da sind auch gute Momente, sie lernt schnell Menschen auf ihrer Wellenlänge kennen und wird immer wieder von Freunden unterstützt. Sie bekommt Zugang zur Musik- und Punkszene. Sie realisiert, dass die Schere zwischen arm und reich besonders gravierend ist: „Manche müssen arbeiten, damit andere feiern können“. Auch wenn sie in einer Art „Multikulti-Subkultur-Linke-Hipster-Blase“ lebt, empfindet sie sich feststeckend in einem System einer modernen Sklaverei.

Wie viele in ihrem Alter leidet sie unter der ständigen Unsicherheit der Zustände, ihr Wunsch nach mehr Sicherheit und weniger provisorischer Lebensumstände wächst. Sie tritt einer Gewerkschaft bei, um sich über ihre Arbeitsrechte zu informieren. Schwarzarbeit ist in Malmö keine Seltenheit. Sie wird aktiv und sammelt Informationen, ohne dass es ihr Chef erfährt, trifft sich mit einer Reporterin und versucht etwas an der prekären Lage zu ändern.

Es macht alles nicht besser, dass sie auch noch emotionale Zerrissenheit spürt, da ihr Freund noch zuhause ist, sie sich aber in einen Musiker in Malmö verliebt. Aber Daria ist fest entschlossen, etwas am real existierenden Hamsterrad der Ausbeutung zu ändern. Wie ihr das gelingt könnt ihr in diesem spannenden und sehr realitätsnahen Comic nachlesen!

Die grafische Gestaltung ist in ihrer Einfachheit sehr ansprechend, einen Einblick in den Grafik-Stil und den Comic bekommt ihr in dieser Leseprobe von „Von unten“.

Vielen Dank an den avant-verlag für das Rezensionsexemplar!

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Debüt zum Nachdenken: „Die unverhoffte Genesung der Schildkröte“

Wahrheit oder Intrige? Diese beiden Stichworte lassen auf eine spannende Geschichte hoffen. Schon das Thema Wahrheit an sich ist in Zeiten von Fake News und Skandalen wie dem Fall Claas…

Wahrheit oder Intrige? Diese beiden Stichworte lassen auf eine spannende Geschichte hoffen. Schon das Thema Wahrheit an sich ist in Zeiten von Fake News und Skandalen wie dem Fall Claas Relotius ein vielschichtiges Konstrukt. Der aus Stuttgart stammende Autor Marc Bensch hat sich in seinem Debüt-Roman „Die unverhoffte Genesung der Schildkröte“ somit ein komplexes Thema vorgenommen. Lasst uns in die Geschichte eintauchen und merkt euch gut, wer wer ist, in diesem oftmals verwirrenden Spiel rund um Identität, Wahrheit und Selbstbestimmung.

Die durchgehend männlichen Protagonisten haben neben ihren Namen auch verkürzte Bezeichnungen: der Schnüffler, der Lächler, der Schmierfink, der Intrigant. Wir machen Bekanntschaft mit einem gesichtsgelähmten Herr von Kornweg, der von den Ärzten aufgegeben wurde, er muss sich nun mit einem Dauerlächeln abfinden. Dann der Intrigant mit falschem Namen, der sich in eine Firma einschleicht, um sich zu rächen; der sein ganz eigenes Spiel mit den MitarbeiterInnen spielt. Außerdem ist da noch der sehr von sich selbst überzeugte Journalist Paul Gram, der sich die prekärsten Stories eigentlich nur ausdenkt und mit der Wahrheit spielt, und nicht ahnt wie nah er an diese herankommt. Zuletzt haben wir noch einen vom Leben enttäuschten Privatdetektiv, der stets eine mehr oder weniger stark schwelende Rebellion gegen seinen Vater, einem reichen Firmenboss, führt.

Und dann ist da noch der Erzähler der Geschichte, der sich schon von Beginn an unvermittelt an uns als Lesende wendet. Der Erzähler gibt vorerst nur hier und da einen Kommentar ab, doch je tiefer wir in die Geschichte eintauchen, desto persönlicher wird dieser und zieht uns immer mehr in die Geschehnisse hinein. Wir denken mehr über die Charaktere nach, welchen Eindruck sie auf uns machen und erfahren immer mehr, wie alle miteinander verknüpft sind.

Der Autor zeichnet die Entwicklungen der Protagonisten durch das punktuelle Einflechten ihrer Vorgeschichte ziemlich genau nach. Wir können somit Beweggründe besser verstehen, können uns auch ein wenig mit ihnen identifizieren, obwohl sie sonst eher negativ dargestellt sind – zumindest in meinen Augen. Jeder der Charaktere verfolgt sein eigenes, meist egoistisches Interesse, jeder bringt eher unsympathische Wesenszüge mit, aber doch erscheinen die Personen menschlich, nachvollziehbarer in ihren Handlungen, indem wir ihre persönliche Wahrheit kennen.

Dann wird es schwieriger, der Handlung zu folgen, es mischen sich gefälschte Namen, Intrigen, gegenseitiges Aushorchen und wechselseitige Interessen wild durcheinander. Das Verwechselspiel nimmt seinen Lauf. Bis sich plötzlich der Erzähler wieder meldet, nachdem ein geheimes Treffen – durch mehrere der vier Personen arrangiert – völlig aus dem Ruder läuft. Er bittet uns um Hilfe, eben weil sich einige der Charaktere nun völlig ungeplant verhalten und er die Kontrolle über sie verloren hat. Lest selbst, wie es für die Protagonisten weitergeht, nachdem sie völlig den Boden unter den Füßen verloren haben und welche Auswirkungen es hat, wenn man sich fragen muss, ob man der aktive Gestalter seines Lebens ist oder nur begrenzt Möglichkeiten hat, dieses zu verändern…

Meiner Meinung nach wurde das Buch erst so richtig spannend, als die vier Protagonisten zunächst verloren schienen. Als die ganzen Intrigen ans Licht kommen und sich die Geschichte zu einer Art Krimi entwickelt. Mir fiel es längere Zeit schwer, die Personen auseinander zu halten, weil sie für mich alle sehr ähnlich wirkten. Stellenweise waren mir die Geschehnisse auch dadurch zu verwirrend – was auch einen Teil der Dynamik des Buches ausmacht. Das Ende ist nicht ganz so einfach zu verstehen, es bleiben definitiv Fragen offen.

Bild: Verena

Letztendlich zeigt dieses Erstlingswerk aber, dass wir unsere Wahrheit in großen Teilen selbst erschaffen. Das kann zum einen erschreckend sein, zum anderen sieht jeder von uns die Welt anders. Dies kann man, anders als die Protagonisten, auch kreativ und zum gemeinsamen Nutzen einsetzen. Es zeigt aber auch, wie unmöglich es ist, eine ultimative Wahrheit zu finden. „Die unverhoffte Genesung der Schildkröte“ ist ein ungewöhnlicher und besonderer Debütroman, der zum Nachdenken anregt und definitiv in Erinnerung bleibt.

Vielen Dank an Marc und den Carpathia Verlag für das Rezensionsexemplar!

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KUNST HALLT NACH: Schau dir diese Vulva an!

Faltig und kraftvoll befreit sich das weibliche Genital von patriarchalen Bewertungsstrategien. Ein Festival für die Vulva. Berühmteste Vulva der Kunstgeschichte Die wohl berühmteste Vulva der Kunstgeschichte hinterließ Maler Gustave Courbet…

Faltig und kraftvoll befreit sich das weibliche Genital von patriarchalen Bewertungsstrategien. Ein Festival für die Vulva.

Berühmteste Vulva der Kunstgeschichte

Die wohl berühmteste Vulva der Kunstgeschichte hinterließ Maler Gustave Courbet im Werk „Der Ursprung der Welt“. Er, der männliche Künstler, eröffnet den geschockten Betrachter*innen von damals (s)einen Blick auf die intime Zone eines weiblichen Körpers. Zu sehen ist der Unterleib einer am Rücken liegenden, nackten Frau. Der seitlich abgelegte Schenkel eröffnet den Blick auf die dunkel behaarte Vulva. Die äußeren Vulvalippen (1) sind leicht gerötet, der kleine Spalt lässt das Innenliegende und eine zarte Erregung erahnen. Skandalös im Jahr 1866.

Gut 150 Jahre später – weniger skandalös, aber durchaus provokativ – widmet die Galerie „Die Schöne“ der Vulva ein eigenes Festival: Das Vulva Festival „Look at this Vulva! Ein unverschämter Blick“.

Im Fokus der Gruppenausstellung steht nicht der männliche, häufig sexualisierende Blick, sondern die Auseinandersetzung mit dieser omnipräsenten und dennoch tabuisierten Körperzone der Frau*. Grafisch abgebildet, bildhauerisch geformt, wortreich besprochen, interessiert betrachtet oder ganz konkret in künstlerische Aktionen mit einbezogen.

Olja Grubic, Flower Bouquet, Foto: Jacqueline Korber

Vulvische Eröffnung

Sie steckte sich eine kleine Kunststoffvase in die Vagina und arrangierte darin einen Blumenstrauß. Mit der Performance Flower Bouquet eröffnete die Künstlerin Olja Grubic das Vulva Festival.

Mit nacktem, nach oben gestreckten Unterleib und geöffneten Beinen lag die Künstlerin am Rücken, ihre Füße stützte sie an einem Fensterbrett ab. Nachdem sie in ihre Vagina ein kleines Gefäß einführte, steckte sie nach und nach Grashalme und eine rote Orchidee hinein. Sie arrangierte einen Blumenstrauß und band einen kleine Masche um die Stängel, womit der Vorgang abgeschlossen war. Danach hob sie den Blumenstrauß aus der kleinen Kunststoffvase und entfernte auch diese selbst aus der Körperöffnung zwischen ihren Schenkeln. Grubic verbeugte sich und übergab den Blumenstrauß an die Veranstalterin Nina Fountedakis.

Olja Grubic, Flower Bouquet, Foto: Jacqueline Korber

Grubics Performance erinnert daran, dass der weibliche Unterleib ein Ort ist, an dem Neues entsteht, die Vagina eine Verbindung zwischen Außen und Innen schafft. In ihren Zeichnungen still life zeigt die Künstlerin grafisch minimalistisch dargestellte Vulven in schwarz weiß, die fleischlich und lebendig wirken. Nicht nur klassisch phallische Obst und Gemüsesorten, wie Bananen oder Gurken stecken in den Vaginas, auch Wassermelonenstücke oder mehrere Karotten gleichzeitig.

Olja Grubic, Still Life, Foto: Jacqueline Korber

Zwischen Klitoris und Penis

Stefanie Grübls Kleinplastiken zeigen „realistisch geformte Genitalmodelle aus Gips-Modelliermasse“. In den bunten Objekten, lässt die Künstlerin Grauzonen kategorischer Geschlechterdefinition plastisch in Erscheinung treten. Ihre plastischen Darstellungen von „vielfältige Vulven, erigierte und nicht-erigierte Penisse sowie intergeschlechtlichen Genitalien“ dienen auch als Anschaungsmaterialien in der sexualpädagogischen Arbeit.

Vielfältige Vulven und Penisse

Stefanie Grübl, Vielma, Foto: Jacqueline Korber

„Vielfalt sicht- und begreifbar machen“ lautet das Motto von vielma. In der Galerie der Schöne zeigte Grübl auch einen Vulva, die sich aufgrund der Geburt eines Kindes verändert hat. Auf dem Zettelchen beschreibt sie in klassischer wissenschaftlicher Manier, was das Modell zeigt: Vulvamodell mit Dammnaht (Darstellung einer Geburtsverletzung) / VULVA with PERINEAL SUTURE.

Vulvamodell

Stefanie Grübl, Vielma, Vulva mit Dammnaht, Foto: Jacqueline Korber

Vulva Vulva an der Wand

Wie vielfältig Frau-Sein aussehen kann, zeigt Jacqueline Korber im Werk Ich bin nicht so schön wie du, ich bin so schön wie ich. Die Installation aus schwarz/weiß Fotografien zeigt nackte Frauenkörper unterschiedlichen Alters und in verschiedenen Formen. „Das Vergleichen und Bewerten führt hier nicht zur Abwertung des eigenen oder anderen, sondern zur liebevollen Wertschätzung von beidem.“(2) An unsichtbaren Fäden hingen je zwei aneinander geklebte Fotografien von der Decke der Galerie und drehten sich in den Luftzügen, die von Bewegungen der Betrachter*innen erzeugt wurden.

Jacqueline Korber, ich bin nicht so schön wie du, ich bin so schön wie ich, Foto: Jacqueline Korber

Zwischen den weißen Pobackenabdrücken funkelt ein goldener Vulvaabdruck. „Mit ihren Fingern strich sie die goldene Farbe auf ihre Vulvalippen und setzte sich aufs Leinen“, erzählt Jacqueline Korber über die Entstehung des Werks Footprints of Joy „die Farbe Gold steht für Wertvolles und besonders Ehrwürdiges“.

Jacqueline Korber, Footprints of Joy, Foto: Jacqueline Korber

Soviel Vulva und kein Porno

Den Besucher*innen bot das Vulva Festival ein vielseitiges Programm zur wertschätzenden Auseinandersetzung mit dem weiblichen Genital. Kunst von zeitgenössischen Künstler*innen eröffneten neue Denk-, Sichtweisen und Wahrnehmungsweisen. Empowerment auf vielen Ebenen. Viva la Vulva!

Alle Infos zum Vulva-Festival 2019

Konzept und Organisation: Nina Fountedakis
25. – 29.6.2019 in der Galerie Die Schöne, Wien

(1) Es wird bewusst das Wort Vulvalippen anstatt „Schamlippen“ gebraucht. Zum Thema Viva la Vulva – Endlich Schluss mit Scham! sprach FRO-Redakteurin Astrid Dober  in der Radiosendung FROzine auf Radio FRO.

(2) Victoria Windtner, Texte zu den Werken im Portfolio Jacqueline Korber, 2019

(3) Weitere Kolumne zum Thema: Vulva Vulva! Das geniale Genital als Kunstobjekt gegen das Schubladen-Denken

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No more Bullshit! Das Handbuch gegen sexistische Stammtischweisheiten.

Es passiert so nebenbei im Alltag, da fallen Sätze wie „Ihr seid nur Frauen im Büro? Na da ist dann wohl Zickenkrieg angesagt.“. Oder Bekannte machen sexistische Witze, auf die…

Es passiert so nebenbei im Alltag, da fallen Sätze wie „Ihr seid nur Frauen im Büro? Na da ist dann wohl Zickenkrieg angesagt.“. Oder Bekannte machen sexistische Witze, auf die man abwehrend reagiert und darauf nur ein „Verstehst du keinen Spaß?“ entgegen geschleudert bekommt. Das kommt euch möglicherweise bekannt vor. Genauso wie Behauptungen, die als Fakten oder Wahrheiten präsentiert werden, wie dass Frauen zu emotional für Führungspositionen wären und deshalb für solche nicht geeignet sind.

In all diesen Situationen ist cleveres Argumentieren und eine schlagfertige Reaktion nötig. Hierfür greift euch „No more Bullshit!“ unter die Arme. Das Handbuch gegen sexistische Stammtischweisheiten wie solche, die ihr weiter oben gelesen habt, hat ein engagiertes Frauenkollektiv namens Sorority verfasst, und enthält viele unterschiedliche weibliche Stimmen aus den Bereichen Wissenschaft, Musik, Kunst, Wirtschaft und einigen mehr.

Im Buch könnt ihr für viele typische Sprüche ein entsprechendes Kapitel finden, euch Fakten und Meinungen dazu durchlesen und gute Argumentationentipps aneignen. Ihr habt euch schon immer gefragt, ob eine Frauenquote eine sinnvolle Lösung ist? Oder warum Feminismus nicht Humanismus heißen kann? Diese und viele weitere Fragen thematisiert „No more Bullshit!“ sehr kurzweilig in knappen Kapiteln, teils humorvoll, teils mit prägnanten Tipps zum jeweiligen Thema.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt, zunächst gibt es euch eine Übersicht zu Gesprächsdynamiken und Kommunikation bei aufeinander prallenden Meinungen. Kontern will geübt sein, daher gibt euch das Werk einige Basics an die Hand, wie beispielsweise Gesprächstaktiken funktionieren oder auch welche Macht Sprache haben kann. Im zweiten Teil geht es direkt zur Sache mit Sprüchen zum Pay Gap, vermuteten Eigenschaften bei Frauen (Stereotypen) oder auch zur Diskriminierung von Männern. Die Mischung aus Studien, Statistiken und Merkkästen gemeinsam mit einem übersichtlichen, einheitlichen Layout macht das Lesen flüssig und on point, Geistesblitze und erhellende Momente bleiben hier nicht aus.

Mir fehlen lediglich die Quellenangaben der jeweiligen Studien als Anhang im Buch, AutorInnen dieser werden genannt, jedoch gibt es beispielsweise keine Fußzeilen. Zudem sind mir manche Aussagen zu allgemein oder zu vage formuliert, sprich in meinen Augen nicht ausreichend im Buch belegt. Hier gilt aber auch wieder: Wissen wird manchmal auch einfach nur dadurch produziert, Meinungen von vielen Personen einzuholen (oder Statistiken zu erheben), was nicht per se unwissenschaftlich ist, sondern tatsächlich eine Wahrheit darstellt… dazu aber mehr im Buch!

Insgesamt fasst „No more Bullshit!“ sehr bekannte Aussagen und wichtige Themen kurzweilig und interessant zusammen, daher eine große Empfehlung von mir! Auch wenn man manche Fakten oder Tatsachen schon einmal gehört hat, ist das Buch ist für AnfängerInnen und Fortgeschrittene im Feminismus aber auch im (Argumentations-)Kampf gegen Sexismus gleichermaßen geeignet. Los geht’s!

Vielen Dank an den Verlag Kremayr & Scheriau für das Rezensionsexemplar!

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„Die Liebe zu den nicht perfekten Dingen“ von Haemin Sunim

Manche Bücher sprechen mich schon im Geschäft optisch sehr an. Oft ist es dann leider so, dass der Inhalt nicht ganz den Erwartungen entspricht. Bei „Die Liebe zu den nicht…

Manche Bücher sprechen mich schon im Geschäft optisch sehr an. Oft ist es dann leider so, dass der Inhalt nicht ganz den Erwartungen entspricht. Bei „Die Liebe zu den nicht perfekten Dingen“ von Haemin Sunim ist es aber anders. Es ist so ein schmuckes Buch, das man immer mal wieder irgendwo aufschlägt und sich an den schönen Illustrationen erfreut. Und nebenbei kann man dann noch etwas Lebensweisheit aufsaugen oder einen Ratschlag zu einem Thema bekommen.

Haemin Sunim ist ein koreanischer Mönch, der Zen-Buddhismus lehrt und buddhistische Bücher schreibt. Er tourt mit Lehrveranstaltungen durch die Welt und hat die „Schule der gebrochenen Herzen“ ins Leben gerufen, die Beratung und Meditation für Menschen mit diversen Problemen anbietet. Ziel dieses Buches ist, mehr Mitgefühl sich selbst und der Welt gegenüber zu entwickeln. Es soll Hoffnung machen in einer unvollkommenen Welt. Haemin Sunim hat Anregungen und Fragen von allen möglichen Menschen, denen er bei seinen Reisen begegnet ist, aufgenommen – seine Ratschläge finden sich ebenfalls in diesem Buch wieder.

Die acht Kapitel des Buches handeln zum Beispiel von Familie, Selbstliebe, Zusammenleben und Mut. Man findet sich beim Lesen der kleinen, gedichtartigen Textblöcke sehr häufig wieder. Jedes Überthema leitet Haemin Sunim mit einer kleinen persönlichen Erfahrungsgeschichte ein. Seine eigene spirituelle Reise stellt er im letzten Kapitel dar, dabei wirkt er aber nicht abgehoben, überheblich oder esoterisch. In seinen Texten beschreibt er häufig uns nur allzu bekannte Situationen und Gefühlslagen und gibt uns Handlungsanregungen. Zum einen bietet er Rat zur Umgangsweise mit Menschen in unserer Umgebung, von Partner bis Familie. Aber auch Inspiration und Hinweise zum Umgang mit uns selbst, unseren Gefühlen, Schwächen und Sorgen. Dabei wird er aber nie dogmatisch oder aufdringlich, sondern setzt kleine Impulse, die Gedanken anstoßen.

So erwischt Haemin Sunim die unbewussten Regungen und entlarvt auf sanfte Weise die menschlichen Gedankenprozesse und ihr Verhalten. Besonders angesprochen hat mich der Part zu Beginn des Buches, in dem er dazu aufruft, nicht zu nett zu sein. Hier geht es ihm vor allem darum, dass dieses allzu brave Verhalten darin ausartet, dass man jeden Ärger und jede Frustration nur herunterschluckt, was sich irgendwann in Depression oder Ängsten äußern kann.

In wenigen Fällen kann ich seinem Rat nicht zustimmen, doch zum Großteil finde ich seine Weisheiten modern und auf unser alltägliches Leben übertragbar. Insgesamt ist „Die Liebe zu den nicht perfekten Dingen“ ein sehr lohnenswertes und schönes Buch, das jeden von uns ein Stück weiterbringt und lehrt, der Welt und sich selbst mehr Mitgefühl entgegen zu bringen.

Vielen Dank an den Scorpio Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Girlsplaining – Was es bedeutet, eine Frau zu sein

Feminismus ist – nicht zuletzt wegen der #metoo-Bewegung – wieder in aller Munde, aber eine Feministin zu sein wird bei weitem nicht immer als etwas Positives gesehen. Auch die Comic-Szene…

Feminismus ist – nicht zuletzt wegen der #metoo-Bewegung – wieder in aller Munde, aber eine Feministin zu sein wird bei weitem nicht immer als etwas Positives gesehen. Auch die Comic-Szene hat sich des Themas „Feminismus“ angenommen: Mit „Girlsplaining“ führt uns die in Berlin lebende Katja Klengel in ihre sehr persönliche, aber auch erschreckend nachempfindbare Lebenswelt und prägenden Erlebnisse ein und zeigt damit, wie wichtig es ist, sich auch im Alltag mit Feminismus auseinanderzusetzen. Der Titel bezieht sich auf das sogenannte „Mansplaining„, bei dem Männer davon ausgehen, dass sie über etwas besser Bescheid wissen als ihre Gesprächspartnerin(nen).

Die Graphic Novel mit reduzierter Farbpalette in Rot-Rosa-Tönen ist ein Rückblick der Autorin auf einige Schlüsselmomente in ihrem Leben. Zunächst berichtet sie, wie diese tatsächlich abgelaufen sind, dann wie sie die Situation aus feministischer Brille gerne gelöst hätte. Da erlebt sie zum Beispiel die Verurteilung von Klassenkameraden für ihren etwas haarigeren Körper, aber berichtet auch über ihr erstes Mal oder die Meinungen der Gesellschaft über männliche und weibliche Geschlechtsteile. Es wird explizit und selbstironisch, ohne Frage. Uns begegnen nur allzu bekannte und nachvollziehbare Situationen, die jedoch teilweise ins Absurde abdriften. Klengel bringt zentrale Themen wie Bodyshaming, Geschlechterklischees und Diskriminierung unterhaltsam und konkret zur Sprache.

Der Einstieg war für mich anfangs etwas holprig zu lesen, bis ich erfuhr, dass die ersten Kapitel des Buches in einem Online-Magazin veröffentlicht worden waren. Mit diesem Wissen macht der Anfang auch mehr Sinn. Die Message der Comic-Novel ist klar: Sexuelle Selbstbestimmung, mehr feministisches Selbstbewusstsein im Umgang mit doofen Sprüchen und unangenehmen Situationen. Einfach die kleinen und großen Stolpersteine des Frau-Seins. Aber was bedeutet das eigentlich, das Frau-Sein? Auch hier unternimmt die Autorin Versuche, das zu umschreiben: Es heißt wohl auch, für seine eigenen Bedürfnisse Sorge zu tragen. Scharf kritisiert Klengel die (oft) unbewussten Vorgaben, nach denen Mädchen und Frauen in der Gesellschaft leben und handeln sollen. Dabei kommt aber der Spaß auch nicht zu kurz, immer wieder gibt es Verweise zur Pop- (oder Geek-)Kultur und – insbesondere im handgeschriebenen Anhang – viele Tipps und weitere Empfehlungen, unter anderem zum Thema starke Frauenfiguren.

Für LeserInnen, die schon etwas mehr im Thema sind, ist „Girlsplaining“ eine unterhaltsame, bestärkende Lektüre. Für alle anderen ein Augenöffner, zum Beispiel wie viel Druck es macht, wenn man als Pärchen immer wieder Anspielungen zu hören bekommt, ob nicht bald Nachwuchs ins Haus steht. Ich frage mich jedoch, ob die Ernsthaftigkeit und der kritische Charakter des Themas durch das Abdriften ins Absurde ausreichend Gewicht bekommt. Manchmal steht die Autorin für mich etwas zu sehr im Mittelpunkt – einerseits mutig, die eigenen recht intimen Erlebnisse darzustellen und eben auch ein gutes Beispiel, seine Frau zu stehen, andererseits sind die Geschichten der Autorin für mich etwas zu intim, hier ist die Frage inwiefern solche einzelnen Erfahrungen immer auf generelle Probleme zurückzuführen sind. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass man auch Verantwortung für sich selbst übernehmen muss und sich nicht in der Opferrolle verliert. So sehen wir aber zumindest, wie man selbstbewusst und schlagfertig reagieren könnte.

Wir sollten alle mehr Heldinnen und Vorbilder füreinander sein!

Vielen Dank an den REPRODUKT für das Rezensionsexemplar! Eine Leseprobe von „Girlsplaining“ findet ihr hier.

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Einfach leben – Der Guide für einen minimalistischen Lebensstil

Es gibt Bücher, die will man einfach gut finden. Das Cover passt, die Beschreibung ist ansprechend, die Meinungen im Umfeld (natürlich von der Filterblase) sind positiv. Manchmal muss man dann…

Es gibt Bücher, die will man einfach gut finden. Das Cover passt, die Beschreibung ist ansprechend, die Meinungen im Umfeld (natürlich von der Filterblase) sind positiv. Manchmal muss man dann aber feststellen, dass die Vorfreude größer war als das tatsächliche Erlebnis. „Einfach Leben – der Guide für einen minimalistischen Lebensstil“ von Lina Jachmann (Knesebeck Verlag, 2017 erschienen, 240 Seiten mit 200 farbigen Abbildungen, Softcover) ist so ein Buch. Es deckt viele spannende Themen ab, mit denen ich und viele andere täglich zu tun haben. Von Naturkosmetik über Ausmisten bis plastikfreier leben oder Achtsamkeit. Die Gestaltung des Buchs ist sehr ansprechend, minimalistisch gehalten und im Magazinstil mit vielen Fotos gefüllt. Die Autorin ist Kreativdirektorin und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Lifestyle und Zeitgeist.

Minimalismus ist seit einigen Jahren ein relativ bekanntes Prinzip: Mehr Platz für die wichtigen Dinge schaffen durch Ausmisten von Überflüssigem und einem bewussten Umgang mit Konsumgütern. Dadurch entsteht mehr Überblick, weniger Reizüberflutung und eine neue Wertschätzung für die Dinge, die man besitzt. Mehr Momente statt Sachen. Weniger Dinge, mehr Qualität.

Bild: Verena

Das Buch beginnt mit dem „How-to“-Minimalismus und empfiehlt vor dem Ausmisten ein Ziel vor Augen zu haben, welches man sich am besten bildlich gestaltet. Wie sollen die Räume in der Wohnung/im Haus aussehen? Wie würde ich mich wohlfühlen? Um in das grundlegende Prinzip, das Downsizing oder auch Ausmisten, einzusteigen, kann man eine kleine Monats-Challenge machen, in der für jeden Tag eine Aufgabe gestellt wird. Oder ich visualisiere über einen Zeitraum, welche Plätze und Orte in der Wohnung wirklich genutzt werden.

Minimalismus bezieht sich aber nicht nur auf die Auswahl von Besitz um einen herum. Es ist auch ein Lebensstil. Wir lernen in Homestories einige minimalistisch lebende Menschen kennen, die einen besonderen Wohnsitz wie ein Hausboot oder einen Bauwagen gewählt haben und einen Ausschnitt aus ihrem Leben zeigen oder in den Bereichen Mode, Kosmetik oder Ernährung minimalistische Ansätze verfolgen und in Interviews darüber berichten. Das Buch ist in die vier Kapitel „Mode“, „Körper“, „Wohnen“ und „Lifestyle“ unterteilt. Gespickt sind die Seiten mit Links, Buchempfehlungen oder weiterführenden Tipps. Durchgängig ist alles reich bebildert und am Ende finden wir eine kompakte Übersicht an weiterführenden Seiten, Blogs und Shopempfehlungen.

Bild: Verena

Das Konzept Minimalismus ist etwas schwierig zu fassen, es geht einerseits um den Abschied von Ballast, aber „Einfach leben“ packt unter dieses Stichwort so viele Themen, die für mich eher zu einem „umweltbewussten, nachhaltigen Leben“ gehören. (Unter dem Begriff „Einfach leben“ findet man u.a. auf Wikipedia dazu noch mehr Begriffe, die mit Minimalismus in Verbindung gebracht werden).

Es tauchen in diesem Buch sehr viele Themen und Produkte auf, die in der an Minimalismus interessierten Zielgruppe beliebt sind, dies aber für meinen Geschmack etwas zu undifferenziert. Ich finde es als Leserin natürlich toll, wenn bei einem fokussierten Lebensstil auch Nachhaltigkeit nicht zu kurz kommt und beispielsweise DIY-Rezepte für Pflegeprodukte angeboten werden. Es wirkt auf mich allerdings etwas zu willkürlich und oberflächlich. Wie ein Versuch, so viele Reizthemen in ein Buch zu packen, wie möglich. Da werden Kosmetikprodukte abgebildet, aber nicht erläutert, warum genau diese Produkte empfohlen werden. Mir ist klar, dass Minimalismus und ein bewusstes, achtsames Leben Hand in Hand gehen. Aber mir fehlen bei vielen Punkten Quellen, wie zum Beispiel bei der Empfehlung zum Ölziehen. Gleichzeitig wird zu viel Werbung gemacht – für Unternehmen, für Apps, für Shops. So entwickelt sich Minimalismus zu einer neuen Form der LOHAS. „Einfach leben“ lässt alles super easy, clean und locker erscheinen. Ich hätte mir hier unbedingt mehr kritische Aspekte gewünscht, zum Beispiel beim Thema Verhütung mit NFP.

Bild: Verena

Insbesondere EinsteigerInnen in das Thema werden hier eine Fülle an möglichen Lebensentwürfen, Produkten und Konzepten finden, die sicherlich Lust auf ein bewusstes, geordnetes Leben machen. Aber ist man nur dann bewusst und fokussiert, wenn man ausmistet und Öko-Produkte kauft? Mir fehlt hier die gesellschaftliche Vision, denn das Buch lässt streckenweise den Eindruck gewinnen, dass Minimalismus vor allem für einen ausgewählten Kreis aus privilegierten BesserverdienerInnen eine Lösung ist, aus ihrem schnelllebigen Alltag auszubrechen. Minimalismus als Wohlfühlgarantie, so wird es den LeserInnen vermittelt.

Bild: Verena

Einige der vorgestellten MinimalistInnen sind eher Gutverdiener, die sich dann mal eben das Haus auf dem Land oder das schick designte Hausboot kaufen können. Versteht mich nicht falsch, bewusster Konsum und nachhaltige Produkte sind wichtig, aber der Sinn von Nachhaltigkeit geht weiter. Minimalismus sollte nicht nur ein Trend sein, sondern das Individuum und die Gesellschaft umfassen. Um wirklich etwas zu ändern reicht es eben nicht nur, wenn ich es mir stylisch und ordentlich bequem mache. Der Guide geht nicht wirklich tiefer und differenziert auf grüne Themen ein, erklärt keine komplexeren Zusammenhänge oder ökologische Themen, lediglich beim Thema Mode wird auch die gesellschaftliche Relevanz von Minimalismus aufgezeigt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe hier ein paar hilfreiche Inspirationen erhalten. Themen wie Capsule Wardrobe, Zero Waste Tools oder nachhaltige Mode kommen nicht zu kurz. Viele Hinweise kann man sich aber auch durch diverse Zeitschriften, Blogs und über Instagram holen. Zum Blättern und eben für Neulinge auf den Gebieten der Nachhaltigkeit und des Minimalismus ist es ein reiches Sammelsurium an Ideen und Konzepten. Wer sich aber tiefergehend mit diesen auseinandersetzen möchte, könnte unter Umständen etwas enttäuscht werden.

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Now! Gelassen leben im Hier und Jetzt

Lebensratgeber gibt es viele. Nur wenige befassen sich wirklich intensiv mit Entspannung, Wohlbefinden oder Entschleunigung. Das Buch „NOW! Gelassen leben im Hier und Jetzt!“ ist der erste von drei Bänden, der…

Lebensratgeber gibt es viele. Nur wenige befassen sich wirklich intensiv mit Entspannung, Wohlbefinden oder Entschleunigung. Das Buch „NOW! Gelassen leben im Hier und Jetzt!“ ist der erste von drei Bänden, der diese Themen wunderbar bodenständig aufgreift und mit Yoga-Elementen verbindet. Mit bodenständig meine ich, dass das Werk weitgehend ohne esoterische Anschauungen auskommt. Die Inhalte gehen eher in Richtung Selbstfürsorge und Gesprächstherapie, die Autorinnen selbst sind Yogalehrerin und Achtsamkeitstrainerin. Der Alltagsbegleiter für ein bewusstes und gelassenes Leben soll zeigen, wie man trotz äußerer Hektik zu seiner inneren Mitte findet.

Karin Furtmeier, die Yogalehrerin, begleitet seit Jahren Menschen auf dem Weg zu mehr Präsenz, Lebensfreude und Gelassenheit. Sie hat bereits mehrere erfolgreiche Bücher zum Thema verfasst. Heike Mayer ist Achtsamkeitslehrerin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und IFS-Therapeutin und leitet Kurse in Meditation und Stressbewältigung durch Achtsamkeit. Auch sie ist erfolgreiche Autorin – in ihren Büchern, wie in den Kursen, steht die Vermittlung von Gelassenheit, Entschleunigung und Lebensfreude im Zentrum.

Wie auf dem Buchcover beschrieben, ist das Buch in drei Teile geteilt: Yoga, Achtsamkeit und Vertrauen ins Leben. Man muss es nicht an einem Stück lesen, sondern kann sich auch einzelne Kapitel oder Themen nach Belieben herauspicken. Neben ermutigenden Texten enthält es viele Übungen, die man zuhause selbst praktizieren kann, zum Beispiel für Meditation oder Stressbewältigung. Alle Achtsamkeits- und Yogaübungen wurden von den Autorinnen speziell für dieses Buch so konzipiert, dass sie direkt im Alltag ausgeführt werden können und ohne Vorkenntnisse jederzeit anwendbar sind. Stresssituationen, endloses Grübeln und Anspannung können so aufgelöst werden. Aus der so gewonnenen inneren Ruhe soll neues Vertrauen ins Leben und in die eigene Kraft entstehen. Die 160 Seiten mit zahlreichen Fotos und Illustrationen sind im beliebten Magazin-Stil aufgemacht. „NOW!“ ist voller ansprechender Bilder, Zitate und mutmachenden Sprüchen, die zum Ziel des Buches beitragen sollen: zu helfen, leichter durchs Leben zu gehen.

Der erste Teil zum Thema Achtsamkeit beantwortet die Frage, was denn Achtsamkeit überhaupt bedeutet, wie man im Alltag achtsam sein kann und bringt konkrete Ideen zur Umsetzung. Im Yoga-Teil begegnen mir viele Übungen, die ich bereits aus der Yoga-Praxis kenne. Es wird beschrieben, welche positiven Eigenschaften diese auf unseren Körper und Geist hat. Yoga als Hilfe zu mehr Gelassenheit und Entspannung, das ist der Zusammenhang zu den beiden anderen Themen. Im letzten Teil „Vertrauen ins Leben“ geht es vorrangig um Entspannung, Stressabbau und mehr Gelassenheit. Auch hier wechseln sich kurze Input-Texte zu verschiedenen Themen mit Übungen ab.

Die „NOW!“-Bücher gefallen mir außerordentlich gut, sie sind keineswegs nur für Fans der positiven Psychologie oder für Yoga-Liebhaber geeignet, sondern sprechen meiner Meinung nach eine große Bandbreite von Menschen an. Einen Pluspunkt gibt es für das liebevolle, aber trotzdem übersichtliche und ruhige Layout.

Schon erschienen sind in dieser Reihe die Bücher „NOW! Jetzt sorg ich gut für mich“ und „NOW! Lebe wild, frei und wunderbar„. Im September diesen Jahres wird das nächste Buch veröffentlicht: „NOW! Am liebsten geht es mir gut!„.

Vielen Dank an den Scorpio Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Raw Soul Food – Vegane Rohkost macht glücklich

Manchmal kommt das Besondere erst zum Schluss. Das Rezeptbuch „Raw Soul Food – Vegane Rohkost macht glücklich“ des Ulmer Verlags habe ich das erste Mal bei einem der Vegan Street Days in…

Manchmal kommt das Besondere erst zum Schluss. Das Rezeptbuch „Raw Soul Food – Vegane Rohkost macht glücklich“ des Ulmer Verlags habe ich das erste Mal bei einem der Vegan Street Days in Stuttgart entdeckt. Da fand ich das Buch schon ansprechend, hatte damals aber noch kein so großes Interesse an Rohkost.

Seit einer Weile liegt das Buch nun in meinem Regal, nachge“kocht“ habe ich aber tatsächlich schon einige Rezepte. Besonders schön ist die kreative Aufmachung des Hardcover-Werks. Es ist voll mit leckeren Bildern von Früchten und Gemüse und macht sofort Lust auf das Zubereiten der Rezepte. Wie bei den meisten Rohkost-Kochbüchern braucht ihr eine gewisse Grundausstattung an Geräten, um wirklich alle Rezepte nachzuzaubern. Unter anderem eben vor allem einen Mixer und/oder eine Küchenmaschine. „Raw Soul Food“ deckt eine breite Palette an unterschiedlichen Gerichten ab und möchte so alltagstaugliche vegane Rohkost-Rezepte für geschmackliche Highlights bieten. Fettfreie vielfältige und abwechslungsreiche Gerichte für morgens, mittags oder abends, für unterwegs oder zu Hause, deftig oder süß, einfach oder anspruchsvoll – Salate, Suppen, Hauptgerichte, Rohkost to go, Desserts, Kuchen, Torten und Pralinen bis Smoothies, Shakes und Cocktails finden sich in „Raw Soul Food“. Allerdings ist die Auswahl pro Kategorie nicht überwältigend, somit stellt das Buch kein Grundlagenwerk dar, eher eine Ergänzung zu bereits vorhandenen Rohkost-Rezepten.

Zu Beginn führen uns die Autoren Julia Lechner und Anton Teichmann in das Thema Rohkost ein – kurz gesagt: Rohkost bedeutet, dass nichts über 42 Grad Celsius erhitzt wird -, sie erklären warum sie sich vegan ernähren und den Unterschied zwischen „Nahrungsmittel“ und „Lebensmittel“. Nach einer weiteren kurzen Einweisung zu benötigten Geräten, aber auch dem Prozess des Einweichens von Samen, Nüssen und Sprossen geht es los mit den Rezepten. Ganz besondere Highlights sind für mich das Rezept für die Schokocreme, der Paradise Cake und das Tirawmisu.

Ausprobiert hatte ich in der Kategorie „Torten, Kuchen und Pralinen“ die Rohgurette, ein aufwändiges Rezept, das relativ gut funktioniert hat. Als nächstes möchte ich unbedingt das Getränk „Mango Lemon Booster“ ausprobieren. Zwischendurch erhalten wir im Buch immer wieder wertvolle Tipps, die das Wissen rund um Rohkost erweitern, zum Beispiel zu Salz, Ölen oder Eiweiß („Rohkost extended“). Die benötigten Zutaten sind meistens aus regionaler Herkunft und die Autoren machen nicht übermäßig Gebrauch von exotischen Superfoods, was ich für besonders erwähnenswert halte.

„Raw Soul Food – Vegane Rohkost macht glücklich“ schafft mit den im Buch enthaltenen 74 Rezepten den Spagat zwischen relativ einfachen, für Einsteiger in das Thema geeigneten und trotzdem interessanten, neuen Rezepten. Vor allem die Kategorie der süßen Speisen spricht mich besonders an, da mir persönlich die Hauptgerichte doch etwas zu rustikal und wenig sättigend anmuten. Ein großes Plus gibt es für die fotografische Darstellung aller Rezepte – leider noch immer nicht selbstverständlich bei Kochbüchern.

Vielen Dank an den Ulmer Verlag für das Rezensionsexemplar!

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