Vor einigen Jahren habe ich den unabhängigen und bunten Selfpublishing-Verlag Microcosm Publishing aus Portland entdeckt. Ich stieß damals auf deren vielversprechende Webseite, da ich auf der Suche nach Zines war und einige der damals (und heute) bekanntesten Zinesters dort ihre Hefte vertrieben. Zines sind kleine Hefte, meist über persönliche Themen, die oft starken DIY-Charakter aufweisen und eigenhändig publiziert werden.

Seither verfolge ich immer wieder über Social Media, wie der Verlag mit größtem Selbstbewusstsein und einer tollen diversen Kreativität ansprechende Bücher und Hefte zu großen und kleinen Themen anbietet. Von Feminismus über DIY-Projekte und Empowerment, aber auch politischer Aktivismus und psychologische Themen, bietet der Verlag eine inspirierende Auswahl. Vor kurzem habe ich aus dem großen Sortiment einige Rezensionsexemplare bekommen, die ich euch nun nach und nach vorstellen möchte.

Zunächst das Buch „From Chaos to Creativity“ von Jessie Kwak, das vor allem für Kunstschaffende einen Weg finden will, sich eine Struktur und einen Workflow aufzubauen. Dabei meint die Autorin, dass Produktivität nicht „Abhaken von Aufgaben“ bedeutet. Sie setzt jedoch Planung als Eckstein für alle Projekte, egal wie unterschiedlich diese sind. Kreative Arbeit folgt dabei aber selten einer bestimmten Logik, analytisches Vorgehen trifft oft nicht auf künstlerische Projekte und Prozesse zu.

Im Grunde geht es zunächst einmal darum, sein Chaos zu zähmen und mehr Überblick zu bekommen. So stellt sie zunächst drei größere Bereiche vor. Das sind zuerst einmal alle „Sammelplätze“ wie beispielsweise Mails, Notizen-App oder Journal für Ideen, Aufträge und Aufgaben, dann den Zeitplan („Schedule“) und als letztes organisierendes Element, die „Projektordner“, in denen man dann bestenfalls jeweils an einem Ort alles zu einem Thema sammelt.

Beim Planungsprozess soll man zum Start alle „Sammelplätze“ sichten und Ziele formulieren. Denn neurologisch gesehen, ist das Gehirn meist mit dem Kurzzeitgedächtnis beschäftigt, was Prioritäten angeht – da übersieht man dann leicht mal das große Ganze. Aus den „Inboxen“ kann man beispielsweise alles nach zeitlichen Kriterien sammeln – Wann muss es erledigt sein? – oder auch nach einzelnen Aufgaben und Projekten sortieren. Hierbei hilft es, sich seinen eigenen Zielen und der Dringlichkeit und Wichtigkeit der Aufgaben bewusst zu werden.

In den Projektordnern, die man dann anlegt, kann man wiederum temporäre To Do-Listen anlegen, um den Auftrag oder das Projekt in einzelne Schritte zu untergliedern. Hierbei kommen dann auch Tools für Erinnerungen oder andere digitale Helfer zum Einsatz. Ein Kernelement dieser Vorgehensweise ist der Kalender, in diesen sollen eher Aktionen und Termine als nur die Deadline eingetragen werden, von der aus man dann rückwärts zum aktuellen Zeitpunkt plant.

Das Buch beinhaltet auch jede Menge Tipps, wie man seinen Arbeitsalltag im Detail gestalten kann – von Arbeitseinheiten bis zu der Frage, wie viel Energie man in einzelne Projekte und dem hin- und herwechseln derer investieren kann. Das ganze Kreativitätssystem soll individuell für unterschiedliche Menschen nützlich sein, dabei helfen weiterführende Hinweise am Ende.

Das ist nur ein grober Überblick über die Kreativitätsstrategie „From Choas to Creativity“ – ich habe mich sehr angesprochen gefühlt, da sie viele Dinge aufgreift, die Kreativschaffende beschäftigen und auf diese Eigenheiten geht sie wissend ein. Das dazugehörige Arbeitsheft zum 2019 erschienenen Buch, „From Chaos to Creativity – Workbook“, fasst die Quintessenz des 192 Seiten langen Buches als Arbeitsschritte zusammen. Das Workbook umfasst daher auch nur 32 Seiten.

Das Heft möchte ebenfalls eine Hilfestellung für alle sein, die im kreativen Bereich arbeiten. Im Prinzip geht es darum, Ziele und Prioritäten festzulegen, aber auch darauf zu achten, wann man welche kreativen Tätigkeiten am besten ausführt. Es geht darum, eine Art für sich passenden Workflow zu schaffen, mit dem man sein kreatives Arbeitsleben ein Stück weit professionalisieren und strukturieren kann. Neben vielen Fragen, die die eigenen Handlungen hinterfragen und analysieren sollen, stellt die Autorin auch einige Zeitmanagementmethoden vor, die in einfacher Form mit in das eigene „Produktivitätssystem“ einfließen können, so zum Beispiel das Eisenhower Quadrat, das nach „dringend“ und „wichtig“ sortiert.

Nach einigen Überlegungen und Fragen soll man dann als Hauptaufgabe zwei Wochen ein Logbuch chronologisch nach Uhrzeit führen, um dieses anschließend dahingehend auszuwerten, inwiefern man seine ideale Vorstellung eines Arbeitslebens tatsächlich einfließen lassen kann. Dazu gibt euch das Heft viele Fragen an die Hand. Sehr nützlich fand ich hierbei die Liste, in der man aufschreiben sollte, wie man sich in die Stimmung eines kreativen Mindsets bringen kann, aber auch welche Pflichten man recht schnell erledigen und welche Aufträge oder Tätigkeiten man überhaupt nicht mehr annehmen möchte.

Zu guter Letzt findet man noch Tipps, wie man Ablenkungen vermeiden und Probleme beim Prozess des Findens eines passenden Workflows lösen kann. Besonders schön: Sie berücksichtigt, dass auch das Träumen und Gedanken frei laufen lassen zur Arbeit von Kreativen dazugehört.

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