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Mein Leben mit einem Syrer: Kulturelle Unterschiede zwischen Syrien und Österreich

Ursprünglich bin ich im Sommer nach Traiskirchen gefahren um zu helfen und mir dabei mein eigenes Bild zu machen, unabhängig von den Medien. Die beiden daraus entstanden Artikel könnt ihr…

Ursprünglich bin ich im Sommer nach Traiskirchen gefahren um zu helfen und mir dabei mein eigenes Bild zu machen, unabhängig von den Medien. Die beiden daraus entstanden Artikel könnt ihr hier nachlesen: Traiskirchen – Der Weg der Spenden und Meine Erfahrungen in Traiskirchen. Aus dieser Idee ist jetzt, sechs Monate später, etwas ganz anderes gewachsen als ursprünglich gedacht: Eine neue Beziehung und viele neue Freundschaften. Wir kommen immer wieder zusammen, egal ob zum Helfen, privat bei Feiern, beim Heurigen, bei Ausflügen – die in den Medien gerne erwähnte „Integration“ ist bei uns kein großes Thema, jeder respektiert den anderen. Weil das aber am besten geht, wenn man einander versteht und ein paar Hintergründe kennt, haben Mahmoud und ich nun in diesem ersten von zwei Artikeln festgehalten, wo genau denn die kulturellen Unterschiede liegen.

Begrüßungen und Berührungen

Für Muslime in Syrien gibt es keine Berührungen zwischen Männern und Frauen außerhalb der Familie (Cousins und Cousinen ausgenommen), dementsprechend auch kein Händeschütteln oder Bussi-Bussi zur Begrüßung. Stattdessen wird der Friedensgruß „Salaam aleikum“ (Friede sei mit dir) ausgesprochen. Männer unter sich können sich die Hände schütteln oder sich umarmen, ebenso Frauen untereinander – nur die Berührungen zwischen den Geschlechtern sind üblicherweise nicht gern gesehen, da diese als erotisch empfunden werden können und man keinerlei Versuchung aufkommen lassen möchte.

Bei all meinen Besuchen in Traiskirchen und bei syrischen Freunden hat noch nie jemand meine ausgestreckte Hand abgelehnt – und aus Höflichkeit hätte mich vermutlich auch nie jemand darauf angesprochen –, nur einmal habe ich von Problemen in einer syrisch-österreichischen Freundschaft gehört, bei der eine verheiratete Muslimin einem österreichischen Mann nicht die Hand schütteln wollte, wodurch ich erstmals auf dieses Thema aufmerksam wurde. Viele akzeptieren das Händeschütteln, auch wenn es nicht die favorisierte Begrüßungsart ist, weil es hier üblich ist. Alles, was darüber hinausgeht – Umarmungen, Bussi-Bussi und so weiter – überschreitet dann aber die persönliche Distanzzone.

Religionen, Respekt und Weihnachten

In Syrien gab es vor dem Krieg mehrere Religionsgemeinschaften, die friedlich und respektvoll miteinander umgegangen sind. Die größte Gruppe waren Muslime, gefolgt von Christen, Juden, Alawiten, Ismailiten, Drusen und Jesiden. Muslimen war es erlaubt, ihre Gebete in christlichen Kirchen zu beten und umgekehrt. Im Islam selbst gibt es kein Weihnachtsfest (Jesus wird als Mensch und Prophet Gottes angesehen und nicht als sein Sohn) und entsprechend auch keine Christbäume. Trotzdem gab es in Syrien an großen öffentlichen Plätzen diese geschmückten Bäume. Waren Muslime mit Christen befreundet, wurde diesen auch häufig aus Respekt ein Baum geschenkt (als Muslim hatte man natürlich keinen eigenen daheim). Umgekehrt wiederum haben die meisten Christen im Ramadan auf Essen außerhalb von (christlichen) Restaurants verzichtet. Muslimische Restaurant-Besitzer haben im Ramadan geschlossen, nur christliche Eigentümer haben geöffnet – wenn auch aus Respekt mit verklebten Scheiben, damit niemand beim Essen zusehen kann. Zur Info: Während dem Fastenmonat Ramadan dürfen Muslime erst nach Sonnenuntergang essen. Es gibt zwei große Feste im Islam: Das Opferfest (das wichtigste) und das Fest des Fastenbrechens (nach dem Fastenmonat Ramadan).

Muslime sind Menschen wie du und ich, jeder macht Fehler, niemand ist perfekt. „Wenn jemanden ein Fehler unterläuft, heißt das nicht, dass die Religion schlecht ist; wenn ich einen Fehler mache, ist das mein persönlicher Fehler, nicht der meiner Religion.“ Und: „Mache Scherze über mich, rede schlecht über mich – aber niemals über meinen Gott, meine Religion oder Propheten – die Religion ist immer raus. Scherze unter Freunden: Ja – aber niemand kennt Gott persönlich – wie kann man da über ihn scherzen? Man scherzt ja auch nicht über Verstorbene“.

Frauen, Verhüllung und Arbeit

Ich erinnere mich noch gut an den Sommer und eines meiner ersten Gespräche mit der plumpen Frage: „Dass Frauen nicht Auto fahren können und sich verhüllen müssen, liegt daran, dass ihr als Männer das für sie bestimmt?“ Unzählige Gespräche später weiß ich: Die meisten Frauen entscheiden sich freiwillig für den Hi­dschab (das Kopftuch) – nicht alle, aber die meisten können sich aussuchen, ob sie dies tragen möchten oder nicht, dementsprechend gab es auch keine Bestrafungen und man sah vereinzelt auch Frauen ohne Kopftuch auf der Straße – die Rede ist hier wieder von der Zeit vor dem Krieg. Der Grund für das Tragens des Kopftuches aus religiöser Sicht beruft sich auf das entsprechende Gebot (sowohl im Quran als auch in den Überlieferungen).

Und auch bei der Wahl Kopftuch, ja oder nein, geht es in erster Linie darum, die Reize zu verhüllen (nicht sexuell aufreizend zu wirken) und nicht jeden Bereich des Körpers jedermann zu zeigen. Die Frau gilt als etwas ganz Besonderes, vergleichbar mit einem Diamanten. „Wenn du etwas ganz ganz besonders wertvolles hättest, würdest du es auch nicht groß auf der Straße zur Schau stellen und es von jedem angreifen lassen, oder?“ Als weitere Gründe kann man Tradition aufführen, Mode, Abgrenzung und Zugehörigkeit.

Für mich ist dieses Thema mehr eine Frage, was man für sich persönlich als in Ordnung empfindet und was nicht. Manche fühlen sich wohl, im Mini-Rock tanzen zu gehen und Aufmerksamkeit zu erregen, andere tragen diesen nur in Anwesenheit ihres Freundes, wieder andere würden nie einen zu kurzen Rock tragen (hier auch wieder die Frage: „Welche Länge ist zu kurz?“) und bevorzugen Hosen und wieder andere eben den Hidschab.

Frauen in Syrien gingen (aus kulturellen, nicht aus religiösen Gründen*) kaum arbeiten, es war Sache des Mannes für den Lebensunterhalt zu sorgen, wenn auch dafür 15-Stunden-Tage notwendig waren. Die Frau erledigte den Haushalt, kümmerte sich um die Kinder und die Einkäufe – wobei Frauen nie schwere Dinge tragen sollten, deshalb meist telefonische Bestellung inklusive Lieferservice. Das erklärt auch, warum mir im Sommer beim Sortieren und Schlichten der Spenden immer unverzüglich die vollen Boxen abgenommen wurden. Hierzu auch gleich meine nächste Frage, „Frauen dürfen also nicht rausgehen?“ und die Antwort darauf: „Natürlich dürfen sie rausgehen, sie können überall hingehen, wo sie hinwollen und auch den Führerschein machen!“.

„Warum aber dann nicht arbeiten?“ „Bei der Arbeit wird es (notgedrungener Weise) auch Kontakt mit Männern geben, am Anfang nur oberflächlich, aber nach einer Zeit fängt man an über Privates und Probleme zu reden, man bückt sich nach dem Stift… Und man kann alles kontrollieren, nur keine Gefühle. Wenn Frauen zum Shoppen oder ähnlichem gehen, werden sie nur die notwendigsten Gespräche mit den Verkäufern führen, niemals aber mit ihnen scherzen oder gar flirten. Und möchten sie arbeiten, dann bevorzugt mit Frauen oder Kindern, aber auch hier wird darauf geachtet, dass man zum Beispiel nicht in den Ausschnitt sehen kann, wenn die Lehrerin sich vorbeugt.“

Beim gemeinsamen Einkaufen, bei dem zwei Einkaufstaschen gefüllt werden, gilt für mich üblicherweise: Eine für den Mann, eine (die leichtere) für die Frau. Die muslimisch-syrische Variante: Beide (oder bei Bedarf auch noch mehr) trägt der Mann, die Frau gar nichts. „Findest du das fair? Wir haben zwei Taschen und sind zwei Leute?“ „Männer sind viel stärker, ihr Körper ist dafür gemacht, (schwere) Arbeit zu verrichten – der der Frauen nicht. Wer wird gewinnen, wenn wir armdrücken? Was ist nun also fair?“

In Syrien gab es keine Wochenenden, es wurde ununterbrochen und über Jahre hinweg gearbeitet sofern man eine Arbeit hatte. 12-Stunden-Tage waren meist Minimum in der Privatwirtschaft und das bis zu einem Alter von etwa 45 Jahren, bis dahin hatte man sich Haus, Auto etc. geleistet und einen Puffer für unsere hier sogenannte „Pension“ angespart.

 

Hier möchten wir den ersten Teil beenden, im zweiten Artikel werden wir dann über Familie, Heirat, Essen und Vorurteile berichten. Wenn es Fragen zu den hier bereits erwähnten Themen gibt, bitte gerne einen Kommentar hinterlassen.

 

* Im Islam ist es den Frauen nicht untersagt, auch mit Männern zu arbeiten, mit der Bedingung einen gewissen Abstand und Umgang an den Tag zu legen.

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Verbraucherkredite: Kenne und nutze deine Rechte!

Weihnachten steht vor der Tür und die Wunschlisten vieler Menschen sind lang. Smartphones, Fernseher, Tablets und vieles andere liegt bald unter dem Christbaum – für den Einzelhandel ist die Vorweihnachtszeit…

Weihnachten steht vor der Tür und die Wunschlisten vieler Menschen sind lang. Smartphones, Fernseher, Tablets und vieles andere liegt bald unter dem Christbaum – für den Einzelhandel ist die Vorweihnachtszeit die umsatzstärkste Zeit im Jahr. Sehr beliebt sind im Weihnachtsgeschäft traditionell Spielzeug, Uhren und Schmuck sowie Unterhaltungselektronik. Und mittlerweile werden den potenziellen Käufern nicht nur das Produkt, sondern auch gleich der dazu passende Verbraucherkredit angeboten.

Über ein Viertel der befragten ÖsterreicherInnen haben laut einer EU-Studie in den letzten zwei Jahren mindestens einen Verbraucherkredit aufgenommen. Männliche Befragte zwischen 29 und 35, solche mit weniger Jahren an Ausbildung und solche, die mehr Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu begleichen, haben sich in der Vergangenheit am ehesten für einen Kredit entschieden. Neun Prozent der Befragten haben oft Schwierigkeiten, ihre Raten rechtzeitig zu zahlen.

Drei von zehn Befragten haben zudem angegeben, dass ihnen ein Kredit die Möglichkeit eröffnet, sich Dinge zu kaufen, die sie sich andernfalls nicht hätten leisten können. Und für fast ein Viertel war die Motivation sich einen Kredit aufzunehmen, dass sie über das Produkt oder die Dienstleistung sofort verfügen wollten. Für Autos, Möbel, Computer, elektronische Geräte und Haushaltsgeräte wurden am ehesten Kredite aufgenommen. Und all jene, die Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu begleichen und die bereits einen Kredit aufgenommen haben, sehen es eher als wahrscheinlich an, in Zukunft einen Kredit aufzunehmen.

65 Prozent der Österreicher fühlen sich laut besagter Studie nicht gut bezüglich ihrer Verbraucherkreditrechte informiert. Daher hat die Europäische Kommission eine Informationskampagne ins Leben gerufen, um darüber aufzuklären, welche Rechte Konsumenten bei Aufnahme eines Verbraucherkredits in der Europäischen Union haben und welche Konsumentenrechte durch die Verbraucherkreditrichtlinie garantiert werden.

Ein Test bei verschiedenen Banken in Österreich hat darüber hinaus ergeben, dass in keiner einzigen Bank ohne dezidierte Nachfrage die verpflichtenden Informationen bereitgestellt wurden. Wer also nicht weiß, welche Rechte er beim Abschluss eines Kredites hat, fällt hier um wertvolle Möglichkeiten um. Eure Rechte als Kreditnehmer:

Das Recht auf Informationen zu eurem Kreditvertrag in einem kundenfreundlichen Format

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Vor der Unterzeichnung eines Kreditvertrages ist der Kreditanbieter verpflichtet, rechtzeitig die wichtigsten Informationen zum Vertrag bereitzustellen. Diese Informationen müssen in standardisierter Form auf Papier oder einem anderen dauerhaften Datenträger verfügbar gemacht werden – als sogenannte „Europäische Standardinformationen für Verbraucherkredite“ -, um Verträge für Konsumenten besser vergleichbar zu machen. So kann der Kredit ausgewählt werden, der am besten zur jeweiligen Situation passt.

Egal wie groß die Summe des Kredits ist: Fordert diese Informationen ein und vergleicht verschiedene Angebote, bevor ihr einen Kreditvertrag unterschreibt. Mit oben erwähntem Formular könnt ihr die wichtigsten Aspekte eines Kreditvertrags wie Art und Kosten des Kredits, Sollzinssatz und effektiven Jahreszins, Anzahl und Häufigkeit der Raten und wichtige rechtliche Fragen einfach vergleichen. Außerdem habt ihr das Recht, kostenlos eine Kopie des Kreditvertragsentwurfs zu erhalten.

Das Recht auf Rücktritt vom Kreditvertrag innerhalb von 14 Tagen

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KreditnehmerInnen haben das Recht, innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsunterzeichnung schriftlich von einem Kreditvertrag zurückzutreten – ein Grund für den Rücktritt muss nicht angegeben werden. Dem Kreditanbieter muss das geliehene Geld plus die beim Rücktritt angelaufenen Zinsen spätestens 30 Tage nach dem schriftlichen Rücktritt zurückgezahlt werden. Außerdem kann der Kreditanbieter sich für nicht rückzahlbare Gebühren entschädigen lassen, die in dem Zeitraum zwischen Auszahlung und Rückzahlung des Kredits angefallen sind. Achtung, das Rücktrittsrecht gilt nicht für Hypothekenkredite!

Das Recht auf vorzeitige Rückzahlung des Kredits

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Ihr habt das Recht, den Kredit jederzeit während der Vertragslaufzeit, vorzeitig ganz oder teilweise zurückzuzahlen. In letzterem Fall habt ihr Anspruch auf eine Senkung der Gesamtkreditkosten einschließlich Gebühren und Zinsen. Der Kreditanbieter muss für entgangene Einnahmen entschädigt werden, aber die Entschädigung darf nicht höher sein als die Zinsen, die dem Kreditgeber entgangen sind. Gemäß dem österreichischen Verbraucherkreditgesetz können variabel verzinste Kredite jederzeit ohne Spesen zurückbezahlt werden. Nur bei fix verzinsten Krediten kann der Kreditgeber eine Entschädigung verlangen, die maximal ein Prozent betragen darf. Bei Hypothekarkrediten kann zusätzlich eine Kündigungsfrist von maximal sechs Monaten oder die Dauer eines fixen Sollzinssatzes vereinbart werden.

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Ich habe es immer vermieden, mir einen Kredit aufzunehmen oder auch nur mein Konto zu überziehen. Wann immer ich mit dem Gedanken spiele, mir etwas zu kaufen – nicht nur zu Weihnachten -, stelle ich mir die folgenden Fragen:

Brauche ich es wirklich?

Wenn ich mir diese Frage stelle, bevor ich eine Kaufentscheidung treffe, ist die Antwort meistens „Nein“. Und das nicht nur bei Dingen wie einem neuen Smartphone, sondern auch im Supermarkt vor dem Regal mit den Kartoffelchips. Natürlich kaufe ich auch ab und zu Dinge, die ich nicht wirklich brauche, einfach weil sie mir eine Freude bereiten, aber diese Frage hat mich schon vor so manchem unüberlegten Kauf bewahrt.

Gibt es auch eine günstigere Variante?

Muss es der SUV sein, wenn es ein Kombi auch tut? Oder der Smart-TV mit der grössten Bildschirmdiagonale, wenn auch die kleineren Varianten noch ziemlich groß sind? Wenn man die Entscheidung getroffen hat, ein Produkt wirklich zu wollen oder zu brauchen, stellt sich nun die Frage, ob es nicht auch eine günstigere Variante gibt. Ein kleineres Modell, eine ältere Ausgabe – es muss nicht immer das Grösste und Neueste sein.

Kann ich es auch gebraucht kaufen?

Abgesehen von der offensichtlichen Ausnahme von Dienstleistungen gibt es mittlerweile fast alles auch gebraucht zu kaufen. Vom Auto über Elektrogeräte bis zu Kleidung kann man auch durch die Wahl eines Second Hand Produktes Geld sparen. Das ist neben dem Verzicht auch die nachhaltigste Variante – und die schonendste für die Geldbörse. Mein Auto und mein früherer Geschirrspüler waren zum Beispiel Gebrauchtkäufe.

Kann man es ausleihen?

Nicht immer habe ich mir diese Frage gestellt. Deshalb besitze ich auch zwei Paar Ski, obwohl ich seit Jahren nicht mehr Ski fahre, und zwei Räder, obwohl ich nicht gerne mit dem Rad fahre. Inzwischen ist mir klar geworden, dass man nicht alles, das man nutzen will auch besitzen muss. Deshalb leihe ich mir bestimmte Dinge aus, entweder von Familie, Freunden oder bei einem Verleihservice, denn neben Geld kosten solche Anschaffungen auch Platz. Das hat mich auch gelehrt, dass ich die meisten Dinge nur sehr selten verwenden würde. In meinem Fall waren das Schlittschuhe, Schneeschuhe, Langlaufski, Schlagbohrer und noch so einiges mehr, das ich mir erspart habe.

Kann ich es mir leisten?

Meine Devise ist: Was ich mir nicht leisten kann, kaufe ich nicht. Das kann manchmal hart sein, aber noch härter ist es, wenn man Kreditraten nicht mehr zahlen kann, oder die Höhe der Raten zu finanzieller Knappheit führt. Noch dazu bedeutet die Aufnahme eines Kredits meistens, dass man nicht in der Lage ist, etwas anzusparen – im schlimmsten Fall muss dann zu einem weiteren Kredit gegriffen werden, wenn wichtige Investitionen ins Haus stehen. Nicht selten führt dieser Weg in den Privatkonkurs.

Solltet ihr euch also nach sorgfältiger Überlegung für einen Kredit entschieden haben, findet ihr hier alle notwendigen Informationen über das Verbraucherkreditrecht in Österreich, außerdem Links zu weiterführenden Informationen und zu euren nationalen Konsumentenstellen. Die Angaben auf der Website gelten für fast alle Arten von Verbraucher- und Hypothekenkrediten mit einem Mindestkreditbetrag von 200 Euro, eine Obergrenze gibt es nicht.

 

In Kooperation mit der Europäischen Kommission

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Mobilität von Morgen: Der Faktor Gewicht

Ein Beitrag nur über Fahrzeuggewichte und das schon zu Beginn dieser Kolumne? Ja, denn egal welche Antriebskonzepte sich in Zukunft durchsetzen werden, Autos müssen deutlich leichter und somit ressourcenschonender werden. Um…

Ein Beitrag nur über Fahrzeuggewichte und das schon zu Beginn dieser Kolumne? Ja, denn egal welche Antriebskonzepte sich in Zukunft durchsetzen werden, Autos müssen deutlich leichter und somit ressourcenschonender werden.

Um Gewicht in Bewegung zu setzen braucht man Energie, das ist beim Auto nicht anders. Physik lässt sich nicht aushebeln und daher gilt immer folgendes: Je schwerer ein Auto ist, desto mehr Energie wird benötigt um es in Bewegung zu setzen. Somit lässt sich alleine durch Gewichtsoptimierung schon heute vieles richtig machen.

Gewichtszunahme in den letzten Jahrzehnten

Moderne Autos sind oft doppelt so schwer wie ihre Urahnen, dies liegt zu einem hohen Anteil an der Tatsache, dass Autos mittlerweile enorm sicher geworden sind. Dimensionierung und Steifigkeit bringen notwendigerweise einfach einen höheren Materialverbrauch mit sich. Zudem möchte heute niemand mehr wichtige Sicherheitseinheiten wie Airbags oder Sicherheitsgurte in seinem Auto missen. All das braucht auch Platz und bringt Gewicht mit sich.

Trotzdem schaffen es heute immer mehr Kleinwagen ihr Gewicht wieder unter einer Tonne zu halten. Da aber nicht jeder mit einem Klein- oder Kompaktwagen seine Bedürfnisse abdecken kann – sei es durch eine größere Familie oder weil oft viel transportiert werden muss – kommt es zwangsweise zum Mehrgewicht.

Mehrgewicht durch Extras

Dennoch ist bei modernen Autos viel Einsparungspotential vorhanden. Ein großer Teil des Mehrgewichts lässt sich nämlich mit einem Wort beschreiben: Luxus. Und dieser wird beim Autokauf definitiv unterschätzt. Dabei ist es durchaus möglich, alleine mit Zusatzausstattung das Fahrzeuggewicht um bis zu eine halbe Tonne zu erhöhen. Gewicht, das im Betrieb eben auch in Bewegung gesetzt werden möchte.

Große Räder liegen momentan im Trend. Dabei schwankt hier die Gewichtszunahme im Vergleich zur ausreichenden Beräderung zwischen 22 und 40 Kilo. Weitere 40 Kilo zusätzlich holt man sich mit einem Glasdach an Bord. Eine elektrisch einfahrbare Anhängerkupplung bringt satte 80 Kilo auf die Waage. Der Rest summiert sich auch recht schnell: Lederausstattung, Musikanlage, dritte Sitzreihe, Navi und vieles mehr.

Hinzu kommen Steuergeräte, Sensoren und Kameras für diverse Assistenzsysteme wie Spurhalteassistent, Regensensor und Toter-Winkel-Warner. Dieser Punkt wird in den nächsten Jahren noch dramatisch ansteigen, wenn Autos alleine fahren sollen. Dabei wird der Elektronikschrott bald zum nächsten Problem. Alleine das elektrische Bordnetz eines durchschnittlichen Wagens wiegt etwa 40 Kilo. Etwa zwei Kilometer Kabel sind dabei in Summe verbaut. In besonders luxuriösen Fahrzeugen arbeiten im Innenraum zusätzlich um die 100 Stellmotoren, etwa für die elektrische Verstellung von Sitzen, Lenkrad oder Kopfstützen. 1.500 Watt Dauerleistung sind dabei keine Seltenheit und dieser Strom muss im Motor erst einmal produziert werden.

Der Trend SUV

Der immer weiter zunehmende Trend zum SUV ist Umweltschützern ein besonderer Dorn im Auge. SUV ist die Abkürzung für „Sport Utility Vehicle“. Zusammengefasst lässt sich dieses als Geländewagen ohne Geländeeigenschaften bezeichnen. Was nun schon ziemlich fragwürdig klingt, wird jedoch immer häufiger als Rechtfertigung heran gezogen, wenn es um die Frage nach einem eventuellen Mehrverbrauch gehen soll. Im Gegensatz zu früheren Exemplaren werden nämlich Allradantrieb, Leiterramen, Differentiale und viele weitere Extras nicht mehr zwangsläufig verbaut, was einerseits Gewicht sparen soll, gleichzeitig den Nutzen aber ad absurdum führt.

SUV bauen also nicht mehr auf speziellen und damit schweren Fahrgestellen auf. Vielmehr werden – stark vereinfacht ausgedrückt – normalen PKW andere Karosserien aufgedrückt. Dieses Umstyling macht leicht 300 Kilo Mehrgewicht aus, denn diese Autogattung lebt vom üppigen und bulligen Erscheinungsbild. Hinzu kommen größere und breitere Räder, was sich im erhöhten Rollwiderstand auswirkt – und eine höhere Bodenfreiheit erhöht den Luftwiderstand. Dass ein SUV also nicht mehr als seine technikspendende Basis verbraucht ist daher physikalisch schwer zu begründen. Aus rein optischen Gründen nehmen wir damit einen deutlichen Mehrverbrauch in der Produktion sowie im täglichen Betrieb einfach hin.

Kritische Praxiserfahrungen entzaubern gerne auch den Weltretter Hybridauto, denn hier macht der Akku den Löwenanteil an Mehrgewicht aus. Ist dieser leer, schleppt man Ballast mit sich herum. Das ist aber eine größere Geschichte, der in einem anderen Beitrag mehr Raum gewidmet werden wird.

Leichtbau in der Autoindustrie

Autos müssen also in Zukunft unabhängig vom Antriebskonzept deutlich leichter werden, um weniger Ressourcen zu verbrauchen. Tatsächlich tun sie das auch und werden sogar wieder kleiner, wenn auch nur ein paar Zentimeter. Jedoch sind die Sprünge nach unten vor allem in jenen Fahrzeugklassen vorbildlich, welche auf sehr schwerem Niveau gestartet sind. 300 Kilo weniger pro Fahrzeug hören sich erst einmal gut an. In Relation zu einem verbleibenden Gewicht von über zwei Tonnen relativiert sich dieser Wert jedoch wieder.

Es bleibt jedoch unwahrscheinlich, dass mittelfristig weitere Gewichtsreduktionen durch deutliche Schrumpfung der Abmessungen und den merklichen Verzicht von Komfort erfolgen werden. Der Wechsel auf leichtere Materialien ist hier vorprogrammiert und erzeugt wieder eine Verschiebung des Energieaufwands vom Fahrzeugbetrieb in die Produktion, hierzu gibt es im Laufe dieser Kolumne auch noch mehr zu lesen. Nur negativ darf man das jedoch nicht sehen. Mit immer besseren Computersimulationen lassen sich die positiven Stoffeigenschaften sehr gut kombinieren und dadurch kleiner dimensionieren.

Gut geschummelt ist halb gewonnen

Aktuell greift man jedoch für schöne Werte auf dem Papier gerne in die Trickkiste. Das Leergewicht muss im fahrbereiten Zustand, also inklusive allen Betriebsflüssigkeiten inklusive Tank angeben werden. Letzterer wird einfach kleiner dimensioniert und durch die geringere Füllmenge können so gut 30 Kilo eingespart werden. Schon lässt sich damit werben, dass das neueste Modell leichter wurde. Zudem kostet der größere und damit praxistauglichere Tank nun zusätzlich Aufpreis. Eine einfache Gewinnoptimierung, denn geordert wird dieser vom Kunden natürlich. An der Serienausstattung wird ebenfalls gespart, wenn auch der Verzicht von Ersatzrad und Wagenheber in Relation zur Nutzung und Absicherung durch Pannendienste tatsächlich etwas Sinn macht.

Zusammengefasst macht das Mehrgewicht bereits ohne Berücksichtigung der Produktion einen merklichen aber vor allem beeinflussbaren Unterschied aus, hauptsächlich beim Anfahren bzw. Beschleunigen. Die Faustregel, je 100 Kilo Mehrgewicht benötigt man einen halben Liter Treibstoff auf 100 Kilometer zusätzlich, hat jedoch ausgedient. 0,3 Liter sind heute im Schnitt realistischer. Der globale Effekt ist dennoch beachtlich, immerhin fahren weltweit über eine Milliarde Autos.

Wer sich ein Auto kauft, sollte gut überlegen, welche Fahrzeuggröße er tatsächlich braucht. Zurückhaltung bei den Extras drücken den Verbrauch nochmals. Wer dann auch noch regelmäßig unnützes Gerümpel aus dem Auto räumt, statt es mit sich durch die Gegend zu fahren, der erreicht im Kleinen schon sehr viel.

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Mobilität von Morgen: Zu schön, um wahr zu sein?

Politische Abhängigkeit, ölverschmutzte Ozeane und Strände, elendiges Tierleiden, Waldsterben, Ölsandendlager mitten in Städten oder in jüngster Zeit Fracking – all diese Entwicklungen heißt niemand gut, nehmen wir aber trotzdem in Kauf….

Politische Abhängigkeit, ölverschmutzte Ozeane und Strände, elendiges Tierleiden, Waldsterben, Ölsandendlager mitten in Städten oder in jüngster Zeit Fracking – all diese Entwicklungen heißt niemand gut, nehmen wir aber trotzdem in Kauf. Seit man sich Gedanken über den Schutz der Umwelt – in diesem Fall hinsichtlich unseres Erdölverbrauchs – macht, fragt man sich gleichzeitig auch, ob Autofahren überhaupt noch vertretbar ist. Nicht selten bleibt einem kaum eine Wahl oder nur eine sehr unkomfortable. Da kommen uns Schlagwörter wie umweltfreundliche, nachhaltige, grüne oder gar CO2-freie Mobilität gerade recht. Klingt zu schön um war zu sein. Ist es leider auch.

Grundsätzlich müssen wir diese Begriffe vom Marketing befreien. Der Natur ist es völlig egal, dass wir uns mit einem System selbst geißeln und täglich von A nach B und wieder zurück müssen. Dabei kann das Fahren an sich schon nicht umweltfreundlich sein. Das wäre höchstens der Fall, wenn Autos aus dem Boden wachsen, im Betrieb Sauerstoff erzeugen und sich irgendwann selbst kompostieren würden. Es geht also um Schadensbegrenzung bei der Wahl des Fahrzeugs.

In dieser Kolumne wird das komplexe Kapitel Verkehr aufgefächert und einzelne Aspekte werden genauer beleuchtet. Unter den Themen finden sich tatsächliche Nachhaltigkeit, Biosprit oder warum die aktuelle Elektromobilität der Umwelt schadet statt nützt. Außerdem werden fragwürdige politische und wirtschaftliche Vorgaben und Entscheidungen näher beleuchtet. Auch die Auswirkungen der vermeidbaren Kurzlebigkeit und die reine Fokussierung auf den Verbrauch beziehungsweise den damit direkt zusammenhängenden CO2-Ausstoß schaffen im Ganzen betrachtet mehr Probleme und Schadstoffe als sie bekämpfen sollen.

Einige Aspekte bergen durchaus Diskussionsstoff – an Zahlen und ganzheitlichen Betrachtungen wird es nicht mangeln. Die Betrachtung der Komplexität des Produktes Auto von der Rohstoffgewinnung über Produktion, Betrieb und Wartung bis hin zur Entsorgung birgt belegbare Überraschungen. Gesamt betrachtet etwa ist ein Hummer (SUV) für die Umwelt weniger schädlich als das Vorzeigeobjekt Hybridauto. Wir betrachten jedoch immer nur den Verbrauch und CO2-Ausstoß, den ein Auto im Betrieb erzeugt. Das ist vergleichbar damit, als würde man bei der Klimabelastung des Fleischkonsums nur den Energieaufwand des Schlachtens berücksichtigen. Nur noch etwa 15 Prozent des Ressourcenverbrauchs beim Auto fällt heute auf den Betrieb in Form von Treibstoff. Die Ersparnis im Betrieb verschiebt sich seit einigen Jahren auf die Produktion.

Lässt man lokale Gesundheitsnachteile beiseite, fährt man am umweltfreundlichsten sein eigenes oder ein anderes bereits produziertes Auto (Gebrauchtwagen) so lange wie möglich weiter. Im Idealfall ist dieses besonders kompakt, leicht und wird von mehreren Personen genutzt. Mittelfristig ist auch Erdgas klar vorzuziehen, da es noch mehr als einige Jahre dauern wird, bis die Elektromobilität tatsächlich sauberer als konventionelle Antriebe wird.

Alle neugierig Gemachten sowie bisher skeptisch Gebliebenen können sich jedenfalls auf eine interessante Kolumne und auf tiefer gehende Informationen freuen.

 

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Meine Erfahrungen in Traiskirchen

Bei meinem Besuch in Traiskirchen zur Ausgabe der Spenden an die Flüchtlinge parkte ich fast direkt vor dem Eingang des Flüchtlingszentrums und ertappte mich dabei zu überlegen, ob ich meinen…

Bei meinem Besuch in Traiskirchen zur Ausgabe der Spenden an die Flüchtlinge parkte ich fast direkt vor dem Eingang des Flüchtlingszentrums und ertappte mich dabei zu überlegen, ob ich meinen USB-Stick beziehungsweise gleich das ganze Autoradio einpacken sollte. (Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich leider persönlich – nicht in Verbindung mit Flüchtlingen – schon Erfahrung mit mehren Einbrüchen sammeln durfte.) Aber gut, ich wollte mich dem Thema neutral und ohne Vorurteile nähern – also ließ ich beides dort. Gleich am Anfang muss ich aber noch etwas gestehen: Sofort nach dem Aussteigen hätte ich mein 37-Grad-Sommer-Outfit, bestehend aus Hotpants und Trägertop, gerne noch einmal überdacht. Der Weg bis zum vereinbarten Treffpunkt, vorbei an verschiedenen Menschengruppen, die offensichtlich einer anderen Kultur angehören, war erst einmal total ungewohnt.

Aber trotz aller anfänglicher Bedenken wurde es ein wunderschöner Nachmittag voll geteilter Freude, Emotionen und Geschichten, wovon noch einige folgen sollten. Ich möchte an dieser Stelle auch erwähnen, wie begeistert ich von der Zusammenarbeit der einzelnen Religionsgemeinschaften bin – katholische Pfarre, türkisch-islamischer Kulturverein, Helfer von der evangelischen Kirche… Es ist wunderschön mit anzusehen, wie alle an einem Strang ziehen und zusammen helfen, wenn es hart auf hart kommt, und dass es keinen Unterschied macht, woran du glaubst oder auch nicht. Auch die Gruppe der Freiwilligen besteht aus Österreichern, Flüchtlingen aus verschiedenen Ländern und Menschen, die als Dolmetscher für alle nicht Deutsch- beziehungsweise Englischsprechenden agieren. Einen Bericht was mit den Spenden für die Flüchtlinge in Traiskirchen passiert und den allgemeinen Ablauf findet ihr hier: Traiskirchen – der Weg der Spenden

Bleibende Erinnerungen

Als ich durch die eng gedrängte und auf die Ausgabe wartende Menge gehe, machen mir sofort alle Platz und ein freiwillig helfender Flüchtling hält mir die Türe auf – ich komme mir ein wenig vor wie ein VIP. Mohammed erzählt mir auf Englisch, dass er seit zwei Monaten hier sei und bereits österreichische Freunde gefunden habe. Stolz zeigt er mir Fotos auf seinem Handy von einem Pärchen und ihm beim Essen, beim Autofahren…

Während des Team-Meetings übersetzt einer der „refugees“ die wichtigsten Eckpunkte für seine Landsleute und ein anderer ist so gerührt von der Hilfsbereitschaft hier, dass er mit zitternder Stimme und in gebrochenem Englisch erklärt, dass er gelernter Koch sei und wie gerne er nicht für uns alle Kochen würde als Dankeschön.

Mahmot erzählt, dass er mit seiner Frau und ihrem Baby innerhalb von 18 Tagen (!) von Griechenland hierher gegangen (!) ist. Ich mache große Augen und obwohl wir beide gut englisch sprechen, wiederhole ich meine Frage mit Zeichensprache, wobei ich mit zwei Fingern das Gehen symbolisiere. Er beginnt zu lachen: „You can believe me – we just walked.“ Sie sind also tatsächlich nur zu Fuß gegangen. Zwischen 18 und 20 Stunden am Tag waren sie unterwegs. Das übersteigt meine Vorstellungskraft und obwohl ich nicht glaube, dass er mir etwas Falsches erzählt, überprüfe ich diese Aussage später mit Google Maps. Und stelle fest: Es geht sich aus! Google Maps sagt, 311 Stunden Fußmarsch wären es in etwa bis Griechenland – und 342 Stunden sind es, wenn man 18 Tage lang jeweils 19 Stunden marschiert. Ich bin noch immer absolut fassungslos! Wer tut so etwas, wenn er nicht „um sein Leben läuft“? (Die junge Familie wollte übrigens gar nicht nach Österreich, sondern nach Holland, sie sind hier aber von der Polizei gefasst worden.)

Eine syrische Frau fragt mich nach getaner Sortierarbeit im Pfarrheim mit Hilfe einer Dolmetscherin nach den Bildern an den Wänden, auf denen Fotos von der Jungschar zu sehen sind, was das für eine Gruppe sei und ob ihre Tochter auch dort mitmachen könne, die Kinder sähen so glücklich aus auf den Bildern. Ein „refugee“ tritt beim Sortieren im Pfarrhof an mich heran und fragt, ob er sich Wasser von der Leitung (!) nehmen dürfte, er sei so durstig…

Dass hier nur Positives erwähnt wird, liegt nicht daran, dass ich die Gespräche ausgefiltert habe, sondern ich habe in den etwa rund zwanzig Stunden dort tatsächlich keine negativen Zwischenfälle erlebt.

Die Beweggründe kann man natürlich überhaupt nicht miteinander vergleichen, aber die Nachmittage bei der Ausgabe sind für mich wie eine Mischung aus hektischem Flohmarkt und Sprachreise. Bei so einer Reise ist man ja auch fremd in einem anderen Land, verständigt sich zum Teil mit Händen und Füßen ohne etwas oder jemanden zu kennen und ist wirklich froh über jeden Tipp und jedes nett entgegengebrachte Wort. „Am meisten freuen sie sich über ein nettes Lächeln, nette Worte und jemanden, der ihnen einfach nur zuhört.“, bestätigt auch Doris, eine der Projektleiterinnen der Caritas.

Zelt_Ausgabe

Die Spendenausgabe

Wie bereits im verlinkten Artikel erwähnt, hatte jede Flüchtlings-Gruppe nur etwa zehn Minuten (!) Zeit um sich bei der Spendenausgabe die nötigen Dinge zusammenzusuchen, danach galt es, alle aus dem Zelt zu bekommen. Und wenn man sich das Titelbild beziehungsweise das folgende Foto ansieht, kann man erahnen, wie viel Passendes man in zehn Minuten zusammensuchen kann. Ausdrücklich erwünscht: Bilder nochmals genau ansehen und sich vorstellen, man müsste für sich selbst – eventuell auch zusätzlich für seine Kinder – in zehn Minuten, gemeinsam mit etwa 30 anderen Personen alles notwendige zusammensuchen.

Spendenausgabe_Traiskirchen_Damen_u_Kinderabteilung

Auch bei der anschließenden Aufforderung zum Gehen hatte ich – vor allem als Frau – anfangs Bedenken, ob das gut gehen würde. Aber alles klappte problemlos – das einzige, worum wir freiwilligen Helfer immer wieder gebeten wurden, war „Please, one more minute!“. Und auch wenn sich die einzelnen Gruppen nicht im Eiltempo nach draußen bewegten, gab es an den zwei Tagen, an denen ich bis jetzt bei der Ausgabe dabei war, noch nie etwas negatives zu berichten.

Mit einem Polizisten vor Ort konnte ich auch kurz sprechen, er erzählte (es war drei Uhr nachmittags), dass er seit gestern früh, sechs Uhr im Dienst sei, vier Stunden geschlafen habe und noch bis morgen Vormittag seiner Pflicht nachgehe. In der Nacht gab es einen Streit zwischen den Flüchtlingen aus verschiedenen Ländern wie auch in vielen Zeitungen zu lesen war.

Zu gefährlich?

Im Baumarkt, als ich auf der Suche nach einem kleinen Schloss und einer Kette war, erzählte ich dem Mitarbeiter kurz, dass ich die Sachen benötige, um eine Schere an einem Tisch zu fixieren und in weiterer Folge, dass ich die Schere benötige, um Hosen für Flüchtlinge zu kürzen. „Sie fahren nach Traiskirchen? Sie als Frau?“, fragte er, gefolgt von der Frage ob ich das beruflich mache (Nein, ich habe einen „normalen“ Vollzeit-Job.), der Frage, ob ich Moslem bin (Nein.) und dem Hinweis, dass er seine Freundin dort nicht helfen lassen würde, das sei seiner Meinung nach zu gefährlich…

Ich denke, dass die ablehnende Haltung vieler Österreicher beziehungsweise Gemeinden auf Angst basiert. Sie kennen diese Situation und die Kulturen nicht und natürlich macht eine große Gruppe von Menschen mehr Angst als Einzelpersonen. Auch kommt noch das Sprachproblem dazu – klar ist es anfangs etwas unangenehm, wenn man an einer Gruppe vorbeigeht und keinen Schimmer hat, worüber die Personen gerade reden oder ob man gar selbst gerade Thema des Gesprächs ist. Wie ihr im ersten Absatz lesen konntet, war auch ich anfangs sehr unsicher.

Trotzdem möchte ich die Skeptiker bitten, Mut zu fassen und offen für dieses Thema zu sein, letztendlich sind es Menschen wie du und ich, mit Ausbildung, einem ehemals schönen Zuhause… Ich möchte meine Hand nicht ins Feuer legen, dass alle von den etwa 3.000 bis 4.000 Flüchtlingen in Traiskirchen zu hundert Prozent zu den „Guten“ zählen – das könnte ich bei 4.000 willkürlich ausgewählten Österreichern aber auch nicht garantieren.

Wenn ihr offene Fragen habt, die in keinem der zwei Artikel oder den unten angefügten Links beantwortet werden, könnt ihr gerne einen Kommentar schreiben – Matthias, Projektleiter von der Caritas, hat sich zu einem Interview bereit erklärt.

P.S.: Vier Mal war ich bis jetzt schon in Traiskirchen – mein USB-Stick und das Radio waren an den Tagesenden bis jetzt immer noch in meinem Auto und auch an den folgenden, heißen Tagen bin ich mit kurzer Hose hingefahren.

 

Links zu weiterführender Information:

Hier eine kurz zusammengefasste Info der wichtigsten Punkte: gruene.at/themen/menschen-grundrechte/fluechtlinge-fragen-antworten

Auch eine schöne (und den oberen Link gut ergänzende) Zusammenfassung: news.at/a/asyl-zehn-fakten

44 Kommentare zu Meine Erfahrungen in Traiskirchen

Traiskirchen – Der Weg der Spenden

Obwohl ich zu dem Thema „Flüchtlinge/Asylwerber“ schon einiges gehört (Radio), gelesen (Zeitungen, Facebook) oder (von Gemeinde-Seite) mitbekommen hatte, wollte ich mir vor Ort selbst ein Bild machen. Nur weil andere etwas…

Obwohl ich zu dem Thema „Flüchtlinge/Asylwerber“ schon einiges gehört (Radio), gelesen (Zeitungen, Facebook) oder (von Gemeinde-Seite) mitbekommen hatte, wollte ich mir vor Ort selbst ein Bild machen. Nur weil andere etwas sagen, machen oder unterlassen, heißt das noch lange nicht, dass das automatisch gut oder richtig ist – jeder Mensch, egal ob Politiker, Journalist oder der Nachbar, ist anders, hat andere Vorstellungen, Erwartungen und Erfahrungen. Ich wollte meine Eigenen sammeln bevor ich mitrede, ohne selbst direkt mit dem Thema zu tun gehabt zu haben.

Also bin ich relativ spontan einem Aufruf der Facebook-Seite Wir helfen. von Caritas Omni.Bus gefolgt, bei dem es hieß, es werde Hilfe zum Sortieren gebraucht. Nachdem ich auf dieser Seite auch lesen konnte, dass einige Menschen mit ihren Spenden wieder fort geschickt wurden, klang das erst einmal so wie „denen geht’s eh gut, die brauchen keine Spenden“. Vor Ort war allerdings schnell klar, dass dem nicht so ist, vielmehr mangelt(e) es an allen Ecken und Enden an Platz! Wintersachen und ähnliches wird zur entsprechenden Jahreszeit ganz sicher auch benötigt, kann aber bis dahin nicht in großer Menge verstaut werden. Dass das Flüchtlingszentrum überfüllt ist, dürfte hier niemandem entgangen sein, aber auch der Lagerplatz für die Spenden ist knapp.

Als ich dort war, waren die Sachen im katholischen Pfarrhof Traiskirchen gelagert – dieser musste aber aufgrund einer Hochzeit zumindest zu Teil geräumt werden. Und obwohl es ein gutes Gefühl ist zu helfen wird schnell klar, wie viel Energie die Organisation hinter all dem kostet. Ich habe gemeinsam mit anderen Freiwilligen versucht, den Bereich um die Türe freizuräumen und einen ganzen Nachmittag lang Kleidung sortiert. Während der Bereich kurzzeitig etwas aufgeräumter wirkte, kamen immer wieder Spenden dazu – zum Teil waren die Menschen auch extra aus Graz oder Zwettl angereist, um etwas vorbei zu bringen – ich fühlte mich wie eine Ameise in einer nicht enden wollenden Sortierarbeit. Die Spenden werden wirklich benötigt, der Platz im Pfarrhof zum Teil aber auch – die Situation ist keine leichte. Ich möchte jedem raten, selbst mitanzupacken, statt darüber zu reden was man machen könnte – denn an der Umsetzung scheitert es leider oft, auch wenn es in der Theorie recht einfach klingt.

Decken-Schuhe-Taschen-sortieren-Traiskirchen

Warum werden die Sachen überhaupt sortiert und warum soll man nicht direkt mit dem vollgepackten Auto zum Flüchtlingszentrum fahren?

Diese Menschen sind wie du und ich – und wie bei jeder Menschenansammlung gibt es die Fröhlichen, die Grantigen, die Zurückgezogenen, die Streitsüchtigen, die Optimistischen… Fährt man mit dem Auto hin, erhalten meist nur die Starken beziehungsweise die Schnellen etwas, alle anderen haben gar keine Chance. Bevor man zehn Bälle an hundert Kinder verteilt, wird lieber noch etwas gewartet und gesammelt, um Streit und Neid zu vermeiden. Auch die Kleidung wurde nach Geschlecht sortiert und gesammelt, ebenso wie nach „langer Hose“, „kurzer Hose“, „T-Shirt“ und so weiter, damit die Flüchtlinge innerhalb kurzer Zeit etwas Passendes finden können. Ich muss gestehen, bei meinem ersten Besuch habe ich ein wenig an der Sinnhaftigkeit dieser Sortierarbeit gezweifelt. Als ich ein zweites Mal – diesmal bei der Ausgabestelle im türkisch-islamischen Kulturverein Traiskirchen – vor Ort war, wurde schnell klar, dass es anders gar nicht funktionieren kann: Die sortierten Sachen wurden auf vier langen Reihen von Heurigentischen aufgelegt, die Flüchtlinge kamen immer in Gruppen herein ins Zelt. Beim Eingang mussten sie einen tags davor erhaltenen Zettel abgeben, wodurch gewährleistet werden soll, dass sich ein und die selbe Person nach dem Verlassen der Spendenausgabe nicht gleich wieder beim Eingang anstellt. Jeder bekommt beim Hereingehen ein Sackerl (Tüte), eine Tasche oder ähnliches und hat anschließend zehn Minuten Zeit, alles einzupacken, was benötigt wird. Nach diesen zehn Minuten müssen alle das Zelt verlassen und die nächste Gruppe wird hereingelassen.

Was spenden?

Auf oben genannter Facebook-Seite wird immer wieder kundgetan, was momentan benötigt wird – bitte informiert euch hier vorab, wenn ihr etwas spenden wollt. Die Sachen sollten auch gewaschen sein, leider musste ich am ersten Nachmittag feststellen, das das sehr oft nicht der Fall war. Allgemein kam mir auch einiges Fleckiges, extrem Fusseliges, Kaputtes etc. unter – nicht falsch verstehen, ich bin ein Mensch der selbst gerne auf Flohmärkte geht und kein Problem mit gebrauchten Dingen hat, aber die in den Medien, vor allem auch im Social Media-Bereich, oft erwartete „extreme“ Dankbarkeit…

Man muss bedenken, dass diese Menschen auch ein schönes Zuhause hatten, mit hübschen Schuhen, moderner Kleidung, und nicht zwingend arm waren. Andererseits gibt es auch wirklich sehr liebevoll gestaltete Willkommenspakete und allgemein auch viele schöne Sachen, zum Teil auch Markenkleidung, die abgegeben werden – da bekommt man schon nur vom Ansehen gute Laune. Entgegen dem negativen Bild, das oftmals vermittelt wird, gibt es also auch eine große Hilfsbereitschaft innerhalb Österreichs. Möchte man selbst mithelfen, kann man zwischen Sach-, Zeit- und Geldspenden wählen.

Spenden-Brief-Traiskirchen

Was würdest du auf eine Flucht mitnehmen?

Diese Frage stellte Doris, die dortige Projektleiterin der Caritas, den freiwillig mithelfenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das Handy war unter den Top drei, das erklärt auch, warum man so viele Flüchtlinge mit einem Handy sieht. Die Frage hat mich allgemein inspiriert und ich habe für mich überlegt, was ich denn mitnehmen würde. Nach kurzer Bedenkzeit musste ich feststellen: Nicht viel, damit das Gepäck nicht zu schwer wird.

Was würdet ihr auf eine Flucht mitnehmen?

P.S.: Weitere Eindrücke folgen!

 

Wer mit Sach-, Zeit- und Geldspenden helfen möchte, kann sich hier informieren und Fragen stellen.

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Symbolisches Tierblut auf meiner Haut: Alternatives Einkaufen (Teil 3)

Nach dem ersten Teil der Serie „Symbolisches Tierblut auf meiner Haut“, der einen ersten Einblick in den derzeitigen Stand betreffend Tierversuche und Kosmetik gegeben hat, sowie den zweiten Teil, der sich…

Nach dem ersten Teil der Serie „Symbolisches Tierblut auf meiner Haut“, der einen ersten Einblick in den derzeitigen Stand betreffend Tierversuche und Kosmetik gegeben hat, sowie den zweiten Teil, der sich damit auseinander setzt, wie Unternehmen versuchen zu verschleiern, dass für ihre Produkte Tierversuche durchgeführt wurden, folgt nun der dritte und letzte Teil dieser Artikelserie.

In der Vergangenheit haben bereits etliche Tierversuche für diverse Stoffe stattgefunden, deshalb ist es kaum möglich, ein Produkt zu entwickeln, für dessen Rohstoffe garantiert noch nie ein Tier leiden musste. Bei den folgenden Siegeln geht es also weniger darum, absolut ewige Tierversuchsfreiheit zu versichern, als mehr einen Stichtag festzulegen, ab dem man dies auch wirklich zu 100 Prozent garantieren kann.

Ich möchte hier nun Auszeichnungen aufzählen, die sich umfassend mit der Problematik auseinandersetzen und dank denen man „beruhigter“ einkaufen kann, soweit man sich mit deren Kriterien identifizieren kann: The Leaping Bunny, die Positivliste beziehungsweise Marke des Deutschen Tierschutzbundes e.V. / IHTN und die Positivliste von PETA Deutschland e.V. (beziehungsweise PETA USA).

The Leaping Bunny

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Eines der strengsten, wenn nicht das strengste aller Siegel. Wie der Name schon verrät, ist auf diesem internationalen Siegel ein springender Hase zu sehen, umgeben von zwei Balken und zwei Sternen. Hinter der Kennzeichnung stecken mehrere internationale Tierschutzorganisationen, die sich zusammengeschlossen haben. Es wird weltweit die gesamte Produktpalette (!) der jeweiligen zertifizierten Unternehmen geprüft – sobald auch nur ein Produkt in einem Land, welches Tierversuche verlangt, vertrieben wird, darf es diese Auszeichnung nicht mehr tragen. Dies bezieht sich – im Gegensatz zum EU-Gesetz – auf alle Inhaltsstoffe (nicht nur jene, die offiziell als Kosmetik definiert werden). Deshalb gibt es diese Auszeichnung auch für Haushaltsprodukte. Beim Leaping Bunny-Siegel dürfen die Firmen den Stichtag der Tierversuchsfreiheit selbst wählen, ab diesem müssen die Produkte zu 100 Prozent tierversuchsfrei sein (gültig für alle Lieferanten, Labore, Inhaltsstoffe und den Vertrieb in sämtlichen Ländern). Auch muss ein Kontrollsystem in die Lieferkette eingebaut werden, welches regelmäßig von einem unabhängigen Kontrollinstitut überprüft wird. Kommt ein Unternehmen gänzlich ohne Tierversuche aus, gehört aber einem Mutterkonzern an, der dies nicht tut, darf das Siegel verwendet werden, das entsprechende Unternehmen wird aber auf der Online-Shopping-Liste  beziehungsweise in der PDF-Shopping-Liste  gesondert (mit einem Quadrat) gekennzeichnet, wie zum Beispiel The Body Shop, welcher zu L’Oréal gehört. Anmerken möchte ich hier auch, dass die Listen leider nicht ganz aktuell sind – ich habe bei meiner Recherche mehr Produkte mit dieser Auszeichnung in Österreich gesehen, als hier angegeben.

IHTN / Deutscher Tierschutzbund e.V.

IHTN_Hase
Auf diesem Zeichen ist ein Hase mit schützender Hand zu sehen. Verwendete Inhaltsstoffe dürfen ab dem 1. Januar 1979 nicht mehr an Tieren getestet worden sein. Wurde nach diesem Datum ein Tierversuch durchgeführt, darf das Unternehmen in keinem Zusammenhang mit der entsprechenden Firma stehen. Allgemein ist keine wirtschaftliche Abhängigkeit zu Firmen erlaubt, die Tierversuche durchführen oder in Auftrag geben. Auch dürfen ausgezeichnete Firmen ihre Produkte nicht in Länder exportieren, wenn damit Tierversuche verbunden sind. Sobald die Gewinnung eines Stoffes mit Tierquälerei, Ausrottung oder der Tötung von Tieren zu tun hat, darf dieser ebenso nicht mehr verwendet werden. Um dieses Siegel zu erhalten, muss eine rechtsverbindliche Erklärung abgegeben werden, dass die Standards eingehalten werden. Bei Falschangaben droht eine Strafe von bis zu 10.000 Euro. Anmerken möchte ich, dass dieses Logo nicht alle Firmen, die auf der Positivliste stehen, auf ihren Produkten tragen – eine Firmenliste findet ihr hier.

PETA-Positivliste

PETA Hase
Um auf dieser Liste aufscheinen zu dürfen beziehungsweise den PETA-Hasen tragen zu dürfen, müssen die Firmen schriftlich versichern, dass sie weltweit keine Tierversuche bei Endprodukten oder für Rohstoffe durchführen oder durchführen lassen. Auch dürfen sie ihre Produkte nicht in Ländern vermarkten, in denen Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben sind. Anders formuliert heißt es auf der Website auch, dass Firmen klar Stellung gegen Tierversuche beziehen müssen. Verdutzt hat mich persönlich dann allerdings, dass auf einigen Produkten der selben Marke der PETA-Hase abgebildet ist, auf anderen nicht… ?

Andere Auszeichnungen

BDIH_Siegel
Auch das BDIH-Siegel hat zwar in seinen Richtlinien kurz mit drei Sätzen das Verbot von Tierversuchen beziehungsweise Rohstoffen, die nach 31. Dezember 1997 getestet wurden, angeführt, wird aber zum Teil auch von Kosmetikfirmen mitentwickelt. Ebenso beziehen sich die Richtlinien leider auch nur auf kosmetische Rohstoffe, sind also in diesem Punkt nicht weiter entwickelt als das EU-Gesetz. Ende 2013 gab es eine Presseaussendung, in der es hieß, die Tierversuchsfreiheit gelte weltweit und die „Konformität mit dem BDIH-Siegel sei bei einem Export nach China gefährdet“ – bis jetzt wurden aber weder die Richtlinien auf der Homepage aktualisiert, noch gab es meines Wissens nach eine weitere Aussendung dieses Thema betreffend.

keine empfehlung veganblume natrue eco cert
Andere Logos, wie zum Beispiel die Veganblume oder das NATRUE-Label, möchte ich nicht empfehlen, da diesen Auszeichnungen keine ausgefeilten Regelungen für Tierversuche zugrunde liegen und diese ihren Schwerpunkt in anderen Bereichen haben. Das NATRUE-Label verweist beim Thema Tierversuche beispielsweise auf das EU-Recht (Problematik „Chemikalien“), welches lediglich global ausgeweitet wird – auch wird dieses Siegel meist einzeln für jedes Produkt einer Firma vergeben, hat also nichts mit der allgemeinen Firmenpolitik zu tun. Auch die Natur- bzw. Biokosmetik-Auszeichnung ECOCERT verweist beim Thema Tierversuche in einem einzigen kurzen Satz lediglich auf das EU-Gesetz mit all seinen Schlupflöchern.

Wie umständlich wird Shopping ab jetzt, wenn ich die Tierschutz-Logos berücksichtigen möchte? Kann ich noch in „normalen“ Geschäften einkaufen gehen?

Ja, entsprechende Produkte sind beispielsweise bei dm, Müller, in anderen Drogeriemärkten, Parfümerien oder Reformhäusern und Bio-Supermärkten zu finden. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase hat man auch schnell herausgefunden, welche Produkte man wo kaufen kann. Je nachdem, welchen Siegeln man persönlich den Vorzug geben möchte, wird es leichter oder etwas aufwendiger, entsprechende Artikel zu finden.

Weil es im Wirr-Warr der Logos meine liebste Auszeichnung ist, möchte ich euch noch einige damit ausgezeichnete Firmen, deren Produktsortimente und vermarktende Geschäfte auflisten:

Firmen mit Leaping-Bunny-Logo

firmen leaping bunny logo

Urtekram: Verschiedene Shampoo-Varianten, Balsam, Bodylotion, Duschgel, Handseife, Deo, Handcreme, Tagescreme, Body-Scrub, Lippenbalsam, Body-Butter, Fußcreme, Produkte fürs Baby, Conditioner, Zahnpasta – immer größer werdendes Sortiment gesehen bei: dm, Reformhaus, in Österreich: BIPA
Santaverde: Gesichtsreinigung, Gesichtstoner, diverse Gesichtscremen, Augencreme, Gesichtsmasken, Anti-Aging-Produkte, Duschgel, Körpergel, Bodylotion, Handcreme, reines Aloe-Vera-Gel beziehungsweise -Saft – gesehen bei Marionnaud
Bulldog (Skincare For Men): Waschgel, Feuchtigkeitscremen, After Shave Balsam, Deo, Duschgel, Rasiergel und Rasiercreme – gesehen bei dm, in Österreich: BIPA
Intelligent Nutrients: Shampoo, Contitioner, Haarpflegeöl, Haarspray und -Gel, Gesichtspflegeprodukte, Körperpflege-Produkte, Lippenpflege und -gloss – gesehen im Reformhaus
Montagne Jeunesse: Gesichts- und Haarmasken, Körperpflegeprodukte – gesehen bei Müller, in Österreich: BIPA

Auch Reinigungsprodukte mit diesem Siegel sind vorhanden:
Ecover: Sämtliche Reinigungsartikel wie Scheuermilch, Bad-Reiniger, Kalk-Entferner, Allzweck-Reiniger, Bodenseife, Glas-Reiniger, WC-Reiniger, Weichspüler, Fleck-Entferner, Aktivsauerstoff-Bleiche, Woll- und Feinwaschmittel, Flüssigwaschmittel, Spülmittel und Spülmaschinen-Tabs – umfassendes Sortiment gesehen bei dm, Müller

Persönliche Erfahrungen

Geschultes Personal in einem von vier Fällen (zwei Reformhäuser, zwei Parfümerien). Beim Nachfragen erklärte mir eine Mitarbeiterin zum Beispiel stolz, dass all ihre Produkte tierversuchsfrei seien und ich keine Bedenken haben müsse – das habe sie erst auf einem Seminar gelernt. Auf mein Beharren hin fragte sie aber noch ihre Kollegin und voilá – plötzlich blieben von dem riesigen Sortiment nur noch drei Marken über, alle aber leider auch ohne Siegel… In nur einer Parfümerie erhielt ich wirklich gute und umfassende Auskunft über entsprechende Firmen. Nach der Recherche für diese Artikelserie kann ich nur sagen, dass große Firmen (bei kleinen Unternehmen mag es ja vielleicht anders sein, weil zu viel Aufwand und Kosten), die kein entsprechendes Siegel führen, leider meist auch einen Grund dafür haben.

Fazit: Augen auf!

Es fanden in den letzten Jahren genügend Tierversuche statt – es sind bereits ausreichend Stoffe erforscht, um sämtliche Artikel herstellen zu können. Ich denke, niemand kann beim heutigen Angebot sagen, dass diese Mittel „nicht funktionieren“ und weiter erforscht und verbessert werden müssen. Es würde theoretisch reichen, auf die bereits vor Jahren getesteten Inhaltsstoffe zurückzugreifen. Wenn es aber doch gänzlich neue Artikel sein sollen, sollten die Unternehmen nicht nur fortschrittlich und kreativ sein, was angebliche produktbezogene Revolutionen angeht, sondern auch die Forschung betreffend, um gänzlich auf Tierleid verzichten zu können. Auch würde ich mir wünschen, dass Unternehmen Ethik vor Profitgier stellen und gänzlich auf dubiose Märkte verzichten.

Welche tierversuchsfreien Marken und Produkte sind eure Favoriten? Und wo kauft ihr diese ein?

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Symbolisches Tierblut auf meiner Haut: Märchen & Mythen (Teil 2)

Nach dem ersten Teil dieser Artikelserie – Umzingelt von Tierversuchen? – folgt nun der zweite Teil über all die Tricks und Maschen, derer sich Unternehmen bedienen, um zu vermeiden, dass die…

Nach dem ersten Teil dieser Artikelserie – Umzingelt von Tierversuchen? – folgt nun der zweite Teil über all die Tricks und Maschen, derer sich Unternehmen bedienen, um zu vermeiden, dass die Herstellung ihrer Produkte mit Tierversuchen in Zusammenhang gebracht wird.

Die Marketing-Masche

Die meisten Konzerne versuchen natürlich, das Durchführen von Tierversuchen für ihre Produkte zu verschleiern; wer möchte denn schon symbolisches Blut an seiner Haut kleben haben? Die Aussage „Dieses Unternehmen testet nicht an Tieren“ klingt zwar gut, sagt jedoch nichts aus über an Dritte übergebene Forschungsaufträge, um ein Beispiel zu nennen. Auch die Aussage „Dieses Unternehmen engagiert sich gegen Tierversuche“ heißt nicht, dass nicht irgendeine aktuelle Verbindung zu diesen besteht. Vor allem macht es stutzig, wenn als erstgelistetes Argument dazu der Punkt „Firma XY testet keine Fertigprodukte an Tieren und gibt auch keine entsprechende Tests an Dritte weiter“ angeführt wird – denn das ist Vorgabe des Gesetzes und hat mit Engagement wohl kaum zu tun.

Kreativ wird es auch, wenn es darum geht, zu begründen, warum das entsprechende Unternehmen auf keiner Positivliste (mehr dazu im dritten Teil der Artikelserie), vermerkt ist. Ein Zitat hierzu: „Die deutsche Rechtssprechung geht davon aus, dass nicht allen Verbrauchern bekannt ist, dass theoretisch jeder in der Kosmetik eingesetzte Rohstoff irgendwann einmal an irgendeinem Ort der Welt im Tierversuch getestet sein könnte. Produktaussagen wie “Ohne Tierversuche” gelten daher als Irreführung. Aus diesem Grund findet sich der Name XY auch nicht auf den positiven Listen der Tierschutzorganisationen.“ (Quelle: Blanc et Noir – Vegan Beauty Blog) Interessant. Schaffen es doch andere Unternehmen auch, auf solchen Liste aufzutauchen. „Wir versichern, dass kein Kosmetik- oder Körperpflegeprodukt bzw. deren Inhaltsstoffe an Tieren getestet wurde“, klingt auch nicht so übel, lässt der Betonung wegen allerdings darauf schließen, dass andere Produktkategorien sehr wohl getestet werden. Hier kann ich nur empfehlen, die Statements gründlich durchzulesen und kritisch zu hinterfragen. Denn der erste Eindruck ist leider oft täuschend.

Tierversuche_Statement_REACH

Des Weiteren trifft es sich für die Unternehmen nur zu gut, sich auf die Gesetzeslage und die darin enthaltene Notwendigkeit von Tests beziehen zu können. Schließlich sind doch alle nur um das menschliche Wohlergehen besorgt, für das nun eben mal Tiere herhalten müssen. Frei nach dem Motto: „Es ist leider gesetzlich so, dass Chemikalien getestet werden müssen – uns sind die Hände gebunden“. Einige Konzerne sind immerhin so ehrlich und geben ihren Standpunkt zu Tierversuchen auch offen und unverschleiert zu. Einige Statements zum Thema Tierversuche könnt ihr auf dieser Seite nachlesen: Blanc et Noir – Vegan Beauty Blog

Sinnhaftigkeit von Tierversuchen in der Kosmetik

Der Mensch ist ein „Gewohnheitstier“ und Tierversuche leider seit etlichen Jahren Standard, weil etabliert und bekannt. Sie sind aber nicht nur eine Qual für die Versuchstiere, oftmals sind sie für Menschen auch irrelevant, weil sich das Ergebnis nicht übertragen lässt. Ein anderer Körperbau, eine feinere Nase, eine andere Lebensweise – es gibt etliche Stoffe, die beim Tierversuch vielversprechend sind, bei der klinischen Prüfung am Menschen allerdings versagen. Ebenso spricht die lange Dauer der Versuchszeiträume von ein bis zwei Jahren gegen diese Anwendungen. Obgleich Tierversuche momentan oftmals noch kostengünstiger sind, ist es hoffentlich lediglich eine Frage der Zeit bis Alternativen in Serie gehen und auch diesbezüglich punkten können.

Das Traurige an der Sache ist auch, dass es Möglichkeiten gäbe, gänzlich auf Tierversuche zu verzichten. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit In-vitro-Verfahren („Reagenzglas-Verfahren“) zu nutzen oder die Vorgänge mit Biochips nachzuvollziehen, um nur zwei Alternativen aufzulisten. Die Vorteile der sogenannten In-vitro-Verfahren sind unter anderem die Reproduzierbarkeit, die höhere Empfindlichkeit und die Möglichkeit, Tests mit Human-Material durchzuführen. Hierbei ließen sich die Ergebnisse auch wirklich mit dem menschlichen Körper vergleichen. Auch die Anzahl der zeitgleich durchführbaren Tests wäre kaum beschränkt, die Ergebnisse lassen in etwa ein bis fünf Tage auf sich warten.

In den letzten Jahren hat sich zum Glück schon sehr viel getan, es fehlt aber leider immer wieder an Forschungsgeldern. Während die tierexperimentelle Forschung in Deutschland Gelder in Milliardenhöhe zur Verfügung hat, werden tierversuchsfreie Methoden nur mit ein paar Millionen gefördert. (Quelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V.)

Beispiele und Zahlen

Betroffene Lebewesen sind allen voran Mäuse und Ratten, gefolgt von Kaninchen, Meerschweinchen, Hunden und Katzen, zum Teil auch bestimmte Affen-Arten – in Österreich sind zum Beispiel nur Tests an Menschenaffen verboten. Um festzustellen, ob es zu Hautirritation bei bestimmten Substanzen kommt, wird Albino-Kaninchen das Mittel auf die geschorene Rückenhaut gerieben. Auch die Auswirkungen von Stoffen unter UV-Licht werden auf der bestrahlten Haut von Mäusen, Meerschweinchen oder Kaninchen untersucht. Und obwohl es sowohl für Augen- als auch Hautreizungen Alternativmethoden ohne den Einsatz von Tieren gäbe, wurden 2013 in der EU (!) Tierversuche dafür durchgeführt.

Solange man das Leiden von Nagern und anderen Tieren aber auf nur einen Teilbereich der Anwendungsgebiete reduziert (in diesem Fall Kosmetik), möchte ich allerdings keine Behauptungen aufstellen, welcher Versuch wofür verwendet wird. Inwieweit Schleimhaut- und Augenreizungen sowie Hautverätzungen nun offiziell in den Bereich Kosmetik, Seren oder eine andere Kategorie fallen, möchte ich hier nicht beurteilen. Fakt ist, dass Tierversuche von der Grundlagenforschung über Medizin bis hin zum chemischen Gesichtspunkt reichen und europaweit (!) pro Jahr Versuche an 11,5 Millionen Tieren durchgeführt werden, während es weltweit 115 Millionen Tiere jährlich betrifft (Quelle: Cruelty Free International).

Wie ihr feststellen könnt, ob eure Lieblings-Produkte im Zusammenhang mit Tierversuchen stehen oder nicht, erfahrt ihr im dritten und letzten Artikel.

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Symbolisches Tierblut auf meiner Haut: Umzingelt von Tierversuchen? (Teil 1)

Mein Zugang: Nichts ahnend. An einem gemütlichen Abend saß ich in der Badewanne und weil ich nichts zu Lesen bei der Hand hatte, griff ich nach dem Duschgel in der Hoffnung, einen…

Mein Zugang: Nichts ahnend. An einem gemütlichen Abend saß ich in der Badewanne und weil ich nichts zu Lesen bei der Hand hatte, griff ich nach dem Duschgel in der Hoffnung, einen interessanten Text auf der Rückseite zu finden. Diesen habe ich dann, neben einem kurzen Marketing-Absatz und den Inhaltsstoffen, auch tatsächlich gefunden: „Hergestellt ohne Tierversuche“ stand da. Das war nicht die Art von Text, die ich erwartet hatte. Zuerst dachte ich noch, dass das in der heutigen Zeit logisch sei, die Wissenschaft müsse doch schon längst soweit sein, auf diese verzichten zu können. Leider weit gefehlt.

Die ersten Zweifel kamen auf, als ich mein zweites Duschgel – die gleiche Marke, andere Sorte – unter die Lupe nahm: „Hergestellt ohne künstliche Aromen“ stand auf dem Platz, der bei der anderen Flasche den Tierversuchen vorbehalten war. Es folgte eine langwierige und umfassende Online-Recherche zu dem Thema und die Feststellung, dass vermutlich so gut wie all meine Kosmetikprodukte mit Tierversuchen in Verbindung stehen. Was leider auf den Großteil der im Fernsehen und in den glänzenden Magazinen beworbenen Kosmetika zutrifft. Unternehmen, die gänzlich ohne Tierversuche auskommen sind offensichtlich eine Seltenheit – und entsprechende Produkte ein Glücksgriff im Drogeriemarkt-Regal oder aber eher eine gezielte Suche nach diesen. Die Liste dieser Artikel ist quasi genau das Gegenteil von bekannten und vielfach beworbenen Produkten.

Kurzer Exkurs: Geschichtliches

Die Thematik der Tierschutz-Gesetze geht bis zur Zeit vor Christi Geburt zurück, wurde aber speziell im 19. Jahrhundert vermehrt aufgegriffen, mit der Forderung, diese zu verstärken. 1930 gab es diesbezüglich bereits mehr als 700 Vereine und Organisationen in Deutschland und schließlich machten sich die Nationalsozialisten das beliebte Thema zu Nutze: Viele Pelzhändler, Mediziner und Biologen waren Juden, in deren Kultur auch das Schächten (Ausbluten) verankert war. Dieses wurde, ebenso wie sämtliche Tierexperimente, vom NS-Regime per Gesetz verboten.
Für „kriegswichtige“ Projekte und für die „Volksgesundheit“ wurden aber schon zu dieser Zeit Ausnahmen zugelassen.

Aktuelles

Seit 11. März 2013 gibt es ein neues EU-Gesetz, welches Tierversuche für kosmetische Endprodukte sowie deren Rohstoffe verbietet. Entsprechende Produkte dürfen auch nicht mehr eingeführt werden. Ein schönes Zwischenziel, bei dem es allerdings noch einige offene Fragen und Unklarheiten gibt. Rohstoffe, die ihren Anwendungspunkt beispielsweise nicht ausschließlich (!) in kosmetischen Produkten finden, gelten als Chemikalie. Und Chemikalien fallen unter die Chemikalien-Richtlinie, für die europaweit Tierversuche verlangt werden, sofern es nicht zumindest sehr ähnliche, bereits getestete Stoffe gibt, durch die eine Vorhersage der Eigenschaften möglich wird. Auch wenn ein Inhaltsstoff in den medizinischen Bereich eingeordnet werden kann, sind Tierversuche meist gesetzlich vorgeschrieben.

Ebenso dürfen Konzerne nach wie vor außerhalb Europas Tiertests für Beauty-Produkte und deren Inhaltsstoffe durchführen, solange betroffene Einzelartikel nur nicht am europäischen Markt landen. Auf der anderen Seite gibt es nämlich Länder wie China – Hongkong & Taiwan ausgenommen -, die (erneute) Tierversuche zwingend vorschreiben und auch keine anderswo bereits anerkannten Alternativmethoden akzeptieren. Dies führt nun dazu, dass sich Unternehmen entscheiden müssen, an Tieren getestete Produkte am chinesischen Markt zu verkaufen und dafür auf den europäischen zu verzichten, oder umgekehrt.

Anmerken möchte ich auch, das sich dieses EU-Gesetz lediglich auf Produkte bezieht, die nach dem 11. März 2013 auf den Markt eingeführt wurden. Alle davor erschienenen Artikel sind von der Tierversuchsfreiheit ausgeschlossen und müssen auch nicht gesondert gekennzeichnet werden. Zu guter Letzt bleibt diesbezüglich noch zu sagen, dass die Durchsetzung und Kontrolle dieses Verkaufsverbots jedem einzelnen EU-Staat obliegt, wobei davon ausgegangen werden darf, dass nicht alle die Mittel hierfür haben.

Tierversuche? Nein, danke!

Man könnte nun natürlich sagen, dass das egal ist und für das eigene (europäische) Duschgel eventuell keine Tierversuche stattgefunden haben, sofern die Inhaltsstoffe nicht auch zum Beispiel Verwendung in Waschmitteln oder ähnlichem finden und somit als Chemikalie gelten, aber so lange ein Unternehmen irgendwo auf der Welt Tierversuche für irgendetwas durchführen lässt, finanziere ich mit dem Kauf dessen Produkte auch genau dies. Tierleid und die Firmen, die diese Tests in irgendeiner Form „gut heißen“ oder als notwendig erachten, möchte ich nach Möglichkeit aber nicht unterstützen, mit keinem noch so geringen Beitrag. Es gibt Alternativen und es gibt Firmen, die ohne Tierversuche auskommen.

Mehr dazu im zweiten Teil dieser Artikelserie.

 

Quellenangaben und weitere Infos:
http://de.wikipedia.org/wiki/Tierversuch
http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/infos/kosmetik-chemikalien/118-kosmetik-und-tierversuche
http://www.tierschutzbund.de/kosmetik-positivliste.html
http://www.kontrollierte-naturkosmetik.de/richtlinie.htm
http://kosmetik.peta.de/

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Petitionen wirken! Saatgutverordnung endlich ad acta gelegt

Lange hat es gedauert, aber nun zeigt sich: Kämpfen und nicht aufgeben lohnt sich! EU-weit unterschrieben rund 900.000 Menschen Petitionen gegen die europäische Saatgutverordnung, allein in Österreich unterstützten rund 500.000…

Lange hat es gedauert, aber nun zeigt sich: Kämpfen und nicht aufgeben lohnt sich! EU-weit unterschrieben rund 900.000 Menschen Petitionen gegen die europäische Saatgutverordnung, allein in Österreich unterstützten rund 500.000 Personen die Petition „Freiheit für die Vielfalt“ von ARCHE NOAH und GLOBAL 2000. Am 11. März 2014 war es dann so weit: Das EU-Parlament lehnte die Verordnung ab.

Mit einer ersten Ablehnung war die neue Saatgutverordnung aber noch lange nicht vom Tisch. Die EU-Kommission hatte erwogen die gescheiterte EU-Saatgutverordnung abgeändert nochmals vorzulegen statt sie zurückzuziehen und durch einen gänzlich neuen Entwurf zu ersetzen. Der wesentliche Unterschied: Während bei einem neuen Entwurf eine Folgenabschätzung und das Anhören aller Stakeholder, wie zum Beispiel auch der NGOs, zwingend sind, fallen sie bei einer Überarbeitung weg.

Saatgutverordnung zurückgezogen

Doch der Apell der BürgerInnen hat gewirkt. Am 25. Februar 2015 hat das EU-Parlament in Straßburg mit einer Mehrheit von 511 Stimmen gegen 130 Stimmen die EU-Saatgutverordnung zurückgezogen. Dieses Beispiel zeigt: Wir alle können EU-Gesetzgebungen mitgestalten, wenn wir uns rechtzeitig einbringen!

Die in Brüssel von der Generaldirektion für Gesundheit und Verbraucherpolitik vorbereitete EU-Saatgutverordnung hätte viele negative Entwicklungen bewirkt. Seltene und alte Sorten von Obst, Gemüse und Getreide wären vom Markt verschwunden – ein Bauer hätte Saatgut ohne Auflagen nicht einmal herschenken können. Einzig Industriepflanzen sollten gefördert und damit die Macht der Agrarindustrie weiter gestärkt werden. Diese sollte durch großen bürokratischen Aufwand bei der Zulassung von Pflanzensorten erreicht werden, die sich große Konzerne ohne weiteres leisten könnten, nicht jedoch kleine Bauern oder Organisationen, die die Vielfalt fördern.

Chance für die Vielfalt

Die EU-Kommission hat jetzt die historische Chance, die Reform von neuem zu starten und die Saatgutgesetze zukunftstauglich zu machen. ARCHE NOAH setzt sich dafür ein, dass in einer neuen Fassung alte Sorten und Raritäten einen gleichberechtigten Zugang zum Markt bekommen. Das bedeutet: Saatgut von Sortenraritäten darf nicht auf Nischen, kleine Mengen oder kleine Anbieter beschränkt werden.

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