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Kategorie: Knowledge.

Die Crowdfunding-Erfolge von morgen – Vier WearFair-Projekte im Interview

Am vergangenen Wochenende informierten sich in der Linzer Tabakfabrik bei der Nachhaltigkeitsmesse WearFair +mehr 2018 rund 14.000 BesucherInnen über fairen und nachhaltigen Lebensstil und Produkte. Vier der dort vorgestellten Projekte sind im Rahmen einer…

Am vergangenen Wochenende informierten sich in der Linzer Tabakfabrik bei der Nachhaltigkeitsmesse WearFair +mehr 2018 rund 14.000 BesucherInnen über fairen und nachhaltigen Lebensstil und Produkte. Vier der dort vorgestellten Projekte sind im Rahmen einer Kooperation mit der Plattform wemakeit aktuell auch mit einer Crowdfunding-Kampagne online: die Bad Seeds Company – BSC, das Projekt almgrün Gemüse CSA, wild floriert sowie Schlüfer – ein Wohlfühlei von Spurenlos. Für The bird’s new nest hat Wolfgang den Organisator der WearFair Wolfgang Almer-Pfoser, die Projektbetreuerin bei wemakeit Sunita Maldonado sowie die ProjektinitiatorInnen zum Interview gebeten und zu ihren Visionen und Erfahrungen befragt.

Wolfgang: Lieber Wolfgang, du bist der Geschäftsführer der WearFair. Erzähl doch kurz, was das ist und was die BesucherInnen am letzten Wochenende erwartet hat.

Wolfgang Almer-Pfoser: Die WearFair +mehr ist Österreichs größte Messe für einen fairen Lebensstil. Bei uns stellen über 180 AusstellerInnen aus, die unsere ExpertInnen von Global2000, Südwind und dem Klimabündnis auf Herz und Nieren geprüft haben. So können sich unsere BesucherInnen wirklich 100 Prozent sicher sein, dass sie mit jedem Euro, den sie bei uns ausgeben, ein kleines bisschen die Welt retten.

Welche Rolle kann Crowdfunding deiner Meinung nach im Bereich nachhaltiger, fairer Produkte spielen und wie unterstützt ihr hier als Messe?

Wolfgang Almer-Pfoser: Crowdfunding kann hier wie in allen Zukunfts-Bereichen eine wichtige Rolle spielen, weil es die oft sehr behäbigen Gatekeeper wie Investoren oder Großhandel überspringt und sich direkt an die Endkunden wendet. Und nur die sollten entscheiden, ob ein Produkt Sinn macht oder nicht. Rund um die WearFair gibt es so viele faszinierende Menschen, die ständig neue, visionäre Ideen produzieren. Daher freut’s mich wirklich sehr, dass wir eine so schöne Kooperation mit wemakeit haben und dass sich vier wirklich tolle Projekte bei uns präsentieren konnten.

Sunita, die von Wolfgang angesprochene Kooperation gibt es dieses Jahr bereits zum zweiten Mal. Welche Vorteile ergeben sich dadurch für die Projekte?

Sunita Maldonado: Die ausgewählten Projekte erhalten bei der Vorbereitung und der Bekanntmachung ihrer Kampagne Unterstützung von wemakeit und der WearFair. Zudem hatten sie die Möglichkeit ihr Projekt live bei der WearFair zu präsentieren, was eine riesige Chance ist! Sie konnten den Besuchern ihre Produkte und Ideen direkt zeigen und erklären, wofür sie die Crowdfunding-Kampagne machen. Die BesucherInnen auf der anderen Seite hatten die Möglichkeit, die Produkte anzufassen und zu sehen, bevor sie diese über die wemakeit-Kampagne erstehen und konnten natürlich insbesondere auch die Menschen hinter dem Projekt kennen lernen. Sie wissen danach also genau, wer ihr neue Jeans produziert oder ihren nachhaltigen Blumenstrauß gebunden hat.

Liebes Team der Bad Seeds Company, stellt euer Projekt bitte vor und erzählt doch kurz, warum ihr euch für Crowdfunding entschieden habt!

Bad Seeds Company: Wir produzieren Jeans aus hundertprozentigem Hanf und machen dies in kleinen Familienschneidereien in Italien. Hanf ist mit Sicherheit der nachhaltigste Rohstoff und eine Produktion in nahegelegenen Familienbetrieben ein Beispiel an absolutem Fair Trade, dennoch ist dies in der heutigen Modebranche aus wirtschaftlicher Sicht die “schlechteste” Alternative, wo doch bekanntlich in entfernten Ländern zu Billigstpreisen und mit Fair Trade-Siegel produziert werden kann, wie uns selbst bereits von Kreditanstalten geraten wurde. Somit bleibt Crowdfunding wohl die Finanzierungsmöglichkeit schlechthin mit dem Vorteil auch gleich mit dem Kunden einen Kontakt zu schließen. Crowdfunding ist ein Finanzierungssystem im Einklang mit der Tätigkeit des Unternehmens. Verkauf und Finanzierung gehen dabei Hand in Hand und lassen den Unternehmer nicht in einer Bittsteller-Position verweilen.

Liebe Michaela und Reingard, stellt euer Projekt almgrün Gemüse bitte kurz vor und erzählt uns, was ihr euch von der WearFair-Kooperation erwartet!

almgrün Gemüse: Wir sind eine neue Gemüse CSA Mikrofarm im Almtal in Oberösterreich und wollen zeigen, dass “wachsen oder weichen” nicht der Weisheit letzter Schluss ist, wenn es um zukunftsfähige Landwirtschaft geht. Wir kultivieren auf nur einem Hektar Land 70 verschiedene Gemüsearten und über 200 Sorten und werden kommende Saison schon über 60 Haushalte mit frischem, saisonalem Gemüse versorgen. Der Auftritt auf der Messe war für uns eine tolle Möglichkeit, viele aufgeschlossene Menschen für solidarisches Landwirtschaften und Mikrofarming zu begeistern. Für uns als Quereinsteigerinnen ist natürlich jeder zusätzliche Euro willkommen, da wir alles von Null aufbauen müssen. Und wenn uns die Crowd dabei unterstützt, die letzten Geräte, die wir noch für unsere umweltfreundliche Bewirtschaftung brauchen, zu finanzieren, können wir dafür rascher damit beginnen, andere dabei zu unterstützen, ihre eigene Mikrofarm zu gründen. Damit man bald wieder in jedem Dorf Gemüse aus der Region kaufen kann!

Lieber Wolfgang von Spurenlos, stell‘ euer Projekt bitte kurz vor und sag‘ uns, welche Erfahrungen ihr mit Crowdfunding gemacht habt, ihr habt ja bereits eine erfolgreiche Kampagne hinter euch!

Spurenlos: Wir haben es uns zum Ziel gesetzt Einrichtungsstücke zu entwickeln, die nach ihrer Nutzung keine Spuren hinterlassen: Naturmaterialien wie Filz, Hanfseil, Massivholz setzten wir ein und verzichten konsequent auf Leim, Metalle und Kunststoffe. Im Frühling diesen Jahres haben wir bereits eine Crowdfunding-Kampagne für unseren Spurenlos-Hocker Dreiblatt erfolgreich abgeschlossen und diesen zur Serienreife entwickelt. Aktuell möchten wir unseren Schlüfer – ein Wohlfühlei für Kinder und Babys entwickeln und ebenfalls in Serie bringen. Die Kampagne auf wemakeit unterstützt uns dabei dieses Ziel zu erreichen!

Liebe Lisa, bitte stelle euer Projekt wild floriert vor und beschreibe kurz, warum ihr euch zum Crowdfunding-Aufruf von wemakeit und der WearFair gemeldet habt!

wild floriert: Wir sind drei motivierte Frauen mit einer Mission, die längst notwendig ist. Im konventionellen Blumenladen und Gartenbau wird Umweltschutz meist mit Füßen getreten. Wir lieben unseren Beruf, konnten es aber nicht länger verantworten, den Import – meist aus Drittländern – von Schnittblumen und Co. zu unterstützen. Zudem ist der Torfabbau, welcher als Substrat für Topfpflanzen gängig ist, ein völlig unvertretbares Übel. Chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel sind ebenfalls ständige Begleiter. Unsere Motivation war und ist es, Alternativen zu finden. Die wildflorie gibt es nun seit zwei Jahren, ständig optimieren wir unsere Ansätze. Damit wir unsere Ideologie verbreiten und auf uns aufmerksam machen können, brauchen wir ordentliches Werbematerial: Broschüren und Webseite sind das Ziel. Denn der Konsument gehört informiert, den meisten ist nicht bewusst, dass es Möglichkeiten als Alternative gäbe.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim Crowdfunding!

 

Ihr könnt die Projekte im Rahmen der Kooperation noch einige Wochen unterstützen, weitere Informationen zu den Projekten findet ihr im WearFair-Channel auf wemakeit.

Arbeitet ihr an einem nachhaltigen Crowdfunding-Projekt oder kennt ein solches, über das auf The bird’s new nest berichtet werden sollte? Dann sendet mir eure Inputs und Vorschläge zum Thema an office@crowdfunding-service.com!

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SALE – im LENTOS Linz: Nur mehr für kurze Zeit!

Kennt ihr das Gefühl, wenn man* mit der besten Freundin stundenlang durch Boutiquen zieht und in aufregenden Probiersessions Zeit und einfach alles vergisst? In der Ausstellung INES DOUJAK – SALE…

Kennt ihr das Gefühl, wenn man* mit der besten Freundin stundenlang durch Boutiquen zieht und in aufregenden Probiersessions Zeit und einfach alles vergisst?

In der Ausstellung INES DOUJAK – SALE im Lentos Kunstmuseum erlebte ich ein Revival dieses Gefühls. Mitten im großen Saal des LENTOS laden Kleiderstangen mit Röcken, Kleidern, Overalls und Mänteln aus tollen Stoffen und in stylischen Schnitten zum Anprobieren ein und die Museumshalle verwandelt sich noch bis 21. Mai 2018 in einen Pop-up Store.

Neben Probiersession-Feeling erzeugt Ines Doujak mehrfach angenehme Gefühle, die aber bei genauerer Betrachtung der Werke ins Stocken geraten. Die österreichische Künstlerin vernäht das Offensichtliche mit komplexen Sinnebenen und chiffriert das Politische auf modische Weise.

Ines Doujak, Karneval

Schmutzige Geheimnisse, blutende Pferde, freche Plünderer, brennende Nähmaschinen, gequälte Affen und dreckige Ideologien. In ihren Werken verwebt Doujak künstlerische Praxis mit kritischen Labels und formuliert mit Nadelstichen ihre vielschichtige Kritik unter anderem an der Modeindustrie. Textiler Zwirn verstrickt mit metaphorischen Fäden, die es zu entwickeln gilt.

Das Saalheftchen benennt das politische Feld der Globalisierung und daraus resultierende Konsequenzen: #Freihandelsabkommen, #Transportkosten, #Ausbeutung, #Rassismus, #Tierqual.

Ines Doujak, Kriminalaffe

Jedes Werk könnte Ausgangspunkt sein, um Fragen zu konkreten Entwicklungen in Gesellschaft und Politik zu eröffnen. Doch ich schließe an dieser Stelle und empfehle den Besuch der Ausstellung: SALE – nur mehr für kurze Zeit im Lentos Linz.

Ausstellungsansicht, großer Saal im LENTOS Kunstmuseum Linz

Danke an mein zauberhaftes Fotomodell Jasmin Maria David!

INES DOUJAK – SALE
LENTOS Kunstmuseum Linz
Ernst-Koref-Promenade 1, 4020 Linz

Über Pfingsten geöffnet!

Kuratorin: Hemma Schmutz

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ANIMAL UTOPIA – Hoffnungsvoll nach vorne malen

Das Buch ANIMAL UTOPIA beleuchtet das künstlerische Schaffen von Maler Hartmut Kiewert und schenkt Hoffnung ohne die Realität zu verklären. Kunst mit gegenwärtigen Praktiken verknüpfen Im Vorwort eröffnet Publizistin und…

Das Buch ANIMAL UTOPIA beleuchtet das künstlerische Schaffen von Maler Hartmut Kiewert und schenkt Hoffnung ohne die Realität zu verklären.

Kunst mit gegenwärtigen Praktiken verknüpfen

Im Vorwort eröffnet Publizistin und Journalistin Hilal Sezgin die Auseinandersetzung mit Kiewerts Gemälden anhand ihrer assoziativen Betrachtung. Sie stellt klare Bezüge her zwischen den utopischen Malereien Kiewerts, den realen Praktiken der Tierproduktionsindustrie und den Verhaltensweisen von Schweinen. Das Gemälde Herbst (2012) erinnert Sezgin an ein reales Ereignis, das sich 1959 in Australien ereignete. Beim Unfall eines Tiertransporters mit Schweinen konnten „etliche von ihnen entkommen und bildeten im Namadgi National Park eine beständige Population“. (ANIMAL UTOPIA, 12)

Bild: Harmut Kiewert, Herbst, Öl auf Leinwand, 60 x 100 cm, 2012

Was-wäre-Wenn in Bild und Text

Mit Worten bringt Sezgin auf Papier, was Kiewert mit Pinseln auf der Leinwand festhält, wenn sie beschreibt, was alles möglich wäre, wenn ein Schwein den gegenwärtigen Haltungssystem entkommen könnte. „Schweinemütter würden sich bequem hinlegen, um ihre Jungen zu säugen. Sie würden ihnen Nester in kleinen, mit Laub gepolsterten Gruben anlegen und müssten die Nase nicht in traurigen Ersatzhandlungen über den leeren Spaltenboden schieben.“ (ANIMAL UTOPIA, 13)

Kiewerts Gemälde spielen laut Sezgin „mit einem Was-wäre-wenn, aber es ist kein naives Was-wäre-wenn, sondern eines, in dem Absperrungen und Schranken und Wunden noch sichtbar sind.“

Bild: Hartmut Kiewert, Nest, Öl auf Leinwand, 150 x 190 cm, 2013

Kunstgeschichte schreiben

Die Texte zu Kiewerts Werken hat Kunsthistorikerin und Herausgeberin der Fachzeitschrift Tierstudien, Jessica Ullrich, verfasst. Ullrich beschreibt Werke und die künstlerische Entwicklung Kiewerts, stellt kunsthistorische Bezüge her, vollzieht eine Einordnung der bildlichen Darstellungen in Kiewerts Werkkomplex und zeichnet ein ausführliches Porträt seines Schaffens. Auf vermittelnde Art eröffnet Ullrich den Rezipient*innen den Zugang zu Kiewerts Kunst.

Bild: Hartmut Kiewert, Randstreifen, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm, 2015

Kunst als Medium der Hoffnung

Am Ende des Textteils, bevor der 100-seitige Farbbildteil beginnt, verweist Jessica Ullrich auf die Bedeutung des Begriffs Utopie und präsentiert zwei Begriffsdefinitionen. Die des Philosophen Max Horkheimer, für ihn ist Utopie „die Kritik dessen, was ist und die Darstellung dessen, was sein soll“ und die Definition des Philosophen Ernst Bloch, für ihn steht Utopie für das „Denken nach vorn“. (ANIMAL UTOPIA, 85) Die Essenz von Kiewerts künstlerischer Postition fasst Ullrich an mehreren Textstellen und konstatiert zu guter Letzt: „Die auf seinen Tableaus realisierten Ziele einer imaginierten, aber sich tatsächlich gesellschaftlich vorbereitenden Revolution der Tier-Mensch-Beziehung sind Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit für alle Spezies. Und so bleibt auch für Hartmut Kiewert der Geist der Utopie dem Prinzip Hoffnung verbunden.“ (ANIMAL UTOPIA, 85)

ANIMAL UTOPIA ist eine Künstlermonografie mit gesellschaftlicher Relevanz. Ausführlich und erkenntnisreich gelingt die Auseinandersetzung mit herrschafts- und gesellschaftskritisch Kunst. Kunst, die den Mut hat sich den tief verwurzelten karnisitischen und speziesistischen Denktraditionen in der Gesellschaft kritisch gegenüber zu stellen.

ANIMAL UTOPIA
Verlag compassion media, 2017
Hardcover, 28 Euro
ISBN 978-3-9816425-6-8

Website des Künstlers Hartmut Kiewert
Statement des Künstlers zu Theorie und Praxis seiner Maltechnik

Vielen Dank für das Rezeptionsexemplar an compassion media!

ANIMAL UTOPIA ist hier erhältlich.

 

Wer jetzt gleich noch mehr über einzelne Kunstwerke und Hartmut Kiewerts Kunst lesen möchte, sei auf folgende KUNST HALLT NACH Kolumnen verwiesen:
Kunst verändert den Blick – ANIMAL UTOPIA

Da sitzt ein Schwein am Sofa – Nachhalltige Kunst von Hartmut Kiewert

Herrschaft und Gewalt im Fadenkreuz – Hartmut Kiewerts Gewährsmänner

 

Was magst du an Kunstbüchern/Katalogen besonders?

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Affe oder Mensch? Chris Mosers Skulptur „artgerecht“

Ein Kopf – zwei Gesichter. Chris Moser übersetzt einen lang anhaltenden und komplexen Diskurs in eine Skulptur, die unkompliziert und ausdrucksstark Position bezieht. Das Werk „artgerecht“ ist bald in Imst…

Ein Kopf – zwei Gesichter. Chris Moser übersetzt einen lang anhaltenden und komplexen Diskurs in eine Skulptur, die unkompliziert und ausdrucksstark Position bezieht. Das Werk „artgerecht“ ist bald in Imst zu sehen, hier ein kleiner Vorgeschmack.

Die Gipsbüste zeigt eine Figur mit zwei Gesichtern. Das Gesicht eines Menschen und das Gesicht eines Schimpansen, die an den Hinterköpfen ineinander verschmolzen sind und so eine Einheit bilden. Unter dem Hals formt sich die Skulptur zu einem runden Sockel, der am unteren Ende die Aufschrift trägt: „…artgerecht ist nur die freiheit ist artgerecht ist nur die freiheit ist argerecht ist nur die freiheit ist artgerecht….“[1]

Chris Moser, artgerecht, 2017

Chris Moser, artgerecht, 2017

Radikale Verbundenheit

Die Frage, wer denn nun wen anblickt, beziehungsweise, ob das Tier zurückblickt, den Menschen anblicken kann, wird hier ad absurdum geführt. In der Verschmelzung von Mensch und Tier hin zu einem hybriden Wesen provoziert Moser eine tiefgreifende In-Frage-Stellung der ohnehin unscharfen und verschwommenen Speziesgrenze in künstlerischer Form und verweist auf die Verbundenheit von Mensch und Tier.

Mit Verbundenheit, im wissenschaftlichen Kontext, beschäftigt sich Susanna Magdalena Karr in ihrer Publikation „Verbundenheit. Zum wechselseitigen Bezogensein von Menschen und Tieren“ (Neofelis Verlag), in dem sie schreibt: „Das Anerkennen der Verbundenheit als Gegebenheit fordert weitreichende Revisionen im Umgang mit anderen Lebensformen. So wird die Kategorisierung aller nicht-menschlichen Lebewesen als „Material“ oder „Produkt“ fallen müssen.“

Frei von Überlegenheitsgefühlen

Problematisiert wird die vom Menschen selbst auferlegte Superiorität in der Tierwelt, seine Überlegenheits- und Allmachtsgefühle, die ähnlich wie bei Rassismus und Sexismus auf Ab- und Ausgrenzung beruhen, um Diskriminierung zu legitimieren und zu forcieren. Die Dekonstruktion dieser veralteten kategorialen Grenzen befreit in erster Linie den Menschen selbst und macht Hierarchisierung und stures Beharren auf menschlicher, männlicher, oder weißer Dominanz überflüssig. Chris Moser Werk „artgerecht“ ist bei der KUNSTSTRASSE IMST erstmals öffentlich zu sehen.

Chris Moser, hier beim Modellieren der Skulptur artgerecht, 2017

Vielen Dank an Chris Moser für die zur Verfügung gestellten Fotografien und die Möglichkeit der Erstveröffentlichung!

Chris Moser lebt und arbeitet als Künstler, Buchautor und politischer Aktivist in Tirol.
Künstlerische Medien: Bildhauerei, Grafik, Collage/Assemblage
Facebook
Website

Neueste Publikation: Chris Moser, Viva la Rebellion. Ein Aufruf zum Widerstand, 978-3-902873-58-3, Kyrene Verlag, 2016 – gelesen von Victoria Windtner.

[1] Mich erinnert der Spruch an das Buch „Artgerecht ist nur die Freiheit. Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen“, von Publizistin und Philosophin Hilal Sezgin. Sezgin tritt für einen liberalen Islam ein und engagiert sich für die Rechte von Tieren. Der Spruch ist nach Auskunft von Chris Moser jedoch schon viel älter als das Buch.
[2] Chris Moser in meiner Kolumne: KUNST HALLT NACH: Bist du ein Homo ABER? – Radikalkunst von Chris Moser; Lähmende Endlosschleifen durchbrechen – Radikalkunst von Chris Moser

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#xmaschallenge: Nachhaltiges Schenken zu Weihnachten

Das Weihnachtsgeschäft ist nicht nur für den Handel in vielen Branchen die wichtigste Zeit des Jahres. Im Schnitt geben Deutsche für Weihnachtsgeschenke rund 300, ÖsterreicherInnen sogar rund 400 Euro aus….

Das Weihnachtsgeschäft ist nicht nur für den Handel in vielen Branchen die wichtigste Zeit des Jahres. Im Schnitt geben Deutsche für Weihnachtsgeschenke rund 300, ÖsterreicherInnen sogar rund 400 Euro aus. Insgesamt werden zur Weihnachtszeit in beiden Ländern über 90 Milliarden Euro (!) für Geschenke ausgegeben.

Nachhaltiges Schenken steht bei den meisten Kaufentscheidungen noch nicht im Vordergrund. Aus Mangel an Zeit oder Ideen verschenken die meisten Menschen Gutscheine oder – noch unpersönlicher – Geld. Auch die klassischen Verlegenheitsgeschenke wie Parfum oder Socken sind für viele immer noch ein Weg heraus aus dem Geschenkedilemma. Dabei kann persönliches und natürlich auch nachhaltiges Schenken zu Weihnachten so einfach sein!

#xmaschallenge Blogparade

Die #xmaschallenge soll zu nachhaltigem Schenken motivieren und zugleich entsprechende Ideen und Inspiration liefern. Bis 23. Dezember 2017 könnt ihr mit eurem Blog bei der #xmaschallenge mitmachen und eure Artikel rund um nachhaltige Weihnachtsgeschenke veröffentlichen. Der Fantasie sind hier praktisch keine Grenzen gesetzt: Ob Ideen und Rezepte für DIYs, Inspiration für persönliche Geschenke, Geschäfte oder Online-Shops mit nachhaltigem Sortiment, nachhaltige Produkte wie Bio-Lebensmittel, Naturkosmetik oder Kleidung aus nachhaltigen Materialien… Natürlich könnt ihr auch eure nachhaltige Wunschliste mit anderen teilen. Bitte achtet im Sinne eines schönen Weihnachten für alle nur darauf, dass alle eure Ideen ohne Tierisches auskommen, sprich neben nachhaltig auch vegan sind.

Mit dem zum Teil sehr großen Einfluss unserer Blogs können wir so Verantwortung gegenüber unserer Umwelt, aber auch gegenüber unseren LeserInnen übernehmen, die unserem Urteil und unseren Empfehlungen vertrauen. Als BloggerInnen können wir so auch unsere Reichweite nachhaltig und sinnvoll nutzen und so gemeinsam positive Veränderung bewirken.

Postet eure Blogbeiträge zur #xmaschallenge in den Kommentaren unter diesem Artikel und wir teilen ihn auf unserer Facebook-Seite!

Jeder kann mitmachen!

Nicht nur lesen, sondern auch mitmachen ist das Motto! Jedes Mal, wenn ihr im Zuge der Challenge handelt, könnt ihr dies – im optimalen Fall mit Bild – auf euren Social Media Profilen posten und so noch mehr Menschen dazu motivieren, zu Weihnachten nachhaltig zu schenken.

Auf ein nachhaltiges Weihnachten!

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Lähmende Endlosschleifen durchbrechen – Radikalkunst von Chris Moser

Ein Gipsschädel als Perpentuum Mobile der „Denk“-Bewegung. Flexischläuche verbinden die Gesichtsöffnungen mit der Wirbelsäule und vice versa. Chris Moser veranschaulicht in seiner neuesten Skulptur einen Kreislauf der vermeintlichen Ohnmächtigkeit und…

Ein Gipsschädel als Perpentuum Mobile der „Denk“-Bewegung. Flexischläuche verbinden die Gesichtsöffnungen mit der Wirbelsäule und vice versa. Chris Moser veranschaulicht in seiner neuesten Skulptur einen Kreislauf der vermeintlichen Ohnmächtigkeit und fordert Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.

Von den Augen in den Hinterkopf, aus dem Ohr zum Mund, aus der Nase ins Rückenmark, aus dem Hinterkopf ins Auge, aus dem Mund zum Ohr, aus dem Rückenmark in die Nase. Sinneseindrücke und Wahrnehmungswelten sind auf einen in sich rotierenden Mechanismus beschränkt.

Solo-Bubble-Performance

Der Bildhauer Chris Moser nimmt Bezug auf das sich im Kreis drehende Denken von Menschen, auch im Sinne einer Unabrückbarkeit von Überzeugungen und ideologischen Glaubensystemen. Im Gegensatz zum Werk „homo ABER„[1] argumentiert diese Figur nicht gegen Reflexionen der Außenwelt, sondern entzieht sich völlig der Auseinandersetzung mit dieser. Die Wahrnehmungswelt dieses Wesens wird auf die eigene Vorstellungswelt reduziert und (Selbst-)Reflexion ist damit unmöglich.

Bestehende Ansichten, Meinungen, Glaubenssätze und Denkformen zirkulieren unentwegt. Es scheint, als könnte nichts neues, anderes in diesen Kreislaufs hinzu kommen. Eine skulpturale Gestaltung der soziokulturellen Filterblase #Bubble? Eine Art Endlosschleife einer Solo-Bubble-Performance?

Chris Moser bei der Arbeit am Werk: EIGENverantwortlich! VERschwörung? SELBSTbestimmt, Sockelbüste, Gips und Accessoires, 2017

Selbstbestimmt den Kreislauf durchbrechen

Selbstreflexion und das ausdrückliche Hinterfragen von „eingespielten Abläufen“ fordert Chris Moser. Um die konfrontative Wirkung zu verstärken steht die Büste auf einem Sockel und wird damit auf Augenhöhe der Betrachter*innen gesetzt. Moser wendet sich direkt an die Betrachter*innen seiner Werke und konfrontiert sie mit provokanten Fragen:

„Sind immer die ANDEREN das problem?
oder eigene gewohnheiten?
teil des problems oder teil der lösung?
… sind die einfachsten erklärungen tatsächlich die besten?
– beeinflussen, manipulieren & versklaven euch wirklich ‚die medien‘ – die ihr doch freiwillig konsumiert?
– haben ‚die grosskonzerne‘ wirklich zuviel macht
– dennoch kauft ihr freiwillig ihre produkte?
– fristet ihr wirklich euer dasein im ‚erzwungenen materialismus‘ während ihr materialistische bedürfnisse stillt?
– ist am ende vielleicht gar keine ‚verschwörung‘ verantwortlich für dieses kranke leben, sondern ihr selbst?
– scheissen euch womöglich gar nicht die ‚mainstreammedien‘ den kopf voll, sondern ihr selbst?“

Chris Moser, Skizze der Arbeit: EIGENverantwortlich! VERschwörung? SELBSTbestimmt!, Sockelbüste, Gips und Accessoires, 2017

Schläuche rausreißen!

Chris Moser wendet sich direkt an die Akteur*innen im gesellschaftlichen System. Diese Akteur*innen sind wir. Jeder und Jede einzelne*n von uns, die dieser Gesellschaft angehören und durch das eigene, oft unreflektierte Verhalten, zum Bestehen problematischer Zustände beitragen. Mit enormer Dichte konfrontiert uns der politische Künstler mit Themen wie Konsumverhalten, Materialismus, Kapitalismus, medialer Manipulation und Verschwörungstheorien. Indirekt nimmt er Bezug auf vorherrschende Ideologien, deren prägende Wirkung und Dominanz, die meist unerkannt und unsichtbar bleiben und ermutigt zum Durchbrechen der eigenen Denk- und Handlungsgrenzen.

Danke an Chris Moser für die Erlaubnis, die ersten Fotografien des Werkes „EIGENverantwortlich! VERschwörung? SELBSTbestimmt!“ in diesem Kolumnenbeitrag zu veröffentlichen.

Chris Moser lebt und arbeitet als Künstler, Buchautor und politischer Aktivist in Tirol.
Künstlerische Medien: Bildhauerei, Grafik, Collage/Assemblage
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Website

Neueste Publikation: Chris Moser, Viva la Rebellion. Ein Aufruf zum Widerstand, 978-3-902873-58-3, Kyrene, 2016 – gelesen von Victoria Windtner.

[1] Bist du ein Homo ABER? – Radikalkunst von Chris Moser

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Kunst verändert den Blick – ANIMAL UTOPIA

„Die letzte Tierfabrik wurde geschlossen. Ehemalige Tierproduktionsstätten verfallen zu Ruinen.“ So, oder so ähnlich könnte eine News-Meldung aussehen, wenn Hartmut Kiewerts >ANIMAL UTOPIA< wahr wird und Menschen den Blick auf…

„Die letzte Tierfabrik wurde geschlossen. Ehemalige Tierproduktionsstätten verfallen zu Ruinen.“ So, oder so ähnlich könnte eine News-Meldung aussehen, wenn Hartmut Kiewerts >ANIMAL UTOPIA< wahr wird und Menschen den Blick auf das Tier nachhaltig veränderten.

Utopische Kunst als Gesellschaftskritik

Der Künstler Hartmut Kiewert schafft seit mehreren Jahren politische Kunst und legt in seiner künstlerischen Auseinandersetzung den Fokus auf gesellschaftsrelevante Themen. Im speziellen beschäftigt ihn das herrschaftliche Ausbeutungssystem von sogenannten „Nutztieren“. Seine Kunst bezieht Stellung zur Problematik der vorherrschenden Mensch-Tier-Beziehung und verdeutlicht mit emanzipatorischer Kraft: „Schau mal, so könnten wir auch mit Tieren umgehen“.

Kiewert zeigt, wie es sein könnte, wenn sich die von Objektivierung und Herrschaft geprägte Beziehung zwischen Mensch und Tier verändert und ein friedliches Zusammenleben möglich wird. So manche Unbequemlichkeit in Zusammenhang mit dieser Veränderung spricht Kiewert klar an, wenn er beispielsweise in Interviews sagt: “Menschen sollten aufhören Schweine zu züchten, gefangen zu halten und zu töten.”[1]

Bild: Hartmut Kiewert, Teppich III, Öl auf Leinwand, 160 x 190 cm, 2017

Inhaltlich nimmt Kiewert bei manchem Werk Bezug auf historische Anhaltspunkte, die den aktuellen Blick auf das Tier geprägt haben. Beispielsweise im Werk „Gewährsmänner“, wo er den Philosophen René Descartes und den Gegenwartskünstler Damian Hirst in ein Jagdgemälde von Gustave Courbet des 19. Jahrhunderts setzt. Mit diesen Aneignungen und Reinszenierungen kunsthistorischer Werke, wie auch in den Gemälden Im Freien“ oder „Evolution of Revolution , rüttelt er an gegenwärtigen Konventionen und stellt historische Bezüge her, die entschlüsselt werden wollen.

ANIMAL UTOPIA, Verlag compassion media, erscheint im Herbst 2017

Kommenden Herbst erscheint im Verlag compassion media ein Katalog, der über 100 Werke des Malers Hartmut Kiewert zeigen wird. Das gemeinschaftliche Projekt des zeitgenössischen Künstlers mit dem Verlag, >ANIMAL UTOPIA<, soll dazu beitragen „langfristig eine neue Sicht auf Tiere zu etablieren“, den „rein anthropozentrischen Blick zu relativieren“ und den Betrachtenden ermöglichen, „diesen fühlenden sozialen Lebewesen auf eine neue, empathische Art zu begegnen.“

Das Vorwort im Katalog stammt von Philosophin und Journalistin Hilal Sezgin, die Begleittexte von Kunsthistorikerin und Tierstudienherausgeberin Jessica Ullrich.

Bild: Harmut Kiewert, Herbst, Öl auf Leinwand, 60 x 100 cm, 2012

>ANIMAL UTOPIA< unterstützen

Zur Finanzierung des Projekts wurde die Crowdfunding Kampagne >ANIMAL UTOPIA< gestartet, die sehr erfolgreich angelaufen ist. Bis 20. August 2017 kann jede*r das Projekt unterstützen und damit dazu beizutragen, dass „aus der Utopie eines friedlichen Zusammenlebens im Idealfall ein Ist-Zustand“ wird.

Denkst du politische Kunst kann unseren Blick verändern?

 

Zur Crowdfunding Kampagne >ANIMAL UTOPIA<
Website des Künstlers Hartmut Kiewert
Statement des Künstlers zu Theorie und Praxis seiner Maltechnik

Weitere Artikel zur Kunst von Hartmut Kiewert auf The bird’s new nest:
Da sitzt ein Schwein am Sofa! Nachhal(l)tige Kunst von Hartmut Kiewert
Herrschaft und Gewalt im Fadenkreuz – Hartmut Kiewerts „Gewährsmänner“

[1] Da sitzt ein Schwein am Sofa! Nachhal(l)tige Kunst von Hartmut Kiewert

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Rob Greenfield – Ein Aktivist, der aus dem Rahmen fällt.

Erneut durfte ich einer fantastischen Veranstaltung der #kinodenktweiter-Reihe beiwohnen, bei der Helene Pattermann von Zero Waste Austria ein weiteres Mal ihre Finger im Spiel hatte. Der Dude von “nebenan” Rob Greenfield,…

Erneut durfte ich einer fantastischen Veranstaltung der #kinodenktweiter-Reihe beiwohnen, bei der Helene Pattermann von Zero Waste Austria ein weiteres Mal ihre Finger im Spiel hatte.

Der Dude von “nebenan”

Rob Greenfield, der “Dude Making A Difference”, ist ein Mann, der früher Millionär werden wollte und an den amerikanischen Traum glaubte. Er genoss es, Frauen aufzureißen, Bier in den klischeehaften “red cups” im Überfluss zu konsumieren und auch sonst ein ausgelassenes Studentendasein zu leben. Nach seinem Umzug nach San Diego begann er Dokumentarfilme, wie “The Story of Stuff” zu sehen, Bücher zum Thema zu lesen und das Gelernte in sein Leben zu integrieren. Rob erstellte eine To-Do-Liste und versuchte wöchentlich einen der Punkte umzusetzen. Je mehr Veränderung in sein Leben trat, desto glücklicher wurde er.

Mittlerweile steht Geld an letzter Stelle und Themen wie Müll, Energie, Wasser, Transport und Essen nehmen seine Aufmerksamkeit in Anspruch. Rob ist ein Mann, der handelt anstatt große Sprüche zu reißen und seinen Besitz auf 111 Dinge reduziert hat. Er will aufzeigen anstatt belehren, erklären anstatt aufzwingen.

“If you change your perspective you can totally change the world around you.” (Rob, 2017)

Mehr zu den oben genannten Kategorien, sowie Tipps wie man seinen Konsum optimieren kann gibt es auf Robs Website zu lesen.

Rob Greenfield

Rob im Trashsuit

Projekte der extremen Art

Der Weg, den Rob eingeschlagen hat, zieht viele Mainstream-Medien in seinen Bann. Er versucht, Projekte auf die Beine zu stellen, die versprechen, viel Aufmerksamkeit zu erregen um von der informationsüberfluteten Gesellschaft bemerkt zu werden.

Sein vielleicht bekanntestes Projekt heißt “Trash Me”, im Zuge dessen er einen Monat lang ein Leben eines Durchschnittsamerikaners führte und den von ihm verursachten Müll am Körper in einem “Trash Suit” mit sich trug. Das Projekt “People are Good” sollte uns aufzeigen, dass Menschen im Normalfall gut handeln. Rob wollte von San Diego nach Panama reisen, ohne Geld und nur mit einem kleinen Rucksack voller Dinge. Dadurch war er auf die Hilfe anderer angewiesen. “The Food Waste Fiasco” führt uns in die Welt der Mülltonnen, wo täglich massenhaft noch brauchbare Lebensmittel entsorgt werden. Rob beschloss auch hier einzugreifen und wühlt sich regelmäßig durch Weggeworfenes, seine Funde verschenkt er. Mehr Details zu den oben genannten Projekten sowie viele weitere können in seinem Buch “Dude Making a Difference” nachgelesen werden.

Sein nächstes Projekt startet am 29. Mai 2017 und jeder kann daran teilnehmen. Rob wird mit allen Teilnehmern von New York nach Seattle radeln. Auf dem Weg werden sie Gärten verschönern, frisches Gemüse und Obst sowie wilde Blumen pflanzen. In 2018 wird Rob Greenfield in Folge versuchen, ein Jahr lang nur von seinem selbst kultivierten Essen zu leben. Auch hier wird es viele Workshops in Orlando in Florida geben, wo jeder teilnehmen kann.

Rob Greenfield

Rob und ich

Rob Hautnah

Nach Bea Johnson hatte ich nun die Ehre, Rob zu interviewen. Der Dude, wie es in seinem Buchtitel heißt, war locker, entspannt und genoss ein frisches Zero-Waste-Lauchsüppchen, während wir in der Lunzer’s Mass-Greißlerei ein kurzes Gespräch führten. Hier lest ihr das Interview leicht gekürzt und frei übersetzt.

Corinna: Vier Punkte zur Selbstoptimierung, die du einem Beginner empfehlen würdest?

Rob: Der erste Punkt wäre definitiv: Nimm öfter dein Rad und lass das Auto Zuhause. Ein sehr wichtiger Punkt in meinen Augen. Zwei wäre, mehr Obst und Gemüse zu essen und weniger Tierprodukte. Eine eher pflanzliche Ernährung mit vielen Getreidearten, Bohnen, Nüssen, Samen und weniger Eier und Milchprodukte. Drei wäre der Versuch, weniger Verpacktes und Verarbeitetes zu kaufen und mehr Vollwertiges. Nahrungsmittel ohne einer langen Liste von unverständlichen Wörtern als Inhaltsstoffe wäre das Ziel. Der letzte Punkt wäre Wegwerfartikel durch ein wiederverwertbares Produkt zu ersetzen. Zum Beispiel eine wieder auffüllbare Wasserflasche, die man immer dabei hat.

Das sind vier einfache Dinge, aber wenn wir einmal anfangen, sie zu verändern. dann werden sie Teil unseres Lebens.

Ich fing damals mit dieser Liste an und einige Dinge waren recht einfach umzusetzen, wie zum Beispiel eine Stofftasche anstatt einer Plastiktüte zu verwenden. Manches jedoch passiert nicht über Nacht, es braucht ein wenig Zeit. Manches kannst du somit sofort von der Liste streichen, anderes jedoch dauert seine Zeit und kann nicht so schnell umgesetzt werden – aber wenigstens hast du den ersten Schritt getan!

Das heißt du lebst vegan?

Hauptsächlich ernähre ich mich von pflanzlicher Kost. Ich würde jedoch nicht sagen, dass ich vegan or vegetarisch lebe. Ich schaue mir jedes Szenario an und versuche so umweltbewusst wie möglich zu essen. Ich versuche lokal einzukaufen, Verpackungen zu vermeiden und mich pflanzlich zu ernähren. Darauf liegt mein Fokus, denn wenn du dir Dinge genauer ansiehst und nicht nur auf die Bezeichnungen Wert legst, dann fängst du an, Fragen zu stellen: Ist Plastik vegan? Denn wenn du weißt, dass Millionen von Tieren jährlich durch Plastik sterben und die Idee eines veganen Lebensstils darauf beruht, dass keine Tiere zu Schaden kommen, du jedoch erkennst, dass Plastik Lebewesen gefährdet, und Billionen von Tieren durch fossile Brennstoffe oder durch Ölverschmutzung und den Klimawandel zu Grunde gehen – so musst du dich automatisch fragen: Ist Plastik vegan?

Und somit geht es für mich um die ökologischen Auswirkungen, die meine Taten erzeugen. Denn weniger Umweltbelastung führt in meinen Augen zu weniger toten Tieren.

Rob Greenfield

Von links nach rechts: Andrea Lunzer, Rob Greenfield, Helene Pattermann

Von links nach rechts: Andrea Lunzer, Rob Greenfield, Helene Pattermann

Diese Frage hast du teilweise bereits beantwortet, aber noch einmal präziser: Würdest du die Welt vegan machen, wenn du könntest?

Nein, würde ich nicht. Ich denke, dass vegan zu leben ein großer Schritt ist um einen positiven Einfluss auf die Umwelt zu nehmen, jedoch ist es nicht die Lösung für jeden und überall auf der Welt. Und ich glaube nicht, dass Monokulturen jeglicher Art die Lösung sein können. Es kann sich nicht jeder auf der Welt gleich ernähren – nehmen wir die Küstenregionen Afrikas her: Wenn diese keinen Fisch hätten, würden sie einfach nicht existieren. Deshalb kann ich mir eine vegane Welt einfach nicht vorstellen, das ist nicht das Bild, das ich vor Augen habe.

Du hast während des Events im Gartenbaukino erwähnt, dass du dir vorstellen könntest, ein “verrückter Bürgermeister“ zu sein. Wie würde deine utopische Stadt aussehen?

Ich habe keine utopische Stadt vor Augen. Die Frage ist ziemlich abstrakt, denn um eine utopische Stadt aufzubauen, müssten die Städte, die wir jetzt haben, zu Grunde gehen und das ist keine sehr realistische Annahme. Wenn ich jedoch eine Stadt gründen würde, so würden wir unser Essen selbst produzieren, damit wir Lokales essen können. Wir würden auf eine Art leben, die keine Ressourcen verschwendet und alles verantwortungsvoll verwenden. Wir würden Dinge mehrmals verwenden. Es ginge mehr um lückenlose Kreisläufe. Wir hätten eine lokale Währung, damit alles auch in der Gemeinschaft bliebe, würden aber mehr Tauschhandel betreiben als nur zu kaufen. Wir würden in Gebäuden wohnen, die uns mit der Welt verbinden und nicht davon abgrenzen. Wir würden uns respektieren und wären nett zueinander. Wir würden Dinge teilen und nicht so viel Eigenes besitzen.

Abschließend ein Zitat, welches uns einen Anstoß geben soll. Es geht im Leben darum, kleine Veränderungen zum Positiven zu schaffen anstatt tatenlos zuzusehen:

“The message is actually, not to go to the extremes but rather what can we as individuals do to make the world more environmentally friendly and socially conscious.” (Rob, 2017)

35 Kommentare zu Rob Greenfield – Ein Aktivist, der aus dem Rahmen fällt.

Der Verein „Die Haarspender“ im Interview

Letztes Jahr hatte ich große Lust, aus meiner Langhaar- eine Kurzhaarfrisur machen zu lassen. Da kam mir der Gedanke, dass ich mit meinen über 30 Zentimeter Haar, das ich loswerden…

Letztes Jahr hatte ich große Lust, aus meiner Langhaar- eine Kurzhaarfrisur machen zu lassen. Da kam mir der Gedanke, dass ich mit meinen über 30 Zentimeter Haar, das ich loswerden wollte, jemand anderen glücklich machen könnte. Google wusste Rat und hat mich zum Verein „Die Haarspender“ gebracht. Also habe ich kurzerhand für mich einen Termin zu einem gratis Haarschnitt und für The bird’s new nest ein Interview mit dem Vereinsgründer Thomas Möller vereinbart.

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Sonja: Was ist der Zweck des Vereins?

Thomas: Wir lassen Perücken aus Haarspenden fertigen und finanzieren die Herstellung mit Geldspenden, um Kindern, die durch Krebs oder Alopecia ihr eigenes Haar verloren haben, eine kostenlose Perücke zu ermöglichen.

Wer steht hinter dem Verein?

Gegründet wurde der Verein von mir, Holger Thomas Möller und Bettina Utczás, BA. Dazu kommen alle freiwilligen Helfer, wie auch unsere fast 70 Partnersalons in Deutschland und Österreich.

Wie finanziert sich der Verein und seit wann gibt es ihn?

Die Arbeit des Vorstandes ist ehrenamtlich, die Perücken und alle Vereinsaktivitäten werden durch Spenden ermöglicht. Gegründet wurde der Verein Ende Juli letzten Jahres, im August 2016 begann unsere offizielle Arbeit.

Warum hast du diesen Verein gegründet?

Als meine Mutter 1994 an Krebs erkrankte und ihre Haare verlor, kam mir der Gedanke, dass täglich sehr viele Menschen ihre Frisur von lang auf kurz verändern und dass man mit all diesen Haaren doch eigentlich sehr vielen Menschen helfen könnte. 2016 habe ich meine Idee umgesetzt.

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Wie finden Euch Menschen die Haare spenden wollen?

Meist findet man uns zuerst über unsere Facebook-Seite oder unsere Facebook-Gruppe. Unserer Vereins-Homepage wird ebenfalls immer bekannter, das freut uns sehr. Haarspender haben die Möglichkeit, im Headoffice unseres Vereins in Wien einen gratis Haarschnitt zu bekommen. Unsere Partnerfriseure in Österreich und Deutschland bieten Haarspendern ebenfalls einen Gratishaarschnitt an, und senden die Haarspende direkt an unseren Verein.

Welche Voraussetzungen müssen die Haarspenden erfüllen?

Aus optischen und technischen Gründen muss das gespendete Haar eine Mindestlänge von 27 Zentimeter aufweisen. Zusätzlich gehen noch einige Zentimeter bei Fertigung und Schnitt der Perücke verloren. Da wir derzeit nur Perücken für Mädchen herstellen und diese sich längeres Haar wünschen, sind Haarspenden von mehr als 40 Zentimeter Länge optimal.

Wie viele Perücken konntet ihr schon weitergeben?

Wir haben 2016 drei Perücken an Kinder in Deutschland und Österreich vergeben, zwei Kinder hatten Alopecia und ein Kind war an Krebs erkrankt.

Wie funktioniert die Produktion einer Perücke, wie lange dauert sie und wie viele Haarspenden werden für eine Perücke benötigt?

Bei einer Länge von 35 Zentimeter Haaren benötigt man ca. 280 bis 300 Gramm. Jeder gespendete Zopf hat durchschnittlich 40 bis 160 Gramm. Es ist also sehr unterschiedlich, von zwei sehr dicken bis sieben dünnen Zöpfen sind alle Zusammenstellungen möglich. Wir suchen in unserem Headoffice in Wien aus den Haarspenden passende Zöpfe zusammen und senden diese mit Größenangaben zu unserem Partner nach Asien, wo die Perücken gefertigt werden. Jedes einzelne Haar wird von Hand in ein Gewebe gezogen und verknotet. Dieser Prozess alleine dauert gut 30 Tage pro Perücke. Nach Fertigstellung kommen die Perücken dann wieder zurück nach Wien, wo sie bis dato an Kinder in Österreich und Deutschland vergeben werden.

Wie viel kostet die Herstellung einer Perücke?

Die Herstellung kostet rund 400 bis 450 Euro.

Wie finden euch Kinder, die eine Echthaarperücke benötigen?

Wir haben Kontakte zu Vereinen in Deutschland und Österreich und in entsprechenden Facebook-Gruppen. Darüber hinaus arbeiten wir mit onkologischen Abteilungen in verschiedenen Krankenhäusern zusammen. Es ist auch möglich, direkt auf unserer Webseite ein Antragsformular für eine Perücke auszufüllen und zu senden.

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Welche Voraussetzungen müssen Kinder, die eine Perücke benötigen erfüllen?

Wir vergeben Perücken an Kinder im Alter von vier bis 17 Jahren. Weil wir in erster Linie Kindern und Familien helfen wollen, die sich eine Echthaarperücke um 2.000 bis 3.000 Euro nicht so einfach leisten können, ermitteln wir im Gespräch mit den Eltern ob eine „Bedürftigkeit“ besteht.

Wie können euch Partnerfriseure erreichen?

Auf unserer Homepage befinden sich die Kontaktdaten zu uns. Wir sind auch über Facebook erreichbar.

Wie können euch Haarspenden erreichen?

Haarspenden kommen von Privatpersonen oder auch über unsere Partnersalons an unser Vereinspostfach in Wien: Die Haarspender, Postfach 006, A-1239 Wien.

Wie können euch Geldspenden erreichen?

Geldspenden erreichen uns direkt über folgendes österreichisches Spendenkonto: Name: „Die Haarspender“, IBAN:  AT13 1400 0110 1000 9083, BIC: OPSKATWW Auf unserer Webseite gibt es zusätzlich die Möglichkeit über Paypal oder mit Kreditkarte zu spenden.

Vielen Dank für das Interview und deinen Einsatz, Thomas!

 

Wenn ihr noch mehr über „Die Haarspender“ wissen wollt, schaut doch einfach mal auf der Homepage und der Facebook-Seite vorbei – vorab schon ein großes Dankeschön an alle, die sich für eine Haarspende entscheiden! Auch Friseursalons, die Interesse haben, den Verein als Partner zu unterstützen sind herzlich willkommen, sich bei diesem zu melden.

3 Kommentare zu Der Verein „Die Haarspender“ im Interview

Sergio Bambaren – Interview mit einem Schriftsteller und Träumer

Begegnungen zwischen Mensch* und Tier sind in seinen Büchern allgegenwärtig. In der Rezension zu seinem neuesten Buch „Das Fenster zur Sonne“ wird Sergio Bambaren als „stiller und kritischer als je…

Begegnungen zwischen Mensch* und Tier sind in seinen Büchern allgegenwärtig. In der Rezension zu seinem neuesten Buch „Das Fenster zur Sonne“ wird Sergio Bambaren als „stiller und kritischer als je zuvor“ beschrieben. Ich habe nachgefragt, was der Schriftsteller über reale Konsequenzen der dominierenden Mensch-Tier-Beziehungen denkt, wie sein Schreiballtag aussieht, und ob er tatsächlich denkt, dass Träumer*innen die Welt verändern können.

Die englische Version des Artikels findet ihr im Anschluss, das Interview wurde ursprünglich auf Englisch geführt.

Victoria: Hat das Schreiben von Büchern Ihr Leben verändert?

Sergio Bambaren: Es hat mein Leben komplett verändert, zum Positiven. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass es so viele Menschen auf der Welt gibt, die ihr eigenes Leben so sehr in Frage stellen wie ich es mit meinem eigenen tue. Das gibt mir Hoffnung, dass wir die Welt zu einer besseren machen können, für uns alle.

Welches Buch hatte den größten Einfluss auf Ihr Leben?

Ich denke, alle von ihnen. Es sind alles wahre Geschichten mit ein bisschen Fiktion. Aufgaben, die das Leben mir gegeben hat und die ich mit meinen Lesern teile. Ihre E-Mails sind das größte Geschenk, das man mir machen kann!

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Wie sieht Ihre tägliche Routine aus, wenn Sie schreiben? Welchen Effekt haben Deadlines auf den kreativen Schreibprozess?

Das liebe ich am meisten. Ich habe keine tägliche Routine. Jeder Tag ist ein neues Abenteuer, das es zu entdecken gilt. In einer gewissen Art und Weise habe ich mein Leben wiederentdeckt. Ich entscheide, was ich mit meiner Zeit tue. Manchmal, weit weg vom Lärm der Massen, mitten in der Natur in meinen „Haus des Lichts“, weiß ich nicht einmal welcher Tag es ist oder welche Uhrzeit wir haben. Ich lasse mich treiben in den Gezeiten des Meeres und dem Wechsel der Jahreszeiten.

Normalerweise schreibe ich in der Nacht, in der Stille der Einsamkeit, mit einem Himmel voller Sterne und dem Meer direkt vor mir. Inspiration ist wie Melancholie. Du weißt nie, wann sie kommt. Deadlines waren nie ein Problem. Wenn ich schreibe, was mein Herz mir sagt, gibt es keine Deadlines.

Warum schreiben Sie über Tiere in Ihren Büchern? Sind sie eine Art von Metapher oder denken Sie wirklich über Ihre realen Umstände in der Gesellschaft nach?

Alle Tiere und Kreaturen über die ich schreibe sind real. Ich schwimme mit Walen und Delfinen, ein kleiner wilder Fuchs namens Chiqui kommt und geht in meinem Haus, die Schildkröten, die Krabben, sie alle existieren. Die Natur gibt immer mehr zurück als sie nimmt, darum kommen die meisten Dinge, die ich gelernt habe, von der Natur. Ich kann diese nicht mit der menschlichen Gesellschaft vergleichen. Tiere kennen keine Gier, Neid, Vergeltung, Hass. Sie lassen sich einfach vom Leben selbst treiben.

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Denken Sie, die Dominanzbeziehung zwischen Mensch und Tier sollte sich ändern? Wenn ja, wie sollte diese Änderung aussehen?

Ich bin Vegetarier, also kann ich mit Konsequenz sprechen. Das Leben ist wertvoll für mich, sei es das einer Ameise oder das eines Elefanten. Wir sollten die Natur respektieren und von ihr lernen. Auf die gleiche Art sollten wir uns gegenseitig respektieren für das, was wir sind. Grausamkeit gegenüber Tieren, selbst Bäumen, ist etwas, das ich nicht verstehen kann, also versuche ich für die zu kämpfen, die nicht für sich selber kämpfen können.

Denken Sie, die industrielle Massentierhaltung ist ein Problem?

Sie ist die größte Grausamkeit von allen. So wie sich die Welt langsam in ein großes Shoppingcenter verwandelt, füttern wir die Tiere nur um sie dann zu essen. Es ist komisch, wie wir in unserer westlichen Gesellschaft einen Pandabären oder einen Delfin niedlich finden. Aber eine Kuh? Sie ist nur Fleisch. Diese Art zu denken werde ich nie verstehen. Für mich ist jedes Leben heilig.

Am Anfang Ihres neuen Buches schreiben Sie: „Manche Vögel sind nicht dafür gemacht im Käfig zu leben.“ Was bedeutet das? Welche Vögel sind denn dafür gemacht im Käfig zu leben? Ist das nur eine Metapher für Ihr eigenes Leben oder denken Sie da wirklich an reale Vögel in realen Käfigen?

Ich habe viele Jahre meines Lebens von acht Uhr morgens bis fünf Uhr nachmittags gearbeitet. Ich habe mich gefühlt als wäre ich ein Gefangener des Systems, in dem ich gelebt habe. Ich habe mich schrecklich gefühlt. Warum sollte ich den Regeln der Gesellschaft folgen in der ich gelebt habe, wenn mein Herz mir sehnsuchtsvoll sagt, dass Zeit mein wertvollstes Geschenk ist? Also beschloss ich zu arbeiten um mir selbst mehr Zeit zum Leben zu geben. Ich musste einige materialistische Opfer bringen, aber ich habe nie zurück geblickt. Obwohl ich jedermanns Art zu leben respektiere, kann ich nur von mir selbst und dem was ich mit meinem Leben getan habe, sprechen.

Was ist die Kernaussage ihrer Bücher? Können Träumer die Wirklichkeit verändern?

Das Leben hat mich zu einem Schriftsteller gemacht. Ich schreibe einfache Bücher mit unterschiedlichen Lektionen oder Botschaften in jedem einzelnen. Können Träumer die Welt verändern? Träumer sind diejenigen, die die Welt verändern! Ich zitiere Albert Einstein: „Die einzige Sache, die meine Träume und Vorstellungskraft behindert, ist meine Bildung.“ Selbst Steve Jobs (Gründer von Apple) sagte das, und dieser war nie auf einer Schule. Wir müssen unseren Kindern beibringen, an ihre Träume zu glauben.

Zum besseren Verständnis des Ziels/der Aussage Ihres Buches – vielleicht, wie man das Leben noch sehen kann oder wie man es leben könnte – denken Sie, es ist einfacher eine Geschichte voller Metaphern und zum Beispiel sprechenden Tieren zu erfinden? Also kein trockenes Beratungsbuch, das erklärt wie man ein Leben in Harmonie führen kann. Sondern eher ein Märchen, mit der Hoffnung des Autors, dass der Leser sich an die Metaphern erinnert und sie in sein eigenes Leben überleitet?

Das ist der Punkt an dem wir an einen schmalen Grat kommen. Träumer werden normalerweise „Menschen, die nicht in der realen Welt leben“ genannt. Aber was ist die reale Welt? Was die Mehrheit denkt oder tut? Ich spreche mit Tieren und begnüge mich damit, dass ich weiss, dass es so ist. Wenn du dich einmal von all den Dogmen, die man dir beigebracht hat zu glauben, losgelöst hast, verliert das Wort „unmöglich“ seine Bedeutung. Alles ist möglich, selbst das Sprechen mit Tieren… zumindest soweit ich weiß. Wenn ich es tun kann, dann kann es jeder tun, wenn man bereit ist seine „Komfortzone“ zu verlassen und zu seinen Träumen zu fliegen… und sobald du gesehen hast, dass es möglich ist, fühlt es sich ganz natürlich an, aber nochmals, es ist ein sehr schmaler Grat es zu verstehen.

Danke für alles! …Ein Träumer…

 

Neben seiner Karriere als Schriftsteller ist Sergio Bambaren Gründer und Präsident der Organisation DELPHIS, einer NGO zum Schutz der Meere, die sich um das Ökosystem der Meeresküsten und aller dort beheimateten Tiere kümmert und diese schützen möchte.

Webseite von Sergio Bambaren

Vielen Dank an Sergio Bambaren für das Interview, seine Bücher und die Botschaft, die an eine Vielzahl an Menschen verbreitet wird!
Vielen Dank an Ecaterina Leonte für die grossartigen Bilder!

Vielen Dank an die Buchhandlung Fürstelberger Linz und die Gesellschaft für Kulturpolitik (gfk) für den Abend mit Sergio Bambaren in Linz und Moritz Stoepel für seine hervorragende Darstellung bei der Lesung an diesem Abend.

Vielen Dank an Moni für die Übersetzung!

*Die Begriffe Mensch und Tier sind im Artikel kursiv gesetzt, um auf deren sozio-kulturelle Konstruktion zu verweisen.

(1) http://www.sbambaren.com/career.html#development

 

Here is the English version of the article for all who want to read the original version of the interview:

Encounter between humans and animals are omnipresent in his books. In the recension to his book „The house of light“, he is described as „more quiet and critical than ever“. So I asked Sergio Bambaren, what he thinks about the consequences of the dominant human-animal-relationship, how his daily life as an author looks like and if he actually thinks, that dreamers could change the world.

Has the writing of books changed your life?

It has changed my life completely, for the best. I never imagined there were so many people around the world questioning their own lives as I was doing with my own. And that gives me hope that we can make a better world, for all.

Which book had the biggest effects on your life?


I guess all of them. They are all true stories, with a bit of fiction. Lessons that life has given me, and that I share with my readers. Their e-mails are the biggest present I can get!

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What is your daily routine, if you’re writing?
 Which effects have deadlines on the creative writing process?

That’s what I love the most. I don’t have a daily routine. Every day is a new adventure to discover. In some way, I recovered my life. I decide what I do with my time. Sometimes, far from the madding crowds in the middle of Nature in my little “House of Light” I don’t remember what day is, or what is the time. I just flow with the tides of the ocean and the change of seasons.

I normally write at night, in the quietness of my solitude, with a sky full of stars and the ocean in front of me. Inspiration is like melancholy. You never know when it’s gonna come. Deadlines have never been a problem. If I write what my heart speaks to me, there is no deadline at all.

Why do you write about animals in your books? Are the animals in your books metaphors, or do you think about their real circumstances in our society?


All animals and creatures I write about are real. I swim with whales and dolphins, a little wild fox called Chiqui comes and goes around my home, the turtles, the crabs, they are all real. Nature always gives back more than what it takes, so most of the things I’ve learnt in life come from Nature. I cannot compare them with human society. Animals don’t feel greed, envy, vengeance, hate. They just flow with life itself.

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Do you think the dominant relationship between human and animals needs a change? If so, how should that change be?

I am vegetarian, so I can speak with consequence. Life is precious to me, be that of an ant, or an elephant. We should respect Nature and learn from it. The same way we should respect each other for who we are. Cruelty to animals, even trees, is something I cannot understand, so I try to fight for those who cannot fight for themselves.

Do you think the mass industry is a problem?


It’s the biggest cruelty of all. Just as the world finally turns into a big shopping-center, we feed animals just to eat them. It’s funny how in our Western society, we adore a panda bear or a dolphin. But a cow? That’s just meat. I will never understand this way of thinking. For me, all life is sacred.

At the beginning of your new book you write: „Some birds are not made for living in a cage¨ What does that mean? Which birds are made for living in a cage? Is it only metaphor for your own life, or do you also think about real birds, in real cages?

I worked many years of my life from eight in the morning to five o’clock in the afternoon. I felt I was a prisoner of the system I lived in. I felt miserable. Why should I follow the rules of the society in which I lived, when my heart was yearning to tell me that time is my most precious gift? So I decided to work to give myself more time to live. I had to make some material sacrifices, but I never looked back. Though I respect everyone’s way of looking at life, I can only talk about me and what I did with my life.

What is the main massage of all your books?
 Can dreamers change the reality?

Life made me a writer. I write simple books with a different lesson or message on each of them. Can dreamers change the world? Dreamers are those who change the world! Quoting Albert Einstein: “The only thing that has hinder my dreams and my imagination is my education.” If not, Steve Jobs (Founder of Apple) said the same, and never went to school. We have to teach our children to believe in their dreams.

For the understanding of your aim/message of the book – maybe, how life could also be seen and should be lived – do you think it is easier to create a story which is full of metaphoric things and for example speaking animals? So no dry counselling book which tells how to live a life in harmony. But rather a „fairy tale“ and the hope of the author/you that the reader recognizes the metaphoric advices and transfer some of them in his/her own live?

This is where there is a very fine line to be crossed. Dreamers are normally called “people who don’t live in the real world.” But what is the real world? What the majority think or do? I do speak with animals, and suffice to me that I know it’s true. Once you free yourself of all the dogmas we have been taught to believe in, suddenly the word “impossible” is meaningless. Everything is possible, even talking with animals…at least that I know. If I can do it, anyone can do it, if they are willing to leave the “safe” zone and fly towards their dreams…and once you see it can be done, it just seems so natural, but again, a very fine-line to understand.

Thanks for all! ….a dreamer…

 

Beside his career as an author, Sergio Bambaren is founder and president of  the organization DELPHIS, a marine conservation NGO, „that protects and takes care of the coastal marine ecosystems and all the animals that live in them (ocean and beach)“, so Sergio.

Website of Sergio Bambaren
Facebook-Site of Sergio Bambaren

Thanks to Sergio Bambaren for the interview, the books, and the message you bring to a broad public!
Thanks to Ecaterina Leonte for the great pictures!

Thanks to Bookshop Fürstelberger Linz and Gesellschaft für Kulturpolitik (gfk) for the evening with Sergio Bambaren in Linz and Moritz Stoepel for his awesome artistic play reading at this evening.

*The terms human and animal are italic because of their social and cultural construction.

(1) http://www.sbambaren.com/career.html#development

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