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Kategorie: Initiatives.

Rettet den Biobauern: Jetzt Petition unterschreiben!

Bei der Plattform Avaaz.org läuft zur Zeit eine Petition, die der Familie Kargl helfen soll, ihren Grund zu behalten. Gib auch du deine Stimme für Familie Kargl und zeige so…

Bei der Plattform Avaaz.org läuft zur Zeit eine Petition, die der Familie Kargl helfen soll, ihren Grund zu behalten. Gib auch du deine Stimme für Familie Kargl und zeige so der Behörde, dass es nur eine richtige Entscheidung gibt: Zur Petition

Worum geht es dabei?

Die niederösterreichische Agrarbezirksbehörde plant zurzeit in Großglobnitz eine Zusammenlegung (ungangssprachlich Kommassierung). Das bedeutet, dass die Agrarbehörde sämtliche Felder über die Grundeigentümer hinweg in einem gewissen Bereich neu aufteilt. So sollen aus vielen kleineren und verstreuten Feldern große, für die Landwirtschaft optimal nutzbare Flächen entstehen. Das große Problem: Auch die Flächen eines Biobauern sollen so auf diesem Weg neu zugewiesen werden.

Die Familie Kargl aus Großglobnitz führt seit nun mehr 33 Jahren einen bio-landwirtschaftlichen Betrieb. Sie bewirtschaften 17 Felder, die insgesamt eine Größe von 30 Hektar haben und vertreiben mittlerweile ihre Erzeugnisse über ein „Gemüsekisterl“ durch welches derzeit rund 50 bis 60 Kunden direkt in den Genuss der Bio-Erzeugnisse kommen.

Was bedeutet die Feldzusammenlegung für die Familie Kargl?

Im Gesetz ist zwar verankert: „Jede Partei, deren Grundstücke der Zusammenlegung unterzogen werden, hat Anspruch, unter Anrechnung der Grundaufbringung gemäß Abs. 6 entsprechend dem Wert ihrer in das Verfahren einbezogenen Grundstücke mit Grundstücken von tunlichst gleicher Beschaffenheit abgefunden zu werden.“ Die Behörde unterschiedet jedoch nicht zwischen konventionell angebauten und biologisch angebauten Feldern. Viel schlimmer, die Felder der Familie Kargl sind innerhalb der Zusammenlegung die einzigen Felder, die den biologischen Kriterien entsprechen.

Dies bedeutet zwangsläufig, dass die Familie Kargl nur Nachteile aus einer Zusammenlegung ziehen kann. Denn gegen welche biologischen Landflächen möchte die Behörde so tauschen? Ein Feld muss mindesten drei Jahre biologisch bewirtschaftet werden, also beispielsweise ohne künstlichen Dünger oder giftige Schädlingsbekämpfungsmittel, bevor sie tatsächlich für den biologischen Anbau verwendet und zertifiziert werden können. Es bleibt lediglich noch die Möglichkeit einer Abfindung.

Trotzdem würde ein Tausch der biologischen Felder gegen konventionell angebaute der Familie ihre Existenz berauben. Die Familie möchte nichts weiter als auf ihrem eigenen Grund und Boden ihren Bio-Hof weiterhin so zu bewirtschaften, wie sie es bereits die letzten 33 Jahre getan haben.

Bereits positive Reaktion

Obwohl der Einspruch der Familie bereits abgewiesen wurde hat die Agrarbehörde aufgrund der vielen Medienberichte bereits zurückgerudert und räumt ein die Familie könne ihre Felder behalten. Derzeit steht der Entscheid über die Herausnahme der Grundstücke aus. Umso wichtiger ist es nun nicht nachzulassen: Zur Petition

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Tatort Bauernhof – Trotz Gesetzen und EU-Subventionen keine behördlichen Kontrollen?

Seit Jahrzehnten war der Bauernhof im Waldviertel bekannt für Missstände und Tierquälerei – couragierte BürgerInnen handelten! Tierquälerei am Bauernhof: April 2014 BürgerInnen melden einen landwirtschaftlichen Betrieb beim Amtstierarzt, in dem…

Seit Jahrzehnten war der Bauernhof im Waldviertel bekannt für Missstände und Tierquälerei – couragierte BürgerInnen handelten!

Tierquälerei am Bauernhof: April 2014

BürgerInnen melden einen landwirtschaftlichen Betrieb beim Amtstierarzt, in dem fünf schwer verletzte Rinder in nicht artgerechter Tierhaltung und schlechten hygienischen Zuständen leben.

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© VGT

Der zuständige Amtstierarzt der Bezirkshauptmannschaft Waidhofen an der Thaya wird, trotz Gefahr in Verzug, nicht sofort tätig. Seine Kollegin dokumentiert vier Tage nach der ersten Meldung die Missstände, am sechsten Tag erst besucht auch der Amtstierarzt schließlich den Bauernhof.

Der Landwirt aus Eggmanns hält in einem zu kleinen Stall voller Exkremente Rinder, teilweise ohne Tageslicht und bei verfaultem Futter. Fünf der Rinder – in dauerhafter Anbindehaltung – weisen massive Verletzungen auf. Die Ketten sind mit dem Nackenfleisch der Kühe verwachsen und teilweise von neuer Haut bedeckt. Dieser Betrieb wird jährlich mit 14.000 Euro von der EU subventioniert.

© VGT

Laut § 37 Abs 1 Tierschutzgesetz (TSchG) ist es die Pflicht der Behörden, Verstöße gegen § 5 (Tierquälerei) und § 7 (Verbot von Eingriffen an Tieren) unmittelbar zu beenden. Statt einer Beschlagnahmung ordnet der zuständige Amtstierarzt aber eine für den Landwirt profitable Notschlachtung an. Die um das Wohl der Tiere besorgten BürgerInnen können, gemeinsam mit AktivistInnen der Tierschutzorganisation Verein gegen Tierfabriken (VGT), den Amtstierarzt und den Landwirt von einer Übergabe der fünf verletzten Rinder an einen Gnadenhof überzeugen. Die Tötung der physisch und psychisch leidenden Kühe kann verhindert werden, weil der österreichische Gnadenhof Gut Aiderbichl auf die Vorgabe des Landwirts eingeht und ihm die Tiere abkauft. Vor dem Abtransport reißt der Landwirt den Tieren die eingewachsenen Ketten aus der Haut und versucht danach, seine Handlungen zu vertuschen.

Ist die Anbindehaltung in Österreich erlaubt?

Nein. Das österreichische Tierschutzgesetz (TSchG) besagt in § 16 (Bewegungsfreiheit) Abs 3 „Die dauernde Anbindehaltung ist verboten.“ Die rechtlich untergeordnete Anlage 2 der 1. Tierhaltungsverordnung (2.2 Bewegungsfreiheit) wird jedoch zur Umgehung dieser Bestimmung benutzt: „Die dauernde Anbindehaltung ist zulässig, wenn eine Unterbrechung der Anbindehaltung für den Tierhalter aus technischen oder rechtlichen Gründen nicht möglich ist.“ Tierschutz- und Tierrechtsaktivist Elmar Völkl schickte diesbezüglich eine Sachverhaltsdarstellung an die Volksanwaltschaft mit der Bitte um eine juristische Prüfung.

Werden diese von LandwirtInnen angegebenen Gründe überprüft?

Nein. Dazu der zuständige Amtstierarzt in seiner Zeugenaussage vor dem Bezirksgericht Waidhofen an der Thaya: „Der Landwirt muss eigentlich nur erklären, dass er aus faktischen, gesundheitlichen, rechtlichen oder auch finanziellen Gründen nicht in der Lage sei, dieser Tierhalteverordnung zu entsprechen. Diese Gründe werden nicht überprüft, auch nicht verifiziert, es reicht die bloße Erklärung des Landwirtes und dann darf er auch weiterhin Tiere in Anbindehaltung halten.“

© VGT

Landwirt vor Gericht: September 2014

Der angeklagte Landwirt bekennt sich vor dem zuständigen Bezirksgericht schuldig für die Missstände, Verletzungen und Schmerzen der fünf Tiere. Bereits vor Monaten habe er die verwachsenen Ketten bemerkt, diese immer wieder aus dem Fleisch der Kühe gelockert und die Wunden mit Blauspray besprüht. Auch das Verbot der Anbindehaltung sei ihm bekannt gewesen, Förderungen für einen Umbau nahm er aus Gründen, die ihm selbst nicht bekannt waren, nicht in Anspruch.

Hauptverhandlung: Dezember 2014

Das Gericht lehnt eine von der Verteidigung geforderte, außergerichtliche Einigung ab. Deren Argument, dass im Betrieb 30 Jahre lang alles in Ordnung gewesen sei, entgegnet die Richterin: „Das wage ich stark zu bezweifeln.“ Die Angabe der Verteidigung, dass der Betrieb seit kurzem vorbildlich geführt werden würde, beeindruckt die Richterin auch nicht: „Natürlich ist es gut, wenn jetzt alles funktioniert, aber das ist eine Selbstverständlichkeit.“ Die restlichen Tiere befinden sich weiterhin am Bauernhof des Beschuldigten, an deren Haltung hat sich nichts geändert.

Es ist die Pflicht von LandwirtInnen, die untersten Mindeststandards zu erfüllen – die sehr engagierte Richterin ist empört darüber „dass Landwirte sich durch eine einfache, nicht überprüfte Erklärung vom Verbot der dauernden Anbindehaltung selbst ausnehmen können.”, und bezeichnet den Umstand, dass unterste Mindeststandards derart unterschritten werden als „nicht tolerierbar.“

Das Urteil

Unter anderem wegen Vernachlässigung der Tiere und dem aktiven Herausreißen der Ketten wurde der Landwirt – rechtskräftig – zu drei Monaten bedingter Strafe verurteilt. Für Tierschutz- und Tierrechtsaktivist Elmar Völkl handelt es sich um ein richtungsweisendes Urteil: „Heute ist ein richtungsweisendes Urteil gefallen, mit einem klaren Signal an TierhalterInnen, dass die Unterschreitung der ohnehin niedrigen Mindeststandards nicht mehr toleriert wird!“

Die fünf Tiere befinden sich auf Gut Aiderbichl, wurden medizinisch versorgt und erholen sich seither von ihren physischen und psychischen Verletzungen. Danke an alle engagierten Menschen, die hinsehen, erkennen und handeln!

 

Nachgefragt bei Tierschutz- und Tierrechtsaktivist Elmar Völkl

Wie sollten Menschen vorgehen, wenn sie ZeugInnen von Tierquälerei werden?

Elmar Völkl: Dokumentieren, dokumentieren, dokumentieren! Es ist essenziell, Tierquälereien so gut wie möglich zu dokumentieren, für den Fall, dass mündlichen Aussagen nicht geglaubt wird, wie wir beim Verein gegen Tierfabriken (VGT) leider schon oft erleben mussten. Um zu verhindern, dass ein Verfahren erfolgend aus einer privaten Meldung eingestellt wird, empfiehlt sich bei schweren Fällen von Tierquälerei, den Kontakt mit Tierschutz-/Tierrechtsvereinen, wie dem VGT, aufzunehmen. Qualifizierte Sachverhaltsdarstellungen können erarbeitet und ein Fall gegebenenfalls an die Öffentlichkeit gebracht werden. Sollte Gefahr in Verzug herrschen, zögern Sie bitte nicht, die Polizei zu rufen und auf ein sofortiges Einschreiten zu bestehen!

Was können KonsumentInnen tun?

Elmar Völkl: Es liegt an den mündigen, kritischen KonsumentInnen selbst, die sich ein Bild davon machen müssen, welche Lebensmittelproduktion ihren ethischen und ökologischen Ansprüchen gerecht wird. Leider sind Bioprodukte – vor allem weil es letzten Endes wieder um Massenproduktion geht – auch nicht der Tierethik letzter Schluss: Nicht zuletzt aufgrund stets wachsendem Wissen über die kognitiven und sozialen Fähigkeiten nicht-menschlicher Tiere und deren Personenstatus, entscheiden sich immer mehr Menschen für eine vegetarische oder vegane Lebensweise.

 

Quellen:
Bundesgesetz über den Schutz der Tiere (Tierschutzgesetz – TSchG)
Tierhaltungsverordnung, Anlage 2, Mindestanforderungen für die Haltung von Rindern
News des Vereins gegen Tierfabriken
Niederösterreichische Nachrichten
Gut Aiderbichl, Video von Transport
Tierrechtsradio, Sendung vom 5. Dezember 2014

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„Wenn ich groß bin, werde ich ein Pelzkragen!“

Eine Gruppe von Menschen sammelt sich vor einer Filiale der Modemarke „Burberry“ in der Wiener Innenstadt. Das Auffälligste an ihnen sind die Masken, die einen weißen Fuchskopf zeigen, welche viele…

Eine Gruppe von Menschen sammelt sich vor einer Filiale der Modemarke „Burberry“ in der Wiener Innenstadt. Das Auffälligste an ihnen sind die Masken, die einen weißen Fuchskopf zeigen, welche viele von ihnen bei sich tragen. Ein Mann, ein hochgehaltenes Schild mit der Aufschrift „Bloodberry“ tragend, kommt mir entgegen. Ich lasse meinen Blick auf eine Reihe von Menschen vor dem Geschäft schweifen. „Save Kimi“ lautet der Schriftzug auf einem großen Transparent, welches die Personen vor sich halten. Ich stelle mich zu der Gruppe und entrolle mein Plakat. Passanten gehen vorüber und schauen irritiert auf die Banner. Viele von ihnen fragen sich sicher wer Kimi ist, bis sie von einem engagierten Tierschützer einen Flyer überreicht bekommen, welcher die Unklarheiten beseitigt.

Wer ist Kimi?

„Wenn ich groß bin, werde ich ein Pelzkragen!“ lautet die Überschrift auf dem Flyer der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“. Kimi ist ein weißer Fuchs. Ein Tier stellvertretend für viele Füchse, Waschbären und Nerze, die für die Pelzindustrie gehalten und getötet werden. Er wurde im April 2014 geboren und lebt mit tausenden Artgenossen in kleinen Käfigen auf einer Pelzfarm in Finnland. Die Haltebedingungen dort sind schlecht. Die Käfige sind klein, viele Tiere krank und verängstigt. Unter den Gittern, auf denen sie stehen, sammeln sich Exkremente. Doch dort lebt er nicht lange. Im Oktober hat die sogenannte Fell-Ernte begonnen, die sich noch durch den gesamten November zieht. Während dieser Zeit werden die Tiere getötet. Ihnen wird das Fell abgezogen, um damit später Jacken und Mäntel, Mützen und Schuhe zieren zu können.

Wer bezieht dieses Fell?

Der Protest unter dem Titel „Save Kimi“ richtet sich überwiegend gegen das britische Modelabel Burberry, welches ihren Pelz von der Firma SAGA FURS bezieht. Doch Pelz ist nicht nur ein Problem bei Burberry oder einzelnen Modegeschäften, viele Modeketten führen noch immer Kleidung mit Pelz.

Warum sollte man keinen Pelz kaufen?

Für viele Tierrechtler steht der moralische Aspekt im Vordergrund. Pelz ist heutzutage nicht mehr dazu da, um sich warm zu halten, sondern ist ein reines Modeaccessoire geworden. Die meisten möchten grundsätzlich nicht, dass ein Tier für die optische Aufwertung eines Kleidungsstückes getötet wird. Auch die Haltebedingungen der Tiere in den Pelzfarmen schrecken viele Leute ab. Oft werden sie in viel zu kleinen Käfigen gehalten, in denen sie sowohl körperlich als auch psychisch krank werden und vor sich hinvegetieren, um eines Tages das Fell abgezogen zu bekommen und dem Menschen als Schmuck zu dienen.

Pelz ist Tierquälerei – meist sind die Haltebedingungen der Tiere deshalb schlecht, da die Pelze aus vielen Ländern importiert werden, wo die Tierschutzstandards deutlich niedriger sind als in der EU. Die Tiere werden ohne Betäubung erdrosselt, vergast, erschlagen oder erstochen. Manchmal lässt man sie auch ausbluten, um das Fell nicht zu beschädigen. In einigen Fällen sind die Tiere noch nicht einmal tot, wenn sie gehäutet werden.

Pelz ist gesundheits- und umweltschädlich. Wenn einen nicht der moralische Aspekt überzeugt, dann tut es vielleicht der gesundheitliche: Pelz ist kein so natürliches Produkt, wie es auf den ersten Blick scheint. Das Fell muss mit vielerlei Chemikalien behandelt werden, um es zu reinigen, zu gerben und zu konservieren. Hinzu kommt oftmals eine Färbung des Felles. Die Stoffe, die hier eingesetzt werden sind zum Teil bedenklich für den Menschen. Laut einer Studie (Gift im Pelz Report II – 2011 „Bedenkliche Chemikalien in Pelzprodukten“ Report und Untersuchungsprogramm von EcoAid by Manfred Krautter) der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ wurden in Pelzprodukten Chemikalien gefunden, die Krebs, Fortpflanzungsbeeinträchtigungen, Allergien, Nervenschäden, Schleimhautreizungen oder Hormonstörungen auslösen können. Unter anderem wurden Rückstände von Schwermetallen und Formaldehyd festgestellt. Bei Pelz und Lederprodukten wird der Verbraucher kaum vor giftigen Stoffen geschützt, denn der Formaldehydgehalt in Leder und Pelzen unterliegt keinen spezifischen rechtlichen Regelungen oder Kennzeichnungspflichten, sofern es sich nicht um Produkte für Kleinkinder handelt, obwohl es Allergien, Haut-, Atemwegs- oder Augenreizungen auslösen kann und von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO als „krebserregend für den Menschen“ eingestuft wurde.

Wie kann ich Kunstpelz und Echtpelz voneinander unterscheiden?

Oftmals wird Echtpelz nicht als solcher deklariert und es kommt nicht selten vor, dass das Fell ursprünglich einer Katze oder einem Hund gehörte. Zwar besteht seit 2009 ein EU-weites Importverbot für Haustierfelle, doch durch falsche Angaben gelangen immer noch Haustierpelze nach Europa. Zudem ist die Produktion von Echtpelz außerhalb der EU oftmals günstiger als die Herstellung eines guten Kunstpelzes. Daher ist auch der Preis kein Kriterium mehr, um die Echtheit eines Pelzes zu bestimmen. Allerdings gibt es Möglichkeiten, wie man versuchen kann, Echtpelz und Kunstpelz voneinander zu unterscheiden:

1. Pusten: Pustet man gegen echtes Fell, so bewegt es sich schon bei leichten Windstößen. Kunstpelz bleibt bei einem kleinen Windzug nahezu unbewegt.

2. Trägermaterial überprüfen: Wenn man die Haare des Fells auseinanderzieht kann man oft erkennen, was für ein Trägermaterial darunter liegt. Echte Felle sind oftmals noch an der Tierhaut befestigt. Kunstfelle dagegen haben ein Gewebe als Grundlage.

3. Brennprobe: Beim Anzünden von Fasern eines echten Felles riecht es nach verbranntem Haar. Bei Kunstpelz kann ein Geruch nach verbanntem Plastik entstehen. Zudem schrumpft verbrannter Kunstpelz zu einer kleinen Kugel zusammen, während verbranntes echtes Fell zerfällt.

Doch auch diese Tests sind kein hundertprozentiger Garant dafür, um festzustellen, ob man einen echten Pelz vor sich hat.

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Wie kann ich aktiv werden?

Am besten ist es, in kein Produkt zu investieren, das mit Pelzbesatz geschmückt wird. Denn auch wenn man sich sicher ist, keinen echten Pelz zu besitzen, trägt man die Botschaft nach Außen, dass Pelzbesatz, egal ob echt oder unecht, schick sei. Man verstärkt somit die Mode, was bewirken kann, dass andere, nicht so gut informierte Leute, beeinflusst werden und zu Pelzprodukten greifen. Der eigene Verzicht ist ein wichtiger Schritt gegen die Pelzfarmen, da man Stellung bezieht und den Geschäften zeigt, dass man ihre Pelzprodukte nicht haben möchte. Zudem gibt es noch weitere Möglichkeiten sich zu engagieren:

Soziale Netzwerke: Es braucht aktives Engagement, um auf die Pelzproblematik aufmerksam zu machen. Man kann beispielsweise Informationen zur Herstellung von Pelz in sozialen Netzwerken teilen und mit Freunden über das Thema sprechen.

Feedback an Geschäfte geben: Hat man gelesen oder selbst in einem Geschäft festgestellt, dass eine Firma Pelz in ihren Läden vertreibt, kann man sich an die Firma per E-Mail oder über ein soziales Netzwerk wenden und sie bitten, die Produkte aus dem Sortiment zu nehmen. Wichtig hierbei ist, einen freundlichen Ton zu bewahren und klar und kritisch zu erklären, warum man keine Pelzprodukte kaufen möchte. Man sollte deutlich machen, dass man nicht bereit ist, in dem Geschäft weiterhin einzukaufen, so lange es dort Pelzprodukte gibt. So zeigt man der Firma, was man sich als Konsument wünscht. Man glaubt vielleicht, die Nachricht eines Einzelnen könnte nichts bewirken, allerdings hat das Aussprechen seiner Meinung und Wünsche als Kunde mehr Auswirkungen als man erwartet. Vor allem, wenn man andere dazu animiert, ebenfalls an die Geschäfte zu schreiben. Doch auch positive Resonanz ist ein wichtiger Aspekt bei der Kommunikation mit Unternehmen. Hat eine Firma tatsächlich Pelzprodukte aus den Geschäften verbannt, so ist eine Nachricht, in der man seine Freude über die Entwicklung ausdrückt, ein guter Schritt.

Demonstrationen: Anti-Pelz Demonstrationen finden in ganz Europa statt. Allein die „Save Kimi“ Demonstrationen haben Leute in London, Berlin, Hamburg und Wien erreicht. In Deutschland findet zudem jährlich die Großdemonstration „Frankfurt Pelzfrei!“ der Tierrechtsinitiative Rhein-Main statt, die ebenfalls einen Besuch wert ist.

Tierschutzorganisationen: Auch regionale Tierschutzorganisationen kann man im Kampf gegen den Pelz unterstützen oder sie auf die Problematik hinweisen, sollten noch keine Aktionen zu dem Thema stattfinden.

Das Engagement jedes Einzelnen ist gefragt. Helft mit, Pelz aus den Geschäften zu verbannen!

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FerkelRettung 216 – Jetzt aktiv werden!

Mit Aktivismus ist es oft so eine Sache: Man möchte zwar die Welt retten, aber nachts in Ställe einbrechen und so viele Hühner mitnehmen, wie man sich gerade so unter…

Mit Aktivismus ist es oft so eine Sache: Man möchte zwar die Welt retten, aber nachts in Ställe einbrechen und so viele Hühner mitnehmen, wie man sich gerade so unter den Arm klemmen kann, klingt dann doch irgendwie ungemütlich und wie der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Also Füße hochlegen und gar nichts tun?

Ab und an kommt die Gelegenheit, Großes zu tun, ohne sich einen Zacken aus der Krone zu brechen. Im Jahr 2012 gab es so einen Moment, an dem den Worten Taten folgen mussten. 160 Schweine wurden vom Rüsselheim e.V. aus einem stillgelegten Mastbetrieb freigekauft und leben heute ein würdevolles Dasein. Damit das möglich ist, wurden Schweine-Patenschaften angeboten. Für gerade einmal 45 Euro im Monat sind die Kosten für Stall, Futter und Tierarzt gedeckt.

Nun hat sich wieder eine Gelegenheit geboten, aktiv zu werden, nachdem ein Tiertransporter mit 216 Ferkeln plötzlich ohne Zielort da stand, weil der betreffende Mastbetrieb vom Veterinärsamt nicht freigegeben wurde. Der Verein Rüsselheim hat nun bis zum 10. Dezember 2014 die Möglichkeit, diese Tiere freizukaufen und ein würdevolles Leben zu bieten. Allerdings können die Tiere nur freigekauft werden, wenn auch die Folgekosten gedeckt sind, das heißt ohne Paten landen die Ferkel auf der Schlachtbank.

Bereits ab fünf Euro im Monat ist eine Teilpatenschaft möglich. Um das in der Relation zu sehen: Eine Schachtel Zigaretten im Tausch gegen ein Neuntel Schweineleben! Und dennoch konnten erst 40 Schweine ausgelöst werden. Nun ist bis zum 10. Dezember 2014 leider nicht mehr lange hin, darum gilt es jetzt, diese Aktion so bekannt zu machen wie möglich und auch über den eigenen finanziellen Schatten zu springen, damit es für noch viel mehr Lebewesen am Ende heißt: Schwein gehabt!

Für weiterführende Informationen zur Aktion und Beteiligungsmöglichkeiten schaut bei Rüsselheim.com vorbei oder der begleitenden Facebook-Veranstaltung FerkelRettung 216.

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Verschenke einen Obstbaum!

Jedes Jahr geht es aufs Neue los: Das große Rätseln, was man denn zu Weihnachten verschenken soll. Konnte ich mich früher für jeglichen Staubfänger in meiner Wohnung begeistern, weil er…

Jedes Jahr geht es aufs Neue los: Das große Rätseln, was man denn zu Weihnachten verschenken soll. Konnte ich mich früher für jeglichen Staubfänger in meiner Wohnung begeistern, weil er doch so hübsch aussieht, sind meine Auswahlkriterien heute auch bei Geschenken ganz andere. Natürlich ist es wichtig, dass der Beschenkte Freude damit hat, aber es soll auch etwas Nützliches sein.

ARCHE NOAH hat daher den „Obstbaumpaten“ ins Leben gerufen. Wer nicht genau weiß, wer oder was denn ARCHE NOAH ist, kann das in diesem Artikel nachlesen.

Werde Obstbaumpate – oder verschenke eine Patenschaft!

In der modernen Apfelzüchtung werden eine Handvoll moderner Sorten verwendet, die ihre Krankheitsanfälligkeit über Generationen weitervererben. Da es nur wenige Elternsorten gibt, sind alle Handelssorten eng miteinander verwandt. Die genetische Basis der Kulturpflanze Apfel wird dabei immer enger. Das gilt auch für andere Obstsorten wie Birne, Kirsche und Zwetschke. Noch werden in der Züchtung kaum alte Sorten verwendet. Einzelne Institute haben aber bereits erkannt, dass in den unbekannten Sorten wichtige Krankheitsresistenzen schlummern können.

In Österreich gibt es geschätzte 2.000 Apfelsorten. Allerdings sind nur rund 800 Sorten davon bekannt und Jahr für Jahr sterben in Österreich weitere Obstsorten aus. Für rund 300 extrem seltene Obstsorten besteht derzeit akuter Handlungsbedarf, da die Mutterbäume kurz vor dem Absterben stehen. Von diesen Sorten möchte ARCHE NOAH junge Bäume auf verschiedenen Sortenerhaltungswiesen auspflanzen. Denn eine Obstsorte kann nur als Baum überleben. Wirklich abgesichert gilt eine Sorte aber erst, wenn fünf Bäume davon an verschiedenen Standorten wachsen. Eine Langzeitlagerung von Samen oder Edelreisern ist schlichtweg nicht möglich. Eine Patenschaft kann man ganz einfach für sich selbst oder als Geschenk für 16 Euro im Monat beantragen und sie ist jederzeit wieder kündbar.

Was bringt eine Obstbaumpatenschaft?

Der jährliche Beitrag für die Patenschaft finanziert nicht nur das Auffinden und Absichern einer gefährdeten Obstsorte, sondern auch die Auspflanzung und dauerhafte Pflege eines jungen Baumes einer seltenen Sorte auf einer der Sortenerhaltungswiesen. Als Obstbaumpate erhält man eine persönliche Urkunde, auf Wunsch ein persönliches Namensschild beim Patenbaum und einen Gutschein für eine Teilnahme an einem eintägigen ARCHE NOAH Obstbaumschnitt oder Veredelungskurs. Außerdem bekommt man genaue Informationen zu Herkunft und Geschichte der Obstsorte sowie einen Lageplan der Obstwiese zugesandt und selbstverständlich kann man seinen Obstbaum jederzeit besuchen – so habt ihr schon die nächste Geschenkidee: Eine gemeinsame Reise zum Obstbaum mit einem Besuch bei ARCHE NOAH!

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Dance for Life – Ein Leben auf der Mülldeponie

Man sagt, Reisen erweitern den Horizont und bringen oftmals Veränderungen mit sich. Manchmal ist es ein mitgebrachtes Rezept, das die Küchenroutine bunter macht. Vielleicht ist es ein Ritual, das man…

Man sagt, Reisen erweitern den Horizont und bringen oftmals Veränderungen mit sich. Manchmal ist es ein mitgebrachtes Rezept, das die Küchenroutine bunter macht. Vielleicht ist es ein Ritual, das man am anderen Ende der Welt begonnen und in den heimischen Alltag integriert hat. Oft auch eine Erinnerung, die die eigene Wahrnehmung schärft und den Geist wandern lässt. Manchmal verändert eine Reise auch Leben. Von einer solchen Reise darf ich euch heute berichten. Durch einen glücklichen Zufall habe ich vor kurzem zwei Menschen kennengelernt, deren Geschichte in die Welt getragen werden will.

Bei einem gemeinsamen Essen – es gibt vietnamesische Frühlingsrollen zum Selberbasteln – erzählen Georg und Maui von ihrer Weltreise. Im September 2012 machten die beiden sich auf den Weg nach Thailand. Zwei Monate haben sie dort verbracht. „Wir haben zwei Monate lang das Leben genossen und es uns gut gehen lassen, aber wir haben Thailand beide schon gekannt. Wir wollten in ein Land, das nicht so touristisch ist. Wir wollten mehr Abenteuer.“ Die Entscheidung zwischen Burma, Laos und Kambodscha war schnell gefallen. Burma als Militärstaat war doch zu riskant, in Laos war schon einmal ein Bekannter. „Wir haben von Kambodscha nichts gewusst, keine Erfahrungsberichte gehört. Das war absolutes Neuland für uns. Bevor wir aufgebrochen sind, haben wir uns mit der Geschichte des Landes auseinander gesetzt und schon als wir die ersten Schritte nach der Grenze gemacht hatten, war klar, dass das hier eine andere Welt ist. Wir waren mitten in der Pampa gelandet. Im Vergleich zu Thailand ist Kambodscha ein wirklich armes Land. Es gibt kaum asphaltierte Straßen, nur rund um Angkor Wat ist alles super ausgebaut. Ansonsten reist man eher auf sandigen Wegen voller Schlaglöcher. Es gibt kaum Autos, dafür aber jede Menge Handkarren und Kutschen. Kambodscha wirkt wie Thailand vor vielen Jahren.“ Ihre erste Begegnung mit einer Einheimischen bestätigt diesen Eindruck. „Als wir mit einer Dose Sprite auf der Straße standen, kam ein kleines Mädchen auf uns zu und wollte die Dose haben. Wir haben gedacht, dass sie für das Altmetall vielleicht Geld bekommt. Sie hat den letzten Schluck getrunken und ist lachend davon gelaufen. So eine Kleinigkeit ist purer Luxus für die Leute dort.“ Georg schüttelt den Kopf, als er von diesem Erlebnis erzählt. Er scheint die Armut noch immer nicht fassen zu können.

Die ersten Wege in Kambodscha führten Georg und Maui in einige kleinere Städte und im Anschluss nach Phnom Penh. „Das war kein entspanntes Reisen. Wir hatten von Anfang an das Gefühl, dass es nicht in Ordnung ist, wenn wir uns mit viel Geld diesen Urlaub gönnen, aber ständig von Armut umgeben sind. Das hat nicht zusammen gepasst.“ Während ihres Aufenthalts in Phnom Penh waren die beiden eine Woche lang krank. Eine Woche Bettruhe bringt viel Zeit mit sich. Zeit zum Nachdenken und In-sich-gehen. Genau das haben die beiden getan. „Es war ganz schnell klar, dass wir in irgendeiner Art und Weise helfen wollen.“ Bei einem Skype-Telefonat mit einem Freund in Vorarlberg, dem sie über die Lage vor Ort berichteten, hatte dieser die Idee eine Charity-Party zu organisieren. „Das war ein Monat vor Weihnachten. Wir waren begeistert. Als Termin haben wir den 22. Dezember gewählt. So kurz vor Weihnachten sind alle bei ihren Familien zu Hause und die Spendenfreude ist groß. Während Nico in Österreich alles organisiert hat, haben wir vor Ort recherchiert und nach einer Möglichkeit gesucht, die Leute zu unterstützen.“

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Die Entschlossenheit, mit der sie von ihrem Plan erzählen, ist ansteckend. Ich kann mir die zwei gut vorstellen, wie sie noch nicht ganz gesundet in ihrem Zimmer sitzen und Pläne schmieden. „Zuerst haben wir uns überlegt, wo es überhaupt Sinn hat zu helfen und wie wir das rausfinden können. Wir mussten an die Leute ran und uns überlegen, wie wir das am besten anstellen.“ Der erste Weg führte sie zu einer Hilfsorganisation. Der Wille war vorhanden, allerdings fehlte es an einer ganz wesentlichen Information. Wie viel Geld wird vorhanden sein? Ohne das zu wissen, war es kaum möglich zu planen. „Wir haben uns dann an einen Tuk-Tuk-Fahrer gewandt, der uns vertrauenswürdig erschien und der auch Englisch sprach und ihn gefragt, ob er denn jemanden kennt, der besonders dringend Hilfe benötigt. Wir hatten eine vage Vorstellung von dringend benötigter Hilfe. Eine alleinerziehende Mutter ohne Arbeit entsprach dem ganz gut. Len, der Tuk-Tuk-Fahrer hat auch wirklich jemanden gekannt. Er hat uns gleich gesagt, dass wir nicht mit leeren Händen auftauchen sollen, da das ein seltsames Licht auf uns werfen würde. Immerhin wollten wir den- oder diejenigen, zu denen Len uns führen wollte, ja auch befragen. Wir haben also Reis und Spielzeug gekauft. Auf dem Weg dorthin kamen uns allerdings Zweifel. Wir fuhren an unzähligen Hütten vorbei, die auf uns den Eindruck machten als ginge es nicht ärmer.“ Ob sie denn Sorge gehabt hätten, dass sie übers Ohr gehauen würden, frage ich die beiden. „Naja, wir konnten nicht wissen, wo er uns hin bringt. Das hätte ja auch ein Angehöriger sein können, der gar nicht so arm ist, wie er tut. Aber das hätten wir schon einschätzen können.“ Die beiden haben sich im Vorfeld wirklich gut informiert und sich ein Bild von der Situation im Land gemacht. Das gefällt mir.

„Nach circa einer Stunde Fahrtzeit, in der wir an immer kleineren und schäbigeren Hütten vorbei gekommen waren, bei jeder von denen wir uns fragten, warum nicht hier, tauchte ein qualmender Berg auf. Wir sind direkt darauf zu gefahren. Es hat gestunken, überall waren Fliegen. Schon aus drei Kilometern Entfernung war es kaum auszuhalten. Damit haben wir nicht gerechnet. Es war schrecklich! Wir waren auf einer Mülldeponie.“ Das kommt auch für mich unerwartet. „Im ersten Moment haben wir uns einfach nur geekelt. Der Gestank und die Fliegen waren widerlich. Als wir uns aber umgesehen haben, waren wir geschockt. Auf dieser Müllhalde standen Hütten. Kinder arbeiteten barfuß im Dreck. Hier lebten Menschen. Wir waren entsetzt.“ Ich bin sprachlos. Die Erinnerungen an diese Szenen machen Georg und Maui noch immer betroffen. „Wir haben uns gemeinsam mit einem Dolmetscher umgesehen und uns mit den Leuten dort unterhalten. Das waren fast nur Frauen und Kinder. Die Männer arbeiten anderswo auf der Deponie. Wir wollten auch dorthin, aber wir haben es nicht geschafft. Überall wird Plastik verbrannt. Wir konnten kaum atmen, unsere Lungen haben gebrannt. Der Rauch ist so dicht, dass man die Hand vor Augen nicht sieht. Es war unmöglich zu den Männern zu gelangen.“ Wie kann es sein, dass Menschen so leben müssen? Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie es auf der Deponie sein muss. „Die Bewohner sind krank. Der älteste ist um die vierzig. Alle haben die Haut voller Blasen und leiden an schwerem Asthma. Es ist unvorstellbar.“ Len hatte wohl wirklich die Menschen gefunden, die jede Hilfe bitter nötig hatten. „Es war nicht so einfach herauszufinden, wie wir sie unterstützen können. Wir konnten nicht einfach fragen, die Leute wussten nicht, warum wir hier waren. Wir sagten ihnen, dass wir sie für eine Dokumentation befragen wollen. Der Vorwand war notwendig, weil wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, wie viel Geld wir zur Verfügung haben würden.“

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Während sich Georg und Maui in Kambodscha ihre Gedanken machten, steckte ihr Freund Nico mitten in den Vorbereitungen für die Wohltätigkeitsparty. „Nico war großartig. Er hat es geschafft in wahnsinnig kurzer Zeit etwas Großes auf die Beine zu stellen. Unter dem Titel „Dance for Life“ fand am 22. Dezember eine Party statt, die alle unsere Erwartungen übertroffen hat. Bekannte DJs haben ohne Gage aufgelegt, der Lost Kids Club wurde uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Flyer, Getränke, Sound- und Lichttechnik – für nichts von alledem mussten wir bezahlen. Nico hat einen Aufruf auf Facebook gestartet und um Ideen und Mithilfe gebeten. Wir hatten nicht erwartet, dass die Resonanz so groß wird. Die Eigendynamik, die sich entwickelt hat, war unglaublich. Menschen haben sich gemeldet und gesagt, dass sie gerne helfen würden. Es gab viele, die keine Zeit hatten, aber spenden wollten. Wir hätten nie erwartet, dass das solche Ausmaße annimmt.“ Ich bin beeindruckt und will wissen, woran der Erfolg ihrer Idee liegen könnte. „Wir haben von Anfang an alles offen gelegt. Wir haben den Leuten gesagt, dass sie alles sehen können, was passiert. Transparenz war das Wichtigste für uns. Das hat den Menschen ein gutes Gefühl gegeben. Sie haben uns vertraut und gewusst, dass ihr Geld wirklich dort ankommt, wo es hin soll.“ Das kann ich gut verstehen. Oft ist der Zweifel groß, ob eine Spende auch wirklich denen zu Gute kommt, die sie brauchen. Das ist schwer nachvollziehbar und kaum zu kontrollieren. Kein Wunder, dass Georg, Maui und Nico die Menschen mit ihrer Begeisterung anstecken konnten.

„Die Party selbst war ein voller Erfolg. 300 Gäste waren da und sie alle waren davon überzeugt, dass wir gemeinsam das Richtige tun. Um zehn haben sie uns kurz über Skype dazu geschaltet. Wir haben unsere Freunde und Familien gesehen, Bekannte und Fremde, die alle gemeinsam gefeiert, getanzt und gelacht haben. Das war der Moment, in dem wir am meisten Heimweh hatten.“ Die Party dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Es gab DJs und Live-Bands, die für eine unvergessliche Nacht sorgten. „Der Eintrittspreis war zehn Euro, der komplett auf unser Spendenkonto floss. Man konnte vor Ort auch zusätzlich spenden. Das haben viele gemacht. Am Ende des Abends haben wir sogar noch einen Teil der Getränkeeinnahmen des Lost Kids Club bekommen. Alles in allem konnten wir 4.134,24 Euro sammeln!“ Wow! Das ist unglaublich! Obwohl ich nicht dabei war, freue ich mich riesig über den Erfolg.

„Als man uns die Summe gesagt hat, haben wir uns richtig gut gefühlt. Aber wir waren auch ganz schön nervös. Immerhin hatten wir jetzt auch Verantwortung. Die Leute daheim haben uns vertraut, wir mussten das wirklich gut machen. Am 23. Dezember haben sie uns das Geld mit Western Union geschickt. Das war ein kleines Weihnachtswunder für alle Helfer und Spender.“ Die Geschichte ist so aufregend, dass ich zwischendurch immer wieder aufs Essen vergesse. Während ich mich wieder ans Frühlingsrollen drehen mache, erzählen Maui und Georg, wie sie das Geld investiert haben. „Unsere erste Idee von einer Zuckerrohrsaftpresse haben wir schnell verworfen. Eine Geldspende kam von Anfang an nicht in Frage. Wir wollten nichts schenken, das sich schnell verbraucht. Denn wenn das Geld einmal weg ist und der Wohlstand damit endet, ist das schlimmer als hätten sie ihn nie erlebt. Gemeinsam mit Len und einem seiner Freunde, Soklean, haben wir uns Gedanken gemacht, was die Bewohner der Deponie wirklich brauchen können. Normalerweise arbeitet die ganze Familie für umgerechnet 80 Cent pro Tag. Sie wühlen sich durch den Müll und suchen nach Dosen, die sie an eine Recyclingfirma verkaufen können. Der übrige Plastikmüll wird verbrannt, damit er ihre Hütten nicht komplett verschüttet. Soklean arbeitet bei einer Hilfsorganisation und kennt sich sehr gut mit der Situation im Land aus. Nach einigem Hin und Her haben wir uns entschieden, Tiere zu kaufen. Auf der Deponie gab es einige Hühner, wir wollten den Bewohnern auch Rinder zur Verfügung stellen. In Kambodscha gilt eine Kuh als Absicherung, weil man die Kälber verkaufen kann. Für ein Kalb bekommt man in etwa 500 Dollar, die Müllsammler verdienen pro Tag einen. Es war klar, dass Rinder eine gute Investition sind.“ Maui und Georg erzählen von ihren Besuchen bei verschiedenen Bauern, von Verhandlungen und von den Unterschieden der Kuhrassen. Es gibt weiße und braune Kühe, die weißen sind die „guten“. Australische Markenkühe, die nicht ganz so abgemagert sind.

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Dass es doch nicht ganz so einfach ist, wird den beiden rasch klar. „Ein deutscher Restaurantbesitzer, den wir kennengelernt haben, hat uns gesagt, dass er unsere Idee nicht gut findet. Er hat erzählt, dass die Leute in Kambodscha anders denken als der typische Mitteleuropäer. Dadurch, dass es keinen Winter gibt und man nicht unbedingt Vorräte horten muss, um die Kälte zu überstehen, denken sie nicht sehr weit in die Zukunft. Reis wächst immer und so gut wie überall. Die Menschen sind zufrieden, wenn sie etwas zu essen haben. Man denkt von einer Mahlzeit zur nächsten, von einem Tag zum anderen. „Schenkt ihnen eine Kuh und sie werden zwei Wochen davon essen. Danach ist alles wieder beim alten.“ hat er gesagt. Das hat uns ganz schön runtergezogen.“ Die erste Euphorie schlug in Enttäuschung um. War die Idee vielleicht doch nicht so gut? Gibt es denn überhaupt die Möglichkeit, etwas wirklich Sinnvolles zu tun? Soklean hatte die Antwort auf diese Fragen und verscheuchte damit die trüben Gedanken. Er schlug einen Vertrag vor, in dem festgehalten werden sollte, dass die Kühe weder geschlachtet noch verkauft werden dürfen. „So haben wir es dann auch gemacht. Wir haben fünf weiße Rinder, drei weibliche und zwei männliche, gekauft und mit einem Notar einen Vertrag aufgesetzt. Die Deponie-Bewohner – das sind zwölf Familien – dürfen die Rinder nicht schlachten und nicht verkaufen. Sie müssen sich um sie kümmern, sie füttern, tränken und sauber halten. Ab dem Zeitpunkt, in dem jede Familie eine eigene weibliche Kuh hat, die in Zukunft für Nachwuchs sorgt, dürfen sie auch die Kälber verkaufen oder essen.“ Das klingt sinnvoll. In Gedanken bin ich allerdings schon einen Schritt weiter. Wo leben denn die Kühe dann? Auf der Deponie? Was fressen sie dort? Wächst da Gras? Fragen über Fragen. Daran haben Georg und Maui aber auch gedacht. „Wir hatten genau die gleichen Bedenken. Man kann ja keine Kuhherde auf eine Müllhalde setzen. Die Tiere würden in kürzester Zeit sterben. Allerdings ist es so, dass die Kühe am Fuße der Deponie auf einer Wiese leben können. Das liegt daran, dass es in Kambodscha keinen Grundbesitz gibt. Niemandem gehört Land, es gibt aber ein Bleiberecht. Wenn man sich lange genug an einem Ort aufhält, darf man dort auch bleiben. Die Wiese am Fuß der Deponie haben die Bewohner also sozusagen ersessen. Ein großes Problem sind allerdings die Landminen, die überall verstreut liegen.“ Jedes Jahr sterben hunderte Menschen in Kambodscha an den Folgen von Verletzungen durch Landminen. Maui erzählt, dass überall Schilder vor der Minengefahr warnen. Oft darf man nur auf einem schmalen befestigten Weg gehen, ein Schritt daneben könnte verheerende Folgen haben. Unkontrolliert über Wiesen zu laufen ist unmöglich. Der Gedanke macht mich traurig. Als ob es nicht reichen würde, dass viele Menschen in Kambodscha in Armut leben, müssen sie auch noch um ihre Gesundheit fürchten, wenn sie auf den verseuchten Feldern arbeiten. Sie kennen die Gefahr, ihnen bleibt jedoch keine andere Wahl.

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„Nachdem wir die Kühe ausgesucht und den Vertrag mit dem Notar aufgesetzt haben, sind wir in Richtung Deponie aufgebrochen. Am Weg dorthin haben wir noch Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel, Spielzeug und Medikamente gekauft. Werkzeug, Bretter und Seile für die Kühe und einen Unterstand haben wir auch mitgebracht. In der Apotheke hatten wir ein schönes Erlebnis. Wir haben der Apothekerin von unserem Projekt erzählt. Sie fand das so toll, dass sie uns alle Medikamente zum Einkaufspreis gegeben hat.“ „Wenn ihr unseren Leuten helft, helfen wir euch.“, eine Hand wäscht die andere. So einfach kann das sein. „Die Apothekerin hat sich sogar die Mühe gemacht, alle Schachteln in der Khmer-Sprache zu beschriften. Die meisten Leute können ja nicht lesen, so wussten sie zumindest wofür welche Medizin geeignet ist.“ Für die vielen Einkäufe war ein zweites Tuk-Tuk notwendig. Als sie bei der Deponie angekommen waren, baten sie alle Bewohner ans Fußende des Müllbergs. „Der Notar hat den Leuten alles erklärt. Sie haben sich überhaupt nicht ausgekannt, wussten gar nicht was los ist. Nachdem wir ihnen klar gemacht haben, dass sie die Kühe bekommen, haben wir gemeinsam den Vertrag unterschrieben. Wir haben alle unseren Fingerabdruck darunter gesetzt, jeder einzelne Deponie-Bewohner wurde miteinbezogen. Danach haben wir noch die übrigen Sachen verteilt. Der Dolmetscher musste den Leuten erklären, dass wir nur dieses eine Mal kommen würden und dass die Geschenke von den Spendern in Österreich stammen. Sie sollten nicht glauben, dass wir ab sofort ständig mit Geschenken auftauchen würden. Wir haben ihnen aber gesagt, dass wir ohne Voranmeldung vorbei kommen würden, um zu sehen, ob sie sich gut um die Kühe kümmern. Es war wichtig ihnen zu erklären, dass das eine Chance für sie ist, die sie nicht verstreichen lassen sollen. Wenn sie sich an die Vereinbarung halten, können sie die Deponie früher oder später verlassen. Diese Generation wird das wohl nicht mehr erleben, die nächste könnte ihren Lebensunterhalt aber schon mit Landwirtschaft verdienen, wenn sie es will.“

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Zwei Wochen später fuhren Georg und Maui wieder auf die Deponie. „Alle waren neu eingekleidet, das war so schön zu sehen. Die Leute haben sich richtig herausgeputzt. Wir haben mit dem Dorfältesten gesprochen und nach den Kühen gesehen. Sie stehen jetzt circa fünf Minuten entfernt von der Deponie. Einer hat immer Hirtendienst, die Kühe werden wirklich gut versorgt.“ Seit diesem Besuch waren Georg und Maui nicht mehr dort. Die Bewohner melden sich ab und zu bei Soklean und berichten ihm, wie es ihnen ergeht. Er ist so etwas wie die örtliche Kontrollinstanz. Mit ihm halten Georg und Maui auch sporadisch Kontakt über Facebook. Die letzte Information, die die beiden bekommen haben war, dass eine Kuh bereits ein Kalb geboren hat. Es scheint gut zu laufen, irgendwann werden sich die beiden persönlich davon überzeugen. Ich habe sie gefragt, was wirklich wichtig an dem Ganzen ist. „Diese Leute haben das erste Mal eine realistische Chance, die Deponie verlassen zu können. Sie können zu Landwirten und Viehhändlern werden.“ Eine Chance zu haben, Hoffnung auf ein besseres Leben, einen Lichtblick. Das ist das wirklich Wichtige.

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Ich bin beinahe erschlagen von der Geschichte. Die beiden schildern ihre Erinnerungen und Eindrücke so lebhaft, dass ich fast das Gefühl habe, dabei gewesen zu sein. Ich will wissen, welche Erkenntnis sie aus ihren Erlebnissen mitnehmen. Georg muss nicht lange überlegen. „Man muss sich im Klaren darüber sein, dass das Geld, das man als Tourist ausgibt, nicht bei den wirklich Armen ankommt. Wenn man Zeit hat und etwas zurückgeben will, muss man sich die Frage stellen: „Was brauchen die Leute?“ Für mich hat sich herausgestellt, dass ich nur dann Gast sein kann und darf, wenn ich im Gegenzug auch helfen kann. Es hätte sich falsch angefühlt, wenn wir nichts gemacht hätten“ Maui nickt zustimmend, gewährt mir aber auch Einblick in ihre Erkenntnisse. „Die Erinnerung an diese Reise und diese Erlebnisse ist schöner als die an einen Strandurlaub. So gut ein Strandurlaub auch sein kann, mit der Freude in den Augen der Menschen, denen wir geholfen haben, kann er nicht mithalten. Mir gibt diese Freude mehr als ein teurer Urlaub, in dem ich unnötig viel konsumiere. Auch die Erfahrung, dass die Realität so anders ist als man zu wissen glaubt, ist krass. In keiner Dokumentation könnte man das jemals so rüber bringen, wie es tatsächlich ist.“ Die beiden beeindrucken mich zutiefst. Gibt es eine Botschaft, die ihr den Lesern schicken wollt? Gibt es etwas, das jeder wissen sollte? Ich stelle die letzte Frage des Abends. „Haltet euch nicht in Touristenhochburgen auf. Geht raus auf die Straße, redet mit den Leuten, mit der normalen Bevölkerung. Dort findet die direkte und aufrichtige Kommunikation statt. Dort findet ihr das Leben, wie es wirklich ist.“

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Eine Reise verändert Leben. Diese Reise hat nicht nur Georgs und Mauis Leben verändert, sondern auch das von zwölf Familien. Zwölf Familien können das erste Mal auf eine sonnige Zukunft hoffen, fernab von „ihrer“ Deponie. Zwei junge Leute sind ausgezogen die Welt zu erkunden. Sie haben sie nicht nur erkundet, sie haben sie verändert. Wie oft habe ich mir schon gedacht, dass ich gerne etwas tun würde. Dass ich helfen und unterstützen möchte, die Welt retten und besser machen. Bis jetzt habe ich mich nicht getraut. Ich bin doch gar nicht reich genug. Klug genug. Mächtig genug. Ich hab so etwas noch nie gemacht, ich allein kann doch nichts bewirken. Das kann ja gar nicht funktionieren. Es funktioniert aber. Georg und Maui haben es bewiesen. Wenn ich das nächste Mal zweifle und mir nicht sicher bin, ob ich etwas bewegen kann, werde ich an diese beiden denken und mutig sein. Das Gleiche lege ich euch ans Herz. Seid mutig! Traut euch! Macht euch auf die Welt zu retten! Und wenn ihr euch allein nicht traut, schließt euch zusammen und schafft gemeinsam Großes. Es kann gar nie genug Alltagshelden geben. Wer soll die Welt verändern, wenn nicht wir?

Wenn ihr mehr Informationen zu Dance for Life haben wollt, schaut euch hier um. Das Projekt lebt und wartet auf neue Abenteurer!

Georg und Maui haben für alle Helfer, Sponsoren und Interessierten auch einen kurzen Film gedreht. Schaut rein und lasst euch inspirieren!

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Nachhaltigkeits-Abenteurer mit Nachwuchs

Eine riesige Weltkarte, oder vielmehr der Ausschnitt des amerikanischen Kontinents, versehen mit vereinzelten blauen und gelben Punkten – wer auf die Website von sustainability-adventure.org klickt, wird zuerst einmal neugierig. Hinter einem Punkt verstecken sich drei…

Eine riesige Weltkarte, oder vielmehr der Ausschnitt des amerikanischen Kontinents, versehen mit vereinzelten blauen und gelben Punkten – wer auf die Website von sustainability-adventure.org klickt, wird zuerst einmal neugierig. Hinter einem Punkt verstecken sich drei Ökodörfer am Lago de Atitlán in Guatemala, hinter einem anderen wirft man einen Blick auf ein Eco Hostel nahe der kolumbianischen Stadt Medellin oder man kann die Mülldeponie La Chureca im nicaraguanischen Managua in Augenschein nehmen.

Thanksgiving. Foto: Sustainability Adventure

Das Ehepaar Valentina Aversano-Dearborn und Matthew Dearborn kennt all diese nachhaltigen Projekte nicht nur via Internet, sondern hat sie hautnah erlebt. Seit September 2013 sind die beiden, die sich auf einer Reise kennen- und lieben gelernt haben, gemeinsam unterwegs. Aber nicht allein: Mit dabei haben sie Schülerinnen aus Österreich und den USA. Nicht im Rucksack, versteht sich, sondern virtuell. Als persönliche Reise-Reporter sind Valentina und Matthew für die drei Schulklassen unterwegs, bringen mittels Video, Foto und Text die Welt buchstäblich ins Klassenzimmer. Damit nicht genug dürfen die 13- bis 16-Jährigen entscheiden, wie die Reise weiter geht: „Etwa einmal pro Monat schicken wir ihnen sogenannte Challenges, die einem konkreten Thema wie Abfall, Mobilität oder nachhaltigem Tourismus gewidmet sind“, erklärt Valentina per E-Mail, „die SchülerInnen müssen die Challenge lösen und überzeugen uns dabei, eine der drei vorgegebenen Optionen durchzuführen. Wir tun, was die SchülerInnen möchten, und dokumentieren in Form eines Videos, wie ihr Plan aufgeht.“ Es ist ein spielerischer Ansatz, bei dem die SchülerInnen nicht nur zu den unterschiedlichen Themen der Nachhaltigkeit recherchieren und in der Klasse diskutieren. Darüber hinaus lernen sie etwas über fremde Länder und Kulturen und sehen, was die anderen Partnerklassen dazu herausgefunden haben.“ Das zusätzliche Zuckerl dabei ist, dass neben den SchülerInnen auch die LehrerInnen betreut werden“, ist sich die Soziologin und ehemalige freie Journalistin für die Süddeutsche Zeitung bewusst, „damit lernen sie selbst mehr über Themen der Nachhaltigkeit.“

Valentina und Matthew sind keine Neulinge in Sachen Nachhaltigkeit: Vier Jahre hat das Ehepaar an der Universität zum Thema geforscht, (Lehr-)Veranstaltungen, Workshops und vieles mehr dazu organisiert. Der Drang, mit der nächsten, der jüngeren Generation zu arbeiten, ist schon damals entstanden, doch wie das so ist mit spannenden Ideen, brauchen diese oft Zeit – zu wachsen, sich zu formen und schließlich zum richtigen Zeitpunkt in die Tat umgesetzt zu werden. So geschehen auch bei Valentina und Matthew: Die Idee entstand schließlich auf einer zehnstündigen Zugfahrt von Berlin nach Wien, auf dem Rückweg von der Konferenz „Jenseits des Wachstums“ – das interaktive E-Learning-Spiel „Sustainability Adventure“ war geboren.

Foto: Sustainability Adventure

Wie seid ihr auf eure Partnerschulen und -Klassen gekommen? 

Im Frühjahr 2013 haben wir eine Ausschreibung in Österreich mit Unterstützung des Bildungsministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) durchgeführt, und haben auch über Bekannte und Partner im Bereich „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ von engagierten Schulen erfahren, die wir direkt kontaktiert haben. Matts Bruder, Jason, ist Lehrer in den USA und hat sich und seine Klasse netterweise als Versuchskaninchen für das Pilotprojekt bereitgestellt. Dadurch, dass wir ein junger, kleiner Verein sind und das Projekt ein Pilotprojekt ist, war es aber gar nicht so einfach, wie wir uns erhofft hatten, Klassen zu finden. Umso begeisterter sind wir über die Auswahl der aktuellen österreichischen Partner-LehrerInnen! Cornelia und Daniel sind zwei unglaublich engagierte und interessierte Menschen mit ebenso tollen Klassen, die dazu beigetragen haben, dass es unser Pilotprojekt – trotz unterschiedlicher Herausforderungen – erfolgreich durch das erste Projektjahr geschafft hat. Kürzlich wurden wir sogar von der UNESCO als offizielles UN-Dekaden Projekt für Bildung für Nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet und haben für das gemeinsam erstellte, didaktische Material unserer dritten Challenge einen Ideenwettbewerb gewonnen. Wir sind schon auf Juni gespannt, denn dann werden wir zurück in Wien sein und gemeinsam mit unseren Partnerschulklassen eine Abschlussveranstaltung umsetzen. Dabei werden wir auch das Projekt evaluieren und mit den Klassen und den LehrerInnen die „lessons learned“ vom Pilotprojekt besprechen und das Projekt für das Schuljahr 2014/15 verbessern und eventuell auf weitere Schulklassen und Reisende erweitern.

Ihr reist viel in Gegenden, wo wenig oder schlechtes Internet vorhanden ist. Wie haltet ihr mit den Schülerinnen und Schülern Kontakt? 

Dadurch, dass die Erstellung unserer Projekt-Homepage länger gedauert hat, als geplant und immer noch einige Dinge verbessert werden könnten, mussten wir ein bisschen improvisieren und so haben wir den Kontakt zur Außenwelt und den Schulklassen hauptsächlich über soziale Medien (Facebook, Instagram, Twitter, YouTube) beziehungsweise E-Mail und Skype-Gespräche mit den PartnerlehrerInnen gehalten.

Wir treffen auf unserer Reise auf eine Herausforderung, zum Beispiel Müllprobleme in Nicaragua, oder eine spannende Nachhaltigkeitsinitiative, zum Beispiel Ökodörfer in Guatemala, bereiten daraufhin eine Challenge vor und stellen sie online auf unsere Homepage. Dann schicken wir den LehrerInnen per Mail weitere Infos und Tipps als Recherche-Unterstützung. Die SchülerInnen haben dann einen bestimmten Zeitraum (normalerweise relativ flexibel, solange wir nicht aus einem bestimmten Grund weiterreisen müssen), um die Challenge zu lösen und damit unsere Reise zu beeinflussen. Die Art, wie sie uns ihre Lösungen schicken, überlassen wir ihnen beziehungsweise ihren LehrerInnen. Bisher haben wir Antworten als Powerpoints, Poster oder auch als individuelle Essays bekommen. Bis dato schicken die LehrerInnen uns die Ergebnisse ihrer SchülerInnen per E-Mail, aber bald wird es möglich sein, dass sie beziehungsweise ihre SchülerInnen ihre Arbeit direkt im „Players‘ Corner“ Login-Bereich auf der Projekt-Homepage hochladen, um es mit uns und den anderen teilnehmenden Schulklassen zu teilen sowie zu diskutieren.

Workshops. Foto: Sustainability Adventure

Wie entscheiden die Schüler, wie es mit eurer Reise weitergeht? Gibt es Abstimmungen oder demokratische Entscheidungen? Wie finden sie außerdem die Projekte, die ihr dann aufsuchen sollt? 

Die SchülerInnen sind relativ frei in ihrem Tun, aber wir haben ihnen und ihren LehrerInnen gesagt, dass Kooperation belohnt wird, und wir bei „gleichwertigen“ – oder besser gesagt, gleich überzeugenden –  Antworten die bevorzugen werden, die eher durch Kooperation entstanden sind. Das heißt, dass eine Klasse, die zusammenarbeitet, viel bessere Chancen hat als wenn jeder SchülerIn uns seine oder ihre jeweilige Antwort schickt. In Zukunft wird es auch die Möglichkeit geben, dass die Klassen untereinander diskutieren und sich „transnational“ einigen, wenn sie unbedingt möchten, dass wir uns für eine Option entscheiden.

Meistens bieten wir drei Themen-Optionen an, von denen sie eine auswählen müssen. Bei der aktuellen Challenge sollten sie eine nachhaltige Eco-Tourismus-Initiative finden, zu der sie uns hinschicken sollten. Diesmal haben wir ihnen also keine Optionen vorgegeben, haben aber ihre Suche geographisch eingeschränkt. Das war nicht schlecht, weil einige SchülerInnen schon gesagt haben, dass es cool wäre, wenn wir auf die kolumbianische Isla San Andres gehen würden – und die ist nicht in der Nähe von Kolumbien, sondern in der Nähe von Nicaragua!

Gerade in der Berichterstattung über Nachhaltigkeit kommt automatisch oft der „erhobene Zeigefinger“ vor: Das ist etwas, worauf Schüler sicher nicht gut reagieren. Wie geht ihr damit um? 

Das ist leider allzu wahr! Aber nicht nur SchülerInnen, sondern auch Erwachsene reagieren eher schlecht auf den „erhobenen Zeigefinger“. Reisen ist ein perfektes Beispiel dafür. Reisen ist schön. Reisen bildet. Aber die gegenwärtige Art von Reisen – vor allem mit Flugzeugen überall hin – ist meistens nicht nachhaltig. Uns ist das natürlich bewusst, und wir versuchen, durch ein flugzeugfreies Reisen zu zeigen, dass es anders gehen und sogar Spaß machen kann. Gleichzeitig betonen wir aber immer, dass uns bewusst ist, dass nicht jeder so reisen kann (zum Beispiel finanziell oder zeitlich gesehen) und das Frachtschiff, mit dem wir jetzt nach Europa kommen, auch nicht wirklich nachhaltig ist. Lange Rede, kurze Sinn: Wir wollen, dass die SchülerInnen in erster Linie lernen, die Sachen kritisch zu betrachten und die systemischen Zusammenhänge unserer Aktionen sowie Entscheidungen erkennen. Während sich nämlich der moralische Zeigefinger auf das Individuum richtet und destruktiv für motivierte Menschen wirken kann, wollen wir die SchülerInnen dazu befähigen, die unterschiedlichsten Akteursebenen und Ansatzpunkte für Veränderung hinter einer Herausforderung zu erkennen. Danach müssen sie anhand dieses Wissens und dieser Kenntnisse selbst die Entscheidung treffen, ob ihre Aktionen mit ihren Werten vereinbar sind. Nicht nur als Individuum oder einzelner Konsument, sondern auch als Teil eines größeren Ganzen.

Das heißt, dass sie sich schon heute Gedanken machen können, wo sie sich engagieren wollen oder wo sie zum Beispiel als Erwachsene arbeiten wollen, um für Nachhaltigkeit hinderliche Mechanismen und Missstände zu beheben sowie nachhaltiges Reisen zum Beispiel auch systemisch zu erleichtern. Unserer Erfahrung nach sind junge Menschen jedenfalls eher bereit, ihr Handeln zu hinterfragen, wenn sie die Information haben, verstehen und eben nicht wenn wir den „Zeigefinger erheben“. Dadurch, dass wir die Sachen am eigenen Leib erleben und ihnen direkt davon berichten, erhalten sie weiters vielleicht eine authentische Vorstellung davon, wie überraschend viele Facetten eine einzige Sache haben kann, wie ein und dieselbe Sache cool, blöd, schrecklich oder total schön sein kann. Zum Beispiel ist das Segeln ein tolles, umweltfreundliches – wenn auch langsames – Fortbewegungsmittel, wenn einem dabei nicht gerade schlecht wird.

Foto: Sustainability Adventure

Welches ist euer bisheriges Lieblingsprojekt, zu dem euch die Schüler geschickt haben? 

Der beeindruckendste Ort – im positiven wie im negativen Sinne –  zu dem uns SchülerInnen hingeschickt haben, war wahrscheinlich die alte Mülldeponie in Managua, vor ein paar Jahren noch die größte offene Mülldeponie in ganz Lateinamerika, beziehungsweise die Mülldeponie in Granada, beide in Nicaragua. Es war einerseits faszinierend und andererseits schrecklich zu sehen, wo der Müll endet und wie einzelne Menschen, ja, sogar ganze Familien, vom sowie im Müll anderer leben. Während ein internationales Entwicklungshilfeprojekt in Managua die unmenschlichen Zustände über Jahre hinweg relativ erfolgreich in den Griff bekommen und für die Menschen der ehemaligen Mülldeponie würdige Arbeit sowie Behausungen geschaffen hat, steht man in der Mülldeponie von Granada noch am Anfang eines sozialen und ökologisch höchst notwendigen Wandels. In Granada, einer sehr touristischen Stadt, deren Straßen für die ausländischen Touristen schön sauber gehalten werden, brennt abseits der Augen der Menschen tagelang ohne Pause Müll aller Arten: Industrieabfall, medizinischer Abfall, unsortierter Haushaltsmüll und vieles mehr – und die Geier sind überall. Die Veranschaulichung der Müllproblematik mit Fotos und Videos unserer Besuche gibt viel Stoff zum Diskutieren für die Partnerklassen, vor allem bezüglich der Frage, wo unser Müll endet beziehungsweise ob wir das überhaupt wissen und gesehen haben. Wenn die Jugendlichen merken, wie Kinder oder Jugendliche ihres Alters in der Mülldeponie arbeiten, sehen sie die Müllproblematik nicht nur mit einer anderen Brille, sondern fragen sich auch, was alles dafür verantwortlich ist, dass die Situation an anderen Orten anders aussieht – wie fehlende Infrastruktur, Bildung, Gesetze, Gewohnheiten und vieles mehr.

Als wirklich positiv inspirierendes Projekt, das wir auf der Reise entdeckt haben, würden wir wahrscheinlich Rancho Margot in Costa Rica nennen – obwohl eine Auswahl sehr schwierig ist! Rancho Margot ist einfach ein toller Ort, wo versucht wird, Nachhaltigkeit holistisch zu leben und umzusetzen. Da heizen sie ihr Wasser mit dem Kompost (die chemische Prozess der Kompostierung erreicht Temperaturen von bis zu 80 Grad); fangen Methan von den Nutztieren, das direkt in die Küche fließt, um damit zu kochen; bauen selbstverständlich nur biologisch an; machen Seife aus dem Restfett von der Küche; organisieren Veranstaltungen zu Themen der Nachhaltigkeit für ihre Gäste, BesucherInnen und weitere InteressentInnen; arbeiten eng mit der lokalen Community zusammen und versuchen, Einfluss auf lokale und nationale Politik zu nehmen.

Klingt alles sehr spannend: Wie können Schulen zu Partnerschulen werden? 

Momentan nehmen wir gerne alle interessierte Schulen und (künftigen) Reisenden in eine Datenbank von befreundeten Schulen und potenziellen „ViA Ambassadors“ auf. Momentan sind unsere Kapazitäten noch begrenzt, wenn wir die Schule effektiv betreuen möchten. Wie vorher erwähnt, hoffen wir aber darauf das ganze Projekt wahrscheinlich nach Ablauf des kommenden Schuljahrs nach und nach weiter zu öffnen. Sobald wir das Projekt also stärker etabliert haben (und mehr zeitliche wie finanzielle Unterstützung haben), möchten wir es auf jeden Fall auch auf andere Länder und Sprachen erweitern. Wir hatten zum Beispiel ein sehr positives Gespräch im costaricanischen Ministerium für öffentliche Bildung. Leider sind wir derzeit ein sehr junger und kleiner Verein, der fast alles über private Ersparnisse und ehrenamtliche Arbeit macht, was dazu führt, dass die Dinge länger brauchen, als wir möchten, um unsere Vision im Ganzen zu realisieren.

Weltkarte. Foto: Sustainability Adventure

Was ist euer persönliches Learning der Reise, was hat euch am meisten überrascht?

Obwohl wir beide bereits viel gereist sind und dabei immer viele nette Menschen kennengelernt haben, hat uns die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen, die uns überall auf der Reise begegnet sind, überrascht! Von Paaren und Familien in den USA, die uns auf der Radstrecke total herzlich aufgenommen haben, bis hin zu der unglaublichen Gastfreundschaft und Herzlichkeit der LateinamerikanerInnen, die man in unterschiedlichen Formen aber überall gefunden hat. Darüber hinaus ist für uns die Welt einerseits gewachsen und andererseits kommt sie uns total klein vor. Durch unser entschleunigtes Reisen dauert einerseits alles etwas länger und in einem Schuljahr schaut es nicht unbedingt aus, als wären wir wirklich sehr weit gekommen. Auf der anderen Seite haben wir die Möglichkeit gehabt, alles auf einer tieferen Ebene kennenzulernen. Außerdem haben wir andere Reisenden teilweise zufällig in unterschiedlichen Ländern wiedergesehen und haben mehreren Personen kennengelernt, die jemanden anderen kannten, die wir auch kannten oder kennengelernt haben. Dies ist ebenfalls durch den entschleunigten Reisestil verstärkt möglich gewesen.

Das persönliche Learning ist kaum in Worten zu fassen, aber wenn wir eine Sachen nennen müssten, würden wir auf die Unmenge an positiven Beispielen für Nachhaltigkeit auf der Welt hinweisen müssen. Früher an der Uni und in anderen Arbeiten wie zum Beispiel in der Zivilgesellschaft haben wir viel öfter von den sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen gehört, die uns allen gegenüberstehen. Eine Situation, die einem manchmal das Gefühl gibt, als wäre alles aussichtslos. Auf dieser Reise haben wir aber gesehen, wie viele Menschen alleine oder zusammen versuchen, die Welt zu verbessern, auf lokaler, regionaler oder gar internationaler Ebene. Das ist total beeindruckend und ermutigend!

Wie geht es weiter? 

Am 8. Mai reisen wir mit dem Frachtschiff von Cartagena in Kolumbien ab. Ziel der Frachtschiffreise ist Europa – und wir sollten zirka zwei Wochen nach Abfahrt entweder in Spanien oder Italien ankommen. Danach ist geplant, das Pilotjahr des Projekts mit den österreichischen Partnerklassen abzuschließen. Nach einer letzten Challenge auf dem europäischen Kontinent werden wir das Projekt und die Reise noch einmal persönlich in Form von Diashows an den Schulen aufarbeiten und uns für die Fragen der SchülerInnen sowie anderen Interessierten bereitstellen. Danach möchten wir das Pilotprojekt mit den LehrerInnen in Österreich und den USA evaluieren und anhand ihres Feedbacks das Projekt für das kommende Schuljahr verbessern. Im Laufe des Sommers werden wir höchstwahrscheinlich einige öffentliche Diashows zum Projekt und zur Reise in Wien organisieren, um hoffentlich Interesse zu wecken und eventuell Unterstützung zu finden. Ende des Sommers geht die Reise dann auf dem Landweg Richtung Asien los, mit dem Ziel, zu Weihnachten in Vietnam zu sein.

Langfristig möchten wir das Projekt auf eine unbegrenzte Anzahl von Partnerschulen in Österreich, den USA und aller Welt beziehungsweise eine unbegrenzte Anzahl von Reisenden eröffnen. So können mehr Leute davon profitieren, und die Weltkarte von positiven und inspirierenden Initiativen kann exponentiell wachsen.

Danke und viel Erfolg!  

Da Bilder oft mehr (oder anderes) verraten als tausend Worte, hier noch fotografische Eindrücke von der Reise:    Partnerschule ViA. Foto: Sustainability AdventurePartnerschule USA. Foto: Sustainability AdventureValentina. Foto: Sustainability AdventureZelt. Foto: Sustainability AdventureFoto: Sustainability Adventure Biketrain. Foto: Sustainability Adventure

 

Mehr vom Projekt: 

Homepage: www.sustainability-adventure.org, www.forum-via.org
Facebook: www.facebook.com/forumvia
Twitter: www.twitter.com/forum_via

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ARCHE NOAH – Rettet die Vielfalt

Heute möchte ich euch eine Organisation vorstellen, die wirklich Vorbildcharakter hat, und zwar ARCHE NOAH. Nein, hier werden keine Tiere eingesammelt und vor der großen Sintflut gerettet. Es handelt sich…

Heute möchte ich euch eine Organisation vorstellen, die wirklich Vorbildcharakter hat, und zwar ARCHE NOAH. Nein, hier werden keine Tiere eingesammelt und vor der großen Sintflut gerettet. Es handelt sich hierbei um einen gemeinnützigen Verein, der sich für die Artenvielfalt der Kulturpflanzen und den Erhalt und die Verbreitung alter Sorten und das Wissen darum einsetzt.

Diese Vielfalt ist aus vielen Gründen so wichtig zu erhalten. Vielfalt in der Landwirtschaft macht den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln verzichtbar, denn sie hilft Störungen in den Agrar-Ökosystemen abzufedern. Je vielfältiger, desto stabiler. Diese Ertragssicherheit nutzt vor allem auch uns Menschen. In Zeiten des Klimawandels ist dies besonders wichtig. Ganz ohne Genmanipulation können wir von den lokal angepassten Pflanzentypen und deren Eigenschaften profitieren. Auch finden Allergiker in den tausenden Pflanzenarten genügend Alternativen, um sich zu ernähren. Des Weiteren fördern Staaten, die kleine und regionale Pflanzensorten und den Samentausch zulassen, die Unabhängigkeit. Somit entstehen keine Saatgutmonopole, die nur zum Nachteil für Bauern und Konsumenten sind.

Zu guter Letzt ist Vielfalt Genuss und Lebensqualität. Wer schon einmal in eine saftig-aromatische Tomatenrarität vom Bauernmarkt gebissen hat, sich bei einer Sortenausstellung durch die Geschmacksvielfalt alter Apfelsorten gekostet hat oder seltene Sorten aus eigenem Anbau genießen konnte, kennt den Unterschied und weiß, was auf dem Spiel steht.

ARCHE NOAH entstand auf Initiative von GärtnerInnen, BäuerInnen und JournalistInnen, die das Saatgut als Grundlage der Ernährung buchstäblich wieder in die eigenen Hände nehmen wollten. Denn: Seit 1900 ist die Vielfalt unserer Kulturpflanzen durch die Industrialisierung der Landwirtschaft weltweit dramatisch – um etwa 75 Prozent – zurückgegangen! Heute gefährden Gentechnik, Saatgut-Monopole, Klimawandel und immer noch Kriege dieses kostbare Erbe.

ARCHE NOAH hält dem eine positive Vision und zahlreiche Aktivitäten entgegen. Alles steht unter dem Motto „Kulturpflanzenvielfalt kann nur durch ihre Nutzung lebendig erhalten werden.“. Gesagt, getan! Im Niederösterreichen Schiltern hat die ARCHE NOAH einen Schaugarten gegründet. Hier werden die verschiedensten Sorten angebaut und großgezogen. Von hier aus werden auch die Jungpflanzen beziehungsweise das Saatgut verkauft. Geöffnet hat der Schaugarten von April bis Oktober (Montags ist geschlossen) und zwischendurch gibt es immer wieder themenbezogene Veranstaltungen. Veranstaltungen und Märkte finden aber nicht nur in Schiltern statt, sondern in ganz Österreich und teilweise sogar in Deutschland.

Jeder von uns kann seinen Teil zur Verbreitung der Saatenvielfalt beitragen, indem wir einfach einmal über den Tellerrand hinausschauen. Es muss nicht immer dasselbe Obst oder Gemüse sein. Habt ihr schon einmal eine „Green Zebra“-Tomate gegessen? Oder eine Stachelgurke? Und es gibt noch viel mehr zu entdecken. Davon kann sich jeder selbst überzeugen, denn man staunt nicht schlecht, wenn man beispielsweise vor etwa sieben Metern Tomatenpflänzchen in unzähligen Sorten steht und nur noch sagen kann: „Ich wollte eigentlich nur ein paar Tomaten haben…“. Aber zum Glück gibt es immer einige GärtnerInnen, die einem mit gutem Rat zur Seite stehen, Pflegetipps inklusive.

Und damit möglichst viele Menschen die Saatenvielfalt verbreiten können, bietet ARCHE NOAH nicht nur das passende Saatgut an, sondern veranstaltet auch immer wieder Seminare und Workshops zu verschiedenen Themen. Ob Saatgutvermehrung, der richtige Schnitt für Beeren und Obst oder das Gärtnern im Topf – für alle Zielgruppen ist etwas dabei. Wer nicht gleich ein Seminar buchen möchte, kann sich auch in einem der zahlreichen Bücher schlau lesen, die von oder in Kooperation mit ARCHE NOAH erschienen sind. Ob Sortenhandbuch, Kochbuch, Handbuch Bio-Balkongarten und viele mehr – auch hier ist für jeden etwas dabei. Und aus eigener Erfahrung kann ich hier nur eine Empfehlung aussprechen.

Dass es tatsächlich nicht um Profit geht, kann man auch an der Tatsache erkennen, dass man sein Saatgut selbst herstellen kann. Denn wer rechtzeitig Saatgut aufhebt, braucht im Jahr darauf keines mehr kaufen, sondern verwendet einfach sein eigenes wieder. Theoretisch braucht man also eine Pflanze nur ein Mal zu kaufen und kann immer wieder pflanzen. Das funktioniert aber nur, wenn man vorher nicht alles aufisst.

Nachhaltig ist ARCHE NOAH vor allem, weil ihre Pflanzen ausschließlich biologisch und gentechnikfrei sind, aber auch ein anderes Detail sticht auf der Homepage sofort ins Auge: Umweltfreundlich wirbt ARCHE NOAH dafür, über die Mitfahrbörse gemeinsam zum Schaugarten zu fahren statt alleine. Nachahmenswert!

 

Nähere Infos:
Internet: arche-noah.at
Online-Shop: shop.arche-noah.at

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Fundacíon Cisol: Türe öffnen für Straßenkinder in Ecuador

Denke ich an meine Reise durch Ecuador habe ich viele Bilder und Eindrücke im Kopf.  Von holprigen Fahrten in bunt ausgeschmückten Bussen, von Indigenen in ihrer farbenprächtigen Tracht mit weiten…

Denke ich an meine Reise durch Ecuador habe ich viele Bilder und Eindrücke im Kopf.  Von holprigen Fahrten in bunt ausgeschmückten Bussen, von Indigenen in ihrer farbenprächtigen Tracht mit weiten Röcken, bunten Jacken – und natürlich dem obligaten Hut auf dem Kopf; von Menschen, die mich überall ansprechen, mit mir plaudern wollen, die mich an der Hand nehmen und mir den Weg zeigen, wenn ich einmal wieder verloren bin; von Märkten mit Blumen, riesigen Papayas, Bananen und anderen Früchten…

Und Bilder von einem Tag, an dem mich meine CouchSurfing-Hostess Alison in eine Schule in einem indigenen Dorf im Bezirk Chimborazo im Zentrum von Ecuador mitgenommen hat. Alison arbeitete für einen Nonprofit-Organisation, die sich für zweisprachigen Unterricht – Spanisch und Quechua, die Sprache der Eingeborenen – einsetzt, damit die SchülerInnen aus indigenen Bergdörfern auch die Chance haben auf anerkannte Bildung. Damit sie vielleicht eine höhere Schule in der Stadt oder möglicherweise sogar später eine Universität besuchen können.

Zu Besuch in einer Schule in einem indigenen Dorf in Ecuador. Foto: Doris

Zu Besuch in einer Schule in einem indigenen Dorf in Ecuador. Foto: Doris

Der Lehrer stand vorne und sprach. Für sich, so schien es. Die SchülerInnen hörten kaum zu. Wie auch?! Eine 21-Jährige hatte ihr Baby mit in die Klasse genommen. Das wurde von Einem zum Nächsten gereicht. Nur die Hälfte der Kinder, die zwischen 6 und 21 Jahre alt waren – alle in derselben Klasse – hatte Bleistifte und Notizzettel. Sie saßen auf Plastikstühlen aneinander gepfercht im Klassenzimmer.

Die Region Chimborazo in Ecuador, viel Grün und dazwischen ein paar Häuser des Dorfs. Foto: Doris

Die Region Chimborazo in Ecuador, viel Grün und dazwischen ein paar Häuser des Dorfs. Foto: Doris

Ich kann mich nicht mehr an den Namen des Dorfs erinnern, geschweige denn an die Nonprofit-Organisation, für die Alison gearbeitet hat, aber diese Erinnerungen und Bilder, die bleiben! „Ich habe schon einige Schulen besucht, aber so eine schlimme Situation habe ich noch nicht erlebt“, gestand mir auch meine Freundin bei der Heimfahrt – und sie erzählte Erfolgsgeschichten von zwei Mädchen, die aufgrund des Programms jetzt an einer Universität zu studieren begonnen haben. Zwei Seiten, eine Realität – in Ecuador und vielen anderen Ländern Latein- und Südamerikas.

Bildung ist ein unentreissbarer Besitz (Menander)

Schulbildung ist auch ein wichtiger Bereich der Arbeit einer anderen Nonprofit-Organisation, der Fundacíon Cisol, die 1977 von Ecuadorianern in Loja, dem Süden des Landes (bekannt als Tal der Hundertjährigen) gegründet worden ist und sich seither für Kinder und Jugendliche einsetzt, die von Kinderarbeit betroffen sind. Denn das ist ein weiteres Bild, das mich nicht loslässt: Nicht nur in Ecuador, aber auch, sieht man in Süd- und Lateinamerika immer wieder Kinder, die auf der Straße ihre Arbeit anbieten. Ob Schuhe putzen oder Karten verkaufen, ob handgearbeiteten Schmuck anpreisen oder Malereien präsentieren …

Schuheputzen als Job ist üblich - auch in Ecuador.Foto: Cisol Suiza

Schuheputzen als Job ist üblich – auch in Ecuador.Foto: Cisol Suiza

Seit 2000 ermöglicht „Schule Educare“ rund 200 Kindern aus armen Verhältnissen vom Kindergarten bis zum Oberstufe eine Schulausbildung. „Das Hauptprojekt ist zwar die Schule“, erklärt die Schweizerin Tamara Feuz, die selbst als Freiwillige 2007 Englisch unterrichtet und mit den Straßenkindern gearbeitet hat, „aber viele Kinder haben Lernbehinderungen, können sich nicht konzentrieren oder haben gesundheitliche Probleme. So ist es notwendig, dass psychologische, medizinische und auch soziale Hilfe miteinbezogen werden.“ Außerdem gibt es Frühstück und eine warme Mahlzeit, Workshops im Rahmen der „Zukunftsschule“, um den Kindern Alternativen zur Straße zu bieten und Hilfe bei den Hausaufgaben. „Und wer die Schule bei Cisol abschließt, kann anhand eines Stipendiums von Cisol das Gymnasium und die Universität besuchen.“

Sprachs, und schon sind wir mitten im Interview, denn Tamara hat ihr Einsatz in Ecuador nicht los gelassen. Sie unterstützt mit anderen ehemaligen Volontären beim Verein Cisol Suiza die Arbeit in Ecuador und möchte vor allem durch Spendensuchen in der Schweiz mithelfen, die Projekte von Cisol zu finanzieren. 60.000 bis 70.000 CHF oder 35% des Gesamtbudgets fließen so aus der Schweiz nach Ecuador.

Schule Educare bietet seit 2000 ganzheitlichen Unterricht für Kinder und Jugendliche, die auf der Straße arbeiten. Foto: Cisol Suiza

Schule Educare bietet seit 2000 ganzheitlichen Unterricht für Kinder und Jugendliche, die auf der Straße arbeiten. Foto: Cisol Suiza

Wie kam es zu deinem Engagement bei Cisol?

Seit meiner Jugend wollte ich unbedingt persönlich mit Straßenkindern arbeiten, deren Situation kennenlernen, während einer bestimmten Zeit vor Ort mich engagieren. Schlussendlich entschied ich mich für einen Einsatz bei Cisol in Ecuador: Als ich dann 2007 nach Loja reiste, um Englisch zu unterrichten, wurde ich gefragt, ob ich auch direkt auf der Straße mit den Kindern arbeiten könnte. Während einigen Tagen besuchte ich die verschiedenen Arbeitsorte der Kinder und merkte sofort, dass ich mit den Kinder und Jugendlichen, hauptsächlich Jungs, arbeiten möchte. Dies waren Kinder und Jugendliche, welche tagtäglich, meist 7 Tage pro Woche, im Zentralpark Schuhe putzten, um Geld zu verdienen.

Zunächst ging es darum, den Draht zu den Kindern und Jugendlichen zu finden – vor allem durch verschiedene Spiele, aber auch Aktivitäten wie Armbändchen knüpfen. Manchmal haben wir tagelang Armbändchen geknüpft und ich konnte ihr Vertrauen immer mehr gewinnen. Häufig organisierte ich mit anderen Volontären Fußballspiele – so konnten die Jungs auch mal für ein paar Stunden ihr Arbeit und Verantwortung vergessen. Da viele von ihnen aus Geld- wie auch Zeitgründen entweder die Schule abgebrochen hatten oder nahe daran waren, dies zu tun, begann ich mit ihnen über den Schulbesuch zu sprechen. Unterstützt durch Cisol fanden viele Gespräche statt – wir konnten einige wieder für den Schulbesuch begeistern.
Nach meinem ersten Einsatz 2007 reiste ich jährlich bis 2010 in meinen Semesterferien nach Ecuador, um wieder mit den Kindern und Jugendlichen im Zentralpark zu arbeiten und sie für den weiteren Schulbesuch zu animieren. Heute besuchen einige der Jugendlichen, welche ich bereits 2007 betreute, die Universität.

Armbändchen knüpfen: Dabei entstanden viele Gespräche mit den Kindern. Foto: Cisol Suiza

Armbändchen knüpfen: Dabei entstanden viele Gespräche mit den Kindern. Foto: Cisol Suiza

Und jetzt arbeitest du für Cisol Suiza, wie das?

Während einer meiner ersten Einsätze in Ecuador lernte ich den Gründer von Cisol Suiza, Hansruedi Bachmann, kennen. Zurück in der Schweiz lud er mich zu einer Vorstandssitzung von Cisol Suiza ein.

Die Geschichten der Kinder sind hart. Armut, Kinderarbeit, Gewalt, Missbrauch, Schulabbruch, Perspektivlosigkeit, teilweise Drogen, usw. Ich habe Kinder kennengelernt, die vielleicht 10 Jahre alt waren, aber den harten geplagten Gesichtsausdruck eines Erwachsenen trugen. Ich sah, dass die Tätigkeit von Cisol Leben verändert, den Kindern und Jugendlichen neue Perspektiven gibt. Für mich war nach meinem ersten Einsatz in Ecuador klar, dass ich danach nicht einfach nur meinem eigenen Leben nachgehen konnte – ich wollte mithelfen, den Kindern und Jugendlichen, neue Möglichkeiten zu geben. Zumal es mich immer stark belastete, „in der Schweiz zu sitzen“ und nichts für die Kinder und Jugendlichen in Ecuador tun zu können.

2011 gründete ich mit meinem Partner eine eigene kleine Familie – unser Sohn wurde geboren. Seither war es mir nicht möglich, nach Ecuador zu reisen. Umso mehr versuche ich, mich für Cisol Suiza zu engagieren und so aus der Schweiz eine Unterstützung zu sein. Mit vielen Kindern, welche ich bei meinen Einsätzen in Ecuador kennenlernte, habe ich noch heute Kontakt – per E-Mail und teilweise sogar über Facebook.

Hast du ein Projekt, auf das du besonders stolz bist?

Ein Lieblingsprojekt habe ich nicht. Jedes einzelne Projekt ist notwendig, um die Kinder und Jugendlichen darin zu unterstützen, einen anderen Weg – aus der Armut und Perspektivlosigkeit – zu finden. Dabei darf man nicht vergessen, dass Cisol (unterstützt durch Cisol Suiza), den Kindern „nur“ eine Türe in ein anderes Leben anbietet – der Wille, die Arbeit und die Kraft dies auch zu tun kommt von den Kindern und Jugendlichen selber; und dies unter unheimlich schwierigen Verhältnissen.

Viele Momente und Begegnungen sind tagtäglich präsent. Foto: Cisol Suiza

Viele Momente und Begegnungen sind tagtäglich präsent. Foto: Cisol Suiza

Gibt es eine Begegnung, die dir nicht aus dem Kopf geht und die dich vielleicht besonders motiviert?

Da gibt es viele – Begegnungen, Momente und Erinnerungen, welche mir in bestimmten Situationen wieder in den Sinn kommen. Vor kurzen schrieb mir ein Junge am Schluss eines E-Mails: „Eine große Umarmung auch für meinen Bruder“. Ich überlegte und da erinnerte ich mich daran, wie er 2007 mit mir auf einer Bank im Zentralpark saß und mich fragte, was die Kinder und Jugendlichen mir denn bedeuten. Ich, damals auch erst 21 Jahre alt, sagte ihm, dass die Kleinen wie Söhne für mich sind und die Älteren wie Brüder. Er war damals klein und so hat er dies nicht vergessen – er nennt meinen Sohn nun seinen Bruder.
Anderes ist mir täglich präsent. Wenn ich morgens aus dem Haus gehe und durch die Stadt laufe, erinnern mich bestimmte Gerüche und Geräusche daran, wie ich jeweils am Morgen zu den Kindern in den Park spazierte und daran, dass wir bei Regen unter Bäume flüchteten, um dort weiter UNO zu spielen, Bändchen zu knüpfen oder Gespräche zu führen.

Was ist deiner Meinung nach wichtig, damit eine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Ecuador erfolgreich ist – was ist der größte Bedarf derzeit?

Projekte müssen auf die Situation der Kinder und die Projekte aufeinander abgestimmt sein. Die Situation von jedem Kind ist anders und jedes Kind hat andere Probleme. Cisol bietet den Kindern eine gewisse Rundumbetreuung. Probleme werden angepackt.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Zusammenarbeit mit den Familien oder Erziehungsverantwortlichen. Es wird mit ihnen über die Wichtigkeit des Schulbesuchs, aber auch Themen wie häusliche Gewalt gesprochen.

Außerdem ist Cisol ein geschützter Ort, wo die Kinder und Jugendlichen sehr viel Liebe, Respekt, ein zuhörendes Ohr erfahren. Ein Ort, wo sie Kind sein können, Lob und Aufmunterung erhalten. Ich glaube, dass dies ein sehr wichtiger Bestandteil ist, damit die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen erfolgreich ist. Sie brauchen Personen, welche ihnen Liebe und Wärme zeigen, sie aufmuntern und stolz auf sie sind.

Erfrischung nach dem Fußballspiel. Foto: Cisol

Erfrischung nach dem Fußballspiel. Foto: Cisol

Was würdest du Reisenden vor einem Besuch nach Ecuador mit auf den Weg geben?

Straßenkinder und -jugendliche werden meist ohne Respekt behandelt. Nicht selten werden sie öffentlich beschimpft oder als kriminell eingestuft. Geht auf die Kinder zu! Setzt euch einfach mal irgendwo auf eine Bank, wartet bis ein Kind euch anspricht. Dafür müsst ihr ihnen nicht extra etwas abkaufen oder die Schuhe putzen lassen. Fragt sie nach dem Namen und wie es ihnen geht. Seid freundlich und herzlich. Erzählt woher ihr kommt. Einige Kinder werden vielleicht davongehen, andere werden gespannt sein, was ihr zu erzählen habt. Und bevor ihr geht, macht ihnen ein Kompliment oder wünscht ihnen alles Gute. Ihr werdet damit den Kindern nicht nur den Tag etwas verschönern – ich bin mir sicher, dass die Kinder diese Begegnung nie vergessen werden.

Danke fürs Gespräch, Tamara!

Wer sich für Cisol Suiza und die Kinder und Jugendlichen in Ecuador einsetzen möchte, kann bei Cisol Suiza spenden. Es gibt auch die Möglichkeit, Mitglied von Cisol Suiza zu werden und uns jährlich mit dem Mitgliederbeitrag zu unterstützen. Man kann auch selbst aktiv werden, und z.B. einen Event planen oder an einer Geburtstagsfeier sammeln.

Mehr dazu auf der Facebook-Page, auf der Website oder im Newsletter.

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Im Namen der Schildkröte

„Es gibt so Wahnsinnige, die nur wegen der Schildkröten herauskommen. Und wenn die eine entdecken, dann holen sie sie aus dem Meer, halten sie an einem Bein hoch, posen damit…

„Es gibt so Wahnsinnige, die nur wegen der Schildkröten herauskommen. Und wenn die eine entdecken, dann holen sie sie aus dem Meer, halten sie an einem Bein hoch, posen damit herum, machen Fotos und zeigen die dann stolz auf Facebook ihren Freunden!“ Davids Stimme überschlägt sich, sein Spanisch wird schneller, so schnell, dass ich nur noch hoffen kann, es richtig verstanden zu haben. Aber eigentlich will ich das gar nicht verstehen – schon gar nicht, nachdem ich selbst vollkommen aus dem Häuschen war, als mein Tauchlehrer David Novillo unter Wasser plötzlich seine Hand ausgestreckt und mit dem Finger nach oben gedeutet hat: Eine Schildkröte! Über mir!

Und ich war nicht die Einzige. Kollegin Anja ist beim Ruf „Schildkröte“ vom Boot ins Meer gesprungen, um mit einem der „Green Girls“, wie David und sein Team die sanften Riesen liebevoll nennen, ein Weilchen mit zu schwimmen.

Zwölf dieser Green Girls haben David und seine Kollegen seit 2004 betreut: „Wir wachen über den Tieren, kontrollieren ihr Wachstum,“, erklärt er mir, „und wir retten sie, falls sie einen Unfall oder andere Schwierigkeiten hatten.“ Von letzterem sind wir heute Zeugen geworden: Ein „grünes Mädel“ hatte sich beim Plastikmüll, der – wie so oft – im Meer gelandet ist, geschnitten und musste – auch wie so oft – zur medizinischen Versorgung gebracht werden.

David ist engagierter Umweltschützer. Foto: Doris

David ist engagierter Umweltschützer.

Derzeit gibt es sechs Stück dieser Chelona Mida in Puertito de Adeje im Süden Teneriffas, dort in der touristischen Region der kanarischen Insel, wo auch noch immer umstrittene Walbeobachtungsfahrten angeboten werden. Und wo in der Hochsaison täglich mehr als 150 Menschen mit Booten zur Bucht fahren, um dort zu schnorcheln, zu tauchen, die Unterwasserwelt zu berühren, lautstark zu feiern – und leider gar nicht sorgsam mit der Natur umzugehen. Ebenso verhalten sich leider auch die acht privaten Schnorchelboote, die Touristen alle vier Stunden in die Meeresregion karren.

Über 150 Menschen fahren regelmäßig in das Gebiet, um zu tauchen und zu schnorcheln. Ruhe, denkste! Foto: Doris

Über 150 Menschen täglich fahren regelmäßig in das Gebiet, um zu tauchen und zu schnorcheln. Ruhe? Denkste!

Auch wenn es sich nach wenig anhören mag, sechs Schildkröten sind in dieser Region schon ein positives Zeichen und ein Verdienst, der David und seinen mittlerweile zehn Kollegen der privaten Non-Profit-Organisation Oceáno Sostenible zuzusprechen ist. 2004 hat der PADI Tauchinstrukteur gemeinsam mit anderen in einem Gebiet von 50 Quadratmeter begonnen, eine Meeresschutzzone einzurichten, um die Flora und Fauna der Region von einer zerstörerischen, nicht einheimischen Seeigelplage zu befreien und wieder zu regenerieren. Außerdem arbeitet die Organisation in einem SeaLab, wo sie wissenschaftliche Daten sammelt und auswertet. Mittlerweile hat sich das Gebiet vervielfacht und ist auf über 100.000 Quadratmeter angewachsen. Die Seeigel sind unter Kontrolle, und die sechs Schildkröten sind nicht die einzigen Zeichen, dass sich die Unterwasserwelt wieder etwas erholt: Seepferdchen oder Barrakudas sind bei den Tauch- und Schnorchelgängen zu entdecken.

Da habe ich noch recht waghalsig aus der Wäsche geschaut. Noch. Foto: Doris

Da habe ich noch recht waghalsig aus der Wäsche geschaut, bevor ich dann abgetaucht bin. Noch.

Damit gibt sich Oceáno Sostenible aber natürlich nicht zufrieden – die Arbeit geht weiter: „Unsere wichtigste Arbeit ist es, das Verantwortungsbewusstsein und den Respekt der Tauchzentren und privaten Taucher gegenüber den Schildkröten zu erhöhen,“, erklärt mir David später, „vor allem, weil wir täglich mehrere Male dort hin fahren.“ Seine Non-Profit-Organisation selbst hat mit dem FlyOver Tauchunternehmen, das von der Inselregierung und dem Fremdenverkehrsamt Turismo de Tenerife unterstützt wird, ein spezielles Angebot für Touristen geschaffen: Damit auch Anfänger die Unterwasserwelt in Puertito de Adeje kennen lernen können, begleiten erfahrene Taucher wie David Leute ohne Erfahrung – wie mich – nach unten. Die eine Hand auf der Nase (zum Druckausgleich), die andere gehalten von David oder einem seiner Kollegen gibt es das Taucherlebnis sozusagen im Schnelldurchgang – und man erfährt noch dazu etwas über die Unterwasserwelt der Region. Und das Beste: Zehn Prozent der Gewinne von FlyOver gehen wieder an Projekte von Oceáno Sostenible.

Bording... Foto: Doris

Bording…

Und Projekte gibt es genug:  Es geht nämlich bei Oceáno Sostenible nicht nur darum, Touristen einen nachhaltigen Umgang mit der (Unter-)Wasserwelt zu zeigen, sondern auch Einheimischen – vor allem den Kindern. Um das auch den Kleinen bewusst zu machen, werden ab September wieder Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen in das ebenfalls entstandene Maritime Lernzentrum geladen. Und sie werden kommen – wie schon die über 900 Kinder und Jugendlichen in der Vorsaison, mit denen David gearbeitet hat. Der gibt mir zum Schluss übrigens noch ein Zitat der Native Americans auf den Weg mit: „Das Land ist nicht ein Erbe unserer Eltern, es ist ein Erbstück für unsere Kinder.“ – auch das Wasserland der Schildkröten.

Reisebloggerin MrsBerry war ebenfalls dabei und hat geniale Unterwasser-Bilder gemacht. Dieses Video stammt von ihr.

 

Wer einen FlyOver-Tauchgang versuchen möchte, meldet sich am besten über die Website bei David und seinem Team. Nicht in freier Wildbahn, aber Schildkröten (und mehr) gibt es übrigens auch im Loro Parque im Norden Teneriffas zu sehen.

Offenlegung: Danke an Condor, GCE und Turismo de Tenerife für die Einladung. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben meine eigenen.

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