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Kategorie: Initiatives.

El Hogar ProVegan – Eine andere Welt ist möglich!

Alleine in Spanien werden jedes Jahr 150.000 Haustiere wie Hunde, Katzen, Kaninchen und Frettchen ausgesetzt, von denen nur ein kleiner Teil in einem der vielen Auffangzentren aufgenommen wird. Der Rest muss auf…

Alleine in Spanien werden jedes Jahr 150.000 Haustiere wie Hunde, Katzen, Kaninchen und Frettchen ausgesetzt, von denen nur ein kleiner Teil in einem der vielen Auffangzentren aufgenommen wird. Der Rest muss auf der Straße an Krankheit, Erschöpfung oder nach einem Verkehrsunfall sterben oder wird in einem der vom Staat subventionierten Tierheime umgebracht. Gleichzeitig werden auch andere Tiere ausgesetzt. Darüber gibt es allerdings keine Statistiken, da diese nicht zur Gruppe der Haustiere zählen. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als einsam und langsam zu sterben.

Die Tierindustrie bleibt aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Erfolge bestehen und der einzige Grund für die Existenz dieser Unternehmen ist der Profit. Das bedeutet, dass Tiere trotz ihrer individuellen Bedürfnisse wie Güter betrachtet und so behandelt werden, wie es für die Intensivtierhaltung am effektivsten ist. Diejenigen, die krank werden, einen Unfall erleiden oder vom LKW fallen, der sie transportiert, sind die Zeit und das Geld nicht wert, das den betriebwirtschaflichen Berechnungen zufolge benötigt wird. Immer wieder lässt man sie einfach sterben, man ignoriert sie oder wirft sie wie ein Paar alte Schuhe in den Müll.

Angesichts dieser aktuellen Problematik ist es zu einer gesellschaftlichen Notwendigkeit geworden, neue Tierrettungshöfe zu gründen. Dies spiegelt eine Veränderung der Denkweise von vielen Menschen wider, die anfangen zu begreifen, dass alle Tiere Respekt verdienen und das Recht haben müssen, nicht einfach eingesperrt, gefoltert und getötet zu werden.

Im Bewusstsein der tragischen Realität dieser Nutztiere, die nicht nur täglich für den Konsum ausgenutzt und ermordet werden, sondern auch über keinen Ort verfügen, der den wenigen, die befreit oder gerettet werden können, Schutz bietet, entstand auch El Hogar ProVegan, der erste Tierrettungshof in Spanien, gegründet im Jahr 2007. El Hogar ProVegan ist zu einem wichtigen Projekt geworden, das konstant gegen die Ungerechtigkeit des Speziezismus ankämpft und Informationen in verschiedenen Bereichen anbietet. Dazu zählen Studien über vegane Ernährung, Artikel über das wahre Gesicht der Viehhaltungsbetriebe und Erziehung, die sich auf Gleichheit und Respekt gegenüber anderen Spezies stützt. Außerdem wollen wir dazu beitragen, dass auch andere Menschen die wahre Natur der „großen Unbekannten“ kennen lernen: Derjenigen, die eingeschlossen in der Dunkelheit der Zuchtbetriebe leben müssen und die man als verpacktes Fleisch im Supermarktregal nicht einmal wiedererkennt. So wird jedes gerettet Individuum zum Botschafter seiner Spezies. Indem wir die Geschichte und das tägliche Leben dieser Teier teilen, bietet sich die einmalige Möglichkeit eine Verbindung herzustellen und Mitgefühl zu empfinden.

Ohne unseren Tierrettungshof hätte sich Felix, der Widder, – siehe Titelbild – niemals von seinen fast tödlichen Wunden erholt, die ihm mehrere Hunde zugefügt hatten. Sein Leben war dem Bauern, dem er gehörte nur 10 Euro wert, aber El Hogar ProVegan kämpfte dafür, dass er mit der ihm gebührenden Würde und Respekt in einem richtigen Operationssaal operiert werden konnte. Heute ist er glücklich und das zeigt er uns durch seine Zärtlichkeiten, seine Gesten und seine Stimme und obwohl seine Beine nicht richtig verheilen konnten, läuft er sicher und fröhlich auf dem Hof hin und her.

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Amelia hätte ebenfalls keine Chance gehabt, zu überleben. Ihr Körper wurde durch den jahrelangen Missbrauch in der Eierproduktion schwer geschädigt und sie war zutiefst traurig und erschöpft und hatte keine Kraft mehr zu kämpfen. Sie kam schwach, blass und ohne Federn zu uns und in ihren schwarzen, mutlosen Augen war nicht einmal Platz für Angst oder Erschrecken, nur dieser resignierte Blick ohne Hoffnung. Aber bei El Hogar ProVegan erhielt sie die Pflege, die sie brauchte, und mit jedem Happen Essen, jeder Zärtlichkeit für ihren zerbrechlichen Körper, kam ein bisschen Glanz zurück in ihre Augen. Amelia bekam neuen Lebensmut und kann nun eine Welt entdecken, die ihr bisher verwehrt blieb.

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Ohne die Vermittlung von El Hogar ProVegan, wäre Ruby kurz nach der Geburt ihrer Mutter Lucille entrissen worden, so wie es mit ihren Geschwister geschah, damit Lucille gemolken und ihr bis zur nächsten Schwangerschaft soviel Milch wie möglich entzogen werden kann. Zum Glück wird man ihr nie wieder das Herz brechen und Mutter und Tochter können gemeinsam auf dem Tierrettungshof, der einzigen Hoffnung für viele Tiere, alt werden.

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Wir stehen vor einem wichtigen, gesellschaftlichen Wandel und obwohl wir noch am Anfang des Weges stehen, entscheiden sich immer mehr Menschen wie Elena und Jonas, die beiden Direktoren von El Hogar ProVegan dazu, nicht mehr Teil der Ungerechtigkeit sein zu wollen und die Realität nicht so zu akzeptieren, wie sie oft vorgelebt wird.

El Hogar ProVegan ist der reale Beweis dafür, dass eine andere Welt möglich ist und dass wir durch Zusammenarbeit eine Realität schaffen können, in der die Tiere frei und glücklich sind. Du selbst kannst heute mitarbeiten, indem du unser Projekt unterstützt und uns hilfst, mehr Leben zu retten. So können wir gemeinsam der Welt zeigen, dass wir alle gleich sind.

Weitere Informationen findest du auf unserer deutschen Facebook-Seite, wir sind auch sehr aktiv auf YouTube – komm uns besuchen!

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KUNST HALLT NACH: Mensch und Ratte als Versuchstiere – Florian Mehnerts Projekt „11 Tage“

Eine lebende Ratte als Zielobjekt im künstlerischen Experiment. Ein Einblick in die Auseinandersetzung mit dem Experiment „11 Tage“ und dem Austausch mit dem Künstler Florian Mehnert: Das Projekt „11 Tage“…

Eine lebende Ratte als Zielobjekt im künstlerischen Experiment. Ein Einblick in die Auseinandersetzung mit dem Experiment „11 Tage“ und dem Austausch mit dem Künstler Florian Mehnert:

Das Projekt „11 Tage“

Ein Online-Livestream. Gezeigt wird eine Installation mit einer lebendigen, weißen Ratte. Diese befindet sich in einer weißen Box (siehe Titelbild). Am unteren Rand ragt ein Waffenlauf ins Bild. Etwas oberhalb befindet sich ein Fadenkreuz. Die UserInnen können über die Frage: „Soll die Ratte am Leben bleiben?“ abstimmen, die Waffe bewegen und bekommen in Aussicht gestellt, dass zu einem späteren Zeitpunkt die Waffe scharf gestellt sein wird und die Möglichkeit entsteht, mit der Waffe auf die Ratte zu schießen.

Das Experiment erlangte viel Aufmerksamkeit …

Ernstzunehmend wurde vermittelt, dass die Möglichkeit zur Tötung der Ratte als ein reales und künftig stattfindendes Ereignis zu verstehen sei. Die Reaktionen der Menschen waren und sind sehr unterschiedlich. Einige begrüßten die Möglichkeit dieses realen Ego-Shooters oder gratulierten zum Mut des Künstlers, andere äußerten Beleidigungen oder Drohungen aufgrund seines Vorhabens.

Das zentrale und gewaltsamste Element – die in Aussicht gestellte, brutale Tötung der Ratte durch UserInnen – schockierte sehr viele Menschen und veranlasste zu erstatteten Anzeigen, gestarteten Petitionen und bekundeten Protesten. Alles um zu verhindern, dass die Ratte innerhalb dieses Experiments tatsächlich zu Tode kommen könnte.

… und nahm ein vorzeitiges Ende

Informationen zufolge wurde die Installation von den zuständigen Behörden und der Polizei aufgesucht und der Künstler vernommen [1]. Die Ratte befand sich in einem guten gesundheitlichen Zustand und der Künstler hat diese freiwillig zur Sicherstellung ans Veterinäramt übergeben. Am selben Tag, dem 17. März 2015, wurde das Experiment vorzeitig beendet, Florian Mehnert beteuert seither: „Es war nie geplant, die Ratte zum Abschuss freizugeben, die Waffe wirklich scharf zu schalten, auch wenn der technische Aufbau der Installation dies ermöglicht.“

Der Künstler

Florian Mehnert widmet sich in seinen Videoarbeiten und Rauminstallationen häufig gesellschaftlichen und politischen Themen. Den Werken wohnen schwere Inhalte und grenzüberschreitende Methoden inne. Überwachung und die Konsequenzen daraus wurden bereits im Projekt „Waldprotokolle“ (2013) thematisiert. Mehnert trat selbst in die Rolle des Überwachenden und installierte in einem Wald Wanzen, um die Gespräche von PassantInnen aufzuzeichnen und diese anschließend zu veröffentlichen. Die Grenzen zwischen Öffentlichem und Privaten werden dabei aufgelöst. Im Projekt „Menschentracks“ (2014) wurden diese Grenzen bewusst verletzt. Mehnert hackte Smartphones, um deren Kameras fernzusteuern, das gewonnene Videomaterial wurde in einer Installation veröffentlicht. Der Künstler will dabei die „Bedeutung, den Verlust und den Wert unserer Privatsphäre in der vernetzten Gegenwart“ [2] hinterfragen.

In „11 Tage“ steigerte sich seine Rolle. Der Künstler erschuf eine Situation, die Online-UserInnen zu Überwachenden macht und ihnen in Aussicht stellt, von einer Schusswaffe Gebrauch machen zu können, um ein Lebewesen zu töten. Der Künstler ist Urheber, denn er schuf diese potenzielle Hinrichtungsstätte, Überwacher, weil er das Verhalten der RezipientInnen beobachtet und Anführer, da er bestimmen kann, ob eine Waffe mit tödlicher Munition zum Einsatz kommen wird oder nicht. Inwieweit hat der Künstler hier die Rolle derer (Staat, Militär etc.) eingenommen, die er selbst kritisiert? „Ich nehme als Künstler hier keinesfalls die Rolle derer ein, die ich kritisiere. Die Installation versetzt aber den Rezipienten in die Position des Überwachenden und des Drohnenpiloten.“, so Florian Mehnert.

Für die weitere Auseinandersetzung halte ich es durchaus für wichtig, neben beispielsweise ausführenden Rollen auch zugrundeliegende Mechanismen und voraussetzende Systeme zu berücksichtigen und hinterfragen.

Warum das alles?

Die Intention des Künstlers ist es, auf Themen wie Überwachung, bewaffneter Drohneneinsatz, Gamification [3] und Abstumpfung durch visualisierte Gewalt in den Medien hinzuweisen. „Die Installation […] veranschaulicht abstrakte Sachverhalte […], mehr noch, sie führt in ihrer Umsetzung sogar zu der Möglichkeit, die anonyme gezielte Tötung konkret nachzuvollziehen.“, so der Künstler.

Bild: Detail, Sicht auf Außenseite der Box mit technischen Apparaturen, Paintballwaffe verpixelt; im Innenraum dahinter befand sich die lebendige Ratte, 2015 | © Florian Mehnert

Künstler ↔ Werk ↔ Publikum

Welche Rolle spielt das Publikum?

Die Involvierung des Publikums könnte als werkimmanenter Teil verstanden werden. Die Rollen der/des Einzelnen sind unterschiedlich; beispielsweise unsichtbarer Zuseher, aktive Umfragenteilnehmerin, potenzieller Waffenbenutzer oder außerhalb des Werks aktiv werdende Unterzeichnerin einer Petition. „Die vielen Petitionen zeigen, dass Menschen, wenn sie tatsächlich einmal Einfluss nehmen können, sich konsequent engagieren, auch wenn es dann nur darum geht eine einzige Ratte zu retten.“, so Mehnert.

RezipientInnen legen Fokus falsch

„12% der User haben die Rettung der Ratte fokussiert, 82% haben dies nicht getan, sondern den tatsächlichen Impetus des Projekts erkannt und setzen sich in Folge dessen mit der Thematik auseinander.“, rechnet Florian Mehnert vor.

Florian Mehnerts Einschätzung gegenüber den RezipientInnen seines Projekts erzeugt Irritationen. Der Künstler schlussfolgert, dass „diese Rezipienten“ die leicht zu verstehenden Komponenten des Projekts, nämlich die „vermeintliche Rettung“ der Ratte und den „bösen Künstler“ zum Ventil benutzt haben für „die aufgestaute Wut und Hilflosigkeit aufgrund all der tausenden armen Laborraten, die man nicht zu retten vermag.“ Es dürfte sich laut Mehnert um „ein bestimmtes, relativ kleines, dafür aber umso lauteres ‚Klientel‘“ handeln, dass „auch für andere Laborratten protestieren“ würde, so Mehnert. [4]

Es ist doch nur eine Ratte

Die weiße Ratte ist als „klassisches Versuchstier“ zu betrachten, verwendet „um auf real existierende menschliche Opfer aufmerksam zu machen“, erklärt der Künstler und gibt an, dass von RezipientInnen differenziert werden muss, weil „eine Ratte in der Regel keineswegs die gleiche Wertigkeit wie die eines Mensch einnimmt.“ Doch wenn die Ratte im Experiment symbolisch für einen Mensch steht, wäre der Einsatz, der den Tod verhindern will nicht wünschenswert?

Was meint das Tierschutzgesetz? TierSchG §1: „[…] Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Stellt ein Kunstexperiment für die GesetzgeberIn diesen „vernünftigen Grund“ dar?

Bild: Stahlkonstruktion, Box aus Polyethylen, Servomotoren, Ardiuno Board, Webcam, Paintballwaffe, lebende Ratte (hier nicht sichtbar) 2015, 195 x 60 x 145 cm | © Florian Mehnert

Bild: Stahlkonstruktion, Box aus Polyethylen, Servomotoren, Ardiuno Board, Webcam, Paintballwaffe (200 Bar), lebende Ratte (hier nicht sichtbar) 2015, 195 x 60 x 145 cm | © Florian Mehnert

Fazit

Aufmerksamkeit um jeden Preis – wer profitiert davon?

Ein aufsehenerregendes Projekt mit erheblichem Potenzial, Auseinandersetzungen und Diskussionen zu verschiedenen Themen hervorzurufen. Doch können diese reißerischen Methoden und vorsätzlichen Polarisierungen eine seriöse Auseinandersetzung ermöglichen? Ist das Konzept des Projekts ausgearbeitet genug, um schwierigen Inhalten und moralischen Fragen tatsächlich gerecht zu werden? Wo und wie grenzt sich das Experiment von den Elementen ab, die es versucht zu kritisieren? Wird die zerstörerische Gewalt an Lebewesen, die Abstumpfung und Senkung der Hemmschwellen durch Visualisierung von Gewalt, der Prozess Gamification, die Taten rücksichtsloser Machtpositionen und das Töten unschuldiger Lebewesen durch das Projekt „11 Tage“ tatsächlich in Frage gestellt oder vielmehr bekräftigt?

Kunst kann sichtbar machen

Es gibt viele Themen, die Aufmerksamkeit, Hinterfragung und Veränderung erfordern, Kunst kann eine Möglichkeit sein, um uns auf diese Themen aufmerksam zu machen. Fest steht, dass viele Menschen bereit sind zu handeln, wenn Handlungsbedarf und Handlungsmöglichkeiten sichtbar werden. Die Not von Betroffenen, ob Menschen oder andere Tiere, gegeneinander auszuspielen ist dem Engagement für gesellschaftsrelevante Themen nicht dienlich. Vielmehr wird dadurch sichtbar, wo die Grenzen und Barrieren im Denken derer sind, die in herrschaftlichen Systemen ganz selbstverständlich die Rolle der/des Unterdrückenden einnehmen.

Tiere in der Kunst

Kunst, die lebende Tiere zu Objekten erklärt und auf anthropozentrische Weise benutzt, reflektiert das, was oft unhinterfragt, tagtäglich in unsere Gesellschaft passiert. Die Freiheit der Kunst sollte aber dort enden, wo Rechte und Schutz anderer Lebewesen von künstlerischen Umsetzungen bedroht werden.

Vielen Dank an Florian Mehnert für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen und die zur Verfügung gestellten Bilder!

Was denkst du über den Verlauf des Experiments? Kennst du andere künstlerische Projekte, in denen lebende Tiere verwendet werden?

 

[1] Laut Auskunft der Tierschutzpartei ist ein Verfahren gegen den Künstler anhängig und die Staatsanwaltschaft hat eigene Ermittlungen aufgenommen.
[2] Website des Künstlers
[3] Als Gamification wird der Prozess bezeichnet, der Prinzipien aus Spielen (bspw. Mechanik, Design, Denken) in spielfremde Kontexte überführt.
[4] Hier wird Bezug genommen auf Reaktionen von RezipientInnen, die den Tod der Ratte innerhalb des Projekts zu verhindern versuchten. Die Differenzierung von an den Künstler gerichtete Beleidigungen, Drohungen, etc. wurde klar kommuniziert.

 

Quellen
Website zum Projekt 11 Tage
Online-Zeitungsberichte und Blogbeiträge
E-Mail Interview mit Florian Mehnert
E-Mail Kontakt mit Vorsitzender vom Landesverband Hamburg von Partei Mensch Umwelt Tierschutz
Stoppen Sie das Rattenexperiment, Keine Ausstellungen für Tierquäler (Auszug Petitionen)
Website Partei Mensch Umwelt Tierschutz

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KUNST HALLT NACH: Karikaturen und Nachhaltigkeit? Karikaturist Bruno Haberzettl im Interview

Für den freien Zeichner und Illustrator Bruno Haberzettl ist es eine Selbstverständlichkeit, seine zeitgenössische Satire gesellschaftsrelevanten Themen zu widmen. Nachhaltigkeit spielt in einigen seiner Werken eine große Rolle – ich habe mit ihm…

Für den freien Zeichner und Illustrator Bruno Haberzettl ist es eine Selbstverständlichkeit, seine zeitgenössische Satire gesellschaftsrelevanten Themen zu widmen. Nachhaltigkeit spielt in einigen seiner Werken eine große Rolle – ich habe mit ihm darüber gesprochen.

Es ist Ihnen, nach eigenen Angaben, ein Bedürfnis den AkteurInnen und ProtagonistInnen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft „die Masken herunterzureißen“ und deren „wahres Gesicht zu offenbaren“. Was wollen Sie sichtbar machen?

Bruno Haberzettl: Mir scheint es äußerst wichtig, dass sich WählerInnen, KonsumentInnen und ArbeitnehmerInnen nicht vom Glanz der Oberflächlichkeit beeindrucken lassen, der von Politik und Wirtschaft so großzügig und höchst professionell versprüht wird. Es ist doch bezeichnend, dass EntscheidungsträgerInnen in führenden Positionen nicht selten SoziopathInnen sind. Solange diese schneidig und telegen daherkommen, verzeiht die gleichgültige Öffentlichkeit ihre Charakterschwächen.

Bild: Bruno Haberzettl, „Ist wurscht, wir sind keine großen Fischesser!“ - Nur keine Sorgen im Urlaub …2011 | © Bruno Haberzettl

„Ist wurscht, wir sind keine großen Fischesser!“ – Nur keine Sorgen im Urlaub…, 2011 | Bild: Bruno Haberzettl

Welche Bedeutung hat das Thema Umweltschutz für Sie? Mit „Naturlieb Ja! – Aber. Wirtschaftswachstum um jeden Preis“ wird dem Thema in Ihrem neuen Buch »Brunos nackte Tatsachen« (Ueberreuter, 2014) ein ganzes Kapitel gewidmet.

Bruno Haberzettl: Das Thema Umwelt- und Naturschutz sollte oberste Priorität haben. Unser Wirtschaftssystem, basierend auf ewigem Wirtschaftswachstum, führt uns geradewegs in die Katastrophe. Wir opfern dafür ein natürliches System, das sich in Millionen von Jahren entwickelt und sich durch seine Dynamik und unendlichen Vernetzungen bis heute bewährt hat. Alles, was für uns existentiell wichtig ist, leiten wir davon ab. Was nützt uns unser Pseudowohlstand, wenn wir zum Beispiel kein sauberes Trinkwasser mehr haben? Die Zerstörung der Natur für wirtschaftliche Interessen hat sich als das schlechteste Geschäft aller Zeiten herausgestellt. Die daraus resultierenden Naturkatastrophen ziehen – auch bei uns – Reparaturzahlungen in Milliardenhöhe mit sich. Dagegen ist die Umweg-Rentabilität erhalten gebliebener Naturräume unbezahlbar!

Bild: Bruno Haberzettl, Gedanken zur Entfesselung der Wirtschaft …, 2013 | © Bruno Haberzettl

Gedanken zur Entfesselung der Wirtschaft …, 2013 | Bild: Bruno Haberzettl

Was mich besonders ärgert: Die Politik setzt komplett auf ein kapitalistisches Wirtschaftssystem, dass die Naturzerstörung vorantreibt und sogar noch beschleunigt. Ein System, dass auf Autopilot dahin rast, ist natürlich leicht zu verwalten. Und kommt Kritik, wird reflexartig mit Drohungen und Verängstigungen zu Arbeitslosigkeit etc. reagiert – dann kuscht die Masse wieder. Derartige „SystemidiotInnen“ als PolitikerInnen brauchen wir aber nicht, sondern wir brauchen Schach spielende VisionärInnen, die ein paar Züge vorausdenken können.

Bild: Bruno Haberzettl, Die EU-Kommission weiß genau, was uns Bürgern zu unserem Glück fehlt! – Unbegrenzter, amerikanischer Ernährungstraum …, 2014 | © Bruno Haberzettl

Die EU-Kommission weiß genau, was uns Bürgern zu unserem Glück fehlt! – Unbegrenzter, amerikanischer Ernährungstraum …, 2014 | Bild: Bruno Haberzettl

Mit welcher Intention zeichneten Sie im Kapitel „Tief über Europa. Die EU steckt in der Pubertät.“ zum Transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP?

Bruno Haberzettl: Die EU wäre grundsätzlich eine brillante Idee. Wäre sie, wie so laut gepriesen, eine Wertegemeinschaft. Der einzige Wert um den es aber zu gehen scheint, ist das Geld und damit verbunden, die egoistischen wirtschaftlichen Interessen der einzelnen Mitglieder. So gesehen ist die EU über ihren Gründungsgedanken nie hinausgewachsen. Die massiven Bestrebungen zur Liberalisierung des Welthandels wie zum Beispiel TTIP gehen genau in diese Richtung. Soziale Marktwirtschaft, Eigenbestimmung und Naturschutz gehen dabei schön langsam flöten.

Bild: Bruno Haberzettl, Wertegemeinschaften …, 2011 | © Bruno Haberzettl

Wertegemeinschaften …, 2011 | Bild: Bruno Haberzettl

Wie könnte diese Werteverschiebung aufgehalten und verändert werden?

Bruno Haberzettl: Einer Gesellschaft, die sich aus Überzeugung einer Verkleinerung und Verlangsamung ausspricht und zwar wider aller technischen Möglichkeiten, wäre ein riesiger Entwicklungsschritt gelungen. Für uns EuropäerInnen vielleicht der größte in unserer Geschichte, da wir dadurch erstmals auf den Weg der Nachhaltigkeit kommen würden.

Bild: Bruno Haberzettl, Zum Glück gibt es ja Jäger! Selbst ernannte Naturexperten, die wissen, dass mit einem gezielten Flintenschuss jedes Problem zu lösen ist, 2014 | © Bruno Haberzettl

Zum Glück gibt es ja Jäger! Selbst ernannte Naturexperten, die wissen, dass mit einem gezielten Flintenschuss jedes Problem zu lösen ist, 2014 | Bild: Bruno Haberzettl

Ein Werk, das ursprünglich in Ihrem Buch „Brunos Jagdfieber“ (Ueberreuter, 2013) erschienen ist führt mich zur Frage: Wie nachhaltig ist die Jagd?

Bruno Haberzettl: Die Jagd ist, laut Prof. Josef Reichholf (Zoologe, Ökologe und Evolutionsbiologe), nach der industriellen Landwirtschaft der zweitgrößte Artenfeind! Ökologisch gesehen, löst sie keine Probleme, wie ihre ProtagonistInnen geifernd uns immer wieder einzureden versuchen, sondern sie verursacht diese Probleme vielmehr. Was mich so abstößt, ist die Präpotenz und Aggression, mit der JägerInnen, wider besseren Wissens, ihr bedenkliches Hobby dem Rest der Gesellschaft aufzwingen. Die Jagd ist im negativen Sinn nachhaltig. Sie schafft einen kranken Zustand im natürlichen Gefüge und hält diesen zum Nutzen von FreizeitmörderInnen aufrecht!

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Bruno Haberzettl: Wofür ich mir immer Zeit nehme, sind meine Aktivitäten im Garten und in der Natur. Dazu gehören verschiedene Maßnahmen zur Re-Naturierung. Ich beschäftige mich seit 25 Jahren mit Amphibienschutz und der Anlage von verschiedenen dynamischen Laichgewässern. Mit Leidenschaft lege ich auch Trockensteinmauern verbunden mit Sandflächen für Reptilien. Auch Vogel- und Insektenschutz sind mir wichtig. All diese Maßnahmen gewinnen für mich immer mehr an Bedeutung.

Vielen Dank für das Gespräch, die aufschlussreichen Antworten und ihr persönliches Engagement!

 

In jeder Sonntagsausgabe der österreichischen Tageszeitung »Krone« ist eine Karikatur von Bruno Haberzettl zu finden, in seinen Büchern kommt ihr in den vollen Genuss seiner witzigen und tiefgründigen Satire zu zeitgenössischen Themen.

Cover
Bruno Haberzettl »Brunos nackte Tatsachen«
Carl Ueberreuter Verlag, Wien 2014
Hardcover, 160 Seite mit farbigen Abbildungen
ISBN: 978-3-8000-7597-3
Meine Rezension zum Buch: Humor ist … | »Brunos nackte Tatsachen« von Bruno Haberzettl

 


Bruno Haberzettl »Brunos Jagdfieber«
Carl Ueberreuter Verlag, Wien 2013
Hardcover, 96 Seiten mit farbigen Abbildungen
ISBN: 978-3-8000-7566-9

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KUNST HALLT NACH: Kunst und Nachhaltigkeit? Reines Wasser – Die kostbarste Ressource der Welt

Was hat Kunst mit Nachhaltigkeit zu tun? In meiner Kolumne stelle ich mir unter anderem diese Frage. Den Auftakt dieser Entdeckungsreise bildet ein Besuch der von Stella Rollig und Magnus…

Was hat Kunst mit Nachhaltigkeit zu tun? In meiner Kolumne stelle ich mir unter anderem diese Frage. Den Auftakt dieser Entdeckungsreise bildet ein Besuch der von Stella Rollig und Magnus Hofmüller kuratierten Ausstellung „Reines Wasser. Die kostbarste Ressource der Welt“, die bis 15. Februar 2015 im Lentos Kunstmuseum Linz geöffnet hat.

Wasser macht sauber, glücklich und gesund, ist überlebensnotwendig und wirtschaftlich interessant. Wasser steht im Fokus der künstlerischen Werke von insgesamt 58 KünstlerInnen und KünstlerInnengruppen, die in der Ausstellung präsentiert werden.

Eine riesige Fotografie von Daniel Canogar (siehe Titelbild) katapultiert das Thema Wasserverschmutzung mit einem Schlag in die Ausstellungsräumlichkeiten. Inspiriert vom Great Pacific Garbage Vortex [1] zeigt das Foto unter anderem Trink- und Waschmittelflaschen, Getränkedosen und Plastiktaschen, die in helltürkisem Wasser schwimmen, mitten darin zirka 55 Personen.

The Yes Men, B'EAU-PAL, 2009, mixed installation | © The Yes Men

Bild: The Yes Men, B’EAU-PAL, 2009, mixed installation | © The Yes Men

Eine attraktiv wirkende, jedoch fiktive Wassermarke ließen The Yes Men entstehen. Die Installation thematisiert einen schrecklichen Chemieunfall im Jahre 1984 im indischen Bhopal. Im Zuge ihrer künstlerisch-aktionistischen Aktion wurde die Nachricht verbreitet, der Chemiekonzern Dow Chemical wäre bereit, Entschädigungen an die geschädigten Menschen zu bezahlen. Die Verantwortlichen des Chemiekonzerns waren gezwungen, die angekündigten Entschädigungszahlungen in der Öffentlichkeit zu dementieren.

Das einundzwanzig Minuten dauernde Video „Flooded Mc Donald’s“ von Superflex, zeigt eine menschenleere, nachgebaute Mc Donald’s Filiale, die langsam mit Wasser überflutet wird. Von vormals knusprigen Pommes bis zum bunten Kinderspielzeug wird alles vom langsam ansteigenden Wasser erfasst – Kurzschlüsse bei elektrischen Geräte und immer trüberer werdendes Wasser sind die Folge. Thematisiert wird der Klimawandel. Mc Donald’s als weltgrößter Rindfleischproduzent hat hier wohl einiges zu verbuchen.

Wie eng Kunst mit Tierschutz zusammenhängen kann, kommt mit dem Werk „Freitagsessen“ von Klaus Rinke – wohl unbeabsichtigt – zum Ausdruck. Dazu zwei Bilder seiner Installation.

Klaus Rinke, Freitagessen, 1987, Wassertisch (mit 12 Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Bild: Klaus Rinke, Freitagsessen, 1987, Wassertisch (mit 12 Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Klaus Rinke, Freitagessen, 1987, Wassertisch (ohne Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Bild: Klaus Rinke, Freitagsessen, 1987, Wassertisch (ohne Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Neben der Objektbeschriftung zum Werk „Freitagsessen“ ist in der Ausstellung folgender Hinweis zu lesen: „In der ursprünglichen Version von 1987 enthielt der Tisch 12 lebende Karpfen. Dies ist aufgrund des heute geltenden österreichischen Tierschutzgesetzes nicht möglich.“ Neben der Installation wird eine Videoaufnahme von den im Tisch schwimmenden Fischen gezeigt, bevor diese entfernt wurden.

„Hast du heute schon genug getrunken?“ Positiv und mit einer klaren Handlungsanweisung endet die Ausstellung mit einer „Hommage an den Genuss“ [2] von frischem und sauberem Wasser, das nicht selbstverständlich aus der Wasserleitung kommt. Das Lebenswerk von Peter Dreher umfasst um die fünftausend Gemälde von demselben Wasserglas, um die 50 wurden in der Ausstellung gezeigt.

Peter Dreher, Tag um Tag guter Tag, Das Glas, 1974 bis heute, Öl auf Leinwand, 25 x 20 cm | Courtesy WAGNER + PARTNER. © Bildrecht, Wien 2014

Bild: Peter Dreher, Tag um Tag guter Tag, Das Glas, 1974 bis heute, Öl auf Leinwand, 25 x 20 cm | Courtesy WAGNER + PARTNER. © Bildrecht, Wien 2014

„Zu zeigen, dass Wasser weit mehr ist als Mittel zum Zweck“ [2] ist Anliegen dieser Ausstellung, die meinem Eindruck nach behutsam versucht, die Menschen an ein Thema heranzuführen, dass gesellschaftskritisches Potenzial und politischen Sprengstoff in sich trägt.

 

Katalog-ReinesWasser

Stella Rollig, Magnus Hofmüller (Hrsg.)
REINES WASSER. Die kostbarste Ressource der Welt. Publikation zur Ausstellung im LENTOS Kunstmuseum Linz Jung & Jung Verlag
Hardcover, 160 Seiten, farb. Abbildungen, dt.,
ISBN 978-3-99027-064-6

Was hat Kunst mit Nachhaltigkeit zu tun? Kennst du Kunstwerke oder KünstlerInnen, die dieses Thema aufgreifen?

 

Quellen:

[1] Das Phänomen Great Pacific Garbage Vortex beschreibt die Ansammlung von Kunststoffmüll im Ozean und die Wirbel (lat. Vortex), die die kleinen Kunststoffteilchen zum Meeresboden transportieren, welche so ins Ökosystem gelangen.

[2] ROLLIG, Stella, Ein guter Tag, in: Reines Wasser. Die kostbarste Ressource der Welt, (Saalheft zur Ausstellung, 3.10.2014 – 15.2.2015, Lentos Kunstmuseum Linz), Linz, 2014, S. 28

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Importverbot für Soja – Jetzt Petition unterschreiben!

Rettet den Regenwald e.V. hat die Petition „Stoppt Monsanto-Soja!“ ins Leben gerufen. Fordern wir gemeinsam ein Importverbot von Soja in die EU. Warum dies wichtig ist Etwa 99 Prozent der…

Rettet den Regenwald e.V. hat die Petition „Stoppt Monsanto-Soja!“ ins Leben gerufen. Fordern wir gemeinsam ein Importverbot von Soja in die EU.

Warum dies wichtig ist

Etwa 99 Prozent der Sojaimporte gehen in die Produktion von Futtermitteln sowie in die Herstellung von „Biodiesel“ und in die Chemieindustrie. In Südamerika werden dafür jedes Jahr Tropenwälder von der Fläche der Niederlande gerodet. Dabei haben die Monokulturen schon jetzt unvorstellbare Ausmaße erreicht: 2009 nahmen die schädlichen Genkulturen (Soja, Mais, Baumwolle und Raps) weltweit schon 134 Millionen Hektar Land (knapp die vierfache Fläche Deutschlands) in Beschlag.

Als Monsanto in den 90er Jahren mit genmanipuliertem Saatgut seinen Weg zur Monopolmacht beschritt, hatte die Firma große Versprechen mit im Gepäck. Durch die Anwendung ihres Anbaumodells wurden viel schnellere und deutlich umfangreichere Erträge bei geringerer Anwendung von Chemikalien in Aussicht gestellt. Diese Prognosen stützten sich auf die Tatsache, dass Monsantos Chemiker das Erbgut der Pflanzen immun gegen das firmeneigene Totalherbizid Roundup machten. Während die patentierten Bohnen die Besprühungen überstehen, stirbt die übrige Vegetation ab.

Doch die Natur verändert sich

Immer mehr Wildkräuter und Insekten passen sich der Situation an und werden ebenfalls resistent gegen das Herbizid. Dies hat zur Folge, dass immer mehr und aggressivere Chemikalien zum Einsatz kommen. Insgesamt werden heute in Argentiniens Landwirtschaft achtmal so viel Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt wie im Jahr 1990. Alleine in Argentinien beläuft sich der Spritzmitteleinsatz auf 200 Millionen Liter pro Jahr. Bis zur Ernte werden die Soja-Monokulturen in der Regel drei Mal gespritzt.

Gesundheitliche Probleme

Weil sich die Plantagen bis zu den Siedlungen ausbreiten und es kaum gesetzliche Bestimmungen gibt, werden die Menschen durch die versprühten Gifte krank oder sterben sogar. Auch Tiere, Böden, Flüsse und das Trinkwasser werden verseucht. In der stark betroffenen Gemeinde Avia Terai gab knapp ein Drittel der Befragten an, dass sie ein Familienmitglied haben, das an Krebs leidet oder litt. Im Dorf Charadai, das sich auf Viehzucht stützt, sind es dagegen nur drei Prozent. In Chaco, Argentiniens ärmster Provinz, haben sich die Fälle von Geburtsfehlern binnen einer Dekade vervierfacht.

Fordere daher auch du ein Importverbot für Soja in die EU: Zur Petition

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Rettet den Biobauern: Jetzt Petition unterschreiben!

Bei der Plattform Avaaz.org läuft zur Zeit eine Petition, die der Familie Kargl helfen soll, ihren Grund zu behalten. Gib auch du deine Stimme für Familie Kargl und zeige so…

Bei der Plattform Avaaz.org läuft zur Zeit eine Petition, die der Familie Kargl helfen soll, ihren Grund zu behalten. Gib auch du deine Stimme für Familie Kargl und zeige so der Behörde, dass es nur eine richtige Entscheidung gibt: Zur Petition

Worum geht es dabei?

Die niederösterreichische Agrarbezirksbehörde plant zurzeit in Großglobnitz eine Zusammenlegung (ungangssprachlich Kommassierung). Das bedeutet, dass die Agrarbehörde sämtliche Felder über die Grundeigentümer hinweg in einem gewissen Bereich neu aufteilt. So sollen aus vielen kleineren und verstreuten Feldern große, für die Landwirtschaft optimal nutzbare Flächen entstehen. Das große Problem: Auch die Flächen eines Biobauern sollen so auf diesem Weg neu zugewiesen werden.

Die Familie Kargl aus Großglobnitz führt seit nun mehr 33 Jahren einen bio-landwirtschaftlichen Betrieb. Sie bewirtschaften 17 Felder, die insgesamt eine Größe von 30 Hektar haben und vertreiben mittlerweile ihre Erzeugnisse über ein „Gemüsekisterl“ durch welches derzeit rund 50 bis 60 Kunden direkt in den Genuss der Bio-Erzeugnisse kommen.

Was bedeutet die Feldzusammenlegung für die Familie Kargl?

Im Gesetz ist zwar verankert: „Jede Partei, deren Grundstücke der Zusammenlegung unterzogen werden, hat Anspruch, unter Anrechnung der Grundaufbringung gemäß Abs. 6 entsprechend dem Wert ihrer in das Verfahren einbezogenen Grundstücke mit Grundstücken von tunlichst gleicher Beschaffenheit abgefunden zu werden.“ Die Behörde unterschiedet jedoch nicht zwischen konventionell angebauten und biologisch angebauten Feldern. Viel schlimmer, die Felder der Familie Kargl sind innerhalb der Zusammenlegung die einzigen Felder, die den biologischen Kriterien entsprechen.

Dies bedeutet zwangsläufig, dass die Familie Kargl nur Nachteile aus einer Zusammenlegung ziehen kann. Denn gegen welche biologischen Landflächen möchte die Behörde so tauschen? Ein Feld muss mindesten drei Jahre biologisch bewirtschaftet werden, also beispielsweise ohne künstlichen Dünger oder giftige Schädlingsbekämpfungsmittel, bevor sie tatsächlich für den biologischen Anbau verwendet und zertifiziert werden können. Es bleibt lediglich noch die Möglichkeit einer Abfindung.

Trotzdem würde ein Tausch der biologischen Felder gegen konventionell angebaute der Familie ihre Existenz berauben. Die Familie möchte nichts weiter als auf ihrem eigenen Grund und Boden ihren Bio-Hof weiterhin so zu bewirtschaften, wie sie es bereits die letzten 33 Jahre getan haben.

Bereits positive Reaktion

Obwohl der Einspruch der Familie bereits abgewiesen wurde hat die Agrarbehörde aufgrund der vielen Medienberichte bereits zurückgerudert und räumt ein die Familie könne ihre Felder behalten. Derzeit steht der Entscheid über die Herausnahme der Grundstücke aus. Umso wichtiger ist es nun nicht nachzulassen: Zur Petition

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Tatort Bauernhof – Trotz Gesetzen und EU-Subventionen keine behördlichen Kontrollen?

Seit Jahrzehnten war der Bauernhof im Waldviertel bekannt für Missstände und Tierquälerei – couragierte BürgerInnen handelten! Tierquälerei am Bauernhof: April 2014 BürgerInnen melden einen landwirtschaftlichen Betrieb beim Amtstierarzt, in dem…

Seit Jahrzehnten war der Bauernhof im Waldviertel bekannt für Missstände und Tierquälerei – couragierte BürgerInnen handelten!

Tierquälerei am Bauernhof: April 2014

BürgerInnen melden einen landwirtschaftlichen Betrieb beim Amtstierarzt, in dem fünf schwer verletzte Rinder in nicht artgerechter Tierhaltung und schlechten hygienischen Zuständen leben.

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© VGT

Der zuständige Amtstierarzt der Bezirkshauptmannschaft Waidhofen an der Thaya wird, trotz Gefahr in Verzug, nicht sofort tätig. Seine Kollegin dokumentiert vier Tage nach der ersten Meldung die Missstände, am sechsten Tag erst besucht auch der Amtstierarzt schließlich den Bauernhof.

Der Landwirt aus Eggmanns hält in einem zu kleinen Stall voller Exkremente Rinder, teilweise ohne Tageslicht und bei verfaultem Futter. Fünf der Rinder – in dauerhafter Anbindehaltung – weisen massive Verletzungen auf. Die Ketten sind mit dem Nackenfleisch der Kühe verwachsen und teilweise von neuer Haut bedeckt. Dieser Betrieb wird jährlich mit 14.000 Euro von der EU subventioniert.

© VGT

Laut § 37 Abs 1 Tierschutzgesetz (TSchG) ist es die Pflicht der Behörden, Verstöße gegen § 5 (Tierquälerei) und § 7 (Verbot von Eingriffen an Tieren) unmittelbar zu beenden. Statt einer Beschlagnahmung ordnet der zuständige Amtstierarzt aber eine für den Landwirt profitable Notschlachtung an. Die um das Wohl der Tiere besorgten BürgerInnen können, gemeinsam mit AktivistInnen der Tierschutzorganisation Verein gegen Tierfabriken (VGT), den Amtstierarzt und den Landwirt von einer Übergabe der fünf verletzten Rinder an einen Gnadenhof überzeugen. Die Tötung der physisch und psychisch leidenden Kühe kann verhindert werden, weil der österreichische Gnadenhof Gut Aiderbichl auf die Vorgabe des Landwirts eingeht und ihm die Tiere abkauft. Vor dem Abtransport reißt der Landwirt den Tieren die eingewachsenen Ketten aus der Haut und versucht danach, seine Handlungen zu vertuschen.

Ist die Anbindehaltung in Österreich erlaubt?

Nein. Das österreichische Tierschutzgesetz (TSchG) besagt in § 16 (Bewegungsfreiheit) Abs 3 „Die dauernde Anbindehaltung ist verboten.“ Die rechtlich untergeordnete Anlage 2 der 1. Tierhaltungsverordnung (2.2 Bewegungsfreiheit) wird jedoch zur Umgehung dieser Bestimmung benutzt: „Die dauernde Anbindehaltung ist zulässig, wenn eine Unterbrechung der Anbindehaltung für den Tierhalter aus technischen oder rechtlichen Gründen nicht möglich ist.“ Tierschutz- und Tierrechtsaktivist Elmar Völkl schickte diesbezüglich eine Sachverhaltsdarstellung an die Volksanwaltschaft mit der Bitte um eine juristische Prüfung.

Werden diese von LandwirtInnen angegebenen Gründe überprüft?

Nein. Dazu der zuständige Amtstierarzt in seiner Zeugenaussage vor dem Bezirksgericht Waidhofen an der Thaya: „Der Landwirt muss eigentlich nur erklären, dass er aus faktischen, gesundheitlichen, rechtlichen oder auch finanziellen Gründen nicht in der Lage sei, dieser Tierhalteverordnung zu entsprechen. Diese Gründe werden nicht überprüft, auch nicht verifiziert, es reicht die bloße Erklärung des Landwirtes und dann darf er auch weiterhin Tiere in Anbindehaltung halten.“

© VGT

Landwirt vor Gericht: September 2014

Der angeklagte Landwirt bekennt sich vor dem zuständigen Bezirksgericht schuldig für die Missstände, Verletzungen und Schmerzen der fünf Tiere. Bereits vor Monaten habe er die verwachsenen Ketten bemerkt, diese immer wieder aus dem Fleisch der Kühe gelockert und die Wunden mit Blauspray besprüht. Auch das Verbot der Anbindehaltung sei ihm bekannt gewesen, Förderungen für einen Umbau nahm er aus Gründen, die ihm selbst nicht bekannt waren, nicht in Anspruch.

Hauptverhandlung: Dezember 2014

Das Gericht lehnt eine von der Verteidigung geforderte, außergerichtliche Einigung ab. Deren Argument, dass im Betrieb 30 Jahre lang alles in Ordnung gewesen sei, entgegnet die Richterin: „Das wage ich stark zu bezweifeln.“ Die Angabe der Verteidigung, dass der Betrieb seit kurzem vorbildlich geführt werden würde, beeindruckt die Richterin auch nicht: „Natürlich ist es gut, wenn jetzt alles funktioniert, aber das ist eine Selbstverständlichkeit.“ Die restlichen Tiere befinden sich weiterhin am Bauernhof des Beschuldigten, an deren Haltung hat sich nichts geändert.

Es ist die Pflicht von LandwirtInnen, die untersten Mindeststandards zu erfüllen – die sehr engagierte Richterin ist empört darüber „dass Landwirte sich durch eine einfache, nicht überprüfte Erklärung vom Verbot der dauernden Anbindehaltung selbst ausnehmen können.”, und bezeichnet den Umstand, dass unterste Mindeststandards derart unterschritten werden als „nicht tolerierbar.“

Das Urteil

Unter anderem wegen Vernachlässigung der Tiere und dem aktiven Herausreißen der Ketten wurde der Landwirt – rechtskräftig – zu drei Monaten bedingter Strafe verurteilt. Für Tierschutz- und Tierrechtsaktivist Elmar Völkl handelt es sich um ein richtungsweisendes Urteil: „Heute ist ein richtungsweisendes Urteil gefallen, mit einem klaren Signal an TierhalterInnen, dass die Unterschreitung der ohnehin niedrigen Mindeststandards nicht mehr toleriert wird!“

Die fünf Tiere befinden sich auf Gut Aiderbichl, wurden medizinisch versorgt und erholen sich seither von ihren physischen und psychischen Verletzungen. Danke an alle engagierten Menschen, die hinsehen, erkennen und handeln!

 

Nachgefragt bei Tierschutz- und Tierrechtsaktivist Elmar Völkl

Wie sollten Menschen vorgehen, wenn sie ZeugInnen von Tierquälerei werden?

Elmar Völkl: Dokumentieren, dokumentieren, dokumentieren! Es ist essenziell, Tierquälereien so gut wie möglich zu dokumentieren, für den Fall, dass mündlichen Aussagen nicht geglaubt wird, wie wir beim Verein gegen Tierfabriken (VGT) leider schon oft erleben mussten. Um zu verhindern, dass ein Verfahren erfolgend aus einer privaten Meldung eingestellt wird, empfiehlt sich bei schweren Fällen von Tierquälerei, den Kontakt mit Tierschutz-/Tierrechtsvereinen, wie dem VGT, aufzunehmen. Qualifizierte Sachverhaltsdarstellungen können erarbeitet und ein Fall gegebenenfalls an die Öffentlichkeit gebracht werden. Sollte Gefahr in Verzug herrschen, zögern Sie bitte nicht, die Polizei zu rufen und auf ein sofortiges Einschreiten zu bestehen!

Was können KonsumentInnen tun?

Elmar Völkl: Es liegt an den mündigen, kritischen KonsumentInnen selbst, die sich ein Bild davon machen müssen, welche Lebensmittelproduktion ihren ethischen und ökologischen Ansprüchen gerecht wird. Leider sind Bioprodukte – vor allem weil es letzten Endes wieder um Massenproduktion geht – auch nicht der Tierethik letzter Schluss: Nicht zuletzt aufgrund stets wachsendem Wissen über die kognitiven und sozialen Fähigkeiten nicht-menschlicher Tiere und deren Personenstatus, entscheiden sich immer mehr Menschen für eine vegetarische oder vegane Lebensweise.

 

Quellen:
Bundesgesetz über den Schutz der Tiere (Tierschutzgesetz – TSchG)
Tierhaltungsverordnung, Anlage 2, Mindestanforderungen für die Haltung von Rindern
News des Vereins gegen Tierfabriken
Niederösterreichische Nachrichten
Gut Aiderbichl, Video von Transport
Tierrechtsradio, Sendung vom 5. Dezember 2014

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„Wenn ich groß bin, werde ich ein Pelzkragen!“

Eine Gruppe von Menschen sammelt sich vor einer Filiale der Modemarke „Burberry“ in der Wiener Innenstadt. Das Auffälligste an ihnen sind die Masken, die einen weißen Fuchskopf zeigen, welche viele…

Eine Gruppe von Menschen sammelt sich vor einer Filiale der Modemarke „Burberry“ in der Wiener Innenstadt. Das Auffälligste an ihnen sind die Masken, die einen weißen Fuchskopf zeigen, welche viele von ihnen bei sich tragen. Ein Mann, ein hochgehaltenes Schild mit der Aufschrift „Bloodberry“ tragend, kommt mir entgegen. Ich lasse meinen Blick auf eine Reihe von Menschen vor dem Geschäft schweifen. „Save Kimi“ lautet der Schriftzug auf einem großen Transparent, welches die Personen vor sich halten. Ich stelle mich zu der Gruppe und entrolle mein Plakat. Passanten gehen vorüber und schauen irritiert auf die Banner. Viele von ihnen fragen sich sicher wer Kimi ist, bis sie von einem engagierten Tierschützer einen Flyer überreicht bekommen, welcher die Unklarheiten beseitigt.

Wer ist Kimi?

„Wenn ich groß bin, werde ich ein Pelzkragen!“ lautet die Überschrift auf dem Flyer der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“. Kimi ist ein weißer Fuchs. Ein Tier stellvertretend für viele Füchse, Waschbären und Nerze, die für die Pelzindustrie gehalten und getötet werden. Er wurde im April 2014 geboren und lebt mit tausenden Artgenossen in kleinen Käfigen auf einer Pelzfarm in Finnland. Die Haltebedingungen dort sind schlecht. Die Käfige sind klein, viele Tiere krank und verängstigt. Unter den Gittern, auf denen sie stehen, sammeln sich Exkremente. Doch dort lebt er nicht lange. Im Oktober hat die sogenannte Fell-Ernte begonnen, die sich noch durch den gesamten November zieht. Während dieser Zeit werden die Tiere getötet. Ihnen wird das Fell abgezogen, um damit später Jacken und Mäntel, Mützen und Schuhe zieren zu können.

Wer bezieht dieses Fell?

Der Protest unter dem Titel „Save Kimi“ richtet sich überwiegend gegen das britische Modelabel Burberry, welches ihren Pelz von der Firma SAGA FURS bezieht. Doch Pelz ist nicht nur ein Problem bei Burberry oder einzelnen Modegeschäften, viele Modeketten führen noch immer Kleidung mit Pelz.

Warum sollte man keinen Pelz kaufen?

Für viele Tierrechtler steht der moralische Aspekt im Vordergrund. Pelz ist heutzutage nicht mehr dazu da, um sich warm zu halten, sondern ist ein reines Modeaccessoire geworden. Die meisten möchten grundsätzlich nicht, dass ein Tier für die optische Aufwertung eines Kleidungsstückes getötet wird. Auch die Haltebedingungen der Tiere in den Pelzfarmen schrecken viele Leute ab. Oft werden sie in viel zu kleinen Käfigen gehalten, in denen sie sowohl körperlich als auch psychisch krank werden und vor sich hinvegetieren, um eines Tages das Fell abgezogen zu bekommen und dem Menschen als Schmuck zu dienen.

Pelz ist Tierquälerei – meist sind die Haltebedingungen der Tiere deshalb schlecht, da die Pelze aus vielen Ländern importiert werden, wo die Tierschutzstandards deutlich niedriger sind als in der EU. Die Tiere werden ohne Betäubung erdrosselt, vergast, erschlagen oder erstochen. Manchmal lässt man sie auch ausbluten, um das Fell nicht zu beschädigen. In einigen Fällen sind die Tiere noch nicht einmal tot, wenn sie gehäutet werden.

Pelz ist gesundheits- und umweltschädlich. Wenn einen nicht der moralische Aspekt überzeugt, dann tut es vielleicht der gesundheitliche: Pelz ist kein so natürliches Produkt, wie es auf den ersten Blick scheint. Das Fell muss mit vielerlei Chemikalien behandelt werden, um es zu reinigen, zu gerben und zu konservieren. Hinzu kommt oftmals eine Färbung des Felles. Die Stoffe, die hier eingesetzt werden sind zum Teil bedenklich für den Menschen. Laut einer Studie (Gift im Pelz Report II – 2011 „Bedenkliche Chemikalien in Pelzprodukten“ Report und Untersuchungsprogramm von EcoAid by Manfred Krautter) der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ wurden in Pelzprodukten Chemikalien gefunden, die Krebs, Fortpflanzungsbeeinträchtigungen, Allergien, Nervenschäden, Schleimhautreizungen oder Hormonstörungen auslösen können. Unter anderem wurden Rückstände von Schwermetallen und Formaldehyd festgestellt. Bei Pelz und Lederprodukten wird der Verbraucher kaum vor giftigen Stoffen geschützt, denn der Formaldehydgehalt in Leder und Pelzen unterliegt keinen spezifischen rechtlichen Regelungen oder Kennzeichnungspflichten, sofern es sich nicht um Produkte für Kleinkinder handelt, obwohl es Allergien, Haut-, Atemwegs- oder Augenreizungen auslösen kann und von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO als „krebserregend für den Menschen“ eingestuft wurde.

Wie kann ich Kunstpelz und Echtpelz voneinander unterscheiden?

Oftmals wird Echtpelz nicht als solcher deklariert und es kommt nicht selten vor, dass das Fell ursprünglich einer Katze oder einem Hund gehörte. Zwar besteht seit 2009 ein EU-weites Importverbot für Haustierfelle, doch durch falsche Angaben gelangen immer noch Haustierpelze nach Europa. Zudem ist die Produktion von Echtpelz außerhalb der EU oftmals günstiger als die Herstellung eines guten Kunstpelzes. Daher ist auch der Preis kein Kriterium mehr, um die Echtheit eines Pelzes zu bestimmen. Allerdings gibt es Möglichkeiten, wie man versuchen kann, Echtpelz und Kunstpelz voneinander zu unterscheiden:

1. Pusten: Pustet man gegen echtes Fell, so bewegt es sich schon bei leichten Windstößen. Kunstpelz bleibt bei einem kleinen Windzug nahezu unbewegt.

2. Trägermaterial überprüfen: Wenn man die Haare des Fells auseinanderzieht kann man oft erkennen, was für ein Trägermaterial darunter liegt. Echte Felle sind oftmals noch an der Tierhaut befestigt. Kunstfelle dagegen haben ein Gewebe als Grundlage.

3. Brennprobe: Beim Anzünden von Fasern eines echten Felles riecht es nach verbranntem Haar. Bei Kunstpelz kann ein Geruch nach verbanntem Plastik entstehen. Zudem schrumpft verbrannter Kunstpelz zu einer kleinen Kugel zusammen, während verbranntes echtes Fell zerfällt.

Doch auch diese Tests sind kein hundertprozentiger Garant dafür, um festzustellen, ob man einen echten Pelz vor sich hat.

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Wie kann ich aktiv werden?

Am besten ist es, in kein Produkt zu investieren, das mit Pelzbesatz geschmückt wird. Denn auch wenn man sich sicher ist, keinen echten Pelz zu besitzen, trägt man die Botschaft nach Außen, dass Pelzbesatz, egal ob echt oder unecht, schick sei. Man verstärkt somit die Mode, was bewirken kann, dass andere, nicht so gut informierte Leute, beeinflusst werden und zu Pelzprodukten greifen. Der eigene Verzicht ist ein wichtiger Schritt gegen die Pelzfarmen, da man Stellung bezieht und den Geschäften zeigt, dass man ihre Pelzprodukte nicht haben möchte. Zudem gibt es noch weitere Möglichkeiten sich zu engagieren:

Soziale Netzwerke: Es braucht aktives Engagement, um auf die Pelzproblematik aufmerksam zu machen. Man kann beispielsweise Informationen zur Herstellung von Pelz in sozialen Netzwerken teilen und mit Freunden über das Thema sprechen.

Feedback an Geschäfte geben: Hat man gelesen oder selbst in einem Geschäft festgestellt, dass eine Firma Pelz in ihren Läden vertreibt, kann man sich an die Firma per E-Mail oder über ein soziales Netzwerk wenden und sie bitten, die Produkte aus dem Sortiment zu nehmen. Wichtig hierbei ist, einen freundlichen Ton zu bewahren und klar und kritisch zu erklären, warum man keine Pelzprodukte kaufen möchte. Man sollte deutlich machen, dass man nicht bereit ist, in dem Geschäft weiterhin einzukaufen, so lange es dort Pelzprodukte gibt. So zeigt man der Firma, was man sich als Konsument wünscht. Man glaubt vielleicht, die Nachricht eines Einzelnen könnte nichts bewirken, allerdings hat das Aussprechen seiner Meinung und Wünsche als Kunde mehr Auswirkungen als man erwartet. Vor allem, wenn man andere dazu animiert, ebenfalls an die Geschäfte zu schreiben. Doch auch positive Resonanz ist ein wichtiger Aspekt bei der Kommunikation mit Unternehmen. Hat eine Firma tatsächlich Pelzprodukte aus den Geschäften verbannt, so ist eine Nachricht, in der man seine Freude über die Entwicklung ausdrückt, ein guter Schritt.

Demonstrationen: Anti-Pelz Demonstrationen finden in ganz Europa statt. Allein die „Save Kimi“ Demonstrationen haben Leute in London, Berlin, Hamburg und Wien erreicht. In Deutschland findet zudem jährlich die Großdemonstration „Frankfurt Pelzfrei!“ der Tierrechtsinitiative Rhein-Main statt, die ebenfalls einen Besuch wert ist.

Tierschutzorganisationen: Auch regionale Tierschutzorganisationen kann man im Kampf gegen den Pelz unterstützen oder sie auf die Problematik hinweisen, sollten noch keine Aktionen zu dem Thema stattfinden.

Das Engagement jedes Einzelnen ist gefragt. Helft mit, Pelz aus den Geschäften zu verbannen!

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FerkelRettung 216 – Jetzt aktiv werden!

Mit Aktivismus ist es oft so eine Sache: Man möchte zwar die Welt retten, aber nachts in Ställe einbrechen und so viele Hühner mitnehmen, wie man sich gerade so unter…

Mit Aktivismus ist es oft so eine Sache: Man möchte zwar die Welt retten, aber nachts in Ställe einbrechen und so viele Hühner mitnehmen, wie man sich gerade so unter den Arm klemmen kann, klingt dann doch irgendwie ungemütlich und wie der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Also Füße hochlegen und gar nichts tun?

Ab und an kommt die Gelegenheit, Großes zu tun, ohne sich einen Zacken aus der Krone zu brechen. Im Jahr 2012 gab es so einen Moment, an dem den Worten Taten folgen mussten. 160 Schweine wurden vom Rüsselheim e.V. aus einem stillgelegten Mastbetrieb freigekauft und leben heute ein würdevolles Dasein. Damit das möglich ist, wurden Schweine-Patenschaften angeboten. Für gerade einmal 45 Euro im Monat sind die Kosten für Stall, Futter und Tierarzt gedeckt.

Nun hat sich wieder eine Gelegenheit geboten, aktiv zu werden, nachdem ein Tiertransporter mit 216 Ferkeln plötzlich ohne Zielort da stand, weil der betreffende Mastbetrieb vom Veterinärsamt nicht freigegeben wurde. Der Verein Rüsselheim hat nun bis zum 10. Dezember 2014 die Möglichkeit, diese Tiere freizukaufen und ein würdevolles Leben zu bieten. Allerdings können die Tiere nur freigekauft werden, wenn auch die Folgekosten gedeckt sind, das heißt ohne Paten landen die Ferkel auf der Schlachtbank.

Bereits ab fünf Euro im Monat ist eine Teilpatenschaft möglich. Um das in der Relation zu sehen: Eine Schachtel Zigaretten im Tausch gegen ein Neuntel Schweineleben! Und dennoch konnten erst 40 Schweine ausgelöst werden. Nun ist bis zum 10. Dezember 2014 leider nicht mehr lange hin, darum gilt es jetzt, diese Aktion so bekannt zu machen wie möglich und auch über den eigenen finanziellen Schatten zu springen, damit es für noch viel mehr Lebewesen am Ende heißt: Schwein gehabt!

Für weiterführende Informationen zur Aktion und Beteiligungsmöglichkeiten schaut bei Rüsselheim.com vorbei oder der begleitenden Facebook-Veranstaltung FerkelRettung 216.

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Verschenke einen Obstbaum!

Jedes Jahr geht es aufs Neue los: Das große Rätseln, was man denn zu Weihnachten verschenken soll. Konnte ich mich früher für jeglichen Staubfänger in meiner Wohnung begeistern, weil er…

Jedes Jahr geht es aufs Neue los: Das große Rätseln, was man denn zu Weihnachten verschenken soll. Konnte ich mich früher für jeglichen Staubfänger in meiner Wohnung begeistern, weil er doch so hübsch aussieht, sind meine Auswahlkriterien heute auch bei Geschenken ganz andere. Natürlich ist es wichtig, dass der Beschenkte Freude damit hat, aber es soll auch etwas Nützliches sein.

ARCHE NOAH hat daher den „Obstbaumpaten“ ins Leben gerufen. Wer nicht genau weiß, wer oder was denn ARCHE NOAH ist, kann das in diesem Artikel nachlesen.

Werde Obstbaumpate – oder verschenke eine Patenschaft!

In der modernen Apfelzüchtung werden eine Handvoll moderner Sorten verwendet, die ihre Krankheitsanfälligkeit über Generationen weitervererben. Da es nur wenige Elternsorten gibt, sind alle Handelssorten eng miteinander verwandt. Die genetische Basis der Kulturpflanze Apfel wird dabei immer enger. Das gilt auch für andere Obstsorten wie Birne, Kirsche und Zwetschke. Noch werden in der Züchtung kaum alte Sorten verwendet. Einzelne Institute haben aber bereits erkannt, dass in den unbekannten Sorten wichtige Krankheitsresistenzen schlummern können.

In Österreich gibt es geschätzte 2.000 Apfelsorten. Allerdings sind nur rund 800 Sorten davon bekannt und Jahr für Jahr sterben in Österreich weitere Obstsorten aus. Für rund 300 extrem seltene Obstsorten besteht derzeit akuter Handlungsbedarf, da die Mutterbäume kurz vor dem Absterben stehen. Von diesen Sorten möchte ARCHE NOAH junge Bäume auf verschiedenen Sortenerhaltungswiesen auspflanzen. Denn eine Obstsorte kann nur als Baum überleben. Wirklich abgesichert gilt eine Sorte aber erst, wenn fünf Bäume davon an verschiedenen Standorten wachsen. Eine Langzeitlagerung von Samen oder Edelreisern ist schlichtweg nicht möglich. Eine Patenschaft kann man ganz einfach für sich selbst oder als Geschenk für 16 Euro im Monat beantragen und sie ist jederzeit wieder kündbar.

Was bringt eine Obstbaumpatenschaft?

Der jährliche Beitrag für die Patenschaft finanziert nicht nur das Auffinden und Absichern einer gefährdeten Obstsorte, sondern auch die Auspflanzung und dauerhafte Pflege eines jungen Baumes einer seltenen Sorte auf einer der Sortenerhaltungswiesen. Als Obstbaumpate erhält man eine persönliche Urkunde, auf Wunsch ein persönliches Namensschild beim Patenbaum und einen Gutschein für eine Teilnahme an einem eintägigen ARCHE NOAH Obstbaumschnitt oder Veredelungskurs. Außerdem bekommt man genaue Informationen zu Herkunft und Geschichte der Obstsorte sowie einen Lageplan der Obstwiese zugesandt und selbstverständlich kann man seinen Obstbaum jederzeit besuchen – so habt ihr schon die nächste Geschenkidee: Eine gemeinsame Reise zum Obstbaum mit einem Besuch bei ARCHE NOAH!

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