Eco. Life. Style.

Kategorie: Initiatives.

El Hogar ProVegan – Eine andere Welt ist möglich!

Alleine in Spanien werden jedes Jahr 150.000 Haustiere wie Hunde, Katzen, Kaninchen und Frettchen ausgesetzt, von denen nur ein kleiner Teil in einem der vielen Auffangzentren aufgenommen wird. Der Rest muss auf…

Alleine in Spanien werden jedes Jahr 150.000 Haustiere wie Hunde, Katzen, Kaninchen und Frettchen ausgesetzt, von denen nur ein kleiner Teil in einem der vielen Auffangzentren aufgenommen wird. Der Rest muss auf der Straße an Krankheit, Erschöpfung oder nach einem Verkehrsunfall sterben oder wird in einem der vom Staat subventionierten Tierheime umgebracht. Gleichzeitig werden auch andere Tiere ausgesetzt. Darüber gibt es allerdings keine Statistiken, da diese nicht zur Gruppe der Haustiere zählen. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als einsam und langsam zu sterben.

Die Tierindustrie bleibt aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Erfolge bestehen und der einzige Grund für die Existenz dieser Unternehmen ist der Profit. Das bedeutet, dass Tiere trotz ihrer individuellen Bedürfnisse wie Güter betrachtet und so behandelt werden, wie es für die Intensivtierhaltung am effektivsten ist. Diejenigen, die krank werden, einen Unfall erleiden oder vom LKW fallen, der sie transportiert, sind die Zeit und das Geld nicht wert, das den betriebwirtschaflichen Berechnungen zufolge benötigt wird. Immer wieder lässt man sie einfach sterben, man ignoriert sie oder wirft sie wie ein Paar alte Schuhe in den Müll.

Angesichts dieser aktuellen Problematik ist es zu einer gesellschaftlichen Notwendigkeit geworden, neue Tierrettungshöfe zu gründen. Dies spiegelt eine Veränderung der Denkweise von vielen Menschen wider, die anfangen zu begreifen, dass alle Tiere Respekt verdienen und das Recht haben müssen, nicht einfach eingesperrt, gefoltert und getötet zu werden.

Im Bewusstsein der tragischen Realität dieser Nutztiere, die nicht nur täglich für den Konsum ausgenutzt und ermordet werden, sondern auch über keinen Ort verfügen, der den wenigen, die befreit oder gerettet werden können, Schutz bietet, entstand auch El Hogar ProVegan, der erste Tierrettungshof in Spanien, gegründet im Jahr 2007. El Hogar ProVegan ist zu einem wichtigen Projekt geworden, das konstant gegen die Ungerechtigkeit des Speziezismus ankämpft und Informationen in verschiedenen Bereichen anbietet. Dazu zählen Studien über vegane Ernährung, Artikel über das wahre Gesicht der Viehhaltungsbetriebe und Erziehung, die sich auf Gleichheit und Respekt gegenüber anderen Spezies stützt. Außerdem wollen wir dazu beitragen, dass auch andere Menschen die wahre Natur der „großen Unbekannten“ kennen lernen: Derjenigen, die eingeschlossen in der Dunkelheit der Zuchtbetriebe leben müssen und die man als verpacktes Fleisch im Supermarktregal nicht einmal wiedererkennt. So wird jedes gerettet Individuum zum Botschafter seiner Spezies. Indem wir die Geschichte und das tägliche Leben dieser Teier teilen, bietet sich die einmalige Möglichkeit eine Verbindung herzustellen und Mitgefühl zu empfinden.

Ohne unseren Tierrettungshof hätte sich Felix, der Widder, – siehe Titelbild – niemals von seinen fast tödlichen Wunden erholt, die ihm mehrere Hunde zugefügt hatten. Sein Leben war dem Bauern, dem er gehörte nur 10 Euro wert, aber El Hogar ProVegan kämpfte dafür, dass er mit der ihm gebührenden Würde und Respekt in einem richtigen Operationssaal operiert werden konnte. Heute ist er glücklich und das zeigt er uns durch seine Zärtlichkeiten, seine Gesten und seine Stimme und obwohl seine Beine nicht richtig verheilen konnten, läuft er sicher und fröhlich auf dem Hof hin und her.

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Amelia hätte ebenfalls keine Chance gehabt, zu überleben. Ihr Körper wurde durch den jahrelangen Missbrauch in der Eierproduktion schwer geschädigt und sie war zutiefst traurig und erschöpft und hatte keine Kraft mehr zu kämpfen. Sie kam schwach, blass und ohne Federn zu uns und in ihren schwarzen, mutlosen Augen war nicht einmal Platz für Angst oder Erschrecken, nur dieser resignierte Blick ohne Hoffnung. Aber bei El Hogar ProVegan erhielt sie die Pflege, die sie brauchte, und mit jedem Happen Essen, jeder Zärtlichkeit für ihren zerbrechlichen Körper, kam ein bisschen Glanz zurück in ihre Augen. Amelia bekam neuen Lebensmut und kann nun eine Welt entdecken, die ihr bisher verwehrt blieb.

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Ohne die Vermittlung von El Hogar ProVegan, wäre Ruby kurz nach der Geburt ihrer Mutter Lucille entrissen worden, so wie es mit ihren Geschwister geschah, damit Lucille gemolken und ihr bis zur nächsten Schwangerschaft soviel Milch wie möglich entzogen werden kann. Zum Glück wird man ihr nie wieder das Herz brechen und Mutter und Tochter können gemeinsam auf dem Tierrettungshof, der einzigen Hoffnung für viele Tiere, alt werden.

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Wir stehen vor einem wichtigen, gesellschaftlichen Wandel und obwohl wir noch am Anfang des Weges stehen, entscheiden sich immer mehr Menschen wie Elena und Jonas, die beiden Direktoren von El Hogar ProVegan dazu, nicht mehr Teil der Ungerechtigkeit sein zu wollen und die Realität nicht so zu akzeptieren, wie sie oft vorgelebt wird.

El Hogar ProVegan ist der reale Beweis dafür, dass eine andere Welt möglich ist und dass wir durch Zusammenarbeit eine Realität schaffen können, in der die Tiere frei und glücklich sind. Du selbst kannst heute mitarbeiten, indem du unser Projekt unterstützt und uns hilfst, mehr Leben zu retten. So können wir gemeinsam der Welt zeigen, dass wir alle gleich sind.

Weitere Informationen findest du auf unserer deutschen Facebook-Seite, wir sind auch sehr aktiv auf YouTube – komm uns besuchen!

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KUNST HALLT NACH: Mensch und Ratte als Versuchstiere – Florian Mehnerts Projekt „11 Tage“

Eine lebende Ratte als Zielobjekt im künstlerischen Experiment. Ein Einblick in die Auseinandersetzung mit dem Experiment „11 Tage“ und dem Austausch mit dem Künstler Florian Mehnert: Das Projekt „11 Tage“…

Eine lebende Ratte als Zielobjekt im künstlerischen Experiment. Ein Einblick in die Auseinandersetzung mit dem Experiment „11 Tage“ und dem Austausch mit dem Künstler Florian Mehnert:

Das Projekt „11 Tage“

Ein Online-Livestream. Gezeigt wird eine Installation mit einer lebendigen, weißen Ratte. Diese befindet sich in einer weißen Box (siehe Titelbild). Am unteren Rand ragt ein Waffenlauf ins Bild. Etwas oberhalb befindet sich ein Fadenkreuz. Die UserInnen können über die Frage: „Soll die Ratte am Leben bleiben?“ abstimmen, die Waffe bewegen und bekommen in Aussicht gestellt, dass zu einem späteren Zeitpunkt die Waffe scharf gestellt sein wird und die Möglichkeit entsteht, mit der Waffe auf die Ratte zu schießen.

Das Experiment erlangte viel Aufmerksamkeit …

Ernstzunehmend wurde vermittelt, dass die Möglichkeit zur Tötung der Ratte als ein reales und künftig stattfindendes Ereignis zu verstehen sei. Die Reaktionen der Menschen waren und sind sehr unterschiedlich. Einige begrüßten die Möglichkeit dieses realen Ego-Shooters oder gratulierten zum Mut des Künstlers, andere äußerten Beleidigungen oder Drohungen aufgrund seines Vorhabens.

Das zentrale und gewaltsamste Element – die in Aussicht gestellte, brutale Tötung der Ratte durch UserInnen – schockierte sehr viele Menschen und veranlasste zu erstatteten Anzeigen, gestarteten Petitionen und bekundeten Protesten. Alles um zu verhindern, dass die Ratte innerhalb dieses Experiments tatsächlich zu Tode kommen könnte.

… und nahm ein vorzeitiges Ende

Informationen zufolge wurde die Installation von den zuständigen Behörden und der Polizei aufgesucht und der Künstler vernommen [1]. Die Ratte befand sich in einem guten gesundheitlichen Zustand und der Künstler hat diese freiwillig zur Sicherstellung ans Veterinäramt übergeben. Am selben Tag, dem 17. März 2015, wurde das Experiment vorzeitig beendet, Florian Mehnert beteuert seither: „Es war nie geplant, die Ratte zum Abschuss freizugeben, die Waffe wirklich scharf zu schalten, auch wenn der technische Aufbau der Installation dies ermöglicht.“

Der Künstler

Florian Mehnert widmet sich in seinen Videoarbeiten und Rauminstallationen häufig gesellschaftlichen und politischen Themen. Den Werken wohnen schwere Inhalte und grenzüberschreitende Methoden inne. Überwachung und die Konsequenzen daraus wurden bereits im Projekt „Waldprotokolle“ (2013) thematisiert. Mehnert trat selbst in die Rolle des Überwachenden und installierte in einem Wald Wanzen, um die Gespräche von PassantInnen aufzuzeichnen und diese anschließend zu veröffentlichen. Die Grenzen zwischen Öffentlichem und Privaten werden dabei aufgelöst. Im Projekt „Menschentracks“ (2014) wurden diese Grenzen bewusst verletzt. Mehnert hackte Smartphones, um deren Kameras fernzusteuern, das gewonnene Videomaterial wurde in einer Installation veröffentlicht. Der Künstler will dabei die „Bedeutung, den Verlust und den Wert unserer Privatsphäre in der vernetzten Gegenwart“ [2] hinterfragen.

In „11 Tage“ steigerte sich seine Rolle. Der Künstler erschuf eine Situation, die Online-UserInnen zu Überwachenden macht und ihnen in Aussicht stellt, von einer Schusswaffe Gebrauch machen zu können, um ein Lebewesen zu töten. Der Künstler ist Urheber, denn er schuf diese potenzielle Hinrichtungsstätte, Überwacher, weil er das Verhalten der RezipientInnen beobachtet und Anführer, da er bestimmen kann, ob eine Waffe mit tödlicher Munition zum Einsatz kommen wird oder nicht. Inwieweit hat der Künstler hier die Rolle derer (Staat, Militär etc.) eingenommen, die er selbst kritisiert? „Ich nehme als Künstler hier keinesfalls die Rolle derer ein, die ich kritisiere. Die Installation versetzt aber den Rezipienten in die Position des Überwachenden und des Drohnenpiloten.“, so Florian Mehnert.

Für die weitere Auseinandersetzung halte ich es durchaus für wichtig, neben beispielsweise ausführenden Rollen auch zugrundeliegende Mechanismen und voraussetzende Systeme zu berücksichtigen und hinterfragen.

Warum das alles?

Die Intention des Künstlers ist es, auf Themen wie Überwachung, bewaffneter Drohneneinsatz, Gamification [3] und Abstumpfung durch visualisierte Gewalt in den Medien hinzuweisen. „Die Installation […] veranschaulicht abstrakte Sachverhalte […], mehr noch, sie führt in ihrer Umsetzung sogar zu der Möglichkeit, die anonyme gezielte Tötung konkret nachzuvollziehen.“, so der Künstler.

Bild: Detail, Sicht auf Außenseite der Box mit technischen Apparaturen, Paintballwaffe verpixelt; im Innenraum dahinter befand sich die lebendige Ratte, 2015 | © Florian Mehnert

Künstler ↔ Werk ↔ Publikum

Welche Rolle spielt das Publikum?

Die Involvierung des Publikums könnte als werkimmanenter Teil verstanden werden. Die Rollen der/des Einzelnen sind unterschiedlich; beispielsweise unsichtbarer Zuseher, aktive Umfragenteilnehmerin, potenzieller Waffenbenutzer oder außerhalb des Werks aktiv werdende Unterzeichnerin einer Petition. „Die vielen Petitionen zeigen, dass Menschen, wenn sie tatsächlich einmal Einfluss nehmen können, sich konsequent engagieren, auch wenn es dann nur darum geht eine einzige Ratte zu retten.“, so Mehnert.

RezipientInnen legen Fokus falsch

„12% der User haben die Rettung der Ratte fokussiert, 82% haben dies nicht getan, sondern den tatsächlichen Impetus des Projekts erkannt und setzen sich in Folge dessen mit der Thematik auseinander.“, rechnet Florian Mehnert vor.

Florian Mehnerts Einschätzung gegenüber den RezipientInnen seines Projekts erzeugt Irritationen. Der Künstler schlussfolgert, dass „diese Rezipienten“ die leicht zu verstehenden Komponenten des Projekts, nämlich die „vermeintliche Rettung“ der Ratte und den „bösen Künstler“ zum Ventil benutzt haben für „die aufgestaute Wut und Hilflosigkeit aufgrund all der tausenden armen Laborraten, die man nicht zu retten vermag.“ Es dürfte sich laut Mehnert um „ein bestimmtes, relativ kleines, dafür aber umso lauteres ‚Klientel‘“ handeln, dass „auch für andere Laborratten protestieren“ würde, so Mehnert. [4]

Es ist doch nur eine Ratte

Die weiße Ratte ist als „klassisches Versuchstier“ zu betrachten, verwendet „um auf real existierende menschliche Opfer aufmerksam zu machen“, erklärt der Künstler und gibt an, dass von RezipientInnen differenziert werden muss, weil „eine Ratte in der Regel keineswegs die gleiche Wertigkeit wie die eines Mensch einnimmt.“ Doch wenn die Ratte im Experiment symbolisch für einen Mensch steht, wäre der Einsatz, der den Tod verhindern will nicht wünschenswert?

Was meint das Tierschutzgesetz? TierSchG §1: „[…] Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Stellt ein Kunstexperiment für die GesetzgeberIn diesen „vernünftigen Grund“ dar?

Bild: Stahlkonstruktion, Box aus Polyethylen, Servomotoren, Ardiuno Board, Webcam, Paintballwaffe, lebende Ratte (hier nicht sichtbar) 2015, 195 x 60 x 145 cm | © Florian Mehnert

Bild: Stahlkonstruktion, Box aus Polyethylen, Servomotoren, Ardiuno Board, Webcam, Paintballwaffe (200 Bar), lebende Ratte (hier nicht sichtbar) 2015, 195 x 60 x 145 cm | © Florian Mehnert

Fazit

Aufmerksamkeit um jeden Preis – wer profitiert davon?

Ein aufsehenerregendes Projekt mit erheblichem Potenzial, Auseinandersetzungen und Diskussionen zu verschiedenen Themen hervorzurufen. Doch können diese reißerischen Methoden und vorsätzlichen Polarisierungen eine seriöse Auseinandersetzung ermöglichen? Ist das Konzept des Projekts ausgearbeitet genug, um schwierigen Inhalten und moralischen Fragen tatsächlich gerecht zu werden? Wo und wie grenzt sich das Experiment von den Elementen ab, die es versucht zu kritisieren? Wird die zerstörerische Gewalt an Lebewesen, die Abstumpfung und Senkung der Hemmschwellen durch Visualisierung von Gewalt, der Prozess Gamification, die Taten rücksichtsloser Machtpositionen und das Töten unschuldiger Lebewesen durch das Projekt „11 Tage“ tatsächlich in Frage gestellt oder vielmehr bekräftigt?

Kunst kann sichtbar machen

Es gibt viele Themen, die Aufmerksamkeit, Hinterfragung und Veränderung erfordern, Kunst kann eine Möglichkeit sein, um uns auf diese Themen aufmerksam zu machen. Fest steht, dass viele Menschen bereit sind zu handeln, wenn Handlungsbedarf und Handlungsmöglichkeiten sichtbar werden. Die Not von Betroffenen, ob Menschen oder andere Tiere, gegeneinander auszuspielen ist dem Engagement für gesellschaftsrelevante Themen nicht dienlich. Vielmehr wird dadurch sichtbar, wo die Grenzen und Barrieren im Denken derer sind, die in herrschaftlichen Systemen ganz selbstverständlich die Rolle der/des Unterdrückenden einnehmen.

Tiere in der Kunst

Kunst, die lebende Tiere zu Objekten erklärt und auf anthropozentrische Weise benutzt, reflektiert das, was oft unhinterfragt, tagtäglich in unsere Gesellschaft passiert. Die Freiheit der Kunst sollte aber dort enden, wo Rechte und Schutz anderer Lebewesen von künstlerischen Umsetzungen bedroht werden.

Vielen Dank an Florian Mehnert für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen und die zur Verfügung gestellten Bilder!

Was denkst du über den Verlauf des Experiments? Kennst du andere künstlerische Projekte, in denen lebende Tiere verwendet werden?

 

[1] Laut Auskunft der Tierschutzpartei ist ein Verfahren gegen den Künstler anhängig und die Staatsanwaltschaft hat eigene Ermittlungen aufgenommen.
[2] Website des Künstlers
[3] Als Gamification wird der Prozess bezeichnet, der Prinzipien aus Spielen (bspw. Mechanik, Design, Denken) in spielfremde Kontexte überführt.
[4] Hier wird Bezug genommen auf Reaktionen von RezipientInnen, die den Tod der Ratte innerhalb des Projekts zu verhindern versuchten. Die Differenzierung von an den Künstler gerichtete Beleidigungen, Drohungen, etc. wurde klar kommuniziert.

 

Quellen
Website zum Projekt 11 Tage
Online-Zeitungsberichte und Blogbeiträge
E-Mail Interview mit Florian Mehnert
E-Mail Kontakt mit Vorsitzender vom Landesverband Hamburg von Partei Mensch Umwelt Tierschutz
Stoppen Sie das Rattenexperiment, Keine Ausstellungen für Tierquäler (Auszug Petitionen)
Website Partei Mensch Umwelt Tierschutz

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Volunteer Correct, Project Cape Town: Mutige Journalisten

Vor 40 Jahren – ich war wohl gerade zehn Jahre alt – waren mein Bruder und ich bei meiner Schwester (damals schon 19 Jahre alt) zu einer gemütlichen Fahrt mit…

Vor 40 Jahren – ich war wohl gerade zehn Jahre alt – waren mein Bruder und ich bei meiner Schwester (damals schon 19 Jahre alt) zu einer gemütlichen Fahrt mit einem Mann eingeladen, der ein Auge auf sie geworfen hatte. Er war der Chef eines Autohandels und wir fuhren an diesem Tag in einem wunderschönen roten Cabrio. Wir fühlten uns richtig cool! Jahre später gestand unsere Schwester uns den Grund für diesen Ausflug: Sie schätzte den Mann zwar als sehr nett ein, doch ihr gefiel die Idee nicht, dass er irgendetwas versuchen könnte, ganz abgesehen davon, sie in der Enge des Wagens zu berühren. Es war diese Erinnerung die mir wieder einfiel, als ich mit meinem Gruppenpartner Floris ein Interview beendete, das wir für Project Cape Town letzte Woche geführt hatten. Der Gedanke an eine “dritte Partei” um “Ärger zu vermeiden”.

Wir wollten wissen, wo die Kosten hinflossen, die Ehrenamtliche für ihr Arrangement zahlten. Der Beschluss stand fest, wir würden so lange fragen, bis wir zum Kern der Sache vorgedrungen waren. Wir suchten und fanden Ehrenamtliche des teuersten Volunteering Unternehmens und darüber hinaus einem der größten Player im Voluntourism-Markt von ganz Südafrika.

Wir waren gut vorbereitet. Unser Mittel um an den Kern der Sache zu gelangen: Ein Tortendiagramm. Sehr viele Organisationen benutzen diesen visuellen Trick um Transparenz zu simulieren, doch es bleibt was es ist: Ein Trick.

NikoCurry

“40% gehen an die Unterkünfte und die Versorgung, 30% in das Projekt, 25% an das Management und die Organisation und die übrigen 5% sind Spenden für das Projekt!”, erklärt eine Organisation anhand ihres Tortendiagramms. Doch in einem anderen Kreisdiagramm wurden die Kategorien komplett anders verteilt: “70% Organisationskosten.” Was beinhaltet diese Zahl, was schließt sie aus?

Die einzige Sache, die diese unterschiedlichen Diagramme gemeinsam haben, ist ihr psychologisches Ziel: Die Organisation oder Firma als vertrauenswürdig darzustellen. Doch was passiert, wenn du das Geld, das du bezahlt hast, anhand der angegebenen Prozentangaben aufteilst – kommen dir die Zahlen dann immer noch angemessen vor? Außerdem wollten wir den Ehrenamtlichen subtil Fragen über das fehlende Stück des Kuchens stellen: Den Gewinn!

Doch wir, mutige Journalisten die wir waren, hatten mit einer Sache nicht gerechnet: Die Chefin der Organisation gesellte sich gerne zu uns. “Ich hoffe, Sie haben kein Problem damit, wenn ich während des Interviews bei meinen Mädchen bleibe?” Das war Michelle. Ich erwähnte sie in einem meiner früheren Artikel. Vor fünf Jahren hat sie selbst als Ehrenamtliche gestartet und jetzt leitet sie das “Hostel” der Organisation. Sie ist der perfekte Botschafter: Absolut überzeugt von der Mission des Unternehmens und höchstwahrscheinlich vollkommen unwissend über dessen Profit.

Die ehrenamtlichen Helfer, drei junge Mädchen aus Australien, Kanada und den Niederlanden, hatten nicht das leiseste Interesse daran, unserem Weg durch die Aufteilung der Tortendiagramm-Stücke zu folgen. “Wir mögen keine Tortendiagramme, das ist zu 08/15.” Michelle nickte zustimmend mit einem Lächeln auf den Lippen.

Tatsächlich war es auch Michelle, die uns aufklärte und zugleich für ihre Mädchen antwortete: “Für uns zählt die Qualität der Organisation, nicht das Geld. Wir sind überzeugt von dem Guten, das wir tun und (es tut mir sehr leid, dass ich das so sagen muss, aber) es ist nicht so wichtig, dass es mehr kostet als das Projekt des nächstbesten Kerls.”

Plötzlich waren wir nicht mehr so mutig, unfähig die Konversation mit unseren scharfen Fragen aufrecht zu erhalten. Sie wollten nicht dabei mitmachen, die einzelnen Tortenstücke zu zerteilen. Frustriert verließen wir das Schlachtfeld, davon überzeugt, dass alles ganz anders gelaufen wäre, wenn Michelle nicht anwesend gewesen wäre. Zu Recht rieben sich unsere Kollegen an uns auf: Warum nutzten wir nicht unsere Kraft als Journalisten und fuhren fort Fragen zu stellen? Wir schulden ihnen noch immer eine Antwort. Wir sind nicht die mutigen Journalisten, nicht ein kleines Stück.

Volunteer Correct, Project Cape Town: Bold journalists

Forty years ago – I must have been ten years old – my brother and I were invited to join my sister (already 19 years old) on a leisurely ride, together with a man who was quite obviously after her. He was the boss of a car dealership and we rode that day in a beautiful red convertible. How cool we felt that day! Years later my sister confessed why we were taken along: she thought the man was nice enough, but didn’t like the idea of him making a pass, let alone touch her in the confines of the car. It is this memory that came back to me when my group member Floris and I finished an interview that we carried out for Project Cape Town last week. It was the memory of having a ‚third party‘ present to ‚avert danger‘.

We wanted to know where the costs that volunteers pay for their arrangement really went. And we had decided we would really keep asking questions and get to the bottom of it! We had scouted out volunteers of the most expensive volunteer company we could find, and above all, one of the biggest players in the South African voluntourism market.

We were well prepared. Our instrument with which to cut to the heart of it: the pie chart. Often an organisation uses this visual trick to seem transparent towards volunteers, but it’s just that: a trick.

“40% goes to room and board, 30% goes to the project, 25% goes to the management and organization and the remaining 5% area project donation!”, states one organisation in their pie chart. But in another pie chart, the categories are divided completely different: “70% organisational costs.” What does that include and exclude?

The only thing that the different pie charts share is their psychological aim: make the company or organization seems trustworthy. But what if you start dividing the money you have paid towards the percentages mentioned, do those amounts still seem reasonable? And of course we we would subtly like to ask the volunteers about the missing piece of the pie: the profits!

But we, bold journalists that we are, had not counted on one thing: the boss of the volunteers happily joined us. “I hope you don’t mind me staying with my girls during the interview?” That was Michelle. I mentioned her here before in my previous post. Five years ago she had started as volunteer, and now she runs the organization’s ‚hostel‘. She’s the perfect ambassador: an absolute believer in the company’s mission, and probably unaware about the amount of profit for the company.

The volunteers, three young girls from Australia, Canada and the Netherlands, had not the slightest intent to follow us down the path of the partition of the pies: “We don’t like pie charts, we think it’s too cookie-cutter.” Michelle intently nodded agreement, a smile on her face.

It was Michelle who eventually explained it to us, representing her girls: “For us it is about the quality of the project and not about the money. We’re convinced about the good we do and (I’m very sorry to say so, but) it is not that important that it costs a bit more than the next guy’s project.”

Suddenly we weren’t that bold anymore, unable to pepper the conversation with our sharp questions. They didn’t want to join us dividing the pies. Frustrated, we left the battle field, convinced that everything would have gone completely differently if Michelle hadn’t been there. Rightfully so, our colleagues rubbed in our failure: why didn’t we use our power as journalists and kept questioning? We still owe them an answer. We aren’t those bold journalists yet. Not by a long shot.

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Volunteer Correct, Project Cape Town: Ehrenamtliches Arbeiten mit Kindern

Wie schnell die Zeit vergeht! Vor wenigen Tagen erst sind wir hier in Kapstadt gelandet und jetzt geht es schon fast wieder nach Hause. Doch das letzte Video, das wir gemacht…

Wie schnell die Zeit vergeht! Vor wenigen Tagen erst sind wir hier in Kapstadt gelandet und jetzt geht es schon fast wieder nach Hause. Doch das letzte Video, das wir gemacht haben, hat eine Explosivität in sich, die uns mit einem Knall verabschiedet!

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Für dieses Video haben wir uns über ehrenamtliche Arbeit mit Kindern befasst, ein sehr heißes Thema. Nicht nur, weil die Arbeit mit Kindern der grösste Bereich des Volunteering ist, sondern auch, weil belegt ist, dass es vielen Kindern schadet, denen es eigentlich helfen sollte. Für das Video begaben wir uns zum Masicgine Waisenhaus um einen Sozialarbeiter, einen Mitarbeiter und einen Volunteer zu interviewen. Dieses spezielle Waisenhaus sah wirklich gut aus! Die Kinder hatten ihre eigenen Betten und viel Platz zum Spielen. Auch waren die Mitarbeiter sehr nett und hilfsbereit. Als wir mit Lydia sprachen, die seit 25 Jahren dort arbeitet, erzählte sie uns wunderschöne und rührende Geschichten über ihre Fürsorge und Liebe zu den Kindern. Es brachte uns alle zum Weinen.

Um die tägliche Realität des Waisenhauses von einer anderen Perspektive zu betrachten, sprachen wir auch mit Experten. Prof. Lauren Wilde ist eine Psychologin, die sich viel mit Anpassungsproblemen beschäftigt. Eines der Probleme ist, dass das Verhalten von Kindern, die verletzt wurden, nicht von jedem zu erkennen ist. Mit Prof. Harry Garuba hatten wir jemanden, der uns darüber informierte, wie die Verwendung von dunkelhäutigen Kinder in Werbungen mit der Kolonialgeschichte zusammenhängt. Es machte uns klar, wie das selbstverständliche Zeigen von afrikanischen Kindern – von Brangelina’s Adoptionen bis hin zu Kindern in Bono’s Weihnachtslied – auf schädlichen Klischees aufbaut.

Als wir das Material bearbeiteten, hatten wir unsere eigene Diskussion darüber, was wir einfügen und was wir weg lassen sollten. Sollten wir Kinder zeigen oder nicht? Da uns die Probleme nun bekannt waren, beschlossen wir, ihre Gesichter unkenntlich zu machen. Doch wir waren alle weiterhin sehr emotional bei der Bearbeitung des Materials. All das, weil wir unsere eigene Schlussfolgerung gefunden hatten: Selbst wenn Menschen Gutes tun wollen, das große Ganze ist sehr komplex. Ganz besonders für die Kinder, die vernachlässigt und verlassen wurden und nie eine Wahl bekommen hatten. Was unsere Diskussion noch intensiver machte, war das Beisein von Lindo, einem unserer ansässigen Teilnehmer. Da er aus der Township Khayelitsha kommt, hat er sehr viele dieser Dinge miterlebt. Es war gut, seine Ansichten zur Situation und das Video auf seine Weise zu sehen.

Was haben mir meine Erfahrungen als ehrenamtlicher Filmemacher gebracht? Ich fand meine Nike-Schuhe nicht mehr, ich lernte nicht, wie eine afrikanische Frau zu tanzen und ich hatte kein traditionelles afrikanisches Essen gegessen. Aber abgesehen davon habe ich ein paar Worte in Xhosa gelernt, viele neue Menschen kennen gelernt und habe sehr viele interessante, wundervolle und emotionale Geschichten gehört. Außerdem sah ich einige atemberaubende Landschaften, erklomm den Table Mountain und war Bungeejumpen von der höchsten Brücke der Welt! Das war so cool!

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Unsere letzten Tage hier sind angebrochen und niemand denkt mehr an etwas anderes. Manche von uns fahren nach Hause und mieten sich ein Auto um zu reisen und manche bleiben einfach und verbringen die letzten Tage entspannt. Aber wir sind uns alle einig: Die Tage vergingen zu schnell! Um uns also gebührend zu verabschieden, hier nun der Film über die Gefahren bei der ehrenamtlichen Arbeit mit Kindern.

Volunteer Correct, Project Cape Town: The dangers of volunteering with children

How time has passed so fast. Not long ago did we land in Cape Town, and now we’re almost on our way home. But the last video we’ve made had the explosiveness in it to send us off with a bang!

For this video, we looked at volunteering with children, a really hot topic. Not only because most volunteering happens with children, but also because there is proof that it regularly damages the children it is supposed to help. For the video, we went to the Masicgine orphanage to interview a social worker, a staff member and a volunteer. This particular orphanage looked really good! The children had their own beds, with a lot of places to play. Also the staff members were so nice and helpful. When we talked with Lydia, who has been working at the orphanage for 25 years, she told us beautiful stories about her care and love of the children… We all had to cry.

To put the everyday reality of the orphanage into perspective, we spoke with experts. Prof. Lauren Wilde is a psychologist who knows everything about attachment problems. One of the things is that the behaviour of hurt children can not be seen by everyone. With Prof. Harry Garuba, we were informed about how using images of black children in commercials is related to the colonial history. It made clear how much of the normal way of showing African children – from Brangelina’s adopting of children to Bono’s christmas song – is built on harmful cliches.

When editing this item we had our own discussion about what to include and leave out. Should we show children in our item or not? Informed about the problems, we decided we will blur all the faces of the children. But we were still a little emotional when we were editing this item. All because we had found our own conclusion: even though people want to do good, everything is still really complex. Especially for the children, who were neglected, abandoned and never asked for any of what they face. What made our discussion more real, was that we were joined by Lindo, one of our local particpants. As he is from the township Khayelitsha, he sees a lot of these things happen. It was good to see the situation and the video from his eyes as well.

So what did I get from my experience as a volunteer filmmaker? I didn’t find my Nikes back, I didn’t learn to dance like an African woman and I didn’t eat the real African food. But besides that I have learnt some words in Xhosa, met a lot of new people and heard a lot of interesting, wonderful and emotional stories. I also saw some amazing landscapes, went up at the Table mountain and went bungeejumping from the highest bridge of the world! I feel so cool!

The last days of our stay are here and everybody is thinking about it. Some of us are getting home, renting a car to travel and some of us are staying here to relax the last days. But we all agreed: those days went by so soon! So to show you out with great goodbye, enjoy our film about the dangers of volunteering with children.

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KUNST HALLT NACH: Karikaturen und Nachhaltigkeit? Karikaturist Bruno Haberzettl im Interview

Für den freien Zeichner und Illustrator Bruno Haberzettl ist es eine Selbstverständlichkeit, seine zeitgenössische Satire gesellschaftsrelevanten Themen zu widmen. Nachhaltigkeit spielt in einigen seiner Werken eine große Rolle – ich habe mit ihm…

Für den freien Zeichner und Illustrator Bruno Haberzettl ist es eine Selbstverständlichkeit, seine zeitgenössische Satire gesellschaftsrelevanten Themen zu widmen. Nachhaltigkeit spielt in einigen seiner Werken eine große Rolle – ich habe mit ihm darüber gesprochen.

Es ist Ihnen, nach eigenen Angaben, ein Bedürfnis den AkteurInnen und ProtagonistInnen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft „die Masken herunterzureißen“ und deren „wahres Gesicht zu offenbaren“. Was wollen Sie sichtbar machen?

Bruno Haberzettl: Mir scheint es äußerst wichtig, dass sich WählerInnen, KonsumentInnen und ArbeitnehmerInnen nicht vom Glanz der Oberflächlichkeit beeindrucken lassen, der von Politik und Wirtschaft so großzügig und höchst professionell versprüht wird. Es ist doch bezeichnend, dass EntscheidungsträgerInnen in führenden Positionen nicht selten SoziopathInnen sind. Solange diese schneidig und telegen daherkommen, verzeiht die gleichgültige Öffentlichkeit ihre Charakterschwächen.

Bild: Bruno Haberzettl, „Ist wurscht, wir sind keine großen Fischesser!“ - Nur keine Sorgen im Urlaub …2011 | © Bruno Haberzettl

„Ist wurscht, wir sind keine großen Fischesser!“ – Nur keine Sorgen im Urlaub…, 2011 | Bild: Bruno Haberzettl

Welche Bedeutung hat das Thema Umweltschutz für Sie? Mit „Naturlieb Ja! – Aber. Wirtschaftswachstum um jeden Preis“ wird dem Thema in Ihrem neuen Buch »Brunos nackte Tatsachen« (Ueberreuter, 2014) ein ganzes Kapitel gewidmet.

Bruno Haberzettl: Das Thema Umwelt- und Naturschutz sollte oberste Priorität haben. Unser Wirtschaftssystem, basierend auf ewigem Wirtschaftswachstum, führt uns geradewegs in die Katastrophe. Wir opfern dafür ein natürliches System, das sich in Millionen von Jahren entwickelt und sich durch seine Dynamik und unendlichen Vernetzungen bis heute bewährt hat. Alles, was für uns existentiell wichtig ist, leiten wir davon ab. Was nützt uns unser Pseudowohlstand, wenn wir zum Beispiel kein sauberes Trinkwasser mehr haben? Die Zerstörung der Natur für wirtschaftliche Interessen hat sich als das schlechteste Geschäft aller Zeiten herausgestellt. Die daraus resultierenden Naturkatastrophen ziehen – auch bei uns – Reparaturzahlungen in Milliardenhöhe mit sich. Dagegen ist die Umweg-Rentabilität erhalten gebliebener Naturräume unbezahlbar!

Bild: Bruno Haberzettl, Gedanken zur Entfesselung der Wirtschaft …, 2013 | © Bruno Haberzettl

Gedanken zur Entfesselung der Wirtschaft …, 2013 | Bild: Bruno Haberzettl

Was mich besonders ärgert: Die Politik setzt komplett auf ein kapitalistisches Wirtschaftssystem, dass die Naturzerstörung vorantreibt und sogar noch beschleunigt. Ein System, dass auf Autopilot dahin rast, ist natürlich leicht zu verwalten. Und kommt Kritik, wird reflexartig mit Drohungen und Verängstigungen zu Arbeitslosigkeit etc. reagiert – dann kuscht die Masse wieder. Derartige „SystemidiotInnen“ als PolitikerInnen brauchen wir aber nicht, sondern wir brauchen Schach spielende VisionärInnen, die ein paar Züge vorausdenken können.

Bild: Bruno Haberzettl, Die EU-Kommission weiß genau, was uns Bürgern zu unserem Glück fehlt! – Unbegrenzter, amerikanischer Ernährungstraum …, 2014 | © Bruno Haberzettl

Die EU-Kommission weiß genau, was uns Bürgern zu unserem Glück fehlt! – Unbegrenzter, amerikanischer Ernährungstraum …, 2014 | Bild: Bruno Haberzettl

Mit welcher Intention zeichneten Sie im Kapitel „Tief über Europa. Die EU steckt in der Pubertät.“ zum Transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP?

Bruno Haberzettl: Die EU wäre grundsätzlich eine brillante Idee. Wäre sie, wie so laut gepriesen, eine Wertegemeinschaft. Der einzige Wert um den es aber zu gehen scheint, ist das Geld und damit verbunden, die egoistischen wirtschaftlichen Interessen der einzelnen Mitglieder. So gesehen ist die EU über ihren Gründungsgedanken nie hinausgewachsen. Die massiven Bestrebungen zur Liberalisierung des Welthandels wie zum Beispiel TTIP gehen genau in diese Richtung. Soziale Marktwirtschaft, Eigenbestimmung und Naturschutz gehen dabei schön langsam flöten.

Bild: Bruno Haberzettl, Wertegemeinschaften …, 2011 | © Bruno Haberzettl

Wertegemeinschaften …, 2011 | Bild: Bruno Haberzettl

Wie könnte diese Werteverschiebung aufgehalten und verändert werden?

Bruno Haberzettl: Einer Gesellschaft, die sich aus Überzeugung einer Verkleinerung und Verlangsamung ausspricht und zwar wider aller technischen Möglichkeiten, wäre ein riesiger Entwicklungsschritt gelungen. Für uns EuropäerInnen vielleicht der größte in unserer Geschichte, da wir dadurch erstmals auf den Weg der Nachhaltigkeit kommen würden.

Bild: Bruno Haberzettl, Zum Glück gibt es ja Jäger! Selbst ernannte Naturexperten, die wissen, dass mit einem gezielten Flintenschuss jedes Problem zu lösen ist, 2014 | © Bruno Haberzettl

Zum Glück gibt es ja Jäger! Selbst ernannte Naturexperten, die wissen, dass mit einem gezielten Flintenschuss jedes Problem zu lösen ist, 2014 | Bild: Bruno Haberzettl

Ein Werk, das ursprünglich in Ihrem Buch „Brunos Jagdfieber“ (Ueberreuter, 2013) erschienen ist führt mich zur Frage: Wie nachhaltig ist die Jagd?

Bruno Haberzettl: Die Jagd ist, laut Prof. Josef Reichholf (Zoologe, Ökologe und Evolutionsbiologe), nach der industriellen Landwirtschaft der zweitgrößte Artenfeind! Ökologisch gesehen, löst sie keine Probleme, wie ihre ProtagonistInnen geifernd uns immer wieder einzureden versuchen, sondern sie verursacht diese Probleme vielmehr. Was mich so abstößt, ist die Präpotenz und Aggression, mit der JägerInnen, wider besseren Wissens, ihr bedenkliches Hobby dem Rest der Gesellschaft aufzwingen. Die Jagd ist im negativen Sinn nachhaltig. Sie schafft einen kranken Zustand im natürlichen Gefüge und hält diesen zum Nutzen von FreizeitmörderInnen aufrecht!

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Bruno Haberzettl: Wofür ich mir immer Zeit nehme, sind meine Aktivitäten im Garten und in der Natur. Dazu gehören verschiedene Maßnahmen zur Re-Naturierung. Ich beschäftige mich seit 25 Jahren mit Amphibienschutz und der Anlage von verschiedenen dynamischen Laichgewässern. Mit Leidenschaft lege ich auch Trockensteinmauern verbunden mit Sandflächen für Reptilien. Auch Vogel- und Insektenschutz sind mir wichtig. All diese Maßnahmen gewinnen für mich immer mehr an Bedeutung.

Vielen Dank für das Gespräch, die aufschlussreichen Antworten und ihr persönliches Engagement!

 

In jeder Sonntagsausgabe der österreichischen Tageszeitung »Krone« ist eine Karikatur von Bruno Haberzettl zu finden, in seinen Büchern kommt ihr in den vollen Genuss seiner witzigen und tiefgründigen Satire zu zeitgenössischen Themen.

Cover
Bruno Haberzettl »Brunos nackte Tatsachen«
Carl Ueberreuter Verlag, Wien 2014
Hardcover, 160 Seite mit farbigen Abbildungen
ISBN: 978-3-8000-7597-3
Meine Rezension zum Buch: Humor ist … | »Brunos nackte Tatsachen« von Bruno Haberzettl

 


Bruno Haberzettl »Brunos Jagdfieber«
Carl Ueberreuter Verlag, Wien 2013
Hardcover, 96 Seiten mit farbigen Abbildungen
ISBN: 978-3-8000-7566-9

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Volunteer Correct, Project Cape Town: Ein Zuhause abseits von Zuhause

Letzte Woche interviewten wir eine britische Lady, die sich innerhalb von fünf Jahren von einer jungen, blonden Ehrenamtlichen zu einer Hausmutter einer Mini-Jugendherberge, die einer von Südafrikas größten Ehrenamtlichen-Organisationen gehört, verwandelt hat….

Letzte Woche interviewten wir eine britische Lady, die sich innerhalb von fünf Jahren von einer jungen, blonden Ehrenamtlichen zu einer Hausmutter einer Mini-Jugendherberge, die einer von Südafrikas größten Ehrenamtlichen-Organisationen gehört, verwandelt hat. Obwohl sie selbst gerade mal 30 Jahre alt ist, hat sie „ihre Mädchen“ mit einer mütterlichen Art im Blick. Die erwähnten Mädchen sind ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter, aber zur gleichen Zeit auch unsere Befragten und kommen von drei verschiedenen Übersee-Kontinenten. Beim Interview wollten wir genaueres über ihre Arbeit erfahren. Aber Mami, die für die Muttergesellschaft arbeitet, blieb am Tisch mit ihrem wachsamen Blick und ruinierte das Interview. Es muss sich um Mutterliebe gehandelt haben, jedoch mit Selbstgefälligkeit und dem Drang zu beschützen. So blieben all die interessanten Entdeckungen, auf die wir hofften, unausgesprochen. „Wir versuchen ein Zuhause abseits von Zuhause zu errichten.“, sagte die Ehrenamtlichen-Mutter. Ihre Kinder nickten einstimmig.

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Ein Zuhause abseits von Zuhause. Einer meiner Projektteilnehmer bedacht die Idee mit Spott: „Puh, wenn die Organisation sich um jedes unserer Bedürfnisse kümmert, wie viel Abenteuer bleibt dann noch dabei, auf der anderen Seite der Welt zu sein? Wäre es dann nicht einfacher, im eigenen Land ehrenamtlich zu arbeiten?“ Ist es nicht das Ziel, bis ans Ende der Welt zu reisen um von Zuhause weg zu kommen? Um frei zu sein? Um seinen eigenen Weg zu gehen! Um dich selbst kennen zu lernen! Und ist das nicht das komplette Gegenteil von der Idee, irgendwo anders ein neues Zuhause zu finden?

Ein Zuhause abseits von Zuhause. Seltsam genug, ist es eine Situation in der sich nicht nur unsere Interviewpartner befinden. Es zählt für uns genauso. Nolens volens – willig oder widerwillig? Unser Hostel in Observatory, Kapstadt – „The Green Elephant“ – ist unser Zuhause weit weg von Zuhause geworden. Ein gemütlicher Platz mit einigem Angebot. Das Schaukeln des Schaukelstuhls klingt überzeugend und es ist sehr angenehm, dass wir eine Bar haben, wo der freundliche Barkeeper örtlich hergestelltes Bier serviert.

Eine Woche lang bist du hier, und dir wird klar, dass du den Kochplatz täglich beschlagnahmst um für 15 Leute zu kochen, jede Biersorte probiert hast, jeden in dem kleinen, wie ein Cockpit aussehenden, Büro kennst, der dich hinein lässt sobald du an der Außentür läutest. Du bist mit allen Barkeepern befreundet, hast herausgefunden wo das WLAN am besten funktioniert und kennst alle anderen beim Vornamen. Dann weißt du, dass du das Zuhause weit weg von Zuhause gefunden hast. Ja, das fühlt sich gut an.

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Die Menschheit ist beides, mondän und flexibel. Und wenn du nach einem langen, harten Arbeitstag auf den Feldern der Kapstadt-Ehrenamtlichenindustrie mit einem kalten Bier da sitzt, dann akzeptierst du diesen Fakt nicht nur, du weißt ihn sogar zu würdigen. Der mondäne Mensch passt sich der Situation an. In diesem Video wird klar, wie. Würdest du gerne in einer Schule helfen, aber dort Fachwissen vermissen? Es gibt genug andere Dinge zu tun, die wichtig sind. Zum Beispiel Bücher einzubinden.

Home away from home

Last week we interviewed a British lady who transformed herself within five years from a young blonde volunteer into a house mom of the minihostel that belongs to one of South Africa’s larger volunteer companies. Although she is barely 30 years old herself, she oversaw ‚her girls‘ with a motherly air. The girls we are mentioning here were her volunteers, but at the same time they were our interview targets. The girls arrived from three different continents overseas. By interviewing them, we wanted to know specifics about the business. But mummy, working for the mother holding, remained at the table, and with her watchful eye, she destroyed our interview. It must have been the love of a mother, but impregnated with a smug air and need to protect. So all the exciting finds we were aiming for remained unspoken. “We are trying to create a home away from home here” said the volunteer mom. The volunteers nodded in unison.

A home away from home. One of my fellow project participants regarded the idea with scorn: “Whew, if the volunteer company takes care of every single one of our needs, how much of an adventure is staying at the other side of the world that way? Wouldn’t it be easier to volunteer at home this way?” Is it not the aim to travle to the end of the world to be away from home? To be free? To go your own way! To get to know yourself! And isn’t that diametrically opposed to the idea of simply finding a new home elsewhere?

A home away from home. Funnily enough, it isn’t something that only our interview targets have ended up with. It counts for us as well. Nolens volens? Our hostel in Observatory, Cape Town – The Green Elephant – has become our home away from home. A cozy spot with a high concentration of facilities. The swinging of the swinging chair is convincing, and it is very convenient that we have a bar, where a friendly bartender serves local craft beer.

A week in, you realise that you’ve confiscated the kitchen space while cooking for 15 people on a daily base, tried every type of beer, got to know everyone in the little cockpit shaped office who buzzes you in when you ring the doorbell, have become friends with all the bartenders, have figured out where the WIFI signal works best, and know the other guests on a first name basis. And thats when you figure out that you’ve found a ‚home away from home‘. And boy, does it feel good.

Mankind is both mundane and flexible. With a cold one after a long day out in the fields of the Capetonian volunteer industry you don’t just accept that fact, but you appreciate it. Mundane man adjusts to the situation. In this video it becomes clear how. Would you want to volunteer in a school, but miss the expertise? There are many things you can do that are still valuable. Like covering books, for example.

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Volunteer Correct, Project Cape Town: Was denken die Einheimischen?

Normalerweise fühlen sich Menschen gesund und energiegeladen, wenn sie in tropische Gegenden reisen. Aber seit ich hier in Kapstadt bin, sind meine Ohren zu und meine Nase läuft ununterbrochen. Vielleicht…

Normalerweise fühlen sich Menschen gesund und energiegeladen, wenn sie in tropische Gegenden reisen. Aber seit ich hier in Kapstadt bin, sind meine Ohren zu und meine Nase läuft ununterbrochen. Vielleicht liegt es am Klima aber möglicherweise liegt es auch daran dass ich mich von Weißbrotsandwich mit Cheddar und Erdnussbutter ernähre.

Das gesamte „Project Cape Town“ Abenteuer fängt an sich ganz normal anzufühlen: Das frühe Aufstehen, die Arbeitsabläufe, die vielen Menschen um einen herum und lange Gespräche über Gott und die Welt. Das Abenteuergefühl lässt nach und der Alltag holt dich ein. Wenn ich aber am Pool mit einem Glas Weißwein in der Hand entspanne, dabei meine Musik höre, begreife ich wieder wie fantastisch es ist, hier zu sein. Die ersten Videobeiträge sind gemacht und die positiven Schwingungen verbreiten sich. Alle sind stolz auf ihre Videos und voll motiviert, mehr davon und noch Besseres zu produzieren.

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Aber gestern war einer dieser offiziellen Dreckstage: Es hat sich angefühlt, als ob nichts funktionieren würde. Das Auto wollte nicht starten, die Kommunikation hat gestreikt und ich hab mich gefühlt, als hätten wir die ganze Nacht nicht geschlafen. (Wie bei einem Workaholic, der nicht arbeiten durfte.) Aber ich muss betonen, dass ich hier auch so viele wundervolle, interessante, traurige und kraftvolle Geschichten erfahren habe. Selbst Lisa, die sonst immer durch Clubs und Bars zieht, ist froh, um zehn Uhr Abends im Bett sein zu können, weil die Erfahrungen Zeit zum Verarbeiten brauchen. Natürlich gibt es auch Zeit für Spaß: Wir sind zur Robben Insel gefahren und haben den Tafelberg bestiegen. Was für eine unglaubliche Aussicht! Welche dramatischen, unerwarteten Ereignisse stattfanden, darüber wird euch Niko zweifellos in seinem nächsten Beitrag informieren.

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Das erste Thema, das wir fertig bearbeitet haben, war die Meinung der Südafrikaner über Volunteering. Wir sprachen mit Ansässigen über den “Voluntourism” und kamen zu dem Schluss, dass sie nicht wirklich wussten, worum es dabei ging. “Sie sind hier wegen dem Krieg, um erste Hilfe zu leisten und gegen die Korruption zu helfen, richtig?” Zuerst hielten wir das Ganze für einen Scherz, aber es war durchaus Ernst gemeint. Wir zeigten ihnen daraufhin ein Werbevideo einer ehrenamtlichen Organisation. Ihre Reaktion: “Menschen, die eine Vermittlungsfirma bezahlen, um hier her zu kommen und zu arbeiten, anstatt dafür bezahlt zu werden?” Es dauerte eine Weile bis sie es verstanden. Aber auch uns hat es die Augen geöffnet: Wir hatten keine Ahnung, dass unsere Ansichten über das was wir tun, so drastisch auseinander gehen!

Möchtest du erfahren wie Südafrikaner ehrenamtliche Arbeit im Ausland sehen? Dann sieh dir das Video an.

Volunteer Correct, Project Cape Town: How South Africans see Volunteering

Usually people feel extremely healthy and energetic when transported to tropical conditions. But since I’ve been here in Cape Town, my ears are closed and I sniffle all the time. Maybe it is because of the climate, but possibly it is because of eating only white bread sandwiches with cheddar cheese and peanut butter.

The whole Project Cape Town adventure starts to feel so normal: the early mornings, the workflow, having everyone around all the time and the long talks about anything you can imagine. The adventure part is fading, and the grind is kicking in. But sometimes when I am relaxing at the pool with a glass of white wine in my hand, while listening to my music, I suddenly realize again it is just so fantastic to be here. The first video items are done and the positive vibe is going on and on and on. Everybody is proud of their videos and very motivated to produce more and better.

But yesterday was officially an off day. Just a day that felt like it never started. The car did not work, the communication went wrong and I felt like we didn’t sleep at all that night. (I felt like a workaholic who is being kept away from work.) But I really need to say that I see and hear so many interesting, beautiful, sad and powerful stories. Even Lisa, the person who is always in the club or in the pub, is happy to be in bed by 22.00, because all the experiences need time to sink in. Of course there is time for fun as well: we went to Robben Island and we climbed the table mountain. What an incredible view, and dramatic unexpected events that Niko undoubtedly will update you on in his next post.

The first story that we finished, is about the perspective of South-Africans on volunteering. When we talked with some local people about voluntourism we came to the conclusion that they really didn’t know anything about the business that is going on. ‘’They come here for the war and first aid and to help with corruption, right?’’ For a second we thought it was a joke, but it was a serious response. We showed them the promotion video of a commercial volunteer company. Their reaction: “Volunteers who pay an intermediate company to come and work instead of getting paid?” It took a while for them to understand this. It really opened our eyes as well: we had no clue that our views of what we are here to do differed so much!

Do you want to know how South Africans see international volunteers? Check out my video!

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Volunteer Correct, Project Cape Town: Die Kunst der Videobearbeitung

Als ich mich für Volunteer Correct beworben habe, habe ich Schreiben als eine meiner Fähigkeiten in meinem Lebenslauf angegeben. Mir macht Schreiben Spaß und ich weiß mich auszudrücken. Aber hier,…

Als ich mich für Volunteer Correct beworben habe, habe ich Schreiben als eine meiner Fähigkeiten in meinem Lebenslauf angegeben. Mir macht Schreiben Spaß und ich weiß mich auszudrücken. Aber hier, beim „Project Cape Town“, sehe ich mich einer neuen Herausforderung gegenüber: Videos zu machen! Das heißt, filmen und bearbeiten. Beim Schreiben spielt man mit den eigenen Worten. Bei der Videobearbeitung spielt man mit den Worten anderer. Beides erzählt Geschichten, aber das ist das erste Mal in meinem Leben, dass es sich anfühlt wie… Journalismus! Man beginnt mit einem Plan, die Botschaft stark und eindringlich zu vermitteln und dadurch echte Aufmerksamkeit zu bekommen.

In unserer Gruppe haben wir an einem Beitrag über den Spaßfaktor beim “Voluntourism” gearbeitet: Wie passt die ehrenamtliche Arbeit derer, die von außerhalb nach Kapstadt kommen, mit den anderen Erwartungen der Ehrenamtlichen zusammen? Und was wird von den Firmen erwartet, die zwischen den Ehrenamtlichen und den jeweiligen Arbeitsstätten vermitteln? Wir haben sowohl Ehrenamtliche als auch die Manager einiger Agenturen interviewt und haben über 75 Minuten Filmmaterial. Wie bringt man das in einem Film von nur sieben Minuten Länge unter?

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Nach dem Filmen, waren wir vier Teammitglieder der Meinung, dass wir einige gute Zitate, bedeutungsvolle Fakten und Meinungen von den Befragten erhalten hatten. Aber wie erstellt man eine Storyline in die das alles hineinpasst? Einerseits entsteht sie in deinem Kopf, während du die brauchbaren Teile des Interviews auswählst. Tatsächlich war die Geschichte schon in unserem Kopf noch bevor wir zu filmen begonnen haben. Bis zu einem gewissen Punkt weiß man, was die Leute sagen werden und auch, was du hören willst. Aber schlussendlich ist man total erstaunt darüber wie die Befragten die Geschichte, die man sich vorgestellt hatte, noch besser formulieren, als man es sich erhofft hatte. Ich befand mich in der Zwickmühle, was die Reihenfolge betrifft, in der sich die Geschichte entwickeln sollte: Beginnt man mit seiner eigenen Geschichte und fügt die Antworten der interviewten Personen hinzu? Oder distanziert man sich von den Aussagen und baut damit seine eigene Geschichte auf? Im Endeffekt wird es ein bisschen von beidem sein, und wir wussten, wir wollten den Zusammenhang von Spaß und ehrenamtlicher Arbeit zeigen.

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Dann beginnst du mit der Videobearbeitung am Computer. Du nimmst die vielversprechendsten Teile der Interviews und schneidest sie grob auf 15 Minuten Material zusammen. Bis hierhin gab es keinerlei Überraschungen, obwohl ich keine Erfahrung mit dieser Art von Arbeit hatte. Aber dann taten sich mir ein paar seltsame Einblicke auf: Die Fragmente konnten komplett alleine, ohne Zusammenhang bestehen. Dir wird klar, dass der Zuschauer deines Films nicht weiß, was vor und nach dieser einen Szene gesagt wird. Es wird noch besser (oder schlimmer?): Du kannst die einzelnen Bruchstücke beliebig kombinieren und die Leute sagen plötzlich das, was du sie sagen lassen willst.

Während der Arbeiten an unserem Film, in Übereinstimmung mit unserer Story, konzentrierten wir uns mehr darauf, das touristische Konsumverhalten der Ehrenamtlichen zu zeigen, als das eigentliche Ziel von ehrenamtlichen Touristen: Die ehrenamtliche Arbeit. In einer Szene erzählte ein junger Mann, der in einem Kinderheim arbeitet, über die Kinder dort: “Sie lieben die Ehrenamtlichen.” In der nächsten Szene, die keine zehn Minuten danach aufgenommen wurde, fügte er hinzu: “Wir brachten sie zu McDonald’s und kauften ihnen ein Happy Meal!”

Beim Schneiden und Zusammenfügen der einzelnen Szenen, hast du die Gelegenheit, die Aussagen der Befragten zu verstärken: “Sie lieben die Freiwilligen, wir brachten sie zu McDonald’s.” Wenn du diese Aussagen zusammenfügst, was tust du dann in Wahrheit? Hilfst du der Wirklichkeit ein bisschen nach, so dass es besser klingt, oder täuscht du deine Seher?

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Während wir also an unseren Beiträgen arbeiteten und mitbekamen, wie die anderen Gruppen an den ihren arbeiteten, sahen wir die jeweiligen Projekte entstehen. Und wir alle haben herausgefunden, dass weniger mehr ist: Videobearbeitung ist Schneiden und Kombinieren, und bis zu einem gewissen Punkt… etwas komplett Neues, komplett Anderes zu kreieren. Es ist einfach, so eine Realität zu erschaffen. Natürlich weiß jeder im Großen und Ganzen wie Videojournalismus funktioniert, wir lesen alle Zeitung und sehen fern. Aber es fühlt sich ganz anders an, wenn du auf der anderen Seite stehst. Für mich war es das erste Mal, sehr seltsam und aufregend.

Viel Vergnügen mit unserem Resultat!

The art of editing

When I applied for Volunteer Correct, I put writing as a skill on my CV. I enjoy writing and I know how to write. But here, working for „Project Cape Town“, I face a new challenge: making videos. That means filming and EDITING. Writing is playing with your own words. Editing is playing with words of others. Both are storytelling, but for the first time in my life it really feels like… journalism! Start out with a strategy and tactics about how to make the message strong and persuasive. And how to get real attention.

In our group we worked on a video item about the role of fun in “voluntourism”: how does the work of volunteers coming to Cape Town from abroad match with the other objectives of the volunteers? And how is this anticipated by companies that intermediate between volunteers and their volunteering placements? We interviewed volunteers and the managers of some agencies and ended up with more than 75 minutes of film. How to bring it down to a film of seven minutes, and no more than that?

After the filming, the four of us thought some really good quotes and some meaningful facts and opinions were put forward by the people we interviewed. But how do you compose a storyline in which all of these fit? In a way, the storyline is in your head while you pick the useful parts of interview. In fact, the storyline was already in our head before shooting the raw material. To a certain extent you know what people will say and also… what you want to hear. But in the end you’re thrilled to see your subjects formulate that imagined story even better than you hoped for. I encountered a compelling dilemma about the order in which a story develops: do you start with your own ‘story’ and fill it with the answers of the people that are being interviewed? Or do you depart from what your subject has to say and build ‚your‘ story with that? The truth will likely be a bit of both, and we knew we wanted to show how fun and volunteering are intertwined.

Then you start editing on the computer. You take out the most promising fragments of the interviews and bring the material back to 15 minutes. Up to here no surprises about the process, even though I have had no experience with this kind of work at all. But then I got some weird insights during the process of editing. The fragments suddenly seemed to be able to stand on their own. You realize that the viewers of your film are not aware of what is said before and after. And it even gets better (or worse?): you can combine fragments and that way you suddenly are able to let the people tell just you what you want!

In the makeing of the film, in accordance with our ’story‘, we were aiming on catching the volunteers focusing far more on their touristic consuming behaviour than about their supposedly primary goal: the volunteering work. In one fragment, a boy working in a children’s home said about the children he was taking care of : ‘they love volunteers’. In another fragment, in reality more then ten minutes after this mentioned fragment, he also said ‘we took them to McDonald’s and gave them a happy meal’.

Cutting the fragments and combining them the way you want, gives you the opportunity to make it stronger: ‘They love volunteers. We took them to McDonald’s. When you put them together like this, what is it you are really doing: pushing reality a little bit, so that it sounds even better? Or are you fooling your audience?

As we worked on our items and saw the other groups work on theirs at the same time, we saw each other’s products come to life. And all of us began to experience that you really can tell more with less: editing is cutting and combining and, to a certain extent….. making something totally new, totally different. It is easy to create reality by editing. Of course, we all generally know how video journalism works in advance, we all read papers and watch TV. But it feels very different when you’re on the other side. For me, it was for the first time. Very strange and exciting.

Please enjoy the result of what we made!

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Volunteer Correct, Project Cape Town: Lisa Cornelissen

Es ist wieder Zeit für ein neues Abenteuer! Ohne Erwartungen reise ich nach Südafrika. Ich habe meine Impfungen und mein Reisebuch bei mir, und obwohl ich eine arme Studentin bin,…

Es ist wieder Zeit für ein neues Abenteuer! Ohne Erwartungen reise ich nach Südafrika. Ich habe meine Impfungen und mein Reisebuch bei mir, und obwohl ich eine arme Studentin bin, habe ich alles, was mich reich aussehen lassen würde, zu Hause gelassen. Modische Wanderkleidung, ORS? Checkt! Also bin ich startklar… Richtig?

Leicht gestresst starte ich meine Reise. Von Amsterdam über Dubai mit Endstation Kapstadt. Schneeflocken, gemütliche Mützen und heiße Schokolade mit Sahne werden durch Bikinis und kaltes Bier am Strand abgelöst. Könnte eigentlich schlimmer sein, oder? Dokumentarfilme mit zwölf anderen Ehrenamtlichen über Voluntourism zu machen ist nichts, das man einfach so jeden Tag machen kann. Nach 21 Stunden heißt mich eine lachende Sonne in Kapstadt willkommen. Ich bin da!

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Die Jugendherberge, in der wir untergebracht sind, heißt “The Green Elephant” und hat sich hoffentlich auf 15 laute Niederländer und deren Chaos und Partylaune vorbereitet. Und was noch dazu kommt, in einem Zimmer mit sechs anderen aufzuwachen ist nicht wie Zuhause, wo die Mutter in der Küche mit einem guten Frühstück wartet. Hoffentlich können wir uns nach drei Wochen noch immer so gut leiden wie jetzt: Nach einer halben Woche haben wir schon komische Spitznamen für jeden von uns, teilen lustige Hobbies und natürlich inspirierende persönliche Geschichten.

Mir ist aufgefallen, dass es nicht leicht ist in einer großen Gruppe wie dieser zu arbeiten. Jeder hat seinen eigenen Ideen, Talente und Ziele. Aber wenn man sich in kleinere Gruppen aufteilt, wird es leichter, jedem die passende Rolle zukommen zu lassen. In den kommenden drei Wochen werden wir in Gruppen an verschiedenen Projekten arbeiten, aber wir haben auch jeder ein eigenes Projekt zu bearbeiten. Als Projekt habe ich mir zusammen mit meiner Freundin Bibi ausgesucht, dass wir die Perspektiven junger Männern in Townships in Südafrika untersuchen, die in einem jüngeren Alter mit ehrenamtlichen Helfern zu tun hatten. Also… trafen wir einen Gangster! Sorry, Mama! Aber manchmal muss man ein Risiko eingehen. Und das haben wir gemacht. Am Ende landen wir in einer Hip-Hop Party, einer anti-kapitalistischen kulturellen Widerstandsbewegung, die mit Aktivisten arbeitet, welche Hip-Hop und Gedichte benutzen, um Nachrichten zu verteilen, aufzurütteln und den Neo-Liberalismus zu kritisieren. Wow, was für eine Aufgabe!

Ein wenig naiv wollen wir gleich anfangen zu filmen, aber keine Chance! Unser Kontakt hat seinen eigenen Zeitplan. Kein Filmen, zuerst wird gesprochen, viel gesprochen, was wir hier tun. Über unsere Pläne, Ziele und Gedanken. Und, nur um sicher zu gehen, will er uns auch filmen. Er weiß viel über das Geschäft mit Volunteering und hat ziemlich klare Ideen. Wir können es kaum erwarten mit dem Filmen loszulegen, müssen aber geduldig sein. Ein neues Treffen wird vereinbart. Also schließen wir uns der Party an und tanzen mit den Leuten aus Khayelitsha. Sie denken, dass wir ein wenig seltsam tanzen und uns doof anstellen, aber so sind wir eben! Es war ein beeindruckender Tag… und ein kleines Nickerchen im Auto ist nicht zu vermeiden. Essen, und natürlich ein Glas Wein, wartet in der Jugendherberge auf uns. Der Tag endet mit einer langen Unterhaltung über unsere heutigen Erlebnisse.

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Am nächsten Tag (wirklich früh für mich!) beginnen wir unser Projekt zu bearbeiten. Es werden in jedem Zimmer schwierige Entscheidungen getroffen und heftige Diskussionen geführt. Was machen wir mit dem ganzen Material? Man kann einfach nicht alles verwenden. Wie soll man drei Stunden Film in drei Minuten pressen … oder eine Minute und 24 Sekunden? Und was ist mit der Ethik? Man ist allmächtig, wenn man eine Dokumentaion macht. Wir wählen Zitate aus, setzen Dinge in einer bestimmten Reihenfolge zusammen und entscheiden wie positiv oder negativ jemand dargestellt wird. Für mich ist das wirklich der schwierigste Teil der Arbeit hier. Wie verwenden wir diese Macht in einer guten, durchdachten und ethisch korrekten Weise?

Um eine Ahnung davon zu bekommen, um was es bei Voluntourism geht, seht euch unseren ersten Beitrag von “Volunteering Emma” an und besucht uns auf volunteercorrect.org/en.

Volunteer Correct, Project Cape Town: Lisa Cornelissen

It’s time for a new adventure again! Without any expectations I leave for South Africa. I’ve got my vaccinations and my travel book on me, and even while I am a poor student, I dumped everything at home that will make me look rich. Fashionable hiking clothes, ORS? Check! So now I am ready to leave… right?

Mildly stressed, I start my journey. From Amsterdam, to Dubai, final destination Cape Town. Snowflakes, comfy hats and hot chocolate with cream replaced by bikini’s and a cold beer on the beach. Could be worse, right? Making video items with twelve volunteers about voluntourism isn’t a thing that you get to do every day. After 21 hours, a smiling sun welcomes me in Cape Town. I’m here!

The hostel where we stay is called ‘The Green Elephant’, and has to prepare for 15 noisy Dutchies creating a chaos with their loud behaviour and appetite for a party or two. And after that, waking up in a dormitory with 6 is definitely different from sleeping at home, where mum awaits me downstairs with a lovely breakfast. Hopefully the group will still like each other in three weeks time as much as we do now: after half a week already we’ve picked odd nicknames for each other, and shared funny hobbies and off course inspiring personal stories.

I notice that working in a big group like this is not an easy job. Everybody has his own ideas, talents and ambitions. But splitting up in small groups makes it easy to give people the roles that suit them best. We work in groups on various items the coming three weeks, but we also have to make a personal item. For this item, I decide, together with my buddy Bibi to investigate the local perspective of young guys in the townships, who were surrounded by volunteers when they were younger. So… we met a gangster! (Or so they say…) Sorry mom! But sometimes you have to take a risk. So that’s what we do. We end up in the middle of a hip-hop party, an anti-capitalist cultural resistance movement working with activists who use hip-hop and poetry to spread revolutionary messages, raise consciousness and critique neo-liberalism. Woh, what a mouth full!

A little naïve, we think we can start filming immediately but, no way! Our contact has his own time-table. No filming, first talking, lots of talking about what we are doing over here. Our plans, missions and thoughts. And just to be on the safe side, he wants to film us as well. He knows much about the business of volunteering and has pretty definite ideas. We can’t wait to start filming but have to be patient. An new appointment has to be made! We join the party and dance along with the people of Khayelitsha. They think we are a bit strange dancing and doing silly, but that’s the way we are!

It is an impressive day… and a little nap in the car is inevitably. Food, and of course a glass of wine when we are back in the hostel. The day ends with lots of talking about our experiences of the day.

Next day (really early for me!) we start editing our items. Difficult decisions to make, heavy discussions in every room. What to do with all that footage? You can’t use it all. How to bring back three hours of filming to only three minutes… Or 1.24? And what about the ethics? You are almighty when you make a documentary. We choose the quotes, put things together in a certain order, and we decide how positive or negative you will be pictured. To me, this is really the most difficult part of our work here. How do we use our power in a good, well considered and ethical way?

To get a whiff of what this volunteering business is all about, check out our introductory item “Volunteer Emma” and visit us on volunteercorrect.org/en.

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KUNST HALLT NACH: Kunst und Nachhaltigkeit? Reines Wasser – Die kostbarste Ressource der Welt

Was hat Kunst mit Nachhaltigkeit zu tun? In meiner Kolumne stelle ich mir unter anderem diese Frage. Den Auftakt dieser Entdeckungsreise bildet ein Besuch der von Stella Rollig und Magnus…

Was hat Kunst mit Nachhaltigkeit zu tun? In meiner Kolumne stelle ich mir unter anderem diese Frage. Den Auftakt dieser Entdeckungsreise bildet ein Besuch der von Stella Rollig und Magnus Hofmüller kuratierten Ausstellung „Reines Wasser. Die kostbarste Ressource der Welt“, die bis 15. Februar 2015 im Lentos Kunstmuseum Linz geöffnet hat.

Wasser macht sauber, glücklich und gesund, ist überlebensnotwendig und wirtschaftlich interessant. Wasser steht im Fokus der künstlerischen Werke von insgesamt 58 KünstlerInnen und KünstlerInnengruppen, die in der Ausstellung präsentiert werden.

Eine riesige Fotografie von Daniel Canogar (siehe Titelbild) katapultiert das Thema Wasserverschmutzung mit einem Schlag in die Ausstellungsräumlichkeiten. Inspiriert vom Great Pacific Garbage Vortex [1] zeigt das Foto unter anderem Trink- und Waschmittelflaschen, Getränkedosen und Plastiktaschen, die in helltürkisem Wasser schwimmen, mitten darin zirka 55 Personen.

The Yes Men, B'EAU-PAL, 2009, mixed installation | © The Yes Men

Bild: The Yes Men, B’EAU-PAL, 2009, mixed installation | © The Yes Men

Eine attraktiv wirkende, jedoch fiktive Wassermarke ließen The Yes Men entstehen. Die Installation thematisiert einen schrecklichen Chemieunfall im Jahre 1984 im indischen Bhopal. Im Zuge ihrer künstlerisch-aktionistischen Aktion wurde die Nachricht verbreitet, der Chemiekonzern Dow Chemical wäre bereit, Entschädigungen an die geschädigten Menschen zu bezahlen. Die Verantwortlichen des Chemiekonzerns waren gezwungen, die angekündigten Entschädigungszahlungen in der Öffentlichkeit zu dementieren.

Das einundzwanzig Minuten dauernde Video „Flooded Mc Donald’s“ von Superflex, zeigt eine menschenleere, nachgebaute Mc Donald’s Filiale, die langsam mit Wasser überflutet wird. Von vormals knusprigen Pommes bis zum bunten Kinderspielzeug wird alles vom langsam ansteigenden Wasser erfasst – Kurzschlüsse bei elektrischen Geräte und immer trüberer werdendes Wasser sind die Folge. Thematisiert wird der Klimawandel. Mc Donald’s als weltgrößter Rindfleischproduzent hat hier wohl einiges zu verbuchen.

Wie eng Kunst mit Tierschutz zusammenhängen kann, kommt mit dem Werk „Freitagsessen“ von Klaus Rinke – wohl unbeabsichtigt – zum Ausdruck. Dazu zwei Bilder seiner Installation.

Klaus Rinke, Freitagessen, 1987, Wassertisch (mit 12 Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Bild: Klaus Rinke, Freitagsessen, 1987, Wassertisch (mit 12 Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Klaus Rinke, Freitagessen, 1987, Wassertisch (ohne Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Bild: Klaus Rinke, Freitagsessen, 1987, Wassertisch (ohne Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Neben der Objektbeschriftung zum Werk „Freitagsessen“ ist in der Ausstellung folgender Hinweis zu lesen: „In der ursprünglichen Version von 1987 enthielt der Tisch 12 lebende Karpfen. Dies ist aufgrund des heute geltenden österreichischen Tierschutzgesetzes nicht möglich.“ Neben der Installation wird eine Videoaufnahme von den im Tisch schwimmenden Fischen gezeigt, bevor diese entfernt wurden.

„Hast du heute schon genug getrunken?“ Positiv und mit einer klaren Handlungsanweisung endet die Ausstellung mit einer „Hommage an den Genuss“ [2] von frischem und sauberem Wasser, das nicht selbstverständlich aus der Wasserleitung kommt. Das Lebenswerk von Peter Dreher umfasst um die fünftausend Gemälde von demselben Wasserglas, um die 50 wurden in der Ausstellung gezeigt.

Peter Dreher, Tag um Tag guter Tag, Das Glas, 1974 bis heute, Öl auf Leinwand, 25 x 20 cm | Courtesy WAGNER + PARTNER. © Bildrecht, Wien 2014

Bild: Peter Dreher, Tag um Tag guter Tag, Das Glas, 1974 bis heute, Öl auf Leinwand, 25 x 20 cm | Courtesy WAGNER + PARTNER. © Bildrecht, Wien 2014

„Zu zeigen, dass Wasser weit mehr ist als Mittel zum Zweck“ [2] ist Anliegen dieser Ausstellung, die meinem Eindruck nach behutsam versucht, die Menschen an ein Thema heranzuführen, dass gesellschaftskritisches Potenzial und politischen Sprengstoff in sich trägt.

 

Katalog-ReinesWasser

Stella Rollig, Magnus Hofmüller (Hrsg.)
REINES WASSER. Die kostbarste Ressource der Welt. Publikation zur Ausstellung im LENTOS Kunstmuseum Linz Jung & Jung Verlag
Hardcover, 160 Seiten, farb. Abbildungen, dt.,
ISBN 978-3-99027-064-6

Was hat Kunst mit Nachhaltigkeit zu tun? Kennst du Kunstwerke oder KünstlerInnen, die dieses Thema aufgreifen?

 

Quellen:

[1] Das Phänomen Great Pacific Garbage Vortex beschreibt die Ansammlung von Kunststoffmüll im Ozean und die Wirbel (lat. Vortex), die die kleinen Kunststoffteilchen zum Meeresboden transportieren, welche so ins Ökosystem gelangen.

[2] ROLLIG, Stella, Ein guter Tag, in: Reines Wasser. Die kostbarste Ressource der Welt, (Saalheft zur Ausstellung, 3.10.2014 – 15.2.2015, Lentos Kunstmuseum Linz), Linz, 2014, S. 28

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