Eco. Life. Style.

Autor: Doris

Hotlist: Wo Teneriffa draufsteht ist Lava drin

„Wenn der erste Schneefall kommt, dann drehen wir Tinerfeños (Anmerkung: so heißen die Einwohner Teneriffas) durch.“ Die in Deutschland geborene Spanierin Rosalia plaudert gleich fünf Minuten nach unserem Kennenlernen aus dem…

„Wenn der erste Schneefall kommt, dann drehen wir Tinerfeños (Anmerkung: so heißen die Einwohner Teneriffas) durch.“ Die in Deutschland geborene Spanierin Rosalia plaudert gleich fünf Minuten nach unserem Kennenlernen aus dem Nähkästchen, „Dann schnappen wir unsere Kinder, stecken sie in Decken gehüllt ins Auto und fahren hinauf zum Teide. Und nachdem das alle tun, gibt es enormen Stau, und die Fahrt dauert statt einer gleich mal drei Stunden. Oben angekommen machen wir dann ein Foto im Schnee und nehmen die Gummimatten aus den Autos, um auf ihnen den Berg hinunter zu rutschen.“ Ein Festbrauch, auf den man die letzten zwei Jahre verzichten mussten – es gab auf Teneriffa keinen Schnee.

„Alles auf Teneriffa dreht sich um den Teide und besteht aus Lava,“, erklärt mir die studierte Biologin, die uns heute als Guide des Unternehmens El Cardon durch ihre Heimat führt , „auch wir Menschen und Tiere, schließlich ernähren wir uns ja von diesem Boden.“ Wie sehr das ganze Inselleben von den 200 bis 300 Vulkanen – und vor allem vom Teide, dem mit 3.718 Meter höchsten Berg Spaniens, beeinflusst ist, das wird schon in den wenigen Tagen auf der größten der kanarischen Eiländer klar. Die Menschen baden in Lavapools an den Wegesrändern, die schwarzen Sandstrände erinnern mich an Hawaii und mit jedem Foto erwischt man einen Krater. Und nein, Teneriffa ist nicht aus dem Teide hervorgegangen – auch das erfahren wir gleich am ersten Tag (nicht nur einmal).

Die Straßen führen - ja, genau, zu den Vulkanen. Foto: Doris

Alle Straßen führen auf Teneriffa nicht nach Rom, sondern – ja, genau – zu den Vulkanen. Foto: Doris

Nicht alles, was im Lava-Programm, das 2009 als Plan „Teneriffa, Vulkane des Lebens“ für den Tourismus entwickelt worden ist, geboten wird, ist tatsächlich so heiß wie gedacht. Andere Aktivitäten hingegen sind richtige Knaller! Nicht, dass ich alles testen konnte, dafür reichten die fünf Tage bei weitem nicht aus – leider. Doch ich habe einiges erlebt: Was man bei einem Teneriffa-Besuch ruhig auslassen und was man keinesfalls versäumen darf? Bitteschön, hier ist meine ganz persönliche Hotlist!

Lau

Hotel Parador Canadas del Teide im Nationalpark Teide: Das Hotel im Besitz der staatlichen Kette ist der „Platzhirsch“ im 19 Hektar großen Nationalpark. So schön das alte Gebäude aus dem 19. Jahrhundert ist, so wenig bemüht sich das Personal vor Ort um die Gäste. Lieblos serviertes Essen und lange Wartezeiten gehören zum Programm, schade! Am beeindruckendsten ist da noch das Eis in Vulkanform, wobei das Äußere eher besticht als das zu stark gefrorene Innere.

Alternative: Wer trotzdem hier im Nationalpark übernachten möchte, für den ist vielleicht die Hütte Altavista auf dem Teide empfehlenswert. Ich habe sie mir für das nächste Mal vorgemerkt!

Das Lavaeis war noch das Heißeste im Hotel Parador. Foto: Doris

Das Lavaeis war noch das Heißeste im Hotel Parador. Foto: Doris

Warm

Wandern im Nationalpark Teide: Rund die Hälfte der Insel Teneriffa ist Naturschutzgebiet, natürlich auch der Nationalpark Teide. Derzeit befinden sich darin 35 Wanderwege, zwei weitere werden gerade geschaffen – wer also rund um den bekanntesten Vulkan der Insel nicht wandern oder zumindest spazieren geht, ist selber schuld. Nachdem die Wege gut beschriftet sind, ist das Verirren kein Thema – nur wer wirklich tief in die Materie der Vulkane eintauchen möchte, der kann sich einen Führer nehmen – wir hatten Lola von Gaiatours. Weniger gut ist die Information darüber, was im Naturschutzgebiet, das in vier Zonen abgestuft ist, erlaubt bzw. verboten ist. Wer auf Nummer sicher gehen und alles richtig machen möchte, der hält sich an die Regel: Nichts angreifen, nichts verändern – denn die Natur ist empfindlich.

Achtung: Die Höhe von 2.000 bis 3.718 Meter macht gehörig zu schaffen. Das heißt, das Gehen und die Atmung werden schwerer, einige von uns hatten Kopfweh, dazu noch die drückende Hitze, wenn man untertags draußen ist. Unterschätzt also nicht das Gebirge (samt Lava): Bringt im Sommer guten Kopfschutz mit. Im Winter braucht ihr dafür warme Klamotten, auch Handschuhe und thermische Unterwäsche, gerade wenn ihr hinauf auf den Gipfel wollt.

Sterneschauen im Nationalpark wird von Discoverexperience angeboten (siehe Titelbild) – und nachdem es im Nationalpark gleich zu Beginn des bekannten Wanderwegs Nr. 3 stattfindet, kann man die Aktivität wohl zum Lava-Programm zählen. Klingt recht romantisch – und wer schon immer einmal sein Sternbild oder den großen Bären erkennen wollte, der sollte sich die Tour nicht entgehen lassen.

Achtung: Das Beste kommt zum Schluss! Und es ist ratsam, Spanisch zu sprechen oder zumindest zu verstehen, denn leider war unser Guide zwar sehr bemüht, sein Englisch ließ aber zu wünschen übrig.

Noch mehr Astronomie (und den gleichen Guide) gibt es übrigens im Observatorium des Teide mit dem größten Sonnenteleskop Europas. Gratis-Führungen werden dort in den Monaten April bis Dezember täglich um 10.00 und 12.00 Uhr angeboten.

Lavapools, zum Beispiel bei Garachica: Überall auf der Insel finden sich Lavapools, die natürlich geformten Naturfreibäder im Teneriffa-Stil, die nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische anlocken. Vor allem im Sommer, wenn es wie bei meinem Besuch „Warnung Orange“ gibt und Hitzen bis zu 40 Grad ausgerufen werden! Bei konstanten Wassertemperaturen zwischen 18 und 23 Grad sind sie sogar für Kalt-Vermeider wie mich wunderbar!

Lavapools gibt es viele auf Teneriffa. Nicht alle sind so groß und schön wie die bei Garachica. Foto: Doris

Lavapools gibt es viele auf Teneriffa. Nicht alle haben ein WC oder Umkleideanlage nebenan. Foto: Doris

Heiss

Cueva de Viento18,5 Kilometer sind bisher von Cueva de Viento, der bekanntesten Lavahöhle Teneriffas vermessen. Damit ist sie die fünftlängste der Welt – die vier davor sind alle auf Hawaii zu finden (ja ja, der kleine Konkurrenzkampf ist hier überall zu spüren, vor allem weil nur 120 Meter fehlen, um die Hawaiianer zu überholen). 200 Meter davon sind wiederum für den Tourismus freigegeben – für Besucher, die die 107 Spezien und fünf, nein, bald sieben einzigartigen Wesensarten respektieren. „Hier gibt es keine Beleuchtung, keine Musik.“, macht der Führer der deutschen Gruppe, Dragan mit unverkennbarem Augsburger Dialekt, gleich zu Beginn klar. Die Tour ist keine reine Höhlentour, sondern möchte den Sinn und Blickwinkel auf Teneriffa ändern – darum gibt es neben dem geologischen Teil auch viele Infos zu Kultur, Botanik und natürlich zur Lava. Und viele Showeinlagen: Vom Begleithund Chiqui, der mit Leckerlis gefüttert wird, bis hin zu eigenen Caving-Touren; bei den Führungen werden Kinder als Höhlenforscher und „Kontrolleure“ der Erwachsenen besser eingebunden. Das Gefühl, dass die Verantwortlichen hier mitgedacht und für alles gesorgt haben, lässt mich in den ganzen 2,5 Stunden der Tour nicht los. Die Professionalität ist genauso wenig zu übersehen wie die Leidenschaft des Führers Dragan, nein, des ganzen Teams. Oder wo würde sonst die Ehefrau des Guides einspringen, um – nach einer Ausbildung, versteht sich – ab und an ebenfalls Führungen zu machen?

Offen ist die Höhle Dienstag bis Samstag von 9.00 bis 16.00 Uhr. Im Sommer finden bis zu sechs Führungen statt. Achtung: Anmeldung vorab ist dringend notwendig. Es gibt Touren auf Spanisch, Englisch, Deutsch, Französisch und Russisch. Extra-Touren für Blinde und Rollstuhlfahrer sind ebenfalls möglich.

Restaurant Bodegón PatameroWie Touristen hier ins Bergdorf Las Lagunetas und somit zum versteckten Bodegón Patamero finden sollen, ist und bleibt mir ein Rätsel. Wenn sie es aber tun, dann können sie von Glück sprechen: Das kleine Restaurant serviert köstliches Essen und reagiert sogar auf Unvorhergesehenes wie vegetarische Gäste souverän. Es gab Salat – aber nicht irgendeinen, sondern einen liebevoll Zubereiteten mit ausgezeichnetem Dressing, von dem wir nicht genug bekommen konnten. Achja, und die regionalen Produkte wie Wein, aber auch Gemüse und Obst (besonders empfehlenswert: Bananen oder Maracujas!) werden natürlich ebenfalls vom Lava-Boden beeinflusst, das muss ich wohl nicht extra erwähnen, oder?

Improvisierter Salat-Vulkan für uns Vegetarierinnen. Foto: Doris

Improvisierter Salat-Vulkan für uns Vegetarierinnen. Foto: Doris

Die beiden Hotties auf meiner Hotlist werden übrigens auch von Rosalia und El Cardon wärmstens empfohlen. Und die kann ich wiederum nur ans Herz legen: Das Unternehmen wurde vor 13 Jahren gegründet, um arbeitslose Jugendliche in Sachen Umwelt zu erziehen. Was mit Wanderungen für Einheimische begonnen hat, hat sich vor rund sieben Jahren auf Kultur- und Lavawanderungen für Touristen spezialisiert – die Tinerfeños sind mittlerweile mit dem Wandervirus erfolgreich angesteckt. Das Gute bei El Cardon: Es geht nicht nur ums Wandern, sondern um ganz viel Kultur – da werden Treffen mit Einheimischen in der Lavaschlucht von Masca arrangiert oder uns gezeigt, wie man den Salto de Pastor (den Hirtensprung) macht. Eine Methode, die die Hirten früher gebraucht haben, um den Herden über die Lavaberge nachlaufen zu können und etwas, das jetzt als Sport betrachtet wird, um die alte Tradition zu bewahren.

Die Lancha wird jetzt "nur" sportlich verwendet. Foto: Doris

Die Lancha wird jetzt für den Hirtensprung „nur“ sportlich verwendet. Foto: Doris

Und es werden natürlich ganz viele Geschichten erzählt, wie die von der alljährlichen Schnee-Pilgerfahrt auf den Vulkan Teide…

Ja, wo Teneriffa draufsteht ist eben Lava drin. Oder warte mal, war es nicht etwa doch umgekehrt?

 

Offenlegung: Danke an Condor, GCE und Turismo de Tenerife für die Einladung. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben meine eigenen.

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Zu Besuch im deutsch-kanarischen Irrenhaus…

„Du passt perfekt in unser Irrenhaus.“ Es mag sich nicht so anhören, aber Tina Richter hat mir gerade ein Kompliment gemacht. Es ist 23.30 Uhr an meinem letzten Abend auf…

„Du passt perfekt in unser Irrenhaus.“ Es mag sich nicht so anhören, aber Tina Richter hat mir gerade ein Kompliment gemacht. Es ist 23.30 Uhr an meinem letzten Abend auf Teneriffa und die Deutsche bringt mich gerade auf die Bananenplantage Casa Rural El Patio de Tita zurück, von der sie mich Stunden zuvor abgeholt hat. Um mich auf ein Abendessen ins „Irrenhaus“ zu bringen, wie sie ihr Eigenheim liebevoll nennt.

Neun Hunde, acht Pferde, ungezählte Katzen und Hühner, ein Sohn, eine Praktikantin, eine Pflegetochter (die „richtigen“ Töchter studieren in Deutschland) – „Wir leihen uns alles.“, beschreibt die 47-Jährige mit einem Lachen in den Augen die derzeitigen Bewohner ihrer Finca, während ihr Mann Bodo gerade unser Abendessen zubereitet – vegetarisch und mit Zutaten der Region, versteht sich.  Seit 19 Jahren leben die Deutschen, die beide aus der Hotellerie kommen, auf der Insel. Wie so viele andere Deutschsprachige übrigens, denen wir während unseres Aufenthalts begegnet sind und die bei uns die Frage aufkommen ließ: Sind wir hier sicher in Spanien?

Zwei "Guides" führen mich auf die FInca. Foto: Doris

Zwei „Guides“ führen mich auf die Finca.

„Die Insel hat uns Wurzeln schlagen lassen.“, erzählt mir Tina Richter von ihren Anfängen, damals als die Familie wegen der „Arschkriecherei“ in der Branche Deutschland  den Rücken gekehrt hat. Die Abendsonne scheint auf das Gesicht der dreifachen Mutter, und ich weiß nicht, wohin ich eher schauen soll: Auf den rot gefärbten Vulkan Teide, diesen höchsten Berg Spaniens, der die Insel so prägt wie kaum etwas sonst, oder auf den Sonnen-Feuerball, der gerade sanft ins Meer abtaucht.

Ich will hier nicht mehr weg... Foto: Doris

Der Sonnenuntergang auf Tinas Finca: Ich will hier nicht mehr weg!

Während Bodo noch mit dem Essen beschäftigt ist, führt mich Tina durch ihr Reich: 2004 haben sich die Deutschen hier im Nordwesten der kanarischen Insel ihre Finca gebaut, 400 Meter über dem Meeresspiegel im Dorf La Guancha in den Bergen über der Stadt San Juan de La Rambla.Viel Platz haben sie dort…

Tina führt mich durch ihr Reich, die Finca im Dorf La Guancha. Foto: Doris

Tina führt mich durch ihr Reich, die Finca im Dorf La Guancha.

Den brauchen sie auch, denn Tina ist seit Jahren im Tierschutz aktiv, holt Hunde, Katzen und Co von der Straße und „klaut“ Pferde unter Polizeischutz von Schlachthöfen sowie verwahrlosten Rennställen. Ein Engagement, das seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008, durch die mittlerweile rund 40 Prozent der Bevölkerung auf Teneriffa arbeitslos sind, nicht weniger notwendig geworden ist – ganz im Gegenteil.

Acht Pferde - ebenfalls aufgelesen - werden für die Therapie verwendet. Foto: Doris

Acht Pferde – ebenfalls aufgelesen – werden für die Therapie verwendet.

Die Tiere – und besonders die Pferde – sind aber nicht nur Tinas Haus- bzw. Hofgenossen, sondern vor allem „Businesspartner“.  Als einzige ausgebildete Reittherapeutin der Insel bietet Tina auf der Finca nämlich eine Pferdetherapie für behinderte Kinder an – wobei, das Wort Therapie mag sie gar nicht. Was im Sommer vor allem von den spanischen Nachbarn auf der Insel angenommen wird, zieht auch TouristInnen an – besonders die Deutschen, die gern in den wanderbaren Norden Teneriffas reisen: Heilsamer Spaß für die Kinder, erholsame Anlauf- und Auftankstelle für die Eltern.

Die Pferde werden als Partner behandelt: Pferdeflüsterer lässt grüßen. Foto: Doris

Die Pferde werden als Partner behandelt: Pferdeflüsterer lässt grüßen.

„Wir möchten Familien zeigen, dass sie auch mit ihren behinderten Kindern auf Urlaub fahren und reisen können.“, erklärt mir Tina, die anfangs selbst die Therapie mit ihrem hyperaktiven Sohn Lukas getestet und für gut befunden hat. Deshalb haben sie vor einem Jahr auch die drei Apartments direkt am Meer bei Puerto de la Cruz, die Tina und Bodo an Urlauber und Langzeitbewohner vermieten, ebenfalls behindertengerecht renoviert.

Mit ihrem Anliegen sind die beiden Deutschen auf Teneriffa nicht allein: Dass Behinderte lange als Schande angesehen und eher Zuhause behalten wurden, ist jetzt kaum vorstellbar. In den letzten Jahren haben EU-Gelder Investitionen in Behinderteneinrichtungen möglich gemacht, immer mehr Tourismusanbieter erkennen die Wichtigkeit der Zielgruppe. Da werden in der mit rund 18 Kilometer längsten Lava-Höhle der Insel, der Cueva del Viento, Blindenführungen organisiert oder mit dem Verein Montaña para Todos Rollstuhlfahrer durch die Höhle geleitet. Auf dem Markt am Sonntag sehen wir in La Laguna eine Gruppe mit Rollis herumfahren und am Wanderweg „Weg der Sinne“ im Naturpark Anaga sind offensichtlich die ersten hunderte Meter auch für Behinderte platt gemacht worden.

Die Höhle Cueva de Vientos bietet auch Führungen für Blinde an. Foto: Doris

Die Höhle Cueva de Vientos bietet auch Führungen für Blinde an.

Auf der Finca wurde ein großer Grill- und Speiseplatz gebaut, der ab September (bis März) zweimal wöchentlich für Wanderer zu Verfügung steht, aber genauso als Veranstaltungsraum gemietet werden kann. „Die Einnahmen dieser Events gehen an sozial schwache Familien mit behinderten Kindern hier auf Teneriffa.“, so ist die Grillstation Teil eines karitativen Gesamtkonzepts, bei dem man sich nicht auf Spendengelder verlassen möchte.

Auf der Grillstation darf auch Fleisch zubereitet werden. Foto: Doris

Grillstation mit wunderbarem Ausblick.

„Der Rest der Gelder fließt in unser Projekt nach Nairobi.“, fügt Tina hinzu. Denn als wären die Projekte auf Teneriffa noch nicht genug, engagiert sich die Deutsche seit drei Jahren mit ihrem Verein Kinderhilfsprojekte Harambee e.V. (auf Deutsch: „Lasst uns alle zusammen an einem Strick ziehen!“) für AIDS-kranke und behinderte Kinder in Nairobi. Neben der medizinischen Versorgung sollen auch Tagestherapie- und Beschäftigungszentren für behinderte Kinder und Jugendliche gebaut werden, das erste Haus ist mittlerweile im Rohbau fertig. „Ich habe mir geschworen, dass ich bis zu meinem 50er entweder den Jakobsweg wandere oder ein drittes Therapiezentrum errichte.“, ist Tina motiviert – und fügt mit ihrem nimmermüden Humor hinzu: „Letzteres wäre mir lieber.“

Auch bekannte Persönlichkeiten wie Rollstuhl-Athletin Birgit Kober, engagiert sich für Harambee. Ihr "Feuerstuhl" machte den weiten Weg von München nach Nairobi. Foto: Harambee

Auch bekannte Persönlichkeiten wie Rollstuhl-Athletin Birgit Kober engagieren sich für Harambee. Ihr „Feuerstuhl“ machte den weiten Weg von München nach Nairobi. Foto: Harambee

Entstanden ist das Projekt übrigens auf Anregung von Christtraud Weber, einer über 80-Jährigen ehemaligen Missionarin und mittlerweile Stammgast in einem der Apartments von Tina Richter. Wobei, Stammgast ist zu wenig – sie gehört als „Leihoma“ jetzt auch schon zur Familie, oder besser gesagt zum Irrenhaus…

 

Wer Tina Richter und ihren Verein Harambee unterstützen möchte, kann das über eine Patenschaft tun. Schaut auf die Website des Projekts: de.kinderhilfsprojekte-harambee.org
Auch Einsatzkräfte – Logopäden, Therapeuten und viele mehr –  werden für Nairobi gesucht. Oder ihr geht einfach einmal auf Teneriffa wandern und bucht ein Grill-Mittagessen auf der Finca…

Alle Angebote für Familien mit Handicaps auf Teneriffa gibt es hier: tenerife-accesible.org

 

Offenlegung: Danke an Condor, GCE und Turismo de Tenerife für die Einladung. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben meine eigenen.

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Pech, das: Korsika ist, wenn man trotzdem lacht

“Schau mal, das passt jetzt für dich!” – leicht zynisch klingt sie, die Stimme meines Kollegen Florian, als er auf das Schild über dem Restauranteingang zeigt. “Ristorante Pech” heißt uns…

“Schau mal, das passt jetzt für dich!” – leicht zynisch klingt sie, die Stimme meines Kollegen Florian, als er auf das Schild über dem Restauranteingang zeigt. Ristorante Pech heißt uns da nämlich willkommen. Ich verziehe meine Mundwinkel etwas nach oben und versuche zu lächeln. Gelingt mir wohl in dem Moment nur mäßig. Schließlich habe ich die Stunden seit meiner Ankunft in der Stadt Ajaccio auf Korsika für meinen Geschmack schon etwas zu häufig Bekanntschaft mit Pech gehabt.

„WiFi haben Sie doch?“, war wie üblich eine meiner ersten Frage im idyllisch gelegenen Fünf-Sterne-Hotel. Schließlich bin ich nicht nur zum Vergnügen hier, sondern wegen meiner Arbeit. “Naturelement” war die zufriedenstellende Antwort an der Rezeption. Zu früh gefreut, das Ergebnis war dummerweise nämlich weniger zufriedenstellend. Was per Smartphone einigermaßen gut klappte (in der richtigen Position, im richtigen Zimmereck), passte am Computer gar nicht. Keine Verbindung. Null.

Nach einigen Versuchen, damit Computer und WiFi doch noch miteinander kommunizieren, gab ich w.o. und wandte mich an höhere Stellen. Oder versuchte es zumindest. Denn das Zimmertelefon war leider ebenfalls tot. (Genauso wie übrigens der Fön, wie ich abends feststellte. Doch den brauche ich ja gottseidank im heißen Korsika selten.) Also nahm ich fluchend das Notebook unter den Arm und ging die drei Stockwerke hinunter zur Rezeption. Dort umschwirrten mich sofort vier geschäftige Rezeptionisten, ein Techniker, ein per “Telefonjoker” zugeschalteter IT-Experte und noch ein paar hilfsbereite Menschen – allein drei Stunden (und einige weggeworfene Nerven) später kam ein: “Nous sommes desolés.”, der Computer wäre vermutlich kaputt. Oder eines der seltenen Geräte, die schlicht und einfach nicht mit dem korsischen WiFi verbunden werden wollten – die Fälle gab es nämlich auch schon einmal. Aha…

Das Meer ist auf Korsika überall. Foto: Doris

Kein Internet, dafür so ein Anblick… das war Realität auf Korsika. Wofür würdet ihr euch entscheiden?

Und nach diesem alles andere als entspannten (ganz zu schweigen von einem entspannenden) Nachmittag landen wir jetzt auch noch im Restaurant “Pech”. Ich lache auf und gewöhne mich recht schnell an den schwarzen Humor meines Kollegen. Dass ich den in den nächsten Tagen öfters erleben werde (nicht nur auf meine Kosten), weiß ich ja an diesem ersten Abend auf Korsika noch nicht.

Offline zu sein (und dem Arbeitsberg beim Wachsen zuzuschauen) war nämlich bei weitem nicht das einzige Übel. An einem Tag streckte die – durchaus robusten – Kollegen eine Magenvergiftung nieder. Am Nächsten verlor einer von ihnen seinen Rucksack: Mit Pass, Haustürschlüssel, Buch, Kalender, Kamera und Objektiv – und natürlich mit den Aufzeichnungen und Bildern der letzten Tage. Und am letzten Tag nahm unser Guide Stéphane einen falschen Koffer mit zum Flughafen.

Ich würde Korsika nochmal auf die Reiseliste nehmen. Foto: Doris

Ich würde Korsika nochmals auf die Reiseliste nehmen.

Und mein Internet? Nach eineinhalb Tagen erfolglosem Hin und Her habe ich mir ein tragbares WLAN zum Einwählen gekauft, nur um dann festzustellen, dass mir dafür weder Username noch Passwort verraten wurden. Es war Samstag, 23 Uhr als ich das gemerkt habe – sonntags ist auf Korsika alles geschlossen. Wie gut, dass wir am nächsten Tag in ein anderes Hotel übersiedelt sind: Dessen Internet hat meinen Computer etwas näher “ran gelassen” – zumindest in der Eingangshalle. Wie viele Nachtschwärmer ich wohl damit erschreckt habe, dort mitten in der Nacht entnervt im Bademantel herumzulaufen und das Notebook mal in die eine Ecke zu halten, mal in die nächste?

Fotogen ist sie, die korsische Natur. Foto: Doris

Fotogen ist sie, die korsische Natur.

„Tja, manchmal ist eine Reise wie verhext. […] Wichtig ist trotzdem die Lust am Reisen nicht zu verlieren.“,  postet eine Kollegin aus Kambodscha auf Facebook, und ich merke: Ich bin zurzeit wohl nicht die einzige Pechmarie. Wie auch immer man es dreht, wendet und benennt, man müsste sich schon schwer anstrengen, Korsika nicht zu genießen. Der Ausblick auf das sich rot färbende Meer, die Schiffe, die ruhig im Hafen schaukeln, die kurvenreichen Straßen zwischen dem üppigen Grün schaffen es immer wieder, mich die Wutausbrüche oder tränenreichen Momente dazwischen vergessen zu lassen. Die vielen korsischen Spezialitäten auf dem Teller und im Glas erfrischender Wein aus der Region schaden natürlich auch nicht.

Charaktergesichter und Leute, von denen man die Augen nicht abwenden kann, das ist Korsika. Foto: Doris

Charaktergesichter und Leute, von denen man die Augen nicht abwenden kann, das ist Korsika.

Und dann sind ja da noch die Korsen selbst, diese stolzen Persönlichkeiten und ausdrucksstarken Figuren, die jedem italienisch-französischen Film entstiegen sein könnten und ausladend gestikulierend den Stolz auf ihre Heimat nicht verbergen wollen oder gar können. In diese haben sich schon so manche Fremde verliebt – wie die Österreicherin Waltraud oder die Deutsche Jeannette zum Beispiel, die wir auf der Insel kennen lernen. Was macht es bei deren Herzlichkeit, deren Coolness, deren entspannter Gelassenheit, die so typisch für Insulaner ist, dass im Winter täglich zwei Stunden lang der Strom ausfällt? Oder dass ich mich in den fünf Tagen ziemlich verbiegen muss, um überhaupt einmal online zu gehen?

Ich habe mich verliebt ;-) Eines der bekanntesten Fotomotive Korsikas, das Herz. Foto: Doris

Ich habe mich verliebt – eines der bekanntesten Fotomotive Korsikas, das Herz.

Einer meiner Lieblingspodcaster, der Amateur Traveler, fragt seine Gäste zum Abschluss immer: In welcher Situation würdest du sagen “nur in…”? Nirgendwo fällt mir die Antwort so einfach wie auf Korsika: Nur in=auf Korsika … hatte ich so viel Pech und – trotzdem oder vielleicht gerade deswegen – so viel gelacht. Möchte ich wieder hin? Of co(u)rse!

Gelacht haben wir auf dieser Reise viel - trotz oder wegen der Pannen. Aber sicher nicht nur wegen Asterix. Foto: Christel

Gelacht haben wir auf dieser Reise viel – trotz oder wegen der Pannen. Aber sicher nicht nur wegen Asterix. Foto: Christel

P.S.: Achja, der Kollege mit seinem verschwunden geglaubten Rucksack hat heute übrigens ein Mail geschrieben: Er wurde angerufen, sein Hab und Gut wurde gefunden und wird sofort nach Österreich nachgeschickt. So ist das, auf Korsika!

 

Offenlegung: Danke an Atout France, Tourismusverband Corsika, NIKI Luftfahrt, Air Corsica & Accor-Hotels für die Einladung zur Pressereise. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben wie immer meine eigenen.

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Korsika J -98: Der Countdown läuft

J -6, noch sechs Tage also: Ganz Korsika fiebert der Tour de France entgegen, die am 29. Juni zum ersten Mal in der 100-jährigen Geschichte auf Napoleons Geburtsinsel stattfindet. Ganz…

J -6, noch sechs Tage also: Ganz Korsika fiebert der Tour de France entgegen, die am 29. Juni zum ersten Mal in der 100-jährigen Geschichte auf Napoleons Geburtsinsel stattfindet. Ganz Korsika? Fast. Nur für das kleine Künstlerdorf Pigna in den Bergen der südlichen Region Balagne läuft ein anderer Countdown: J -98 nämlich, denn Ende September verlässt Olympe Ricco ihr Restaurant „U Palazzu Pigna“ Richtung Los Angeles. Wären wir im Comic „Asterix auf Korsika“, das schon vor Jahrzehnten die stolzen Korsen und ihre Insel so treffend gezeichnet hat, könnte diese Geschichte nicht anders starten.

„Sie ist eine Entdeckung!“ „Die ist genial!“ „Was für eine Persönlichkeit!“ Unsere Lobeshymnen werden immer lauter, während Olympe, zweifache Mutter und seit 3 Jahren Mieterin des Lokals „U Palazzu Pigna“ zuerst unseren Tisch liebevoll deckt, um dann mit Händen und Füßen gestikulierend das Menü zu erklären.

Tischlein deck´dich - nein, Olympe deckt dich. Foto: Doris

Tischlein deck´dich – nein, Olympe deckt dich. Foto: Doris

Ungeschminkt, mit Leggings und Baby Doll-Kleidchen gekleidet, würde man nie vermuten, dass die Mittdreißigerin (ja, so alt wie ich, Hilfe!) nicht nur in einem 5-Sterne-Hotel aufgewachsen ist, sondern ihre Kindheit in der Hafenstadt Calvi mit Laetitia Casta und anderen Kindern aus reichem Haus verbracht hat. Jetzt ist sie selbst ein Star, auch wenn sie sich alles Andere als ein eben solcher benimmt.

Olympe gestikuliert mit Händen und Füßen. Typisch korsisch eben. Foto: Doris

Olympe gestikuliert mit Händen und Füßen. Typisch korsisch eben. Foto: Doris

Es ist ein Gesamtkonzept, das die leidenschaftliche Köchin, Genießerin und Kommunikatorin im Künstlerort Pigna geschaffen hat. Ein Paradies für alle, die das Echte und Außergewöhnliche lieben. Vor drei Jahren hat sie mit ihrem Mann, einem Ökonomen, das Restaurant neben dem kleinen, feinen Hotel U Palazzu Pigna gemietet, den etwas düster wirkenden steinernen Innenraum mit einem Sammelsurium von Flohmärkten und Antiquitäten liebevoll dekoriert und ein Menü kreiert, das aus den besten Zutaten lokaler Produktion stammt: Der Bruder fängt den Fisch frisch aus dem Meer, das Gemüse wird im Garten nebenan geerntet, der Bio-Wein kommt vom Gut ihres Cousins und den korsischen Nationalkäse Brocciu aus Schaf- und Ziegenmilch macht die Nachbarin. Qualität, die wir uns dann buchstäblich auf der Zunge zergehen lassen können!

Köstliches zur Einstimmung, Foto: Doris

Köstliches zur Einstimmung, Foto: Doris

Und weil das Auge mit isst, werden die Köstlichkeiten – zubereitet vom spanischen Koch – auch im Gastgarten serviert. Spätestens beim dessen Anblick hat dann Olympe wohl selbst die Härtesten und Coolsten für sich erobert:

Der Garten - einfach dort bleiben wollen! Foto: Doris

Der Garten – einfach dort bleiben wollen! Foto: Doris

Seit einiger Zeit gibt es im „U Palazzu Pigna“ allerdings einen etwas bitteren Nachgeschmack – den des Abschiednehmens nämlich. Ende September, in 98 Tagen, geht Olympe mit ihrer Familie nach Los Angeles und eröffnet nahe Santa Monica das erste korsische Restaurant, das „Napoleon & Josephine“. Es trifft sich gut, dass ihr Mann in den Staaten einen Universitätsplatz bekommen hat, denn im jetzigen Restaurant könnten Olympe und ihr Team nicht bleiben. Der Besitzer hat jemanden gefunden, der mehr für die Lokalität zahlt.

Das Menü ist so bunt, echt und ausgefallen wie Olympe selbst. Foto: Doris

Das Menü ist so bunt, echt und ausgefallen wie Olympe selbst. Foto: Doris

Los Angeles darf sich auf einen echten kulinarischen Schatz freuen: Olympe, die ihrem viel versprechenden Namen alle Ehre macht, behält nämlich das Grundkonzept von „U Palazzo Pigna“ auch in der Stadt der Engel bei. Freunde suchen schon jetzt passende  Flohmarkt-Fundstücke, die Napoleon und seiner ersten Gattin entsprechen, die Lieferanten für die korsischen Qualitätszutaten sind mit an Bord, der spanische Koch soll ebenfalls mit und sich selbst bleibt Olympe ohnehin treu. Denn auch wenn gut meinende Berater gesagt haben, sie müsse ihre Gerichte amerikanisieren und die Portionen vergrößern – „ich riskiere es, so zu machen, wie ich möchte“, erklärt die stolze Korsin und lässt ihre Leidenschaft für den Genuss einmal mehr durchklingen. Besonders groß ist das Risiko wohl nicht: Nicht nur, weil wohl aufgrund ihrer Herkunft der finanzielle Druck gering sein dürfte. Vor allem aber, weil sich Echtheit und Glaube an das, was man tut, immer bezahlt macht.

Einmal posieren bitte: Olympe vor der Dessert-Pause. Foto: Doris

Einmal posieren bitte: Olympe vor der Dessert-Pause. Foto: Doris

Wie im Flug vergeht die Zeit mit Geplauder, gutem Essen und Trinken: Dreieinhalb Stunden später müssen wir notgedrungen Olympe und ihr Restaurant verlassen. Wir haben – leider – noch anderes Programm vor uns. „Beim letzten Mal sind wir erst um 3.00 morgens hinaus gekommen“, meint unser Guide Stéphane mit einem Seufzer – zum ersten Mal in den drei Tagen unseres Zusammenseins hatte er ein Leuchten in den Augen. Wer keine weiteren Pläne hat, kann es ihm gleich tun und dann in Pigna in der Casa Musical übernachten, einem entzückenden – und ziemlich preiswerten – Hotel im Dorf, in dem ab und an auch Konzerte stattfinden. Wie gesagt: Ihr habt noch 98 Tage…

Restaurant – Bistrot – Terrasse panoramique U Palazzu Pigna, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Hotel, das unabhängig davon gleich nebenan existiert. Internet-Adresse gibt es keine, dafür eine Telefonnummer (0495 35 16 47) und Olympes Email: olympericco@gmail.com

Preise: Vorspeisen ab 10 Euro; Kuchen-Pause ab 7 Euro. Klingt jetzt viel, ist aber für Korsika, die Qualität und Quantität durchaus angemessen.

Die beste Reisezeit für Korsika sind Mai bis Juni und September; August sollte man aufgrund der Hauptferienzeit tunlichst vermeiden. Für Olympe würde ich aber jederzeit einen Besuch „riskieren“.Offenlegung: Danke an Atout France, Tourismusverband Corsika, NIKI Luftfahrt, Air Corsica & Accor-Hotels für die Einladung zur Pressereise. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben wie immer meine Eigenen.

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Fortgeblasen: Von Zweien, die seit 20 Jahren unter Segeln leben

Wir verstehen unsere Reisen nicht als Aussteigen auf Zeit, wir haben einen Lebensstil gefunden, der uns fasziniert und inspiriert und werden, solange wir dazu Lust haben, versuchen, unserer Liebe zur…

Wir verstehen unsere Reisen nicht als Aussteigen auf Zeit, wir haben einen Lebensstil gefunden, der uns fasziniert und inspiriert und werden, solange wir dazu Lust haben, versuchen, unserer Liebe zur See treu zu bleiben.

Es ist dieser Satz, der BesucherInnen auf der Website von fortgeblasen gleich zu Anfang in die Augen sticht. Zumindest mir ist es so ergangen. Nein, die beiden Österreicher Claudia und Jürgen sind nicht ausgestiegen, sondern mitten im Leben. Ein Leben, das für viele ungewöhnlich erscheinen mag, sind die beiden doch seit 1995 gemeinsam unterwegs – einen Großteil der Zeit davon über die Weltenmeere segelnd.

Ich habe die beiden dazu via E-Mail befragt. Hier sind Claudias Antworten – direkt aus Grönland. Genauer gesagt von der Westküste Grönland Sisimiut, dort sind die beiden nämlich gerade unterwegs ins arktische Kanada, um die Nordwest Passage zu fahren.

Doris: Ihr seid seit 1995 unterwegs, wie kam es dazu?

Claudia: Ich würde mal sagen: Die „zwei Richtigen“ haben sich gefunden. Wir waren beide reiselustig und so sind wir bald aufgebrochen.

Sie führen ein Leben, das für andere ein "Ausstieg" ist - für sie nicht. Foto: fortgeblasen

Sie führen ein Leben, das für andere ein „Ausstieg“ ist – für sie nicht.

Ihr wart ja beide sehr jung – 20 und 24 Jahre alt -, wie sehr hat sich euer Anspruch ans Leben, ans Reisen seither verändert?

Wie sehr hat sich unser Anspruch ans Leben geändert? Wir sind uns zwar nicht ganz sicher, ob wir die Frage richtig verstehen, aber wenn es darum geht, wie sich unsere Lebensanschauungen verändert haben, dann können wir vielleicht sagen, dass wir über die Jahre möglicherweise etwas unangepasster geworden sind, falls das geht. Unser Bedürfnis nach Selbstbestimmtheit und Freiheit ist, glaube ich, stärker geworden  Ich glaube schon, dass wir von unserem eingeschlagenen Lebensweg sehr geprägt worden sind und so ist es möglich, dass wir leicht exzentrisch geworden sind.

Die La Belle Epoque haben sie selbst restauriert. Foto: Fortgeblasen

Die La Belle Epoque haben die beiden selbst restauriert.

Die Änderung unseres Anspruchs ans Reisen? Ich denke, der ist vollwertiger geworden. Als Jugendliche steckte in mir sicher noch der Drang in die Fremde nach dem Motto „Österreich ist langweilig“ drin, das ist natürlich komplett verschwunden. Dafür ist heute das „Rundum“ wichtiger geworden – Wetterkunde, Wissen über Natur, Kultur, Beobachtungen. Die Zusammenhänge verstehen lernen, das eigene Verständnis von der Welt immer wieder erneuern. Gerade deshalb passt für uns auch das Segeln so gut: Denn damit zwingen wir uns praktisch, mit der Natur zu leben, die Abläufe zu beobachten, zu verstehen und damit umgehen zu lernen. Natürlich hat sich aber mit dem Alter auch der Anspruch des Reisens geändert: Die Strapazen unserer ersten Segelreise würde ich nicht mehr haben wollen – oder anders gesagt, wir sind etwas „g’scheiter“ geworden und wissen etwas mehr, wie es geht.

Wie viele dieser Jahre habt ihr auf einem bzw. mehreren Segelbooten verbracht – und gibt es da nie den Moment, wo ihr wieder festen Boden unter den Füßen haben wollt?

Etwas über acht Jahre. Über die Frage muss ich lachen, denn natürlich gibt’s die Momente – zum Beispiel, als wir im Jahr 2000 in einem Sturm in Seenot geraten waren und per Hubschrauber vom leck geschlagenen Boot abgeborgen wurden.

Das Leben auf hoher See ist zum Alltag geworden. Foto: fortgeblasen

Das Leben auf hoher See ist zum Alltag geworden.

Eure Seite fortgeblasen.at soll auch ein Infopool für Lang-SeglerInnen sein – was sind die drei wichtigsten Tipps, die ihr diesen geben könnt?

Es gibt nicht drei wichtige Tipps, deshalb der Infopool. Und falls es die gibt, müssen die auf keinen Fall für jeden gelten. Ich denke, wenn ich jemandem einen „Einsteiger-Tipp“ geben will, dann ist das der, dass man nicht den gängigen Ansichten über Boot und Material, den gängigen Routen über die Weltmeere oder den gängigen Zeitplänen der Segler folgen muss. Vieles ist möglich und Schafe gibt es schon genug! Das heißt allerdings nicht, dass wir Segelreisen ohne Plan und ohne Informationen über die Segelgebiete machen oder empfehlen.

Der „Vorwurf“ des Aussteigens, kommt der noch oder hat man euer Leben so akzeptiert? 

Viele Menschen sehen in uns – glaube ich – Aussteiger, wahrscheinlich, weil es nur so in ihr eigenes Weltbild passt und vielleicht auch, weil die Idee des Aussteigen etwas romantisiert wird. Ich bin kein Aussteiger, schon alleine deshalb, weil ich noch nie „eingestiegen“ bin. Zwei Wochen nachdem ich die Matura in der Hand hatte, ging unsere erste Reise (noch nicht mit Segelboot) los. Ich bin aber auch kein Aussteiger, weil wir sehr wohl wie gestört geschuftet haben, damit wir uns dieses Leben irgendwie leisten können. Wir haben uns eine Basis aufgebaut, von der wir jetzt leben können, haben ein winziges Einkommen und zahlen Steuern. Wir sind also nicht ganz draußen aus dem System (also weniger romantisch und mehr pragmatisch…).

Wie sah und sieht eure Familie zuhause eure Entscheidung, so unterwegs zu sein?

Mein Vater hat uns immer gepredigt, dass man nicht einfach träumen soll. Man soll seine Träume in Visionen verwandeln und dann daran arbeiten, sie auch umzusetzen. Ich muss zugeben, dass er sicherlich nicht daran gedacht hat, wohin meine Träume reichen könnten, meine ganze Familie ist so gestrickt – und sie zeigen mir immer wieder, dass sie stolz auf meine Art sind, mich zu verwirklichen (auch wenn sich Mum oft genug Sorgen macht). Jürgens Eltern sind da, glaube ich, sehr einfach gestrickt, nach dem Motto: Wir sind erwachsen und werden schon wissen, was wir tun. Sie geben uns das Gefühl, volles Vertrauen in uns zu haben.

Den schönsten Moment - der ist schwer auszumachen. Foto: fortgeblasen

Der schönste Moment – der ist schwer auszumachen.

Jede Entscheidung für etwas, heißt auch, sich gegen etwas zu entscheiden. Was war oder ist beides für euch?

Es gibt tausend Dinge, die wir gerne machen würden. Es gibt viele Arten an Leben, die interessant für uns wären. Manches verschieben wir auf später (eine Wüstenrallye…), manches wird sich leider nicht ausgehen. Was uns am meisten fehlt, haben wir allerdings nur verschoben: Tiere und die Möglichkeit, unsere Lebensmittel selbst zu produzieren, sprich, eigenes Land. Wir werden sicherlich nicht ewig Segeln und so können wir auch an diesem Wunsch irgendwann mal arbeiten.

Die Frage kommt natürlich immer wieder: Wie verdient ihr euren Lebensunterhalt? Und wie viel Geld braucht ihr überhaupt durchschnittlich im Monat?

Und die Antwort ist immer wieder unbefriedigend: Wir haben uns einen kleinen Besitz aufgebaut, von dem wir Einkommen haben, und man braucht so viel Geld wie man eben hat…

Es gibt wohl viel Atemberaubendes – und Bilder davon auf der Website.
Die La Belle Epoque ist euer Schiff, sie gehört euch? Wie lange hat die Restaurierung gedauert und wie wichtig war es für euch, die Restaurierung auch selbst durchzuführen?

Ja, La Belle Epoque ist schuldenfrei und gehört uns, wir haben sie in fünf Jahren komplett restauriert und es war vor allem wichtig für unsere Brieftasche, weil ein Segelboot, wie wir es wollten, nicht einfach am Markt erhältlich ist und ein neuer Werftbau von uns nicht finanzierbar ist. Natürlich hat die Restauration auch den Vorteil, dass wir so unser Schiff in- und auswendig kennen und Wartung und Reparatur selber vornehmen können. Wir wissen so auch ziemlich genau, was das Schifferl alles kann.

Wenn man so lange und so viel unterwegs ist, gibt es dann noch etwas, was auf der „Will-ich-unbedingt-sehen/erleben“-Liste steht?

Vieles… und es wird mit der Erfahrung der Reisen mehr, denn der Horizont wird größer, Vorurteile von außen werden weniger und die Selbstsicherheit, dass man etwas schaffen könnte, wird größer.

So manche Träume werden die Beiden später leben, jetzt ist der Traum auf hoher See dran. Foto: fortgeblasen

So manche Träume werden die beiden später leben, jetzt ist der Traum auf hoher See dran.

Was war der bisher schönste Moment auf der Reise?

Sehr schwer zu sagen, weil wir vor einer Fülle an Eindrücken und schönen Momenten strotzen. Wenn wir aber zur Zeit eine herrliche Phase auswählen sollen, dann gehört da sicher unsere letzte Winterzeit im Eis dazu. Die extreme Stille und Ruhe, die erhabene Natur um uns und das winzige Universum unserer Eisbucht waren sehr sehr herrlich. Aber wenn du nächstes Jahr fragst, ist die Antwort vielleicht wieder ganz anders…

Noch eine Frage zu eurem Leben als Paar: Auf so einem Segelschiff ist man ja meist allein zu zweit unterwegs, oder? Was ist das „Rezept“, dass das so funktioniert?

Wir haben Glück: Wir machen etwas, das wir beide wirklich mögen. Das soll heißen, dass nicht einer nur am Segelboot lebt, weil es der Traum des anderen ist. Im Generellen können wir aber sagen, dass es viel leichter ist, ein gemeinsames Leben zu führen als zwei getrennte Leben unter einen Hut zu bringen, so wie das „normale“ Paare zuhause in Österreich in der Regel machen müssen (zwei verschiedene Arbeitstage, jeder kommt gestresst heim, hat kein Ohr für den anderen, nervt sich plötzlich gegenseitig…). Das ist auch eine unserer Erfahrungen.

In ihre Heimat Österreich kommen sie wohl nicht so schnell zurück. Foto: fortgeblasen

In ihre Heimat Österreich kommen sie wohl nicht so schnell zurück.

Habt ihr eine Botschaft, die ihr anderen mit auf den Weg geben möchtet?

Träum‘ nicht einfach, mach aus deinem Traum eine Vision und dann arbeite daran, deine Vision umzusetzen.

Kommt ihr überhaupt wieder in eure Heimat Österreich zurück?

Wir kommen immer wieder mal nach Österreich, weil wir allerdings zur Zeit Richtung Pazifik aufbrechen, wird es diesmal eine Weile dauern.

Danke, Claudia und Jürgen – ich bin gespannt, wo es euch weiter hin bläst…

 

Wenn ihr ebenfalls wissen wollt, wohin es bei den beiden weiter geht: Auf fortgeblasen.at veröffentlicht das Paar Bilder, Texte und auch den Standort, an dem es sich gerade aufhält.

45 Kommentare zu Fortgeblasen: Von Zweien, die seit 20 Jahren unter Segeln leben

Mein erstes Mal: Eine Nacht im veganen Hotel

„Vor einiger Zeit haben wir einen Teppich aus Wolle entdeckt“, erklärt mir der junge Mann an der Rezeption, „den haben wir natürlich gleich entsorgt.“ Nein, in der Loving Hut Pension ist…

„Vor einiger Zeit haben wir einen Teppich aus Wolle entdeckt“, erklärt mir der junge Mann an der Rezeption, „den haben wir natürlich gleich entsorgt.“ Nein, in der Loving Hut Pension ist alles Tierfrei: Keine Wolle, kein Leder, keine Daunen und schon gar keine tierischen Produkte, dafür aber viel Biologisches und FairTrade, auf den Tellern. Die Loving Hut Pension ist schließlich eine rein vegane Unterkunft. Letzteres ist auch der Grund, warum ich hier am Klopeiner See in Kärnten gelandet bin.

So sieht der Schlüssel zum Glück, ähm, zur veganen Loving Hut Pension aus. Foto: Doris

So sieht der Schlüssel zum Glück, ähm, zur veganen Loving Hut Pension aus. Foto: Doris

„Wie wäre es denn mit der Loving Hut Pension in Kärnten?“ – so lautete die Einladung einer Leserin über Facebook, als ich mich nach alternativen Reiseplänen erkundigt habe. Klar, dass ich sofort hellhörig wurde: In den Lokalen der veganen Fastfoodkette Loving Hut bin ich ja öfters, das Essen ist einfach zu gut. Aber seit wann haben die denn auch vegane Unterkünfte? Und dann ausgerechnet in Kärnten, dem Bundesland, das ich zwar wegen einiger dort beheimateter Freunde und seiner Landschaft liebe; wo aber bei meinem letzten Besuch das Finden eines vegetarischen Lokals in der Hauptstadt Klagenfurt nicht ganz einfach war.

Das könnte im Loving Hut nicht passieren. Im Juli 2010 wurde die Pension am Klopeiner See als weltweit erste Übernachtungsmöglichkeit der Kette eröffnet, in der es nicht nur vegan, sondern auch nicht-rauchend und alkoholfrei zugeht. Direkt neben dem veganen Loving Hut-Lokal, das über die Seepromenade zugänglich ist. In dem wird auch das Frühstück, das im – ab 74 € ohne Seeblick in der Nebensaison eher teurem – Zimmerpreisinkludiert ist, serviert. Außerdem können Gäste der Pension wie andere Besucher dort Mittag- und Abendessen konsumieren.

Bunt und knallig sticht die Loving Hut Pension hervor. Foto: Doris

Bunt und knallig sticht die Loving Hut Pension hervor. Foto: Doris

Nähert man sich von der Hinterseite, sticht das in knalligem, freundlichen Blau-Gelb gehaltene Gebäude aus dem Meer an Privatpensionen und Hotels hervor. Früher war das Gebäude, das lange leer gestanden ist, wohl eines von vielen hier: Seit der Übernahme durch drei Asiaten, die in die Liegenschaft am Klopeiner See investiert haben, ist das anders. Spätestens wenn man beim Zauntor hineingeht, wird das vermutlich jedem klar: Ein schön gepflegter Garten mit fein säuberlich geschnittenem Gras, auf dem alle möglichen Tonstatuen von Tieren verstreut sind. Ein bunter Gockel steht neben einem bemalten Pferd, eine Schar Gänse – nicht echt natürlich – bevölkern die Wiese, ein Papagei hängt auch irgendwo herum – ein bisschen kitschig ist es schon.

Tontiere, Sitzmöglichkeiten, bunte Lampions - der Garten des Loving Hut ist ziemlich voll und sehr gepflegt. Foto: Doris

Tontiere, Sitzmöglichkeiten, bunte Lampions – der Garten des Loving Hut ist ziemlich voll und sehr gepflegt. Foto: Doris

Noch deutlicher wird der asiatische Einfluss des Überladenen in der Pension selbst: Stile werden miteinander gemixt, bunte Möbel hier, dicke Teppiche dort, Lampions und Glaslampen, die von der Decke hängen, Plastikblumen in den Zimmern (,weil auch dieses Leben geschützt werden muss?). Daneben Poster von veganen und dementsprechend erfolgreichen Promis, Prospekte, die zeigen, wie sexy, gesund und glücklich man ohne tierische Produkte sein kann. Am positiven Effekt des Veganismus für den Menschen wie auch für die Umwelt zweifle ich als Vegetarierin ohnehin nicht. Hier aber packt mich zugegebenermaßen das schlechte Gewissen, bisher nicht völlig ohne tierische Produkte zu leben. Wie sich da wohl Fleischesser fühlen?

Ein Teil des Eingangsbereichs von der Loving Hut Pension. Foto: Doris

Ein Teil des Eingangsbereichs von der Loving Hut Pension. Foto: Doris

Am Gewöhnungsbedürftigsten für mich aber ist, dass Loving Hut zur religiösen Gruppierung rund um Supreme Master Ching Hai gehört – und das ist in der Pension nicht zu übersehen. Was mir in den Loving Hut Lokalen bisher nie so aufgefallen ist, wird hier deutlich: Die Kritik an der religiösen Führerin, eine Meisterin der Selbstpromotion zu sein, kommt nicht von ungefähr! Für meinen Geschmack lächelt sie mir hier zu oft von den Wänden entgegen, auf dem Flatscreen in der Eingangshalle werden Videos von Vorträgen und Konferenzen der Gruppe gezeigt – Programme, die unter anderem auch als Fernsehchannel im Zimmer laufen, wie ich später merke. Den Bücher und Weisheiten der Vietnamesin, der nicht nur die Loving Hut Gruppe gehört, sondern die auch ein Mode- und Schmuckbusiness betreibt, ist ein ganzes Zimmer gewidmet.

Jedes Zimmer ist mit einem Balkon ausgestattet - meiner sogar mit Seeblick, wobei Letzterer etwas enttäuschend ist. Foto: Doris

Jedes Zimmer ist mit einem Balkon ausgestattet – meiner sogar mit Seeblick, wobei Letzterer etwas enttäuschend ist. Foto: Doris

Hat man sich an diese Gegebenheiten gewöhnt, kann man sich aber in der Pension richtig wohl fühlen: Die Multi-Kulti-Mitarbeiter sind ruhig, freundlich und unaufdringlich, überall liegen Infos auch zu Ausflugsmöglichkeiten in der Region herum, dass jedes Zimmer einen Balkon hat, ist ein schöner Luxus, und dass man das „Fehlen“ von tierischen Produkten nicht einmal merkt, zeigt, dass wir sehr wohl ohne eben solche auskommen können. Sehr gut sogar!

Der Seezugang von der Loving Hut Pension ist ebenfalls ein Pluspunkt. Foto: Doris

Der Seezugang von der Loving Hut Pension ist ebenfalls ein Pluspunkt. Foto: Doris

Und dann ist da natürlich die Lage: Die Loving Hut Pension hätte sich eine schlechtere Location aussuchen können – der Klopeiner See zählt nicht nur zu den wärmsten Seen Kärntens (28 Grad Celsius!), sondern auch zu einem der Schönsten! Wie gut, dass gegenüber von der Pension eine private Wiese für Gäste vom Loving Hut geöffnet wurde – mit Steg und einem der herrlichsten Seezugänge überhaupt.

Der herrlichste Seezugang gehört zum Loving Hut. Foto: Doris

Der herrlichste Seezugang gehört zum Loving Hut. Foto: Doris

Was sagt Ihr: Da lässt sich doch locker ein Tag in der Sonne verbringen… ? Und danach gibt es die kulinarische Belohnung im Loving Hut. Denn dass vegane Ernährung alles andere als Entbehrung oder Verzicht bedeutet, davon hat die Kette schon einige überzeugt. Zum Beispiel die Leute aus der Nachbarschaft oder andere Touristen, die ebenfalls vorbei kommen, um im Loving Hut zu speisen. „Das ist das Beste, was ich seit langem gegessen habe“, schwärmt da eine ältere Dame mit Schweizer Akzent am Nebentisch und leckt die letzten Stücke der Schoko-(Käse)Topfentorte von der Gabel. Ich hätte es nicht besser formulieren können…

Ja, die ist vegan: Schoko-Käsetorte. Foto: Doris

Ja, die ist vegan: Schoko-Käsetorte. Foto: Doris

 
Loving Hut Pension
Am See XII 7/7a, A-9122 Sankt Kanzian
Tel.: +43 (0)4239 40150, Fax: +43 (0)4239 40150836, Email: info@lovinghutpension.at
Betrieb von Mai bis Oktober, Restaurant-Öffnungszeiten täglich: 11:00-14:30, 17:30-21:00 Uhr
Tipp: Die Runde um den Klopeinersee (ca. 5 km) ist eine herrliche Laufstrecke. Dringend empfohlen ist auch der Besuch der Wiese mit Seezugang und Privatsteg, das zur Loving Hut Pension gehört. Dort ist es wirklich schön!
 
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Held der Woche: Vanja, der Beharrliche

Unterwegs begegne ich vielen Menschen, die mich beeindrucken, mich inspirieren, mir Mut machen oder mich zum Nachdenken anregen. Mal sind es Bekannte oder Leute, mit denen ich mehr Zeit verbringe…

Unterwegs begegne ich vielen Menschen, die mich beeindrucken, mich inspirieren, mir Mut machen oder mich zum Nachdenken anregen. Mal sind es Bekannte oder Leute, mit denen ich mehr Zeit verbringe – ein anderes Mal ist es ein zufälliges, kurzes Zusammentreffen mit einem Fremden, das Spuren hinterlässt. Es ist Zeit, diese – meine – Helden des Alltags vorzustellen!

Wer: Vanja Dujc, Autodidakt, Olivenbauer, Geschichtenerzähler

Nicht irgendeiner, sondern einer, der seit rund zehn Jahren für sein „flüssiges Gold“ weltweit Preise einheimst. Einer, dessen Öl auch meine türkische Freundin (türkisch = mediterran = Expertin) und meine Gourmet-Kollegin (von der ich vermute, dass sie sogar vom Genießen träumt) für das Beste halten, das sie je gekostet haben. Einer, der sich jahrzehntelang von Null zur Spitze empor gearbeitet und trotz anfänglicher Misserfolge nicht aufgegeben hat.

Wo wir uns begegnet sind: In seinem Olivenhain über dem Städtchen Izola nahe Piran an der slowenischen Küste. Womit er mich beeindruckt: Mit seinem Öl natürlich. Viel mehr aber noch mit seiner Beharrlichkeit. Vor dreißig Jahren hat der Ingenieur aus Ljubljana erkannt, dass er im damaligen Jugoslawien nicht auf die Sicherheit seines Jobs vertrauen könne, sondern etwas Eigenes schaffen musste, um unabhängig zu sein. Pilze wollte er züchten – so war die Idee. Zwei Jahre dauerte es, bis er einsehen musste, dass daraus nichts werden konnte. Pilze wachsen in der Region nicht, dafür waren vier Hektar Olivenhain frei. Ohne Ahnung von Oliven zu haben pachtete er den Grund, kaufte Samen, die gerade verfügbar waren, und baute an. Es folgte einer der härtesten Winter seit langem. Die Olivenbäume erfroren. Mit einem neuen Kredit wurden neue Pflanzen gekauft. So ging es weiter, plätscherte vor sich hin. Zehn Jahre lang.

Bis er wusste, er musste eine Entscheidung treffen und alles auf eine Karte setzen. Statt einem Brotverdienst nachzugehen, studierte er die nächsten zehn Jahre Bücher alter italienischer Experten über das Thema, las alles, was er in die Finger bekam, nutzte jede Gelegenheit mit Experten zusammenzuarbeiten und probierte vor allem aus. Mit Erfolg!

Glück war natürlich auch dabei. Dass Vanja ausgerechnet den Hain bekam, auf dem Oliven wachsen, dass er seine Kredite wegen der wachsenden Inflation schnell abzahlen konnte, kurz, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Und doch hätte sich wohl so mancher durch die anfänglichen Misserfolge vom Projekt abbringen lassen, wäre vor der harten körperlichen und geistigen Arbeit, etwas so Neues zu beginnen, zurück geschreckt. An einer Idee Jahrzehnte lang zu arbeiten, durch- und festzuhalten an etwas, wofür man anfangs belächelt wird, dazu gehört schon eine beachtliche Portion Geduld und Beharrlichkeit.

Einer, der mutig genug war, seine Begeisterung zu leben. Foto: Doris

Einer, der mutig genug war, seine Begeisterung zu leben.

Wie du ihn treffen kannst: Wer – wie ich – bei dieser Erfolgsgeschichte ein großes, prunkvolles Anwesen erwartet, das schon von Weitem per Schild und Pfeil angekündigt wird, der irrt. Der Hain ist so bescheiden und schwer zu finden, dass mich Najda vom Kempinski Palace Portoroz hin begleitet hat. Und selbst sie musste noch gut darauf achten, den richtigen Feldweg zu nehmen, auch wenn sie schon zigfach dort war. Wer Vanja besuchen möchte, meldet sich am besten via Website des Ölproduzenten. Dann holt der Autodidakt gerne die Gäste von der Hauptstraße ab, führt sie über den Hain, erklärt die Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten – und beeindruckt ganz sicher auch sie mit seiner Geschichte.

Das flüssige, grüne Gold! Foto: Doris

Das flüssige, grüne Gold!

Dass Vanja nicht nur bei mir einen Eindruck hinterlassen hat, beweisen die zahlreichen Berichte über ihn. Ich finde das großartig, schließlich sollten wir alle viel öfter über Mutmacher und Helden sprechen!

Vanjas Olivenöl gibt es übrigens weltweit in ausgewählten Läden und Restaurants. In Wien wird es derzeit unter anderem im Vinoe verkauft.

Alle Olivensorten schauen anders aus. Foto: Doris

Alle Sorten von Olivenbäumen schauen anders aus: Die Blätter, wie die Äste wachsen… Vanja kennt sie – jetzt – alle.

Vor dreißig Jahren hat der Ingenieur begonnen, sich mit Oliven zu beschäftigen. Foto: Doris

Vor dreißig Jahren hat der Ingenieur begonnen, sich mit Oliven zu beschäftigen.

Der Blick an die slowenische Küste - der Olivenhain liegt malerisch über der Stadt Izola. Foto: Doris

Der Blick an die slowenische Küste – der Olivenhain liegt malerisch über der Stadt Izola.

Auch essbare Oliven hat Vanja anzubieten. Foto: Doris

Manche Oliven werden nach der Ernte nur zum Essen eingelegt – aus dem Großteil wird Öl gemacht.

 

Offenlegung: Danke an Stromberger PR und Kempinski Palace für die Einladung. Die Ansichten und Meinungen in der Geschichte bleiben meine eigenen. 

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Wo sich Fuchs und Biber gute Nacht sagen

Die Zähne werden im Kampf gefletscht: Wer ist der Stärkere? Wer kann den ausgelatschten Schuh, den ein Wanderer vor Urzeiten hier verloren hat, an sich reißen? Es ist der alles…

Die Zähne werden im Kampf gefletscht: Wer ist der Stärkere? Wer kann den ausgelatschten Schuh, den ein Wanderer vor Urzeiten hier verloren hat, an sich reißen? Es ist der alles entscheidende Moment. Und ausgerechnet in diesem werden die beiden Fuchswelpen, die sich hier spielerisch aneinander messen, ertappt. Ein Schnappschuss, wie er wohl nur in einem versteckten Winkel eines Waldes auf dem Land oder im Zoo gelingt. Dachte ich. Doch die Initiative Wiener Wildnis beweist das Gegenteil. Mitten in der Großstadt Wien mit ihren fast zwei Millionen EinwohnerInnen findet das Team rund um die Initiatoren, das international bekannte Fotografenehepaar Georg Popp und Verena Popp-Hackner, nicht nur die beiden Fuchswelpen, sondern Biber, Hasen, Rehe, Igel und natürlich unzählige Vögel. Diese „eindrucksvolle urbane Natur Wiens“ (O-Ton Website) möchte das Projekt seit November 2012 den WienerInnen und BesucherInnen der Hauptstadt multimedial näher bringen.

Mehr als 50 Prozent Wiens ist Grünfläche. Auf jeden Bewohner der Stadt fallen rund 120 Quadratmeter Grünfläche. 2.300 Hektar der Lobau, die wiederum ein Drittel des Nationalparks Donau-Auen abdeckt, und 9.900 Hektar des Wienerwalds sind im Wiener Stadtgebiet zu finden. Und in Letzterem gibt es um die 2.000 verschiedenen Pflanzen- und 150 Brutvogelarten. Dass Wien mit seinen Parks, den Gartenanlagen und überall entstehenden Urban Gardening Projekten ziemlich grün ist, ist kaum zu übersehen und macht die Stadt nicht nur für mich besonders lebenswert. Die Eckdaten, die auf der Website der Wiener Wildnis nachzulesen sind, sind aber dann doch noch einmal beeindruckend. Und nachdem ich es liebe, die verschiedensten Seiten meiner Wahl-Heimatstadt zu entdecken – habe ich den Koordinator Michael Ganzwohl zum Projekt befragt.

Neulich am Donaukanal: Biber haben fast alle Reviere der Großstadt besiedelt, Foto © Wiener Wildnis / Popp-Hackner

Neulich am Donaukanal: Biber haben fast alle Reviere der Großstadt besiedelt,
Foto: Wiener Wildnis / Popp-Hackner

Doris: Was genau ist euer Ziel, was steckt hinter der Wiener Wildnis?

Michael: Wir wollen durch unseren Multimediaansatz neue Eindrücke der Stadt zeigen, die so den meisten Menschen nicht bekannt sind. Dadurch führen wir letztendlich zu Themen, Awareness und schlussendlich Engagement. Wir wählen dazu die Visualisierung als Dreh- und Angelpunkt für die Botschaften, die wir vermitteln wollen. Die heutigen Kommunikationswege sind ja bereits stark auf das schnelle Konsumieren ausgerichtet, erst wenn die Hürde des „Wegzappens“ genommen ist, beginnt die nähere Beschäftigung mit einem Thema. Fotografie oder kurze Videos bieten sich an, Menschen zu fesseln und darauf basierend kann nachhaltiges Interesse geweckt werden.

Ein Feld beim Alberner Hafen (11. Bezirk) im Hochwasser. Am Feldrand blühende Mohnblumen waren zum Teil komplett unter Wasser, manche ragten noch durch die Oberfläche. Foto: © Wiener Wildnis/T. Haider

Ein Feld beim Alberner Hafen (11. Bezirk) im Hochwasser. Am Feldrand blühende Mohnblumen waren zum Teil komplett unter Wasser, manche ragten noch durch die Oberfläche.
Foto: Wiener Wildnis / T. Haider

Was sind eure liebsten Stücke Wiener Wildnis – Plätze, Motive? Woran könnt Ihr euch nicht satt sehen?

Es ist aus meiner Sicht nicht so sehr der eine Platz oder ein besonderes Tier, an dem man sich nicht satt sehen kann. Es ist der Blick, den man entwickelt, wenn man sich mit der Thematik auseinandersetzt. Ich als Projektkoordinator bin ja nicht ständig in Wien unterwegs so wie die Wiener Wildnis Fotografen. Aber wenn ich sie begleite oder selbst mit meinen Kindern unterwegs bin, so ist es schlussendlich die Stadt selbst, an der man sich nicht satt sehen kann – weil man eben ständig neue Perspektiven erkennt, anders hinsieht und noch in den kleinsten Ecken die Eroberung der Stadt durch Fauna und Flora erkennt. So wird jeder Ausflug eine Entdeckungsreise.

Igel gehören zu den echten Nachtschwärmern in der Stadt, die man – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nur zur dunklen Nachtzeit antreffen kann. Foto: © Wiener Wildnis / M.Graf

Igel gehören zu den echten Nachtschwärmern in der Stadt, die man – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nur zur dunklen Nachtzeit antreffen kann. Foto: Wiener Wildnis / M.Graf

In wie weit wollt ihr auch aufrütteln – einige Beiträge sind ja sehr stark umweltschützend unterwegs?

Vorab: Wir wollen ein positives Bild der grünen Metropole Wien zeichnen. Wien wird ja regelmäßig als eine der lebenswertesten Städte der Welt ausgezeichnet. Die bekannte Mercer-Studie beispielsweise, vergibt seit Jahren Bestnoten in der Kategorie „Quality of Life“. Das wollen wir vor allem zeigen. Unsere Beiträge sind also eher „umweltzeigend“ als „umweltschützend“. Aber selbstverständlich streifen wir bei unseren Beiträgen auch an sensible Bereiche an der Schnittstelle zwischen Mensch und Natur an. Diese wollen wir keinesfalls aussparen, aber neutral zeigen. Wir trauen es den Menschen durchaus zu, sich dann ein eigenes Bild zu machen.

Wie kann man eurer Meinung nach Wiener Wildnis am besten entdecken?

Einfach die nächste Straßenbahn nehmen und die Augen offen halten… Wir geben auch regelmäßig Ausflugstipps im Rahmen unserer Homepage-Beiträge (Rubrik „Location“ unter Berichte).

Die Donau ist ein Paradies für Tiere - und dafür, Wildnis zu fotografieren. Foto: Wiener Wildnis

Die Donau ist ein Paradies für Tiere – und dafür, Wildnis zu fotografieren. Foto: Wiener Wildnis

Wie kann man bei euch mitmachen?

Wir sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, um die echten Juwelen abseits der bekannten Hotspots, zu erfahren. Auf der Homepage wienerwildnis.at können Location-Hinweise abgegeben werden oder direkt auf wienerwildnis@wienerwildnis.at. Auch auf Facebook wird bereits fleißig mitdiskutiert und kommentiert. Wir wünschen uns, im Forum Geschichten über die Stadt, über den Bezirk, über das eigene „Grätzl“ zu lesen, wenn möglich mit Fotodokumentation von Begegnungen mit der urbanen Natur.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Wer direkt in die Wiener Wildnis eintauchen möchte, wird in Zukunft die Möglichkeit haben mit uns im Rahmen von Exkursionen und Workshops durch die Stadt zu streifen. Der Fokus wird dabei sowohl auf dem Naturerlebnis als auch auf der Fotografie liegen. Das ist aber noch in Planung, und wir werden darüber noch detaillierter informieren. Weiters sind AV-Shows und Ausstellungen geplant. Das langfristige Ziel für Wiener Wildnis ist eine Plattform für die urbane Natur Wiens zu etablieren.

Danke für das Gespräch – ich freue mich auf mehr Wiener Wildnis!

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Wenn in Rovinj, mach es wie die Rovinjer

„Nur noch 2.000 Einheimische leben heutzutage in der Altstadt von Rovinj„, erzählt mir mein Bekannter Stefan, dem ich mehr oder weniger zufällig im Hotel Lone über den Weg laufe, „und…

„Nur noch 2.000 Einheimische leben heutzutage in der Altstadt von Rovinj„, erzählt mir mein Bekannter Stefan, dem ich mehr oder weniger zufällig im Hotel Lone über den Weg laufe, „und im Winter ist es ab 17.00 Uhr hier wie ausgestorben.“ Dieses, sein Wissen hat er von einem Tourguide, der ihn am Tag zuvor durch die kroatische Stadt geführt hat. Dass der Großteil der Menschen, die hier an diesen sommerlichen Tagen, über die Pflastersteine durch die engen Gässchen schlendern, Touristen sind, ist keine Überraschung – und doch gibt es sie, die Leute, die Rovinj ihre Heimat nennen und mich in ihren bunten Alltag hineinschnuppern lassen.

„Menschen mit einer guten Seele kommen immer wieder nach Rovinj zurück“, Jadranka, in Zagreb geborene Journalistin und Künstlerin, spricht aus Erfahrung. Vor zwei Jahren ist die Weltenbummlerin, die in Toronto und Florenz gelebt hat, in die istrische Stadt gezogen, hat sich – innerhalb einer Stunde – dafür entschieden, dort eine 21 qm2 große Wohnung zu kaufen und zählt seither zu deren rund 15.000 Einwohnerinnen. Ob Stefans Tourguide sie auch zu den Einheimischen zählen würde?

Enge Gassen, Pflastersteine, der Blick aufs Meer und jede Menge Kunst - Rovinj ist in jedem Fall bunt. Foto: Doris

Enge Gassen, Pflastersteine, der Blick aufs Meer und jede Menge Kunst – Rovinj ist in jedem Fall bunt. Foto: Doris

Vermutlich nicht. Genauso wenig wie einige ihrer Freunde – einen Deutschen, einen Holländer, einen Italiener -, auch wenn die schon seit über 30 Jahren den größten Teil ihrer Zeit in Rovinj verbringen, dort Häuser besitzen, mit Kroatinnen verheiratet sind und selbst das istrische Kroatisch besser sprechen (und verstehen) als so mancher Landsmann. Vom rovinj´schen Dialekt ganz zu schweigen. „Local“ würde man wohl auch Nicola nicht nennen, der vor einem Jahr im 10 km entfernten Wald von Rovinjsko Selo eine Heimat gefunden hat. Dort baut der Spanier, der sich als Straßenkünstler und Clown seinen Lebensunterhalt verdient, mit anderen gemeinsam ein Öko-Dorf „Balkan-Style“ auf.

Der Markt von Rovinj ist einer der teuersten in Kroatien.Foto: Doris

Der Markt von Rovinj ist einer der teuersten in Kroatien.Foto: Doris

Die Frage nach dem „richtigen Einheimischen“ ist wohl so alt wie Rovinj selbst. „Schau mal, hier wohnte die österreichisch-ungarische Bevölkerung„, zeigt Jadranka, die ich über CouchSurfing getroffen habe, bei unserem Spaziergang durch die Altstadt auf eine Häuserzeile, die anders als die engen, schmalen Gassen im Umkreis fast schon majestätisch weit ist – nur die Wäsche hängt hier wie dort fein säuberlich nach Farben und Mustern geordnet über unseren Köpfen. Die Straßennamen sind zweisprachig auf Italienisch und Kroatisch angeschrieben, in den Restaurants locken Pizza, Pasta und natürlich alles aus dem Meer. Die reiche Geschichte der Stadt, die im 3. oder 4. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt wurde, ist nicht zu verleugnen – und vielleicht ein Grund, warum sich in Rovinj so viele Menschen aus aller Welt ansiedeln.

Findest du das, was du suchst? Foto: Doris

Findest du das, was du suchst? Foto: Doris

„Als ich damals im November – also mitten im regnerischen Winter – nach Rovinj gezogen bin, haben mich meine Freundinnen bedauert“, erzählt uns Jadranka, während wir – ganz nach Art der Locals – um 13.00 Uhr mittags in der Bar Grota am Markt von Rovinj den ersten Weißwein vom eigenen Gut nippen („ein ganz prickelnder, erfrischender, leichter“ soll es laut Wirt sein). „Ich hatte damals gerade Besuch von einer Freundin aus Zagreb“, meint sie weiter, „wir haben uns frisches Gemüse am Markt gekauft, um zu kochen, und sind hier in der Bar gelandet. Auf ein Getränk. Was soll ich sagen: Wir sind erst um 23.00 Uhr nach Hause gegangen.“

Am Abend werden die Meeresufer zu Bars, in denen man u.a. auch Honigschnaps trinkt. Foto: Doris

Am Abend werden die Meeresufer zu Bars, in denen man u.a. auch Honigschnaps trinkt. Foto: Doris

Auch wenn es sich jetzt so anhören mag, einfach war es nicht für sie, die sich eher als „Weltenbürgerin“ denn als Kroatin fühlt, hier in Rovinj angenommen zu werden: Über das Kosten, Erkunden und Probieren des lokal produzierten – preisgekrönten – Olivenöls hat sie Stück für Stück Anschluss gefunden. „Mittlerweile habe ich sogar das Privileg, mich hier unter die Männer zu mischen und mit ihnen zu diskutieren“, meint die 50-Jährige, die sich – berechtigterweise – als sehr sozial bezeichnet, mit einem Augenzwinkern und prostet ihren Freunden zu.

Das tun "Locals": Sich Mittags in der Vinothek treffen, plaudern und die Zeit genießen. Foto: Doris

Das tun „Locals“: Sich Mittags in der Vinothek treffen, plaudern und die Zeit genießen. Foto: Doris

Das Bedauern ihrer Bekannten war definitiv unnötig, scheint doch der Alltag in Rovinj – selbst im Winter, wenn die Bürgersteige zugegebenermaßen schon um 17.00 hoch geklappt werden – durchaus lebenswert zu sein. Da werden ab und an im Restaurant Konoba Veli Joze Nächte zu Tagen gemacht, es wird auf Tischen getanzt, gemeinsam gesungen und gelacht. „Wo sonst tut man das schon?“, fragt Jadranka in die Runde, „in Toronto oder Florenz habe ich das jedenfalls vergeblich gesucht“.

Rovinj ist ein Schmuckstück. Foto: Doris

Rovinj ist ein Schmuckstück. Foto: Doris

Doch es wird nicht nur gefeiert, sondern auch viel gearbeitet – und vor allem viel Kunst gemacht: Überall scheint die Kreativität aus den alten Mauern und zwischen den Steinen ihren Weg durch zu finden. An jeder Ecke lädt ein Pfeil mit der Aufschrift „Art“ zum Stöbern, Schmökern, Staunen und – natürlich – Kaufen ein. Was kann man auch von einem Ort anderes erwarten, an dem sogar eine ehemalige Kapelle mit Blick aufs Meer in eine Kunstgalerie umgewandelt wurde?

Die Kirche, die zum Meer rausgeht - jetzt eine Ausstellungsfläche für Kunst. Foto: Doris

Die Kirche, die zum Meer rausgeht – jetzt eine Ausstellungsfläche für Kunst. Foto: Doris

In (mindestens) einem bin ich nach den zwei Tagen in Rovinj jedenfalls schon fast ein „local“: Ich schwärme beinah genauso von Rovinj wie sie… und zurückkehren muss ich sowieso. Nicht nur wegen meiner guten Seele, sondern auch um das – dann vielleicht fertige – Öko-Dorf von Nikola und seinen Freunden zu sehen. Das ist sich dieses Mal nämlich nicht ausgegangen, weil die Waldbewohner wegen der Hitze lieber ans Meer geflüchtet sind – denn auch das ist etwas, was die Einheimischen in Rovinj gern machen…

Der Hafen von Rovinj ist seit jeher ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Foto: Doris

Der Hafen von Rovinj ist seit jeher ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Foto: Doris

Wo du in Rovinj sonst noch Locals triffst:

> Morgens trifft man die Einheimischen beim Schwimmen: Sie springen direkt von den Felsen mitten in der Stadt ins kühle Nass. Das Meer ist nämlich in Rovinj glasklar, türkis und sauber…

> Es sind dieselben Felsen, die gegen Abend als Sitzgelegenheit fürs gemeinsame Cocktail- und Weintrinken dienen und zum Teil der vielen Bars am Meer werden. Zu finden sind sie an der Ulica Sv. Križa, die entlang der See bis zur Kirche Euphemia führen.

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> An dieser Straße ist auch ein süßes, kleines Lokal zu finden, das Male Madlene: Für seine köstlichen Desserts mittlerweile auf TripAdvisor berühmt, ist das winzige Zimmer – das eigentlich Teil einer Wohnung ist – vor allem auch eine Augenweide. Blumengestecke, Dekos, ein Bücherschrank im Eck – wie viel Liebe hinter allem steckt ist spürbar. Und die Geschichte hinter diesem besonderen Lokal ist ebenfalls ein paar Zeilen wert: Eine ältere Dame hat es nach dem Tod ihrer Tochter eröffnet, um wieder Freude am Leben zu erhalten und nicht ganz zu vereinsamen.

Übrigens: Besondere Stammgäste (und solche, die ganz lieb fragen)  dürfen sogar auf ihrer Terrasse direkt am Meer die Süßigkeiten genießen.

Die "Kleine Madeleine" begrüßt ihre Gäste in ihrem Wohnzimmer. Foto: Doris

Die „Kleine Madeleine“ begrüßt ihre Gäste in ihrem Wohnzimmer. Foto: Doris

> Frischen Fisch, Meeresfrüchte und vor allem Muscheln, aber auch einiges für Vegetarier wie mich (große Salate, Trüffelpasta & Co.) gibt es im Restaurant Scuba – und das für die zentrale Lage mitten in der Stadt zu erstaunlich guten Preisen. Mit leerem Magen geht dort keine(r) raus! Besondere Empfehlung sind auch der typische Honiggrappa und die „Scuba“-Torte.

Weiße Trüffel, dafür ist Istrien berühmt. Foto: Doris

Weiße Trüffel, dafür ist Istrien berühmt. Foto: Doris

> Täglich hat der Markt in der Altstadt von Rovinj bis um die Mittagszeit (manche stehen auch etwas länger) geöffnet. Im Sommer sind die Plätze heiß begehrt, im Winter ist sehr viel weniger los. Für die meisten Einheimischen führt der Weg nach dem Einkauf direkt in die Bar Grota… und irgendwann wieder dort hinaus. Der Markt selbst zählt übrigens zu den Teuersten in Kroatien (Preis 1 kg Kirschen: 30 Kuna, ca. 3 Euro)

Punta Corrente ist definitiv ein magischer Ort. Foto: Doris

Punta Corrente ist definitiv ein magischer Ort. Foto: Doris

Nur ca. 10 Minuten am Ufer lang führt der Weg in den Naturpark Punta Corrente, der mir gleich zu Beginn von allen Seite als „magischer Ort“ empfohlen wurde -und als einziger Platz in Rovinj, in dem es keine Autos gibt. Beides kann ich bestätigen. Genauso wie die Tatsache, dass es der Rovinjer (und Touristen) liebster Ort fürs Radfahren, Joggen, Picknicken, Yoga- und TaiChi-Machen und – natürlich – Schwimmen oder Schnorcheln ist, dieser größte botanische Garten Istriens mit seinen Zypressen- und Pinienbäumen.

Ja, ich fühle mich wirklich schon ein bisschen einheimisch hier. Foto: Doris

Ja, ich fühle mich wirklich schon ein bisschen einheimisch hier. Foto: Doris

Offenlegung: Danke an Stromberger PR und Hotel Lone für die Einladung zum Aufenthalt. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte sind und bleiben meine eigenen.

8 Kommentare zu Wenn in Rovinj, mach es wie die Rovinjer

7x anders schlafen: Meine Übernachtungstipps für Wien (Teil 2)

Schon im ersten Teil habe ich von alternativen und ökologischen Übernachtungskonzepten gesprochen. Heute gibt es noch mehr davon – und ich habe natürlich nicht alle Unterkünfte in Wien „abgeklappert“, hat doch…

Schon im ersten Teil habe ich von alternativen und ökologischen Übernachtungskonzepten gesprochen. Heute gibt es noch mehr davon – und ich habe natürlich nicht alle Unterkünfte in Wien „abgeklappert“, hat doch die Stadt die höchste Umweltzeichendichte der Welt. Ich habe mir lieber die Schmankerl ausgesucht – und stelle Euch in diesem Post noch drei weitere Möglichkeiten, als nachhaltig Reisende(r) in meiner Wahl-Heimatstadt zu schlafen. Alles Hotels, in denen ich auch meine besten Freunde unterbringen würde – vorausgesetzt, meine Couch ist besetzt.

5. Boutique Hotel Stadthalle: Einer muss der Erste sein

„Willkommen im weltweit 1. Stadthotel mit Null-Energie-Bilanz„, begrüßt das Boutique Hotel Stadthalle seine Gäste und BesucherInnen wie mich. Dass es sich um eben solches handelt, das ist schon beim Eingang kaum zu übersehen: Die Außenwand – noch grau – wird in Kürze auch mit Pflanzen begrünt werden, bei der Tür prangen die vielen Gütesiegel – von Umweltzeichen bis Fair Trade – an der Wand, die Pflanzenklimaschutzfassade, die in Zusammenarbeit mit der BOKU (Wiener Universität für Bodenkultur) betrieben wird, steht seit wenigen Wochen ebenfalls wieder im Eingangsbereich.

Der grüne Garten samt E-Velos zum Ausleihen. Foto: Doris

Der grüne Garten samt E-Velos zum Ausleihen. Foto: Doris

„Am Anfang stand der Beschluss von der Besitzerin, Frau Reitterer, ein Passivhaus ans alte Hotel zu bauen“, erklärt mir Monika Haas vom Boutiquehotel – dass es so etwas im Hotellerie-Bereich weltweit noch nicht gegeben hat, das hat man erst später festgestellt. Wegen „das ist unmöglich“-Kommentaren aufzugeben, das war keine Option und so wurde nicht nur ein 6-stöckiges Passivhaus errichtet, sondern auch eine Grundwasserwärmepumpe und eine Photovoltaikanlage installiert, eine Solaranlage aufs Dach gebaut, E-Scooter für Hotelgäste angeschafft und – natürlich – regionale, biologische Lebensmittel am Frühstücksbuffet eingeführt. Das sind nur ein paar der Eckdaten, bloß die geplanten Windrädern zur Stromgewinnung gibt es – noch – nicht. Nicht, weil es technisch nicht möglich wäre, sondern weil ein Nachbar Einspruch erhoben hat. Aufgeben – Ihr könnt es Euch denken – ist aber auch hier keine Option.

Über eine Minibar wird derzeit diskutiert: Aber nein, zu viel Energieverschwendung. Foto: Doris

Über eine Minibar wird derzeit diskutiert: Aber nein, zu viel Energieverschwendung. Foto: Doris

„Wir sind Stück für Stück gewachsen“, so Haas, „und die Gäste fordern es auch ein, wie wir anhand der Zufriedenheits-Fragebögen merken.“ Dabei kommen nicht alle, weil es sich um ein Haus mit Null-Energiebilanz – „es geht sich knapp aus“ – handelt. Manche merken es erst, wenn sie die grünen Aufkleber in ihren Zimmern vorfinden: „No Minibar“ heißt es da zum Beispiel auf einem, ein Commitment gegen einen erhöhten CO2-Ausstoß, der den fehlenden Punkt auf die 4-Sterne-Kategorie kostet. Es ist eine bewusste Entscheidung.

Der Blick aufs Lavendeldach, das derzeit noch nicht lila, sondern grün ist. Foto: Doris

Der Blick aufs Lavendeldach, das derzeit noch nicht lila, sondern grün ist. Foto: Doris

Statt Mini-Bar gibt es etwas – meiner Meinung nach – viel Besseres: Den Ausblick auf ein (im Sommer vermutlich schön lilafarbenes) Lavendeldach zum Beispiel und so viele Sträucher sowie Bäume im Garten, Weinreben an den Hauswänden, dass der Leitspruch „Wohnen mitten im Grünen mitten in der Stadt“ nicht treffender sein könnte. Und wer sich noch ein Stück vom Stadthotel mitnehmen möchte, der findet in der Vitrine im Eingangsbereich handgemachte Souvenirs – wie wäre es zum Beispiel mit Lavendelherzen oder einer Lavendel-Schoko-Torte, na!?

Boutique Hotel Stadthalle: Hackengasse 20, 1050 Wien, ab € 128,- pro Nacht, http://www.hotelstadthalle.at/

6. Urbanauts: Das horizontale Hotel im „Grätzel“

Dass man und vor allem was man aus leerstehenden Gassenlokalen so alles machen kann, das beweisen seit 2011 die Urbanauts. Anders als in Städten wie London darf man in Wien nämlich bisher in ehemaligen Geschäftsräumlichkeiten nicht wohnen – leider. Also haben die Architekten Theresia Kohlmayr, Jonathan Luther und Christian Knapp mit einer ehemaligen Schneiderei das Pilotprojekt „horizontales Hotel“ gestartet. Nein, nicht, was Ihr denkt: Im leerstehenden Raum im Erdgeschoß wurden Bad und WC eingebaut, die Wände zur Straße mit Schalldämmung vor Lärm geschützt, die großen Auslagenfenster mit verdunkelten Gläsern abgeschirmt – ein 25 qm großes Hotelzimmer mit Mini-Bar, Internet und Co. entstand. An die Vergangenheit erinnern nicht nur der Name „Die Schneiderin“, sondern auch eine große Foto-Wand gestaltet durch die Künstlerin Sue Sellinger und handgemachte Hosen sowie T-Shirts, die Gäste anprobieren und dann gern bei den Urbanauts kaufen können.

Der "Schneiderin" sieht man ihr Vorleben an - so soll es auch in den anderen Ex-Gassenlokalen passieren. Foto: Doris

Der „Schneiderin“ sieht man ihr Vorleben an – so soll es auch in den anderen Ex-Gassenlokalen passieren. Foto: Doris

„Wir haben versucht, die vertikal angeordnete Hotelstruktur horizontal ins Grätzel (= Viertel) auszulagern“, erklärt Theresia, die selbst Erfahrung in der Hotellerie mitbringt. Heißt: Statt Frühstück oder Wellness-Bereich im Hotel selbst, empfiehlt Urbanauts „fellows“ in der Umgebung – ein Kaffeehaus in der Straße, die Bar ums Eck, das Hammam in der Nachbarschaft. Damit die leicht erreicht werden können, stehen vor dem Haus zwei Fahrräder – Vespas können als „Extra“ angemietet werden.

Der Schlüssel zum Hotelzimmer ist via Code zugänglich, wie stark man in der "Auslage" sitzen möchte, kann via verdunkelten Fenstern reguliert werden. Foto: Doris

Der Schlüssel zum Hotelzimmer ist via Code zugänglich. Wie stark man in der „Auslage“ sitzen möchte, kann via verdunkelten Fenstern reguliert werden. Foto: Doris

Über Empfehlung funktioniert auch die Bewerbung der Urbanauts, an deren Konzept andere Städte ebenfalls Interesse haben. Bisher erfolgt eine Buchung nur über die Website – eine Erweiterung auf andere Plattformen ist angedacht und vermutlich auch notwendig, wenn die nächsten Hotelzimmer nach dem gleichen Konzept aufsperren: Noch im Juli werden die jeweils 35qm großen „Galerist“ und „Künstler“ öffnen, im September ist „Der Schlosser“ an der Reihe.

DVDs, ein Stadtplan sowie passende Kleidungsstücke (zum Probieren und späteren Kaufen) liegen in der Schneiderin auf. Foto: Doris

DVDs, ein Stadtplan sowie passende Kleidungsstücke (zum Probieren und späteren Kaufen) liegen in der Schneiderin auf. Foto: Doris

Urbanauts: Favoritenstraße 17/ G3-5, 1040 Wien (geplante Home-Base in der Belvederegasse 26, 1040 Wien – Eröffnung 2014), ab € 120,- pro Nacht, http://www.urbanauts.at/

7. Hotel Der Wilhelmshof: Ganzheitlich vom Dach bis zur Garage

Wer mit einem der Trés-Hombres befreundet ist und deren fair transportierten Rum verkauft, der kann nur sympathisch sein. Wer noch dazu seit 2008 die größte Solaranlage der Wiener Hotellerie im Einsatz hat oder durch so „Kleinigkeiten“ wie eine Haus gemachte (vom Vater „gebastelte“) Heizungsregelung 20% der Kosten sowie jede Menge Energie spart, punktet gleich noch einmal – bei mir zumindest. Roman Mayrhofer, Geschäftsführer und mit seinem Bruder Eigentümer des Familienbetriebs „Der Wilhemshof“ macht mir bei seiner Hausführung klar, dass der Anspruch der „Ganzheitlichkeit“ im 4-Sterne-Hotel nicht (nur) auf dem Papier zu finden, sondern seine Einstellung ist.

Das Hotel Wilhelmshof hat schon seit 2008 die größte Solaranlage - aber erst 2010 davon erzählt. Foto: Doris

Das Hotel Wilhelmshof hat schon seit 2008 die größte Solaranlage der Wiener Hotellerie – aber seit 2010 erzählt es darüber. Foto: Doris

„Bei jeder Entscheidung muss man auch die ökologischen Kriterien heranziehen“, erklärt er und ist überzeugt: „Im Hintergrund kann man so viel machen“ – vor allem, wenn einem die Immobilie gehört, wie das beim Wilhelmshof seit Generationen der (Ideal)Fall ist. „Energie ist dabei der größte Hebel“, meint Mayrhofer und ist stolz, dass 45% der Energiebedarfs über die Solaranlage gewonnen wird. Es ist auch ein wirtschaftlicher Erfolg, der ohne das unternehmerische Risiko im Vorfeld aber nicht möglich wäre – schließlich investiert man gerade bei für den Gast unsichtbaren Dingen anfangs enorm.

Ein ganz besonderes Designzimmer im Wilhelmshof. Foto: Doris

Ein ganz besonderes Designzimmer im Wilhelmshof – gestaltet von TyWaltinger. Foto: Doris

Ein „plakatives Thema“ wie die Solaranlage ist wichtig für die Kommunikation, aber nicht das Einzige, was den Wilhelmshof besonders – anders – macht. Ganz offensichtlich ist da vor allem die Kunst: Der österreichische Künstler TyWaltinger hat aus dem Hotel – Schritt für Schritt – ein Kunsthotel gestaltet. „Eines, in dem den Gast die Kunst aber nicht überfährt“, wie Mayrhofer wichtig ist zu zeigen – und tatsächlich ist sie in einigen Räumen nur ganz dezent merkbar. In anderen dafür stärker, nie aber aufdringlich. Das Konzept zieht sich übrigens bis zur Garage (!) durch, und TyWaltinger arbeitet selbst stark mit natürlichen Farbpigmenten und den Kräften der Natur zusammen – ganzheitlich eben!

Speziell ist der Wilhelmshof, auch die Garage. Foto: Doris

Speziell ist der Wilhelmshof, auch die Garage. Foto: Doris

Hotel Wilhelmshof: Kleine Stadtgutgasse 4, 1020 Wien, ab € 120,- pro Nacht, http://www.derwilhelmshof.com

Weitere Tipps zu einem alternativen, nachhaltigen Wien-Besuch habe ich für einfachbewusst.de geschrieben >> http://www.einfachbewusst.de/2013/04/nachhaltiges-reisen-wien-und-darmstadt/ 

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