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    Anheuern auf dem segelnden Öko-Frachter

    „Warum müssen wir immer alles haben, zu jeder Zeit? Wie können Bananen im Winter nur ein paar Euros kosten und woher kommen die?“, Andreas Lackner stellt im Sykpe-Gespräch noch einmal…

    „Warum müssen wir immer alles haben, zu jeder Zeit? Wie können Bananen im Winter nur ein paar Euros kosten und woher kommen die?“, Andreas Lackner stellt im Sykpe-Gespräch noch einmal klar, ob ich verstanden habe, worum es ihm geht: „Wir müssen solche Prozesse hinterfragen, damit unsere Welt eine Zukunft hat.“ Hinterfragen allein ist dem gebürtigen Steirer und seinen niederländischen Partnern allerdings schon lange nicht mehr genug: Mit dem Segelschiff „Tres Hombres“ transportieren sie seit einigen Jahren fair und biologisch produzierte Waren aus aller Welt über den Ozean – einzigartig ohne Motor, ohne CO2-Emission, ohne einen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen und mit einer Crew, die sich zum Teil aus Freiwilligen und Interessierten wie dir oder mir zusammensetzt.

    Schon im Jahr 2000 hat Andreas Arjen van der Veen Jorne Langelaan kennen gelernt – auf einem Schiff, wie könnte es anders sein? Der Steirer aus Stainz bei Straden war auf dem Wasserweg nach Südamerika, die beiden Holländer befanden sich als Lehrlinge der Seefahrtschule mit an Bord eines Dreimasters. „Wir waren die einzigen, die nicht zur Crew gehörten, aber auch keine zahlenden Passagiere waren.“, erzählt mir Andreas, der gerade auf „Heimaturlaub“ ist, und auf den ich aufmerksam geworden bin, weil er bei einer Nachhaltigkeitskonferenz über sein Projekt spricht. Ein Anderssein, das verbindet und ihnen beim Kapitän den Namen „Tres Hombres“ („Drei Männer“) einbrachte.

    Drei Männer, eine Idee.

    Nicht nur den Namen verdanken sie dieser Zeit: „Als wir ein Frachtschiff überholt haben, weil wir mit viel Wind gefahren sind, ist uns die Idee gekommen, Waren wieder ohne Emission zu transportieren.“ Eine Idee, die anfangs auf viel Unverständnis gestoßen ist und erst 2006 zum Leben erweckt werden sollte. Da haben die beiden Holländer Andreas, der mittlerweile in Kroatien ein Segelboot-Unternehmen führte, besucht. Jetzt war die Zeit reif – und wer an Zeichen glaubt, wird die Geschichte, wie sie „ihren“ Frachter in Holland gefunden haben, lieben: „Wir sind in einen Hafen hinein und da hat jemand gerufen „tres hombres“, wir schauen auf die andere Seite – und da liegt ein Schiff, abgedeckt, verrottet.“, schildert Andreas die schicksalhafte Begegnung mit dem deutschen Schiffsrumpf aus dem Jahr 1943 und fügt hinzu: „Es war außerdem ein österreichisches Modell, das 1935 von einer Wiener Firma gezeichnet wurde.“ Dass das Wrack für läppische 3.000 Euro verkauft wurde, ist natürlich ein weiteres Zeichen…

    Segelmacher, die Mannschaft darf arbeiten.

    Um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie die Vorbesitzer des Schiffs, die sich zu dritt mit dem Herrichten völlig übernommen hatten, machten es die findigen Männer anders: Mit selbst gebastelten, notariell beglaubigten und rechtsgültigen Scheinen verkauften sie Anteile am Schiff und konnten so 350.000 Euro einnehmen, um Material für die Renovierung zu finanzieren. Und sie stellten ein Freiwilligenprojekt auf: 150 Menschen aus 25 Ländern haben zweieinhalb Jahre gebaut, um aus der 80 Jahre alten, 35 Meter langen und 130 Tonnen schwere Zweimast-Brigantine ohne Motor das faire Frachtschiff zu machen. „Manche blieben drei Tage, andere Monate.“ – Andreas schwärmt noch heute von der „besten Zeit seines Lebens“, in denen er Freunde fürs Leben gefunden hat – und eine Crew fürs Schiff. Denn einige von den Leuten haben als Teil der fünfköpfigen fixen Profi-Mannschaft angeheuert, die derzeit mit zehn Euro pro Zwölf-Stunden-Tag sowie Unterkunft und Verpflegung entlohnt werden kann. Der Rest der Arbeit wird von den Freiwilligen erledigt: Zehn Leute werden mitgenommen und dürfen sich auf der „Tres Hombres“ nützlich machen, nicht als Passagiere, sondern als Teil der Crew. Der Frachter ist nämlich als Trainings-Segelschiff geeignet, „Lehrlinge“ aus der Schiffschule in der notwendigen Praxis auszubilden. „Wir hatten aber auch schon einen 76-Jährigen an Bord.“, erzählt mir Andreas davon, dass sie alle Interessierten mitnehmen, die Hand anlegen und mich im gleichen Zug einlädt, auch einmal mitzushippern.

    Gruppenfoto der Mannschaft.

    50 Prozent der Kosten werden durch diese „Lehr-Crew“ aufgebracht, die andere Hälfte nehmen die Tres Hombres mit dem Verkauf ihrer Fracht ein: Schokoladebohnen, die sie von der Fairtrade Bauerngenossenschaft in der Dominikanischen Republik abholen und zum Produzenten nach Amsterdam schippern, wo die 70 Kilogramm-Säcke mit Transportfahrrädern die letzten zwei Kilometer zur Fabrik gebracht werden, deren Maschinen aus alten spanischen Schokofabriken stammt. 30 Cent bekommen Andreas und Co pro verkauftem Schokoladeriegel. Oder Bio-Portwein aus Portugal, Bio-Bier aus Frankreich, lokalen Madeira Honig von der gleichnamigen Insel und natürlich ihr Hauptprodukt, den acht bis 16-jährigen Tres Hombres Rum: Den kaufen sie von kleinen Herstellern der Dominikanischen Republik oder – heuer zum ersten Mal – der kanarischen Inseln ab, lassen ihn in Holland in Flaschen abfüllen und verkaufen ihn selbst in Europa.

    Tres Hombres legt in Porto an.

    Seit drei Jahren steuern Andreas und seine beiden Partner eine ähnliche Route mit verschiedenen Häfen an: Im Oktober legen sie von Holland ab, über England, Frankreich, Portugal, Madeira, Kanarische Inseln geht es in die Karibik. Einer der drei Männer ist jedesmal die gesamten acht Monate mit an Bord – der Steirer ist im Februar 2013 wieder auf dem Weg in die Dominikanische Republik, um von dort mit der Tres Hombres in See zu stechen.

    Eine Frau ist auch dabei.

    Die Tres Hombres selbst ist aber „nur“ Botschafter, den drei Männern geht es um mehr: „16 der größten Frachtschiffe produzieren mehr Schadstoffe als alle Autos zusammen.“, erklärt mir der ehemalige Greenpeace-Mitarbeiter und Weltreisende Andreas und hat auch eine Lösung parat: Segelschiffe statt Motoren – noch dazu ist Wind gratis und eine Umrüstung zahlt sich somit auch wirtschaftlich aus. „Damit wir alle wieder eine gute Luft haben.“, ist die Vision klar, und Andreas fügt hinzu: „Es ist eine gemeinnützige Idee, aber ich tu’s für mich selbst!“ So wollen die drei Freunde mit ihrer Stiftung Atlantis Zeilende Handelsvaart alte Frachtschiffe mit großen Motoren umrüsten und auf Schiffe mit modernen Segeln umbauen. Außerdem haben sie mit dem Jachtproduzenten Dykstra ein Modell für ein 140 Meter langes und mit vier Masten ausgestattetes High-Tech-Segelschiff namens Ecoliner entwickelt, das unzählige Frachtkontainer tragen kann und nur ein Crewmitglied für die Navigation benötigt. Ein Projekt, das bisher – wie ähnliche Projekte in anderen Ländern – ausschließlich auf dem Papier existiert. „Den Ecoliner zu bauen, das würde uns im Moment zu viel Geld kosten.“, ist Andreas realistisch und erzählt gleichzeitig vom EU Programm SAIL, das eine Finanzierung und somit den Baustart für die nächsten Jahre in Aussicht stellt. Kollege Jorne erklärte 2011 bei TEDxAmsterdam: „Damit wir einen Unterschied machen, bräuchte es über 300 Ecoliner in den nächsten fünf Jahren.“

    Bis es soweit ist, sind sie mit Tres Hombres – „dem originellsten und schönsten Schiff“ laut Andreas – unterwegs, zeigen vor, dass fairer Transport möglich ist, machen das Projekt noch bekannter und möchten auch für ein Umdenken von uns allen sorgen. Oder, um aus dem TEDxAmsterdam-Talk zu zitieren: „Stell dir vor, was passiert, wenn es weltweit kein günstiges Öl für die Frachtschiffe gibt. Wir müssen darauf achten, was wir verschiffen. Kauf so viele lokale Produkte wie du kannst und transportiere nur die Dinge, die man unbedingt bewegen muss.“ Achja, und „um eine Zukunft von nachhaltigem Transport zu ermöglichen, kaufe unseren Rum, kaufe Anteile an Tres Hombres, nutze unser Schiff, um deine Frachten zu transportieren und spende an FairTransport.“ Oder segle mit! Wird gemacht!

    Tres Hombres segelt über das Meer.

    Segle mit: Am liebsten ist es Andreas, wenn man die ganze halbjährige Tour mitmacht – auch, weil eine Ozeanüberquerung schon ein oder zwei Wochen länger dauern kann. Buchbar ist aber eine Reisedauer zwischen drei Tage und drei Monate, Kosten: Ab 225 Euro. Mehr zu Fairtransport und Tres Hombres erzählen sie selber in diesem Video (mit englischen Untertiteln).

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    Als Nomade leben, arbeiten und die Welt verändern? Es geht!

    „Warum willst du dich auf einen einzigen Platz beschränken, den du Heimat nennst, wenn doch der ganze Planet so viel anzubieten hat?“ Tudor Tarlev möchte sich in keinem Fall beschränken lassen….

    „Warum willst du dich auf einen einzigen Platz beschränken, den du Heimat nennst, wenn doch der ganze Planet so viel anzubieten hat?“ Tudor Tarlev möchte sich in keinem Fall beschränken lassen. Seit er 16 ist, ist er auf einer unternehmerischen Reise – als Nomade. „Ich schätze, ich kann mein Dorf in Moldawien Heimat nennen, aber da bin ich nur ein paar Wochen im Jahr.“ Den Rest der Zeit ist der „chronische Unternehmer und Aktivitätsjunkie mit sechs Start-Ups in Planung und großen Misserfolgen“ als selbst ernannter „Veränderungsagent“ unterwegs in ganz Europa, um positive, nachhaltige Projekte durchzuführen. Ich habe Tudor zu seinem Lebensstil und seinen Projekten befragt – und vielleicht inspirieren sie auch dich:

    Doris: Tudor, du bezeichnest dich als „Nomade und Unternehmer“ – was genau machst du? 

    Tudor: Ich habe meine unternehmerische Laufbahn gestartet als ich 16 war, während meiner Zeit auf dem College in Moldawien, als ich Wirtschaft studiert habe. Nach einigen Monaten kam mir der Gedanke, dass man die Seite der wirtschaftlichen Entwicklung nur dann verstehen kann, wenn man selbst ein Unternehmen gründet und zum Wachsen bringt. Das Konzept des Nomadentums kam 2011 dazu, als ich von Moldawien nach Rumänien übersiedelt bin und dort aktiv an lokalen und regionalen Treffen in Europa teilgenommen habe. Damals habe ich eine einfache Entdeckung gemacht: Du kannst mit deinem Unternehmen keine globale Auswirkungen haben oder haben wollen, wenn du nicht mit deiner Gemeinschaft in Kontakt bist, deine Märkte kennst, starke Netzwerke pflegst, kulturelle Hintergründe anschaust und das, was die Menschen bewegt, wo auch immer sie sind.

    Jetzt bin ich dabei, ein Sozialunternehmen namens Dreamups zu gründen, ausgehend von Österreich. Das Team ist aber sehr international und besteht aus Nomaden.

    Screenshot der Website Dreamups.

    Dreamups ist im August 2012 gestartet, die Plattform möchte als eine Art „Bibliothek“ fungieren, in der jeder sein Buch/sein Wissen einbringen und mit Gleichgesinnten teilen und jeder alles Wissen übernehmen/ansehen kann. Alle Anweisungen aus der Bibliothek sind nachhaltige und mit Leidenschaft entwickelte Lösungen. Die Idee ist, Lösungen in einem simplen “do it yourself” Format zugänglich zu machen, um von lokalen Gemeinschaften und Individuen weltweit genutzt zu werden.

    Foto: Tudor Tadev

    Wann und warum hast du dich für ein Leben als Nomade entschieden?

    Ich nenne es keine Entscheidung, es war mehr als Lebensstil, der sich über die Zeit entwickelt hat, als ich versucht habe, mich weiter zu bewegen, zu lernen und mein Netzwerk zu schaffen. Zumindest jetzt, wo ich mich um weniger Dinge kümmern muss und mehr Bewegungsfreiheit habe, möchte ich so viel wie möglich entdecken und gleichzeitig etwas Positives für die Welt kreieren.

    Was sind die größten Herausforderungen und Chancen deines Lebensstils? 

    Die größte Herausforderung sind wohl die Ressourcen – du hast keinen fixen Job und du musst ja von etwas leben, also musst du entweder als Freelancer gut sein, oder dein Start-Up läuft so gut, dass es deine Kosten deckt. Eine andere Herausforderung ist dein Können und das Vertrauen: Wie organisierst du deine Arbeit und einen Erfolg außerhalb eines normalen, geregelten Büroalltags, manchmal mit Menschen, die auf der anderen Seite des Ozeans leben? Sozial: Manchmal ist es hart, sich in eine lokale Gemeinschaft zu integrieren und alle Möglichkeiten zu entdecken, die sie für dich bietet. Das Geheimnis ist, den Fluss zu genießen, Menschen zu vertrauen und dich selbst jeden Tag zu fragen: Welchen Wert habe ich für andere geschaffen?

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    Kannst du bitte deine Reise beschreiben? Die Landkarte auf deiner Website sieht spannend aus! 

    Naja, die Landkarte ist einfach zu erklären: Ich habe einige Projekte in Moldawien, Rumänien und Österreich gegründet. Die restlichen Länder habe ich mehr für Gemeinschaftsprojekte, Konferenzen, Kongresse und zur unternehmerischen Forschung besucht. Andere wie die Niederlande oder Deutschland sind potenzielle Umfelder für zukünftige Entwicklungsprojekte. In den nächsten Jahren werden die Punkte auf der Landkarte rasant zunehmen, nachdem ich plane, jedes Jahr neue Länder anzuschauen, dort zu leben und innerhalb der Dreamups Gemeinschaft zu arbeiten.

    Foto: Tudor Tadev

    Du lebst gerade in Österreich – ist das das Ende deines Nomadendaseins oder bloß eine Pause? 

    Der genaue Ort ist Dreamicon Valley, Siegendorf, eine halbe Stunde südlich von Wien. Da ist auch das Hauptquartier der Dreamups und der Platz, an den wir alle drei Monate zusammenkommen, um zu evaluieren und die nächsten Schritte für die kommenden drei Monate zu überlegen. Den Rest der Zeit bin ich unterwegs, um Möglichkeiten zu entdecken und positive Auswirkungen auf die Welt zu haben.

    Was sind deine größten Projekte bisher, worauf bist du am meisten stolz? 

    Eine meiner besten Erfahrungen war TEDxChisinau.com, ein großartiges Team und etwas, was ich geschafft habe, zum Wachsen zu bringen und dadurch Lösungen für die lokale Gemeinschaft zu schaffen. Jetzt führt Elena, eine Freundin aus Moldawien, das Projekt und sie übertreffen alle Erwartungen, die wir im ersten Moment hatten. Ich liebe das, was sie derzeit machen. Die zweite Sache sind meine Lebenserfahrungen, all die großartigen Menschen, die ich getroffen habe, und meine Bankrotterklärungen; sie haben meine Zukunft enorm bereichert. Das letzte und aufregendste ist mein neues Baby, Dreamups – eine globale Plattform für Menschen, um nachhaltige Lösungen zu entdecken und zu erschaffen. Es ist einfach riesig und ich freue mich sehr auf seine Entwicklung.

    Foto: Tudor Tadev

    Kannst du auch noch etwas Genaueres zu deinem neuen Projekt, einem Buch verraten? 

    Die Arbeitslosenrate wird in Zukunft noch mehr werden, weil alles automatisiert und technologisiert wird. Dann können wir zu dem Moment kommen, wo Menschen in vielen Bereichen nicht mehr gebraucht werden. Aber es gibt einen Platz, wo man sie immer brauchen wird – in ihrer Gemeinschaft und der Familie. Ich stelle mir eine Zeit vor, wenn Menschen zu ihren Wurzeln zurück kommen und ein viel mehr von den Werten geprägtes Leben führen, zum Beispiel ihr eigenes Essen produzieren, Selbstgemachtes und Upcycling-Produkte nutzen. Es ist großartig zu begreifen, dass wir unsere Fähigkeiten außerhalb des Arbeitsmarkts einsetzen können und trotzdem unseren Lebensunterhalt verdienen und Mehrwert schaffen. Das wird der Moment sein, an dem jede Person ein Künstler, ein Erschaffer sein darf. Das Buch nennt sich “DO nomads” und wird eine interaktive Reise mit Aufgaben und Herausforderungen sein, die es zu meistern gilt, und deshalb wird die Erfahrung für jeden Leser einzigartig sein. Eine Geschichte in Echtzeit, die die Erfahrung anderer Menschen darstellt und Einblicke gibt, wie man Neues erschafft und diesen Weg meistert. Es ist eine Reise über vier Jahre, und ich hoffe, dass das Stück Kunst 2015 öffentlich zugänglich wird. Um zu verstehen, was ich sage, lest am besten Robots Will Steal Your Job, But That’s OK von Federi Pistono oder We Are All Artists Now von Seth Godin.

    Danke, Tudor!

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    Meine Lieblingsrezepte aus der Yoga-Küche auf Hawaii

    „Essen ist mir ja normalerweise egal,“, sagt sie und schenkt mir dabei ein begeistertes Lächeln, „aber hier schmeckt es großartig!“ Ein schöneres Kompliment kann eine Köchin nicht bekommen, also serviere…

    „Essen ist mir ja normalerweise egal,“, sagt sie und schenkt mir dabei ein begeistertes Lächeln, „aber hier schmeckt es großartig!“ Ein schöneres Kompliment kann eine Köchin nicht bekommen, also serviere ich diesem Gast gerne und mit stolzgeschwellter Brust eine extra Portion Salat. Schließlich habe ich als Freiwillige beim Kochen in der Yoga Community Kalani auf Big Island, Hawaii geholfen.

    Mahlzeit - auf dem Lanai, dem Essensbereich in Kalani. Foto: Jess Scranton

    Nun mag sein, dass im paradiesischen Umfeld von Hawaii alles besser schmeckt, doch nachgekocht kann man sich das fitte Urlaubsfeeling auch nach Hause holen. Deshalb haben mir die Köche und Köchinnen von Kalani hier einige ihrer veganen Lieblingsrezepte – jeweils für sechs Personen – verraten. Was für ein Zufall, dass es sich dabei auch um meine Highlights handelt.

    Morgendliches: George’s Bio-Ahorn-Granola

    Ob es daran liegt, dass Dessertchef George’s Granola bisher als „Geheimrezept“ unter Verschluss gehalten wurde oder daran, dass es einfach soooo köstlich ist: Die meisten Gäste fragen, wie man das Granola auch Zuhause auf den Frühstückstisch zaubert. Jetzt ist das Geheimnis gelüftet:

    600g Bio-Haferflocken, nicht gekocht
    Jeweils 130g von mindestens vier dieser Zutaten:
    – Bio-Pekannüsse
    – Bio-Mandeln
    – Bio-Pinienkerne
    – Bio-Sonnenblumenkerne
    – Bio-Kokosflocken
    – Bio-Walnüsse
    – Bio-Kürbiskerne
    – Bio-Erdnüsse
    – Bio-Sesam
    1 ½ Teelöffel Bio-Zimt
    1 Teelöffel Bio-Muskat
    1 ½ Teelöffel Bio-Salz
    90g brauner Bio-Zucker
    2 Teelöffel Bio-Vanilleextrakt
    1 Tasse Bio-Ahornsirup
    150g Bio-Kokosöl oder Bio-Erdnussöl

    Den Ofen auf 170 Grad vorheizen. Alles mit den Händen gut vermischen und dann auf einem Blech auflegen. Zusammendrücken, damit die Granola flach wird. Rund 20 Minuten Backen bis es braun wird, dazwischen nicht verrühren. Vollständig abkühlen lassen und schließlich in einem luftdichten Behälter aufbewahren.

    Nichts für SuppenkasperInnen: Grüne Papaya Suppe

    1 mittelgroße Bio-Zwiebel, geschnitten
    2 Zehen Bio-Knoblauch, ebenfalls geschnitten
    2 Esslöffel Bio-Ingwer
    2 geschnittene Bio-Karotten
    1 bis 2 grüne Bio-Papaya, geschält, entkernt und in Würfel geschnitten
    1 bis 2 Esslöffel Bio-Kochöl
    150g geschälte Bio-Tomaten, geschnitten
    1 Teelöffel getrockneter Bio-Oregano
    1 Teelöffel getrocknete Bio-Petersilie oder 1 Esslöffel frische Bio-Petersilie, gehackt
    Meersalz zum Abschmecken
    2 kg lange Bio-Reisnudeln (Sai Fun)
    0,70 l Bio-Gemüsesuppe

    Das Öl in einem Suppentopf erhitzen, darin die Zwiebeln anbraten, bis sie hellbraun sind. Karotten, Knoblauch und Ingwer dazu geben und für weitere drei Minuten erhitzen. Tomaten, Papaya und Kräuter hinzufügen. Danach mit der Gemüsebrühe aufkochen, die Nudeln dazu geben und für weitere 15 Minuten (oder bis die Nudeln fertig sind) kochen. Heiß servieren.

    Variation: Man kann auch Spinat oder anderes grünes Gemüse hinzufügen. Mit grünem Zwiebel garnieren, Sprossen und Koriander oder Kresse beifügen.

    Auf dem Bauernmarkt in Hilo gibt es übrigens eine andere empfehlenswerte Köstlichkeit aus grüner Papaya: Den Green Papaya Salad von Ratana’s Green Papaya Salad, einem kleinen Stand unter den anderen Essensshops. Ich habe ihn probiert – er ist köstlich!

    Knackiges: Spinat- und Brunnenkresse-Salat mit Himbeer-Vinaigrette

    300g Bio-Spinatblätter
    60g Bio-Brunnenkresse
    15g getrocknete Bio-Cranberries
    15g geröstete Bio-Walnüsse
    30g geschnittene rote Bio-Zwiebel
    30g frische Bio-Himbeeren
    8 Esslöffel Bio-Olivenöl
    2 Teelöffel Bio-Sherryessig
    1 Teelöffel Bio-Balsamico-Essig
    Salz und frisch geriebener Bio-Pfeffer

    Für das Dressing den Essig und die Hälfte der Himbeeren in einen Mixer geben, dann mit Öl mischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Salatzutaten mit dem Rest der Himbeeren und dem Dressing abrühren. Sofort servieren.

    Sowohl die Suppe als auch den Salat kann man als Vorspeise, als pūpū (so der hawaiianische Ausdruck) genießen. Oder einfach so, weil alles ʻono (= köstlich) ist!

    Lasst es euch schmecken!

     

    Dieser Beitrag ist ein Vorgeschmack auf mein Reise-Buch über meine Zeit in der Yoga-Community auf Hawaii. Darin gibt’s noch mehr Rezepte und vor allem viele „Schmankerl“ von Big Island und den anderen Inseln: Hawaii – zwischen Yoga, Lava und Kochtöpfen. Drei Monate in einer Community auf der Trauminsel

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    72 Stunden: Meine Highlights beim Lichterfest in Lyon

    Alle Jahre wieder wird die französische Stadt Lyon erleuchtet. Nicht im biblischen Sinn, nein, vielmehr in einem sehr weltlichen. Beim Lichterfest oder, weil ja alles auf Französisch besser klingt, Fete…

    Alle Jahre wieder wird die französische Stadt Lyon erleuchtet. Nicht im biblischen Sinn, nein, vielmehr in einem sehr weltlichen. Beim Lichterfest oder, weil ja alles auf Französisch besser klingt, Fete des Lumières erstrahlen die Straßen in einem Lichtermeer – und gehen beinah in einem Meer von Menschen unter. Das Wochenende, das dem Namen nach den Lumière-Brüdern, berühmte Söhne der Stadt und Erfinder des Films, gewidmet ist, zieht die TouristInnen von nah und fern in Scharen an. 2012 war ich eine von ihnen. Wegen des Lichterfests – und weil sich die lokale CouchSurfing-Community dieses Festival als Anlass hergenommen hat, ebenfalls alle Jahre wieder zu einem Treffen zu laden.

    “Jedes Jahr kann ich mich nicht in das Spektakel stürzen.” Mein CouchSurfing-Host Esteban macht gleich bei meiner Ankunft klar: Das Lichterfestival ist für die 400.000 EinwohnerInnen Lyons nicht nur Anlass zur Freude. Zu viele Menschen stürmen die geschichtsträchtige Stadt mitten in Frankreich, zu viele Menschen drängen sich durch die mitunter zu engen, oft abgesperrten Gassen rund um Place des Terreaux, der Transport ist bei einer Million erwarteter Gäste schlicht und einfach überfordert. Vor allem, wenn die lieben U-Bahn-Chauffeure genau an einem der heißesten Tage in Sachen Menschenmassen beschließen, schlicht und einfach zu streiken. “Das würde in Österreich nicht passieren.”, denke ich mal wieder äußerst patriotisch – ein Gefühl, das bei mir grundsätzlich nur im Ausland auftaucht, und fluche mit den FranzösInnen im Chor darüber, dass ausgerechnet am zweiten Abend des Lichterfests einige U-Bahn-Linien nicht in Betrieb sind. Schließlich sollte man sich ja an fremde Sitten anpassen, stimmts?

    Esteban hat zur Zeit der Fete des Lumieres noch einen Anlass zur Klage: Er lebt in einer der schönsten (ich kanns bestätigen!) und beliebtesten Straßen der Stadt, in Montée de la Grande Cote, die ins Alternativviertel Croix Rousse führt. Und während des Lichterfests haben nicht nur sämtliche kleine Läden, die ich schon untertags zum Einkaufen gestürmt habe, auch am Abend offen – nein, vor unserem Fenster baut sich eine russische Musikgruppe auf, ein paar Meter entfernt macht eine Brassband Stimmung. Bis nach Mitternacht zeigt sich beim Blick auf die steil bergauf gehende Straße nur eine einzige Menschentraube, die sich laut mitsingen, tanzend und vor allem in sehr langsamen Schritttempo vorwärts bewegt. Schlafen? Daran sollte ich gar nicht denken…

    Sollte ich ohnehin nicht, schließlich gibt es viel zu sehen – nicht nur im künstlich-künstlerischem Licht, sondern auch untertags. Und das waren die Highlights meiner 72 Stunden in Lyon:

    Montée de la Grande Cote: Wie gesagt, eine der schönsten Straßen der Stadt. Wenn man auch darüber streitet, ob sie schon zum ehemaligen Vorort Croix Rousse gehört oder nur die Vorstufe davon ist, ist es definitiv DER Platz für Shopping. In kleinen Boutiquen wie lafabriQ und Ateliers, in denen ich gleich Geld ausgegeben habe. Zum Glück sind die Preise absolut in Ordnung.

    Markt auf dem Place de Croix Rousse: Jedes Wochenende Samstag und Sonntag bis ca. 12 Uhr gibt es den Freiluft-Markt. Im ersten Teil verkaufen Bio-Bauern und Bäuerinnen ihre Ware, dann geht es etwas Traditioneller weiter. Für das köstliche Gebäck muss man sich genauso lang anstellen wie vor den Bäckereien, aber das macht den FranzösInnen ja offensichtlich wenig…

    Den Kleinen Prinzen suchen: Ja, ich liebe Antoine de Saint-Exupéry, einen der bekanntesten Künstler aus Lyon. Als Kind stand ich sogar als kleiner Prinz auf der Bühne, da musste ich mich einfach auf die Suche nach dieser Lieblingsfigur begeben. Und es ist wirklich wie eine Schnitzeljagd. “Die meisten finden ihn am Anfang nicht.”, macht mir Esteban Hoffnung. Tatsächlich muss auch ich mehrfach nachfragen: “Y ou est el petit prince?”, mein Französisch hat auch schon einmal bessere Zeiten erlebt. Dennoch finde ich ihn irgendwann, den kleinen Prinzen, der “nach oben gehoben werden musste, weil er so klein ist”, wie mir eine der vielen eleganten, älteren Damen erklärt. Auf einer Statue sitzt er samt seinem Erfinder und schaut auf den Place de Bellecour herunten. Angeblich ist das Geburtshaus von Saint-Exupéry dort gestanden. Die Statue selbst ist eher enttäuschend – da gefällt mir die gezeichnete Darstellung des Kleinen Prinzen auf der Fresque de Lyonnais besser, einer Fassade, auf der berühmte Lyonaiser abgebildet sind -, aber die Suche nach dem Kleinen ist in diesem Fall die Mühe wert.

    Traboules: Die Passagen- oder Treppenhauskonstruktionen, die von den SeidenarbeiterInnen für Versammlungen und zum geschützten Transport der Stoffe genutzt wurden und auch in der Nazi-Zeit so einigen zur Flucht verholfen haben, sind vor allem im Stadtteil Vieux Lyon und Croix Rousse kaum zu übersehen. Am besten aber lässt du dich von einem Bewohner Lyons durch de Gänge führen. Der weiß nämlich auch, wo die Traboules sind, in die man nur auf einer Seite hinein kann – und wo nicht. Übrigens: Macht nichts, wenn es kein “echter” Lyonaiser ist. Die findest du ohnehin selten (ich bin keinem begegnet), denn – typisch Großstadt – sind viele zugereist.

    Das Museums-Kaffee Café Gadagne in Vieux Lyon lädt mit seinem entzückenden Hinterhof ein, eine Pause einzulegen und sich bei einer heißen Schokolade oder dem allgegenwärtigen Kaffee zu stärken. Anders als ins gleichnamige Museum, das sich um die Geschichte Lyons dreht und auch eine Marionettenausstellung beherbergt, kommt man ins Café gratis.

    Weihnachtsmarkt bei der U-Bahn-Station Perrache: Gut, es ist tatsächlich ein “ganz normaler Weihnachtsmarkt”, wie ihn Mitbewohnerin Apauline desillusionierend beschreibt. Wobei, ganz normal? Wir haben bei unseren Christkindlmärkten keine Schnecken im Angebot, oder? Dafür sorgen “Kougelhopf” oder Spätzle, die elsassche Variante, für ein bisschen Heimatgefühl. Unbedingt ausprobieren: Die Brioche de Praline – am besten mit vier weiteren Hungrigen teilen oder die nächsten drei Tage nichts zum Frühstück kaufen!

    Last, but not least – das Lichterfest: Wer die Beleuchtung und Lichtershows ohne Menschenmassen erleben möchte, der kommt wie ich an einem Donnerstag. Abends ist schon einiges los, aber kein Vergleich zu dem, was sich am Freitag oder Samstag in den Straßen tummelt. Am Donnerstag kann man noch ungehindert von einer Station zur nächsten wandern: Schnappt euch einfach den Plan, der bei der Touristeninfo oder an einigen Punkten der Stadt, ausgeteilt wird und los geht’s!

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    Auf zum Popradske See: Das Wandern ist des Sherpas Lust…

    „Am Wochenende ist der Wanderweg zum Popradske See richtig überfüllt.“, erzählt mir Kathrin Noll, die deutsche Hotel-Managerin des Grand Hotel Kempinski beim Abendessen. Gut, dass Montag war. Noch besser, dass es ein Montag in…

    „Am Wochenende ist der Wanderweg zum Popradske See richtig überfüllt.“, erzählt mir Kathrin Noll, die deutsche Hotel-Managerin des Grand Hotel Kempinski beim Abendessen. Gut, dass Montag war. Noch besser, dass es ein Montag in der Nebensaison war. Und an so einem Montag zwischen Sommer und Winter, wenn die HitzetouristInnen nicht mehr und die SkifahrerInnen noch nicht in der Hohen Tatra weilen, lässt sich ein sonst von Gästen überrannter Wanderweg in herrlicher Ruhe auskosten. Am besten bei strahlendem Herbstwetter!

    Genau das habe ich gemacht: Eine Stunde dauert der Marsch vom Tschirmer See bis zum Popradske See, genauso lang wieder retour. Und wer nicht – wie die Meisten, denen wir begegnen – die Bahn dorthin nehmen möchte, um dann auf der asphaltierten Straße zu gehen, der kann in unsere Fußstapfen treten und den Waldpfad nehmen. Aber macht euch keine Hoffnungen: In der Sommerzeit ist auch dieser Weg kein Geheimtipp, ist er doch wirklich einfach und für jederman zu schaffen. Heute aber, ja, heute sind wir dort (fast) allein.

    Wir? Ja, wir, denn auch wenn selbst ich es nicht geschafft hätte, mich auf dem genial beschilderten Wanderweg zu verirren, habe ich dennoch eine Begleitung. Die Beste überhaupt. Wer könnte nämlich geeigneter sein, die Liebe zur Region zu vermitteln als einer, der einen “großen Spaß” dabei empfindet, drei Jahre als Sherpa tagein, tagaus 80 Kilogramm schwere Vorräte zu den abgeschiedenen Hütten in die Berge zu tragen? Genau so einer ist Peter, der in der Hohen Tatra aufgewachsen und zutiefst verwurzelt ist. Er ist Concierge im Kempinski – und manchmal nimmt er Gäste in die Berge mit, während der Dienstzeit, versteht sich.

    Und das sieht dann so aus:

    Wir haben Glück: Noch hat der symbolische Friedhof, der an alle in den Bergen Gefallenen erinnert, offen. Bis Ende November ist das so, bis er wegen des Schnees gesperrt ist. Die bunten Holzkreuze und die Lage zwischen den Felsen machen ihn in jedem Fall zu etwas Besonderem:

    Da liegt er dann vor uns, der Popradske See samt seiner zwei Hütten. Schon jetzt ist er an manchen Stellen mit einer hauchdünnen Eisschicht bedeckt. Im Winter wird er komplett zufrieren, zur Freude der Einheimischen, die den See zum Eislaufplatz umfunktionieren. Natürlich nicht offiziell, schließlich ist die unsichere Eisschicht schon unter einigen eingebrochen, wie mir Peter erzählt.

    Die Hütte sieht nur von außen und unter blauem Himmel so einladend aus. Drinnen ist die Buffet-Kantine eher abschreckend und erinnert an Unterkünfte bei Schulsportwochen – ein Grund, warum wir das Mittagessen am See sein lassen.

    Ich verzichte übrigens auch darauf zu testen, wie es ist, wie ein Sherpa kiloweise Material zur noch einmal zwei Stunden entfernten und somit nächsten Hütte zu tragen. Das Angebot besteht: Am Wegesrand stehen Tragen herum, die Gäste mit fünf bis zehn Kilogramm beladen dürfen und nach der Ablieferung des Materials bei der Hütte zur Belohnung eine Tasse Tee bekommen.

    Nein, danke, auf diesen „Spaß“ kann ich verzichten – ich genieße lieber die Wanderung retour…

     

    Offenlegung: Ich war aus beruflichen Gründen Gast im Grand Hotel Kempinski in der Hohen Tatra. Herzlichen Dank für die Einladung! Die Meinungen und Ansichten in den Geschichten bleiben die meinen. 

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    The People’s Supermarket in London presents: Einats Pastinaken-Spinat-Kresse-Suppe

    Irgendetwas ist in diesem Supermarkt anders, das merkt man schon beim Hineingehen. Oder eigentlich schon von außen. Aber was? Ich kann es nicht gleich fest machen: Vielleicht liegt es daran,…

    Irgendetwas ist in diesem Supermarkt anders, das merkt man schon beim Hineingehen. Oder eigentlich schon von außen. Aber was? Ich kann es nicht gleich fest machen: Vielleicht liegt es daran, dass hier viel mehr Platz herrscht zwischen den Produktregalen? Oder vielleicht daran, dass bunte Erbsendosen in derselben Reihe stehen wie Reis und Kaffee? Oder vielleicht daran, dass weder Äpfel noch Karotten verpackt sind, sondern einfach frei herumliegen?

    Ich bin im The People’s Supermarket nahe der Londoner U-Bahn-Station Holborn gelandet. Nicht zufällig, wohlgemerkt. Ich habe ihn gesucht. Der Laden war eines der wenigen Projekte aus dem Buch A Smart Guide To Utopia – 111 inspiring ideas for a better city, die während meines Besuchs in London geöffnet waren. Die ganzen nachhaltigen Pop-Up-Restaurants, Bio-Stadtgärten und anderen hippen Öko-Ideen muss ich mir fürs nächste Mal aufheben. Aber der The People’s Supermarket, der hatte offen!

    Seit Juni 2010 hat der Supermarkt „von Menschen für Menschen“ offen. Der Beisatz ist kein loses Schlagwort, sondern Tatsache: Der Markt gehört nämlich den NachbarInnen hier in Central London. Jedes Mitglied arbeitet mindestens vier Wochenstunden im Laden und bekommt die Produkte dafür um 20 Prozent günstiger als „NormaleinkäuferInnen“.

    A common feature of that community is a love of good food. Another […] is the will to share. (aus The People’s Supermarket Cookbook)

    Aber es sind nicht irgendwelche Produkte: Es handelt sich um „Abfall“, „Reste“, „Überbleibsel“. Es liefern um die 40 Anbieter das an The People’s Supermarket, was in Regalen anderer Läden keinen Platz mehr findet oder nicht gern gesehen wird. Die Mitglieder selbst stimmen ab, was hier angeboten wird – und meistens handelt es sich um lokale, regionale und Bio-Ware. Auch handgemachtes Gepäck, Kuchen, Honig, Aufstriche sehe ich in den Schränken stehen.

    Und sollte tatsächlich etwas übrig bleiben oder nicht verkauft werden, gibt es noch immer die The People’s Kitchen: Eine In-Store-Küche, die aus den Produkten des Ladens Mittags- und Abendmenüs zaubert, die dann an die umliegenden Geschäfte geliefert oder im Supermarkt an hungrige Laufkundschaft verkauft werden. Gekocht wird übrigens von Langzeit-Arbeitslosen wie „Mr. Sandwich“, die hier in der Lamb’s Conduit Street wieder eine Aufgabe gefunden haben.

    Was in The People’s Kitchen gekocht wird? Das folgende Rezept und solche aus der Community wurden in „The People’s Supermarket Cookbook“ gesammelt und veröffentlicht. Um die 100 Stück gibt es von dem kleinen, aber feinen Kochbuch – und ich habe natürlich (!) eines davon gekauft. Da liest man dann Rezepte aus aller Welt, lernt, warum man grüne Bohnen nur im Sommer genießen sollte und von Köstlichkeiten, die für die eigene Mutter erfunden wurden. Und das in einem Land wie England, wo in beliebten TV-Sendungen wie „Come dine with me“ Gemüse aus Dosen, Steak zum Erschlagen und Zungen brechendes, weil verbranntes Crème Brulée ganz normal sind! (Sorry, England, aber da muss man sich fremd schämen, auch wenn die köstlichen Inder, Thais und Libanesen natürlich für einiges entschädigen). Es ist eine Freude – und diese Freude möchte ich mit euch teilen:

    Hier gibt’s also das Rezept für Einats Pastinaken-Spinat-Kresse-Suppe (für vier Personen)

    1 große Zwiebel
    2 Zehen Knoblauch
    2 bis 3 Pastinaken
    Olivenöl
    200g Spinat (ich habe es stattdessen mit Mangold aus dem eigenen Garten versucht, Mmmmh!)
    2 bis 3 Handvoll Brunnenkresse
    1 Chili
    600 (oder auch mehr) ml Gemüsesuppe

    Zwiebel, Chili und Knoblauch fein schneiden. Die Pastinaken schälen und in kleine Stücke schneiden. Etwas Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen und dann die Zwiebeln, Chili und Knoblauch darin weich anbraten. Die Pastinaken hinzugeben und auf kleiner Hitze ein paar Minuten braten lassen. Dann die Gemüsebrühe addieren und für 20 Minuten köcheln lassen. Den Spinat (beziehungsweise in meinem Fall eben den Mangold) und die Brunnenkresse hineingeben. Sobald das Ganze in sich zusammengefallen ist, gib die Flüssigkeit in einen Mixer und püriere sie. Dann zurück in die Pfanne geben und auf die gewünschte Temperatur erhitzen. Am besten mit ein bisschen veganer Crème fraiche, Sauerrahm oder ähnlichem und warmem Brot oder Croutons servieren. Mjammm… fertig ist die Suppe!

    These recipes have not been professionally tested, just cooked lovingly at home. (aus The People’s Supermarket Cookbook)

    Enjoy this meal, people!

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    Eine Bilderreise in den Garten Eden

    Der Dschungel Malaysiens liegt nur wenige Gehminuten von den Olivenhainen des Mittelmeerraums entfernt. Genauso weit wie südenglische Kürbisbeete von aztekischen Malereien. Wo wir sind? Im Eden Project mitten in Cornwall. Wo…

    Der Dschungel Malaysiens liegt nur wenige Gehminuten von den Olivenhainen des Mittelmeerraums entfernt. Genauso weit wie südenglische Kürbisbeete von aztekischen Malereien. Wo wir sind? Im Eden Project mitten in Cornwall. Wo die größten, längsten und mächtigsten Glashäuser mit exotischen Pflanzen und einheimische Gartenanlagen buchstäblich aus dem Nichts eines wüsten Lehmbodens hochgestampft wurden (dem kornischen Wind und Wetter trotzend), entstand eines der erfolgreichsten nachhaltigen Projekte Englands zur Jahrtausendwende. Ein Platz des spielerischen Lernens, des Informierens über die Umwelt, des Miteinanders, des Weltverbesserns, des Inspiriertwerdens und Motivierens – dazu, den Garten Eden nicht nur hier in Cornwall zu suchen, sondern zu Hause zu erschaffen.

    Viel ist schon über das Eden Project geschrieben worden – und wie jede/r andere auch, habe ich ebenfalls „mein“ ganz persönliches Paradies dort erlebt. Dabei ist das Eden Project gar nicht zu beschreiben, das Eden Project muss man mit eigenen Augen sehen. Und wenn ihr schon nicht dort sein könnt, dann möchte ich euch zumindest auf diese Bilderreise mitnehmen.

    Willkommen im Eden Project! Mein Tipp: Am besten sehr früh – zur Öffnungszeit – ankommen, sich einen Parkplatz auf „Banane“ oder „Apfel“ zu sichern (wie ihr euch jetzt denken könnt: Ja, die Parkplätze tragen Obstnamen) und dann einfach losspazieren.

    Was ich besonders gut gefunden habe am Eden Project: Dass sie wissen, sie sind nicht allein. Es geht nicht nur um dieses Gebiet in Cornwall, darum, viele TouristInnen und Einheimische mit einer Gartenpracht zu erfreuen und über bestimmte Umweltgegebenheiten aufzuklären. Das Eden Project arbeitet mit Organisationen in aller Welt zusammen – überall geht es um Wissensvermittlung, um Ermutigung, darum zu zeigen, dass wir (nur) gemeinsam etwas bewegen können.

    Vorher – nachher: Der Unterschied könnte nicht größer sein, oder was meint Ihr?

    Und ja, so sieht das Areal mit den Weltrekord-Glashäusern heute aus:

    Viele einheimische Familien – und natürlich TouristInnen – kommen immer wieder ins Eden Project. Es ist ein ideales Schlechtwetterprogramm – und ja, von Regen und Co gibt es in Cornwall genug, auch bei mir hat sich der blaue Himmel bald verfinstert. Für die Beschäftigung der Kleinen ist jedenfalls immer gesorgt, zum Beispiel mit einem Märchen- und Zauberzelt.

    Oder ein Kürbisschnitzen zu Halloween:

    Der Spaziergang geht weiter, durch ganz viel Grün…

    Die Tropen warten: Dschungelhäuser, Skulpturen aus dem Regenwald und natürlich jede Menge üppige Pflanzen, Bäume, die in den Himmel ragen – und eine Affenhitze! Die wird auch bei der Wanderung durch das riesige Glashaus immer schlimmer. Meine Kamera jedenfalls hat ob der feuchten Tropfenwärme w.o. gegeben. Ich, ich natürlich nicht!

    Dreimal dürft ihr raten, wo wir uns jetzt befinden! Richtig, wir sind im Mittelmeerraum gelandet – das zweite nicht ganz so große Glashaus des Eden Projects:

    Und überall wird unterhaltend „aufgeklärt“ wie hier:

    Im Mittelmeerraum darf natürlich eines nicht fehlen: Gutes Essen. Der Stand im mediterranem Glashaus ist aber nicht das einzige Restaurant: Überall auf dem Gelände gibt es Kaffeehäuser und Lokale, alle basieren auf dem Prinzip der regionalen Bioküche.

    Riesig ist er, der Müllmann, der aus all unserem alltäglichen Abfall hergestellt wurde. Schade, dass ich kein Vergleichsfoto mit mir habe.

    Im Eden Project ist alles bunt und verspielt. Der erhobene Zeigefinger ist nicht sichtbar – vielleicht versteckt er sich unter Handschuhen, wie hier im Museum des Projekts:

    Mitnehmen kann man jedenfalls extrem viel: Oder wisst ihr, wie viel CO2 zum Beispiel die Produktion und der Transport einer Flasche Wein aus dem Supermarkt verursacht?

    Es erinnert mich schon an ein seltsames Stachel-Raumschiff, das Museum, das mit Solarpanel für die Energieversorgung des Areals ausgerüstet ist:

    Ja, in diesem Garten Eden könnte ich’s schon aushalten…

     

    Ich befand mich auf den Spuren des Reisebuchs “Eat-Surf-Live”. Wenn ihr mehr dieses Projekt erfahren und die beiden Autorinnen Katharina und Vera unterstützen möchtet, schaut auf startnextOffenlegung: Avis stellt mir für die Cornwall-Recherchereise ein Mietauto zu Verfügung. Herzlichen Dank dafür! Die Meinungen und Ansichten in den Geschichten bleiben die meinen.

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    The Maker Project: Makes you feel at home

    Zelte in allen Knallfarben und Größen stehen auf den Wiesen, vereinzelte Socken und vielleicht auch ein paar Handtücher hängen auf Seilen dazwischen. Kinder laufen mit nacktem Oberkörper durch die Gegend…

    Zelte in allen Knallfarben und Größen stehen auf den Wiesen, vereinzelte Socken und vielleicht auch ein paar Handtücher hängen auf Seilen dazwischen. Kinder laufen mit nacktem Oberkörper durch die Gegend und spielen Ball, während die “Großen” relaxt mit der Gitarre und dem Trembalo in den Händen in den Stühlen lümmeln. Ich kann mir schon vorstellen, wie es hier im Sommer aussieht.

    Doch jetzt ist der englische Winter im Anflug – und Maker Heights auf der Rame Halbinsel versinkt im Matsch und in der Düsternis der Wolken, die den schnellen Prasselregen bringen. Woran es dann wohl liegt, dass ich mich dennoch auf Anhieb zu Hause fühle?

    “Komm, jetzt zeige ich meine zweite Heimat!”, so hat mich meine Gastgeberin Jo kurz vor meinem Abschied von ihrer Patchworkfamilie, von ihrem (buchstäblich) immer offen stehenden Haus und damit von Cornwall hierher mitgenommen. Zum Maker Project auf den Maker Heights, nur fünf Autominuten von ihrem Daheim entfernt. Und doch wieder eine andere Welt – genauso wie vor ein paar Tagen, als ich von Plymouth hier ins versteckte Eck Cornwalls und somit in eine andere, eine noch immer eine Spur “heilere” Welt gefahren bin.

    Alternaltivcommunity, Veranstaltungsräume, Künstlerateliers, Platz für Ideen und die Umsetzer dieser, ein von Volunteers betriebenes Kaffeehaus, verlängertes Wohnzimmer – es ist schwer in nur eine Kategorie einzuordnen, was sich hier in den alten Gebäuden des Maker Projects verbirgt. Vor mittlerweile über 15 Jahren haben sich die ersten Leute angesiedelt, um die Mauern der früheren Baracken hoch über der Gemeinde Maker-Rame vor dem Abriss und den riesigen Grund vor der Bebauung mit Hochhäusern zu schützen. Maler, Musiker, Wedding Planner, Pferdehalter: Die Vielfalt derer, die sich hier eingemietet haben ist genauso bunt wie das 44,5 Hektar große Areal an sich. Dazu tragen natürlich die vielen Künstler bei, denn sie werden besonders vom Maker Project angezogen. “Es sind keine lukrativen Businesses, die hier zu finden sind,”, hat mir Jo bei der steilen Auffahrt erzählt, die aber nach einiger Zeit in den engen Rüttelstraßen Cornwalls harmlos erscheint, “doch wir nehmen gerade so viel ein, dass das Areal weiterhin uns gehört und wir es weiter bewirtschaften können.”

    Wir, das sind die Mitglieder des Rame Conservation Trusts, die zwischen zehn (Single) und 25 (Familie) Pfund pro Jahr einzahlen (also zwischen zwölf und 31 Euro) , damit die Gebäude auf Maker Heights erhalten und bei Bedarf renoviert werden können. Profitieren dürfen aber alle, auch die, die sich nicht beteiligen: “Jeder kann nach Maker Heights kommen.”, erzählt mir Jo von freitäglichen Treffen der Gemeinde hoch über dem Dorf Millbrook selbst, von Livekonzerten und Festivals. Oder vom Bonfire am Samstag, das ich leider versäumt habe, weil auch in London und Umgebung einiges auf mich wartet.

    Vorbei an Fußball spielenden Kindern, die sich – mit Gummistiefeln ausgerüstet – auch von der drohenden Regenwolke nicht abschrecken lassen, zeigt mir Jo weiter The Maker Project. “Im Winter setzt eine gewisse Faulheit bei den Künstlern ein.”, meint sie, die den nächsten Poetry Slam mitorganisiert, und fügt erklärend hinzu: “Die Gebäude sind in der Kälte einfach zu schlecht zu heizen.” Das ist vermutlich mit ein Grund, warum wir bei den Ateliers heute vor verschlossenen Türen stehen. Statt Kunst schauen wir uns deshalb lieber Jos selbst gebaute Jurte an. Auch das Nomadenzelt ist schon ausgeräumt und für den Winter vorbereitet: “Normalerweise sind hier ein Doppelbett, ein Kasten und Teppiche drin.”, beschreibt Jo das mongolische Riesenteil, das sie im Sommer Gästen zu Verfügung stellt.

    Seit zwei Jahren kann man hier auf Maker Heights nämlich campen: Übernachten kann man im eigenen Zelt oder in einem der Campingwägen der DorfbewohnerInnen, die hier auch jetzt herumstehen. Oder eben in einer Jurte wie die von Jo. Einfach perfekt für meinen nächsten Besuch in Cornwall denke ich und bin restlos überzeugt, als ich mich im Blick aufs weite Meer und bis ins nahe Dartmore verliere.

    “Schnell, der Regen kommt!”, reißt mich Jo aus meinen Träumereien. Und sie hat natürlich recht: Wir schaffen es gerade noch, die Tür hinter dem Maker Junction Café zu schließen. Es ist ohnehin einen Besuch wert: Es wird vor allem von Freiwilligen betrieben, die hier auf Maker Heights auch wohnen können. Zwei kleine Buben laufen in den üblichen zu großen Gummistiefel herum, eine Gruppe von vier Menschen sitzt beieinander und zeichnet, der Laptop liefert Chillout-Musik, an den Wänden werden Töpferworkshops, Bandproben und Co angekündigt, im Hinterraum laden Bücherregale und Billardtische ins verlängerte Wohnzimmer ein. Und während Jo schon wieder einmal eine ihrer zahlreichen FreundInnen getroffen hat, belohne ich mich an der Theke mit Kaffee und Kuchen: Gerade richtig, um auf das Ende des Regens zu warten und sich noch einmal so richtig „at home“ zu fühlen, im Maker Project…

     

    Die Website über das Maker Project und den Rame Conservation Trust ist im Entstehen: www.themakerproject.org.uk

    Ich befinde mich auf den Spuren des Reisebuchs “Eat-Surf-Live”. Wenn ihr mehr dieses Projekt erfahren und die beiden Autorinnen Katharina und Vera unterstützen möchtet, schaut auf startnextOffenlegung: Avis stellte mir für die Cornwall-Recherchereise ein Mietauto zu Verfügung. Herzlichen Dank dafür! Die Meinungen und Ansichten in den Geschichten bleiben die meinen.

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    Unvergessliches, vergessenes Eck Cornwalls

    Eingesunken lehnt er da, an der weißen Wand der Westcroft Gallery, die seine Frau und er samt Guesthouse vor einigen Jahren in Kingsand eröffnet haben: Dylan McLees Taylor, groß, widerspenstiges blondes Wuschelhaar, gekleidet…

    Eingesunken lehnt er da, an der weißen Wand der Westcroft Gallery, die seine Frau und er samt Guesthouse vor einigen Jahren in Kingsand eröffnet haben: Dylan McLees Taylor, groß, widerspenstiges blondes Wuschelhaar, gekleidet in betont nachlässigem London-Chic. Mit ausladender Gestik malt er mal eben so seine Begeisterung in die Luft. Und verzieht seine Lippen zu einem lässigen Grinsen, wenn ich wieder nach englischem Vokabular suche. „Der könnte in einer Rosamunde Pilcher-Verfilmung höchstens noch den zwielichtigen Widersacher spielen.“, ertappe ich mich beim Gedanken an triefenden Kitsch. Zu meiner Verteidigung: Das kommt nicht von ungefähr, schließlich befinden wir uns gerade in Cornwall.

    Cornwall. Man braucht nur den Namen nennen, schon tauchen Bilder auf von grünen Endlos-Wiesen, Steinmauern, die in Efeu und sonstigem Planzenwerk untergehen; friedlich grasenden Kuh-, Schaf- oder Was-auch-immer-Herden, Häusern, die sich „Mermaid Cottage“ nennen und Gummi bestiefelten, behüteten, behandschuhten Menschen, deren Tagesablauf aus Gartenarbeit und dem Fünf-Uhr-Tee besteht.  Soll ich euch etwas verraten: Es ist genau so – nur, dass es neben den in tarngrün-braun gekleideten Personen aus den Pilcher-Filmen eine bunte Community an kreativen, alternativen Charakteren wie Dylan gibt. Oder wie die Dramatherapeutin in Ausbildung, Jo, die mir via Couchsurfing ihr Haus geöffnet hat.

    „Möchten Sie einen Kaffee bei uns trinken?“, mittlerweile überrascht mich die Frage nicht mehr, ist es doch bereits das dritte Mal heute, dass sie mir gestellt wird. Von Fremden wohlgemerkt, nach ein paar Minuten Smalltalk, vor 10 Uhr morgens! Ich bin auf dem Wanderpfad zu Rame Head, laut Katharina und Vera vom Reisebuch “Eat-Surf-Live” der ideale Einstieg in einen Cornwall-Urlaub. Ich weiß zwar (noch) nicht, wie der meine weiter geht, aber eines kann ich schon sagen: Die Wanderung lohnt sich in jedem Fall. Zwei Stunden hin und zurück bin ich von Kingsand am teils asphaltierten Küstenpfad entlang bis an den äußersten Zipfel der Rame Halbinsel spaziert, wo die Überreste der St. Michael’s Chapel seit Jahrhunderten Wache halten. Aber es ist nicht das Ziel, das lockt, sondern tatsächlich der Weg dorthin. Die von Katharina und Vera angekündigten Pferde und Ponys waren zwar zu dieser Jahreszeit nicht mehr auf der Weide, doch mein Blick war ohnehin gefesselt: Vom rauschenden Meer mit seinen wilden Klippen und vor allem vom bunten Herbstwald, der gerade jedem Maler Konkurrenz macht.

    „Die Bäume findest du nirgendwo sonst in Cornwall, sie sind hier gepflanzt worden.“, erzählt mir Dylan später enthusiastisch. Für ihn ist Rame Head übrigens der „schönste Platz auf Erden“, trotz oder gerade wegen acht Jahren in London und zwei Jahren auf Reisen. Erst 2004 hat es Dylan mit seiner Frau Sarah wieder an seinen Geburtsort gezogen – so wie viele andere Alternative und Kreative. „Nicht nach Cornwall, nach Kingsand!“, wie der Enddreissiger betont. Denn Kingsand und Umgebung sind anders.

    Im Reiseführer Eine Perfekte Woche in Cornwall von der Sueddeutschen wird die Gegend als „Riviera“ Englands bezeichnet, Katharina und Vera sprechen vom „stiefmütterlichen“ Dasein des Ortes, der von der Stadt Plymouth in der Hochsaison zwischen März und Oktober (genauso wie am heutigen Feiertag) direkt per Fähre in 30 Minuten erreichbar ist. Gut so, denn Autos haben in den engsten Straßen ohnehin keinen Platz – ich weiß, wovon ich spreche, habe ich mich doch heute samt fahrbarem Untersatz dorthin verirrt. Dass ich heil und ohne Kratzer wieder heraus gekommen bin, verdanke ich den hilfsbereiten Mannen der Müllabfuhr, die mich zum nächsten Parkplatz geleitet haben. „Kingsand wird unterschätzt und übersehen.“, erklärt mir auch Dylan und fügt hinzu: „Wir haben zwei Parkplätze hier im Ort, und wenn die voll sind, ist Kingsand voll.“ Während er mir von Gästen erzählt, die erst nach jahrzehntelangen Cornwall-Besuchen zufällig über den Ort stolpern, lässt mich das Gefühl nicht los, dass ihm das gar nicht so unrecht ist.

    Die Ruhe ist es auch, die die Stammgäste sowie -familien – und davon gibt es jede Menge, wie die Wachstumsmarker der Kinder auf den Wänden der Galerie beweisen – anzieht. Statt Touristenmengen wie in St. Ives bietet Kingsand vor allem eines: Cornische Gemütlichkeit.  Das und Whitsand Bay, den schier unendlichen Lieblingsstrand – nicht nur – von SurferInnen, der in nächster „walking distance“ liegt. Und Gehen, das gehört zu Cornwall ohnehin dazu. Mehr als 1.000 Kilometer „South West Coast Path“ kann man genauso bezwingen wie die Wanderwege dazwischen.

    „Wir haben die Landschaft und jetzt haben wir auch die Kulinarik.“, Dylan hört nicht auf, überzeugt und nicht weniger überzeugend für Kingsand zu werben. Seit einigen Jahren ist der Ort tatsächlich für seine Gastronomie bekannt: Das Devonport Inn zum Beispiel, dessen französischer Koch schon gern einmal mit dem 80-jährigen Nachbarn zum Fischen geht und das frisch gefangene abends dann auf die Teller bringt. Mir hat das Lieblingspub von Dylan, das nur eine Gehminute von der Westcroft Gallery entfernt liegt, heute mit Pilzrisotto und herrlichem Schokopudding den Abend versüßt. Gut so, denn normalerweise ist das Lokal in der Winterzeit dienstags geschlossen, doch dank der Ferienwoche war ausnahmsweise offen.

    Warum viele schon einmal aus London in die Gegend kommen, liegt aber vor allem am Restaurant The View. Da lockt nicht nur die namensgebende Aussicht auf Whitsand Bay, sondern besonders das köstliche Essen. So heißt es. Denn im Moment muss man darauf warten: Im September wurde The View von einer Flut überschwemmt und wird vermutlich erst wieder im Januar oder Februar eröffnet, wie mir Besitzer Matt verraten hat. „Mit neuem Boden und in neuem Glanz“ erstrahlt das Restaurant dann – und gibt mir einen Grund für einen weiteren Besuch in diesem vergessenen, unvergesslichen Eck Cornwalls.

    Als ob ich dafür eine Grund gebraucht hätte: Ich habe mich ohnehin entschieden, die nächsten Tage auch hier in der Umgebung zu verbringen. Vielleicht schaue ich morgen in der Maker Künstlercommunity vorbei. Vielleicht sehe ich einfach nur aus dem Fenster, wie der Wind draußen die Blätter von den Bäumen weht. Ich scheine schon gelernt zu haben von den Menschen hier. Um es mit Dylan zu sagen: „Hier geht es nicht darum, eine Checklist abzuhaken, bei uns geht es darum einfach zu sein.“

     

    Ich befinde mich auf den Spuren des Reisebuchs „Eat-Surf-Live“. Wenn ihr mehr über dieses Projekt erfahren und die beiden Autorinnen Katharina und Vera unterstützen möchtet, schaut auf startnextOffenlegung: Avis stellte mir für die Cornwall-Recherchereise ein Mietauto zu Verfügung. Herzlichen Dank dafür! Die Meinungen und Ansichten in den Geschichten bleiben die meinen. 

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    Überlegungen zur Wende in Myanmar

    Burma boomt. Jedes Mal, wenn ich von vollen Hotels und Guesthouses abgewiesen wurde, bekam ich das zu spüren. Wie stark sich die Zahl der Touristen tatsächlich erhöht hat, erfuhr ich…

    Burma boomt. Jedes Mal, wenn ich von vollen Hotels und Guesthouses abgewiesen wurde, bekam ich das zu spüren. Wie stark sich die Zahl der Touristen tatsächlich erhöht hat, erfuhr ich aber erst am letzten Tag in einem amerikanischen Restaurant in Mandalay. Hier lag eine Zeitschrift mit den Besucherstatistiken der ersten sieben Monaten dieses Jahres herum. Rund 300.000 Menschen, zum größten Teil aus asiatischen Ländern, reisten demnach in Myanmar ein. Das sind ganze 37,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum im Vorjahr. Schweizer wie ich machen pro Monat etwa hundert Einreisen aus – Deutsche rund zehn Mal mehr.

    Soweit die Zahlen. Doch was sind die Gründe, dass das Land plötzlich so beliebt wurde? Ich mache die Probe aufs Exempel und frage den einsamen Touristen am Nebentisch.  James Blumenthal ist knapp 30 Jahre alt, stammt aus New York und will im nächsten Jahr ein eigenes Goldhandelsunternehmen gründen. Weil er weiß, dass es sich dann bald ausgereist hat, erkundet er vorher noch schnell die Welt. „Ich wollte schon immer nach Myanmar,“, erzählt er, „aber erst seit Aun Dingsda Präsidentin wurde, ist es wieder politisch korrekt, das Land zu besuchen.“  Hier irrt er sich.

    Politisch korrekt

    Die Frage nach dem richtigen Verhalten beschäftigt Myanmar-Reisende seit die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi vor ein paar Jahren zu einem touristischen Boykott des Landes aufgerufen hat. Und mich beschäftigte die Frage besonders, seit ich gebeten wurde, einen Gastbeitrag über meine zweiwöchige Rucksackreise zu verfassen.

    Was hat sich also verändert, seit Reisen in die Militärdiktatur nicht opportun waren? Zunächst eher wenig. Aung San Suu Kyi wurde vor zwei Jahren aus dem Hausarrest entlassen und durfte sich im Frühling 2012 ins Parlament wählen lassen. Das mag fürs Land ein bedeutender Schritt sein, er darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Militärjunta noch immer fest im Sattel sitzt. Wer das Land vor zwei Jahren nicht bereisen wollte, dürfte dies eigentlich auch heute nicht tun, es sei denn, er wolle die Regierung für die zaghaften Öffnungsversuche belohnen.

    Die Frage ist indes, ob ein Fernbleiben überhaupt etwas bringt? Lonely Planet rechnet in seinem neusten Reiseführer vor, dass bei einer zweiwöchigen Individualreise für rund 420 Dollar zwischen einem Viertel und einem Fünftel in die Regierungskassen gespült wird. Der Rest kommt den Menschen zu Gute. Ich habe unterwegs mit Einheimischen über das Thema geredet. Zwar habe ich auf Grund meines Status als Reisender natürlich besonders häufig Menschen kennengelernt, die direkt vom Tourismus profitieren. Doch generell scheint mir, dass sich die meisten über die Zunahme der Besucher freuen. Viele Menschen können an den Reisenden schließlich etwas verdienen: Seien das die Besitzer von kleinen Pensionen oder auch bloß einfache Ladenbesitzer, die hin und wieder für 300 Kyat (Anm.: Rund 0,26 Euro) eine Flasche Trinkwasser verkaufen können.

    Nachhaltig reisen

    Eine andere Frage ist jedoch, wie nachhaltig man sich auf einer Myanmarreise verhalten kann. Weil mir das persönlich wichtig ist, habe ich in einem lokalen Reisebüro in Kalaw ein dreitägiges Trekking zum Inle See gebucht. Es hieß, wir würden durch mehrere abgelegene Minderheitendörfer wandern. Für mich war das nicht nur eine touristisch attraktive Alternative zu einer weiteren Rüttelfahrt im Bus. Es war auch etwas fürs soziale Gewissen, konnte ich doch einen Teil meiner Ausgaben in einem wirtschaftlich kaum erschlossenen Gebiet tätigen.

    Die Realität sah jedoch anders aus. Damit der Tour-Operator seinen Gewinn optimieren konnte, aßen wir in den Dörfern nicht etwa bei den Einheimischen, sondern wir hatten einen Koch von der Trekking-Agentur dabei, der jeweils mit dem Auto zur nächsten Etappe fuhr und für uns kochte. Von zwei Reiseführern, die mit uns mit kamen, bekam einer überhaupt keinen Lohn. Grund: Er befindet sich noch im Ausbildung und muss zwei Monate lang jede Woche das Trekking mitlaufen, bis er den Weg gut genug kennt, um einer eigenen Gruppe den Weg zu weisen. In Dörfern durften wir nie länger bleiben. Schließlich sollten wir ja am Ende die Souvenirs bei einem Laden kaufen, der Provisionen auszahlt.

    Auch wenn die Bilanz an vielen Stellen nicht besonders gut ausfällt sind Besuche des Landes trotzdem wertvoll. Myanmar gehört zu den Ländern mit der stärksten Medienzensur.  In den vielen persönlichen Gesprächen, die man mit den oft sehr neugierigen Menschen führen kann, übermittelt man ein Wissen über das Weltgeschehen, das den Einheimischen teilweise vorenthalten wird. Letztlich spricht für ein Besuch jedoch vor allem eines: Myanmar ist ein unglaublich spannendes und facettenreiches Reiseland mit ausgesprochen freundlichen Menschen.

     

    Oliver, der Autor dieses Gastbeitrages, ist 37 Jahre alt und freier Journalist und Herausgeber des Weltreiseforums. Er lebt seit mehreren Jahren in Peking und unternimmt von dort aus regelmäßig Reisen in alle Ecken Ostasiens. Im Oktober 2012 besuchte er zum ersten Mal für zwei Wochen Myanmar. Die Route führte ihn durch das Dreieck Mandalay – Bagan – Inle-See.

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