Eisen – Warum Spinat ein schlechter Eisenlieferant und Eisenmangel kein Vegetarierproblem ist

Monday 13th, January 2014 / 22:46 von
Eisen – Warum Spinat ein schlechter Eisenlieferant und Eisenmangel kein Vegetarierproblem istBild: shuraki / pixabay.com

Man liest immer häufiger von der Volkskrankheit Eisenmangel. Und davon, dass dieser hauptsächlich durch einseitige, mangelhafte Ernährung bei Vegetariern und Veganern ausgelöst wird. Wenn man bedenkt, wie wenig vegetarisch und vegan lebende Leute in Europa wohnen, können diese kaum schuld an einer Volkskrankheit sein. Eisenmangel entsteht vor allem bei einer einseitigen, unausgewogenen Ernährung oder bei Blutverlust. Er betrifft Fleischesser genauso wie Vegetarier oder Veganer!

Warum Eisen?

Die wichtigste Funktion des Eisens ist die Blutbildung. Das Blut ermöglicht den Transport des lebenswichtigen Sauerstoffs in die Organe und das Gewebe. Aber nicht nur die blutbildenden Zellen sind auf ausreichend Eisen (Funktionseisen) angewiesen, sondern über hundert weitere Körperfunktionen, wie beispielsweise die Energieproduktion in den Zellen oder die Hormonbildung. Das Funktionseisen kann, im Gegensatz zum Speichereisen (Ferritin) und Hämeisen (im Hämoglobin), im Blut nicht direkt nachgewiesen werden. Wenn es bedingt durch einen starken Eisenmangel zu einer Blutarmut kommt, spricht man von einer Eisenmangelanämie.

Bioverfügbarkeit – Die Eisenmenge, die vom Körper effektiv verwertet werden kann

Bioverfügbarkeit “Häm-Eisen” (Fe2+): ca. 15 bis 35 Prozent
Bioverfügbarkeit “Nicht-Häm-Eisen” (Fe3+): ca. 2 bis 20 Prozent

Biochemisch unterscheidet man zwischen zwei- und dreiwertigem Eisen, sprich Eisen kommt in der Nahrung in zwei Formen vor: Zweiwertiges Eisen, das als Bestandteil des Blutfarbstoffs nur in Fleisch und Fisch vorkommt, besitzt eine höhere Bioverfügbarkeit als das dreiwertige Eisen, das sowohl in pflanzlichen als auch in tierischen Lebensmitteln enthalten ist. Man spricht auch von “Häm-Eisen” im Fleisch (Fe2+) oder “Nicht-Häm-Eisen” (Fe3+) in allen anderen Lebensmitteln. Das Häm-Eisen im Fleisch wird vom Körper besser aufgenommen (= höhere Bioverfügbarkeit). Weil pflanzliche Quellen das schlechter verwertbare “Nicht-Häm-Eisen” enthalten, müssen Veganerinnen theoretisch etwa die doppelte Menge an Eisen aufnehmen. Erwachsenen Veganern und Veganerinnen nach der Menopause wird empfohlen, etwa 20 Milligramm (mg) täglich zu sich zu nehmen. Frauen vor der Menopause haben aufgrund der Menstruation einen etwas höheren Tagesbedarf (25 – 30 mg). Erwachsene Männer, die regelmäßig Fleisch essen, benötigen etwa 10 mg Eisen am Tag, Frauen etwa 15 mg. Für Kinder und Schwangere gelten diese Werte nicht.
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Bild: Yvonne

Stoffe, die die Eisenaufnahme hemmen oder fördern

Eine optimale Eisenaufnahme erreicht man mit gleichzeitiger Aufnahme von Vitamin C. Das ist auch der Grund, warum viele Eisenpräparate ebenfalls Vitamin C enthalten. Fördernd sind auch weitere organische Säuren wie Weinsäure, Apfelsäure, Zitronensäure, Fructose oder Milchsäure. Die beiden grössten Hemmer für die Eisenaufnahme sind Koffein (in Kaffee, Tee, Kakao, Energy-Drinks, Cola-Getränken etc.) und Milchprodukte! Außerdem hemmt die Oxalsäure die Eisenaufnahme im Darm sehr stark. Oxalsäure kommt vor allem in Spinat, Rhabarber und Kakao vor. Phosphate in Fleisch, Käse oder Lebensmittelzusätzen, säurehemmende Medikamente oder die gleichzeitige Einnahme von Magnesium, Calcium oder Zink beeinträchtigen die Eisenaufnahme ebenfalls.

Symptome eines Eisenmangels

Wer unter Eisenmangel oder Eisenmangelanämie leidet, kann unter anderem folgende Symptome haben: Haarausfall, Probleme mit der Wärmeregulierung (“Mir ist ständig kalt.”), ausgeprägte Müdigkeit, Leistungsschwäche, Atemnot, Herzklopfen, Kopfschmerzen, Blasse Haut/Schleimhäute, Unterschenkelödeme (Wasser in den Beinen), Depressionen, brüchige Nägel, Hohlnägel, Mundwinkelrhagaden, brennende Zunge etc.

Blutwerte checken

Es ist wichtig, seine Blutwerte regelmäßig überprüfen zu lassen. Um einen Eisenmangel feststellen zu können, muss sowohl Funktionseisen (meist Standard) als auch der Eisenspeicher (Ferritin) getestet werden. Unterschiedliche Testlabors haben teilweise etwas unterschiedliche oder veraltete Richtwerte. Dennoch sollte man beachten, dass Eisenwerte unter 50 µg/l behandelt werden sollten – vor allem dann, wenn Symptome auftreten. Daher ist es immer ratsam, sich eine Kopie der Blutuntersuchungsauswertung geben zu lassen. Bei einem Mangel sollte aufgrund der oben genannten Punkte unter ärztlicher Aufsicht supplementiert werden. Mit Tabletten oder bei einer Eisenmangelanämie mit Infusionen. Diese sind teuer und nicht komplett nebenwirkungsfrei, aber generell besser verträglich als Tabletten und werden mittlerweile von etlichen Krankenkassen übernommen.

Ärzte raten aus gutem Grund von der unkontrollierten Einnahme von selbst gekauften Eisenpräparaten ab. Eisen ist nicht wasserlöslich und kann auch überdosiert werden. Es gibt neben Eisenmangel auch eine Eisenspeicherkrankheit, die Hämochromatose. Diese muss ebenfalls ärztlich behandelt werden, weil sich dabei überschüssiges Eisen in den Organen ablagert und zu Gewebeschäden oder Vergiftungserscheinungen in Herz, Bauchspeicheldrüse, Hirnanhangdrüse, Leber und den Gelenken führen kann. Oft reicht bei einem Mangel eine einmalige Infusionsserie aus, um diesen in den Griff zu bekommen. Auch Veganer können danach versuchen, ihre Werte mit ihrer Ernährung und allenfalls veganen Präparaten im Normbereich zu halten.Es gibt mittlerweile empfehlenswerte Spezialisten auf dem Gebiet der Eisenmangelbehandlung: eisenzentrum.org

 

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Bild: PDPics / pixabay.com

Eisenhaltige Lebensmittel

Wenn ein Eisenmangel festgestellt wurde, gibt es kaum eine Chance, die Speicher über die Nahrung wieder zu füllen. Alles, was über den Tagesbedarf heraus geht, gelangt in den Eisenspeicher. Unter dem Strich bleibt oft kaum etwas übrig, wenn man den Tagesbedarf mit dem Eisengehalt der zu sich genommenen Lebensmitteln vergleicht.

In der folgenden Liste sind einige pflanzliche Lebensmittel aufgeführt. Dabei beschränkt sich die Angabe auf den Eisengehalt. Möglicherweise enthaltene Stoffe, die die Eisenaufnahme fördern oder hemmen, wurden dabei nicht berücksichtigt. Der Eisengehalt ist ein Richtwert und jeweils in mg pro 100g angegeben:

Aprikosen, getrocknet 4
Datteln 3
Erbsen 5
Haferflocken 4,2
Hirseflocken 9
Ingwer 11
Johannisbeeren schwarz 1,3
Kardamom 100
Kürbiskerne 12
Mandeln 4
Melasse (Zuckerrübensirup) 15
Minze, getrocknet 87,5
Mohn 9,5
Petersilie getrocknet 97,8
Petersilie frisch 3,3
Pfifferlinge 6,5
Quinoa 10,8
Rote Beete/Rüben 1
Spinat 2,7
Süßholz 41
Tofu 6
Traubensaft 0,3
Weizenkleie 16
Zimt 38

Und als Vergleich noch einige tierische Lebensmittel, ebenfalls in mg/100g:
Austern 5,8
Blutwurst 6,4
Hühnereigelb 7,2
Kalbsleber 7,9
Lachs 0,7
Putenfleisch 3
Schweineleber 22
Rindfleisch 3

Eine übersichtliche Liste gibt es hier: eisenhaltigelebensmittel.de

Quellen:
http://www.eisenzentrum.org/ez/daten/in … age568.htm
http://www.vegan.ch/vegan-leben/gesund-leben/eisen/
http://www.lzlauftreff.ch/pdf/herunterl … mangel.pdf

Über den Autor

Yvonne lebt und arbeitet in der Schweiz. Sie geniesst (ja geniesst, die Schweiz kennt kein ß) ihre Freizeit am liebsten mit ihren beiden Katzen, ihrem Pferd, kreativ in der Küche oder in ihrem Hobby- und Bastelraum. Auf The bird's new nest möchte sie in erster Linie andere Veganer bei der Beantwortung von alltäglichen Fragen unterstützen und spannende Hintergrundinformationen liefern.

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