Nach zehn Jahren The bird’s new nest habe ich Anfang 2023 für das Online-Magazin eine Pause angekündigt, ohne zu wissen, wie lang diese dauern würde. Aber die Pause war unvermeidlich, ich war durch alles, was in den Jahren davor passiert ist einfach nur ausgebrannt, ohne Energie und überfordert mit allem, was mir das Leben abverlangt hat. Trotzdem habe ich The bird’s new nest laufend vermisst und habe deshalb ein gutes Jahr später ein Comeback geplant.

Hello, Goodbye!

Offensichtlich ist dieses vor fast zwei Jahren angekündigte Comeback nie passiert. Und ich muss gestehen, dass ich gar nicht genau sagen kann, was damals passiert – oder eher nicht passiert ist -, sodass letzten Endes das Comeback nie stattgefunden hat. Mir ist erst jetzt klar geworden, dass der Neustart von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Denn mein Plan war, „einfach so weiterzumachen wie bisher“, ohne zu realisieren, dass ich nicht mehr die Kapazitäten hatte, um nahtlos an die Pause anzuknüpfen. Zeitlich nicht, denn mein Einsatz in unserem veganen Bio-Laden war zu einem Vollzeit-Job geworden, ich war durch meine Autoimmunerkrankung bei weitem nicht mehr so fit wie früher und trotz aller Motivation war ich einfach noch immer zu erschöpft und überlastet. Aber weniger Einsatz zu zeigen und da oder dort etwas zurückzuschrauben war für mich auch nicht vorstellbar. Und nach dem Motto „Ganz oder gar nicht“ wurde es dann leider auch „gar nicht“.

Zusätzlich kamen aber noch weitere gedankliche Hürden hinzu. Das Thema KI kam ins Rollen und plötzlich hieß der Autor jedes zweiten Artikels LLM. Warum sich noch die Mühe machen, viele Stunden an einem Artikel zu schreiben oder sogar wochenlang zu recherchieren, wenn andere Medien innerhalb von Sekunden einen Text erstellen lassen und diesen noch nicht einmal Korrektur lesen? Warum zurück auf Social Media, wenn die Nutzerzahlen nicht nur teils rückläufig sind, sondern der Umgangston der noch dort Aktiven oft einfach nur inakzeptabel ist? Wie ist es überhaupt noch möglich, die Leserschaft zu erweitern, wenn Googles KI die Antworten auf Fragen schon direkt liefert und dadurch kaum jemand mehr auf Links zu Websites klickt? Und zu guter Letzt: Liest überhaupt noch jemand irgendetwas im Internet, das länger ist als nur ein paar Worte? Wie kann man unter diesen Umständen überhaupt auf die Idee kommen, hier erneut Zeit, Energie und nicht zuletzt Geld zu investieren?

Was hat sich geändert?

Geändert hat sich so einiges, leider nicht alles zum Guten. Die relevanteste Änderung im Hinblick auf das Comeback ist aber, dass wir uns dazu entschlossen haben, unser Ladengeschäft mit Mitte diesen Jahres nicht weiterzuführen. Ich bereue den Einstieg ins Friendly absolut nicht, aber ich habe nach den sechseinhalb Jahren als Geschäftsführerin im Lebensmittel-Einzelhandel ein komplett anderes Bild von diesem Business als zuvor. Wie sehr so eine Art der Selbstständigkeit (mit einem Ladengeschäft) belasten kann, merke ich erst jetzt, fast ein halbes Jahr nach dem letzten Verkaufstag. Mit dem entsprechenden Abstand wächst nun auch wieder der Wunsch, meine Kreativität und die Liebe fürs Schreiben in einem neuen (oder nicht ganz so neuen) Projekt ein- und umsetzen zu können.

Und da haben wir auch schon den Zirkelschluss zu all meinen vorigen Bedenken. Denn auch wenn das Internet mittlerweile voller AI Slop ist, Falschinformationen auf Social Media nicht nur gerne geteilt, sondern dann auch mit Dunning-Krugerscher Vehemenz verteidigt werden; wenn es immer schwerer wird, KI-generierte Texte und Bilder von durch Menschen verfasste zu unterscheiden und der von lebendiger Intelligenz produzierte Content leider auch kein Garant für irgendeine Form von Qualität ist (oder noch viel schlimmer, es den Konsumierenden egal ist, ob das, was sie konsumieren echt oder gefaked ist), sind wir dann nicht gerade jetzt dazu verpflichtet, dieser Entwicklung entgegenzuwirken?

Denn zumindest habe ich etwas, das sonst niemand hat: Meine eigenen Erfahrungen, Emotionen, Meinungen und die nicht enden wollende Motivation mich in einer Gesellschaft, die immer mehr in Schieflage gerät für all jene einzusetzen, die keine Stimme haben. Gegen Missstände anzugehen und diese aufzuzeigen, auch wenn sie nur einen kleinen Teil der Lesenden interessiert. Und in den letzten Jahren habe ich sowohl privat als auch beruflich Dinge erlebt, die an die Öffentlichkeit gehören. Immer und immer wieder, bis sich irgendwann genug Menschen für eine Änderung einsetzen. Und das müssen gar nicht viele sein – vereinfacht gesagt reichen 3,5 Prozent der Bevölkerung.

Comeback, Schritt für Schritt

Ich habe mir eben im vorigen Absatz bewiesen, dass die Leidenschaft definitiv noch vorhanden ist, aber auch, dass ich mich selber im Zaum halten muss, um nicht wieder in alte Muster zu rutschen. Der perfekte Zeitpunkt also, um in diesem Artikel darauf hinzuweisen, dass das Comeback von mir anders geplant werden muss, um tatsächlich nachhaltig zu sein. Deshalb kommt das Vogelnest Schritt für Schritt zurück, nicht nur um mich nicht zu überlasten, sondern auch um mich an das neue Umfeld anpassen zu können. Die Reichweite unserer Social Media-Kanäle ist quasi auf Null, unsere Redaktion ist inaktiv, die Website mittlerweile vermutlich das Grauen jedes SEO-Experten. Ein Comeback dieser Art ist zwar kein Neuanfang, aber ähnlich zeitintensiv.

Der erste Schritt des Comeback ist die Wiederbelebung unserer Social Media-Kanäle. Ziel wäre, täglich mehrere Social Media-Beiträge online zu stellen, wobei ich auch hier nicht sofort voll durchstarten möchte, sondern mir Zeit für den Inhalt und eine umfassende Planung nehmen möchte. Parallel dazu will ich die Website auf den neuesten Stand bringen und Administratives erledigen, das natürlich auch bearbeitet werden will. Artikel rund um alle Themen mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit direkt auf der Website wird es genauso wie Give-Aways und den Newsletter wieder geben, allerdings fürs Erste nicht oft und nicht regelmäßig. Wenig überraschend wird es dieses Jahr auch keinen Adventskalender geben, für 2026 möchte ich ihn allerdings nicht absagen, sondern mir ansehen, wie sich das erste Halbjahr entwickelt und entsprechend die nächsten Schritte setzen.

Mein neues Leben, meine neuen Themen

Die Schließung unseres Bio-Ladens war ein wesentlicher Einschnitt, der den Weg für vieles andere freigeräumt hat. Meine absolute Priorität hat nach wie vor mein Lebenspartner Daniel, der nach einem schweren Rückfall bei seiner Krebserkrankung mit einem Behindertengrad von 70 Prozent lebt und offiziell als berufsunfähig gilt. Aus diesem und einigen anderen Gründen haben wir uns entschlossen in ein anderes Bundesland umzuziehen, um unseren Traum von einem autarken Leben zumindest zum Teil soweit umzusetzen, wie es für uns unter diesen Umständen möglich ist.  Neben meiner Autoimmunerkrankung hatte ich schon mit 40 Jahren die Freude einer verfrühten Menopause und neben der Diagnose Depression und generalisierte Angststörung stehen nun auch die Optionen CPTDS und ADHS im Raum.

Über lange Zeit war ich ziemlich verzweifelt aufgrund der Umstände – neben Daniels schwieriger Diagnose hat mich parallel dazu der verfrühte Wechsel in Kombination mit den anderen psychischen Herausforderungen halb um den Verstand gebracht. Diverse Erlebnisse mit der Gemeindepolitik, unserem Gesundheitssystem, der Sozialversicherung und dem Pensionssystem haben mich vor allem letztes Jahr ohne Übertreibung praktisch an den Rand des Wahnsinns gebracht. Nachdem ich nun die Möglichkeit hatte, etwas Zeit vergehen zu lassen und darüber zu reflektieren, habe ich mich dazu entschlossen, diese Erlebnisse und Erfahrungen als Themen mit auf The bird’s new nest aufzunehmen. Einerseits ist das Schreiben für mich eine Art Therapie, andererseits kann ich vielleicht so eine positive Veränderung unterstützen, wenn nicht für mich, dann vielleicht für andere.

Das Thema Nachhaltigkeit ist weiterhin mein Kernthema und ich lebe auch nach wie vor vegan, mittlerweile seit über zwölf Jahren. Die vielen neue Themen werden zusätzlich zu jenen, die wir bislang schon behandelt haben unsere Themenvielfalt erweitern. So sollten sich noch mehr Menschen hier in Themen wiederfinden, denn auch wenn wir es oft nicht wahrhaben wollen, die meisten Themen betreffen uns in der einen oder anderen Art. Kein Mensch ist eine Insel. Und somit kann auch jeder Mensch etwas bewegen, sowohl als einzelner, als auch als Teil der 3,5 Prozent.

Es geht los! Was wollt ihr?

Folgt uns auf unserer Facebook-Seite und unserem Instagram-Kanal, wo ihr ab sofort neue Beiträge und natürlich Links zu neuen Artikeln und Give-Aways findet. Mir ist bewusst, dass beide Plattformen problematisch sind, aber im Moment sehe ich keine bessere Option – ihr könnt hier aber gerne ein Kommentar hinterlassen, ob ihr auf Social Media noch aktiv seid und wenn ja, wo.

Auch wenn ich jede Menge neuer Themen und Ideen mitbringe, interessiert mich, was euch zur Zeit beschäftigt und zu welchen Themen ihr hier oder auf Social Media etwas lesen wollt. Wenn ihr irgendwelche anderen Wünsche an uns habt, könnt ihr das auch unter dem Artikel als Feedback hinterlassen – ich freue mich über alle Kommentare und lese natürlich jedes einzelne!

Dieser Artikel ist wieder deutlich länger geworden als gedacht und das, obwohl ich versucht habe, mich kurz zu fassen. Zu Schreiben ist – das habe ich jetzt wieder erlebt – nicht nur eine essentielle Ausdrucksweise, sondern die Möglichkeit mit anderen Menschen in Verbindung zu treten. Weit über das bloße Teilen von Informationen hinaus möchte ich so einen Beitrag zu einer Gemeinschaft leisten, die trotz allen Widrigkeiten positiv in die Zukunft blicken kann und sich auch soweit als möglich aktiv für eine bessere Zukunft einsetzen will.

Jetzt aber wirklich: Auf in die Zukunft!