Mit BioBalkan betreibt Hans-Jörg Hummer einen Online-Shop, mit dem er und sein Team die Lücke zwischen kleinen Bio-Bauern am Balkan zu anspruchsvollen Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich schließen möchten. Bestellt werden können feinste, handgemachte Bio-Aufstriche aus Gemüse, Nüssen und Beeren aus den Ländern des Balkans – viele davon vegan -, die alle nach den EU-Bio-Verordnungen 834/2007 (für Erzeuger) und 889/2008 (für Verarbeiter) zertifiziert sind.

Mit BioBalkan will Hans-Jörg aber nicht nur leckere Lebensmittel nach Österreich bringen, sondern auch die Menschen dieser Region in unserer Nachbarschaft beim Aufbau von Wissen, Infrastruktur und Finanzmitteln unterstützen. Im aktuellen Crowdfunding-Projekt „BioBalkan – Gutes von den Nachbarinnen“ geht es vor allem um jene Frauen in Serbien, die Paprika für den „legendären Ajvar verbraten“, wie es auf der Projektseite heißt. Mit Hilfe der Crowd sollen sie ein Jahr Arbeit finden.

Wie es zu BioBalkan und zu diesem speziellen Projekt kam, erzählt Hans-Jörg im Crowdfunding-Interview mit The bird’s new nest.

Wolfgang: Hans-Jörg, du bist einer der Gründer von BioBalkan. Was macht ihr genau?

Hans-Jörg: Wir bringen die besten Spezialitäten des Balkans an anspruchsvolle Genießer in Österreich und Deutschland. Gleichzeitig aber unterstützen wir unsere Partner in der Region – ausgesuchte Manufakturen und Kleinbauern – beim Aufbau von Wissen, Infrastruktur und Finanzmitteln. Ja, mitunter stehen wir auch mit ihnen auf dem Feld und helfen bei der Arbeit. Darüber hinaus versuchen wir, den Balkan von seiner besten Seite zu zeigen. Wir haben bisher drei Kooperationen mit Social Businesses oder Familienunternehmen gestartet. Zukünftig wollen wir mit weiteren Partnern solche langfristigen Kooperationen aufbauen.

Wolfgang: Welchen Bezug hast du zum Balkan beziehungsweise wie kamst du auf die Idee?

Hans-Jörg: Ich war lange Jahre in der Entwicklungszusammenarbeit in den Nachfolgestaaten Ex-Jugoslawiens tätig und habe dort unzählige Projekte betreut. Gemeinsam mit Christopher Opancar, der ebenfalls in der Region tätig war, und Marijana Miljkovic, die als Journalistin von dort berichtet hat, haben wir schließlich BioBalkan ins Leben gerufen.

Wolfgang: Wie stellt ihr sicher, dass eure Produkte aus biologischer Herstellung kommen?

Hans-Jörg: Wir werden sowohl in Serbien und Nordmazedonien als auch in Österreich streng kontrolliert. Mit unseren Partnern in Serbien haben wir die aufwändige Umstellung von konventioneller Produktion auf bio gemeinsam gestemmt. Fünf Kleinbauernfamilien bauen für uns Paprika und anderes Gemüse und Obst an, das haben wir ebenfalls gemeinsam geschafft.

Wolfgang: Stichwort „Arbeitsbedingungen vor Ort“ – dazu gibt es jetzt eine Crowdfunding-Kampagne. Erzähl‘ bitte kurz davon!

Hans-Jörg: Die Produktion findet nur in den Sommer- und Herbstmonaten statt. Zu dieser Zeit arbeiten etwa 30 bis 50 Frauen und kochen Ajvar und andere Spezialitäten ein. Im Winter und Frühjahr müssen sie jedoch ungewollt eine Pause machen. Denn Slobodanka Pavlovic, der Gründerin der Radanska Ruza (Rose vom Radan), fehlt es an Kapital, um Gemüse und Obst anzuschaffen und zu bevorraten, um das ganze Jahr über produzieren zu können. Beim Crowdfunding geht es uns darum, ganzjährige Arbeitsplätze zu schaffen. Grob gesagt kann man mit 2.000 Euro das für einen ganzjährigen Arbeitsplatz nötige Umlaufkapital finanzieren. Wir haben uns bei der Kampagne zum Ziel gesetzt, 20.000 Euro aufzustellen. Wenn es mehr werden, sind wir alle zusammen umso glücklicher.

Wolfgang: Was kann man sich als UnterstützerIn erwarten?

Hans-Jörg: Ganz klar, die Spezialitäten von den Frauen der Ruza, sprich feinen Ajvar, Pindur, Malidano, Mackalo in unserem „Balkan-Sixpack“. Ajvar zum Beispiel ist eine Paste aus Paprika. Mackalo, den man „Matskalo“ ausspricht, ist eine Tomatensauce, in die kleine, scharfe Pfefferoni eingelegt werden – eine ziemlich ungewöhnliche Kombination. Als weiteres Dankeschön bieten wir aber auch einen Kochkurs in Wien an, in dem eine unserer Köchinnen zeigt, wie man echten Ajvar selber macht. Für großzügige Unterstützer bieten wir eine Reise in unsere Manufaktur in Südserbien an. Wir zeigen da nicht nur den Betrieb und die Höfe, sondern auch die römische Stadt Justiniana Prima, eine sehr beeindruckende Ausgrabungsstätte – und die wunderbare Landschaft!

Wolfgang: Die Kampagne läuft gut und wird sicherlich erfolgreich sein. Wie soll es danach weitergehen?

Hans-Jörg: Ein erfolgreiches Crowdfunding wird es uns allen erleichtern, die kommende und nächste Saison zu planen. Wir werden das Geld, abzüglich aller Abgaben, zu genau dem Zweck der Ruza überweisen, zu dem die Kampagne gestartet wurde: Gemüse ankaufen, unsere Bio-Bauern dabei unterstützen, dass sie eine möglichst erfolgreiche Ernte einfahren und die Produktion für den Herbst und Winter vorzubereiten.

Wolfgang: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für eure wichtige Initiative!

Noch bis 31. März 2020 könnt ihr die Crowdfunding-Kampagne von BioBalkan unterstützen und euch Produkte von BioBalkan, den Kochkurs, die Reise und andere Goodies als Dankeschön sichern. Weitere Informationen zur Geschichte, zum Shop sowie Updates zum Crowdfunding findet ihr auch auf der Kampagnen-Seite.

Arbeitet ihr an einem nachhaltigen Crowdfunding-Projekt oder kennt ein solches, über das auf The bird’s new nest berichtet werden sollte? Dann sendet mir eure Inputs und Vorschläge zum Thema an office@crowdfunding-service.com!

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