Auf dem Jakobsweg: Tag 9, Santiago

Tuesday 15th, July 2014 / 11:00 von
Auf dem Jakobsweg: Tag 9, SantiagoBild: Alexandra Beck

Nach Hospital da Cruz vor Ligonde bewegt mich ein steinernes Wegkreuz aus dem 17. Jahrhundert. Auf einer Seite Maria mit dem Kind, wie in einem Ei dargestellt und auf der anderen Seite Christus am Kreuz. Ein ähnliches Kreuz sehen wir in Santiago. Auf dem Weg aus der Stadt Melinde finden wir einen schönen Rastplatz neben einer Kirche auf einer Bank. Wir genießen einen besonders guten Ziegenkäse mit Apfel, Brot und einem guten Vino tinto. Einfach und himmlisch!

Kurz vor dem Ziel überqueren wir den Monte do Gozo mit dem überdimensionalen Papstdenkmal. Es erinnert an den Besuch von Papst Paul 1993 – und an pompöse Denkmäler aus anderen Zeiten. Damit kann ich nicht viel anfangen. Es beginnt zu regnen und ich empfinde das als die Reinigung, der sich die Pilger aus dem Mittelalter vor dem Erreichen des Ziels unterzogen haben.

Wir nähern uns Santiago. Ich realisiere das noch nicht. Auch bei der Ankunft kommt die immer wieder beschriebene Euphorie bei mir nicht auf. Es regnet immer noch und beim Erreichen der Altstadt tun mir die Füsse weh, ich bin müde. Der Anblick der Kathedrale beeindruckt mich durch die ungewöhliche Vermoosung der Fassade, die gelben Flechten auf der Vorderfront und das blühende Unkraut, das überall auf ihr wächst. Ein Dudelsackspieler steht stimmungsvoll unter einem Torbogen und diese Musik geleitet uns auf den großen Platz vor der Kathedrale. Nachdem wir unser Quartier bezogen haben, gehen wir mit frischer Kleidung und ohne Rucksack in die prunkvolle Kathedrale. Vor einem kleinen Nebenaltar beginnt ein gebrechlicher Priester gerade eine Messe zu lesen. Es sind nur einheimische Frauen und wenige Pilger da. Am Altar zieht eine kleine weiße Marienfigur mit einem goldenen Heiligenschein meine Blicke und meine Empfindungen auf sich. Wie schön, so ruhig und intim in Santiago begrüßt zu werden. Ich beginne anzukommen. Im Hintergrund die hörbare Unruhe durch viele Touristen und murmelnde Fremdenführer.

Über den Autor

Alexandra kommt aus Niederösterreich und ist seit 25 Jahren Vegetarierin, und das mit Genuss. Dementsprechend gerne kocht sie auch. Auf Grund ihres Alters darf sie schon länger auf dem Weg sein - zu einem bewussten und achtsamen Umgang mit allem was sie umgibt. Dafür ist sie sehr dankbar. Außerdem ist sie begeisterte und glückliche Großmutter von vier wunderbaren Enkelkindern. Sie ist auf einem guten Weg und möchte auch anderen Menschen helfen ihren persönlichen Weg zu finden: Lebenswege Beck

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