Vom Samen bis zur Ernte: Pikieren und Umsetzen

Saturday 17th, May 2014 / 15:10 von
Vom Samen bis zur Ernte: Pikieren und UmsetzenBild: Nils E. (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Im Mai ist der Winter vorbei. Jetzt kommt die Zeit des Jahres, in der eure Pflanzen schnell wachsen und mehr Platz brauchen werden. Wie du ihnen mehr Platz geben kannst, erkläre ich in diesem Beitrag. Aber vorerst die Liste von Pflanzen, die du im Mai aussäen und pflanzen kannst:

Gemüse
Säen: Buschbohnen, Chicorée, Gurken, Kürbis, Radicchio, Stangenbohnen, Zucchini
Pflanzen: Brokkoli, Eierfrucht, Kastengurken, Sellerie, Melonen, Knollenfenchel, Paprika, Porree, Rosenkohl, Tomaten, Zuckermais

Pilze
Champignonkultur anlegen

Obst
Himbeeren vereinzeln, Erdbeeren selektieren und schützen

Wenn du bereits im Treibhaus, oder auf dem Fensterbrett deine ersten Pflanzen gesät hast, dann solltest du spätestens jetzt eine Menge Keimlinge auf kleinstem Raum haben. Damit sie über der Erde nicht um Licht und unter der Erde nicht um Raum für die Wurzeln und Wasser kämpfen müssen, ist es spätestens jetzt Zeit, sie zu vereinzeln. Du kannst sie entweder auf mehrere Töpfe verteilen, oder sie direkt ins Freie verpflanzen. Achte aber darauf, dass du sie nicht zu früh ins Freie setzt. Tomaten und Paprika zum Beispiel pflanzt man traditioneller Weise erst Mitte bis Ende Mai ins Freie, damit sie nicht zum Opfer später Frostphasen werden. Früher war es so, dass es bis zum 23. Mai noch zu eisigen Winden in Zentraleuropa kam. Die Tage um diese Zeit werden “die Eisheiligen” genannt und sind für kälteempfindliche Pflanzen tödlich. Es ist also ein gewisses Glücksspiel, wann man seine Pflanzen ins Freie setzt. Sollten die Temperaturen fallen und man hat gesetzt, verliert man vielleicht seine Pflanzen. Wenn die Temperatur aber nicht mehr fällt, hat man ein paar schöne Tage zusätzlich gewonnen. Das ist aber eigentlich das Risiko nicht wert. Als Anfänger sollte man mit dem Aussetzen im Freien daher ruhig bis zur letzten Maiwoche warten. Wenn man an diesen Zeitpunkt denkt und das Wachstum seiner Pflanzen kennt, dann weiß man sehr genau wann man mit der Anzucht seiner Keimlinge beginnen sollte. Zum Vereinzeln verwendet man eine Technik mit dem Namen “Pikieren”.

Pikieren

Dazu nimmt man ein Pikierholz oder ein dünnes, angespitztes Stäbchen, im Notfall tut es aber auch ein einfacher Bleistift, und sticht damit etwa einen halben bis einen Zentimeter neben dem Keimling in den Boden und bohrt unter den Keimling. Ziel ist es, den Keimling aus der Erde zu holen und dabei möglichst wenig Schaden an den Wurzeln zu verursachen. Dann bereitet man mit dem Holz ein Loch an dem geplanten neuen Standort der Pflanze vor und setzt den Keimling vorsichtig hinein. Ziel ist es, dass der Keimling mindestens so tief wie vorher in der Erde steckt, besser wenn er tiefer sitzt. Die Stelle, an der das erste Blatt aus dem Stängel wächst, sollte auf jeden Fall über der Erde liegen. Wenn du den Keimling an die richtige Position im Loch gebracht hast, dann kannst du das Loch vorsichtig mit Erde füllen und schiebst die Erde ums Loch zusammen. Damit sollte der Keimling fest im Boden stehen. Wenn du den Keimling ausgräbst, solltest du ihn auch möglichst rasch wieder eingraben. Wurzeln reagieren auf Tageslicht sehr empfindlich. Wenn du die Arbeitsschritte für all deine Keimlinge wiederholt hast und fertig bist, solltest du jetzt einmal großzügig gießen. Eine Videodemonstration findest du unten bei den Links.

Pflanzen in Töpfen

Wenn du deine Keimlinge erst in Töpfe und später ins Freie pflanzen möchtest, solltest du darauf achten, dass die Töpfe nicht zu klein sind und du sie nicht zu lange darin wachsen lässt. Sonst werden sie den Topf zur Gänze mit Wurzeln durchwachsen und beginnen, kreisförmige Wurzeln entlang des Topfes zu bilden. So entstehen dann Wurzelbälle in der Form des Topfes. Die Wurzeln wachsen durch die Löcher und bilden damit eine sehr unnatürliche Wurzelform, die alles andere als optimal zur Aufnahme von Wasser und Nährstoffen ist. Auf Englisch hat dieses Problem den Namen “root-bound”, von mir frei übersetzt “geknebelte Wurzeln”. Das solltest du vermeiden, indem du große Töpfe verwendest und die Pflanzen rechtzeitig umsetzt. Sollte es doch passieren, dass deine Pflanzen diese Wurzelballen bilden, kannst du den Ballen vorsichtig in eine Schüssel oder einen Kübel mit lauwarmem Wasser tauchen und den Wurzelballen vorsichtig mit der Hand lösen. Ziel ist es, dass die Wurzeln nicht mehr im Kreis wachsen. Im Notfall kann man den Wurzelballen auch zerschneiden. Dazu nimmt man eine Gartenschere und schneidet den Wurzelballen an drei, sechs, neun und zwölf Uhr etwa drei Zentimeter tief ein. Ein Demonstrationsvideo findest du unten bei den Links. Dadurch hören die Pflanzen auf, im Kreis zu wachsen und bilden wieder normale Wurzelformen aus. Wenn man das Problem nicht behandelt und die Pflanze einfach nur mit dem Ballen einpflanzt, dann werden sich die Wurzeln nicht im Boden ausbreiten. Die Pflanze wird dann weiterhin so wachsen, als ob sie nie den Topf verlassen hätte und den Platz im Boden nicht für ihre Wurzeln nutzen. Du kannst deine Gemüsepflanzen natürlich auch im Topf ziehen. Dazu solltest du aber entsprechend große Töpfe verwenden und musst damit rechnen, viel gießen und düngen zu müssen, um guten Ertrag zu erzielen.

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Bild: madaise / flickr.com

Das Wichtigste in wenigen Punkten zusammengefasst:
– Rechtzeitig umsetzen/vereinzeln/umtopfen/vermeiden, bevor die Töpfe zu klein, oder die Konkurrenz zu groß zu werden droht
– Nicht zu früh ins Freie setzen, die Eisheiligen abwarten, erst in der letzten Mai-Woche aussetzen
– Töpfe sollten ausreichend Platz bieten
– Wurzelballen vermeiden und behandeln

Bis zum nächsten Mal! Ich hoffe, dein Gartenjahr hat gut angefangen und du hast bereits eine Menge Pflanzen, die nur darauf warten, ins Freie oder in größere Töpfe gepflanzt zu werden. In meinem nächsten Beitrag stelle ich die Potato-Box vor, eine Anbaumethode für Kartoffeln bei der man angeblich bis zu 50 Kilogramm Kartoffeln auf einem Quadratmeter ernten kann. In den Kommentaren kannst du wie immer gerne Fragen, Anmerkungen und Kritik hinterlassen, ich werde sie gerne beantworten. Gutes Gelingen und lass dich nicht pflanzen!

 

Links:
Video mit Erklärung zum Pikieren
Video zur Behandlung von Wurzelballen

Über den Autor

Toni lebt in Wien und ist seit vier Jahren Hobbygärtner. Er möchte mit anderen Menschen die Freude am selbst geschaffenen Essen teilen und zeigen, wie man möglichst einfach sein eigenes Gemüse, Kräuter und Obst anbauen kann.

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