Bitte was? Keine Blümchen, aber wiederverwendbare Menstruationstassen, in meinem Fall mit Blümchen drauf und in Blümchenstoff verpackt. Die Tassen sind kelchförmige Becher aus weichem Silikon, die es mittlerweile von diversen Herstellern in unterschiedlichen Grössen gibt. Sie werden während der Periode wie Tampons in die Scheide eingeführt und fangen dort das Blut auf. Die meisten Modelle sind über mehrere Jahre verwendbar. Wenn die Tasse voll ist, wird sie entfernt, entleert, gereinigt und wieder eingesetzt.

Die liebe Isabella von Ladyways hat zwei Testerinnen gesucht, die sich von ihr beraten lassen, ein passendes Produkt testen und einen Artikel darüber schreiben mögen. Das finde ich super! Es ist doch eigenartig, dass das Thema Periode noch immer so tabuisiert wird, auch unter Frauen. Mir ist das egal, ich berichte euch gerne von meinen Erfahrungen. Dies in der Hoffnung, euch etwas Neues vorstellen zu können oder euch eure noch offenen Fragen zu beantworten. Ich habe mir die „Luv ur Body“ vorgenommen.

Beratung von Isabella

Gut, eigentlich muss ich gar nicht alle Fragen beantworten, das macht Isabella schon ganz toll. Sie verkauft die Tassen nicht nur, sie bietet auch unverbindliche Beratungen an, damit sich möglichst viele Frauen an das Thema Menstruationstasse heranwagen und in der Praxis auch problemlos damit zurechtkommen. Mit Isabellas Hilfe und etwas Übung sollten sämtliche Unsicherheiten rasch verschwinden. Bevor mir Isabella meine Tasse aussucht, beantworte ich ihr viele Fragen. Sie möchte unter anderem wissen, ob ich schon Mama bin und schon Menstruationstassen verwendet habe. Ausserdem ob ich unter einer starken Blutung oder Menstruationsschmerzen leide, ob ich ab und zu an Scheidenpilz oder einer Trockenheit durch Tampons oder irgendwelchen anderen Beschwerden leide. Nach meiner Mail an Isabella war ich überzeugt, restlos alle Fragen geklärt zu haben. Das war aber anscheinend nicht wirklich so und ich habe einen Fragenkatalog als Antwort erhalten. Kurze Zeit habe ich mich gefragt, ob ich vielleicht etwas zu vorlaut war und vielleicht doch nicht testen und erst recht nicht öffentlich darüber schreiben will. Nach ein paar Mails waren meine Bedenken aber weg. Ich fühle mich bei Isabella gut aufgehoben, obwohl wir ausschliesslich über Mail kommuniziert haben. Für mich steht fest, dass sie in erster Linie helfen will. Sie antwortet wahnsinnig schnell und geht gefühlvoll auf Bedenken den Tassen gegenüber und persönliche Problemchen ein. Bitte beachtet aber, dass eine Onlineberatung keinesfalls einen Termin beim Gynäkologen ersetzt.

Bild: Yvonne

Erster Eindruck

Ich bekomme eine „Luv ur Body“ Menstruationstasse in der Grösse Medium. Sie kostet auf Ladyways 28.80 Euro inklusive Versand nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz. Seitdem ich aus gesundheitlichen und vor allem aus ethischen Gründen die Hormone in Pille und Nuvaring zur Verhütung abgesetzt habe, hat mein Zyklus ein kleines Eigenleben entwickelt. Meine Zyklen sind zwischen 24 und über 50 Tage lang und meine Blutung normal lang aber stark, oft mit starken Bauchschmerzen.

Die Tasse kommt nach kurzer Versandzeit bei mir in der Schweiz an, natürlich öffne ich sofort neugierig das Paket. Ich habe schon viel über die Tassen gelesen, verwendet oder in der Hand gehalten habe ich vor dem Test aber noch keine. Meine Luv ur Body ist aus leicht transparentem Silikon, rund sechseinhalb Zentimeter lang. Ausserdem befindet sich am unteren Ende ein etwa zwei Zentimeter langer Stiel, der das Entfernen der Tasse erleichtern soll. Auf der Aussenseite ist ein Blumenmuster im Kunststoff, der Stiel ist blattförmig. Nicht, dass es wichtig wäre, ich finde die Details aber süss und sie machen mir die Tasse sofort sympathischer. Auch wenn ich sie, wie eigentlich auch erwartet, doch sehr gross finde. In der Packung befindet sich ausserdem ein Aufbewahrungsbeutel aus Stoff, ebenfalls mit Blumenmotiv. Ein weiteres Detail unterschiedet die Luv ur Body von anderen Tassen: Auf der Innenseite befindet sich eine Markierung für siebeneinhalb und 15 Milliliter. Damit kann Frau sehr gut abschätzen, wie viel Blut sie während ihrer Periode verliert – Tampons oder Binden lassen darauf keinerlei verlässliche Rückschlüsse zu. Ich bin gespannt, ob ich wirklich so viel Blut verliere, wie ich immer glaube.

Bild: Yvonne

Erste Verwendung

Das erste Mal ausprobiert habe ich die Tasse an einem Tag ohne Periode. Im Gegensatz zu Tampons saugt sich die Tasse nicht mit Flüssigkeit voll und trocknet die Scheide nicht aus. Rumprobieren und häufiges Wechseln sind daher nicht unangenehm. Eine Anleitung gibt es in der Packungsbeilage oder auf Ladyways. Da ich für das Entziffern der Packungsbeilage ein Mikroskop bräuchte, verlasse ich mich auf Isabellas Anleitungen. Vor dem ersten Tragen koche ich die Tasse gemäss Anleitung mit kochendem Wasser ab. Zum Einsetzen wird sie gefaltet und wie ein Tampon eingeführt. Wenn die Tasse richtig platziert ist, sollte sie sich aufklappen. Durch leichtes Drehen oder Hinausziehen und wieder Zurückschieben wird etwas Luft angesaugt und es entsteht ein leichter Ansaugeffekt, der die Tasse zusammen mit der Beckenbodenmuskulatur für die Trägerin nicht spürbar an der richtigen Stelle hält. Mein Cup und ich werden nicht so richtig Freunde. Beim Üben spüre ich permanent einen Druck und kann ihn nicht so platzieren, dass ich den Rand oder Stiel nicht mehr spüre. Ich reinige die Tasse und lege sie zur Seite, im Einsatz getestet wird sie einige Tage später.

Verwendung & Alltag

Einführen geht trotz unterschiedlicher Falttechniken nur, wenn ich die Tasse mit etwas Wasser oder noch besser Gleitgel befeuchte. Dabei bin ich eigentlich weder verspannt noch habe ich Berührungsängste. Zum Entfernen drückt frau vor dem Herausziehen das untere Ende der Tasse zusammen, damit die Dichtung und der leichte Unterdruck gelöst werden. Das Entfernen ist für mich wegen des etwas härteren oberen Rings des Cup sehr unangenehm. Weil die Tasse zusammengedrückt wird, darf sie beim Entfernen nicht zu voll sein, da sie sonst überläuft.

Die erste Nacht überstehen der Cup und ich eigentlich ganz gut. Am Morgen entferne ich ihn, leere den Inhalt in die Toilette und setze ihn wieder ein. Auf dem Weg ins Büro stört er aber, ich spüre ihn immer, wenn ich mich bewege. Er fühlt sich unförmig an und ich werde das Gefühl nicht los, dass er nicht sitzt oder sich nicht komplett auffalten kann. Etwa zwei Stunden nach dem Einsetzen stört er mich so stark, dass ich ihn entfernen möchte. Und tatsächlich, er hat nicht dicht gehalten.

Aufgeben möchte ich aber nicht, meine Rettung heisst Isabella. Ich schreibe ihr meine Probleme und dass ich glaube, dass die Tasse zu gross oder einfach nicht passend für mich ist und so nicht richtig aufploppen beziehungsweise abdichten kann. Der rettende Tipp ist so simpel wie genial: Ich soll die Tasse auf links drehen! Wie ein Kleidungsstück vor dem Waschen stülpe ich den Cup um. So ist der Stiel (ohne dass ich ihn abschneiden muss) weg, die Oberfläche ist viel glatter und die Form etwas anders und vor allem schmaler. Einen sehr grossen Unterschied sehe ich nicht, aber ich spüre ihn. Die Tasse lässt sich so etwas einfacher einführen und ich habe sie sofort an der richtigen Stelle. Tatsächlich, ich spüre sie nicht mehr. Und das Beste: Sie ist dicht! Tagsüber im Büro, beim Sport und auch in der Nacht. Für mich hat Isabella die eher grosse Tasse aufgrund meiner starken Blutung ausgesucht. In den ersten zwei Tagen muss ich den Cup etwa alle sechs Stunden leeren, damit er nicht überläuft. Danach wird meine Blutung schnell einiges schwächer.

Fazit

Dank Isabellas Hilfe habe ich mich nicht nur an die Menstruationstasse getraut, ich kann sie nun auch problemlos tragen. Einsetzen und Entfernen wird mit der Zeit und mit noch mehr Routine sicher noch einfacher. Für die schwächeren Tage werde ich mir aber doch noch eine etwas kleinere Tasse kaufen. Bei dem grossen Angebot an unterschiedlichen Tassen ist eine kompetente Beratung eine sehr grosse Erleichterung. Ich habe früher noch keine Tasse bestellt, weil ich mich nicht für einen Hersteller und eine Grösse entscheiden konnte, ohne die Hilfe einer geduldigen und erfahrenen Beraterin hätte ich wohl wieder aufgegeben. Aufgrund der vielen Vorteile gebe ich meine Luv ur Body aber nicht mehr her.

Traut euch, Mädels! Es braucht etwas Überwindung, sich beraten zu lassen, die Tasse zu verwenden und bei Bedarf auch Hilfe zu holen, lohnt sich aber: Ihr spart Geld für Tampons und Binden, die nicht nur teuer sind, sondern auch viel Müll produzieren. Ihr könnt all das machen, was ihr mit Tampons auch macht und euch dabei auf den angenehmen, nicht austrocknenden Schutz der Tasse verlassen.

Hier gibt es noch eine abschliessende Übersicht mit Antworten auf häufig gestellte Fragen.

cupsBild: Ladyways

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