Das Schweigen des Merinoschafes – Mulesing im Outdoorbereich

Monday 25th, May 2015 / 17:49 von
Das Schweigen des Merinoschafes – Mulesing im OutdoorbereichAlle Bilder: pixabay.com

Viele Outdoor-Freaks sind längst überzeugte Träger von Produkten aus Merinowolle. Von der Unterwäsche bis zum Pullover ist alles aus der feinen Schafwolle hergestellt. Der Wärme-Kälte-Haushalt zirkuliert und die Geruchsbildung wird eingedämmt. Doch was hat es mit der ganzen Zauberkraft des Schafkleides auf sich?

Merinoschafe sind eine Feinwoll-Schafrasse, die sich ausgehend von Spanien über die ganze Welt bis nach Australien ausbreitete. Neuseeland und Australien stellen heute die größten Merinowolle-Lieferanten der Welt dar. Merinoschafe produzieren Wolle, die auffallend gekräuselt, weich und elastisch ist. Darüber hinaus ist sie leicht und kratzt nicht auf der Haut – Eigenschaften, die sich die heutige Outdoor-Industrie zunutze gemacht hat. Naturfasern werden bei Textilien für den Outdoor-Bereich eher nachrangig verwendet, da sie sich als nicht sehr leicht oder robust herausgestellt haben.

Doch die Wolle des Merinoschafes kann mit den handelsüblichen Polyester- oder Polyamid-Kleidungsstücken mithalten. Zu den viel umjubelten Funktionen der Merinowolle zählt man unter anderem den optimalen Feuchtigkeitstransport. Die Fasern können mitunter 30% ihres Eigengewichts an Flüssigkeit aufnehmen und hinterlassen somit keine feuchten Stellen auf der Kleidung. Auch beim Thema Geruch kann die Merinowolle punkten: Wir schwitzen normalerweise Fette, Bakterien und Salze aus unserer Haut aus. In üblichen Funktionsshirts aus Kunstfasern, die eine glatte Oberfläche besitzen, bleibt dieser Schweiß hängen und fängt nach einer Zeit zu riechen an. Merinowolle hingegen weist eine schuppige Oberfläche auf, auf der sich Bakterien schwer halten können – so kommt es zu einer weitaus geringeren Geruchsbildung als bei Kunstfasern. Ein weiterer Vorteil gegenüber Kunstfasern, speziell für Camping-Liebhaber, ist die geringere Brennbarkeit der Textilien.

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Doch wie so oft hat die Produktion von Merinowolle leider auch eine Schattenseite. Mulesing ist eine weit verbreitete Methode – vorrangig in Australien und Neuseeland, höchstwahrscheinlich aber auch in anderen Ländern zu finden -, die die Wirtschaftlichkeit der Wolle hoch und den Preis derer niedrig halten möchten. Mulesing soll Schafe vor Fliegenbefall bewahren – in den Hautpartien am Hinterteil des Schafes, wo ein teils schmutziges, warmes und feuchtes Milieu herrscht, ist das Risiko des Fliegenbefalls enorm. Die Fliegen legen ihre Maden in die Hautfalten des Schafes, diese fressen sich bis tief in das Fleisch, woraufhin das Schaf qualvoll verendet.

Mulesing ist eine präventive Methode und wird schon bei Lämmern im Alter zwischen acht und zwölf Wochen durchgeführt. Hautstücke rund um den After und die Vulva werden ohne Betäubung entfernt und die Stellen anschließend desinfiziert. Eine kostenintensive Alternative wäre den risikobehafteten Bereich regelmäßig auszuscheren, was zwar wiederum jedes Mal mit Stress bei den Tieren verbunden, aber dafür schmerzfrei ist. Eine andere Möglichkeit sieht man in einer medikamentösen Behandlung, die den Fellwuchs einschränken soll. Diese Methode wird aber erst zu Forschungszwecken eingesetzt und findet noch keine Anwendung in der breiten Masse. Eine geeignete Lösung scheint auf jeden Fall noch nicht gefunden worden zu sein.

Merinowolle findet man aber trotz aller Kritik in vielerlei Bergsportartikeln. Manche Outdoor-Marken sind hier Vorreiter und weisen auf ihre Mulesing-armen oder Mulesing-freien Produkte hin. Bei Icebreaker kann man online seine Merinotextilien bis zum Produzenten zurückverfolgen. Auch Smartwool und Ortovox verwenden keine Mulesing-Wolle. Mammut und andere Produzenten versuchen Mulesing-freie Produkte herzustellen, weisen aber darauf hin, dass sie diese Richtlinien nicht ausreichend kontrollieren können.

Diese Fakten sollte man beim Kauf von Outdoorbekleidung und anderen Produkten aus Merinowolle im Hinterkopf behalten und entweder auf Mulesing-freie Produkte umsteigen oder auf entsprechende tierleidfreie  Natur- oder Kunstfaseralternativen zurückgreifen.

 

Quellen:
planet-wissen.de/alltag_gesundheit/werkstoffe/wolle/merinowolle.jsp
hugsforhikers.com/blog/2012/01/06/merinowolle/
outdoorblog.ch/ausruestung/funktionsunterwaesche-merinowolle-kunstfaser/
bergzeit.at/icebreaker-merino/
hamburger-illustrierte.de/content/htm/tic/2004/12/12/200412122327.html

Über den Autor

Sabine ist gebürtige Wienerin und liebt dieses schöne Städtchen. Man findet sie häufig in der Natur beim Wandern oder Klettern - gerne in Begleitung ihres kleinen, sturen Dackels. Neben ihrer Heimatstadt liebt sie die Literatur und bekommt nicht genug von gutem Essen.

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2 Comments on “Das Schweigen des Merinoschafes – Mulesing im Outdoorbereich

  • Im Strickbereich ist das auch ein großes Thema. Man sollte wirklich darauf achten, wo die Wolle herkommt,vorallem Australien sollte man meiden. In Neuseeland ist es meines Wissens nach schon per Gesetzt verboten worden. Wenn die Wolle aus Südamerika kommt hat man sehr große Chancen, das diese Mulesingfree ist.
    Wenn man selbst strickt kann man auf jeden Fall die Firmen Atelier Zitron und Rosy Green verwenden, da diese ihre Betriebe auch vor Ort kontrollieren 🙂

    Reply
    • Hallo! Bei der Strickwolle kenne ich mich ehrlich gesagt nicht so gut aus – aber danke für den Hinweis 🙂 LG

      Reply

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