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Seele 2.0 – Bauanleitung für deine Wunschwelt in drei Schritten

„Was du willst ist, was du kriegst“, sagte einst mein Freund. Und überall, wo ich diesen Spruch bringe, entsteht ein Gespräch. Manchmal eine Diskussion, teilweise auch Streit. Können wir uns…

„Was du willst ist, was du kriegst“, sagte einst mein Freund. Und überall, wo ich diesen Spruch bringe, entsteht ein Gespräch. Manchmal eine Diskussion, teilweise auch Streit.

Können wir uns wirklich unsere Wunschwelt herbeizaubern?

Lasst uns nachsehen. An einem Tag prallen mehrere Milliarden Eindrücke und Fakten auf uns ein. Allein das Wetter besteht schon aus einem komplexen Konstrukt von Luftdruck, Feuchtigkeit, Temperatur und Luftbewegung. Dann all die Menschen und Medien, die um uns herum sind. Und dann noch unsere eigenen Gedanken. Kein Lebewesen würde das je überleben!

Unser Gehirn ist ein Sieb

Unser Gehirn hat eine Strategie entwickelt, mit dieser Menge an Informationen umzugehen: Es verwirft 99 Prozent davon. Alles, was nicht relevant ist und nicht verarbeitet werden kann, wird wieder aussortiert und dringt gar nicht erst in unser Bewusstsein ein. Wenn du dich also nicht ganz speziell für den heutigen Luftdruck interessierst, wird dieser Datenmüll bleiben, wo er hingehört.

Konstruktionsmechanismus

Eine andere faszinierende Fähigkeit unseres Gehirns besteht darin, aus wenig und aus unvollständiger Information ein komplettes Bild zu erzeugen, welches es uns erlaubt, Entscheidungen zu treffen oder uns im Raum zu bewegen. So können wir zum Beispiel auf Basis von Licht, Schatten und Geräuschen gut vorhersehen, wie ein Weg weiter geht, den wir nicht sehen, weil er hinter einer Kurve liegt. Wir erstellen für räumliche Orientierung eine sogenannte kognitive Karte, und wenn man dich jetzt bitten würde, eine Skizze von deinem jetzigen Ort oder von deinem letzten Urlaubsort zu erstellen, dann wärst du dazu in der Lage, mit mehr oder weniger Detailtiefe. Hierzu später mehr.

Bau dir eine Welt, wie sie dir gefällt

Jetzt stell dir vor, Tausende von Menschen gehen jeden Tag über dieselbe Kreuzung. Sehen alle das Gleiche? Messen alle dieser Kreuzung dieselbe Bedeutung bei? Wohl kaum! Zum einen siebt das Gehirn jedes Passanten all das aus, was nicht relevant ist, zum anderen werden bei jedem Menschen andere Details hinzu konstruiert, damit er sich in seiner Welt, auf seiner Mission, gut zurecht findet.

Wie kannst du dir nun eine Welt bauen, wie sie dir gefällt? Hole dir ruhig viel weißes Papier und bunte Stifte, wir können ja ein paar Minuten zusammen bauen, dann machst du selbst weiter, ok?

Als Schritt Nummer eins schlage ich vor, du bestimmst, was es in deiner Welt oft und viel gibt. Sonne, Obst, grüne Elektroautos – was fällt dir ein? Viele lächelnde Menschen? Viele zwitschernde Vögel? Wellenrauschen? Berggipfel? Kinder? Kühe? Schokolade? Notiere einfach alles, was dir in den Sinn kommt.

Schritt Nummer zwei: Markiere alles, was aus dieser Sammlung jetzt schon da ist. Einfach um zu sehen, zu wie viel Prozent deine jetzige Welt schon deiner Wunschwelt entspricht. Erledigt? Auf welchen Wert bist du gekommen? Egal, wie viel du bereits gefunden hast, stehe gern auf und haue dir die Fäuste in die Brust, als wärest du King Kong. Feiere dich als Frau oder Herr deines Lebens!

Schritt Nummer drei: Gehe suchen! Mit der kognitiven Karte deiner Wunschwelt unterwegs zu sein, ist wie die Stadt um dich herum neu entdecken! Oder weißt du, wie es im zweiten Stockwerk der Häuser in der Fußgängerzone aussieht? Viele verborgenen Schätze sind um uns herum positioniert, wir nehmen sie bloß nicht wahr, weil unser Hirn sie gemäß der vorherigen kognitiven Landkarte als nicht relevant aussortiert hat.

Zauber der Wahrnehmung

Eine fantastische Funktion unseres Gehirns solltest du noch kennen: Es kann zwischen real und ausgedacht nicht unterscheiden. Das ist der Grund, warum wir uns vor den Thrillern gruseln und richtig hohen Puls kriegen, wo doch die Monster nur in einem Flachbildschirm stecken. Nun gib dir selbst eine Einschätzung: Wie viel Potenzial steckt in deiner Wunschwelt-Karte? Kann diese dir so viel Inspiration und „gute Monster“ schicken, dass du den ganzen Tag am lächeln bist? Ist dein Vorstellungsvermögen schon erwachsen genug, sich die Wunschwelt in allen Farben und Geschmacksrichtungen zusammen zu stellen?

Wiederhole Schritte eins bis drei immer wieder, bis du dich daran gewöhnt hast, Dinge zu sehen, die du sehen willst. Du wirst dich wundern, wie schnell dein Gehirn sich darauf umstellt und dich von unnützen Informationen abschirmt. Und sollte es bei dir gut funktionieren, helfe auch anderen um dich herum, sich ihre Wunschwelt zu erschaffen!

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Seele 2.0 – Worauf verzichtest du?

Wir Menschen haben viele Ängste. Unsere Ur-Ängste sind zwei: Dass wir sterben und dass wir verhungern. Damit lässt sich ein großer Teil unseres Verhaltens erklären. Angst vor einer Prüfung oder…

Wir Menschen haben viele Ängste. Unsere Ur-Ängste sind zwei: Dass wir sterben und dass wir verhungern. Damit lässt sich ein großer Teil unseres Verhaltens erklären. Angst vor einer Prüfung oder Angst, vor großen Gruppen zu sprechen, das ist modernes Zeug. Genauso wie die Angst, etwas zu verpassen und Verlierer zu sein.

Manuel Dingemann hat diese Angst nicht. Er lebt aus Überzeugung nachhaltig und er lebt es auch vor. Weil mich das in hohem Maße neugierig gemacht hat, und weil das so einen Kontrast zu den Managern und Politikern bildet, die über Nachhaltigkeit reden, habe ich mich mit Manuel getroffen und ihm ein paar Fragen gestellt.

Was ist in deinem Leben geschehen, als du dich entschieden hast, nachhaltig zu leben?

Manuel: Ich war 2010 auf einem Workshop, in dem ich von erfahrenen Leuten viel über den Zusammenhang unseres Handelns mit dem Klimawandel erfahren habe. 60% der Menschen wissen leider immer noch nicht, was Nachhaltigkeit bedeutet oder woraus sie sich zusammen setzt. In dem Workshop haben wir verschiedene Szenarien gebildet und so ein höheres Bewusstsein darüber erlangt, wie viel Verantwortung für die Zukunftsgeneration in unserer Hand liegt. Außerdem haben wir über Effizienz und bewussten Genuss von dem, was da ist, gesprochen, und natürlich auch vom bewussten Konsumieren. Bewusstes Konsumieren funktioniert einfach: Schaue, was da ist. Welche Menschen umgeben mich? Welche Kompetenzen dieser Menschen kann ich nutzen? Vielleicht brauche ich gar nicht einen schnelleren PC, sondern einen guten Rat.

Hast du ein Bild von der Zukunft, in der du leben möchtest?

Manuel: Ja. Wir arbeiten alle weniger, konsumieren weniger und verbringen mehr Zeit miteinander. Klingt simpel, dennoch glauben viele, es ist nicht sofort umsetzbar. Aber jeder kann damit anfangen. Denn eine Sache kann man sich nicht mit Geld kaufen: Zeit. In der Zeit, die ich gewinne, weil ich weniger arbeite, kann ich langlebigere und nachhaltigere Produkte entdecken. Wer bewusst konsumiert und sich damit auseinander setzt, was ein gutes Produkt ausmacht, der ist viel eher bereit, Geld dafür auszugeben. Langfristig ist das übrigens günstiger. Eine LED-Lampe sieht im Laden teurer aus. Nach drei Jahren hab ich das Geld aber wieder raus und dann hält sie noch 20 Jahre. Außerdem kann man sich in der gewonnenen Zeit Fähigkeiten aneignen, lernen – zum Beispiel, wie du autarker werden kannst, indem du Sachen reparierst oder selbst herstellst. Hier kannst du viel Geld sparen und bekommst eine Bestätigung deiner Kompetenz.

Zukunftsbild: Wir arbeiten weniger, konsumieren weniger und verbringen viel Zeit miteinander

Was brauchen wir, damit mehr Menschen einen nachhaltigen Lebensstil für sich wählen?

Manuel: Gutes Design und Erlebnisse, die den Lebensstil anfassbar machen. Gute Nachrichten und best practice Beispiele, die als Vorbild gelten können. Außerdem brauchen wir Helden und mutige Gründer, die Nachhaltigkeit vorleben.

Welche Frage kann sich jeder von uns stellen, um sich für Nachhaltigkeit zu entscheiden?

Manuel: Worauf verzichte ich? Worauf verzichte ich, wenn ich Auto statt Fahrrad fahre? Worauf verzichte ich, wenn ich mich für Karriere entscheide? Worauf verzichte ich, wenn ich einen Transatlantik-Flug antrete statt an den See in der Nähe meiner Stadt zu fahren? Was erlebe ich dann nicht?

 

Manuel Dingemann lebt und arbeitet in Hamburg. Seine Marketing-Agentur berät nachhaltige Unternehmen bei deren Auftritt im Internet und ist bekannt für hochqualitative Video-Produktion.

Kurz vor unserem Gespräch hat Manuel einen Wäscheständer repariert, statt einen zu kaufen, und das Gespräch selbst fand in der wohl nachhaltigsten Kaffeerösterei Hamburgs statt, in der sogar die Verpackung für die Kaffeebohnen biologisch abbaubar ist.

Der Bogen zum Titel dieser Kolumne ist übrigens ganz einfach: Wenn du eine tiefe Überzeugung hast und jeden Tag danach lebst, verbrauchst du viel weniger seelische Ressourcen für das Treffen von Entscheidungen. Dein Leben gibt dir genug Bestätigung, dass du das Richtige tust, und somit sind deine Kräfte gut beisammen, die Energie auf einem hohen Level und das Lächeln konstant auf deinem Gesicht.

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