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Schlagwort: Verpackungen

Mein (fast) plastikfreies Leben – Die gute Tüte: Bioplastik als Alternative?

Hallo ihr Lieben, erst einmal möchte ich mich über die rege Anteilnahme an meiner Kolumne bedanken. Ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar und eure vielen interessierten Nachfragen. Nachdem ich…

Hallo ihr Lieben,

erst einmal möchte ich mich über die rege Anteilnahme an meiner Kolumne bedanken. Ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar und eure vielen interessierten Nachfragen. Nachdem ich sehr oft auf das Thema „Bioplastik“ angesprochen wurde, möchte ich mich diesem heute einmal näher widmen.

Als ich im letzten Jahr mit meiner „Plastik-Diät“ begann, erhielt ich eine freudige SMS von einer Freundin. Sie erzählte mir ganz begeistert, dass sie beim Einkaufen zu einer Bioplastiktüte gegriffen hätte. Diese wäre ganz einfach kompostierbar und würde damit eine tolle Alternative darstellen. Ich war skeptisch, hatte ich doch nie zuvor von Bioplastik gehört. Dennoch hegte ich eine zaghafte Hoffnung – vielleicht wäre das ja die Lösung aller Probleme für mich? Ich könnte unbekümmert einkaufen gehen, Müllbeutel verbrauchen und dabei noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben.

Was soll ich sagen – es kam natürlich ganz anders – doch noch einmal zum Anfang zurück. Was hat es mit diesem Bioplastik eigentlich auf sich? Können Bioplastiktüten wirklich eine Alternative sein? Ich habe mich umgehört und euch das Ergebnis meiner Recherchen einmal zusammengefasst. Mein Fazit ist folgendes:

Das Wörtchen „Bio“ hört sich zunächst einmal toll an, aber dass Bio nicht immer gleich umweltfreundlich ist, wissen die meisten von uns spätestens seit der Debatte um Biokraftstoffe. Bioplastik wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie zum Beispiel Mais oder Rüben hergestellt. Diese sind allerdings nicht immer der alleinige Bestandteil von Bioplastik. Oft mischt sich doch noch ein wenig konventionelles Plastik aus Erdöl mit den pflanzlichen Bestandteilen – Bioplastik ist nämlich leider keine geschützte Bezeichnung.

Doch könnte man sich nicht immerhin freuen, dass Bioplastiktüten zumindest ein wenig umweltfreundlicher sind als ihre konventionellen Kollegen? Diese Theorie des kleineren Übels bestätigt sich meiner Meinung nach leider nicht. Für die Produktion von Bioplastik ist nämlich, ähnlich wie bei Biokraftstoffen, jede Menge Ackerland erforderlich. Dieses fehlt dann letztendlich im Nahrungsmittelanbau. Überspitzt gesagt: Angenommen, wir würden im großen Stil Pflanzen zur Produktion von Plastiktüten anbauen, dann hätten wir unter Umständen ganz tolle Plastiktüten, könnten diese aber nicht mehr so leicht mit bezahlbaren Lebensmitteln füllen.

Es mag Zweifel an dieser Theorie geben, aber es gibt einen weiteren Punkt, der mich nachdenklich stimmt. Bioplastik ist selten ganz normal kompostierbar. Das hat auch damit zu tun, dass der Begriff Bioplastik so viele unterschiedliche Materialien umfasst und die Definition keine eindeutige ist. Eine Bioplastiktüte verrottet selten im Handumdrehen auf dem Komposthaufen, sie braucht je nach Material und Bedingungen Monate dafür – ganz davon abgesehen, dass man sich in einer kleinen Stadtwohnung den Luxus eines Komposthaufens leider oft nicht leisten kann. Es fehlt einfach ein Garten. Und noch etwas: Man sollte Bioplastik aufgrund dieser Problematik nicht in die Biotonne werfen.

Für eine effektive Entsorgung benötigen die Müllentsorgungsfirmen spezielle Anlagen, die sehr teuer sind und daher oftmals erst gar nicht angeschafft werden. Wenn wir unser Bioplastik dann zum Beispiel in den Recycling-Müll geben, erschwert es den Recycling-Prozess des konventionellen Plastik sogar, muss es doch erst einmal aussortiert werden. Also muss man Bioplastik letztendlich zum Restmüll geben, der verbrannt wird. Im Gegensatz zu einer normalen Plastiktüte kann eine Bioplastiktüte also noch nicht einmal ordentlich recycelt werden.

Meiner Meinung nach taugt das Label „Bioplastik“ zurzeit leider nur dazu, den Verbrauchern ein gutes Gefühl zu geben – mehr leider noch nicht. Momentan sind Biokunststoffe konventionellen Kunststoffen nicht überlegen – zu diesem Ergebnis kommt auch das deutsche Umweltbundesamt. Ich hoffe zwar, dass sich in der Zukunft dort noch viel tun wird – zum Beispiel wird bereits über Lebensmittelreste als Bestandteil von Plastiktüten diskutiert – ich nehme jedoch weiterhin meinen Einkaufskorb oder meine uralten Jutebeutel mit.

1 Kommentar zu Mein (fast) plastikfreies Leben – Die gute Tüte: Bioplastik als Alternative?

Mein (fast) plastikfreies Leben – Keine Plastiktüte, bitte!

Keine Plastiktüte, bitte! oder: Wie ich lernte, freundlich Nein zu sagen und dabei eine Diskussion in Gang zu setzen. Jahrelang war ich es zwar gewohnt, meinen Jutebeutel für den Einkauf…

Keine Plastiktüte, bitte! oder: Wie ich lernte, freundlich Nein zu sagen und dabei eine Diskussion in Gang zu setzen.

Jahrelang war ich es zwar gewohnt, meinen Jutebeutel für den Einkauf im Supermarkt zu benutzen, alle anderen Plastiktüten waren für mich aber in Ordnung. Ich nutzte sie als Mülltüten, machte mir wenig Gedanken und verdrängte das Problem in meinem Schrank voller Plastiktüten – auch wenn ich stets mehr Mülltüten als Müll hatte.

Mit dem „Plastikfasten“ setzte ein Umdenken bei mir ein. Zum ersten Mal ging ich in ein Buchgeschäft, ohne es mit einer Plastiktüte zu verlassen. (Ja, ich erkläre mich für schuldig. Ich bin besessen von Buchläden und sollte aus eigenem Schutz von ihnen fern gehalten werden.) Die Verkäuferin war so schnell, dass sie mir meine neueste literarische Errungenschaft in eine Tüte gepackt hatte, bevor ich etwas dagegen sagen konnte. Etwas zögerlich holte ich meinen Jutebeutel hervor und bat sie, das Buch heraus zu nehmen. Ich erklärte ihr, dass ich gerade „plastikfasten“ würde und die Tüte daher nicht annehmen könnte – ihre Reaktion: Unverständnis. „Aber dann wird das Buch doch nass“, entgegnete sie mir fast ein wenig vorwurfsvoll. Ich zeigte ihr wortlos meinen tropfenden Regenschirm, sie zuckte etwas beleidigt mit den Schultern und ich verließ den Laden mit hochroter Birne.

Diese Situation sollte sich in der Zukunft noch einige Male wiederholen. Meist sind die Verkäufer so routiniert und schnell, dass man sie bitten muss, die Ware wieder aus der Tüte zu nehmen. Das mache ich mittlerweile zum Glück, ohne dass es mir peinlich ist. Am Anfang versuchte ich noch, Leute von meiner Idee zu überzeugen und erzählte ihnen sofort und ungefragt, dass ich versuchen würde, ohne Plastik auszukommen. Damit traf ich zwar oft auf tolle Reaktionen, genauso häufig aber auch auf Unverständnis – gerade bei Personen, die sich eben noch nicht so sehr mit dem Thema Plastikmüll auseinandergesetzt haben. Vielleicht klingt „Plastikfasten“ für den einen oder anderen etwas zu extrem, vielleicht schwingt für sie auch der erhobene Zeigefinger mit – ich weiß es nicht. Was mir jedoch bewusst wurde: Man lässt die Verkäufer mit einem Fragezeichen im Gesicht, im schlimmsten Falle sogar mit dem Gefühl, unfreundlich behandelt worden zu sein, im Laden stehen. Genau das wollte ich verhindern.

Wie bei den Plastikbestandteilen in Einmachglasdeckeln, einem Thema meines letzten Kolumnenbeitrags, komme ich daher auch diesmal zu einem eher pragmatischen Schluss. Ich sage einfach: „Nein, danke. Ich habe schon so schrecklich viele Plastiktüten zu Hause.“ Aus irgendeinem Grund scheint diese Aussage ein wahrer Eisbrecher zu sein. Fast immer entgegnen mir die Verkäufer, dass es ihnen genauso geht. Oft schließt sich daran sogar eine wirklich konstruktive Diskussion an.

Das ist auch mein Tipp an alle, die es mir gleich tun wollen. Wenn man selber ohne Plastik auskommen will, setzt man sich selbstverständlich sehr damit auseinander und denkt viel daran. In dem ganzen Eifer will man seine Überzeugung natürlich an andere weitergeben – man muss nur sehr aufpassen, dass man nicht zu übereifrig daher kommt, sonst wird die Diskussion oft bereits im Keim erstickt. Ein vorsichtiges Herantasten über ein recht unverfängliches Thema wie „Wir haben viel zu viele Plastiktüten zu Hause.“ funktioniert oft besser als den Leuten ins Gesicht zu sagen „Ich lebe ohne Plastik“.

Wie seht ihr das, ist es euch auch schon einmal so gegangen, zum Beispiel auch bei den Themen Vegetarismus und Veganismus? Würdet ihr genauso handeln oder bevorzugt ihr eine offensivere Herangehensweise?

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