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Der Verein „Die Haarspender“ im Interview

Letztes Jahr hatte ich große Lust, aus meiner Langhaar- eine Kurzhaarfrisur machen zu lassen. Da kam mir der Gedanke, dass ich mit meinen über 30 Zentimeter Haar, das ich loswerden…

Letztes Jahr hatte ich große Lust, aus meiner Langhaar- eine Kurzhaarfrisur machen zu lassen. Da kam mir der Gedanke, dass ich mit meinen über 30 Zentimeter Haar, das ich loswerden wollte, jemand anderen glücklich machen könnte. Google wusste Rat und hat mich zum Verein „Die Haarspender“ gebracht. Also habe ich kurzerhand für mich einen Termin zu einem gratis Haarschnitt und für The bird’s new nest ein Interview mit dem Vereinsgründer Thomas Möller vereinbart.

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Sonja: Was ist der Zweck des Vereins?

Thomas: Wir lassen Perücken aus Haarspenden fertigen und finanzieren die Herstellung mit Geldspenden, um Kindern, die durch Krebs oder Alopecia ihr eigenes Haar verloren haben, eine kostenlose Perücke zu ermöglichen.

Wer steht hinter dem Verein?

Gegründet wurde der Verein von mir, Holger Thomas Möller und Bettina Utczás, BA. Dazu kommen alle freiwilligen Helfer, wie auch unsere fast 70 Partnersalons in Deutschland und Österreich.

Wie finanziert sich der Verein und seit wann gibt es ihn?

Die Arbeit des Vorstandes ist ehrenamtlich, die Perücken und alle Vereinsaktivitäten werden durch Spenden ermöglicht. Gegründet wurde der Verein Ende Juli letzten Jahres, im August 2016 begann unsere offizielle Arbeit.

Warum hast du diesen Verein gegründet?

Als meine Mutter 1994 an Krebs erkrankte und ihre Haare verlor, kam mir der Gedanke, dass täglich sehr viele Menschen ihre Frisur von lang auf kurz verändern und dass man mit all diesen Haaren doch eigentlich sehr vielen Menschen helfen könnte. 2016 habe ich meine Idee umgesetzt.

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Wie finden Euch Menschen die Haare spenden wollen?

Meist findet man uns zuerst über unsere Facebook-Seite oder unsere Facebook-Gruppe. Unserer Vereins-Homepage wird ebenfalls immer bekannter, das freut uns sehr. Haarspender haben die Möglichkeit, im Headoffice unseres Vereins in Wien einen gratis Haarschnitt zu bekommen. Unsere Partnerfriseure in Österreich und Deutschland bieten Haarspendern ebenfalls einen Gratishaarschnitt an, und senden die Haarspende direkt an unseren Verein.

Welche Voraussetzungen müssen die Haarspenden erfüllen?

Aus optischen und technischen Gründen muss das gespendete Haar eine Mindestlänge von 27 Zentimeter aufweisen. Zusätzlich gehen noch einige Zentimeter bei Fertigung und Schnitt der Perücke verloren. Da wir derzeit nur Perücken für Mädchen herstellen und diese sich längeres Haar wünschen, sind Haarspenden von mehr als 40 Zentimeter Länge optimal.

Wie viele Perücken konntet ihr schon weitergeben?

Wir haben 2016 drei Perücken an Kinder in Deutschland und Österreich vergeben, zwei Kinder hatten Alopecia und ein Kind war an Krebs erkrankt.

Wie funktioniert die Produktion einer Perücke, wie lange dauert sie und wie viele Haarspenden werden für eine Perücke benötigt?

Bei einer Länge von 35 Zentimeter Haaren benötigt man ca. 280 bis 300 Gramm. Jeder gespendete Zopf hat durchschnittlich 40 bis 160 Gramm. Es ist also sehr unterschiedlich, von zwei sehr dicken bis sieben dünnen Zöpfen sind alle Zusammenstellungen möglich. Wir suchen in unserem Headoffice in Wien aus den Haarspenden passende Zöpfe zusammen und senden diese mit Größenangaben zu unserem Partner nach Asien, wo die Perücken gefertigt werden. Jedes einzelne Haar wird von Hand in ein Gewebe gezogen und verknotet. Dieser Prozess alleine dauert gut 30 Tage pro Perücke. Nach Fertigstellung kommen die Perücken dann wieder zurück nach Wien, wo sie bis dato an Kinder in Österreich und Deutschland vergeben werden.

Wie viel kostet die Herstellung einer Perücke?

Die Herstellung kostet rund 400 bis 450 Euro.

Wie finden euch Kinder, die eine Echthaarperücke benötigen?

Wir haben Kontakte zu Vereinen in Deutschland und Österreich und in entsprechenden Facebook-Gruppen. Darüber hinaus arbeiten wir mit onkologischen Abteilungen in verschiedenen Krankenhäusern zusammen. Es ist auch möglich, direkt auf unserer Webseite ein Antragsformular für eine Perücke auszufüllen und zu senden.

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Welche Voraussetzungen müssen Kinder, die eine Perücke benötigen erfüllen?

Wir vergeben Perücken an Kinder im Alter von vier bis 17 Jahren. Weil wir in erster Linie Kindern und Familien helfen wollen, die sich eine Echthaarperücke um 2.000 bis 3.000 Euro nicht so einfach leisten können, ermitteln wir im Gespräch mit den Eltern ob eine „Bedürftigkeit“ besteht.

Wie können euch Partnerfriseure erreichen?

Auf unserer Homepage befinden sich die Kontaktdaten zu uns. Wir sind auch über Facebook erreichbar.

Wie können euch Haarspenden erreichen?

Haarspenden kommen von Privatpersonen oder auch über unsere Partnersalons an unser Vereinspostfach in Wien: Die Haarspender, Postfach 006, A-1239 Wien.

Wie können euch Geldspenden erreichen?

Geldspenden erreichen uns direkt über folgendes österreichisches Spendenkonto: Name: „Die Haarspender“, IBAN:  AT13 1400 0110 1000 9083, BIC: OPSKATWW Auf unserer Webseite gibt es zusätzlich die Möglichkeit über Paypal oder mit Kreditkarte zu spenden.

Vielen Dank für das Interview und deinen Einsatz, Thomas!

 

Wenn ihr noch mehr über „Die Haarspender“ wissen wollt, schaut doch einfach mal auf der Homepage und der Facebook-Seite vorbei – vorab schon ein großes Dankeschön an alle, die sich für eine Haarspende entscheiden! Auch Friseursalons, die Interesse haben, den Verein als Partner zu unterstützen sind herzlich willkommen, sich bei diesem zu melden.

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ARCHE NOAH – Rettet die Vielfalt

Heute möchte ich euch eine Organisation vorstellen, die wirklich Vorbildcharakter hat, und zwar ARCHE NOAH. Nein, hier werden keine Tiere eingesammelt und vor der großen Sintflut gerettet. Es handelt sich…

Heute möchte ich euch eine Organisation vorstellen, die wirklich Vorbildcharakter hat, und zwar ARCHE NOAH. Nein, hier werden keine Tiere eingesammelt und vor der großen Sintflut gerettet. Es handelt sich hierbei um einen gemeinnützigen Verein, der sich für die Artenvielfalt der Kulturpflanzen und den Erhalt und die Verbreitung alter Sorten und das Wissen darum einsetzt.

Diese Vielfalt ist aus vielen Gründen so wichtig zu erhalten. Vielfalt in der Landwirtschaft macht den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln verzichtbar, denn sie hilft Störungen in den Agrar-Ökosystemen abzufedern. Je vielfältiger, desto stabiler. Diese Ertragssicherheit nutzt vor allem auch uns Menschen. In Zeiten des Klimawandels ist dies besonders wichtig. Ganz ohne Genmanipulation können wir von den lokal angepassten Pflanzentypen und deren Eigenschaften profitieren. Auch finden Allergiker in den tausenden Pflanzenarten genügend Alternativen, um sich zu ernähren. Des Weiteren fördern Staaten, die kleine und regionale Pflanzensorten und den Samentausch zulassen, die Unabhängigkeit. Somit entstehen keine Saatgutmonopole, die nur zum Nachteil für Bauern und Konsumenten sind.

Zu guter Letzt ist Vielfalt Genuss und Lebensqualität. Wer schon einmal in eine saftig-aromatische Tomatenrarität vom Bauernmarkt gebissen hat, sich bei einer Sortenausstellung durch die Geschmacksvielfalt alter Apfelsorten gekostet hat oder seltene Sorten aus eigenem Anbau genießen konnte, kennt den Unterschied und weiß, was auf dem Spiel steht.

ARCHE NOAH entstand auf Initiative von GärtnerInnen, BäuerInnen und JournalistInnen, die das Saatgut als Grundlage der Ernährung buchstäblich wieder in die eigenen Hände nehmen wollten. Denn: Seit 1900 ist die Vielfalt unserer Kulturpflanzen durch die Industrialisierung der Landwirtschaft weltweit dramatisch – um etwa 75 Prozent – zurückgegangen! Heute gefährden Gentechnik, Saatgut-Monopole, Klimawandel und immer noch Kriege dieses kostbare Erbe.

ARCHE NOAH hält dem eine positive Vision und zahlreiche Aktivitäten entgegen. Alles steht unter dem Motto „Kulturpflanzenvielfalt kann nur durch ihre Nutzung lebendig erhalten werden.“. Gesagt, getan! Im Niederösterreichen Schiltern hat die ARCHE NOAH einen Schaugarten gegründet. Hier werden die verschiedensten Sorten angebaut und großgezogen. Von hier aus werden auch die Jungpflanzen beziehungsweise das Saatgut verkauft. Geöffnet hat der Schaugarten von April bis Oktober (Montags ist geschlossen) und zwischendurch gibt es immer wieder themenbezogene Veranstaltungen. Veranstaltungen und Märkte finden aber nicht nur in Schiltern statt, sondern in ganz Österreich und teilweise sogar in Deutschland.

Jeder von uns kann seinen Teil zur Verbreitung der Saatenvielfalt beitragen, indem wir einfach einmal über den Tellerrand hinausschauen. Es muss nicht immer dasselbe Obst oder Gemüse sein. Habt ihr schon einmal eine „Green Zebra“-Tomate gegessen? Oder eine Stachelgurke? Und es gibt noch viel mehr zu entdecken. Davon kann sich jeder selbst überzeugen, denn man staunt nicht schlecht, wenn man beispielsweise vor etwa sieben Metern Tomatenpflänzchen in unzähligen Sorten steht und nur noch sagen kann: „Ich wollte eigentlich nur ein paar Tomaten haben…“. Aber zum Glück gibt es immer einige GärtnerInnen, die einem mit gutem Rat zur Seite stehen, Pflegetipps inklusive.

Und damit möglichst viele Menschen die Saatenvielfalt verbreiten können, bietet ARCHE NOAH nicht nur das passende Saatgut an, sondern veranstaltet auch immer wieder Seminare und Workshops zu verschiedenen Themen. Ob Saatgutvermehrung, der richtige Schnitt für Beeren und Obst oder das Gärtnern im Topf – für alle Zielgruppen ist etwas dabei. Wer nicht gleich ein Seminar buchen möchte, kann sich auch in einem der zahlreichen Bücher schlau lesen, die von oder in Kooperation mit ARCHE NOAH erschienen sind. Ob Sortenhandbuch, Kochbuch, Handbuch Bio-Balkongarten und viele mehr – auch hier ist für jeden etwas dabei. Und aus eigener Erfahrung kann ich hier nur eine Empfehlung aussprechen.

Dass es tatsächlich nicht um Profit geht, kann man auch an der Tatsache erkennen, dass man sein Saatgut selbst herstellen kann. Denn wer rechtzeitig Saatgut aufhebt, braucht im Jahr darauf keines mehr kaufen, sondern verwendet einfach sein eigenes wieder. Theoretisch braucht man also eine Pflanze nur ein Mal zu kaufen und kann immer wieder pflanzen. Das funktioniert aber nur, wenn man vorher nicht alles aufisst.

Nachhaltig ist ARCHE NOAH vor allem, weil ihre Pflanzen ausschließlich biologisch und gentechnikfrei sind, aber auch ein anderes Detail sticht auf der Homepage sofort ins Auge: Umweltfreundlich wirbt ARCHE NOAH dafür, über die Mitfahrbörse gemeinsam zum Schaugarten zu fahren statt alleine. Nachahmenswert!

 

Nähere Infos:
Internet: arche-noah.at
Online-Shop: shop.arche-noah.at

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