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Schlagwort: Übernachtung

7x anders schlafen: Meine Übernachtungstipps für Wien (Teil 2)

Schon im ersten Teil habe ich von alternativen und ökologischen Übernachtungskonzepten gesprochen. Heute gibt es noch mehr davon – und ich habe natürlich nicht alle Unterkünfte in Wien „abgeklappert“, hat doch…

Schon im ersten Teil habe ich von alternativen und ökologischen Übernachtungskonzepten gesprochen. Heute gibt es noch mehr davon – und ich habe natürlich nicht alle Unterkünfte in Wien „abgeklappert“, hat doch die Stadt die höchste Umweltzeichendichte der Welt. Ich habe mir lieber die Schmankerl ausgesucht – und stelle Euch in diesem Post noch drei weitere Möglichkeiten, als nachhaltig Reisende(r) in meiner Wahl-Heimatstadt zu schlafen. Alles Hotels, in denen ich auch meine besten Freunde unterbringen würde – vorausgesetzt, meine Couch ist besetzt.

5. Boutique Hotel Stadthalle: Einer muss der Erste sein

„Willkommen im weltweit 1. Stadthotel mit Null-Energie-Bilanz„, begrüßt das Boutique Hotel Stadthalle seine Gäste und BesucherInnen wie mich. Dass es sich um eben solches handelt, das ist schon beim Eingang kaum zu übersehen: Die Außenwand – noch grau – wird in Kürze auch mit Pflanzen begrünt werden, bei der Tür prangen die vielen Gütesiegel – von Umweltzeichen bis Fair Trade – an der Wand, die Pflanzenklimaschutzfassade, die in Zusammenarbeit mit der BOKU (Wiener Universität für Bodenkultur) betrieben wird, steht seit wenigen Wochen ebenfalls wieder im Eingangsbereich.

Der grüne Garten samt E-Velos zum Ausleihen. Foto: Doris

Der grüne Garten samt E-Velos zum Ausleihen. Foto: Doris

„Am Anfang stand der Beschluss von der Besitzerin, Frau Reitterer, ein Passivhaus ans alte Hotel zu bauen“, erklärt mir Monika Haas vom Boutiquehotel – dass es so etwas im Hotellerie-Bereich weltweit noch nicht gegeben hat, das hat man erst später festgestellt. Wegen „das ist unmöglich“-Kommentaren aufzugeben, das war keine Option und so wurde nicht nur ein 6-stöckiges Passivhaus errichtet, sondern auch eine Grundwasserwärmepumpe und eine Photovoltaikanlage installiert, eine Solaranlage aufs Dach gebaut, E-Scooter für Hotelgäste angeschafft und – natürlich – regionale, biologische Lebensmittel am Frühstücksbuffet eingeführt. Das sind nur ein paar der Eckdaten, bloß die geplanten Windrädern zur Stromgewinnung gibt es – noch – nicht. Nicht, weil es technisch nicht möglich wäre, sondern weil ein Nachbar Einspruch erhoben hat. Aufgeben – Ihr könnt es Euch denken – ist aber auch hier keine Option.

Über eine Minibar wird derzeit diskutiert: Aber nein, zu viel Energieverschwendung. Foto: Doris

Über eine Minibar wird derzeit diskutiert: Aber nein, zu viel Energieverschwendung. Foto: Doris

„Wir sind Stück für Stück gewachsen“, so Haas, „und die Gäste fordern es auch ein, wie wir anhand der Zufriedenheits-Fragebögen merken.“ Dabei kommen nicht alle, weil es sich um ein Haus mit Null-Energiebilanz – „es geht sich knapp aus“ – handelt. Manche merken es erst, wenn sie die grünen Aufkleber in ihren Zimmern vorfinden: „No Minibar“ heißt es da zum Beispiel auf einem, ein Commitment gegen einen erhöhten CO2-Ausstoß, der den fehlenden Punkt auf die 4-Sterne-Kategorie kostet. Es ist eine bewusste Entscheidung.

Der Blick aufs Lavendeldach, das derzeit noch nicht lila, sondern grün ist. Foto: Doris

Der Blick aufs Lavendeldach, das derzeit noch nicht lila, sondern grün ist. Foto: Doris

Statt Mini-Bar gibt es etwas – meiner Meinung nach – viel Besseres: Den Ausblick auf ein (im Sommer vermutlich schön lilafarbenes) Lavendeldach zum Beispiel und so viele Sträucher sowie Bäume im Garten, Weinreben an den Hauswänden, dass der Leitspruch „Wohnen mitten im Grünen mitten in der Stadt“ nicht treffender sein könnte. Und wer sich noch ein Stück vom Stadthotel mitnehmen möchte, der findet in der Vitrine im Eingangsbereich handgemachte Souvenirs – wie wäre es zum Beispiel mit Lavendelherzen oder einer Lavendel-Schoko-Torte, na!?

Boutique Hotel Stadthalle: Hackengasse 20, 1050 Wien, ab € 128,- pro Nacht, http://www.hotelstadthalle.at/

6. Urbanauts: Das horizontale Hotel im „Grätzel“

Dass man und vor allem was man aus leerstehenden Gassenlokalen so alles machen kann, das beweisen seit 2011 die Urbanauts. Anders als in Städten wie London darf man in Wien nämlich bisher in ehemaligen Geschäftsräumlichkeiten nicht wohnen – leider. Also haben die Architekten Theresia Kohlmayr, Jonathan Luther und Christian Knapp mit einer ehemaligen Schneiderei das Pilotprojekt „horizontales Hotel“ gestartet. Nein, nicht, was Ihr denkt: Im leerstehenden Raum im Erdgeschoß wurden Bad und WC eingebaut, die Wände zur Straße mit Schalldämmung vor Lärm geschützt, die großen Auslagenfenster mit verdunkelten Gläsern abgeschirmt – ein 25 qm großes Hotelzimmer mit Mini-Bar, Internet und Co. entstand. An die Vergangenheit erinnern nicht nur der Name „Die Schneiderin“, sondern auch eine große Foto-Wand gestaltet durch die Künstlerin Sue Sellinger und handgemachte Hosen sowie T-Shirts, die Gäste anprobieren und dann gern bei den Urbanauts kaufen können.

Der "Schneiderin" sieht man ihr Vorleben an - so soll es auch in den anderen Ex-Gassenlokalen passieren. Foto: Doris

Der „Schneiderin“ sieht man ihr Vorleben an – so soll es auch in den anderen Ex-Gassenlokalen passieren. Foto: Doris

„Wir haben versucht, die vertikal angeordnete Hotelstruktur horizontal ins Grätzel (= Viertel) auszulagern“, erklärt Theresia, die selbst Erfahrung in der Hotellerie mitbringt. Heißt: Statt Frühstück oder Wellness-Bereich im Hotel selbst, empfiehlt Urbanauts „fellows“ in der Umgebung – ein Kaffeehaus in der Straße, die Bar ums Eck, das Hammam in der Nachbarschaft. Damit die leicht erreicht werden können, stehen vor dem Haus zwei Fahrräder – Vespas können als „Extra“ angemietet werden.

Der Schlüssel zum Hotelzimmer ist via Code zugänglich, wie stark man in der "Auslage" sitzen möchte, kann via verdunkelten Fenstern reguliert werden. Foto: Doris

Der Schlüssel zum Hotelzimmer ist via Code zugänglich. Wie stark man in der „Auslage“ sitzen möchte, kann via verdunkelten Fenstern reguliert werden. Foto: Doris

Über Empfehlung funktioniert auch die Bewerbung der Urbanauts, an deren Konzept andere Städte ebenfalls Interesse haben. Bisher erfolgt eine Buchung nur über die Website – eine Erweiterung auf andere Plattformen ist angedacht und vermutlich auch notwendig, wenn die nächsten Hotelzimmer nach dem gleichen Konzept aufsperren: Noch im Juli werden die jeweils 35qm großen „Galerist“ und „Künstler“ öffnen, im September ist „Der Schlosser“ an der Reihe.

DVDs, ein Stadtplan sowie passende Kleidungsstücke (zum Probieren und späteren Kaufen) liegen in der Schneiderin auf. Foto: Doris

DVDs, ein Stadtplan sowie passende Kleidungsstücke (zum Probieren und späteren Kaufen) liegen in der Schneiderin auf. Foto: Doris

Urbanauts: Favoritenstraße 17/ G3-5, 1040 Wien (geplante Home-Base in der Belvederegasse 26, 1040 Wien – Eröffnung 2014), ab € 120,- pro Nacht, http://www.urbanauts.at/

7. Hotel Der Wilhelmshof: Ganzheitlich vom Dach bis zur Garage

Wer mit einem der Trés-Hombres befreundet ist und deren fair transportierten Rum verkauft, der kann nur sympathisch sein. Wer noch dazu seit 2008 die größte Solaranlage der Wiener Hotellerie im Einsatz hat oder durch so „Kleinigkeiten“ wie eine Haus gemachte (vom Vater „gebastelte“) Heizungsregelung 20% der Kosten sowie jede Menge Energie spart, punktet gleich noch einmal – bei mir zumindest. Roman Mayrhofer, Geschäftsführer und mit seinem Bruder Eigentümer des Familienbetriebs „Der Wilhemshof“ macht mir bei seiner Hausführung klar, dass der Anspruch der „Ganzheitlichkeit“ im 4-Sterne-Hotel nicht (nur) auf dem Papier zu finden, sondern seine Einstellung ist.

Das Hotel Wilhelmshof hat schon seit 2008 die größte Solaranlage - aber erst 2010 davon erzählt. Foto: Doris

Das Hotel Wilhelmshof hat schon seit 2008 die größte Solaranlage der Wiener Hotellerie – aber seit 2010 erzählt es darüber. Foto: Doris

„Bei jeder Entscheidung muss man auch die ökologischen Kriterien heranziehen“, erklärt er und ist überzeugt: „Im Hintergrund kann man so viel machen“ – vor allem, wenn einem die Immobilie gehört, wie das beim Wilhelmshof seit Generationen der (Ideal)Fall ist. „Energie ist dabei der größte Hebel“, meint Mayrhofer und ist stolz, dass 45% der Energiebedarfs über die Solaranlage gewonnen wird. Es ist auch ein wirtschaftlicher Erfolg, der ohne das unternehmerische Risiko im Vorfeld aber nicht möglich wäre – schließlich investiert man gerade bei für den Gast unsichtbaren Dingen anfangs enorm.

Ein ganz besonderes Designzimmer im Wilhelmshof. Foto: Doris

Ein ganz besonderes Designzimmer im Wilhelmshof – gestaltet von TyWaltinger. Foto: Doris

Ein „plakatives Thema“ wie die Solaranlage ist wichtig für die Kommunikation, aber nicht das Einzige, was den Wilhelmshof besonders – anders – macht. Ganz offensichtlich ist da vor allem die Kunst: Der österreichische Künstler TyWaltinger hat aus dem Hotel – Schritt für Schritt – ein Kunsthotel gestaltet. „Eines, in dem den Gast die Kunst aber nicht überfährt“, wie Mayrhofer wichtig ist zu zeigen – und tatsächlich ist sie in einigen Räumen nur ganz dezent merkbar. In anderen dafür stärker, nie aber aufdringlich. Das Konzept zieht sich übrigens bis zur Garage (!) durch, und TyWaltinger arbeitet selbst stark mit natürlichen Farbpigmenten und den Kräften der Natur zusammen – ganzheitlich eben!

Speziell ist der Wilhelmshof, auch die Garage. Foto: Doris

Speziell ist der Wilhelmshof, auch die Garage. Foto: Doris

Hotel Wilhelmshof: Kleine Stadtgutgasse 4, 1020 Wien, ab € 120,- pro Nacht, http://www.derwilhelmshof.com

Weitere Tipps zu einem alternativen, nachhaltigen Wien-Besuch habe ich für einfachbewusst.de geschrieben >> http://www.einfachbewusst.de/2013/04/nachhaltiges-reisen-wien-und-darmstadt/ 

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7 Mal anders schlafen: Meine Übernachtungstipps für Wien (Teil 1)

Statt „Wien ist anders“ sollte der nächste Werbeslogan für meine Wahl-Heimatstadt eher lauten: „In Wien schläft sich es anders“. Seit einiger Zeit schießen viele spannende, alternative Konzepte für Übernachtungsmöglichkeiten – von…

Statt „Wien ist anders“ sollte der nächste Werbeslogan für meine Wahl-Heimatstadt eher lauten: „In Wien schläft sich es anders“. Seit einiger Zeit schießen viele spannende, alternative Konzepte für Übernachtungsmöglichkeiten – von günstig bis hochpreisig – aus dem Boden. Daneben setzen zahlreiche Hotels auf umweltfreundliche Modelle. Sieben dieser etwas anderen Schlafplätze, die es mir besonders angetan haben, stelle ich in diesem und in meinem nächsten Artikel vor. Wer weiß, wofür es der eine oder die andere brauchen kann…

1. Chez Cliché – Wohnen bei (falschen) Freunden

Wohnen in Privat-Apartments à la airbnb ist ja längst nichts Neues mehr und wird auch in Wien häufig genutzt. Der heißeste Trend aber ist: Wohnen bei (falschen) Freunden. Die beiden Wiener Claudia Diwisch und Gerald Tomez, die mit dem Tourismus bisher nichts zu tun hatten, haben sich von der Idee eines Wahl-Berliner Freundes anstecken lassen und vermieten seit Oktober acht Wiener Apartments, die unter anderem dem Ex-Jockey Raul, der Botanikerin Sophie, Mozart-Fan Marie Therese oder Theaterliebhaber Koloman gehören. Das Spannende daran: Diese Personen sind alle erfunden…

Marie Therese wohnt stilvoll, wie es sich für eine Mozart-Liebhaberin gehört. Foto: Doris

Marie Therese wohnt stilvoll, wie es sich für eine Mozart-Liebhaberin gehört.

…aber so echt, wie möglich: Nicht nur die Wohnungen sind mit einer Liebe zum Detail aus einer Mischung aus alten, neu hergerichteten und modernen Stücken so eingerichtet, dass ich immer erwartet habe, ihre Besitzer – zum Beispiel Stewardess Bella oder Platten-Sammler-Beat – würden gleich um die Ecke kommen. Auch auf Facebook sind Kolomann und Co vertreten. Ob ihre „Freunde“ im Social Network wissen, dass sie gar nicht existieren?

Beat sammelt Platten - und überhaupt erinnert alles in der Wohnung an Musik. Foto: Doris

Beat sammelt Platten – und überhaupt erinnert alles in der Wohnung an Musik.

Wer bei Chez Cliché, so heißt das Unternehmen, bucht, kann das entweder über airbnb oder direkt über die Website tun. Bei der Abholung durch die beiden Gründer gibt es dann nicht nur den Schlüssel, sondern auch die Telefonnummern. Das ist nämlich einer der vielen Pluspunkte beim Wohnen bei diesen „falschen“ Freunden: Das Team von Chez Cliché ist immer für seine Gäste erreichbar und liefert Insider-Tipps und lokale Empfehlungen für den Aufenthalt.

Dass Beat nicht echt ist? Wer hätte das bei der stimmigen Einrichtung gedacht? Foto: Doris

Dass Beat nicht echt ist? Wer hätte das bei der stimmigen Einrichtung gedacht?

Weitere Pläne gibt es auch – unter anderem den für eine Verdoppelung der Apartments in Wien. Schließlich warten neue Persönlichkeiten schon auf eine – ihre – Heimat…

Chez Cliché: Verschiedene Locations im 1., 2., 7. und 9. Bezirk, Privat-Wohnungen ab 189 Euro pro Nacht (mindestens zwei Nächte), chezcliche.com

2. Pop_Inn 111: Pop in, Pop up

Das Pop_Inn 111 als eine Übernachtungsmöglichkeit vorzustellen, ist fast schon eine Beleidigung. Dieses Hostel, in dem man zwischen Wänden voller Kunst und auf Betten aus Bierkästen schläft, ist viel mehr als „nur“ eine Übernachtungsmöglichkeit. Es ist Teil des Projekts Trust 111, und ein „Modellversuch, leerstehende Häuser zu nutzen und eine Community aufzubauen, von der sowohl die Menschen, das Gebäude wie auch die Umgebung profitieren.“, so erklärt es mir die Holländerin Margot, eine der Verantwortlichen. Die Stadtsoziologin arbeitet für den Verein onorthodox – tackling urban issues und ist vor allem für den theoretischen Teil zuständig, schließlich handelt es sich hier um ein Pilotprojekt, das sowohl national wie international auf reges Interesse stößt.

Im Pop_Inn 111 schläft man auf Bierkisten statt in "normalen"Betten. Foto: Doris

Im letzten Jahr ist Architekturstudent Lukas vom Verein ImPlanTAT – Netzwerk für ZwischenNutzungen  auf das leerstehende Haus in der Schönbrunner Straße 111 gestoßen. Dem geht es wie einigen Gebäuden zurzeit: Es soll modernisiert und umgebaut werden, die Pläne sind vorhanden, die Finanzierung steht auf dem Papier – nur der Baustart lässt auf sich warten. Das macht sich das Projekt „Trust111“ zu Nutze. Mit Einverständnis des Eigentümers und mittlerweile unter wohlwollender Beobachtung der Stadt Wien wurden sie zu Zwischenmietern des Gebäudes, haben die Wände gestrichen, die Abflüsse repariert. Künstler nutzen einen Teil des Hauses und zahlen für die Ateliers einen Vereins-Mitgliedsbeitrag, in der Bar „No Borders“ im Erdgeschoss können Getränke nach dem „pay as you wish“-Prinzip konsumiert werden und nebenan ist gerade die Ausstellung What the shop zu sehen.

Sisi-Zimmer: Ein bisschen Verarschung, ein bisschen Nostalgie, viel Wien. Foto: Doris Schlafen in der Ausstellung, dem Sisi-Zimmer: Ein bisschen Verarschung, ein bisschen Nostalgie, viel Wien. Foto: Doris

Schlafen in der Ausstellung, dem Sisi-Zimmer: Ein bisschen Verarschung, ein bisschen Nostalgie, viel Wien.

Und dann ist da natürlich noch das temporäre Guesthouse „Pop_Inn 111“, in dem mit Service – „Wir sind immer da und können Tipps für Wien geben!“ – wett gemacht wird, wenn in den sanierungsbedürftigen Mauern wieder einmal die Elektrizität ausfällt. Buchbar sind Mehrbettzimmer und Themenräume mit Namen wie White Cube Himmel, Wiener Aktionismus, Franz Josef oder Sisi. Räume, bei denen es sich eigentlich um Ausstellungen handelt. „Indoor Camping“ steht auf einer anderen Tür, hinter der sich ein Zimmer mit grünem Rasenteppich, Zelt und Klappstuhl verbirgt. Ein Trostpflaster dafür, dass Outdoor-Campen am Dach nicht möglich ist – den Nachbarn zuliebe.

Indoor statt Outdoor-Camping: Im Pop_Inn 111 findet man für jede Herausforderung eine Lösung. Foto: Doris

Indoor- statt Outdoor-Camping: Im Pop_Inn 111 findet man für jede Herausforderung eine Lösung.

Work in progress ist bei Trust111 so einiges: Vom Ausbau der Zimmer bis hin zu einer Fahrradwerkstatt, von Urban Gardening (dem das konstante Regenwetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat) bis zu Filmvorführungen im „Kino-Zimmer“, von Sprachkurs-Angeboten auch für sozial Schwächere bis zur angrenzenden Café-Küche. Ob, wann und was davon realisiert wird beziehungsweise was sonst noch passiert, wird die Zeit weisen – und vor allem auch davon abhängen, wie lange Trust111 das Haus in der Schönbrunner Straße 111 nutzen kann. Denn dass alles jederzeit vorbei sein kann, dessen sind sich Lukas, Margot und ihre Mitstreiter bewusst.

Pop_Inn 111:  Schönbrunner Str. 111, 1050 Wien, Hostel-Bett 15 Euro pro Nacht, Apartment ab ca. 60 Euro pro Nacht, popinn111.wordpress.com

3. und 4. Hotel Topazz und Lamée: 4+ Sterne für Nachhaltigkeit

Wasserkrug, selbstgemachtes Müsli & Liebe zum Detail gibt es sowohl im Topazz als auch im Lamee. Foto: Doris

Wasserkrug, selbstgemachtes Müsli und Liebe zum Detail gibt es sowohl im Topazz als auch im Lamee.

„Unser Zugang ist nicht, wir bauen ein Haus, sondern: Wir haben da ein Gebäude, was machen wir daraus?“ Schon der Ansatz, nach dem die beiden Luxus-Hotels (im 4-Stern-Superior Segment angesiedelt) mitten in der Wiener Innenstadt gestaltet wurden, spricht für sie. Dass sowohl beim Topazz, als auch bei dessen Schwesternhaus Lamée gegenüber der Umweltgedanke zählt, habe ich nur durch Zufall herausgefunden: Im Rahmen der heurigen ERDGespräche nämlich wurden einige Vortragende dort – kostenlos – beherbergt. Das „Tu-Gutes-und-rede-darüber“-Modell steckt hier erst in den Startlöchern…

Das Lamee spielt mit dem Stil der 30er Jahre. Foto: Doris

Das Lamée spielt mit dem Stil der 30er Jahre.

„Neben dem einzigartigen Design ist Nachhaltigkeit ein weiterer Schwerpunkt von uns.“, erklärt mir Geschäftsleiterin Christiane Weissenborn, die ihren Job in der Immobilienbranche „nebenbei“ weitermacht. Vor allem ökologische, natürliche Baumaterialien wurden verwendet und beim Frühstücksbuffet wird Regionales, Selbstgemachtes wie die Müsliriegel oder Marmeladen aufgetischt, der biodynamische Wein kommt aus der unternehmenseigenen Winzerei. „Ganz selten beschwert sich ein Gast, dass es keine Ananas gibt.“, steht Weissenborn hinter ihrem Konzept, Obst saisonal anzubieten. Alles ist in Gläser und kleine, verzehrbare Portionen abgepackt und die Größe der Seife ist gerade richtig für den Durchschnittsaufenthalt der Gäste von 1,4 Tagen.

Im Topazz schläft man mit ruhigem Gewissen. Foto: Doris

Im Topazz schläft man mit ruhigem Gewissen.

Die beiden Häuser sind aber vor allem in einem einzigartig in Wien: In ihrem Mix aus Design und Niedrigenergie. Denn Heizung und Kühlung der beiden Häuser mit ihren je 32 Zimmer erfolgt über einen Brunnen, der im Topazz steht und dessen Wasser unterirdisch auch ins gegenüber liegende Lamée weitergeleitet wird. „Es ist ein etwas lahmes System,“, kennt Weissenborn nach dem ersten Jahr die Schwierigkeiten, „weil es sich langsam an die Außentemperatur anpasst, haben wir schon Kritik eingefangen. Erst wenn wir es erklären, verstehen die Gäste.“ Schon besser kommt da die Wohnraumlüftung an, die ständig Frischluft zuführt – das „Geheimnis, warum man sich so wohlfühlt“. Letzteres könnte aber auch an so liebevollen Kleinigkeiten liegen wie dem Picknick im Bett, das statt des normalen Frühstücks gern aufs Zimmer serviert wird. Korb, Porzellangeschirr und Decke inklusive.

Auch die Betreiber LENIKUS Designhotels haben große Pläne: Ein bis zwei weitere Häuser sollen noch in der Innenstadt eingerichtet werden.

Hotel Topazz bzw. Hotel Lamée: Lichtensteg 3 bzw. Rotenturmstraße 15, ab 198 Euro pro Nacht, hoteltopazz.com

 

Weitere Tipps zu einem alternativen, nachhaltigen Wien-Besuch habe ich für einfachbewusst.de geschrieben >> www.einfachbewusst.de/2013/04/nachhaltiges-reisen-wien-und-darmstadt/ 

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Same same but different: Airbnb oder das bessere CouchSurfing

Stimmengewirr überall, ich höre englische Wortfetzen – “What do you do in Vienna?” – und Hochdeutsch, vermischt mit undeutbaren Akzenten. Da bin ich richtig: Beim ersten Meet Up, zu dem…

Stimmengewirr überall, ich höre englische Wortfetzen – “What do you do in Vienna?” – und Hochdeutsch, vermischt mit undeutbaren Akzenten. Da bin ich richtig: Beim ersten Meet Up, zu dem Airbnb* in Wien geladen hat.

“Are you a guest or a host?” Die Worte reichen, um mich sechs Jahre in die Vergangenheit zu katapultieren. Mein erster monatlicher CouchSurfing-Stammtisch. Hier wie dort: Ein bunt zusammengewürfelter Haufen Menschen, wenig organisiert, ähm “casual”, (Austro-)Englisch an jeder Ecke und Leute, die sich während des Smalltalks anfangs etwas verkrampft an ihren Getränken festhalten. Selbst die Fragen sind dieselben: Where are you coming from? Have you ever had a negative experience? Nur der Anteil an Anzugträger und der Menschen in meinem Alter (und älter) ist beim Airbnb Meet Up höher.

Die Unterkunft ist nicht entscheidend... Foto: Doris

“Die Unterkunft ist gar nicht so entscheidend, es kommt auf den Gast(geber) an.”, verrät mir Airbnb-Regionalmanager Eugen Miropolski. Er selbst hat keine Wohnung, schläft nur noch in fremden Betten und schätzt den Austausch mit Gleichgesinnten. Hätte ich einen CouchSurfer gefragt, hätte mir der wohl nichts anderes gesagt.

Meine Couch und Freunde. Foto: Doris

Oder vielleicht doch! Denn in den letzten Jahren ist mein geliebtes CouchSurfing ziemlich verkommen. Nein, es ist leider nicht mehr das, was ich 2007 kennen gelernt habe: Damals konnte ich bei keiner Anfrage Nein sagen. Zu interessant klangen die Leute, die dahinter steckten. Und sie klangen nicht nur so: Viele meiner Gäste und Gastgeber sind heute meine Freunde. Wir besuchen uns, treffen uns, sind da für einander – auch wenn wir unzählbare Kilometer voneinander entfernt leben.

Wir treffen uns, reisen miteinander... Foto: Doris

Was früher Regel war, ist heute die Ausnahme. Mittlerweile ärgere ich mich des Öfteren über CouchSurfing: Wenn ich Anfragen für mein Sofa in Wien bekomme, obwohl ich mich seit Monaten in Bogotá einlogge. Wenn mich 18-Jährige anschreiben, die “einkaufen und Party machen” als liebste Hobbys auflisten (Mh, Gesprächsthema!?). Oder wenn ich Zusagen habe, und in der Fremde vom vermeintlichen Host jede Spur fehlt. Von der Plattform selbst will ich gar nicht anfangen: Daten werden weiter gegeben, Strukturen mehr gegen, als für den User geschaffen, und und und. Wenn “oben” so viel Blödsinn passiert, wie soll es “unten” anders sein?

Auch CouchSurfing: Die Menschen, mit denen man dann etwas unternimmt - wie hier Radeln in der Wachau. Foto: Doris

Ist da Airbnb das bessere CouchSurfing? Vielleicht, denn…

… diejenigen, die sich das gratis Sofaübernachten bisher nicht getraut haben, bekommen ihre Sicherheit durch die Bezahlung – und seien es bloß zehn bis 15 Euro pro Nacht.

… für diejenigen, die kostenlos mit wertlos gleichsetzen, erhält die Übernachtung mehr Qualität und wird – hoffentlich – dementsprechend behandelt. Weil etwas das kostet, ist etwas wert!

… diejenigen, die gerne mit der lokalen Kultur und Einheimischen in Kontakt kommen, denen ist das “Wohnen bei Freunden zuhause” allemal einige Euro wert. Vor allem, weil private Übernachtungen meist günstiger als Hotels sind, aber einen gehörigen Mehrwert verschaffen – wer es schon einmal getan hat, weiß, wovon ich spreche.

Und dann ist da noch etwas: “Anders als bei CouchSurfing habe ich bei Airbnb das Gefühl, dass ich mich sehr wohl zurückziehen kann, wann ich will. Ich habe ja bezahlt.”, bringt Anna-Zoe, ihres Zeichens eine der Organisatorinnen des Airbnb Meet Ups, den Unterschied gut auf den Punkt. Ja, die Abgrenzung zwischen Gast und GastgeberIn wird durch Geldtausch leichter möglich, und das braucht man manchmal, gerade auf längeren Reisen. Anna-Zoe muss es wissen: Sie ist nicht nur seit zwei Jahren bei Airbnb tätig, sondern auch aktive CouchSurferin.

CouchSurfing kann durchaus luxuriös sein. Foto: Doris

Und ich, ich werde wohl auch beides weitermachen – und daneben noch einige andere Gratis-Alternativen probieren. Gerade habe ich übrigens eine Nachricht von einer CouchSurferin bekommen – wir gehen morgen hier in Dresden etwas trinken. Nein, so ganz aufgeben möchte ich CouchSurfing (und den Glauben an das Gute) dann doch nicht…

 

*Airbnb ist ein Community-Marktplatz für weltweite Buchung und Vermietung von Unterkünften.

Die häufigsten Fragen beim Airbnb Meet Up in Wien waren:

Q: Seit wann gibt es Airbnb?
A: Seit 2008. Es wurde von drei Freunden in San Francisco gegründet – einer davon, Brian, hat übrigens auch mehrere Monate ausschließlich via Airbnb gelebt. Die meisten Anwendungen entstanden aufgrund seiner eigenen Erfahrungen.

Q: Gibt es Airbnb in Österreich?
A: Es gab kurz ein Büro in Österreich, das wieder aufgelöst wurde. Derzeit wird Österreich von Deutschland aus (Hamburg, Berlin) betreut.

Q: Wie viele Wohnungen werden derzeit in Wien vermietet?
A: 2012 wurden nur zwei Wohnungen angeboten, 2013 waren es schon um die 1.200.

Q: Was ist der Unterschied zu anderen Unterkunft-Anbietern?
A: Der Community-Gedanke und dass Airbnb aufgrund seiner Größe (vertreten in 34.183 Städten in 192 Ländern) eine entsprechende Auswahl anbietet, meint Eugen Miropolski. Für Anna-Zoe wiederum sind es die Menschen: „Ich habe weder im Büro noch auf meinen Reisen – bei Gastgebern oder Gästen – unsympathische Menschen kennen gelernt.“

Ob und welcher Unterschied zu Roomsurfer & Co besteht, das muss jede(r) selbst für sich herausfinden. Ich habe Airbnb deshalb gewählt, weil für mich das Konzept der Community samt Nachbarschaftssystem (siehe nächste Frage) am Sympathischsten war.

Q: Was hat es mit dem Nachbarschaftssystem auf sich?
A: In einigen Städten wie zum Beispiel gibt es auf der Website de.airbnb.com/locations Ausgeh- und Lokal-Tipps für die Nachbarschaft der Wohnung.

Q: Sind die Wohnungen, in denen Gäste beherbergt werden, bewohnt?
A: Ja und Nein. Es gibt bei Airbnb nämlich alles: Leute, die “MitbewohnerInnen” auf (kurze) Zeit aufnehmen oder ganze Wohnungen vermieten – weil die Kinder weg sind, weil sie selbst auf Reisen sind oder einfach mehrere zur Verfügung haben. Ja, es muss noch nicht einmal ein eigenes Zimmer sein, das man vermietet – auch eine Couch kann angeboten werden (solange es so natürlich auch klar beschrieben und ausgewiesen ist).

Q: Ist Airbnb ein Zusatzeinkommen?
A: Ja, für die meisten Gastgeber ist es tatsächlich eine Geldquelle. Allerdings besteht auch die Möglichkeit als Gastgeber via Airbnb den gesamten Ertrag zu spenden. “Das macht aber kaum jemand.”, meint Anna-Zoe.

Q: Werden die Wohnungen von Airbnb kontrolliert?
A: Nein, jede(r) kann seine Wohnung, seine Couch usw. zu Verfügung stellen. Wichtig ist, dass die Beschreibung der Wahrheit entspricht. Wer diese Regel nicht einhält, büßt ohnehin, denn er wird vermutlich negativ bewertet werden und dann keine Gäste mehr erhalten. Das System ist übrigens in jedem Land gleich.

Q: Wer macht die Fotos von den Wohnungen?
A: Airbnb arbeitet mit rund 3.000 Fotografen in aller Welt zusammen, die auf Bestellung kostenlos zum Gastgeber kommen, um professionelle Fotos zu machen. Das ist eine Option, muss aber nicht sein – doch bessere Fotos bringen natürlich mehr Gäste.

Q: Wie funktioniert die Bezahlung?
A: Der Gast überweist an Airbnb, dort wird das Geld bis 24 Stunden nach dem Einzug der Gäste behalten und erst dann dem Gastgeber überwiesen. Das garantiert, dass der Gast schon im Haus ist, sich von der Richtigkeit der Angaben überzeugen konnte und keinen Einspruch eingelegt hat.

Q: Gibt es eine 24 Stunden Hotline – und wofür?
A: Ja, es gibt eine 24 Stunden Service Hotline, allerdings nur in den USA. In Europa ist das Service nur an Werktagen besetzt. Es ist notwendig, um zum Beispiel anzurufen, wenn der Gast nicht erscheint und man ihn/sie auch nicht erreichen kann. Dann übernimmt Airbnb die weitere Kontaktaufnahme und Klärung.

Q: Darf man sich mit anderen AnbieterInnen austauschen?
A: Ja, die Community wird gefördert: Meet Ups wie dieses in Wien werden in anderen Städten wie Berlin wöchentlich veranstaltet. Weiters überlegt Airbnb laut Anna-Zoe, eine Art Liste aufzustellen, in der alle Wohnungen, die ähnliche Kriterien erfüllen wie die eigene (zum Beispiel für Familien geeignet, in einer bestimmten Gegend, preislich ähnlich) verfügbar sind, damit sich Gastgeber bei Überbuchung mit einem anderen potenziellen Gastgeber kurz schließen können oder Schlüsselübergaben besser verwaltet werden können.

Q: Wer darf zu den Meet Ups kommen?
A: Jede(r), der/die sich für Airbnb interessiert. Das können Gastgeber oder Gäste sein – oder solche, die eines von beiden in Zukunft sein möchten.

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