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Schlagwort: Stadtführung

Aktiv durch Rio: 5 Wege, um noch mehr ins Schwitzen zu kommen (1)

„Es gibt bei uns in Rio nur zwei Jahreszeiten: Den Sommer und die Hölle„, erklärt mir Luana von Free Walkers Rio, als wir uns nach drei Stunden Stadtspaziergang unter praller…

„Es gibt bei uns in Rio nur zwei Jahreszeiten: Den Sommer und die Hölle„, erklärt mir Luana von Free Walkers Rio, als wir uns nach drei Stunden Stadtspaziergang unter praller Sonne eine Pause gönnen. Im Sommer – also eigentlich unserem Sommer und deren Winter – hat es angenehme 25 Grad. Zurzeit aber treibt es das Thermometer schon ab und an auf um die 40 Grad hinauf. In höllische Hitzen also!

Weil Schwitzen da ohnehin zum guten Ton gehört, habe ich mich von den Temperaturen nicht davon abhalten lassen, Rio aktiv zu entdecken. Hier sind ein paar meiner liebsten Touren, die ich buchstäblich wärmstens empfehlen kann – auch bei 35 Grad im Schatten:

1. Free Walkers Tour

Wer hätte gedacht, dass in Rio de Janeiro erst seit 8 Monaten eine Stadtführung auf Spendenbasis angeboten wird. Mittlerweile gibt es aber sogar zwei Versionen davon. Ich war mit dem Original unterwegs: Luana hat gemeinsam mit zwei anderen Business-Studentinnen die rot-be-T-Shirten Free Walkers gegründet, nachdem sie die Idee während ihres Irland-Studienaufenthalts kennen & lieben gelernt und flugs nach Brasilien exportiert hat. So erfolgreich, dass sich eine frühere Mitarbeiterin vor zwei Monaten ebenfalls mit einer sehr ähnlichen Tour selbstständig gemacht hat.

Um die drei Stunden dauert die Stadtführung durch die Viertel Centro und Lapa. Zum Abschluss kann man noch gemeinsam eine typische Feijoada essen gehen. Ob es sich dabei wirklich um die „billigste Feijoada in Lapa“ handelt, wage ich bei dem Sonderpreis von 28 statt 32 Reais (inkl. Wasser, O-Saft oder Caipi) zu bezweifeln, aber gut.

Die vegetarische Variante der Feijoada hat mich nicht vom Hocker gerissen, die Tour aber in jedem Fall. Treffpunkt: Täglich außer Sonntags um 10.30 Uhr bei der Metro-Station Carioca.

2. Wanderung zum Zuckerhut

Auf den 395 m hohen Zuckerhut „muss“ man einfach, wenn man in Rio de Janeiro ist: Wer kein Climber ist, für den gibt es nur die Variante, mit der Gondel rauf auf den Berg zu kommen (Ticket: teure 62 Reais). Allerdings kann man auch auf einem schattigen Waldweg zumindest bis zur Mittelstation hinauf wanden. Der Hike dauert ca. 30 Minuten, bietet schöne Ausblicke und eventuell entdeckt man sogar ein paar Affen in den Bäumen über sich.

Bis vor einem Monat gab es auf der Mittelstation noch einen Ticketverkauf, wo man Karten für die Gondel günstiger kaufen konnte. Das wurde jetzt leider sang- und klanglos abgeschafft! Wer nicht, wie ich, wieder per Fußweg zurück zur Talstation geschickt werden möchte, um dann nochmals mit der Gondel zum Gipfel zu gelangen, der besorgt sich am besten gleich unten ein Ticket. Nicht gerade sehr klug, das Ganze, aber so ist es nunmal.

Wer sich bergauf nicht antun möchte, der kann auch einfach nur den Fahrrad-Weg entlang etwas spazieren.
Und noch ein Tipp: Wer am späteren Nachmittag hinauf wandert, der kann nach 19.00 Uhr auch kostenlos mit der Gondel zurückfahren.

3. Radtour um die Lagoa

Lagoa ist nicht nur ein Stadtteil in Rio, sondern auch die Kurzform der Rodrigo de Friedas Lagune. Sieben Kilometer führt ein Rad- und Fußgängerweg rund ums Wasser – immer unter dem wachsamen Auge des Christus, denn das Monument Cristo Redentor auf dem Berg Corcovado ist von hier aus ständig über einem zu sehen. Die Radtour selbst ist wegen des asphaltierten Wegs entspannt und doch vielfältig, sieht man doch immer wieder Neues: Vögel im Wasser, andere Fußgänger oder Radfahrer, Tretboote, einige Stände mit Kokusnuss-Verkäufern und… vielleicht sogar die berühmten Wasserschweine.
Die Radtour lässt sich übrigens von der Lagoa auch entlang der Strände Copacabana und Ipanema fortführen. Und da gibt´s dann ebenfalls einiges zu sehen, wir sind ja in Rio 😀

Wer nicht das Glück hat, von Freunden ein Rad zu bekommen, kann sich eines der orangen Fahrräder ausborgen, die in Rio an vielen Orten vermietet werden. Ich habe es selbst nicht probiert (ich hatte ja ein Fahrrad), aber hier könnt Ihr nachlesen, wie es funktioniert: http://www.oi-rio.com/rioapartments/de/aktivitaeten-und-freizeit-in-rio-de-janeiro/erholung/fahrrad-mieten.html

 

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Von Hochverrat bis Abtreibung: Protestwandern im Wiener Stil

„Suchen Sie etwas?“ Ich traue mich gar nicht, mich umzudrehen: Die Frage hört sich alles andere als einladend an. Ich stehe hier in einem Hinterhof eines Wohngebäudes im 4. Wiener…

„Suchen Sie etwas?“ Ich traue mich gar nicht, mich umzudrehen: Die Frage hört sich alles andere als einladend an. Ich stehe hier in einem Hinterhof eines Wohngebäudes im 4. Wiener Gemeindebezirk und fühle mich instinktiv wie ein Eindringling. Nach dem Tonfall zu urteilen offensichtlich zu Recht. „Ist das der Eingang zum Planquadrat?“, ich versuche so selbstbewusst zu klingen wie möglich und deute auf eine versperrte Gittertür im Hof. „Wie kommen Sie hier überhaupt herein?“, geht die Fragestunde weiter, wobei sich die Stimme jetzt eher neugierig als gestört anhört, „das ist nur der Eingang für die BewohnerInnen des Hauses. Das offizielle Tor finden Sie zwei Häuser weiter.“ Tatsächlich: Grün und fett leuchtet das Schild „Planquadrat“ über der großen Tür bei Margaretenstraße Nummer 28. Wie ich das übersehen konnte ist und bleibt mir ein Rätsel. Genauso wie ich daran die letzten Jahre vorbei laufen konnte. Schließlich bin ich hier in meiner Wiener Nachbarschaft.

Zwei Männer sind in ihr Tischtennisspiel vertieft, ein anderer läuft seinem Kleinen hinterher, der offenbar gerade die Freude am Tretroller entdeckt hat; Mütter backen mit ihren Kindern Sandkuchen und ein älterer Herr liest genüsslich auf der Bank seine Zeitung – die Grünfläche im 4. Bezirk scheint ein hundsordinärer Wiener Park zu sein. Der Eindruck täuscht! Gegründet 1977 ist das Planquadrat der einzig öffentlich zugängliche Park in Wien, der – Achtung, jetzt kommt´s – von einem privaten Verein geführt wird. Schuld daran sind die beiden Filmemacher Helmut Voitl und Elisabeth Guggenberger, die für eine TV-Show über die Probleme der Stadtenwicklung mit Menschen darüber gesprochen haben, wie sie ihre Umgebung gestalten könnten. Offensichtlich mit nachhaltiger Wirkung: Daraus entstand nämlich der Park, der seither von den Mitgliedern des Vereins verwaltet wird. Und die kümmern sich nicht nur um die alltäglichen Reparaturen oder Gartenarbeiten, sondern organisieren auch ein Sommerfest und vieles mehr – wie es sich für einen Park eben gehört.

Seit 1977 wird das Planquadrat im 4. Bezirk privat geführt, ist aber ein öffentlicher Park. Foto: Doris

Seit 1977 wird das Planquadrat im 4. Bezirk privat geführt, ist aber ein öffentlicher Park. Foto: Doris

Warum ich das alles weiß? Das Planquadrat ist eine von zwölf aktuellen Stationen des Ersten Wiener Protestwanderwegs – und auf dem bin ich heute unterwegs. Wobei es ja kein richtiger Wanderweg mit Anfang und Ziel ist, dafür liegen die Orte zu weit auseinander. Vom Touri-Magneten Stephansdom bis zum unabhängigen Kulturzentrum Arena, vom Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch (!) bis hin zur Stopfenreuther Au, wo man in den 80er Jahren erfolgreich gegen ein Wasserkraftwerk protestiert hat – in einem Tag kann man die alle unmöglich abmarschieren. Darum geht es auch nicht.

Screenshot der aktuell 12 Stationen des Protestwanderwegs.

Screenshot der aktuell 12 Stationen des Protestwanderwegs.

Gegründet vom Zentrum Polis und dem Autor Martin Auer will der Protestwanderweg, nicht zum Wandern bringen, sondern dazu, Wien neu und anders kennen zu lernen. Vor allem SchülerInnen der Oberstufen will das Projekt ansprechen, steht aber allen Interessierten offen. „Wir möchten Menschen zum Nachdenken anregen“, erzählt mir die Initiatorin Patricia Hladschik, „wir gehen manchmal jahrelang an Orten der Stadt vorbei, ohne zu wissen, welche Geschichte dahinter steckt.“ Ertappt! Ich bin bisher nicht nur am Planquadrat vorbei gelaufen, sondern hatte auch keine Ahnung, dass das Wiener Parlament durch eine Revolution entstanden ist…

Der QR Code sollte auf der Wand des Parlaments angebracht werden. Foto: Doris

Der QR Code sollte auf der Wand des Parlaments angebracht werden. Foto: Doris

„Die Stationen zeigen den Kampf um mehr Gerechtigkeit sowie um Demokratie und Menschenrechte für alle auf“, beschreibt Hladschik die Vielfalt der Orte, „ohne Menschen, die sich engagieren, wäre ja zivilisatorischer Fortschritt nicht möglich.“ Von der Verteilung von Flugblättern bis zur Revolution, von Streiks bis zur Verschwörung – die Formen von Protest sind so vielfältig wie die Stationen selbst. Was an jeder Einzelnen von diesen geschehen ist, erfährt man als ProtestwandererIn (ein schönes Wort, oder?!) direkt vor Ort: Auf Informationstafeln, die mit einem QR Code versehen sind. Einmal das Handy über den mobilen Tag halten – und schon kommt man auf weitere Infos in Text, Audio und Video.

Oh, ein QR Code - leider aber der Falsche. Foto: Doris

Oh, ein QR Code – leider aber der Falsche. Foto: Doris

So der Plan! Leider habe ich nämlich auf meinen Stationen des Protestwanderwegs wenig Glück: Beim Verhütungsmuseum, das für den Kampf um die Beseitigung des Abtreibungsverbots in Österreich steht, entdecke ich zwar gleich einen Aufkleber mit Code. Allein es ist der Falsche. Im Parlament erklärt man mir, dass „irgendwo an der Außenwand“ das Aufhängen der Informationstafel geplant ist – aber meine Suche bleibt vergeblich.

QR Codes und die Tafeln sind derzeit noch nicht an allen Stationen angebracht - eigentlich hab ich sie nur an einem Ort gefunden. Foto: Doris

QR Codes und die Tafeln sind derzeit noch nicht an allen Stationen angebracht – eigentlich hab ich sie nur an einem Ort gefunden. Foto: Doris

Fündig werde ich dann ENDLICH beim Café Hebenstreit und erfahre dort, dass das Kaffeehaus an einen gewissen Franz Hebenstreit erinnert, der mit anderen 1794 in Wien zum Tod verurteilt wurde. Weil er sich für eine demokratische Staatsform eingesetzt hatte! Bei allen anderen Orten bleibe ich aber ebenso wenig unwissend, schließlich sind „alle Stationen schon online zugänglich“, so Patricia Hladschik, „aber es hängen noch nicht alle Tafeln – und die Station am Stephansplatz ist gar nicht mit einer Tafel markiert, weil das dort nicht möglich ist.“ Wie gut, dass der Protestwanderweg dafür die Orte auf einer Google Maps markiert hat – damit finde ich das Symbol der Widerstandsbewegung O5 von 1945 ganz einfach.

Daran geht bald einmal jemand vorbei, am O5 Symbol am Stephansdom. Foto: Doris

Daran geht bald einmal jemand vorbei, am O5 Symbol am Stephansdom. Foto: Doris

Nicht, dass die verglaste Aufschrift gleich neben dem Haupteingang des Stephansdom so unauffällig wäre. Aber wie oft ich (und andere) normalerweise daran – wie am Planquadrat auch – einfach vorbei laufen, das ist eine andere Geschichte…

Auf mein Feedback, dass die Informationstafeln – so sie hängen – nicht einfach zu finden sind, wurde auch gleich reagiert: Mittlerweile ist der genaue Ort im Begleitheft vermerkt – sowas nenne ich schnell! Mehr zum Projekt: www.protestwanderweg.at

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Mein Abtauchen in die Wiener Unterwelt…

Bling! „Kellertour morgen, 23. März findet statt. 19 Uhr Haupteingang Stephansdom. Dauer: ca. zwei bis zweieinhalb Stunden. Beste Grüße, Peter van der Unterwelt“. Die SMS kam unvorbereitet. Unverhofft. Schließlich hatten wir…

Bling! „Kellertour morgen, 23. März findet statt. 19 Uhr Haupteingang Stephansdom. Dauer: ca. zwei bis zweieinhalb Stunden. Beste Grüße, Peter van der Unterwelt“. Die SMS kam unvorbereitet. Unverhofft. Schließlich hatten wir – gleichnamiger Herr der Unterwelt und ich – seit ungefähr sechs Monaten Kontakt. Genauso lange haben wir versucht, einen gemeinsamen Termin zu finden, an dem ich ihn ins unterirdische Wien begleiten kann. Jedesmal aber, wenn ich in „meiner“ Stadt war, wurde die Tour aufgrund zu geringer Teilnehmeranzahl abgesagt. Und jedesmal, wenn genügend Leute aufgetrieben waren, war ich garantiert nicht in Wien. Aber jetzt…

Dabei bin ich schon einmal hinab gestiegen, in die Kanalisation – damals, im Sommer.

Am Wienfluss befindet sich das längste Kanalisationssystem der Welt. Foto: Doris

Am Wienfluss befindet sich das längste Kanalisationssystem der Welt.

Wir waren eindeutig nicht die Ersten, die sich nach unten getraut haben - spätestens jetzt ist das klar. Foto: Doris

Wir waren eindeutig nicht die Ersten, die sich nach unten getraut haben – spätestens jetzt ist das klar.

Lauf, lauf! Wenn dich die Führer der offiziellen 3.-Mann-Tour entdecken, drohen die mit Polizei:. Foto: Doris

Lauf, lauf! Wenn dich die Führer der offiziellen Dritter-Mann-Tour entdecken, drohen die mit Polizei.

... so geschehen, denn die 3. Mann-Tour ist da drinnen gewesen. Foto: Doris

So geschehen, denn die Dritter-Mann-Tour ist da drinnen gewesen.

Ein Licht am Ende des Tunnels. Foto: Doris

Ein Licht am Ende des Tunnels.

... herausgekommen sind wir wie die früheren Fackeltouren auch am Naschmarkt. Foto: Doris

Herausgekommen sind wir wie die früheren Fackeltouren auch am Naschmarkt.

Schaut gar nicht so schlimm aus, oder?! Es täuscht. Natürlich bin ich auch wieder einmal hingefallen... im Dreck. Foto: Doris

Schaut gar nicht so schlimm aus, oder? Es täuscht. Natürlich bin ich auch wieder einmal hingefallen… in den Dreck.

Auch wenn wir weder von Ratten attackiert noch von Wasserfluten überwältigt wurden, vor Nachahmung sei natürlich gewarnt, schließlich ist das Abtauchen in die Wiener Unterwelt nicht ganz legal. „Jeder Andere darf da unten herumgehen, nur wenn sie mich entdecken, dann passiert etwas.“, erklärt uns zwar Peter van der Unterwelt später frustriert, aber ob ich das glauben soll?

INoch oberirdisch erklärt Peter uns 21 die Unterwelt. Foto: Doris

Noch oberirdisch erklärt Peter uns 21 TeilnehmerInnen die Unterwelt.

Dabei war vor einigen Jahren noch alles ganz anders: Damals als Peter, ein ehemaliger bautechnischer Zeichner, seine Liebe zum unterirdischen Wien entdeckt und Zigtausende durch den Wienflusstunnel, das europaweit größte unterirdische Areal inmitten einer Metropole, geführt hat. Die Fackeltouren haben ab dem Jahr 1998 für Aufsehen gesorgt – US-amerikanische Manager haben sich genauso von „Larry Hime“, wie sich Peter damals gern in Anlehnung an den Film „Der dritte Mann“ genannt hat, herum führen lassen wie unzählige Partygäste die unterirdische Feste mit spektakulären Feuershows und Co zelebriert haben. Bis zu 450 Personen wurden jeden Donnerstag und Samstag durch die Kanalisation geführt und erhielten den Beweis, dass Wien auch unterirdisch durchaus etwas zu bieten hat. Acht Jahre lang. Alles völlig legal, bis…

Alte Schilder und Beschriftungen in den Kellner geben Zeugnis alter Zeit. Foto: Doris

Alte Schilder und Beschriftungen in den Kellern geben Zeugnis alter Zeit.

Ja, bis ein seltsamer Krieg begonnen hat. Der zwischen der Stadt Wien nämlich und Peter Ryborz sowie seinem Unterwelt-Verein. Davon will ich aber gar nicht erzählen, schließlich kann man genug auf der Website darüber lesen – und auch wer die Kellertour macht, wird darüber – gewollt oder ungewollt – so einiges erfahren. Schließlich kämpft Peter weiter. Unbeirrt. Statt auf Fackeltouren durch die Kanalsysteme bringt er jetzt eben Interessierte – meist, wie in unserer Gruppe, sind es WienerInnen – in zwei versteckte Keller, wie sie unter jedem Wiener Innenstadthaus zu finden sind und Zeugnis vergangener Zeit darlegen. Bis 1952 waren die Häuser durch die Keller miteinander verbunden, Bunker und Schutzwege führten von einem Gebäude zum nächsten. Heute bleiben davon bloß alte Gemäuer, verbleichte Beschriftungen, veraltete Feuerlöscher… und natürlich Peters Geschichten.

Bücher, CDs, die Website - Peter informiert gern über "seine" Unterwelt. Foto: Doris

Bücher, CDs, die Website – Peter informiert gern über „seine“ Unterwelt.

Die wird er weiter erzählen – genauso wie die von den Fackeltouren. Jede Kellerführung endet mit einer rund 30-minütigen Rückschau auf die „gute alte Zeit“, in der das unterirdische Wien weltweit zu Ruhm gekommen ist.  Und auch wenn die actionreichen Kanaltouren – samt olfaktorischem Erleben – den geschichtlich informativen Kellertouren weichen mussten, bleibt Peter der Unterwelt in jedem Fall erhalten. Die nächsten Ideen und Projekte sind schon in Planung und so einige Male im Jahr besichtigt der Verein auch die alten Tunnel. Alles im Zuge der Recherche und Prüfung natürlich. Wer Peter und seine Untermänner auf diesen Erkundungstouren „unterstützen“ möchte, schreibe ein Mail: buero@unterwelt.at

 

Eine Kellertour „Keller & Co“, die in unserem Fall von 19 bis 21.30 Uhr gedauert hat, kostet 15 Euro (inkl. Rattenschnaps). Sie findet normalerweise Donnerstags und Samstags statt, Treffpunkt vor dem Stephansdom. Nähere Infos und Termine unter: unterwelt.at Anmeldung erforderlich!

Das Buch von Peter Rybarz und Co, „Unter Wien. Auf den Spuren des Dritten Mannes durch Kanäle, Grüfte und Kasematten“, ist seit Jahren vergriffen. Manchmal ergattert man ein Buch auf ebayZVAB.deAbeBooks.deJustbooks.de oder Booklooker.de

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Mit grüner Brille durch Berlin

Sieht gemütlich aus, der Kaffeeklatsch: Auf zwei Gartenstühlen sitzen sie, die zwei Frauen, die Zigarette in der Hand und wegen der frostigen Herbsttemperaturen in mehrere Schichten eingepackt. Auf der anderen Seite…

Sieht gemütlich aus, der Kaffeeklatsch: Auf zwei Gartenstühlen sitzen sie, die zwei Frauen, die Zigarette in der Hand und wegen der frostigen Herbsttemperaturen in mehrere Schichten eingepackt. Auf der anderen Seite sind zwei Hipster mit einer Runde Tischfußball genauso beschäftigt wie der eine, der hier sein hoffentlich noch warmes Mittagessen mehr in sich hinein schaufelt als genießt.

Irgendwie beschleicht mich aber das dumpfe Gefühl, als Schaulustige mit Kamera bewaffnet zu stören, in diesem grünen Alltagsidyll mitten in der Stadt, umringt von Pflanzenstauden, Kräutern und Blumengewirr, von etwas angegriffenen Gemüsebeeten und Erdsäcken. Doch er darf auf keiner Tour durchs nachhaltige Berlin fehlen, der Prinzessinnengarten*.

Das hat sich wohl auch unser Guide Katharina gedacht, die uns im Rahmen einer Pressereise durch Kreuzberg, über den Morizplatz und die Oranienstraße führt. Gemeinsam mit der GoArt-Chefin Miriam Bers hat sie die „Green Design Tours“ initiiert, um „Berlins kreative, ökologische, faire, eben nachhaltige Lifestyle-Seiten erlebbar zu machen.“, wie es auf der Website heißt.

„Was, stehen wir jetzt schon im Stadtführer?“, freut sich Christoph, einer der Gründer des Co-Workings-Spaces betahaus, als wir ihm zufällig vor der Haustür begegnen. Was wie ein Café aussieht, lädt Kreative zum stunden-/tage-/monatsweisen Arbeiten an neuen – nachhaltigen (?) – Projekten ein. Hinten gibt es außerdem eine Werkstatt und natürlich „richtige Büros“.

Teil der Tour ist auch eine Fahrt zu einer besonders riesigen grünen Seite Berlins: Zum Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof, wo mittlerweile der größte Park der Stadt zum Erskaten, Erlaufen, Erradeln, Ergärtnern oder anderem Erleben einlädt.

Und sonst? Ein paar Ökoläden, ein „grünes“ Papiergeschäft, ein Eckladen für Bio-Küche… wirklich spannende Projekte zeigt der rund dreistündige Spaziergang kaum. Ob es daran liegt, dass in Berlin alles weiter verstreut ist und die Wege zu lang für eine zeitlich befristete Tour sind? Oder vielleicht wären wir mit einer „Creative sustainability tour“ von ID22 besser beraten gewesen? Oder waren wir schlicht und einfach zur falschen Zeit am falschen Ort? Ich fand es jedenfalls schade, hat doch die deutsche Bundeshauptstadt, die sich mit Extremen wie „grünste, Auto freiste Stadt, Radfahrparadies“ nur so überschlägt, garantiert mehr zu bieten. Das verspricht zumindest die 15-seitige (!) Information, die uns visitBerlin mitgegeben hat.

Einen Apfelstrudel in Deutschlands erstem klimaneutralen Restaurant kosten, in einem der 30 individuell von KünstlerInnen gestalteten Zimmer des ersten Bio-Hotels der Stadt übernachten, das Kultur- und Sozialzentrum ufaFabrik besuchen, dessen Energie aus Blockheizkraftwerken gewonnen wird, mit einem Solar-Hausboot die Wasserwege entlang schippern: Berlin sieht mich jedenfalls (nicht nur deshalb) wieder! Vielleicht schon um den 17./ 18. November zur „ersten Verbrauchermesse rund um den nachhaltigen Genuss, Konsum und energieeffizienten Technik“, dem 5. Berliner Heldenmarkt im Postbahnhof.

*Seit 2009 belebt das mehrfach ausgezeichnete Ökolandbau- und Community-Projekt Prinzessinnengarten die Nachbarschaft des prekären Viertels Kreuzberg und zeigt, wie die Städte der Zukunft gestaltet und wie Menschen integriert werden können.

 

Eingeladen von Deutsche Zentrale für Tourismus in Kooperation mit Tourismus Marketing Brandenburg, Fly Niki und visitBerlin durfte ich einige Tage in Brandenburg und Berlin verbringen. Herzlichen Dank dafür! Die Meinungen und Ansichten in dieser Geschichte bleiben meine Eigenen. 

Nähere Infos zum Reisen in Berlin findet ihr hier: visitBerlin

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