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Schlagwort: Saisonalität

Wie nachhaltig ist der Konsum von exotischen Früchten?

Bananen, Kiwis, Ananas, Mangos, Kakis und weitere Tropenfrüchte gehören heute zum Standardsortiment jedes Supermarktes. Die süßen Früchte sind beliebt, gesund und eine willkommene Abwechslung zu Äpfeln und Birnen. Besonders Veganer…

Bananen, Kiwis, Ananas, Mangos, Kakis und weitere Tropenfrüchte gehören heute zum Standardsortiment jedes Supermarktes. Die süßen Früchte sind beliebt, gesund und eine willkommene Abwechslung zu Äpfeln und Birnen. Besonders Veganer essen teilweise sehr viel Obst, darunter auch die süßen Exoten. Eine vegane Lebensweise wird oftmals mit einer großen Entlastung für die Umwelt gleichgesetzt. Doch ist das wirklich so, wenn exotische Früchte regelmäßig auf den Teller kommen? Schließlich reisen sie von weit her zu uns und der Transport verursacht CO2-Ausstoß.

Die Saisonalität

Die Antwort auf die Frage ist nicht ganz simpel. Viele Faktoren spielen hierbei eine Rolle. Zunächst einmal ist nicht jede Tropenfrucht gleich. Während Bananen, Papayas, Mangos, Ananas, Passionsfrüchte und Kokosnüsse ganzjährig Saison haben, wachsen andere exotische Früchte nur in bestimmten Perioden im Jahr. Dazu gehören beispielsweise Wassermelonen, Orangen, Mandarinen und Kiwis. Trotzdem sind Früchte dieser letzteren Kategorie oftmals das ganze Jahr über im Handel erhältlich. Das liegt daran, dass sie zu verschiedenen Zeiten im Jahr aus anderen Regionen stammen. Während die Wassermelone in den Sommermonaten beispielsweise in der relativ nahen Türkei angebaut wird, importiert man sie in Wintermonaten aus Südamerika. Dieser Obstsaison-Kalender hilft beim saisonalen Einkauf von heimischen und exotischen Früchten. Der Kalender zeigt auch, dass man einige Früchte zwar ganzjährig importieren kann, diese dann aber aus anderen Ländern kommen. Mit diesen Informationen kann man exotische Früchte in der Zeit kaufen, in der sie aus näheren Ländern importiert werden können. Hilfreich ist übrigens auch, auf die Saison der regionalen Obstsorten zu achten. So kann ein deutscher Apfel, der über Monate im Kühlhaus gelagert wurde, eine schlechtere Klimabilanz haben, als eine Wassermelone, die gerade Saison in der Türkei hat oder gar ein Apfel aus Chile. Auch geheizte Gewächshäuser sorgen für eine negative Bilanz.

Das Transportmittel

Neben der Länge des Transportweges gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie die bunten Tropenschätze ihren Weg zu uns finden: Per Schiff oder per Flugzeug. Da die Schiffsfracht weniger CO2-Emissionen verursacht als das Flugzeug, hat es auf den ersten Blick den Anschein, dass der Flugtransport wesentlich umweltschädlicher ist. Allerdings ist das nicht der einzige Schadstoff, der beim Vergleich zwischen Schiff und Flugzeug relevant ist.

Schiffe werden in der Regel mit Schweröl betrieben, das einen sehr hohen Anteil an Schwefel und toxischen Metalloxiden hat. Außerdem stoßen Schiffe eine Menge Feinstaub aus. Die Rußpartikel, Schwefel- und Stickoxide bergen nicht nur erhebliche gesundheitliche Risiken, sondern wirken sich auch sehr negativ auf die Umwelt aus. Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (Nabu) gibt an, dass jedes Jahr in Europa circa 50.000 Menschen als Folge von Schiffsemissionen vorzeitig sterben. Für die Umwelt bedeuten Schwefeloxide saurer Regen und Stickoxide eine Versauerung der Böden. Zudem fördern Rußpartikel den Klimawandel. Wenn die dunklen Partikel sich auf den Eisflächen ablagern, wird durch die dunklere Oberfläche mehr Wärme absorbiert und somit die Schmelze vorangetrieben.

Das Schiff ist damit also nicht klimafreundlicher als das Flugzeug, sondern eher schädlicher. Das liegt vor allem daran, dass im Schiffsverkehr bisher keine strengen Regelungen eingeführt worden sind. Während strikte Schadstoff-Grenzwerte für Autos und LKWs Pflicht sind, liegt der maximale Schwefelgehalt im Schifftreibstoff bei 3,5 Prozent und ist damit 3.500 mal höher als im Diesel-Benzin für Autos. Eine gute Nachricht ist, dass die Grenzwerte in den kommenden Jahren verschärft werden sollen. Ab 2015 soll der Schwefelgrenzwert in Schwefelkontrollgebieten, wozu auch Nordsee und Ostsee gehören, von 1 Prozent auf 0,1 Prozent gesenkt werden. Bis 2020 soll auch der Grenzwert in Nicht-Schwefelkontrollgebieten von 3,5 Prozent auf 0,5 Prozent gesenkt werden. Allerdings gibt es jetzt bereits weitere Maßnahmen, die die Schadstoffemissionen erheblich verringern könnten. Der Nabu fordert, dass wie oben beschrieben schwefelärmere Treibstoffe eingesetzt werden. Außerdem verlangen sie einen Stickoxid-Katalysator und einen Rußpartikelfilter. Bei Befolgung dieser drei Forderungen könnte man die Emissionen von Stickoxiden um 97 Prozent reduzieren und den von Ruß um 99 Prozent. Bisher wurden diese allerdings nicht umgesetzt.

Überseeimporte sind also im Allgemeinen nicht klimafreundlich zu bestreiten. Ob eine Obstsorte per Schiff oder Flugzeug zu uns gebracht wird, hängt oft von dem Reifeverhalten der Früchte ab. Flugobst hat den Vorteil, dass es bereits frühreif gepflückt werden kann, was relevant für Früchte ist, die nicht mehr viel nachreifen, nachdem sie geerntet wurden. Außerdem gibt es bestimmte exotische Früchte, die schnell verderben und aus diesem Grund primär mit dem Flugzeug importiert werden. Das sind beispielsweise Litschis, Baby-Bananen, Sternfrüchte, Physalis und Passionsfrüchte. Des Weiteren besteht der Irrglaube, dass sonnengereiftes Flugobst mehr Vitamine enthält und besser schmeckt als seine früher gepflückten und eingeschifften Kollegen. Diese Auffassung wurde allerdings in einer Studie der technischen Universität in Berlin widerlegt.

Früchte, die bedenkenlos nachreifen, werden oft auf dem Wasserweg zu uns gebracht. Hierzu zählen unter anderen Bananen, Papayas, Sapotillen, Kakis und Cherimoya. Andere Früchte, die kaum nachreifen – das sind unter anderem Ananas, Mangos und Rambutane – werden in der Regel eingeflogen, oder, um die Schifffahrt zu überstehen, mit einer großen Menge Fungizide behandelt. Einige Organisationen, wie die Unternehmen Tropenkost oder Kipepeo, probieren für den weiten Transportweg einen Kompromiss zu finden, indem sie für den Früchteimport nur ungenutzten Gepäckraum in Passagierflugzeugen verwenden. Damit müssen nicht extra Frachtflugzeuge für die Früchte fliegen. Das Problem an dieser Methode ist allerdings, dass mit jedem zusätzlichen Gewicht die Schadstoffemissionen des Fluges höher sind und der Umweltvorteil somit gegen Null geht. Deshalb setzt sich zum Beispiel das Unternehmen Tropenkost aktiv für Klimaschutzmaßnahmen ein, um seine Früchte klimaneutral anbieten zu können.

Vom (Super-)Markt nach Hause

Sowohl Flugzeug als auch Schiff sind aktuell keine klimafreundlichen Transportmittel. Die Umweltbilanz der gekauften Tropenfrüchte wird aber nochmals im nicht zu vernachlässigen Maß durch die persönliche Wahl des Transportmittels zum Einkaufen bestimmt. Wer mit dem Auto zum Supermarkt fährt, hat in etwa die gleichen Klimaauswirkungen verursacht, wie eine Packung Flugobst. Der Weg mit dem Fahrrad oder zu Fuß macht also einen großen Unterschied.

Monokulturen und soziale Aspekte

Wie bei anderen Produkten auch, ist der Anbau tropischer Früchte von der Problematik der Monokulturen betroffen, die keine nachhaltige Landwirtschaft zulassen. Ananas beispielsweise werden häufig auf diese Weise angebaut und mit einer großen Menge Pestizide und Insektizide behandelt. Diesen sind wir Konsumenten ausgesetzt, doch noch viel mehr das Trinkwasser vor Ort und die Menschen, die auf den Plantagen arbeiten. Neben den gesundheitlichen Problemen, sind auch die sozialen Bedingungen der Obstpflücker meist verheerend.

Um ökologische und sozial faire Konditionen zu schaffen, ist es also sehr wichtig beim Kauf von Tropenfrüchten auf fairen Handel und biologische Produkte zu achten. Der faire Handel verbessert die Lebensbedingungen der Bauern und Plantagenarbeiter, während das EG-Öko Zertifikat den Verzicht von künstlichen Düngemitteln, Fungiziden und Insektiziden verlangt. Außerdem müssen in den Anbaufeldern auch andere Pflanzen angesiedelt werden, die einer Monokultur entgegenwirken. Nature & More beispielsweise bietet Bio-Früchte an und setzt sich für nachhaltige und soziale Projekte ein, die die Produkte klimaneutral machen sollen.

Tropenfrüchte in Relation

Bedeuten diese Informationen, dass man nun am besten keine exotischen Früchte mehr kauft? Darum soll es nicht gehen, denn der Kauf der süßen Tropenschätze ist eine bedeutsame Einnahmequelle für die Bauern vor Ort, sofern die Arbeitsbedingungen fair sind. Gerade im Winter können exotische Früchte den Körper mit Vitaminen versorgen. Es ist darüber hinaus wichtig, die Umweltauswirkungen von Tropenfrüchten in Relation zu anderen Lebensmitteln zu setzen. Obst im Allgemeinen trägt nämlich bei weitem nicht so viel zu Klimaschäden bei wie Fleisch- und Milchprodukte. Neben der Belastung von Wasser und Böden erzeugt die tierische Lebensmittelindustrie wesentlich mehr Treibhausgase als der Anbau von pflanzlichen Produkten. Von den gesamten direkten Treibhausgas-Emissionen, die unsere Ernährung verursacht, werden beinahe 70 Prozent durch tierische Lebensmittel verursacht, wie eine Studie des WWF zeigt. Im Vergleich dazu ist Obst bloß für einen Anteil von 6,2 Prozent verantwortlich. Zudem entstehen durch den Anbau von Lebensmitteln indirekte Emissionen, da Landflächen in Ackerland umgewandelt werden. Auch für die indirekten Emissionen ist maßgeblich der Konsum von tierischen Produkten ursächlich.

Selbst Veganer, die regelmäßig exotische Früchte essen, haben also trotzdem einen erheblich kleineren ökologischen Fußabdruck im Bereich Lebensmittel als Fleischesser, bei denen nicht so viele exotischen Früchte auf den Teller kommen. Obst und Gemüse spielen in der Klimabilanz eine vergleichsweise sehr geringe Rolle. Dennoch bedeutet das nicht, dass man Obst ohne Bewusstsein für die Umwelt konsumieren sollte. Denn positive Auswirkungen hat die Wahl von saisonal-regionalen Obstsorten trotzdem.

Nachhaltiger Genuss

Einige einfache Regeln, zusammengefasst aus diesem Artikel, können beim nachhaltigen Konsum von exotischen Früchten helfen:

Regionalität und Saisonalität: Im Sommer gibt es regionales Obst in Hülle und Fülle, von Kirschen über Erdbeeren bis hin zu Pfirsichen und Nektarinen. Zu dieser Jahreszeit kann man also relativ gut auf exotische Früchte verzichten. In der restlichen Zeit sollte man Früchte wählen, die von ihrer Saison her gerade aus näheren Ländern importiert werden können oder im Idealfall aus dem Heimatland stammen.

Transport: Momentan scheint das Flugzeug klimafreundlicher zu sein als der Schifftransport. Im Bezug auf Verbesserung der Umstände können wir als Verbraucher Unternehmen wählen, die einen klimafreundlichen Transport unterstützen.

Weg zum Supermarkt: Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Lebensmittelladen zu fahren, wirkt sich positiv auf die Klimabilanz aus.

Bio und fair: Um Pestizidbelastung, Monokulturen und soziale Missstände zu verhindern, ist es wichtig auch beim Kauf von exotischen Früchten nach Bio- und Fair Trade-Zertifizierungen Ausschau zu halten.

Maßvoller Genuss: Zur Nachhaltigkeit gehört auch ein wenig Verzicht. Erdbeeren im Winter braucht niemand und es muss auch nicht jeden Tag eine Mango in den Smoothie kommen.

Selbst anbauen: Einige exotische Früchte können auch in unseren Breiten wachsen. Eine Kiwi im eigenen Garten garantiert ein unschlagbare Ökobilanz.

 

Quellen:
Balz, Friedrich, Pieper, Oeliger, & Rieger (2014). Luftschadstoffemissionen von Containerschiffen: Abhilfe durch saubereren Schiffsdiesel und wirksame Abgastechnik möglich – kaum Auswirkungen auf Transport- und Produktpreise. Naturschutzbung Deutschland (NABU) e.V.
Hillmer: Die Klima-Bilanz unserer Lebensmittel. Abendblatt, abgerufen von: http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article1344620/Die-Klima-Bilanz-unserer-Lebensmittel.html
Keiffenheim.“Eine einzige Flugreise nach New York belastet die Erdatmosphäre so stark wie ein Jahr Autofahren“. Greenpeace Magazin, abgerufen von: http://www.greenpeace-magazin.de/magazin/archiv/1-97/eine-einzige-flugreise-nach-new-york-belastet-die-erdatmosphaere-so-stark-wie-ein-jahr-autofahren/
Noleppa (2012). Klimawandel auf dem Teller. WWF Deutschland.
http://www.oeko-fair.de
Richtlinie des europäischen Parlaments und des Rates (2008): Zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Meeresumwelt (Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie). 164/19.
http://www.umweltnetz-schweiz.ch

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Grün im großen weißen Norden – Wychwood Farmer’s Market

Ich habe ein Ritual. Jeden Samstagmorgen stehe ich auf und laufe mit einer Freundin etwa 15 Minuten zum Wochenmarkt. Der Whychwood Farmer’s Market in Toronto hat sein Zuhause in einer…

Ich habe ein Ritual. Jeden Samstagmorgen stehe ich auf und laufe mit einer Freundin etwa 15 Minuten zum Wochenmarkt. Der Whychwood Farmer’s Market in Toronto hat sein Zuhause in einer alten Straßenbahnhalle, die heute für unterschiedliche Gemeinschaftsprojekte genutzt wird. Eines davon ist der Markt. Ein weiteres Projekt ist ein Gemeinschaftsgarten, der sich draußen neben der Halle befindet. Der Ertrag aus diesem Projekt wird unter anderem auf dem Wychwood Markt verkauft.

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Wenn wir die Halle betreten sind wir umgeben von brummendem Leben. An den beiden gegenüberliegenden Enden der Halle spielen jede Woche unterschiedliche Musiker. Ob Gitarre, Kontrabass, Hang, Geige oder Trommel – ich habe schon vieles gesehen. Große Kinderaugen blicken fasziniert auf die Instrumente oder tanzen zu der Musik. Doch die Instrumente sind nicht die einzigen Geräusche in dem emsigen Bienenstock. Man hört die Leute lachen und plaudern, hört Tofu in der Pfanne brutzeln oder den Blender einen neuen Smoothie zubereiten. Die Halle ist gefüllt mit Leben.

Für mich ist der Markt eine der besten Möglichkeiten einzukaufen. Die Produkte, die angeboten werden, sind regional und saisonal, ein Großteil biologisch. Zusätzlich ist der Einkauf dort aber auch einfach unglaublich persönlich. Jede Woche treffe ich dort dieselben Menschen und weiß, dass sie das Gemüse mit angebaut haben. Es ist eine ganz andere Begegnung mit meinen Lebensmitteln im Vergleich zur unpersönlichen Massenware im Supermarkt.

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Aber neben Grünkohl, gelben Möhren und Pastinaken gibt es hier auch fertige Speisen. Drei Backstände verkaufen Brot und Brötchen, weitere bieten Desserts an. Besonders schön ist, dass es dabei eine große vegane und rohköstliche Auswahl gibt. Außerdem werden grüne Smoothies, selbst eingelegtes Gemüse oder selbst gemachtes Apfelkompott, Kichererbsen-Tempeh und andere Leckereien angeboten. Der Markt ist also nicht nur zum Einkaufen von Gemüse, sondern auch zum Essen geeignet. Selbst wenn ich manchmal nicht viel kaufe, ist der Besuch jedes Mal ein schönes Erlebnis, weil die Atmosphäre dort so lebhaft und positiv ist. Jeden Besuch beim Wychwood Market runde ich mit einem glutenfreien und veganen Blueberry-Streusel Mini-Muffin ab. Der schmeckt wirklich magisch gut und ich nehme mir jedes Mal vor, das Geheimnis in meiner eigenen Küche zu lüften.

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Zufrieden laufen wir wieder nach Hause und freuen uns darüber, dass seit dieser Woche der Frühling auch endlich bei uns angekommen ist. Eine kleine Fahrradtour zum See beweist: Auch dieser ist mittlerweile aufgetaut.

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Vom Samen bis zur Ernte: Aussaat

Der Frühling steht vor der Tür und das bedeutet es ist Zeit mit deiner Aussaat zu beginnen. Ich werde ab jetzt in meiner Kolumne jeden Monat die Pflanzen erwähnen, die…

Der Frühling steht vor der Tür und das bedeutet es ist Zeit mit deiner Aussaat zu beginnen. Ich werde ab jetzt in meiner Kolumne jeden Monat die Pflanzen erwähnen, die du säen, anpflanzen oder an denen du wichtige Arbeiten verrichten kannst.

Hier die Liste für den März:

Gemüse:
Säen: Brokkoli, Erbsen, Möhren, Petersilie, Porree, Radieschen, Rettich, Salat, Schwarzwurzeln, Sellerie, Spinat und Zwiebeln
Pflanzen: Blumenkohl, Kohlrabi, Meerrettich, Rhabarber und Spargel

Obst:
Erdbeeren pflanzen/pflegen, Kernobst veredeln, Frühjahrspflanzung (empfindliche Obstarten) ausführen, Pflanzschnitt vornehmen, sanitären Baumschnitt durchführen, Kräuselkrankheit bekämpfen und Bodenbearbeitung bei Beerenobst durchführen

Zurück zum Thema Aussaat. Wenn wir an die Vermehrung von Pflanzen denken, dann denken wir in der Regel an Samen und jemanden, der sie großflächig über den Boden verstreut. Das Säen ist wahrscheinlich die bekannteste Methode, um Pflanzen zu vermehren und wird bei sehr vielen Arten angewandt. Es gibt natürlich noch andere Methoden, wie etwa mit Zwiebeln (Zwiebel, Knoblauch), Knollen (Kartoffel), oder mit Ablegern (Erdbeere).

Die richtige Technik

Die Technik ist denkbar einfach: Man nimmt ein paar Samen, verteilt sie auf wenigstens vier bis fünf Zentimeter hohe Erde und bedeckt sie mit einer Erdschicht, die etwa drei Mal so hoch ist wie der Samen breit. Die dünne Erdschicht sorgt dafür, dass der Wind die Samen nicht davon weht. Außerdem schützt sie vor der Sonne, denn der junge Sämling oder Keimling ist lichtempfindlich, und auch vor hungrigen Mäulern. Dann gießt man das Ganze einmal gründlich (falls du im Topf pflanzt, langsam gießen, bis das Wasser aus den Löchern an der Unterseite kommt) und sorgt dafür, dass die Erde immer feucht ist. Gießen ist ab dem Zeitpunkt nicht mehr nötig, es reicht, die Pflanzen zweimal am Tag zu besprühen, oder wirklich nur kleine Mengen zu gießen. Solltest du zu viel gegossen haben, bildet sich wahrscheinlich Schimmel auf der Erde. Aber auch das ist kein Problem. Einfach in nächster Zeit nicht gießen bis die Erde wieder trocken ist und dann die Erde wieder leicht feucht halten.

Wenn du Probleme hast, die Samen mit etwas Abstand zu verstreuen, dann kannst du einen alten Gewürzstreuer verwenden, um die Samen fein zu verteilen. Wenn die Löcher zu klein sind, kannst du sie bei Plastikdeckeln einfach mit einer dünnen Nadel, einem spitzem Messer oder einer Schere vergrößern. Auch eine heiße Nadel kann sehr hilfreich sein. Bei Metall wirst du wahrscheinlich einen Bohrer verwenden müssen. Dann aber bitte nur einen relativ kleinen und für Metall geeigneten Bohrer verwenden. Außerdem solltest du das Werkstück in diesem Fall in einer Schraubzwinge einspannen, damit du nicht beim Bohren abrutschst und dich verletzt.

Keimen

Wenn der Embryo des Samen durch die Samenschale bricht, dann nennt man das Keimen oder Keimung. Du erkennst es meistens daran, dass sich auf deiner Erde die ersten grünen Pflänzchen bilden. Um zu keimen brauchen Samen eine gewisse Temperatur und Luftfeuchtigkeit, meistens um die 20 Grad Celsius. Ein Treibhaus ist optimal, um deine Samen zu motivieren, aber ein Platz am Fensterbrett tut es auch. Die meisten Samen haben eine Keimruhe, oder auch Dormanz genannt, sie brauchen erst gewisse Voraussetzungen, um keimfähig zu werden. Das heißt, sie müssen eine gewisse Temperatur über- oder unterschritten haben, teilweise bis zu Minusgraden, oder brauchen viel Licht, aber manche Samen müssen auch erst einmal gefressen und wieder ausgeschieden werden.

Ich werde mich mit dem Thema Keimruhe in einem anderen Artikel beschäftigen. Mit diesem Wissen und ein paar anderen Tricks kannst du die Fruchtbarkeit deines Saatguts verbessern. Aber momentan reicht es wahrscheinlich noch, wenn nicht jeder Samen keimt.

Pikieren

Etwa zwei Wochen nach der Keimung kannst du deine Keimlinge „pikieren“. So nennt man das Umsetzen von Keimlingen um ihnen frische Erde, mehr Platz oder einen neuen Standort zu gönnen. Dazu sticht man mit einem Bleistift, einer Haarnadel, einem Pikierholz oder einem ähnlichen Werkzeug neben dem Keimling in die Erde, bohrt sich unter den Keimling und hebt ihn vorsichtig aus der Erde. Dann kann man ihn an einer anderen Stelle, in einem anderen Topf oder direkt im Freien wieder einsetzen. Wichtig ist dabei, den Keimling immer tiefer einzusetzen als er vorher war, aber maximal so, das die Ansätze der ersten Blätter, dort wo die Blätter aus dem Stängel wachsen, nicht in der Erde sind. Sonst könnte es sein, dass der Keimling erstickt. Grabe dazu einfach ein kleines Loch, meistens reicht es schon, einen Finger in die Erde zu stecken oder mit dem Werkzeug ein kleines Loch zu graben. Halte den Keimling vorsichtig in der gewünschten Höhe in das Loch und schaufle es mit zwei Fingern von beiden Seite zu. Drücke dabei die Erde vorsichtig ein wenig fest. Wenn der Keimling umkippt, dann hast du die Erde nicht fest genug zusammengedrückt. Wenn du fertig bist, solltest du vorsichtig um den Keimling herum gießen. Es ist meistens besser, Pflanzen nicht direkt zu gießen, sondern das Gebiet um die Pflanze. Auch Pflanzen können krank werden und besonders Früchte sind sehr anfällig auf Wasser.

Beim Umsetzen gilt grundsätzlich immer die Regel, tiefer zu setzen als die Pflanze vorher war. Der Teil den du unter die Erde setzt wird wahrscheinlich bald neue Wurzeln bilden, dadurch bekommt deine Pflanzen mehr Wurzeln, ist somit stärker im Boden verankert und kann mehr Nährstoffe aufnehmen.

Bis zum nächsten Mal:
Ich hoffe, du nutzt die Gelegenheit, selbst aus Samen deine eigenen Pflanzen zu ziehen. Keine Angst, es ist leichter als du denkst und diese Pflanzen sind gesünder als die, die du im Supermarkt zu Kaufen bekommst. Du bist dann damit vermutlich die nächsten zwei Wochen beschäftigt. Dann werde ich mich mit dem Thema „Veredelung“ beschäftigen und dich mit einer beeindruckenden Technik des Bauern vertraut machen. In den Kommentaren kannst du wie immer gerne Fragen, Anmerkungen und Kritik hinterlassen, ich werde sie gerne beantworten. Gutes Gelingen und lass dich nicht pflanzen!

Links zum Thema:
Buchtipp: Rat für jeden Gartentag, Franz Bömig
Same
Sämling
Dormanz
Pikieren

2 Kommentare zu Vom Samen bis zur Ernte: Aussaat

Sonntagslektüre: Nimm dir Zeit für Gutes

Von der optimalen Reife und dem passenden Zeitpunkt Anlass für das Thema dieses Beitrags gab ein Gespräch mit meiner Schwester vor einiger Zeit, welches mich im Nachhinein sehr nachdenklich stimmte….

Von der optimalen Reife und dem passenden Zeitpunkt

Anlass für das Thema dieses Beitrags gab ein Gespräch mit meiner Schwester vor einiger Zeit, welches mich im Nachhinein sehr nachdenklich stimmte. Einleitend mit einer provokanten Frage, als ich sie in der Küche dabei antraf, wie sie gerade Paradeiser (Tomaten) für ihren Mozzarellasalat zubereitete, begann eine kurze, hitzige Diskussion. Leider scheiterten meine Versuche kläglich, sie davon zu überzeugen, dass es mehr als unnötig ist, im Jänner (Januar) dieses Gemüse zu kaufen. Ebenso wenig fruchtete mein Argument, dass unsere eigenen Paradeiser aus dem Garten im Sommer doch tatsächlichen, vollkommenen Geschmack haben und nicht nur wässrig und blass sind. Sie beendete das Wortgefecht damit, dass, solange es im Geschäft angeboten wird und sie die Möglichkeit zu solch einem Kauf hat, sie diese auch nützen wird. Da ich den gegenwärtigen Umstand nicht zu ändern vermag, gab ich mich geschlagen.

Die Rede ist von saisonalem Essen. Zugegebenermaßen ist es nett, dass wir aufgrund der Globalisierung auch in der Weihnachtszeit Zucchini aus Spanien eingeflogen bekommen, dass das ganze Jahr über Paprika verfügbar sind oder Erdbeeren im Februar zu verlockenden Preisen angeboten werden. Das ist alles wirklich nett, aber schlicht und ergreifend überflüssig und geschieht zum Leidwesen der Umwelt, regionaler Bauern und vergessener Obst- und Gemüsesorten. Die Zahl der Menschen, die auf ihre Ernährung achten und bewusst einkaufen gehen, steigt unaufhaltsam. Man versucht den Fleischkonsum zu reduzieren, regional zu kaufen, biologische Produkte sind beliebt. Auf die Saisonalität von Lebensmitteln wird allerdings gerne vergessen, sie ist das Stiefkind und findet weniger Beachtung. Aufgrund dessen nahm ich mich bei der eigenen Nase und machte mich erst einmal schlau, was es denn im Winter außer Karotten und Erdäpfeln (Kartoffeln) eigentlich noch gibt.

Nicht alles zu jeder, aber jedes zu seiner Zeit!

Glücklicherweise wird man im Internet schnell fündig, es gibt zahlreiche Saisonkalender, zum Beispiel den Biosaisonkalender von Global 2000, in verschiedensten Variationen zum Herunterladen, Ausdrucken und An-den-Kühlschrank-Kleben. Nun, im Winter – um bei der jetzigen und bezüglich frischem Obst und Gemüse ärmsten Jahreszeit zu bleiben – gibt es neben den oben erwähnten Lebensmitteln Eisbergsalat, Käferbohnen und Lauch, die allesamt viele Nährstoffe enthalten. Ebenso bieten sich Spätäpfel und Kren (Meerrettich) an. Darauffolgend im Frühjahr ist Spargel sehr beliebt, ideal sind auch Radieschen und Kohlrabi. Das ergibt auch schmackhafte Gerichte mit Bärlauch, der mittlerweile schon sprießt.

Sobald der Sommer Einzug hält kann sich jeder nach Herzenslust an Erdbeeren, Kirschen und Gurken satt essen. Sie wachsen zu dieser Zeit an der frischen Luft und in der Nähe. Im Herbst sind neben der Kürbissaison noch Mais, Sellerie und Birnen aktuell. Um jeden Interessierten gleich einmal auf den März einzustimmen, folgendes gibt es diesen Monat: Neben frischem Rucola- und Vogerlsalat (Feldsalat) kommt der Spinat. Spätäpfel und Walnüsse gibt es noch in den Lagern. Zusätzlich kann man mit Zwiebeln, Chinakohl, Roten Rüben, Karotten, Porree, Hokkaidokürbis, Knoblauch und Kohl Leckeres zaubern. Wie man erkennt, hält die Natur für jede Jahreszeit eine mannigfaltige Auswahl an Obst und Gemüse bereit, zusätzlich gibt es durch gute Lagerung teilweise auch verlängerte Verzehrzeiten.

Mehr als „nur“ Essen

Den persönlichen Speiseplan mit der jeweiligen Saison abzustimmen, ist zwar augenscheinlich nur ein kleiner Beitrag, doch birgt er meiner Ansicht nach zahlreiche Vorteile. Sämtliche Produkte kann man regional erwerben, sie sind frisch und reif. Außerdem wird die Umwelt durch kurze Transportwege und den Verzicht von energieaufwändig beheizten Glashäusern geschont. Ganz abgesehen davon setzen wir mit unser Ernährung und unserem Einkauf ein Zeichen. Wie allgemein bekannt ist, bestimmt die Nachfrage das Angebot. Ich für meinen Teil bin zwar noch kein „Saisonalitätsprofi“, aber ich will keine Erdbeeren – woher auch immer – im Dezember und deshalb kaufe ich sie nicht. Ich freue mich, sie im Mai selbst vom Feld zu pflücken.

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünscht.“ (Mahatma Gandhi)

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Immer besser werden

Menschen wollen immer besser werden. Jeder, überall und jederzeit. Dass das bei Weitem nicht so einfach ist, wie es klingt, weiß nach dem einen oder anderen Fehlversuch vermutlich auch (beinahe)…

Menschen wollen immer besser werden. Jeder, überall und jederzeit. Dass das bei Weitem nicht so einfach ist, wie es klingt, weiß nach dem einen oder anderen Fehlversuch vermutlich auch (beinahe) jeder. Dennoch sollte man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, weil man erkannt hat, dass man auch etwas dafür tun muss und man nicht einfach von heute auf morgen beschließen kann, „perfekt“ zu sein. Es ist auch gar nicht notwendig, weil man bereits mit ganz kleinen Veränderungen im Alltag große Veränderungen im Inneren bewirken und so eine stetige Wechselwirkung anstoßen kann.

„Kaizen“ lautet das Zauberwort. Aus dem Japanischen kommend bezeichnet dieser Begriff eine Lebensphilosophie, deren Kern das unaufhörliche Streben nach Verbesserung auf jeder erdenklichen Ebene bildet. Auf Basis dieses Konzepts wurde inzwischen sogar ein Managementsystem entwickelt, das in der westlichen Wirtschaft großen Anklang findet. Aber auch im privaten Bereich kann „Kaizen“ zum Inbegriff der persönlichen Weiterentwicklung werden.

Was bietet sich für einen Start in ein „besseres“ nachhaltigeres Leben mehr an, als das neue Jahr? So viele Vorsätze, die um den Jahreswechsel gefasst werden, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt – und warum? Weil wir uns zu viel vornehmen. Weil wir Ziele formulieren, die ohne eiserne Disziplin kaum zu erreichen sind. Weil wir meistens viel zu ungeduldig mit uns selbst sind und beim ersten Rückschlag fast schon erleichtert aufgeben. Ein nachhaltigeres Leben zu führen ist ein guter Vorsatz. Denn er ist einfach umzusetzen. Es braucht keine besondere Disziplin dazu und auch keine spezielle Ausrüstung. Es geht lediglich darum, aktiv und aufmerksam durchs Leben zu gehen und gewisse Gewohnheiten zu ändern.

Das Wichtigste vorweg: Keine Angst vor dem großen Wort Nachhaltigkeit! Sich entsprechend zu verhalten bedeutet schließlich keineswegs, dass man ab sofort nur mehr mit Jutebeutel bewaffnet Mantras singend zwischen Räucherstäbchen umhertanzen, auf Bambus herumkauen und der Enthaarung jeglicher Körperstellen abschwören muss. Das kann man natürlich gerne machen, wenn es der eigenen Persönlichkeit entspricht, man muss aber nicht. Ganz im Gegenteil – man kann das Thema Nachhaltigkeit auch ganz „unauffällig“ in das eigene Leben integrieren, ohne gleich zum Missionar zu werden.

Es gibt eine Vielzahl an Themen, die jeder Mensch jederzeit und überall ohne große Anstrengungen angehen kann. Um nur ein paar unmittelbar umsetzbare Beispiele zu nennen:

Mülltrennung: Selbstverständlich ist es bequem, sämtliche Abfälle in einen einzigen Müllbeutel zu packen. Es ist allerdings auch nicht viel umständlicher, Müll zu trennen. Dabei kann jeder selbst über die Intensität entscheiden. Altpapier, Glas, Dosen, PET-Flaschen, Biomüll, etc. – von Sondermüll ganz zu schweigen. Womit fängt man am Besten an? Der Weg zur richtigen Mülltrennung kann schrittweise erfolgen. Wichtig ist nur, den ersten Schritt zu wagen. Sucht euch einen Bereich aus, den ihr ab sofort trennen wollt. Denn glaubt mir, der nächste Altglas-Sammelbehälter ist nicht so weit entfernt, wie ihr vielleicht denkt.

Verzicht auf unnötiges Verpackungsmaterial, sowie Dosen und Plastik generell: Geht ab sofort aufmerksam durch den Supermarkt oder Drogeriemarkt. Neben den bunten doppelt und dreifach verpackten Flaschen und Tiegeln sind bestimmt auch weniger oder anders verpackte Produkte zu finden. Lasst den Verpackungsmüll als Signal im Geschäftslokal zurück. Wenn ihr Produkte in Gläsern kauft, habt ihr nach deren Verbrauch immer hochwertige, hygienische Vorratsbehälter zuhause und seid nicht auf Kunststoff-Behälter angewiesen.

Saisonalem und regionalem Obst und Gemüse den Vorzug geben: Die Lebensmittel schmecken durch die Ernte in reifem Zustand und die wesentlich kürzere Lagerung nicht nur besser und beinhalten mehr Vitamine und Nährstoffe, sondern schonen auch die Umwelt, weil die Transportwege im Vergleich zu exotischen und nicht-saisonalen Lebensmitteln um ein Vielfaches kürzer sind.

Nur so viel einkaufen, wie man auch wirklich verbrauchen kann: XXL-Sparpackungen sind in den seltensten Fällen wirklich Sparpackungen. Fallt nicht weiter auf plumpe Werbetricks herein. Denkt bei begrenzt haltbaren Lebensmitteln lieber nochmals gründlich darüber nach, ob ihr diese Menge in absehbarer Zeit auch wirklich verbrauchen könnt – und wollt.

Lieber mal die Füße vertreten! Lasst das Auto auch mal stehen. Man muss sich für die zweihundert Meter zum Bäcker nicht zwangsläufig ins Auto setzen. Ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft oder eine kleine Ausfahrt mit dem Fahrrad hat noch niemandem geschadet. So tut ihr nicht nur euch, sondern auch der Umwelt etwas Gutes. Und das Brötchen schmeckt nachher gleich viel besser!

Was sind eure Vorsätze für das neue Jahr? Habt ihr euch auch Bereiche vorgenommen, die mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun haben?

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