Eco. Life. Style.

Schlagwort: Ressourcen

Life in plastic, it’s fantastic – Kann die Generation Plastik noch die Notbremse ziehen?

Im Mai diesen Jahres las man in den Nachrichten, dass die EU-Kommission Einmalprodukte aus Plastik verbieten wolle. Dazu zählt sie Strohhalme, Rührstäbchen und Luftballonhalter – „Kampf dem Plastikmüll“! Doch es…

Im Mai diesen Jahres las man in den Nachrichten, dass die EU-Kommission Einmalprodukte aus Plastik verbieten wolle. Dazu zählt sie Strohhalme, Rührstäbchen und Luftballonhalter – „Kampf dem Plastikmüll“! Doch es geht um viel mehr als nur Strohhalme und Rührstäbchen, auch wenn hier jedes Jahr Unmengen an Plastik alleine von Coffee-To-Go-Freunden verbraucht wird. Mittlerweile sollte bei jedem angekommen sein, dass die marine Verschmutzung durch Plastik, respektive Mikroplastik, verheerende Folgen hat. „In jedem Quadratkilometer der Meere schwimmen hunderttausende Teile Plastikmüll. Seevögel verenden qualvoll an Handyteilen in ihrem Magen, Schildkröten halten Plastiktüten für Quallen und Fische verwechseln winzige Plastikteile mit Plankton.“ (Quelle: wwf.de)

Aber woher kommt der ganze Müll im Meer? Der größte Anteil der Müllzufuhr in die Ozeane erfolgt über Zuflüsse vom Land. Etwa ein Viertel direkt über Schifffahrt, Fischerei oder Arbeiten in und am Wasser. (Quelle: nabu.de) An Letzterem können wir Otto-Normal-Müllproduzenten natürlich nicht viel ändern, zumindest nicht direkt. Wenn wir den Konsum von Seefisch reduzieren, jedoch durchaus. „Ich werfe keinen Müll in Flüsse“, werdet ihr jetzt vielleicht denken. Das ist richtig, denn in Deutschland wird verhältnismäßig- sprich im Verhältnis zu vielen anderen Ländern –  wenig Müll direkt in die Flüsse geworfen. Der meiste „Flussmüll“ gelangt über Auswaschungen auf Mülldeponien, kommunale Abwässer und die Landwirtschaft in die Flüsse (Quelle: nabu.de). Wenn ihr nicht gerade Landwirte seid, betreffen euch nur die ersten beiden Punkte.

„Leider benutzen die Menschen die Toiletten als Müllentsorgung.“

Yvonne Friesch, Mitinhaberin von Sanitär Friesch in Tübingen, erzählt mir, was Menschen über die Toilette entsorgen: Tampons, Slipeinlagen, Binden, Kondome, Windeln, Kleidung, Spielzeug. „Leider benutzen die Menschen die Toiletten als Müllentsorgung“, so Friesch. „In Schulen sind es oft Kleider, Buchseiten oder Sportschuhe.“ Auf öffentlichen Toiletten würden sogar Spritzen über den Abfluss entsorgt. Selbst Bauschutt komme vor. Friesch rät auch von Duftsteinen in der WC-Schüssel ab, da die Plastikhalterungen sich nicht selten lösen und dann entweder die Rohre verstopfen oder in die Kanalisation gelangen. Derartiges Verhalten kann aber auch teuer werden kann, da sich in vielen Fällen zurückverfolgen lässt, in welche Toilette dieser Unrat geworfen wurde. „Da kann ganz schön was zusammen kommen“, warnt Yvonne Friesch.

Wie kann man also seinen Müll soweit es geht reduzieren und möglichst ressourcenschonend leben? Im Supermarkt muss man sich gegenwärtig schwer wundern: Bananen und Gurken im Plastikmantel, Käse mit Folien zwischen den einzelnen Scheiben. Offenbar muss heute alles doppelt und dreifach verpackt werden. Auch geschälte und klein geschnittene Kartoffeln oder Kürbisse, eingeschweißt in Kunststofftüten schmiegen sich beinahe adaptiv an den phlegmatischen Konsumenten von heute.

Foto: S. Selbert

Auf verpackte Früchte kann man mit Sicherheit verzichten. Gerade bei größerem Obst oder Gemüse kann man das Etikett direkt aufkleben, statt umständlich eine Tüte um das Lebensmittel zu wickeln. In vielen Biomärkten gibt es mittlerweile Obst- und Gemüsenetze zu kaufen, die durchsichtig und vielfach verwendbar sind. Tatsächlich habe ich mit diesen Beuteln gute Erfahrungen gemacht, sie werden in jedem Supermarkt akzeptiert. Alternativen zum Obst und Gemüse aus dem Supermarkt bietet natürlich auch der Regionalmarkt, den es in jeder größeren Stadt gibt. Regionale Lebensmittel sind aufgrund der kurzen Transportwege aus ökologischer Sicht ohnehin begrüßenswert. In vielen Städten gibt es heutzutage sogenannte Unverpacktläden, in denen man entsprechend mit Behältern einkaufen geht, in die dann beispielsweise offene Nudeln eingefüllt werden können.

Unverpacktladen Speicher, Tübingen. Foto: Ulrich Müller

Kleine Füße, großer Abdruck

Wer ein Baby zuhause hat stellt sehr schnell fest, dass vor allem durch Windeln und Feuchttücher doch viel mehr Müll anfällt als zuvor. Was aber die meisten Menschen übersehen, ist, dass nicht nur der Gebrauch von Windeln, Binden und Tampons zu viel Müll führt – laut BUND macht der Windelmüll in manchen Gemeinden bis zu zehn Prozent aus und im Schnitt verbrauchen Frauen weltweit ca. 45 Milliarden (!) Binden und Tampons pro Jahr –, sondern auch die Herstellung nicht gerade ressourcenschonend ist. Menstruationstassen und Stoffwindeln stellen hier eine Alternative dar. Oft wird damit argumentiert, dass Stoffwindeln zur Reinigung viel Wasser und Strom benötigen. Man muss jedoch in die Kalkulation mit einbeziehen, dass auch Wegwerfwindeln viel Wasser verbrauchen, eben in der Herstellung. Wo die Stoffwindel jahrelang und sogar noch beim nächsten Kind benutzt werden kann, landet die Wegwerfwindel nach einmaliger Benutzung in der Tonne. Zumindest wenn wir die Stoffwindel bei 60 Grad waschen und sie nicht jedes Mal danach in den Trockner werfen, haben wir einen um 40 Prozent reduzierten Energieverbrauch im Vergleich zu Wegwerfwindeln (Quelle: windelwissen.de). Und Müll (aber auch Geld!) haben wir allemal eingespart, vor allem da Stoffwindeln sich gut weiterverkaufen lassen. Und viel schöner sind sie dabei auch noch.

Stoffwindel von milovia. Bild: Cat

Man muss sich als frischgebackene Eltern auch fragen, ob Obstmus in Quetschbeuteln oder Plastikbechern wirklich notwendig ist oder ob man nicht einfach selbst einen Obstbrei herstellen und abpacken kann. Eigentlich geht das doch ganz schnell. So klein unsere Babys sind: Ihr ökologischer Fußabdruck ist, vor allem im ersten Jahr, ganz schön groß. Aber nicht immer spielt das Umfeld mit, wenn man Müll einsparen möchte. Erst neulich ging ich mit einem Baumwollbeutel in die Bäckerei, weil ich es unnötig finde, dass wir alle ein bis zwei Tage Brot in Papier- oder gar Plastiktütchen nach Hause tragen. Die Bäckereifachverkäuferin lehnte jedoch ab, sie dürfe den „aus hygienischen Gründen“ nicht anfassen. Warum sie Geld trotzdem anfassen darf, die Antwort blieb sie mir schuldig. Mittlerweile haben wir aber eine Bäckerei in der Nähe gefunden, die kein Problem mit unserem Stoffbeutel hat.

Wenn man bewusst darauf achtet, was man alles in den Müll wirft, erkennt man schnell, worauf man problemlos verzichten könnte. Für viele Produkte gibt es beispielsweise Nachfüllpackungen. Auf eine Menge Plastik kann man auch verzichten, wenn man zum Einkaufen eigene Taschen und Beutel mitnimmt. Was in Plastik ist, kommt nicht in die Tüte. Bei anderen Dingen ist das leider noch nicht möglich. Trotzdem kann man sich fragen, ob man Joghurt in kleinen Plastikbechern kaufen muss oder nicht doch lieber solche in Mehrweggläsern nimmt. Muss man Getränke in PET-Flaschen kaufen, die ohnehin im Verruf stehen gesundheitsschädlich zu sein, oder sind Glasflaschen eine Alternative? Der Fairness halber muss man sagen, dass die größte Menge an Müll, der über die Abwässer ins Meer gelangt, nicht aus Ländern wie Deutschland stammt, in denen recycelt wird. Jedoch wurde unser Müll viele Jahre nach China exportiert und wer weiß schon, was dort mit ihm passiert ist? Nicht zuletzt werden schließlich auch durch die Herstellung von Kunststoffverpackungen jede Menge Rohstoffe und Energie verbraucht (Quelle: wwf.de). Aber auch wenn wir unseren Müll trennen und recyceln, sollten wir diesen Unmengen an Plastikmüll entgegenwirken, was im Coffee-To-Go-Zeitalter nicht allzu leicht erscheint.

Als ich neulich in einem Supermarkt einkaufen war, beschwerte ich mich an der Kasse darüber, dass dermaßen viel Obst in Plastik eingeschweißt war. (Oder waren die Verpackungen aus kompostierbarer Stärke? Für den Ottonormalkonsumenten leider kaum zu unterschieden.) Der Kassierer antwortete mir, dass er dies ebenfalls nicht gut heiße, sich jedoch überhaupt nichts ändern würde, so lange Menschen dieses Obst kaufen. Recht hat er! Tatsächlich liegt es an jedem einzelnen von uns. Nur, wenn wir über unser Konsumverhalten nachdenken und etwas daran ändern, denken die großen Konzerne um.

Es ist fünf vor zwölf, vielleicht sogar nach zwölf und leider hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass man auf die Politik nicht wirklich zählen kann, was die Reduzierung von Plastikmüll anbelangt.

Jetzt ist es unsere Aufgabe, bewusster einzukaufen, zu verzichten und umzudenken. Wenn wir es nicht für uns selbst tun, dann für unsere Kinder.

 

Quellen:
https://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/plastik/unsere-ozeane-versinken-im-plastikmuell/
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/muellkippe-meer/16805.html
https://www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/kinder/stoffwindeln.html
https://reset.org/act/nachhaltige-monatshygiene-kein-muell-der-regel
https://www.windelwissen.de/stoffwindeln-wegwerfwindeln-umwelt/

1 Kommentar zu Life in plastic, it’s fantastic – Kann die Generation Plastik noch die Notbremse ziehen?

Warum verhalten wir uns (nicht) nachhaltig?

Frustshopping, Schnäppchenjagden, Shoppingreisen – Konsum kann uns glücklich machen. Mit einem Einkauf können wir uns Wünsche erfüllen und das erzeugt Glücksgefühle. Eine Kaufsucht ist allerdings auch kein erstrebenswerter Zustand. Zudem…

Frustshopping, Schnäppchenjagden, Shoppingreisen – Konsum kann uns glücklich machen. Mit einem Einkauf können wir uns Wünsche erfüllen und das erzeugt Glücksgefühle. Eine Kaufsucht ist allerdings auch kein erstrebenswerter Zustand. Zudem wissen wir, dass wir nicht alle gleich viel vom Kuchen abbekommen, also konsumieren, können. Vor allem aber widerspricht der Alltag unserer Überflussgesellschaft dem aktuellen Leitbild, nachhaltiger zu leben und verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen. Doch können wir Lebenszufriedenheit auch aus immateriellen Quellen gewinnen? Der Umweltpsychologe Prof. Dr. Marcel Hunecke meint: Ja. Im Auftrag von Denkwerk Zukunft suchte er nach psychischen Ressourcen für eine Lebenszufriedenheit, die ganz unabhängig von den materiellen Seiten des Lebens wirksam ist.*

Die sechs psychischen Ressourcen für subjektives Wohlbefinden

In Anlehnung an Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie entwickelte Hunecke seine Genuss-Ziel-Sinn-Theorie. Laut dieser Theorie stehen uns drei Strategien zur Verfügung, um ein zufriedenes Leben zu führen: Genusserleben, das Erreichen von Zielen und Sinn. Hunecke identifiziert sechs psychische Ressourcen, die diese Strategien ermöglichen. Sie lauten Genussfähigkeit, Selbstakzeptanz, Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit, Sinngebung, und Solidarität.

Die ersten drei Ressourcen sind nach Hunecke fundierend, das heißt, wesentlich für eine starke Persönlichkeit. Eine solche Persönlichkeit kann demnach genießen, hat Selbstvertrauen und ist überzeugt davon, das, was sie sich vornimmt, auch erfolgreich realisieren zu können. Die letzten drei Ressourcen sind zielgebend und ermöglichen eine Orientierung der Person an immateriellen Zufriedenheitsquellen. So sollte eine Person, die nachhaltig leben möchte, eine achtsame Grundhaltung entwickeln. Das heißt, sie sollte sich der eigenen Bedürfnisse und Empfindungen bewusst sein, wie auch die der anderen Menschen und Lebewesen. Zudem sollte sie motiviert sein, den Sinngehalt unterschiedlichster Lebenssituationen zu ergründen. Und sie muss soziale Verantwortung übernehmen wollen. Laut Hunecke stützen sich diese sechs Ressourcen gegenseitig, so dass eine weniger ausgeprägte Ressource durch andere Ressourcen kompensierbar ist.

Die drei fundierenden Ressourcen stärken

Die Genussfähigkeit

Wie erwähnt, ist die Genussfähigkeit eine wesentliche Ressource für subjektives Wohlbefinden. Dabei stehen uns einerseits sinnlich-körperliche Genüsse zur Verfügung, andererseits ästhetisch-intellektuelle. Nur allzu oft nehmen wir diese Genussquellen in unserem Alltag aber nicht wahr. Wir verschlingen die Mittagsjause, werfen das neue Shirt nach drei Mal Tragen in den Schrank, weil wir schon ein neues im Auge haben, laufen morgens auf dem Weg zur Arbeit blindlings an Frühlingswiesen oder buntem Herbstlaub vorbei. Würden wir weniger konsumieren, wenn wir aus den Genussquellen, die uns tagtäglich umgeben, mehr Wohlbefinden ziehen könnten – wenn wir all diese Ereignisse überhaupt als Genussquellen wahrnehmen würden? Hunecke behauptet: ja, und fordert: Intensität statt Quantität. Die positiven Emotionen, die uns ein genussvolles Leben beschert, belohnen uns zudem rückwirkend für unser nachhaltiges Handeln. Auf The bird’s new nest findet ihr übrigens die unterschiedlichsten Möglichkeiten euer Genusszentrum anzuregen und dabei nachhaltig zu handeln – von schnell und einfach selbstgemachten saisonalen Rezepten bis hin zu ökologischer Mode, wenn es doch mal Shopping sein soll.

flowers-276014_640
Bild: PublicDomainPictures / pixabay.com

Die Selbstakzeptanz

Die Selbstakzeptanz beschreibt das „fundamentale Annehmen der eigenen Person mit all ihren positiven und negativen Eigenschaften“. Wer seine persönlichkeitsspezifischen Stärken wahrnimmt, kann auch seine persönlichkeitsspezifischen Schwächen leichter akzeptieren. Dies ist wesentlicher Bestandteil eines stabilen Selbstwerts, der uns wiederum unabhängiger von sozialen Vergleichsprozessen macht: Haben wir einen stabilen Selbstwert, müssen wir nicht konsumieren, um unserem Umfeld Wohlstand und Zugehörigkeit zu signalisieren. Wir können uns dem Konsumdruck leichter entziehen. Wie lässt sich nun die Selbstakzeptanz stärken? Indem wir uns beispielsweise überholte Glaubenssätze bewusst machen, die wir uns im Laufe unseres Lebens angeignet haben, und uns davon verabschieden. Meist haben diese Überzeugungen die Form „man muss“ oder „man darf nicht“ – ein typisches Beispiel dafür ist: „Man darf keine Fehler machen“.

Die Selbstwirksamkeit

Umgangssprachlich meist mit „Selbstvertrauen“ benannt, beschreibt die Selbstwirksamkeit die Überzeugung, schwierige Situation im Leben erfolgreich meistern zu können: „Ich werde es schaffen“. Erfolgserfahrungen stärken das Selbstvertrauen. Wir können uns diese Erfolgserfahrungen verschaffen, indem wir uns das übergeordnete Ziel in kleinere Etappen mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit aufteilen. Einzelerfolge motivieren uns, das übergeordnete Ziel zu erreichen. Unser Selbstvertrauen wächst. Allerdings hat das per se noch wenig mit nachhaltigem Lebensstil zu tun – wir können voller Selbstvertrauen hauptsächlich materiellen Wohlstand erzielen wollen. Wie lässt sich Selbstvertrauen also nachhaltigkeitsbezogen stärken und nutzen? Laut Hunecke, indem man den Menschen handlungsbezogenes Wissen zu diesem Thema vermittelt und ihnen Handlungsmöglichkeiten verschafft – eine Ansatz, den auch The bird’s new nest vertritt, indem es vielfältiges Wissen zusammenführt, aber auch Möglichkeiten bietet, sich sozial und ökologisch zu engagieren.

person-110305_640
Bild: geralt / pixabay.com

 

Die drei zielgebenden Ressourcen stärken

Die Achtsamkeit

Achtsamkeit bedeutet, „absichtsvoll und nicht wertend die Aufmerksamkeit ganz auf den aktuellen Augenblick zu richten“. Trainieren lässt sie sich durch Meditation und Übungen zur Körperwahrnehmung. Ziel ist, unser Alltagsbewusstsein einzuschränken. Es ist gekennzeichnet durch automatisierte Gedankengänge wie unsere alltäglichen Erwartungen, Pläne, Aufgaben, Interpretationen. Damit ist es also auf Vorgänge gerichtet, die im Außen passieren (werden) oder passiert sind. In einem achtsamen Zustand richten wir unsere Aufmerksamkeit auf das Jetzt: Einerseits nach Innen, wenn wir uns den eigenen (Körper-)Empfindungen zuwenden. Andererseits auf den gegenwärtigen Moment, wenn wir wahrnehmen, was um uns herum passiert, ohne das Wahrgenommene zu bewerten oder weiter darüber nachzudenken. Achtsamkeit reduziert Stress und steigert das subjektive Wohlbefinden – vor allem, wenn unsere automatisierten Gedankengänge negativ sind. Darüber hinaus führt sie zu einem erweiterten Bewusstsein für Sinnfragen und steigert das Mitgefühl. Sie zeigt dem Menschen auf, welche Bedürfnisse und Werte wirklich wichtig für ihn sind. Das Streben nach materiellen Werten stellt sich dabei meist zu Gunsten von weniger selbstbezogenen Werten ein.

meditation-17798_640
Bild: PublicDomainPictures / pixabay.com

Die Sinngebung

In den alltäglichen Erfahrungen, die wir im Leben machen, einen Sinn zu finden, heißt, in diesen Erfahrungen eine Bedeutung zu erkennen und sie zu bewerten. Diese Bedeutung oder Bewertung ist meist mit einem positiven Gefühl verbunden. Dazu ist es notwendig, sich überhaupt erst einmal auf Sinnsuche zu begeben, über sich und die Erfahrungen, die man macht zu reflektieren und sich die eigenen Werte und Lebensziele bewusst zu machen. Das gibt uns ein Gefühl von Kontrolle über die eigene Biografie und steigert unser Wohlbefinden. Meist finden wir bei solchen Reflexionsprozessen den Sinn unserer Lebenserfahrungen nicht im Materiellen oder unseren Einzelinteressen, sondern in sozialen Beziehungen und gesellschaftlich wichtigen Werten, wie beispielweise der Gerechtigkeit, Toleranz oder eben dem sorgsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen.

Die Solidarität

Wenn wir eine solidarische Haltung einnehmen, bedeutet das, dass wir für das Wohlergehen anderer Menschen Verantwortung übernehmen wollen. Dazu gehört auch eine Portion Selbstwirksamkeit – wir müssen überzeugt sein, dass unser Handeln in Interaktion mit Gleichgesinnten zum allgemeinen Wohlbefinden beiträgt. Die Solidarität ist jene psychische Ressource, die dafür sorgt, dass wir unser Handeln auch tatsächlich auf andere Personen ausrichten als uns selbst. Solidarisches Handeln belohnt uns mit dem positiven Gefühl, dazu zu gehören, und aktiviert Vertrauen und Sicherheitsgefühle. Wichtiger ist aber, dass kollektives Handeln zur einer Erreichung gemeinsamer, aber auch unterschiedlicher, in jedem Fall prosozialer, Interessen und Ziele führt. Damit ist die Solidarität die einzige der hier vorgestellten psychischen Ressourcen, die nicht nur von uns selbst und unserer Reflexion abhängt, sondern in Interaktion mit anderen Menschen eingeübt werden muss. Zum Beispiel beim Verfassen eines Artikels für The bird’s new nest – so wie ich das hier gerade mache.

family-333064_1280
Bild: geralt / pixabay.com

Sozialer Einfluss

Je mehr Menschen sich aktiv an einem Umdenken beteiligen, desto eher kann sich ein Wertewandel in Richtung nachhaltiger und ressourcenschonender Lebensweise entwickeln, den die Menschen selbst steuern. Jedoch gibt Hunecke zu bedenken, dass individuell richtiges Verhalten in den falschen Strukturen für den Einzelnen meist zu aufwändig ist, um dauerhaft aufrecht erhalten zu werden. Auch auf politischer und ökonomischer Ebene muss also ein solcher Wertewandel gestaltet und ermöglicht werden. Der Sozialwissenschaftler Robert Cialdini bestätigt in seinen Studien zu nachhaltigem Verhalten immer wieder die Wichtigkeit von sozialen Normen, also dem Wissen darum, wie sich die meisten anderen Menschen in einer Situation verhalten. So lässt uns beispielsweise die Information, dass andere Leute es auch tun, am ehesten dazu verleiten, selbst zu Hause Energiesparmaßnahmen zu ergreifen, oder der Umwelt zuliebe im Hotel sparsamer mit den Handtüchern umzugehen.

Es zeigt sich also, dass die persönliche Entwicklung eines jeden Einzelnen zum Wohlergehen unserer Gesellschaft beitragen kann. Welche Erfahrungen habt ihr mit den beschriebenen psychischen Ressourcen gemacht? Könnt ihr die Überlegungen bestätigen?

 

* Anmerkung: Gefühle der Unzufriedenheit und Frustration gehören zu jedem Leben dazu. Auch schlechte Laune hat ihren Sinn, denn sie zeigt uns auf, wo wir unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte zu wenig beachten und unsere Belastungsgrenzen ausreizen. Eine Möglichkeit, dem mit mehr Widerstandskraft zu begegnen, soll hier aufgezeigt werden.

 

Quellen:
Dieser Artikel basiert auf:
http://www.denkwerkzukunft.de/downloads/reportpsychologicalresources.PDF
Einen umfassenden Einblick in das Thema bietet auch das Buch:
http://www.oekom.de/nc/buecher/neuerscheinungen/buch/psychologie-der-nachhaltigkeit.html
Folgende weitere Studien wurden zitiert:
Nolan, J.M., Schultz, P. W., Cialdini, R.B., Goldstein, N.J. & Griskevicius, V. (2008). Normative social influence is underdetected. Personality and Social Psychology Bulletin, 34, 913-923.
ReGoldstein, N. J., Cialdini, R. B., & Griskevicius, V. (2008). A room with a viewpoint: Using social norms to motivate environmental conservation in hotels. Journal of Consumer Research, 35, 472-482.

2 Kommentare zu Warum verhalten wir uns (nicht) nachhaltig?

Was möchtest du finden?