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Schlagwort: Reisebericht

Grün im großen weißen Norden – Niagarafälle und mein (Zwischen-) Fazit

Ende Juli bin ich von meinem halbjährigen Aufenthalt in Kanada wieder nach Europa zurück gekehrt. Da sich mit meiner Rückkehr gleichzeitig auch viele andere Aspekte in meinem Leben verändert haben,…

Ende Juli bin ich von meinem halbjährigen Aufenthalt in Kanada wieder nach Europa zurück gekehrt. Da sich mit meiner Rückkehr gleichzeitig auch viele andere Aspekte in meinem Leben verändert haben, hat sich mein Fazit zu Kanada etwas verzögert. Es hat mich zunächst ein wenig geärgert, hat mir aber den Raum zur Reflexion gegeben. Außerdem kann ich die kalten Herbsttage nun mit warmen Sommerbildern auffrischen.

An meinen letzten Tagen habe ich die Niagarafälle, London in Ontario und Niagara on the Lake besucht. Ich habe zusammen mit Freunden ein Auto gemietet und wir sind frühmorgens zu Niagara on the Lake aufgebrochen. In dem idyllischen Ferienort angekommen, saßen wir zunächst am ruhigen See, auf dem die Morgensonne glitzerte, und haben unser mitgebrachtes Frühstücksporridge genossen.

London Ontario

Niagara on the Lake ist ein friedliches Nest, das nördlich der Niagarafälle liegt und ein typischer Ferienort zu sein scheint. Wir erkundeten die Straßen und Grünanlagen ausgiebig, bevor wir uns weiter zum nächsten Halt aufmachten – die Niagarafälle. Ich hatte nicht allzu viel erwartet, da mir bereits berichtet worden war, dass die Fälle sehr touristisch sind. Dennoch war ich von der Lieblosigkeit des Ortes etwas geschockt. Kalte Betonbauten, leerstehende Geschäfte und nur wenig Grün waren zu sehen, als wir aus dem Auto stiegen. Aber wir haben uns nicht lange im Ort aufgehalten und sind gleich zu den Fällen gelaufen, die leider auch direkt an einer vierspurigen Straße liegen.

Die Fälle selbst waren aber einzigartig beeindruckend. Der Wasserdampf sprühte bis zu uns hoch und fiel als sanfter Regen auf uns hinunter. Das Geräusch, das die schieren Wassermengen verursachten, hatte ich so noch nie gehört. Niagara bedeutet in der Sprache der Ureinwohner „donnerndes Wasser“. Es war ein wunderschönes Naturspektakel, selbst wenn um die Fälle herum nicht sehr viel Natur gewahrt wurde. Die breite Fläche von Wasser, die auf einmal von einer Höhe über 58 Meter auf eine tiefere Höhe verlagert wird, war wirklich atemberaubend.

Wir setzten uns auf die Wiese neben den Fällen und picknickten wieder, dieses Mal ein Chili con Soja zum Mittagessen. Schließlich ging es weiter nach London in Ontario, wo wir über Nacht blieben und im Garten einer meiner Freunde frischen Knoblauch, Radieschen und Rhabarber ernteten. Diese Leckereien wurden im Abendessen und im nächsten Frühstück verarbeitet. Bittersüß waren diese Tage, denn sie waren wunderschön, aber es waren meine letzten.

Wenn ich an Toronto zurück denke, ist meine erste Regung, dass ich die Stadt vermisse. Nicht nur, weil ich hier wunderbare Menschen getroffen habe und mich dort zu Hause gefühlt habe, auch weil mir die zahlreichen Parks in der Stadt gefallen haben, die Potluck-Kultur und der alternative Flair, die vielen veganen Restaurants zu unglaublich günstigen Preisen, die lokalen Märkte, meine biologische Food-Coop und die Möglichkeit in „bulk“ ohne Verpackungen einzukaufen.

Kensington-Market

Die Potlucks haben mir besonders gut gefallen. Das Konzept funktioniert so, dass man sich gemeinsam zu einem Picknick, auf einem Festival oder bei jemanden zu Hause trifft und jeder bringt etwas zu essen mit. So ist kostengünstig auf einmal ein leckeres Buffet gezaubert und man lernt oft neue Rezepte und Gerichte kennen.

Ich war in Toronto auf veganen Potlucks, DIY workshops, einer Demonstration, auf gratis Musikfestivals und einem Outdoor-Yoga-Festival. Ich lag am Strand, war im Lake Ontario schwimmen und auf ihm segeln. Ich habe über Pflanzensamenbanken zur Artenvielfalterhaltung gelernt, über die Sprossenzucht, biologischen Gartenanbau und Food-Coops. Mein grüner Horizont hat sich in Toronto auf jeden Fall erweitert.

YogaFestival

Natürlich gibt es in Kanada auch Schattenseiten. Besonders die Genehmigung von genmanipulierten Nahrungsmitteln und der Hormonbehandlung von Tieren empfinde ich als extremes Defizit, auch wenn ich damit durch meine vegane Ernährung und den Einkauf bei meiner Food-Coop weitestgehend persönlich nicht in Berührung gekommen bin. Auch habe ich das Gefühl, dass die Take-out- und To-go-Kultur in Kanada noch stärker verbreitet war, als in Deutschland.

Ist Kanada also grüner als Europa? In manchen Aspekten ja, in anderen nein, aber schlussendlich kommt es darauf an, was man selbst daraus macht.

Ich habe mich während meines Aufenthalt in das Land und die Stadt verliebt und freue mich darauf, im nächsten Jahr die Nationalparks dort zu erkunden und endlich einen Kolibri zu sehen. Eventuell gehe ich nämlich zurück.

Toronto

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Grün im großen weißen Norden – Fauna und Flora

Bereits in der Abizeitung wurde ich zum „Öko der Stufe“ gewählt. Irgendwie war das ein Image, das ich schon sehr früh an mir haften hatte, obwohl ich mich erst seit…

Bereits in der Abizeitung wurde ich zum „Öko der Stufe“ gewählt. Irgendwie war das ein Image, das ich schon sehr früh an mir haften hatte, obwohl ich mich erst seit einigen Jahren wirklich verstärkt mit Nachhaltigkeit auseinandersetze. Heute ist mein Öko-Dasein eigentlich kaum mehr zu verbergen, aber im Gegensatz zu damals schäme ich mich dafür auch nicht mehr. Für mich ist es kein Problem mehr, wenn mich die Leute als „Öko“ oder „treehugging Hippie“ bezeichnen. Irgendwie ist es für mich sogar ein Kompliment. Denn diese Werte sind mir wichtig. Und eben genau dieser „treehugging“-Aspekt, oder auf Deutsch „das Baumknutschen“, gehört für mich ganz integral zu meinem Erleben von Nachhaltigkeit.

Das bedeutet nicht, dass ich tatsächlich Bäume knutsche (wobei, umarmt werden sie doch hin und wieder), sondern vielmehr im übertragenen Sinne, dass ich die Natur unglaublich liebe und wertschätze. Ich finde es immer wieder faszinierend, die Schönheit dieses Planeten zu erleben und mich eins mit ihm zu fühlen. Dieses Erleben ist auch ein Stück Achtsamkeit. Wenn ich einen Vogel über das Gras hüpfen sehe, wenn ich anmutige Berghänge oder Knospen erblühen sehe, dann weiß ich jedes Mal, dass das Leben schön ist und dass ich diesen Planeten und seine Lebewesen schützen möchte.

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Bevor ich nach Kanada gegangen bin, war ich deshalb natürlich sehr neugierig auf die Fauna und Flora, auf die ich treffen würde. Leider muss ich sagen, dass ich bisher noch in keinem Nationalpark war und keinen Bären oder Elch getroffen habe. Ich musste feststellen, dass man die Parks ohne Auto quasi kaum erreichen kann. Ein Bus fährt nur sehr selten und passt dann überhaupt nicht in meine Arbeitswoche hinein. Aber bislang habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, doch noch in die große Wildnis auszureißen.

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Bis dahin erkunde ich die kleineren Naturgebiete, die um und in Toronto liegen. Auf den kleinen Ausflügen habe ich die Schönheit dieser Erde getroffen. Am meisten freue ich mich natürlich über die Tiere, die es bei uns nicht oder kaum gibt. So habe ich mich bereits zweimal wie ein kleines Kind gefreut, als auf einmal ein Waschbär vor mir auf den Bürgersteig hopste. Ein weiterer Favorit sind die kleinen Streifenhörnchen, die ich im High Park getroffen habe.

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Eichhörnchen gibt es bei uns zwar auch, aber nicht in diesem Ausmaß. Ich sehe hier jeden einzelnen Tag mindestens fünf Eichhörnchen. Hier in Kanada sind sie schwarz oder braun und etwas größer als bei uns.

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Für die Kanadier sind sie wohl ähnlich wie Tauben, aber ich freue mich jedes Mal immer noch unglaublich über die putzigen kleinen Tiere, die mir einen Moment des Tages versüßen. Auch interessante Vögel gibt es hier, die ich nicht kenne. Unter anderem habe ich eine kleine Art des Spechts gesehen.

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In einigen Gebieten, in denen ich unterwegs war, gibt es Koyoten, aber leider habe ich bisher noch keinen zu Gesicht bekommen.

Aber nicht nur über die Tiere, sondern auch über die Natur generell freue ich mich. Letztes Wochenende habe ich eine zweistündige Fahrradtour durch die kleinen Bachtäler von Toronto zu den Scarborough Bluffs gemacht. Die Bluffs sind ein 14 Kilometer langer Klippenstreifen, der sich am östlichen Rand der Greater Toronto Area entlang zieht. Als ich dort am Abhang stand, hatte ich das Gefühl, ich wäre am Meer.

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Einige weitere Bilder, die ich bei meinen Ausflügen geschossen habe, möchte ich an dieser Stelle ohne viele Worte mit euch teilen, und hoffe, dass ihr mit mir die Schönheit unserer Welt spüren könnt. Genießt ihr die Natur um euch herum auch so sehr? Wo seht ihr die Schönheit in diesem Planeten?

 

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Wie in Trance: Bei einer afro-brasilianischen Kult-Zeremonie in Salvador

„Ich gehe jetzt einmal Abendessen und hole euch dann wieder ab“, spricht Armando. Wie, er ist jetzt weg? Er ist doch unser Guide! Ich habe doch eine Tour gebucht! Es ist…

„Ich gehe jetzt einmal Abendessen und hole euch dann wieder ab“, spricht Armando. Wie, er ist jetzt weg? Er ist doch unser Guide! Ich habe doch eine Tour gebucht! Es ist doch seine Aufgabe, uns alles über Cantomblé, die wilde, afro-brasilianische Religion, zu erklären! Bevor ich aber zum Protest ansetzen kann, ist er auch schon verschwunden! Wir bleiben auf den weißen Plastikstühlen zurück, ich und das Mädchen aus Mauritius, das in den nächsten drei Stunden zu meiner besten Freundin, Übersetzerin, Verbündeten wird.

Der Altar vor dem Cantomblé-Tempel. Foto: Doris

Der Altar vor dem Cantomblé-Tempel.

Dunkle Augenpaare starren uns neugierig von links wie rechts an – wir grinsen ihnen ein bisschen verkrampft entgegen. Angriff ist schließlich die beste Verteidigung, heißt es doch, oder? Dabei stehen wir gar nicht unter Beschuss – nur etwas unter Beobachtung, sind wir doch die einzigen „Anderen“ im Raum. Die einzigen Nicht-Brasilianer. Und auch wenn sich meine mauritianische Begleiterin mit ihrer dunklen Haut und ihrem gebrochenen Portugiesisch durchaus unbemerkt unter die für Salvador typischen Ur-, Ur-, Ur-, Ur-….-Enkel der Sklaven mischen könnte – ich falle definitiv aus der Reihe. Doch so unterschiedlich wir sind, eines haben wir alle gemeinsam: Wir warten!

Das Fest, das wir heute im Tempel feiern, findet nur einmal im Jahr statt. Foto: Doris

Das Fest, das wir heute im Tempel feiern, findet nur einmal im Jahr statt.

Cantomblé – das Wort hat mich magisch in den Bann gezogen, seitdem ich es im Lonely Planet zum ersten Mal entdeckt hatte. Es klingt so verführerisch, Geheimnis umwittert, verlockend! Es ist der Name der afro-brasilianische Religion, die mit den Sklaven ab dem 16. Jahrhundert nach Brasilien gebracht wurde und hier in Bahia, vor allem in Salvador, unter den Nachkommen der afrikanischen Immigranten noch immer praktiziert wird. Was damals vor den Katholiken verborgen und nur im Stillen ausgeübt werden durfte, ist heute der ganze Stolz der Afro-Brasilianer. Überall auf Plätzen, ja selbst in der Lagune von Salvador – dem Dique do Tororó – , stehen manns- beziehungsweise besser gesagt frau-hohe Abbilder der orixás, der Gottheiten; die farbenfrohen Bilder in den Straßen des touristischen centro historicos sind voll von ihnen, und Glücksbringer mit den meist weiblichen Figuren in ihren ausladenden, steifen Röcken hängen in jeder Auslage.

Jeder Mensch hat eine Gottheit, die ihn bewacht - so glaubt man im Candomblé. Foto: Doris

Jeder Mensch hat eine Gottheit, die ihn bewacht – so glaubt man im Candomblé.

Und dann sind da noch die Zeremonien: Fast wöchentlich findet irgendeine Feier zu Ehren einer Gottheit statt, die alle unterschiedliche Persönlichkeiten und Geschichten mit sich bringen. Das erzählt uns unser Guide während der Autofahrt zum Tempel, dem sogenannten terreiro. Die meisten wiederholen sich Woche für Woche, nicht aber diejenige, der wir in Kürze beiwohnen sollen: Die heutige Zeremonie zu Ehren der orixá Oshun (Oxun) – der Weg- und Metall-Göttin, so sagt Armando (Wikipedia sagt etwas Anderes) – findet nämlich nur einmal im Jahr statt.  „Wir haben so ein Glück“, flüstert mir die Mauritierin zum ersten Mal zu. Es sollte nicht das letzte Mal sein.

Die Zeremonie zu Ehren von Oxun ist in drei Teile geteilt und dauert über drei Stunden. Foto: Doris

Eigentlich ist Fotografieren nicht erlaubt (so sagte man uns vorab): Nachdem aber alle ungeniert mit Smartphone bewaffnet waren, habe ich mich nach zwei Stunden auch verleiten lassen und das iPhone gezückt. Hier die TänzerInnen und SängerInnen der Zeremonie.

Es ist diese Zeremonie, auf die wir im Tempel warten. Eben wurden wir noch vom Sohn der Priesterin höchstpersönlich begrüßt – dann kann es losgehen. „Es ist wie bei mir zuhause“, japst die Mauritierin, deren Name ich nie erfahren habe, „die gleichen Schritte, die gleiche Musik“, sagt sie und klatscht im Rhythmus mit. Ich mache es ihr gleich – wehren ist ohnehin zwecklos, zu mitreißend ist das Trommeln der Alabe (so der Name der männlichen Gruppe). Um die zwanzig Frauen und vier Männer, alle in Weiß gekleidet, die meisten davon in den bauschigen, weiten Röcken, bewegen sich zu den lauten, rhythmischen Trommeln gegen den Uhrzeigersinn im Kreis. Dabei schwingen sie die Hüften, schütteln die Busen, gestikulieren mit ihren Armen und bewegen ihre mehr als üppigen Körper so, wie man es angesichts der Leibesfülle niemals vermuten würde.

Abwechselnd trommeln die Mitglieder der Alambe den Rhythmus vor. Foto: Doris

Abwechselnd trommeln die Mitglieder der Alambe den Rhythmus vor.

Das ist erst der Anfang: Es sollte drei Stunden lang so weitergehen, was sag‘ ich: Mehr werden! Was wie Chaos und nach Leichtigkeit aussieht, verläuft offensichtlich nach einem strengen Protokoll. Dirigiert wird das Ganze vom Sänger und Alabe-Leader, der selbst in seinen Zigarettenpausen noch die Oberhand behält und genau weiß, wann er wieder ein „Kommando“ geben muss. Was genau gesungen wird, das können wir nicht einmal erahnen, wird die Zeremonie doch in der Yoruba-Sprache abgehalten.

Ein lauter Schrei dringt durch die Zuschauer: Alle Blicke richten sich auf eine gefärbte Blondine, die noch Minuten zuvor unbemerkt in der Ecke gelehnt hat. Jetzt schüttelt und beutelt es die Frau, dass es mich nicht wundert, dass die Katholiken im 16. Jahrhundert Cantomblé für eine Teufelssache gehalten haben. Der Schweiß tropft ihr von der Stirn. Das allein wäre aber nichts Außergewöhnliches, ist es doch unglaublich heiß in diesem kleinen Tempel. Und die vielen Menschen, das ständige Kommen und Gehen, machen es nicht besser. Doch im Fall der Blondine ist es anders: Wie sie fallen immer wieder Leute aus dem Publikum, aber auch TänzerInnen in Trance, werden von der Musik (von der Gottheit?) in Beschlag genommen, müssen sich austoben, gestikulieren wild herum und brüllen, kreischen, jauchzen, was das Zeug hält… und immer wieder werden sie von „Ordnungshütern“ aufgefangen und sanft hinaus geführt. Irgendwann tauchen sie dann erneut auf, ganz ruhig, so als wäre nichts geschehen. „Die Leute erinnern sich später an nichts mehr“, wird uns Armando später – nach seinem Abendessen, nach der Zeremonie – im Auto erklären.

Die Sorge habe ich auch. Nicht, dass ich mich nicht mehr an den Abend erinnern kann – zu unvergesslich, spannend, außergewöhnlich und einzigartig ist das Erlebnis. Ich habe Angst, die Details zu vergessen – die Gesten und Handbewegungen, die offenbar alle eine Bedeutung haben. Den Gesichtsausdruck der Priesterin, wenn sie eine Runde dreht, in einer Art Schlaf-Wach-Zustand die Menschen umarmt und alle mit einem Strahlen in den Augen zurücklässt. Die offenen Münder der kleinen Mädchen neben mir, die ihre Hälser strecken mussten, um einen Blick auf die tanzende Menge zu ergattern. Es sind einfach zu viele Sinneseindrücke in zu kurzer Zeit…

„Jetzt hole ich auch gleich mein iPhone heraus“, zischt mir die Mauritianerin zu. Eigentlich hat es geheißen: Fotografieren nicht erlaubt. Daran haben wir uns bis (fast) zum bitteren Ende gehalten, auch wenn ich sie schon anfangs angestupst hatte: „Schau mal, da filmt einer mit dem Tablet!“ Sie hatte es schon gesehen. Tatsächlich sind wohl selten Tanzschritte und Gebets-Gesänge aus dem 16. Jahrhundert mit so vielen Smartphones und iPhones in einem Raum wie an diesem Abend. Nachdem alle rundherum ungeniert filmen, halten wir es nicht mehr aus und greifen zu unseren iPhones. Mit einem unwohlen Gefühl in der Magengrube und schweißnassen Händen. Beides liegt aber eher an meinem schlechten Gewissen, gegen Regeln verstoßen zu haben als einem Trance-Zustand – bei mir zumindest.

Tipps

Laut Lonely Planet sind sämtliche Orixás, also Cantomblé-Zeremonie, auch online zu finden, aber die angegebene Website führt leider zu einer allgemeinen Salvador-Tipps-Seite. Auch die Recherchen meiner mauretanischen Kurzzeit-Freundin auf dem Markt ergab wenig: „Geh in die Straßen von Lapa“, hieß es da. Doch nachdem Orixás meist bei Nachteinbruch (zwischen 19 und 22 Uhr) stattfinden, würde ich keinem raten, allein durch die finsteren Straßen und Gassen Salvadors zu irren. Nehmt euch lieber einen Guide, so wie wir es getan haben.

Wenn ihr ebenfalls Larturismo kontaktieren möchtet, wendet euch per E-Mail an Armando: larturimso.vendas@gmail.com beziehungsweise larturismo.contato@yahoo.com.br. Die Tour startet offiziell um 18 Uhr und endet um 22 Uhr. Kosten: 70 Reais.

Zu bedenken ist: Schwarze Kleidung ist normalerweise nicht erlaubt, am besten trägt frau/man weiß! Fotoapparate sind eher unerwünscht, ein iPhone oder Smartphone darf aber zum Filmen gezückt werden. Vorher aber dennoch bitte fragen, schließlich handelt es sich um religiöse Zeremonien – und da sollte man Respekt zeigen. Es gibt auch bezahlte Orixá-Shows, die allerdings nichts mit den echten Feiern zu tun haben. Leicht erkennbar sind Erstere daran, dass beim Eintreten nochmals Geld verlangt wird. Ich denke nicht, dass sich diese Erfahrung lohnt, um ehrlich zu sein. Kehrt lieber um und wartet auf eine echte Zeremonie.

 

Offenlegung: Larturismo habe ich über das Hostel El Misti gebucht, das mir wiederum aufgrund einer Kooperation mit HostelClub eine Gratis-Unterkunft in Salvador ermöglicht hat. Danke dafür! Die Meinungen und Ansichten bleiben natürlich wie immer meine eigenen.

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Grün im großen weißen Norden: Anhaltende Kälte und Erfahrung mit Meetup

Als wollte Kanada mir zeigen wie kalt es hier sein kann, gibt der Winter das Land nicht für den Frühling frei, sondern hält es weiterhin mit kalten Temperaturen in seinem…

Als wollte Kanada mir zeigen wie kalt es hier sein kann, gibt der Winter das Land nicht für den Frühling frei, sondern hält es weiterhin mit kalten Temperaturen in seinem eisernen Griff. Noch immer sind Schal, Mütze und Handschuhe oberste Pflicht, wenn ich das Haus verlasse; immer noch muss ich mich mindestens dreimal am Tag eincremen und habe trotzdem trockene Haut; und noch immer warten wir alle sehnlich auf die Knospen an den Ästen und stabile Plusgrade. Mittlerweile haben auch die Kanadier genug von der Kälte und jeder, den ich treffe, erzählt mir, dass der Winter hier noch nie so lange angedauert hat. Bei diesen Temperaturen spielt sich das Leben nach wie vor hauptsächlich drinnen ab. Doch das bedeutet nicht, dass man alleine zu Hause hocken muss. Ich habe in der letzten Zeit verschiedenste Dinge erlebt. Eines davon war ein Meetup Treffen.

Meetup ist eine globale Plattform, die Menschen die Möglichkeit bietet, sich zu vernetzen. Doch dabei geht es nicht um eine rein digitale Vernetzung, wie beispielsweise bei Facebook, Twitter und anderen sozialen Medien. Meetup möchte echte menschliche Begegnungen fördern und den Zusammenhalt von örtlichen Gemeinden stärken. In insgesamt 196 Ländern gibt es Meetup Gruppen zu allen möglichen Interessenbereichen. Man kann per Suchfunktion nach interessanten Gruppen stöbern oder ganz einfach eine eigene erstellen. Die Leiter einer Gruppe erstellen Termine für Treffen, beispielsweise gemeinsame Restaurantbesuche, Leseabende oder Ausflüge. Per Mausklick kann man sich eintragen und so Teil des nächsten Treffens werden.

Ich hatte vor meinem Aufenthalt in Kanada noch nie von Meetup gehört, obwohl diese Gruppen auch in vielen deutschen Städten existieren. Als ich vor einiger Zeit darauf stieß, machte ich mich gleich auf die Suche nach potenziell interessanten Gruppen. Es erschien mir eine gute Möglichkeit, Leute und neue Seiten der Stadt kennen zu lernen sowie sich über Themen auszutauschen, die mich interessieren. Ich suchte mir ein paar Gruppen zu den Themen vegane Lebensweise, Nachhaltigkeit, Meditation und gesunder Lebensstil und habe mich für einige Treffen eingetragen. Letzte Woche war ich bei meinem ersten Treffen der Gruppe Healthy Lifestyle. Der Treffpunkt war fresh, eine kleine vegetarische Restaurantkette mit vielen veganen Gerichten. Wir waren insgesamt zu siebt und studierten begeistert die leckere und vor allem größtenteils sehr gesunde Speisekarte. Das Essen war gut und ein Gesprächsthema reihte sich an das nächste.

MeetUp

Ich fand es schön, mich mit Fremden zu treffen, die dennoch alle ein gemeinsames Interesse haben. Ich habe sehr verschiedene Menschen kennen gelernt und Gespräche über gesundes Essen, Ernährungsweisen, Reisen, das Gesundheitswesen, biologischen Gartenanbau und über Fahrradfahren und die Relevanz von Helmen, Lebensmittelverschwendung und Unterschiede zwischen Europa und Kanada geführt. Nicht zuletzt hat auch das leckere Essen seinen Teil zu einem runden und bereichernden Abend beigetragen.

Morgen gehe ich zu einem veganen Brunch-Meetup einer anderen Gruppe. Auch darauf freue ich mich schon. Ich denke, dass beides einen Reiz haben kann. Es ist schön, interessante Gespräche mit fremden Menschen zu führen. Genauso schön stelle ich es mir aber vor, sich öfter mit der gleichen Gruppe zu treffen und eventuell sogar kleine Projekte auf die Beine zu stellen oder einfach nur eine entspannte Zeit miteinander zu verbringen. Man wagt sich also trotz der andauernden Kälte nach draußen; auch wenn sich diese Dinge zunächst noch vorwiegend drinnen abspielen. Aber der Frühling kommt bestimmt.

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Arkayana: Eine heilende Reise in den Amazonas.

Ein aussergewöhnliches Crowdfunding-Projekt braucht deine Hilfe! Eine starke Frau, die anderen Frauen mit einem englischen Dokumentarfilm neuen Mut machen will. Ein Film, der zwei Frauen auf ihrer Reise durch den…

Ein aussergewöhnliches Crowdfunding-Projekt braucht deine Hilfe!

Eine starke Frau, die anderen Frauen mit einem englischen Dokumentarfilm neuen Mut machen will. Ein Film, der zwei Frauen auf ihrer Reise durch den Amazonas begleitet. Sie wollen sich ihrer von sexuellem Missbrauch geprägten Vergangenheit stellen. Die Regisseurin Mardy Malika möchte mit ihrem Team La Loca Colectiva Frauen stark machen und sich für ihre Rechte einsetzen. Sie möchte die Frauen ermutigen, das Schweigen über ihren Missbrauch zu brechen und wie die Frauen im Film ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Das Team findest du auch auf Facebook unter https://www.facebook.com/lalocacolectiva.

Die gesamten Spenden werden für die Produktion des Dokumentarfilms verwendet. Das ambitionierte Team möchte keinen Gewinn machen, sondern helfen und möglichst viele Menschen mit ihrer Arbeit erreichen. Man will den Opfern zeigen, dass sie nicht alleine sind und auf die Problematik und den Handlungsbedarf in unserer Gesellschaft aufmerksam machen. Der Film wird kostenlos auf YouTube und Vimeo veröffentlicht werden und darf und soll geteilt werden.

Falls auch du helfen möchtest, dieses Projekt zu unterstützen, findest du hier weitere Informationen: http://igg.me/at/arkayana

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Grün im großen weißen Norden: Einkaufen und Essen gehen

Wenn man für einige Zeit an einem Ort gelebt hat, weiß man, wo man seine Naturkosmetik und seine Lebensmittel herbekommt. Man kennt die Bio-Märkte, die veganen Restaurants, Aktivistengruppen und Foodshare-Möglichkeiten…

Wenn man für einige Zeit an einem Ort gelebt hat, weiß man, wo man seine Naturkosmetik und seine Lebensmittel herbekommt. Man kennt die Bio-Märkte, die veganen Restaurants, Aktivistengruppen und Foodshare-Möglichkeiten in seiner Gegend und weiß, wo es gute Secondhand-Läden oder ökologische Kleidung gibt. So war es auch für mich. Ich hatte mir eine kleine grüne Karte in meinem Kopf gebastelt. Doch mit meinem Umzug nach Toronto stand ich wieder vor einer Tabula Rasa. Ich wusste nicht, wie die Supermärkte und Einkaufsmöglichkeiten hier aussehen und wie verbreitet biologische und vegane Produkte sind. Zumal ist die Stadt so riesig, dass man sich nicht einfach schnell einen Überblick verschaffen kann.

Wie bin ich also vorgegangen? Zuallererst habe ich mir die gewöhnlichen Supermärkte angesehen. Das sind hier in Kanada vor allem No Frills und Loblaws. Ich hatte bereits erwartet, dass in Amerika alles etwas größer sein würde. Aber ich war dennoch beeindruckt, wie riesig die Supermärkte hier sind. Besonders geschockt war ich über die Obst- und Gemüseabteilung. Dort gibt es Erdbeeren, Heidelbeeren, Wassermelonen und anderes Sommerobst in Hülle und Fülle. Ich weiß, dass in Deutschland auch oft außer-saisonales Obst angeboten wird, doch hier scheint es wesentlich extremer. Man bekommt das Gefühl, als sei es ganz normal, dass man jetzt Erdbeeren kaufen kann. Das vegane sowie Bio-Angebot im „kleineren“ Supermarkt No Frills geht gegen Null. Loblaws bietet hingegen mehr an. Generell bin ich aber kein Freund großer Supermarktketten und so recherchiere ich nach Bioläden und Biomärkten. Ich suche gezielt nach einer Lebensmittelkooperative und stoße auf Karma Co-op.

Karma ist der Zusammenschluss vieler einzelner Personen zum gemeinsamen Einkaufen. Die Kooperative ist nicht auf wirtschaftlichen Gewinn aus und wird durch ihre Mitglieder geführt. Dafür, dass man seinen Teil zur Kooperative beiträgt, indem man zwei Stunden im Monat arbeitet, kann man dort relativ günstig einkaufen. Karma kauft seine Produkte direkt von Bauern und achtet auf ein regionales, biologisches, Gentechnik-freies Angebot. Letzterer Punkt ist hier viel relevanter als in Europa, denn Gentechnik ist hier erlaubt. Das Tolle ist, dass sie viele Produkte aus Großpackungen direkt verkaufen. Man kann sich ein Glas mitbringen und beispielsweise sein Olivenöl aus dem großen Container abfüllen. Auf diese Weise wird sehr viel Müll vermieden, was ich super finde. Außerdem bietet Karma auch Naturkosmetik und viele vegane Produkte an. Im Bezug auf Lebensmittel bin ich also sehr gut ausgestattet. Da der Laden etwas weiter weg ist, versuche ich mich mit einem Wocheneinkauf auszustatten.

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Doch wie ist es mit Restaurants oder Second-Hand-Läden? Generell gehe ich nicht sehr oft essen, aber ab und zu ist es eben doch ganz nett. Deshalb wühle ich mich erneut durch das Internet auf der Suche nach veganen Restaurants. Ich stelle mit einem strahlenden Gesicht fest, dass es hier sehr viele vegetarische und vegane Restaurants gibt. So viele, dass ich fast Lust bekomme, sie alle auszuprobieren. Von Feel Good Guru habe ich ja bereits in meinem ersten Kolumnenbeitrag berichtet. Bisher war ich nur dort und in einem anderen Restaurant, welches auch sehr lecker war. Ich habe das Gefühl, dass die vegane Küche in Toronto generell Wert auf einen hohen Rohkostanteil und gesunde Zutaten legt. Das sagt mir sehr zu und ich bin gespannt noch andere Restaurants auszuprobieren. Auch bei meiner Suche nach Second-Hand-Läden oder biologischer Kleidung hilft mir das Internet weiter. Nachhaltige Mode scheint in Kanada, obgleich vorhanden, nicht ganz so verbreitet zu sein wie in Deutschland. Allerdings habe ich einen Second-Hand-Laden bei mir in der Nähe gefunden, bei dem ich mir gleich noch ein wenig Winterkleidung gekauft habe.

Langsam strecke ich also meine Fühler aus und bastle mir wieder meine kleine grüne Karte. Diesmal allerdings nicht nur im Kopf, denn dafür ist mir Toronto zu groß und ich zu wenig vertraut mit der Umgebung. Deshalb habe ich auf meiner Stadtkarte alle wichtigen Anlaufstellen markiert. Eine kleine Internetrecherche ist eine große Hilfe um sich schnell in einer Stadt zurecht zu finden. Dennoch lasse ich mich auch gerne treiben und erkunde ohne Kartenmaterial. Auf diese Weise habe ich schon einige schöne Orte gefunden.

Bereitet ihr euch auch auf einen Aufenthalt in einer neuen Stadt durch Recherche vor? Was sind eure Erfahrungen nach einem Umzug? Lebt ihr euch schnell ein?

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Als Vegetarierin durch Brasilien: Teil 2 einer Versuchsreihe

Treffen sich zwei Vegetarierinnen in Salvador, Brasilien… Was der Beginn eines Witzes sein könnte, ist tatsächlich passiert. Die eine Mauritierin, die andere aus Österreich. Wie ihr euch denken könnt: Ich…

Treffen sich zwei Vegetarierinnen in Salvador, Brasilien… Was der Beginn eines Witzes sein könnte, ist tatsächlich passiert. Die eine Mauritierin, die andere aus Österreich. Wie ihr euch denken könnt: Ich war die Andere. Natürlich haben wir uns – kaum die gemeinsame Leidenschaft herausgefunden – über die Schwierigkeiten unterhalten, die wir als Nicht-Fleisch- oder Fischesserinnen in diesem südamerikanischen Land über uns ergehen lassen müssen. Während ich dankbar dafür bin, mir nicht die Aufgabe gestellt zu haben, vegan durch Brasilien zu reisen und mich rettend immer wieder mit einem Pão com Queijo, einem Käsebrot, begnüge, hat die Mauritierin einen anderen Tipp: „Wenn ich nichts finde, werde ich für ein paar Tage zur Frutarierin.“

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Viele verschiedene Früchte gilt es auszuprobieren, meist als Suco = Saft

Gut, das ist natürlich auch eine Möglichkeit – dank den vielen Fruchtsäften und der Menge an neuen Obstsorten, die es hier zu entdecken gibt. Aber auf Dauer ist das ja keine Lösung. Damit ihr nicht vor dem Problem steht, solltet ihr einmal nach Brasilien fliegen, gibt es deshalb ein paar nützliche Vokabeln. Und glaubt mir, ihr werdet mir danken – denn mit Englisch oder Spanisch kommt man hier leider gar nicht weit.

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Flüssignahrung ist auch eine Möglichkeit

Ich bin Vegetarier/In. – Eu so o vegetariano / a vegetariana.
Ich esse kein Fleisch. – Não como carne ou frango.
Etwas ohne Fleisch oder Fisch? – Algo sem carne o peixe?
Fleisch – carne
Hähnchen/Hühnerfleisch – frango
Meeresfrüchte – os mariscos
Fisch – peixe
Wurst – embutido
Gemüse – legume
Butter – manteiga

Auf Pao, Sandwich oder Empanada mit Käse oder Gemüse kann man meist schon zurückgreifen. Gutes „Streetfood“ ist auch Acarajé, das die afro-brasilianisch gekleideten Verkäuferinnen vor allem in Salvador auf der Straße feilbieten. Aber Achtung, immer „sem camarão“ dazusagen, sonst landet eine böse Überraschung in Form eines Shrimps auf eurem Teller.

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Gefülltes Pastel mit Jaca Frucht

Eine gute Alternative sind auch Maiskolben oder aber Tapioca, das die Straßenverkäufer in ganz Brasilien bereit halten. Es ist eine Art Brot, das aus dem Mehl der Maniokwurzel hergestellt und mit diversen Zutaten auf süße oder salzige Art gefüllt wird. Die mit Käse und Kokosflocken kann ich genauso empfehlen wie die klassische Variante mit Käse und Tomaten.

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Tapioca

Ihr merkt schon: Trotz einiger Schwierigkeiten kann man es sich hier in Brasilien auch als Vegetarierin gut schmecken lassen. Eine gute Hilfe für VegetarierInnen, die sich für Brasilien interessieren, ist übrigens auch diese Plattform: http://www.vegetarianos.com.br – vorausgesetzt, man versteht etwas portugiesisch.

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Als Vegetarierin durch Brasilien: Teil 1 einer Versuchsreihe

„Wir müssen unbedingt zu Mercado Municipal“, meint meine Freundin Daniela in Sao Paulo und nimmt mich gleich an der Hand, „da gibt es ein riesiges Sandwich, das sehr bekannt ist.“…

„Wir müssen unbedingt zu Mercado Municipal“, meint meine Freundin Daniela in Sao Paulo und nimmt mich gleich an der Hand, „da gibt es ein riesiges Sandwich, das sehr bekannt ist.“ „Klar, warum nicht?“, denke ich und will noch fragen: „Das ist vegetarisch!?“ Ich hätte die Frage besser stellen sollen, denn natürlich blitzte dick und fett „Mortadella Sandwich“ von der Leuchttafel des Standes. Eine Geschichte, wie sie typisch ist für Brasilien. Nein, für ganz Südamerika – ich habe es ja nach neun Monaten in Kolumbien, Ecuador, Bolivien, Argentinien und Uruguay vor zwei Jahren beinah vermutet . Manchmal ist es gar nicht so schön, recht zu haben…

Pizza auf dem Markt: Vorne mit Ruccola, hinten mit Palmita. Bild: Doris N.
Statt Fleisch-Sandwich gibt es Pizza auf dem Markt: Vorne mit Rucola, hinten mit Palmita.

Tatsächlich kann ich nach fast einer Woche in Brasilien sagen: Vegetarier haben es nicht einfach. (Veganer noch viel schwerer, aber das ist eine andere Geschichte.)

„Ich habe aber einige vegetarische Freunde – und die überleben“, versprach mir meine Freundin Cristiane, bei der ich in Rio de Janeiro untergekommen bin. Bei ihrer Familienfeier hoch über der Copacabana mit Blick aufs Meer und Zuckerhut konnte ich auch tatsächlich überleben. Wenn bloß mit Salat und Co, denn das Familienrezept eines Fisch-Kuchens war nicht ganz im Sinn einer Vegetarierin. Auch wenn es verdammt gut ausgesehen hat, wie ich gestehen muss. Doch mit Bohnen, Reis, Grünzeug und Käse kommt man hier schon weiter.

Familienbuffet: Einiges davon ist sogar für VegetarierInnen essbar. Bild: Doris N.
Familienbuffet: Einiges davon ist sogar für VegetarierInnen essbar.

Meine Rettung: Wie gut, dass in Brasilien überall in den Städten Kilo-Restaurants Furore gemacht haben. Da lädt man sich einfach alles, was man vom Buffet mag, auf den Teller und zahlt das, was man isst. Abgewogen. Je nach Kilo. Klar, es gibt auch hier vorwiegend Fleisch… aber auch Palmita, Manjioka (Maniok in jeder Form), Polenta oder Reisbällchen. Und natürlich die schön leichten, ähm, in Fett herausgebratenen oder frittierten Pasteles. Wer Glück hat, erwischt eines mit Käse – oder lässt sich von Freunden beraten. Beschriftet ist alles bloß in Portugiesisch. Wer Spanisch spricht wie ich (naja, okay, ansatzweise) hat einen klitzekleinen Vorteil.

Hoch über der Copacabana beim Familienessen mit Aussicht. Bild: Doris N.
Hoch über der Copacabana beim Familienessen mit Aussicht.

Fazit einer Woche: Vegetarier haben es nicht einfach – aber ich werde überleben. Vor allem, wenn ich mich weiterhin von Açaí mit Granola ernähre. Das Beste (und Teuerste, 13 Reals, fast vier Euro!) gibt es übrigens in Baby Lanches an der Copacabana. Ich heiße Doris und ich bin süchtig!

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