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Schlagwort: Regionalität

Wie nachhaltig ist der Konsum von exotischen Früchten?

Bananen, Kiwis, Ananas, Mangos, Kakis und weitere Tropenfrüchte gehören heute zum Standardsortiment jedes Supermarktes. Die süßen Früchte sind beliebt, gesund und eine willkommene Abwechslung zu Äpfeln und Birnen. Besonders Veganer…

Bananen, Kiwis, Ananas, Mangos, Kakis und weitere Tropenfrüchte gehören heute zum Standardsortiment jedes Supermarktes. Die süßen Früchte sind beliebt, gesund und eine willkommene Abwechslung zu Äpfeln und Birnen. Besonders Veganer essen teilweise sehr viel Obst, darunter auch die süßen Exoten. Eine vegane Lebensweise wird oftmals mit einer großen Entlastung für die Umwelt gleichgesetzt. Doch ist das wirklich so, wenn exotische Früchte regelmäßig auf den Teller kommen? Schließlich reisen sie von weit her zu uns und der Transport verursacht CO2-Ausstoß.

Die Saisonalität

Die Antwort auf die Frage ist nicht ganz simpel. Viele Faktoren spielen hierbei eine Rolle. Zunächst einmal ist nicht jede Tropenfrucht gleich. Während Bananen, Papayas, Mangos, Ananas, Passionsfrüchte und Kokosnüsse ganzjährig Saison haben, wachsen andere exotische Früchte nur in bestimmten Perioden im Jahr. Dazu gehören beispielsweise Wassermelonen, Orangen, Mandarinen und Kiwis. Trotzdem sind Früchte dieser letzteren Kategorie oftmals das ganze Jahr über im Handel erhältlich. Das liegt daran, dass sie zu verschiedenen Zeiten im Jahr aus anderen Regionen stammen. Während die Wassermelone in den Sommermonaten beispielsweise in der relativ nahen Türkei angebaut wird, importiert man sie in Wintermonaten aus Südamerika. Dieser Obstsaison-Kalender hilft beim saisonalen Einkauf von heimischen und exotischen Früchten. Der Kalender zeigt auch, dass man einige Früchte zwar ganzjährig importieren kann, diese dann aber aus anderen Ländern kommen. Mit diesen Informationen kann man exotische Früchte in der Zeit kaufen, in der sie aus näheren Ländern importiert werden können. Hilfreich ist übrigens auch, auf die Saison der regionalen Obstsorten zu achten. So kann ein deutscher Apfel, der über Monate im Kühlhaus gelagert wurde, eine schlechtere Klimabilanz haben, als eine Wassermelone, die gerade Saison in der Türkei hat oder gar ein Apfel aus Chile. Auch geheizte Gewächshäuser sorgen für eine negative Bilanz.

Das Transportmittel

Neben der Länge des Transportweges gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie die bunten Tropenschätze ihren Weg zu uns finden: Per Schiff oder per Flugzeug. Da die Schiffsfracht weniger CO2-Emissionen verursacht als das Flugzeug, hat es auf den ersten Blick den Anschein, dass der Flugtransport wesentlich umweltschädlicher ist. Allerdings ist das nicht der einzige Schadstoff, der beim Vergleich zwischen Schiff und Flugzeug relevant ist.

Schiffe werden in der Regel mit Schweröl betrieben, das einen sehr hohen Anteil an Schwefel und toxischen Metalloxiden hat. Außerdem stoßen Schiffe eine Menge Feinstaub aus. Die Rußpartikel, Schwefel- und Stickoxide bergen nicht nur erhebliche gesundheitliche Risiken, sondern wirken sich auch sehr negativ auf die Umwelt aus. Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (Nabu) gibt an, dass jedes Jahr in Europa circa 50.000 Menschen als Folge von Schiffsemissionen vorzeitig sterben. Für die Umwelt bedeuten Schwefeloxide saurer Regen und Stickoxide eine Versauerung der Böden. Zudem fördern Rußpartikel den Klimawandel. Wenn die dunklen Partikel sich auf den Eisflächen ablagern, wird durch die dunklere Oberfläche mehr Wärme absorbiert und somit die Schmelze vorangetrieben.

Das Schiff ist damit also nicht klimafreundlicher als das Flugzeug, sondern eher schädlicher. Das liegt vor allem daran, dass im Schiffsverkehr bisher keine strengen Regelungen eingeführt worden sind. Während strikte Schadstoff-Grenzwerte für Autos und LKWs Pflicht sind, liegt der maximale Schwefelgehalt im Schifftreibstoff bei 3,5 Prozent und ist damit 3.500 mal höher als im Diesel-Benzin für Autos. Eine gute Nachricht ist, dass die Grenzwerte in den kommenden Jahren verschärft werden sollen. Ab 2015 soll der Schwefelgrenzwert in Schwefelkontrollgebieten, wozu auch Nordsee und Ostsee gehören, von 1 Prozent auf 0,1 Prozent gesenkt werden. Bis 2020 soll auch der Grenzwert in Nicht-Schwefelkontrollgebieten von 3,5 Prozent auf 0,5 Prozent gesenkt werden. Allerdings gibt es jetzt bereits weitere Maßnahmen, die die Schadstoffemissionen erheblich verringern könnten. Der Nabu fordert, dass wie oben beschrieben schwefelärmere Treibstoffe eingesetzt werden. Außerdem verlangen sie einen Stickoxid-Katalysator und einen Rußpartikelfilter. Bei Befolgung dieser drei Forderungen könnte man die Emissionen von Stickoxiden um 97 Prozent reduzieren und den von Ruß um 99 Prozent. Bisher wurden diese allerdings nicht umgesetzt.

Überseeimporte sind also im Allgemeinen nicht klimafreundlich zu bestreiten. Ob eine Obstsorte per Schiff oder Flugzeug zu uns gebracht wird, hängt oft von dem Reifeverhalten der Früchte ab. Flugobst hat den Vorteil, dass es bereits frühreif gepflückt werden kann, was relevant für Früchte ist, die nicht mehr viel nachreifen, nachdem sie geerntet wurden. Außerdem gibt es bestimmte exotische Früchte, die schnell verderben und aus diesem Grund primär mit dem Flugzeug importiert werden. Das sind beispielsweise Litschis, Baby-Bananen, Sternfrüchte, Physalis und Passionsfrüchte. Des Weiteren besteht der Irrglaube, dass sonnengereiftes Flugobst mehr Vitamine enthält und besser schmeckt als seine früher gepflückten und eingeschifften Kollegen. Diese Auffassung wurde allerdings in einer Studie der technischen Universität in Berlin widerlegt.

Früchte, die bedenkenlos nachreifen, werden oft auf dem Wasserweg zu uns gebracht. Hierzu zählen unter anderen Bananen, Papayas, Sapotillen, Kakis und Cherimoya. Andere Früchte, die kaum nachreifen – das sind unter anderem Ananas, Mangos und Rambutane – werden in der Regel eingeflogen, oder, um die Schifffahrt zu überstehen, mit einer großen Menge Fungizide behandelt. Einige Organisationen, wie die Unternehmen Tropenkost oder Kipepeo, probieren für den weiten Transportweg einen Kompromiss zu finden, indem sie für den Früchteimport nur ungenutzten Gepäckraum in Passagierflugzeugen verwenden. Damit müssen nicht extra Frachtflugzeuge für die Früchte fliegen. Das Problem an dieser Methode ist allerdings, dass mit jedem zusätzlichen Gewicht die Schadstoffemissionen des Fluges höher sind und der Umweltvorteil somit gegen Null geht. Deshalb setzt sich zum Beispiel das Unternehmen Tropenkost aktiv für Klimaschutzmaßnahmen ein, um seine Früchte klimaneutral anbieten zu können.

Vom (Super-)Markt nach Hause

Sowohl Flugzeug als auch Schiff sind aktuell keine klimafreundlichen Transportmittel. Die Umweltbilanz der gekauften Tropenfrüchte wird aber nochmals im nicht zu vernachlässigen Maß durch die persönliche Wahl des Transportmittels zum Einkaufen bestimmt. Wer mit dem Auto zum Supermarkt fährt, hat in etwa die gleichen Klimaauswirkungen verursacht, wie eine Packung Flugobst. Der Weg mit dem Fahrrad oder zu Fuß macht also einen großen Unterschied.

Monokulturen und soziale Aspekte

Wie bei anderen Produkten auch, ist der Anbau tropischer Früchte von der Problematik der Monokulturen betroffen, die keine nachhaltige Landwirtschaft zulassen. Ananas beispielsweise werden häufig auf diese Weise angebaut und mit einer großen Menge Pestizide und Insektizide behandelt. Diesen sind wir Konsumenten ausgesetzt, doch noch viel mehr das Trinkwasser vor Ort und die Menschen, die auf den Plantagen arbeiten. Neben den gesundheitlichen Problemen, sind auch die sozialen Bedingungen der Obstpflücker meist verheerend.

Um ökologische und sozial faire Konditionen zu schaffen, ist es also sehr wichtig beim Kauf von Tropenfrüchten auf fairen Handel und biologische Produkte zu achten. Der faire Handel verbessert die Lebensbedingungen der Bauern und Plantagenarbeiter, während das EG-Öko Zertifikat den Verzicht von künstlichen Düngemitteln, Fungiziden und Insektiziden verlangt. Außerdem müssen in den Anbaufeldern auch andere Pflanzen angesiedelt werden, die einer Monokultur entgegenwirken. Nature & More beispielsweise bietet Bio-Früchte an und setzt sich für nachhaltige und soziale Projekte ein, die die Produkte klimaneutral machen sollen.

Tropenfrüchte in Relation

Bedeuten diese Informationen, dass man nun am besten keine exotischen Früchte mehr kauft? Darum soll es nicht gehen, denn der Kauf der süßen Tropenschätze ist eine bedeutsame Einnahmequelle für die Bauern vor Ort, sofern die Arbeitsbedingungen fair sind. Gerade im Winter können exotische Früchte den Körper mit Vitaminen versorgen. Es ist darüber hinaus wichtig, die Umweltauswirkungen von Tropenfrüchten in Relation zu anderen Lebensmitteln zu setzen. Obst im Allgemeinen trägt nämlich bei weitem nicht so viel zu Klimaschäden bei wie Fleisch- und Milchprodukte. Neben der Belastung von Wasser und Böden erzeugt die tierische Lebensmittelindustrie wesentlich mehr Treibhausgase als der Anbau von pflanzlichen Produkten. Von den gesamten direkten Treibhausgas-Emissionen, die unsere Ernährung verursacht, werden beinahe 70 Prozent durch tierische Lebensmittel verursacht, wie eine Studie des WWF zeigt. Im Vergleich dazu ist Obst bloß für einen Anteil von 6,2 Prozent verantwortlich. Zudem entstehen durch den Anbau von Lebensmitteln indirekte Emissionen, da Landflächen in Ackerland umgewandelt werden. Auch für die indirekten Emissionen ist maßgeblich der Konsum von tierischen Produkten ursächlich.

Selbst Veganer, die regelmäßig exotische Früchte essen, haben also trotzdem einen erheblich kleineren ökologischen Fußabdruck im Bereich Lebensmittel als Fleischesser, bei denen nicht so viele exotischen Früchte auf den Teller kommen. Obst und Gemüse spielen in der Klimabilanz eine vergleichsweise sehr geringe Rolle. Dennoch bedeutet das nicht, dass man Obst ohne Bewusstsein für die Umwelt konsumieren sollte. Denn positive Auswirkungen hat die Wahl von saisonal-regionalen Obstsorten trotzdem.

Nachhaltiger Genuss

Einige einfache Regeln, zusammengefasst aus diesem Artikel, können beim nachhaltigen Konsum von exotischen Früchten helfen:

Regionalität und Saisonalität: Im Sommer gibt es regionales Obst in Hülle und Fülle, von Kirschen über Erdbeeren bis hin zu Pfirsichen und Nektarinen. Zu dieser Jahreszeit kann man also relativ gut auf exotische Früchte verzichten. In der restlichen Zeit sollte man Früchte wählen, die von ihrer Saison her gerade aus näheren Ländern importiert werden können oder im Idealfall aus dem Heimatland stammen.

Transport: Momentan scheint das Flugzeug klimafreundlicher zu sein als der Schifftransport. Im Bezug auf Verbesserung der Umstände können wir als Verbraucher Unternehmen wählen, die einen klimafreundlichen Transport unterstützen.

Weg zum Supermarkt: Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Lebensmittelladen zu fahren, wirkt sich positiv auf die Klimabilanz aus.

Bio und fair: Um Pestizidbelastung, Monokulturen und soziale Missstände zu verhindern, ist es wichtig auch beim Kauf von exotischen Früchten nach Bio- und Fair Trade-Zertifizierungen Ausschau zu halten.

Maßvoller Genuss: Zur Nachhaltigkeit gehört auch ein wenig Verzicht. Erdbeeren im Winter braucht niemand und es muss auch nicht jeden Tag eine Mango in den Smoothie kommen.

Selbst anbauen: Einige exotische Früchte können auch in unseren Breiten wachsen. Eine Kiwi im eigenen Garten garantiert ein unschlagbare Ökobilanz.

 

Quellen:
Balz, Friedrich, Pieper, Oeliger, & Rieger (2014). Luftschadstoffemissionen von Containerschiffen: Abhilfe durch saubereren Schiffsdiesel und wirksame Abgastechnik möglich – kaum Auswirkungen auf Transport- und Produktpreise. Naturschutzbung Deutschland (NABU) e.V.
Hillmer: Die Klima-Bilanz unserer Lebensmittel. Abendblatt, abgerufen von: http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article1344620/Die-Klima-Bilanz-unserer-Lebensmittel.html
Keiffenheim.“Eine einzige Flugreise nach New York belastet die Erdatmosphäre so stark wie ein Jahr Autofahren“. Greenpeace Magazin, abgerufen von: http://www.greenpeace-magazin.de/magazin/archiv/1-97/eine-einzige-flugreise-nach-new-york-belastet-die-erdatmosphaere-so-stark-wie-ein-jahr-autofahren/
Noleppa (2012). Klimawandel auf dem Teller. WWF Deutschland.
http://www.oeko-fair.de
Richtlinie des europäischen Parlaments und des Rates (2008): Zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Meeresumwelt (Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie). 164/19.
http://www.umweltnetz-schweiz.ch

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Grün im großen weißen Norden – Wychwood Farmer’s Market

Ich habe ein Ritual. Jeden Samstagmorgen stehe ich auf und laufe mit einer Freundin etwa 15 Minuten zum Wochenmarkt. Der Whychwood Farmer’s Market in Toronto hat sein Zuhause in einer…

Ich habe ein Ritual. Jeden Samstagmorgen stehe ich auf und laufe mit einer Freundin etwa 15 Minuten zum Wochenmarkt. Der Whychwood Farmer’s Market in Toronto hat sein Zuhause in einer alten Straßenbahnhalle, die heute für unterschiedliche Gemeinschaftsprojekte genutzt wird. Eines davon ist der Markt. Ein weiteres Projekt ist ein Gemeinschaftsgarten, der sich draußen neben der Halle befindet. Der Ertrag aus diesem Projekt wird unter anderem auf dem Wychwood Markt verkauft.

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Wenn wir die Halle betreten sind wir umgeben von brummendem Leben. An den beiden gegenüberliegenden Enden der Halle spielen jede Woche unterschiedliche Musiker. Ob Gitarre, Kontrabass, Hang, Geige oder Trommel – ich habe schon vieles gesehen. Große Kinderaugen blicken fasziniert auf die Instrumente oder tanzen zu der Musik. Doch die Instrumente sind nicht die einzigen Geräusche in dem emsigen Bienenstock. Man hört die Leute lachen und plaudern, hört Tofu in der Pfanne brutzeln oder den Blender einen neuen Smoothie zubereiten. Die Halle ist gefüllt mit Leben.

Für mich ist der Markt eine der besten Möglichkeiten einzukaufen. Die Produkte, die angeboten werden, sind regional und saisonal, ein Großteil biologisch. Zusätzlich ist der Einkauf dort aber auch einfach unglaublich persönlich. Jede Woche treffe ich dort dieselben Menschen und weiß, dass sie das Gemüse mit angebaut haben. Es ist eine ganz andere Begegnung mit meinen Lebensmitteln im Vergleich zur unpersönlichen Massenware im Supermarkt.

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Aber neben Grünkohl, gelben Möhren und Pastinaken gibt es hier auch fertige Speisen. Drei Backstände verkaufen Brot und Brötchen, weitere bieten Desserts an. Besonders schön ist, dass es dabei eine große vegane und rohköstliche Auswahl gibt. Außerdem werden grüne Smoothies, selbst eingelegtes Gemüse oder selbst gemachtes Apfelkompott, Kichererbsen-Tempeh und andere Leckereien angeboten. Der Markt ist also nicht nur zum Einkaufen von Gemüse, sondern auch zum Essen geeignet. Selbst wenn ich manchmal nicht viel kaufe, ist der Besuch jedes Mal ein schönes Erlebnis, weil die Atmosphäre dort so lebhaft und positiv ist. Jeden Besuch beim Wychwood Market runde ich mit einem glutenfreien und veganen Blueberry-Streusel Mini-Muffin ab. Der schmeckt wirklich magisch gut und ich nehme mir jedes Mal vor, das Geheimnis in meiner eigenen Küche zu lüften.

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Zufrieden laufen wir wieder nach Hause und freuen uns darüber, dass seit dieser Woche der Frühling auch endlich bei uns angekommen ist. Eine kleine Fahrradtour zum See beweist: Auch dieser ist mittlerweile aufgetaut.

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Grün im großen weißen Norden: Einkaufen und Essen gehen

Wenn man für einige Zeit an einem Ort gelebt hat, weiß man, wo man seine Naturkosmetik und seine Lebensmittel herbekommt. Man kennt die Bio-Märkte, die veganen Restaurants, Aktivistengruppen und Foodshare-Möglichkeiten…

Wenn man für einige Zeit an einem Ort gelebt hat, weiß man, wo man seine Naturkosmetik und seine Lebensmittel herbekommt. Man kennt die Bio-Märkte, die veganen Restaurants, Aktivistengruppen und Foodshare-Möglichkeiten in seiner Gegend und weiß, wo es gute Secondhand-Läden oder ökologische Kleidung gibt. So war es auch für mich. Ich hatte mir eine kleine grüne Karte in meinem Kopf gebastelt. Doch mit meinem Umzug nach Toronto stand ich wieder vor einer Tabula Rasa. Ich wusste nicht, wie die Supermärkte und Einkaufsmöglichkeiten hier aussehen und wie verbreitet biologische und vegane Produkte sind. Zumal ist die Stadt so riesig, dass man sich nicht einfach schnell einen Überblick verschaffen kann.

Wie bin ich also vorgegangen? Zuallererst habe ich mir die gewöhnlichen Supermärkte angesehen. Das sind hier in Kanada vor allem No Frills und Loblaws. Ich hatte bereits erwartet, dass in Amerika alles etwas größer sein würde. Aber ich war dennoch beeindruckt, wie riesig die Supermärkte hier sind. Besonders geschockt war ich über die Obst- und Gemüseabteilung. Dort gibt es Erdbeeren, Heidelbeeren, Wassermelonen und anderes Sommerobst in Hülle und Fülle. Ich weiß, dass in Deutschland auch oft außer-saisonales Obst angeboten wird, doch hier scheint es wesentlich extremer. Man bekommt das Gefühl, als sei es ganz normal, dass man jetzt Erdbeeren kaufen kann. Das vegane sowie Bio-Angebot im „kleineren“ Supermarkt No Frills geht gegen Null. Loblaws bietet hingegen mehr an. Generell bin ich aber kein Freund großer Supermarktketten und so recherchiere ich nach Bioläden und Biomärkten. Ich suche gezielt nach einer Lebensmittelkooperative und stoße auf Karma Co-op.

Karma ist der Zusammenschluss vieler einzelner Personen zum gemeinsamen Einkaufen. Die Kooperative ist nicht auf wirtschaftlichen Gewinn aus und wird durch ihre Mitglieder geführt. Dafür, dass man seinen Teil zur Kooperative beiträgt, indem man zwei Stunden im Monat arbeitet, kann man dort relativ günstig einkaufen. Karma kauft seine Produkte direkt von Bauern und achtet auf ein regionales, biologisches, Gentechnik-freies Angebot. Letzterer Punkt ist hier viel relevanter als in Europa, denn Gentechnik ist hier erlaubt. Das Tolle ist, dass sie viele Produkte aus Großpackungen direkt verkaufen. Man kann sich ein Glas mitbringen und beispielsweise sein Olivenöl aus dem großen Container abfüllen. Auf diese Weise wird sehr viel Müll vermieden, was ich super finde. Außerdem bietet Karma auch Naturkosmetik und viele vegane Produkte an. Im Bezug auf Lebensmittel bin ich also sehr gut ausgestattet. Da der Laden etwas weiter weg ist, versuche ich mich mit einem Wocheneinkauf auszustatten.

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Doch wie ist es mit Restaurants oder Second-Hand-Läden? Generell gehe ich nicht sehr oft essen, aber ab und zu ist es eben doch ganz nett. Deshalb wühle ich mich erneut durch das Internet auf der Suche nach veganen Restaurants. Ich stelle mit einem strahlenden Gesicht fest, dass es hier sehr viele vegetarische und vegane Restaurants gibt. So viele, dass ich fast Lust bekomme, sie alle auszuprobieren. Von Feel Good Guru habe ich ja bereits in meinem ersten Kolumnenbeitrag berichtet. Bisher war ich nur dort und in einem anderen Restaurant, welches auch sehr lecker war. Ich habe das Gefühl, dass die vegane Küche in Toronto generell Wert auf einen hohen Rohkostanteil und gesunde Zutaten legt. Das sagt mir sehr zu und ich bin gespannt noch andere Restaurants auszuprobieren. Auch bei meiner Suche nach Second-Hand-Läden oder biologischer Kleidung hilft mir das Internet weiter. Nachhaltige Mode scheint in Kanada, obgleich vorhanden, nicht ganz so verbreitet zu sein wie in Deutschland. Allerdings habe ich einen Second-Hand-Laden bei mir in der Nähe gefunden, bei dem ich mir gleich noch ein wenig Winterkleidung gekauft habe.

Langsam strecke ich also meine Fühler aus und bastle mir wieder meine kleine grüne Karte. Diesmal allerdings nicht nur im Kopf, denn dafür ist mir Toronto zu groß und ich zu wenig vertraut mit der Umgebung. Deshalb habe ich auf meiner Stadtkarte alle wichtigen Anlaufstellen markiert. Eine kleine Internetrecherche ist eine große Hilfe um sich schnell in einer Stadt zurecht zu finden. Dennoch lasse ich mich auch gerne treiben und erkunde ohne Kartenmaterial. Auf diese Weise habe ich schon einige schöne Orte gefunden.

Bereitet ihr euch auch auf einen Aufenthalt in einer neuen Stadt durch Recherche vor? Was sind eure Erfahrungen nach einem Umzug? Lebt ihr euch schnell ein?

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Sonntagslektüre: Nimm dir Zeit für Gutes

Von der optimalen Reife und dem passenden Zeitpunkt Anlass für das Thema dieses Beitrags gab ein Gespräch mit meiner Schwester vor einiger Zeit, welches mich im Nachhinein sehr nachdenklich stimmte….

Von der optimalen Reife und dem passenden Zeitpunkt

Anlass für das Thema dieses Beitrags gab ein Gespräch mit meiner Schwester vor einiger Zeit, welches mich im Nachhinein sehr nachdenklich stimmte. Einleitend mit einer provokanten Frage, als ich sie in der Küche dabei antraf, wie sie gerade Paradeiser (Tomaten) für ihren Mozzarellasalat zubereitete, begann eine kurze, hitzige Diskussion. Leider scheiterten meine Versuche kläglich, sie davon zu überzeugen, dass es mehr als unnötig ist, im Jänner (Januar) dieses Gemüse zu kaufen. Ebenso wenig fruchtete mein Argument, dass unsere eigenen Paradeiser aus dem Garten im Sommer doch tatsächlichen, vollkommenen Geschmack haben und nicht nur wässrig und blass sind. Sie beendete das Wortgefecht damit, dass, solange es im Geschäft angeboten wird und sie die Möglichkeit zu solch einem Kauf hat, sie diese auch nützen wird. Da ich den gegenwärtigen Umstand nicht zu ändern vermag, gab ich mich geschlagen.

Die Rede ist von saisonalem Essen. Zugegebenermaßen ist es nett, dass wir aufgrund der Globalisierung auch in der Weihnachtszeit Zucchini aus Spanien eingeflogen bekommen, dass das ganze Jahr über Paprika verfügbar sind oder Erdbeeren im Februar zu verlockenden Preisen angeboten werden. Das ist alles wirklich nett, aber schlicht und ergreifend überflüssig und geschieht zum Leidwesen der Umwelt, regionaler Bauern und vergessener Obst- und Gemüsesorten. Die Zahl der Menschen, die auf ihre Ernährung achten und bewusst einkaufen gehen, steigt unaufhaltsam. Man versucht den Fleischkonsum zu reduzieren, regional zu kaufen, biologische Produkte sind beliebt. Auf die Saisonalität von Lebensmitteln wird allerdings gerne vergessen, sie ist das Stiefkind und findet weniger Beachtung. Aufgrund dessen nahm ich mich bei der eigenen Nase und machte mich erst einmal schlau, was es denn im Winter außer Karotten und Erdäpfeln (Kartoffeln) eigentlich noch gibt.

Nicht alles zu jeder, aber jedes zu seiner Zeit!

Glücklicherweise wird man im Internet schnell fündig, es gibt zahlreiche Saisonkalender, zum Beispiel den Biosaisonkalender von Global 2000, in verschiedensten Variationen zum Herunterladen, Ausdrucken und An-den-Kühlschrank-Kleben. Nun, im Winter – um bei der jetzigen und bezüglich frischem Obst und Gemüse ärmsten Jahreszeit zu bleiben – gibt es neben den oben erwähnten Lebensmitteln Eisbergsalat, Käferbohnen und Lauch, die allesamt viele Nährstoffe enthalten. Ebenso bieten sich Spätäpfel und Kren (Meerrettich) an. Darauffolgend im Frühjahr ist Spargel sehr beliebt, ideal sind auch Radieschen und Kohlrabi. Das ergibt auch schmackhafte Gerichte mit Bärlauch, der mittlerweile schon sprießt.

Sobald der Sommer Einzug hält kann sich jeder nach Herzenslust an Erdbeeren, Kirschen und Gurken satt essen. Sie wachsen zu dieser Zeit an der frischen Luft und in der Nähe. Im Herbst sind neben der Kürbissaison noch Mais, Sellerie und Birnen aktuell. Um jeden Interessierten gleich einmal auf den März einzustimmen, folgendes gibt es diesen Monat: Neben frischem Rucola- und Vogerlsalat (Feldsalat) kommt der Spinat. Spätäpfel und Walnüsse gibt es noch in den Lagern. Zusätzlich kann man mit Zwiebeln, Chinakohl, Roten Rüben, Karotten, Porree, Hokkaidokürbis, Knoblauch und Kohl Leckeres zaubern. Wie man erkennt, hält die Natur für jede Jahreszeit eine mannigfaltige Auswahl an Obst und Gemüse bereit, zusätzlich gibt es durch gute Lagerung teilweise auch verlängerte Verzehrzeiten.

Mehr als „nur“ Essen

Den persönlichen Speiseplan mit der jeweiligen Saison abzustimmen, ist zwar augenscheinlich nur ein kleiner Beitrag, doch birgt er meiner Ansicht nach zahlreiche Vorteile. Sämtliche Produkte kann man regional erwerben, sie sind frisch und reif. Außerdem wird die Umwelt durch kurze Transportwege und den Verzicht von energieaufwändig beheizten Glashäusern geschont. Ganz abgesehen davon setzen wir mit unser Ernährung und unserem Einkauf ein Zeichen. Wie allgemein bekannt ist, bestimmt die Nachfrage das Angebot. Ich für meinen Teil bin zwar noch kein „Saisonalitätsprofi“, aber ich will keine Erdbeeren – woher auch immer – im Dezember und deshalb kaufe ich sie nicht. Ich freue mich, sie im Mai selbst vom Feld zu pflücken.

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünscht.“ (Mahatma Gandhi)

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Grün im großen weißen Norden: Kalter Winter und warme Schokoladenerlebnisse

Kanada hatte es mir für den Anfang leicht gemacht. Die ersten beiden Tage meines Aufenthalts waren sehr mild, doch dann hatte der Winter meine Eingewöhnungsphase für lang genug befunden und…

Kanada hatte es mir für den Anfang leicht gemacht. Die ersten beiden Tage meines Aufenthalts waren sehr mild, doch dann hatte der Winter meine Eingewöhnungsphase für lang genug befunden und blies mit kräftigen Stößen Kälte und Schnee in das Land. Wenn es draußen schneit, ist das Fortkommen kaum möglich. Ich laufe konstant auf 20 cm platt getretenem Schnee und habe somit einen völlig unebenen Boden unter den Füßen. Zudem bläst einem mit etwas Pech der Schnee mitten ins Gesicht, sodass man nur nach unten schauen und hoffen kann, dass der Wind bald seine Richtung ändert.

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Genauso sahen die nächsten Tage meiner ersten Woche aus, aber stur wie ich bin, wollte ich trotzdem die Stadt erkunden. Gewappnet mit einem bis zur Nase hoch gezogenem Schal, Handschuhen und einer warmen Mütze zog ich los und erkundete die Straßen. In all seiner Härte ist der Winter auch wunderschön und lässt einen vor lauter zarter Anmut manchmal bloß staunen. Ich finde, Schnee bringt irgendwie jedes Mal wieder das Kind in einem zum Vorschein. Geht euch das auch so?

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Natürlich hatte ich mir ein paar interessante Anlaufstellen heraus gesucht, doch über die schönsten Dinge stolpert man meistens per Zufall. So erging es mir auch mit ChocoSol, ein kleiner unscheinbarer Laden, der mir das beste Schokoladenerlebnis meines Lebens bescheren sollte. ChocoSol ist ein kleiner handwerklicher Schokoladenbetrieb, der einen ganz besonderen sozialen Handel betreibt und Nachhaltigkeit sowie Qualität auf eine sehr hohe Stufe stellt. ChocoSol erhält den Kakao sowie verschiedene Gewürze direkt von Ureinheimischen des Urwaldes Selva Lacandona und den Bergen in Süd-Mexiko. Einer der Unternehmer von ChocoSol, Michael Sacco, hatte dort für eine Weile lang mit den Einheimischen zusammen gearbeitet und über den Kakaoanbau und dessen Weiterverarbeitung gelernt. In dieser Zeit entstand die Idee für ChocoSol. Der heutige Handel basiert also nicht nur auf geschäftlichen Interessen, sondern auf reziproken Beziehungen des gegenseitigen Lernens und vor allem Freundschaft.

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Im Schatten des Urwalds wird der Kakao angebaut und zwar in einer symbiotischen Beziehung zu anderen Pflanzen, die auch für die Schokolade verwendet werden. Die Valentinsschokolade, die man beispielsweise momentan kaufen kann, enthält Kakao, Vanille und Annatto. Der Annattostrauch (auch Lippenstiftbaum genannt) spendet den Kakaobohnen Schatten und der Kakao wiederum bietet der Vanille eine Gelegenheit zum Klettern (eventuell habe ich die Funktionen der Pflanzen vertauscht). So sind die drei Zutaten nicht nur im fertigen Produkt, sondern bereits während ihres Wachstums in perfekter Symbiose.

Die gesamte Herstellung findet in dem kleinen Laden in Toronto statt. Der Prozess von der Kakaobohne und anderen natürlichen Zutaten bis hin zur fertigen Schokolade dauert in etwa zweieinhalb Tage. Das Chocolatier-Team von ChocoSol verwendet traditionelle Verarbeitungstechniken für die Kakaobohnen. So kann man in der Küche beispielsweise ein Stein-Mahlwerk sehen. ChocoSol setzt auf Lokalität, möglichst geringe Verarbeitung, natürliche Zutaten, verschiedene Arten von Kakaobohnen und traditionelle Methoden. So ist die Schokolade auch zu 100% vegan.

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Das Produkt, das dabei herauskommt, ist einzigartig gut. Ich muss ungelogen sagen, dass es die beste Schokolade ist, die ich je gekostet habe. Durch das Verarbeitungsverfahren kann man die Konsistenz der Zutaten erkennen. Sie hat etwas erdiges, natürliches. Der Geschmack ist voll, rund und wirklich unbeschreiblich gut. Neben der oben beschriebenen Geschmacksrichtung gibt es auch Schokolade mit Chili, eine mit Hanf, eine mit Kokos und sogar eine hundertprozentige Schokolade, die aber trotzdem eine Tafel ist.

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Der letzte Aspekt, der ChocoSol für mich zu einem besonderen Unternehmen macht ist der Gedanke der Nachhaltigkeit. Die Firma führt eine Zero-Waste Politik und möchte ihren Müll damit nahe bei Null halten. Die Kunden werden dazu eingeladen, selbst Behälter mitzunehmen, in die die Schokolade gepackt werden kann. Die Schalen der Kakaobohnen werden zum einem als sehr leckerer Tee verkauft, zum anderen dienen sie als äußerst effektiver Dünger im Garten. Alle anderen Pflanzenreste, die anfallen, wie etwa Minze, Chili und Kokos werden zusammen gemischt und auf dem Garagendach wieder angebaut oder an freudige Gärtner weitergegeben. Natürlich muss man den Kakao hierher transportieren, was unweigerlich mit CO2-Emissionen einhergeht. Aber vielleicht können wir Kakao in Maßen genießen.

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ChocoSol hat auf jeden Fall etwas von dem magischen Maya-Geist, der ihrer Schokolade innewohnt. In dem Laden geht es nicht um Kommerz, sondern um das Zelebrieren einer Gottesfrucht, die von den Azteken als heilig erachtet wurde. Und mir? Mir spendet die edle Schokolade in dieser kalten Zeit innere Wärme. Und ich bin inspiriert von der Arbeitsweise und wünsche mir, dass sich solche Unternehmensideen weiter verbreiten in unserer Welt. Beim nächsten Mal berichte ich euch von einer Food-Coop, von der ich jetzt ein Teil bin.

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