Eco. Life. Style.

Schlagwort: Recycling

Tetra Pak-Recycling – Selbstgemachte Geldbörse in zwei Minuten

Und das Beste daran: Du wirst alles, was du dafür brauchst, schon zu Hause herumliegen haben. Ach, also von vorne. Ich sollte eigentlich gerade Umzugskisten packen, lasse mich aber zu…

Und das Beste daran: Du wirst alles, was du dafür brauchst, schon zu Hause herumliegen haben.

Ach, also von vorne. Ich sollte eigentlich gerade Umzugskisten packen, lasse mich aber zu gerne ablenken. Diese Portemonnaies sind mir beim Packen in die Hände gefallen. Ich hatte früher jahrelang keine andere Geldbörse, irgendwie sind sie aber etwas in Vergessenheit geraten. So ein Umzug hat also doch auch seine guten Seiten, bei all den kleinen und grösseren Schätzchen, die man so findet.

Du brauchst:
• Tetra Pak
• Gummiband
• Schere
That’s it!

Wasche die Tetra Pak Verpackung gut aus und lasse sie trocknen. Es spielt absolut keine Rolle, welche Grösse oder Form du wählst. Am besten eignen sich die etwas breiteren Packungen mit einem Volumen von einem oder zwei Litern. Ich zeige euch mit Hilfe einer grossen Eisteepackung wie es gemacht wird. Ab einer Grösse der Vorderseite von ca. 20 mal 9 Zentimeter lassen sich auch Karten in Kreditkartengrösse darin aufbewahren.

Los geht’s: Schneide die Ober- und Unterseite des Tetra Paks ab.

Danach die Seitenteile jeweils im unteren Drittel herausschneiden. Du kannst das nach Augenmass machen, es muss nicht auf den Millimeter genau sein. Nun falte die Seitenteile nach innen und streiche die Kanten gut glatt.

Nun falte den Teil, bei dem du nichts herausgeschnitten hast, in der Hälfte zusammen.

Schmälere und kürze die innere der beiden abstehenden Laschen etwas. Jetzt kannst du sie nach hinten umschlagen, in das äussere Fach der Geldbörse schieben und wieder gut glattstreichen.

Runde nun die Ecken der zweiten Lasche (also des Verschlusses) etwas ab, um eine schöne Form zu erhalten. Mache mit der Schere, einer Lochzange oder einem spitzen Gegenstand, wie zum Beispiel einer Stricknadel, zwei Löcher in die Verschlusslasche. Führe ein Gummiband zum Verschliessen von hinten durch beide Löcher und ziehe die eine so entstandene Schlaufe durch die andere. Fertig!

Deiner Phantasie sind bei der Gestaltung natürlich keine Grenzen gesetzt. Du kannst vor dem Zusammenstecken alle Schnittkanten mit Isolierband einkleben, damit die Geldbörse etwas langlebiger ist. Als Verschluss kannst du auch einen Druckknopf oder Klettverschluss befestigen. Damit der Kleber für den Klettverschluss auf der glatten Oberfläche auch hält, raue diese mit einer Nagelfeile oder etwas Schleifpapier an.

Viel Spass beim Kreieren deiner individuellen Geldbörse!

4 Kommentare zu Tetra Pak-Recycling – Selbstgemachte Geldbörse in zwei Minuten

Was ist eigentlich… Upcycling?

Anschließend an meinen Artikel zum Thema Recycling, Upcycling und Downcycling möchte ich in einer kleinen Serie auf jede der einzelnen Formen des nachhaltigen Produzierens und Wiederverwertens eingehen. Die meisten Menschen,…

Anschließend an meinen Artikel zum Thema Recycling, Upcycling und Downcycling möchte ich in einer kleinen Serie auf jede der einzelnen Formen des nachhaltigen Produzierens und Wiederverwertens eingehen.

Die meisten Menschen, denen ich begegne, haben zwar schon von Recycling gehört, aber beim Thema Upcycling treffen mich tausend Fragezeichen. Gibt man das Wort bei Google ein, wird man nicht nur mit Links zu Homepages, sondern auch mit Bildern wahrlich überschwemmt! Totale Unwissenheit trifft Reizüberflutung. Dabei ist Upcycling gar nicht so neu, aber es ist erst seit kurzem unter dieser englischen Bezeichnung bekannter geworden.

Was also ist Upcycling jetzt genau?

Um es mit einem guten Zitat auszudrücken: „Es geht also nicht um die einfache Verbesserung des Recyclings, dass [sic!] in der Praxis oft ein Downcycling ist, sondern um ein UpCycling, UpSizing, also um echte Mehrwertschöpfung.“ (Johannes F. Hartkemyer: „Upcycling“, Seite 11)

Es hat also Ähnlichkeit zu Recycling, denn Abfall oder bereits verwendete Stoffe werden weiter verwendet, doch es ist noch besser, denn die Stoffe werden aufgewertet und das Endprodukt ist von höherer Qualität. Das klingt jetzt alles sehr schwammig und langweilig, aber macht einfach einmal den Selbstversuch und gebt das Wort „Upcycling“ in die Google-Suchleiste ein. Ihr werdet erstaunt sein, wie viele Bilder und Anregungen ihr findet! Mit ein bisschen Kreativität kann man so einiges erschaffen und hilft ganz nebenbei, Müll zu vermeiden, beziehungsweise die Umwelt zu schonen, indem man weniger Müll produziert.

Facts

Laut einer Statistik des Chelsea College of Art & Design in London werden mehr als eine Million Tonnen Textilien jedes Jahr weggeworfen, 25 Prozent davon werden recycelt oder upcycelt. Davon gehen alleine 70 Prozent in Second-Hand-Kleidung über und genauso viele Prozent der Weltbevölkerung nutzen diese. Die Kehrseite der Medaille: Es werden jährlich alleine in Großbritannien 2,15 Millionen Tonnen Kleidung und Schuhe pro Jahr konsumiert. Natürlich ist das nur eine Statistik unter vielen zum Thema Upcycling und Kleidung, aber es beweist doch, dass sich etwas tut in der Welt und wenn es nur kleine Schritte sind, dann sind es wenigstens diese.

Do it!

Was spricht dagegen, Gurken- oder Marmeladegläser als Aufbewahrung für Schrauben oder Knöpfe zu verwenden? Oder man näht sich aus der ausgedienten Hose eine Aufbewahrungstasche für die Wand, um Schlüssel, Postkarten oder ähnliches aufzubewahren. Um etwas aufwändiger zu denken – man kann sich auch seine Wohnzimmercouch komplett selbst aus Europaletten bauen. Die Kosten sind verschwindend gering im Vergleich zum Neukauf, man schont Ressourcen und betätigt sich kreativ.

upcycling-bank

Bild: Magdalena & Lisa / weupcycle.com

Falls du jetzt hoch motiviert bist, etwas zu erschaffen, aber dir irgendwie die Ideen fehlen, keine Sorge. Das Internet ist voll von Ideen, lass dich einfach inspirieren! Probiere es doch mal hier: andersdenken.at/upcycling-kreativitaetstraining Hier finden sich mehr als 80 Upcycling-Ideen in Form von Bildern und Texten, die sicherlich jedem einen kleinen Denkanstoß verpassen. Oder du bleibst hier auf The bird’s new nest und suchst nach „DIY“, wo du laufend neue DIY-Projekte, auch zum Thema Upcycling findest.

Fazit

Upcycling kann ein wenig mehr als Recycling, ist für jeden zugänglich und in seiner kleinsten Form auch für jeden anwendbar. Man kann also mit vielen kleinen Schritten sein Zuhause schöner machen und dabei das gute Gefühl haben, selbst an der Idee und Gestaltung beteiligt gewesen zu sein und die Umwelt so ein bisschen entlastet zu haben. Gute Sache, oder?

Keine Kommentare zu Was ist eigentlich… Upcycling?

Recycling, Upcycling und Downcycling

An den Adventwochenenden stand ich mit meiner Upcycling-Ware auf einem Kunsthandwerksmarkt und geschätzt alle zehn Minuten kam die Frage: „Was ist denn das überhaupt?“ Oder der belustigt ausgerufene Satz: „Ach,…

An den Adventwochenenden stand ich mit meiner Upcycling-Ware auf einem Kunsthandwerksmarkt und geschätzt alle zehn Minuten kam die Frage: „Was ist denn das überhaupt?“ Oder der belustigt ausgerufene Satz: „Ach, das ist doch so neu-deutsch für Recycling, nicht?“ Am allerbesten hat mir aber gefallen: „Ach, das ist aber eine lustige Idee!“ Mindestens genauso viele Menschen blieben stehen und stellten Fragen, waren interessiert und erfreuten sich an der Kunst. Sie nahmen sich die Zeit um ein Gespräch aufzubauen und sich über Recycling, Upcycling und Downcycling auszutauschen. Viele Menschen sind noch nicht darüber informiert, worum es bei diesen nachhaltigen Systemen geht. Deshalb finde ich es wichtig, einmal zu erklären, was man unter diesen drei Begriffen versteht.

Wie definiert sich eigentlich Recycling, Upcycling und Downcycling?

Um diese Frage zu beantworten, muss man zuerst herausfinden, wie das klassische Recycling definiert wird. Grundsätzlich beschreibt dieses Wort das Verwertungsverfahren, durch das Abfälle zu weiterverwendbaren Stoffen oder Materialien werden. Das schließt auch organische Stoffe ein. Rein gesetzlich spricht man erst von Recycling wenn das verwendete Ausgangsmaterial zuvor wirklich Abfall war, zum Beispiel Papiertaschentücher, die zu 100 Prozent aus recyceltem Papier hergestellt werden.

Jetzt zu dem Verfahren, das noch am wenigsten bekannt ist: Downcycling. Davon spricht man, wenn das Material bei der Wiederverwertung nicht mehr die ursprüngliche Qualität erreichen kann. Trotzdem ist es genauso wichtig wie Recycling oder Upcycling, denn die Stoffe werden trotz allem weiterverwendet, wenn auch mit Qualitätseinbußen. Ein Beispiel wären hier Kunststoffflaschen. Bei vertretbarem Aufwand sind sie weiter verwendbar, jedoch nicht unbegrenzt und wie schon erwähnt mit Qualitätsverlust.

recycle-57136_640

Bild: Shirley / pixabay.com

Last but not least, Upcycling. Hierbei werden Abfallprodukte oder durch ihre bisherige Verwendung nutzlos gewordene Stoffe oder Materialien durch bestimmte Verfahren aufgewertet und zu qualitativ hochwertigeren Stoffen oder Endprodukten gemacht. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, Upcycling kann mit so gut wie jedem Material betrieben werden. Zur Zeit sehr beliebt und ein passendes Beispiel: Möbelstücke aus Europaletten.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Im Grunde genommen ist es aber egal, was man tut, Hauptsache man tut irgendetwas! Ob es nun Upcycling, Downcycling oder Recycling heißt, jedes Wiederverwertungssystem ist wichtig und sollte ausgeschöpft werden. Dabei kann man auch sehr kreativ sein, die Umwelt schützen und Neues erschaffen, entweder für den Eigengebrauch oder, wie es schon sehr viele tun, zum Weiterverkauf.

Natürlich reichen drei so kurze Absätze nicht, um die komplette Thematik hinter den drei Verfahren komplett zu beschreiben, darum wird es in weiterer Folge von mir noch detailliertere Artikel zu den einzelnen Themen geben. Schließlich ist es nicht nur wichtig, Gutes zu tun, sondern auch wichtig zu wissen, wie man es tut!

1 Kommentar zu Recycling, Upcycling und Downcycling

Nachhaltigkeit: Trend oder Veränderung?

Nachhaltigkeit scheint eine immer größer werdende Aufmerksamkeit und damit verbundene Beachtung zu bekommen. Der Grund ist vermutlich die auch von Politikern angesprochene negative Veränderung unserer Umwelt. Eine bereits nicht unerhebliche…

Nachhaltigkeit scheint eine immer größer werdende Aufmerksamkeit und damit verbundene Beachtung zu bekommen. Der Grund ist vermutlich die auch von Politikern angesprochene negative Veränderung unserer Umwelt. Eine bereits nicht unerhebliche Anzahl von Menschen hat längst begonnen, bewusster zu leben: Bewusster umweltbewusst.

Ist das Interesse an Nachhaltigkeit nun einfach nur ein Trend oder eine langfristige Veränderung? Ein Trend ist eine neue Meinung beziehungsweise Ansicht, die in der Vergangenheit nicht präsent war oder nur durch Wenige vertreten wurde. Stößt ein Trend auf das Interesse von vielen Menschen, löst dies eine gesellschaftliche Bewegung aus. Eine Veränderung ist in der Regel mit einem Ziel verbunden, das erreicht werden soll. Demnach lässt sich Nachhaltigkeit der Veränderung zuordnen, da es das Ziel ist, der Umwelt nicht mehr zu entnehmen, als verfügbar ist. Zusätzlich beschäftigt sich Nachhaltigkeit durch die Nutzung natürlicher Ressourcen auch damit, die Umwelt nicht oder nicht mehr als überhaupt nötig zu belasten. Doch wie lässt sich dies tatsächlich umsetzen?

Vor allem sollte man berücksichtigen, dass kein Mensch perfekt ist, aber jeder die Möglichkeit hat, bei sich selbst zu beginnen. Ob man ab sofort recyclingfähige Verpackungen kauft oder zu einem Ökostrom-Anbieter wechselt spielt letzten Endes keine Rolle. Das Wichtigste ist, dass man sich mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt und einen Schritt in die Richtung geht, die man für sich gewählt und als richtig befunden hat. Vorwürfe hingegen helfen nicht, sie verleiten nur zu Diskussionen und Streitereien, die nicht nur kraftraubend sind, sondern auch unnötig. Schließlich kann man niemanden dazu zwingen – in diesem Punkt lebt es sich mit dem Motto „Leben und leben lassen“ am Besten.

Um zurück zur eigentlichen Frage zu kommen, wie sich Nachhaltigkeit tatsächlich umsetzen lässt, hier einige Anregungen:

• Energiesparlampen benutzen

• Beim Kauf von Waschmitteln darauf achten, dass keine Weichmacher enthalten sind – die übrigens auch die Kleidung strapazieren

• Statt zur Post mit dem Auto zu fahren, laufen oder das Fahrrad benutzen

• Weniger Fleisch essen: „Eine Senkung der Fleischproduktion würde den Klimawandel bremsen und gleichzeitig Hunderttausende Todesfälle durch Herzerkrankungen verhindern.“ Sueddeutsche.de

• Vorausschauende Fahrweise im Auto: Spart Sprit und schont die Umwelt, zum Beispiel wenn von weitem eine rote Ampel in Sicht ist, Fuß vom Gas nehmen und den Schwung ausnutzen

• Elektronische Geräte komplett abschalten, Stecker ziehen oder Schalter an Mehrfachsteckern umlegen. Auch im Standby-Modus wird Strom verbraucht.

• Regionale Lebensmittel einkaufen, Transporte stoßen viel CO2 aus.

• Stofftaschen statt Plastiktüten kaufen, diese sind stabiler und wesentlich umweltfreundlicher.

• Wäsche mit niedriger Temperatur waschen, für die meisten Waschmittel reichen 30 bzw. 40 Grad aus um die Wäsche zu reinigen. AEG führt übrigens seit neuestem Öko-Waschmaschinen.

• Fenster abdichten lassen, sodass weniger geheizt werden muss.

• Unter Tags lieber ein- bis zweimal mit offenen Fenstern für zwei Minuten lüften, anstatt Fenster ständig gekippt zu lassen.

• Innerorts im vierten oder fünften Gang fahren. Fahren mit hoher Drehzahl erhöht den Treibstoffverbrauch.

Mein letzter Punkt ist gegenseitiger Respekt. Gegenseitiger Respekt ist insofern nachhaltig, da so zwischenmenschlicher Stress reduziert werden kann, was einerseits das Leben angenehmer macht und uns andererseits so mehr Energie über bleibt, um Rücksicht auf unsere Umwelt zu nehmen. Und dies auch gegenüber Menschen, die sich nicht so sehr mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen, schließlich ist das Leben kein Wettbewerb und niemand sollte zu etwas gezwungen werden, das er nicht möchte. Jeder Mensch findet seinen eigenen Weg, ob mit oder ohne Fleisch oder Ökostrom. Jeder kann, aber niemand muss!

2 Kommentare zu Nachhaltigkeit: Trend oder Veränderung?

Bonner Comebacks: Aus alt macht neu

Aus-alt-macht-neu-Konzept. Die kleingeschriebene Zeile in der U-Bahn von Bonn, von deren Existenz ich bis vor ein paar Tagen noch nicht einmal gewusst habe, zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. 2007 haben…

Aus-alt-macht-neu-Konzept. Die kleingeschriebene Zeile in der U-Bahn von Bonn, von deren Existenz ich bis vor ein paar Tagen noch nicht einmal gewusst habe, zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. 2007 haben sich die Stadtwerke Bonn entschlossen, statt 25 neue Bahnmodelle die ältesten Fahrzeuge wieder zu beleben. Da wurde die letzten Jahre in den eigenen Werkstätten geschraubt, entkernt, demontiert, Fahrerkabinen vergrößert und alle Züge mit Energie sparenden Antrieben versorgt: Kurz, keine Schraube der B-Wagen aus den Jahren 1974 bis 1977 blieb auf der anderen. Heraus kam das “Comeback des Jahres”, wie die lokalen Zeitungen die Jungfernfahrt dieser re- oder besser gesagt upcycelten Stadtbahnwagen im März euphorisch gefeiert haben.

Aus alt macht neu: Vor dieser Herausforderung standen wohl nicht nur die Bonner Öffis, es ist eine Idee, mit der sich die ganze Stadt beschäftigen muss(te). Was ist denn eigentlich aus Bonn geworden, fast 15 Jahre, nachdem es seine Identität als deutsche Hauptstadt verloren hat?

Was die Bonner im Sommer tun? Das Leben am Rhein und im Grün genießen, was sonst?! Foto: Doris

Was die Bonner im Sommer tun? Das Leben am Rhein und im Grün genießen, was sonst?! Foto: Doris

Statt der erwarteten, ausgestorbenen Betonklötze empfangen mich schicke Stadthäuser mit fein säuberlichem Blumengesteck an den Fenstern. Wo früher die deutsche Verwaltung zugange war, haben Institutionen der UNO oder auch die Zentrale von Fairtrade einen Hauch des Internationalen gebracht. Nicht steife Anzugträger mit Aktentaschen und forschem Schritt bevölkern die überschaubare Innenstadt, sondern junges, lässiges Publikum – noch haben sie keine Ferien, die Studenten. Statt fadem Grau-in-Grau begrüßt mich Bonn mit viel Grün, auf dem sich die Leute an Sommertagen wie diesen gern breit machen, pflastersteinigen Fußgängerzonen – und natürlich dem Rhein. An der Uferpromenade wird gejoggt und flaniert oder Rad gefahren, je nach Belieben, sicher aber die viel besprochene Geselligkeit der Rheinländer in den Biergärten unter Beweis gestellt. Von denen gibt es übrigens entlang der Promenade so viele, dass man es nie bis ins 82 km entfernte Koblenz schafft, auch wenn das theoretisch möglich wäre. Doch ein “Bönnsch”, wie das Bier hier in Bonn genannt wird, geht immer. Soviel habe ich schon gelernt…

Wer mit dem Bönnsch in der Hand am Rhein entlang radelt... Foto: Doris

Wer mit dem Bönnsch in der Hand am Rhein entlang radelt… Foto: Doris

Manchmal komme ich “zufällig” an Orte, die mich positiv überraschen. Bonn und die Region, deren Siebengebirge die Einheimischen ob ihres Erholungswerts zum Schwärmen bringt, zählen dazu. Gezielt auf meine “Bucket-List” hätte ich die Stadt, die schon wegen ihrer leichten Begehbarkeit das Dörfliche nicht abstreifen kann (will sie es?), aber nicht gesetzt. Damit bin ich wohl nicht allein.

“Wir möchten die Reisenden anziehen, die sich bisher nicht für Bonn interessiert haben”, erklärt mir Thomas Lenz, seines Zeichens PR-Berater des “BaseCamp Young Hostel”. Was hier im in die Jahre gekommenen Industrieviertel entstanden ist, ist ein einzigartiges Konzept, nicht nur für die rund 307.500 Einwohner-Stadt am Rhein, sondern weltweit: Inspiriert von einem Teil des Berliner Hüttenpalast ist vor Kurzem das Base Camp entstanden. Ein …  ja, was ist denn überhaupt?

Indoor-Camping, Event-Camping, Übernachten in historischen Wohnwägen – die Namen tragen der Idee kaum Rechnung. „Wir sind eine schlafbare Kunstinstallation„, beschreibt es Lenz, der mich gemeinsam mit seinem Kollegen Clemens Brecht durch die frühere Parfüm-Lagerhalle führt. Wo vor einigen Jahren noch Lancôme seine Düfte gestapelt hat, strahlen jetzt 15 Campingwägen um die Wette. Rockabillies, Hausboot, Flowerpower, Safari, …. – wer hier übernachten möchte, der hat die Wahl der Qual. Jeder der alten Wägen, die – klischeegerecht – vor allem aus Holland und Osteuropa importiert worden sind, trägt einen sprechenden Namen.

Safari, Jägerhütte oder Drag Queen? Welchen nehm ich denn heute? Foto: Doris

Safari, Jägerhütte oder Drag Queen? Welchen nehm ich denn heute? Foto: Doris

Und nicht nur das: Die Film-Plastikerin Marion Seul hat die Campingwägen in bewohnbare Kulissen verwandelt. Stilecht hat die Bonnerin, die dem Namen ihres Unternehmens „Blendwerk Werkstatt – Atelier Für Unbeschaffbares“ alle Ehre macht, Requisiten – oder vielmehr Einrichtung – vom Flohmarkt und Trödler geholt. “Es geht um die Liebe zum Detail”, erzählt sie mir, die heute zufällig ebenfalls im BaseCamp vorbeischaut. Es ist ihr erster Tag nach dem Segelurlaub – ihrem ersten seit fünf Jahren – und schon geht sie wieder frisch ans Werk, denn noch ist die Dekoration der Airstreams ausständig. Auch den kleinen “Schrebergärten”, die vor jedem Wagen zu finden sind, fehlt der letzte Schliff.

Jeder Wagen hat einen kleinen Garten vor der Wagentür. Foto: Doris

Jeder Wagen hat einen kleinen Garten vor der Wagentür. Foto: Doris

Für Außenstehende wie mich ist dieser Work-in-progress nicht wahrnehmbar. Da strahlt der prunkvoll überladene Wagen “Drag Queen”, der in Kinderaugen gern als pinker Prinzessinnenwagen durchgeht (ja, eigene Assoziationen sind erlaubt), innen und außen mit Glitter-Glamour als gäbe es kein Morgen. Gegenüber übt sich “Zen” in Askese, buddhistische Gebetsfahnen sind sein einziger Schmuck. Und beim Anblick des Weltenbummler-Campers, der ganz in Stadt- und Landkarten gehüllt ist, schlägt mein Reiseherz höher. Entschieden, der wäre meiner!

MEINER. Der Weltenbummler. Foto: Doris

MEINER. Der Weltenbummler. Foto: Doris

Wie gut, dass Geschmäcker und Ansprüche unterschiedlich sind, denke ich mir, als mich Thomas Lenz zu den zwei Zügen führt. Hier lässt sich in Schlaf- oder Liegewägen das nachempfinden, was ich schon bei meiner Anreise von Wien nach Bonn im Zug live erlebt habe: Eine Übernachtung auf engstem Raum mit Sardinengefühl und Ohrschutzpflicht. Perfekt… vielleicht nicht für mich, dafür aber für Schulklassen oder Jugendgruppen. “Anders als in einer Herberge mit Zimmern auf mehreren Stockwerken können hier Aufsichtspersonen alle im Blickfeld haben”, macht mir Lenz klar, “und die Schüler erleben pures Abenteuer.” Wie zum Beispiel, wenn sie – wie schon passiert – die Halle mit den Rollschuhen erobern, die eigentlich zu Deko-Zwecken auf einem Camper-Dach montiert waren.

Schlafen in der Bahn? Das habe ich live, andere buchen dafür das BaseCamp. Foto: Doris

Schlafen in der Bahn? Das habe ich live, andere buchen dafür das BaseCamp. Foto: Doris

Gut, dass man im BaseCamp flexibel ist: Eine Einstellung, die es nicht nur bei Jugendgruppen, sondern auch für Veranstaltungen braucht. Dass die Räumlichkeit, die technisch alle Stücke spielt, für Events taugt, hat sie bereits unter anderem bei der Social Bar unter Beweis gestellt. Weitere Gelegenheiten werden sicher folgen: “Wir sind überrascht, wie viele Bonner Interesse an unserem Platz haben”, wundert sich Lenz über Schaulustige, die noch vor der offiziellen Eröffnungsfeier Ende des Monats zu Besuch kommen, oder über lokale Familien, die samt Kind & Kegel hier Auszeit von ihrer Heimatstadt nehmen.

Ein Abenteuerspielplatz ist das BaseCamp auch draußen. Außerdem können die Wohnwägen auchfür Events z.B. dorthin gefahren werden. Foto: Doris

Ein Abenteuerspielplatz ist das BaseCamp auch draußen. Außerdem können die Wohnwägen auch für Events z.B. dorthin gefahren werden. Foto: Doris

Sprachs, und zeigt mir die Toiletten und Badezimmer, die in der Halle eingebaut wurden – wie es sich für einen “echten” Campingplatz gehört. Eher außergewöhnlich für einen eben solchen ist hingegen die Putzfrau, die in dem Moment mit weißer Bettwäsche ihr Rollwägelchen an mir vorbei zieht. “Darf ich ein Foto machen?” Die Dame mit Migrationshintergrund versteht meine Frage nicht, doch ein Anruf bei ihrem Sohn hilft: Ja, freilich, übersetzt dieser, und schon wirft sie sich in Pose. Schön platziert vor dem originalen Trabi-Zelt, das auf dem Kult-Wagen angebracht ist. Auch darin kann man natürlich übernachten.

Eine Putzfrau auf dem Campingplatz? Das BaseCamp ist eben anders. Foto: Doris

Eine Putzfrau auf dem Campingplatz? Das BaseCamp ist eben anders. Foto: Doris

Die Führung geht weiter – ins zweite Geschoß, wo allmorgendlich auf neu renovierten Schreinerbänken mit sündteurer Glasdecke das Frühstücksbuffet serviert wird. An der Wand stehen alte knatschblaue Kinostühle, die einem ehemaligen Bonner Filmtheater entnommen wurden und wohl genauso weggeworfen worden wären wie die mit ihren 10 Jahren fast schon „antiquen“-TV-Bildschirme. Hier sind auch diese wieder zu etwas gut, und sei es “nur” zur Deko der Küche.

Einmal im BaseCamp, einmal in der Bonner Innenstadt – Telefonzellen werden hier zu Bücherkästen. Foto: Doris

Oder um wie die knallrote Telefonzelle im Zwischengeschoß als Bücherregal herzuhalten – eine Idee, mit der das Base Camp übrigens einmal Bonn zitiert. Denn auch dort wurde in deutscher Pragmatik ein unnötig gewordenes Geschenk der britischen Insel zu einer Tauschbörse für gebrauchte Bücher umfunktioniert.

Das Pappsatt macht genau das - und passt genau in den Vorgarten des BaseCamps. Foto: Doris

Das Pappsatt macht genau das – und passt genau in den Vorgarten des BaseCamps. Foto: Doris

Nach ein paar Stunden muss ich mich vom BaseCamp verabschieden, nicht aber vom Upcycling-Konzept: Vor den Toren der früheren Lagerhalle steht das “Pappsatt“Damit hat sich der ehemalige Manager aus der Versicherungsbranche, Peter Genske, seinen Kindheitstraum Traum erfüllt: Neben seinem Catering-Geschäft hat er einen mobilen Burgerladen eröffnet – und als Autodidakt einen ausrangierten US-amerikanischem Vorbild Schulbus mit Küche (Zimmer, Kabinett) ausgestattet. Mit Fleisch von einem Bonner Partner, überraschend frischen Brötchen – ebenfalls von einem regionalen Bäcker –, selbst gemachten Pommes und würzigem VeggieBurger (me-me-me) erfreut er seit acht Wochen nicht nur Passanten und Vorbeifahrer, die nach Bonner Tradition schon einmal zwanzig Minuten vor geschlossenem Schranken auf die Bahn und somit die Überquerung der Schienen warten. Auch die Gäste des Base Camps sowie des angrenzende Bonnox Boarding House & Hotel, das dem gleichen Besitzer gehört, sind nur die ersten, durchaus zufriedenen Probeesser: Bald wird der Ansturm noch größer, denn gegenüber werden in Kürze täglich 300 – 400 Arbeiter auf der Großbaustelle erwartet. Was als Industriegebiet eher heruntergekommen ist, soll nämlich zu einem hippen Wohnviertel werden und scharrt als nächstes “Comeback des Jahres” schon in den Startlöchern. Wie war das noch einmal mit dem Bonner Aus-alt-macht-neu-Konzept?

 

Offenlegung: Danke an die Region Bonn für die Einladung, unser erstes Treffen der offenen Plattform für deutschsprachige Reiseblogger bei Euch abhalten und die Gegend erkunden zu können! Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben meine eigenen.

12 Kommentare zu Bonner Comebacks: Aus alt macht neu

Was möchtest du finden?